Die Hamburger Klinik-Helden. Der Podcast über Berufe mit Sinn. Vom Hamburger Abendblatt und dem Verband der freigemeinnützigen Krankenhäuser in Hamburg. Die Freien. Waren Sie schon einmal auf der Intensivstation im Krankenhaus und haben vielleicht Angehörige besucht oder lagen sogar selbst dort? Da ist immer irgendwo ein Alarm. Es piept, klingelt, Menschen liegen inmitten von Kabeln und Monitoren. Also die Arbeit auf der Intensivstation kann man wörtlich nehmen, denn sie ist vor allem eins, intensiv. Moin und herzlich willkommen zu Hamburger Klinik Helden, dem Podcast über Berufe mit Sinn. Heute ist Maria Barbara Otto bei mir im Studio. Sie leitet die Intensivstation im israelitischen Krankenhaus Hamburg und bringt Menschen nicht nur durch schwere Zeiten, sondern auch gern zum Lachen. Ich bin Wiebe Bökemeyer und ich freue mich auf dieses besondere Gespräch. Schön, dass Sie Zeit für uns gefunden haben, Frau Otto. Herzlichen Dank für die Einladung. Eigentlich wollte ich sie als erstes fragen, wie sie ihre Arbeit jemandem erklären, der vom Klinikalltag so gar keine Ahnung hat. Aber dann habe ich heute Morgen einen Post auf LinkedIn gesehen. Da schreibt ein Intensivpfleger über seinen Nachtdienst. Das würde ich Ihnen gerne mal vorlesen.
Er schreibt, da gibt es kein Netflix, kein Feierabendbier. Dafür einen Patienten, der plötzlich die Nationalhymne summt. Einen Perfusor, der mich um 2.37 Uhr weckt, weil er denkt, sein Leben sei vorbei. Und einen Kollegen, der sagt, ich habe da mal schnell einen Zugang gelegt. Am Fuß, mit Taschenlampe, im Halbschlaf. Respekt. Fun Fact, ich habe heute Nacht drei Zugänge gelegt, zwei Beatmungsgeräte umgestellt und einen Löffel Joghurt gegessen. Das war mein Abendessen um 5.42 Uhr. Also er sagt, ich schwöre, ich kann auch um drei Uhr noch eine Arterie treffen, wenn er genug Kaffee gehabt hat. Sagen Sie mir, ist das Realität? Das ist sicher Realität, sicher nicht auf allen Intensivstationen dieser Welt.
Aber das gibt es ganz bestimmt. Er beschreibt so ein bisschen den Spagat, in dem man da unterwegs ist. Dass man eigentlich müde ist und kaputt ist und auf der anderen Seite kein großes Licht anmachen will, weil man den Patienten nicht wecken will und trotzdem seine Arbeit machen muss. Daran habe ich jetzt überhaupt nicht gedacht. Also ich hätte jetzt gedacht, wenn was gemacht werden muss, muss es gemacht werden. Ja, das stimmt und eigentlich braucht man dafür auch Licht, aber das mit der Taschenlampe ist gar nicht so weit hergeholt. Also wenn man so kleine Aufgaben hat, wo man ja eben nicht so viel Licht braucht, dann gehen wir auch schon mit Taschenlampe durchs Zimmer und gucken an irgendeinem Gerät, ob da noch genügend Medikamente drin sind oder so. Das kommt schon vor. Ich bin ja nun schon sehr lange dabei und früher hat man im Nachtdienst ganz viele Dinge gemacht. Da hat man die Patienten gewaschen und ich weiß nicht was alles. Nachtdienst? Im Nachtdienst. Oh, da würde ich mich aber als Patientin bedanken, wenn sie nachts um drei, also es ist schön vielleicht sauber gemacht zu werden, aber ich glaube da würde ich lieber schlafen. Ja, genau. Da haben wir uns hin entwickelt. Also wir tun im Nachtdienst wirklich nur das, was dringend nötig ist am Patienten. Also gibt es ja auch noch viele andere Arbeiten, die gemacht werden müssen. Aber wir versuchen schon den Tag-Nacht-Rhythmus der Menschen nahe zu kommen. Sagen wir es mal so. Einhalten können wir es nicht, aber dem nahe zu kommen. Weil es viele ungute Nebeneffekte hat, wenn sie nie zur Ruhe kommen des Nächsten als Patient. Zum Beispiel?
Es erhöht zum Beispiel das Delir-Risiko, dass die Menschen verwirrt sind, weil sie eigentlich gar nicht mehr wissen, ist es jetzt morgens um fünf oder abends um fünf. Das ist gerade auch in den Wintermonaten, wo es ja lange finster ist und es nachmittags schon dunkel ist und dann wird man ganz oft gefragt, sind wir jetzt morgens oder abends oder ist es Mittag?
Solche Dinge können verstärkt werden, wenn man eben den biologischen Rhythmus, den der Einzelne hat, so völlig durcheinander bringt. Wie groß ist denn Ihr Team? Wir sind im Moment 42 Köpfe. Meiner Frau? Also wir sind fast halbe-halbe. Fast paritätisch? Ist das selten? Ich glaube, es ist noch nicht üblich. Also es ist so, dass Männer in der Pflege häufig so ein bisschen in die Intensivpflege wollen, weil das mit Technik nochmal ganz anders belegt ist. Also so die Technikfreaks, die landen dann häufig doch in den Intensivbereichen. Als ich da angefangen habe vor 15 Jahren, gab es einen einzigen Mann. Und jetzt haben wir um die 20. Das ist aber das, was mich abschrecken würde, das mit der Technik. Da ist viel los, wirklich viele Kabel und Monitore. Und für jemanden, der vielleicht nicht so technikaffin ist, könnte das doch abschreckend sein. Das stimmt. Das ist, glaube ich, auch etwas, was man lernen muss, dass das wirklich nur ein Hilfsmittel ist. Also, dass man nicht von dieser Technik so besetzt ist. Dass man diesen Menschen, der da im Bett liegt und an was weiß ich wie viele Maschinen angeschlossen ist, dass man den nicht dabei übersieht und nur noch Maschine, Monitor im Blick hat, aber gar nicht mehr merkt, dass da ein Mensch mit seiner Lebensgeschichte ist, der noch ganz andere Bedürfnisse hat, als dass man ihm den Kreislauf mit Medikamenten im Schwung hält. Aber am Anfang ist das vielleicht schwieriger, oder? Da hat man die Monitore und die Technik, also die Angst, vielleicht auch was nicht richtig zu machen.
