Die Hamburger Klinikhelden, der Podcast über Berufe mit Sinn. Vom Hamburger Abendblatt und dem Verband der freigemeinnützigen Krankenhäuser in Hamburg. Die Freien. Moin und herzlich willkommen zu den Hamburger Klinikhelden, dem Podcast über Berufe mit Sinn. Heute steht mal wieder, wie schön, das Herz im Mittelpunkt. Haben Sie sich schon mal gefragt, wie Sie im Krankenhaus behandelt werden möchten? Wahrscheinlich schon. Das Erste, was mir einfiel war, ich möchte zügig behandelt werden und von Profis, die wissen, was sie tun. Klar, mein heutiger Gast ist Michael Klinkhammer. Er ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie im Agaplesium Diakonie Klinikum und er tut genau das. Aber er macht noch weit mehr. Er behandelt seine Patientinnen und Patienten wie seine eigene Oma. Den Grund dafür und auch, was sein Herz höher schlagen lässt, hören Sie jetzt. Herr Klinkhammer, schön, dass Sie da sind. Ja, vielen Dank, Frau Bülkemeyer, für die Einladung. Ich bin jetzt mal kurz Ihre Oma und lande mit Herzproblemen bei Ihnen. Wie behandeln Sie mich?
Naja, man muss zuerst mal schauen, was überhaupt dazu geführt hat, zu der Vorstellung. Ob es jetzt was Akutes ist, ob es die Verschlechterung von einem chronischen Leiden ist. Und dann muss man erstmal ordentlich Ananese machen und mal schauen, warum und was los ist. Und dann schauen, dass wir mit unserer apparative Medizin, die wir zur Verfügung haben, schauen, dass man Fakten schafft und danach einen Behandlungsplan aufstellt. Und das machen Sie wahrscheinlich sehr freundlich und sehr zugewandt? Natürlich, immer. So wie Sie eben mit Ihrer eigenen Oma wären.
Wie ist es dazu gekommen, also diese Philosophie, dass Sie das so verfolgen? Ich war mal, als ich noch junger Assistenzarzt war, auf einer Fortbildung in Leipzig und da hat der Dozent ganz am Anfang irgendwie diesen Spruch gebracht, da ging es auch um Berufsethos und das alles und er meinte, stellen Sie sich mal vor, Sie gehen ins Krankenhaus oder es sind Ihre Angehörigen und deswegen möchte er, dass wir jeden Patienten so behandeln, als wäre es die eigene Angehörige oder die eigene Oma. Das hat er dann auch auf die Spitze getrieben, weil ich denke mal, von der Oma möchte jeder, dass er sehr gut behandelt wird. Bei den Angehörigen ist ja immer die Frage, ob es die eigenen oder die Schwiegereltern sind.
Deswegen, das fand ich einen sehr bemerkenswerten Spruch und der ist mir wirklich hängen geblieben und sei es auch nur, wenn man selber vielleicht auch mal Patient ist, kommt ja auch heutzutage mal vor, dass man auch als Arzt mal krank ist und irgendwie Patient ist und dann kriegt man diesen anderen Blickwinkel und sieht vielleicht erstmal Probleme, die man vielleicht so im Klinikalltag oder im Praxisalltag gar nicht sieht.
Was ist denn so Ihr Steckenpferd? Was behandeln Sie am allerliebsten?
Also die Kardiologie ist ja ein sehr breites Fachgebiet, muss man sagen. Man denkt immer, ja, Kardiologie ist ein Teilgebiet der inneren Medizin und die innere Medizin geht ja über den Darm, die Nieren, Lebererkrankungen und auch das Herz. Und selbst beim Herzen gibt es viele verschiedene Aspekte. Ich sage immer zu meinen Patienten, dass es stellen sich wie ihren Motor vor. Der Motor hat ja eine Mechanik.
Das sind beispielsweise die Herzklappen, dann hat es die Einspritzung, das sind die Herzkranzgefäße und dann hat es die Elektrik. Das ist das, was wir mit dem EKG ableiten und was quasi das Herz zum Schlagen bringt. Und ich finde, diese Kombination aus allem ist halt das, was mich am meisten interessiert. Deswegen bin ich auch allgemeiner Kardiologe, aber mein Steckenpferd ist da die Behandlung der Herzschwäche, weil im Prinzip auch ganz viele Faktoren, genau da, die ich gerade eben erwähnt habe, zusammenkommen. Sprich, Rhythmusstörungen können das Herz beeinflussen, strukturelle Erkrankungen können das Herz beeinflussen oder die Durchblutung, sodass es im Prinzip so ist, dass man breites kardiologisches Fachwissen braucht, um diese Erkrankung allein nur vom Herz nicht zu verstehen. Aber als Internist ist es mir immer sehr wichtig, dass man diese Herzschwäche nicht nur einordnet als Herzerkrankung, sondern als systemische Erkrankung. Weil das Gleichgewicht von Herz, Niere, Lunge oder auch dem Magen-Darm-Trakt spielt eine entscheidende Rolle. Man kann nicht nur eine Sache behandeln und dann wird alles gut, sondern man muss im Prinzip alles ganzheitlich sehen, damit man die Erkrankung versteht und danach auch gut behandeln kann.
Also Herzinsuffizienz, Herzschwäche bedeutet für viele ja, es kommt nur was aus dem Takt oder ich habe ein bisschen Wasser in den Beinen, ich muss dringend mal zum Arzt gehen, aber machen sich vielleicht gar nicht so wahnsinnig viele Gedanken. Es ist ja aber trotz allem eine ernstzunehmende Krankheit. Genau und ich sage immer, es ist eine Erkrankung, die leider einen viel zu guten Stellenwert bei uns in der Gesellschaft hat, wie Sie schon sagten. Manchmal wird nur gesagt, ja ich habe abends dicke Beine, dann geht man zum Haus, als der verschreibt einem eine Wassertablette und das läuft dann nicht nur über Jahre, sondern Jahrzehnte von mir aus. Und im Hintergrund schwelen dann Probleme, die man vielleicht gar nicht sieht. Bei Männern ist es ja häufig so, dass eine Herzerkrankung, eine koronare Herzerkrankung, sprich eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, die Ursache für eine Herzschwäche ist und da wird nie nachgeschaut. Und wenn man letztendlich sich immer nur auf die Symptome, das Wasser in den Beinen und vielleicht diese Belastungsintoleranz beschränkt, dann kommt man gar nicht dahinter. Und wenn man sich das 5-Jahres-Überleben bei Herzschwäche anschaut, dann kann es bei schweren Formen der Herzschwäche so sein, dass 50% der Patienten nach 5 Jahren bereits tot sind.
