True Crime Germany wird präsentiert von Podriders.de, das Podcast-Netzwerk. Unschuldig im Gefängnis oder doch völlig rechtmäßig für sehr lange Zeit in Haft? Darum geht es beim Fall Klaus Bräunig. Bis zu seinem Tod, der sich erst letzten Monate ereignete, gab es nie Klarheit über das Verbrechen, das ihm zur Last gelegt wurde und wofür Bräunig die wohl längste Haftstrafe in Deutschland verbüßte. Heute bei True Crime Germany, Klaus Bräunig für immer im Gefängnis.

Hallo und herzlich willkommen zur 117. Episode von True Crime Germany. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Ich bin der Chris und bei mir sind natürlich wie gewohnt zum einen Lena. Moin. Und zum anderen André. Hallo. Und wir haben euch heute wieder einen sehr aktuellen Fall mitgebracht. Das ist so ein bisschen wie beim letzten Mal, als es um Ian Watkins, die Lost Prophets und die Verbrechen von Ian Watkins ging. Und ähnlich wie in diesem Fall, der ja quasi der Ian Watkins, der am 11. Oktober in Haft ermordet wurde, ist auch der Mann, um den es heute geht, erst kürzlich in den Nachrichten gewesen. Nämlich letzten Monat haben wir durch diverse Medien mitbekommen, dass der Mann, Klaus Bräunig, gestorben ist. Zugegeben, er wurde jetzt nicht von Mithäftlingen erstochen oder dergleichen wie im Fall Ian Watkins, dennoch machte er Schlagzeilen durch sein Ableben im Oktober. Und das wollen wir heute zum Anlass nehmen, um euch von ihm, dem Fall und vielleicht auch einem großen Justizversagen dahinter zu erzählen. Oder vielleicht war es auch kein Versagen und er saß völlig zu Recht so unglaublich lange in Haft. Darüber können wir und ihr da draußen an euren Endgeräten am Ende nur mutmaßen. Aber ich würde sagen, wir steigen mal direkt ein in den Fall Klaus Bräunig. Lena, du hast dich sehr intensiv zusammen mit André über den Fall beschäftigt. Kannst du uns mal einen Einstieg geben in dem Fall.

Ja, sehr, sehr gerne. Und dafür springen wir einfach mal direkt nach Mainz im Juli 1972.

Dem Gericht liegen zwar keinerlei Beweise vor, jedoch drei Geständnisse, die widerrufen werden. Am Ende der Gerichtsverhandlung, die nämlich im Juli 1972 stattfindet, steht fest, lebenslange Haft für den Mord an zwei Menschen, der Kinderärztin Margot Geimer und ihrer 17-jährigen Tochter Dorothee. Lebenslange Haft, darunter verstehen wir in Deutschland durchschnittlich 20 Jahre Gefängnis. Heute schauen wir aber auf mehr als das Doppelte an Haftzeit. Das Urteil ist damals schon sehr umstritten und bleibt es auch bis zum Ableben von Klaus Bräunig. Denn ja, drei Geständnisse vom Tatverdächtigen persönlich liegen zwar vor, aber keine weitere Last oder Beweise, die den Angeklagten als den Mörder der beiden klar identifiziert. Ja, und ihr ahnt es, auf der Anklagebank sitzt Klaus Bräunig, damals um die 28 Jahre alt. Als er wieder auf freien Fuß gelangt, ist der Mann fast 80 Jahre alt. Aber schauen wir erstmal, mit welcher Art Mensch wir es bei Klaus Bräunig zu tun haben.

1944 in Mainz geboren, beendet Bräunig seinen Schulabschluss und arbeitet lange Zeit als Hilfsarbeiter auf Baustellen oder in verschiedenen Firmen. Hilfsarbeiter klingt vielleicht für einige von euch jetzt erstmal nicht weiter drastisch. Es handelt sich dabei aber um eine sehr niedrige berufliche Stellung. Hilfsarbeiter werden auch als Ungelernte, Aushilfskraft oder Geringqualifizierte betitelt. Der Rechtsanwalt, der sich später seinem Fall annimmt und auch der Therapeut, der mit Bräunig zusammenarbeitet, beschreiben Klaus Bräunig als einen psychisch zurückgebliebenen, einfachen Mann, der auch mit sozialen Interaktionen viele Schwierigkeiten hatte. Besonders gegenüber dem anderen Geschlecht hatte Bräunig keinerlei Geschick. Gerade deswegen scheint er einen Hang zum voyeuristischen Verhalten zu haben und es wird beobachtet, wie er in die Gärten anderer Mitmenschen steigt, um durch die Fenster vermeintlich Frauen zu beobachten.

Anderweitig, sagen wir mal straffällig, wird Bräunig allerdings nicht. Er sitzt bis zu seiner lebenslangen Haft wegen Doppelmord keine weiteren Strafen ab oder steht vor Gericht als Angeklagter. Ja, zumindest bis dann eben die Anklage wegen Mordes bzw. Wegen Doppelmordes ausgesprochen wurde. Genau, eben bis zu der Nacht vom 12. zum 13. April 1970. Und diese Nacht soll das Leben von Klaus Bräunig für immer verändern. In dieser Nacht sterben die 49-jährige Margot Geimer und ihre 17-jährige Tochter Dorothee in ihrem Einfamilienhaus. Beide werden mit einem sogenannten Puma-Messer erstochen. Die Tatwaffe wird nie gefunden. Ebenso gibt es absolut keine Spuren von einem Einbruch oder nur ansatzweise Hinweise darauf, wie der Täter das Haus der beiden Frauen betreten hat. Lediglich eine gestohlene Pistole und das Fehlen einer der Schlüssel zum Haus gibt den Ermittlerinnen und Ermittlern Spuren, die verfolgt werden können. Insgesamt 18 Schlüssel zum Haus sind vorhanden und nach dem Mord fehlt eben einer. Laut Aussage der Polizei wäre dieser unter Umständen, Zitat, im Besitz von Unbefugten.

