WEBVTT

00:00:00.017 --> 00:00:04.677
Bevor es gleich losgeht, eine Inhaltswarnung. Crime Daheim ist ein True Crime

00:00:04.677 --> 00:00:07.517
Podcast, in dem wahre Kriminalfälle besprochen werden.

00:00:07.777 --> 00:00:11.757
Hier werden zum Beispiel Mord, Totschlag, sexualisierte Gewalt,

00:00:12.117 --> 00:00:15.457
Gewalt gegen Kinder oder Drogenkriminalität thematisiert.

00:00:15.777 --> 00:00:19.277
Die Details zu jeweiligen Inhalten findet ihr in den Folgenbeschreibungen.

00:00:19.677 --> 00:00:23.517
Wenn das nichts für euch ist, dann überspringt die jeweilige Folge oder hört

00:00:23.517 --> 00:00:24.717
sie zumindest nicht allein.

00:00:25.197 --> 00:00:27.317
Und jetzt geht's los.

00:00:48.111 --> 00:00:51.671
Zufrieren ist etwas, das Berek Goldfeuer kennt.

00:00:52.211 --> 00:00:57.991
Und nicht nur das. Er kennt neben Kälte auch Hunger, Entbehrung,

00:00:58.531 --> 00:01:02.791
Gewalt, Tod, Verlust und tiefe Trauer.

00:01:03.951 --> 00:01:09.951
Berek ist 14 Jahre alt. Er hat keinen Vater mehr und keine Mutter.

00:01:10.431 --> 00:01:14.651
Er hat keine ältere Schwester mehr und auch keinen kleinen Bruder.

00:01:14.651 --> 00:01:18.991
Er hat kein Zuhause mehr. Er hat keine Heimat mehr.

00:01:19.511 --> 00:01:23.371
Es gibt nur noch ihn und seinen älteren Bruder.

00:01:24.071 --> 00:01:29.351
Und doch ist Berek hungrig nach Leben. Sein Lächeln erreicht nach wie vor seine

00:01:29.351 --> 00:01:35.231
Augen, auch wenn Berek fast die Hälfte seiner 14 Lebensjahre in der Hölle verbracht hat.

00:01:37.451 --> 00:01:42.191
Nach der Befreiung aus dieser Hölle ist Berek schließlich über Umwege in Regensburg

00:01:42.191 --> 00:01:45.631
gelandet. Es ist Dezember 1945.

00:01:46.391 --> 00:01:51.311
Der Krieg ist seit einigen Monaten vorbei, doch die Not, die Zerstörung und

00:01:51.311 --> 00:01:53.511
die Zerrissenheit sind größer denn je.

00:01:54.611 --> 00:01:58.791
Beric will hier nicht bleiben. Es ist nur ein weiterer Zwischenstopp für ihn.

00:01:59.291 --> 00:02:04.751
Sein Ziel? Das gelobte Land. Er muss raus aus dem ehemaligen Nazi-Deutschland,

00:02:04.831 --> 00:02:08.831
das ihn verfolgt hat, das ihm seine Familie genommen hat und sein junges Leben

00:02:08.831 --> 00:02:12.031
zerstört hat, bevor es überhaupt richtig begonnen hat.

00:02:14.541 --> 00:02:19.121
Bereg hat sich bei den Behörden angemeldet. Er hat eine Unterkunft in der Zollerstraße

00:02:19.121 --> 00:02:21.721
15 in der Nähe des Bahnhofs zugewiesen bekommen.

00:02:22.241 --> 00:02:27.141
Auch in Sachen Versorgung gibt es einen Hoffnungsschimmer. Ein Bahnbeamter hat

00:02:27.141 --> 00:02:31.081
ihm in Aussicht gestellt, dass er von ihm warme Kleidung bekommen könnte.

00:02:31.941 --> 00:02:36.421
Bereg vertraut darauf. Auch die Anweisung des Mannes, dass er dafür mit ihm

00:02:36.421 --> 00:02:40.821
mitgehen müsse, macht den Jungen nicht stutzig. Die Not ist zu groß,

00:02:41.041 --> 00:02:45.561
um Angebote wie dieses zu hinterfragen oder gar auszuschlagen.

00:02:46.121 --> 00:02:50.261
Nur seinem Bruder und seinen beiden Bekannten aus der Zollerstraße erzählt er

00:02:50.261 --> 00:02:53.601
davon, dass er den Mann an diesem Sonntag treffen will.

00:02:54.201 --> 00:03:01.721
Dann macht er sich auf in die bitterkalte Dezembernacht und kehrt nie wieder zurück.

00:03:05.755 --> 00:03:09.915
Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts Crime Daheim.

00:03:10.095 --> 00:03:13.795
Mein Name ist Steffi Kraus, ich bin Redakteurin für Kriminalität und Justiz

00:03:13.795 --> 00:03:15.755
und die Host dieses Podcasts.

00:03:15.815 --> 00:03:19.615
Hier nehmen wir euch mit auf Spurensuche, erzählen euch neben Spannen in Kriminalfällen

00:03:19.615 --> 00:03:24.275
auch immer die dazugehörigen Hintergründe und sprechen über unsere Recherchen.

00:03:24.975 --> 00:03:31.475
Und heute geht es in unserem Live-Podcast um den Mord an Bergg Goldfeier im Dezember 1945.

00:03:32.615 --> 00:03:37.075
Der Junge war zum Zeitpunkt seines Todes 14 Jahre alt und er hat Zeit seines

00:03:37.075 --> 00:03:40.515
Lebens erfahren, was es bedeutet, von den Nazis verfolgt zu sein.

00:03:40.715 --> 00:03:44.575
Nach seiner Befreiung in einem Außenlager des KZs Auschwitz-Birkenau schien

00:03:44.575 --> 00:03:47.835
es kurzfristig so, als würde sich sein Los verändern.

00:03:48.215 --> 00:03:55.015
Doch als er im Dezember 1945 nach Regensburg kommt, endet sein kurzes Leben gewaltsam.

00:03:55.715 --> 00:03:58.195
Gemeinsam mit Ihnen wollen wir heute Abend darüber sprechen,

00:03:58.355 --> 00:04:00.175
was BEREC zugestoßen ist.

00:04:00.415 --> 00:04:04.895
Und ein Name, der mit den Recherchen in diesem Fall untrennbar verbunden ist,

00:04:05.075 --> 00:04:07.315
ist der von Waltraud Bierwirth.

00:04:07.495 --> 00:04:12.355
Sie ist Journalistin und freie Autorin und hat sich wie keine andere in die

00:04:12.355 --> 00:04:14.955
Aufarbeitung dieses Verbrechens eingearbeitet.

00:04:15.175 --> 00:04:19.055
Und genau deswegen habe ich Sie heute Abend hierhin eingeladen.

00:04:19.355 --> 00:04:23.155
Begrüßen Sie also gemeinsam mit mir Waltraud Bierwirth.

00:04:25.015 --> 00:04:25.595
Vielen Dank.

00:04:30.710 --> 00:04:34.910
Hallo Waltraud, schön, dass du da bist. Erstmal herzlich willkommen auch auf der Bühne.

00:04:36.450 --> 00:04:42.030
Du bist ja untrennbar mit den Recherchen zu dem Fall verbunden und mich würde

00:04:42.030 --> 00:04:42.910
zu Beginn interessieren,

00:04:43.570 --> 00:04:47.530
und hoffentlich auch unsere Zuhörerinnen und Zuhörer, wie du denn überhaupt

00:04:47.530 --> 00:04:52.770
auf den Fall aufmerksam geworden bist und vor allem auch, was dieses Bild im

00:04:52.770 --> 00:04:54.310
Hintergrund damit zu tun hat.

00:04:54.310 --> 00:05:00.850
Und das ist das Grab von Berek Goldfeier, beziehungsweise der Stein.

00:05:01.210 --> 00:05:06.350
Und auf diesem Stein wurde ich aufmerksam, als ich vor zwei Jahren,

00:05:06.530 --> 00:05:11.490
200 Jahre jüdischer Friedhof in Regensburg, hatten wir ein Buch gemacht.

00:05:11.810 --> 00:05:14.950
Es waren noch zwei Autoren mit dabei.

00:05:15.510 --> 00:05:22.870
Und es ist dieser Stein, der mir aufgefallen war, weil er nur in hebräischer Schrift ist.

00:05:22.870 --> 00:05:28.850
Also gemeinsam mit einem Rabbiner habe ich dann diesen Stein,

00:05:28.930 --> 00:05:33.830
haben wir den uns angesehen und er hat den übersetzt und die Übersetzung ist,

00:05:34.090 --> 00:05:37.850
hier ist begraben der Jüngling Jesachdorf,

00:05:38.390 --> 00:05:45.030
Sohn des Simcha Bunem Goldfeier aus der Stadt Bresnici, Polen,

00:05:45.550 --> 00:05:50.890
treuer Pionier seines Volkes und Heimat, durch Mörder im Hinterhalt ermordet.

00:05:51.442 --> 00:05:58.602
Und dann kommt das jüdische Datum am 13. Tevet 5706 in seinem 15.

00:05:58.922 --> 00:06:01.362
Lebensjahr. Also er war 14 Jahre alt.

00:06:01.762 --> 00:06:05.742
Und diese Symbolik der Säule ist ja auch eine besondere. Vielleicht kannst du

00:06:05.742 --> 00:06:07.202
da noch ein Wort dazu sagen?

00:06:07.342 --> 00:06:12.302
Ja, es ist also, wie Sie da sehen, eine abgebrochene Säule.

00:06:12.522 --> 00:06:19.962
Sie steht, symbolisiert ein abgebrochenes Leben. Das ist dann bei den Jungen

00:06:19.962 --> 00:06:26.862
und die Mädchen, da ist die Symbolik auch eindeutig, das ist eine abgebrochene Rose.

00:06:27.802 --> 00:06:33.622
In der Regel steht dann auf den Grabsteinen auf der Rückseite,

00:06:33.702 --> 00:06:38.122
stehen das dann also, wer da begraben ist, in deutscher Schrift.

00:06:38.122 --> 00:06:42.102
Was typisch ist für Grabsteine, ist die Eulogie.

00:06:42.702 --> 00:06:47.462
Also das, was wir jetzt da sehen in dem Mittelteil,

00:06:47.842 --> 00:06:55.082
das ist dann also der Bezug zu dem, was dem Leben, was dem Menschen,

00:06:55.082 --> 00:06:58.562
der da beerdigt ist und da liegt, widerfahren ist.

00:06:59.522 --> 00:07:03.962
Und es ist ja in gewisser Weise auch der Stein des Anstoßes im übertragenen Sinne.

00:07:04.382 --> 00:07:08.722
Er hat dich quasi aufmerksam gemacht und du bist neugierig auf diese Geschichte

00:07:08.722 --> 00:07:12.042
geworden. Wie bist du denn in die Recherche eingestiegen?

00:07:12.342 --> 00:07:16.842
Wie hast du dich in diese Recherche eingearbeitet? Was war dein Anhaltspunkt?

00:07:17.362 --> 00:07:22.142
Also alle, die damals gekommen sind, 1945.

00:07:23.062 --> 00:07:27.682
1946 aus Polen, die erste jüdische Gemeinde, die Jewish Community.

00:07:28.562 --> 00:07:37.242
War eine polnische Gemeinde und sie kamen in der Regel, also zweite Hälfte 45 und 46,

00:07:37.742 --> 00:07:44.882
und vorausgegangen war eine Wiederaufflammung des Antisemitismus in Polen und

00:07:44.882 --> 00:07:50.342
es kamen Tausende aus den Konzentrationslagern, die überlebt.

00:07:51.181 --> 00:07:59.121
Und sie kamen nach Regensburg, weil sie dann auch über verschiedene Routen angesprochen worden waren.

00:07:59.381 --> 00:08:03.681
Und es gab eine Südroute und es gab eine Nordroute.

00:08:04.121 --> 00:08:11.121
Und diese Fluchtbewegung wurde gesteuert mit, also auch von der Jewish Agency.

00:08:11.841 --> 00:08:15.941
Es ist ja so, dass du dich auch mit der Akte auseinandergesetzt hast.

00:08:16.261 --> 00:08:21.441
Mit der Akte, die du im Staatsarchiv gefunden hast. Ja, es ist dann,

00:08:22.121 --> 00:08:26.281
natürlich ging es mir um die Ermittlungsakte, aber erst der erste Faden,

00:08:26.361 --> 00:08:31.201
den ich aufgegriffen habe, das war da, ist es auch noch dokumentiert.

00:08:31.481 --> 00:08:36.441
Es gibt ein großes Konturbuch und da haben sich alle, die gekommen sind,

00:08:36.961 --> 00:08:44.381
also eingetragen und haben dahinter lassen, aus wo sind sie zuletzt gewesen. Was haben sie gemacht?

00:08:44.941 --> 00:08:48.161
Und Beric hatte dazu geschrieben, er war Schüler gewesen.

00:08:48.281 --> 00:08:53.141
Ja, natürlich war er Schüler. Er war aber auch gleichzeitig eben Überlebender

00:08:53.141 --> 00:08:57.221
von zwei Ghettos, nämlich Bresnici.

00:08:58.014 --> 00:09:02.734
Und Lodge. Und Lodge. Da kommen wir dann später noch zu.

00:09:02.974 --> 00:09:08.374
Ich würde Sie gerne mitnehmen und zwar so, wie wir bei Crime Daheim häufig vorgehen,

00:09:08.554 --> 00:09:11.594
denn wir arbeiten ja auch ganz viel mit den Gerichtsunterlagen,

00:09:11.734 --> 00:09:13.314
mit der polizeilichen Akte.

00:09:13.934 --> 00:09:17.754
Immer wenn wir darauf Zugriff haben, versuchen wir das so explizit wie möglich

00:09:17.754 --> 00:09:21.714
zu recherchieren und da sind diese Unterlagen einfach unerlässlich.

00:09:21.954 --> 00:09:25.574
Und deswegen habe ich mir gedacht, wir hangeln uns auch am heutigen Abend an

00:09:25.574 --> 00:09:29.674
dieser polizeilichen Akte, an dieser Ermittlungsakte entlang und ich nehme sie

00:09:29.674 --> 00:09:34.314
einfach Schritt für Schritt mit, weil die Akte relativ viel Aufschluss darüber gibt,

00:09:34.474 --> 00:09:39.674
wie ermittelt worden ist und welche Erkenntnisse oder auch Nicht-Erkenntnisse man gewonnen hat.

00:09:39.854 --> 00:09:43.114
Wir gehen also jetzt Schritt für Schritt in die Aufarbeitung und wie das so

00:09:43.114 --> 00:09:48.654
häufig ist, in der Polizeiakte liegt an oberster Stelle der erste Bericht der

00:09:48.654 --> 00:09:51.634
Kriminalpolizei Regensburg und zwar vom 20.

00:09:51.914 --> 00:10:00.354
Dezember 1945. Es geht eine fernmündliche Mitteilung des Dauerdienstes des Postamts Regensburg ein.

00:10:00.614 --> 00:10:06.894
In der ehemaligen Durchgangspakethalle des Postamts am Bahnhof sei eine Leiche aufgefunden worden.

00:10:07.174 --> 00:10:12.374
Sie soll unter einem Strohsack und von einer Blechtüre verdeckt gewesen sein.

00:10:12.904 --> 00:10:17.284
Drei Kriminalkommissare machen sich auf den Weg zu diesem Fundort.

00:10:17.584 --> 00:10:21.564
Zitat, bei dem Toten handelt es sich um einen etwa 18-jährigen Mann,

00:10:21.844 --> 00:10:26.344
der durch ein Wäschestück in Klammern vermutlich Unterbeinkleid erdrosselt wurde.

00:10:26.704 --> 00:10:33.784
Der Tote trägt keine Ausweispapiere bei sich, deswegen kann er zunächst nicht identifiziert werden.

00:10:34.364 --> 00:10:39.384
Was er allerdings bei sich trägt, sind laut Polizeibericht 1700 Reichsmark sowie

00:10:39.384 --> 00:10:43.344
Rubel- und Slotty-Geldscheine. Es wird die Vermutung vermerkt,

00:10:43.484 --> 00:10:46.824
dass es sich um einen, Zitat, Ausländer handelt.

00:10:47.764 --> 00:10:51.864
Die Leiche wird dann zunächst vom Rettungsdienst zum Zentralfriedhof gebracht.

00:10:52.124 --> 00:10:56.084
Dort soll sie am darauf folgenden Tag um 10.30 Uhr seziert werden.

00:10:56.544 --> 00:11:00.004
Ein Pressebericht wird für die Ausgabe vom 21.

00:11:00.384 --> 00:11:04.644
Dezember 1945 an die Mittelbayerische Zeitung übergeben.

00:11:04.904 --> 00:11:08.304
Überschrift Mord beim Bahnpostamt. Am 20.

00:11:08.504 --> 00:11:13.024
Dezember gegen 10 Uhr wurde in der ehemaligen Durchgangspakethalle des Postamts

00:11:13.024 --> 00:11:18.464
Regensburg II am Hauptbahnhof die Leiche eines etwa 18-jährigen Mannes aufgefunden.

00:11:18.784 --> 00:11:23.144
Der Tod war durch Erdrosselung eingetreten. Die Person des Ermordeten ist bis

00:11:23.144 --> 00:11:25.704
jetzt noch nicht bekannt, Personenbeschreibung.

00:11:26.004 --> 00:11:31.284
Etwa 18 Jahre alt, 1,65 groß, schwächliche Gestalt, dunkelblonde Haare,

00:11:31.504 --> 00:11:34.484
ovales Gesicht, graue Augen, breite Nase.

00:11:34.484 --> 00:11:39.124
Bekleidet war der Tote mit einer blauen Skimütze, schwarz karierten Stutzer,

00:11:39.544 --> 00:11:44.124
grauer Joppe, braunem Oberbeinkleid, grauem Pullover, blau-grauem Hemd,

00:11:44.524 --> 00:11:47.024
grauen Strümpfen und schwarzen Schnürschuhen.

00:11:47.264 --> 00:11:50.624
Das Oberbeinkleid war unten mit einer Schnur zugebunden.

