Spannende Fälle aus der Hamburger Rechtsmedizin. Der Crime-Podcast vom Hamburger Abendblatt. Moin und herzlich willkommen zu dem Tod auf der Spur, unserem True-Crime-Podcast des Hamburger Abendblattes. Ich bin Bettina Mittelacher, Gerichtsreporterin des Hamburger Abendblattes. Und dieser Podcast funktioniert nur mit Rechtsmediziner Professor Klaus Püschel. Er ist der Mann, der in den Toten liest, wie in einem Buch. Moin Bettina, auch von mir viele Grüße an die Podcast-Hörer. Mit Tod und Verbrechen kenne ich mich aus, weil ich als Rechtsmediziner immer wieder Verletzte und Verstorbene untersuche, um nachzuvollziehen, woran der Tod eintrat bzw. Wodurch Verletzungen entstanden sind. Heute bin ich übrigens besonders engagiert, fast direkt betroffen und das Thema ist echt irrsinnig. In unserer heutigen Podcast-Folge soll es ja auch um Verletzungen und Tote gehen. Dies ist aber diesmal nicht unser Hauptthema. Dieses Hauptthema ist offenbar das, was dich jetzt ganz besonders interessiert. Denn in erster Linie geht es in unserer neuen Episode um Lachgas. Ja, Lachgas, das ist einerseits ein sogenannter alter Hut, aber auch ein hochaktuelles Thema, finde ich.
Ja, also wir sprechen über Drogen heute, wie man merkt. Alter Hut ist Lachgas insofern, als die Entdeckung der betäubenden und schmerzstillenden Wirkung dieses Gases bereits etwa um 1800 geschah. Genau gesagt durch Joseph Priestley 1772.
Der englische Apotheker und Chemiker Humphrey Davy hat dann etwas später die speziellen Wirkungen von Lachgas, chemisch ist das N2O, die Stickstoffmonoxid. Ja, der Herr Davy hat die Wirkung weitergehend beschrieben.
Das war also die sogenannte Historie und hochaktuell, wie wir das ja eben angekündigt haben, ist Lachgas deshalb, weil die Bundesregierung vor wenigen Tagen eine Gesetzesänderung verabschiedet hat und diese besagt, dass der Verkauf von Lachgas unter bestimmten Voraussetzungen verboten werden soll. Naja genau, hochaktuell ist Lachgas übrigens auch, weil es eben jetzt gerade sehr modern ist, wie man manchmal sagt. Ziel dieses Gesetzes, was ja schon im Bundestag ist, ist der Missbrauch von Lachgas. Das soll also unbedingt eingedämmt werden. Es soll nicht mehr von Kindern und Jugendlichen zu Rauschgiftzwecken konsumiert werden. Die Kinder und Jugendlichen sollen insbesondere auch vor den gesundheitlichen Risiken geschützt werden. Ich finde übrigens, dieses Verbot ist längst fällig, um nicht zu sagen überfällig und ich sage auch, es reicht immer noch nicht weit genug.
Übrigens, nebenher, unter die neuen Regelungen fällt auch das Verbot von sogenannten K.O.-Substanzen. Dahinter verbergen sich Stoffe wie Gamma-Butyrolacton, GBL und 1,4-Butan-Diol, BDO. Sie werden etwa zur Begehung von Vergewaltigungs- und Raubdelikten verwendet. Also mit Prozessen, in denen es um Verbrechen ging, bei denen K.O.-Tropfen als Vergewaltigungsdroge eingesetzt wurden, hatte ich als Gerichtsreporterin schon zu tun. K.O.-Tropfen, wenn man dieses Wort hört, ahnt man ja schon, dass es sich um eine gefährliche Substanz handelt. Dagegen klingt das Wort Lachgas zunächst mal harmlos.
Ja, dieser Begriff geht auf den Erfinder und dann auch auf den Erstbeschreiber Humphrey Davy zurück. Von denen war ja schon die Rede. Die haben die betäubende und schmerzstellende Wirkung dieses Gases entdeckt, beschrieben. Die haben übrigens auch Selbstversuche gemacht. Die Bezeichnung Lachgas beruht auf der Reaktion von Versuchspersonen, denen Lachgas verabreicht wurde. Die deutsche Bezeichnung ist eine Übersetzung des englischen Wortes. Dort im Englischen heißt es wirklich Laughing Gas. So nach dem Motto, das ist zum Lachen, also das ist spaßig, witzig, aber tatsächlich kann der Konsum von Lachgas ganz, ganz böse Folgen haben. Erklär doch bitte mal, was Lachgas und auch K.O.-Tropfen so gefährlich macht.
