In der dritten Folge von Akte Sturmern legen wir den Fokus auf die mediale Berichterstattung rund um den Mord an Silke Brüchmann. Die Medien spielen eine entscheidende Rolle und können großen Einfluss auf die Ermittlungsarbeiten der Polizei haben. Das kann, wie wir alle wissen, Auswirkungen in unterschiedlichste Richtungen haben und geht somit auch mit einer extrem hohen Verantwortung einher. Das ist auch der Grund, warum ich in der heutigen Folge das Gespräch zu Klaus Vogel gesucht habe. Der ist ehemaliger Redakteur des Sturmahler Tageblatt und später zum Hamburger Abendblatt gewechselt. Außerdem widmen wir uns Silkes Beerdigung. Ein Kapitel in diesem Fall, das traurige Erinnerungen wieder hochholt. Eine Sache noch vorweg.

Als ich mit meiner Recherche im Oktober vergangenen Jahres begonnen habe, ging eine meiner ersten E-Mails an das LKA Kiel. Denn beim schleswig-holsteinischen Landeskriminalamt liegt der Fall Silke Brüchmann bis heute noch in einer Akte, die auch unter den Beamten niemals in Vergessenheit geraten wird. Weil im Fall Silke seit Jahren nicht mehr aktiv ermittelt wird, befindet sich der Fall mittlerweile in der Verantwortung der Cold Case Unit Kiel, die regelmäßig die Ermittlungen zu alten Verbrechen wieder aufnimmt. Auf meine erste Anfrage folgte nach mehrfachem E-Mail-Kontakt schließlich ein Statement der CCU, warum eine Beteiligung an dem Podcast aktuell nicht möglich ist. Ich werde sie an dieser Stelle verlesen und rufe dazu auf, sich in akuteren Fällen, die bei der Sondereinheit gerade priorisiert werden, mit sachdienlichen Hinweisen zu melden. Also folgendes Statement wurde mir über die Pressestelle des Elke Akil übermittelt.

Sehr geehrte Frau Rabener, zunächst einmal zu Ihrer konkreten Anfrage. Leider ist eine Mitwirkung der Cold Case Unit an Ihrem Podcast zurzeit nicht möglich. Die CCU hat derzeit aufgrund einer personellen Unterbesetzung und einer damit verbundenen extrem hohen Arbeitsbelastung keine Kapazitäten.

Hinzu kommt, dass hier weiterhin intensiv an dem Fall Linnemann gearbeitet wird und wir bereits die nächsten Maßnahmen vorbereiten, die viel Zeit kosten. Dies bedeutet aber nicht, um ihre Formulierung letzter Versuch aufzugreifen, dass wir grundsätzlich und auch zukünftig nicht bereit sind, über die Arbeit der CCU zu sprechen. Ganz im Gegenteil, sobald die CCU Personal wieder gut aufgestellt ist und etwas Luft hat, kann sie auch wieder Interviews geben. Allerdings sind sie, und auch das ist ein Grund für unsere heutige Absage, nicht das einzige Medium, das sich für die CCU interessiert. Wir haben sehr viele Anfragen dazu vorliegen, die auch in normalen Zeiten nicht alle gleichzeitig bedient werden könnten. Insofern bitte ich um Verständnis, dass wir Ihre Anfrage zum jetzigen Zeitpunkt nicht entsprechen können. Und ich kann nur sagen, dafür habe ich Verständnis. Auch meine Redaktion und ich möchten den aktuellen Ermittlungen nicht im Wege stehen und Zeit in Anspruch nehmen, die dann an einer anderen Stelle fehlen könnte.

Deshalb verzichten wir auf ein Statement der CCU und widmen uns jetzt lieber dem Fall Silke. Mein Name ist Pierre Rabener und ihr seid jetzt mittlerweile bei der dritten Folge von Akte Sturmann, wer hat Silke getötet, angekommen.

