Akte Rheinland Ein Podcast des Bonner Generalanzeigers über wahre Verbrechen.
Waldbröhl, 1. September 2016. Es ist kurz nach 22 Uhr. Auf dem Parkplatz des Getränkemarkts ist das ferne Wummern der Diskothek Roxy zu hören. Doch dann bricht der Lärm der Nacht über das Gelände herein. Vier Männer stürmen auf den Parkplatz. Sie sind betrunken, außer Atem und voller Wut. Sie kommen gerade von einer Jagd durch den Ort. Dort treffen sie auf Eduard. Er ist den Männern kein Unbekannter. Schon am Vortag gab es Streit. Als Eduard die Gruppe sieht, beginnt er sofort zu schimpfen. Lautstark, auf Russisch. Auch er ist stark betrunken. Es ist der Funke im Pulverfass. Was folgt, ist kein einfacher Streit. Zuerst ein Faustschlag ins Gesicht. Dann tritt ihm einer der Männer mit einem Holzstock in die Kniekehlen. Als Eduard am Boden liegt, hören sie nicht auf. Sie treten auf seinen Brustkorb ein, gegen seinen Kopf. Zweimal rappelt er sich noch auf. Doch ein letzter, wuchtiger Schlag trifft ihn am Kopf. Eduard schlägt ungebremst mit dem Hinterkopf auf den harten Asphalt auf. Danach Stille.
Herzlich willkommen, da sind wir wieder mit einer neuen Episode von Akte Rheinland. Uns gibt es an jedem zweiten Montag und wir besprechen hier Kriminalfälle und Verbrechen aus dem Rheinland. Speziell aus dem Bonner Raum. Und heute gehen wir mal wieder ein bisschen weiter raus. Wir besuchen mal wieder das Bergische Land, genauer gesagt den Oberbergischen Kreis, aus dem ich übrigens stamme. Und wenn es richtig ländlich wird, dann darf einer nicht fehlen. Und das ist Nikolaus Ottersbach aus dem schönen Ruppigde Roth. Hallo. Hast du mich jetzt gerade indirekt als Landeil bezeichnet? Sogar ziemlich direkt, ehrlich gesagt. Ja, gut. Nee, ist in Ordnung. Ich denke auch. Ja, du bist ja nicht zum ersten Mal hier im Podcast zu Gast und natürlich kennst du dich nicht nur im ländlichen Raum aus, sondern wirklich, ja, man kann sagen, eigentlich fast im ganzen Rheinland, oder?
Ja, wobei da, wo man aufgewachsen ist, kennt man natürlich schon irgendwie jeden Baum und jeden Stein. Also ist man zu Hause. Ja, ich bin Landei. Sorry.
Beim Generalanzeiger bist du nicht als Landei, sondern als Reporter in unserem Breaking News Team. Das sind diejenigen, die sich um die ganz aktuellen Themen vor allem kümmern, oft eben dann auch um die sogenannten Blaulichtthemen. Also immer, wenn es irgendwo brennt, gekracht hat oder noch Schlimmeres passiert ist. Das ist ja bei dir wirklich eine Spezialität. Du bist ja der klassische Polizeireporter eigentlich. Und kannst du vielleicht kurz beschreiben, worum du dich so in letzter Zeit thematisch gekümmert hast? Was haben wir denn zuletzt gemacht? Ich war mit meiner Kollegin Ines Bressler am Flughafen Köln-Bonn, als dieser Evakuierungsflug aus Riyadh angekommen ist, für die Touristen, die wegen des Kriegs im Nahen Osten festsaßen. Was haben wir noch zuletzt gemacht? Ich habe ein Interview mit der Witwe von Khatar geführt, was auch total interessant, auch super ergreifend war, wie die Frau einfach mit dieser ganzen Situation umgeht. Also das ist der verstorbene Bonner Rapper, der 2025 gestorben ist. Ja, aber der Schwerpunkt ist natürlich im weitesten Sinne Kriminalität, das ist das Tagesgeschäft. Ja, wobei über den Goldraub von Katar, den mutmaßlichen, den haben wir ja auch schon hier behandelt. Aber das führt jetzt zu weit. Du hast in letzter Zeit zum Beispiel auch viel recherchiert zu einem wirklich, ja ich sag mal gruseligen Fall. Das ging darum, dass da auf der Autobahn oder in der Nähe der Autobahn abgehackte Hände einer Frau entdeckt wurden. Dann gab es so einen brutalen Überfall auf ein Ehepaar in Zülpich. Das war ja auch sehr, sehr rätselhaft. Das ist bei dir auch immer wieder Thema. Und auch Cold Case, das kommt ja immer mal wieder vor. Wir haben hier ja zusammen über den Fall Claudia Wilbert gesprochen, auch über das Ehepaar Hagen.
Gerade hast du dich mit dem Fall eines Mädchens befasst, das 1973 im Alter von 13 Jahren in Windeck verschwunden ist und von dem es seitdem kein Lebenszeichen gibt. Also da ist viel los. Ja, also das ist wirklich gerade ein ganz aktuelles Thema. Isolde Becker, wird 13 Jahren verschwunden. Und wenn du das so aufzählst, wir müssten ja eigentlich fast mal so eine Art Crime-News.
Podcast machen, wo man auch so was Aktuelleres noch behandelt. Ja, also ich sag mal so, wer weiß, vielleicht interessiert das ja, also ihr könnt ja mal abstimmen, wir machen mal eine kleine Abstimmung auf Spotify und auf Instagram, ob ihr sowas auch hören würdet, also jetzt vielleicht nicht unbedingt nur dann mit den Bonnerfällen, sondern auch... Und auch nicht nur mit mir. Nicht nur mit dir. Ja, wir sind gespannt, wir sind übrigens sowieso gespannt auf das Feedback auch wieder zu dieser Folge, denn ja, also als wir am letzten Mal hier waren, da war das Feedback ja durchaus gemischt. Ja, das hast du schön ausgedrückt. Aber um das nochmal klarzustellen, das ist eigentlich deine Schuld gewesen, dass das Feedback so gemischt war. Du meinst, weil ich dir dieses Bashing von Aktenzeichen XY ins Skript geschrieben habe und du das einfach so unschuldig rausgehauen hast. Ja, nee, also deswegen ist es ganz gut, das Skript auch vorher einmal zu lesen. Und an der Stelle dann auch nochmal vielen Dank, dass du das jetzt nochmal rausholst. Sehr gern. Also wir können westhalten, mein wahnsinnig toller Humor kommt jetzt nicht bei allen so wahnsinnig gut an. In diesem Fall habe ich eingesehen, bin ich auch in den Kommentaren drauf eingegangen, ja. Gab es dann irgendwie noch Rückmeldungen zu mir? Das interessiert mich auch mal so ein bisschen. Ich kann dir mal was vorlesen, wenn du magst. Hast du da was vorbereitet? Ich habe was vorbereitet. Dann bitte. Bitte keine weiteren Folgen mit ihm.
Dieses besserwisserische Bashing der Hauptjournalistin, das bin, glaube ich, ich, ist echt nur peinlich. Hab dann abgeschaltet. Super unangenehm, wie der sich gebärdet. Wie, ja, was soll ich denn machen? Ich rede halt so. Also für mich klingt das nach einer ganz normalen Mittagspause mit dir, ehrlich gesagt. Ich sag jetzt nix, weil dann krieg ich wieder irgendwie einen auf den Deckel. Also wir halten jetzt mal der Vollständigkeit halber fest, dieses Bashing auch meiner Person, das war in dem Fall total okay, das war genauso vorher abgesprochen. Und es fanden auch wirklich bei weitem nicht alle doof. Ganz viele haben geschrieben, dass sie deinen Humor super finden, dass sie deinen Dialekt super finden und dass du gerne wiederkommen sollst. Das ist doch wirklich schön zu hören. Da geht mir der Herz auf. Ja, und deshalb bist du ja jetzt auch hier. Ich bin froh, dass du nicht im Trainingsanzug und mit Lolli im Mund aufgekreuzt bist, dass du dir jetzt allerdings so schick dich präsentierst. Das hatte ich jetzt noch nicht erwartet. Gut, also ich hoffe, man sieht dich, den Kakaofleck, den ich mir hier irgendwo hingemacht habe heute Morgen. Und ich muss dir leider sagen, das liegt nicht daran, weil ich mich für dich schick gemacht habe, sondern ich muss gleich noch zur Staatsanwaltschaft. Das ist bitter für mich. Ja, aber für alle anderen glaube ich ganz gut. Und ja, Lutscher, den hätte ich tatsächlich im Mund, aber es ist halt gerade Fastenzeit und da verzichte ich auf Süßigkeiten.
