Dem Tod auf der Spur. Spannende Fälle aus der Hamburger Rechtsmedizin. Der Crime-Podcast vom Hamburger Abendblatt. Moin und herzlich willkommen zu unserem Abendblatt Crime Podcast. Ich bin Bettina Mittelacher, Gerichtsreporterin beim Hamburger Abendblatt und hier im Podcaststudio treten wir immer mindestens im Doppelpakt auf, also keine Sendung ohne Klaus Püschel. Wer ihn noch nicht kennt, Klaus Büschel ist deutschlandweit und international bekannter Experte der Rechtsmedizin. Ein Mann, der die Toten zum Sprechen bringt, der sich aber auch den Lebenden widmet, wenn sie Opfer von Gewalt wurden und wenn sie schwere Verletzungen erlitten haben.
Ja, das ist ein sehr wichtiger Aspekt der Rechtsmedizin. Moin auch, liebe Bettina. Also die Rechtsmediziner kümmern sich ja nicht nur um die Toten. Mit diesem Vorurteil versuche ich ja immer wieder aufzuräumen, sondern sie sind sehr intensiv befasst mit den Verletzungen der Lebenden. Denn die Beispiele haben wir auch schon häufig genannt, Vernachlässigung, sexuelle Gewalt, Kindesmisshandlung, Verkehrsunfallrekonstruktion, also viele Dinge, Alkohol- und Drogeneinfluss. Beispielsweise untersuchen wir die Verletzungen intensiv unter dem Aspekt, was, wie, wann, wo, warum geschah. Es geht also um die vielen W-Fragen. Also es soll sorgfältig rekonstruiert werden. Ja und diesmal geht es um Verletzungen, die meistens zum Glück überlebt werden, aus gegebenem Anlass, um das kurz zu sagen. Wir haben ja das Thema Silvester.
Stimmt, wir widmen uns diesmal dem Thema Silvester, weil wir ja auch in unserem Podcast immer wollen, dass man auch davon lernen kann und ich glaube, da sind typische Vorfälle, wie sie gerade an Silvester entstehen können, ein wichtiges Thema. Genau, davon können die Rechtsmediziner ein Lied singen. Aber du weißt ja, ich kann nicht singen, also keine Gefahr. Für viele Menschen gehört es ja beispielsweise ausdrücklich zum Jahreswechsel, Böller und Raketen abzufeuern.
Oder vielleicht auch im Haus ein Tischfeuerwerk. Und all das kann zu zum Teil sehr bösen Verletzungen führen. Noch schlimmer kann es natürlich werden, wenn außer Böllern auch noch Waffen abgefeuert werden. Dazu kommen wir aber dann später. Fangen wir doch bitte erstmal mit den Böllern an. Und da bin ich gedanklich bei einem kleinen Jungen im Grundschulalter, der sehr schwer verletzt wurde. Also die Sache, über die ich jetzt erzähle, ist fast 20 Jahre her, aber ich weiß noch sehr genau, wie ich dieses Kind im Krankenhaus besucht habe. Der Hintergrund war, er hatte sich drei Tage nach Silvester an einem sogenannten Blindgänger verletzt und dieser Böller zerfetzte mehrere Finger des jungen Hamburgers. Das sind leider ganz typische Verletzungen durch Böller. Die Wirkung kann zum Beispiel so heftig sein, dass Finger abgerissen werden oder Menschen ihr Augenlicht verlieren können. Schwerste Hautverletzungen, vor allen Dingen auch Verbrennungen kommen ebenfalls häufig vor.
Solche Böller sind wirklich sehr gefährlich. Davon kann ich geradezu ein Lied singen. Wir sehen Neujahr ja fast immer, also wie bei diesem Jungen, also fast immer Geschädigte von Verletzungen mit Böllern und Raketen.
Zurück zum Jungen. Wie kam es dazu, dass gerade du den Jungen da im Krankenhaus besucht hast? Wie kam das dazu? Kanntest du ihn? Vor meinem Besuch in der Klinik? Nein. Wir haben damals, das war zu Beginn des Jahres 2004, in der Redaktion von dem Schicksal des Schülers erfahren und Kontakt zu den Eltern aufgenommen. Und der Vater hat ausdrücklich zugestimmt, dass wir über das, was seinem Sohn passiert ist, berichten. Der Vater hat damals gesagt, wir sollten das tun, um andere zu warnen. Der Mann war natürlich dabei, als wir dann mit dem Jungen gesprochen haben.
Also das mit der Warnung finde ich extrem wichtig und richtig. Das ist ja einer der Gründe, warum wir bei uns die Podcasts immer in einer bestimmten Art und Weise strukturieren. Es geht vor allen Dingen auch darum, was lernt uns das, wie können wir verhindern, dass was Schlimmes nochmal passiert. Ja und diese Warnung ist richtig und wichtig und ich möchte jetzt gerne schildern, wie ich diesen Jungen da erlebt habe. Aber ich erinnere mich, wie er in seinem Krankenhausbett lag. Eine Hand war ganz dick verbunden, die wirkte riesig. Und neben dem Schüler auf dem Kopfkissen lagen mehrere Kuscheltiere. Ein Handgriff, so schien es. Und der Siebenjährige könnte diese Kuscheltiere in den Arm nehmen. Ja, zum Schmusen, zum Trösten. Aber mit seiner verletzten Hand konnte er natürlich nicht greifen. Und der Junge sah so traurig aus. Ihm war wohl klar, dass vieles in seinem Leben jetzt anders sein würde als vorher.
Erzähl, was war denn genau passiert? Dem Jungen mussten ja nach dieser Böller-Explosion mehrere Finger amputiert werden. Du sprachst von einem sogenannten Blindgänger. Was ist gemeint? Stimmt, ein Blindgänger, das Wort hat auch der Vater benutzt. Es war drei Tage nach dem Jahreswechsel, als das passiert ist und als eigentlich die Gefahr durch Silvesterknaller schon kein Thema mehr war. So dachte man zumindest. Richtig, der Junge war nachmittags mit seinem älteren Bruder unterwegs, um seine letzten Kinderknaller zu zünden, wie es der Vater erzählte. Und dabei muss der Junge dann einen Kanonenschlag gefunden haben, der auf dem Baselwester nicht gezündet hatte. Und dieser Kanonenschlag, der war dann achtlos liegen geblieben.