In einem Moorgraben zwischen Schlammersdorf und Sühlen gefunden wurde. Da nimmt die Bad Oldesloher Kripo eine Spur auf, die konkreter nicht sein könnte. Wir befinden uns auf der Autobahn Richtung Hamburg. Ein 25-jähriger Mann aus Lübeck wird in der Nacht zum 11. Juni 1985 von einem Autofahrer als Anhalter von der Hansestadt zur Hansestadt mitgenommen. Die beiden kommen auf der Fahrt ins Gespräch. So wird es der Fahrer später in seiner Zeugenaussage bei der Polizei erinnern. Was sein Beifahrer zu sagen hat, jagt ihm einen kalten Schauer über den Rücken. Der Tramper aus Lübeck machte sich auf dem Beifahrersitz bequem und erzählt, in Bad Oldesloe ein Mädchen getötet zu haben. Ob er dazu konkrete Angaben macht, ist öffentlich nicht bekannt. Der Autofahrer bleibt ruhig, verarbeitet das Gesagte und beschließt daraufhin, eine Polizeistation in Hamburg anzufahren. Bevor er die Wache erreicht, springt der 25-jährige Mann an einer Ampelanlage in Jenfeld aus dem Fahrzeug. Der Autofahrer wird ihn nie wieder sehen.

Fünf weitere Stunden vergehen in dieser Dienstagnacht in Hamburg. Dann hält derselbe junge Mann, der aus dem Auto geflüchtet ist, in Hamburg-Sasel einen Rettungswagen. Aber die Besatzung kann mit ihm nichts anfangen, bis der 25-Jährige erneut anfängt, über seine angebliche Tat zu sprechen. Die Einsatzkräfte verständigen daraufhin die Mordkommission Lübeck und übergeben den Mann an die Beamten. Axel Petermann habt ihr ja schon in der zweiten Folge gehört. Letzte Woche hat er Folgendes zu Zeugenaussagen im Zuge polizeilicher Ermittlungen gesagt. Uns kurzen Zatsache, Zeugenaussagen sind sehr, sehr wichtig, helfen auch immer wieder der Polizei, aber man muss sie auch schon mit Vorsicht betrachten. Die Lübecker Mordkommission nimmt den 25-Jährigen ins Verhör. Dort macht er laut Angaben der Ermittler verwirrende Aussagen, sodass schnell feststeht, dass er nicht tatverdächtigt ist.

Seine Aussagen haben zum Fall Silke Brüchmann keinen Bezug. Außerdem wiederholt er die Behauptung, er habe Silke getötet gegenüber den Beamten nicht. Der 25-jährige Lübecker kommt in psychiatrische Behandlung und verschwindet von der Bildfläche der Polizei. Als ich während meiner Recherche auf diese Spur gestoßen bin, verstehe ich die Welt nicht mehr. Ich habe Axel Peteran gefragt, wie kann es sein, dass jemand zur Polizei geht und eine Tat gesteht, die er gar nicht begangen hat? Ich war gerade ganz frisch in der Marktkommission. Da rief dann ein Kollege aus dem Einbruchsdezernat an. Er hatte einen Einbrecher vernommen, einen Einbrecher, der wirklich sehr gut dort bekannt war. Und der hatte im Rahmen der Vernehmung zunächst nur ein Mord gestanden. Und dann später zwei weitere. Und die Taten sollten sich in Bremen ereignet haben, in München und in Belchgen. Und es war wirklich so, ich sag jetzt mal dort, mein erster großer Fall. Und, Dem Nachweis oder eben zufolge war ich natürlich auch aufgeregt, jetzt hast du auf einmal jemanden, der ein Morde gestehen will.

Und letztendlich wollen die ihm kein einziger nachgewiesen werden. Man kann zwar behaupten, man hat eine Tat begangen, aber letztendlich reicht das Geständnis nicht aus, wenn es eben halt nicht unterfüttert werden kann mit Beweisen. Und so ist es in einem Fall auch gewesen. Und als ich ihm dann später dann sagte, dass ich meine Zweifel habe, dass er die Taten begangen habe, dann ließ er wirklich so seine ganze Nacht, die er noch über mich hatte, dann mich erneut noch mehr spüren und meinte, und wenn doch. Und dann drehte er sich um und ließ sich dann abführen in die Zelle. Und ich blieb dann mehr oder weniger ratlos gerückt.

