In der zweiten Folge von Akte Stormann werde ich euch erzählen, was mit Silke an jenem Juniabend passierte und wer sie fand. Dafür spreche ich mit dem wohl berühmtesten Gast in diesem Podcast. Der Kriminologe Axel Petermann ist zwar nicht persönlich an den Ermittlungen im Fall Silke Brüchmann beteiligt gewesen, kann sich aber auf die Erfahrung aus jahrelanger Ermittlungsarbeit als Kriminalkommissar stützen und mit mir ein Täterprofil erstellen. Trigger-Warnung Wir sprechen in dieser Folge konkret über ein Tötungsdelikt und sexualisierte Gewalt bis hin zu Vergewaltigung. Wenn ihr euch durch diese Themen getriggert fühlt, solltet ihr diese Folge skippen oder hört sie euch lieber mit einer anderen Person zusammen an.
Akte Sturmann. Wer hat Silke getötet? Ein True Crime Podcast der Sturmann-Redaktion des Hamburger Abendblatts.
Es ist 20.30 Uhr am 1. Juni 1985. Auf einem Feldweg findet ein 51-jähriger Spaziergänger aus Bad Oldesloe Kleidungsstücke von Silke in der Nähe des Tatortes. Auf dem sandigen Boden liegen eine weiße Socke, ein Make-up-Spiegel, eine kleine Arzneimittelflasche und eine schwarze Darmjacke verstreut.
Utensilien, die eine junge Frau verloren haben könnte. Aber nach Silke sucht zu diesem Zeitpunkt ja noch niemand. Der 51-Jährige geht nicht zur Polizei, sondern nach Hause. Gegen 23 Uhr werden Silkes Eltern unruhig und fahren zum Haus, in dem die Party von Silkes Bekannten stattfinden soll, von der ihnen Silke erzählt hat. Doch es ist niemand mehr da, die Party ist schon vorbei. Hat Silke die letzte Bahn nach Hause verpasst und sitzt vielleicht am Eulisloher Bahnhof? Ihre Eltern machen sich auf den Weg, um ihre Tochter zu suchen. Am Bahnhof in Bad Eulisloh finden Silkes Eltern das Fahrrad ihrer Tochter, angeschlossen an einem öffentlichen Fahrradständer. Es fährt kein Zug mehr, mit dem Silke zurückkommen könnte, also fahren sie zur Polizei und melden die 15-Jährige als vermisst. Sie geben eine detaillierte Kleidungsbeschreibung ihrer Tochter an. Silke ist noch minderjährig, deshalb wird sofort eine Vermisstenverhandlung nach ihr ausgeschrieben. Gerne hätte ich auch persönlich mit Silkes Eltern über ihre Tochter gesprochen. Doch im Laufe meiner Recherche musste ich schon früh feststellen, dass beide nicht mehr am Leben sind.
Familienmitglieder von Silke werden sich dennoch bei mir melden. Aber dazu kommen wir erst in einer späteren Folge. Ich bin zum Gespräch mit Axel Petermann verabredet. Der dürfte dem ein oder anderen in der Kriminologie wohl ein Begriff sein. Nach seiner Ausbildung bei der Polizei Bremen war Axel Petermann seit 1975 bis 2014 Angehöriger der Kriminalpolizei. Und nach der Ausbildung zum Kriminalkommissar leitete er unter anderem mehrere Jahre die erste Mordkommission und war dann auch stellvertretender Leiter im Kommissariat für Gewaltverbrechen. In dieser Zeit hat er sich mit einer Vielzahl von Fällen des unnatürlichen Todes befasst und leitete die Ermittlungen bei Tötungsdelikten. Axel Petermann setzte sich ab 1999 mit dem FBI-Methoden des Profilings kritisch auseinander und begann nach einer Ausbildung zum zertifizierten polizeilichen Fallanalytiker mit dem Aufbau der Dienststelle Operative Fallanalyse.
