Die Hamburger Klinik Helden. Der Podcast über Berufe mit Sinn. Vom Hamburger Abendblatt und dem Verband der freigemeinnützigen Krankenhäuser in Hamburg. Die Freien. Heute geht es hier bei uns im Hamburger Abendblatt Studio um das Herz. Mein Gast hat nämlich einen ziemlich besonderen Job. Dirk Bülow arbeitet im Krankenhaus Rheinberg-St. Adolfsstift und kümmert sich dort sehr intensiv um die Herzen seiner Patientinnen und Patienten. Und das ganz ohne Skype. Pell. Moin und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Hamburger Klinik Helden, dem Podcast über Berufe mit Sinn. Ich bin Wiebe Bürgemeier, seit dieser Folge ganz neu an Bord und ich freue mich sehr, dass ich heute einen Krankenhausspezialisten der etwas anderen Art begrüßen darf. Schön, dass Sie da sind, Herr Böhlow. Ja, ich freue mich auch hier zu sein und vielen Dank für die Einladung. Was ist denn das für ein Instrument, mit dem Sie die Herzen öffnen, wenn man das so sagen kann? Es gibt mehrere Instrumenten, mit denen ich versuche die Herzen zu öffnen.
Zum einen ist es meine Art, mit der ich Herzen öffne. Dann ist es meine Gitarre, mit der ich mich in die Herzen bringe. Und es ist einfach mein, ich glaube mein gesamtes Auftreten, um Herzen zu heilen oder Herzen zu erfreuen. Sie sind Gas Relation Manager, ein eher ungewöhnlicher Job im Krankenhaus. Mögen Sie einmal beschreiben, wie Sie dazu gekommen sind und was Sie da machen? Sehr gerne. Also der Guest Relation Manager ist ja eigentlich der Ansprechpartner in einem Hotel, wenn man im Hotel Urlaub macht, der für die kleinen Sorgen und Nöte sofort Abhilfe schafft und wir haben bei uns im Klinikum Rheinbeck im Adolf Stift einen Leiter des Serviceteams, der jahrelang Hoteldirektor war in einem Fünf-Sterne-Hotel, der mich dann eben gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte, so etwas auf Patienten bezogen zu machen, wie es sonst mit Hotelgästen der Fall war.
Und ich habe gesagt, natürlich, klar, warum nicht? Ein Guest Relation Manager in einem Krankenhaus, habe ich so noch nie gehört, kann man gerne machen, mache ich. Ja, und dann haben wir so ein Pilotprojekt gestartet und haben gesagt, pass auf, wir fangen im Oktober an und gucken uns das mal an bis April. Und wenn das funktioniert, behalten wir das bei. Ja, und das hat sehr gut funktioniert. Und mein Arbeitstag sieht eigentlich so aus. Ich habe eigentlich so einen 9-to-5-Job, bin meistens ein bisschen eher da. Lass mich auf den Stationen sehen, werde von den Stationen angerufen, Mensch Dirk, kannst mal kommen, wir haben hier jemanden und der ist ganz traurig oder wir haben hier jemanden, der will gar nicht essen oder wir haben jemanden, der lässt sich überhaupt nicht mobilisieren oder motivieren, irgendetwas zu machen.
Ja und dann gehe ich auf die Station, informiere mich erstmal über den Patienten, spreche meistens noch mit den behandelnden Ärzten und dann gehe ich wie durch Zufall in dieses Zimmer rein und komme wie durch Zufall mit dem Patienten ins Gespräch. Natürlich nicht mit den Worten, hallo, sie wollen nichts essen, warum nicht, sondern ein bisschen spielerisch gehe ich in dieses Zimmer rein, um dann ins Gespräch zu kommen und ein Lächeln auf das Gesicht der Patienten zu zaubern. Das heißt, Ihr Job ist relativ einzigartig in Deutschland? Es gibt in anderen Krankenhäusern so Klinik-Clowns, die für ein Lächeln auf den Gesichtern der Patienten sorgen. Aber so ein Mitarbeiter, der explizit dafür eingestellt ist, sich um traurige oder sehr fröhliche oder niedergeschlagene oder nicht essende, sich nicht mobilisierende Patienten kümmert, habe ich so in dem Fall noch nicht gehört. Mögen Sie mir mal ein Beispiel nennen, wie Sie einem Menschen helfen können? Also wenn da jetzt jemand beispielsweise nicht essen mag und vielleicht eine Pflegefachkraft kommt und sagt, Mensch Dirk, kannst du da mal kommen? Wie sieht das dann aus? Es gibt ein ganz tolles Beispiel. Ich bin von einem Arzt angerufen worden bei uns, weil ein Patient ja körperlich sehr stark abgebaut hat, weil er überhaupt nicht mehr essen wollte. Und da bin ich unter irgendeinem Vorwand in dieses Zimmer gegangen. Ich glaube, ich habe kontrolliert, ob die Heizung funktioniert oder ob die Gardinen richtig in der Schiene sitzen, um dann mit dem Patienten ins Gespräch zu kommen.