Und das ist bei vielen Krebserkrankungen, gerade durch die neuen Chemotherapeutika, nicht so. Und deswegen finde ich immer, wenn man einmal so eine Erkrankung hat, dann muss man sie zumindest auch, oder man nimmt die Erkrankung vielleicht ernster, wenn man auch weiß, wie ernst die Lage dahinter ist. Und nicht nur das bagatellisiert auf ein bisschen Wasser oder kommen die Treppen nicht richtig hoch. Interessant finde ich, dass Sie sagten, dass Sie Ihre Patientinnen und Patienten dann sehr ganzheitlich betrachten. Das heißt, Sie arbeiten auch viel mit Kollegen und Kolleginnen zusammen, interdisziplinär. Man muss immer schauen, was die Grundlage für jede Erkrankung ist und gerade in der heutigen Zeit ist es so, dass häufig der Diabetes der Anfang von allem ist. Sprich, es geht über die Ernährung los, wo man dann frühzeitig eingreifen sollte.
Endet dann vielleicht in einem Diabetes. Der Diabetes führt dann zu einem hohen Blutdruck und das irgendwann in Kombination von allem zu einer Herz-Kranz-Gefäß-Erkrankung oder zu einer Erkrankung der gesamten Gefäße, die dann auch beispielsweise die Nierengefäße mit einschließen können, sodass die Nierenfunktion schlecht wird. Wenn man dann noch Raucher ist und dann eine schlechte Lungenfunktion hat, dann kommt irgendwie alles zusammen. Und das ist das Riesenproblem, dass die Herzschwäche als Erkrankung, wie gesagt, nicht nur das Herz betrifft, sondern das Gleichgewicht aller Organe. Und deswegen finde ich immer, muss man dem auch gerecht werden und alle Sachen sich anschauen und beispielsweise, wenn es um Nierenerkrankungen geht, dass man die Patienten auch frühzeitig mit einem Nierenspezialisten in Kontakt bringt, dass quasi der Hausarzt so ein bisschen der Koordinator ist, der Kardiologe muss dabei sein, der Nephrologe muss dann dabei sein und bei einer Lungenerkrankung der Lungenfacharzt und dass man wirklich dieses komplexe Zusammenspiel aller Organe dann auch dirigiert, sage ich jetzt mal. Und deswegen ist das eine schwierige Aufgabe und wir versuchen dann natürlich ordentlich dran zu bleiben und ordentlich mit zu dirigieren und auch immer rechts und links zu gucken und nicht nur auf das eine Organ fokussiert.
Sie haben das vorhin so schön beschrieben mit dem Auto. Ich sah sie im Blaumann, handwerklich, Kfz-Mechanikermäßig am Auto und alle müssen irgendwie mithelfen. Entspannterweise habe ich diese Erklärung noch nie bei meinen Kindern angewandt, sondern immer nur bei Patientinnen und Patienten, aber das muss ich vielleicht nochmal versuchen. Aber es ist auch in der Tat so, wenn wir zum Beispiel im Herzkatheter sind, dann sind diese sterilen Kittel, die wir bei uns im Haus haben, sind die auch so blau. Sprich, man sieht so ein bisschen auch aus wie so ein Kfz-Mechaniker und ich sage immer so, die Herzkranzgefäße, wie gesagt, das ist ja im Prinzip wie die Rohrleitung in unserem Körper und dann versuchen wir auch die Rohre einfach darzustellen und zu gucken, ob die frei und durchgängig sind, also so der Vergleich passt. Ja, es ist alles am Ende ein Handwerk, auch fürs Herz. Ja, also man muss auch, glaube ich, handwerklich ein bisschen begabt werden, um gewisse Untersuchungstechniken zu machen.
Nicht jeder Arzt ist ja quasi für alles begabt, aber dafür muss man auch sagen, ist die gesamte Medizin ganz schön breit, sodass, glaube ich, für jeden irgendwas dabei ist. Bei Ihnen ist es das Fingerspitzengefühl, vermute ich mal, wenn ich mir vorstelle, dass jemand meine Herzkranzgefäße anschauen möchte und vielleicht mit einem Draht. Ja, spannenderweise macht man sich das ja auch gar nicht bewusst. Wenn wir jetzt zum Beispiel Herzkranzgefäße darstellen und da ist wieder der Straßenverkehrvergleich ganz gut. Wir schauen uns ja im Prinzip nur die Autobahnen an und vielleicht noch so ein bisschen die Landstraßen. Aber die kleinen Straßen ganz hinten, wir nennen das im Schlauen die Mikrozirkulation, die können wir gar nicht darstellen. Es gibt das erste Verfahren, womit man die messbar machen will, aber darstellen können wir die nichts. Weil sie so winzig sind. Weil sie so winzig sind.
Und letztendlich, aber wenn wir uns überlegen, was winzig bedeutet, ich sag mal, wenn man vorne direkt nach dem Abgang der Hauptschlagader den ersten Teil des Kranzgefäßes hat, dann spricht man da von einer Kranzgefäßdurchmesser von 4 bis 5 Millimetern. Das ist für mich schon klein. Das ist schon sehr klein. Aber für Sie ist das offen wie ein Scheunentor. Ich wollte gerade sagen, wir sagen dann, das ist aber riesig. Ja, das Scheunentor. Aber ja, okay. Wie eng wird es denn nach hinten raus? Naja, wir sagen bei Behandlung von Engstellen ist es so, dass das Gefäß schon einen Durchmesser von zwei Millimeter haben muss, dass es überhaupt was bringt. Wir wissen ja aus vielen Studien, dass nur ein makroskopisch schönes Ergebnis nicht unbedingt dazu führt, dass das auch funktionell für den Patienten was bringt oder dass es das Überleben verlängert. Und im Moment sind auch die Konzepte bei der Behandlung der coronaren Herzkrankheit schwer auf dem Prüfstand. Weil es immer wieder so ist, dass man neue Daten dazu hat, neue Techniken hat. Gerade im Vergleich von irgendwie Stent-Techniken, diese Metallgerüste, die eingebaut werden, von vor zehn Jahren zu jetzt oder von vor 20 Jahren zu jetzt, da hat sich durch die Technik allein schon so viel getan, dass die Ergebnisse heutzutage schon viel besser sind. Aber funktionell für den Patienten macht es kaum Unterschied. Wie sieht denn ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus? 9 to 5 ist es nicht.