Die hat er bis zu seiner Pensionierung 2014 dann auch geleitet. Ich bin Axel Petermann, ein früherer Kriminalbeamter. Ich habe in der Mordkommission in Bremen gearbeitet, eine Mordkommission einige Jahre geleitet und so ab 2000 habe ich mich mit den Methoden des Profilings, der operativen Fallanalyse auseinandergesetzt. Seit meiner Pensionierung 2014 werde ich immer mal wieder aktiv, dass mich am Gehör wieder doch bitten, mir diese ein oder andere Verbrechen anzuschauen, weil sie eben halt der Auffassung sind, dass die Daten noch geklärt werden könnten. Oder manchmal wenden sich auch unmittelbar Betroffene an mich, meistens Männer, die verurteilt worden sind, die im Gefängnis einsitzen und die behaupten, völlig unschuldig zu sein. Sehr häufig sprechen mich Eltern an, von jungen Frauen oder von Frauen, die getötet worden sind, wo die Taten nicht aufgeklärt sind, die letztendlich das nicht ertragen können, diese Ungewissheit, was damals geschehen ist, wer für den Tod des Kindes verantwortlich ist. Ja, ja.
Ich merke, dass Männer später sich dann doch eher zurückziehen. Also dass so die Abläufe in der Familie auch züchtig gestört sind. Das Leben, das es einmal gegeben hat, verändert sich schlagartig mit dem Tod eines Angehörigen. Oder wenn dieser einfach von der Bildschirche verschwindet und niemand weiß, wo ist sie denn jetzt abgefliegen.
Also Vermisstenfälle sind dann auch immer wieder darunter oder wo man zumindest davon ausgeht, dass die Person noch vermisst sein könnte oder haben Sie sich tatsächlich nur mit Tötungsdelikten beschäftigt? Also es sind auch Vermiskenfälle dabei. Allerdings ist dann häufig der Hintergrund, dass man annimmt, dass diese Person dann eben halt offensichtlich tot ist, den Leichnam aber noch nicht gefunden hat. Mir war schnell klar, dass Axel Petermann für diesen Podcast genau der richtige ist, um den Täter zu analysieren. Einen Täter, den wir beide nicht kennen, der aber Spuren hinterlassen hat. Dazu sei gesagt, dass Axel Petermann im Fall Silke Brüchmann nicht selbst ermittelt hat. Deshalb habe ich mein Wissen und sämtliche Unterlagen meiner Recherchen mit ihm geteilt. Wie jeder gute Kriminologe hat er sich eingelesen. Nach seiner Pensionierung hat Axel Petermann angefangen, sein Wissen und seine Erinnerungen schriftlich festzuhalten. Am 11. Februar ist sein neuestes Sachbuch erschienen. Es trägt den Namen Die Psyche des Bösen und widmet sich in einem Kapitel dem Verschwinden der 13-jährigen Katrin Jarosch aus Mecklenburg-Vorpommern.
Die ist 1989 morgens auf dem kurzen Weg zu ihrer Großcousine Spurlos verschwunden. Umso deutlicher wird hier, dass Silkes Schicksal alles andere als ein Einzelfall ist. Ich bin ja 2010 angefangen, sage ich mal, True Crime zu schreiben. Das erste Buch auf der Spur des Bösen berichtete über Fälle, die ich in der Mordkommission doch bearbeitet habe. Und der Ansatz war wirklich der, die Kriminalistik darf nicht verloren gehen. Und gleichzeitig wollte ich aber auch entgegenwirken, dass letztendlich nur die Täterpersönlichkeiten nach dem Urteil, nach den Gerichtsverhandlungen noch im Gespräch sind, sondern eben halt auch an die Opfer erinnern. Und im Rahmen meiner Lesung bin ich von dem Vater von Katrin Jarosch angesprochen worden. Ich meine, das war in Güstho im Theater, wo ich eine Veranstaltung hatte und der war in der Pause auf mich zugekommen und hatte mir so ganz kurz und knapp davon berichtet, dass seine Tochter seit nahezu 35 Jahren verschwunden war. Ich hatte diesen Fall, weil es diese Anfrage eher zuvor von seiner Rechtsanwältin schon mal gegeben hat. Aber irgendwie sind wir da nicht zueinander gekommen.
Und mich hat das wirklich sehr gerührt, dass dieser alte Mann nach so vielen Jahren immer noch nach seiner Tochter suchte und einfach allein nur wissen möchte, definitiv wissen möchte.
Ob sie noch lebt oder wovon er nicht mehr ausgibt, dass er die sterblichen Überreste irgendwo beisetzen kann, dass er einen Ort der Trauer findet und dass er neben ihr beigesetzt werden kann. Das sind so seine Hauptwünsche. Und für mich war der Fall, wenn ich das so sagen darf.
