Akte Rheinland. Ein Podcast des Bonner Generalanzeigers über wahre Verbrechen.
23. Juni 1958. Eine warme Montagnacht zwischen Bonn und der Voreifel. Der Tag klingt langsam aus. Da zerschneidet ein Motorengeräusch die Stille. Dann knallt es und das Klirren von zerberstenden Scheiben ist zu hören. Die Wege des blauen Opel-Kapitän, der durch die Nacht rast, werden länger. Die Hemmungen derjenigen, die im Auto sitzen, werden kleiner. Zwei Menschen sterben in dieser Nacht, andere überleben nur durch Glück. Am Morgen wird man von einer Spur der Verwüstung sprechen, von einem gestohlenen Wagen, Patronenhülsen und einer Fahndung, die wie ein Netz über die Region gelegt wird. Man wird fragen, war das Leichtsinn, Rauditum oder längst der kalte Vorsatz, dass am Ende Menschen sterben. Hallo zusammen, wir begrüßen euch zurück zu einer neuen Episode von Akte Rheinland. Hier sprechen wir alle zwei Wochen donnerstags über Verbrechen und Kriminalfälle aus dem Raum Bonn. Wie immer die Bitte, abonniert unseren Podcast, teilt ihn, liked ihn, bewertet ihn bitte mit fünf Sternen und aktiviert bitte unbedingt die kleine Glocke bei Spotify. Das hilft uns sehr weiter.
Ich habe heute mal wieder einen altbekannten Gast in unserem Studio, nämlich den Rüdiger Franz. Hallo Rüdiger. Ja, hallo und guten Tag. Du hast uns heute einen Fall mitgebracht, den du quasi ausgebuddelt hast, kann man sagen. Der liegt nämlich schon eine ganze Weile zurück, ganze 67 Jahre. Das stimmt. Also ich muss ihn ausbuddeln, denn ganz so lange bin ich auch selbst noch nicht dabei beim Generalanzeiger. Aber fast. Auch ich habe ihn sozusagen bei der Zeitungslektüre ausgebuddelt. Und er führt uns quasi direkt zurück ins Bonn der Wirtschaftsbundene Jahre. Worum geht es denn und vor allem, wie bist du auf den Fall gestoßen? Du hast ja, glaube ich, auch so eine Vorliebe fürs Archiv, ne? Ja, das stimmt. Ich habe eine Vorliebe fürs Archiv und insbesondere für die alten Bilder in unserem Archiv. Die alten Schwarz-Weiß-Fotos haben es mir angetan. Und beim Stöbern darin sind mir eines Tages Fotos von einem Gerichtsprozess in die Hände gefallen, an denen ich hängen geblieben bin.
Da saßen junge Männer in Anzügen auf der Anklagebank. und es gab auch noch ein paar merkwürdige Außenaufnahmen von diesem Prozess und deswegen habe ich mir aus Neugier damals mal die dazugehörigen Zeitungsberichte herausgesucht, und ja, vermutlich war ich mit der ersten Amokfahrt konfrontiert, die es in der Geschichte des Rheinlands gegeben hat. Ja, das Ganze geschah im Juni 1958, ist also wirklich schon eine Weile her. Um euch mal die Dimension zu verdeutlichen, wie aufwendig dann auch so eine Recherche sein kann, Das ist jetzt nicht so, dass wir das irgendwo im Internet finden können, noch nicht mehr in unserem digitalen Archiv. Da müssen wir dann tatsächlich in unser Zeitungsarchiv hinabsteigen, was ziemlich staubig und auch nicht ganz so sauber ist. Ja, wir hören uns einfach mal an, wie der Generalanzeiger damals, also 1958, unmittelbar nach den Ereignissen berichtet hat.
Generalanzeiger Bonn, Juni 1958. Mit zwei beispiellos brutalen Mordtaten endete in der Nacht zum Dienstag die Amokfahrt zweier unbekannter junger Männer durch mehrere Orte des südlichen Landkreises Bonn. Die Dörfer Werthofen, Arzdorf, Adendorf und Odendorf, deren Bevölkerung sich gestern eine verständliche Empörung und Bestürzung bemächtigt hatte, waren Zeugen wilder Schießereien, denen in Arzdorf der 50 Jahre alte Landwirt Albert G., Vater von sieben Kindern, und in Odendorf der 46 Jahre alte Gemeindediener Matthias F., Vater von zwei Kindern, zum Opfer fielen. In Werthofen und in Odendorf schossen die Täter, nach denen in einer Großfahndung fieberhaft gesucht wird, aus einem in Bonn gestohlenen Opel Kapitän auf beleuchtete Fenster, in Adendorf auf vier am Straßenrand stehende Jugendliche und am Kloster Elsig auf zwei vorüberfahrende Personenwagen.
So begann also ein Bericht im Generalanzeiger. Das war die Ausgabe vom Mittwoch, also nach Tag 1 der polizeilichen Ermittlungen. Und da schien sich ja schon ein recht rundes Bild zu ergeben. Ja, so sah es zumindest zunächst mal aus. Wir haben ja erfahren, die Tat geschah an einem späten Abend und in der Ausgabe am übernächsten Morgen. Da erfährt man einiges schon mal über zwei Todesopfer, über die Tatorte und auch über das mutmaßliche Tatfahrzeug. Aber es stellte sich relativ schnell heraus, dass die ersten Erkenntnisse wirklich nur die Spitze des Eisberges waren.
Das Ganze geschah am Abend des 23. Juni 1958. Welche Puzzlestücke kamen denn an den Stunden und Tagen unmittelbar danach ans Licht? Tja, das war das.
Also ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, aber man kann getrost, kurz gesagt, von einer richtigen Spur der Verrüstung sprechen, die die Täter auf ihrer Route hinterlassen hatten. Ich versuche es mal einigermaßen übersichtlich zu schildern. Wir müssen uns vorstellen, später Montagabend, 23. Juni 1958, also typischer Bonner Frühsommerabend, wahrscheinlich war auch in der Stadt einiges los, wie man das so kennt. Und was man dann am nächsten Morgen, als so die ersten Scherben buchstäblich zusammengefegt wurden, relativ schnell erfahren hatte, war, dass zunächst aus Bad Godesberg gemeldet wurde, dass da wohl auf eine Schaufensterscheibe eines Autohauses geschossen worden war. Da war nämlich die Scheibe zerschossen und auch in ausgestellten neuen Fahrzeugen fanden sich Einschusslöcher. Und von dort müssen also die Täter dann von Bad Godesberg in Richtung Rehmagen gefahren sein. Wer die Gegend kennt, der weiß, man fährt da über die B9 und kurz vor Rehmagen bei Rolands Eck hat man die Möglichkeit, nach rechts auf die Berge zu fahren, in Richtung Wachtberg, also nach vor Rehmagen und kommt dann dort in solche Orte wie Unkelbach und Oedingen. Und beide Orte, Unkelbach und Oedingen, waren dann um 23 Uhr bzw. Kurz nach 23 Uhr auch die zunächst weiteren Tatorte und zwar...
Haben die Unbekannten in Unkelbach erst mal in ein beleuchtetes Wohnzimmer geschossen mit irgendeiner Waffe. Da hat man also festgestellt, dass die Fensterscheibe durchschossen worden war, eben so eine Deckenlampe und dann von der Wand abgeprallt ist. In dem Zimmer saß auch noch eine Frau, die zum Glück unverletzt geblieben war. In Oedingen, dem Nachbarort, auf den Rheinhöhen dort bei Rehmagen, hat sich dann wenige Minuten später dieses Schauspiel wiederholt. Also wieder wurde in ein erleuchtetes Fenster geschossen, wieder wurde die Deckenlampe getroffen und dann ging das Licht aus. Auch hier war es so, dass ein Mann offensichtlich gerade dabei war, Zeitung zu lesen, also im Zimmer saß, aber auch nicht getroffen wurde. Weiter geht die Fahrt dann. Wir sind also jetzt nicht mehr dann im heutigen Kreis Ahrweiler, sondern wieder auf dem Gebiet von Nordrhein-Westfalen, im heutigen Rhein-Sieg-Kreis. Man muss dazu wissen, bis 1969, bis zur kommunalen Gebietsreform, gehörten diese Orte, über die wir jetzt sprechen, zum sogenannten Landkreis Bonn. Also es geht im Grunde quer durch unser Verbreitungsgebiet der Zeitung sozusagen. Das kann man so sagen, ganz genau. Nämlich zuerst mal nach Werthofen.
Auch dort wieder wurde auf ein beleuchtetes Fenster geschossen. Auch hier saß wieder ein junger Mann in der Wohnung und las die Zeitung. Und auch hier wusste keiner so richtig, was los war und von Tätern war keine Spur. Also was ich jetzt mal ganz kurz dazwischen sagen muss, auch wenn es eine ernste Lage ist, ich finde es trotzdem interessant, dass die Leute da alle zu Hause sitzen und Zeitung lesen. Das würde wahrscheinlich heute nicht mehr so passieren. Und dazu noch kurz vor Mitternacht. Das war die gute alte Zeit.
In der Folge gewann dann diese ganze Aktion an Dramatik. Denn in Ardsdorf, ein Ort, der heute zur Gemeinde Wachtberg gehört, kam es dann zum ersten Todesopfer des Abends. Da war es so, dass ein Küchenfenster erst zersplitterte und sich später herausstellte, dass das wohl entweder mit einem Fuß oder durch einen Steinwurf kaputt gemacht wurde, eingetreten wurde, weiß man nicht so genau. Und im Innern des Hauses saß ein 50-jähriger Landwirt, Albert G.