00:11:50.984 --> 00:11:54.924
Der Mord dürfte wahrscheinlich in der Nacht vom 18. zum 19. Dezember in der

00:11:54.924 --> 00:11:57.344
Nähe des Aufwändeorts verübt worden sein.

00:11:57.933 --> 00:12:03.773
Wo wird diese vorbezeichnete Person vermisst oder wer ist mit dieser Person verkehrt oder bekannt?

00:12:04.193 --> 00:12:09.133
Vermutlich handelt es sich um einen Ausländer. Sachdienliche Mitteilungen erbeten

00:12:09.133 --> 00:12:12.693
an die Kriminalpolizei Regensburg und dann folgt eine Telefonnummer.

00:12:13.113 --> 00:12:16.273
Aufgefunden hat die Leiche ein Postschaffner, Heinrich B.

00:12:16.453 --> 00:12:21.253
Er sagt gegenüber der Polizei aus, er arbeitet seit Kriegsende als Schreiner bei der Post.

00:12:21.393 --> 00:12:26.653
Die Baubaracke stehe vor der früheren, jetzt zerstörten Durchgangspakethalle.

00:12:27.213 --> 00:12:31.513
Gegen 9.30 Uhr brauchte er für seine Arbeit einen Pappkarton und sei auf der

00:12:31.513 --> 00:12:34.333
Suche danach unter anderem in die verlassene Halle gekommen.

00:12:34.773 --> 00:12:40.633
An einer Säule und an einem Strohsack lehnend habe er ein Stück blauen Pappkarton gefunden.

00:12:41.053 --> 00:12:45.233
Beim Wegnehmen sieht der Mann ein grünes Hemd und als er das auch wegnimmt,

00:12:45.513 --> 00:12:47.713
kommt ein menschlicher Fuß zum Vorschein.

00:12:48.013 --> 00:12:52.813
Heinrich B. schaut sich die Stelle genauer an, hebt die Blechtüre und den Strohsack

00:12:52.813 --> 00:12:56.033
auf die Seite und findet einen menschlichen Körper.

00:12:56.653 --> 00:13:00.853
Er legt dann die Türe und den Sack wieder zurück, so wie er den Ort vorgefunden

00:13:00.853 --> 00:13:04.513
hat, und erstattet Meldungen über das Auffinden der Leiche beim Obersekretär,

00:13:04.713 --> 00:13:06.893
der das der Polizei dann meldet.

00:13:07.233 --> 00:13:12.913
Am 21. Dezember 1945 kommen dann David K. und David P.

00:13:13.233 --> 00:13:17.833
Freiwillig zur Kriminalpolizei. Sie sagen aus, dass sie die Pressenotiz über

00:13:17.833 --> 00:13:21.393
den Mord in Regensburg in der Mittelbayerischen Zeitung gelesen haben.

00:13:22.173 --> 00:13:26.053
Die beiden nehmen an, dass es sich der Beschreibung des Getöteten nach um ihren

00:13:26.053 --> 00:13:27.873
Freund Benno Goldfeuer handelt.

00:13:28.053 --> 00:13:30.953
Er wird in den Akten eigentlich die meiste Zeit Benno genannt.

00:13:31.133 --> 00:13:35.393
Den hätten sie seit vergangenem Sonntag, den 16. Dezember, nicht mehr gesehen.

00:13:35.673 --> 00:13:40.373
Die Polizei zeigt den beiden jungen Männern die Asservate, die bei dem Toten gefunden wurde.

00:13:40.693 --> 00:13:46.633
Das sind vier Füllhalter, ein Schreibheft, zwei Kamitries, eine Zigarettenspitze,

00:13:46.793 --> 00:13:51.033
zwei Taschentücher und drei Schlüssel. Die beiden identifizieren die Gegenstände

00:13:51.033 --> 00:13:53.313
eindeutig als die ihres Freundes.

00:13:54.279 --> 00:13:58.979
Als Angehörigen hatte der Tote nur noch seinen Bruder Moritz Goldfeier,

00:13:59.179 --> 00:14:03.539
so wird er in den Akten genannt, mit dem er gemeinsam in der Zollerstraße 15

00:14:03.539 --> 00:14:05.179
in Regensburg gelebt hatte.

00:14:05.479 --> 00:14:09.439
Die Freunde sagen weiter aus, dass sie keinerlei Verdacht hegen würden,

00:14:09.699 --> 00:14:11.779
wer Berregg umgebracht haben könnte.

00:14:12.059 --> 00:14:17.739
Die vier Freunde seien erst seit 1. Dezember in Regensburg, also gut zwei bis

00:14:17.739 --> 00:14:20.479
drei Wochen, und hätten keinerlei Feinde.

00:14:21.339 --> 00:14:24.499
Wo Berek am Sonntagabend hingegangen sei, wüssten sie nicht.

00:14:24.599 --> 00:14:28.419
Er habe lediglich Ende der Woche geäußert, dass er Anfang der kommenden Woche

00:14:28.419 --> 00:14:32.119
von einem Bahnbeamten etwas anzuziehen bekommen würde.

00:14:32.419 --> 00:14:35.559
Er müsste zu diesem Zweck mit dem Bahnbeamten mitgehen.

00:14:35.879 --> 00:14:40.659
Der Beamte soll in der unteren Stadt oder außerhalb Regensburgs wohnen und in

00:14:40.659 --> 00:14:43.879
der vergangenen Woche jeweils Dienst bis 22 Uhr gehabt haben,

00:14:44.179 --> 00:14:47.379
weshalb ein Treffen erst in der laufenden Woche stattfinden könne.

00:14:48.339 --> 00:14:53.539
Bere Goldfeier habe ferner eine Nickelarmbanduhr, einen Registrierschein,

00:14:53.739 --> 00:14:57.419
Lebensmittelkarten, Fotos und weiteres Geld bei sich getragen,

00:14:57.879 --> 00:14:59.359
und zwar in einer Brieftasche.

00:14:59.639 --> 00:15:04.239
Außerdem soll er an der linken Hand einen Siegelring mit seinem Monogramm getragen haben.

00:15:04.479 --> 00:15:09.019
Die Unterhose, die er um den Hals hatte, sowie das grüne Hemd seien nicht seine

00:15:09.019 --> 00:15:11.119
eigenen Kleidungsstücke. David K.

00:15:11.299 --> 00:15:15.619
Begleitet die Polizeibeamten dann auch zum Zentralfriedhof, wo die Leiche des

00:15:15.619 --> 00:15:20.199
Jungen mittlerweile vom Rettungsdienst der Sanitätskolonne Regensburg hingebracht

00:15:20.199 --> 00:15:22.659
wurde und identifiziert ihn.

00:15:23.259 --> 00:15:28.219
Der Bruder Moritz Goldfeier, 17 Jahre alt, wird am 21.

00:15:28.519 --> 00:15:32.879
Dezember zur Polizei vorgeladen und bestätigt die Angaben der Freunde.

00:15:32.879 --> 00:15:39.059
Er legt auch den Personalausweis von Breck Goldfeier vor und damit ist die Identifizierung

00:15:39.059 --> 00:15:40.759
des Toten abgeschlossen.

00:15:42.144 --> 00:15:47.844
Die an Ort und Stelle, also am Fundort, vernommenen zwei Postbeamten sowie ein

00:15:47.844 --> 00:15:51.664
Installateur geben an, dass der Strohsack, der auf der Leiche lag,

00:15:51.884 --> 00:15:53.964
Eigentum des Postamts Regensburg sei.

00:15:54.344 --> 00:15:57.844
Bisher habe er in einer Ortspakethalle des Postamts gelegen,

00:15:57.984 --> 00:16:02.684
weil sich darin aber Mäuse eingenistet hatten, wurde der Sack am Montag, den 17.

00:16:02.924 --> 00:16:06.424
Dezember, von einem Mitarbeiter in die Durchgangsposthalle geworfen.

00:16:07.224 --> 00:16:12.864
Der Strohsack wurde zuletzt am Dienstag um 10.30 Uhr auf den Dampfheizkörpern

00:16:12.864 --> 00:16:16.244
liegend gesehen, die in der Durchgangspakethalle lagern.

00:16:16.744 --> 00:16:20.544
Sie werden sich fragen, warum ich das jetzt benenne und warum das wichtig ist.

00:16:20.724 --> 00:16:25.444
Daraus kann die Polizei schließen, dass der Sack erst ab diesem Zeitpunkt zum

00:16:25.444 --> 00:16:29.844
Zudecken der Leiche fungiert haben kann, weil es eben davor Zeugenaussagen gibt,

00:16:29.964 --> 00:16:33.784
wo der Sack eben noch nicht dort lag, wo er letztendlich gefunden wurde.

00:16:34.604 --> 00:16:38.564
Und weiter, weil tagsüber reger Verkehr in der Halle herrscht,

00:16:38.604 --> 00:16:44.064
halten die Beamten es für ausgeschlossen, dass der Mord am helllichten Tag geschehen sein könnte.

00:16:44.944 --> 00:16:48.424
Daraus ergibt sich dann, dass die Tat wohl in der Nacht vom 18.

00:16:48.624 --> 00:16:51.224
Auf den 19. Dezember passiert sein muss.

00:16:51.524 --> 00:16:56.124
In der Reihenfolge der Akte geht es jetzt weiter mit dem Obduktionsprotokoll

00:16:56.124 --> 00:17:00.604
und hier auch nochmal die kleine explizite Warnung. Es geht jetzt um Verletzungen.

00:17:00.884 --> 00:17:05.124
Wir werden aber nicht so explizit darauf eingehen, dass irgendjemand Angst haben müsste.

00:17:05.244 --> 00:17:08.704
Aber wenn Sie empfindlich sind, dann halten Sie sich ganz kurz die Ohren zu.

00:17:08.784 --> 00:17:09.584
Es dauert auch nicht lang.

00:17:10.604 --> 00:17:16.764
Beric Goldfeier wird am 21. Dezember um 16.50 Uhr auf dem Zentralfriedhof Regensburg

00:17:16.764 --> 00:17:18.984
von Dr. Eberhard Emminger obduziert.

00:17:19.164 --> 00:17:24.604
Das Ergebnis ist, die an der Leiche festgestellten Zeichen, besonders die Erstickungsblutungen

00:17:24.604 --> 00:17:30.064
und die Strangulationsfurche, weisen darauf hin, dass der Tod durch Erstickung eingetreten ist.

00:17:30.284 --> 00:17:33.564
Durch die Sektion hätten sich keine Anzeichen dafür ergeben,

00:17:33.724 --> 00:17:39.004
dass der Tod durch eine andere gewaltsame Art und Weise bewirkt worden ist.

00:17:39.821 --> 00:17:42.561
Alles, was Sie jetzt gehört haben, fasse ich noch mal ganz kurz zusammen.

00:17:42.821 --> 00:17:47.801
Also es wird eine unbekannte Leiche in der Nähe des Regensburger Bahnhofs aufgefunden.

00:17:48.081 --> 00:17:51.921
Was wir jetzt besprochen haben, ist die Dokumentation der Auffindesituation

00:17:51.921 --> 00:17:55.221
und es finden auch erste Befragungen durch die Polizei statt.

00:17:55.841 --> 00:18:00.701
Dann haben wir die Veröffentlichung in der Zeitung, woraufhin sich Freunde und

00:18:00.701 --> 00:18:03.541
der Verwandte von Beric Goldfeuer bei der Polizei melden.

00:18:03.781 --> 00:18:07.361
Und dadurch kann auch eine Identifizierung der Leiche stattfinden.

00:18:07.361 --> 00:18:13.061
Und es gibt eine Obduktion der Leiche und es wird die Todesursache festgestellt.

00:18:14.453 --> 00:18:18.973
Ich glaube, das ist ein ganz guter Moment, um jetzt auch mal auf die Biografie

00:18:18.973 --> 00:18:23.233
von Bergg-Goldfeier einzugehen und auf die Familie Goldfeier.

00:18:23.973 --> 00:18:29.773
Und Waltraud, da hast du ja auch viel dazu gemacht und viel recherchiert.

00:18:29.973 --> 00:18:34.853
Wer ist denn die Familie Goldfeier? Wo kommen die her und wer sind die?

00:18:35.113 --> 00:18:41.053
Die Familie Goldfeier stammt also aus Bresnizzi, Birkenstadt.

00:18:41.053 --> 00:18:46.133
Und der Großvater war ein frommer Rabbiner.

00:18:46.773 --> 00:18:53.273
Und diese Familie, die also noch aus dem kleinen Bruder Leonek bestand,

00:18:53.513 --> 00:18:59.133
der Schwester Zippora und eben Mosche, das war der älteste Sohn,

00:18:59.953 --> 00:19:06.113
sie hatten ein gutes Leben und das endete jäh, als dann ab 9.

00:19:06.353 --> 00:19:13.013
September die Nazis, die deutsche Wehrmacht, Polen überfallen hatte und auch

00:19:13.013 --> 00:19:16.433
nach Präsenizikram, wo auch ein Ghetto eingerichtet wurde.

00:19:16.953 --> 00:19:26.073
Dieses Ghetto hat dann auch Gleichkonsequenzen gehabt, weil Kleinkinder und

00:19:26.073 --> 00:19:30.673
Kranke und Alte noch in einer Selektion.

00:19:31.533 --> 00:19:37.993
Dann, die Kinder mussten, also alle, die unter einem Meter 20 waren,

00:19:38.213 --> 00:19:41.993
die wurden dann deportiert nach Chelmo.

00:19:42.613 --> 00:19:48.293
Das war ein Vernichtungslager. Und da war auch dann der kleine Bruder,

00:19:48.653 --> 00:19:51.193
der Zweijährige, der Leonek dabei.

00:19:51.653 --> 00:19:55.093
Die Kinder, das muss man sich sehr gut vorstellen können.

00:19:55.333 --> 00:20:00.113
Es gab Damals, also Chelmo, war ein Gutshof und.

00:20:01.598 --> 00:20:07.018
Dann wurden die Kinder und die Menschen, das sind über 5.000,

00:20:07.298 --> 00:20:12.998
die da an dem Tag so nach und nach auch von Polizisten hingebracht wurden.

00:20:13.458 --> 00:20:18.778
Und sie wurden da reingetrieben, mussten sich ausziehen, wurden dann in einen

00:20:18.778 --> 00:20:23.118
Gaswagen getrieben und der fuhr so lange, bis alle Menschen tot waren.

00:20:23.978 --> 00:20:26.818
Und dann wurden sie in großen Gruben verscharrt.

00:20:27.738 --> 00:20:33.958
Berek und Mosche Goldfeier, also der größere Bruder, er hat immer auf seinen

00:20:33.958 --> 00:20:41.478
klüernen Bruder gut aufgepasst, kamen dann 1942 in das Ghetto von Lodz.

00:20:42.218 --> 00:20:45.518
Lodz war nun auch ein Ghetto.

00:20:47.098 --> 00:20:53.858
Das gleichzeitig in dem 260.000 Menschen, das war die zweitgrößte Stadt,

00:20:54.098 --> 00:20:58.598
damals in Polen gewesen und war ein Textilzentrum.

00:20:59.838 --> 00:21:08.818
Und dieses Textilzentrum war für die deutsche Textilindustrie von großer Wichtigkeit.

00:21:09.698 --> 00:21:17.098
Und da hatte die Familie Goldfeier, sie wohnten da, ich habe das dann bei meinen

00:21:17.098 --> 00:21:22.158
Recherchen festgestellt, aus dem Archiv in Lodz.

00:21:22.158 --> 00:21:27.218
Da ist die Familie Goldfeier auch aufgeführt in dem Kranachweg.

00:21:27.658 --> 00:21:32.038
Aber da würde ich dann später das nochmal ein bisschen genauer erzählen.

00:21:32.038 --> 00:21:41.858
Wichtig ist ja jetzt erst mal, dass es Bereg gelungen war, mit Hilfe seines

00:21:41.858 --> 00:21:45.618
Bruders da in der Kranachstraße zu überleben.

00:21:45.998 --> 00:21:51.318
Und er hatte bei den Razzier, bei den verschiedenen Razzien,

00:21:51.398 --> 00:21:55.518
die vorgenommen worden waren, Glück gehabt, denn hinter einem Schrank in einer

00:21:55.518 --> 00:21:58.958
Wandniste hat er diese Razzien überstanden.

00:22:00.356 --> 00:22:05.696
Also so habe ich es auch recherchiert tatsächlich. Es gibt ja von Mosche einen Bericht,

00:22:06.056 --> 00:22:10.296
wo er quasi nach dem Krieg und nachdem er dann, das können wir vielleicht auch

00:22:10.296 --> 00:22:15.676
schon spoilern, nach Amerika emigriert, eine Zeitzeugendokumentation.

00:22:15.676 --> 00:22:20.076
Also er äußert sich da ja relativ umfassend und sein ganzer Lebenslauf ist ja

00:22:20.076 --> 00:22:26.196
auch auf der Website des Museum of Jewish Heritage dokumentiert und da spricht

00:22:26.196 --> 00:22:30.056
er ja schon relativ ausführlich drüber, über seine Familie,

00:22:30.356 --> 00:22:32.436
über das, dass es eine sehr intakte Familie war.

00:22:32.436 --> 00:22:36.036
Es gibt diese Mutter Miriam, die auch die Familie zusammenhält.

00:22:36.136 --> 00:22:42.736
Der Vater ist eher Geschäftsmann, auch sehr mildtätig, so beschreibt ihn zumindest Mosche im Nachgang.

00:22:43.276 --> 00:22:48.156
Und es ist eigentlich das Abbild einer funktionierenden Familie,

00:22:48.636 --> 00:22:54.076
solange bis dann eben der Krieg und die Nationalsozialisten kommen und diese

00:22:54.076 --> 00:22:56.256
Familie ja im Grunde zerreißen.

00:22:56.256 --> 00:23:01.836
Und sie sind ja auch noch sehr lange in ihrer Wohnung, in ihrem Standort,

00:23:01.916 --> 00:23:07.176
wo sie vorher waren und sie kommen ja dann erst nach Lodz, als sie von den Nationalsozialisten

00:23:07.176 --> 00:23:08.736
dorthin deportiert werden.

00:23:08.936 --> 00:23:12.956
Und da müssen sie natürlich unter den schlimmsten Bedingungen leben.