Aber besonders spannend auch dadurch geworden, dass es sich um einen Fall aus der Führung DDR handelte und es dort nie so in die Ermittlungsmethoden der Volkspolizei, der Borduntersuchungskommission geschaut hatte. Und dass natürlich auch klar war, dass die Staatssicherheit mit agiert hatte, dass die parallele Ermittlungen geführt hatten. Und da wollte ich einfach eintauchen. Und als er mir dann auch noch sagte, dass es Unterlagen gäbe und ich dann auch noch von der Stasibehörde die Zusage bekam, Akten zu erhalten und auch in Schwerin beim Landesstaatsarchiv Unterlagen als Polizeiberichte vorhanden nahm, habe ich dann gesagt, ja, das würde ich doch gerne übernehmen. Der nächste Tag ist ein Sonntag, Spaziergewetter. Um 12.50 Uhr entscheidet sich der 51-jährige Oldesloher, der Silkes Kleidungsstücke am Vortag gefunden hat, dann doch dazu, seine Beobachtung auf dem Polizeirevier in Bad Oldesloh zu melden. Vorher ist er nämlich erneut in der Nähe des Tatorts unterwegs gewesen und hat auf seinem Spaziergang Zigarettenkippen und eine Schleifspur entdeckt. Die Leiche der 15-jährigen Silke findet er nicht.
Die Polizei ist jetzt alarmiert und beginnt, das Gebiet abzusuchen. Am Sonntagabend gegen 21.30 Uhr hat die Dämmerung bereits eingesetzt. Die Polizei findet die Leiche von Silke Brüchmann in einem Moorgraben zwischen Schlammersdorf und Sülen. Ein Hubschrauber ist im Einsatz und macht Luftbildaufnahmen vom Tatwort. Todesursache von Silke ist ein Schnitt mit einem Messer am Hals und Kopfverletzung durch einen stumpfen Gegenstand. Laut ersten Angaben der Polizei weist Silke keine Spuren auf, die auf eine Vergewaltigung hindeuten würden. Und das, obwohl doch der Zeuge ihre Kleidungsstücke gefunden hat.
Die Ermittlungen starten sofort. Man sollte annehmen können, dass sie vielleicht per Anhalterin weitergefahren ist, dass sie mitgenommen worden ist. und dass dann das Geschehen eskalierte. Und in der Folge wurde sie dann eben halt vom Täter getötet. Und das wäre jetzt zum Beispiel ein erster Hinweis dazu, dass es sich um einen Mord handeln könnte, weil etwas vorangegangen ist. Die Entführung, sage ich mal, weil sie gegen ihren Wehen an einen Ort gebracht worden ist, dass der Täter wollte, dass das nicht publik wird, nicht bekannt wird. Also wäre das zum Beispiel, oder könnte es sich um einen Verdeckungsmord handeln. Man muss ja auch berücksichtigen, dass ihre Kleidung zum Teil von einem Passanten gefunden wurde. Und man muss sich ja erfahren, wie kommt es dazu, dass sie diese Kleidung nicht mehr trägt wurde ja die ausgezogen, hat sie das selbst gemacht und hat Zwang.
Dass man sich eben halt genauer anschauen, wenn man zum Beispiel den Tator selbst betrachten könnte, die Fundsituation betrachten könnte. Aber das haben wir jetzt ja leider nicht. Und gleichzeitig soll all das, was man dort findet, doch nicht.
Bei der Suche nach dem Täter helfen. Also er soll mit den Spuren identifiziert werden können. Es gibt zum Beispiel Zigarettenkippen dort und man wird annehmen können, dass der vom Täter staunt. Es sind anscheinend mehrere. Das wird dafür sprechen, dass er sich eine längere Zeit dort aufgehalten haben könnte, dass er vielleicht vorher mit Silke noch gesprochen hat, er sie getötet hat oder im Nachhinein sich dort noch auffielte.