Wie lange dauert das oder wie lange hat es bei Ihnen gedauert, bis Sie das wegblenden konnten? Als ich auf meiner ersten Intensivstation gearbeitet habe, habe ich ja ungefähr ein halbes Jahr gebraucht, bis ich das wieder konnte. Bis ich mich so sicher gefühlt habe, das zu beherrschen, dass ich mich wieder sozusagen den Menschen zuwenden konnte. Das ist sicher unterschiedlich. Es gibt bestimmt Menschen, die viel schneller sind und es gibt sicher Menschen, die länger brauchen. Aber ein halbes Jahr hat es schon gedauert. Und geht das Kollegen und Kolleginnen genauso? Ja, das ist so. Gerade merkt man bei Neuankömmlingen. Wir haben ja jetzt auch immer mal neue Kolleginnen, die direkt nach der Ausbildung kommen. Die sind zwar voller Wissen, aber denen fehlt natürlich noch die praktische Erfahrung. Und da merkt man das schon, dass die sich erstmal da so ein bisschen rantasten müssen. Und dass man die da auch begleiten muss und sagt, du darfst auch deinen gesunden Menschenverstand benutzen und du darfst ihn angucken und du siehst, ob der Schweiß auf der Stirn hat oder blaue Lippen oder sonst irgendwas. Das sagt dir die Maschine auch, aber es ist eigentlich viel besser, das selber wahrzunehmen. Also Krankenbeobachtung, ganz klassisch, so wie zu Florence Nightingales Zeiten.
Patientenbeobachtung heißt das? Genau. Den Mensch zwischen den Maschinen wieder wahrnehmen. Das ist es. Mit dem Herzen auch. Und mit Emotionen? Ja, sind ganz wichtig. Also die eigenen Emotionen nicht zu vernachlässigen und immer zu versuchen, das alles nur quasi gedeckelt zu halten. Oder so Dienst nach Vorschrift oder wie nennen wir das? Ja, ganz gruselig.
Ich meine gut, Vorschriften haben ja einen Sinn. Grundsätzlich ist es ja gut, wenn man das kann. Aber Sie meinen das, was man darüber hinaus in dem Beruf noch leisten kann? Genau, also ich glaube, das ist ganz wichtig. Der Beruf macht ja auch was mit einem. Ich frage mich das manchmal, warum wird denn jemand dieses oder jenes oder ergreift diesen oder jenen Beruf? Weil er so ist, wie er ist? Oder ist er dann so, weil er diesen Beruf ergriffen hat? Also ist das Ei oder die Henne eher da? Die Frage ist nicht zu beantworten, aber ich glaube schon, dass jeder so eine gewisse Affinität zu einer bestimmten Tätigkeit hat. Und im besten Falle passt es richtig gut zusammen. Und dann ist man auch da an der richtigen Stelle. Wie sind Sie denn auf die Intensivstation gekommen? Und überhaupt in den Pflegeberuf? Ich wollte eigentlich Ärztin werden. Also ich wollte Medizin studieren. Und ich bin die Einzige meiner Art in meiner Familie. Bei uns war das gerade eher umgekehrt, dass alle gesagt haben, bist du wirklich sicher, dass du das willst und nicht doch was anderes machen willst?
Weil es so ein anstrengender Beruf ist. Nee, ich glaube eher, es gibt ja viele Menschen, wo dieser Beruf auch aufgrund der Dinge, mit denen man sich befassen muss, eher, ich sage jetzt mal, etwas abschreckend wirkt. Man muss sich mit Ausscheidungen der Menschen befassen, was nicht sehr appetitlich ist und so. Und wo vielleicht so eine gewisse Ekelkomponente dabei ist. Das ist aber witzig, das müssen ja Erzieher auch in der Krippe. Da sagt aber keiner was. Bei Kindern ist das was anderes. Kinder dürfen Kaka Pipi Tralafitti und Erwachsene dürfen das nicht. Im Ruhnbogen über den Tisch, wenn es sein muss. Ja, und dann wird gelacht und wenn das auf Stationen passiert, finden Sie es. Dann ist das alles ganz schlimm. Ja. Aber das ist natürlich auch die Tradition, in der wir erzogen sind. Wir kriegen ja im Erwachsenenwerden bestimmte Dinge aberzogen. Weil es einfach gesellschaftlich nicht geschätzt wird oder gar verpönt ist. Und da kommen diese Dinge dazu. Das hat man ganz oft, wenn Patienten sich dann fünfmal entschuldigen, weil sie nicht zur Toilette gehen können und im Bett alles verrichten müssen, was zum Leben gehört, wo ich denke... Das ist Scham. Das ist Scham, aber die ist völlig am falschen Platz. In diesem Moment ist sie völlig am falschen Platz. Ja, man muss aber schon sehr abgeben können. Also so sein, wenn man da als Patientin liegt, als Mensch, fällt es vielleicht schwer. Das geht ja schon beim Nacktsein los. Das ist ja vielleicht auch schon für viele nicht so einfach. Da muss man sehr empathisch sein im Umgang.