Gut, worauf ich eigentlich kommen wollte. Du bist Reporter bei uns, daneben bist du aber auch Feuerwehrmann, Rettungssanitäter. Du sagst, wenn was falsch ist. Ja, Rettungssanitäter stimmt nicht. Also da werden wir alle Rettungssanitäter aufsteigen. Ja, richtig. Also Feuerwehrmann, wir haben natürlich auch so eine gewisse medizinische Ersthelferausbildung und so was. Aber Rettungssanitäter bin ich nicht. Okay, dann nehme ich das hier mit zurück. Was du aber bist, ist Betreiber eines Nachrichtenblogs, also neben deiner Arbeit bei uns. Der heißt brülltal.de. Mit O-E. Mit O-E. Und für den hast du 2016, 2017 den Fall verfolgt, über den wir jetzt hier sprechen. Dieser Fall spielt in Waldbrüll. Vielleicht kannst du mal kurz erklären, wo das liegt und wo unser Fall jetzt genau spielt. Ja, also Waldbrüll schimpft sich zwar Marktstadt, aber das ist jetzt keine Stadt im klassischen Sinne. rund 20.000 Einwohner. Du hast halt eine Hauptstraße, die durch den Ort geht. Da gibt es so ein paar Läden. Friseur gibt es da auch. Mein Friseur ist übrigens auch in Waldbrüll. Da fahre ich dann immer hin. Früher gab es dann noch einen Woolworth, ich glaube zu der Zeit. Das war so ein riesiges Einkaufszentrum, wo man immer hingegangen ist. Der ist aber mittlerweile abgerissen. Die haben das Ganze ein bisschen modernisiert.
Aber Waldbrüll ist vielmehr ein großes Dorf. Und über den Waldbrüll an sich sagt man eigentlich auch, dass er halbseitig verschiefert ist. Insofern, doch, ist es ländlich. Süden vom Oberbergischen Kreis, 60 Kilometer ungefähr von Bonn. Man kennt sich und wenn man sich da, also die Innenstadt ist auch nicht besonders groß, hast du gerade gesagt. Die Wege sind kurz und dann begegnet man sich sicherlich auch immer mal wieder. Mittlerweile gibt es das nicht mehr. Es gab halt einfach so ein paar Kneipen, Klimbim. Das Roxy, da in der Nähe spielt auch gleich der Fall, wenn wir mal sprechen, das ist glaube ich 2018 abgebrannt. Das gibt es auch nicht mehr. Der Busbahnhof, da trifft man sich halt dann halt so ein bisschen. Ja, das wird ja hier auch noch eine Rolle spielen, dass die Leute sich da wirklich kennen und immer wieder begegnen. Wir haben ganz zu Beginn von Martin schon gehört, was hier am 1. September 2016 passiert. Ein 40-jähriger Mann wird auf einem Parkplatz in der Waldbrüller Innenstadt von vier anderen Männern brutal zusammengeschlagen und stirbt dann neun Tage später an den schweren Verletzungen durch diese Gewalttat. Was wissen wir jetzt über den Abend und die Beteiligten daran? Ja, also kurz und knapp. Wir machen das gleich noch ganz ausführlich. Es gibt ja diesen Parkplatz, da treffen sich oder begegnen sich so kurz nach zehn abends, so diese Gruppen, eine Gruppe von vier Männern und ein einzelner Mann, kommt zu so einem verbalen Streit, das Ganze eskaliert.
Später wird das Ganze Prügelattacke genannt und was man halt sagen muss, es wurde nachher eine tödliche Prügelattacke. Ja, Prügelattacke trifft es tatsächlich gut. Das wird sich gleich noch zeigen. Jetzt muss man einmal ganz kurz erwähnen, wir sprechen hier vom Herbst 2016. Ein Thema ist da in der Gesellschaft ja sehr, sehr präsent immer noch. Das ist die sogenannte Flüchtlingskrise. So werden die Jahre 2015 und 2016 in dieser Hinsicht genannt, weil wegen des Bürgerkriegs in Syrien, auch der Lage im Irak, in Afghanistan, Eritrea, sehr viele Asylbewerber nach Deutschland, nach Europa kamen. Einfach doppelt so viele wie in den Vorjahren. Und der Begriff Krise wird in dem Zusammenhang oft kritisiert. Da sagt man dann, die Krise wird da den Flüchtenden zugeschrieben. Ich muss persönlich sagen, dass man den Begriff durchaus nutzen kann, um die gesamten Probleme eben zu beschreiben, die mit dieser Migrationsbewegung zusammenhängen. Und zwar sowohl die Ursachen für die Flucht, als auch natürlich die administrativen und auch gesamtgesellschaftlichen Belastungen. Die Menschen müssen ja irgendwo leben. Genau, richtig. Und da entstehen Probleme. Das ist normal. Warum erzähle ich das alles? Was hat es überhaupt mit unserem Fall zu tun? Ja, also das ist so eine Sache.
Ganz sicher sein kann man sich da auch nach dem Urteil, über das wir nachher sprechen, nicht. Deswegen versuchen wir uns immer an das zu halten, was gesichert ist. Klar ist, dass weder die Täter noch das Opfer in diesem Fall Asylbewerber waren. Aber die Täter, die in diesem Abend dazu viert losgezogen sind, Die taten das mit einem Plan und der war relativ rabiat ausgedrückt, aber so war die Wortwahl losgezogen, um Flüchtlinge zu klatschen. Also das hatten die sich so vorgenommen.
Und das ist dann auch so in den Prozess zur Sprache gekommen, wurde dann so bestätigt, die Männer saßen zu Hause, haben sich ordentlich die Rüstung verzinkt, sag ich jetzt mal, Alkohol in großen Mengen getrunken und sich dann überlegt, ja, dann gehen wir doch jetzt mal raus. und dann klatschen wir mal ein paar Asylbewerber. Also hart einfach. Auf jeden Fall. Die Frage ist an sich schon schwierig, weil es gibt natürlich keinen vernünftigen Grund für sowas. Aber ich stelle Sie jetzt trotzdem mal, warum? Also wie kam es denn zu diesem Plan? Auch wieder schwer zu sagen. Einer der vier hat später mal ausgesagt, dass sie gehört hätten, dass Asylbewerber Frauen bedrängt hätten. Aber er selbst hätte eigentlich natürlich ... Warte, lass mich raten. Nichts gegen Ausländer? Ja, genau. Gut, wir lassen das jetzt mal so stehen. Also, aufgrund eines völlig diffusen Hörensagens, ohne jetzt wirklich zu wissen, was da passiert sein soll, wir kommen darauf später noch mal ganz kurz zu sprechen, fassen also vier erwachsene Männer den Entschluss besoffen.
Loszuziehen, Asylbewerber zu suchen. Man muss dazu sagen, es gab ein Asylbewerberheim ganz in der Nähe. Es waren also tatsächlich auch viele Geflüchtete in Waldbrühl. Und die wollten sie dann eben, Zitat, klatschen. Das heißt, ja, in irgendeiner Form gewalttätig gegen sie werden. Ja, Sachwit ist, aufs Maul hauen. Ja, genau. Also das war der Plan, ohne dass da jetzt wirklich irgendein konkreter Mensch dabei war, von dem man wusste, dass er irgendwas Konkretes gemacht hat. Bevor wir dazu kommen, was dann passiert. Was sind das jetzt hier für Männer? Was wissen wir über die? Ja, also wir sprechen jetzt die ganze Zeit über eine Gruppe von vier Männern. Alle kommen aus Waldbrühl, sind da verwurzelt. Der typische Treffpunkt von den Vieren ist eine WG. Die wurde erst so kurz vor den Ereignissen bezogen. Da leben, ich suche jetzt einfach mal ein paar Namen aus, weil das immer einfacher ist. Wenn man nach einem Z-Punkt oder so was sagt, ist immer blöd. Das ist der 19-jährige Patrick. Tobias ist 20. Die beiden sind in dieser WG zusammengezogen.
Beide kannten sich zu dem Zeitpunkt schon ein paar Jahre, so fünf Jahre ungefähr, vier, fünf Jahre und hatten sich über einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt. Ja, also du hast es gerade schon gesagt, wie immer kommt jetzt von mir an der Stelle der Hinweis, sämtliche Namen der Beteiligten sind natürlich geändert worden. Patrick und Tobias heißen nicht wirklich so und das gilt für alle Namen, die wir jetzt hier noch nennen werden. Die Situation der beiden jungen Männer ist ähnlich. Beide sind nach so ein paar Streitigkeiten mit den Eltern oder auch den Stiefeltern von zu Hause ausgezogen. Versuchen dann jetzt so 19, 20 auf eigenen Beinen zu stehen. Patrick hat gerade erst eine Ausbildung zum Tischler begonnen. Im August 2016 stößt dann ein dritter Mann dazu. Das ist der 23-jährige Ivan, sag ich jetzt mal. Auch der hatte ein Zerwürfnis mit seinem Vater und ist dann von zu Hause ausgezogen und kam dann in der WG von den beiden einfach so. Also drei Freunde mit eigentlich sehr ähnlichen Geschichten offensichtlich. Genau. Ivan, merkt man jetzt schon am Namen, sticht da so ein bisschen heraus. Also, Ivan, der Schreckliche klingt jetzt blöd, aber... Es ist nicht sein echter Name. Es ist nicht sein echter Name natürlich. Der ist jahrelang Mitglied in einem Boxverein gewesen.