Ein halbes Jahr nach dem Mord taucht der Schlüssel plötzlich wieder auf, und zwar im Garten der Geimers. Wer den Schlüssel wann dorthin gelegt hat, ist völlig unklar, denn dieser Spur geht die Polizei damals nicht nach. Auch die Frage, wer davon wusste, dass die beiden Frauen genau in dieser Nacht allein zu Hause sind, wird von der Polizei quasi gar nicht beachtet. Rudolf Geimer, Vater und Ehemann der Familie, ist nämlich noch tagsüber zu einer längeren Geschäftsreise aufgebrochen, was auch nur Freunde oder eben Arbeitskollegen der Familie wissen können. Und noch etwas ist besonders. Denn die Tötung von Dorothee deutet auf eine Beziehungstat hin. Die Polizei findet sie tot und blutüberströmend in ihrem eigenen Bett, kann aber keine Sexualstraftat nachweisen. Es ging dem Täter also nur ums Töten.

Und das auf grausame Weise. Im Schlaf sticht der Mörder auf sie ein. Schwer verletzt versucht sie zu fliehen und zur Tür zu gelangen. Doch der Täter reißt sie zurück und schneidet ihr in der Bewegung mit dem Messer die Kehle durch und wirft sie danach auf das Bett.

War es Rache? War es ein Mord aus Hass? Klaus Püschel, Rechtsmediziner aus Hamburg, beschreibt die Umstände wie folgt. Das ist kein Mensch, der sich überlegt, wie bringe ich den jetzt elegant am besten um, sondern das ist jemand, der dann tatsächlich eher so raptusartig, ja, also plötzlich einsetzend, meist heftig Gewalt ausübt. Um die Ermittlungen anzukurbeln, suchen die Ermittelnden die Hilfe der Bevölkerung. Damals macht ein gelber Flyer mit roter Schrift die Runde, auf dem steht Doppelmord, 17.000 DM Belohnung. In der Nacht von Sonntag auf Montag vom 12.04. Auf den 13.04.1970 wurden die Kinderärztin Frau Dr. Margot Geimer, geborene Hart, 49 Jahre alt und deren Tochter Dorothee Geimer, 17 Jahre alt, in ihrer Wohnung in Mainz am Viktorstift 10 ermordet. Sie hatten am Sonntag, 12.04.1970, gegen 11 Uhr mit ihrem Pkw ihr Anwesen verlassen und sind vermutlich kurz nach 22 Uhr zurückgekehrt. Beide wurden letztmalig lebend am Sonntag gegen 21.45 Uhr in Mainz-Gonsenheim, 14 Nothelferstraße gesehen.

In Mainz macht der Mord an den beiden Frauen natürlich sofort die Runde. Die Bevölkerung ist verunsichert und sogar verängstigt. Denn noch eine Besonderheit wird in den Tagen und Wochen vor und nach dem Mord immer wieder beobachtet. Spanner. In der ganzen Stadt werden immer wieder voyeuristische Gruppen gemeldet. Die Polizei vermutet einen Zusammenhang und lenkt die Ermittlung gezielt in diese Richtung. Mit Spürhunden machen sie sich an die Arbeit, den Spannern das Handwerk zu legen und einen Hinweis auf die Morde zu erzielen. Und tatsächlich werden sie zwei Monate nach dem Doppelmord fündig, denn sie finden und verhaften Klaus Bräunig, der für seine spannenderischen Aktivitäten eben ja leider bekannt ist. Ja, und tagelang wird er dann fast pausenlos von den Ermittlerinnen und Ermittlern verhört. Er gesteht die beiden Morde nach fünf Tagen Verhör und widerruft das Geständnis wieder. Kurze Zeit später gesteht er erneut und widerruft ihn wieder. Das Ganze passiert dreimal. Die Geständnisse sind außerdem voller Widersprüche. So wird er zum Beispiel gefragt, wie er das Haus der Geimers betreten hat, ohne Einbruchsspuren zu hinterlassen. Und er kann jedoch nicht erklären, wie genau er das Haus betreten hat. Und dennoch gelten eben diese Aussagen als Grundlage für den späteren Urteilsspruch im Jahr 1972.

Das gerät im gesamten Verlauf des Prozesses und der Inhaftierung von Bräunig häufig in die Kritik, denn wie wir schon von seinen kurzen Einblicken ins Persönliche wissen, ist Bräunig ein eher einfacher Mann. Einfach im Sinne von mutmaßlich setzt ihn die Polizei so sehr unter Druck, dass sie ihm ein Geständnis quasi in den Mund legen und er einfach nur möchte, dass die Fragen aufhören.

Wie valide ein solches Geständnis dann mit ständigen Widerrufen ist, das überlassen wir jetzt mal euch als Zuhörerschaft. Seine spätere Strafverteidigerin Caroline Annemann kreidet jedoch gerade das am Urteil der Justiz an.