So was ist doch im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich, oder? So war es dann ja auch. Der siebenjährige hielt, so wurde es zumindest später rekonstruiert, ein Feuerzeug an die Lunte von diesem Kanonenschlag, den er da gefunden hatte. Und dieser Kanonenschlag, der explodierte dann. Und der Vater des Jungen erzählte damals, als ich die beiden dann im Krankenhaus getroffen habe, dass damals sein älterer Sohn nach Hause kam und in Panik an die Scheiben der Wohnung hämmerte. Und da ahnten die Eltern schon, dass etwas Schlimmes passiert war. Und dann kam der verletzte Bruder des älteren Sohnes und dieser war heulend, blutüberströmend und, so hat es der Vater erzählt, mit zerfetzter Hand.
Es ist der blanke Horror, sagte der Vater, ein einziges Drama. Und dem kann man ja glaube ich nur zustimmen. Ja, und wie haben die Eltern reagiert? Wie ging das jetzt mit der medizinischen Versorgung los? Also sie haben diese verletzte Hand, so gut es ging, versorgt und den Notarzt gerufen, aber zwei Finger waren nicht mehr zu retten. Für die Jungen war das natürlich ganz furchtbar. Er hatte gerade angefangen ein Instrument zu lernen, das weiter zu überfolgen war nach dem Unglück nicht mehr möglich. Aber auch bei vielen anderen Dingen ist er massiv eingeschränkt.
Ich finde, trotzdem haben die Eltern in der Situation im Wesentlichen alles richtig gemacht. Ja, Blutstillung, sauber verbinden und schnellstmöglich den Notarzt rufen. Das sind ja die Maßnahmen, die man als medizinischer Laie nun gut selber übernehmen kann. Inwieweit dann verletzte Finger eventuell noch zu retten sind, das hängt von der jeweiligen Einzelsituation ab. Also von den Verletzungen am Fingerstumpf und wie weit die Finger durch die Explosion auch zerfetzt sind. Das Problem bei solchen Verletzungen durch Böller ist in der Regel, dass die Amputation unumgänglich ist. Punkt, meistens handelt, Punkt sage ich jetzt schon, also es handelt sich meist nicht um eine glatte Abtrennung, wie beispielsweise mit einem Messer oder einer Säge oder einem Hackebeil, wobei man dann den abgehackten Finger in der Regel noch transplantieren kann. Nach einer Böller-Explosion ist der Knochen in der Regel zertrümmert und die Haut und die Weichteile, die Sehnen, die sind völlig zerfetzt.
Also bei diesem Jungen, über den wir gerade sprechen, kam neben der schwer verletzten Hand noch ein weiteres Problem dazu. Ursprünglich bestand nämlich zudem noch die Befürchtung, dass durch die Explosion dieses gefährlichen Böllers auch die Sehkraft des Jungen beeinträchtigt sein könnte. Aber dann gab es Gott sei Dank Entwarnung, nachdem in einer ambulanten Operation Splitterreste entfernt worden waren. Aber allein die Verletzungen an der Hand sind für den Jungen ganz furchtbar. Ich habe es ja vorhin schon erzählt, die Sache mit dem Instrument, das er gerne spielen wollte, das hatte sich natürlich erledigt.
Ja, im Zusammenhang mit den Augenverletzungen mache ich dann manchmal diesen etwas dummen Witz, dass ich sage, das kann auch ins Auge gehen. So ist das aber wirklich gemeint. Ja, also ein Scherz mit aber einem sehr, sehr ernsten Hintergrund. Genau. Also das Instrument, das hatte sich natürlich nach diesem Unglück erledigt. Das war nicht mehr möglich. Aber der wird dann auch bei vielen anderen Dingen sicherlich stark eingeschränkt sein, schon beim Essen mit Messer und Gabel. Natürlich kann man viel lernen und viel improvisieren, aber ich denke auch beim Sport in der Schule, also immer wenn man für die Feinmotorik zwei intakte Hände braucht, wird das bei dem Jungen nicht richtig laufen. Also das ist schon eine Hypothek fürs Leben. Der Vater dieses Jungen hat übrigens damals erzählt, er mache sich Vorwürfe, dass er nicht besser aufgepasst habe. Das hat der Hamburger damals im Krankenhaus am Bett seines Sohnes gesagt.
Natürlich habe er um die Gefahr von Knallern gewusst, sagte der Mann. Und habe an Silvester auch seine Jungen beaufsichtigt und ihn eingeschärft, nur ihre Kinderböller zu benutzen. Sehr vernünftig. Und dann sagte der Mann aber, doch drei Tage nach Silvester, da kamen wir nicht auf die Idee, dass noch Gefahr durch einen Kanonenschlag droht. Bettina, ich erinnere zwischendurch mal ganz kurz an die Blindgänger aus dem letzten Weltkrieg, die jetzt Jahrzehnte später immer noch große Probleme machen und Räumaktionen und... Spezielle Maßnahmen der Sachverständigen erfordern. Also Blindgänger kennt man in vielerlei Hinsicht.
Und ich finde, man sollte es auch anderen bewusst machen, dass auch nach Silvester gefährliche Böller eventuell noch Schäden später anrichten können. Und diese Blindgänger sind unter Umständen sehr gefährlich. Das zeigt ja auch der hier geschilderte Fall. Das betont stets auch ausdrücklich die Feuerwehr. Sie warnt beispielsweise ausdrücklich davor, Böllerreste zu zünden. Die sind nämlich weiter sehr gefährlich, so heißt es bei den Brandbekämpfern. Aber es werden auch immer noch weitere Warnungen vor Böllern ausgesprochen von den Experten und zwar absolut zu Recht, finde ich. Du sprichst da natürlich aus rechtsmedizinischer Erfahrung. Ihr habt einen sprechenden Fall untersucht? Ach, nicht nur einen. Also über die Jahre gab es alarmierend viele Vorfälle, bei denen sich eben die Menschen speziell an Silvester durch Böller und Raketen schwer verletzt haben. Einen dieser Fälle würde ich jetzt hier gerne schildern. Nur zu.
