Die Hamburger Klinik Helden, der Podcast über Berufe mit Sinn. Vom Hamburger Abendblatt und dem Verband der freigemeinnützigen Krankenhäuser in Hamburg. Die Freien. Heute sprechen wir über die, die auf Zehenspitzen durchs Leben tanzen. Und über die, die sie auffangen, wenn es mal nicht ganz so elegant endet. Moin und herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Hamburger Klinik Helden, dem Podcast über Berufe mit Sinn. Heute wird es richtig bewegend. Es geht um Menschen, die sich für ihren Beruf verbiegen, drehen, springen und dabei nicht selten umknicken. Was passiert, wenn eine Tänzerin stürzt oder ein Musicaldarsteller im Spagat stecken bleibt? Meine heutigen Gäste bringen genau solche Profis wieder zurück auf die Bühne. Mit medizinischem Know-how und therapeutischem Feingefühl. Ich freue mich auf ein Gespräch mit Dr. Anja Hausschild, Ärztin für Rehabilitationsmedizin und physikalische Therapie und Tanzmedizinerin Und Claudia Hennecke, Physiotherapeutin und interdisziplinäre Teamleiterin im BG Reha-Zentrum HafenCity. Frau Hauschild, Frau Hennecke, schön, dass Sie heute bei mir sind. Vielen Dank für die Einladung. Vielen Dank, dass wir heute hier sein können.

Tanzmedizin, was ist das? Um es ganz einfach zu sagen, es ist Sportmedizin oder ein Teilgebiet der Sportmedizin für professionelle Bühnentänzer. Das ist allerdings zu kurz gefasst. Das ist wirklich ein sehr interdisziplinäres kleines Fachgebiet, was sich mit dem Erhalt, der Förderung und auch der Wiederherstellung der Gesundheit, Arbeits- und Leistungsfähigkeit von professionellen Bühnentänzern beschäftigt. Und was ist das Besondere an der Arbeit mit professionellen Tänzerinnen und Tänzern? Die haben halt ein unglaubliches Körpergefühl, sodass man denen wirklich nur so kleine Punkte sagen muss und sie können es sofort umsetzen. Das geht natürlich bei professionellen Bühnentänzern unglaublich schnell. Die kennen sehr, sehr gut ihren Körper und können es halt einfach ganz schnell umsetzen. Und das macht halt Spaß als Therapeut. Spuren die auch besser als ich jetzt als Patientin meinetwegen? Die sind sehr ehrgeizig. Also die Lernkurve ist steiler als bei normalen Patienten. Genau. Genau, sie ist wahnsinnig steil.

Und das ist, was eben Spaß macht. Und wenn sie es nicht gleich umsetzen können, dann bleiben sie halt dran, üben und üben, bis es dann funktioniert. Naja, wenn man einem Otto-Normalverbraucher sagt, du trainier das mal auch zu Hause, du kommst einmal die Woche zu mir und wir schauen mal, wie es läuft, dann merken sie wahrscheinlich relativ schnell, da ist nicht viel passiert. Genau. Bei der Tänzer? Genau, beim normalen Patienten, nicht bei allen, dann kann die immer alle über einen Kamm stellen, dann sagt man, welche Übung hast du ihm zu Hause gemacht, zeig mal. Dann merkt man, okay, er hat sie nicht gemacht. Beim Bühnentänzer, der hat sie garantiert gemacht. Profitänzerinnen und Profitänzer verstehen sich als Künstler und Künstlerinnen oder eher als Athleten? Das ist mittlerweile fast eine Glaubensfrage innerhalb der Tanzszene. Oh, da habe ich ja mal die richtige Frage. Also früher würde ich sagen, ganz klar Künstler. Und jetzt so in Zeiten von Tracking von Leistungsfähigkeiten auch zunehmend als Leistungssportler. Was aber auch angemessen ist. Also wir Tanzmediziner betrachten sie wirklich in dieser, ich sage jetzt einfach mal Doppelfunktion. Wir sagen immer, die sind sowohl Künstler als auch Hochleistungssportler. Und das ist das, was wir in der Präventionsarbeit auch den Tänzern versuchen wirklich zu vermitteln. Weil das, was sie ihren Körpern abverlangen, das ist Hochleistungssport.

Dazu kommt aber, wenn sie dann, sie kämpfen ja quasi nicht um Medaillen oder um Bestzeiten, sondern sie interpretieren Rollen. Sie erzählen Geschichten mit ihrem Körper, sie transportieren Geschichte, Gefühle, Emotionen.

Das ist die künstlerische Komponente und die ist unheimlich wichtig. Und wir sagen ihnen immer, damit ihr das wirklich voll entfalten könnt, braucht ihr einen absolut funktionsfähigen, leistungsfähigen, starken Körper. Belangen die sich sonst zu viel ab, künstlerisch und sind vielleicht körperlich noch nicht an dem Punkt, dass sie es schaffen können? Ja, es gibt tatsächlich eine Diskrepanz. Das ist immer ganz interessant, wenn man sehr junge Tänzer sieht, die ganz frisch aus der Ausbildung kommen. Die technisch noch nicht fertig sind und auch künstlerisch noch nicht reif, sage ich jetzt einfach mal. Und wenn man dann im Theater, gerade wenn man so Kompanien sieht mit einer großen Altersrange, also von, sage ich jetzt mal, 18 bis Mitte 40. Die Karrieren werden jetzt länger, aber früher war das eher eine Ausnahme, dass man Tänzer regelhaft gesehen hat, die die 40 schon überschritten haben. Das ist jetzt nicht mehr so. Sicherlich wird es viele gegeben haben, die aus körperlichen oder gesundheitlichen Gründen die Karrieren vorzeitig beendet haben. Also wenn man zum Beispiel hier eine Company wie das Hamburger Ballett nimmt, die hat ja so eine ganz interessante Altersrange von sehr jungen Tänzern bis hin eben zu vielen Tänzern, die Ende 30 sind oder Anfang 40. Was heißt sehr jung? Sehr jung heißt dann schon 17, 18. Da sieht man dann die Unterschiede in den künstlerischen Fähigkeiten, in den Fähigkeiten Rollen zu interpretieren. Also wenn man manchmal Tänzer hat, die schon sehr, sehr erfahren sind, also schon über 20 Jahre Bühnenkarriere hinter sich haben, die können einen manchmal nur tief berühren, allein nur schon, wenn sie nur über die Bühne gehen.