Wie es denn nun tatsächlich gewesen war. Also einen dieser drei Mörder hatte es tatsächlich in Bremen gegeben. Es ließen sich keine Beweise, doch zu denen man dann eben halt zürmt. Man muss sich fragen, ja warum tun die das? Und da gibt es unterschiedliche Gründe, weil sie von anderen Dingen ablenken wollen, weil sie andere Personen vielleicht schützen möchten, weil sie einen negativen Ohm vielleicht auch erfahren möchten, weil sie im Rampenlicht stehen möchten. In der Zwischenzeit haben sich die gesuchten Paddler an der Trave bei der Polizei gemeldet. Sie haben den Aufruf in den Medien gelesen. Doch auch die vier jungen Männer aus Hamburg können den Ermittlern nicht weiterhelfen. Sie hatten sich erst jetzt auf den Zeugenaufruf gemeldet, weil sie zuvor am evangelischen Kirchentag teilgenommen haben. Die Polizei tappt also nach wie vor im Dunkeln. Doch es wird nicht das letzte Mal sein, dass die Beamten sich versuchen, die mediale Aufmerksamkeit zunutze zu machen. Dazu kommen wir aber erst später. Es wird Zeit, jemanden zu Wort kommen zu lassen, der die Ermittlungen von Anfang an begleitete und in diesem Podcast bisher noch gar keine Erwähnung gefunden hat. Mein Name ist Thorsten Vogel, ich bin geboren 14.9.1949 im Rheinfeld.

War Redakteur beim Stamm meiner Tagebärter Zeitung, bin dann zum Abendblatt, dort Pinneberg, die Sport, in Hamburg Lokalsport, später Arnsburg Lokalsport und dann gewechselt ins Lokale. Ja. So viel.

Mit dem Freise bindet mich eigentlich, ich bin Reinfelder, gebürtiger Reinfelder. Silke Brüchmann war gebürtige Reinfelderin, die Mutter auch. Man kannte sich, die Tochter kannte ich nicht, aber die Mutter kannte ich. So nach dem Motto, guten Tag, wie geht's? Und da kommt man, wenn man jemanden sieht, immer wieder der Gedanke an Silke hoch. Auch Jahre später noch. Was kommt Ihnen denn als erstes in den Kopf, wenn Sie daran denken? Mich wundert immer noch, dass es überhaupt keine Hinweise gibt. Oldesloh war klein. Man kannte sich eigentlich. Wenn jemand so gut Bescheid wusste, dass hinter Schlamersdorf Wege abgehen, in denen man sich heimlich treffen konnte, das haben viele gemacht, dann muss er sich dort ausgekannt haben. Das Mädel kam aber aus Rheinfeld und nicht aus Oldesloh, die waren nur in der Schule. Die müssen sich also vorher gekannt haben. Der muss 18 Jahre alt gewesen sein, wenn man ein Auto hatte. Kann auch eine Frau gewesen sein, aber ich nehme immer von Männern aus. Deshalb wundert mich das, dass man überhaupt keinen Hinweis gefunden hat. Es gab auch Material in der Zigarettenkippe und deshalb, es ist wirklich ein Wunder, wie man so ein Verbrechen so verstecken kann, ohne dass man draufkommt in so einem kleinen Kreis. Können Sie sich noch grob zumindest an den Moment erinnern, als Sie davon erfahren haben und was haben Sie dann daraufhin gemacht? Grob ja.

Äh, damals waren kleine Privatzeitungen, die gehörten privaten Leuten, also nicht zum SAZ, sondern einem Mann. Man hatte gute Kontakte zur Polizei, weil die wussten, wenn ich dem irgendwas sag, was er nicht drucken soll, dann sage ich ihm das und dann macht er das auch nicht. So, und deshalb war Nähe da. Und ich erinnere mich nicht genau, wie es war, aber ich meine, ich habe einen Anruf gekriegt, wo irgendeiner von denen, die man besser kannte, sagte, Fahr mal raus nach Stammer's Sorvern-Leichenfund. Mehr gab's nicht. Weil die auch nicht mehr wussten, also konnten sie auch nicht mehr sagen und hätten auch nicht mehr gesagt. Aber das war natürlich für jemanden schon der erste Schritt, um an den Pfahlrand zu kommen. Ja, klar.