Der wusste nicht, was los war, war verwirrt natürlich, ist in seiner Aufregung nach draußen gesprungen, um zu gucken, wer da die Scheibe eingeschlagen hat. Und kaum, dass er eben auf der Straße stand, fällt ein Schuss und trifft ihn irgendwo in den Beinbereich. Mit dabei im Haus war noch der 71-jährige Schwiegervater des Opfers. Der ist auch zur Hilfe geeilt, wusste nicht, was los war, sah seinen Schwiegersohn da blutend, dachte zunächst, er habe sich womöglich an der zerbrochenen Fensterscheibe verletzt und hat dann gemeinsam mit seiner Tochter, also mit der Frau des G, diesen noch in die Küche zurückgebracht und den Arzt gerufen. Der musste aber aus dem Nachbarort kommen. Und in der Zwischenzeit ist dann eben dieser 50-Jährige vor den Augen seiner Angehörigen sozusagen verblutet und hinterließ sieben Kinder und seine Frau. Und eigentlich weiß von den Anwesenden immer noch keiner, was eigentlich draußen passiert ist. Denn erst am nächsten Morgen wird überhaupt erstmal eine Kugel von Polizeibeamten gefunden. Also der ist in die Beinschlagader dann getroffen worden. Deshalb ging das so schnell wahrscheinlich. Genau, das hat sich dann später bei der Obduktion herausgestellt. Ganz kurze Zwischenfrage, weil ich mich mit den Ortschaften dann doch nicht so besonders gut auskenne. Das geht ja alles ziemlich schnell. Die sind ja sehr flott unterwegs da. Zwischen 23 Uhr und 23.30 Uhr passiert das alles. Müssen die da schnell gefahren sein?
Ist das einfach nah aneinander alles? Die Orte liegen alle nah beieinander, aber es ist davon auszugehen, dass sie mit einem ordentlichen Tempo unterwegs gewesen sind, weil sie sich ja in den Orten jeweils auch eine Weile aufgehalten haben. Also die haben schon auf jeden Fall ordentlich Tempo drauf gehabt. Und diese Amokfahrt, die ist ja zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht beendet. Das ist richtig, denn von Arzdorf ging es weiter ins benachbarte Adendorf. Da gab es früher einen Gasthof namens Flöck am Ortsausgang und dort müssen wohl vier Jugendliche am Straßenrand gestanden haben. Und plötzlich tauchte ein blauer Opel-Kapitän auf. Der hielt neben ihn und später wurde von zwei Insassen berichtet. Einer habe durch das Schiebedach oben rausgeguckt und nach dem Weg nach Meckenheim gefragt. Und noch bevor irgendeiner von den Jugendlichen antworten konnte, hat dieser Mann dann schon mit einer Gaspistole auf sie geschossen. Die Jungs sind natürlich sofort abgehauen, der Opel ist losgerast, ist dann wohl den Zeugenberichten zufolge 60 Meter weiter nochmal stehen geblieben.
Und dann wurde nochmal Feuer auf die Jugendlichen eröffnet, diesmal wohl aus dem Kleinkalibergewehr. Also es gab mehrere Waffen, die die dabei hatten. Genau, es gab mehrere Waffen und dieses Gewehr muss dann wenige Minuten später wiederum im benachbarten Gehlsdorf zum Einsatz gekommen sein, wo bei einer Anwohnerin erst Fensterscheiben eingeworfen wurde und dann fielen ebenfalls Schüsse auf eine Frau, die sich aus dem Fenster gebeugt hat. Das spielt dann im späteren Prozess nochmal eine zentrale Rolle, weil hier dann eben auch plötzlich ein Mordverdacht im Raume stand, weil die Kugel diese Anwohnerin nur um ein paar Zentimeter verfehlt hatten. Ja und die mutmaßlichen Täter sind dann weitergefahren über Altendorf, Ersdorf, Wormersdorf, also auf das Gebiet des heutigen Rheinbach weiter über Oberdrehs. Da passierte dem Vernehmen nach nichts, bis sie zu der Kreuzung bei Swiss Tal Essig kamen, und zwar in der Nähe des Klosters Essig, wo auf vorüberfahrende Autos geschossen wurde. Allerdings verfehlten diese Kugeln ihre Ziele.
Und hinter Oberdrehs wurde dann noch auf entgegenkommende Autos geschossen. Das weiß man alles, weil natürlich die Leute, die da beschossen wurden, sich später bei der Polizei gemeldet haben. Ja, und im Grunde zum großen Finale. Es gab nochmal Schüsse in Odendorf auf ein Haus, wo jemand im Bett schlief und zum Glück dann eben von den Kugeln verfehlt wurde. Aber ebenfalls in Odendorf kam es dann leider zum schrecklichen Finale. Und zwar gibt es in Odendorf eine zentrale Kreuzung, da ist heute die Raiffeisenbank.
Gegenüber und im Gasthof Winterscheid, wie der damals hieß, war eine Party im Gange. Es war so, dass der Wirt der Kneipe gerade in seinen Namenstag hineinfeierte. Und alles wartete eben darauf, dass Mitternacht wurde, um gratulieren zu können. Und auch hier plötzlich zersplitterte eine Scheibe der Wirtsstube. Es polterte ein mehrere Kilo schwerer Pflasterstein rein. Dabei wurde zwar niemand verletzt, aber auch hier rannten dann mehrere Gäste spontan auf die Straße, weil sie dachten, da macht jemand einen dummen Jungenstreich. Das waren kräftige Burschen, junge Bauern und ganz vorneweg lief ein Matthias F. Punkt, der war, wie sich später herausstellte, ein Gemeindediener. Also ich bin mir nicht ganz sicher, ob damit ein Angestellter der Gemeinde oder eine Art Küster gemeint ist. Der war auf jeden Fall derjenige, der dann als erster an diesem blauen Opel Kapitän war und hat dann die Insassen angesprochen mit der Frage, haben sie gesehen, was hier los war oder haben sie gesehen, wer den Stein geworfen hat? Und kaum hatte er diese Frage gestellt, da wurde er auch schon von einem Schuss in die Brust getroffen. Wenige Minuten später ist der Matthias F., der auch Vater von zwei Kindern, war tot.
Also in Odendorf herrschte entsprechend natürlich auch Chaos und was sich dann noch herausfinden konnte war, dass zwei Odendorfer, die sich da im Umfeld dieser Kneipe befanden, noch die Verfolgung mit Motorrädern aufgenommen hatten, aber gegen den Opel Kapitän hatten sie keine Chance, zumal der wohl, wie sich später herausstellte, auch die Scheinwerfer, also die hatten das Licht ausgemacht und sind dann in der Dunkelheit verschwunden. Ja, das macht einen einigermaßen sprachlos und das ist alles innerhalb, das muss man sich nochmal vergegenwärtigen, innerhalb von etwas weniger als einer Stunde passiert. Zwei Todesopfer, jede Menge Schaden und wahrscheinlich sehr viele entsetzte Menschen.
Was ist denn die Situation jetzt unmittelbar danach? Wie hat die Polizei reagiert? Denn ich denke, die ist ja vielfach eingeschaltet worden, oder? Ja, ich kann es mir auch nur herleiten, aber man kann natürlich davon ausgehen, dass insgesamt die Lage zunächst mal völlig unübersichtlich war und an den jeweiligen Orten des Geschehens Chaos herrschte und ja auch keiner erst mal vom anderen Fall wusste. Und auch sonst eigentlich keiner wusste, was eigentlich passiert war. Und natürlich entsprechend auch die Polizei erstmal ein Lagebild entwickeln musste, um zu sehen, dass es hier offenkundig eine Serie war, mit der sie es zu tun hatte. Also was man weiß, ist, dass der Gastwirt in Odendorf die Polizei alarmiert hat, dass die natürlich auch sofort, so schnell es ging, eine Fahndung eingeleitet hatten, die dann aber keinen Erfolg erzeugte. Und was man wusste, war, dass man es mit einem blauen Opel-Kapitän, mit mindestens zwei Insassen zu tun hatte. Und bei der Farbe des Autos war es schon ein bisschen schwieriger. Es war dunkel. Die einen sagten, er sei blau gewesen, die anderen sagten, er war schwarz.
Ja, und relativ schnell war die Polizei sich aber sicher, dass es irgendeinen Zusammenhang mit Bonn geben musste. Oder zu geben schien. Jetzt muss man einmal ganz kurz dazu sagen, dass das natürlich für die auch schwierig war, diese Puzzlestücke zusammenzusetzen, weil es gab ja keine sozialen Medien, so Stichwort gute alte Zeit. In dem Fall wäre das dann vielleicht einfacher oder schneller gewesen, da den Zusammenhang herzustellen. So war das natürlich schwierig. Ich muss eine ganz kurze Zwischenfrage nochmal stellen, wenn ich darf. Was ist ein Opel-Kapitän?
Also ich kenne nur Opel Kadett. Ich kenne auch noch ein paar andere Opels, aber Opel Kapitän habe ich noch nie gehört. Ja, also ein Opel Kapitän ist eigentlich ein authentisches Produkt der Wirtschaftswunderzeit. Und heute würde man von einem Wagen der gehobenen Mittelklasse sprechen. Also schon ein Opel, der in den 50er Jahren gebaut wurde und der nicht nur optisch etwas hermachte, sondern der auch einige PS auf die Straße hat. Okay, verstehe. Also schon ein schickes Auto für die damalige Zeit. Gut, okay, du hast gesagt, es führen jetzt Spuren nach Bonn. Wie kamen sie da drauf? Ja, es waren keine direkten Spuren, aber es waren gewisse Merkwürdigkeiten aufgetreten, auch an demselben Abend.