Ja, kurz zu K.O.-Tropfen. Das ist ja nicht so sehr unser heutiges Thema. Hier gilt, die beinhalten eine große Bandbreite von meist Farb- und geruchlosen Substanzverbindungen. Deshalb sind sie ja so tückisch. Wenn sie jemandem heimlich ins Getränk geträufelt werden, merkt diese Person weder eine Veränderung des Geruchs, des Geschmacks oder der Farbe. Deshalb werden sie von Tätern als sogenannte Vergewaltigungsdroge, also Wapedwag, eingesetzt. Das Opfer bemerkt nichts, bis es zu spät ist und das Verbrechen verübt wurde. Die Wirkung von K.O.-Tropfen ist je nach Dosierung sehr unterschiedlich. Während zum Beispiel eine sehr geringe Dosis euphorisierend, enthemmend und sexuell stimulierend wirkt, kommt es bei höherer Dosierung regelmäßig zu Koordinationsstörungen, Schwindel und Müdigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit. Bei Überdosierung kann es auch zum Tod durch...
Atemlähmung kommen. Beim Einsatz dieser Substanzen spricht man übrigens jetzt modern, manchmal auch von sogenannter chemischer Unterwerfung. Also wenn du sagst, bei Überdosierung kann es durch den Einsatz von K.O.-Tropfen zum Atemlähmung kommen und damit zum Tod. Mit anderen Worten, K.O.-Tropfen können tödlich gefährlich sein. Jetzt kommen wir aber wieder zurück zum Lachgas. Wie ist es denn damit? Naja, ganz allgemein sage ich, es kommt drauf an. Also das ausufernde Problem mit Lachkas für Kinder und Jugendliche wurde wiederholt berichtet. Da gibt es übrigens so einen gewissen wellenförmigen Verlauf. Ich hatte auch schon mal in meiner Anfangszeit in der Rechtsmedizin eine Periode mit sogenannten jungen Schnüfflern. Die haben damals zum Teil auch schon Lachgas konsumiert. Das ist vor 50 Jahren gewesen.
Lachgas ist noch heute frei verkäuflich, beispielsweise in Form von Sahnekapseln. Der Preis, 50 Cent pro Kapsel, gekauft werden kann das bei Rewe, Aldi und allen ähnlichen Kaufhäusern, Lebensmittelgeschäften. Andererseits wird dieses Lachgas, ich würde sogar sagen in erster Linie, als sogenannte Partydroge konsumiert. Und dafür hat man dann jetzt übrigens auch größere Gaskartuschen entwickelt und auf den Markt gebracht. Das heißt dann jetzt auch nicht mehr ganz einfach für Schlagsahne, sondern auf diesen großen Kapseln steht dann drauf exotische Schlagsahne oder Exotic Whip. Und in diesen großen Containern sind dann 300 bis 500 Konsumeinheiten. immer noch, Eine wirklich finanziell sehr günstige Droge, die dann von den Kindern und Jugendlichen ja entweder im Freien zusammen oder auf Partys konsumiert wird. Das sorgt für unbeschwerte Momente.
Wir wollen ja vor allen Dingen über die Gefahren reden. Du hast einerseits erzählt, dass man die im Supermarkt bekommt. Aber ich denke, wir können gar nicht genug betonen, dass von diesen Substanzen eben Gefahren ausgehen, oder? Ja, das kommt jetzt natürlich. Also dieses Lachgas ist in verschiedener Hinsicht wirklich hochgefährlich für die Gesundheit des Konsumenten. Das muss man ausdrücklich sagen. Überdosiert bringt dieses Betäubungsgas ganz verschiedene Gesundheitsrisiken. Einerseits geht es dann um Sauerstoffmangel und Ersticken, andererseits um lokale Erfrierungen und dann, das wird manchmal vergessen, ist aber wirklich sehr relevant, es geht um erhebliche neurologische Schäden, die dann drohen. Also das klingt ja wirklich in der Tat alarmierend. Erklärst du das bitte mal genauer? Ja, noch einmal. Lachgas ist ein farbloses Gas. Der Geruch ist leicht süßlich.