Das Problem war dann, es war weit weg von der Straße, es muss fast Kilometer gewesen sein, vielleicht ein bisschen weniger. Und oben standen zwei Mutterrad-Polizisten, die absperrten und keinen durchließen. Und da man sich auch persönlich kannte teilweise, habe ich auch nicht versucht zu denen zu sagen, geh mal beiseite, ich geh da durch. weil das wäre für die so zwei Obermeister, die wären nie wieder weitergekommen. Deshalb hat man es gelassen, wie man sowieso versucht hat immer bei solchen Sachen darauf zu verzichten, zu sehr ins Detail zu gehen, um die Familie nicht zu belasten oder um irgendwas in Gang zu setzen, was völlig falsch gewesen wäre. Also habe ich nicht vermutet, laut und deutlich, warum die sich getroffen haben. Einfach Berichterstattung darüber. Einfach über Richterstattung, es hat stattgefunden. Konnten Sie das dann auch gleich zuordnen, als dann rauskam, dass es um Silke Brüchmann geht? Und wenn Sie sagen, die Mutter ist... Das war kein Beta. Zu dem Zeitpunkt war nichts bekannt. Zu dem Zeitpunkt war eine junge Frau sein. Das war eine 15-Jährige, also noch keine junge Frau. Für damalige wäre das eine Fräulein gewesen oder sowas.

Es war wirklich nichts bekannt. Es war nur ein Leichenfund an einer Stelle, bei der sich öfters mal auch Paare getroffen haben. Das war es. Aber schon auf diesen Hinweis habe ich verzichtet, meine ich jedenfalls damals, weil es hätte wieder irgendwas in Gange gebracht, was für die Familie nicht gut gewesen wäre. Ich finde das wichtig, dass man da möglichst neutral bleibt also ich finde die Entscheidung war andere Sachen die waren damals offensiver aber wir im Lokalen waren einfach wieder, sag ich mal aber vernünftig auch fand ich, man lebte mit den Menschen zusammen man wollte ihnen auch keine Schwierigkeiten machen es hat sowieso genug Wellen geschlagen in Rheinland Jahre später noch, wenn man da mal hinkam wieder und Kampenwissen. Kannst du dich noch erinnern? Es war immer präsent bei den Reinfildern. Das glaube ich. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich irgendwie meinen Hinweis gekriegt habe, auch privat nicht, der in diese Richtung ging. Könnte der sein oder könnte der sein? Nichts. Also es ist schon ziemlich doll versandet. Ja. Verstehe. Kurzer Einschub von mir an dieser Stelle.

Mediale Berichterstattung bringt besonders in so einem Fall eine große Verantwortung mit sich. Da sind Klaus Vogel und ich uns direkt einig gewesen. Vielleicht versteht man das erst, wenn man einmal in einem Gerichtssaal gesessen hat, neben einem auf den Zuschauerring Angehörige, die Gerechtigkeit fordern, weihen und deren Leben nur durch die Nennung ihres Namens schon unerfreuliche Wendungen nehmen kann.

Bei uns in der Redaktion gilt deshalb zum Beispiel die Regel, im Rahmen von Prozessen keine Klarnamen zu nennen. Weder vom Angeklagten noch von den Zeugen. Bei einem Leichenfund fällt sich das ähnlich. Die Öffentlichkeit hat ein Anrecht auf Informationen, es liegt aber in unserer Verantwortung, mit diesen richtig umzugehen. Klaus Vogel habe ich deshalb auch gefragt, wie er das sieht. Wie sollte man richtig mit solchen Zellen umgehen und wo ist auch eine Grenze erreicht, Und dass man sagen muss, da gehe ich nicht mit aus ihrem eigenen Emessen heraus. Also ganz offensiv gesprochen, man sollte nichts zurückhalten, was man veröffentlichen kann oder darf, was man offiziell bekommt. Also diese Lektionen, die darf es nicht geben.