Dahingehend, dass mehrere Autos in Bonn als gestohlen gemeldet wurden und einige von diesen gestohlen gemeldeten Autos auch zeitnah teilweise noch am selben Abend wieder aufgetaucht sind. Die Polizei hat dann eins und eins zusammengezählt und hat zumindest dann die Verdachtshypothese aufgestellt, dass das eventuell etwas damit zu tun haben könnte. Also ganz konkret, man zwei Opel-Rekord, also man kann sagen eine Klasse unter dem Kapitän in Bonn gestohlen und aber auch demoliert in Bonn an verschiedenen Stellen wieder abgestellt. Und was dann eigentlich die Polizei zur Überzeugung führte, dass da ein Zusammenhang besteht, war, dass auch tatsächlich ein Opel-Kapitän, ein blauer Opel-Kapitän, am späten Montagabend in Bonn gestohlen worden war und zwar im Viertel in der Nähe der Hausdorfstraße, also in Kästchenich. Dieser Opel-Kapitän ist dann am Mittwochmorgen, also am übernächsten Morgen, auch am Poppelsdorfer Friedhof gefunden worden.
So und interessant war dann aus Sicht der Polizei, was im Inneren des Autos gefunden wurde, nämlich ein 2 Kilogramm schwerer Pflasterstein und zwei Patronenhülsen des Kalibers 22 Long Riffle.
Man sehr schnell in Verbindung mit der mutmaßlichen Tatwaffe bringen konnte. Und außerdem fand man im Auto noch eine Gaspatrone und eine Schreckschusspatrone für eine Gaspistole. Und all diese Fundstücke deckten sich voll und ganz mit den Asservaten, die an den verschiedenen Tatorten auch sichergestellt worden waren. Das klingt ja alles ziemlich wild. Was hat es denn mit diesen beiden anderen Opels auf sich, die da gefunden werden? Die Frage ist berechtigt. Das ist auch sicherlich ein bisschen verwirrend, Dass also da insgesamt drei Opel im Spiel war. Eine Vorliebe für Opel, definitiv, ja. Hätten die Toten Hosen ihre Platte Opel Gang nicht erst 25 Jahre später rausgebracht, hätten sie also 58 auch schon eine Gelegenheit dafür gehabt. Es war so, dass in Kesselnich, in Bonn-Kesselnich ein Zeuge eine interessante Beobachtung gemacht hatte, die auch der Polizei gemeldet hat. Und zwar war das ein Spediteur, der erzählte, dass am späten Montagabend vor einem Haus an der Kessinicher Straße zwei Autos in die Hausdorfstraße eingebogen seien, hätten dort angehalten und zwar ein Opel-Rekord und ein Opel-Kapitän und nach Aussage des Zeugen stieg der Fahrer des Rekord in den Kapitän um und der sei dann davon gefahren. Und die Polizei hielt es dann für sehr möglich, wenn nicht gar wahrscheinlich, dass die Täter erst den Opel Rekord gestohlen und auch beschädigt haben und als der nicht mehr fahrbereit war, jedenfalls nicht mehr so richtig.
Erst noch einen anderen Opel Rekord gestohlen haben, den ebenfalls demoliert hatten und schließlich den Kapitän geklaut haben.
Da gab es auch eine Zeugenbeschreibung und ja, so allmählich setzten sich dann zumindest wenige Puzzlestücke zusammen. Aber das ergab natürlich lange noch kein Gesamtbild. Schlussendlich fahndet dann die Bonner Kriminalpolizei nach zwei jungen Männern im Alter zwischen 20 und 25 Jahren. Das ist natürlich denkbar ungenau. Gefahndet wird mit Rundfunkmeldungen und natürlich Zeitungsberichten und mit einem Aufruf an mögliche weitere Zeugen. Und der hatte folgenden Wortlaut. Wer kennt Jugendliche, die schon einschlägig straffällig geworden sind, das heißt Autos gestohlen oder widerrechtlich benutzt haben, in letzter Zeit durch den Besitz eines Kleinkalibergewehres oder einer Gaspistole auffällig geworden sind, in der fraglichen Nacht zwischen 0.30 Uhr und 1.30 Uhr oder später nach Hause gekommen sind, in dieser Zeit oder vorher auffällig geworden sind und denen eine solche Tat zuzutrauen ist? Der Regierungspräsident von Köln hat für Angaben, die zur Ergreifung des oder der Täter führen, eine Belohnung von 5000 Mark ausgesetzt.
Kommen wir kurz auf die mutmaßlichen Tatwaffen zu sprechen. Ein Kleinkalibergewehr und eine Gaspistole. Das klingt jetzt für mich nicht nach klassischen Mordwaffen, ne? Nee, also die Gaspistole sicherlich schon mal gar nicht. Beim Kleinkalibergewehr, da muss man schon ein bisschen aufpassen. Also nebenbei bemerkt, auch die RAF später, die Rote Armee Fraktion, hat zum Beispiel, als sie den Andreas Bader aus dieser Bibliothek befreit hat 1970, eine Gaspistole und ein Kleinkalibergewehr benutzt. Wir hatten auch eine Walther PPK, also eine gefährliche Pistole dabei. Aber man konnte natürlich erstens mit so einem Kleinkaliber äußerlich Eindruck machen. Und hinzu kommt, dass bis dahin Kleinkalibergewehre in Deutschland frei erhältlich waren. Also heute ist das anders, da braucht man eine sogenannte waffenrechtliche Erlaubnis, wenn man beispielsweise Sportschütze ist oder Jäger. Aber damals konnte man sozusagen in Laden marschieren und die sich so kaufen, wie eben auch Gaspistolen. Und dieses Kaliber 22 Long Riffle ist bis heute vor allem im Sportschützenbereich gängig. Was man allerdings auch wissen muss, ist, dass dieses Kaliber auch für die Jagdausübung zugelassen ist. Ganz konkret geeignet für kleinere Wildarten, also Kaninchen, Fuchs, Marder oder auch Krähen und Tauben.
Und daran sieht man schon, dass das Gewehr eben auch bereit ist, zumindest kleinere Tiere zu töten, aber auch eine Durchschlagskraft hat, die, wenn es nun mal an der richtigen Stelle trifft, auch durchaus eine Menschen zum Verhängnis werden kann. Also kann auf jeden Fall genug Schaden anrichten. Ja, also der Name Kleinkalibergewehr verleitet eben auch dazu, es zu unterschätzen. Als Problematisch stellt sich nachher heraus, als die Polizeibeamten im folgenden Prozess, über den wir noch sprechen werden, befragt werden. Keiner der Zeugen in Arzdorf und Odendorf kann beschreiben, wie diese mutmaßlichen Täter aussehen. Nicht mal über ihre Zahl war man sich einig, also wie viele das jetzt waren. Ein Zeuge wollte sogar ein junges Mädchen mit in dem Auto gesehen haben. Ja, also kurz gesagt, es gab einfach eine sehr, sehr diffuse Nachrichten- und Meldungslage. Wie gesagt, man kann es sich auch vorstellen, dass das Chaos, das herrscht. Diese Taten hatten ja die Leute, ich hatte diese feiernde Runde erwähnt, ja buchstäblich in heiterem Himmel getroffen. Und da ist natürlich dann, spielt der Überraschungseffekt sicherlich auch eine wichtige Rolle. Unterm Strich hatte die Polizei dann in den Tagen nach der Tat laut den Presseberichten von damals.
Rund 500 Hinweise aus der Bevölkerung, aber die waren natürlich bei weitem nicht alle wirklich zu gebrauchen und da war auch einiges an Nonsens dabei. Und dann gibt es ja noch vier Ereignisse aus der Rubrik Kurioses. Ja, das war das, was ich meinte. Also unter anderem gab es eine Meldung aus Rheinbach, wo gemeldet wurde, dass in der Nähe des Gefängnisses in der Tatnacht Schüsse gefallen sind. Und ja gut, was macht man als Polizei dann mit so einer Information?
Man versucht natürlich jeden Strohhalm zu ergreifen, der möglicherweise Klarheit in den Hergang bringt und nimmt sowas dann selbstverständlich auch in die Recherchen und in die Ermittlungen erst einmal auf. Auch wenn sich jetzt hier wie in einem Fall in Rheinbach dann relativ schnell zeigte, dass das irgendein Knall war, der mit dem Fall gar nichts zu tun hatte. Eine andere Meldung hatte den Inhalt, dass Unbekannte mit einem Opel-Kapitän in irgendeinem Rheinbacher Hotel abgestiegen seien, mit Täterbeschreibungen und allem. Also auch hier musste natürlich die Polizei hinterhergehen. Im Bergbereich von Rehmagen hat sich ein Waldarbeiter gemeldet, der von Unbekannten bedroht worden sei. und es gab auch mysteriöse, anonyme Anrufe bei der Polizei. Jedenfalls berichtete die Presse damals darüber, um mal einen zu zitieren. Mr. X sozusagen hat bei der Polizei angerufen und denen wohl erzählt, ihr habt zwar den Wagen, aber den Täter findet ihr nie. Also da haben sich sicherlich dann auch Leute wichtig gemacht. Was vielleicht noch ein interessanter Nebenaspekt ist, der erwähnenswert ist, ist, dass Konrad Adenauer damals ja der Wahlkreisabgeordnete in Bonn war Und der hat dann tatsächlich schon am Tag nach der Tat den Familien der beiden Ermordeten jeweils 1000 Mark gespendet. Mit den Ermittlungen wird sich ja auch die Frage nach einem Motiv gestellt haben. Aber das erscheint, wenn ich das richtig verstehe, bis auf weiteres total unklar, ne?
Von Anfang an gibt es keine Hinweise darauf, dass zum Beispiel Raub das Ziel gewesen sein könnte. Auch Hinweise auf eine vorangegangene Auseinandersetzung, also Dorfrivalitäten oder sowas, die gibt es nicht. Und es scheint tatsächlich so zu sein, dass diese Fensterscheiben offenbar völlig wahllos beschossen wurden, oder? Ja, also den Eindruck konnte und musste die Polizei auch gewinnen.