Die Zigaretten sind sicherlich untersucht worden, um per Wausschuh zu finden, wer hat sie geraucht. Das Verbrechen hat sich ereignet 1985 und wir sind in einer sehr, sehr spannenden Zeit. Weil in England wurde 1985 das erste Mal bei einem Sexualmord der Täter über die DNA identifiziert, Coltet Pitchfuck hieß der. Und in Deutschland war dieses Verfahren aber noch nicht bekannt. Also wird man 1985 mit der klassischen AB0-Methode gearbeitet haben, ob die Blutgruppe des Täters anhand der gerauchten Zigarette. Dann verstehe. Man wird zusätzlich auch Reifenspuren gesichert haben, um Fahrzeug zu bestimmen. Man wird nach Körperflüssigkeiten des Täters geguckt haben, findet sich an der Kleidung oder in der Vaginal findet sich da eben als Sperma des Täters. Üblicherweise hat man nach Speichel geguckt, weil er das Opfer geküsst haben konnte. Also die...
Also das Verhalten, was ein Täter bei einem anzunehmenden Sexualdelikt doch heilen kann, ist doch sehr, sehr weit gefächert. Alles sehr spannend, was Axel Petermann erzählt und vor allem hat es mich neugierig gemacht. Ich wollte mir unbedingt mein ganz eigenes Bild vom Tatort verschaffen und weil ich ziemlich genau verfolgen konnte, wo Silkes Leiche gefunden worden sein muss, bin ich einfach mal selbst hingefahren. Hier ist halt weit und breit gar nichts. Ich bin irgendwie, keine Ahnung, vor ein paar Minuten an den letzten paar Häusern vorbeigefahren. Es ist halt eine klassische Storm an einer anderen Straße, würde ich sagen. Beziehungsweise bewegen wir uns jetzt gerade schon aus dem Kreisgebiet raus, aber um mich sind wirklich nur Felder und der Radweg ist auch einseitig. Also nur auf der einen Seite kann man überhaupt lang gehen, auf der anderen Seite ist wirklich nur Acker und Graben und ich bin wirklich gespannt, wo ich jetzt hier genau ankommen werde. Es ist jetzt auch schon dunkel, nicht die ideale Zeit, um sowas zu machen.
Bin ich ehrlich, aber ich hatte erst jetzt Zeit dazu, mir das mal anzuschauen und werde es dann vor Ort auf mich wirken lassen. So, ich bin irgendwo im Nirgendwo zwischen Schlammersdorf und Sülen. Also sprich, ich bin am Tatort.
Zugegeben, die Witterungsbedingungen stimmen jetzt hier nicht ganz überein. Erstens, es ist total dunkel gerade und es regnet. Am 1. Juni 1985 wird es trocken gewesen sein. Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass das schon zum Sommer zählt und da haben wir ja meistens mit anderen Temperaturen zu rechnen. Was gleich ist, ist, dass es trotzdem ein Feldweg ist, auf dem ich mich hier befinde. Ich muss sagen, ab und zu fährt jetzt schon hier mal ein Auto vorbei, aber nicht viel und um mich herum sehr viel Wald und auf jeden Fall wenig los. Also weite Felder. Aber ja.
Der Feldweg, auf dem Silke gefunden wurde, geht quasi von der Segeberger Straße ab und er verbindet die Ortschaften Schlammersdorf und Süden miteinander. Deshalb beide Gemeinden gehören schon Sturmans Nachbarkreis Segeberg an, aber es ist quasi so eine Art Trampelfahrt, wo dann Trecker unterwegs sind. Und bei uns in Norddeutschland, ich weiß nicht, wo noch, würde man das, glaube ich, Feldmerk nennen. Ja, und es ist schon ein komisches Gefühl, an dem Ort zu sein, an dem Silke gefunden wurde, muss ich ehrlich sagen.
Ich wäre hier nicht gerne alleine gewesen. Sie sicherlich auch nicht. Man muss übrigens auch dazu sagen, dass in der Zeit, in den letzten 40 Jahren hier natürlich immer mal wieder gebaut wurde und vielleicht auch die Straße neu gemacht wurde. Also...
Die Situation, die die Ermittler da am Tag dort vorgefunden haben, die gibt es so nicht mehr. Aber es ist ja trotzdem irgendwie, ich finde, man muss trotzdem einmal vor Ort gewesen sein, um zu verstehen, wo das Ganze passiert ist. Das ist mir einfach sehr wichtig. Zurück zum Interview mit Axel Petermann. Der hat ja gerade angesprochen, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Silke doch vergewaltigt worden ist oder der Täter zumindest geplant hatte, sich sexuell an ihr zu vergehen. Gibt es trotzdem noch eine andere Möglichkeit? Jetzt habe ich zumindest den Kenntnisstand, dass es auch, dass vieles darauf hindeutte, dass sie eben nicht vergewaltigt wurde. Gibt es auch noch einen anderen Hergang, wie die Situation eskaliert sein könnte, dass es dann zu einem Tötungsdeleg kommt?