Ja, also da ist einfach ein Ausdruck im Körper, eine Präsenz im Körper. Die sind natürlich dann nicht mehr auf dem, nicht immer, aber manche sind aus gesundheitlichen Gründen dann nicht mehr in der Lage, so ein hohes technisches Niveau zu liefern, ist dann aber auch nicht mehr so entscheidend. Weil diese künstlerische Komponente einfach so stark ist, dass beim Publikum das erzeugt, was ja auch transportiert werden soll. Und interessant wird es immer, wenn es die ersten Verletzungen gegeben hat, weil im Rehabilitationsprozess kommt dann eine neue Erfahrung und ein neues Verständnis. Ah, das ist wirklich mein Handwerkszoll, das ist mein Arbeitskapital. Mein Arbeitsgerät. Mein Arbeitsgerät, damit muss ich doch irgendwie anders umgehen und da muss ich mich anders drum kümmern. Und das ist uns immer ein großes Anliegen in der Reha, dass wir sozusagen auch viel Edukation betreiben, also dass die Tänzer auch bei uns einfach lernen.

Und nicht nur, wie kommen sie ganz schnell wieder zurück, sondern wie müssen sie eigentlich mit sich gut umgehen, damit sie das leisten können. Mit Pech eben auch sonst ganz ausfallen. Das ist ja auch möglich. Das ist immer möglich. Ja, also je schwerer die Verletzung ist, kann das für den einen oder anderen natürlich durchaus ein Karriereende bedeuten. Und bei manchen passiert es leider schon sehr früh. Und dann kann es sein, dass man darauf hingearbeitet hat, 10, 15 Jahre. und dann war man nur zwei Jahre auf der Bühne und dann muss man einen neuen Beruf wählen. Das ist natürlich tragisch, aber gibt es. Aber bei Ihnen sind ja in vielen Fällen die Menschen, weil sie wieder zurück auf die Bühne wollen und können. Das sind dann die Menschen, die verunfallt sind. Wie ist das für Sie als Physiotherapeutin? Die stehen dann da und sagen, so, ich will zurück, was muss ich tun? Genau, also Sie kommen ja bei uns relativ frisch verletzt mittlerweile auch an. Da müssen wir uns natürlich erstmal um die Strukturen kümmern, wo Sie die Verletzung haben. Und wir müssen aber auch versuchen, den ganzen Körper ja fit zu halten. Das heißt, die Strukturen, die nicht verletzt sind, die versuchen wir natürlich fit zu halten, damit, wenn er sich wieder mehr belasten darf, dass er da nicht zu viel dann aufholen muss, weil die verlieren ganz schnell an Muskelkraft.

Bezüglich Schmerz sind sie ja sehr, sehr belastbar. Die registrieren ja Schmerz anders als unsere normalen Patienten. Und das Erste, was wir denen eigentlich beibringen müssen, wenn sie eine frische Verletzung haben, dann ist Schmerz schon ein Warnsignal. Weil das tun sie häufig ja so ab und sagen, ach, es geht schon. Und dann müssen wir denen beibringen, nee, in diesem Fall musst du jetzt schon einmal auf dich hören. Woran liegt das? Das ist der enorme Ehrgeiz, den sie haben, wo sie alles, glaube ich, drüberstellen. Sie wollen halt wieder fit werden, sie wollen tanzen. Und solange sie es irgendwie aushalten können, sind sie bereit, das auszuhalten. Und haben sie es auch anders gelernt? Es gibt eine Gewöhnung von, würde ich sagen, Kindheit oder Jugend an. Also spätestens ab dem Zeitpunkt, wo man wirklich in einer professionellen Tanzausbildung steckt, also jeden Tag mehrere Stunden tanzt, gehört das ja dazu.

Was meinen Sie mit, das gehört dazu? Das Schmerz gehört dazu? Es gehört dazu, dass es immer irgendwo ein bisschen zwickt und zwackt. Dass man auch morgens mal aufsteht mit einem wirklich heftigen Muskelkater oder mit einer Gelenkblockade. Dass man sich einfach nicht gut fühlt, schwer in Bewegung kommt, sich dann aber wieder eintanzt, sage ich jetzt mal in Gänsefüßchen. Dann kommt wieder die Freude, das Adrenalin, das Ziel und so weiter. Dann übertanzt man das und irgendwann ist man in so einem Kreislauf drin. Und Tänzer bewerten Schmerz einfach auch anders. Und tatsächlich, ich habe ja eine professionelle Tanzausbildung auch hinter mir. Wir sind tatsächlich auch mit diesen Worten erzogen worden, dass Tanzen und Schmerzen eine Einheit bilden. Das gehört zu diesem Beruf dazu. Und wenn man den wählt, muss man auch das wählen und dem so zustimmen. Wenn Sie sich mit Tänzern unterhalten würden, würden die Schmerz wahrscheinlich völlig anders definieren als Sie. Und das ist eben unser Spannungsfeld, was Frau Hennigke gerade sagte, dass wir Ihnen beibringen müssen. Es gibt eben diesen schlechten Schmerz, der darf nicht übergangen werden und an den gewöhnt man sich nicht, weil der hat eine schützende Funktion, eine Warnfunktion. Aber wenn Sie zum Beispiel die klassische Schmerzskala mal benutzen, auf der wir auch unsere anderen Patienten bitten, mal eine Angabe zu machen, wie stark ist denn der Schmerz von 0 bis 10. 0 ist gar kein Schmerz, 10 ist der stärkste vorstellbare Schmerz.