Sie haben im Vorgespräch gesagt, die Maschinen, also um nochmal auf die Maschinen zurückzukommen, die Maschinen brauchen mich nicht, der Mensch braucht mich. Ja, wobei das natürlich auch nicht ganz stimmt, denn ich muss die Maschinen auch beherrschen und ich muss auch merken, wenn da irgendwas im Argen ist.
Aber wenn sie laufen, laufen sie. Wenn Sie laufen, laufen Sie und in erster Linie braucht mich der Mensch. Was braucht er denn am meisten von Ihnen? Das ist ein ganzer Fächer, würde ich sagen. Einerseits braucht er, ich sage mal, meine Professionalität, also dass ich von meinem Beruf etwas verstehe, den ich ausübe. Der braucht meine Unterstützung in unterschiedlicher Ausprägung, je nachdem in welcher Situation er sich gerade findet. Und er braucht auch meine Forderung. Also, dass ich ihm das zugestehe, was er selbst tun kann. Dass ich ihm nicht zu viel abnehme. Das ist auch was, was man im Laufe... Zur Selbstwirksamkeit. Ja, was ich im Laufe meines Berufslebens habe lernen müssen, nicht alles zu übernehmen, nur weil ich da bin. Sondern zu gucken, wo kann ich Ihnen jetzt helfen? Was wollen Sie selber machen? Was wollen Sie selber machen? Gute Frage. Das ist ja ein bisschen wie mit Kindern auch. Ja, ja. Oder auch, was können... Es gibt ja auch Menschen, die sagen, ich will eigentlich gar nicht selber machen. Dann eben, was können Sie selber machen? Oder versuchen Sie es doch einfach mal. Ja, das dauert, aber dann macht nichts. Wir haben den ganzen Tag Zeit. Dann dauert es eben eine halbe Stunde. Im Krankenhaus hat man jetzt auch nicht wahnsinnig viel zu tun als Patient. Das ist richtig. Genau. Das hat ja auch was mit Selbstständigkeit zu tun und natürlich auch was mit Würde. Wenn ich sage, möchten Sie unbedingt die Zähne von jemandem geputzt kriegen, der nicht zu Ihnen gehört?
Das macht man ja gerne selbst das hat ja auch was mit Würde zu tun als wenn dann jemand kommt und einem da mit der Zahnbürste im Mund rum vorwerkt Nee, das möchte man eigentlich nicht. Nee, das ist so wie mit Linkszähne putzen, das ist auch unangenehm. Also wenn man Rechtshänder ist. Genau, solche Sachen. Noch einmal zurück zu Ihrem Berufswunsch. Das, was Sie jetzt gerade erzählt haben, dass den Menschen mit Würde behandeln und die Maschinen zwar beherrschen, aber vor allem auch den Menschen sehen, war das der Grund, den Beruf zu ergreifen? Ich hatte Sie dazwischendurch unterbrochen. Ich habe vielleicht auch schon immer so ein kleines Helfer-Syndrom gehabt. Und die Ausscheidung haben Sie nicht abgeschreckt? Nein. Es gibt bestimmte Dinge, die mir heute noch manchmal Probleme machen, aber das sind nur ein, zwei. Und die gehören dann dazu. Dann sage ich mir, gut, das ist dann heute mal die Prüfung des Tages. Wollen Sie verraten, was es ist oder lieber nicht? Nee, das möchte ich niemandem zumuten.
Was sind so Momente auf der Intensivstation, die Ihnen bis heute Gänsehaut machen? Ja, also es sind häufig die Geschichten, die so einen existenziellen Hintergrund haben. Das macht immer Gänsehaut. Und ich glaube, dass es auch gut ist, solche Dinge immer wieder zu erleben. Also gerade wenn eben jemand in einer ganz schwierigen Situation ist, wo wir medizinisch mit dem Rücken an der Wand stehen und gar nicht so richtig wissen, was wir dem Patienten noch Gutes tun können. Und eben dann diese eine Geschichte, die ich erlebt habe, wo die Ehefrau des Patienten gesagt hat, also mein Mann ist so ein Kämpfer, der geht hier auf zwei Beinen wieder raus aus diesem Krankenhaus. Und das ist dann auch geschehen. Und das sind natürlich schon Geschichten, die einem unter die Haut gehen. Das ist schon Jahrzehnte her, eben etwas, was man immer wieder erinnert, das vergisst man ja nicht. Das ist sicher so etwas, was einem Gänsehaut macht. Und es gibt auch so Geschichten mit, wie Familien so um den Kranken rum sich aufstellen, wie die sich gegenseitig stützen, den begleiten, wo man denkt, wie toll, dass es so Systeme gibt, Familiensysteme oder auch, das müssen ja gar keine Verwandten sein.
Zugehörige gibt, die auf eine ganz wundersame Weise den Patienten mit begleiten und mit tragen irgendwie. Begleitung von Angehörigen, Familie, Freunden, also Menschen, mit denen man eine Beziehung hat, die dürfen dann aber auch zu ihnen auf Intensiv kommen. Also ich erinnere mich noch an meinen letzten Besuch auf der Intensivstation, das ist schon eine ganze Weile her. Da war ich als Besucherin gar nicht so gern gesehen. Also ich hatte das Gefühl, ich muss mich ein bisschen reinschleichen. Darf man das so öffentlich sagen? Ja, also richtig legal fühlt es sich für mich gar nicht an. Wie ist das bei Ihnen? Wir haben inzwischen ganz offene Besuchszeiten, also gar keine Regularien mehr, im Sinne von mittwochs zwischen 17 und 18 Uhr oder sowas. Das war ein Projekt von meiner Stellvertretung, Sabrina Reuter, die gesagt hat, wir müssen das auflösen und sie wollte das gerne auflösen und da habe ich mich wirklich schwer getan, dass ich gesagt habe, das wird uns den ganzen Tagesablauf irgendwie irritieren, und die hatte aber nicht locker gelassen und wir haben dann gesagt, wir probieren das einfach mal aus. Und es hat sich also sehr bewährt. Es macht es eigentlich viel einfacher. Sie haben nicht diese Besucherströme, die alle irgendwie nachmittags zwischen 14 und 17 oder wie auch immer.
