Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge zu einem Speedtasting. Das bedeutet, wir trinken eine Flasche Wein, haben zehn Minuten Zeit, können zehn Punkte vergeben. Normalerweise sind wir zu dritt, aber heute nur zu zweit, weil Lars den Brückentag genutzt hat, um mal etwas abstinent zu sein. Oder? Ja, wir sind auch abstinent, wir verkosten ja. Moin Axel, servus. Servus. Was hast du mitgebracht? Und zwar habe ich einen Bordeaux mitgebracht von Graf Neidberg. Du erinnerst dich, war schon unser Gast. War schon unser Gast. Ein toller Gast auch, ne? Ja, cooler Gast. Also der war dazugeschaltet. Genau, er war dazugeschaltet. Aber wirklich ganz offen auch über das Bordeaux und über die Schwierigkeiten des Bordeaux gesprochen. Und er hat einen neuen Wein, ich glaube, er ist auch exklusiv für Vesco gemacht. Der heißt Generations. Okay. Aus dem Saint-Emilion, ein Grand Cru. Und ich finde, man sieht schon an dem Etikett. Ich habe im Netz vorher auch geguckt, es gibt ein Generations, glaube ich, die neue Version. Die haben also ein bisschen ein weißes Etikett. Das ist ein bisschen wertiger. Hat auch so ein schwarzes Etikett in drei geteilt. Und es steht drauf, Virtus Sudore Paratur. Wie ist dein Latein, Axel? Ich habe das mittlere Latinum. Respekt. Nicht schlecht, das hätte ich jetzt aber nicht sagen sollen. Weil Virtus, also das ist die Tugend. Sehr gut. Was? Sudore? Was steht da? Sudore? Ja. Sudore Paratur. Tugend wird durch Schweiß erarbeitet. Oh, ist das so? Ja, das stand da drauf und das fand ich eigentlich cool.

Ich glaube ja. Also ich glaube, dass hinter ganz vielem harte Arbeit ist. Ja, aber Tugend, also eine Tugend ist ja eigentlich ein Geschenk. Ein Geschenk, ja. Wenn man geduldig ist zum Beispiel, man sagt, Geduld ist eine Tugend, dann hat man das ja, oder? Das kann man nicht so gut lernen. Genau, das ist die Frage, ob man sich das überhaupt erarbeiten muss. Ja, naja, ich glaube vielleicht, bezieht sich so auf den Wein, weil Bordeaux und ich glaube, ich finde es schon an der Ausstattung, es wirkt ein bisschen jugendlicher, ein bisschen fresher, ein bisschen aufgeräumter, nicht ganz so dieses Etikett von 1723 so ungefähr, und dieses Generation spricht ein bisschen quasi, die dritte Generation ist jetzt ja schon am Werk da bei Graf Neidberg, also wirklich der bekannteste Bordeaux-Export aus Deutschland kommend, der wirklich die größten Namen in Bordeaux hat.

Ich glaube, Sein Großvater oder irgendein Großonkel hat Napoleon irgendwo bei einer Schlacht geschlagen. Hat er das erzählt? Das kannst du dir erinnern. Ich hatte mich ein bisschen darauf vorbereitet auf dem Podcast und da habe ich sowas gelesen und irgendjemand hat auch... Oder hat Napoleons Frau ausgespannt? Irgendeine Napoleon-Geschichte. Auf jeden Fall hat ja der Bruder von ihm, hat ja in Württemberg das Weingut und der ist mit der Enkelin des letzten Habsburg-Kaisers verheiratet zum Beispiel. Also das ist schon ein sehr edles Geschlecht, die Neidbergs. Die machen auch gute Weine, sind sympathisch. Das Problem, das sie auch haben, wie alle anderen auch, in Bordeaux ist so ein bisschen, Bordeaux leidet ein bisschen, die Preise sind teilweise explodiert. Die haben das wirklich komplett übertrieben.