Kommt immer auf den Tag an, unter Umständen ja. Also jeder Oberarzt betreut bei uns eine Station auch mit, sodass es erstmal morgens auf die Station geht. Man bespricht sich mit den Stationsärztinnen und Ärzten und dem Pflegepersonal. Meistens sieht das so aus, dass initial so Ultraschalluntersuchungen anstehen und dann wird erst priorisiert Intensivstationen, Überwachungsstationen, dann die ganzen stationären Patienten und dann schaut man, welche invasiven Untersuchungen anstehen. Wenn natürlich Notfälle zu jeder Zeit dazwischen kommen, muss man immer wieder seine Arbeit unterbrechen und dann dem Rechnung tragen. Und dann ist es meistens auch schon Mittagszeit, dann haben wir noch eine Röntgenbesprechung. Danach wird noch das gemacht, was noch da ist und am Nachmittag geht es dann nochmal auf die Station, sodass man nachmittags nochmal die neuen Patienten bespricht oder wenn auch irgendwelche Probleme sind. Wie gesagt, dieser Arbeitsplan, den man sich so für einen Tag macht, kann an jeder Punkt irgendwie wieder torpediert werden.
Notfälle, Entwicklungen auf der Station. Andere Fachabteilungen brauchen kardiologischen Support. Sodass es immer so ein Grundplan ist. Und dann muss man immer wieder gucken, wie man sich so durchwindet. Und dann wieder vielleicht auch mal zurück zum Anfang kommt. Wenn man einen Plan aufgestellt hat und der ist meistens dann voll, dann überlegt man sich schon, wie kann das klappen? Und dann kommt irgendwie ein Patient mit akuten Schmerzen oder einem akuten Herzinfarkt zu Fuß oder mit dem Rettungsdienst.
Der ganze Plan im Prinzip wird mal einen Haufen geworfen und man muss dann schon gucken, okay, bevor das losgeht, welche drei Schritte muss ich jetzt noch organisieren, damit nicht die Patienten von mir aus eine Stunde vor irgendeiner Untersuchungszimmer warten. Sodass es immer ein Plan, der sehr flexibel sein muss. Herzen lassen sich nicht planen. Das stimmt. Herzen lassen sich nicht planen und kommen auch manchmal einfach ganz unverhofft. Kriegen Sie der Herzrasen, wenn es stressig wird? Meistens nicht mehr. Das ist natürlich auch eine Erfahrungssache, glaube ich. Man ist am Anfang immer aufgeregter als im Laufe der Zeit, weil man halt viele Dinge schon erlebt hat. Aber es ist schon immer noch so, dass gewisse Dinge auch ans Herz gehen, wie man so schön sagt. Gerade weil es ja so ist, dass wenn man zum Beispiel am Herzen sei es jetzt, man legt einen Herzschrittmacher bei einem Patienten, der unbedingt im Notfall einen braucht. Oder man manipuliert ein Herzkranzgefäß. Das ist halt, das Erfolgsorgan ist direkt da. Sprich, wenn man eine Durchblutung am Herzen nicht hinbekommt oder wenn man den Herzrhythmus mit einem Herzschrittmacher nicht direkt behoben bekommt, dann hat das eine unmittelbare Folge und die bleibt auch für einen selber nicht so ohne Adrenalinschub aus. Man will natürlich dem Patienten helfen und ihm nicht schaden. Wenn Sie sich jetzt mal vorstellen, dass Sie ein Erfinder sein könnten, völlig Daniel Düsentrieb, wer es noch kennt.
Welches technische oder organisatorische Gadget würden Sie entwickeln, um den Arbeitsalltag in der Kardiologie zu erleichtern? Also irgendwie habe ich jetzt gerade das Gefühl, wir gehen vielleicht hinten raus zu den Ministraßen.
Spannenderweise sind die Themen, die im Alltag wichtig sind, weniger jetzt die technischen Aspekte, die direkt mit der Patientenversorgung zusammen oder zu tun haben, aber auch die Technik. Die Aspekte, die uns unheimlich viel Zeit kosten, und das sind meistens organisatorisch-administrative Dinge. Zum Beispiel, wenn wir einen Patienten bekommen, der beispielsweise schon eine Operation am Herzen hatte und Bypasse bekommen hat, dass wir immer uns ja fragen, okay, von wo nach wo verlaufen die überhaupt. Und dann ist es jetzt immer so, dass man wirklich, man muss irgendeinen Arzt anrufen, vielleicht hat der Patient was dabei, aber es ist immer so ein bisschen vom Zufall abhängig, wie schnell man diese Befunde bekommt. Und ich glaube, das, was uns allen helfen würde, ist, dass wir wirklich jeder Patient irgendwie seine Patienteninformationen, die da sind.
Dass man die sofort zur Verfügung hat und sofort Dinge weiß, dass Doppeluntersuchungen nicht stattfinden. Man muss nicht nochmal ein Labor machen, man muss nicht nochmal irgendwie Ultraschall machen. Weil diese Sachen, man kann sich das eigentlich gar nicht vorstellen, die kosten so viel Zeit und wenn ich diese Zeit hätte, dass ich mich um meinen Patienten kümmere, dann kann man sich vielleicht auch nochmal ein bisschen länger Zeit nehmen für Gespräche oder dieses oder jenes. Aber es sind so strukturell organisatorische Dinge, die wirklich den Alltag sehr stark belasten zeitlich und wo man nach hinten raus dann immer wieder sagt, okay, ich muss jetzt leider weg, wenn man im Patientengespräch ist, weil ich muss noch das und das tun. Und das finde ich sind so Sachen, die würde ich ganz gerne ändern, dass man wirklich immer alle Informationen zur Verfügung stehen hat, damit man direkt sofort einen Patienten behandeln kann und sich dann die Zeit für den Patienten nehmen kann und nicht am Telefon oder heutzutage sogar noch am Fax hängen muss. Das klingt ein bisschen nach Puzzle.
Ist es. Spannenderweise, ich sage auch manchmal, wenn man allgemeiner Internist ist, dann ist man auch mehr noch Sherlock Holmes, weil es wirklich darum geht, Patienten kommen mit Symptomen und man muss das einordnen. Bei uns ist es schon ein bisschen eingeschränkt, dass es, ums Herz geht oder die Organe, die damit zusammenhängen, sodass es ein bisschen einfacher ist. Aber auch in der Kardiologie gibt es Probleme, die sehr komplex sind, die sich nicht innerhalb von einer halben Stunde lösen lassen. Das heißt, Sie hätten gerne ein Gimmick, eine Körperlandkarte mit allen Informationen, ein Hologramm, wo man drauf tippt und alle Informationen, die Sie brauchen, ploppen auf. Das wäre super. Also so wie man sich das vorstellt heute mit auf den Infobutton klicken und dann kommt alles. Das wäre super. Ich komme ja aus einer Generation, wo Star Trek noch richtig gehypt worden war und was ich immer total bemerkenswert fand, ist dieser Automat auf diesen Schiffen, wo die Patienten so reingefahren werden und dann kann man so auf diesen Automaten klicken und alles sehen.