Klaus Puderbach, ehemaliger leitender Oberstaatsanwalt, beschreibt die umstrittenen Geständnisse und Widerrufe in einem Interview mit der ARD im Jahr 2022 allerdings wie folgt. Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass jemand ein falsches Geständnis ablegt. Aber dann ist es Sache des Gerichts, das aufzuklären. Und Sie sehen ja hier in der Sache Bräunig, in dem Urteil, das befasst sich weit über die Hälfte seiner Ausführung mit dieser Problematik. Geständnis richtig, geständnis falsch. Das ist Sache des Gerichts. Ich bin davon überzeugt, dass das, was das Gericht dann im Ergebnis gemacht hat, nämlich eine Verurteilung, auch richtig ist. Ja, er empfindet die Verurteilung als rechtmäßig. Vieles bleibt jedoch ungeklärt. Es gibt keine Spuren, keine Beweise und auch kein Motiv. Es gibt mehr Indizien, also Hinweise als Beweise und der Fall gelangt langsam aber sicher deutschlandweit in die Schlagzeilen. Die Polizei und die Ermittelnden in dem Fall geraten unter Druck, endlich Ergebnisse und idealerweise endlich einen Täter festzunehmen Daher werden die wirren Geständnisse und Widersprüche von Klaus Bräunig eher zu Lasten des Angeklagten gelegt Was allerdings keineswegs die vielen Fragezeichen in dem Mordfall Geimers aufklärt, Eine große Unklarheit in den Ermittlungen ist etwa der Verbleib einer Schusswaffe, die aus dem Haus der Geimers in der Mordnacht gestohlen wird.

Die Waffe, eine Pistole der Firma Smith & Wesson, verschwindet aus der Schublade und wird im Laufe der Ermittlungen nicht gefunden. Doch nur ein paar Jahre später fallen aus genau demselben Kaliber einer Smith & Wesson Pistole Schüsse, die zwei weiteren Menschen einem grausamen Mord aus Leben nehmen und den Fall Klaus Bräunig nochmal völlig neu aufrollen können.

Im März 1984, als Bräunig schon einige Jahre seine Haftstrafe verbüßt, ereignet sich ein weiterer Doppelmord nahe Mainz in Hechtsheim. Die 58-jährige Mutter Gisela Kramschuster und ihr 35 Jahre alter Sohn Rainer werden mit Genickschüssen in ihrem Eigenheim getötet. Berichte von Ermittlerinnen und Ermittlern zufolge kamen die Morde einer Hinrichtung gleich. Der oder die Täter sind spurlos verschwunden. Und doch gibt es klare Parallelen zwischen den beiden Taten. Auch hier fehlt jede Spur eines Einbruchs und die Mordwaffe passt auf das Kaliber der damals geklauten Smith & Wesson Pistole.

Eine Anwohnerin wundert sich über geschlossene Rollläden der Nachbarn, da es ihr unüblich vorkommt. Sie beschließt, nach dem Rechten zu sehen, um ihr unwohles Bauchgefühl hoffentlich ganz schnell loszuwerden. Doch was sie dann im Haus der Kramschusters entdeckt, hat an diesem Tag im März niemand erwartet. Zumal Gisela den Tag über noch gesehen wurde, sogar noch Klavierunterricht am Nachmittag gab. Ihr Sohn Rainer ist Gymnasiallehrer in Ingelheim, der gegen 18 Uhr zuletzt gesehen wird, wie er versucht, seinen roten Sportwagen Renault Alpine an einen unbekannten Mann zu verkaufen. Den Wagen hat er schon vor Tagen inseriert und hat jetzt wohl einen passenden Käufer dafür gefunden. War etwa der Mann, mit dem er zuletzt gesehen wurde, der Mörder? Zumindest hat der Täter Wertsachen der Familie nicht angerührt. Die Wagenpapiere waren nach dem Mord noch im Haus, ebenso die Autoschlüssel und auch der Renault steht unangetastet vor der Tür der Kramschusters. Genau dieser Mord soll nun bei der Aufklärung und gegebenenfalls auch Entlastung von Klaus Bräunig helfen. Und ob es sich bei der Smith & Wesson um genau die Pistole handelt, die aus dem Haus der Geimers gestohlen wurde, das ist unklar. Es ist jedoch derselbe Waffentyp mit demselben Kaliber und lässt daher den Schluss auf zu, dass es sich um ein und dieselbe Waffe handeln könnte.

Caroline Ahnemann, seine Strafverteidigerin seit 2022, die wir eben schon kurz erwähnt haben, versucht mit aller Macht ihren Mandanten, Klaus Bräunig, aus der schon viel zu langen Haft zu befreien.

Sie ist nämlich der Meinung, dass es im damaligen Prozess keine Beweise gegen ihren Mandanten gegeben hat, die ihn als Täter der Doppelmord nach der Geimer identifizieren konnten. Zudem das pausenlose Verhör des, wie wir eben schon gesagt haben, sehr einfachen Mannes, dessen Intelligenzquotient bei etwa 70 liegt.

Dessen Aussagen weder ein Motiv noch irgendwelche anderen für den Fall relevanten Informationen beinhalteten. Wie etwa die Frage nach der eben schon benannten Schusswaffe oder nach dem Verbleib von Rudolf Geimer in der Mordnacht, wie Beunig ins Haus gekommen und wieder verschwunden sei, ohne auch nur eine einzige Spur zu hinterlassen, wie er an einen Schlüssel der Familie gekommen ist, ohne zu ihren Bekanntschaften zu gehören. Er sagt, er hätte einfach nicht mehr gekonnt und deshalb alles unterschrieben, was man ihm vorgelegt hat. Das gibt es häufig, sagen Fachleute. Menschen gestehen Taten, die sie nicht begangen haben. Einfach um der Situation, der sie nicht gewachsen sind, zu entkommen. Erklärt die Mainzer Journalistin Mück Raab, die den Fall für die Zeitung recherchiert hat. Carolin Arnemann ist fest davon überzeugt, Klaus Bräunig wurde zu Unrecht für eine viel zu lange Zeit hinter Gitter gebracht. Bei ihr meldet sich ein anonymer Zeuge, der ihr Hinweise zu einem potenziell anderen Täter gibt, der vielleicht hinter beiden Doppelmorden stecken kann.