Und der chinesische Markt ist sich dann weggebrochen. Ein Stück weit auch der russische Markt. Der amerikanische Markt generell aktuell ja auch. Zöller ja, Zöller nein, Zöller keine Ahnung was. Und jetzt stehen sie da auf sehr viel Wein. Und die Leute trinken immer mehr Weißwein. Bordeaux ist zu 90 Prozent Rotwein. Und deswegen müssen die was tun. Sie müssen sich preislich entspannen. Das tun sie aktuell. Die aktuelle Kampagne zeigt. Die Preise sind teilweise wie von 2019er, Jahrgang oder davor. Jetzt für den 24er, der jetzt On Primeur zu kaufen ist. Aber ich wollte mit dir den Wein einmal probieren, weil ich mochte ihn insofern, weil er so ein gutes Entree in den Bordeaux-Kosmos ist. Normalerweise kostet er ein bisschen über 22, jetzt haben sie sich aktuell im Angebot für 18. Ich würde sagen, dass dieser Wein ist für alle, die sagen, ich mag nicht Bordeaux. Und wenn sie das probiert haben und es auch noch nicht mögen, dann stimme ich ihnen zu. Okay. Besteht zu gleichen Teilen aus Cabernet Franc und Merlot. Ah ja, Cabernet Franc. 13,5 Alkohol, auch das ist schön. 2019 ist ein sehr, sehr guter Jahrgang auch, der jetzt anfängt, so nach sechs Jahren so ein bisschen jetzt, finde ich, diese ganze erste Fruchtphase zu verlassen und geht jetzt ein bisschen in ein ernsthaftes Stadium über. Duft. Ja, Kirsche. So ein bisschen.

Schon was bieriges auch, ne?

Cabernet Franc. Wir hatten doch Sarah Schmidt neulich mal da, ne? Die hat doch... Die macht noch in Italien so einen Bordeaux-Style. Ja, da war auch Kammernefrau drin, aber da war vor allem dieser Petit Verdot, der so ein bisschen stranger war oder ein bisschen diese Sonderwürze gegen ihn hat. Kammernefrau hat so, eigentlich finde ich oft so was leicht grünliches, kräutriges und auch so was lila florales eigentlich. Und das hat ja jetzt auch, dieser Wein. Ich finde, der hat so eine schöne Kräuterwürze. Der hat.

Ja, fast so wie so ein getrockneter Thymian oder so auch am Gaumen. Na, was Austrocknendes auch. Was Saftiges, nicht zu viel Tannin, ist gar nicht so hart an der Lippe oder so, dass das so massiv einschlägt. Also es ist auf jeden Fall nicht so, wie die Nase vermuten lässt, dass es so bärig ist, dass es so eine Fruchtgeschichte ist. Ich finde es schon, ich hätte gedacht, dass so ein Wein dann teurer vielleicht ist. Ich denke auch, dass es wahrscheinlich teurer sein müsste aus der Vergangenheit, aber dass es genau richtig ist, dass man jetzt versuchen muss, auch die nächste Generation da ranzubringen und sie nicht zu verlieren und dafür muss der Wein eben, den musst du aufmachen und den muss man verstehen. Also wenn du den nicht verstehst oder erst in 10, 15 Jahren trinken kannst, das macht keiner, keiner legt sich das hin. Und das haben die auch gemerkt, also die denken um und die Weine sind wirklich in der Jugend heute auch echt schon gut trinkbar. Das hat sich wirklich geändert in den letzten zwei Jahrzehnten. Aber ist das denn so, dass quasi die Kunst des Weinmachens so ein bisschen sich dem Mainstream-Geschmack irgendwie anpasst? Also dass quasi die ganz große Kunst vielleicht gar nicht mehr gefragt ist? Naja, wir hatten ein guter Oggau hier, die werden was ganz anderes sagen. Also ich glaube, es gibt beides. Aber in Bordeaux gibt es Millionen Wein, die keiner haben. mir um eine Flasche Wein, die keiner haben möchte. Und da musst du natürlich deine Gedanken machen und sagen, okay, was mache ich denn damit?