Ich sage mal so, es ist so ein bisschen wie der transparente Patient, aber jetzt nur auf den gesundheitlichen Aspekt. Und so ein Gerät, das würde ich echt gerne haben, dass man wirklich so, man schiebt einen Patienten rein, dann werden schon einem die ganzen Vorerkrankungen gezeigt, was er schon alles hat, was alles nicht funktioniert. Und dann kann man sich genau direkt um das Problem kümmern. Aber ich glaube, das wird nie passieren leider. Das ist sehr fiktiv, aber das wäre ein richtig gutes Gerät. Wie erleben Sie denn den Moment, also wenn Menschen plötzlich realisieren, dass die Herzschwäche, die sie vielleicht vorher gar nicht so sehr ernst genommen haben, doch wirklich eine ernsthafte Bedrohung sein kann? Also das ist ja ein Moment, den Sie begleiten in vielen Fällen. Es gibt natürlich verschiedene Phasen, die ein Patient bei seiner emotionalen Reise, nenne ich es jetzt mal, durchgeht. Und da kommt es immer darauf an, wo man gerade steht. Manche sind natürlich gerade, ich habe eine sehr direkte Art, um den Patienten das zu sagen. Meistens fühlen sie sich dann so ein bisschen vor den Kopf gestoßen, aber im Laufe der Zeit, man sieht sich ja immer mehrfach dann noch in diesem stationären Aufenthalt, kommt dann auch die Realisierung dann dazu und meistens ist es dann auch eine Dankbarkeit, dass sie sagen, okay, so hat mir das noch nie jemand gesagt.
Und dann geht es halt darum, dass wir auch Dinge mit an die Hand geben oder sagen, wie denn der Behandlungsfahrplan oder das Gesamtkonzept halt aussieht, wie man aus gewissen Problemen rauskommt und wie auch dann, sag ich mal, Prognose ist. Weil letztendlich Herzschwäche ist ja nicht gleich Herzschwäche und dass man für die vielen verschiedenen Punkte oder Aspekte, die da sind, auch den Patienten dann Informationen mitgeben kann und sagen kann, wie geht es jetzt weiter für ihn? Wie sieht der Alltag zu Hause aus? Was muss er beachten? Manche Themen sind ja ein bisschen heikel. Also gerade Lebensstilveränderung. Wenn man jetzt jemandem sagen muss, der vielleicht jeden Abend sein Feierabendbier trinkt, der gerne seine Zigarette dazu raucht, vielleicht einen Lebensstil hat, der mit der Krankheit gar nicht mehr gut zusammen funktioniert. Wie sprechen Sie das an? Auch so klar? Also wie Sie es eben erzählten, klang das nach sehr klarer Kommunikation. Naja, ich versuche schon die Patienten mal erst zu befragen, wie denn der Alltag so aussieht. und dann versuche ich mit an die Hand zu geben, Dinge, die sie vielleicht positiv beeinflussen können. Beispielsweise, wenn man einen Patienten hat, der vielleicht schon ein bisschen betagter ist und der durch die Erkrankung und die Schwäche, die er hat, sowohl in der Leistung als auch in der Luftnot, dass er gerade mal morgens vom Bett ins Badezimmer und dann auf die Couch und im Prinzip einen halben Tag auf der Couch verbringt, dann frage ich, wo die Patienten wohnen und sage, naja.
Wenn sie hier um die Ecke vom Diakonie-Klinikum wohnen, Nehmen Sie sich doch immer zwei Tage die Woche vor, Sie gehen vor die Tür, marschieren quasi vom Diakoniklinikum bis zum Isemarkt, das weiß ich, weil ich da joggen gehe, das ist genau ein Kilometer bis dahin, dann gehen Sie diesen Kilometer da hoch, trinken einen Kaffee.
Schnappen frische Luft und rauchen währenddessen vielleicht nicht eine und dann gehen Sie den Kilometer zurück. Und dass man einfach so kleine Punkte bringt, die für den Patienten dann auch realisierbar sind. Weil wenn ich jemandem sagen würde, naja, machen Sie mal von heute auf morgen das nicht, das nicht, das nicht, das funktioniert nicht. Sondern man muss immer gucken, die Dinge realistisch ansprechen, was geht. Und wenn man dann Ideen mit an die Hand gibt, muss man immer schauen, wie die Patienten das umsetzen können. Aber ich hatte letztens eine ältere Dame. Mit ihrer Tochter und die fand das sehr gut, so einen Tipp und hat gesagt, das nehmen wir uns jetzt mal vor, wir gehen zweimal in der Woche zum ISEM-Arkt. Wo man einfach sagen muss, das ist für mich ein wunderbar positives Zeichen, dass man einfach beeinflussen kann, wie ein Patient zumindest versucht, seinen Lebensstil zu ändern. Und ich sage mal, wir können Ihnen immer viele Informationen mitgeben. Bei uns auf der Station haben wir beispielsweise auch so ein Informationsbord, wo quasi lauter Zeitschriften der Deutschen Herzstiftung sind, wo informiert wird über die Erkrankung, aber auch was körperliche Aktivität angeht, wie es Essverhalten und sowas ist. Und ich sage mal, mehr als informieren können wir die Patienten nicht. Ich sage immer ganz läppisch zu meinen Patienten, ich bin ja nur ihr Arzt und nicht ihre Mutter. Sie sprachen gerade von diesem Board, wo all diese Zeitschriften stehen und all die Informationen. Und ich stelle mir gerade vor, ich bin bei Ihnen im Klinikum und mir wurde gerade eine Herzschwäche diagnostiziert. Dann gehe ich da vielleicht dran vorbei. Wenn Sie aber zu mir sagen.