Sich über die Station wälzen, wo sie dann in jedem Zimmer mindestens, also bei uns ist es so geregelt, dass wir sagen, es ist gut, wenn nicht mehr als zwei Personen kommen. Das ist einfach auch der Situation der Patienten geschuldet. Aber es sind ja dann trotzdem viele Menschen. Also das entspannt eigentlich alle. Und es ist für die Patienten auch so, dass die das ein bisschen besser dirigieren können. Die können sagen, dann kann Vormittag mal einer kommen und dann habe ich irgendwie vier Stunden Zeit, mich ein bisschen zu regenerieren und dann kann wieder jemand kommen.
Ich finde es inzwischen, finde ich es toll und ich möchte es auch nicht mehr anders haben. Das war witzig, dass Sie sagten, also das torpediert mir ja den ganzen Alltag und Ihre Stellvertreterin, die haben Sie sich ja dann gut gewählt, genauso wie Sie auch dagegen halten kann. Einfach was erst zu probieren. Genau. Also das ist auch was, was wir eigentlich im Team so ein bisschen kultivieren, dass wir die Anregungen, die kommen, also gerade wenn Mitarbeiter bei uns mit Ideen kommen, die man durchaus mal anschauen kann, dass wir das dann ausprobieren und sagen, gut, wir machen jetzt mal, was weiß ich, vier Wochen oder acht Wochen, je nachdem, worum sich das handelt. Das gucken wir uns mal an und wenn das geht, dann machen wir das und wenn das nicht geht, dann überlegen wir uns was anderes. Haben Sie noch ein Beispiel? Zum Beispiel das Waschen. Über Jahrzehnte war das eben so, dass der Nachtdienst auch auf der Normalstation. Wie viele Jahrzehnte sind Sie schon im Job? 80 habe ich ausgelernt. 80 haben Sie ausgelernt, 80 bin ich geboren. Und ich bin jetzt 32 Jahre intensiv. Gut, mehrere Jahrzehnte Intensiverfahrung. Jetzt erzählen Sie das nochmal mit dem Waschen. Als ich im israelitischen Krankenhaus angefangen habe, war das da auch noch üblich auf der Intensivstation.
Und ich hatte das Glück, dass dieses Team, was ich da übernommen habe, die sehr, wie soll ich sagen, die waren eigentlich sehr veränderungsfreudig. Und dann haben wir gesammelt, was das Team gerne neu machen wollte. Und da war unter anderem der Punkt, wir schaffen das Waschen im Nachtdienst ab. Und da gab es natürlich, so wie ich, mit der Besucherregelung, Leute, die gesagt haben, was machen wir denn dann nachts?
Was machen wir denn dann bloß nachts? Wir würden es gerne behalten.
Und dann haben wir gesagt, wir probieren es aus. Und dann gab es kein Zurück mehr. Alle waren happy. Letzten Endes waren sie alle glücklich damit. Naja, und die Menschen in den Betten konnten schlafen. Auf jeden Fall. Denn da muss man wirklich helles Licht anmachen. Da sind wir wieder bei dem Licht. Waschen im Dunkeln macht keinen Spaß. Eine Frage hätte ich noch zur Konzentration. Wenn man nachts oder überhaupt auf der Intensivstation arbeitet, bekommen die Menschen ja sehr, sehr viele Medikamente. Haben Sie da in den ersten Monaten und Jahren damals nicht Angst gehabt, mal was zu verwechseln? Angst ist ein schlechter Berater. Ich glaube, Respekt vor den Dingen und Bewege. Selbst kritisches Überwachen. Also wenn ich mir nicht mehr sicher bin, ob ich das Medikament in die Spritze gepackt habe oder nicht, dann muss ich die wegwerfen, muss es neu machen. Dass man diese Kontrolle für sich selbst nicht aufgibt und sagt, wird schon gut gehen und wird schon richtig sein, sondern eben immer sich selbst ein bisschen zu beobachten. Aber ich glaube, nachts ist das nochmal mehr, weil man eben gegen seinen Biorhythmus unterwegs ist. Was ist das Geheimnis für den Biorhythmus? Vielleicht haben Sie einen ultimativen Tipp für alle im Nachtdienst. Wenn ich den hätte, hätte ich vielleicht schon mal irgendeinen Preis gewonnen. Ich glaube, es gibt keinen richtigen Tipp. Es gibt Menschen, die können das gut ab. Es gibt ja die Eulen und die Lärchen und sind gut im Nachtdienst unterwegs und halten das gut durch, können am Tag gut schlafen. Und es gibt Menschen, für die ist es einfach Querkram.