Und deswegen ist sie auch sehr schnell auf die Hypothese gelangt, dass sie es hier mit, ich zitiere mal in den damaligen Worten, gemeingefährlichem Rauditum zu tun hat. Also man ging davon aus, das sind irgendwelche Gelegenheitsverbrecher, die ja auf Deutsch gesagt mal die Sau rausgesessen haben. Aber auch einfach nur Verbrechen verüben, um sie zu verüben offensichtlich. Ohne Sinn und Verstand, sagen wir es mal so. Und das hat natürlich in der Öffentlichkeit nicht gerade zur Beruhigung beigetragen, denn die liefen ja frei rum und man konnte davon ausgehen, dass sowas ja jederzeit dann wieder passieren konnte. Also die Leute können sich ja noch nicht mehr in ihrem eigenen Zuhause sicher gefühlt haben, wenn da Leute im eigenen Wohnzimmer sitzen oder sogar im Bett liegen und dann wird das auf einmal beschossen, das ist schon heftig. Ja, DNA-Analysen gibt es ja 1958 noch lange nicht. Und bis auf die Autos und die Patronen hielten sich die Spuren ziemlich in Grenzen. Wie ging die Polizei dann vor? Ja, also man hat im Grunde das gemacht, was man später vielleicht im übertragenen Sinne als Rasterfahndung bezeichnen würde. Für die Polizei war relativ schnell klar, die Jungs, die haben nicht zum allerersten Mal hinter einem Steuer gesessen. Die konnten Autofahren, was 1958 nicht selbstverständlich war. Und vermutlich hatten sie auch nicht zum allerersten Mal Autos gestohlen.
Die Polizei hat dann erstmal den möglichen Täterkreis auf jüngere Männer ab 16 Jahren herunter korrigiert, hat sich in Waffen- und Sportgeschäften erkundigt, ob da vielleicht Waffen weggekommen, gestohlen, verschwunden sind. Und man wusste, es hatte zuletzt in Bonn und in Bad Godesberg tatsächlich eine massive Serie von Autodiebstählen gegeben. Da war in der Presse damals die Rede von 130 Fällen. Und in vielen Fällen waren auch gerade Opel das Objekt der Begierde gewesen. Man vermutete also stark, dass hier ein Zusammenhang bestehen könnte und hat dann das Naheliegende gemacht. Man hat alle erdenklichen Autodiebstähle aus der Zeit davor auf den Tisch gelegt und hat nach Parallelen gesucht, die in irgendeiner Weise mit dieser Amokfahrt in Verbindung gebracht werden könnten. Also es gab dann eine Großfahndung erst im Stadtbereich und Landkreisbereich Bonn, die sich dann auch ausgedehnt hat in Richtung Köln.
Und insbesondere in Bonn hatte man den Blick auf den südlichen Bonn, also sprich Südstadt, Kästchenich, Dottendorf, weil es dort in der Zeit davor besonders viele Autoliebstähle gegeben hatte. Jedenfalls arbeitete die Kripo auf Hochtouren, die hatten sechs Arbeitsgruppen gegründet, die sollten nichts anderes machen, als einen ganz bestimmten Kreis von Jugendlichen auf ihr Alibi für die Tatnacht zu überprüfen. Es gab Hausdurchsuchungen, es gab vorläufige Festnahmen.
Teilweise waren diese Arbeitsgruppen auch noch aus Köln von der Kölner Kripo personell unterstützt und verstärkt worden. Und das Ganze war flankiert von einer Großfahndung in ganz Westdeutschland, die über Presse, Funk und Fernsehen kommuniziert wurde. Das lief also ganz groß, denn man darf ja auch eines nicht vergessen, die Tat geschafft unmittelbar vor den Toren der damaligen Bundeshauptstadt. Bei einer Pressekonferenz der Bonner Polizei am Donnerstag, den 26. Juni, also ein paar Tage nach der Tat, legte die Polizei dann weitere Informationen offen. Nicht nur die Autos waren gestohlen, sondern mutmaßlich auch die Tatwaffen. Die Polizei glaubte, dass zumindest das Kleinkalibergewehr erst kurz zuvor in den Besitz der Täter gekommen war, weil bei der Ausführung eine gewisse Lust zu erkennen war, das Ding auszuprobieren. Wo haben sie das denn her? Die Polizei hat dann etwas gemacht, was nicht unbedingt die Regel in der polizeilichen Öffentlichkeitsarbeit ist. Sie haben sich auf das Feld der Psychologie begeben und haben vor Publikum mal so ein bisschen spekuliert.
Möglicherweise war das auch Taktik, um vielleicht... Dadurch Täter aus der Reserve zu locken und eventuell zur Nachahmung zu provozieren, das spekuliere ich jetzt allerdings. Jedenfalls hat die Polizei damals in der Pressekonferenz dargelegt, dass sie davon ausgehe, dass sich der Tätervorsatz im Laufe dieser Amoknacht gesteigert habe. Also erst hat man auf eine Schaufensterscheibe geschossen, dann auf Fensterscheiben und Lampen und schließlich dann eben auch auf Menschen. Und die Polizei hat auch gesagt, dass sie davon ausgehe, dass den Tätern gar nicht bewusst gewesen sein muss, dass sie da eine tödliche Waffe mit sich führen. Was bemerkenswert ist, dass die Polizei sowas in der Pressekonferenz sagt. Und das sind ja eigentlich eher Aspekte, die dann in einem Strafprozess entscheidend werden, was dann auch später genauso kam. Aber kann es nicht sein, dass sie damit den Tätern irgendwie suggerieren wollten, vielleicht kommst du hier mit einer milden Strafe davon, weil du wolltest ja niemanden töten oder so? Also wenn man die Berichte von damals liest, dann sieht man schon auch sehr starke Unterschiede in der polizeilichen Arbeit und Öffentlichkeitsarbeit gegenüber heute. Gleichzeitig sieht man aber auch, dass sich vieles nicht verändert hat. Was noch interessant war, also das kam in dieser besagten Pressekonferenz zum Tragen, dass die Polizei tatsächlich bestimmte Straftaten mit der Amokfahrt konkret in Verbindung brachte, aufgrund von Spurenlagen, nämlich ein Sexualdelikt, kommen wir später noch kurz zu.
Einbrüche unter anderem in Niederzissen und Oberzissen, also da sind wir schon weit im Broltal, also im nördlichen Rheinland-Pfalz, bis hin zu dem Raub eines Erdbeerkörbchens, weil sich daran ein Schuss auf einen Motorradfahrer anschloss. Und das war damals entsprechend Polizei aktenkundlich geworden. Man muss dazu sagen, dass in Niederzissen damals tatsächlich ein Kleinkalibergewehr oder mehrere Kleinkalibergewehre aus einem Geschäft gestohlen worden waren.
Und die Polizei ist dann auch weiterhin tätig geblieben und hat also tatsächlich mehrere junge Leute in den südlichen Bonner Stadtvierteln festgenommen und befragt, festgesetzt und für ordentlich Wirbel gesorgt. Also das ist ja auch für Jugendliche, die da leben, wahrscheinlich keine leichte Zeit gewesen, weil irgendwie scheint sich ja doch so eine Art Generalverdacht dann gegenüber manchen da gefestigt zu haben. Und dann sind es doch immer wieder falsche Spuren und falsche Verdächtige sozusagen. Und man kann dann ja auch im Generalanzeiger von damals nachlesen, wie der, was ich genauso gut verstehen kann, wie der Unmut in der Bevölkerung steigt und mit ihm natürlich auch der Druck auf die Polizei, da endlich jemand zu fassen. Und plötzlich kommt dann ja die erleichternde Nachricht, die Täter sind gefasst. Tja, tatsächlich. Bloß waren es leider die Falschen. Ja, schade. Man hatte aufgrund von Indizien, die scheinbar zu passen schienen, war man auf die Spur zweier junger Burschen gekommen. Die hießen beide mit Vornamen Peter. Die hat man dann auch, wie die anderen alle, vernommen und verhört. Und die haben dann erstmal ganz gepflegt, diese Amokfahrt gestanden.
So, jetzt wusste die Polizei ja, diese Amokfahrt hatte auch was mit anderen Straftaten aus der jüngeren Vergangenheit zu tun. Und diese beiden geständigen Peters, die hatten zwar gestanden, dass sie diese Amokfahrt unternommen haben, haben aber nichts über die anderen Taten gesagt. Die haben sie also verleugnet und auch eine Tatwaffe wurde bei ihnen nicht gefunden. Und dann verstrickten sie sich in Widersprüche. Da reden wir über solche Sachen wie das sogenannte Täterwissen.
Die Polizei war sich in bestimmten Einzelheiten zum Ablauf der ganzen Angelegenheit sicher, aber die deckten sich nicht mit dem, was diese beiden Geständigen da erzählt haben. Also die haben wahrscheinlich ihre Infos aus den Medien gehabt und haben das dann wiedergegeben, mutmaßlich. Ja, das haben sie tatsächlich hinterher auch so zugegeben. Das klingt nach einem Dilemma für die Polizei. Also sie haben da geständige Täter sitzen oder mutmaßliche Täter. In der Öffentlichkeit wird suggeriert, der Fall ist aufgeklärt. Und das große Aber, das interessiert dann in so einem Fall erstmal nicht so richtig, oder? Ja, es hatte eine gewisse Tragik. Also auch da gab es eine Pressekonferenz zu der Festnahme. Aber da ging leider der Hinweis in der Sensationsmeldung über die Festnahme leider unter, dass Beweismittel fehlen und die Bevölkerung weiterhin um Mithilfe gebeten wird. Was ich überhaupt nicht kapiere, ist, warum diese beiden Peters sich da selbst bezichtigen. Was ist das Ziel? Also das wusste damals keiner so genau. Das ist auch nie aufgearbeitet worden, zumindest öffentlich. Also ich mutmaße, es war wichtig, Tuerei.