Und den Patienten kannte ich vorher nicht, habe mir natürlich die Geschichte ein bisschen angehört und er war schon ein paar Wochen da und da habe ich gesagt, Mensch, Sie sahen aber auch mal gesünder aus, wenn ich das sagen darf von den Jahren. Ich sage, was haben Sie denn heute gegessen? Nö, essen muss ich nicht. Ja, wieso denn nicht? Wieso müssen Sie denn nichts essen? Nö, ich will nichts essen, können ja auch nichts essen und schmeckt mir ja auch nicht so richtig. Ich sage, was halten Sie davon, wenn wir zusammen essen?
Und dann habe ich mich einfach hingesetzt, habe sein Frühstück wieder geholt, was mittlerweile in Reserve in einem Nebenraum abgestellt war und dann habe ich das wieder geholt und dann habe ich ein Brötchen geschmiert für ihn eine Hälfte und für mich eine Hälfte und dann hat er seine Hälfte gegessen und ich habe meine Hälfte gegessen. Und dann habe ich gesagt, das ging aber fix. Dann habe ich noch ein Brötchen geholt und dann haben wir einen Astronautenkost noch zu uns genommen. Ja, dann haben wir einen Tee getrunken und dann haben wir einen Kaffee getrunken und dann haben wir einen Osaf getrunken und dann haben wir noch einen Tee getrunken und noch einen Kaffee getrunken. Und danach war er so pappsatt und ich auch. Der Arzt war glücklich, ich war glücklich. Und von dem Augenblick an hat er gegessen. Jedes Mal Frühstück, Mittag, Abendbrot. Und das hat mich gefreut. Das hat funktioniert.
Vielleicht auch, weil er nicht alleine essen musste. Das war richtig schön. Schönes Erlebnis. Wie gelingt es Ihnen denn eine Atmosphäre von Menschlichkeit und Wärme zu schaffen. Also es ist ja wahrscheinlich sehr individuell. Ich glaube, dass ich den Menschen, der mir gegenüber liegt, im Bett ganz gut einschätzen kann und ich in dem Augenblick weiß, was ich ihm sagen sollte, was ich ihm nicht sagen sollte, und wie ich ihn dazu kriege, dass er mir zuhört und dass ihm das gefällt, was ich ihm erzähle und dass er mir vertraut. Das ist ganz wichtig. Vertrauen ist eine ganz wichtige Geschichte. Woher wissen Sie denn, was Sie lieber nicht sagen sollten? Das spüre ich. Das sieht man den Menschen an. Also erstmal sieht man den Menschen sofort an, ob er jemanden mit einem Blick anguckt, was will er denn jetzt von mir? Oder aber man sieht so in den Augen Neugier. Neugier ist immer sehr schön, wenn ich Neugier sehe, dass der wissen will, wer ist der Typ eigentlich, der mir da gegenüber sitzt. Und dann kann man auch so ein bisschen mitspielen. Das ist nicht das Erschleichen von Vertrauen. Das ist einfach nur, das ist ehrlich, was ich mache. Das ist ganz ehrlich. Das ist jetzt nicht auch gespielt. Das ist nicht gelogen, weil der Mensch interessiert mich da ja. Sonst hätte man mich nicht angerufen. Der Mensch interessiert mich. Dann entwickelt sich das und irgendwann fällt so eine Barriere bei ihm, bei ihr, bei den Patienten. Und wenn ich diesen Punkt erreicht habe, dann werden die Gespräche lockerer. Und meistens endet es damit, dass ich sage, so...