Dann kreuzen Tänzer da manchmal eine 8 an, wo wir eigentlich schon kurz mal so innerlich wach werden und sagen so, oh, und sind aber ganz entspannt und sagen, ja, 8, ich habe kein Gesundheitsproblem.

Schmerzskala 8, aber ich habe kein Gesundheitsproblem. Es ist erschreckend, weil sie es gewohnt sind. Sie sind es in gewisser Weise gewohnt und interessant war die Begründung, als ich da mal nachgefragt habe, warum wertest du das nicht als ein Gesundheitsproblem? Dann sagte der Tänzer zu mir, weil ich weiß, was ich heute Abend zu Hause tun werde, damit das morgen früh keine Acht mehr ist. Und solange ich das alleine so behandeln kann, ist das für mich kein Gesundheitsproblem. Ein Gesundheitsproblem beginnt dann, wenn sie wirklich nicht mehr tanzfähig sind. Also der Schmerz ist gar keine, also die Skalierung macht gar keinen Sinn?

Wenn ich noch drüber gehen kann, dann ist es okay, aber wenn ein Gelenk blockiert, dann? Ja, deswegen orientieren wir uns zum Beispiel in der Rehabilitationsbehandlung. Das ist sicherlich eine Besonderheit auch im Umgang mit diesen Patienten. Wir orientieren uns nicht zwangsläufig am Schmerz. Wir orientieren uns eher an der Funktion und an der Belastbarkeit. Am Schmerz ja in einer gewissen Phase, aber wenn wir da durch sind, dann geht es eigentlich eher um Funktion und Belastbarkeit. Das ist so schwer vergleichbar mit dem, was wir kennen von den anderen Patienten. Und Tänzer kommen auch wirklich erst und suchen Hilfe, wenn die Tanzfähigkeit oder die Arbeitsfähigkeit wirklich eingeschränkt ist. Die kompensieren viel und die tolerieren sehr viel. Wenn Tänzer sagen, das fühlt sich nicht gut an in meinem Fuß oder an meiner Hüfte, das läuft nicht rund oder das dreht nicht gut. Da gehen wir schon drauf ein, weil das sind so Signale. Also das ist für uns viel besser, wenn er uns das so erklärt, als wenn er sagt, meine Hüfte hat Schmerz 5. Da müssen wir halt sensibel sein und das auch ernst nehmen, wo andere vielleicht drüber lächeln, wenn jemand sagt, meine Hüfte dreht nicht richtig oder ich kann da gar nicht richtig rotieren. Das habe ich jeden Morgen. Genau, aber die spüren es wirklich und da findet man dann auch was. Was sehen Sie am häufigsten im Reha-Zentrum? Und Sprunggelenk, finde ich, ist ziemlich dominierend. Kniegelenk.

Fußsprunggelenksverletzungen. Also im Bühnentanz generell, vor allem wenn man klassisch arbeitet, also klassisches Ballett getanzt wird, die Beine, die unteren Extremitäten sind am häufigsten verletzt. Also das ist gerade, wenn wir über das Ballett sprechen, also so ein paar kleine Zehen, so kleine, sind ja kleine Gelenke. Was ist denn damit? Also darüber haben wir noch gar nicht gesprochen. Passiert schon aber auch, dass da was mit los ist, oder? Ja, ja, ja. Aber das ist ja nur ferner liefen, das ist ja nur ein Zeh. Naja.

Die sind total wichtig. Die Großzehe ist total wichtig. Die Füße der Tänzer sehen manchmal schon arg strapaziert aus. Was heißt das? Ganz viele Verformungen der Zehen, genau, Achsabweichungen, also der Halux valgus, den man ja weiter kennt. Da gibt es schon extremste Ausmaße zum Teil. Deshalb kommen die ja auch nicht zu Ihnen in die Reha. Nee, aber was wir natürlich berücksichtigen, also wir rehabilitieren ja ganzheitlich und wir schauen den Tänzer oder die Tänzerin auch immer ganzheitlich an. Also selbst wenn der jetzt nicht primär ein Fußproblem hätte, der Patient, würden wir trotzdem uns die gesamte Beinachse anschauen, die Fußstellung anschauen. Wie geht der Tänzer? Wie bewegt sich der Tänzer? Also wir machen eben viel auch so tanztechnische Bewegungsanalysen. Das gehört total dazu, weil das, was wir mit dem Tänzer erarbeiten während der Reha, musste er wieder übersetzen in seine Bewegungssprache. Das heißt, wir richten uns auch in den Übungen und in der Auswahl der Übungen.

Gehen wir schon in tänzerische Bewegungssprache. Einmal, weil sie sich darin wohlfühlen und weil sie dahin zurück müssen. Aber auch, weil wir wissen wollen, wie belasten sie die Struktur genau in dieser Form von Bewegungssprache. Und da finden sie Schwachstellen? Da finden wir immer Schwachstellen. Kopfathleten, das ist klar. Darüber müssen wir ja gar nicht reden. Aber jeder Mensch hat ja eine bestimmte Schwachstelle. Ich würde jetzt meinen, von Kopf bis Fuß ist eine Tänzerin oder ein Tänzer super durchtrainiert. Das sieht so aus, auch wenn man sie auf der Bühne sieht. Also finde ich auch, wenn ich sie mir auf der Bühne angucke, bei einer Vorstellung denke ich immer, es ist ein super Körper, es ist super gut durchtrainiert. Gerade der untere Rücken, denkt man immer, da sind die bestimmt perfekt. Und die ersten Erfahrungen, die wir dann auch gesammelt haben, wenn wir sie untersucht haben, waren da lang häufig dann die Defizite, weil sie darüber viel kompensieren, was ihnen vielleicht in der Hüfte fehlt, kompensieren sie dann über die untere Lendenwirbelsäule, kriegen dann aber auch irgendwann im Laufe des Lebens eben ihre Probleme damit. Viele akute Verletzungen ereignen sich wirklich. Es gibt so einen Ausdruck in der Medizin oder in der Sportmedizin, acute on chronic. Also die meisten Tänzer haben ja viel mehr chronische Beschwerden als akute Verletzungen. Es gibt viel, viel häufiger chronische Überlastungsschäden oder chronische Verletzungen.