War in seinen jungen Jahren schon alkoholabhängig, das kann man schon so sagen, was dazu führte, dass er dann aber, ich sag jetzt mal, friedliche oder gute Hobbys, oder wie man sie dann nennen mag, wie zum Beispiel das Lesen, weitestgehend aufheben hatte. Und Patrick und Ivan kennen sich seit einem Jahr. Ja, dann gibt es noch den vierten im Bunde und der sticht dann eher durch sein Alter hervor, dass da ein bisschen abweicht. Und von der Verwandtschaft, das ist Michael, 35 Jahre und das ist der ältere Bruder von Tobias. Ja, der ist so ein bisschen der Senior der Gruppe, hat aber auch eine erhebliche kriminelle Vorgeschichte. Der saß unter anderem auch schon in Haft, hatte so ein paar Diebstahlsverkehrsdelikte, unter Alkoholeinfluss hinter sich. Ja, Michael ist gelernter Kfz-Mechaniker, steht jetzt so kurz vor einer Festanstellung, lebt in einer festen Beziehung, hat mit einer anderen Partnerin einen Sohn. Und ja, was halt toll ist, Michael scheint zu diesem Zeitpunkt so ein bisschen die Kurve gekriegt zu haben. Seit drei Jahren lebt er da abstinent von Alkohol. Nur kurz bevor diese Tat passiert, hat er einen Rückfall erlitten.
Und Patrick hat ihn erst ganz kurz vor diesem besagten Abend, über den wir jetzt gleich sprechen, kennengelernt. Ja, also mir scheint jetzt so eine weitere Gemeinsamkeit dieser Männer ist Alkohol, oder? Ja, total. Also wobei man darauf sagen muss, eigentlich ist es der Substanzkonsum. Also Patrick und Tobias, die konsumieren regelmäßig und nicht immer nur am Wochenende Alkohol. Also da kann man fast schon sagen, die haben gefühlt die Leber von der Organspende-Liste gestrichen.
Kiffen aber auch immer mal zwischendurch häufig, treffen die sich dann auch gemeinsam in dieser WG zum Suffen. Und alle sind halt vorher schon mal mit dem Gesetz irgendwie in Konflikt geraten. Eine mehr, der andere weniger. Diebstahl, Körperverletzung. Es sind auch Verstöße gegen das Waffengesetz dabei. Und es scheint auch einen gemeinsamen Hintergrund zu geben. Ja, richtig. Also es gibt Hinweise darauf, dass alle vier zu einer russlanddeutschen Community gehören. Das ist aber keine hundertprozentig gesicherte Information. Es gibt viele Indizien, die darauf hindeuten. Und ich sage das an dieser Stelle jetzt, weil wir darauf später noch mal zu sprechen kommen. Ja, zusammenfassend lässt sich da einfach sagen.
Diese Gruppe, es ist eine Gruppe junger Männer, teilweise instabile Familienverhältnisse, haben sich gerade in dieser WG da zusammengefunden. Die Freizeit ist halt größtenteils Alkohol- und Drogenkonsum und halt dann auch eine gewisse Gewaltbereitschaft. Das zeigt sich ja eindrucksvoll dann an diesem Abend des 1. September 2016. Wir müssen aber, bevor wir zu dem Abend selbst kommen, noch zum Tag davor kommen. Das ist also der 31. August, ein Mittwoch, also auch kein Wochenende, auch wenn ich richtig informiert bin, kein Feiertag. Ich wüsste nicht, was es da für Feiertage gibt. Ja, ist halt Bergfest, ne? Bergfest ist der einzige Feiertag offenbar. Dies nutzen die dann also, um sich wieder in dieser besagten WG von Patrick und Tobias zu treffen zum, ja, Trinken. Ja, genau. Man könnte den Tag so ein bisschen als den bezeichnen, wo die Lunte für die spätere Gewalt gelegt wird. Alles beginnt in dieser Wohngemeinschaft. Die vier Männer, Patrick, Ivan, Tobias und Michael, der ältere Bruder, so nennen wir ihn ja, sitzen zusammen, kippen sich wieder einen hinter die Binde. Und als Patrick dann so nach draußen aus dem Fenster, auf die Straße schaut, sieht er da zwei Männer, wir nennen sie jetzt Peter und Eduard.
Und beide sind zu diesem Zeitpunkt schon deutlich betrunken.
Mittwochabend, keine Ahnung, was da abgeht Naja Patrick erzählt dann dem Michael dem Älteren von Stress den er früher mal mit Peter hatte, Und der hatte, so heißt es, hatte wohl seine Schwester mal mit einer Pistole bedroht. Also auch schon irgendwie ein krasses Ding. Michael hört dat und irgendwie brennt dann direkt was bei ihm durch. Beschließt kurzerhand, die Sache jetzt nachträglich zu klären, wie das nachher im Prozess genannt wird. Und ja, da gehen, nee, laufen Patrick und Michael runter auf die Straße. Iva und Tobias direkt hinterher, mit ihr hangen, mit ihr fangen. Tobias... Packt sich wie ein Neandertaler, sag ich jetzt mal, auf den Weg runter, einen Ast aus dem Jöbüsch, um halt dann für eine Schlägerei gewappnet zu sein. Also die waren halt dann, die standen schon ordentlich unter Strom. Die wollten. Offensichtlich, also das finde ich schon echt bezeichnend, gerade, dass er sich dann diesen Ast noch greift. Also das ist echt, die suchen also förmlicher Streit und auch Gewalt, oder? Klar, auf jeden Fall. Als Michael Peter dann erreicht, fängt er sofort an, den zu beleidigen, zu beschimpfen. Und hier tritt zum ersten Mal das spätere Opfer, nämlich Eduard, Aktiv in Erscheinung. Der will Peter helfen, mischt sich ein und liefert sich dann so ein heftiges Wortgefecht mit Michael. Die brüllen sich da richtig an. Während Patrick und Peter dann sogar noch versuchen, die Wogen ein bisschen zu glätten, kocht das spätere Opfer vor Wut. Also der ist auch auf 180 direkt.
Schließlich verliert dann aber Michael vollends die Beherrschung. Der schubst den Mann weg. Tretet ihn auch noch gegen Schienbein. Wobei, gegen Schienbeintreten macht man eher so als Jugendlicher. Aber trotzdem, er wird halt als Erster richtig handgreiflich. Naja, und dann dampfen die vier Männer aber auch schon wieder ab, ziehen sich in die WG zurück. Wichtig ist hier, dass wir uns da schon merken, Eduard ist zutiefst getränkt, sag ich schon, gekränkt und sauer und sagt zu Peter, dass er sich das nicht gefallen lassen werde, so angegangen zu werden. Und er geht sogar so weit, dass er versucht, sich für einen Rachefeldzug eine Pistole besorgen zu wollen. Ja, auch wieder total krass. Also, wer macht das, ne?
Und das lehnt Peter dann aber ab. Also, der beruhigt wohl noch so ein bisschen.
Naja, und dann wird nachher angekündigt, ja, pass mal auf, wir trommeln jetzt ein paar Jungs zusammen und dann klären wir die Sache wie echte Männer. Ja, echte Männer. Also, wir sehen schon hier ... Die Stimmung zwischen diesen beiden Lagern, nennen wir es jetzt mal, die ist jetzt schon vergiftet und ich finde das irgendwie krass, dass es überhaupt keine Hemmschwelle für Gewalt zu geben scheint, auf keiner Seite offenbar. Nee, so wirkt es. Und Eduard hat jetzt eine offene Rechnung mit den vier Männern. Und diese Rechnung, die soll am Folgetag, das ist dann der 1. September, beglichen werden. Allerdings, das können wir schon mal sagen, völlig anders, als Eduard sich das vermutlich vorgestellt hat. Aber lass uns mal kurz klären, was wir über dieses spätere Opfer, über Eduard wissen. Das ist ja nicht besonders viel, oder? Nee, leider nicht. Wir wissen, dass der Mann zu dem Tatzeitpunkt 40 Jahre alt ist und immer als Familienvater bezeichnet wird. Als Familienmutter liebe ich ja dieses Wort sehr. Habe ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht. Man sagt ja gar nicht Familienmutter, man sagt immer nur Familienmutter. Woran liegt das? Gute Frage. Also ich finde den Begriff auf jeden Fall überflüssig. Ich sage auch ehrlich gesagt nichts, außer, dass wir annehmen können, dass der Mann wohl mindestens einen oder vielleicht auch mehrere Kinder hat. Genau. Und ob und wie die dann als Familie zusammenleben, wissen wir auch nicht.
Wobei im späteren Prozess Angehöriger des Opfers als Nebenkläger auftreten. Ansonsten wissen wir aber noch, dass das Leben des 40-Jährigen ja auch von ein paar schweren Kämpfen gezeichnet war.
Medizinische, also im Gericht werden ja auch so medizinische Protokolle und sowas vorgelesen. Die offenbaren, dass der Mann unter einer, das muss ich jetzt so ein bisschen ablesen.