Was sind Sie? Lärche, Eule. Also ich bin eigentlich mehr eine Eule oder ich war es. Sagen wir es mal so, ich war mal mehr eine Eule. Ich werde nie eine Lärche werden. Aber ich bin relativ pragmatisch. Ich denke nicht so viel darüber nach, was ich gerne lieber hätte jetzt in diesem Moment, sondern ich sage, da liegt das Häufchen, wo ist die Schaufel und dann hier mal los. Und ich kann, das habe ich tatsächlich gelernt, die Welt ausblenden. Und wenn die Welt jetzt untergeht, dann ist es so, ich schlafe jetzt. Und dadurch kann ich auch diese Dinge, die einen ja auch belasten und die man vielleicht auch mal mit nach Hause nimmt, die kann ich gut ablegen. Wenn ich wieder wach bin, kann ich mich damit wieder befassen. Jetzt nicht. Wie schaffen Sie es denn so emotional stabil zu sein, zu bleiben, zu werden? Also einerseits ist es schon mal ganz wichtig, dass man eine gute Arbeitsatmosphäre hat. Also dass man Dinge nachbespricht, wenn es kritische Momente gegeben hat, die Gelegenheit zu sagen, wir setzen uns nochmal zusammen. Wir gucken uns das nochmal an. Was war gut? Was können wir besser machen? Also nicht verdrängen. Nicht verdrängen. Ich sage ja immer, die Dinge müssen durch einen durch. Einmal durchfühlen? Einmal durchfühlen. Sowohl die negative als auch die positive Emotion muss einmal durch den Körper durch und dann kann man auch gut damit zurechtkommen.
Es ist wichtig, einen stabilen Freundes- und Familienkreis zu haben, wo man auch mal irgendwas hinschütten kann, was einen so belastet. Ja, das Glas ist immer halb voll, würde ich sagen. Sie haben ja auch eine Ethikberaterausbildung gemacht. Ist das hilfreich für Ihren Job? Ich habe am UKE eine Ethikberaterin-Ausbildung gemacht, weil ich finde, dass es wichtig ist, die Behandlerteams und auch die Angehörigen und die Patienten zu begleiten, also unter medizinethischen Gesichtspunkten zu begleiten.
Wir machen ja im israelischen Krankenhaus Tumorschirurgie oder behandeln viele Tumorpatienten, wo sich ja diese Frage nochmal mit einer höheren Brisanz stellt, als das vielleicht in anderen Fachgebieten ist. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr die Tabuisierung der Krankheit und des Sterbens, wie weit es wirkt. Also selbst bei Betroffenen ist es ganz oft so, dass die sich mit der Thematik überhaupt nicht genügend auseinandergesetzt haben. Also mit dem Tod. Mit dem Tod und mit der Endlichkeit und was will ich und was ist das Richtige für mich, das ist etwas, was sehr wenig vorkommt. Ja, der Tod ist ja das eine, aber der Weg zum Tod hin ist ja auch bedenkenswert. Genau. Wie möchte ich da hinkommen? Was möchte ich vielleicht nicht mehr? Was möchte ich nicht mehr? Was ist mir noch wichtig? Was habe ich noch, was ich gerne tun will oder was ich noch erledigen muss? Und da ist so eine Ethikkommission, wie wir das jetzt bei uns eingerichtet haben, ein sehr gutes Hilfsmittel. Die Mitarbeiter, die Patienten, die Angehörigen anfragen können, wir hätten gerne mal eine ethische Fallberatung. Also umzuschauen, wo stehen wir denn? Wo steht mein Vater, mein Mann, meine Frau, wer auch immer?
Das können die Angehörigen. Die Angehörigen können das auch. Es passiert ja, dass zum Beispiel das Behandlerteam und die Angehörigen und der Patient drei ganz unterschiedliche Meinungen dazu haben. Und es ist einfach wichtig, dass alle gehört werden können und alle irgendwann mal auf dem gleichen Informationsstand sind. Das ist eine interessante Erfahrung, die ich gemacht habe, seitdem wir das tun. Man denkt immer, man ist gut informiert über die Situation des Patienten, über die Prognose, über all das, was noch geschehen kann. Und wenn man sich dann mal zusammensetzt, also wenn die Therapeuten, die Ärzte, die Pflegenden oder die Angehörigen oder der Patient, je nachdem, wenn die zusammensetzen und mal austauschen, was sie alles wissen.
Dann entdeckt man, dass man doch viele Sachen nicht weiß. Der eine hat die Information, der andere hat die Information. Und das mal alles zusammenzubringen und dann zu beraten, was kann es denn geben, was wir dem Patienten noch Gutes tun können. Und da sozusagen Entscheidungshilfe zu leisten, zu unterstützen. Also gibt es ganz viele Dinge, die vielleicht noch irgendwie geregelt werden könnten. Oder es wird plötzlich sichtbar, dass der Betroffene eine ganz klare Aussage gemacht hat, aber sie niemand richtig benannt hat. Weil das Thema so tabu behaftet ist. Genau. Also Sie meinen sowas wie keine lebensverlängernde Maßnahmen, ich möchte das gar nicht und die Angehörigen denken, wir versuchen aber alles? Ja, zum Beispiel. Eben, wir nehmen jeden Strohhelm, der vielleicht noch da ist und darüber vergessen, dass es eigentlich ihre Befindlichkeit ist. Dass es gar nicht um den Patienten mehr geht, sondern dass ich vielleicht den anderen gar nicht gehen lassen kann. Dass ich ihn nicht loslassen kann. Und das begleiten Sie dann mit der Ethikkommission? Genau, das begleiten wir dann.