Aber von hinten rum an ein Thema ranzugehen und dann irgendwas rauszulassen, was nicht beweisbar ist, was auch schaden könnte denen, über die man berichtet, das sollte man lassen. Und ich bin also auch teilweise so gewesen, wenn es klingt, ein 61 Jahre alter Malermeister aus Klein-Kleckersdorf hat das und das gemacht. Da musste man sehr genau wissen, dass der es auch wirklich gemacht hat. Und da fand ich den Hinweis schon schlecht einen Malermeister aus, weil wenn man 300 Einwohner hat, weiß man, wer es ist. Das ist die Stelle, an der man vorsichtig sein muss. Aber wenn man offiziell irgendwas hat und nicht nur Hinweise hat, hat auch vielleicht Material in der Hand, dann muss es raus. Überhaupt keine Frage. Auch wenn es jemandem wehtut, weil.

Das muss eine andere entscheiden, ob es gut oder schlecht ist. Ich bin der Berichtende, der möglichst objektiv sich verhält. Möglichst. Ich weiß, dass es nicht geht. Man hat immer was Persönliches dran. Bist du nahe an einem Fall dran? Ist man eher bereit, was zu lassen, wenn man nicht weit weg ist? Geht man vor. In dem Fall war ja der Name trotzdem relativ schnell bekannt. Ist das durch andere Medien gekommen oder hat die Polizei den Namen veröffentlicht? Das ist bei mir auch angekommen. Und das nächsten oder übernächsten Tag, ich glaube, der nächste sogar schon, da hat man den Namen auch gehabt und wusste auch, es ist halt zu klein auf Einbruch. Die Leute wussten natürlich, dass ich Rheinfelder bin, viele jedenfalls da. Und dann hört man auch schon, hast du schon gehört, das kommt dann privat ran. Und dann kommt der Name und da kam auch ziemlich schnell bei allen raus. Ich weiß nicht, wer es als Erster gemacht hat, aber er war dann auf der... Dann wird er auch benutzt, das ist klar. Das habe ich jetzt auch in den Gesprächen auf jeden Fall so mitbekommen. Sobald dann auch irgendwie Ermittlungen beginnen und da Leute privat aufgesucht werden, dafür ist es ja klar, dass das der Namen rumgeht.

Was glauben Sie, warum hat der Fall die Redaktion trotzdem so lange beschäftigt? Es war eine junge Frau, quasi ein Kind. Die ist brutal ermordet worden, erstochen, es ist ja alles Mögliche. Was ich weiß, ist halt nur das, was andere auch wissen. Erstochen, geschlagen und das macht mit Leuten natürlich irgendwas, das macht betroffen, das macht auch den Journalisten betroffen. Denn in einem anderen Fall, bei Unfällen zum Beispiel, Nämlich da lag ein Toter abgedeckt. Du standst mit anderen Kollegen oder auch mit Polizisten. Und es wurde locker gesprochen. Wenn ein Kind war oder einer nur einen Schritt zu viel gemacht, dann hieß es, mach das nochmal Luftließeleck. Da ist die Betroffenheit bei jungen Leuten natürlich viel, viel größer. Und es war eine 15-Jährige. Heute würde man sagen, gut, eine junge Frau. Früher war das quasi ein Mädchen. Es hat viele Betroffene, es hat uns auch betroffen gemacht. Es gibt ja einige Tötungsdelikte in dem Bereich, die man kennt, aber dieses war einfacher.