Polytoxikomanie litt. Also der hat halt verschiedene psychotrope Substanzen konsumiert. Konkret dann halt vor allem Alkohol und Medikamente. Hatte auch eine Substitutionstherapie. Naja, und aufgrund dieser ganzen Geschichte kämpft er auch mit einer Leberzirrhose und Hepatitisinfektion. Wir sind jetzt also am 1. September 2016. Das ist dann wiederum Donnerstag. Man trifft sich erneut in der WG. Es wird erneut getrunken. Das ist das gemeinsame Hobby offenbar. Mit dabei ist jetzt auch Tanja. Das ist eine oder die Freundin von Patrick. Das wird nicht so ganz klar. Gemeinsam werden in der Wohnung mehrere Six-Packs Bier geleert, eine Flasche Wodka. Es geht im Gespräch dann offenbar darum, darauf kommen wir jetzt wieder, dass die Schwester eines Freundes von einem Asylbewerber belästigt worden sein soll. Also so behauptet es einer der vier Täter später. Ja, auch wieder so total diffus. Ja, völlig. Also es kann nie geklärt werden, was dahinter steckt. Und ja, für die Tat ist es irrelevant. Fest steht aber, gegen 21.30 Uhr bricht dann diese Gruppe eben auf mit dem Ziel, Zitat, Flüchtlinge zu klatschen, wie wir eben schon besprochen haben. Wie geht es jetzt weiter? Ja, so gegen halb zehn verlassen die vier, dann die WG. Und ja, die sind ja total aufgeputscht. Die haben sich ja irgendwie richtig heiß gemacht. Stimmung ist aufgeheizt, super aggressiv. Und na ja, dann mittlerweile nach, weiß nicht, paar Six-Packs, Flasche Wodka, halt auch alles andere als nüchtern.
Ja, die ziehen jetzt also los. Und im Grunde kann man das, was jetzt kommt, fast als Jagd bezeichnet. Es wird ja tatsächlich sogar auch so bezeichnet. Ja, also was heißt fast als Jagd? Das ist der Inbegriff einer Jagd. Zunächst stürmen Ivan, Tobias und der ältere Michael aus dem Haus. Patrick bleibt mit seiner Freundin noch einen Moment zurück, weil er erst noch was essen will, hat er wohl Hunger. Und folgt dann den anderen kurz darauf hinterher, rennt hinterher. Nicht weit von der WG entfernt stoßen dann Ivan, Tobias und Michael tatsächlich auf eine Gruppe von Asylbewerbern, die da auf einer Bank sitzen, kommt sofort zu so einem verbalen Schlagabtausch, die schubsen sich so ein bisschen hin und her und ja, vor allem der älteste, Michael, scheint also gerade der Redelsführer zu sein und naja, die Asylbewerber, Er greift dann einfach die Flucht, weil, naja, was willst du auch in der Situation machen? Und ja, der Trio rennt hinterher, setzt zur Verfolgung an. Also ja, das klingt wirklich nach Jagd. Und um es nochmal ganz klar zu machen, es gibt keinerlei Anlass für diesen Irrsinn. Also es ist nicht so, als wären die da irgendwie von denen provoziert worden. Die sind auch viel zu und haben direkt losgelegt.
Dann rennen die drei den Asylbewerbern weiter hinterher bis zu einem Imbiss. Und da kommt es dann zu so einem ersten handfesten Kampf. Die verfolgen, packen sich dann vermutlich in ihrer Not, in ihrer Angst, so ein paar Dachlatten, die da rumliegen und kloppen damit auf den Michael ein.
Der eben die Verfolgung dabei so ein bisschen anführt. Also die verteidigen sich und werden dann auch gewalttäglich. Ja, genau. Also ich hätte es vermutlich auch nicht anders gemacht, wenn mir halt einer die ganze Zeit hinterher rennt und du die nicht loswirst. Also irgendwie versuchst du dann ja, dich zu schützen. Na jedenfalls kann er, jetzt sind er nur Dachlatten, der kann die Schläge mit den Armen abwehren. Aber man muss natürlich auch sagen, Durch diese Dachlatten-Prügel-Aktion heizt das die Stimmung, die Aggressivität natürlich noch viel weiter an. Na klar. In dem Moment kommen dann auch Patrick und Tanja dazu. Genau. Und das ist dann so eine Momentaufnahme, ein Bildausschnitt. Patrick sieht nämlich, wie Michael mit diesen Latten verprügelt wird. Und ja, flippt dann komplett aus. Er schnappt sich dann einen Pflasterstein von der Baustelle da, schleudert ihn, den Asylbewerbern hinterher. Und dann rennt diese Gruppe der Männer, den Asylbewerbern halt wieder weiter hinterher, brüllend durch die Straßen von Waldbrüll. Ich glaube, gehen auch durch die Kaiserstraße. Mitten in der Innenstadt. Ja, mitten in der, in Anführungszeichen, Innenstadt. Aber so dem Ortskern von Waldbrüll. Vorbei einem Wirtshaus. Das bekommen dann natürlich auch, selbst wenn es dann Donnerstagabend ist, Zeugen mit und rufen die Polizei.
Und aus der Gruppe der Verfolger sind dann Rufe zu hören wie, hört man nachher aus den Protokollen, die Zeugevernehmung, ich mach dich tot, Alter, ich ficke dich. Und Michael hat inzwischen auch sein T-Shirt ausgezogen. Weil man dann schneller laufen kann, oder? Ja, ich weiß es nicht. Warm war es an dem 1. September vermutlich auch nicht. Ich kann es nicht sagen. Naja, auf jeden Fall, obwohl Michaela Tiefstadt ausgezogen hat, verlieren die Angreifer ihre Opfer dann kurzzeitig aus den Augen.
Tobias nutzt dann die Pause, um sich an einer Asylbewerberunterkunft, das ist die, über die wir vorhin gesprochen haben, in der Nähe einen rund 50, 60 Zentimeter langen Stock als Waffe zu schnappen. Und während die dann weiterrennen, ja, da merkt man dann auch wieder, wie aggressiv die waren, entlädt sich diese Zerstörungswut dann auch an Gegenständen, die da rumstehen. Also Mülltonnen, die haben auch gegen Autos und sowas getreten. Mhm. Also völlig out of order, also sinnlose Gewalt. Ja, also das ist wirklich, die drehen komplett frei. Und ja, in dieser Stimmung biegt diese Gruppe dann so um kurz nach zehn auf den Parkplatz eines Getränkemarkts ab. Ja, sind völlig außer Atem, aber bewaffnet und voller angestauter Aggression, weil ihre ursprünglichen Ziele natürlich dann auch entkommen sind. Und ja, genau dort treffen sie dann auf die nächste Gruppe von Menschen. Ja, und das sind jetzt keine Asylbewerber, das sind teilweise sogar Bekannte oder Verwandte. Ja, genau. Also total absurd. Patrick stürmt dann aggressiv auf diese Gruppe von Menschen zu, weil er sie zunächst für die Asylbewerber hält. Ist natürlich auch dunkel. Er kennt dann aber einen der Männer als seinen Cousin und daraufhin entspannt sich die Situation auch mal kurzzeitig.
Aber das ist dann nicht von langer Dauer. Nee, denn jetzt tritt wieder Eduard auf den Plan. Genau so ist es. Eduard, stark betrunken. Später stellt sich raus, dass er so rund 2,2 Attü auf dem Kessel hatte. Also wirklich sturzbetrunken. Er kennt dann seine Gegner vom Vortag wieder, über die wir ja an dem Mittwochabend gesprochen haben, vom Bergfest. Und fängt dann sofort an, diese Gruppe lautstark auf Russisch zu beschimpfen. Ja, und von diesem Moment an eskaliert eigentlich die Gewalt, man kann sagen, so in mehreren Wellen. Ja, genau. Also zunächst tritt dann Ivan vor und fordert den Mann auf zu gehen, bevor ihm dann vollkommen unvermittelt mit der Forst ins Gesicht schlägt. Und Eduard geht zu Boden, rappelt sich dann aber wieder auf und setzt dann mit russischen Beschimpfungen fort. Dann greift Tobias ein, tritt dem Mann die Beine weg und schlägt ihn, als er wieder aufstehen will, mit diesem Holzstock, den er da vorhin irgendwo gesammelt hat, in die Knie kehren.
Das Opfer ruft den Täter dann nur auf Deutsch zu, ihr kleinen Pisser, ihr wisst gar nicht, mit wem ihr euch hier anlegt. Also ein bisschen auch Drohgebärden. Und ab dem Punkt kennt die Gruppe dann gar keine Gnade mehr. Also keine Gnade mehr. Die fühlen sich dann halt irgendwie total gekränkt. Die vier beginnen dann, den Mann massiv zu verprügeln. Also Tobias schlägt dem mehrfach in die Gesicht. Während Patrick, Tobias und Ivan gemeinsam auf den am Boden liegenden, schon am Boden liegenden halt eintreten. Und besonders schwerwiegend ist dann, Ivan tritt dem Opfer dabei gegen den Kopf, während Tobias gegen den Brustkorb tritt. Also muss man sich ja vorstellen, da liegt jemand und mit mehreren Leuten wird halt einfach drauf eingetreten, drauf eingeprügelt. Ja, also es ist wirklich unfassbar, dieser Gewaltausbruch. Und es ist angesichts dieses Gewaltausbruchs auch kaum zu glauben, dass jetzt Eduard tatsächlich nochmal aufsteht und weiterschimpft. Also der ist wirklich auch völlig außer sich und natürlich komplett betrunken. Ja, genau. Patrick schreit dann, verpiss dich, rennt auf ihn zu, schlägt ihm so wuchtig gegen den Mund, dass da eine richtig stark blutende Platzwunde entsteht.