00:23:12.956 --> 00:23:20.536
Das Leben also in einem Ghetto wie Lodz hing davon ab, ob sie produktiv waren.

00:23:21.276 --> 00:23:28.076
Und der Judenälteste, Chaim Rumkowski, hatte also nur diejenigen,

00:23:28.156 --> 00:23:31.796
die produktiv sind und was schaffen können überleben.

00:23:31.796 --> 00:23:39.636
Das war natürlich, hing dann nicht von, also die Nazis hatten das nicht als Plan,

00:23:39.996 --> 00:23:46.816
sondern die Vernichtung war der Plan und der wurde ja dann auch so verwirklicht,

00:23:46.916 --> 00:23:48.916
wie Himmler sich das vorstellte.

00:23:49.256 --> 00:23:56.996
Und es waren allein also in diesem Ghetto über 2500 Polizisten.

00:23:58.169 --> 00:24:06.929
Und da war auch die dritte und vierte Kompanie, das waren jeweils aus Regensburg,

00:24:07.229 --> 00:24:09.809
sie war auch da im Ghetto gewesen.

00:24:10.509 --> 00:24:16.369
Und sie rüsteten sich damit, also sie waren Hilfspolizisten im Ghetto,

00:24:16.849 --> 00:24:22.989
da lese ich Ihnen mal so ein Stück daraus vor, ein Hilfspolizist,

00:24:23.149 --> 00:24:26.449
wie er so, was er macht in dem Ghetto.

00:24:26.449 --> 00:24:31.489
Ich habe bereits während der Bewachung des Ghettos an verschiedenen Stellen Dienst geschoben.

00:24:31.669 --> 00:24:35.489
Ich habe meinen Dienst immer gewissenhaft ausgeführt und überall,

00:24:35.489 --> 00:24:38.509
wo es nötig war, radikal durchgegriffen.

00:24:38.729 --> 00:24:42.929
Drei Juden habe ich beim Schmuggeln erwischt und auf der Flucht erschossen.

00:24:43.329 --> 00:24:48.129
Außerdem bin ich einmal eingeschritten, als in der Mauergasse ein Polen in der

00:24:48.129 --> 00:24:52.069
Trunkenheit sämtliche Deutsche seines Hauses abschlachten wollte.

00:24:54.568 --> 00:25:00.588
So wie mir zu Ohren gekommen ist, werde ich von den Juden mit dem Spitznamen

00:25:00.588 --> 00:25:03.048
Schießer, auch Satan, genannt.

00:25:03.328 --> 00:25:08.848
Und ich, wie bereits erwähnt, überall radikal durchgegriffen haben und drei

00:25:08.848 --> 00:25:09.908
Juden erschossen haben.

00:25:10.628 --> 00:25:13.788
Überwiegend habe ich meinen Dienst am Kranachweg geschoben.

00:25:14.388 --> 00:25:17.928
In dieser Gegend war es auch, wo ich die Juden erschossen habe.

00:25:18.188 --> 00:25:22.928
Im Kranachweg 3,29 hat die Familie Goldfeier auch gelebt.

00:25:23.048 --> 00:25:30.448
Man muss sich das also dann auch vorstellen, mit welcher Furcht und Angst sie

00:25:30.448 --> 00:25:34.228
dann die Razzien dann über sich ergehen lassen mussten.

00:25:34.708 --> 00:25:40.308
Im Sommer 1944 beginnt dann die endgültige Liquidierung des Ghettos von Lodz.

00:25:40.528 --> 00:25:45.328
Und Mosche und seine Familie konnten sich der Deportation lange Zeit entziehen

00:25:45.328 --> 00:25:51.148
bis zum September, wo eben Mosche und Beric tatsächlich erst mal nach Auschwitz deportiert werden.

00:25:51.148 --> 00:25:56.088
Und da werden sie ja dann von ihrer Mutter und von ihrer Schwester getrennt.

00:25:57.248 --> 00:26:00.988
Dann werden die beiden Brüder in einen Raum gebracht, wo sie sich ausziehen

00:26:00.988 --> 00:26:05.148
müssen, rasiert werden und anschließend zu einer Gruppendusche geführt werden.

00:26:05.408 --> 00:26:09.848
Nach dem Duschen werden sie mit einer Desinfektionslösung übergossen,

00:26:10.148 --> 00:26:14.868
die auf der Haut brennt, wie Mosche es im Nachgang erzählt und sie erhielten

00:26:14.868 --> 00:26:16.388
schließlich etwas Kleidung.

00:26:17.380 --> 00:26:21.000
Mosche versuchte, seine Jacke und Hose mit anderen zu tauschen,

00:26:21.060 --> 00:26:22.560
um etwas Passenderes zu finden.

00:26:22.760 --> 00:26:28.940
Inmitten des Chaos traf Mosche dann mit einem Gefangenen aus seiner Heimatstadt zusammen.

00:26:29.240 --> 00:26:33.480
Der gibt ihm einige Ratschläge, wie er diesen schrecklichen Ort überleben könnte.

00:26:34.300 --> 00:26:38.940
Dank dieses guten Rates gelingt es Mosche und Beric dann, einen Transport in

00:26:38.940 --> 00:26:40.720
ein Arbeitslager namens Friedland

00:26:40.720 --> 00:26:46.540
zu nehmen, das ein Nebenlager des Konzentrationslagers Großrosen ist.

00:26:47.380 --> 00:26:51.560
Sie hatten das Glück, aus Auschwitz herauszukommen, aber von diesem Moment an

00:26:51.560 --> 00:26:55.920
verlieren sie jeden Kontakt zu ihrer Mutter und zu ihrer Schwester und wissen

00:26:55.920 --> 00:26:57.260
nichts über deren Schicksal.

00:26:57.720 --> 00:27:02.240
Während dieser Zeit hört Mosche Gerüchte, dass der Krieg endlich zu Ende gehen würde.

00:27:02.840 --> 00:27:09.060
Im Mai 1945 wandte sich dann der Lagerleiter an die Häftlinge und erklärte,

00:27:09.140 --> 00:27:13.180
dass die Sowjets im Anmarsch seien und die Deutschen das Lager sofort verlassen müssten.

00:27:13.780 --> 00:27:18.660
Mosche bemerkt, dass der Mann nervös ist und ungewöhnlich menschlich wirkt, als er zu ihm spricht.

00:27:19.240 --> 00:27:23.140
Am nächsten Tag waren die Nazi-Wachen dann verschwunden, also rannten Mosche

00:27:23.140 --> 00:27:24.980
und die anderen Insassen in den Wald.

00:27:25.200 --> 00:27:29.360
Und als die sowjetischen Panzer eintreffen, kehren Mosche und Beric ins Lager

00:27:29.360 --> 00:27:32.700
zurück und bekommen dann auch endlich etwas zu essen.

00:27:33.480 --> 00:27:37.240
Danach waren sie auf sich alleine gestellt und frei und wussten aber nicht,

00:27:37.360 --> 00:27:41.520
wohin sie gehen sollten und wie sie nach Hause kommen sollten, wie Mosche erzählt.

00:27:42.658 --> 00:27:46.538
Die Befreiung war für alle Überlebenden schwierig. Viele der Vertriebenen wie

00:27:46.538 --> 00:27:49.858
Mosche und Berrek fanden sich verloren in fremden Orten wieder,

00:27:50.098 --> 00:27:52.618
hungrig, ohne Familie und ohne Habseligkeiten.

00:27:53.058 --> 00:27:57.318
Zumindest hatten Mosche und Berrek aber einander. Sie waren entschlossen,

00:27:57.498 --> 00:27:59.238
gemeinsam den Weg nach Hause zu finden.

00:27:59.558 --> 00:28:01.838
Mosche fand seine Cousine Hanna Rosenberg.

00:28:02.318 --> 00:28:05.998
Als er nach Lodz gelangte und erfuhr, dass seine Mutter und seine Schwester

00:28:05.998 --> 00:28:10.378
in Auschwitz ermordet worden waren, er erfuhr auch, dass sein Vater überlebt

00:28:10.378 --> 00:28:13.678
hatte, das hattest du auch schon benannt, wusste aber nicht,

00:28:13.938 --> 00:28:16.598
wie er mit ihm in Kontakt treten konnte.

00:28:17.318 --> 00:28:22.838
Mosches Cousin war seit der Befreiung nach Bregini zurückgekehrt und berichtete,

00:28:23.078 --> 00:28:26.478
dass es in ihrer Heimatstadt nichts gab, weswegen es sich lohnte,

00:28:26.638 --> 00:28:27.958
dorthin zurückzukehren.

00:28:28.498 --> 00:28:32.718
Mosche erkannte, dass es schwierig sein würde, in Polen zu bleiben und beschloss,

00:28:32.858 --> 00:28:37.378
Europa zu verlassen und zu versuchen, ins Mandatsgebiet Palästina zu gelangen.

00:28:37.378 --> 00:28:43.418
Im Oktober 1945 kamen Mosche und Bereck dann in Regensburg an.

00:28:44.438 --> 00:28:48.318
Vielleicht kannst du noch ganz kurz was sagen zu diesem weiten Weg,

00:28:48.418 --> 00:28:51.418
den die ja dann trotzdem nach der Befreiung auf sich nehmen mussten.

00:28:51.578 --> 00:28:54.758
Und warum haben die jetzt gerade Regensburg als Ziel vor Augen?

00:28:55.238 --> 00:28:58.578
Also das Ganze ist gesteuert worden von der Bricha.

00:28:58.578 --> 00:29:07.138
Die Bricha war eine jüdische Agentur und sie waren schon Ende 1944 in den befreiten

00:29:07.138 --> 00:29:11.218
Gebieten und sie hatten die Fluchtrouten dann auch festgelegt.

00:29:11.218 --> 00:29:16.838
Und deswegen kamen sie gezielt nach Regensburg, weil sie wussten,

00:29:17.218 --> 00:29:25.338
es gibt einmal hier eine Jewish Community und zum anderen wussten sie auch,

00:29:26.238 --> 00:29:28.758
dass sie da unterstützt werden.

00:29:28.758 --> 00:29:35.778
Es gab ja in Regensburg damals auch, das hatte sich sehr schnell herumgesprochen,

00:29:35.978 --> 00:29:42.098
als die kamen auch, dass es hier kein Lager gab, denn das Lagerleben...

00:29:43.010 --> 00:29:49.070
Das wollte keiner mehr. Und sie waren ja dann auch in Lodz erst gewesen und

00:29:49.070 --> 00:29:54.790
haben da festgestellt, ja, da gibt es nichts mehr.

00:29:54.930 --> 00:29:56.590
Es gibt eine besetzte Wohnung.

00:29:56.950 --> 00:30:00.130
Aber sie hatten noch Rücklagen gehabt.

00:30:00.350 --> 00:30:06.950
Und diese Rücklagen hatte sowohl der Berag bei sich als auch sein Bruder.

00:30:07.230 --> 00:30:15.770
Also, nun kam die Familie, Goldfeier kam nun also mit großer Erwartung auch nach Regensburg.

00:30:16.270 --> 00:30:23.450
Sie hatten ja auch Erez Israel, also das gelobte Land, war für sie das Ziel

00:30:23.450 --> 00:30:26.950
gewesen, weil sie ja die Erfahrung gemacht hatten.

00:30:27.670 --> 00:30:34.830
Wir können nur in einem Land leben, das auch unsere Sicherheit bedeutet.

00:30:35.210 --> 00:30:38.230
Und das war von vielen eben das große Ziel gewesen.

00:30:38.830 --> 00:30:43.670
Kannst du nochmal explizit auf diese Situation im Nachkriegsregensburg eingehen?

00:30:43.810 --> 00:30:49.050
Es gibt ja zum Beispiel diese Lager für Displaced Persons, hier in Regensburg ein relativ großes.

00:30:49.290 --> 00:30:53.050
Kannst du diese Situation, diese Wirren, die sich da abspielen,

00:30:53.130 --> 00:30:54.210
noch ein bisschen beschreiben?

00:30:54.650 --> 00:31:02.310
Ja, also es gab in Regensburg damals eine amerikanische Militärregierung, die das besetzt hatte.

00:31:02.310 --> 00:31:10.050
Es gab dann die Umsetzung über die UNRWA, das ist diese Hilfsorganisation,

00:31:10.530 --> 00:31:13.630
die dann auch festlegte.

00:31:15.148 --> 00:31:19.348
Welche Wohnung man hatte dann durch die Amerikaner im Kasernenviertel?

00:31:20.188 --> 00:31:26.928
Also über 1.000 Zimmer beschlagnahmt, Wohnungen auch.

00:31:27.388 --> 00:31:36.268
Diejenigen, die da wohnten, es waren überwiegend dann auch die NSDAP-Mitglieder

00:31:36.268 --> 00:31:43.208
oder wie in der Graf Spähstraße auch NSDAP und Gestapo-Leute,

00:31:43.208 --> 00:31:45.568
die dann ihre Wohnung räumen mussten.

00:31:45.908 --> 00:31:50.188
Und da war der Hass natürlich, der Judenhass enorm hoch.

00:31:51.728 --> 00:31:56.988
Und es war ja nun so, dass die Amerikaner, die amerikanische Militärregierung,

00:31:57.228 --> 00:32:00.208
offenen Judenhass, sofort sanktionierte.

00:32:01.510 --> 00:32:06.270
Und das wussten sie. Und dann gab es natürlich diejenigen, die dann bestimmt

00:32:06.270 --> 00:32:09.290
wurden, Judenpack, Judenschweine.

00:32:09.550 --> 00:32:13.650
Und das ist ja nicht verschwunden gewesen, denn der Antisemitismus,

00:32:13.790 --> 00:32:17.670
der hatte ja dann, der war nur kurz erstickt.

00:32:18.030 --> 00:32:26.790
Und diese Flamme des Antisemitismus war ja nicht vorbei, sondern es wurde dann richtig übel.

00:32:27.530 --> 00:32:33.210
Also es grassiert der Antisemitismus nach wie vor, auch wenn es jetzt eine Militärregierung gibt.

00:32:33.430 --> 00:32:37.810
Es mussten viele, viele Menschen ihre Wohnungen hergeben, damit die geflüchteten

00:32:37.810 --> 00:32:39.950
Juden eine Unterkunft finden.

00:32:40.150 --> 00:32:43.290
Und das hat natürlich in der ganzen Stadt auch für Unmut gesorgt.

00:32:43.430 --> 00:32:47.750
Parallel herrscht natürlich grundsätzlich große Not im Nachkriegsregensburg.

00:32:47.930 --> 00:32:52.270
Es gibt wenig Lebensmittel, eine schlechte Grundversorgung und ja,

00:32:52.410 --> 00:32:56.650
die Stimmung ist relativ im Keller. Wir wollen aber jetzt mal weitermachen und

00:32:56.650 --> 00:32:58.450
zwar mit der Ermittlungsakte.

00:32:58.710 --> 00:33:02.210
Da gibt es nämlich jetzt einen Vermerk, auf den ich Sie gerne aufmerksam wollen

00:33:02.210 --> 00:33:07.170
würde, denn wir wollen ja auch in den Ermittlungen zum Tod von Beric Goldfeier weiterkommen.

00:33:07.650 --> 00:33:13.150
Und zwar ist dieser Vermerk vom 29. Dezember 1945. Da steht,

00:33:13.290 --> 00:33:16.970
aufgrund einer Presseveröffentlichung in der Angelegenheit erscheinen bei der

00:33:16.970 --> 00:33:21.830
Kriminalpolizei zwei Reichsbahnangehörige, Josef J. und Johann W.

00:33:22.110 --> 00:33:27.270
Sie bringen vor, dass das an Benno Goldfeier ausgeführte Verbrechen von dem

00:33:27.270 --> 00:33:29.130
Hilfs-Lokführer Paul H.

00:33:29.670 --> 00:33:35.230
Ausgeführt worden sein könnte. Wir haben also hier den ersten Hinweis auf einen möglichen Täter.

00:33:35.690 --> 00:33:39.250
Als Begründung nennen die Männer folgende Punkte. 1.

00:33:39.670 --> 00:33:43.710
H. sei als Reichsbahnangehöriger nach Eschwege versetzt worden,

00:33:43.870 --> 00:33:46.290
halte sich aber nach wie vor in Regensburg auf.

00:33:46.430 --> 00:33:52.490
Er habe kein festes Einkommen, verkehre in zweifelhafter Gesellschaft und sei nicht gemeldet.

00:33:53.039 --> 00:33:59.739
Zweitens, er sei des Diebstahls von Eisenbahner-Uniformstücken sowie eines Fahrrads verdächtig.

00:33:59.999 --> 00:34:05.319
Und drittens, H. sei vor 14 Tagen in eine Rauferei am Bahnhof verwickelt gewesen.

00:34:05.919 --> 00:34:10.659
Zitat, direkte Hinweise für eine Täterschaft konnten die beiden nicht geben.

00:34:11.019 --> 00:34:14.019
Ihre Annahme beruht lediglich auf Vermutungen.

00:34:14.499 --> 00:34:18.579
Ja, trotzdem wird der Mann von der Polizei ausfindig gemacht,

00:34:18.719 --> 00:34:22.859
vorläufig festgenommen und sogar verhört, seine Wohnung sowie sämtliche Behältnisse

00:34:22.859 --> 00:34:24.579
und Kleidungsstücke werden durchsucht.

00:34:24.779 --> 00:34:28.359
Daraus ergeben sich aber keinerlei Hinweise auf eine Täterschaft.

00:34:28.519 --> 00:34:32.959
Überraschung, schon da stellt sich raus, dass Haar zum Beispiel sehr wohl noch

00:34:32.959 --> 00:34:34.759
offiziell in Regensburg gemeldet ist.

00:34:35.099 --> 00:34:39.419
Außerdem kann er in keinen Zusammenhang mit dem Diebstahl von Eisenbahnuniformen

00:34:39.419 --> 00:34:42.519
gebracht werden oder es kann auch nicht festgestellt werden,

00:34:42.619 --> 00:34:44.559
dass er Beric Goldfeier überhaupt kannte.