Und wenn das Ende dann kommt, sind die Menschen ja in vielen Fällen auch bei Ihnen auf der Intensivstation. Also das heißt, das Ende ist bei Ihnen ja nicht immer ein Anfang, man wird gesund, verlässt die Station. Sondern für einige ist es ja auch das Ende und Sie sterben bei Ihnen auf der Station. Wie gehen Sie mit dem Lebensende um? Hält man das aus oder wie hält man das aus? Oder ist es gar nichts zum Aushalten vielleicht? Das hängt natürlich immer auch ein bisschen von den Umständen ab. Wenn Sie jetzt jemanden haben, der an einer Tumorerkrankung verstirbt, wo man medizinisch keine Hilfe mehr leisten kann im Sinne von Heilung, also wo man quasi den palliativen Ansatz gewählt hat, also kann ja nur für mich sprechen, dann kann ich das gut annehmen, dass sich der Lebenskreis schließt. Und das ist völlig in Ordnung so. Wenn Sie jemanden unter Reanimation verlieren, das ist, glaube ich, der einzige Moment, wo ich das so als Verlieren beschreiben würde, also wo Sie wirklich um das Weiter- und Überleben kämpfen, dann fühlt sich das nochmal anders an. Und auch da muss man einfach Einsicht haben, zu sagen.
Wir können keine Wunder vollbringen. Wir können sicher ganz viel, und das hat sich ganz enorm weiterentwickelt über die Jahrzehnte, was Intensivmedizin alles kann, aber wir können eben keine Wunder vollbringen. Und das muss man dann aushalten. Wunder können Sie nicht vollbringen, aber die Leute begleiten und vielleicht zum Lachen bringen. Ich habe gelesen, dass Sie auch eine Clownsausbildung haben. Ja, das habe ich, das stimmt. Also wie kam es denn dazu? Also ich bin jemand, der ausgesprochen gern lacht und viel.
Und ich habe die Klärungsausbildung gemacht, weil ich weiß es nicht mehr, was es war. Es war irgendein Kongress und da hat meine Trainerin einen Vortrag über Humor in der Pflege gehalten. Diese Frau hat mich so fasziniert. Weil man Humor haben muss? Ja, so ungefähr, weil das nicht alles so bierernst ist. Das ist ja auch das Erste, was einem so entgegenschlägt. Wenn man sagt, man ist Pflegekraft, dann heißt es immer, ach. Das könnte ich ja nicht, das sagen alle. Das ist aber ein schwerer Beruf. Das ist so das Erste, wo ich immer denke, nee, ist es nicht. Also der ist nicht schwerer als andere Berufe, als anders, aber er ist nicht schwer. Und es gibt viele, viele schöne, eben auch humorvolle Begebenheiten und Begegnungen. Wie gesagt, ich lache immer mit den Patienten und irgendwas kriege ich auch rausgekitzelt aus den Leuten. Das ist nicht immer. Es gibt auch ganz tief traurige Tage durchaus.
Aber ich sage immer, ein Tag, der ohne Lachen vergangen ist, ist ein bisschen verschenkt. Sie brauchen ja wahrscheinlich keine rote Nase aufsetzt. Nee, das mache ich nicht. Da hätte ich dann einen Rollenkonflikt. Ich habe Sie vorhin unterbrochen. Sie wollten mir sagen, warum Sie so beeindruckt waren von dieser Trainerin auf diesem Kongress. Also erstens mal heißt die Frau Klaps. Das fand ich schon irgendwie total passend, Frau Professor Klaps. Und das war eine Riesenbühne und die hatte so einen kleinen Kinderspielkoffer dabei, so was ganz Winziges. Aber nicht so ein Arztkoffer. Nee, kein Arztkoffer. Der war irgendwie ganz bunt beklebt. Und mit diesem Koffer, ich weiß gar nicht, ob da überhaupt was drin war, aber hat die den ganzen Saal in ihren Bann gezogen. Also die war nur mit Körpersprache und mit Mimik unterwegs. Und das fand ich so toll, dass sie eigentlich nichts brauchte, um den ganzen Saal zum Beben zu bringen. Und das hat mich sehr beeindruckt. Und da bin ich hin in der Pause und habe sie angesprochen, dass ich das so toll finde. Und dann hat sie gesagt, sie würde auch ausbilden. Und dann habe ich gedacht, dann muss ich mal nach Köln. Das war ja Winken mit dem Taunfall. Also die wollten sie gerne haben. Vielleicht.
Ein Clown erkennt den anderen Clown. Ja, und dann habe ich da eine zweijährige Clowns-Ausbildung gemacht. Und dann? Warum sind Sie nicht auf der Bühne geblieben? Also vielleicht ist das mal was für einen Ruhestand. Also ich muss ja mal ein bisschen prognostisch unterwegs sein, was das anbelangt. Aber ich finde, ich kann das so gut im Alltag gebrauchen. Ich nehme so gerne auch die Leute mal so ein bisschen auf die Schippe. Und bei der Arbeit, wenn sie der Hafer sticht, was passiert dann? Ja, dann tanze ich mal über den Gang oder singe mit den Patienten oder irgendwie sowas. Gibt es denn auch Momente, in denen Sie ganz bewusst Humor einsetzen, um Spannung zu lösen oder um Menschen abzulängen? Ja, ich bin sehr spontan. Das ist manchmal auch mein Verhängnis.
Wieso? weil ich dann mal irgend so was raushaue, wo ich denke, ja, vielleicht besser gewesen jetzt nicht, aber... Aber lieber klauen direkt. Ja, ich habe keinen Welpenschutz mehr, sondern ich habe so ein bisschen Altersschutz. Ich kann mir manches sagen. Kriegt man den irgendwann? Aber da freue ich mich auch drauf, wenn das so weit ist. Ja, aber den nehme ich sozusagen so ein bisschen für mich in Anspruch. Doch, ich mache es schon bewusst auch, gerade wenn es so eine angespannte Situation ist und irgendwo das Ventil nicht gefunden wird, um da mal ein bisschen Dampf rauszulassen, dann setze ich das schon bewusst ein. Auch bei Angehörigen? Ja, auch bei Angehörigen schon. Ist ja auch nicht immer ganz leicht für Angehörige, die auch immer nicht den Knopf finden, wenn da jemand liegt und gar nicht mitteilen kann. Man sitzt da und dann ist es vielleicht ganz schön, wenn jemand reinkommt, der nicht alles so bierernst nimmt, wie Sie vorhin sagten. Die Patienten und die Angehörigen sind eigentlich so die erste Adresse, wo ich das irgendwie meistens unterbringe. Was macht denn für Sie ein gutes Team aus auf der Intensivstation? Wie muss das funktionieren? Darf man das sagen? Zusammengestellt sein? Ja, natürlich muss das Team auch funktionieren, ganz praktisch. Wir arbeiten ja sehr standardisiert.