Ich muss dann mal los und werde dann im gleichen Abend zurück gefragt, ob ich dann morgen wiederkommen würde oder ob ich heute Nachmittag nochmal wiederkommen würde. Dann komme ich natürlich nochmal wieder, na klar. Und das können Sie selbst entscheiden? Ja, das kann ich selber entscheiden. Ich habe also niemanden, der sagt, was hast du heute gemacht, wann hast du angefangen, wann bist du nach Hause gegangen. Das läuft wirklich bei uns auf Vertrauensbasis. Es gibt auch sicherlich mal Momente, wo man sagt, heute kann ich nicht mehr, ich kann es einfach nicht mehr. Wollen wir natürlich auch nicht nur fröhliche Sachen erleben, man erlebt auch traurige Sachen oder auch anstrengende Sachen. Und jemandem lange zuzuhören oder auch Geschichten mehrmals zu hören hintereinander von einer und derselben Person. Das kann anstrengend sein, sodass man danach auch mal einen freien Kopf braucht. Aber bei uns gibt es im Haus zum Glück mehrere Möglichkeiten, dass man einfach mal durchs Haus geht, eine Station besucht, die Stationsschwester, Mensch, wie geht es dir? Man setzt sich hin, trinkt mal einen Kaffee und alles ist gut. Was würden Sie sagen, war bisher die größte Herausforderung in Ihrer Position? Also war das vielleicht jemand, der schwer zugänglich war oder der vielleicht so traurig war, dass er das gar nicht zulassen wollte oder konnte? Was für mich so ein bewegender Moment war, war, dass ich eine Patientin hatte, die ich jeden Tag besucht habe, jeden Tag so eine Viertelstunde, 20 Minuten wieder gegangen bin und irgendwann bin ich da morgens hingekommen und dann war sie nicht mehr da.
Und mit wem reden Sie dann? Ich komme meistens mit dem Motorroller zur Arbeit. Das tut gut, wenn der Wind um die Nase weht. Oder ich mache beim Auto alle Fenster runter und bin sogar schon auf die Autobahn gefahren, um einfach mit dem kalten Wind um die Nase wehen zu lassen. Also lieber einmal durchpusten lassen als reden? Nee, ich muss eigentlich gar nicht so viel reden. Am Anfang war es so, dass ich es zu Hause natürlich erzählt habe meiner Partnerin und habe gesagt, Mensch, das und das ist passiert. Sie hört mir auch zu, sie ist selber in der Klinik. Und jetzt mittlerweile ist es so, dass ich mir so eine kleine Figur besorgt habe und die ich am Ende des Tages ins Regal stelle. Am nächsten Morgen nehme ich die Figur wieder aus dem Regal, stecke sie mir in die Hosentasche. Das ist so ein Handschmeichler, das ist ein Holzkreuz. Das hat jetzt gar nichts was mit christlichem Glauben zu tun, das ist einfach nur so, der hat man in der Hosentasche und ja, das gibt einem ein gutes Gefühl und den habe ich also immer dabei und das funktioniert. Das heißt, da lassen Sie dann alle Emotionen und alles, was Sie über den Tag belastet haben, drin, stellen es ins Regal? Genau, lassen es einfach da, also ich lese es bei mir auf die Gitarre und am nächsten Morgen, wenn ich zur Gitarre gehe, dann nehme ich es wieder weg. Ja wunderbar, die Gitarre ist ja ein weiteres Instrument, da kommen wir später nochmal zu.
