Dem Tod auf der Spur. Spannende Fälle aus der Hamburger Rechtsmedizin. Der Crime-Podcast vom Hamburger Abendblatt. Moin und herzlich willkommen zu dem Tod auf der Spur, unserem True-Crime-Podcast des Hamburger Abendblattes. Ich bin Bettina Mittelacher, Gerichtsreporterin beim Hamburger Abendblatt. Und dieser Podcast ist nur echt mit Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel. Er ist der Mann, der die Toten versteht. Moin Bettina, moin von mir auch an unsere Podcast-Hörer. In den Jahrzehnten, die ich in Hamburg als Rechtsmediziner tätig war, hatte ich zigtausende Todesfälle zu untersuchen. Viele von ihnen waren aus rechtsmedizinischer Sicht nicht wirklich ungewöhnlich. Aber es gab auch zahlreiche sehr spezielle Fälle, teils wegen ihrer Vorgeschichte, teils, weil es um bedrückende Schicksale ging. Diverse Fälle sind mir besonders im Gedächtnis geblieben. Der, um den es heute in unserem Podcast gehen soll, gehört zu den Geschehnissen, an die ich mich speziell und sehr genau erinnere. Übrigens, das sei hier kurz erwähnt, der ging dann tatsächlich in meinem Hamburger Stadtteil los.

Ja, wenn du sagst, du hast dich da genau dran erinnert oder erinnerst dich bis heute genau dran, es handelte sich ja auch wirklich um ein außergewöhnliches Geschehen, nämlich um die kriminellen und brutalen Auswirkungen einer Fee, die in Hamburg zwischen zwei verfeindeten Rockergruppen tobte. Das waren auf der einen Seite die Hells Angels, die seit Jahrzehnten als etabliert galten und das Sagen im Rotlichtgeschäft entlang der Reeperbahn hatten. Und dann wurde eine zweite Rockergruppe gegründet, nämlich die Mongols, die vom Jahr 2014 an auch in Hamburg sehr selbstbewusst auftraten.

Stimmt, als die Mongols 2014 ein Hamburger Chapter gründeten, schickten sie sich mit breiten Schultern und protzigem Gehabe an, den Höllenengeln, also den Hells Angels, Teile des Rotlichtgeschäfts entlang der Reeperbahn streitig zu machen. Was folgte, waren diverse gewalttätige Auseinandersetzungen. Unter anderem gab es Angriffe mit Schusswaffen und Messern. Dann grätschte die Polizei hart dazwischen mit einer Sonderkommission mit dem Namen Rocker. Innerhalb weniger Wochen gab es im Jahr 2016 diverse Razzien und Durchsuchungen. Haftbefehle wurden vollstreckt. Daraufhin lösten sich die Mongols auf.

Ja, aber es gab trotzdem noch einen richtigen, sehr, sehr heftigen Zwischenfall. Ein heftiges Verbrechen, nämlich am 16. Juni 2016. Da kam es nämlich zu einem gewalttätigen Anschlag. Ja, dieses Attentat ereignete sich in Hamburg in einem Stadtteil, der eigentlich als ruhig und idyllisch gilt. Dieser Stadtteil, also Hamburg-Schnelsen, ist sogar ein sehr grünes Fleckchen von Hamburg mit Wiesen, vielen Nadelbäumen und gepflegten Gärten. Aber mit der Ruhe war es am späten Abend des 16. Juni 2016 vorbei Kurz vor Mitternacht alarmierte ein Zeuge die Polizei und sagte Er habe mehrere Schüsse gehört In einer Erdgeschosswohnung am Filoweg in Schnelsen Entdeckten die Beamten dann zwei schwer verletzte Personen Das war eine junge Frau, das andere ein ebenfalls junger Mann.

Und es sprach doch viel dafür, dass dieser Mann, der dort verletzt wurde, das eigentliche Ziel des Anschlages war. Es handelte sich bei diesem Opfer nämlich um einen Hamburger mit Namen Arasch R. Wir kürzen den Nachnamen ab, aus gutem Grund. Das machen wir ja üblicherweise so, dass wir die Nachnamen der Betroffenen nicht nennen. Also dieser Arasch R., damals 25 Jahre alt, galt bei den Hamburger Mongols kurz nach deren Gründung im Jahr 2014 als ein Mann, der viel zu sagen hatte. Er war wohl eine Art Vize-Chef hinter dem damals noch unangefochtenen Boss, der hieß Erkan U.