00:34:44.799 --> 00:34:49.119
Das Einzige, was er zugibt, ist, dass er sich öfter mal am Bahnhof aufgehalten

00:34:49.119 --> 00:34:53.359
hat, um dort zu essen. Es gibt keine Schlägereien, keine krummen Geschäfte und

00:34:53.359 --> 00:34:57.699
so weiter und die Polizei entlässt ihn nach dieser Vernehmung wieder.

00:34:58.439 --> 00:35:05.799
Der nächste Vermerk ist dann erst vom 4. März 1946, also rund zweieinhalb Monate nach der Tat.

00:35:06.779 --> 00:35:10.899
Bei der Kriminalpolizei meldet sich Paul W., ein Kraftfahrer aus Regensburg

00:35:10.899 --> 00:35:16.839
und sagt aus, Ende des Jahres 1945 sei er am Bahnhof einem gewissen Alfred K.

00:35:17.019 --> 00:35:22.219
Begegnet. Er gab ihm seinerzeit zu verstehen, dass er Angehöriger eines Rollkommandos

00:35:22.219 --> 00:35:23.599
der Militärregierung sei.

00:35:23.839 --> 00:35:27.299
Das Verhalten des Mannes sei ihm äußerst komisch vorgekommen,

00:35:27.479 --> 00:35:30.019
er sei nämlich zugeknöpft und unaufrichtig.

00:35:30.259 --> 00:35:34.259
Er habe über wenige Barmittel verfügt und auf Pump gelebt.

00:35:34.439 --> 00:35:38.439
Als der Mord an Beric Goldfeier bekannt wurde, sei K. plötzlich verschwunden.

00:35:38.859 --> 00:35:43.139
Dass er das Geld dafür hatte, führt Paul W. auf den Fakt zurück,

00:35:43.359 --> 00:35:46.239
dass er an dem Mord an Beric Goldfeier beteiligt war.

00:35:46.859 --> 00:35:50.479
Zitat, meinen Verdacht kann ich zwar nicht näher begründen, ich vermute dies

00:35:50.479 --> 00:35:50.479
jedoch. Zitat, meinen Verdacht kann ich zwar nicht näher begründen,

00:35:50.479 --> 00:35:51.039
ich vermute dies jedoch.

00:35:51.850 --> 00:35:56.990
Alfred K. sitzt zu diesem Zeitpunkt im Amtsgerichtsgefängnis in Regensburg und wird befragt.

00:35:57.210 --> 00:36:01.250
Er gibt an, in dem Zeitraum kurz vor Weihnachten, am 17., 18.

00:36:01.510 --> 00:36:05.390
Oder 19. Dezember, mit einem Mädchen nach Hannover gefahren zu sein,

00:36:05.670 --> 00:36:07.670
wo beide am Heiligabend ankamen.

00:36:07.970 --> 00:36:11.690
K. wollte seine Verwandten suchen, die sich in Hildesheim befinden sollen.

00:36:11.910 --> 00:36:16.170
Er bestreitet, Teil eines amerikanischen Rollkommandos zu sein und auch Beric

00:36:16.170 --> 00:36:21.950
Goldfeier zu kennen. Denn die vernehmenden Beamten halten diese Aussage für glaubhaft.

00:36:22.130 --> 00:36:27.190
Ich möchte mit diesen Vermerken und diesen Aussagen illustrieren,

00:36:27.350 --> 00:36:31.490
dass die Ermittlungen relativ stagnieren, wie sie sehen.

00:36:31.670 --> 00:36:37.190
Man versucht zwar, gewissen Hinweisen nachzugehen, aber wie Sie schon gemerkt

00:36:37.190 --> 00:36:42.190
haben, diese Hinweise sind relativ haltlos und basieren eigentlich auf etwas,

00:36:42.650 --> 00:36:44.370
das es faktisch nicht gibt.

00:36:44.370 --> 00:36:48.310
Ja, also es ist irgendwie aussichtslos, man kommt nicht so richtig weiter,

00:36:48.590 --> 00:36:52.810
man geht diesen Hinweisen zwar nach, aber auch nicht so richtig und irgendwie

00:36:52.810 --> 00:36:56.550
kommt man in dieser ganzen Ermittlung nicht weiter und es kommen immer wieder

00:36:56.550 --> 00:36:59.870
Leute, die sich zwar melden und was zu Protokoll geben,

00:36:59.990 --> 00:37:03.910
aber so richtig hat irgendwie keiner was gesehen und gehört. Ja.

00:37:04.400 --> 00:37:09.140
Ja, und ein Dokument, das möchte ich ganz gerne noch ausklammern,

00:37:09.200 --> 00:37:11.840
ich möchte Ihnen aber nicht verschweigen, dass es da noch eine Zwischenepisode

00:37:11.840 --> 00:37:15.020
in der Akte gibt, da kommen wir aber dann gleich nach der Pause drauf zu sprechen.

00:37:15.240 --> 00:37:20.040
Der Täter in dem Fall Bereck Goldfeier bleibt unbekannt, das Verfahren wird

00:37:20.040 --> 00:37:21.760
deswegen auch bereits am 20.

00:37:22.000 --> 00:37:24.920
März 1948 eingestellt.

00:37:25.300 --> 00:37:30.920
Am 3. Juni 1965 erkundigt sich die Staatsanwaltschaft bei der Kripo Regensburg

00:37:30.920 --> 00:37:33.940
noch einmal, ob es in der Sache inzwischen neue Erkenntnisse gibt.

00:37:33.940 --> 00:37:36.000
Das verneint die Polizei aber.

00:37:36.240 --> 00:37:42.700
Zehn Jahre später, nämlich am 3. Oktober 1975, passiert diese Nachfrage noch einmal.

00:37:43.860 --> 00:37:49.900
Die wird auch wieder verneint. Am 19. Dezember 1945 wird das Ermittlungsverfahren

00:37:49.900 --> 00:37:56.240
gegen Unbekannten endgültig eingestellt, wegen Eintritt der Strafverfolgungsverjährung.

00:37:56.420 --> 00:38:00.320
Sie werden sich jetzt wundern und wahrscheinlich als versierte True Crime Hörer

00:38:00.320 --> 00:38:02.940
wissen Sie auch, dass Mord eigentlich nicht verjährt.

00:38:03.160 --> 00:38:04.940
Aber die Regelung, dass Mord nicht

00:38:04.940 --> 00:38:08.560
verjährt, wurde in Deutschland erst mit Beschluss des Bundestags vom 3.

00:38:08.700 --> 00:38:11.220
Juli 1979 eingeführt.

00:38:11.440 --> 00:38:17.460
Die Änderung durch das Strafgesetzbuch erfolgte, um einer Verjährung von Verbrechen

00:38:17.460 --> 00:38:19.480
während des Dritten Reichs entgegenzuwirken.

00:38:19.660 --> 00:38:24.520
Für den Fall Goldfeier kommt diese Änderung allerdings zu spät.

00:38:25.080 --> 00:38:29.240
Jetzt wollen wir noch auf die Rolle der Kriminalpolizei in dem Fall eingehen.

00:38:29.240 --> 00:38:33.860
Wenn wir sie jetzt gerade schon anhand ihrer Aktenführung ein bisschen kritisiert haben.

00:38:34.120 --> 00:38:38.700
Vielleicht möchtest du noch mal ganz kurz auf die Rolle der Polizei in dem Fall eingehen.

00:38:40.540 --> 00:38:42.980
1936, muss ich ein bisschen ausholen,

00:38:43.800 --> 00:38:49.200
wurde die gesamte Polizei unter das Kommando von Himmler gestellt.

00:38:49.820 --> 00:38:54.360
Es war also so, Kriminalpolizei gleich Gestapo.

00:38:55.623 --> 00:39:02.703
Und die Schutzpolizei, die war nur dann Schutzpolizei, Ordnungspolizei.

00:39:03.163 --> 00:39:08.883
Und da habe ich hier aus Regensburg auch, das war für die Älteren,

00:39:09.043 --> 00:39:13.163
die damit rechnen mussten, eingezogen zu werden zur Wehrmacht,

00:39:13.603 --> 00:39:18.463
manchmal die Möglichkeit gewesen, sich zur Ordnungspolizei zu melden,

00:39:18.623 --> 00:39:20.303
um dem Krieg auszuweichen.

00:39:20.303 --> 00:39:26.523
Hier habe ich eine Liste, alle aus Regensburg von 142,

00:39:27.103 --> 00:39:40.063
die also ausweislich ihren Angaben entweder Gestapo waren, bei der Waffen-SS oder Allgemeine-SS.

00:39:41.083 --> 00:39:46.283
Und natürlich waren sie dann auch Abgeordnet nach Lodz.

00:39:46.623 --> 00:39:53.563
2500 Polizisten und zwei Kompanien, dabei waren eben Regensburger.

00:39:53.923 --> 00:39:58.663
Also ich habe die Personalakten, sehr viele, die bei der Gestapo waren oder

00:39:58.663 --> 00:40:02.823
auch bei der Ordnungspolizei, die waren Massenmörder.

00:40:02.823 --> 00:40:05.563
Und ein Massenmörder war dann

00:40:05.563 --> 00:40:12.203
auch in den 60er Jahren der beliebteste Verkehrspolizist in Regensburg.

00:40:13.790 --> 00:40:20.990
Und dieses Kapitel auch der Regensburger Polizei, das ist nie aufgearbeitet worden.

00:40:21.310 --> 00:40:26.310
Nun waren dann die ermittelnden Polizeibeamten auch in dem Mord,

00:40:26.550 --> 00:40:31.530
in diesem von Anfang an deklarierten Raubmord,

00:40:32.870 --> 00:40:40.370
wobei eben die Frage war, es war ja, der Berreck ist mit einer verkoteten Unterhose

00:40:40.370 --> 00:40:47.530
so eng gewirkt worden, dass er an seinen Erstickungsblutungen starb.

00:40:47.730 --> 00:40:52.370
Für mich waren dann also auch die Bilder in der Ermittlungsakte,

00:40:52.550 --> 00:40:58.730
die ihn dann so schutzlos wie weggeworfen zeigen, die wir ja hier nicht zeigen wollen,

00:40:59.170 --> 00:41:04.410
wo also diese Unterhose an seinem Hals so eng verknotet war,

00:41:05.110 --> 00:41:09.170
dass es wie ein antisemitisches Statement auf mich wirkte.

00:41:10.050 --> 00:41:13.110
Und so war es dann auch gemeint, sehe ich so.

00:41:14.610 --> 00:41:19.310
Und diesen Teil dann auch, dann habe ich mir auch angeguckt,

00:41:19.630 --> 00:41:23.190
wer waren nun die ermittelnden Kriminalpolizisten?

00:41:23.490 --> 00:41:31.530
Es waren, ja, Sturmbahnführer, dann war der Kriminalrat, der dann wieder auch

00:41:31.530 --> 00:41:33.990
darauf klagte, eingestellt zu werden.

00:41:35.035 --> 00:41:41.015
Der war dann Oberstammsturmführer und dann gab es ja hier in Regensburg die

00:41:41.015 --> 00:41:49.895
Gestapo Oberpfalz-Niederbayern und da war Popp derjenige, der also das Sagen hatte.

00:41:50.415 --> 00:41:58.415
Und in der Regensburger Polizei, da war das üblich gewesen, entweder Gestapo,

00:41:58.655 --> 00:42:03.895
Waffen-SS und die waren alle dann in der Waffen-SS, auch die Ordnungspolizisten.

00:42:04.555 --> 00:42:09.175
Also wir haben quasi für die Aufklärung dieses Mordes ein paar stramme Ideologen,

00:42:09.255 --> 00:42:13.675
die sich darum kümmern sollen und auch Menschen, die quasi vorher das Ghetto

00:42:13.675 --> 00:42:18.595
von Lodz bewacht haben und ja mit Sicherheit auch ein gewisses Menschenbild dadurch hatten.

00:42:18.835 --> 00:42:22.995
Und jetzt sollen sie quasi die Seite wechseln und den Mord an einem jüdischen Jungen aufklären.

00:42:23.135 --> 00:42:28.795
Ich glaube, dass da nicht mit dem nötigen Engagement agiert worden ist.

00:42:29.135 --> 00:42:35.515
Ja, das kann man sich wahrscheinlich zusammenreimen. Sie waren alle ideologisch ja geschult worden.

00:42:35.835 --> 00:42:41.895
Sie sind durch diese Kaderschmiede gegangen, sowohl in Dresdner Hellerau als

00:42:41.895 --> 00:42:43.775
auch in Pempli bei Danzig.

00:42:44.175 --> 00:42:49.515
Und sie waren ja, wie Himmlers ihnen befohlen hatte, anständige Männer geblieben.

00:42:49.735 --> 00:42:54.235
Also anständige Massenmörder, muss man so sagen, wenn es sowas gibt.

00:42:54.955 --> 00:42:59.635
Mit dieser Einordnung möchte ich Sie ganz gerne jetzt erstmal in die Pause entlassen.

00:42:59.955 --> 00:43:03.315
Ich glaube, wir müssen alle mal angesichts dieses nicht leichten Themas ein

00:43:03.315 --> 00:43:08.675
bisschen durchatmen und dann werden wir Ihnen verschiedene Theorien präsentieren

00:43:08.675 --> 00:43:10.975
und Vermutungen anstellen,

00:43:11.175 --> 00:43:15.115
wer denn der Täter im Fall Bereg-Goldfeier gewesen sein kann.

00:43:15.115 --> 00:43:18.415
Und da werden wir Ihnen unterschiedliche Ansätze präsentieren,

00:43:18.535 --> 00:43:20.855
die aber auf unseren Recherchen beruhen.

00:43:20.915 --> 00:43:24.715
Und da wollen wir Sie natürlich auch gern teilhaben lassen. Also bis gleich.

00:43:31.254 --> 00:43:35.514
Ja, herzlich willkommen zurück aus der Pause. Ich hoffe, Sie konnten sich gut

00:43:35.514 --> 00:43:38.634
mit Getränken eindecken und konnten auch das ein bisschen sacken lassen,

00:43:38.694 --> 00:43:40.894
was wir Ihnen jetzt gerade präsentiert haben.

00:43:40.994 --> 00:43:44.294
Ich weiß, es ist nicht der leichteste Tobak und es ist auch nicht so leicht,

00:43:44.414 --> 00:43:48.434
dem Ganzen so zu folgen, aber es ist trotzdem wichtig, diesen Kontext zu verstehen.

00:43:49.142 --> 00:43:52.442
Um auch das Gesamte einschätzen zu können.

00:43:52.822 --> 00:43:58.002
Womit wir jetzt weitermachen wollen, das sind die Theorien, die wir beide zu

00:43:58.002 --> 00:44:01.702
einem möglichen Täter im Fall von Barrack-Goldfeier recherchiert haben.

00:44:01.962 --> 00:44:06.382
Und Sie werden sehen, da gehen die Meinungen etwas auseinander.

00:44:06.762 --> 00:44:11.262
Dazu muss ich aber sagen, wir recherchieren natürlich in unserer Funktion oder

00:44:11.262 --> 00:44:13.002
in unserem Beruf als Journalistinnen.

00:44:13.242 --> 00:44:17.342
Wir sind natürlich keine Kriminalistinnen. Also, wie gesagt,

00:44:17.582 --> 00:44:19.242
da gibt es nochmal eine Abstufung.

00:44:19.382 --> 00:44:23.882
Aber wir haben uns bemüht, in diesen Akten Hinweise zu finden und dem Ganzen

00:44:23.882 --> 00:44:28.702
nachzugehen und haben uns natürlich auch über ein Motiv Gedanken gemacht.

00:44:29.122 --> 00:44:32.802
Und wie gesagt, wir sind zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen.

00:44:33.002 --> 00:44:35.222
In manchen Dingen überschneiden sich die Theorien auch.

00:44:35.542 --> 00:44:38.822
Aber lassen Sie sich einfach überraschen von dem, was jetzt kommt.

00:44:38.822 --> 00:44:44.442
Ich starte und zwar mit meiner Theorie zu einem möglichen Täter.

00:44:44.842 --> 00:44:51.442
Und das umfasst etwas, das Sie bereits während meines Vortrages gerade gehört haben.

00:44:51.682 --> 00:44:55.762
Da beziehe ich mich nämlich auf einen Aktenvermerk vom 29. Dezember.

00:44:56.462 --> 00:45:00.862
Sie erinnern sich vielleicht, da kamen zwei Bahnbedienstete zur Polizei und

00:45:00.862 --> 00:45:04.682
melden, dass sie Paul H. für verdächtig halten würden.

00:45:05.102 --> 00:45:10.202
Sie erinnern sich auch, dass es da nicht wirklich einen fundierten Hinweis darauf

00:45:10.202 --> 00:45:13.222
gab, dass Paul H. irgendetwas mit der Sache zu tun haben könnte.

00:45:13.422 --> 00:45:17.402
Aber diese zwei Männer kommen zur Polizei und melden das. Ja,

00:45:17.602 --> 00:45:19.882
viel verdächtiger als dieser Paul H.

00:45:20.122 --> 00:45:26.262
Ist aus meiner Sicht aber einer der beiden, die da zur Polizei kommen und dort vorstellig werden.

00:45:26.602 --> 00:45:32.222
Denn einer der beiden Männer, nämlich Josef J., taucht auch an einer späteren

00:45:32.222 --> 00:45:34.562
Stelle in diesen Akten wieder auf.

00:45:34.722 --> 00:45:37.982
Und das ist jetzt das, was ich Ihnen vorhin vorenthalten habe,

00:45:38.122 --> 00:45:41.902
was ich schon angekündigt habe, dieses eine Blatt, was ich Ihnen quasi nicht

00:45:41.902 --> 00:45:48.562
gleich zu Beginn präsentiert habe. Das ist nämlich ein Hinweis der Kriminalpolizei Basel.

00:45:49.484 --> 00:45:56.064
Die meldet 1953 der Kriminalpolizei in Regensburg, dass sie jemanden in U-Haft

00:45:56.064 --> 00:46:00.824
sitzen haben, also in Untersuchungshaft sitzen haben, der verdächtigt wird,

00:46:01.084 --> 00:46:03.104
zwei Morde begangen zu haben.

00:46:03.484 --> 00:46:08.084
Nämlich zum einen eine Tat in Niederrandsbach im ehemaligen Elsass,

00:46:08.544 --> 00:46:14.124
heute Frankreich, und zweitens in Rien, einem Stadtteil von Basel.