Der Hinweisgeber versucht damit natürlich Klaus Bräunig zu entlasten, denn der unbekannte Täter soll unter anderem Rainer Kramschuster aus der Schulzeit kennen und auch zu Dorothee Geimer soll er recht regen Kontakt gehabt haben. So gut, dass der Unbekannte und Dorothee sogar gemeinsam ein Konzert in Köln besuchen und zusammen regelmäßig Drogen konsumieren.

Von seiner Seite aus scheint es sogar ein romantisches Interesse an Dorothee zu geben, was jedoch nicht erwidert wird, denn Dorothee hat bereits einen Freund. Ermittlungen zeigen auch, dass der unbekannte Täter einen Schlüssel zum Haus gehabt hat, was schon nach dem Mord 1970 in die Akten eingetragen wurde. Jetzt denkt man sich irgendwie, okay, also das wirkt ja schon mal alles sehr verdächtig und auch wenn man bedenkt, wie jetzt die Dorothee ermordet wurde und man von einer Beziehungstat oder einem Femizid ausgeht, also ich weiß nicht, wurde denn gegen diesen unbekannten Täter ermittelt, um Klaus Bräunig zu entlasten? Ja, sollte man denken, aber nee, tatsächlich nicht wirklich. Und es gibt ja noch viel mehr Hinweise, die den unbekannten Täter eigentlich ins Visier der Ermittlungen rücken müssten. Da ist zum einen die Aussage eines Zeugen, dass der Unbekannte von Grund auf sehr zorniger Natur ist, sehr schnell in Rage gerät und sogar leicht sadistische Züge aufweist, besonders wohl gegenüber Frauen. Und das äußert sich nicht zuletzt darin, dass er seine eigene Frau im Streit erschossen hat. Das ereignet sich Anfang der 2000er Jahre. In der Justiz wird es als Beziehungstat im Affekt beschrieben. Das klingt etwas lasch auf Basis der Tatsache, dass er seine Frau nach einem Streit erschossen hat, als sie damit drohte, ihn zu verlassen.

Und anschließend soll er die Waffe auf sich selbst gerichtet und geschossen haben. Eine Vernehmung war daher nicht mehr möglich. Und trotzdem steht er schon 1970 auf der Liste der Verdächtigen, als es um den Mord an Margot und Dorothee geht. Ja, warum ist also niemand dieser Spur gefolgt? In seinem Haus findet die Polizei bei der Untersuchung diverse Waffen. Die wir jetzt nicht alle aufzählen, aber eine sollte unbedingt erwähnt werden. Nämlich, und ihr ahnt es jetzt vielleicht schon, eine Pistole der Marke Smith & Wesson Kaliber 10. Die Waffe kommt uns allen jetzt schon sehr bekannt vor und der oder die ein oder andere stellt sich jetzt natürlich die Frage, ob die Waffe nicht etwa zufällig aus dem Haus der Familie Geimer stammt. Auch Hinweise auf den Autoverkauf von Rainer Kramschuser gibt es. Denn der Unbekannte könnte tatsächlich Interesse an dem Renault Alpine von Rainer gehabt haben. Wir erinnern uns an einen unbekannten Mann, der kurz vor dem Mord mit Rainer vor dessen Haustür gesichtet wurde.

Der unbekannte Täter ist für sein Interesse an teuren Autos bekannt. Ganze 13 Wagen sind zur Tatzeit, als er sich und seine Frau ermordet, auf ihn zugelassen. Und noch eben der Hinweis, der nicht übersehen werden darf. Er soll Schlüssel zum Haus der Geimers gehabt haben und mit Dorothee sogar ein Motiv für den Mord. Verschmähte Liebe. Die Indizien häufen sich. Könnte er etwa auch Margot und Dorothee Geimer ermordet haben? sicher ist, er ist nachweisbar bereit zum Töten. Die Staatsanwaltschaft müsste den Hinweisen jetzt eigentlich nachgehen, doch dort bewegt sich trotz der Hinweise im Fall Klaus Bräunig absolut gar nichts. Eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen, auch weil die Prüfung noch andauert. Ja, so das Zitat von der Staatsanwaltschaft. Unklar ist allerdings, was genau da geprüft werden soll. Scheinbar scheint die Staatsanwaltschaft auf Zeit zu spielen, Denn auch der Zeuge, der Karolin Ahnemann valide Hinweise liefert, wird nicht angehört, um dem mutmaßlichen Täter auf die Spur zu kommen.

Dasselbe bekommt auch Klaus Bräunig zu hören, wenn er um Entlassung aus der Haft bittet. Wir prüfen das, Zitat heißt es ständig. Carolin Ahnemann, Bräunigs Strafverteiligerin, versucht mit aller Macht ihren Mandanten aus der schon viel zu langen Haft zu befreien. Für die Staatsanwaltschaft gilt Klaus Bräunig selbst in seinem schon hohen Alter als zu gefährlich, um aus der Haft entlassen zu werden. Sie beschuldigen ihn als Tatleugner, als potenziellen Wiederholungstäter, der sich nicht mit seinen Straftaten auseinandersetzt und sich schuldig bekennt. Und das selbst nachdem er über 20 Jahre, also der durchschnittlichen lebenslangen Haftstrafe, abgesessen hat. Selbst nachdem der Mann nun im hohen Rentenalter von fast 80 Jahren mit Erkrankungen vermutlich alles andere als eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.