Wer Lachgas als Partydroge gebrauchen will, der inhaliert das Gas meistens aus einem Ballon. In diesem Ballon wurde das Gas abgefüllt aus den Kartuschen. Manchmal wird es auch direkt aus Gaspatronen inhaliert, um einen kurzfristigen Rauschzustand zu erzeugen. Das ist dann speziell gefährlich im Hinblick auf die Erfrierung. Darauf gehe ich gleich noch ein. Ja, das große Aber, das sind die diversen Gefahren. Fangen wir an bei den Erfrierungen. Das Gas in den Gasbehältern verschiedener Größen, auch in den kleinsten Behältern, das ist also komprimiert. Wenn es aus dem Behältnis austritt, sinkt die Temperatur rapide auf bis zu minus 55 Grad Celsius. Minus 55 Grad, das ist wirklich heftig. Genau. Dadurch kann es dann zu Erfrierungen an Händen, Lippen, Mund und auch im Rachenbereich kommen. Besonders riskant ist das Inhalieren des Gases direkt aus Gaskartuschen oder Zylindern. Dabei kann dann auch die Temperatur an der Oberfläche dieses Behältnisses stark absinken und es gibt dann Erfrierungen an den Händen, die das Gefäß halten.
In Kombination mit dem herabgesetzten Schmerzempfinden entstehen unter Umständen schwerste Erfrierungen.
Ja, auch wenn sich zunächst nur kleine Rötungen zeigen, können doch diese Erfrierungen dann schwerwiegend sein. Von der Gradeinteilung her durchaus zweiter, dritter Grad von Erfrierungen. Das heißt, unter Umständen sind sogar Hauttransplantationen erforderlich. Es werden unter Umständen Haupttransplantationen nötig. Also das finde ich jetzt so alarmierend, dass ich das gerne noch mal wiederholen möchte.
Diese Notwendigkeit von Hauttransplantationen, die kannte ich bisher nur von Verbrennungen. Wenn jemand sich also beispielsweise in einem Haus aufhält, das in Brand gerät und er kommt eine Zeit lang nicht raus und er leidet schwerste Verbrennungen. Oder wenn jemand in der Nähe stand, Und wenn nach einem Verkehrsunfall der Tank eines Autos explodiert, dann entstehen ja schwerste Verbrennungen. Und wenn so eine Maßnahme, über die wir gerade gesprochen haben, also Hauttransplantation, auch wegen Erfrierungen als Folge von Lachgaskonsum erforderlich sein kann, das verdeutlicht ja wirklich, wie gravierend die Schädigung durch Erfrierung mit Lachgas sein kann. Ja, also funktionell sind starke Erfrierungen ähnlich einzuschätzen wie Verbrennungen und jeweils auch mit der Notwendigkeit im Extremfall von Hauttransplantationen. Aber das ist leider noch lange nicht alles.
Weil durch die Kompression des Lachgas in den Kartuschen auch der Druck stark erhöht wird, kann es beim Konsum, also beim Einatmen, sogar zu Verletzungen der Lunge kommen, wenn nämlich dieses Gas unter sehr hohem Druck aus den Kartuschen ausströmt.
Und im Extremfall resultiert daraus mal ein Lungenriss. Also vermeiden kann man das natürlich dadurch, dass man das Lachgas vorher in Luftballons abfüllt. Aber du sprachst gerade so von Lungenrissen, das klingt ja in der Tat absolut lebensgefährlich. Naja, das ist es unter Umständen auch. Das muss man sich so vorstellen, dass die Lunge ähnlich aufgeblasen wird wie ein Luftballon, der dann plötzlich platzt durch die Lungenrisse, tritt Gas ein unter das Rippenfell, unter das Lungenfell. Und das kann tatsächlich auch lebensgefährlich werden. Klaus, du hast vorhin auch erwähnt, dass es durch das Inhalieren von Nachgas zu Sauerstoffmangel kommen kann. Und dass das gefährlich ist, drängt sich ja geradezu auf. Ja, bei Sauerstoffmangel droht natürlich die Gefahr des Erstickens. Das dürfte allgemein bekannt sein.
Aber jetzt nochmal zur Erklärung, was hat Lachgas mit Sauerstoffmangel zu tun? Das hängt folgendermaßen zusammen. Beim Inhalieren des puren Gases, also des Lachgas, wird Sauerstoff aus der Lunge verdrängt und dadurch kann es zu Bewusstlosigkeit, Lähmungen und auch Hirnschäden kommen. Schwindelgedächtnis- und Aufmerksamkeitsprobleme können als Folge auftreten. Gefährlich ist vor allem die Anwendung über Gesichtsmasken und mittels Plastiktüten, um die Wirkung des Rauschgefühls zu verlängern. Der Lachgaskonsum in geschlossenen Räumen, zum Beispiel in einem Auto, ohne entsprechende Belüftung, ist ebenfalls besonders riskant.