Ja, und nun war also dieser Arasch R., der Vize, durch Schüsse schwer verletzt worden. Ebenfalls die junge Frau, die sich in diesem Haus in Schnelsen aufgehalten hatte. Die Verletzten wurden von Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei sicherte Spuren. Dabei ging es darum, unter anderem zu... Patronenhülsen sicherzustellen, ist ja klar. Das ist die Aufgabe der Polizei. Natürlich ging es auch darum, Nachbarn zu befragen, ob sie etwas Verdächtiges beobachtet hatten.

So viel zumindest war schnell klar. Es müssen eine ganze Reihe von Schüssen abgefeuert worden sein. Der Täter hatte sich sozusagen von hinten angeschlichen und war hinter dem Haus über die Terrasse gekommen. Also los ging es ja an dem Abend, als die damals 21-Jährige, die sich in dem Haus aufgehalten hatte, ging ja so 23.20 Uhr, 23.30 Uhr, also kurz vor Mitternacht in der Terrassentür stand und eine Zigarette rauchte. Und in diesem Moment feuerte der Schütze, der sich da offenbar verborgen gehalten hatte, los. Die junge Frau geriet ins Taumel und stürzte. Insgesamt wurde sie von drei Projektilen erwischt. Zwei trafen sie im Oberkörper, eines im Arm. Als dann ihr Freund Arasch R. zu ihr eilte, schoss der Täter auch auf den Mann. Noch am Tatort wurde dann kurze Zeit später die lebensgefährlich verletzte Frau notärztlich versorgt und dann wiederum wenig später notoperiert. Klaus, ohne jetzt auf den Einzelfall einzugehen, wenn zwei Kugeln jemanden am Oberkörper treffen, ist das doch generell eher sehr gefährlich, oder?

Ja klar, also jeder weiß, dass im Oberkörper sehr wichtige Organe liegen, Lunge und Herz. Hier läuft die Körperhauptschlagader. Ja, davon läuft auch das Rückenmark in der Wirbelsäule. Also dies ist eine hochsensible Zone und Schussverletzungen im Brustkorbbereich sind stets lebensgefährlich. Also das ist eine hochdramatische Situation. Kommen wir zurück zu dem konkreten Fall, also diesem Anschlag vom 16. Juni 2016.

Auch Arash R. wurde von Schüssen getroffen und zwar an Hand und Hüfte. Diese Verletzungen waren schwer, aber offenbar nicht lebensbedrohlich. Der Mann wurde einige Minuten im Rettungswagen behandelt, bevor auch er ins Krankenhaus kam. Es waren, als diese Schüsse fielen, auch noch zwei weitere Personen in der Wohnung, die aber beide unverletzt blieben. Einer von ihnen war der Vater von Arasch R. Nach diesen Schüssen leitete die Polizei eine Sofortfahndung nach dem flüchtigen Täter ein. Um die 20 Streifenwagen waren damals unterwegs. Doch die Fahndung verliegt erfolglos. Der Schütze konnte dennoch nicht gefasst werden. Ja, soweit ich weiß, ist die Tat letztlich auch ungesühnt geblieben. Zunächst war auch unklar, Wer denn nun eigentlich hinter diesen Schüssen steckte, wie die Motivlage war.

Dann gab es schon den Verdacht, dass es jemand aus dem Rocker-Milieu sein könnte. Denn die Polizei wusste, dass der durch die Schüsse verletzte 25-jährige junge Mann ein leidenschaftlicher Anhänger der Mongols war. Es hieß ja, er sei der Vize dort und er war ein überzeugter Feind der Hells Angels. Das zeigte er übrigens auch deutlich. Auf seinem halb rasierten Schädel hatte dieser Mann einen aussagekräftigen Schriftzug tätowieren lassen. Da stand dann, glaubt man kaum, fuck the Hells Angels. Das als Tätowierung ist wirklich, finde ich, eine sehr harte Nummer. Ja, also ich würde sagen, eindeutiger geht es kaum.