Also man muss sich natürlich erst bei die Funzsituation vor Augen halten. Gut, die ist sie gefunden worden, ist sie nackt ausgefunden worden, teilweise unbegleitet aufgefunden worden und auch wenn zum Beispiel kein Sperma vorhanden ist, dann bedeutet das ja nicht, dass es nicht ein versuchtes Sexualdelikt gewesen sein kann. Also da muss man sich eben halt das genaue Untersuchungsergebnis nach der Obduktion betrachten. Manche Täter besfriedigen sich auch selbst neben der Leiche und dann hat man eben halt dann nicht kontaminiert schon mit den Körperflüssigkeiten. Also letztendlich kann man ein Sexualgelick nicht ausschließen, urweil eben halt Sperrmasphäre.
Und sie hat nach anderen Motiven gefragt. Natürlich könnte es sein, dass es ein Verdeckungsmarkt gewesen ist.
Er hat das Mädchen erzürzt, er hat es möglicherweise geschlagen, er hat es bedrängt, Der hat versucht, sie zu vergewalten und sie könnte sich gewehrt haben. Und dann kommt es eben mal zur Tötung, weil er fürchtet, sie würde ihm Israel auch anzeigen. Somit wäre er dann der Wachverfolger. Silke wurde durch mehrere Messerstiche und stumpfe Schläge getötet. Ich habe mich gefragt, ob Axel Betermann auch aus diesem Detail Erkenntnisse für das Täterprofil schließen kann. Also gerade bei Sexualdelikten wird doch häufig von Tätern ein Messer verwendet. Wir haben andererseits aber auch körperliche Gewalt, also Schläge ins Gesicht mit den Fäusten, mit den Händen, manchmal auch mit Gegenständen. Wir haben aber auch die Kombination mit dem Angriff gegen den Hals, also mit dem Wirken, also mit den Händen oder mit Drosseln, mit Leidungsstücken des Opfers oder des Täters. Aber ein Messer kommt häufig vor und es ist nicht ausschließend, dass es sich um eine Kombination von mehreren Tötungsarten handelt.
Ja, das muss ich erst mal sacken lassen. In den Gesprächen mit Silkes Freunden habe ich natürlich auch danach gefragt, ob sie sich an den Moment erinnern können, in dem sie von Silkes Tod erfahren haben. Als ich in Christinas Gesicht blicke, sehe ich ihr an, dass unser Gespräch jetzt noch ernster wird als ohnehin schon.
Es ist dann irgendwann der Moment gekommen, am Tag nachdem das Ganze passiert ist, an dem du auch davon erfahren hast. Und du hast noch die Erinnerung daran, dass du verabredet warst. Ja, ich war an dem nächsten Tag vormittags mit einem Freund zusammen und als ich nach Hause gekommen bin, habe ich über meine Eltern erfahren, was passiert ist. Ja. Und ja, dass Silke nicht mehr lebt, ohne jetzt Details so genannt zu bekommen, das hat uns natürlich auch keiner gesagt. Und ja. War da denn schon von, war einfach davon die Rede, dass die nicht mehr lebt oder war schon von einem Gewaltverbrechen die Rede?
Das kann ich gar nicht mehr genau sagen, aber ich weiß, dass die Polizei relativ schnell Kontakt zu mir gesucht hat. Von daher werden sie vermutlich auch dann schon gesagt haben, dass sie davon ausgehen, dass ein Verbrechen vorgelegen hat, weil die Polizei ja dann auch mit mir sprechen wollte. Weil ich ja als letzte Zeugin oder eine der letzten Zeuginnen, die mit ihr zusammen gewesen war, ja interessant für die Befragung war. Ja, ja. Und dann gab es viele, viele Besuche bei der Kripo in Bad Ollesloh.