Michael wiederum versetzt dem Mann nun einen Schlag mit der flachen Hand, so eine Schelle, sag ich mal. Interessante Randnotiz. Michael kennt Eduard tatsächlich schon seit vielen Jahren. Also die haben dieselbe Hauptschule besucht und sind sich dann natürlich, wie das in Waldbrüse so ist, immer mal wieder beim Feiern über die Jahre über den Weg gelaufen, haben sich natürlich auch unterhalten.
Ja, jetzt ist es allerdings soweit, dass Eduard jetzt endlich versucht, seinen Peinigern zu entkommen. Also der scheint zu merken, für mich ist hier wirklich nichts zu holen. Dreht sich dann um und geht los. Also soweit er noch laufen kann, muss man sagen. Ja, oder torkelt. Der muss ja da schon massiv verletzt gewesen sein. Und das ist dann der Moment.
In dem ihm von hinten einer in den Rücken tritt, sodass er stolpert. Das soll Patrick gewesen sein, ja. Das Opfer dreht sich um und Patrick rennt dann erneut auf ihn zu und haut ihn dann wieder mit voller Wucht, mit der Faust gegen den Kopf. Ja, und dieser letzte Schlag, der ist dann wirklich fatal. Der 40-jährige Eduard stürzt, ja, wie so ein gefällter Baum, so wird das beschrieben, nach hinten, schlägt ungebremst mit dem Hinterkopf auf dem Asphalt auf. Die sind ja auf einem Parkplatz. Da bleibt er sofort liegen, besinnungslos. Und wie man dann später erfährt, In diesem Moment erleidet er einen Schädelbruch und massive Hirnverletzungen, die so massiv sind, dass sie später dann auch zu seinem Tod führen. Ja, also sehr, sehr Tragestand in dem Moment und vor allen Dingen, was dann auch wieder krass ist, anstatt zu helfen, hauen die Angreifer, die sich ja auch irgendwie noch alle da so ein bisschen untereinander kennen, sofort ab, die Flüchtlinge vom Tatort. Und auch die Zeugen, die immer noch auf dem Parkplatz stehen, das Ganze mitbekommen haben, auch die verschwinden aus Angst, rufen aber wenigstens den Rettungsdienst und als der Rettungswahn dann kurze Zeit später eintrifft, liegt Eduard auf dem Rücken, ist zwar noch ansprechbar.
Aber er kann halt aufgrund dieser schweren Verletzungen, die er erlebt hat und aufgrund des Alkoholkonsums kaum noch kooperieren. Also viel kann er nicht mehr. Du hast ja gerade schon gesagt, es gibt ja Zeugen dieser Krügelattacke. Es gibt sogar mehrere Zeugen, die das Geschehen auf dem Parkplatz des Getränkten Markts beobachtet haben oder zumindest irgendwie akustisch wahrgenommen haben.
Für die Rekonstruktion der Tat, spielen sie dann auch später eine entscheidende Rolle. Da ist zum einen eine Dreiergruppe, die direkt am Tatort auf dem Parkplatz des Getränkemarkts steht. Das sind die drei, auf die der am Anfang zugelaufen ist, ne? Ja, genau. Die drei werden unfreiwillig zu den engsten Augenzeugen des Überfalls. Einer von den drei ist zwar, wie gesagt, zufällig der Cousin von Patrick.
Hat im Prozess aber über diese Verwandtschaftsverhältnisse diesen ganzen Gewaltakt sehr detailliert und glaubhaft geschildert. Also, seinen Cousin nicht geschont. Genau, richtig. Er hat da komplett ausgepackt. Konnte dann genau beschreiben, wer wann getreten hat, wie dieser fatale letzte Schlacht zustande gekommen ist. Die drei Zeugen beobachten auch, wie die Täter dann sofort abhauen, nachdem das Opfer auf dem Boden liegen bleibt. Und sie fahren selbst weg. Um nicht selbst mit der Sache in Verbindung gebracht zu werden. Wobei, wie gesagt, einer von ihnen zumindest während der Fahrt den Notruf hält. Ja, also dazu muss man sagen, dass das überhaupt so genau rekonstruiert werden kann, ist eben diesen Zeugen zu verdanken. Denn die haben da wirklich insbesondere der Cousin von Patrick da ganz genau ausgesagt, was passiert ist. Es gibt aber noch mehr Menschen, die was mitbekommen haben. Genau. Während der Tat läuft ein weiterer Mann auf der gegenüberliegenden Straßenseite am Parkplatz vorbei. Der wird zwar kein Augenzeuge, aber, ja, ist ein wichtiger Ohrenzeuge, sag ich jetzt mal. Der hört ein lautes, aggressives Schreien und Schimpfen. Der erkennt die Stimme von Ivan und bekommt es mit der Angst zu tun.
Der entscheidet sich dann bewusst dagegen hinzusehen und versucht stattdessen so schnell wie möglich nach Hause zu kommen. Also der will damit nichts zu tun haben und irgendwie sagt das ja auch schon so einiges darüber aus, womit Ivan in dieser Stadt so in Verbindung gebracht wird. Wenn er nur die Stimme sofort erkennt und dann denkt, okay, ich hau mal lieber ab. Ja, deswegen Ivan, der Schreckliche, das kam mir dabei so direkt in den Sinn. Scheint auf jeden Fall so. Und dann gibt es dann noch zwei Frauen, die in der Gaststätte arbeiten und die Gruppe schon beobachtet haben, bevor die den Parkplatz überhaupt erreicht. Die rennen ja da in diesem Würzhaus vorbei. Und sie hatte den Lärm der vorangegangenen Jagd auf die Asylbewerber gehört, und war den Männern dann sogar hinterher gerannt, weil sie Drohungen wie ich mach dich tot hörten. Das hatten sie dann auch beschrieben. Und die hatte schon zu diesem Zeitpunkt die Polizei alarmiert.
Allerdings geben sie die Verfolgung dann kurz vor dem Getränkemarkt auf und kehren die Gaststätte zurück, sodass sie den eigentlichen Überfall auf das 40-jährige Opfer gar nicht mitbekommen. Also das war das, was wir eben schon kurz gesagt hatten. Als die an der Gaststätte da vorbeirennen, ist da also auch schon die Polizei gerufen worden. Was ich mich jetzt die ganze Zeit frage ist, was war denn jetzt mit Patricks Freundin Tanja? Die war doch irgendwie dabei, oder? Ja, also Tanja ist zwar mit der Gruppe unterwegs. Läuft aber auf dem Parkplatz bereits weiter in Richtung Busbahnhof. Das ist, wo wir vorhin drüber gesprochen haben. Das ist ja alles da so ein bisschen in der Nähe. Weil sie halt denkt, die Männer würden ihr gleich irgendwie folgen. Sie bekommt von der Eichenschlägerei an diesem Markt da offenbar nichts mit. Zumindest nicht unmittelbar. Und kann in dieser Nacht quasi als stille Beobachterin beschrieben werden.
Und sie ist halt direkt dabei, als die Situation am Kreisverkehr eskaliert und Patrick den Pflasterstein danach den flüchtenden Asylbewerbern wirft. Und auch während der weiteren Hetzjagd durch den Ort, bei der die Männer dann gegen Autos und Mülltonnen treten und rumbrüllen, bleibt sie bei der Gruppe. Nur bei der Tat auf dem Parkplatz ist sie dann selbst nicht dabei, kommt aber nachher wie alle anderen zurück in die WG und schläft auch dort. Und sie begleitet Patrick dann sogar am nächsten Morgen zum Arzt, da er sich halt bei dem wuchtigen Schlag gegen den Kopf des Opfers eine Prellung an der Hand zugezogen hat und sich dann krank schreiben lassen will.
Es wird noch eine weitere Zeugin erwähnt. Ja, das ist eine Frau, die selber nicht dabei war, die Patrick dann aber am Morgen nach der Tat anruft. Er gesteht ihr am Telefon, dass er ja Scheiße gebaut habe, berichtet ihr von der Schlägerei, dass er zweimal zugeschlagen habe und das Opfer danach liegen geblieben sei. In einem späteren Gespräch in der Wohnung wiederholt er das ihr gegenüber und betont ausdrücklich, wie leid ihm das Ganze tue.