Und die Leute, also ich sage jetzt mal, die Generation jünger als wir, die vielleicht jetzt Anfang 30 sind, ob die sich heute einen Wein kaufen, in 20 Jahren hinlegen, eher fragt ich. Das glaube ich eher nicht. Sondern die wollen sich heute einen Wein kaufen und ihn morgen trinken und dann soll er schon schmecken. Und das ist eigentlich die große Veränderung. und für mich ein sehr guter Wein zum Essen. Was würdest du essen dazu? Naja, also ich würde so ein Bœuf Bourguignon oder so, so ein bisschen mit Champignons und Zwiebeln. Ich finde, der Wein hat eine ziemliche Säure auch, die auch quasi einlädt, richtig Essen dazu zu machen auch. Bœuf Bourguignon finde ich eigentlich richtig gut. Vielleicht auch einen Linseneintopf, kann ich mir auch schon vorstellen dazu.

Ja, ja. Jetzt mal Lars nicht da und ich erstelle, weil er ein vegetarisches Gericht war. Tja, Wahnsinn. Ja, aber was ist denn dir der Wein an Punkten wert? Ja, 10 ist das meiste, Lars ist nicht da. Für ihn würden wir quasi den Mittelwert unserer beiden Bewertungen ziehen. Das wäre nur fair und ich würde dem Wein 8 Punkte geben. Für mich ist das ein wirklich guter Bordeaux. Graf Neidberg, alles was er anfasst. Ob das Chateau de Gui, Canon La Gaffee oder sein Topwein, das ist alles wirklich immer sehr, sehr gut. Und ich glaube auch, dass er seinen Namen nicht draufschreibt für etwas, wo er nicht hundertprozentig dahinter steht. Ja, Saint-Termillon, rechtes Ufer, generell immer mehr L'Olastik. Und mit dem Cabernet Franc gibt es ein bisschen diese Ernsthaftigkeit und nicht nur Hurra, die Fruchtpause, die du vielleicht ein bisschen in der Nase hast, aber dann immer am Gaumen nicht. Ja. Und du? Ich würde vielleicht sogar neun Punkte geben. Krasso, Mato. Ja, ich bin da gut drauf heute. Aber weil, ich finde, 18 sagtest du, 18, was kostet der gerade? Ja. Der schmeckt so als ob er, weiß nicht, 80 oder ich weiß nicht, oder 50. Der schmeckt wie so ein Wein, der so richtig in die Folien geht. Aber ist doch cool eigentlich. Ich finde es auch cool und mir schmeckt er auch. Ich mag es einfach. Und deswegen, ja. Und Lars Neidberg, starker Typ. Starker Typ. Dann geben wir 25,5 Punkte.

Runden wir auf oder runden wir ab? Man muss immer aufrunden. 0,5 muss man aufrunden. Ja, 26. Das ist eine gute Bewertung. Ja, aber es ist ja auch ein guter Wein. Kannst du dir vorstellen, den auch im Sommer zu trinken? Kommt man in den Juni hinein? Ja, also ich finde nicht, dass er zum Sommer passt. Das nicht. Ein bisschen gekühlt, wenn es abends dunkel wird und ein bisschen kühler. Ja, also der ist schon kraftvoll. Also willst du den auch zum Grillen oder so aufmachen? Ja, das ja. Ich auch, ich glaube auch. Ich habe mir überlegt, vielleicht sogar wegen der Säure, ob vielleicht sogar Tomate dazu passt. Also ob man wegen so einer Grilltomate oder so, die immer schwer ist von der Säure, ob man das vielleicht dazu probieren kann. Ich kann es mir echt vorstellen. Ja, gutes Zeug. Also, starke Wein. Hast du noch etwas in neun, acht Sekunden zu erzählen? Nee, gar nichts. Ich freue mich, dass du da bist. Ja, ich freue mich, dass du da bist. Und danke fürs Zuhören. Danke auch.