00:46:14.124 --> 00:46:20.864
Die Kriminalpolizei Basel fordert quasi oder gibt den Hinweis an die Kriminalpolizei

00:46:20.864 --> 00:46:25.344
Regensburg weiter, man solle überprüfen, ob dieser Intensivtäter,

00:46:25.544 --> 00:46:29.084
so wird er jetzt natürlich in den Akten nicht genannt, aber das ist damit gemeint,

00:46:29.664 --> 00:46:36.864
der aus Regensburg stammt, nicht auch für ungeklärte Gewalttaten in Regensburg

00:46:36.864 --> 00:46:39.224
verantwortlich sein könnte.

00:46:40.084 --> 00:46:43.804
Und da muss ich jetzt ein bisschen zu meinem Ansatz ausholen,

00:46:44.184 --> 00:46:48.984
denn mich hat einfach bei der Recherche dieses doppelte Auftreten dieses Namens

00:46:48.984 --> 00:46:54.804
in den Akten stutzig gemacht und ich wollte dieser Spur folgen und diesem Namen folgen.

00:46:55.664 --> 00:47:01.744
Und weil diese eine Tat ja in Basel begangen worden ist und auch die Kriminalpolizei

00:47:01.744 --> 00:47:03.204
diesen Hinweis verfasst hat,

00:47:03.724 --> 00:47:08.084
habe ich mir gedacht, da wird es doch in diesem Fall, der da in Basel sich abgespielt

00:47:08.084 --> 00:47:12.144
hat, möglicherweise auch noch Ermittlungsakten zu der Sache geben oder sogar

00:47:12.144 --> 00:47:13.604
Gerichtsakten zu der Sache.

00:47:13.864 --> 00:47:18.224
Und auf gut Glück habe ich dann einfach mal eine Anfrage an das Staatsarchiv

00:47:18.224 --> 00:47:23.184
in Basel gestellt, denn erfahrungsgemäß werden diese Ermittlungsakten in Archiven

00:47:23.184 --> 00:47:25.764
gelagert. und es geht auch immer relativ weit zurück.

00:47:26.044 --> 00:47:29.904
Und da hatte ich schon des öfteren Glück mit dem Staatsarchiv in Amberg und

00:47:29.904 --> 00:47:33.204
dann habe ich mir gedacht, ich ziehe einfach mal die Analogie und stelle eine

00:47:33.204 --> 00:47:35.284
Anfrage ans Staatsarchiv in Basel.

00:47:35.824 --> 00:47:40.244
Und siehe da, da bin ich auf eine sehr findige Mitarbeiterin gestoßen,

00:47:40.344 --> 00:47:42.084
die mich da gerne unterstützt hat.

00:47:42.484 --> 00:47:47.884
Und ich bin genau an das gekommen, was ich haben wollte, nämlich die Ermittlungsakte

00:47:47.884 --> 00:47:51.784
zu diesem Fall in Rien im Stadtteil Basel.

00:47:52.329 --> 00:47:55.809
Das Gleiche habe ich versucht für den Fall in Niederrandsbach,

00:47:56.129 --> 00:48:00.889
also das ehemalige Gebiet Elsass, was heute in Frankreich liegt.

00:48:01.069 --> 00:48:04.649
Und da war es natürlich deutlich schwieriger, an diese Akten zu kommen,

00:48:04.809 --> 00:48:09.249
denn da geht es ja darum, dass da sich die Gebietsansprüche verändert haben.

00:48:09.369 --> 00:48:12.629
Es ist das heutige Frankreich, damals ganz andere Zuständigkeiten,

00:48:12.789 --> 00:48:14.569
nicht klar, wo diese Akten landen.

00:48:14.729 --> 00:48:20.789
Es war eine sehr, sehr intensive Nachfrage, aber auch da habe ich Antwort bekommen.

00:48:20.789 --> 00:48:24.169
Und da werden auch Akten gelagert.

00:48:24.449 --> 00:48:29.909
Aber der Leiter dieses Archivs hat mir leider nur eine negative Nachricht überbringen können.

00:48:30.109 --> 00:48:33.849
Die Akten zu dem Fall in Niederransbach existieren nämlich leider nicht mehr.

00:48:34.189 --> 00:48:38.549
Er hat mir gesagt, dass diese polizeilichen Akten bei ihnen sehr selektiv überliefert

00:48:38.549 --> 00:48:41.569
wurden, dass es gut möglich sein kann, dass es diese Akte einmal gab.

00:48:41.869 --> 00:48:46.249
Aber sie ist leider verschwunden, beziehungsweise er ist sich ziemlich sicher,

00:48:46.349 --> 00:48:47.949
dass diese Akte vernichtet wurde.

00:48:47.949 --> 00:48:52.589
Das war natürlich im ersten Rückschlag in der Recherche,

00:48:52.909 --> 00:48:57.909
aber siehe da, als dann die Akten aus dem Staatsarchiv in Basel wiederum kamen,

00:48:58.209 --> 00:49:03.929
habe ich echt gestaunt, weil da nämlich dieses Verbrechen in Niederrandsbach

00:49:03.929 --> 00:49:10.989
auch dokumentiert ist und da sofort der Querverweis da war zwischen diesen beiden Verbrechen.

00:49:10.989 --> 00:49:14.829
Und so war es nicht so ein großer Verlust, dass ich diese Akten im Fall von

00:49:14.829 --> 00:49:19.709
Niederransbach nicht hatte, denn diese Tat war tatsächlich in diesen Akten aus

00:49:19.709 --> 00:49:21.829
Basel mit dokumentiert.

00:49:22.730 --> 00:49:27.490
Ja, lange Rede, kurzer Sinn. Der Verdächtige in dem Fall ist eben Josef J.,

00:49:27.490 --> 00:49:31.510
der sich bei der Kriminalpolizei in Regensburg auch im Fall von Berek Goldfeier

00:49:31.510 --> 00:49:33.390
als Zeuge hervorgetan hat.

00:49:33.550 --> 00:49:38.090
Und das war quasi mein Ansatz. Und diese Person ist mir so spanisch vorgekommen,

00:49:38.270 --> 00:49:42.850
gerade weil sie auch zweier so schwerer Gewaltdelikte verdächtigt worden ist,

00:49:43.210 --> 00:49:45.810
dass ich dieser Person unbedingt nachgehen wollte.

00:49:47.410 --> 00:49:50.970
Und Sie werden nicht überrascht sein, man sieht ihn hier zwar gepixelt,

00:49:51.130 --> 00:49:56.550
aber das ist Josef J., den Sie hier im Hintergrund sehen und auch die Zeitungsausschnitte,

00:49:56.610 --> 00:50:00.690
die ich dann auch noch herangezogen habe. Das sind Ausschnitte über diese Verbrechen,

00:50:00.830 --> 00:50:02.030
die ich gerade beschrieben habe.

00:50:02.770 --> 00:50:05.810
Diese Zeitungen gibt es heute gar nicht mehr, aber Gott sei Dank gibt es eben

00:50:05.810 --> 00:50:10.650
sehr gute Archive, wo diese alten Ausgaben der Zeitungen noch dokumentiert sind

00:50:10.650 --> 00:50:14.390
und als Journalistin und vor allem Zeitungsjournalistin weiß man,

00:50:14.490 --> 00:50:17.750
dass solche Verbrechen ja auch immer in den Tageszeitungen besprochen werden.

00:50:18.427 --> 00:50:21.387
Und auch da habe ich auf gut Glück einfach mal das Recherchieren angefangen

00:50:21.387 --> 00:50:24.447
und bin eben auf diese Zeitungsberichte gestoßen.

00:50:25.307 --> 00:50:29.687
Lange Rede, kurzer Sinn, ich möchte Ihnen Josef J. etwas näher bringen und was

00:50:29.687 --> 00:50:31.127
ich zu ihm herausfinden konnte.

00:50:32.227 --> 00:50:38.527
Josef J. wird geboren und zwar am 10. Mai 1930 in einer Gemeinde im Landkreis Regensburg.

00:50:38.547 --> 00:50:40.587
Er ist vom Beruf Bauschlosser.

00:50:41.067 --> 00:50:45.407
Von den Eltern wird er relativ früh in eine Erziehungsanstalt gebracht.

00:50:45.407 --> 00:50:48.567
Zitat aus der Nationalzeitung vom 23.

00:50:48.847 --> 00:50:57.347
Januar 1953 zum Raubmörder Josef J., weil er schon in seiner Jugend ein derartiger Tunichtgut war.

00:50:57.707 --> 00:51:02.287
Dort hat er es allerdings nicht lange ausgehalten. Eines schönen Tages verschwand

00:51:02.287 --> 00:51:05.807
er und seither scheint er in der Welt herumzuwagabundieren.

00:51:06.087 --> 00:51:12.267
Das schreibt die Zeitung über ihn. Ja, und dieses Herumwagabundieren führt ihn

00:51:12.267 --> 00:51:16.827
dann aus dem Landkreis Regensburg in die Stadt Regensburg und da ist er sofort

00:51:16.827 --> 00:51:20.107
in den Schwarzmarktkreisen am Bahnhof aktiv.

00:51:20.547 --> 00:51:24.907
Sein kriminelles Handeln dort bleibt aber nicht lange unentdeckt.

00:51:25.747 --> 00:51:33.727
Das erste Urteil gegen Josef J. fällt am 14. November 1946 wegen Amtsanmaßung und Unterschlagung.

00:51:33.907 --> 00:51:38.127
Er wird dann ab Mai 1947 für sechs Wochen untergebracht.

00:51:38.527 --> 00:51:41.747
Das zweite Urteil gegen ihn fällt im August 1947.

00:51:42.707 --> 00:51:48.087
Da wird er wegen Diebstahls vom Militärgericht Regensburg zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

00:51:48.787 --> 00:51:55.267
Er wird dann aber entlassen und zwar, Zitat, wegen völliger Aussichtslosigkeit der Erziehung.

00:51:55.627 --> 00:51:58.887
Für mich auch ein interessanter Grund, jemanden aus der Haft zu entlassen.

00:51:59.247 --> 00:52:03.727
Das dritte Urteil fällt dann im August 1948 wieder wegen Diebstahls,

00:52:03.807 --> 00:52:07.087
wird er da vom Militärgericht Regensburg zu 18 Monaten Haft verurteilt.

00:52:08.007 --> 00:52:12.247
Einen Teil davon wird er sogar auch in der Heil- und Pflegeanstalt in Regensburg

00:52:12.247 --> 00:52:17.147
untergebracht. und da wird er von dem zuständigen Psychiater als Zitat geistesschwach

00:52:17.147 --> 00:52:18.767
von erheblichem Grade beschrieben.

00:52:19.480 --> 00:52:25.340
Seine Spur in Regensburg verliert sich dann zum August 1950.

00:52:25.340 --> 00:52:31.580
Da wird er nämlich durch Vermittlung des Arbeitsamts nach Frankreich polizeilich abgemeldet.

00:52:31.820 --> 00:52:39.160
Er geht also dann 1950 von Regensburg aus nach Frankreich und kommt dann ins Elsass.

00:52:39.160 --> 00:52:43.260
Und da möchte ich Ihnen jetzt diese erste Tat, die da schon angeteasert wird

00:52:43.260 --> 00:52:47.160
im Hintergrund, nämlich den Mord in Niederrandsbach nahe bringen.

00:52:47.880 --> 00:52:53.320
In der Nacht vom 19. auf 20. Januar 1953 wurde in Niederrandsbach,

00:52:53.480 --> 00:52:58.600
heute Frankreich nahe der Schweizer Grenze, damals Elsass, ein Ehepaar nachts

00:52:58.600 --> 00:53:00.040
in seinem Bett angegriffen.

00:53:00.480 --> 00:53:05.560
Alfred F., 62 und seine Frau, 54, betreiben ein Restaurant und ein Geschäft

00:53:05.560 --> 00:53:07.080
für landwirtschaftliche Maschinen.

00:53:07.680 --> 00:53:11.380
Beide wurden schwer verletzt in ihrem Bett aufgefunden. Der Mann starb noch

00:53:11.380 --> 00:53:12.580
auf dem Weg ins Krankenhaus.

00:53:12.680 --> 00:53:16.280
Seine Frau überlebte den Angriff schwer verletzt mit einem Schädelbruch.

00:53:16.640 --> 00:53:22.140
Der Geschäftsmann Alfred F. hatte am Montag einer Tagung bei gewohnt und kehrte

00:53:22.140 --> 00:53:23.780
gegen 20 Uhr nach Hause zurück.

00:53:24.200 --> 00:53:28.800
Gegen 21.30 Uhr begab sich das Ehepaar in das im Erdgeschoss gelegene Schlafzimmer,

00:53:29.140 --> 00:53:32.300
während sich die Kinder in ihrem Schlafzimmer im ersten Stock aufhielten.

00:53:32.840 --> 00:53:36.040
Gegen 3 Uhr morgens wurde ein Nachbar durch Hundegebell geweckt,

00:53:36.040 --> 00:53:40.080
Vom Fenster aus bemerkte er einen Mann, die Dorfstraße herunterkommen.

00:53:40.400 --> 00:53:44.520
Dieser hatte den Kopf vornüber gebeugt, sodass der Nachbar ihn nicht erkennen konnte.

00:53:44.800 --> 00:53:49.200
Was er aber erkennt, ist, dass der Mann in den Hof des Anwesens der Familie

00:53:49.200 --> 00:53:52.060
F geht und in der Dunkelheit verschwindet.

00:53:53.140 --> 00:53:58.100
Um drei Uhr morgens hört die 19-jährige Tochter, die im Zimmer über ihren Eltern

00:53:58.100 --> 00:53:59.520
schläft, ihre Mutter röcheln.

00:53:59.880 --> 00:54:03.540
Sie will das Licht anmachen, aber der Strom funktioniert offenbar nicht.

00:54:03.840 --> 00:54:07.520
Sie weckt ihren Bruder und die beiden gehen im Schein eines Streichholzes ins

00:54:07.520 --> 00:54:08.700
Schlafzimmer der Eltern.

00:54:09.100 --> 00:54:14.020
Dort bietet sich den beiden ein Bild des Schreckens. Die Eltern liegen in ihrem eigenen Blut.

00:54:14.320 --> 00:54:19.460
Sie weisen beide schreckliche Kopfwunden auf. In einem Nebenraum vor einem Kassenschrank,

00:54:19.560 --> 00:54:24.740
in dem sich Spar- und Darlehenskassen befinden, liegt eine blutige Axt, die Tatwaffe.

00:54:25.060 --> 00:54:30.560
Die Untersuchung der Polizei ergibt, dass der Mörder über den Drahtzaun in den Hof gelangt sein muss.

00:54:30.920 --> 00:54:35.300
Von dort begibt es sich durch eine kleine Hintertür in die Garage und von dort

00:54:35.300 --> 00:54:37.120
über einen Kohlenschacht in den Keller.

00:54:38.394 --> 00:54:42.354
Dort findet der Mörder das Beil. Von dort geht er die Treppe ins Erdgeschoss

00:54:42.354 --> 00:54:44.614
und dringt in das Schlafzimmer der Eheleute ein.

00:54:45.074 --> 00:54:48.994
Dort entnimmt er aus der Hosentasche von Alfred F. die Schlüssel zum Kassenschrank.

00:54:49.634 --> 00:54:54.374
Der Mörder muss laut Polizei mit der Örtlichkeit sehr vertraut gewesen sein.

00:54:54.614 --> 00:54:59.154
Ein eingesetzter Polizeihund verfolgt eine Spur bis außerhalb des Dorfes.

00:54:59.154 --> 00:55:03.574
Dort findet die Polizei eine geleerte Handtasche der Frau F.,

00:55:03.574 --> 00:55:07.154
einen 5000-Frannt-Schein und mehrere hundert Franken Scheine,

00:55:07.454 --> 00:55:09.334
die der Mörder verloren haben muss.

00:55:10.274 --> 00:55:16.694
An dieser Stelle finden die Beamten auf längerer Strecke auch Reifenspuren eines Motorrads. Am 21.

00:55:16.954 --> 00:55:20.254
Januar, also einen Tag später, vermeldet die Nationalzeitung,

00:55:20.354 --> 00:55:23.354
der Raubmörder von Niederransbach in Basel verhaftet.

00:55:24.194 --> 00:55:29.534
In Zusammenhang mit dem Mord richtet sich der Verdacht gegen einen 22 Jahre alten Mann aus Bayern.

00:55:29.874 --> 00:55:34.634
Er hatte vor Jahresfrist im Gastwirtschaftsbetrieb der Familie F. gearbeitet.

00:55:35.154 --> 00:55:39.934
Und dieser Mann ist kein Unbekannter, denn ich würde Ihnen diese Geschichte

00:55:39.934 --> 00:55:47.574
jetzt nicht erzählen, wenn er nicht eine Rolle eben in dem Mord an Berag Goldfeier spielen würde.

00:55:48.234 --> 00:55:52.114
Denn der Mann, der verdächtigt wird, den Raubmord an dem Ehepaar F.

00:55:52.174 --> 00:55:54.134
Begangen zu haben, ist Josef J..

00:55:55.319 --> 00:55:59.599
Wir kommen zu seiner Verhaftung. Die Polizei verständigt am Dienstag gegen 11

00:55:59.599 --> 00:56:03.819
Uhr das Kriminalkommissariat in Basel über den Mord in Niederrandsbach.

00:56:04.399 --> 00:56:08.199
Gleichzeitig wurde mitgeteilt, dass ein ehemaliger deutscher Arbeiter,

00:56:08.439 --> 00:56:12.219
der längere Zeit für das Ehepaar F tätig war, verdächtigt wird.

00:56:12.539 --> 00:56:17.479
Über Nachfragen bei den Grenzpassierstellen und der Basler Polizei wird die

00:56:17.479 --> 00:56:19.799
Adresse von Josef J. ausfindig gemacht.

00:56:20.339 --> 00:56:23.559
Weiter ermittelt die Kriminalpolizei, dass J. mit einer Frau,

00:56:23.559 --> 00:56:26.939
die in einer Fabrik in Basel arbeitet, liiert sein soll.