Es kam immer wieder in den Kopf rein, warum kommt man da nicht weiter? Was kann man noch machen? Das ist ja oft das Spannende, als ich Kontakt zu ihnen aufgenommen habe, dass ich nur den Namen erwähnen musste und sie konnten das sofort damit in Verbindung setzen. Ich habe mir hier die Taschung gewechselt und bin da gerne nach Haus gewesen. Das war dann für mich auch vorbei. Aber wenn man Leute getroffen hat, von denen man wusste, die waren da nahe dran, kam es auch selbst in den Kopf. Ja, glaube ich. Silke wird auf dem Friedhof in Rheinfeld beigesetzt. In die Friedhofskapelle Kalkgraben kommen hunderte Angehörige. Sie finden kaum Platz in dem kleinen Gotteshaus. Die Anteilnahme ist riesig. Viele ehemalige Mitschüler und Mitschülerinnen sind vor Ort und nehmen Abschied von Silke. Mit Trauer geht jeder anders um. Das machen auch meine Gespräche mit Anja und Thomas und Christina deutlich. Ja, habe ich irgendwann erfahren, wann die Beerdigung ist und dann sind wir da alle irgendwie hin.

Ich war auch mit in der Kirche, das weiß ich. Und dann stand ich raus aus der Kirche, der Sarg wurde rausgetragen. Ich bin dann leider die Seite. Und habe mich dann mit diesen, Der diese Leisenwäsche durchgeführt hat und so hatte ich dann dieses, wusste ich aber nicht, dass er das ist. Und der hat mir dann erst mal erzählt, wie schön sie überhaupt zugerichtet wurde und so. Ich wusste wohl auch nicht, dass wir so eng gefreundet waren. Und er hat wohl gedacht, ich bin nur einer, der mal eben hier zuschauen will oder so, aber ich wollte eigentlich nur nicht so dicht ans Grab ran.

Nur als wir dann eben mitbekamen, ja dann und dann ist die Trauerfall, da haben wir dann eben uns doch zusammengetan und gesagt, so sollten wir auch hingehen. Das war nochmal wichtig, dann Abschied zu. Ja, ja, ja. Das kann man in dem Moment gar nicht, das versteht man nicht, man hört das, aber man versteht es nicht. Ja.

Und hast du Erinnerungen an die Beerdigung? Ja, also, ja, wir kamen da in die Kapelle, es war unheimlich voll. Ich habe heute noch mit meiner langjährigen Freundin, besten Freundin telefoniert. Und das ist immer ganz interessant, was man denkt und was wirklich war. Ich sage, ich habe gedacht, du hättest neben mir gesessen. Nein, sagt sie, habe ich nicht. Ich habe draußen gestanden, weil die Kapelle voll war. Okay. Ich meine, es ist auch nicht die allergrößte Kirche. Und das ist trotzdem so ein Atom. Ja, ich meine, der Bürgermeister, ihr Arbeitgeber, der Arbeitgeber der Mutter, Der hat auch noch eine Ansprache gehalten, das weiß ich. Und ich glaube, zum Grab bin ich auch nicht mitgegangen, wo du das jetzt erzählst von Thomas. Ich glaube, nein. Aber ich habe jetzt auch so gehört, dass es auch eher eine kleine Familie war, oder? Sie waren ja auch Einzelkind. Ja. Da waren wahrscheinlich auch viele Freunde und nicht eine riesige Familie. Da waren ganz viele aus unserer Schule. Ja. Aus der, ich denke mal, Grundschule. Wir waren dann ja der Teil, der dann auf der Bejahtschulung ging. Da war sicherlich das Gymnasium da. Ja, eine ganze Ecke. Also ich habe das als sehr... Sehr gut besucht, also die Kapelle war voll, so habe ich das empfunden.

Darf ich mich fragen, was ist das für ein Gefühl, wenn jemand, der auch im gleichen Alter ist, schon so früh stirbt und dann vor allem mit dem Hintergrund? Ja, das ist natürlich ganz fürchterlich. Da kommen natürlich so viele Gedanken hoch, dass man natürlich denkt, es hätte mir auch passieren können. Natürlich. Gerade damals war es auch wirklich so, wir hörten oft von, das heißt oft, also nicht oft hier aus dem Kreis, aber doch oft, dass so etwas passieren kann. Dass Kinder mitgeschnackt wurden, wie man früher sagte. Oder auch, ich weiß, dass meine Eltern mich ganz oft gewarnt haben. Wir hatten ein ganz langes Grundstück und sagten immer, geh nicht alleine ganz bis zum Schluss, bis zum Wald. Und wenn dich einer anspricht, lauf. Warst du auch dabei bei der Beerdigung? Ja.