Das handelt sich um einen Fall vom Jahreswechsel 2009-2010, also noch gar nicht so sehr lange her. Damals hat ein 39 Jahre alter Mann unmittelbar nach Mitternacht versucht, einen in Deutschland unzulässigen Feuerwerkskörper zu zünden. Also wenn du sagst unzulässig, wie ist das gemein? War das einer dieser Böller, die eine gefährlich hohe Sprengkraft haben?
Exakt. Es kommen ja immer wieder Feuerwerkskörper in Umlauf, die statt der zugelassenen 6 Gramm Schwarzpulver bis zu 50 Gramm einer chemischen Mischung enthalten, die in Deutschland unter das Sprengstoffgesetz fällt. Trotz Warnungen der Behörden boomt der Import von Feuerwerkskörpern ohne jegliches Sicherheitszertifikat. Die sind dann vor allem aus osteuropäischer Herstellung. Solche Feuerwerkskörper werden im Jargon häufig dann Polenböller genannt. Bei einer Detonation dieser sogenannten Polenböller entsteht eine Druckwelle, die eine bis zu viermal höhere Geschwindigkeit erreicht, als die von der zuständigen Bundesanstalt für Materialforschung maximal zugelassene Ausbreitungsgeschwindigkeit von 600 Metern pro Sekunde.
Und mit so einem unzulässigen, weil hochgefährlichen Böller hat dieser 39-Jährige also hantiert? Genau genommen hat er erstmal vergeblich versucht, den Böller zu zünden. Als das Fehl schlug, beugte er sich über den Böller und zündete ihn erneut. Daraufhin kam es unmittelbar zur Detonation. Der Mann schlug, so haben es Zeugen erwähnt, durch die Druckwelle auf den Rücken und war nicht mehr ansprechbar. Er erlitt schwerste Verletzung.
Ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen, was ist dem Mann passiert? Ich möchte das jetzt bloß nachfragen, weil wir ja vielleicht auch damit andere warnen können, was da das alles für schlimme Folgen haben kann. Naja, das war ja mein Fall und deswegen erzähle ich den auch besonders gerne. Also dieser Mann war tief, komatös, hatte schwerste Verletzungen im Gesicht, hat einen hohen Blutverlust aus Nase und Mund erlitten, vor allen Dingen, weil im Gesicht eben auch viele große Schlagallern verlaufen. Ein Teil des Schädelknochens war regelrecht weggesprengt. Außerdem gab es diverse Frakturen von Gesichtsknochen, etwa im Bereich der Augenhöhle. Auch das Gehirn war geschädigt. Das hört sich überhaupt nicht gut an, ganz furchtbar.
Also das war böse ohne Ende. Es kam dann zur Notaufnahme ins Uniklinikum. Der Mann wurde mit Bluttransfusionen versorgt und erhielt sage und schreibe 77 Konserven. Das musst du dir mal vorstellen. 77. Sind das diese Beutel, die man im Krimi mal sieht oder in irgendeinem Krankenhausfilm? Ja, genau. Das war dann aber nicht nur Vollblut, sondern das waren auch Blutprodukte. Und das ist eine unvorstellbare Zahl geradezu. Wie viele Litern entspricht sowas? Kann man das ungefähr beziffern? Ja, ungefähr schon. Du musst das etwa durch drei teilen, durch drei bis vier. Aber das sind schon sehr viele Liter Blut. Der Mann hat auch im Krankenhaus noch weiter geblutet. Also das Gesicht war total zerfetzt.
Im Gehirn fanden sich diverse Knochensplitter, daneben aber zum Beispiel auch Glasperlen und Pulverschmauch. Tja Bettina, was sagst du dazu? Also ich gehe davon aus, so wie du das jetzt geschildert hast, dass mehrere Operationen notwendig waren, um diesen Mann halbwegs wenigstens zu retten. Ist bekannt, ob und falls ja, inwieweit bleibende Schäden entstanden sind?
Naja, hier muss man dann wohl sagen, dass man ihn regelrecht zusammengeflickt hat. Es erfolgte auch ein großer neurochirurgischer Notfalleingriff. Letztlich blieb das Gesicht des Mannes dauerhaft schwer entstellt. Das rechte Auge war völlig zerstört, das linke schwerst beeinträchtigt. Es verblieb eine schwere Hirnschädigung. Der Mann wurde zu einem Pflegefall. Also wenn man aus diesem speziellen Fall Lehren ziehen möchte, dann ist sicherlich ein guter Rat, wenn schon überhaupt zu Silvesterboller gezündet werden sollen, dann jedenfalls nur ausschließlich, also solche, die für den Gebrauch auch von Laien zugelassen sind. Woran würde man das erkennen?
Nun, ich bin da auch kein ausgewiesener Experte, weiß aber, man muss auf die Prüfzeichen achten. Es gibt vier Kategorien, bei denen differenziert wird, ob sie beispielsweise auch von Minderjährigen benutzt werden dürfen. Ja, dies dann allerdings nur unter Aufsicht von Erwachsenen. Dann gibt es solche Böller und Raketen, die ausschließlich von Personen über 18 Jahren verwendet werden dürfen, also von Erwachsenen.
Bei wieder anderen, die fallen dann unter die Kategorie 3 und 4. Da wird immerhin noch eine spezielle Ausbildung vorausgesetzt. Ohne diese Ausbildung darf man mit solchen Böllern gar nicht erst hantieren. Illegale Feuerwerkskörper... Die gehen gar nicht. Also da kann man nur davor warnen. Manche von ihnen erreichen eine Sprengkraft, die mit denen kleiner Bomben oder Handgranaten vergleichbar ist. Also schon eine höchst gefährliche Situation, muss man immer wieder anmerken. Absolut. Ich glaube, das hat jetzt auch jeder verstanden. Ich hoffe auf jeden Fall, dass klar ist, wie gefährlich das ist. Wir haben hier schon kurz über typische Verletzungen durch solche Böller gesprochen. Welche Körperregion ist denn die am meisten gefährdete, doch wohl die Hände?