00:56:27.619 --> 00:56:31.719
Weitere Erhebungen der Polizei ergeben, dass J. nie in Basel gemeldet war,

00:56:32.079 --> 00:56:36.019
dass er im Besitz zweier Motorräder ist, die deutsche Kontrollschilder tragen

00:56:36.019 --> 00:56:39.079
und dass er unangemeldet in einem Zimmer in Basel lebt.

00:56:39.459 --> 00:56:43.619
J. pflegt seine Geliebte täglich zu treffen und zwar bei einem Rendezvous am

00:56:43.619 --> 00:56:46.279
Wolterplatz in Basel um 17.30 Uhr.

00:56:46.839 --> 00:56:49.759
Genau am besagten Tag scheint dies aber nicht der Fall zu sein.

00:56:49.899 --> 00:56:52.399
Deswegen kann die Polizei ihn da nicht überwachen.

00:56:52.879 --> 00:56:56.579
Deshalb wird nun sein Zimmer an der Lothringer Straße polizeilich besetzt.

00:56:57.199 --> 00:57:01.699
J. kehrt um 19.30 Uhr in sein Zimmer zurück und wird verhaftet und erst auf

00:57:01.699 --> 00:57:05.539
eine Polizeistation und dann in ein Untersuchungsgefängnis gebracht.

00:57:05.879 --> 00:57:09.899
Die Polizei ermittelt, dass die Geliebte des J. nicht die Einzige ist.

00:57:09.899 --> 00:57:14.139
Als er über seinen Aufenthaltsort in der Mordnacht befragt wird,

00:57:14.279 --> 00:57:18.519
erklärt er, dass er bei einer 25-jährigen Freundin die Nacht verbracht habe.

00:57:18.779 --> 00:57:22.879
Sie wird zur Rede gestellt und sagt aus, dass dies nicht stimme,

00:57:23.299 --> 00:57:27.039
J habe sie allerdings veranlasst, in diesem Sinne auszusagen.

00:57:27.961 --> 00:57:32.701
Die Polizei ermittelt, dass J. am Morgen nach dem Mord erst um 7 Uhr morgens

00:57:32.701 --> 00:57:34.341
in sein Zimmer zurückgekehrt sei.

00:57:34.501 --> 00:57:38.181
Die Polizei geht davon aus, dass er das Motorrad, mit dem er unterwegs gewesen

00:57:38.181 --> 00:57:40.641
sein soll, im Elsass zurückgelassen hat.

00:57:41.101 --> 00:57:45.461
Um 8.30 Uhr soll er bei der besagten Freundin aufgekreuzt sein.

00:57:45.761 --> 00:57:49.421
Die beiden ziehen zusammen los und das Mädchen muss im Auftrag des J.

00:57:49.541 --> 00:57:53.681
In verschiedenen Wechselstuben französisches Geld in Schweizer Geld umwechseln.

00:57:53.681 --> 00:57:58.461
Den Erlös, 750 Franken und den Rest des französischen Geldes,

00:57:58.581 --> 00:58:03.261
140.000 französische Francs, gibt Jot seiner Freundin zur Aufbewahrung.

00:58:03.501 --> 00:58:06.441
Jot soll dem Mädchen eine Pistole gezeigt und ihr gedroht haben,

00:58:06.581 --> 00:58:10.881
sie werde etwas erleben, wenn sie nicht bestätigt, dass er die Nacht bei ihr verbracht habe.

00:58:11.201 --> 00:58:15.041
Das Geld und die Pistole kann die Polizei dann später bei der Frau sicherstellen.

00:58:16.001 --> 00:58:19.121
J. befindet sich, während die Ermittlungen weitergeführt werden,

00:58:19.281 --> 00:58:23.521
in Auslieferungshaft in Basel. Er schweigt zu den Vorwürfen gegen sich.

00:58:23.741 --> 00:58:28.941
Zitat aus der Zeitung. Er ist ein hartgesottener Junge, der sich entgegen anderslautender

00:58:28.941 --> 00:58:32.401
Behauptungen noch immer nicht zu einem Geständnis bequemt hat,

00:58:32.801 --> 00:58:37.781
obschon das Beweismaterial, das dies und jenseits der Grenze von den Untersuchungsorganen

00:58:37.781 --> 00:58:40.921
zusammengetragen wird, immer erdrückender wird.

00:58:41.521 --> 00:58:45.601
J. will sich weder zu der angeblichen Todesdrohung gegen seine Freundin äußern,

00:58:45.681 --> 00:58:47.381
noch zu der Herkunft des Geldes.

00:58:47.541 --> 00:58:51.621
Die Ermittler finden weiteres Geld in seiner Wohnung, dessen Herkunft ungeklärt

00:58:51.621 --> 00:58:56.081
ist. Sicher ist sich die Polizei nur, dass es nicht durch seine Hände Arbeit

00:58:56.081 --> 00:59:01.901
verdient hat und dass es sich seit Sommer 1952 unangemeldet in der Schweiz aufgehalten hat.

00:59:02.261 --> 00:59:07.961
Die Nachkontrolle der Bücher des Ermordeten hat ergeben, dass diesem 64.000

00:59:07.961 --> 00:59:12.341
Franc gestohlen wurden und eben diese Summe tags darauf in den Wechselstuben

00:59:12.341 --> 00:59:14.321
in Basel umgetauscht worden sei,

00:59:14.741 --> 00:59:19.661
entsprechend dem Betrag von 750 Schweizer Franken, die J seiner Freundin zur

00:59:19.661 --> 00:59:21.241
Aufbewahrung übergeben hatte.

00:59:22.488 --> 00:59:26.208
Die Presse vermutet jetzt, dass er deswegen nicht gesteht, weil in Frankreich

00:59:26.208 --> 00:59:28.148
auf Raubmord die Todesstrafe steht.

00:59:29.088 --> 00:59:32.568
Weitere Beweise, die gegen J in dieser Sache ins Feld geführt werden.

00:59:33.028 --> 00:59:35.968
An den Schuhen des J wurden Textilfasern gefunden.

00:59:36.308 --> 00:59:40.368
Sie sollen nach den Ermittlungen des Erkennungsdienstes von der Bettvorlage

00:59:40.368 --> 00:59:43.048
im Schlafzimmer des niedergeschlagenen Ehepaars stammen.

00:59:43.468 --> 00:59:48.488
Außerdem sollen sich auf der Windschutzbluse des J etliche Frauenhaare befinden.

00:59:48.708 --> 00:59:51.788
Es soll sich um die Haare der niedergeschlagenen Ehefrau handeln.

00:59:52.368 --> 00:59:56.128
Außerdem wurde an der Hose des Tatverdächtigen Kohlenstaub gefunden,

00:59:56.368 --> 00:59:58.368
der aus dem Haus der Familie stammen soll.

00:59:58.648 --> 01:00:02.088
Der Mörder hatte sich über den Kohlenstacht ja Zugang zum Haus verschafft.

01:00:02.668 --> 01:00:06.608
Auch Jods Motorrad wurde inzwischen gefunden und die Reifenspuren stimmen laut

01:00:06.608 --> 01:00:08.908
Pressebericht mit denen am Tatort überein.

01:00:09.248 --> 01:00:12.668
Bei J. wurde außerdem eine Fahrerlaubnis sichergestellt, die nicht auf ihn,

01:00:12.848 --> 01:00:15.988
sondern auf einen anderen Bewohner von Niederrandsbach lautet,

01:00:16.168 --> 01:00:18.348
der diese schon vor einiger Zeit verloren hatte.

01:00:18.348 --> 01:00:22.368
Bei den Maschinen, also bei den beiden Motorrädern, handelt es sich außerdem

01:00:22.368 --> 01:00:26.588
um gestohlene Polizeimotorräder mit falschen Kennnummern.

01:00:27.228 --> 01:00:30.188
Jetzt komme ich gleich auch noch auf den zweiten Mord zu sprechen,

01:00:30.328 --> 01:00:31.908
nämlich den Mord in Rien.

01:00:32.208 --> 01:00:36.128
Das ist, wie gesagt, ein Stadtteil von Basel und auch da wird Josef J.

01:00:36.308 --> 01:00:38.408
Verdächtig, diese Tat begangen zu haben.

01:00:38.928 --> 01:00:42.768
Chronologisch liegt diese Tat in Rien vor dem Mord in Niederrandsbach,

01:00:42.948 --> 01:00:46.348
aber Sie werden gleich sehen, warum ich das in dieser Abfolge erzähle.

01:00:48.406 --> 01:00:55.706
In der Nacht vom 3. auf 4. März 1952 wurde zwischen 20 und 21 Uhr in einem alleinstehenden

01:00:55.706 --> 01:00:57.546
Gärtnerhaus des Ehepaars B.

01:00:57.706 --> 01:01:00.466
In Rhin eine erschlagene Frau aufgefunden.

01:01:00.766 --> 01:01:05.706
Dabei handelt es sich um Elisabeth W., 24 Jahre alt, geboren in Rumänien,

01:01:06.146 --> 01:01:09.646
deutsche Staatsangehörige, als Dienstmädchen in Basel tätig.

01:01:10.126 --> 01:01:14.766
Der Täter hat das Anwesen der Familie B. auf dem Weg durch die Haustüre betreten.

01:01:14.766 --> 01:01:19.326
Die Frau wurde mit einem eisernen Instrument mutmaßlich mit einem Beil erschlagen.

01:01:19.646 --> 01:01:23.766
Im Anschluss muss der Täter versucht haben, die Buffettür im Wohnzimmer aufzubrechen,

01:01:24.326 --> 01:01:27.006
und den darin gelagerten Geldbetrag zu entwenden.

01:01:27.806 --> 01:01:32.066
In dem Haus wohnt der Gärtnermeister B. mit seiner Familie. Das Anwesen liegt

01:01:32.066 --> 01:01:32.766
einigermaßen abgelegen.

01:01:33.606 --> 01:01:38.046
Aber in unmittelbarer Nähe befindet sich eine stark frequentierte Tramlinie

01:01:38.046 --> 01:01:40.386
und eine viel befahrene Straße.

01:01:41.006 --> 01:01:45.246
Außerdem war im Obergeschoss des Hauses ein Hund angebunden und die beiden kleinen

01:01:45.246 --> 01:01:48.626
Töchter der Familie, zweieinhalb und sechs Jahre alt, schlafen dort.

01:01:49.166 --> 01:01:54.266
Das Ehepaar ist getrennt voneinander auf Veranstaltungen. Die Frau B.

01:01:54.566 --> 01:01:57.966
Kehrt um halb vier Uhr morgens zurück und entdeckt die grausame Tat.

01:01:58.086 --> 01:02:02.046
Ihre Hausangestellte liegt im Büro des Hauses erschlagen in einer Blutlache.

01:02:02.526 --> 01:02:07.626
Die Mutter sieht reflexartig erstmal nach ihren Kindern und dann verständigt sie die Polizei.

01:02:07.926 --> 01:02:11.946
Die Gerichtsmedizin stellt fest, dass der Mord wohl schon kurz nach dem Weggang

01:02:11.946 --> 01:02:15.726
des Ehepaars B. am Abend gegen 20 Uhr stattgefunden haben muss.

01:02:15.906 --> 01:02:19.126
Die Polizei geht wegen des Versuchs, den Schrank aufzubrechen,

01:02:19.206 --> 01:02:21.986
davon aus, dass es sich um einen Raubmord handelt.

01:02:22.406 --> 01:02:26.646
Außerdem wurden 700 Franken aus dem Büro gestohlen. Eigenartig ist aber,

01:02:27.026 --> 01:02:31.306
aus eben diesem Schrank sollen schon einmal 4.000 Franken gestohlen worden sein.

01:02:31.546 --> 01:02:36.106
Das behauptet zumindest die Hausbesitzerin. Die Kriminalisten bezweifeln das allerdings.

01:02:36.806 --> 01:02:40.046
Die Tat wurde während der Fastnacht begangen.

01:02:40.326 --> 01:02:43.906
Das sieht die Polizei als besonderes Erschwernis. da deswegen die halbe Stadt

01:02:43.906 --> 01:02:47.426
erstens auf den Beinen gewesen sei und zweitens maskiert.

01:02:48.046 --> 01:02:52.026
In der Presse wird ein Zeugenaufruf gestartet, verdächtige Beobachtungen sollen

01:02:52.026 --> 01:02:53.866
der Kriminalpolizei gemeldet werden.

01:02:54.426 --> 01:02:58.166
Bald fällt der Verdacht auf einen Unbekannten, vermutlich deutscher Herkunft,

01:02:58.326 --> 01:03:03.706
der zwischen 25 und 28 Jahre alt sein soll, 1,75 groß, schlanke Statur,

01:03:03.946 --> 01:03:07.206
schwarze, gewählte Haare, ein eher bleiches, rasiertes Gesicht.

01:03:08.846 --> 01:03:12.946
Erst einmal passiert in diesem Fall nichts, dann wird Josef J.

01:03:13.146 --> 01:03:17.826
Wegen des Verbrechens im Elsass verhaftet. Es kommt daraufhin der Verdacht auf, dass J.

01:03:17.906 --> 01:03:22.026
Auch für den Mord an Elisabeth W. als Täter infrage kommen könnte.

01:03:22.446 --> 01:03:23.986
Sein Bild wird daraufhin in der

01:03:23.986 --> 01:03:28.546
Zeitung publiziert. Gleich vier Zeugen bestätigen, dass sie Elisabeth W.

01:03:28.666 --> 01:03:31.706
Mehrfach in der Begleitung von Josef J. gesehen haben wollen.

01:03:32.206 --> 01:03:35.766
J. bestreitet allerdings, etwas mit dem Mord an Elisabeth W.

01:03:35.866 --> 01:03:38.986
Zu tun zu haben. Er sagt aus, erst am 19.

01:03:39.226 --> 01:03:44.626
März 1952 ein Schweizer Visum erhalten zu haben und sich deswegen auch erst

01:03:44.626 --> 01:03:47.046
ab da in der Schweiz aufgehalten zu haben.

01:03:47.306 --> 01:03:50.366
Das ist quasi zwei Wochen nach dem Mord.

01:03:52.026 --> 01:03:54.006
Das Polizeiinspektorat Basel-Stadt

01:03:54.006 --> 01:03:58.306
schreibt, Zitat, ob schon die zusammengetragenen Indizien gegen J.

01:03:58.486 --> 01:04:03.326
Erdrückend zu sein scheinen, bestreitet er jeden Zusammenhang mit der Mordtat an W.

01:04:05.303 --> 01:04:12.243
Im August 1969, also fast 17 Jahre nach dem Mord an Elisabeth W.,

01:04:12.243 --> 01:04:15.683
nimmt sich der Detektiv Josef Hammer des Falls noch einmal an.

01:04:15.843 --> 01:04:20.763
Er stellt Widersprüche in den Aussagen des Ehepaares fest, für das W. gearbeitet hatte.

01:04:21.043 --> 01:04:23.063
Außerdem haben beide kein Alibi.

01:04:23.423 --> 01:04:28.463
Er nimmt an, dass Albert B. ein Verhältnis zu seiner Angestellten gehabt haben muss.

01:04:28.663 --> 01:04:31.803
Damit hätten sowohl Herr als auch Frau B. ein Motiv.

01:04:32.403 --> 01:04:36.303
Der Detektiv bringt sogar drei weitere potenzielle Täter aufs Tableau,

01:04:36.463 --> 01:04:38.983
von denen einer als höchst verdächtig gilt.

01:04:39.183 --> 01:04:43.223
Er hatte die Tat unter anderem gestanden und auch Details zum Ablauf genannt.

01:04:43.363 --> 01:04:47.583
So zum Beispiel, dass er mit einem unter einem Stein versteckten Schlüssel in

01:04:47.583 --> 01:04:51.183
das Haus gelangt sei und nicht wie ursprünglich angenommen wurde, W.

01:04:51.363 --> 01:04:54.283
Den Täter auf ein Klingeln hin hineingelassen hatte.

01:04:54.563 --> 01:04:58.723
Er will in das Haus eingebrochen sein, um Geld zu stehlen. Dabei sei er von W.

01:04:58.843 --> 01:05:04.363
Überrascht worden. Trotz dieser neuen Verdachtsmomente sind die Ermittlungen im Fall W.

01:05:04.563 --> 01:05:06.923
Aber nie wieder aufgenommen worden.

01:05:08.483 --> 01:05:13.043
Ja, und auch Josef J. wird nicht als Täter im Fall W.

01:05:13.483 --> 01:05:20.523
Überführt, denn er begeht Anfang Juni 1953 in Untersuchungshaft Selbstmord.

01:05:22.105 --> 01:05:27.725
Dieser Vermerk findet interessanterweise erst im März 1961, also acht Jahre

01:05:27.725 --> 01:05:34.105
später, Eingang in die Akte Goldfeier und diesen Vermerk haben wir dann auch in der Akte gelesen.

01:05:34.825 --> 01:05:38.085
Was jetzt auch in der Akte steht und das ist auch sehr interessant,

01:05:38.165 --> 01:05:42.265
denn die Kriminalpolizei Basel hatte sich ja ursprünglich mit dem Hinweis an

01:05:42.265 --> 01:05:46.185
die Kriminalpolizei Regensburg gewandt, dass sie diesen Josef J.

01:05:46.385 --> 01:05:49.385
Doch mal in Betracht ziehen sollen im Zusammenhang mit Verbrechen,

01:05:49.465 --> 01:05:51.125
die in Regensburg begangen wurden.

01:05:51.345 --> 01:05:57.285
Und dazu steht jetzt der kurze Satz, die Überprüfung dieser Sachverhalte haben

01:05:57.285 --> 01:06:00.185
im Hinblick auf eine mögliche Täterschaft des Josef J.

01:06:00.585 --> 01:06:05.685
Keine Anhaltspunkte ergeben, weitere Ermittlungen sind nicht erfolgsversprechend.

01:06:06.348 --> 01:06:09.768
Es ist aber leider in den Akten nicht dokumentiert, wie die Ermittler jetzt

01:06:09.768 --> 01:06:11.048
zu diesem Schluss kommen.