Gas Relation Manager, das ist ein Beruf, der mit Sicherheit viel Spaß macht, da er ja relativ neu ist. Wie sind Sie da hingekommen? Verraten Sie mir mal, was für Berufen Sie denn bisher so unterwegs gewesen sind. Oh ja, kurzer Priss. Kurzer Priss, Schnelldurchlauf. Ja, Schnelldurchlauf. Genau. Fing an Schule, Bundeswehr, Ausbildung in der Kinderkrankenpflege, danach in einem Heim für mehrfach Schwerstbehinderte gearbeitet, dann auf einem Campingplatz in der Lüneburger Heide, einem der größten Campingplätze und der schönsten der ganzen Welt überhaupt, kurz mal einen Kurzauftritt mit meiner Gitarre gehabt, sofort eine Stelle angeboten bekommen, dort hängen geblieben, viele, viele Jahre als Chefanimateur dort gearbeitet. Dann eine Ausbildung gemacht im Lager- und Logistikbereich, dann angefangen danach bei einem Versicherungsmakler in Hamburg, dann irgendwann wieder back to the roots ins Krankenhaus nach Rheinberg gekommen. Sie hätten ja auch gut in einem großen Hotel arbeiten können. Was zog Sie denn wieder ins Krankenhaus? Weil es ehrlich ist. Das ergibt sehr viel Sinn, was ich mache. Man geht abends nach Hause und auch wenn es vielleicht traurige Erlebnisse waren, die man am Tag erlebt hat, war es trotzdem ein guter Tag. Kommen wir nochmal zum Instrument, zu Ihrer Gitarre. Hat sie einen Namen? Nein, nein, nein, meine Gitarre hat keinen Namen. Mein Staubsauger hat einen Namen, zu Hause Oschi, sowas.
Aber nein, die Gitarre hat keinen Namen. Ich habe auch mehrere Gitarren auch im Krankenhaus im Einsatz und dann würde ich durcheinander kommen. Das heißt, auf jeder Station steht eine Gitarre? Nein, nein, nein, nein. Ich habe die Gitarre auch nicht immer dabei. Die Gitarre habe ich dabei, wenn ich glaube, hier wird die Gitarre mir helfen, eher an den Patienten ranzukommen. Für welche Patientinnen und Patienten setzen Sie die Gitarre denn gern ein? Schön ist, wenn man demenzerkrankte Patienten hat und dann die Gitarre dabei hat und dann anfängt Musik zu machen und man sieht bei der ersten Strophe bewegen sie die Lippen mit bei der letzten Silbe. Bei der zweiten Strophe singen sie schon die letzten zwei Wörter mit und bei der dritten Strophe den ganzen Refrain, weil Erinnerungen geweckt werden. Und das ist ein tolles Gefühl, das ist ein ganz ganz tolles Gefühl und das Interessante ist, dass es immer die gleichen Lieder sind, die Erinnerungen wecken. Das ist das Lied vom Tüttelband hier in Hamburg. Das ist das Kufsteinlied, obwohl es aus Kufstein kommt, was jeder über 60 irgendwie mitsingen und mitjodeln kann. Und ja, damit öffnet man echt Türen. Ja, da müssen wir jetzt aber einmal die Gitarre rausholen. Das wäre super. Wie durch Zufall habe ich sie dabei.
Naja, also mit dem Tüdelband. Wir sind in Hamburg, klar. Natürlich. Das erschließt sich mir absolut. Eine Ex-Deitenjung mit Tüdelband. In der anderen an den Butterbrook mit Käse. Wenn der Blumstig mit dem Bein in den Tüdel kommt. Und dann liegt er oben lang oben nix. Und hier rasselt mit dem Dassel gegen Kahnstein. Und die Pizze ganz gehörte, ja, beton. Und als Obst, they'd say, they had nicht weh, don't. Und das ist ein Klacks für so einen Hamburger Jung. Und dann eben Klauen, Klauen, Ebel, wollen wir klauen, kennt jeder. Und dann singt man das meistens als Zugabe zum Geburtstagslied. Man sagt, Mensch, kommen Sie hier aus der Gegend, oh, ich komme aus dem Norden. Ja, dann habe ich noch einen und dann mache ich das Tüdelmann-Lied. Wenn wir aber in unserer Gruppe, wir haben einmal in der Woche eine Demenzgruppe, immer donnerstags mit unseren Demenzbeauftragten zusammen. Und wenn man dann spielt, kennst du die Perle, die Perle Tirol. Und das Kuhstein-Lied spielt, dann ist das wirklich so, das öffnet Herzen. Und die freuen sich, die freuen sich einfach. Und dann kommt diese Stelle mit dem Jodeln und dann jodle ich auch und ich jodle schlecht. Und das will ich jetzt hören. Bitte einmal jodeln.