Ja und wie verhält es sich denn mit Klaus Bräunig im Gefängnis? Also wie war er da als Häftling? Wie hat er sich verhalten? Ist er irgendwie auffällig geworden? Und er muss ja vermutlich auch jetzt ständig irgendwie unter medizinischer Aufsicht stehen, oder? Ja, aus den Berichten kann man herauslesen, er war meistens unauffällig, manche nennen ihn sogar einen Mustergefangenen, er hat gearbeitet, hält sich an Regeln, zieht sich eher dann zurück und gewalttätig war er auch im Gefängnis nie. Man muss sich klar machen, so eine lange Haftdauer veränderten Menschen.

Jahrzehntelang derselbe Tagesrhythmus, immer dieselben Mauern, dasselbe Geräusch der Schlösser, Freunde, Familie, Zeitgeist, die Technik, die sich weiterentwickelt. Die Welt draußen dreht sich halt weiter, während man selbst absolut stehen bleibt. Und er war irgendwann einfach ein alter Mann in einer Situation, für die das System eigentlich gar nicht ausgelegt ist und eben die Justizvollzugsanstalt. Und ja, seine gesundheitliche Situation hat in Haft enorme Auswirkungen. Über die Jahre wurde er zeitweise in den offenen Vollzug überstellt. Damit durfte er die Haftanstalt für 14 Stunden pro Woche verlassen, was es ihm ermöglichte, wieder soziale Kontakte zu pflegen zum Beispiel. Doch aufgrund seiner schweren Krankheit irgendwann kommt er dann wieder in den geschlossenen Vollzug, denn er ist auf beinahe tägliche Pflege angewiesen. Und die ist im offenen Vollzug nicht zu leisten und generell, wie schon gesagt, ist die Haftanstalt auf solche Fälle eigentlich überhaupt nicht ausgelegt. Und in einem Interview mit der ARD sagt Bräunig, Ich will nicht im Knast sterben, ich will draußen sterben. Aber entlassen ist nicht alles. Die sollen, auf Hochdeutsch, meinen Namen wieder reinwaschen, dass ich wieder richtig mit Leuten unterhalten kann und nicht, ach guck mal, da ist der Mörder. Ja, aber wie bereits erwähnt, ziehen sich die Unternehmungen von Strafverteidigerin Carolin Ahnemann ewig hin.

Aber sie gibt nicht auf und erzielt beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe einen Teilerfolg. Dort legt sie die Beschwerde gegen die Haftdauer von Bräunig ein und das Gericht stimmt ihr sogar zu. Das BVG hält die Begründung vom Landgericht nicht schlüssig. Bräunigs Chancen, doch noch aus der Haft entlassen zu werden, steigen damit enorm. Carolin Arnemann sagt in einem ARD-Interview, Wir reden hier von einem Mann, der inzwischen seit 53 Jahren in Haft sitzt. Und da fehlt mir offen gesagt jegliches Verständnis, wieso es so lange dauert, bis man hier mal anfängt, diesen Hinweisen nachzugehen. Ja, damit meint sie die neue Beweislage, von der du ja auch eben schon erzählt hast, Lena. Und tatsächlich kommen dann Gedanken auf, die Staatsanwaltschaften des Landgerichts würden die Prozedur eher aussitzen, weil sie halt wissen, dass Bräunig in der Haft vielleicht nicht mehr allzu viel Zeit hat, weil er eben alt und krank ist.

Werner W., ein Freund von Bräunig, den er aus früherer Haftzeit kennt, der war da angestellt, steht ihm bei. Auf seinen Freigängen zur Zeit des offenen Vollzugs trinken die Männer gemeinsam Kaffee. Und als Bräunig dann krank wird, ruft er ihn jeden Tag fast in der JVA an und erkundigt sich nach seinem Zustand. Und in einem ARD-Interview sagt Werner W. Der klagt nicht, der klagt nicht. Die einzige Klage, er hat immer vorgehabt, mal eine Familie zu gründen, zu heiraten, Kinder zu kriegen. Und das alles ist ihm vorenthalten worden. Das ist eigentlich das Einzige, was ihm wehtut. Und das Unrecht, was ihm widerfahren ist. Ja, und wenn Bräunig im Gefängnis stirbt, wird es keinen Freispruch mehr geben können. So viel ist sicher. Und das will Carolin Ahnemann in jedem Fall verhindern. Sie kann nicht länger auf die Prüfung der Staatsanwaltschaft warten. Ihr lauft viel Zeit davon. Wir hatten ja gehört, sie immer wieder mit Hinhaltetaktiken, und einfachen Floskeln, dass sie da abgespießen wurde. und daher will sie den Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens sofort einreichen. Denn ihrer Meinung nach hat sie genügend Mittel dafür, um das damalige Urteil zu torpedieren.

Bräunig zieht mit und unterschreibt die dafür nötigen Papiere. Er zeigt sich kämpferisch, wenn auch gesundheitlich schwer angeschlagen. Und jetzt ist natürlich die spannende Frage, die glaube ich alle da draußen interessiert, die den Fall nicht kennen. Hatte die Verteidigerin denn jetzt doch noch Erfolg, Lena? Du wirst es kaum glauben, aber tatsächlich haben Carolin Arnemanns Anstrengungen dann doch noch Erfolg gezeigt. Nach 53 Jahren Gefängnis wird Klaus Bräunig am 20. September 2023 auf Bewährung aus der Haft entlassen. Das Landgericht Koblenz setzt dabei die Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts um, die Ahnemann erstritten hat. Nach seiner Entlassung lebt Klaus Bräunig in Hessen in einem Pflegeheim. Sein Gesundheitszustand verbessert sich nicht und er weiß, dass er vom Leben nichts mehr zu erwarten hat. Aber er hat bekommen, was er unbedingt wollte, nicht im Gefängnis zu sterben.