Und hast du noch Erinnerungen daran, waren das, waren viele Schüler? Es waren viele Schüler da, ja. Es waren viele junge Menschen da, also ... Und ihr habt dann gemeinsam Abschied genommen. Ja, also an die Beerdigung selbst. Also ich glaube, das ist ein bisschen wie so ein Film für mich gewesen. Das war eine unglaublich traurige Angelegenheit. Es waren, wie gesagt, viele Schüler da. Es waren aber auch ihre Eltern natürlich, die da mit ihrem Schmerz so standen und für die ich auch stupeit so mitgelitten habe, weil sie die einzige Tochter war und die jetzt unter diesen schrecklichen Umständen ihr Kind verloren hatten. Und ja, das war furchtbar. Einfach furchtbar. Ja. Sein eigenes Kind zu Grabe tragen ist etwas, was kein Elternteil jemals erleben sollte. Für alle Anwesenden bleibt auf der Beerdigung die eine große Frage offen. Wer hat Silke das angetan und vor allem warum? Christina hat mir auch anvertraut, was einem durch den Kopf geht, wenn man seine beste Freundin durch ein solches Gewaltverbrechen verliert. Vielleicht auch nochmal die zugegeben sehr persönliche Frage, musst du auch nicht beantworten.

Wie fühlt man sich? Ich meine, Silke war eine sehr enge Freundin von dir, die von heute auf morgen einfach weg ist. Und das macht natürlich schon was mit einem. Ja, es sind so viele Dinge. Also das geht so von dem Gedanken, was wäre gewesen, wenn wir den Abend zusammen verbracht hätten? Hätten wir gemeinsam was ganz anderes erlebt und wäre alles nicht passiert? Oder wären wir beide tot? Oder hätte ich es irgendwie beeinflussen können? Hätte ich irgendwie eine Möglichkeit gehabt, Einfluss darauf zu nehmen, dass die Dinge nicht passieren? diese Frage stellt man sich natürlich. Aber ich denke, wir waren, also ich hätte es ja nicht verhindern können. Also was hätte ich sagen können? Hätte ich sagen können, du bleibst heute Abend zu Hause. Also das wäre ja alles irgendwie. Nein, ich hätte nichts daran ändern können. Hätte, wäre, könnte. Das schwingt in dieser Zeit, wo über allen Angehörigen um Silke herum mit. Während um die 15-Jährige getrauert wird, hat die Polizei knapp einen Monat später noch immer keine neuen Erkenntnisse über den Tod von Silke Brüchmann in der Hand. Und wenn sie es doch hat, behält sie die Information aus ermittlungsstrategischen Gründen für sich.

Andererseits zeigt uns der Fall, dass die Beamten die Öffentlichkeit bewusst mit bestimmten Informationen zu füttern wussten. Am 5. Juni 1985 ruft die Polizei in der Ahrensburger Zeitung ein weiteres Mal die beiden Zeuginnen auf, die sich mit ihrem blaugrauen Pkw am 1. Juni 1985 gegen 20 Uhr in Tatortnähe befunden haben sollen. Sie sollen sich bei den Behörden melden. Eine der Frauen soll ein weiß-braun gestreiftes Kleid getragen haben.

Doch die Frauen melden sich einfach nicht. Dem Zeugenaufruf fügen die Ermittler auch noch ein Foto der Tatwaffe hinzu. Es zeigt ein Messer mit einem imitierten Hirschhorngriff. Der Griff ist weiß, hat aber in der Mitte eine braune hervorgehobene Verzierung und zeigt den Kopf eines Hirschen. Das Ende des Griffes ist rot. Nicht gerade etwas, das man im normalen Küchenbedarf hat. Die Polizei gibt an, dass das Messer neben Silkes Leiche gefunden worden ist.