Mensch, gehen Sie doch einfach mal den einen Kilometer zum Isenmarkt und den Kaffee erlauben Sie mir auch nach dem einen Kilometer, dann fühle ich mich irgendwie besser abgeholt. Also sich so erschlagen zu fühlen von, Sie müssen Sport machen, Sie müssen sich besser ernähren und Sie müssen verzichten, könnte den einen oder anderen ja abschrecken. Also ich finde das eine sehr charmante Art und Weise, auf seine Patienten und Patientinnen einzugehen. Man muss immer überlegen, wo für einen selber die Hürden liegen und das muss man für seine Patienten dann, man muss sich so ein bisschen reinversetzen, wie sieht das aus und was kann ich tun? Und ich sage immer so, wenn man eine negative Sache durch eine positive Sache ersetzen kann oder die positive Sache nur hinzunimmt, dann ist das irgendwann, ich glaube, wenn man vier, fünf Punkte hat, wird das zu einem Selbstläufer. Aber ich glaube, der Einstieg ist erstmal schwer und wenn man dann nicht den Willen oder die Durchhaltekraft hat, was ja, ich finde, komplett normal ist, dann muss man einfach gucken, wie man kleine Schritte macht. Und ich sage immer auch zu den Patienten, Und was wir jetzt versuchen, das ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Und deswegen ist ein Schritt immer jeder Schritt der nächste und jeder Schritt muss hoffentlich in eine gute Richtung sein. Also es muss auch verknüpft sein mit positiven Emotionen. Also mir ist schon klar, Liebeskummer ist jetzt nicht Ihr Spezialgebiet, wahrscheinlich. Kennen aber alle Menschen, alle Hörerinnen und Hörer, Gefühle haben ja auch viel mit dem Herz zu tun.
Beeinflussen Emotionen unsere Herzgesundheit? Ist das messbar? Messbar ist es nicht so sehr, aber unser Körper ist ja ein komplexes System und wenn wir sagen, wir kümmern uns um das Herz, dann hängt alles damit zusammen. Weil zum Beispiel Menschen, die den ganzen Tag gestresst sind, sei es jetzt von Liebeskummer oder sei es auch vom Stress auf der Arbeit, irgendwann führt das zu hohem Blutdruck, zu Schlafstörungen. Schlafstörungen führen wiederum weiterhin zu hohen Blutdruck. Und das ist im Prinzip so ein Zirkulus Viciosus, sprich ein Teufelskreis, der sich immer wieder selber befeuert. Und man muss einfach gucken, wie man da rauskommt.
Man kann das ja nicht einfach anhalten, sondern man muss Schritt für Schritt gucken. Und wenn man jemandem sagt, ja mach mal weniger Stress. Ich meine, keine Ahnung, wenn man jetzt... Wenn man irgendwo in einem fordernden Beruf ist, jeden Tag viel unterwegs ist und dann hat man von mir aus einen Herzinfarkt, dann ist das für den Patienten schwierig, einfach so von jetzt auch gleich da rauszukommen. Und deswegen muss man auch, sag ich mal, überlegen, was könnte hier der erste Schritt sein? Es gibt ja viele Aspekte, die wir, glaube ich, gar nicht so überblicken können und wo wir immer sagen, naja, ich verschreibe ihnen jetzt die Tabletten oder wir machen das und das und alles wird dann gut. Aber der Alltag von unseren Patienten sieht ja anders aus, als wir uns den vorstellen. Ja, perfekt ist es nirgendwo, aber Sie arbeiten ja auch in einem sehr fordernden Beruf. Wie machen Sie das denn? Wenn man in einem Notfallgeschäft arbeitet mit Esszeiten oder irgendwie sowas, weil der Notfall sucht sich nicht aus, um wie viel Uhr er kommt oder wann. Bei uns ist es immer so, natürlich haben wir im Herzkatheter eine Notfallschublade, wo Süßigkeiten drin sind, falls die Unterzuckerung droht.
Ganz stimmt, das ist aber gut, wenn es so eine Schublade gibt. Also ich finde, das Notfallgeschäft braucht eine Notfallschublade. Was tun Sie denn, um wieder Kraft zu schöpfen? Ich habe es mal anders versucht. Ich habe mal, wie jeder das versucht, mal mit Meditieren oder so. Aber bei mir gab es dann nur den Status, entweder man ist wach und alert oder man ist dann in so einem Dämmerzustand und schläft währenddessen ein. Und irgendwann, nachdem diverseste Sportversuche mit anderen Sportarten nicht funktioniert haben, habe ich den Ausdauersport für mich entdeckt und habe wirklich vom Initialen so, ich kann damit nicht so viel anfangen hinzu, wenn man jetzt einen längeren Lauf macht oder eine Fahrradtour macht, dass man… sich sportlich betätigt, aber gleichzeitig auch unterwegs ist und dann die Landschaft auch genießen kann. Zum Beispiel gibt es eine Tour an der Elbe entlang, die ist so zwischen 60 und 90 Kilometern, je nachdem, wie lange man unterwegs sein will. Und das ist landschaftlich so schön. Und natürlich fährt man da auch mit einem gewissen Tempo durch, aber trotzdem kann man das genießen und tut im Prinzip zwei gleiche Dinge gleichzeitig. Man betätigt sich und tut was Gutes für den Körper und gleichzeitig entspannt sich der Geist so ein bisschen, indem er genießt, wo er da unterwegs ist. Und das ist so meins, glaube ich. Mit was für einem Tempo sind Sie denn dann unterwegs? Ich bin da relativ langsam. Ich bin ja Anfänger noch. Jetzt will ich es aber wissen. Und bin dann so im Schnitt mit so 25 bis 26 kmh. Also nicht so 30.
Man muss ja immer überlegen, wenn man 30 im Schnitt fährt, sind ja die Strecken, wo man bergauf mit 15 fährt, muss man ja bergab mit 70 wieder ausgleichen.