Ja, wobei es hier generell am häufigsten zu Verbrennungen kommt. Derartige Verbrennungen kann es auch an anderen Stellen am Körper geben.
Beispielsweise, wie in dem Fall, über den wir vorher ausführlich gesprochen haben, im Gesicht, Hände sind natürlich vor allem auch dann betroffen, wenn ein Böller, womöglich im Sinne einer Mutprobe zu lange festgehalten wird und genauso oft wie die Hände, also in 20 bis 50 Prozent der Fälle Deshalb kommt es, und das ist besonders gefährlich, auch zu Verletzungen von Kopf und Gesicht, vor allem zu Schäden des Hörapparates. Spricht man da von einem Knalltrauma? Ja, so ist das und bei diesem Knalltrauma werden die sehr feinen Zellen im Innenohr nachhaltig geschädigt. Die Hörschäden nach einem Knalltrauma können dauerhaft bestehen bleiben. Insbesondere hohe Töne werden nicht mehr wahrgenommen. Es verbleibt dann unter Umständen auch ein ständiges Piepen im Ohr. Das nennt man Tinnitus. Gut, außerdem werden häufig auch die Augen verletzt. Das haben wir ja schon gesagt, das kann ins Auge gehen. Ja, und dann tatsächlich mit der Folge, dass jemand erblindet. Ja, das kommt gar nicht so selten vor.
Häufig sind es Verletzungen des Augapfels selbst, der also dann ausläuft, aufplatzt. Das Auge wird also direkt durch den Böller und durch die Explosionskraft des Böllers den Explosionsdruck verletzt. Das ist ja alles schon schlimm genug, aber ich würde jetzt gerne noch zu Zwischenfällen von Silvester kommen, bei denen nicht nur mit Böllern geknallt wurde, sowas kommt ja leider auch vor. Ja, auch da erinnere ich mich an erschreckend viele Probleme zu Silvester.
Zum Beispiel durch scharfe Schüsse am Elbufer. Aber ja, gerade bei diesem wunderbaren Feuerwerk über der Elbe, da schießen einige Leute auch mit scharfen Waffen. Kann man kaum glauben. Gibt es da einen speziellen Fall, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist? Ehrlich gesagt waren das wirklich mehrere. Einmal hatten wir wirklich jedes Jahr wieder einen neuen Fall an der Elbe. Vielleicht einer, der hervorzuheben ist, das war zum Jahreswechsel 2012, 2013. Reden wir da jetzt auch von der Elbe oder ist das womöglich woanders gewesen?
War das nicht eine Sache in Harburg? Kann das sein? Naja, also die häufigsten Fälle sind da tatsächlich im Bereich der Elbe passiert und dieser spezielle Fall war in Harburg. In jener Nacht ist ein 32 Jahre alter Familienvater gestorben und zwar durch einen Pistolenschuss. Siehst du, das erinnere ich nämlich auch. Dunkel, aber das war ja tatsächlich eine ebenso spektakuläre wie dramatische Geschichte, über die dann auch tatsächlich in einem Prozess verhandelt wurde. Der Tod dieses Mannes, wir reden ja über den Jahreswechsel 2012, 2013, hat damals die Silvesternacht in Hamburg überschattet. Das Jahr war gerade fünf Minuten alt, als ein Mann auf einem Parkplatz in Hamburg-Harburg leblos zusammenbrach. Und kurz zuvor hatte der 32-Jährige noch mit Freunden ein Silvesterfeuerwerk abgebrannt. Und als er da so zusammenbrach, da sah es zunächst danach aus, als hätte er eine plötzliche Erkrankung. Das haben zumindest die Menschen in seinem nächsten Umfeld gedacht. Aber im Krankenhaus stellten die Ärzte jedoch fest, dass der Mann eine Art Einschussverletzung im Bauchbereich hatte.
So war das in der Tat und an dieser Schussverletzung mit einer scharfen Waffe ist der Mann dann letztlich gestorben. Die Kugel hat unter anderem die Leber durchdrungen und auch das Herz. Sie traf außerdem noch die große Körperschlagader und blieb sozusagen im Halse stecken. Das war ein extrem ungewöhnlicher Schusskanal sozusagen vom Unterbauch her bis zum Hals hinauf. Sehr ungewöhnlich. Also du hast ja gesagt, dass die große Körperschlagader auch getroffen wurde. Da weiß ich aus anderen Fällen, mit denen wir uns bereits befasst haben, dass es bei einer Verletzung dieser großen Arterie zu Blutungen kommt, die praktisch nicht mehr zu stoppen sind, oder? Das ist genau richtig. Obwohl der Mann damals recht schnell ins Krankenhaus kam, war da jede Hilfe zu spät dran. Dann übrigens wurde als Schusswaffe seinerzeit eine Kleinkaliberpistole festgestellt, mit der offenbar jemand, der unter den Feiernden zu Silvester war, herumhantiert hat und dann auch scharf geschossen hat.
Es wurde auch diskutiert, ob sich dieser dann tödliche Schuss vielleicht auch aus Versehen gelöst haben könnte übrigens. Also über die Vorgeschichte zu diesem Drama wurde einiges bekannt, was ich noch erinnere. Das Opfer war zu einer Silvesterfeier aus einem anderen Bundesland angereist, zusammen mit seiner Frau und den drei kleinen gemeinsamen Kindern. Und hier in Hamburg hatte der 32-Jährige den Jahreswechsel bei Freunden feiern wollen. Gleich nach Mitternacht gingen alle zusammen auf die Straße, um das neue Jahr mit Feuerwerk zu begrüßen. Und plötzlich kippte dann der Mann um. Ein Bekannter sagte dann, es hat keinen Streit oder etwas ähnliches gegeben. Und mehr als eine halbe Stunde lang haben Rettungskräfte, die dann natürlich sehr schnell alarmiert wurden, versucht den 32. zu reanimieren.