Aber was wäre das dann? Arthrose, sowas? Ja, Arthrose auch. Aber wenn sie tanzen, macht sich das noch gar nicht so stark bemerkbar. Aber es gibt viele kleine Mikrotraumata, zum Beispiel Muskelverletzungen, die häufig ignoriert werden, nicht behandelt werden oder Umknicktraumata des Sprunggelenkes. An der Regel wird das halt so weggetanzt. Es wird einfach übergangen. Da ist man mal eine Woche draußen, dann geht man wieder rein. Und das ist wirklich gefährlich, weil es chronifiziert. Dann wird es häufig instabil, das Sprunggelenk. Und dann kommt der Tag, an dem sie zusätzlich noch total müde waren. Und es gibt vielleicht noch irgendeine emotionale Belastungssituation. Und dann passiert genau in dieser eher instabilen Situation noch eine akute Verletzung, die dann so heftig ist, dass sie wirklich ausfallen lange. Das ist ganz, ganz häufig die Entwicklung.

Ja, deswegen ist es so wichtig, dass wir an der Tanztechnik arbeiten, weil die Tanztechnik, wenn die nicht stimmt, müssen sie kompensieren. Wie Frau Henninger gerade sagte, sie müssen das dann mit anderen Bewegungsmustern kompensieren. Aus der Kompensation heraus entstehen irgendwann Fehlbelastungen, Überbelastungen, Schmerzen und daraus entsteht dann so eine Spirale, auf die sich irgendwann die akute Verletzung setzt. Dafür gibt es aber auch genau diese Zweige. Also Ihr Reha-Zentrum ist ja darauf spezialisiert. Das könnte vielleicht ein anderes Zentrum so gar nicht leisten, weil das sind ja schon sehr spezielle Bewegungsabläufe, die da sind. Genau. Deswegen haben wir halt auch ein Team, was sich so, also wir sind ja 50 Therapeuten, aber nicht alle behandeln diese Tänzer, sondern wir haben ein Team zusammengestellt, was sich darauf spezialisiert hat, die Tänzer zu behandeln, weil man sich schon in diese Materie wirklich reindenken muss. Welche Figuren tanzen sie? Wie sehen die Positionen aus? Was brauchen sie dafür? Damit man das halt im Blick hat. Und da muss man schon geschult sein. Genau, dafür gibt es halt auch spezielle Fortbildungen, wo wir dann die Kollegen hingeschickt haben, weil man dann wirklich in den Tanz reiben muss. Wenn man jetzt das große Glück hat, dass man selber Balletttänzer oder Tänzerin war, dann ist es natürlich einfach, aber das waren jetzt die wenigsten von uns. Das macht schon einen Unterschied.

Deswegen fühlen sie sich auch gut aufgehoben. Wenn ich sie dann aufnehme für die Rehabilitationsbehandlung und sie schildern mir, was ist passiert und wobei haben sie jetzt akut Probleme, Beschwerden, dann sprechen sie ja wirklich in ihrer Fachsprache. Und das Gute ist, dass ich die ja kenne, verstehe und mit ihnen teilen kann. Und das macht schon immer einen großen Unterschied. Man muss nicht so viel erklären oder übersetzen. Das ist ja eine andere Sprache. Und auch wenn der Therapeut dann mit Ihnen spricht und eben nicht sagt, wir machen jetzt mal eine Kniebeuge, sondern sagt, wir arbeiten jetzt mal an deinem Plie. Das ist sozusagen der Tanzfachbegriff dafür.

Den kennen sogar. Genau, das ist glaube ich wirklich einer, den kennen wirklich viele Menschen. Das schafft die Verbindung oder erzeugt die Verbindung und schafft einfach das Vertrauen, dass sie einfach wissen, hier bin ich irgendwo, also hier bin ich an einem Ort, an dem die Menschen wirklich verstehen, was ich da tun muss. Genau, die Kollegin muss natürlich auch erst mal lernen, also wie wird das Plie, das Demiplie, das Grandplie, wie wird es sauber ausgeführt? Das muss man halt wissen, um dann auch den Tänzer zu korrigieren oder daran zu arbeiten. Aber da haben wir auch praktische Sessions mit unseren Therapeuten gemacht. Das wollte ich gerade fragen. Also Frau Hennecke, tanzen Sie denn dann auch mal das Plie? Wir mussten das machen, weil wir geschult wurden und haben dann auch gemerkt, boah, das ist ja wirklich, wenn man nicht aus dieser Materie kommt, eine große Herausforderung. Wir müssen es selber am eigenen Körper auch mal spüren. Aber Sie sind nicht spitzentanzend durch den Ring. Nein, nein. Also das, glaube ich, das können wir alle nicht. Ich glaube, das kann ich so sagen. Der eine oder andere hätte sich vielleicht amüsiert. Genau, aber das wäre wenigstens diese Figuren können und wissen auch, was dahinter steckt. Das ist ja auch so ein aufgehoben Fühlen. Man muss auch so ein Faible, glaube ich, für die Persönlichkeiten der Tänzer haben, weil das sind schon ganz besondere Persönlichkeiten, also schon sehr, sehr sensibel, sehr, sehr feinfühlig. Wenn man mit Leistungssportlern arbeitet, man muss das Vertrauen gewinnen. Und da muss man ihnen schon sehr, sehr nah sein und spüren, was meint er jetzt, was braucht er.

Wie machen sie das? Ich glaube, es ist viel Intuition, oder? Ja, und ganz viel Kommunikation.

Es betrifft ja alle Menschen, wer verunfallt, ist erstmal in einem Ausnahmezustand. Das hat natürlich einen wahnsinnigen Einfluss auf das gesamte Leben, nicht nur beruflich, je nachdem auch, wie schwer man betroffen ist.