Also wir haben jetzt schon mal gehört, wie Patrick sich nach der Tat verhält. Also es steht diese Tat, er sagt auch, dass es ihm leidtut, ist auch nicht unwichtig. Und er lässt sich beim Arzt krankschreiben, weil er schlicht gesagt so fest zugeschlagen hat, dass seine Hand jetzt geprellt ist. Was ist denn mit den anderen dreien? Ja, wir wissen, dass er in den Tagen nach der Tat in der WG zu einem bezeichnenden Gespräch in Anwesenheit von Ivan kommt. Während Patrick nämlich mehrfach betont, dass ihm der Vorfall total leidtue, soll der ehemalige Boxer Ivan dabei eine erschreckende Gefühlsgelde gezeigt haben. Sagt offenbar so sinngemäß, dass ihm das ganze scheiß Ideal sei. Falls der Mann sterbe, dann habe man halt einen Junkie weniger. Ja, so soll er das gesagt haben. Ja, also die müssen sich offenbar schon darüber bewusst gewesen sein, was sie da angerichtet haben und was die Folge sein kann. Das wird da ja deutlich. Es kommt jetzt zu Ermittlungen. Die Polizei ist ja gerufen worden. Eduard wurde schwerstverletzt entdeckt, ins Krankenhaus gebracht. Da liegt er jetzt noch. Und darüber haben wir dann ja auch berichtet, dass er wirklich nach einer Prügelei da schwerstverletzt im Krankenhaus liegt. Diese Täter müssen doch jetzt eigentlich Angst bekommen haben, dass die Spur ziemlich schnell zu ihnen führen dürfte, oder? Vielen Dank. Ja, denn, also, wie gesagt, das Waldbrüll, man kennt sich halt irgendwie. Der eine Mann hat den Ivan ja schon an der Stimme erkannt.
Die Ermittlungen der Polizeigewinner natürlich so langsam anfacht. Und da beginnt die Gruppe, sich dann so aufzulösen. Also, Ivan verlässt die WG wenige Tage nach der Tat und kommt da bei anderen Freunden unter. Tobias fährt zunächst zur Arbeit und dann auf Montage nach Hessen. Da holt ihn dann Patrick schließlich ab. Und die beiden verstecken sich gemeinsam auf einem Campingplatz im Sauerland, um sich einer Festnahme zu entziehen. Okay. Aber Michael haut nicht ab. Der bleibt da. Nee, nicht so weit wir wissen. Also er ist dann auch der Erste, der festgenommen wird am 15. September 2016. Also rund zwei Wochen später. Also genau zwei Wochen später. Ja. Und Eduard, das ist auch wichtig, da ist zu diesem Zeitpunkt schon tot. Er ist in der Klinik gestorben, hat um sein Leben noch gekämpft und wird dann eben aufgrund dieser massiven Hirnverletzungen mehrfach verlegt. Und schließlich stirbt er aber am 10. September 2016 um 4 Uhr morgens. Ja, also man muss halt ganz klar sagen, der Tod ist die Folge dieser schwersten Kopfverletzung, die er da erlitten hat. Die medizinischen Befunde lassen sich eigentlich so zusammenfassen. Aufbrall auf den Hinterkopf, der verursacht eine Quetschrisswunde und einen Schädelbruch. Mit zwei feinen Bruchlinien, da der Kopf nach hinten aufschlägt.
Entsteht im vorderen Teil des Schädels so eine sogenannte Kontrakubverletzung. Durch die entsteht so eine Sogwirkung im Kopf. Und es kommt dann zu massiven Gefäßzerreißungen im Gehirn. Also wirklich aller schwerste Gehirnverletzung. Im Krankenhaus werden folgende Diagnosen gestellt. Schädel-Hirntrauma, zweiten Grades, subdurales Hämatom, also das heißt eine Blutansammlung unter der harten Hirnhaut. Dann multiple Kontusionsblutungen in beiden Stirnhirnbereichen, muss ich auf jeden Fall auch ablesen, Subarachnoidalblutungen. Also wenn man sich das mal so zerlegt, das Wort, dann wird das klar, das sind Blutungen unter dieser Spinnenhaut des Gehirns. und beide Seitenhirnkammern waren durch Blutungen quasi eingemauert. Also wirklich schwerste Schädigungen im Gehirn. Ja, da entsteht natürlich auch im Hirn ein unglaublicher Druck, der dann nachher auch für Schäden sorgt.
Jedenfalls in den Tagen nach der Tat verschlechtert sich Eduards Zustand dann massiv, weil eben dieser Hirndruck so ansteigt und sich dann ein Hirnödem entwickelt. Also das Gehirn schwillt halt immer weiter an. Und am 6. September erleidet Eduard dann einen Krampfanfall. Es kommt zur Blutung in der Hirnbrücke, wo sich dann auch lebenswichtige Areale des Gehirns befinden. Wir haben ja schon erwähnt, dass Eduard mehrere Vorerkrankungen hatte, also Leberzirrhose, Hepatitis B und C, glaube ich, und eine verminderte Anzahl von Blutplättchen. Das nennt man Thrombozytopenie, aber diese Vorschädigungen, die waren jetzt nicht der Grund für seinen Tod, oder? Nee, nee. Also das Gericht stellt im Prozess fest, dass zwar die Leberzirrhose die Blutgerinnung beeinflusst hat oder haben könnte, aber dass es den direkten Zusammenhang zwischen dem Faustschlag und dem Tod nicht aufhebt. Also diese Kausalkette. Weil Eduards Laborwerte während dieses ganzen Krankenhausaufenthalts, er war ja ein paar Tage da, die Werte sind ziemlich stabil.
Du hast eben schon gesagt, am 15. September, das ist also fünf Tage nach Eduards Tod, da wird zunächst Michael festgenommen. Wie ist es mit den anderen dreien? Am 16. September, einen Tag später, beschließen Patrick und Tobias, die sich da ja irgendwo auf dem Campingplatz im Saurand verschanzt haben, ihr Versteck aufzugeben und sich zu stellen. Das machen sie dann, clevererweise, in Begleitung eines Rechtsanwalts. Und gehen zur Polizei und sagen, wir waren das. Und am 19. September wird dann schließlich auch Ivan festgenommen. Jetzt würde ich mal vermuten, dass die Fahndung für die Polizei da jetzt keine absolute Mammutaufgabe war. Also die beiden stellen sich, die Jüngsten, und die anderen werden auch schnell gefunden worden sein, oder? Nee, genau. Also, da haben wir jetzt schon mehrfach angedeutet, die Männer waren in Waldbrück keine Unbekannten. Mehrere Zeuginnen und Zeugen hatten im Zuge der Ermittlungen ausgesagt, dass die Gruppe häufiger am Busbahnhof in Anführungszeichen rumlungerte. Hilfreich für die Ermittlungen war dann, dass einer der Verdächigen auffällig blonde Haare hatte.
Alle vier kommen nach dieser Festnahme in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage. Schließlich kommt es zum Prozess vor dem Landgericht Bonn. Genau gesagt vor dem Jugendschwurgericht, weil für zwei der Angeklagten das Jugendstrafrecht angewendet wird. Nämlich für Patrick, der ist ja 19, und Tobias, der ist 20 Jahre alt. Also sie sind nicht minderjährig, aber bei ihnen werden reife Verzögerungen festgestellt. Deshalb gilt hier Jugendstrafrecht. Du warst ja vor Ort beim Prozess. Dieser Prozess vor der 8. Großen Strafkammer im Landgericht worden, der dauert mehrere Wochen. Die Beweisaufnahme ist sehr intensiv. Vor allem muss hier die Frage geklärt werden, sind die Täter für den Tod dieses Mannes verantwortlich? Oder gab es vielleicht doch medizinische Fehler? Und was ich noch wichtig finde, ist, das Gericht kündigt zu Beginn des Prozesses direkt an, dass hier auch die Frage geprüft werden muss, ob es sich um Körperverletzung mit Todesfolge handelt. So ist es angeklagt. oder aus der Kontrolle geratene Prügelei oder ob es nicht doch Totschlag war. Und Grund ist die massive Gewalt, die hier ausgeübt wurde, Tritte gegen den Kopf, Schläge mit einem Stock gegen einen ja offensichtlich Wehrlosen. Wir kommen darauf beim Urteil nochmal zu sprechen, aber vielleicht gehen wir jetzt mal darauf ein, was die Angeklagten vor Gericht aussagen. Ja, also Patrick, den man wegen dieses einen fatalen letzten Schlags als Hauptsäter sehen kann.
Legt sehr früh ein umfassendes und nach Ansicht des Gerichts auch glaubhaft von Reue getragenes Geständnis ab. Er räumt seine Tat bei Trägeteiert ein, bestreitet aber den Prozess, dem Opfer in den Rücken getreten zu haben. Oder diesen Schlag mit extremer Wucht ausgeführt zu haben. Diesen letzten Schlag. Gibt an, dass er den Mann lediglich aber verletzen wollen, da diese ihn halt so genervt und beleidigt habe. Und er entschuldige sich auch bei der Familie des Opfers. Auch Tobias zeigt sich hier ständig und räumt ein, dem Opfer die Beine weggetreten zu haben. Dass er auch diesen Stock benutzt hat und dass er gegen den Brustkorb getreten hat, als er auf dem Boden lag. Er behauptet aber, dass er das Opfer nach der Tat noch in die stabile Seitenlage gebracht habe. Eine Aussage, die durch Augenzeugen widerlegt wurde.