Aber vergeblich, wenn man jetzt von dir gehört hat, welche Verletzung er erlitten hat, dann muss einen das nicht wundern, so traurig und dramatisch das ist. Und die Ehefrau des Familienvaters, die erlitt einen schweren Schock. Später wurde dieser Fall dann auch noch vor Gericht verhandelt. Ich habe das damals verfolgt, auch unter diesem Aspekt, was so Silvester alles Merkwürdiges passiert. Dabei musste sich dann doch der Schwager des Opfers wegen fahrlässiger Tötung vor dem Amtsgericht verantworten. Bettina, warst du dabei? Hast du mitgekriegt, was da im Einzelnen zu den Geschehnissen gesagt wurde? Also ich weiß, dass auf der Anklagebank in diesem Prozess dann der 37-jährige Schwager des Opfers saß und der Angeklagte wollte aber zu den Vorwürfen nichts sagen.
Sein Verteidiger erklärte, als Familienangehöriger bedauert er den Tod zutiefst. Bei der Polizei hätte der Verdächtige allerdings seinerzeit angegeben, nicht geschossen zu haben. Ja, was war denn hier dann genau der Vorwurf? Es geht ja immer die Frage, ist das Totschlag, ist das Mord, ist das fahrlässige Tötung? Worum ging es? Was war der Vorwurf? Also in der Anklage hieß es, der 37-Jährige, also der Angeklagte, habe im Beisein seiner Kinder mit einer scharfen Waffe, für die er keinen Waffenschein hatte, mehrfach in die Luft geschossen. Und eine letzte Kugel habe dann diesen Schwager das angeklagt, der sich zu einer am Boden liegenden Wunderkerze bücken wollte. Die habe diesen Mann dann versehentlich getroffen und Zeugen haben dann berichtet, das Opfer fasste sich an den Bauch, taumelte mehrere Schritte, schrie, wahrscheinlich vor Schmerzen, stürzte zu Boden. So wurde es auf jeden Fall in der Anklage damals dargestellt.
Bettina, die Schusswaffe war doch seinerzeit eine ganze Weile unauffindbar. Erst Wochen später fand eine Anwohnerin diese Hämmerli Modell 208, so hat die Polizei es festgestellt und bezeichnet.
Die wurde dann in einem Gebüsch gefunden. Es spricht doch wohl einiges dafür, dass sie an jenem Silvesterabend ins Gebüsch geworfen wurde, um diese Waffe schnell loszuwerden, oder? Also so ist es wohl gewesen. Vor Gericht wurden in dem Prozess mehrere Zeugen gehört, um möglichst zu klären, was genau passiert ist. Das war aber schwierig. Es blieb einiges offen.
Jedenfalls ist klar, dass eine Waffe eigentlich sicher in einem Safe- bzw. Wandschrank hätte aufbewahrt werden müssen. Die gehört ja nun nicht nach Harburg in die Öffentlichkeit oder an die Elbe. Das ist doch reiner Blödsinn, wenn man zu Silvester mit scharfen Waffen herumhantiert. Du sagst eben Wandschrank, du meintest sicherlich Waffenschrank. Der Wandschrank wäre nicht sicher genug, aber natürlich safe oder Waffenschrank wirklich gut verschlossen und genau dieses Verschließen in einem sicheren Behältnis, wo keiner andere rankam, das ist nämlich eben mit dieser Waffe nicht geschehen und führte zu den schicksalhaften Ereignissen, die das Leben einer ganzen Familie auf tragische Weise veränderten. Die Witwe, die erzählte als Zeugin im Prozess, wie sie gemeinsam mit Verwandten eigentlich zunächst das Feuerwehr ansah, das hat ihnen sicherlich gut gefallen und dann erzählte sie aber, sagte sie wörtlich, dann hörte ich meinen Mann schreien.
Es konnte doch vor Gericht nur teilweise geklärt werden, wer alles die Waffe in der Hand gehalten hatte. Jedenfalls der später Getötete, wie man festgestellt hat, ebenso wie der Angeklagte und noch eine weitere Person. Ja, das war ziemlich kompliziert, das überhaupt nachzuvollziehen. Das Gericht ist jedenfalls am Ende der Beweisaufnahme zu dem Schluss gekommen, dass der Angeklagte sich der fahrlässigen Tötung in Tateinheit mit unerlaubten Führern einer halbautomatischen Kurzwaffe schuldig gemacht hat und er wurde dann zu einem Jahr und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Diese Strafe wurde allerdings zur Bewährung ausgesetzt.
Was war denn die Begründung für dieses Urteil, wenn man doch offenbar gar nicht nachweisen konnte, dass der Angeklagte die Schüsse und damit auch den tödlichen Schuss vor allem abgegeben hat, trotzdem wurde er verurteilt? Ja, also das Gericht kam zu der Überzeugung, dass dieser Mann gleichwohl zu verurteilen ist und zwar heißt es, er war im Besitz der Waffe und damit auch dafür verantwortlich, dass von der Waffe keine Gefahr ausgeht. So ist das generell. Man muss dafür sorgen, dass solche gefährlichen Gegenstände und damit ist natürlich auch eine Schusswaffe gemeint, sicher verwahrt wird. Und zwar Besitz ist so gemeint, dass man darüber in dem Moment die Verfügungsgewalt hat. Das heißt nicht, dass sie ihm gehören muss, also in seinem Eigentum gewesen sein muss, sondern nur, dass er in der Zeit dafür verantwortlich ist. Dann ist sie rechtlich gesehen in seinem Besitz. Ja und wenn er dafür nicht Sorge trägt, dass dann die Waffe sicher verwahrt wird, dann macht er sich schon der fahrlässigen Tötung schuldig.