Nur ein Freispruch, das wäre noch das i-Tüpfelchen, um damit immerhin noch Gerechtigkeit zu erfahren. Im Februar 2024 wies das Landgericht Bad Kreuz nach einem Antrag von Carolin Arnemann auf Wiederaufnahme des Falls ab. Begründet wurde dies damit, dass die Zitat neu vorliegenden Tatsachen der Verteidigerin nicht geeignet seien, eine geringere Strafe oder einen Freispruch herbeizuführen. Das Landgericht Mainz habe bereits, Zitat, sämtliche Gesichtspunkte für ein falsches Geständnis berücksichtigt. Außerdem sei auszuschließen, dass ein anderer Verdächtiger den Mord begangen habe. Gegen diese Entscheidung legte Arnemann umgehend Beschwerde ein und ging in Berufung. Seitdem prüft das Oberlandesgericht Koblenz in nächster Instanz den Wiederaufnahmeantrag.

Doch soweit kam es nicht mehr. Denn im Oktober 2025 verstarb Klaus Bräunig im Alter von 80 Jahren. Carolin Ahnemann hat mit ihm gekämpft, hat ihn aus der Haft geholt, doch rehabilitieren konnte sie ihn zur Lebzeit nicht mehr. Mit Bräunigs Tod werden die Akten jedoch nicht automatisch geschlossen. Nach geltendem Recht können auch nahe Angehörige die Wiederaufnahme eines Verfahrens beantragen. Ob jemand von diesem Recht Gebrauch machen wird, ist bislang offen.

Krass, also als wir den Fall rausgesucht haben, ich hatte das irgendwie ja nur gesehen in der Zeitung, dass irgendwie Deutschlands am längsten inhaftierter, in Anführungszeichen, Verbrecher verstorben ist, das fand ich halt super interessant und hab euch das quasi gegeben zur Recherche und hätte jetzt im Nachhinein ehrlich gesagt nicht gedacht, dass das doch irgendwie so ein, also bei mir hinterlässt es ein deprimierendes Gefühl irgendwie. Ich weiß nicht, wie es euch jetzt bei der Recherche ging und beim Ausarbeiten, aber mir jetzt vom reinen Hören, muss ich sagen... Hat das doch schon eine bittere Note irgendwie. Ja, also als ich angefangen habe, mich mit dem Fall zu beschäftigen, ich meine, die meisten Fälle, die wir behandelt haben, ganz klares Muster. Wir haben Opfer, wir haben Täter. Du weißt sofort, wer eine Straftat begangen hat und hoffst darauf, dass sie eine gerechte Strafe bekommen. Das ist immer so ein bisschen der Outcome unserer Fälle. Welches Strafmaß wird angewendet? Findet man den Täter oder die Täterin? Und als ich angefangen habe, mich mit Klaus Bräunig zu beschäftigen, dachte ich, okay, das ist in dem Fall gar nicht so einfach, weil da sitzt vielleicht wirklich ein Mann so unglaublich lange im Gefängnis und wird auch versucht, so lange wie möglich im Gefängnis zu halten.

Dessen Beweislast ja gar nicht vorhanden war. Also es gab ja wirklich keine Beweise dafür, außer die Geständnisse, die, wie wir wissen, alle auch irgendwie erzwungen werden können, wenn du es mit einem Menschen zu tun hast, der leicht unter deinem Verhör bricht, dass es mir extrem schwer gefallen ist, mich emotional so ein bisschen davon zu lösen und zu sagen, okay, wir haben hier wirklich einen ganz klar Verurteilten, der sitzt zu Recht im Gefängnis, die Strafe ist berechtigt und wir erzählen euch das jetzt einfach heute in unserem Fall. Weil auch dieses, wenn du liest, dass die Justiz sich um manche Spuren gar nicht gekümmert hat, zum Beispiel um den Schlüssel oder um die Waffe, dass da gar nicht nachgegangen wurde und man sich fragt, warum nicht? Wolltet ihr es aus Zeitgründen nicht machen? Wolltet ihr es nicht machen, weil ihr ja sowieso schon jemanden im Gefängnis sitzen habt, der sich nicht beschwert? Also quasi könnte die Justiz sich einfach zurücklehnen und sagen, der ist viel zu gefährlich, wir können ihn nicht rauslassen, egal ob wir jetzt quasi schon mit der Nase auf einen neuen Verdächtigen stoßen, der ja offensichtlich extrem gefährlich ist, wie wir dann im Jahr 2000 gemerkt haben, als er seine Frau erschossen hat.

Also es hinterlässt so ein ganz ekliges Gefühl in der Magengrube, sich mit so einem Fall auseinanderzusetzen, weil es mit einer Ungerechtigkeit einhergeht, die man sich eigentlich kaum erklären kann. Ja, das ist auch wieder so ein Fall, wo man von außen drauf schaut und sich denkt, hä, es ist doch alles klar.