01:06:11.168 --> 01:06:15.308
Es ist lediglich dokumentiert, ja, also man hat sich da schon Gedanken drüber

01:06:15.308 --> 01:06:18.068
gemacht, aber wir sind jetzt irgendwie zu dem Schluss gekommen,

01:06:18.068 --> 01:06:20.848
das ist nicht erfolgsversprechend. Warum auch immer.

01:06:21.408 --> 01:06:23.268
Warum ich jetzt Josef J.

01:06:23.908 --> 01:06:28.348
Für den potenziellen Täter in dem Fall von Berek Goldfeier halte.

01:06:28.528 --> 01:06:32.768
Ich fasse Ihnen die Verdachtsmomente, die mir aufgefallen sind, nochmal kurz zusammen.

01:06:33.548 --> 01:06:38.108
Berek spricht kurz vor seinem Tod von einem Bahnbediensteten,

01:06:38.528 --> 01:06:40.608
der ihm Kleidung geben will.

01:06:41.068 --> 01:06:45.928
Und Josef J. stellt sich bei der Polizei als Reichsbahnbediensteter vor.

01:06:46.408 --> 01:06:50.988
Also da hat man schon mal eine Übereinstimmung von dem, was Berek erzählt und

01:06:50.988 --> 01:06:54.088
wie sich Josef J. bei der Polizei benennt.

01:06:54.688 --> 01:07:00.768
Zweiter Punkt, J. ist ein Intensivtäter, auch schon in jungen Jahren.

01:07:00.768 --> 01:07:06.128
Dafür sprechen diese Verurteilungen, die ab November 1946 dokumentiert sind

01:07:06.128 --> 01:07:10.208
und es sind ja nur die Verurteilungen von Delikten, die ans Tageslicht gekommen sind.

01:07:10.488 --> 01:07:13.808
Das heißt ja nicht, dass er nicht davor auch schon straffällig geworden ist.

01:07:13.808 --> 01:07:19.088
Und außerdem diese zwei Morde, wo er wirklich in einem Fall höchst verdächtig,

01:07:19.128 --> 01:07:20.648
im anderen Fall vielleicht etwas weniger,

01:07:21.348 --> 01:07:25.668
aber er wird da zumindest in diesem Kontext benannt, zeigt auf jeden Fall sein

01:07:25.668 --> 01:07:31.828
Gewaltpotenzial, sein grundsätzliches und vor allem auch seine kriminelle Energie. Dritter Punkt.

01:07:32.208 --> 01:07:37.328
Er bewegt sich genau in dem Milieu, in dem Bere Goldfeier auch zu Tode kommt,

01:07:37.348 --> 01:07:40.868
in diesen Schwarzmarktkreisen am Regensburger Bahnhof.

01:07:41.028 --> 01:07:46.648
Er ist in diesen Schwarzhändlerkreisen aktiv und da wird Bere Goldfeier ja auch aufgefunden.

01:07:46.828 --> 01:07:49.928
Das heißt, sie sind zur gleichen Zeit am gleichen Ort.

01:07:51.107 --> 01:07:55.587
Und für mich der absolut stärkste Verdachtsmoment in dieser Sache.

01:07:56.467 --> 01:08:01.947
Josef J. geht wenige Tage nach dem Mord an Bere Goldfeier freiwillig zur Polizei,

01:08:02.487 --> 01:08:07.707
und will den Verdacht auf eine andere, völlig unbescholtene Person lenken.

01:08:08.127 --> 01:08:11.407
Da frage ich mich schon, was hat dieser Josef J. für einen Grund,

01:08:11.547 --> 01:08:14.007
zur Polizei zu gehen und diese Aussage zu tätigen?

01:08:14.107 --> 01:08:17.087
Er hat ja mit dieser ganzen Sache erstmal überhaupt nichts zu tun.

01:08:17.187 --> 01:08:20.667
Die Polizei hat ihn überhaupt nicht auf dem Schirm. Hätte er einfach die Füße

01:08:20.667 --> 01:08:25.267
stillgehalten und wäre nicht zur Polizei gegangen, dann wären die nie auf ihn gekommen.

01:08:25.647 --> 01:08:31.067
So geht er freiwillig zur Polizei. Die Erfahrung zeigt, dass das tatsächlich

01:08:31.067 --> 01:08:35.307
manchmal Täter tun, um einen gewissen Ermittlungsstand abzufragen und um sich

01:08:35.307 --> 01:08:40.167
zu erkundigen, wo die Polizei in dieser Ermittlung steht und welche Erkenntnisse sie schon haben.

01:08:40.167 --> 01:08:44.747
Also ich denke, er hat sich an die Polizei gewandt und diese unsägliche Aussage

01:08:44.747 --> 01:08:49.447
getroffen, um sich zu informieren, wo die Ermittler gerade stehen.

01:08:49.667 --> 01:08:53.007
Und ich finde auch, wenn er jung ist und dieses Verhalten spricht für mich,

01:08:53.147 --> 01:08:57.487
für seine Jugend, weil es ist ein fast kindisches Verhalten in meinen Augen,

01:08:57.627 --> 01:09:01.267
dass er da zur Polizei geht und sagt, naja, ich habe da schon einen Verdacht.

01:09:01.367 --> 01:09:03.387
Ich kann zwar nicht sagen, warum der andere schuld sein soll,

01:09:03.487 --> 01:09:04.867
aber ich sage es jetzt einfach mal.

01:09:05.807 --> 01:09:08.967
Er geht da schon mit einer gewissen Motivation hin. Und wie gesagt,

01:09:09.187 --> 01:09:12.407
ich glaube nicht, dass er einfach so zur Polizei gegangen wäre,

01:09:12.567 --> 01:09:15.247
wenn er mit der ganzen Sache nichts zu tun gehabt hätte.

01:09:17.052 --> 01:09:20.132
Das sind jetzt meine Verdachtsmomente in dem Fall.

01:09:20.672 --> 01:09:25.952
Aber, Waltraud, du hast ja in dem Fall auch recherchiert. Und du hast dir ja

01:09:25.952 --> 01:09:27.812
auch Gedanken um ein Motiv gemacht.

01:09:28.612 --> 01:09:32.912
Da würde ich jetzt natürlich auch gerne deine Argumente in der Sache hören.

01:09:33.332 --> 01:09:37.892
Und hören, was du dir zum Motiv so gedacht hast.

01:09:38.712 --> 01:09:44.572
Ja, also ich bezweifle nicht, dass die Morde in der Schweiz so stattgefunden

01:09:44.572 --> 01:09:47.032
haben. Josef war ein Hitlerjunge.

01:09:48.492 --> 01:09:56.212
Er war zu Zeitpunkt des Todes von Bergg Goldfeier, der war 14, Josef war 15.

01:09:56.652 --> 01:10:01.812
Die Situation damals, wir müssen das nochmal gut durch den Kopf gehen lassen

01:10:01.812 --> 01:10:03.612
und die Ermittlungsakte auch,

01:10:04.072 --> 01:10:10.752
die Kriminalpolizei gab es ja nicht mehr, die Gestapo hatte eine Typisierung

01:10:10.752 --> 01:10:18.632
für Verbrecher und hat diese Typisierung, wurden dann auch weiter übernommen,

01:10:19.732 --> 01:10:24.992
so bei allen verleugneten Opfern auch, die es in den KZs gab.

01:10:25.292 --> 01:10:31.652
Sie hatten Stereotype, wie eine Visage eines Kriminellen auszusehen hat und

01:10:31.652 --> 01:10:34.452
die wurde voll zur Anwendung gebracht.

01:10:34.772 --> 01:10:38.852
In der Akte sind verschiedene Denunziationen ja.

01:10:38.852 --> 01:10:44.472
Mich hatte das in der Tat auch beschäftigt, diese Geschichte des Hitlerjungen

01:10:44.472 --> 01:10:49.932
Josef Josef, der zum Zeitpunkt der Tat 15 Jahre alt war.

01:10:50.792 --> 01:10:54.572
Und dann wusste ich nun auch aus der Regensburger Geschichte,

01:10:54.992 --> 01:11:05.432
noch 1945 gab es im Albrecht-Altaufer-Gymnasium in Regensburg 100 Hitlerjungen,

01:11:05.632 --> 01:11:09.372
die zu Wehrwölfen ausgebildet worden waren.

01:11:09.612 --> 01:11:11.532
Darf man auch nicht dabei vergessen.

01:11:12.372 --> 01:11:19.012
Nun kann ich mir diese Geschichte, dass ein 15-Jähriger, einen 14-Jährigen mit

01:11:19.012 --> 01:11:25.232
einer verkoteten Unterhose um den Hals ermordet.

01:11:25.372 --> 01:11:26.772
Das geht nicht zusammen.

01:11:27.132 --> 01:11:33.872
Das geht nicht zusammen, dass der 15-Jährige sich vorbereitet mit einer verschmutzten

01:11:33.872 --> 01:11:39.872
Riesenunterhose den Berg ja dann so eng um den Hals, dass es ihm die Luft zum Atmen nahm.

01:11:40.652 --> 01:11:46.292
Er konnte ja da gar nicht überleben. Die Vorgeschichte nun, die deswegen,

01:11:46.652 --> 01:11:51.552
ich bin davon überzeugt, dass die Taten, die in der Schweiz dann auch zusammen,

01:11:51.752 --> 01:11:53.412
dass das stattgefunden hat.

01:11:53.832 --> 01:12:00.512
Nur die Tat jetzt bei BEREC Goldfeier bringe ich nicht deswegen auch nicht zusammen,

01:12:00.752 --> 01:12:03.212
weil die Plausibilität mir da fehlte.

01:12:03.212 --> 01:12:10.592
Und weil in der Ermittlungsakte es verschiedene, also auch Leute unschuldig

01:12:10.592 --> 01:12:15.392
denunziert wurde, wie das auch in der Nachkriegszeit noch immer so gewesen ist.

01:12:17.646 --> 01:12:23.826
Dieses war nun auch mit für mich der Hintergrund,

01:12:24.046 --> 01:12:29.086
dass dann verschiedene Stereotypen, deswegen will ich da doch noch mal kurz

01:12:29.086 --> 01:12:33.666
hier aus einem Brief vorlesen,

01:12:34.406 --> 01:12:40.946
sicher an die Militärregierung in Regensburg, die der damalige Oberbürgermeister

01:12:40.946 --> 01:12:48.126
Alphons Heiß zur Situation hier in Regensburg geschrieben hat.

01:12:48.386 --> 01:12:55.286
Ich zitiere mal kurz. Wenn heute die Bürger der Stadt durch die Faungasse geht,

01:12:55.826 --> 01:13:02.026
so trägt das Benehmen der schreienden, handelnden und feilschenden Juden dort

01:13:02.026 --> 01:13:07.066
nicht dazu bei, das Verständnis zu diesen unglücklichen Menschen zu fördern.

01:13:07.066 --> 01:13:14.306
Immer wieder meldet die Zeitung von Einbrüchen und Diebstellen bei Juden,

01:13:14.546 --> 01:13:23.026
wobei den Tätern gewaltige Summen Geldes und große Mengen an Wertgegenstände in die Hände fallen.

01:13:23.946 --> 01:13:27.986
Nun kommt dann die Schlussfolgerung, wo stammen diese weiter her,

01:13:28.246 --> 01:13:31.726
wenn die Juden mittellos aus den Konzentrationsklammern kamen.

01:13:31.726 --> 01:13:35.546
Das beantwortet der damalige Oberbürgermeister Heiß nicht.

01:13:36.166 --> 01:13:42.466
Warum ich nun zu dem Ergebnis gekommen bin, dass Josef Josef,

01:13:42.606 --> 01:13:47.726
es war also nicht der Hauptbahnhof, der für den Schwarzmarkt zuständig war,

01:13:48.166 --> 01:13:50.806
sondern es konzentrierte sich auf die Frauengasse.

01:13:51.146 --> 01:13:57.126
Dann hätte er auch gewusst, wo Berreg Geld zu holen ist, denn es war ja kein Raubmord.

01:13:57.922 --> 01:14:02.082
Denn der Junge, der Bereg hatte ja noch die Taschen voll Geld,

01:14:02.302 --> 01:14:04.842
dann hätte er das sicherlich mitgenommen.

01:14:05.402 --> 01:14:14.302
Und ich glaube nur, in diesem Zusammenhang sehe ich auch diese gezielte,

01:14:14.622 --> 01:14:23.162
das ist eine gezielte Maßnahme, um einen antisemitischen Mord auch jetzt zu verdecken.

01:14:23.162 --> 01:14:29.422
Denn dieses Statement, wie Berek da tot aufgefunden wurde.

01:14:30.422 --> 01:14:35.902
Und er war nicht ausgeraubt worden, wie man das annehmen sollte,

01:14:36.582 --> 01:14:42.582
sondern seine Brieftasche mit dem Ausweis und mit seinen Lebensmittelmarken.

01:14:43.562 --> 01:14:45.682
Die hatte er ja noch bei sich.

01:14:46.202 --> 01:14:49.962
Und von daher heraus habe ich meine Zweifel,

01:14:50.757 --> 01:14:56.997
dass es der war, sondern ich halte das von der Ausführung her für einen antisemitischen

01:14:56.997 --> 01:15:01.517
Mord, der letztlich als Täter ungeklärt blieb.

01:15:01.657 --> 01:15:07.037
Es kann genauso gut ein Polizist gewesen sein, denn ich habe ja auch nun hier

01:15:07.037 --> 01:15:11.317
die Regensburger Schutzpolizei, die ich ja namentlich da auch kenne,

01:15:11.617 --> 01:15:15.557
inzwischen in den Akten gefunden.

01:15:15.557 --> 01:15:23.397
Denn die zwei Kompanien aus Regensburg, die im Lodge, im Ghetto,

01:15:23.697 --> 01:15:31.037
die können durchaus auch eine Täterumkehr bewirkt haben, dass BEREC einen der

01:15:31.037 --> 01:15:33.417
Polizisten wiedererkannt hat.

01:15:33.417 --> 01:15:45.377
Besonders dieser Polizist, das war hier das Wachbataillon 13 und die Kompanie

01:15:45.377 --> 01:15:50.017
131 und 133 waren in Lodzsch gewesen.

01:15:50.277 --> 01:15:58.217
Das ist nun mal fest. Und wie der Umgang mit Juden war, auch nach 1945,

01:15:58.917 --> 01:16:04.157
ergibt sich ja auch aus einem Brief, aus dem ich doch jetzt noch kurz vorlese.

01:16:04.997 --> 01:16:12.017
Es ist da der Max Schwert. Max Schwert war also vielleicht sein Sohn Otto Schwert,

01:16:12.357 --> 01:16:15.717
als Gott und die Welt schliefen, kennen vielleicht einige das Buch.

01:16:15.717 --> 01:16:22.597
Und Max Schwert hatte also dann auch 1946 in Regensburg diese Erfahrung gemacht.

01:16:23.537 --> 01:16:28.637
Also die Wohnung eines Polizisten war beschlagnahmt worden.

01:16:29.077 --> 01:16:34.477
Es erschien in der Nummer seit Oktober von Juden bezogenen Wohnung Christliebstraße

01:16:34.477 --> 01:16:40.897
15, Frau Kliegl in Begleitung zweier Polizeibeamten, suchten die Wohnung gemeinsam durch und.

01:16:42.178 --> 01:16:46.558
Und beschlagnahmten einige Gegenstände. Bei dieser rechtswidrigen Haussuchung

01:16:46.558 --> 01:16:51.038
erdreistete sich Frau Kliegel in Gegenwart der Polizeibeamten,

01:16:51.158 --> 01:16:55.738
die dort wohnenden Juden mit den Worten »Verdammtes Judenpack«,

01:16:55.958 --> 01:16:58.978
»Saujuden« und »Judenschweine« usw.

01:16:59.218 --> 01:17:03.978
Zu traktieren. Die anwesenden Polizeibeamten, die dies genau gehört haben,

01:17:04.618 --> 01:17:07.218
hielten es nicht für nötig, daraufhin

01:17:07.218 --> 01:17:12.598
eine Anzeige gegen Frau Kliegel zu erstatten. Warum sage ich das?

01:17:12.898 --> 01:17:22.078
Es war also durchaus der Judenhass in einem Umfang noch in der Bevölkerung vorhanden,

01:17:22.218 --> 01:17:28.838
die solche Taten auch eben in der Täter-Opfer-Umkehr zu betrachten ist.

01:17:28.838 --> 01:17:32.538
Du hast ja gesagt, dass er sein Portemonnaie noch bei sich hatte,

01:17:32.758 --> 01:17:36.198
aber in den Ermittlungsakten steht, dass er genau das nicht mehr bei sich hatte.

01:17:36.478 --> 01:17:39.518
Er hatte aber noch einen Haufen Geld bei sich. Darauf willst du ja hinaus,

01:17:39.618 --> 01:17:43.478
dass quasi dieses Raubmordmotiv für dich nur so halb plausibel ist,

01:17:43.638 --> 01:17:48.438
weil eben dieses Geld noch bei Beregoldfeier war und ja noch andere Gegenstände,

01:17:48.538 --> 01:17:49.398
die er noch bei sich hatte.

01:17:50.258 --> 01:17:53.658
Was würdest du denn darauf erwidern, wenn ich dir jetzt die Theorie hinlege,

01:17:53.838 --> 01:17:58.638
dass die Täter und vielleicht ist es auch nicht nur der Josef J.,

01:17:58.638 --> 01:18:01.858
sondern vielleicht auch sein Begleiter, der da mit zur Polizei gegangen ist

01:18:01.858 --> 01:18:03.978
und den Paul H. denunziert hat.

01:18:04.778 --> 01:18:10.658
Was wäre denn, wenn die beiden während ihrer Tat gestört worden sind und deswegen

01:18:10.658 --> 01:18:13.098
nicht alles mitnehmen konnten?

01:18:13.618 --> 01:18:18.878
Oder was wäre denn, wenn er tatsächlich einfach noch sehr jung ist,

01:18:18.878 --> 01:18:24.138
dass es vielleicht seine erste Tat in diesem Ausmaß war, vielleicht auch im Affekt,

01:18:24.378 --> 01:18:30.498
dass er diesen Jungen im Affekt tötet und dann von seiner eigenen Tat erschrocken war,

01:18:31.118 --> 01:18:33.238
und dann einfach die Hälfte hat liegen lassen.