Ja, das hast du jetzt juristisch wohl halbwegs erläutern können. Also das reicht genau genommen, dass die Waffe anderen zugänglich war und nicht sicher weggeschlossen. So verstehe ich das. Ja, genau so ist es. In diesem konkreten Fall spielte aber auch noch eine entscheidende Rolle, dass er die Waffe nicht nur nicht ausreichend sich verwahrt hatte, sondern dass er zumindest auch noch genau daneben stand, als damit hantiert wurde. Wirklich ein tragischer Fall irgendwie. Absolut. Ich kann noch von einem weiteren Fall erzählen, wo zu Silvester nicht nur geböllert, sondern richtig geschossen wurde.
Ja, hör zu. Ich finde es irgendwie schon besorgniserregend, dass so etwas immer wieder passiert. Jeder weiß doch eigentlich, dass man am besten komplett die Finger von Schusswaffen lassen sollte. Und wer einen Waffenschein hat, muss äußerst sorgfältig und mit der gebotenen Vorsicht, mit Pistole, Revolver oder Gewehr oder welche Waffe er auch immer hat, damit umgehen. Ich kann nicht begreifen, wieso solche ganz einfachen Regeln nicht eingehalten werden. Ja und das dann offenbar speziell zu Silvester, alle Hemmungen fallen, so muss man das ja wohl betiteln. So war es offenbar dann ja auch in der Silvesternacht auf das Jahr 2015, kurz nach Mitternacht.
Denn offenbar angesporrt durch Feuerwerk, durch Raketen und Böller hat ein Mann gefährlich überdreht, geriet die fröhlich gemeinte Begrüßung des neuen Jahres zur Bedrohung regelrecht. Für seine Mitmenschen. In der Anklage gegen diesen 38-Jährigen hieß es später im Prozess, er habe vor seinem Haus mit Böllern nach Kindern geworfen. Zur Verletzung der Jungen und Mädchen sei es nur durch Zufall nicht gekommen, hieß es im Prozess dann in der Anklage weiter. Aber außerdem hat der Mann laut Ermittlungen auch noch mit einer Schreckschusspistole auf mehrere seiner Nachbarn geschossen.
Also das ist schon heftig. Der Angeklagte und die Eltern der bedrohten Kinder waren doch sogar Freunde, wenn ich das aus der damaligen Berichterstattung richtig erinnere. Ja und dann auf Freunde schießen, wie geht das denn? Ja, du hast es vollkommen richtig in Erinnerung. Vor diesem Zwischenfall waren sie Freunde jedenfalls und der Angeklagte war auch im Prozess wirklich ziemlich zerknirscht. Er sagte dann vor Gericht, im Nachhinein bereue ich es, das war aber nur so eine kleine Schreckschusswaffe, die habe ich für 49 Euro in einem Waffengeschäft gekauft, erzählte er, da kommen so Patronen rein, die blitzen beim Schießen auf, kurz auf und knallen. Ja, war ihm denn nicht klar, dass er dafür diesen sogenannten kleinen Waffenschein hätte haben müssen? Genau das hat ihn die Amtsrichterin damals auch gefragt und da sagte der Angeklagte, dass er ihm nicht wirklich klar gewesen. Ein Nachbar erzählte dann als Zeuge, ich zitiere, plötzlich kamen die Kinder hoch und riefen entsetzt, sie würden beschossen. Sie sagten, der Angeklage werfe ihn Knaller zwischen die Beine.
Zuerst habe ich es kaum glauben wollen, aber dann sah ich es selber auch. Und dann sagte der 46-Jährige weiter, die Kinder hatten Angst, für sie war es ein Schock, dass das in ihrer unmittelbaren Nähe hochgegangen ist.
Ja und was war denn nun mit dieser Waffe? Also dieser Zeuge hat später auch noch beobachtet, dass der 38-Jährige mit einer Waffe geschossen hat. Und dazu sagte er, es war Vogelschreckmunition, ich habe das Geschoss auf mich zukommen sehen. Bestimmt zehnmal habe es geknallt. Dann sagte er weiter, wir haben auch Pulvereste abbekommen. Wir sind dann ins Haus gelaufen und haben die Polizei alarmiert.
Ja, definitiv die richtige Entscheidung, auch wenn man mal befreundet war. Bei Schüssen hört die Freundschaft wirklich auf. Also bei mir jedenfalls wäre es sicherlich so und so haben es auch weitere Zeugen gesagt, zum Beispiel ein 30-Jähriger aus demselben Miethaus, der auch als Zeuge gehört wurde, der hat gesagt, eine Freundschaft will ich nicht mehr. Diese Sache, das war viel zu viel Action, auch für Silvester, erläuterte dieser Zeuge. Und er hat weitererzählt, Knallkörper flogen in unsere Richtung, wir haben uns bedroht gefühlt. Wir wurden auch mit einer Waffe beschossen. Er, damit meinte er natürlich den Angeklagten, er zielte in unsere Richtung. Allerdings sagten beide Männer, also diese beiden Zeugen, dass sie Frieden in der Nachbarschaft wollen und dafür sein, dass dieser angeklagte 38-Jährige nicht bestraft werde. Irgendwie ein frommer Wunsch. Erzähl, wie hat das Gericht entschieden? Also es kam tatsächlich zu einer Einstellung des Verfahrens. Allerdings musste der Angeklagte eine Geldbuße bezahlen.
Und Hintergrund war, dass sich Verteidigung, Staatsanwältin und Richterin einig war, dass so eine Einstellung gegen Geldbuße für diesen Angeklagten ausreichend ist. Und zwar, weil es sich lediglich um eine Schreckschusspistole handelte und niemand bei der Aktion verletzt wurde. Aber dem Angeklagten wurde außerdem auferlegt, noch in derselben Woche diese Vogelschreckpistole bei der Polizei abzugeben. Und die Richterin sagte zum Angeklagten, ihnen muss klar sein, mit Waffen darf nie wieder was sein. Das war wirklich kein Pipifax, was sie gemacht haben. Sie haben auf Menschen geschossen und die haben sich bedroht gefühlt. Nur zu wahr. Ja, ich könnte übrigens auch noch Geschichten erzählen, dass mit Schreckschusswaffen und mit Gaswaffen tatsächlich sogar tödliche Verletzungen hervorgerufen wurden und dass das natürlich auch schon mal ins Auge gegangen ist. Ja, das sind natürlich ganz gefährliche Verletzungen, die da entstehen können. Ich glaube und fürchte, dass viele Menschen das überschätzen oder unterschätzen besser gesagt. Aber ich glaube, das wäre vielleicht dann mal was für eine andere Podcast-Folge.