Das erinnere ich noch an dem Tag los oder hat sich das noch, haben Sie dir ein bisschen gezeigt? Das kann ich nicht mehr sagen, ob es an dem nächsten Tag schon war oder kurz danach. Also relativ, ich glaube schon, dass das relativ schnell losging, weil es um ganz viele Details ging auf, wie sie angezogen war. Und ob ich sagen würde, dass das authentisch ist. Ich erinnere mich an einen Besuch bei der Kriminalpolizei, wo sie so eine Puppe bekleidet haben mit den Kleidungsstücken, die sie in der Nacht, in der ihr das zugestoßen ist, bekleidet war. Und das war für mich ein total schockierender Moment, weil ich da überhaupt gar nicht drauf vorbereitet war. Und ja, das fand ich ganz schrecklich. Also das ist so etwas, was ich noch so ganz, ganz stark erinnere. Und dann natürlich viele Fragen nach Kontakten, nach irgendwelchen Verbindungen zu irgendwelchen Menschen. Also die haben natürlich versucht, eine Verbindung zu einem möglichen Täter herzustellen und ja, das waren viele, viele Fragen. In mehreren Sitzungen. Hattest du das Gefühl, dass die Ermittler mit den Fragen da auf irgendwas Bestimmtes hinaus wollten oder was konkret...
Nein, ich kann nicht sagen, dass ich das Gefühl hatte, dass sie schon irgendwie in eine bestimmte Richtung ermittelt haben, weil sie glaubten schon zu wissen, wo sie in welchem Umfeld sie den Täter zu suchen haben. Mein Eindruck war eigentlich eher, dass sie erst mal davor standen und gar nicht richtig wussten, welche Verbindung man zu dem Täter herstellen kann. Und das konnte ich ja auch nicht. Also ich konnte mir das ja auch überhaupt nicht erklären. Also es gab einfach überhaupt, also manchmal hat man ja Verbindungen zwischen Menschen, wo man merkt, das sind schwierige Beziehungen oder die sind vielleicht geprägt von irgendwie Aggressionen oder Streit oder sowas. Das gab es ja alles nicht. Es gab keinen Namen, der die Leute... Es gab auch keinen Namen. Ich hätte auf der Stelle, also ich hätte niemandem das zugetraut, ihr so eine Gewalt angetan zu haben. Es gab überhaupt niemanden, dem ich das zugetraut hätte in unserem Begartenkreis. Niemanden. Was war denn dein erster Gedanke, wer es dann stattdessen gewesen sein muss?
Naja, ich habe mich halt schon gefragt, wer kann ihr über den Weg gelaufen sein? Aber mir war irgendwie vom Gefühl her, habe ich mir gedacht, es kann einfach niemand sein, den wir kannten. Es kann niemand sein, den sie gekannt hat.
Also tatsächlich wurde ich ja von der Polizei nicht mitgenommen, was so den Ermittlungsstand angeht. Ich wurde befragt, wenn es eben noch ungeklärte, offene Positionen gab, wo sie meine Antworten haben wollten. Aber ansonsten war ich ja überhaupt nicht involviert und man hat mich auch nicht auf einen aktuellen Stand gebracht oder so. Also ich wusste überhaupt nicht, in welcher Richtung sie ermitteln. Ich habe eigentlich auch nur das mitbekommen, was dann in der Presse veröffentlicht wurde. Es gab eine Zeit lang, gab es die These, dass es jemand sein kann, der sozusagen als Durchreisender sich zu dem Zeitpunkt hier oben aufgehalten hat, aber seinen Wohnsitz eigentlich gar nicht hier hat. Und dann war auch mal die Rede davon von jemandem, der bei der Bundeswehr hier oben stationiert gewesen sei, der möglicherweise auch dort an dieser Strecke unterwegs war, auf den sie getroffen sein könnte. Aber man hat nicht mit mir gesprochen, wie man dazu gekommen ist, zu dieser Annahme. Als enge Freundin von Silke ist Christina natürlich für die Ermittlung unentbehrlich. Was für ein komisches Gefühl muss das sein, wenn deine beste Freundin mit 15 Jahren ermordet wird. Und du selbst, auch erst 15 Jahre alt, musst regelmäßig bei der Kripo alles erzählen, was du weißt. Man merkt Christina an, was das für ein Ausnahmezustand gewesen sein muss.
In einer späteren Folge werde ich mit ihr darüber sprechen, vor welche Herausforderungen sie Zeit nach Silkes Tod gestellt hat.