Und wie schon gesagt, die haben später ihre Geständnisse dann auch widerrufen und zugegeben, ihr Wissen nur aus der Presse und lustigerweise auch aus den Vernehmungen selbst abgeschöpft zu haben. Also nicht ganz so professionelle Polizeiarbeit teilweise. Ja, in gewisser Weise nein. Aber was noch kurios ist, ist, dass die wahren Täter, die dann später gefasst wurden, später berichtet haben, sie hätten die Nachricht von der Festnahme dieser Täter nur für eine Finte der Polizei gehalten, um sie in Sicherheit zu wiegen. Und was man noch zu der Verhaftungswelle und den Razzien sagen kann, die dann damals durch Bonn wehte, dass die Bonner Kripo insofern schon damals erfolgreich war, als sie gewissermaßen als Beifang vier Autoliebstähle aufklärte und mehrere Autos, die ich überführen konnte.
Weil natürlich dann die Autodiebe sehr schnell auf den Standpunkt gerieten. Hört mal, liebe Leute, also wenn ihr mir jetzt hier einen zweifachen Mord anhängen wollt, dann gebe ich aber lieber mal hier meine Autodiebstähle zu. Ja, klingt logisch. Und damit sind wir dann jetzt quasi bei den echten Tätern angelangt, ne? Genau, also hier können wir zumindest mal ihre Vornamen lüften. Man muss dazu sagen, dass auch die klaren Nachnamen damals durch die Presse und durch die Öffentlichkeit gingen. Aber aus Gründen des heute geltenden Pressekodex beschränken wir uns heute mal auf die Vornamen. Es handelte sich dann, wie es sich herausstellte, um zwei Brüder, nämlich Willi und Heinz und ihren Cousin Fritz. Und alle drei hatten einen Nachnamen, der mit A beginnt. Und die wurden am 21. August 1958 dann von der Bonner Kripo festgenommen. Wie ist die Polizei denen denn jetzt doch noch auf die Schliche gekommen? Genau, es hat also knapp zwei Monate gedauert und es war so, dass sich offensichtlich jemand bei der Polizei gemeldet hat und erzählt hat, dass jemand von dieser Familie im Besitz einer ganz bestimmten Decke gewesen sei. Diese Decke hatte bei den Fahndungsaufrufen schon eine Rolle gespielt, weil sie offenbar dazu gedient hatte, das Gewehr einzuwecken. Das muss eine auffällige rote oder bunte Decke gewesen sein, die mehrere Zeugen beschrieben hatten.
Jetzt muss man dazu auch sagen, dass diese Familie schon bei dieser Großfahndung auch schon ins Visier der Polizei gekommen war, aber da hatte die Polizei keine Auffälligkeiten bemerkt. Die sind also sozusagen durchs Raster durchgefallen und ja, plötzlich kam also diese ominöse Decke ins Spiel. Die Polizei hat sofort eine Hausdurchsuchung organisiert und dann eben auch dabei verschiedenstes Diebesgut entdeckt. Also diese Hausdurchsuchung hätten sie besser mal etwas früher gemacht, denn unter anderem fiel ihnen ein Rasierapparat in die Hände. Jetzt kann man fragen, was hat ein Rasierapparat damit zu tun? Aber der war wohl verpackt in einem oder lag in einem Etui, dem er aufbewahrt wurde, das aber nicht zu dem Apparat selber passte. Und das ist den Ermittlern irgendwie aufgefallen, das fanden die komisch, haben sich das mal näher angeguckt und haben dann in dem Etui einen Zettel, also eine Art Zertifikat, Waffenzertifikat gefunden für ein Kleinkalibergewehr. Genau dieses Gewehr war von einem Händler als gestohlen gemeldet worden und kam auch als potenzielle Tatwaffe in Betracht.
Also insofern, das war der entscheidende Schritt bei den Ermittlungen. Was ich übrigens nirgendwo gelesen habe, ist, ob der Hinweisgeber, der die Polizei auf diese Decke gebracht hat, tatsächlich auch diese 5000 D-Mark Belohnung bekommen hat, die ja eingangs ausgesetzt worden war. Ja, das würde mich auch interessieren. Ja, sowas ist ja dann meistens eher mit Diskretion behandelt. Was wurde denn über diese Familie A. bekannt? Naja, zunächst mal wurde deutlich und plötzlich wurde klar, dass es die Polizei hier gar nicht mit zwei, sondern mit drei Tatverdächtigen zu tun hatte.
Aus heutiger Sicht ist es ein bisschen merkwürdig, das nachzulesen, weil die familiären Verhältnisse und die Persönlichkeiten der Verdächtigen auch in der Öffentlichkeit, in der öffentlichen Verhandlung sowieso, das ist ja auch heute noch so, aber auch in der Presse relativ breit ausgewälzt wurden. Was man sagen kann, ist, dass der Willi, der als Haupttäter, also als potenzieller Schütze dann geführt wurde in dem Prozess, dass der 24 Jahre alt war zur Tatzeit. Sein Bruder Fritz war zwei Jahre jünger und der Cousin, der Heinz, das war der Fahrer des Wagens, war altersmäßig genau zwischen den beiden, also 23 Jahre. Die Familie lebte im Bonner Norden.
Die Stadt Bonn war ja noch nicht so groß. Die lief so langsam nach Norden entlang der Kölnstraße in Richtung Hersel aus. Und dann muss es wohl an der Kölnstraße eine Barackensiedlung gegeben haben, wo diese Familie A wohnte. Die Familienverhältnisse müssen wohl nicht ganz so einfach gewesen sein. Und die Väter oder die Familien beider, also sowohl der Brüder als auch des Cousins, beide Väter betrieben einen Schrottplatz jeweils irgendwo da oben im Bonner Norden. Also ich habe irgendwo gelesen, der Vater sei Trinker gewesen. Gut, da wurde natürlich dann auch in der damaligen Zeit dann gerne eins und eins zusammengezählt. Und da ist man dann auch in den Medien natürlich schnell mal abgestempelt. Was auf jeden Fall wohl verbirgt ist, ist, dass die beiden Brüder eine Lehre absolviert hatten und als Kraftfahrer gearbeitet haben und der Cousin keine Ausbildung hatte. Und das Brüderpaar, das waren zwei Kinder aus einer Familie, die insgesamt acht Kinder hatten und bis auf so kleinere Delikte vorher nicht großartig Polizei bekannt waren. Aber, und auch das war dann im Prozessthema.
Die wussten natürlich als Schrotthändler, wie man ein Auto knackt und wie man mit dem Auto umging und waren gerne schon in ihrer Jugend immer affin gegenüber Motoren, fuhren alle drei Motorräder und hatten sich wohl auch hin und wieder mal von der Tante für Spritztouren ein Auto geliehen. Tja, und diese Affinität zum Autofahren, also ganz besonders zur Marke Opel, sollte ihnen dann später auch zum Verhängnis werden. Offensichtlich.
Und das Auto der Tante hat dann ja nicht mehr gereicht, ne? Genau, also da musste dann was Größeres her. Und die Masche, die sich im Prozess herauskristallisierte, war die, dass sie mit einem Auto aus der Verwandtschaft, also von der Tante oder von den Eltern, an den Stadtrand gefahren sind. In der Stadt sich irgendwo ein Auto organisiert, also sprich geklaut haben, eine Spritztour unternommen haben und später mit einem eigenen Wagen wieder nach Hause gefahren sind. Also die wussten auch, was sie tun. Die waren nämlich immer explizit vorsichtig, haben Handschuhe getragen, Spuren verwischt und haben auch den Willi, das war der einzige, der nicht vorbestraft war, immer vorgeschickt, um das Auto zu knacken. Und haben im Grunde unterm Strich eine gepflegte einjährige Serie von Autoliebstählen hingelegt, die sich vor dieser Haupttat dann ereignet hat. Und irgendwann wurden ihnen dann diese Spazierfahrten zu langweilig, deswegen erfanden sie ein neues Spiel. Ja, und das neue Spiel war dann mit Gewalt verbunden, wie wir gehört haben. Ja, also das fing laut den Ermittlungsakten im November 1957, also ein gutes halbes Jahr vor der Amokfahrt an. Da ging das damit los, dass man in Schuld an der Ahr im Vorbeifahren mal die Scheibe einer Kneipe mit einem Stein eingeworfen hat. Das gleiche haben sie dann wenige Tage später in Merten mit dem Schaufenster eines Elektrogeschäfts gemacht, wo sie dann nebenbei noch Teile der Auslage mitgehen ließen.
Und ja, also schon richtig kriminell, muss man sagen, wurde es dann Anfang 1958. Da haben sie eine Tour in den heutigen Grenzbereich Grafschaft Meckenheim unternommen und haben in Gehlsdorf erst eine Feldscheune angezündet, die war voller Stroh. Der Schaden wurde dann auf 30.000 D-Mark beziffert. Und am anderen Ende des Dorfes haben sie noch eine weitere Scheune in Brand gesetzt, in der Getreide gelagert war. Dort belieb sich der Schaden auf 65.000 DM. Später sind sie dann gefragt worden, was sie sich denn dabei gedacht haben. Und haben gesagt, das fanden sie spannend. Und wir dachten, das zahlt ja die Versicherung.