Und so weiter. Da lachen die dann auch. Und das ist ein schönes Gefühl, die lachen. Gucken vielleicht vorher ernst, wissen gar nicht, warum sitzen wir hier mit sechs Personen in einem Raum zusammen und dann kommt dieses Lied und plötzlich lachen sie alle und das ist toll, das ist einfach toll. Und es sind wirklich Menschen aus dem Norden, die mitjodeln? Ja, sie jodeln alle mit, egal ob sie aus dem Norden kommen, aus dem Süden kommen, sie jodeln alle. Das finde ich total abgefahren und ich fühle mich jetzt ganz schlecht. Mit meiner demenzerkrankten Oma habe ich nie das Kufsteinlied gesungen, das hätte ich tun sollen. Vielleicht. Vielleicht. Warum Musik? Weshalb spielt Musik so eine zentrale Rolle in Ihrem Leben?
Mein Vater ist verstorben, als ich sieben Jahre alt war. Und wir hatten eine Gitarre hinter dem Wohnzimmerschrank stehen, die mein Vater von einer seiner vielen Auslandsaufenthalte mitgebracht hat, weil er viel im Ausland auf Montage war. Und irgendwann habe ich diese Gitarre genommen, wie jedes Kind, was eine Gitarre in die Hand nimmt. Da war ich neun oder zehn Jahre alt und habe einfach darauf losgespielt. Ich fand Elvis Presley damals ganz toll, konnte auch jede Pose, aber nicht einen Ton. Bin dann in die Gitarren AG in der Schule gegangen und bin dann nach der zweiten Stunde wieder weggegangen, weil es so schlimm war, wie da Gitarrespielen beigebracht wurde. Dann habe ich mich zu Hause hingesetzt und habe einfach die Finger so lange auf die Gitarre gedrückt, bis der Ton rauskam. Der könnte ähnlich klingen wie Elvis.
Und so fing das an. Das erste Lied war von den Rolling Stones, was ich gespielt habe. Und dann fing das so an mit Blowing in the Wind von Bob Dylan und diese ganzen alten Geschichten. Reinhard May über den Wolken, alles was man so früher gespielt hat, ja und dann ist das so geblieben. Und gerade in meiner Zeit, als ich da als Chef-Animateur in diesem Urlaubsclub gearbeitet habe, in der Lüneburger Heide, habe ich fast jeden Tag Gitarre gespielt und das, ja, Gitarren, also überhaupt Musik öffnet, Türen, egal wo man hinkommt. Ich kann mich jetzt hier in Namburg oder egal, wohl auch immer in die Fußgängerzone stellen und es dauert keine 10 Minuten und da stehen 50, 60 Leute da. Aber Musik verbindet natürlich auch. Das ist ganz wichtig. Zeit für einen kleinen Perspektivwechsel. Stellen Sie sich vor, Sie liegen selbst in einem Krankenhaus. Gerne auch in Ihrem Krankenhaus. Und ich käme als Guest-Relation-Manager vorbei. Welchen Song würde ich für Sie spielen? Ich mag so Stand By Me, ist so ein Lied von Benny King. Oder ich mag Let It Be von den Beatles. So was. Oder was ich gerne mag, ist so ein bisschen Modern Country. Das wäre dann so Garst Brooks, so eine Musik. Und wenn Sie das auf der Gitarre spielen könnten und dazu noch einigermaßen singen.
Das würde ich dann üben, ja. Genau. Sie sagten ja gerade, Musik öffnet Herzen. Bei Ihnen ist es ja auch die Stimme und auch ganz viel Humor. Also wie Sie schnacken, also kommen mit einem lustigen Schnack rein. Machen Sie auch mal Witze? Oh ja, ja natürlich. Es kommt ja immer auf mein Gegenüber an, weil meistens ist es sogar so, dass mein Gegenüber anfängt, einen Witz zu erzählen. Dass die Patienten sagen, ach Mensch, kennen Sie den, kennen Sie den, kennen Sie den? Es ist ja so, wenn man in einer Runde zusammensitzt, oder meistens ist ja noch ein zweiter Patient mit dem Zimmer, und man erzählt einen Witz, dann sagt der andere, ich habe auch noch einen. Und dann, ach Mensch, hier, wo du den gerade sagst, kennst du den hier mit den beiden? Und so, wie der eine reinkommt und der andere? Nee, kenne ich gar nicht, erzähl mal. Und dann steigert sich das so richtig. Und das macht richtig Spaß. Also natürlich erzähle ich auch Witze. Wenn sie mich jetzt fragen, können sie einen Witz erzählen, sage ich nein, weil jetzt fällt mir nämlich so kein Witz ein. Das kommt immer so. Wenn Witze erzählt werden, erzähle ich einen Witz, weil dann fällt mir einer ein. Manchmal sind es auch Herrenwitze. Die wollen wir hier natürlich jetzt nicht hören. Die wollen wir hier natürlich nicht hören, aber es ist einfach so, es ergibt sich einfach so und dann kommt auch mal ein Witz. Ja, also das geht dann schon relativ schnell, dass die Leute darauf anspringen. Ich glaube, wenn man krank ist, hat man ja auch meist nicht viel zu lachen und dann ist das ja auch so ein Trittbrett.