Bei Tänzern führt das manchmal tatsächlich sogar zu einer Identitätskrise, weil Beruf ist eben Berufung und der Beruf ist das gesamte Leben und die Kompanie ist auch ein familiärer Ersatz. Die kommen ja aus allen Ländern, also in manchen Kompanien haben sie mehr als 30 Nationen, dass die Familien weit weg sind und diese Prozesse hier nicht begleiten können, dass der Freundeskreis oder das soziale Umfeld, was eigentlich sonst trägt, sich aber in der Arbeit abspielt. Also die arbeiten quasi weiter, für die geht das weiter und der verunfallte Bühnentänzer ist so ein Stück weit jetzt von der Kompanie abgekoppelt durch die Zwangspause, durch die Rehabilitationsbehandlung und wir fangen da schon viel auf. Das sind Zukunftsängste, das sind Zweifel, Selbstzweifel, das sind wirklich bei manchen Krisen wie, was bin ich denn eigentlich jenseits des Bühnentanzes? Also eine Tänzerin hat mal zu mir gesagt, nach der Rehabilitationsbehandlung Anfang 30, also irgendwie habe ich den Eindruck, ich fange jetzt erst an erwachsen zu werden und ich weiß eigentlich gar nicht, was ich in meinem Leben will. Weil es nie was anderes gab und weil es immer so flüssig ging von jetzt gehe ich in die Kindertanzschule, dann werde ich ausgewählt für die Profi-Ausbildung, dann bekomme ich ein Stipendium, dann gehe ich in die erste Kompanie und also viel auch gesteuert von anderen Menschen.

Also ein vorgezeichneter Weg. Ja, und wenn man natürlich Talent hat, Begabtes und so weiter, dann gibt es natürlich Förderer, die den Weg dann weiterzeichnen und dann kommt so ein Unfallereignis. Und dann sind manche tatsächlich zum ersten Mal so richtig allein und auf sich zurückgeworfen. Und das ist ein Prozess, mit dem sind wir alle. Total intensiv dann konfrontiert. Und je länger sie bei uns sind, desto mehr öffnen sie natürlich das Herz und lassen uns da teilhaben. Und desto mehr werden wir dann auch zu Gesprächspartnern. Und vertraut uns dann auch, weil er denkt, okay, die sind alle auf dem gleichen Stand und bringen mich dann auch so auf den Weg. Ja, ich sehe die auch wirklich jede Woche einmal. Also ich mache wirklich eine wöchentliche Visite mit diesen Patienten. Und auch mit dem Therapeutenteam sitzen wir wirklich einmal wöchentlich zusammen.

Und besprechen den Status quo. Formulieren gemeinsam ein neues Ziel. Also wir begegnen uns natürlich jeden Tag. Das Schöne an der Arbeit im Reha-Zentrum, dass wir so ein interdisziplinäres Team sind auf einer Etage, auf einer Ebene. Also wir laufen uns ja permanent über den Weg. Und auch ich kann mal schnell reinhuschen in eine Therapie, mal fünf Minuten zuschauen. Da merkt man auch das Schätzen, die Patienten unheimlich. Also so haben sie eben auch Vertrauen, weil sie ganz genau wissen, wenn wir auch denken, da ist jetzt was nicht in Ordnung, das guckt nochmal bitte die Ärztin drauf oder so, dann machen wir das halt sofort. Und dann sind sie auch wieder beruhigt. Und je besser sie mental aufgestellt sind, desto besser läuft natürlich der Rehabilitationsverlauf. Haben Sie bei sich denn auch eine Ballettstange? Ja.

Ja, wenn ich sie jetzt besuchen würde, könnte ich eine Runde tanzen. Vor zwei Jahren sind wir in die Hafencity gezogen.

Und wir hatten schon im alten Reha-Zentrum mit Tänzern angefangen und haben gesagt, das würden wir auch gerne weiter ausbauen. Aber dann müssen wir natürlich auch die räumlichen Bedingungen schaffen. Und dann haben wir dafür gesorgt, dass wir einen Tanzboden bekommen haben. Wer ist so wichtig, weil? Weil der ist federnd, also Tänzer springen halt viel und das ist schon ein Unterschied, ob ich auf einer Betonplatte wieder lande oder eben auf dem Tanzboden. Und gerade wenn sie halt verletzt sind, dann wäre es ja sehr ungünstig, sie so hart landen zu lassen. Und dann haben wir halt einen großen Spiegel mit einer Ballettstange und somit können sie, wenn sie dann so weit in der Rehabilitation sind, dass sie eigentlich fast wieder ins Training einsteigen wollen, Können Sie bei uns vorher schon Ihre Figuren probieren, antesten, Sprünge antesten, um dann nachher wieder ins Training einzusteigen. Ach, so eine ganz sanfte Begleitung. Genau. Das ist eine bestimmte Anekdote, irgendein Erlebnis, was Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist. Fangen wir mal bei Ihnen an, Frau Hauschild. Also es gibt diese Anekdote mit dem Schmerz, die ich ja vorhin schon erzählt habe. Das Gespräch, da erinnere ich mich noch gut dran. Und es gibt aber eben auch so ganz berührende Momente, so wie diese Tänzerin, was ich vorhin sagte, wie die dann vor mir steht und sagt, ich habe jetzt erst verstanden, dass ich noch nie...

In meinem Leben gemacht habe, was ich wollte, dass ich jetzt mal erwachsen werden muss. Also das sind dann schon so Momente, die gehen mir auch persönlich total nah, weil ich habe ja auch so einen Transition-Prozess für mich durchlaufen und merke natürlich auch gerade, wenn ich in Theatern bin, ich bin ja manchmal auch bei Kompanien zu Gast und mache dort Testungen, untersuche Tänzer.