Also weil nun wirklich klar war, dass es sich hier um einen Gegner der Hells Angels handelte, um nicht zu sagen, ein Feind ging die Ermittler früh davon aus, dass es bei dem Anschlag auf Arash R. Und seine Freundin vielleicht um eine offene Rechnung zwischen diesen beiden verfeindeten Rockergruppen gingen. Und die Vermutung war ebenfalls, dass nicht die dann sehr schwer verletzte Frau, sondern Mongol Arash R. Das eigentliche Ziel dieses Anschlags war. Es war ja schon vorher zur Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Rockergruppen gekommen, aber die vergleichsweise nicht ganz so massiv waren. Nun, rund zwei Jahre nach den Schüssen auf Arasch R. Und seine Freundin kam es.

Also im Zusammenhang mit diesen Rocker-Auseinandersetzungen zu einer weiteren sehr schweren Straftat in Hamburg. Diesmal wurde der Rocker-Boss der Hells Angels schwer verletzt. Es war die Nacht auf den 27. August 2018.

Dariusz F., der als Chef der Hells Angels galt, war damals in seinem Luxuswagen, nämlich einem Bentley, unterwegs. Als er vor einer Ampel am Hamburger Millern-Tor halten musste, wurde auf den damals 38-Jährigen geschossen. Er wurde lebensgefährlich an Kopf und Oberkörper verletzt und ist seitdem querschnittsgelähmt. Später wurde wegen dieser Tat ein Prozess gegen drei Angeklagte verhandelt. Bei diesen Angeklagten handelte es sich um den früheren Mongol Arash R., von dem ja, Eben die Rede war, dass er Opfer war dieses früheren Attentates. Also Arash R. war einer der Angeklagten. Außerdem saß mit auf der Anklagebank sein 73 Jahre alter Vater und ein Bulgare. Und von diesem Bulgaren hieß es, er sei der eigentliche Schütze gewesen, der also die Schüsse auf Darius F. Abgefeuert haben soll.

Am Ende der Beweisaufnahme in diesem Prozess hegte das Gericht keinen Zweifel daran, dass der frühere Mongol Arash R. Die Schüsse in Auftrag gegeben hatte, die Schüsse auf den Hells Angels Boss.

Da hatte sich die Rockergruppierung der Mongels zwar bereits aufgelöst, aber offenbar hatte man noch eine Rechnung offen. Ja, es gab offensichtlich Rachepläne wegen des Attentats in Schnellsen zwei Jahre zuvor auf Arash R. Und seine Freundin. So hat man das gesehen. Ja, nach Überzeugung des Gerichts, vor dem das Verbrechen um die Schüsse auf den Hells Angels Boss Darish F. Verhandelt wurde, hatte unter anderem der frühere Mongol-Vize Arash R. Dem verfeindeten Hells Angel das Attentat angelast. Noch mal zur Erinnerung, hier ging es um das Attentat, das zwei Jahre zuvor auf Arash R. Und die Freundin in Schnelsen verübt worden war. Und ja, daraufhin war es offenbar so, dass Arash R. Diesen Hells Angels Darius F. Wirklich hasste wie niemanden sonst.

Was genau war bei diesem Attentat auf Darius F. Passiert? Also, das war der 26. August 2028, kurz vor Mitternacht. Da hält der 38-jährige Rockerboss in seinem Wagen an einer roten Ampel. Ja, ich kann mich noch sehr genau erinnern, darüber wurde sehr, sehr ausführlich in allen Medien berichtet. Ein anderer Wagen, ein Mercedes Coupé, setzte sich neben den Bentley von Darius F. Am Steuer dieses Mercedes, so wurde das später ermittelt, sitzt Lisa S., die Freundin des früheren Mongols Arash R. Auf dem Beifahrersitz sitzt ein Mann, der nun fünf Schüsse auf den Hells Angel abgibt. Das Opfer, im Kopf und am Oberkörper getroffen, sackt zusammen. Zwar können Ärzte sein Leben retten, aber eine Kugel hat das Rückenmark getroffen und Nervenbahnen zerstört. Seitdem ist der Mann querschnittsgelähmt. Klaus, wieder ganz allgemein, ist eine Querschnittslähmung immer die Folge, wenn das Rückmark eines Menschen verletzt wurde?