Unmittelbar nach dem Fund von Silkes Leiche ist der Fall bereits in der Presse. Thomas erfährt vom Tod seiner Freundin durch die Titelseite einer Zeitung. Das war auch damals das, wie ich jetzt schon am Telefon sagte, das ja mir anders schulde. Das war ja kurz vor den Ferien irgendwie so, ich weiß nicht, ob ich zur Schule hin bin oder von der Schule weg bin, jedenfalls kam einer mit der Bildzeitung an und meinte nur, hier hast du das Spiel gelesen und dann stand dann hier irgendwas mit Silke B bla bla bla, und mit Foto und dann auch von der Polizei und all so einen komischen Dürzeln, ich hab das überhaupt nicht realisiert, und bin dann mit dieser Zeitung, von der Schule bis hierher nach Hause und hab das meiner Mutter hingelegt und die wusste auch nicht so. Hast du auch gelesen oder nur über Floromis ist? Falls ihr mir nur die erste Seite angeguckt hattet. Ja. Und jedenfalls, das dauerte keine halbe Stunde, das weiß ich noch. Unanstanden zwei, drei Kripo-Bahnbett bei uns in der Küche. Ja, krass. Und was geht einem da so durch den Kopf?
Ja, also total, da war die Welt weg, ne? Ja. Also die haben dir natürlich dann auch nicht alles bis ins Detail erzählt. So ein paar Sachen, was sie überhaupt vorgefallen ist und dass sie gefunden wurde und dass sie umgebracht wurde eben halt. Ja. So, und dann wollten die natürlich DNA und Finger abfrisse und so. Das gab es ja früher auch, aber mit DNA konnten die ja noch gar nicht so richtig was anfangen, glaube ich, ne?
Ja, und so schnell, die Damen waren die auch wieder weg und dann saßt du da und hast überlegt. Aber die wollten schon auch wissen, was, was war und, und, und wie, ne, so zusammenhängt und dann hab ich, weiß nicht, ob ich versucht hab denen das zu erklären und ob ich das überhaupt noch konnte, irgendwie so weit zieht.
Das nimmt Anja doch schon irgendwie ein bisschen was weg. Natürlich habe ich auch Anja gefragt, wie sie von Silkes Tod erfahren hat. Die beiden waren ja zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr so eng befreundet. Anja hat Silke das letzte Mal in der Eisdiele gesehen, wie sie den Kellner um eine Zigarette gebeten hat. Von der Begegnung hat sie mir ja bereits in der ersten Folge erzählt.
Also aus meiner Erinnerung, ich meine, es war so, ich war in der Schule. Und dann, wie es so ist, so Schulfunk und so Flurfunk, hast du schon gehört, Silke Brüchmann ist ermordet worden. Das ging ein Lauffeuer durch die ganze Schule und wir, nein, nein, ich habe das nicht gehört, wie kann das denn sein? Ja, und wohl so am Wochenende und sie wollte wohl, bei uns war es so, wir fuhren immer da, unsere Disco war Großweden.
Das hat Tom hat auch erzählt. Ja, genau, richtig. Und da fuhren wir immer alle hin. Ja, und sie wollte wohl mit Per Anhalter nach Großweden und da ist es passiert. Und natürlich, man war geschockt und wir waren geschockt und natürlich will man auch was wissen. Es ist auch Neugierde dabei, klar, natürlich. Und das ging, glaube ich, auch durch alle Medien und ja. Hattest du selbst Angst? Das war ja so gerade... Und man ist ja selbst dann ein junges Mädchen. Ja. Nee, Angst hatte ich nicht. Also... Nee, Angst hatte ich eigentlich nicht, weil, also wenn wir in die Disco fuhren, das war immer sehr, sehr beschützt und begleitet. Also wenn, dann sind wir hingefahren worden, meine ich, und dann auch wieder abgeholt worden. Wobei ich, ich war nie so ein Disco-Gänger, aber ich glaube, das von den anderen, von meinen Mitschülerinnen so gehört zu haben. Aber, und kein Trampen oder so? Nein. Ja, davon hat Thomas natürlich auch mal was erzählt, dass er viel getrampt ist, aber ich meine, er ist auch ein Mann. Das ist noch was anderes das denke ich auch, nee getrennt sind wir nie ja er meinte auch zu mir, dass Silke.