Berate oder führe auch Workshops mit denen durch. Und wenn ich in so ein Theater gehe, dann fühle ich mich da immer noch total zu Hause und dann passiert irgendwie auch was mit mir. Vermissen Sie das, die Bühne?

Vermissen würde ich nicht unbedingt sagen. Ich kann es wieder total genießen. Aber Sie müssen ja auch nicht liefern. Ich muss nicht liefern, genau. Also medienisch gerne, aber nicht körperlich. Also es ist immer noch ein Ort, an dem ich mich total wohlfühle und wenn ich einen Tanzsaal betrete, dann bin ich irgendwie auch in erster Linie keine Ärztin. Also ich fühle mich dann auch mit den Tänzern so nah und so verbunden und es ist interessant, wenn ich mal Menschen bei mir habe, die mich nicht kennen aus der Zeit, die sagen dann auch, du gehst ganz anders, du verhältst dich ganz anders, schwupps, sitze ich auf dem Boden mit der Kompanie, also man übernimmt dann, also man ist dann einfach wirklich wieder in so einem anderen Modus. Voll sozialisiert. Ja, ich bin ja wirklich in dieser Welt sozialisiert worden. Das ist ja tatsächlich so. Und das hat mir natürlich auch viel Handwerkszeug mitgegeben für eine neue berufliche Karriere, weshalb ich die Tänze auch immer ermuntere und sage, also was wir wirklich können, ist diszipliniert und zielstrebig auf eine Sache zuarbeiten und an der dranbleiben. Und dann motiviere ich die immer und sage, ihr könnt so viel mehr als tanzen. Da sind so viele Softskills im Hintergrund, die man für jeden anderen Berufsweg verwenden kann und die da wirklich von Vorteil sind, sodass ich ihnen eigentlich immer versuche auch zu zeigen, denkt nicht so klein und so eng, sondern ihr könnt alles werden, was ihr werden wollt, wenn die Tanzkarriere vorbei ist. Aber es sind eher Gespräche mit Tänzern, die mich dann berühren und wo ich dann wirklich, also was mich dann manchmal auch so emotional doch auch manchmal noch ganz schön, was mir nahe geht.

Und bei Ihnen, Frau Hennecke, erinnern Sie sich an etwas, was irgendwie so ganz nachhaltig war? Also was so bei eher so jüngeren Tänzern ist, die ja noch nicht so ganz ausgereift sind, wenn die dann sagen so, ich bin jetzt ja noch fitter, ich fühle mich noch stabiler, als ich vor der Reha war und dann denke ich, okay, dann haben wir ja schon ganz viel erreicht oder ich höre jetzt viel besser auf meinen Körper, ich nehme das jetzt wahr, wo ich denke, okay, dann haben meine Kollegen alles richtig gemacht. Das ist ein schönes Feedback. Aber was Frau Hennige gerade sagte, dass das eben so unsere Maxime, besser raus als rein.

Und das ist der Anspruch und das sagen wir den Tänzern auch. Also unser Anspruch ist, dass du hier gestärkter rausgehst und besser rausgehst und mit einer besseren Technik als du reingekommen bist. Und ich würde sagen, das schaffen wir bisher auch. Also wenn jetzt nicht eine Gewalt von außen einwirkt, dann ist es ja sozusagen immer, weil der Körper vielleicht nicht fit genug war für die Position oder für die Rolle. Und deswegen ist das Ziel schon, das Optimale rauszuholen, damit das eben nicht wieder passiert. Genau, wir waren eben bei besser raus als rein und auch eben bei den Zukunftsvisionen der Tänzerinnen und Tänzer, die sich vielleicht manchmal ja offensichtlich erst bei Ihnen auftun, wenn Sie im Reha-Zentrum sind.

Gab es denn auch schon mal welche, die in ihre Fußstapfen treten wollten? Ja, gab es auch schon. Dass sie dann gesagt haben, weil sie wissen, ihre Karriere ist ja endlich, aber auch, dass sie mit ihren Fähigkeiten halt, und wenn sie dann noch in die Physiotherapieausbildung gehen, natürlich auch einen Beruf vor sich sehen, wo sie gebraucht werden, wo Bedarf da ist, weil sie beides dann eben so vereinen, wo sie dann ihren Kollegen helfen können. Und einen Tänzer hatten wir eben, der hat danach tatsächlich Psychologie studiert. Durch die Arbeit auch während der Rehabilitationsbehandlung mit einem Sportpsychologen. Den hat es so inspiriert, dass der dann Psychologie studiert hat. Sie waren ja auch Tänzerin. Genau. Warum nicht mehr? Warum die Medizinerin? Ja, also mich hat schon immer nicht nur das Tanzen interessiert.

Also mein Interesse war immer breit gefächert, muss ich sagen. Und ich habe dann durch meine vielen kleinen Verletzungen auch so eine kleine Zwangspause gehabt, als ich fertig war mit dem Studium und bin dann schon mit großem Interesse in die Medizin eingestiegen. Und habe dann eben so tanzmedizinische Workshops besucht. Und dann ist mein Interesse gewachsen, gewachsen. Und dann dachte ich so, das wäre es eigentlich nochmal. Medizin studieren und beides zusammenbringen. Und dann nicht mehr auf die große Bühne. Und dann nicht mehr auf die Bühne zurück. Und dann habe ich mit Mitte 20 mit dem Medizinstudium begonnen. Habe dann auch einige Jahre das Theater erstmal wirklich gemieden. Weil es war natürlich erstmal eine Kopfentscheidung. Also so im Herzen hatte ich noch nicht so richtig Abschied genommen.