Am 10. Juli 1985 veröffentlicht die Staatsanwaltschaft des Lübecker Landgerichts gemeinsam mit der Lübecker Mordkommission ein ausführliches Infoplakat, das auch im Sturm an der Tageblatt abgedruckt wird. Doch es handelt sich nicht bloß um Informationen, sondern um die Ausschreibung einer Belohnung im Wert von 3000 D-Mark. Das hatte der damalige leitende Staatsanwalt Oswald Kleiner veranlasst. Mit folgenden Fragen richten sich die Ermittler an die Bevölkerung. 1. Wer hat Silke Brüchmann am 1. Juni noch nach 18.30 Uhr gesehen? Sie war mit einer weißen Hose und einem laxfarbenen T-Shirt bekleidet. Über dem Arm soll sie eine dunkle Jacke getragen haben. 2. Wer kann Aussagen zu Fahrzeugen machen, die am 1. Juni zwischen 18.30 Uhr und 20 Uhr die Straßen im Bereich Bad Oddsloh, Schlammersdorf und Sülen befuhren oder in diesem Bereich standen? 3. Wer kennt das auf dem Plakat abgebildete Messer, das vermutlich als Tatwaffe benutzt wurde? Auf dem Plakat ist nicht nur erneut das Konfirmationsbild von Silke abgebildet, sondern auch eine Schaufensterpuppe, bekleidet mit den beschriebenen Klamotten vom Tattag. Von der Gegenüberstellung mit jener Puppe hatte Christina bereits in Folge 2 erzählt.

In fetten roten Buchstaben prangt die Zahl 3000 D-Mark unterhalb des Fotos der Tatwaffe. Der Leitende Oberstaatsanwalt in Lübeck setzt eine Belohnung in Höhe von 3000 D-Mark aus für die Ermittlung oder Ergreifung des Täters oder für die Herbeischaffung von Beweismitteln, die zur Überführung oder Ermittlung des Täters führen. Hinweise bitte an die Kriminalpolizei Bad Oldesloe. So langsam wird es Zeit für einen Zeitsprung in diesem Podcast. Wir haben jetzt sehr konkret über die Wochen und Monate nach Silkes Tod gesprochen. Doch es werden noch viel mehr Monate ins Land ziehen, in denen sich einfach niemand melden wird. Die Polizei hält sich bedeckt. Die Öffentlichkeit konnte nichts Entscheidendes zum Fall Silke Brüchmann beitragen. Und trotzdem wird man sich dazu entscheiden, diesen Schritt noch viele weitere Male zu wagen. Ich habe das ja 85 bei oder 86 war es dann nachher im Fernsehen irgendwie.

Und ja, da kann man sich auch vielleicht nicht reindenken. Nun will man die auch gar nicht. Und klar möchte ich gerne wissen, wer es war und warum. Und das fragen sich ja auch bestimmt viele und es wäre auch schön für ihre Eltern gewesen und vielleicht mit einem größeren Frieden einzuschlafen. Ich weiß, was mit meiner Tochter passiert ist. Das erwartet euch in der nächsten Folge von Akte Sturmern. Am 20. Juni 1986, Silkes Tod liegt bereits über ein Jahr zurück, ist Ermittler Wolf-Rüdiger Könntopp zu Gast in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY ungelöst. Wir sprechen über die Ausstrahlung des Falls in einer bundesweit bekannten und beliebten Fernsehshow. Wie wird Silke hier dargestellt und wie geht es ihren Freunden und ihrer Familie damit, wie Silke in der Sendung vor den Augen aller Zuschauer geframed wird? Stille Wasser sind tief, sollen viele über Silke auch noch nach ihrem Tod gesagt haben. Christina hat angekündigt, dass sie einige Dinge richtig stellen möchte. Und noch eine weitere Person will sich zur Berichterstattung äußern. Dafür ist in Folge 4 die Zeit gekommen. Und auf einmal steht noch ein anderer Mann im Verdacht, Silke Brüchmann getötet zu haben.

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