Es kommt auf das Ausmaß der Rückenmarksverletzung an, wenn das Rückenmark tatsächlich von einem Schuss direkt verletzt wird oder wenn es zu einem schweren Wirbelsäulenbruch kommt, einer Fraktur oder wenn ein großes Messer in den Wirbelkanal eindringt, dann ist eine Querschnittslähmung unbedingt die Folge. Also, sobald das Rückenmark im gesamten Querschnitt betroffen ist, resultiert eine vollständige Querschnittslähmung. Wenn das Rückenmark in seinem Querschnitt nur teilweise verletzt wurde, dann kommt es zu teilweisen Lähmungen. Also, das hängt vom Ausmaß ab. In diesem Fall gab es ja Schussverletzungen im Bereich des Brustkorbs, die auch die Wirbelsäule schwerst geschädigt haben. Zurück, Bettina, zu dem damals schwer verletzten Darius F. Der hat im Prozess als Zeuge dann nicht ausgesagt, oder? Also hat geschwiegen. Das ist richtig. Er hat nicht ausgesagt. Vielleicht fühlte er sich dem sogenannten Rocker-Kodex verpflichtet, der besagt, dass man Stillschweigen bewahrt.

Interessant ist aber, was der Hells Angels sagte oder gesagt haben soll, als er noch im Krankenhaus lag, wo er ja wegen seiner Rückmarkverletzung behandelt wurde. Er soll nämlich zu einem Polizisten gesagt haben, Zitat, es ist erst Ruhe, wenn Arasch R. tot ist. Wow, das klingt wiederum sehr hart. Das könnte man eindeutig als Racheplan verstehen, aber genau wissen wir das natürlich nicht, wie das gemeint war. Was haben die Angeklagten in dem Prozess, in dem es um das Attentat auf den Hells Angel Boss Darish F. ging, denn ausgesagt? Also ein 27-Jähriger, der laut Anklage der eigentliche Schütze war und dem für.

Das Attentat offenbar 10.000 Euro versprochen worden waren, der hat vor Gericht ein umfassendes Geständnis abgelegt. Das war dieser Bulgare. Das war der Bulgare, ganz genau, der eben wirklich geschossen haben soll, der diese fünf Kugeln abgefeuert hatte. Das hat er vor Gericht gestanden. Er hat unter anderem vor Gericht erzählt, ihm sei erst während der Autofahrt zum späteren Tatort mitgeteilt worden, dass er überhaupt auf jemanden schießen solle. Der Bulgare erzählte weiter, der Vater von Arash R., der übrigens To Ralli R. Hieß und die Freundin von Arash R., also Lisa S., die beiden hätten ihn aufgefordert, alle fünf Kugeln, mit denen eine Waffe geladen war, die die beiden besorgt hatten, dass er alle diese fünf Kugeln auf den Oberkörper des Opfers abfeuern solle. Der Bulgare sagte dann weiter, ihm sei gesagt worden.

Das 38-jährige Opfer, also der Boss der Hells Angels, solle danach, Zitat, nur noch ein halber Mann sein, ein Krüppel, Zitat Ende. Oder alternativ war ihm gesagt worden, dass der Mann getötet werden solle. Der 73-jährige Torali R., so erzählte es der Bulgare, habe auch noch gesagt, dass er die Tat, also die Schüsse auf den Hells Angels gerne selber verüben würde, wenn er denn jünger wäre. Ja, das war ja dann eine in jeder Hinsicht klare Aussage und Ansage.