01:18:34.625 --> 01:18:39.925
Nun kannte Berek Goldfeier, er war erst 14, aber sehr genau.

01:18:40.765 --> 01:18:45.325
Dann auch einen Jugendlichen konnte er von einem Erwachsenen unterscheiden.

01:18:46.185 --> 01:18:50.885
Und ich denke, er hätte seinem Bruder Mosche, bevor er dann am Abend gegangen

01:18:50.885 --> 01:18:58.325
war, einen jugendlichen, 15-jährigen Hitlerjungen, hätte er nicht als Bahnbediensteten ausgegeben.

01:18:58.665 --> 01:19:05.285
Ich glaube, da ist der realistische Blick dann auch, Er habe einen Bahnbediensteten

01:19:05.285 --> 01:19:10.925
kennengelernt, der ihm warme Kleidung versprochen habe und er sollte mit zu seiner Wohnung,

01:19:11.245 --> 01:19:16.205
dass er das, dass es ein Erwachsener war und kein Junge von 15,

01:19:16.565 --> 01:19:20.065
der ihm da also zu einem Treffen animierte,

01:19:20.485 --> 01:19:24.285
von dem er nie mehr zurückkommen konnte und zurückkommen sollte.

01:19:24.285 --> 01:19:36.205
Und dann in den Ermittlungsakten noch sehr lange hat dann auch die Kripo diese Typologie der Opfer,

01:19:36.505 --> 01:19:42.965
also wenn sie jemanden zum Asozial machen wollten oder zu einem mit einem Winkel,

01:19:43.085 --> 01:19:46.285
dann mit dem lila Winkel ins KZ sperrten.

01:19:47.328 --> 01:19:52.748
Da gab es immer vorgezeichnete Stanzen, die dann eingesetzt wurden.

01:19:53.348 --> 01:19:56.488
Von daher heraus denke ich, dass

01:19:56.488 --> 01:20:02.168
die Rebensburger Polizei, die hat in die eigenen Reihen nicht geguckt.

01:20:02.848 --> 01:20:08.108
Und das ist ein für mich, auch in den Ermittlungsakten, Sie wüssten ja,

01:20:08.388 --> 01:20:11.888
dass zwei Kompanien dann auch,

01:20:11.888 --> 01:20:19.588
Die 131er-Kompanie und die 133er in den verschiedenen Ghettos waren und ich

01:20:19.588 --> 01:20:23.968
habe ja Ihnen hier erzählt und gezeigt,

01:20:24.408 --> 01:20:29.948
wer da alles in die Waffen-SS und SS war und Ordnungspolizist wurde.

01:20:29.948 --> 01:20:37.888
Und es waren ja im Ghetto von Lodz über 2500 Ordnungspolizisten da und darunter

01:20:37.888 --> 01:20:41.628
eben auch die beiden Kompanien aus Regensburg,

01:20:41.868 --> 01:20:46.228
die ich also für höchst verdächtig halte.

01:20:47.130 --> 01:20:51.730
Okay, Sie haben jetzt beide Theorien in dem Fall gehört und auch die Kontroversen,

01:20:51.790 --> 01:20:52.850
die sich daraus ergeben.

01:20:53.130 --> 01:20:55.710
Aufklären werden wir dieses Verbrechen, zumindest wir beide,

01:20:55.810 --> 01:20:59.570
wahrscheinlich nicht mehr. Da müsste wahrscheinlich in diesem Fall nochmal neu

01:20:59.570 --> 01:21:01.030
polizeilich ermittelt werden.

01:21:01.570 --> 01:21:06.170
Eine Theorie, die ich noch am Rande streifen möchte, ist eine,

01:21:06.370 --> 01:21:10.430
die auch durch einen Hinweis aus der Akte entstanden ist, also auch hausgemacht

01:21:10.430 --> 01:21:14.570
quasi. Da geht es nämlich um einen Mord an Willi H.

01:21:14.950 --> 01:21:22.090
Und der spielt sich auch am Regensburger Bahnhof ab und auch im gewissen zeitlichen Kontext.

01:21:22.630 --> 01:21:26.430
Und auch Teile des Modus Operandi sind da sehr ähnlich.

01:21:26.750 --> 01:21:30.390
Das hat mich zumindest auf den Gedanken gebracht, ob da nicht vielleicht so

01:21:30.390 --> 01:21:35.930
eine Art kleine Serie im Raum steht. Vielleicht ganz kurz, am Mittag des 29.

01:21:36.190 --> 01:21:42.650
Juli 1946 wird in einem abgestellten Eisenbar-Waggon am Regensburger Bahnhof

01:21:42.650 --> 01:21:45.650
eine zunächst unbekannte männliche Leiche aufgefunden.

01:21:45.930 --> 01:21:50.410
Der Tote war mit einem Ober- und Unterhemd und einer kurzen Unterhose bekleidet.

01:21:50.690 --> 01:21:56.150
Die übrigen Bekleidungsstücke sowie auch die Ausweispapiere und sonstige Wertsachen

01:21:56.150 --> 01:22:01.530
waren geraubt. Die Leiche lag unterhalb der ehemaligen Sitzvorrichtung und war

01:22:01.530 --> 01:22:04.290
mit Seegras und einer Bettmatratze zugedeckt.

01:22:04.490 --> 01:22:08.950
Der Mann wurde mit der Eisenleiste eines Waggonfans erschlagen.

01:22:09.250 --> 01:22:11.190
Die Tat soll sich in der Nacht vom 28.

01:22:11.570 --> 01:22:15.570
Auf den 29. Juli 1946 ereignet haben.

01:22:15.810 --> 01:22:19.890
Der Tote war in Schwarzhändlerkreisen als Willi von B.

01:22:20.190 --> 01:22:24.790
Bekannt. Im Zuge der Ermittlungen konnte er jedoch als der ledige Klempner Willi

01:22:24.790 --> 01:22:29.570
H., geboren im Februar 1924 in Thüringen, identifiziert werden.

01:22:30.331 --> 01:22:35.931
Dieser Hinweis war eben auch in den Ermittlungsakten von Berek Goldfeier und

01:22:35.931 --> 01:22:39.491
ich habe mir auch diese Akten im Staatsarchiv in Amberg angeschaut.

01:22:39.691 --> 01:22:43.271
Da gab es tatsächlich, die sind ein bisschen umfangreicher als die von Berek

01:22:43.271 --> 01:22:46.211
Goldfeier, da wurden in ganz viele Richtungen ermittelt.

01:22:46.311 --> 01:22:50.151
Ein Täter wurde aber auch da nie gefunden, aber wie Sie vielleicht auch schon

01:22:50.151 --> 01:22:54.211
gehört haben, es gibt so ein paar Momente, wo man sich denkt.

01:22:54.991 --> 01:22:59.211
Berek Goldfeier war ja mit einem Strohsack und einer Tür abgedeckt.

01:22:59.211 --> 01:23:01.531
Diese Leiche ist jetzt mit einer Matratze abgedeckt.

01:23:01.671 --> 01:23:05.391
Es ist eine Person, die tot am Bahnhof aufgefunden wird.

01:23:05.431 --> 01:23:10.631
Es ist auch in diesem Schwarzhändler-Milieu, wo sich diese Tat abspielt.

01:23:11.071 --> 01:23:15.551
Aber ja, in dieser Theorie gibt es natürlich auch einige größere Schwächen,

01:23:15.631 --> 01:23:19.031
weshalb wir sie jetzt auch nicht so breit besprechen wollen.

01:23:19.031 --> 01:23:21.231
Aber ich wollte es auf jeden Fall auch benennen.

01:23:22.071 --> 01:23:25.771
Ja, wie gesagt, eine Lösung in dem Fall werden wir beide wahrscheinlich nicht

01:23:25.771 --> 01:23:32.291
mehr finden, aber es gibt ja trotzdem, auch wenn sich in diesem Komplex viel

01:23:32.291 --> 01:23:35.631
zugetragen hat und viele schreckliche Episoden stattfinden,

01:23:36.251 --> 01:23:40.731
mit dem Überleben von Mosche und auch dem Vater von Berek und Mosche,

01:23:40.831 --> 01:23:42.951
ja so einen kleinen Lichtblick.

01:23:43.191 --> 01:23:46.691
Vielleicht kannst du für die Zuhörerinnen und Zuhörer mal kurz skizzieren,

01:23:46.771 --> 01:23:49.551
wie es denn für den Mosche nach Regensburg quasi weiterging.

01:23:51.001 --> 01:23:54.841
Mache ich, ich muss nur noch kurz was zu der Ermittlungsaktivität.

01:23:54.841 --> 01:23:57.761
Wir müssen uns aber ein bisschen beeilen. Ja, ja, wir müssen uns beeilen.

01:23:57.941 --> 01:24:03.321
Aber ich glaube, dass in diesem Fall der ermittelnde Polizist Peter Fries,

01:24:03.561 --> 01:24:07.881
der sowohl in der ermittelte, in der Sache Goldfeier,

01:24:08.561 --> 01:24:14.061
diesen einen Mord, von dem du da zu Recht berichtet hast, auch aufklärte und

01:24:14.061 --> 01:24:16.061
hinterher auch beim Brutmann-Mord war.

01:24:16.061 --> 01:24:22.541
Ich glaube, dass es innerhalb der Polizei, die ein Chorgeist herrschte,

01:24:23.201 --> 01:24:32.101
der also eine objektive Ermittlung auch innerhalb der eigenen Reihen verhinderte.

01:24:32.101 --> 01:24:38.561
Und dass der Kriminalbeamte Peter Fries, der also Funker zuletzt in Frankreich war.

01:24:40.821 --> 01:24:47.421
Da von diesem Chorgeist nicht weiterkam und deswegen seinen Job kündigte.

01:24:47.421 --> 01:24:52.301
Jetzt nochmal zur Familie Goldfeier.

01:24:52.821 --> 01:25:00.501
Simcha und der Vater in Israel und dann auch Mosche.

01:25:01.321 --> 01:25:09.201
1975 wurde also dann überführt, die Leiche von Beric nach Israel.

01:25:09.201 --> 01:25:17.881
Und er hat dann seine letzte Ruhe gefunden mit seinem Vater da in Israel auf einem Friedhof.

01:25:18.121 --> 01:25:23.321
Der Stein blieb hier in Regensburg auf dem jüdischen Friedhof stehen.

01:25:24.517 --> 01:25:28.097
Moshe Goldfeier, mit ihm ging es dann so weiter.

01:25:28.397 --> 01:25:35.177
Er hatte dann seine junge Frau Angie als sehr junge Frau geheiratet.

01:25:35.417 --> 01:25:42.657
Sie gingen Anfang der 50er Jahre, gingen sie aus Regensburg weg und sind nach New York.

01:25:42.937 --> 01:25:51.577
Und heute lebt in New York noch Avi Goldfeier, also ein Halbbruder.

01:25:51.577 --> 01:25:57.397
Denn Simpia Goldfeuer hatte noch einmal geheiratet und sein Sohn Avi,

01:25:57.837 --> 01:26:01.737
der 1947 geboren ist, mit dem stehe ich in Kontakt.

01:26:02.157 --> 01:26:09.277
Und er hatte eine Nichte von Mosche Goldfeuer, ist im vorigen Jahr auch nach Regensburg gekommen.

01:26:09.497 --> 01:26:15.637
Und Mosche und seine Frau Angie hatten also eine große Familie gegründet und

01:26:15.637 --> 01:26:20.377
haben zahlreiche Enkel und ja, auch Urenkel.

01:26:20.377 --> 01:26:27.037
Und Avi Goldfeier, ja, er hat sich sehr gefreut auch, dass es jetzt in Regensburg

01:26:27.037 --> 01:26:30.757
einen Stolperstein gibt in der Zöllerstraße 15.

01:26:32.007 --> 01:26:39.927
Und der erste Stolperstein für Berwick-Goldfeier, den es in Bayern gab.

01:26:40.207 --> 01:26:45.407
Und deswegen fand ich das großartig, dass die Griegensburger Stolpersteingruppe

01:26:45.407 --> 01:26:48.087
das dann auch realisiert hat.

01:26:48.307 --> 01:26:56.687
Und sie haben damit also zum ersten Mal einem antisemitischen Mordopfer einen Stein gewidmet,

01:26:57.547 --> 01:27:02.747
der dann auch in die Liste, Frias also in München aufgenommen wurde.

01:27:03.047 --> 01:27:04.587
Und das finde ich ganz wichtig.

01:27:05.067 --> 01:27:08.067
Genau, wir müssen auch sagen, in der Nachkriegszeit, nicht, dass sich jetzt

01:27:08.067 --> 01:27:12.207
jemand wundert, es ist antisemitisches Hassverbrechen der Nachkriegszeit.

01:27:12.427 --> 01:27:17.527
Da ist es der erste Stolperstein. Es ist ja danach, folgte in Regensburg ja

01:27:17.527 --> 01:27:21.147
das zweite Antisemitische gegen die Familie Brutmann.

01:27:21.447 --> 01:27:26.287
Da wurde eine ganze Familie mit einem Baby von sechs Wochen bestialisch umgebracht.

01:27:26.287 --> 01:27:31.567
Die Täter wurden in diesem Fall auch nicht gefunden und ich denke,

01:27:32.427 --> 01:27:38.207
dass die beiden Ermittlungen, sowohl von Berwick Goldfeier, der Mord,

01:27:38.267 --> 01:27:42.627
der nie geklärt wurde, wie auch der Mord an der Familie Brutmann 1947,

01:27:43.627 --> 01:27:51.027
in beiden Fällen nochmal recherchiert und eine Ermittlung eröffnet werden müsste.

01:27:52.190 --> 01:27:55.330
Und dass er vor allem auch nicht in Vergessenheit gerät. Und das hat ja uns

01:27:55.330 --> 01:28:00.030
auch dazu bewogen, dass wir ihn in diesem Fall unbedingt präsentieren wollten.

01:28:01.110 --> 01:28:05.270
Ja, und damit sind wir auch am Ende des heutigen Abends angekommen.

01:28:05.730 --> 01:28:09.250
Jetzt ist es natürlich Zeit, auch noch einigen Leuten zu danken.

01:28:09.630 --> 01:28:13.530
Allen voran dir, liebe Waltraud, dass du dir heute die Zeit genommen hast,

01:28:13.630 --> 01:28:18.710
dass du uns deine Recherchen präsentiert hast und dass du das so freimütig auch

01:28:18.710 --> 01:28:21.250
mit mir im Vorfeld alles geteilt hast.

01:28:21.250 --> 01:28:25.010
Das ist nicht selbstverständlich und dafür möchte ich dir ganz besonders danken

01:28:25.010 --> 01:28:28.490
und vor allem auch für dein Engagement in der Sache und dass du da wirklich

01:28:28.490 --> 01:28:30.070
gegen das Vergessen arbeitest.

01:28:30.110 --> 01:28:34.530
Das verdient allerhöchsten Respekt und vor allem auch einen fetten Applaus.

01:28:43.719 --> 01:28:48.059
Ja, und ein großer Dank natürlich auch an alle Zuhörerinnen und Zuhörer von Crime Daheim.

01:28:48.159 --> 01:28:51.959
Ohne den Support wird es auch nicht gehen. Und wir bedanken uns einfach,

01:28:52.059 --> 01:28:56.899
dass unsere Geschichten auch gerne gehört werden und auch auf hörende Ohren stoßen.

01:28:57.039 --> 01:28:59.179
Da freuen wir uns natürlich auch ganz besonders.

01:28:59.519 --> 01:29:03.119
Wenn Sie nichts mehr aus dem Crime Daheim-Universum verpassen wollen,

01:29:03.279 --> 01:29:06.599
dann sollten Sie uns unbedingt auf unseren Social-Media-Kanälen folgen.

01:29:06.819 --> 01:29:13.679
Da vor allem auf Instagram, crime-daheim-podcast. Und wenn Sie uns Feedback

01:29:13.679 --> 01:29:15.679
oder Anregungen zuschicken wollen,

01:29:15.859 --> 01:29:22.819
dann gerne per Mail, nämlich an crimedaheim-at-oberpfalzmedien-klein-und-zusammen.de.

01:29:23.319 --> 01:29:28.599
Jetzt wünsche ich Ihnen, dass Sie die Vorweihnachtszeit genießen können und

01:29:28.599 --> 01:29:33.199
denken Sie in diesen Tagen gerne auch mal an die Tat, nämlich die Jan-Berek

01:29:33.199 --> 01:29:38.179
Goldfeier, die sich im Dezember jetzt zum 80. Mal jährt.

01:29:38.819 --> 01:29:43.319
Und sie sollten auch unbedingt Berek Goldfeier gedenken, denn er hat es einfach verdient.

01:29:43.519 --> 01:29:49.419
Und es ist wichtig, die Erinnerung an die Opfer des Faschismus generell hochzuhalten.

01:29:50.019 --> 01:29:55.159
Und da möchte ich auch noch meinen Autorenfreund Tim Pröse zitieren,

01:29:55.419 --> 01:29:58.459
der wiederum immer wieder auf Margot Friedländer zu sprechen kommt.

01:29:58.679 --> 01:30:05.599
Und die hat vor ihrem Tod noch darauf hingewiesen, dass jetzt die Zeit der Zweitzeugen gekommen ist.

01:30:05.599 --> 01:30:11.119
Sie möchte damit sagen, dass die Zeitzeugen des Holocaust jetzt ihrem Ende entgegen

01:30:11.119 --> 01:30:18.479
gehen und immer mehr dieser Menschen verschwinden, die diesen Faschismus unmittelbar erlebt haben.

01:30:19.119 --> 01:30:22.199
Jetzt ist also die Zeit der Zweitzeugen gekommen.

01:30:22.219 --> 01:30:27.499
Das sind wir, das sind Sie und ich. und ich möchte Sie gerne dazu aufrufen,

01:30:27.659 --> 01:30:32.659
dass Sie auch dieses Gedenken hochhalten und das hat uns auch motiviert,

01:30:32.799 --> 01:30:35.759
Ihnen heute Abend genau diesen Fall zu präsentieren.

01:30:36.589 --> 01:30:40.729
Und jetzt fürs Zuhören. Vielen Dank und bis dahin.