Das ist sozusagen die Grundlage, auf der alle unterwegs sind. Das, was das gute Team ausmacht, ist, dass die Leute so unterschiedlich sind. Jeder kann irgendwas richtig gut. Und wenn ich das entdecke, was derjenige richtig gut kann und das befördere, dann kann ich auch mal ertragen, wenn was anderes nicht so gut funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Aber durch die Summe aller wird sozusagen alles abgedeckt, weil die eben nicht alle das Gleiche richtig gut können, sondern weil sie sich dadurch ganz gut ergänzen. Und ich glaube, meine Aufgabe oder unsere als Leitungsteam ist, das auch den Kolleginnen deutlich zu machen, dass die nicht gegeneinander arbeiten und sagen, ja, das hat er wieder nicht gemacht oder das hat er nicht richtig gemacht oder so, sondern dass man sagt, Guck doch einfach mal dahin, was der richtig gut macht. Und wertschätze das. Dann kannst du auch mit dem kleinen Rattenschwanz ganz gut leben. Was sagen Sie als alte Hase jungen Menschen, die in die Pflege wollen? Das ist immer so schwierig, wenn man so als Alter so kluge Dinge von sich gibt. Möchte ich voll hören jetzt.
Die klugen Dinge. Da können Sie sich ja nur nicht gegen wehren. Die Lebenserfahrung haben Sie ja. Lassen Sie, dass die Jungen daran teilhaben. Also ich finde, und das ist gar nicht auf die Pflege beschränkt, ich finde, es ist wunderbar, wenn man für das brennt, was man tut. Also da kommt man auch mit Dingen zurecht, die einem schwerfallen, also gerade auch während der Ausbildung oder wenn es dann eben ans Eingemachte geht, wenn man irgendwo hinkommt, dann hat man so Dinge, wo man denkt, ich schaffe das nie, ich verstehe das nicht, ich habe mir das viermal erklären lassen, ich habe es immer noch nicht. Aber wenn ich dafür brenne, dann werde ich immer genügend Energie haben, das zu lernen. Ich glaube auch, was wichtig ist, eben den Menschen zu sehen, um den es da geht und auch, sagen wir mal, eine gute Selbstpflege zu haben. Wobei ich da heute schon durch die Generationen, die da jetzt schon unterwegs sind, da bin ich so ein bisschen kritisch, weil ich sage so, Selbstpflege können unsere jungen Leute eigentlich alle ganz gut. Schwingt da so ein bisschen Humor mit.
Aber in der Kombination, wenn jemand... Leidenschaft für diesen Beruf entwickelt und aber schon durchaus in der Lage ist, Work-Life-Balance, das ist so ein viel besungenes Wort, aber Sie wissen, was ich meine, wenn man das im Griff hat, ist es doch eigentlich die Idealkombination, weil bremsen müssen Sie die dann nicht unbedingt. Nee, das stimmt. Als ich ganz junge Schwester war, hat mir das ein altgedienter Chefarzt ans Herz gelegt und hat gesagt, liebe deine Nächsten wie dich selbst. Also das kommt ja aus der Bibel und wenn sie sich nicht selber lieben können, dann werden sie auch für ihre Mitmenschen das nicht aufbringen können. Und das ist was, was hat über die Jahrzehnte eigentlich gewirkt bei mir. Das wirkt ja schon Jahrtausende. Das wirkt schon Jahrtausende, ja. könnte man sein. Was wünschen Sie sich denn für die Zukunft der Pflege? Was ich mir wünschen würde, wäre, dass die Pflege sich mal davon verabschiedet.
Dauernd darüber nachzudenken, wie sie sich von den Medizinern emanzipieren können. Brauchen wir eigentlich nicht. Sondern? Also wir sind eine eigenständige Berufsgruppe, aber das Ganze funktioniert nur, wenn wir gut verzahnt miteinander arbeiten. Wir müssen viel enger miteinander arbeiten und es ist eigentlich völlig Wurst, ob der eine nun Medizin studiert hat und der andere hat eine Pflegeausbildung. Jeder hat seine Profession und sollte das professionell machen und wenn das gut ineinander übergeht, dann ist es das allerbeste. Also wenn ich der Meinung bin, ich bin jetzt tippitopp auf meinem Gebiet und es kommt mir aber was vor die Füße, wo ich sage, keine Ahnung, was das ist. Dann ist es doch ganz einfach zu sagen, ich gehe die nächste Tür, da sitzt der, der ist genau mit dem Gebiet vertraut. Und wenn der was hat, was er nicht weiß, dann kommt er zu mir. Das Schwierige ist nur, dass wir als Menschen ja dazu neigen, zu meinen, es würde Schwäche sein, zu sagen, ich brauche immer deine Kompetenz. Oder auch Hilfe. Oder Hilfe, genau. Und das müssen wir uns mal abgewöhnen. Sondern einfach zu sagen, weißt du was, ich kann das und das und das kann ich nicht und da brauche ich deine Unterstützung. Man soll einfach noch besser und enger miteinander arbeiten. Ja, genau. Und nicht immer so abgrenzen. Das ist so wie in der Schule, wenn der Nachbar nicht abschreiben soll Und ich dann zuhalte und sage, nein.