Ach, die Tötungsabsicht ist völlig eindeutig. Also fünf Schüsse auf den Brustkorbbereich eines Menschen belegen natürlich eindeutig die Absicht zu töten. Ich kann nur schwer verstehen, dass man eigentlich vielleicht sogar gedacht hat, man wolle dem Töten, Hells Angel Bosnua schwere Verletzungen beifügen, also fünfmal auf den Brustkorb, ist ja meistens mit dem Tod des Opfers verbunden. Also der Bulgare hat die anderen Angeklagten erheblich belastet, der war ja fast sowas wie ein Kronzeuge, oder? Naja, er war natürlich weiter angeklagter, aber diese Aussage war schon sehr klar in die Richtung, dass die anderen beiden doch ganz, ganz stark in das Geschehen involviert waren, dass sie das also geplant hatten, beziehungsweise in Auftrag gegeben hatten. Sehr, sehr belastend für Arasch R. Und dessen Vater, die ja beide mit vor Gericht saßen.

Der eigentliche Schütze hat übrigens später vom Gericht eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten erhalten. Zudem wurde für ihn eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Das lag daran, dass er erwiesenermaßen wieder festgestellt wurde, an Schizophrenie litt und außerdem drogensüchtig war. Und deshalb kam eben zusätzlich zu dieser Freiheitsstrafe die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. So, jetzt zu dem Angeklagten Arasch R. Der räumte im Prozess ein Mitgeholfen zu haben, den Schützen für das Attentat zu organisieren. Und sein mitangeklagter Vater, der wies aber eine Verantwortung für die Schüsse kategorisch zurück.

Bettina, du warst ja dabei. Eine entscheidende Rolle in diesem Prozess spielte doch die Freundin des Hauptangeklagten Arasch R. Die hat in diesem Prozess umfassend als Zeugin ausgesagt. Sie war ja keine Angeklagte. Sie ist vorher schon verurteilt worden, oder? Das ist korrekt. Die hatte am Steuer des Mercedes gesessen, aus dem die Schüsse dann ja abgefeuert wurden. Und die hatte bereits in einem vorangegangenen Strafverfahren eine Freiheitsstrafe von zwölfeinhalb Jahren erhalten. Diese Freiheitsstrafe wurde schnell rechtskräftig. Und dann hat dieser S., also diese verurteilte Frau, in dem Verfahren gegen ihren Freund, den Mongol Arash R..

Ausführlich ausgesagt. Und zwar hat sie erzählt, sie sei die treibende Kraft gewesen, als es darum ging, einen Attentat auf Rockerboss Darius F. zu verüben. Sie sagte, es habe ja zwei Jahre zuvor auf sie und ihren Freund in der Wohnung in Schnelsen dieses Attentat gegeben, in dem auf sie geschossen worden war. Es habe außerdem weitere Drohungen gegen sie gegeben. Dagegen habe sie sich nun wehren wollen. Und in dem Prozess sagte Lisa S. nun als Zeugin, ich zitiere, Ich wollte, dass er selber Schmerzen hat. Und damit meinte sie nun Hells Angels Boss Darius F. Sie sagte weiter, ich wollte, dass er dieselbe Angst hat. Ich dachte, wenn Darius weg ist, dass es dann ruhig ist, dass Gerechtigkeit da ist.

Gerechtigkeit? Wahrscheinlich meinte sie das etwa im Sinne von Auge um Auge, Zahn um Zahn. Aber Gerechtigkeit im juristischen Sinne kann das wirklich nicht sein. Wenn auf jemanden ein Attentat verübt wird, mit dem Ziel ihn zu verletzen oder sogar zu töten, ist das auf keinen Fall gerecht. Das ist völlig unakzeptabel und dazu hat kein Mensch das Recht. Das hat auch die Vorsitzende Richterin im Prozess bei der Urteilsverkündung gegen diese drei Angeklagten sehr deutlich betont. Sie hat gesagt ...

Über den ehemaligen Mongolsboss Arash R., Zitat, er entschied sich, Selbstjustiz zu verüben. Der Arash R. habe sich durch das frühere Attentat auf ihn und seine Freundin Schnellsen gedemütigt gefühlt und dann auf ein, wiederum Zitat, archaisch anmutendes Wertesystem bezogen, bei dem vor allem Stärke und Männlichkeit im Vordergrund stehen, sagte die Richterin. Sie betonte weiter, diese Vergeltungsmaßnahme habe, wieder Zitat, mit unserem Rechtssystem nichts, aber auch gar nichts zu tun. Und das gelte auch, wenn Arasch R. Selber vorher Opfer eines Verbrechens geworden ist. Es hieß übrigens auch über das Attentat auf den Hells Angels Boss Darius F. Diese Tat mitten in der Öffentlichkeit erinnere an eine Hinrichtung. Das Opfer sei unvermittelt und durch eine kaltblütige Tat aus dem Leben gerissen worden. Es handelte sich um eine heimtückische Tat auf sittlich niedrigster Stufe.