Gut, zum Abschluss möchte ich gerne nochmal auf die Gefahren von Böllern zu sprechen kommen. Mit Feuerwerkskörpern, die ja wirklich viel Schaden anrichten können, wird bekanntlich nicht nur zu Silvester hantiert. Von ihnen kann deswegen eigentlich jederzeit große Gefahr ausgehen. Da wurde doch zum Beispiel auch bei einer Gartenparty im September 2020, also vor nicht allzu langer Zeit, einem Mann mal die Hand zerfetzt. Stimmt, das wurde dann ebenfalls ein Fall fürs Gericht.
Bei diesem Fall handelte es sich allerdings nur scheinbar um einen Böller. Tatsächlich war es dann eine nicht zugelassene Zink-Signalrakete, wie sich herausstellte. Ja, von solchen gefährlichen Gegenständen haben wir ja schon wiederholt gesprochen. So eine Rakete hat dann eine ziemlich große Sprengkraft. So etwas Gefährliches gehört definitiv nur in die Hände von Fachleuten, also Leute, die regelmäßig mit Feuerwerkskörpern hantieren, die das gelernt haben. Und ganz sicher gehört das nicht auf eine Gartenparty. So ist es. Vor Gericht musste sich dann später der Mann verantworten, der diese Rakete mit auf diese Gartenparty gebracht hatte.
Und dieser 37-Jährige soll dafür verantwortlich sein, dass ein anderer Mann jetzt keine linke Hand mehr hat. Der Anklage zufolge hat dieser Angeklagte, das ist ein Hamburger, sich wegen fahrlässiger Körperverletzung sowie wegen Herbeiführens einer Sprengstoff-Explosion schuldig gemacht. Und die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, eine nicht zugelassene Zink-Signalrakete angezündet und dem späteren Opfer dann in die Hand gedrückt zu haben. Der Angeklagte habe das spätere Opfer zwar noch aufgefordert, die Rakete wegzuwerfen, aber dann explodierte diese Rakete noch in der Hand des Geschädigten.
Ja, und übrigens, Angeklagte und Opfer waren früher beste Freunde. Na ich denke nach diesem fatalen Ereignis waren sie ja dann wohl nicht mehr beste Freunde. Was hat der Angeklagte denn eigentlich gesagt? Also welche Vorstellung hatte der? Wieso hat er das gemacht? Also er sagte vor Gericht, als er diesem 42-Jährigen, seinem damaligen guten Kumpel den Böller in die Hand gedrückt habe, sei er davon ausgegangen, dass es sich um eine Sprühfontäne handele, die er für unbedenklich und ungefährlich gehalten habe. Aber so hat dieser 37-Jährige Angeklagte das erzählt. Und dann hat er gesagt, es sollte ein kleines Highlight sein. Als ich dann sah, dass keine bunte Fontäne rauskommt, habe ich geschrien, schmeiß das weg. Ja, und dann ist das explodiert.
Wir sollten unbedingt noch einmal auf die Folgen für das Opfer eingehen. Der Mann ist doch im Prozess als Zeuge aufgetreten und hat dazu einiges gesagt. Erzähl. Stimmt. Also er sagte, erst haben wir bei der Feier Spaß gehabt, bis etwas explodiert ist in meiner Hand. Und er sagte, er habe seitdem starke Schmerzen. Das macht mich wahnsinnig, sagte er. Dieser 42-Jährige erzählte weiter, ich zitiere, ich komme mit meinem Leben schwer klar, ich kann schlecht schlafen und alles im Alltag sei nun so schwierig.
Allein ein Brot zu schmieren, erfordere viel Zeit. Man muss sich das vorstellen mit einer Hand. Also mit einer Hand ist man wirklich ziemlich hilflos. Da fehlt die Halterhand eben. Gut, man kann das nachvollziehen. Wir erledigen ja viele Dinge, ohne groß darüber nachzudenken, dass wir dafür zwei Hände brauchen. Wenn nur noch eine Hand da ist, wird alles deutlich mühsamer, einiges sogar unmöglich und nicht zu vergessen. Die Schmerzen, von denen das Opfer auch gesprochen hat, das können einerseits natürlich Schmerzen am Stumpf der abgerissenen Hand sein. Möglich ist aber auch ein sogenannter Phantomschmerz. Dieses Wort habe ich schon öfter gehört, aber jetzt erklär doch bitte mal, was damit genau gemeint ist. Ja, Phantomschmerz bedeutet, dass die Finger...
Die jetzt gar nicht mehr da sind, Schmerzen suggerieren und diese Schmerzen in den abgetrennten Fingern oder in diesem Fall in der abgetrennten Hand können so quälend sein, dass dieser Phantomschmerz im Grunde schlimmer ist wie Schmerzen, die man an einer intakten Hand hat. Die abgetrennten Nervenendigungen, gerade bei so einer Explosionsverletzung, die suggerieren eine weiterhin bestehende, sehr schmerzhafte Verletzung. So ist das beim Phantomschmerz. Das klingt ja wirklich schlimm. Ich sollte vielleicht noch ergänzen, dass der Mann, der für dieses Schicksal seines frühen Freundes verantwortlich ist.
Und durch diese Schilderung offenbar sehr berührt wurde oder war. Er sagte dann nämlich zum Opfer, ich will mich gern bei dir entschuldigen und ich erinnere mich, dass dem Angeklagten wirklich die Tränen über die Wangen liefen, als der Geschädigte da eben erzählt hat, wie es ihm ging. Und der Angeklagte sagte weiterhin, ich denke jeden Tag daran, also damit meinte er natürlich, wie er seinen Freund verletzt hat und wie er ihn dauerhaft geschädigt hat. Im Zusammenhang mit dem Verfahren hat die Polizei doch das Unglück detailliert untersucht und ist auf der Frage auf den Grund gegangen, wie gefährlich die mitgebrachte Rakete war. Es handelte sich dabei um Pyrotechnik, die nur von Kundigen und mit besonderer Erlaubnis gezündet werden dürfe, das war die Quintessenz. Wir haben das hier schon angedeutet. In solchen Zink-Signalraketen befindet sich kein Schwarzpulver, sondern ein Gemisch, das deutlich stärker ist. Und zwar vergleichbar mit Sprengstoff, den man verwendet, um Gesteine, um Felsen aufzusprengen. Das hat der Polizeibeamte damals erläutert.