Das denke ich auch und vor allen Dingen, ich bringe ja Zeit mit, das ist das Entscheidende, ich bringe Zeit mit. Ich komme jetzt da nicht rein und versuche den Patienten in wenigen Minuten, ich nenne es jetzt mal in Anführungszeichen, abzufertigen, um ihm zu zeigen, dass er nicht alleine ist, sondern ich bin einfach da und wenn ich eine Stunde, dann muss ich nämlich eine Stunde da. Und wenn der Patient nach einer Viertelstunde, wenn ich sehe, er ist müde, dann gehe ich nach einer Viertelstunde, dann komme ich aber am nächsten Tag wieder. Wie ist es denn mit Ihren Kollegen und Kolleginnen? Also da ist doch mit Sicherheit auch mal jemand, der vielleicht eine nette Ansprache braucht oder ein bisschen Trost. Bis jetzt hat das immer ganz gut geklappt. Also ich bin Ansprechpartner für Patienten, aber eben auch für Kollegen. Ich stelle mir das ein bisschen so vor, wenn ich mich in diese Rolle reindenke, wenn ich Stress hätte bei der Arbeit und ich laufe über den Flur und sie kommen mir entgegen. Dann würde ich mir, glaube ich, eine Umarmung abholen.
Machen Sie das auch? Ja, das gibt es wirklich. Kannst mich mal in den Arm nehmen. Klar, klar kann ich dir in den Arm nehmen. Manchmal braucht man das selber auch, aber ich habe meinen Vorgesetzter. Mein Vorgesetzter weiß auch, wann es mir gut geht und wann nicht und der ruft mich ja noch abends an und sagt, Mensch, heute, was war los? Und der hat dafür auch einen ganz guten Blick. Klingt nach einer schönen Arbeitsatmosphäre. Toll, toll, ja. Im Krankenhaus gibt es ja auch einen Seelsorger. Nehmen Sie dem eigentlich den Job weg? Da gibt es sogar eine interessante Geschichte dazu. Wir haben vier Seelsorger, zwei katholische und zwei evangelische. Ein Ne, ein Ne von diesen Vieren sprach mich dann irgendwann mal an, ob ich dann nicht in Konkurrenz stehen würde zu dem, was die Seelsorger machen, weil die Seelsorger haben natürlich eine ganz andere Ausbildung im Umgang mit Patienten und da habe ich eben nur gesagt, dass er als Seelsorger mit den, er oder sie mit den Patienten über Gott redet und ich rede mit den Patienten über den HSV. Ganz einfach. So kann man das auch ganz gut differenzieren. So und was ist, wenn Sie einen St. Pauli-Fan vor der Nase haben? Das ist auch ganz interessant, denn auch den FC St. Pauli finde ich einen sehr interessanten Verein. Jahrelang selber zu jedem Heimspiel gegangen. Zu Hause noch den Schrank voller St. Pauli-Klamotten, aber auch den Schrank voller HSV-Klamotten. Ich bin da so ein bisschen, wenn die beiden gegeneinander spielen, dann sollte schon der HSV gewinnen. Aber wenn sie nicht gegeneinander spielen, dann sollen sie beide gewinnen in ihren Ligen, in denen sie gerade unterwegs sind. Das finde ich als Hamburger eine gute Einstellung.
Hamburger, naja, ich komme ja aus Niedersachsen. Ja gut, das stimmt, aber Hamburger Fußballfan. Das ist richtig. Das lassen wir jetzt mal gelten. Okay.