Er bestätigt übrigens auch dieses ursprüngliche Ziel, von dem wir gesprochen haben, dass man losgezogen sei, um Flüchtlinge zu klatschen. Also es gibt Geständnisse, aber auch Relativierungsversuche. Also die versuchen da so ein bisschen, sich selbst da ... Aus der Verantwortung rauszunehmen. Was ist denn mit den anderen beiden? Ja, Ivan, das ist der Boxer, legt nur ein Teil des Ständes ab. Er räumt aber den ersten Schlag ins Gesicht ein, behauptet dann aber wieder, das Opfer habe ihn mit einer Bierflasche bedroht, was Zeugen dann jedoch verneinen. Den Vorwurf, dem am Boden liegenden Mann gegen den Kopf getreten zu haben, bestreitet er vehement. Aber das wird dann durch die Aussagen von dem Mitangeklagten Patrick und Tobias. Wird er aber schwer belastet, dass das doch irgendwie passiert ist. Und schließlich Michael, der ältere Bruder von Tobias, der leugnet quasi alles und behauptet, das Opfer weder geschlagen noch getreten zu haben.
Stattdessen will er versucht haben, die anderen so zurückzuhalten, zu beschwichtigen. Und sagt dann, dass er sogar dem Mann versucht habe, aufzuhelfen, ihm aufgeholfen habe.
Aber die Darstellung wurde dann durch Patricks Cousin, der in der Gruppe war, die das Ganze beobachtet hat, widerlegt. Denn der hatte genau beobachtet, wie Michael dem Opfer mit der flachen Hand in sie sich geschlagen hat. Also diese Zeugen sind wirklich wahnsinnig wertvoll und wahrscheinlich besonders der Cousin. Denn dadurch, dass sie sich dann wirklich kennen, können die vielleicht auch viel besser wiedergeben, ja, der hat das gemacht, der hat das gemacht und so weiter. Also sie konnten halt wirklich dann ganz genau auseinanderklamüsern, wer was gemacht hat. Und in welcher Reihenfolge, genau. Wie würdest du jetzt die Strategie der Verteidigung zusammenfassen? Ja, ein zentraler Punkt war es, also Strafverteidiger sind ja, ich sag jetzt mal, im besten Sinne sehr kreativ. Die versuchen natürlich alles, um ihre Mandanten da rauszuhauen. Ein zentraler Punkt war, dass es einen ärztlichen Behandlungsfehler am Siegener Krankenhaus gegeben habe. Die Rechtsanwälte versuchen dann nachzuweisen, dass eine frühere Operation oder die Öffnung des Schädels das Leben von Eduard hätte retten können. Es wird auch kritisiert, dass keine täglichen CT-Aufnahmen gemacht wurden. Und dass auch keine Hirndrucksonde gelegt wurde. Da würden dann auch zahlreiche Mediziner und Gutachter dazu angehört. Ja, also im Grunde genommen, wenn ich das richtig verstehe, sagen die, dass Eduard gar nicht an dieser Verletzung selber gestorben ist, sondern aufgrund fahrlässiger, ärztlicher Behandlungen im Krankenhaus. Richtig? Ja, also die Zielen haben ganz konkret auf einen Behandlungsfehler abgezielt.
Das klappt aber irgendwie nicht so richtig, Denn letztlich schließen zwei Gutachter sowie die behandelnden Ärzte grobe Fehler aus. Die Hirnblutungen waren eben so massiv und irreparabel, dass auch jede andere Behandlung einen tödlichen Ausgang genommen hätte und das halt einfach nicht hätte verhindern können. Und auch die klinische Überwachung war laut der Gutachter ausreichend. Kurzum, die Verletzung von Eduard war von Beginn an tödlich. Durch den Aufprall des Kopfes auf den Asphalt gab es so irreparable Sekundärblutungen in der Hirnbrücke, die man einfach medizinisch nicht mehr therapieren konnte. Also er hatte keine Überlebenschance. Und diese tödliche Verletzung, das ist ja auch ganz wichtig, die resultiert eben ganz klar aus dieser Prügelattacke. Wie lautet denn dann das Urteil? Das wird dann nach mehreren Wochen Verhandlungen am 4. Juli 2017 gesprochen. Für Patrick und Tobias kommt wie gesagt das Jugendstrafrecht zur Anwendung. Patrick bekommt vier Jahre Jugendstrafe, Tobias drei Jahre und sechs Monate Jugendstrafe. Ivan wird zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe verurteilt und Michael zu zwei Jahren und sechs Monaten. Jetzt muss man das nochmal einordnen, diese Erwachsenenstrafen, die die bekommen, sind also im Grunde schwerwiegender.
Die Jugendstrafen sind eigentlich schwerwiegender von der Länge her, von der Höhe her. Also Patrick ist da eindeutig als der Haupttäter sozusagen, der den schwerwiegenden letzten Schlag vollzogen hat, bewertet worden. Und das Jugendstrafrecht, weil das geht so bis 21, das ist so ein bisschen eingeteilt und die waren halt 19 und 20 zu der Zeit dann. Und die höchste Jugendstrafe, die du bekommen kannst, sind ja zehn Jahre, also da sind die schon sehr weit oben. Was es aber dann nicht war, laut Gericht, ist Totschlag. Genau. Die vier werden wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt.
Das Gericht kann ihnen keinen Tötungsvorsatz nachweisen. In der Begründung heißt es, sie hätten in ihrer aufgestauten Aggression das Opfer zwar verprügeln und ihm eine Lektion erteilen wollen, aber sie wollten ihn nicht sterben sehen. Die Richter machen das aber auch klar, wer einem betrunkenen Mann mit voller Wucht gegen den Kopf schlägt, der muss wissen, dass dieser unbegrenzt stürzen und sterben kann. Dieses Risiko war für die Täter vorhersehbar. Und deshalb sind sie rechtlich auch für den Tod verantwortlich. Auch wenn sie das nicht direkt geplant hatten. Als Entlassens für die Angeklagten wurden dann die massiven Beleidigungen durch das Opfer gewertet. Das berücksichtigte das Gericht genauso wie die alkoholbedingte und gruppendynamische Enthemmung der Täter. Sowie deren Geständnisse und Entschuldigungen im Prozess. Jetzt gibt es ja vier unterschiedliche Strafen. Also ein unterschiedliches Strafmaß für die Verurteilten. Aber sie werden ja wegen einer gemeinsamen, einer gemeinschaftlichen Tat verurteilt. Ja, genau. Es stellt sich ja die Frage, wer ist eigentlich für den Tod von Eduard verantwortlich? Nur derjenige, der diesen letzten fatalen Schlag gesetzt hat, also Patrick? Und da sagt das Gericht ganz klar nein, denn alle vier sind verantwortlich. Die Richter stellen fest, dass es auf dem Parkplatz so eine non-verbale Übereinkunft gegeben hat.
In dem Moment, als das Opfer nach den ersten Attacken am Boden liegt Und alle vier Angeklagten sich um ihn versammeln und diesen Entschluss fassen, den kloppen wir jetzt mal richtig zusammen. Ja.
Was mich noch interessiert, wurde eigentlich dieser ursprüngliche Plan der Täter, nämlich auf Asylbewerber loszugehen, im Urteil berücksichtigt? Also wurde da vor Gericht drauf eingegangen? Jein. Also natürlich war dieses gezielte Jagen und Schikanieren der Asylbewerber ein zentraler Bestandteil dieser Tatnacht und wurde deshalb auch in dem Prozess behandelt. Es gab dafür aber keine eigenständige strafrechtliche Verurteilung im Sinne einer zusätzlichen Strafe für Nötigung oder versuchte Körperverletzung. Stattdessen dienen diese Vorfälle dem Gericht hauptsächlich zu einer Einordnung der Motivation und dieser extremen Aggressivität der Täter. Also diese Jagd auf die Asylbewerber ist sozusagen die Tatvorgeschichte. Genau. Die hat dann indirekt Konsequenzen für das Strafmaß, weil sie die vorwerfbare Schuld der Angeklagten begründet. Das Gericht betonte aber, dass die Männer ihre aufgestaute Aggression, die sich aus dieser erfolglosen Verfolgung der Asylbewerber ergab, bei der sie teils selbst mit Dachlatten geschlagen wurden. Diese Aggression ließen sie dann schließlich wahllos an dem Topfer aus.
Außerdem ist diese Vorgeschichte der Beweis für diesen Tatentschluss der Männer. Dieses aggressive Verhalten während der Jagd, das Brüllen von Drohungen, das Werfen eines Pflastersteins, wo man ja davon ausgehen muss, wenn der trifft, der verletzt einen richtig schlimm. Das diente dem Gericht als Beweis dafür, dass die Gruppe so eine richtig aufgeheizt, aggressive Stimmung hatte und einfach bereit war, Gewalt anzuwenden.
Jetzt kommt noch was an der Stelle, möchte ich vorweg schicken. Über das Folgende können wir wirklich nur mutmaßen. Ich fand das aber nicht ganz uninteressant. Deshalb wollte ich es nicht unerwähnt lassen. Die Täter in diesem Fall sind mutmaßlich, ebenso wie ihr Opfer übrigens, Russlanddeutsche. Das heißt, Nachkommen von Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion. Ja, ähm... Und Waldbrüll hat eine ziemlich große russlanddeutsche Community. Also ganz früher, ich kenne halt so ein bisschen aus Erzählungen von meiner Mutter, die ist da in Waldbrüll zum Gymnasium gegangen. Da wurde dann immer gesagt, ja, oben Waldbrüll an der Maibuche, da gehen abends die Schlagbäume runter.