Und dann war aber für mich recht schnell klar, was ist die Richtung. Und ja, jetzt bin ich an einem Punkt, auch in meiner beruflichen Laufbahn, wo die Tanzmedizin wirklich ein ganz, ganz fester Bestandteil meiner täglichen Arbeit ist. Das ist schon sehr erfüllend. Was ist denn ein wirklich gelungener Reha-Verlauf, wenn man wieder auf der Bühne steht? Oder wo machen Sie da den Punkt? Also ein gelungener Reha-Verlauf ist, wenn wir das so optimal hingekriegt haben, dass wir ihn wirklich sukzessive auflasten konnten, ohne dass es die ist. Was in der Reha normal ist, dass es bergauf geht, dann gibt es eine Phase, stagniert ist. Wenn man Pech hat, geht es nochmal ein Stückchen runter, dann geht es wieder ein bisschen bergauf. Wenn man vielleicht es schafft, ohne dieses Stückchen runter, dass es wirklich so kontinuierlich bergauf geht. Und wenn wir ihn nicht sehen, also wir können ihn gerne wiedersehen, aber nicht mit einer Rehverletzung. Haben Sie sich denn schon mal ein Stück angeguckt und einen Ihrer Patienten oder Patientinnen wieder getroffen? Also gesehen auf der Bühne und gedacht, ha, läuft doch wieder. Ich habe eine Tänzerin wieder gesehen und habe gesagt, okay, die hatten wir ja bei uns, super. Wir tanzen wieder zurück. Haben Sie das mal erlebt? Das ist ein bisschen so ein zweischneidiges Schwert, weil ich gucke natürlich dann die Tänzer auf der Bühne an und kenne aber die medizinische Geschichte. Oh nein. Ja, und ich gucke dann manchmal natürlich noch mit einem anderen Auge hin. Und wenn dann so bestimmte spezifische Belastungen kommen oder so ein bestimmter Sprung oder irgendwas, dann merke ich, dass ich dann manchmal anders hingucke und denke, ah, steht es jetzt, ist es stabil?

Oder können Sie Ihre medizinische Haut nicht abstreifen? Nee. Die sind ja lang bei uns. Je nachdem, welche Schwere der Verletzung Sie haben. Aber im Schnitt rehabilitieren wir ja drei bis vier Monate, weil wir sie ja in solche Spitzenbelastungen zurückführen müssen.

Das kann ich dann schwer abstreifen. Aber wenn wir jemanden oder wenn ich jemanden sehe auf der Bühne, der länger bei uns war, ist das in erster Linie für mich erstmal total erfüllend. Weil gelungene Reha ist natürlich schon das, was Frau Henne gesagt hat. Für mich ist es eben auch, dass wir wirklich auf die Bühne, also dass der Tänzer auf die Bühne zurückkommt, das ist ja das eigentliche Ziel. Und was für mich auch ganz wichtig ist, dass die ohne Angst zur Arbeit zurückgehen. Also dass wir sie so stark gemacht haben, auch mental belastbar gemacht haben, dass sie keine Angst haben vor dem ersten Training. Oder, und das ist immer ein kritischer Moment, wenn die Bewegung, das Element oder die Figur kommt oder die Szene, bei der die Verletzung passiert ist. Das ist immer so ein kritischer Punkt. Den versuchen wir manchmal am Reha-Ende nochmal aufzugreifen und zu simulieren. Wir hatten auch eine verletzte Schulter, die wirklich gut rehabilitiert war. Er hatte aber noch nicht so richtig Zutrauen zu seiner Schulter. Und dann haben wir Ratschlagen gemacht, weil das hat er sich erst gar nicht zugetraut. Dann kommt er auf einmal mit welcher Seite, also mit welcher Hand stütze ich zuerst. Dann haben wir es erst mit der betroffenen Seite gemacht, mit der nicht betroffenen, also mit der unverletzten Seite. Und dann hat es anderthalb Tage gedauert, bis er sich das dann zugetraut hat mit der anderen Seite. Und dann hat er es ein paar Mal gemacht und gesagt, jetzt ist es gut. Was ich aber mal gesehen habe, auch ein Stück, also ich war der Meinung, der Tänzer hat sich verletzt.

Während des Aufkürzes. Ja, genau. Er hat aber weiter getanzt. Und dann war Pause. Hat sie das nicht total wuschelig gemacht? Ja, weil ich so dachte, habe ich so schräg geguckt? Also ich war mir sicher, der hat sich verletzt. Und dann war Pause und dann kam der Ballettdirektor aber auf die Bühne und hat bekannt gegeben, dass sich der Tänzer verletzt hat, aber ja großartig durchgehalten hat und dass jetzt ein Wechsel stattfindet. Okay, habe ich doch richtig gesehen. Aber wie unglaublich, der hat wirklich weiter getanzt. Wo ich dachte so, oh Gott.

Ja, da gibt es verrückte Fälle. Tanzen zum Teil auch auf gebrochenen Knochen, Füßen. Ja, gibt es alles. What? Ja, weil auf der Bühne ist natürlich, also der Adrenalinspiegel ist so hoch. Das hält schon noch eine gewisse Zeit. Aber ich habe auch schon erlebt, dass dann jemand in der Seitengasse wirklich auch kollabiert ist. Also ich glaube, es ist einfach oder für mir ist es einfach ein Anliegen oder uns allen, die in der Tanzmedizin irgendwie arbeiten, dass einfach ein Bewusstsein da ist, dass das Menschen sind, die ihrem Körper für das, was sie da tun, wirklich etwas Maximales abverlangen. Und dass das nicht nur körperlich maximal belastend ist, sondern eben auch mental. Zum Körper sind sie hart. Da sind sie sehr, sehr hart zu ihrem eigenen Körper. aber... Sensibel, mental. Also wir haben wirklich im Tanz auch mit mentalen Gesundheitsproblemen zu tun. Ja, man muss performen, man muss leisten und jeder ist ersetzbar. Und der deutsche Arbeitsmarkt ist auch ein sehr beliebter Arbeitsmarkt. Wir haben eine hohe Theaterdichte, also wir haben sehr viele Ensembles. Im europäischen Vergleich sind wir ja das Land mit der höchsten Ensembledichte. Und wenn du hier einen Festvertrag bekommst am Haus, hast du halt ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. Hamburg natürlich auch besonders schön. Ja, total.