Eine andere Geschichte gibt es noch über den Heinz A., der Anfang 1958 am Steuer eines gestohlenen Opel-Kapitänen fast erwischt worden ist von der Polizei. Aber der entzog sich der Kontrolle und hat sich dann mit der Polizei eine hübsche Verfolgungsjagd bis ins Ahrtal geliefert, die er auch gewonnen hat. Denn wie gesagt, der Opel-Kapitän, der konnte schon was. Offensichtlich. Das war dann wohl ein bewährtes Mittel sozusagen. Und das Ganze zeugt ja auch von einer gewissen Abgebrühtheit, was die da veranstaltet haben. Und es ist nicht das einzige Beispiel dafür, wie dreist diese Familie gewesen sein muss, also diese drei Typen. Bereits 14 Tage nach dieser Amokfahrt wäre die Polizei den dreien fast schon auf die Schliche gekommen. Da war nämlich Fritz A. in ihr Visier geraten. Ja, das ist eine irre Geschichte, denn der Fritz A. Ist tatsächlich vorläufig festgenommen worden, weil er wegen dieses Lederjacken-Diebstahls in Oberzissen festgenommen wurde oder verdächtigt wurde. Ich glaube, ich hatte vorhin nicht erwähnt, dass bei diesen Diebstählen im Broltal in Oberzissen Lederjacken gestohlen worden waren. In Niederzissen waren es ja die Gewehre gewesen. Und er hatte aber Glück, weil ihn bei einer Gegenüberstellung niemand wiedererkannte. Dann ist er also wieder laufen gelassen worden.
Und ja, die waren schon dreist. Die haben also wenige Wochen später, also drei Wochen nach der Amokfahrt, waren die nachts schon wieder unterwegs, haben ein Motorrad geklaut, um sich dann die brauchbaren Teile für ihre eigenen Maschinen auszubauen.
Und ein paar Tage später haben sie das dann nochmal gemacht, waren dabei, die gestohlene Maschine in der Müllgrube bei Sechtem auszuschlachten, sind dann eher praktisch erwischt worden, weil ein Lastwagen vorbeikam und die Insassen sie sozusagen überrascht und beobachtet haben und haben sich dann natürlich auch die Nummern von diesen jungen Leuten notiert. Naja, und dann haben die sich überlegt, was machen wir denn jetzt? Und haben einen ganz raffinierten Trick angewendet, haben das eigene Motorrad mit absichtlich geknacktem Schloss in dieser Müllgrube liegen gelassen. Auf der gestohlenen Maschine sind sie dann zu dritt nach Hause zurückgefahren und haben am nächsten Tag Diebstahlsanzeige erstattet. Und ja, die Polizei wusste ja, dass da irgendwas gewesen ist in dieser Müllgrube und hat dann sozusagen die drei Gangster zu ihrem Motorrad wieder zurückgebracht und hat denen das dann wieder verschafft. Wahnsinn. Die Polizei hatte sozusagen schon Begegnungen mit genau denen, die sie wochenlang gesucht hat. Also die müssen sich irgendwann ziemlich sicher gefühlt haben eigentlich.
Waren sie aber nicht und dann beginnt ja auch der Prozess vor dem Bonner Schwurgericht und zwar am 10. Oktober 1960, das ist also mehr als zwei Jahre nach dieser Amok-Fahrt. Und das öffentliche Interesse, das kann man sich vorstellen, das war riesig. Der Generalanzeiger berichtet von weit über 100 Menschen vor dem Landgericht. Ein Drittel der Zuschauer muss aus Platzgründen draußen bleiben und wir hören jetzt nochmal einen Auszug aus der damaligen Berichterstattung.
Fünf Minuten lang durften sich die drei Bonner Autogangster gestern Morgen trotz ihrer Handschellen als Stars fühlen. Dann betrat das Schwurgericht den Saal und die Blitzlichter erloschen. Einer der größten Bonner Prozesse in der Nachkriegszeit konnte beginnen. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind die Brüder Willi und Fritz A. sowie ihr Vetter Heinz A. Für zwei Morde, einen Mordversuch, 50 Autodiebstähle, neun Einbrüche, ein Fall von Notzucht, einen Raub, fünf Körperverletzungen und drei Brandstiftungen verantworten.
Das ist eine eindrucksvolle Auflistung. Aufmerken lässt vor allem der Fall von Notzucht. Was hat es denn damit auf sich? Ja, zunächst die eindrucksvolle Auflistung bezieht sich natürlich nicht komplett auf die eine Amokfahrt in jener Nacht. Also man hatte vielmehr mit der Verhaftung dieser drei in ein Wespennest gestochen und sie dann im Zuge der Ermittlungen auch allerlei anderer Taten überführt. Eben auch dieser sogenannten Notzucht, muss man wissen, das ist im Grunde nichts anderes als eine juristische Bezeichnung für Vergewaltigungen und wenn ich richtig informiert bin, ist die auch in der Juristerei erst 1998 in Vergewaltigung geändert worden. Was die Tat selber angeht, da weiß man nicht viel drüber. Das war wohl so, dass das Opfer ein minderjähriges Mädchen war und deswegen war die Öffentlichkeit damals während dieses Prozessteils ausgeschlossen. Man erfährt allerdings in der Urteilsbegründung, und das ist schon bedrückend, dass es sich wohl um eine dreifache Notzucht, also eine dreifache Vergewaltigung dieses einen Mädchens gehandelt hat, der eine Entführung vorausgegangen sei. Alles Weitere kann man sich im Grunde nur ausmalen.
Aber gerade diese Tat hat dann das Gericht in der Gesamtwürdigung auch dazu veranlasst, nochmal herauszustellen, dass man es jetzt hier nicht mit Delikten von Halbstarken zu tun hatte, die mal eben über die Stränge geschlagen sind, sondern dass das eben schon ein sehr hohes kriminelles Potenzial war, das da gehoben wurde. War das denn quasi die Verteidigungsstrategie der Angeklagten, zu sagen, ja, wir sind ja nur Halbstarke, die da irgendwie ein bisschen übertrieben haben oder wie lief das? Ja, im Großen und Ganzen schon. Sie haben während der polizeilichen Ermittlungen, also noch vor dem Prozess, wohl so agiert, dass sie erstmal alles geleugnet haben, alles abgestritten haben. Dann haben sie alles zugegeben, aber nicht die Amokfahrt. Und das hat dann einen gewissen Prozess gedauert, einen gewissen Zeitraum über ein paar Wochen gedauert, dass sie nacheinander ein umfassendes Geständnis abgelegt haben. Ja, Also unter anderem halt diesen Diebstahl der Gewehre und unterm Strich waren es dann wohl 70 einzelne Straftaten, die dann in die Ermittlungsakte Eingang fanden. Also das Entscheidende war letztlich in der Strategie, dass sie zwar alles zugegeben haben, aber der zentrale Punkt der gesamten Hauptverhandlung waren natürlich die beiden Todesfälle. Und da haben sie durchgehend jede Tötungsabsicht von sich gewiesen und bestritten und haben gesagt, sie hätten das nur gemacht, um Leute zu erschrecken, also nur so. Und ja, nach dem Motto, es wird schon gut gehen.
Okay, damit sind wir wieder bei den Waffen, denn die haben ja bestimmt eine zentrale Rolle in der Hauptverhandlung gespielt. In der Tat, es hat sich dann in der Verhandlung herausgestellt, dass das Trio bereits seit Ende Mai 1958, also 2019, mehrere Wochen vor der Tat im Besitz von Waffen gewesen ist und dass sie diese Waffen auch regelmäßig ausprobiert haben. Das ist dann entscheidend gewesen, auch natürlich für die Feststellung, inwieweit sie die Wucht ihrer Geschosse auch überhaupt bewerten konnten. Also es stellte sich halt heraus, sie hatten dann mal irgendwo in der Vorbeifahrt in Bornheim-Walldorf durchs Fenster eines heiligen Häuschens geschossen.
Hatten da irgendeine heiligen Figur die Hand abgeschossen und in Hersel ins Schaufenster einer Landmaschinenfirma geschossen. Und ja, dann kommen so Kleinigkeiten zur Sprache, wie beispielsweise, dass sie dann dabei extra den Motor aufgedreht haben, also dass jemand aufs Gaspedal gedrückt hat, damit man den Schuss nicht hört. Und auch hier kann man den Akten entnehmen, dass sie von der Durchschlagskraft der Waffen selbst überrascht gewesen seien. Und das ist natürlich dann ihnen zur Last gelegt worden, dahingehend, dass sie offensichtlich Kenntnis davon hatten, dass diese Dinger gefährlich waren. Also juristisch ist das eben immer, im Strafrecht kommt es immer sehr auf den sogenannten subjektiven Tatbestand an und man muss eine Tat nicht nur wollen, sondern es ist eben auch die Frage, das ist so eine Abgrenzung zwischen Eventualvorsatz und bewusster Fahrlässigkeit, dass man eine Tat eben für möglich hält und billigend in Kauf nimmt, dass dabei was passiert. Oder dass man die Tat für möglich hält. Aber ...
Einfach darauf hofft, dass nichts Schlimmes passiert. Wird schon gut gehen, ja. Genau, wird schon gut gehen, das Zitat fiel ja. Und es ist dann eben dahingehend entscheidend, möglicherweise hat es ihn auch einen Strafverteidiger angeraten, weil sich die Frage, wie es dann ausgelegt wird, natürlich dann eben auch aufs Strafmaß auswirkt. Und hier in dem Falle war der Vorsitzende Richter, der Landgerichtsdirektor selbst, der hatte den schönen Doppelnamen Herbert Schulz Flugbeil. Und es war nicht das Einzige, was der Hauptverhandlung eine gewisse Aufmerksamkeit zusicherte, denn in juristischen Fachzeitschriften sogar war von Sensationsprozess die Rede und ja, wie gesagt, wir befinden uns halt auch einfach in der damaligen Bundeshauptstadt. Was hat die Öffentlichkeit im Gerichtssaal denn dann erfahren über den genauen Ablauf dieses 23. Juni 1958? Natürlich wurde das Vorspiel des Abends ausführlich nachgezeichnet. Es muss wohl so gewesen, dass die drei zu einer Spielhalle gefahren sind, erst mal in Bonn. In irgendeiner Wirtschaft haben sie dann Bier zusammen getrunken, sind dann losgefahren, erst mal mit dem... Mit dem Lastwagen des Vaters, dann sind sie umgestiegen auf die gestohlenen Opel und das Kleinkalibergewehr, das haben sie dann später erzählt, hätten sie mitgenommen, um damit Lampen auszuschießen. Das war wohl der Plan.