Aber nochmal zurück zur Musik. Müssen Sie denn jetzt eigentlich auf jeder Party, zu der Sie eingeladen sind, Ihre Gitarre mitbringen? Am Anfang war das wirklich so. Da bin ich auch drauf reingefallen. Dass es immer hieß, Mensch, ach übrigens, wir grillen am Freitag. Wenn du Lust hast, kannst du ja auch kommen, aber vergiss deine Gitarre nicht. Und irgendwann habe ich dann gesagt, also pass auf Leute, nö, ich möchte ja genauso Gast sein wie alle anderen Gäste auch. Und ja, mittlerweile werde ich auch eingeladen ohne Gitarre. Aber ich habe die Gitarre, ich habe eigentlich immer eine Gitarre im Auto. Und wenn man merkt, das ist ein Grillabend irgendwo und das funktioniert nicht so, dann holt man nochmal die Gitarre aus dem Auto. Und wenn man dann Country Roads Take Me Home spielt, dann ist die Stimmung gleich auf einem absoluten Höhepunkt. Also am Ende lassen Sie sich doch breitschlagen. Ja, natürlich.
Gibt es etwas, was Sie überrascht hat im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen? Also als Sie angefangen haben jetzt in Ihrem aktuellen Job, das war ja auch für Sie neu. Ja, gibt es tatsächlich. Ich habe ja im Krankenhaus angefangen ganz normal im Patiententransport und bin dann aus dem Patiententransport raus, um die Stelle des Guest Relation Managers zu übernehmen. Und am Anfang habe ich natürlich schon skeptische Blicke bekommen. Nach und nach haben dann die Schwestern oder auch Ärzte gesehen, ja Mensch, das was er da macht, erstmal ist es gut, es gefällt den Patienten und es entlastet uns auch, weil er kommt zu uns und, Ich versuche das immer so ein bisschen so zu umschreiben, wenn die Krankenschwester, die am Bett steht oder der Krankenpfleger oder der Arzt keine Zeit mehr hat, dann kann er mich anrufen und dann komme ich. Stellen Sie sich vor, Sie könnten einen Tag lang eine ganz andere Aufgabe übernehmen. Was würden Sie wählen? Oder auch mit wem würden Sie tauschen im Krankenhaus? Boah, das ist ganz schwierig.
Also eigentlich habe ich schon einen richtig tollen Job im Krankenhaus. Sie meinen also, die anderen wollen lieber mit Ihnen tauschen? Das kann ich nicht sagen. Es gibt sicherlich mal Kolleginnen und Kollegen, die mich ansprechen im Haus und sagen, Mensch, wenn du mal jemanden brauchst als zweite Person, frag mich doch einfach. Gibt es schon, aber wenn ich mir überlege, mit wem ich tauschen wollen würde, ich kann es ganz, ganz schlecht sagen. Weil wäre ich der Chef dieser Klinik oder der Geschäftsführer, mit den Zahlen möchte ich gar nicht jonglieren. Wäre ich der Chirurg, der operiert und will ich gar nicht sein. Nee, ich möchte nicht tauschen. Nein, im Krankenhaus möchte ich nicht tauschen. Das ist ja eigentlich der Best Case, der passieren kann. Wenn Sie nicht tauschen wollen, dann sind Sie ja genau richtig. Dann ist es vielleicht nicht nur Beruf, sondern Berufung. Das denke ich auch, dass es Berufung ist. Und ich glaube auch, dass irgendwie diese Berufung mich überhaupt dahin zurückgetrieben hat, wieder im Krankenhaus zu arbeiten.
Nee, ich will nicht tauschen. Ich habe einen richtig geilen Job. Also die Berufung gefunden, Menschen glücklich zu machen, die hatte ich, glaube ich, mein Leben lang schon. Das war bei der Bundeswehr schon so. Das war eigentlich immer schon so. Aber so richtig, dass ich so gemerkt habe, Mensch, das, was du da machst, tut deinem Gegenüber gut, war wirklich im Adolf Stift in Rheinberg. Als ich so ein Feedback bekommen habe, ich habe die Patienten einfach nur abgeholt und in den OP gefahren. Und auf dem Weg in den OP habe ich festgestellt, da entstehen Gespräche, da erfahre ich Dinge, die andere nach Wochen nicht wissen und ich habe es innerhalb von zehn Minuten auf dem Weg in den OP erfahren. Und da habe ich gemerkt, ich tue dem Menschen gut. Und das, was er mir erzählt hat, tat mir auch gut, weil ich es am nächsten Tag noch wusste. Und wenn ich den Patienten am nächsten Tag gesehen habe, dann konnte ich ihn auf das Erzählte ansprechen. Ich kann gar nichts anderes mehr machen in meinem Leben. Ich muss das machen. Wie sehen Sie denn die Rolle von Menschlichkeit im Krankenhaus? Also vielleicht auch im Krankenhaus der Zukunft?