Auch weil die Stadt einfach sehr attraktiv ist. Das hört man natürlich auch. Und die Company hier natürlich auch ein tolles Renommee hat. Und das ist für viele natürlich eine Company, in der man gerne mal getanzt haben möchte. Okay, nun sind wir hier heute ja nicht auf der Bühne. Aber wenn ich Ihnen eine Superkraft geben könnte, was hätten Sie denn gern? Was dürfte ich denn mal rauszaubern? Ich komme ja ursprünglich aus der Leichtathletik. Und wenn ich mir jetzt was wünschen könnte, weil ich kann es mir jetzt gar nicht mehr so intensiv aneignen, dass ich wirklich diese tänzerischen Fähigkeiten hätte. Oh ja, von Ihrem Patientin und dem Patienten? Genau. Ach, das würde ich Ihnen gerne. Ich würde es sofort annehmen.

Und dann aber auch nochmal auf die große Bühne oder nur für die Arbeit? Nur für die Arbeit. Nur für die Arbeit, ganz bescheiden. Obwohl, das ist ja auch schon viel zu alt. Genau, ich würde da gar nicht mehr genau reinpassen. Ich weiß nicht, ich wäre super alt dafür. Da denken die, was will der denn die Oma hier auf der Fülle? Ja, wobei also Tanzen als generelles gesundheitsförderndes Mittel, das sollte man wirklich bis ins hohe Alter machen. Das kann man auch bis ins hohe Alter machen. Ja, okay, man muss es ja nicht bühnenreifen. Nein, genau. Also das finde ich nochmal einen schönen Tipp.

Aber tanzen zu gehen ist jedes Alter eine absolut empfehlenswerte, ich will es gar nicht Sportart nennen, aber tatsächlich viel besser als zu joggen. Das sehe ich alle. So, da haben wir die Tänzerin und die Leichtathletin hier vor dem Mikro. Ja, also ich wäre auch eher so beim Tanzen dann auf der Party. Gilt denn auch, wäre ein Tanz von rechts nach links so ein bisschen oder nur so ein bisschen? Ja, weil es ist ja was Ganzheitliches. Das Tanzen sozusagen hat ja ganz viele positive Effekte auf den gesamten Körper. Aufs Immunsystem, weil man einfach Glücksgefühle produziert. Man hat Spaß, man hat Freude. Das sozusagen stabilisiert das Immunsystem. Man lernt, wenn man tanzen geht, hat man ja koordinativ viele Aufgaben zu bewältigen. Man lernt komplexe Schrittfolgen, auch in der Leihentanzschule oder beim Paartanzen oder wo auch immer. Fürs Gehirn dann wieder gut. Das ist fürs Gehirn einfach gut. Man weiß mittlerweile ja wirklich, Tanzen hat auch eine neuroprotektive Wirkung. Und bei Parkinson-Patienten ist es tatsächlich so, dass es auch ein Taktgeber werden kann, dass die schneller in Bewegung kommen.

Und diese Bewegungsstarre leichter auflösen können, wenn die dann sozusagen den Takt einer Musik im Kopf haben oder eine Schrittfolge im Kopf haben. Also Tanzen ist gesund.

Ja gut, das geben wir dann auf jeden Fall den Hörerinnen und Hörern mal mit. Tanzen ist gesund und egal was, richtig? Ja, weil man kann ja auch im Sitzen tanzen. Also es gibt Seniorentanzangebote im Sitzen. Es gibt Rollstuhltanzangebote. Also wirklich, das ist ja das Schöne, dass man, wenn man jetzt nicht im Profibereich unterwegs ist, man immer tanzen kann. Wie oft soll ich das denn machen? Also reicht es auch, dass ich zu Hause das Radio anstelle und vielleicht zwei, drei Lieder ein bisschen durch die Wohnung wippe? Das hat definitiv positive Effekte auf Ihre Gesundheit. Also sich bewegen ist immer besser, als sich nicht bewegen. Ich mache das ehrlich gesagt manchmal in der Mittagspause in meinem Abendzimmer, dass ich dann wirklich von der Playlist mal einen Song laut drehe und dann einfach mal einen Song tanze. Hätten Sie auch noch eine super Kraft, die Sie gerne hätten? Ja, ich hätte total gerne heilende Hände. So auflegen und dann heilen können. Könnte man so ein Knie umfassen? Ja, zum Beispiel. Aber es ist eigentlich auch so ein bisschen das wahre Hexenwerk. Also Hex, Hex und dann ist wieder gut.

Eigentlich möchten sie eine Hexe sein. Bisschen eine kindliche Vorstellung, ja. Bibi und Tina. Ja, aber das denke ich mir manchmal. So heilende Hände. Auch wenn wir manchmal so Patienten haben, bei denen so ein Knochen ewig nicht heilt, so ein Knochenbruch. Dann denke ich mir manchmal, oh, das wäre so toll. Also was ich gelernt habe ist, tanzen, egal in welcher Form, egal wie, egal wann, tut immer gut. Das werde ich mir auf jeden Fall hinter die Ohren schreiben. Sie vielleicht auch, liebe Hörerinnen und Hörer. Frau Hausschild, Frau Hennecke, so schön, dass Sie da waren, dass Sie hier reingetanzt sind zu mir. Das hat mir viel Spaß gemacht.

Ja, ganz herzlichen Dank. Ich fand es auch total interessant und angenehm. Schöner Austausch in diesem Sinne. Eine bewegte Woche. Ja, eine bewegte Woche, genau. Ja, auch vielen, vielen Dank. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Schön, dass wir hier sein konnten. Liebe Hörerinnen und Hörer, schön, dass auch Sie da waren und mit uns die Bühne geteilt haben. Weitere Informationen über das BG Reha-Zentrum HafenCity und alles, was dazu gehört, die Bühne, die man da bespielen kann mit allen MedizinerInnen und TherapeutInnen, finden Sie im Hamburger Abendblatt und natürlich auch online. Bleiben Sie gesund. Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App.

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