Wir haben ja eingangs schon über solche gefährlichen Raketen gesprochen.
Die sind eigentlich nur bei professionellen Händlern zu bekommen und nur mit einer Art Führerschein zu handhaben. Was hat denn der Angeklagte erzählt, wie er selbst an diese so gefährliche Signalrakete gekommen ist? Also das war eine merkwürdige Geschichte. Er hat nämlich behauptet, dem Böller habe er vom Vormieter seiner Wohnung bekommen. Der habe diese Böller einfach im Keller gelassen und dort habe er sie dann entdeckt, also der spätere Angeklagte und habe sie für eine harmlose Sprührakete gehalten. Hat man ihm das denn abgenommen? Also nein, hat man nicht. Nach Überzeugung des Richters hat der 37-Jährige die Signalrakete illegal im Darknet gekauft. Der Vorsitzende sagte damals an die Adresse des Angeklagten, ich nehme Ihnen nicht ab, dass Sie glaubten, dass es eine Sprühfontäne war. Ihnen war klar, dass die Rakete großes Gefahrenpotenzial darstellt. Deshalb habe der Angeklagte nämlich auch das spätere Opfer aufgefordert, den Böller schnell wegzuwerfen.
Dann sagte der Richter weiter zu dem Angeklagten, dass sie die Folgen nicht gewollt haben, steht allerdings außer Frage. Ja und dann verhängte er sechs Monate Freiheitsstrafe mit Bewährung und blieb damit drei Monate unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Aber es wurden dann wie gesagt sechs Monate mit Bewährung und außerdem wurde der Angeklagte dazu verurteilt, 1000 Euro Geldbuße zu zahlen und der Richter sagte noch sehr sehr deutlich, es handelt sich um ein tragisches Geschehen, weil damit das Leben des Opfers erheblich aus den Fugen geraten ist. Das kann man ja wohl nur unterschreiben. Ja, dem ist nichts hinzuzufügen. Ich möchte aber zum Schluss doch noch ein wenig von meiner Arbeit als Rechtsmediziner berichten.
In der Zeit zum Jahreswechsel. Also das ist für uns geradezu ein Marathon, den wir da abzuleisten haben. Weil so viel passiert die Nacht über. Ja, das geht los am Silvesternachmittag und wir haben dann wirklich sehr, sehr viel zu tun. Da geht es um ganz unterschiedliche Probleme, verletzte Personen, zum Beispiel durch Böller. Es geht auch um tatsächlich Tötungsverbrechen, gar nicht so selten. Gerade in der Silvesternacht geschehen dann auch noch andere, ja schon sehr, sehr schwere Verbrechen. Zum Beispiel sexuelle Gewalteinwirkungen, Vergewaltigung, Alkohol und Drogen spielen eine erhebliche Rolle. Ich frage nochmal nach und das ist wirklich messbar häufiger als in anderen? Also relevant häufiger?
Da ist echt viel los. Also wir sind in dieser Nacht tatsächlich zu mehreren unterwegs. Beispielsweise geht es auch um Verkehrsunfälle oder Fahren unter Alkoholeinwirkung. Das sind natürlich vergleichsweise kleinere Delikte, aber schlimm genug. Und es geht um Brände natürlich und um Personen, die dabei verletzt werden. Und ich will kurz vielleicht noch zum Abschluss nur einige Überschriften aus unserem Hamburger Abendblatt zitieren, die ich gerade wieder gelesen habe. Da heißt es dann zum Beispiel, alle Beamten in die Wachen, so will die Polizei Silvesterkrawalle verhindern.
Und eine andere Überschrift lautet, Krawalle zu Silvester befürchtet, Jahreswechsel wird für Polizei und Feuerwehr wieder ein kräftezehrender Einsatz. Gilt auch für die Rechtsmedizin. Ich wollte gerade sagen, du hast ja gesagt, dass ihr da auch im, wie nanntest du das, Marathon-Einsatz seid. Gut. Und es gibt auch in letzter Zeit zunehmend dieses Problem mit illegalen Böllern, auch so eine Überschrift, Handel mit illegalen Böllern in Hamburg boomt. Nicht zugelassene Feuerwerkskörper werden sogar mit der Post verschickt. Experten schlagen Alarm. Das haben wir jetzt auch so ein bisschen gemacht und ich will den Leuten natürlich nicht den Spaß verderben, aber es hört natürlich der Spaß in dem Augenblick auf, wenn andere darunter zu leiden haben. Ja, also nicht den Spaß verderben, du meinst den Spaß natürlich an einer normalen Silvesterfeier und ich finde das darf auch sein, aber vollkommen richtig. Das darf sein, das muss vielleicht auch sein. Aber definitiv, du hast es gesagt, ich kann mich da wirklich nur anschließen. Man muss wirklich sorgfältig mit den Sachen umgehen, wenn man denn mit Böllern unbedingt hantieren will, mit Feuerwerkskörpern und wirklich, wirklich dafür Sorge tragen, dass niemand anderes zu Schaden kommt. Und natürlich man selber auch nicht. Das dürfte auch im Interesse sein.
Ganz, ganz wichtiges Thema, finde ich. Ich hoffe, wir haben den einen oder anderen aufgeklärt, gewarnt und es wäre natürlich toll, wenn in Zukunft weniger schlimme Vorfälle geschehen würden. Vorfälle, wie wir sie nun, denke ich, eindringlich auch geschildert haben und das wäre wirklich zu wünschen. Gut, also dein Wort ins Ohr der Hamburger und tschüss. Tschüss.