In der Beweisaufnahme kamen auch Einzelheiten zur Sprache, die die ganze Tragik der Geschichte zum Ausdruck bringen. Zum Beispiel in Arzdorf, das hat dann ein Gutachter erzählt.
Ist wohl die Kugel am Hosenknopf des Opfers abgeprallt. Und zwar so unglücklich, dass sie vom Gürtel sozusagen oder vom Hosenknopf in die Beinschlagader gedrungen sei. Und das ist dann auch etwas, was natürlich dann der Schwiegervater dabei war, auch gar nicht richtig entdecken und sehen konnte.
Ja, bei der Tötung in Odendorf, da ist ihnen die Sache wohl richtig mulmig geworden, das haben sie dann erzählt, weil sie vor den kräftigen Bauern, die dabei waren, kurzen Prozess zu machen, auch richtiggehend Angst bekommen haben und der Schütze, der Willi, hat dann später auch dargestellt, dass er einfach Angst gehabt habe und die Nerven verloren hat und auf der Fluchtfahrt dann auch gesagt hat, ja, wenn jetzt hier alles schief geht, dann bin ich jetzt ein Mörder. Was noch interessant ist, dass die in ihrer wilden Flucht ja dann mutmaßlich über Rheinbach und Meckenheim zurück in Richtung Bonn gefahren sind. Und ja, damals gab es ja noch nicht die Autobahn, also man ist dann über die Dörfer gefahren und mutmaßlich oben aus Richtung Merl, Röttgen in Richtung Ippendorf gefahren. Und ja, man kennt das da, zwischen Röttgen und Ippendorf verläuft ja das Katzenloch-Bachtal, also ein tiefer Taleinschnitt mit einem Bach, der da durchfließt. Und da haben sie wohl angehalten und die Tatwaffe zertrümmert, haben die also auf dem Boden zerschlagen und die dann in Einzelteilen in den Katzenlochbach geschmissen und sind dann abgehauen und nach Hause gefahren. Aber auch die drei hatten natürlich den GA gelesen und wussten, was passiert war hinsichtlich der Ermittlungen.
Und wie das dann oftmals so ist als Täter, man kennt das aus Krimis, man hat natürlich keine Ruhe. Und dann sind sie am Sonntag darauf nochmal zum Katzenlochbach gegangen und haben dort gesehen, dass Teile des Gewehrs in den Ästen einer Weide hängen geblieben waren. Die da also fröhlich, baumelnd noch am Baum hingen und konnten dann auch logischerweise auch die Spuren noch verwischen und hatten auch bestimmtes Diebesgut- und Einbruchwerkzeug in der Zwischenzeit dann eben irgendwo verstecken können. Ja, sie hatten ja genug Zeit.
Was würdest du sagen, welche weiteren Punkte jetzt im Verlauf dieses Prozesses noch von zentraler Bedeutung waren? Ja, das waren einmal natürlich die Gutachten der Sachverständigen, was die Wirkung der Waffen anging, also sprich, wie tödlich kann so ein Kleinkaliber auf eine bestimmte Distanz wirken und es waren letztlich natürlich auch die Zeugenaussagen in der Hauptverhandlung. Also zum Beispiel wurden die ganzen jungen Leute vor Gericht befragt, die am Abend in der Wirtschaft, in Winterscheid in Odendorf anwesend gewesen waren. Oder auch ein 56-jähriger Tanzlehrer aus Bad Neuenahr, der dann eben erzählte, wie er auf der Straße bei Oberdrehs in seinem Auto beschossen worden war. Das war derjenige, der da zum Opfer wurde, als die drei auf das vorbeifahrende Auto geschossen haben. Also diese Geschichte beispielsweise, die gewann dann eigentlich erst im Prozess nochmal eine gewisse Dramatik, weil offensichtlich eine Kugel in den Fensterrahmen des Autos eingeschlagen war und am Kopf der auf dem Beifahrersitz sitzenden Frau des Tanzlehrers eingeschlagen war. Und dann von dort aus gegen den rechten Vorderstreben, also heute würde man das als die A-Säule bezeichnen, dagegen geprallt ist von dort zurück und später dann tatsächlich auf dem Polster des Rücksitzes gefunden wurde. Wahnsinn, ja.
Jetzt gibt es noch einen Ortstermin, da rollt also quasi eine Kolonne von fast 30 Autos das Gericht, das da eben über die Taten befinden soll, an die drei Orte, an denen die schwersten Taten geschehen waren. Arzdorf, Gehlsdorf und Odendorf. Also da sind eben Richter, Staatsanwälte, Geschworene, Protokollführer, Angeklagte, Verteidiger und natürlich die Presse dabei. Und wir schauen mal wieder in den Generalanzeiger von damals und lesen Folgendes.
Das Gewehr im Hüftanschlag ging Willi A. einige Schritte über die Straße. Mitten auf der Kreuzung blieb er stehen. Von hier aus habe ich geschossen. 20 Meter von dieser Stelle entfernt war am 23. Juni 1958 der Landwirt Albert G. tot zusammengebrochen. Gestern Morgen stand an seinem Platz ein Wachtmeister der Justiz. Im strömenden Regen und umringt von zahlreichen Neugierigen versuchte das Schwurgericht, sich von den äußeren Umständen der Tat einen Eindruck zu verschaffen. In Arzdorf, Geldsdorf und Odendorf wurden die Vorgänge der Mordnacht rekonstruiert.
Wie wurde dieser Tag denn damals reflektiert, dieser Ortstermin? Vielleicht sage ich mal kurz, dass es genau diese Pressefotos waren, die damals bei diesem Ortstermin entstanden waren, die Anlass für mich waren, Interesse zu wecken an dem ganzen Fall. Denn man sah also auf den Fotos diesen Willi mit einem Gewehr im Anschlag und um ihn herum standen Männer mit Anzügen und Trenchcoats und guckten sich das Ganze an. Also das war einfach ein Hingucker, wie man heute sagt. Man hatte tatsächlich auch nicht nur die Presse- und Protokollführer und so weiter im Schlepptau, sondern hatte auch den originalen Opel-Kapitän mit im Schlepptau. Den hatte man sich besorgt und mitgenommen, obwohl der inzwischen längst jemand anderem gehörte. Der war auch schon umlackiert, aber man wollte halt eine möglichst authentische Szene im Original nachstellen. Und deswegen musste der Willi auch noch mal genau die Position aus der Tatnacht einnehmen und sollte halt genau darstellen, wo er wie stand. Weil ja unter anderem zu klären war, wie weit er von den Opfern entfernt war. Und daraus versuchte das Gericht entsprechend natürlich auch Fragen nach der Absicht oder nach der Möglichkeit der Tötung Aufschluss zu gewinnen, weil zu dem Zeitpunkt galt er ja auch... De Jure noch weiterhin als Verdächtiger, als Beschuldigter.
Problematisch war beispielsweise zum Zeitpunkt der Hauptverhandlung, dass der einzige Augenzeuge der Tat in Arzdorf, nämlich der Schwiegervater, nicht mehr lebte, der war zwischenzeitlich verstorben. Und in Gehlsdorf, da kamen dann die Anwohnerinnen ins Spiel, die da beschossen worden waren. Die mussten nochmal genau erklären, was sie gesehen und gehört hatten. Und in Odendorf, da war wohl das größte Publikum, also da muss wohl ein richtiger Dorfauflauf entstanden sein, was natürlich gerade auch für Angehörige, aber auch sicherlich für die Angeklagten jetzt nicht unbedingt besonders angenehm war. Abschließend hat man noch einen Schlenker in diese Müllhalden und Kiesgruben gemacht, wo die drei Angeklagten vorher ihre Schießübungen durchgeführt hatten, weil man auch da natürlich gesehen wollte, wie habt ihr denn hier geschossen und worauf? Was habt ihr als Zielscheiben benutzt? Und auch da wollte man nochmal genau sehen, wie ist denn die Wirkung der Waffe auf diese Distanz? Sprich.
Inwieweit konntet ihr aufgrund eurer Übungen davon ausgehen, dass ihr da was Gefährliches macht? Und du konntest es dir natürlich nicht nehmen lassen, da jetzt selbst nochmal hinzufahren. Du bist also selbst vor Ort gewesen, hast dir diese Tatorte angesehen. Was war denn dein Eindruck da? Ja, klar, nach so langer Zeit ist jetzt natürlich nicht mehr so viel Recherchematerial zu erhoffen. Deswegen habe ich einfach mal aus dem Mut der Verzweiflung heraus, bin ich die Strecke nochmal abgefahren. Also soweit das nachvollziehbar war, um auch die zeitliche Distanz nachvollziehen zu können. Und ich muss sagen, das ist schon sportlich. Also ich habe es natürlich unter den heutigen Verkehrsbedingungen, die man berücksichtigen muss, nicht in der Zeit geschafft. Und du bist auch nicht mit einem Opel Kapitän gefahren? Nee, ich bin nur mit einem alten Benz gefahren. Aber naja, also es war auf jeden Fall anspruchsvoll. Und ich habe diesen Wettlauf gegen die Zeit dann auch aufgegeben, weil ich ja auch eigentlich was anderes wollte. Ich wollte mir einen Eindruck verschaffen, wie man eben in solchen Orten ankommt und wie man die wahrnimmt. Ja, und dann hat mich tatsächlich auch mein Reporterglück nach Arzdorf begleitet, dahingehend, dass ich dort mal an der Straße gefragt habe, ob dieser Vorgang, dieser Vorfall von damals hier noch jemandem was sagt. Und dann traf ich einen jungen Bauern, der hat mich dann zu seinem Opa geführt. Und dieser 91-jährige Anwohner, der...