Bettina, und was war die Quintessenz des Urteils gegen diese drei Angeklagten? Wie hat sich nach Überzeugung des Gerichts das Attentat auf den Hells Angel Boss abgespielt? Ja, wir haben es vorhin schon angedeutet, aber ich erzähle noch mal, zu welcher Überzeugung das Gericht es gekommen ist. Die haben nämlich festgestellt, dass das Pärchen Arash R. Und Lisa S., also der frühere Mongol und seine Freundin, mit diesem Attentat einen Racheplan umgesetzt haben. Aber Arash R. konnte zu der Zeit nicht selber zur Tat streiten. Stimmt, der saß ja mittlerweile unter anderem wegen Drogenvergehen im Gefängnis. Das müssen wir hier noch einmal zur Erläuterung sagen. Er hat ja nicht selber in dem Auto gesessen, auf den Hells Angel Boss geschossen wurde. Das ist richtig, aber er soll... Das war die Überzeugung des Gerichtes, aus dem Gefängnis heraus über Mittelleute den eigentlichen Schützen dann für das Attentat gewonnen haben.

Und da hat er offenbar über mehrere Ecken Befehle oder Anweisungen gegeben, so hat es das Gericht damals festgestellt bzw. rekonstruiert. Und dieser Bulgare, der hatte ja zunächst nur erfahren, dass er für einen Auftrag 10.000 Euro bekommen solle. Übrigens hat er den Killerlohn nach seiner Aussage nie erhalten.