Mit 70? Und mit meinem Fahrrad bin ich bei, wenn ich 60 fahre, dann fühle ich mich schon nicht mehr sicher. Ja, dann ruckelst und zuckelst. Ja, das klingt aber schön. Also die Kombination aus Sport und Gucken und Entspannen. Und Sie sagten, Sie sind so Typ entweder ganz oder gar nicht, on oder off. Können Sie denn abends sich ins Bett legen, die Augen zumachen, Sie sind weg? Kommt immer darauf an, was man so als letztes gemacht hat. Es gibt immer so, wenn man jetzt abends zum Beispiel Fernsehen guckt oder so, oder wenn einen noch irgendwas beschäftigt, kann auch sein, dass der Arbeitsalltag ja dann abends noch beschäftigt, dann geht es nicht so. Aber meistens ist es so, man legt sich hin und überlegt noch so ein bisschen und dann löst man darüber ein. Zum Beispiel ist es so, dass ich immer einmal im Monat noch nebenbei Notarzt fahre. Und da ist es halt auch häufig so, dass man sich dann auf der Rettungswache ins Bett legt. Natürlich ist das dann nicht wie schlafen zu Hause, aber es ist schon so, dass man auch irgendwie dann schnell in den Schlaf dann doch findet, weil es so ist. Es gibt An und Aus und man hat so eine gewisse Grundentspanntheit. Vielleicht andere sind da anders, aber ich glaube, so grundentspannt ist es dann schon. Muss man das als Arzt können? Sie haben Bereitschaft und sind vielleicht auch mal länger im Krankenhaus und sagen, jetzt hätte ich mal eine Stunde und dann können Sie sich irgendwie hinlegen und die Augen zumachen und das funktioniert. Also das finde ich, das ist eine super Fähigkeit. Ich glaube, es gibt viele verschiedene Charaktere. Bei mir ist es so, ich konnte das immer.
Und manche können das nur, wenn sie ultra müde sind, weil es ist ja wirklich so, wenn man dann einen langen Tag hat oder eine lange Nacht hat und irgendwann physiologisch ist man halt irgendwann müde und dann legt man sich hin und schläft ein. Aber bei mir war es irgendwie immer so, dass Schlafen ging immer. Ja, naja gut und Sport gemacht zu haben hilft wahrscheinlich auch, oder? Schon. Also man merkt schon, je älter man wird und gerade im Ausdauersport, dass der Körper dann auch natürlich auf jeden Reiz, den man ihm setzt, ein bisschen Erholung haben will und wenn man ihm den nicht gibt, dann ist es eher kontraproduktiv. Aber gerade diese Entwicklung hat auch dazu geführt, dass man selber so ein bisschen dann auf seinen Körper mehr hört und sagt, okay, ich muss jetzt einfach auch mal um 8 Uhr ins Bett. Dann ist es manchmal so, man bringt die Kinder ins Bett und legt sich dann direkt daneben, so gefühlt. Und an anderen Tagen ist es so, wenn noch viele Dinge zu tun sind, dann wird es auch mal 12, aber dann schläft man dann vielleicht nur 6 Stunden und das merkt man dann auch schon.
Mit vorschreitendem Alter merkt man Das kann ich so unterschreiben. Aber Sie müssen das ja eigentlich auch so selber leben, damit Sie es Ihren Patientinnen und Patienten auch ansagen können. Ich glaube, sie wollen gar nicht wissen, wie viele Ärzte selber ungesund leben, leider Gottes und damit kein gutes Beispiel sind. Aber ich glaube auch gerade so, wenn man sich mit sich selber und mit Veränderungen beschäftigt, dann kann man, glaube ich, seinen Patienten auch viel besser über Veränderungen berichten oder Hilfe oder Hilfestellungen geben.
Ich kann mir vorstellen, dass Ihnen Dr. Google manchmal in die Quere kommt. Wie gehen Sie damit um? Ich begrüße es immer sehr, wenn Patienten sich mit ihrer Erkrankung oder mit Erkrankung an für sich auseinandersetzen, weil häufig haben wir leider das Problem, dass den Patienten und Patienten gar nicht so viel bewusst ist. Aber wenn Patienten und Patienten mit solchen Informationen kommen, dann muss man diese erstmal evaluieren und dann auch gegebenenfalls ins richtige Licht drücken. Gerade das Internet bietet heutzutage ein unheimlich breites Spektrum der Aufklärung und es geht ja sogar so weit, dass heutzutage die Auseinandersetzung mit Gesundheit viel differenzierter geworden ist, als sie noch vor Jahren ist. Also jetzt mal ganz ab von Dr. Google, aber das Gesundheitsbewusstsein grundsätzlich, hat sich das verändert? Das ist natürlich immer nur eine begrenzte Wahrnehmung, die man da selber hat. Aber ich glaube schon, dass das Bewusstsein deutlich sich verändert hat. Wenn man jetzt überlegt beispielsweise, wie das Thema vegetarische oder vegane Ernährung ist oder gerade im Gesundheitssektor, wie es mit diesen Wearables ist, wo Menschen ihre Herzfrequenz tracken.
Was dann sogar so weit geht bei den neuesten Produkten von Apple, dass man ein EKG damit aufnehmen kann oder auch bei vielen anderen Herstellern ist es ja so, dass man das heute hat. Zum Beispiel hat eine Firma jetzt auch eine Uhr rausgebracht, wo man nicht nur ein EKG mitmachen kann, sondern so ein aufblasbares Armband drin, was den Blutdruck messen kann. Das ist vielleicht von der Qualität her nicht vergleichbar wie so eine Messung am Oberarm, dass ein Patient an seiner Uhr unbewusst einstellen kann, jetzt machen wir mal ein 24-Stunden-Profil. Und das Grundprofil sieht man ja, ist das gut oder ist das eher schlecht oder müssen wir dann als Ärzte tätig werden. Sodass ich immer das sehr begrüße, dass ein Gesundheitsbewusstsein oder auch ein Tracken von gewissen Sachen stattfindet. Nur auf der anderen Seite haben wir dann häufig das Problem, dass Patienten mit diesen Informationen ankommen und wie die dann erstmal auswerten, evaluieren und dann unsere Schlüsse ziehen, sodass das vielleicht auch viel Arbeit bedeutet, ja. Aber ich empfehle meinen Patienten beispielsweise, die einen Vorhof flimmern oder sowas haben, das ist eine Erkrankung, wo das Herz unter Umständen sehr schnell schlagen kann, dass wenn diese Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt nach Hause gehen, dass sie überlegen sollten, ob sie sich nicht so eine Art Uhr kaufen, damit sie sehen, wie ihre Herzfrequenz am Tag ist. Weil häufig ist es so, dass Patienten gar nicht merken, dass sie einen Herzschlag haben, wie bei so einem Dauerlauf von 120 bis 140 Schlägen, sondern dass sie halt erst dann irgendwann merken, wenn beim Hausarzt ein EKG geschrieben wird. Und wenn die das nach dem Krankenhausaufenthalt selber zu Hause evaluieren können, dann ist das doch optimal.
Und da gehen die ganzen Studien immer hin. Es geht immer um Früherkennung. Es geht mal früh, wir wollen früh erkennen, wenn jemand was hat, aber ich sehe das aus dem Aspekt.