Also Krankenhaus der Zukunft sehe ich es so, dass man unbedingt von diesem Gedanken weggehen sollte, dass dort Patienten liegen. Ich finde bei mir die Berufsbezeichnung Guest Relations Manager gar nicht so schlecht, weil es sind ja auch Gäste. Es sind einfach nur Gäste, denen es vielleicht im Augenblick nicht so gut geht, wie es einem selber geht. Jeder Patient hat auch das Recht darauf, in einem Krankenhaus gut behandelt zu werden. Bei uns so viel Menschlichkeit, so viel Strahlen in die Gesichter, so viel Fröhlichkeit. Und auch wenn die Stimmung mal nicht so gut ist, merken unsere Patienten das nicht. Also unsere Patienten sind, glaube ich, sehr, sehr glückliche Patienten. Und es begegnet ihnen sehr viel Menschlichkeit bei uns. Was ich mir vielleicht wünschen würde, ist, dass ich das, was ich mache, auch anderen zeigen kann. Man kann natürlich, ich kann jetzt nicht sagen, du lernst jetzt Gitarre spielen und machst das genauso wie ich, aber ich glaube, dass man Krankenhausaufenthalte von Patienten verkürzen kann, indem man sie mobilisiert, indem man ihnen mehr Lebensfreude zurückgibt, indem man sie stabilisiert. Das kann man alles mit dem machen, was ich tue. Und was ich mir wünschen würde, ist, dass ich mein Wissen und das, was ich mache, weitergeben kann an andere.
Andere Mitarbeiter aus anderen Häusern zu Gast haben, die einfach mal bei uns zwei, drei Tage mitgehen, hospitieren und sich das einfach mal angucken. Das wäre so mein Traum, dass es nicht nur bei uns den Guest Relation Manager gibt, sondern dass es in jedem Krankenhaus diesen einen gibt, der ein bisschen Frohsinn ins Leben zaubern kann. Also was für mich ganz entscheidend ist und da bin ich glaube nicht der Einzige bei uns im Haus, man kommt gerne morgens zur Arbeit. Also ich habe sowieso ein Dauerlächeln auf dem Gesicht in diesem Krankenhaus bei uns und man geht auch abends mit diesem Gefühl nach Hause, dass man was Gutes getan hat und man lächelt und man freut sich auf den nächsten Tag. Na klar, freut man sich auch bei uns aufs freie Wochenende, wie in jedem anderen Beruf, in jedem anderen Krankenhaus auch. Aber bei uns, glaube ich, freut man sich auch, dass man am Montag wieder hingehen darf. Und das ist für mich somit das Schönste. Ja, dass Sie viel lächeln, das haben wir hier ja heute auch gespürt. Das ist total schön. Eine letzte Frage würde ich Ihnen aber gerne noch stellen. Wenn Sie eine super Kraft hätten, welche wäre das und warum?
Da muss ich überhaupt nicht lange überlegen. Dann würde ich den Krebs heilen, es wird keinen Krebs mehr geben. Ja, Herr Bülow, ich danke Ihnen, dass Sie heute hier waren. Das war ein sehr schönes Gespräch. Vielen Dank. Ich habe zu danken. Es war toll. Weitere Infos über Dirk Bülow, den Gastrelation Manager im Krankenhaus Rheinweg-St. Adolf Stift, gibt es auch zum Nachlesen im Hamburger Abendblatt. In der Printausgabe und natürlich auch online. Vielen Dank auch an Sie da draußen. Wenn Sie mögen, hören wir uns in zwei Wochen wieder mit dem Podcast über Berufe mit Sinn, den Hamburger Klinikhelden. Ich freue mich drauf, bis bald und kümmern Sie sich bis dahin gut um Ihre Herzensangelegenheit.
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