War sehr freundlich, möchte aber namentlich nicht genannt werden. Aber der konnte sich noch sehr gut an diese Nacht und an die Tage danach erinnern. Unter anderem wusste er zu berichten, dass die Beerdigung unter sehr, sehr großer Anteilnahme des Dorfes stattgefunden hat, weil das Opfer auch aktives Mitglied der Feuerwehr war. Und wie das dann eben so ist, dann ist natürlich das ganze Dorf und die Feuerwehr auf den Beinen. Und entsprechend groß war natürlich die Betroffenheit, gerade ja auch, weil dieser Mann in Arzdorf sieben Kinder hatte. Sie wissen ja, wie das denn so ein Dorf ist. Andern und Moinste, Heiler, auch vor dem ganzen Ort. Wie kann das passieren? Oder warum? Oder aus welchem Grund?
Ja, da wird ja geredet und da geredet. Warum ist der erschossen worden? Der hat doch keinem was gemacht. Ja, dieser ältere Herr, den wir da gerade gehört haben, Der hat dich ja auf eine weitere Spur gesetzt. Ja, tatsächlich. Und zwar hat er mir erzählt, dass tatsächlich die Tochter dieses Opfers G ebenfalls noch in Arzdorf lebt. Und zu der habe ich mich dann durchgefragt. Tatsächlich habe ich sie auch in ihrem Haus angetroffen. Die Dame war damals, als das passierte, also als ihr Vater getötet wurde, 13, ist heute 80 Jahre alt. Und sie sagte mir, sie möchte eigentlich lieber nicht über die Ereignisse sprechen, weil das dann alles wieder hochkommt und warum ich denn an diesen alten Geschichten rühren wolle. Interessant war, dass ihre Tochter noch dabei war, auch sagt ja ihr Großvater, über den wir da ja sprechen, der sei halt eben damals an diesem 23. Juni einfach, man kann sagen, zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen und das hat natürlich die Familie auch mitgebracht.
Immer wieder begleitet und beschäftigt. Die ältere Dame, die damals 13-jährige Tochter des Opfers, hat mit sich gerungen, ob sie doch erzählt. Und hat mir auch in Aussicht gestellt, sie wollte sich noch mal bei mir melden, nach einer gewissen Bedenkzeit. Erzählte aber beispielsweise eben auch, dass man damals mit dem Finger auf sie gezeigt hat. Nach dem Motto, das ist die Tochter, der Vater ist ermordet worden. Und das sei eine sehr schwierige Situation für sie gewesen. Sie sei auch nie gerne und nie zum Tanzen im Ort gegangen, sei dann lieber nach Rheinbach gefahren, weil ihr das einfach unangenehm war, weil die Leute hätten heute Netflix und früher hätten sie eben sowas dann eben im Grunde als Unterhaltungsprogramm dann eben auch genutzt. Ja, leider.
In Odendorf hast du auch jemanden getroffen, der etwas beitragen konnte. Ja, in der Tat. Und zwar waren mir da die Kollegen der Lokalredaktion behilflich, die mir den Namen einer Maria Michels nannten, die in Odendorf ja im Grunde als das wandelnde Gedächtnis des Ortes bekannt ist, die also auch gerne als Zeitzeugin zur unmittelbaren Nachkriegsgeschichte zur Verfügung stellt. Ja, und auch sie konnte mir einiges erzählen.
Wütend waren die Leute, ja, und man war zum Teil auch erschrocken, was mal bei uns passiert. Haben Sie selbst den Matthias *** gekannt? Ach ja, sicher. Das war ein alter Odendorfer. Ein Sohn von dem war ein Jahr unter mir in der Klasse. Der hatte zwei Jungs. Und der Jüngste, der hat sich nachher noch, dem seine Mutter war, die war schon gestorben, an Krebs war die Frau gestorben früh. Und der Jüngste Sohn hat sich nachher noch da unter den Zug gelegt. Das war schon ein Drama.
Und wir kommen jetzt zum Ende des Prozesses, über den wir sprechen. Die Forderung der Staatsanwaltschaft wurde laut Generalanzeiger von damals in einem dreistündigen Plädoyer vorgetragen. Die Anklage beantragte für alle drei lebenslange Haftstrafen wegen gemeinschaftlichen Mordes. Es sollte keine mildernden Umstände geben, die Taten seien, Zitat, roh und gemein gewesen. Die Angeklagten hätten keine Moral und keine Wertmaßstäbe gekannt. Insbesondere in Bezug auf die Tötung dieses Gemeindedieners Matthias F. In Odendorf seien sie des Mordes überführt worden, weil sie vorsätzlich aus niedrigen Beweggründen und um eine Straftat zu verdecken, getötet hatten. Im Falle des Landwärts G. hingegen sei ein Mord nicht nachweisbar. Im Falle des Schusses auf diese Hausfrau in Gehlsdorf sah die Staatsanwaltschaft einen versuchten Mord, zumal die Kugel ihren Kopf nur knapp verfehlte. Wir erinnern uns, das war die Frau, die da sich aus dem Fenster gelehnt hatte. Die Sachverständigen hatten dargestellt, dass eine Schwenkung des Laufs nur um wenige Millimeter ausgereicht hätte, um ihren Kopf zu treffen. Die Angeklagten folgten diesem Plädoyer ohne erkennbare Regung. Die Verteidigung stand den Ausführungen der Staatsanwaltschaft, zumindest was die Dimension der Redezeit betrifft, in nichts nach. Die haben nämlich insgesamt sechs Stunden lang plädiert.
Kurz gesagt, die haben die Tötungsabsicht der Angeklagten bestritten und haben also eigentlich von sich gewiesen, dass einer ihrer Mandanten wegen Mordes verurteilt werden könnte. Also Körperverletzung mit Todesfolge, das war so das Höchste, wo sie mitgegangen sind. Dann kamen halt diese Sachen wieder ins Spiel. Die Angeklagten hätten sich durch Leichtsinn, Machtwillen, Geltungssucht zu den Verbrechen hinreißen lassen. Man versuchte so ein bisschen auf diese halbstarken Nummer abzustellen. Eigentlich hat man das so in den Kontext gestellt, dass das ja eigentlich der übliches Gebaren in dem Alter sei. Grenzenloser Leichtsinn. Ja, also man hat das im Grunde, wie das gute Verteidiger natürlich machen, auch versucht, alles ein bisschen runterzuspielen und von diesem direkten Vorsatz zu der Tat wegzukommen. Ja gut und wie das üblich ist, natürlich haben die Angeklagten auch ein Schlusswort eingeräumt bekommen und der Willi A. Hat dann auch wörtlich gesagt, dass er einsehe, dass er eine hohe Strafe verdient habe und was ihn am meisten bedrücke, Zitat, ist die Tatsache, dass durch meine Schuld viele Kinder ihren Vater verloren haben. Ich wollte, ich könnte es wieder rückgängig machen.
Der Fritz A. bezeichnete die Vermutung als unrichtig, dass sie nach ihrer Entlastung neue Straftaten begehen würden. Erst nach seiner Verhaftung habe er erkannt, wie viel Leid unschuldigen Menschen durch sie zugefügt worden sei. Und Heinz schloss dann mit den Worten, mir tut es leid, was wir gemacht haben, auch das, worüber wir früher gelacht haben. Geholfen hat diese späte Reue den Angeklagten dann aber nicht. Nee. Und was mir auch aufgefallen ist, das wäre heute doch wirklich unüblich, war, dass das Urteil an einem Samstag gesprochen wurde. Ich glaube nicht, dass Gerichte samstags heute arbeiten. Nee. Also habe ich noch nie in der heutigen Zeit gehört. Naja, jedenfalls wurden Sie an diesem Samstag zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.
Besser noch, sie wurden zu Zuchthausstrafen verurteilt. Die gab es nämlich bis in die 70er Jahre in Deutschland. Und die waren meistens mit Zwangsarbeit, kann man sagen, also mit schwerer körperlicher Arbeit zumindest verbunden. Allen drei wurden die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt. Das gibt es heute auch nicht mehr. Gibt es heute auch nicht mehr. Und was mindestens, also was sicherlich auch geschmerzt hat, auch wenn es de facto bedeutungslos geworden war, alle drei erhielten eine lebenslange Führerscheinsperre. Also das Gericht ließ sich auf diese halbstarken Masche nicht ein, das ließ der Richter nicht durchgehen, vielmehr seien die drei erwachsene Menschen gewesen, die in geordneten Verhältnissen lebten und am Wohlstandskomfort teil hatten. So stand das in der Begründung. Und Zitat, ein innerer Hang, Zitat Ende, habe sie zum Verbrechen getrieben, das sie mit Rücksichtslosigkeit ausgeführt hätten. Ja, wir sind damit am Ende dieser heutigen Episode angekommen.
Jetzt geht der Rüdiger ganz weit weg vom Mikrofon. Da muss er sich ja noch verabschieden. Vielen Dank, lieber Rüdiger, dass du diesen wirklich spannenden Fall mitgebracht hast und den so ausführlich uns erzählt hast. Ja, gerne. Das war also auch für mich mal wieder eine interessante Reise in die Zeit der 50er in Bonn. Ja, also wenn du Lust hast, steig doch gerne nochmal ins Archiv hinab und dann bringst du uns nochmal einen alten Fall mit. Sehr gerne. Euch vielen Dank fürs Zuhören und natürlich bis zum nächsten Mal. Macht's gut. Tschüss.
Das war Akte Rheinland, der GA-Podcast zu Kriminalfällen aus Bonn und der Region. Akte Rheinland ist eine Produktion der Generalanzeiger Bonn GmbH. Redaktion und Moderation Anna-Maria Bekes, Produktionsleitung Andreas Deik. Mitarbeit Sabrina Bauer, Simeon Gerlinger und andere. Sprecher Daniel Dähling.