Krank werden die Menschen so oder so und wenn wir die danach aber, dass sie nicht mehr ins Krankenhaus kommen müssen, sondern die kommen einmal, dann sehen wir das und es wird ihnen selber bewusst, was sie selber tun können. Sprich, sie müssen aufgeklärt sein. Sie müssen natürlich irgendwie kognitiv das verarbeiten können. Und dann können sie selber gesundheitsbewusst werden. Das ist doch viel wichtiger als ich will eine Grundgesamtheit, die zu so und so viel Prozent nur krank ist, sondern ich will die Kranken, dass die gesünder werden.
Technik, Internet, Daten, evaluieren, sehen Sie positiv? Grundsätzlich sehe ich es auf jeden Fall positiv, weil je informierter der Patient ist über sich und seine Erkrankung, das kommt ihm immer zugute. Sind Sie deshalb auch Social Media Ambassador der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie?
Spannenderweise bin ich da reingerutscht über einen anderen Kollegen. Und es ist im Prinzip so, dass wir vorzugsweise auf der heutigen Plattform X darüber berichten, was so auf den Jahrestagungen der deutschen Gesellschaft oder auf den Herztagen der deutschen Gesellschaft, was da passiert oder wenn während des Jahres spannende Dinge passieren, über die man da mal berichten kann. Also es ist mehr so eine Informationskampagne, aber eher so nicht patientenzentriert, sondern dass man Ärzte informiert über die neuen Sachen, die da sind. Und für uns ist es halt ein ganz zentraler Punkt, dass wir uns als Ärzte gegenseitig austauschen. Wie ich ja eben schon berichtet habe, ist das Herz ja nur ein Teil des gesamten Systems. Und letztendlich, wenn viele Ärzte an der Gesundheit des Patienten beteiligt sind, müssen diese sich auch austauschen, sodass im Prinzip dieses Netzwerken, das man sich kennt, das man die Kolleginnen und Kollegen kennt, ein sehr wichtiger Aspekt der Zusammenarbeit ist, weil nicht jeder behandelt den Patienten alleine, sondern im Prinzip, man ist ja ein Behandlungsnetzwerk, das der Patient braucht. Gerade in der Herzinsuffizienzbehandlung ist es nicht einer, der einen Patienten alleine behandelt, sondern viele Ärzte sind Teil davon, dass es dem Patienten lange gut geht.
Sie sind ja nicht nur in Ihrem Netzwerk unterwegs, sondern Sie machen auch regelmäßig Veranstaltungen für Laien, also für Menschen wie mich. Sowas wie die Woche der Wiederbelebung habe ich gelesen. Unternehmen Sie, mögen Sie mir mal beschreiben, was da los ist? Wir informieren sehr gerne über Herz- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ein Punkt ist diese Woche der Wiederbelebung, die jedes Jahr im Oktober vom Deutschen Rat für Wiederbelebung durchgeführt wird. Das ist im Prinzip so eine Informationswoche, wo nochmal die Wichtigkeit und überhaupt das, wie man wiederbelebt, propagiert werden soll. Die meisten von uns haben das letzte Mal aktiv Wiederbelebung geübt bei der Führerscheinprüfung und dabei bleibt es dann meistens auch. Und das ist lange her, bei mir zumindest. Bei vielen ist es lange her. Da versuchen wir halt diese Scheu zu nehmen, weil das letztendlich so ist. Im Vergleich zu anderen Ländern haben wir immer noch eine sehr geringe Rate an, wir nennen es Laienreanimation, sprich wenn nicht medizinisches Personal die Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführt. Wobei man muss ja sagen, heutzutage ist die Herzdruckmassage das Wichtigste. Früher hat man ja noch gelernt, man muss immer drücken und beatmen. Das ist heute komplett out. Man hat festgestellt, die Qualität der Herzdruckmassage ist das, was wichtig ist. Wir gehen dann bei uns im Viertel zu verschiedenen Organisationen.
Beispielsweise waren wir gegenüber beim ETV, aber auch in der Kaifu Lodge, aber haben auch mit der Feuerwehr zusammen einen Informationstag gemacht, wo man einfach aktiv die Passanten anspricht und sagt, Wollen Sie mal ein Menschenleben retten? Man hat in den letzten Jahren gesehen, jetzt auch vor unserer Kampagne, die wir gemacht haben, dass die Rate durch diese Aufklärungsarbeit, die Rate an Laienreanimation deutlich nach oben geht und da ist aber für uns noch die Spitze nicht erreicht, sodass wir immer das noch wichtig finden und auch versuchen das zu propagieren. Gibt es einen ultimativen Tipp, wenn ich jemanden wiederbeleben muss?
Erst mal, es gibt ja so drei wichtige Aspekte, die da sind. Man muss erst mal gucken, bin ich ganz alleine und ich muss professionelle Hilfe haben. Sprich, wenn man anfängt, jemanden wiederzubeleben, muss man immer sagen, okay, ich muss Hilfe rufen, weil bei uns in Hamburg dauert es vielleicht nicht 15 Minuten, aber je nachdem, wo man in Deutschland befindet, braucht es bis zu 15 Minuten, bis jemand kommt. Und wenn man mal überlegt, 15 Minuten jemanden wiederzubeleben, das ist schon eine Arbeit, die fast unmöglich ist. Sprich, man muss erstmal sich professionelle Hilfe organisieren. Und dann geht es im Prinzip nur darum, eine Herzdruckmassage durchzuführen. Und man kann sich immer im Hinterkopf den Takt, das sollen ja 100 bis 110 Beats pro Minute ist, da gibt es von den Bee Gees das Lied Stayin' Alive und wenn man sich das im Hinterkopf summt, Mitte vom Sternum, 3 bis 5 Zentimeter tief eindrückt und dann immer wieder entlastet, macht man schon das Beste, was man machen kann. Heutzutage ist es auch so, dass beispielsweise wenn man einen Notruf wählt und dann die Feuerwehr durch ihren Algorithmus herausfindet, da ist eine Wiederbelebung, dass dann auch eine Anleitung am Telefon schon gemacht wird, wie die Wiederbelebung zu erfolgen hat, sodass wir diese Lücke zwischen der Patient fällt um, ist im Prinzip tot, bis der professionelle Rettungsdienst trifft ein, möglichst kurz halten können und überbrücken können durch diese Laienreanimation. Lachen ist ja auch gut fürs Herz.
Wann haben Sie zuletzt im Klinikalltag mal so richtig gelacht und was war der Anlass? Erinnern Sie sich daran?