Fügt doch mal eins und zwei und A und B zusammen. Dann ist doch irgendwie klar, dass er das nicht gewesen sein kann. Also alles andere deutet ja auf diesen anderen Mann hin, der gewalttätig war, der einen Mord begangen hat, der natürlich auch nicht mehr lebt. Klar, man kann jetzt nicht mehr anklangen, aber rein, wenn man sich das alles zusammenliest, dann macht das irgendwie Sinn. Und wie Lena Rath sagt, das ist irgendwie, wenn man sich das vorstellt, dass jemand, einfach diese Vorstellung, wir wissen es natürlich nicht, aber diese Vorstellung, er könnte über 53 Jahre, also über 50 Jahre seines Lebens in Haft gesessen haben, ohne vielleicht was getan zu haben.

Also mehr Ungerechtigkeit kannst du den Menschen ja nicht antun. Wenn du dann auch halt hörst, die Zitate da von seinem besten Freund, naja, er hätte gerne mal eine Familie gegründet, er hätte gerne ein normales Leben natürlich geführt, das wurde ihm alles genommen, das kriegst du ja nie wieder. Das ist ja, deine Lebenszeit ist ja das, was du nie wiederbekommst. Und ja, sein Leben war ja dann auch, wie er selber gesagt hat, als er aus dem Gefängnis rauskam, er wusste, sein Leben hat nichts mehr zu bieten. Also wie traurig ist das bitte? Also das ging mir schon echt auch nah bei der Recherche, ja. Ich meine, als True Crime Podcaster sagt sich das natürlich immer so leicht, das liegt hier alles quasi vor uns, ist doch klar, wie du eben gesagt hast, natürlich kennen wir jetzt nicht diese tausenden Seiten Gerichtsakten, die es dazu gibt und so weiter, also es kann natürlich auch sein, dass das alles schon irgendwie seine Richtigkeit hat, aber die Punkte, die ihr auf jeden Fall davor getragen habt, gerade das mit diesem neuen Verdächtigen, der sich doch schon sehr eindeutig verhalten hat, das lässt auf jeden Fall einen bitteren Beigeschmack hinterlässt. ein. Und nochmal, Lena, das mit diesen Verhörmethoden, da will ich jetzt vielleicht gar nicht mal unbedingt irgendwie den Verhörern, in Anführungszeichen.

Irgendwie eine Schuld zu weisen, weil gerade, so wie ihr ja den Klaus Bräunig beschrieben habt und seine Intelligenz, so blöd es jetzt klingt und so hart es jetzt klingt, kann es ja auch sein, dass er auch schon mit einfachsten, normalen, Verhörmethoden so überfordert war, dass er das eingestanden hat, ohne dass da jetzt besonders, hart nachgegangen wurde, wie wir das ja häufig auch in Filmen aus Amerika zum Beispiel kennen und gehört haben. Aber ja, das ist echt bitter und da muss man sich auch echt Fragen stellen. Lena, also wann hat denn ein Mensch seine Strafe dann irgendwann abgesessen? Ja und wir haben es ja auch schon angesprochen, etwa 20 Jahre plus minus ist eben die lebenslange Haftdauer in Deutschland, die ist so gesetzlich festgelegt und es wird ja dann wahrscheinlich auch davon ausgegangen, dass sich ein Mensch nach 20 Jahren in der Haft eben resozialisieren lässt, rehabilitieren lässt und man diesem Menschen dann aber auf jeden Fall auch noch eine Chance gibt, sich in die Gesellschaft wieder einzugliedern.

Nachdem man ein Vierteljahrhundert eben nicht Teil dieser Gesellschaft war. Und das allein macht an diesem Fall so extrem stutzig, dass sie über 50 Jahre lang darauf bestanden haben, diesen Mann nicht freizulassen, obwohl lebenslange Haft ja schon längst abgesessen waren. Gerade wenn man, kurzer Einwand, gerade wenn man merkt, man hört ja auch oft, jetzt nicht nur in Deutschland, sondern auch wieder in der internationalen Rechtsprechung, dass Leute, die zum Beispiel im hohen Alter verurteilt wurden, dass die zum Beispiel nicht mehr die Haft antreten müssen, weil es ihnen quasi sozusagen nicht zuzumuten ist. Ich will da jetzt nicht genau auf irgendwelche Paragraphen, weil die weiß ich gerade nicht, eingehen. Aber das haben wir ja alle schon mal gehört. Und wenn du dann siehst, ich meine, dieser Mann ist im hohen Rentenalter sozusagen sagen und trotzdem wird davon ausgegangen, dass er da, und krank noch dazu, dass er immer noch eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt und im selben Atemzug wird gesagt, naja, wir können jetzt seine Pflege im offenen Vollzug nicht gewährleisten, das ist schon gar nicht mehr möglich. Ja und dann nicht als Konsequenz zu sagen, okay, der offene Vollzug geht nicht mehr, wir müssen ihn jetzt wirklich in ein Pflegeheim bringen, wo man sich gut um ihn kümmern kann, weil, wie André schon gesagt hat, die Pflege im Krankenhaus, sag ich schon, im Gefängnis, ist ja auch gar nicht wirklich machbar, da sind ja jetzt nicht.