Aus Prinzip nicht. Stell den Tornister dazwischen. Weil wenn ich das nicht kann, darfst du es auch nicht können, weil nachher hast du am Ende eine bessere Note als ich. Naja, bei Ihnen steht ja der Mensch im Vordergrund. Man sollte ja vielleicht meinen, dass alle das Beste für den Menschen in diesem Krankenbett möchten. Das würde ich unterschreiben. Dazu muss man aber dann noch dazufügen, auch bei uns Wenschels. Ja, das ist schön. Das ist einerseits ganz schön und andererseits, Wir sind ja nicht besser als andere Menschen. Konfliktpotenzial. Ja, hat es. Waren Sie selbst schon auf der Intensivstation als Patientin? Nein, ich wäre aber der Meinung, dass Intensivpflegepersonal alles mindestens eine Nacht auf der Intensivstation mal zubringen sollten. Ja, wären Sie eine ganz liebe Patientin? Sicher nicht.
Irgendwie dachte ich mir das schon. Sie würden, glaube ich, schon deutlich sagen, was da los ist. Würden Sie denn den Kolleginnen und Kollegen sagen, das macht man aber anders? Also ich plaudere jetzt mal aus meinem Nähkästchen. Ich bin vor nicht allzu langer Zeit operiert worden und ich habe das Beschwerdemanagement sozusagen genutzt, also nicht um jetzt zu meckern oder so. Ich habe die Dinge angemerkt, die ich gerne anders gehabt hätte. Das ging darum, dass ich kein schönes Kopfkissen hatte. Das ist aber bejammern auf hohem Niveau. Mi, mi, mi. Genau. Und war anschließend zur Reha. Und da habe ich, glaube ich, gleich den roten Punkt auf meiner Akte gehabt als renitente Patientin. Weil ich da so Dinge erlebt habe, wo ich gedacht habe, in welchem Jahrhundert leben die denn hier? Was machen die denn hier? Echt? Das fand ich irgendwie schon erschreckend. Da habe ich dann zwei DIN-A4-Seiten dazu geschrieben und habe nie wieder was gehört. Also ich bin sicher keine einfache Patientin. Ich gebe es bestimmt im Computer in der Patientenakte so ein Vermerk. Achtung, bitte ganz nett sein zu Frau Otto. Für mich sind Intensivpflegekräfte wie Sie ja längst Superhelden und Heldinnen, aber was würden Sie nehmen, wenn ich Ihnen eine Superkraft schenken könnte? Superkraft?
Sie denken so lange nach, Sie scheinen recht zufrieden zu sein. Also ich wüsste gar nicht, was ich brauchen könnte. Ich würde gerne fliegen. Fliegen? Das nützt mir aber auf Intensivstation nicht so viel. Was für eine Superkraft würden Sie persönlich nehmen? Ach so, ich persönlich. Auf der Intensivstation könnten Sie aber auch, kennen Sie die Marvel-Filme Flash, der sich so super schnell bewegen kann? Ja.
Ich habe 100 Zugänge in alle. Ja, aber Schnelligkeit ist es nicht. Wenn du es eilig hast, geht langsam. Das ist nicht immer das Richtige, sich schnell durch Zeit und Rahmen zu bewegen. Sie müssen auch keine. Nein, ich brauche das glaube ich nicht. Durch Ihre Anfrage zu diesem Podcast habe ich natürlich nochmal über mich und mein Tun nachgedacht, auch durch unser Vorgespräch. Und ich muss wirklich sagen, ich habe eigentlich den besten Beruf, den man haben kann. Sie würden nicht tauschen? Nein. Das kam schnell. Aber auch, weil ich an dieser Stelle so viel Möglichkeit habe, mich zu entfalten. Das Team und den Bereich weiterzuentwickeln. Wie lange darf das Krankenhaus noch mit Ihnen rechnen?
Ich weiß es nicht. Also auf jeden Fall noch bis 27. Also ein bisschen habe ich noch, wer weiß. Aber in meinem Alter denkt man nicht mehr über so große Abschnitte nach. Es kann ja sein, ich merke das gar nicht mehr, dass ich nicht mehr gut bin für die Stelle, für das Team. Und da brauche ich natürlich immer auch mal den Moment des Innehaltens und jemandem, der mal sagt, überdenk mal dein Lebenskonzept. Dafür haben Sie ja Ihre Stellvertreterin. Genau. Die traut sich das ja. Das weiß ich nicht, ob sie sich es traut. Liebe Grüße an die Stellvertreterin, Sie dürfen das gerne machen. Frau Otto kann das ab. Ja, das ist schon wichtig. Also ich möchte es natürlich gerne von jemandem hören, der mir grundsätzlich gut gesonnen ist und nicht, dass man dann irgendwann mal auf den Tisch geblättert kriegt, also jetzt ist aber das Verfallsdatum längst überschritten. Jetzt wird es Zeit zum Abtreten.
Frau Otto, Sie haben uns einen so spannenden und auch intensiven Einblick in Ihre Arbeit gegeben. Vielen Dank dafür. Schön, dass Sie heute bei mir waren. Ich bedanke mich. Es hat mir richtig Spaß gemacht. Vielen Dank auch an Sie da draußen, liebe Hörerinnen und Hörer. Wenn Sie mehr über Maria Barbara Otto und ihre Arbeit auf der Intensivstation im israelitischen Krankenhaus erfahren möchten, schauen Sie ins Hamburger Abendblatt online oder in der gedruckten Ausgabe. Bleiben Sie gesund.
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