Das ist eine schwierige Frage, weil letztendlich häufig haben wir natürlich mit Dingen zu tun, die einem so ein bisschen ans Herz gehen und die bleiben einem natürlich dann auch leider im Kopf so stecken. Aber es ist schon so, glaube ich, mit den Kolleginnen und Kollegen, man ist ja ein Team und kann dann trotzdem auch mal im Team über Dinge lachen, die meistens gar nichts mit dem Medizinischen so zu tun haben, sondern mit dem Alltag, den so jeder Mensch hat. Aber dass wir uns da glaube ich schon über die privaten Dinge und die Dinge, die da passieren oder zum Beispiel bei uns im Katheterlabor haben wir alle ungefähr die gleiche Altersstruktur, sprich die Kinder sind alle ungefähr gleich alt und dann lacht man doch manchmal über, dass jeder gerade die gleiche Phase so durch hat. Sagt man doch, es ist alles nur eine Phase. Also liebe Hörerinnen und Hörer, wer Kinder hat, weiß genau, was ich meine. Aber meistens sind es gar nicht so die Dinge des Klinikalltags als Dinge, die zwischenmenschlich im ganzen Team passieren, über die man schmunzeln muss oder sich austauschen. Und die einem dann, finde ich, auch so ein gutes Gleichgewicht geben zwischen Arbeit und Freizeit, weil es einfach ein tolles Team ist, was man um sich herum hat. Wie gesagt, was nicht nur daraus besteht, dass man zusammen arbeitet, sondern dass man auch zusammen über Dinge lachen kann und sich austauscht. Man verbringt ja wahnsinnig viel Zeit zusammen. Je nachdem, wie viel man in der Klinik ist, ist man sogar mehr in der Klinik als zu Hause. Ja, und Schlaf ist da schon mit eingerechnet.
Also Sie sind ja mit Ihrem Team hier in Hamburg schon ziemlich zusammengewachsen, aber eigentlich kommen Sie ja aus Aachen ursprünglich. Ja, also es ist eine sehr spannende Geschichte, weil zum Ende des Studiums haben meine Frau und ich uns gefragt, naja, was machen wir denn jetzt? Und wir sind wirklich gebürtige Aachener, gebürtige Rheinländer. Wir wollen irgendwann mal was anderes sehen.
Und dann haben wir uns einfach mal die Karte genommen und geschaut, wo soll es hingehen, welche Regionen gefallen uns, soll die Stadt größer oder kleiner sein. Und irgendwann kam es dann doch auf Großstadt und dann war am Ende Berlin gegen Hamburg. Und man muss sagen, in Hamburg war von vornherein das Herz dabei. Ich kann mich auch noch daran erinnern, das erste Mal, wo ich in Hamburg jemals war, das war zum Hafengeburtstag, sprich super viele Menschen. Aber die habe ich gar nicht mitbekommen, weil ich hatte eine richtig schwere Mandelentzündung. Das hat auf der Zugfahrt hin begonnen und hat im Prinzip bis zur Zugfahrt zurück gedauert. Sprich, ich habe glaube ich zwei Tage im Hotel verbracht und einen Tag in Hamburg. Aber fand es irgendwie so schön hier und dann waren wir danach noch ein paar Mal hier, weil Freunde hier studiert hatten und dass man die dann besucht hat und einfach mal auch durch die vielen verschiedenen Viertel einfach mal durchläuft. Und das hat uns so zugesagt, sodass wir im Prinzip nach Hamburg gezogen sind und jetzt echte Almsbüttler geworden sind. Man will da irgendwie nicht mehr weg. Der Almsbüttel ist ja auch ein Dorf. Es ist ein Dorf. Also gerade jetzt durch die Kinder und Kita und Schule, man kommt so in Kontakt und man trifft die Leute dann auch immer irgendwo. Selbst wenn man abends irgendwo mal in ein Restaurant geht, irgendwo trifft man dann wieder jemanden oder so. Aber es ist wirklich, es hat so ein bisschen Dorfcharakter schon. Wir fühlen uns pudelwohl und wollen auch eigentlich gar nicht mehr weg. Dann streichen wir das eigentlich, dann bleiben Sie Amok einfach erhalten.
Wir haben schon über Star Trek gesprochen, jetzt würde ich gerne noch einen draufsetzen. Wenn sie eine Superkraft hätten, welche wäre das? Und wofür würden sie die einsetzen? Das ist auch wieder eine ganz schwierige Frage. Wenn man an Superhelden denkt, dann fallen einem meistens ja immer die Superhelden ein, die irgendwelche destruktiven Kräfte haben, irgendwie Blitze erzeugen oder irgendwie sowas. Aber auch da, glaube ich, würde ich eher so, ich sag mal, die Amöbenkraft haben, dass man sich manchmal gerne in zwei Personen teilen würde, damit man einfach ein bisschen Support hat oder wenn man wirklich viel zu tun hat, dass man einfach sagt, okay, du gehst jetzt mal dahin, mach das und ich mach jetzt mal das. Manchmal ist es so, man hat so viel zu tun, dass man mit zwei Händen gar nicht klarkommt. Und das wäre, glaube ich, eine Sache, die einem den Alltag auch sehr erleichtern würde. Man sich einfach teilen könnte und dann die Arbeit doppelt so schnell ging. Oder in noch mehr Teile. Dann kann der eine Teil sich schon ausschlafen gehen. Einer sitzt hier im Podcast, einer geht schlafen, einer macht eine Herzkatheteruntersuchung und der dritte spielt Mensch, ärgere dich nicht mit den Kindern. Und irgendwann fällt es auf, dass es gar nicht mehr die eine und dieselbe Person ist. Ich habe gehört, dass Ihr Team Sie gerne Klinky nennt. Könnte man sagen Klinky der Herzliche, das wäre doch ein schöner Superhelden-Namen. Ja, auf jeden Fall.
Danke, dass Sie heute bei uns im Hamburger Abendblattstudio zu Gast waren und uns daran erinnert haben, dass wir alle viel häufiger auf unser Herz hören sollten. Und zwar buchstäblich, aber sprichwörtlich natürlich auch. Herr Klinkhammer, schön, dass Sie da waren. Ja, vielen Dank, es war mir eine Freude. Wenn Sie mehr über Michael Klinkhammer und seine beruflichen und persönlichen Herzensprojekte wissen möchten, schauen Sie doch ins Hamburger Abendblatt. Dort finden Sie Print und natürlich online. Alles zum Nachlesen. Schön, dass Sie zugehört haben. Wenn Sie mögen, hören wir uns bald wieder mit dem Podcast über Berufe mit Sinn, den Hamburger Klinik-Helden. Bis dahin, eine gute Zeit. Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de.