Geschulte, ärztliche Personen unterwegs den ganzen Tag, die sich 24-7 um einen fast 80-jährigen Rentner kümmern können. Allein, dass das nicht als Merkmal angesehen wurde, um zu sagen, gut, wir entlassen ihn jetzt aus der Haft. Wir geben ihm jetzt die Bewährung. Das ist schon, das tut weh. Das tut einfach weh. Und er hatte ja Freigang 14 Stunden die Woche, in der er dann Freunde besucht hat und einfach ein bisschen auch mal am Leben teilnehmen konnte. Das wurde ihm ja dann wieder weggenommen mit der Geschlossenen. Aber selbst da, er war ja unauffällig. Also es ist ja nichts passiert. Und er war ja auch in der Haft unauffällig. Also ich glaube, es gibt Täter, die frühzeitiger entlassen wurden. Und vor allem auch. Er hat ja schon wieder dann dieses Sozialleben gehabt. Er war immer regelmäßig im Kaffeetrinken da mit seinem Freund unterwegs. Ich glaube, mit seinem ehemaligen Chef haben sie auch immer getroffen. Die waren immer zu dritt, Kaffeekränzchen gemacht. Das gibt dir ja auch was. Nach 50 Jahren oder so langer Zeit in Haft, dass du wieder soziale Kontakte haben darfst regelmäßig. Und das haben sie ihm ja dann auch wieder genommen, quasi als Strafe, weil er krank war.

Weil er krank und alt wurde, haben sie eben da die sozialen Kontakte auch noch wieder genommen damit. Das ist ja auch so ein Wahnsinn. Und wenn ich es richtig verstanden habe, ist ja auch die Einschätzung darüber, dass er weiterhin eine Gefahr darstellt, dadurch entstanden, dass er uneingeständig ist. Ja. Das ist ja der einzige Grund. Und das ist ja das Paradoxe daran, wenn er selber sagt, er ist unschuldig. Und dann ist es ja logisch, dass er seine Schuld nicht nochmal eingesteht. Und deshalb wird er für gefährlich gehalten. Das ist natürlich irgendwie paradox, weil er sagt natürlich, ich bin unschuldig, warum sollte ich denn jetzt was eingestehen und dann dadurch aber vielleicht früher entlassen werden, weil ich eingeständig bin, weil ich meine Schuld kenne und Reue zeige. Das ist absolut paradox, ja. Obwohl er es vielleicht, also aus seiner Perspektive zumindest gar nicht getan hat, das ist halt schon absurd irgendwie und deswegen im Gefängnis bleibt. Ja. Wie sieht abschließend vielleicht noch die Frage, um das mal noch ein bisschen aufs Allgemeine zu ziehen, jetzt rein menschlich aussehen? Nehmen wir mal Brechtsprechung, alles drum und raus, so ein bisschen raus aus der Betrachtung. Was würdet ihr denn für den richtigen Schritt halten in solchen Momenten oder in solchen Fällen?

In Haft bleiben bis zum Tod oder soll man diesen Menschen irgendwie noch die Möglichkeit geben, also wenn er natürlich wirklich keine Gefahr jetzt in dem Sinne darstellt, zum Beispiel irgendwie wirklich steinaltes etc., dass man diesen Menschen dann die letzten Wochen, letzten Tage nochmal auf freien Fuß lässt? Mal ganz persönlich gefragt. Also meine Meinung ist, wir haben eine Rechtsprechung, die greifen muss. Lebenslang, wie gesagt, 20 Jahre plus minus. Wenn das abgesessen ist, muss dann Gutachten angefertigt werden. Man muss gucken, wie alt ist dieser Mann? Wie hat er sich in der Haft verhalten? Hat er irgendwelche aggressiven Tendenzen? Wenn nein, dann finde ich, hat jeder Mensch es verdient, sich in der Gesellschaft wiederzufinden, wieder ein neues Leben anzufangen, sich zu bessern. Und gerade wenn es ums Alter geht, ich sehe nicht ein, warum ein Mensch es verdient hätte, im Gefängnis zu sterben. Ja, sehe ich ähnlich. Es kommt bis auf die Tat an und was es eben für eine Person ist, genau. Ich wollte gerade sagen, also Ian Watkins hätte es zum Beispiel auf jeden Fall verdient, aus meiner Sicht, wenn er nicht...

Es ist ja passiert so, die Gerechtigkeit war da. Und das ist natürlich jetzt, wie gesagt, eine subjektive Einschätzung. Wenn die Gutachten bestätigen, da besteht keine Gefahr mehr. Die Person ist auch jetzt, wir reden ja über das Alter, ist auch quasi zu alt, um überhaupt noch irgendwie eine Gefahr darzustellen. Und es geht hier nur noch so um die letzte Erhaltung der Menschenwürde. Und die ist, wie wir alle wissen, unantastbar. Dann zu sagen, nee, Pflegeheim ist jetzt der richtige Schritt, bevor hier im Gefängnis wirklich eingegangen wird. Weil das ist das, was passiert. das haben wir ja gehört, die sind nicht darauf ausgelegt einen alten Menschen zu pflegen dann sage ich auf jeden Fall auch ganz klar, dann lieber freilassen Pflegeheim und dann zumindest die letzten.

Lebensstunden noch zumindest in Freiheit genießen aber genießen hatte das was glaube ich hier Klaus Bräunig noch hatte, ja auch nicht mehr viel zu tun am Ende das muss man auch mal sagen, Ja, das stimmt Ja, dann würde ich sagen war es das für heute Ihr könnt uns auf jeden Fall gerne in die Kommentare zum Beispiel bei Spotify schreiben, wie ihr das seht, wie ihr den Fall einschätzt. Und wie ihr auch jetzt die vielleicht noch etwas philosophischen Fragen, die wir am Ende jetzt besprochen haben, selbst seht, schreibt uns das gerne rein. Lasst uns gerne ein Abo auf Spotify da, einen netten Kommentar, irgendwas Positives. Darüber würden wir uns sehr freuen. Und am meisten würden wir uns freuen, wenn ihr auch bei der nächsten Episode von True Crime Germany wieder am Start seid. Und von daher würde ich sagen, bleibt sicher, True Crime Germany mit Lena, André und mit mir. Macht's gut. Tschüss. Ciao.