Auch nicht glauben würde, dass Silke das gemacht hätte, bei jemandem mitgefahren wäre, den sie nicht gekannt hat ja, also das, kann ich mir auch, das ist so das passt gar nicht das passt irgendwie nicht so zusammen von ihrem ganzen, auch von ihrem Intellekt und so und, Das kann ich mir auch gar nicht vorstellen. Kurze Zeit nach Beginn der Ermittlungen ist der Polizei bereits klar, dass es mehrere Zeugen in unmattibbarer Nähe des Tatorts gegeben haben muss. Vier junge Männer im Alter von 20 Jahren haben an einer Holzbrücke an der nahegelegenen Trave gezeltet und müssen sich nur mehrere hundert Meter vom Tatort entfernt befunden haben. Sie sind mit ihren Paddelbooten auf der Trave unterwegs gewesen. Die Polizei fordert die Männer über die Presse auf, sich bei ihnen zu melden und eine Aussage zu machen.
An der Landstraße zwischen Schlammersdorf und Sühlen, dort wo Silke gefunden wird, parkt am 1. Juni 1985 außerdem ein grau-blaues Auto. Zwei Frauen werden in und an dem Fahrzeug gesichtet, eine von ihnen soll ein weiß-braunes Kleid getragen haben. Auch sie werden von der Polizei medienwirksam aufgefordert, eine Zeugenaussage zu machen. In dem Zusammenhang habe ich mich natürlich auch gefragt, zu welchem Zeitpunkt die Ermittler mit einem Zeugenaufruf an die Presse gehen. Wann ist strategisch der beste Zeitpunkt, um das zu machen?
Nichts gibt es für den Finder, der die Leidung von Wilke gefunden hat, der die Schleipspur beobachtet hat. Und der würde natürlich erst einmal ervernommen werden, ob er häufiger dort ist, ob er bei anderen Gelegenheiten Personen betrifft. Entdeckt hat, gesehen hat, die er glücklicherweise auch namentlich benennen kann. Das wären zum Beispiel Personen, die man auch im Rahmen der Alibienberprüfung zur Vernehmung vorladen würde. Und dann sind natürlich alle anderen Menschen von Interesse, die etwas zu dem Borg sagen können oder die zu dem Zeitpunkt in der Nähe gewesen sind, was die für Wahrnehmungen gemacht haben. Und manchmal ist es tatsächlich so, dass sich so kleine Details, die in einem Puzzle aneinander sein lassen und man dann tatsächlich einen Hinweis auf den Edo bekommen kann.
Wie sehr kann man sich denn auf Zeugen verlassen und inwiefern sind die dann auch relevant für die Ermittlungen?
Zeugen und Sagen sind immer sehr relevant für die Ermittlungen, aber leider ist es das schlechteste Beweismittel, das sie haben.
Zeugen können sich irre, Zeugen können bewusst etwas falsches sagen, Zeugen können nur teilweise die Wahrheit sagen oder das wiedergeben, was sie beobachtet haben. Manchmal haben sie auch etwas wahrgenommen, aber die Bedeutung nicht erkannt und es wird ihnen dann erst später bewusst, was sie denn dort beobachtet oder gehört haben. Senkt auch davon ab, inwieweit über die Tat schon berichtet wurde, inwieweit Dinge dort als gesichert bekannt gegeben worden sind, dass Zeugen die als eine eigene Wahrnehmung dann wieder von sich geben, obwohl es anders gewesen ist. Also uns kurzen Sassen, Zeugenaussagen sind sehr, sehr wichtig. Elften auch immer wieder der Polizei, aber man muss sie auch schon mit Vorsicht betragen. Ob eine der sechs gesuchten Personen verdächtig ist, behält die Polizei für sich. Doch auf einmal, nur zehn Tage nach Silkes Ermordung, am 11. Juni 1985, meldet sich ein 25-jähriger Lübecker bei der Kripo. Die Beamten können kaum glauben, was er zu sagen hat. Denn er gesteht, Silke getötet zu haben.
In der nächsten Folge von Akte Störmern gehe ich diesem mysteriösen Geständnis nach. Außerdem spreche ich mit dem ehemaligen stellvertretenden Redaktionsleiter Klaus Vogel. Wir sprechen über die Berichterstattung im Fall Silke und welche Verantwortung mit ihr einhergeht.
Zudem erinnern sich Silkes Freunde an ihre Beerdigung.