Also teilweise auch so ein bisschen abgekapselt, teilweise aber auch total integriert. Also eine ganz grobe Mischung.
Und auf jeden Fall ist dieser Anteil der Russlanddeutschen in Waldbrüll sehr hoch. und man kann sagen, so schätzungsweise ein Viertel, Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung hat halt diese Wurzeln. Und dabei ist wichtig zu betonen, dass Russlanddeutsche natürlich schlichtweg Deutsche sind, die sich auch als Deutsche verstehen und auch als Deutsche gesehen werden wollen.
Die das aber oftmals nicht werden, sondern eben dann oftmals die Erfahrung machen, immer als Russen gesehen oder abgestempelt zu werden und teilweise dann auch beschimpft zu werden. Also in diesem Fall könnte das zumindest, Wie gesagt, das ist hypothetisch, das könnte vielleicht manches erklären. Ich sage könnte, weil es nicht gesichert ist. Und auch im Gerichtsurteil spielt das keine hervorgehobene Rolle. Das müssen wir also wirklich dazu sagen. Man kann vielleicht eher sagen, ja, da schwingt so ein bisschen was mit. Ja, zum Beispiel ging es ja vor Gericht unter anderem darum, dass das Opfer die Täter auf dem Parkplatz wüst auf Russisch beschimpft hat. Die Quellen belegen, dass die Täter diese Beleidigung nicht nur verstanden, sondern sich davon dann auch massiv provoziert fühlten. Ja, also es gibt da einen ganz interessanten WDR-Bericht zu Russlanddeutschen in Waldbröl, der bestätigt zum einen, dass in diesen Gemeinschaften bis heute teilweise viel Russisch gesprochen wird und dass es zum anderen auch Spannungen innerhalb dieser Gemeinden gibt. Das hast du ja gerade auch schon so ein bisschen angesprochen. Teilweise super integriert, teilweise dann aber noch vielleicht ein bisschen abgeschottet. Auch ich habe in Ruppig der Rot, gibt es natürlich auch viele, ich zähle da Menschen zu meinen engsten Freunden. Also das, es gibt da wirklich die und die andere Seite. Klar, logisch, wie überall. Das hat dann für mich viel mit Abgrenzung, auch mit Identitätssuche zu tun.
Was ist wiederum ja erwiesen, wir haben es ja mit Tätern hier zu tun, die insgesamt wenig Halt in ihrem Leben haben. Und ich würde es zumindest nicht ausschließen, dass da eventuell bei denen mindestens unbewusst auch so ein bisschen Frustration immer mitschwingen könnte, selbst nicht immer voll akzeptiert zu werden in der Gesellschaft. Ja, feststeht jedenfalls, dass diese Gruppe ihre Aggression an Flüchtlingen ausagieren wollte. Und dass sie sich dann von diesem 40-jährigen Opfer, so provoziert fühlten, dass sie es dann an ihm ausgelassen haben. Was auch feststeht, wie gesagt, einen Zusammenhang können wir jetzt hier nicht herstellen. Ich sage es aber der Vollständigkeit halber. Es steht fest, dass Russlanddeutsche oder solche, die eben so bezeichnet werden, öfter die AfD wählen als andere Bevölkerungsgruppen. Das zeigt sich auch in Waldbrüll. Da ist die Wahlbeteiligung traditionell gering. Jetzt hol es aber weit aus. Ich bin gespannt. Ich mache es nur ganz kurz. Die Zustimmung zur AfD ist aber in dieser Gruppe dann besonders hoch. Oder nein, anders. Die Gruppe in der Bevölkerungsgruppe dieser Russlanddeutschen wird öfter AfD gewählt und die Zustimmung für die AfD ist in Waldbrüll viel höher als jetzt in anderen Gemeinden oder Städten. Ob und wie genau das in unserem Fall eine Rolle spielt, das können wir wirklich an dieser Stelle nicht mit Sicherheit sagen. Das sagen wir mit aller Vorsicht. Aber es ist ein interessanter Aspekt und ich packe euch einfach mal den Link zu diesem WDR-Bericht mit in die Shownotes.
Was mich aber jetzt interessiert ist, wissen wir, wie es mit den Tätern weiterging nach diesem Urteil? Über Patrick ist bekannt, dass er bereits während der U-Haft an einem Empathietraining teilgenommen hatte. Seit Februar 2017 absolvierte er dann in der JVA eine Ausbildung zum Tischler.
Tobias machte das eigentlich genauso. Auch er begann zeitgleich eine Ausbildung zum Tischler in der Justizvollzugsanstalt. Michael, der Älteste, der mit dem Schlag einer flachen Hand ins Gesicht eigentlich so den geringsten Tatbeitrag geleistet hatte, bekam auch die geringste Strafe. Im Mai 2017 wurde er dann aus der Untersuchungshaft entlassen und blieb auf freiem Fuß, bis er seine Haftstrafe antreten musste. Also der ist jetzt nicht die ganze Zeit auf freiem Fuß geblieben, sondern der durfte eben bis zum Haftantritt raus. aus. Und über Ivan ist mir nichts bekannt, außer dass er natürlich seine Strafantreten muss. Also man kann hier nur spekulieren, das ist im Urteil nicht so genannt, aber bei Michael wird es so sein, dass er ja ein relativ geregeltes Leben hatte und dass man deshalb davon ausging, dass da jetzt keine Fluchtgefahr bei ihm besteht. Ich denke, deshalb haben wir ihn rausgelassen. Alles immer berücksichtigt, Behaftkürzungen und sowas. Ja. Was wir direkt sagen können, nein, wir wissen nicht, was jetzt heute mit den damaligen Tätern ist. Für uns endet dieser Fall hier und was mich natürlich interessiert ist, kannst du da eine Lehre draus ziehen? Gibt es für dich irgendwas, was dich da besonders... Vielleicht auch bedrückt hat. Ja, also ich glaube, niemand von uns kann sich irgendwie freisprechen, mal einen über den Durst getrunken zu haben. Ich natürlich nie. Du natürlich nicht. Also ich kann dir sagen.
Auch ich hatte schon mal, sagen wir mal, düstere Momente. Und das zeigt halt einfach wieder, was aus einer Kombination von Alkohol und Aggression werden kann. Und Frust. Diese ganzen angestauten Aggressionen versucht man am besten Fall einfach vorher irgendwie in den Griff zu kriegen und sich dann nicht von irgendwelchen Hörensagen leiden zu lassen oder sich auch von anderen aufstacheln zu lassen. Denn das muss halt jedem klar sein. Wenn man eine Person schlägt, einen Stock, mit der Faust, egal mit was, man kann sie schwer verletzen. Und man kann auch die Folgen dann manchmal halt nicht abschätzen. Also wenn der Mensch halt stürzt, das ist dann unglaublich tragisch. Aber man hat ihm halt diesen Schlag versetzt. Und hätte man das nicht gemacht, dann wäre dieser Mensch noch am Leben. Also für mich ist halt einfach so dieses Fazit, Gewalt ist halt einfach scheiße. Und ehe man die Faust auspackt, würde ich sie einfach immer einmal mehr in der Tasche machen. Guter Tipp ist, glaube ich, an der Stelle auch einfach in Therapie zu gehen. Einfach ist jetzt hier sehr leicht gesagt, aber es ist die bessere Lösung. Es gibt ja super viele Ansprechstellen, die wir hier in Deutschland haben, wenn man halt solche Probleme hat mit Alkohol, Drogen oder auch Aggressionsproblemen. Also die Sachen offen angehen, in den Griff kriegen.
Gute Schlusswörter würde ich sagen. Wir bedanken uns wie immer von Herzen bei euch fürs Zuhören. Wir hören uns und wir sehen uns hier in zwei Wochen wieder mit einem neuen Fall. Bis dahin folgt und abonniert uns, teilt unsere Episoden, kommentiert und schreibt uns auf Instagram unter atakte-rheinland, bei YouTube oder per Mail an podcast.ga.de. Natürlich nur positives Feedback. Bitte. Am allerliebsten habe ich einfach fünf Sterne und bitte basht mich nicht wieder so. Ja, da würde ich auch drum bitten. Oder nee, macht mal. Ist ja auch ganz lustig manchmal. Wir schauen mal. Macht's gut. Wir sehen uns beim nächsten Mal, hören uns beim nächsten Mal. Bis bald und tschüss. Matthi Roth.
Das war Akte Rheinland. Der GA-Podcast zu Kriminalfällen aus Bonn und der Region. Akte Rheinland ist eine Produktion der Generalanzeiger Bonn GmbH. Redaktion und Moderation Anna-Maria Bekes, Produktionsleitung Andreas Deick, Mitarbeiter Sabrina Bauer, Simeon Gerling und andere, Sprecher Daniel Dahling, Martin Busch. Akte Rheinland ist eine Produktion der Generalanzeiger Bonn GmbH.