Und der Bulgare, der dann der Schütze werden sollte, wurde zwei Abende über den Kiez gefahren, weil man eben hoffte, das anvisierte Opfer, den Hells Angels Boss, ausfindig zu machen. Und erst saß bei diesen beiden Abenden einmal der Vater von Mongol Arash R. Am Steuer und einmal Lisa S. Und in beiden Fällen war es eben darum gegangen, den Hells Angels Boss aufzustöbern. Als am ersten Abend, an dem die Rache vollzogen werden sollte, das Opfer nicht gefunden werden konnte, zog man dann an einem weiteren Abend los. Das war dann der 26. August 2018. Und an diesem Abend entdeckte Lisa S., also die Freundin des Mongols, den Bentley von Darius F. vor einem Lokal auf dem Kiez. Und dass sie nun ihr Ziel aufgestöbert hatte, das teilte Lisa S. Ihrem Freund Arash R. in einer verschlüsselten Nachricht direkt in die Zelle mit. Also wie soll ich mir das denn vorstellen? Verschlüsselt wohl deshalb, weil man ja damit rechnen musste, dass die Nachrichten an den im Gefängnis sitzenden Arasch R. kontrolliert werden. Da kann man schlecht etwas schreiben wie, so das Attentat geht klar, wir knallen deinen Erzfeind ab oder so ähnlich. Was hat die Lisa denn eigentlich stattdessen geschrieben? Also sie formulierte es so, Schatz, ich habe das schönste Kleid überhaupt gefunden, ich liebe dich. Also das ist wirklich sehr verklausuliert, aber der Mann im Knast, der hat diese Botschaft offenbar richtig und sofort verstanden. Ja, ganz offensichtlich. Jedenfalls zielte der als Attentäter angeheuerte Bulgare in dieser Straße auf dem Kiez, wo Rockerboss Darius F. An einer roten Ampel hatte halten müssen, aus nächster Nähe dann auf das Opfer. Der Schütze traf, wie wir es ja auch schon gesagt haben, den 38-Jährigen in Brust und Schulter. Die Querschnittslähmung und die Organverletzung, die der Hells Angels Boss dadurch erlitt, seien ein ganz schreckliches und verheerendes Verletzungsbild gewesen, sagte die Richterin dazu. Ich nehme an, das kannst du als Rechtsmediziner bestätigen. Genau das wollte ich gerade sagen. Der Hells Angel wurde also schwerst verletzt und die Querschnittslähmung ist ja auch ein böses, böses Los, was ihn jetzt ereilt hat. Ein wichtiges Indiz für die Schuld der Angeklagten war doch nach Überzeugung des Gerichts ein Gespräch zwischen Arasch R. Und seiner Freundin Lisa S. Dieses war abgehört worden, als Arasch R. schon wegen dieser Drogenvergehen im Knast saß und Lisa S. ihn besuchte. Stimmt. Mit richterlicher Genehmigung war eine Abhöranlage im Besucherraum des Gefängnisses installiert worden. Und da hatte Arasch R. Offenbar sinngemäß zu seiner Freundin gesagt, ich zitiere, Blutrache, das ist bei uns Gesetz. Und außerdem hat er offenbar noch einen weiteren Satz gesagt, nämlich wir sind richtige Gangster. Und das reichte dem Gericht, um Arasch R. Eine Anstiftung zum Mord wirklich sicher nachzuweisen. Und weil nach dem Gesetz der Anstifter ebenso hart bestraft werden soll wie der eigentliche Täter, verurteilte das Gericht diesen Arasch R. Unter anderem wegen versuchten Mordes dann zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Wir wissen ja, auf Mord steht auf jeden Fall eine lebenslange Freiheitsstrafe. Bei Versuch und Mord kann gemildert werden, muss aber nicht. Und in diesem Fall entschied das Gericht also, dass auch wegen dieses versuchten Mordes eine lebenslange Freiheitsstrafe zu verhängen ist. Ja, das war schon eine besondere Konstellation, muss ich sagen. Also der Arrasch R. saß ja selbst im Gefängnis, als das Ganze passiert ist und wird dann als Anstifter zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, während die anderen direkt beteiligten Personen ja zeitlich begrenzte Strafen bekommen. Da gab es andere Milderungsgründe, die das dann plausibel machen, aber das würde jetzt ein bisschen zu weit führen, wenn man das jetzt im Detail aufklären würde. Ja, also im Vergleich zu Arrasch ist die Lisa S. Mit den zwölfeinhalb Jahren, die sie in ihrem früheren Prozess wegen des Attentats bekommen hat, noch halbwegs glimpflich davon gekommen. Ja, eigentlich, so wahrzuhören, hatte Lisa S. mit Arrasch R. Eine Familie gründen wollen. Sie hatte sich offenbar auch seinen Namen in die Haut tätowieren lassen. Es hieß, das sei eben der Name dieses Mannes, den sie abgöttisch liebte und dem sie mehr oder weniger hörig war. Und deshalb hatte sie sich eben daran beteiligt, den Mann ausschalten zu wollen, der dafür verantwortlich war, dass auf sie geschossen wurde. Das wäre ja jedenfalls ihre Lesart. Der Mann, es war eben der Mann, der Name Arash R., der da angeblich auf ihrer Haut tätowiert ist, also der Name des Mannes, den sie abgöttisch liebte. So, also kommen wir zum Schluss. Das Ganze hat ja so ein bisschen was von Bonnie und Clyde. Aus meiner Sicht finde ich dies allerdings alles andere als romantisch. Die erste Schießerei in Schnelsen hat den gesamten ruhigen Stadtteil in Aufruf versetzt. Die Schüsse auf Darius F. Haben St. Pauli und die gesamte Rocker-Szene schwer erschüttert. Das war eine Art Rocker-Krieg, es war auch Blutrache. Und das hat natürlich in unserem Land überhaupt nichts zu suchen. Davon wollen wir nicht wissen. Und das ist völlig unazeptabel. Ich finde, das Landgericht hat darauf die richtige Antwort gefunden. Vielen Dank, Klaus. Wieder ein spannender Fall. Und ja, das war es wieder mit unserem Crime-Podcast Dem tut auf der Spur. Vielen Dank an dich und vielen Dank an unsere Hörer. Ja, macht's alle gut. zusammen und tschüss.

Ein Podcast von Funke.