Ja, weiterhin als Nebenwirkung des Konsums wird auch Übelkeit beschrieben. Das kann dann zum Erbrechen führen und auch zur Einatmung von Mageninhalt im Extremfall. Auch das ist gefährlich. Und ja, dieses Rauschmittel ist eben besonders gefährlich, wenn diese Plastiktüten über den Kopf gezogen waren, aus denen das Lachgas inhaliert wird. Aus abgefüllten Ballons ist es vergleichsweise harmloser. Aber auch diese Dosierungen können zu Missempfindungen, Dysphorie, Verwirrtheit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schluckauf und Blutdruckabfall führen. Und bei höheren Konzentrationen kommt es dann zu Kreislaufdepressionen und zu schweren Lähmungen und Hirnschäden.
Übelkeit, Gedächtnisprobleme, Lähmungen und Hirnschäden. Damit wären wir dann ja bei den neurologischen Schäden, von denen du vorhin gesprochen hast. Genau, auf die muss ganz besonders hingewiesen werden. Solche Beschwerden können sich akut oder auch langfristig zeigen. Es beginnt häufig mit Taubheitsgefühlen an Händen und Füßen. Es kann auch zu Inkontinenz oder Impotenz kommen. Es wird außerdem ein Zusammenhang mit dem Auftreten von psychotischen Episoden und kognitiven Einschränkungen vermutet. Und das bedeutet konkret was? Na ja, nochmal kurz zum Mechanismus. Lachgas ist ein besonders gut fettlösliches Gas.
Es dringt im Körper vor allen Dingen in die Umhüllungen der Nervenfasern ein und stört hier den Vitamin-B-Stoffwechsel und daraus resultieren dann die diversen neurologischen und auch psychiatrischen Folgeerscheinungen.
Übrigens, Lachgas, das will ich auch erwähnen, ist ein starkes Treibhausgas. Es hat schätzungsweise einen Anteil von 10 Prozent. Das ist wirklich erheblich an der globalen Erwärmung. Hauptquelle für diese menschengemachten Emissionen ist aber natürlich nicht Rauschgift, sondern die sehr intensiv betriebene Landwirtschaft, bei der dann dieses N2O entsteht. Und dieses Thema Lachgas als Treibhausgas, das kommt noch dazu. Kommen wir wieder zurück auf die Wirkung des Lachgases auf den menschlichen Körper, wenn das irgendwie inhaliert wird. Wie funktioniert das? Naja, einen Teil der Wirkung habe ich ja schon erklärt mit dem Vitamin B und den Nervenscheiden. Lachgas wirkt auf verschiedene Prozesse im Körper und im Gehirn. Im Gewebe sorgt es, das ist der positive Effekt, lokal zunächst für eine verbesserte Sauerstoffversorgung und für eine Erweiterung der Blutgefäße. Das hängt hier miteinander zusammen. Dadurch kommt es zu einer besseren Durchblutung. Und angestrebt ist vor allen Dingen die aktivierende Wirkung des Lachgases auf die sogenannten Opioid-Rezeptoren.
Opioid-Rezeptoren. Das sind dann Zellen, die bestimmte Reize aufnehmen, oder? Genau, wie Reize von harten Drogen. Diese Opioid-Rezeptoren, Dämpen, Schmerzreize und körpereigen werden Endorphine ausgeschüttet, die zum Beispiel auch diese Rezeptoren reizen. Die Wirkung ist dann also ähnlich. Man fühlt sich also besser, ohne Schmerzen, wacher, leistungsfähiger. Dazu kommt noch, Lachgas verstärkt hemmende Nervensignale und sorgt dafür, dass es zu einer Reduzierung von Ängsten kommt und einem Gefühl der Entspannung. Das ist die positive Wirkung. Die vielen negativen habe ich ja schon gesagt. Die schädigende Wirkung auf das Nervensystem.
Übrigens wird Lachgas deswegen auch als mildes, nebenwirkungsarmes Beruhigungsmittel und Schmerzmittel vor allem in der Zahnmedizin genutzt. Wegen der entspannenden und angstreduzierenden Wirkung, meinst du? Genau, da bekommen es übrigens auch vor allen Dingen die Kinder und Jugendlichen. Das hat mal ein Zahnarzt auch in England tatsächlich als Erster ausprobiert und dann eingesetzt, das war Horace Wells, ein bekannter Zahnarzt. Also wenn der Patient beim Zahnarzt dann, nachdem ihm Lachgas verabreicht wurde oder er das irgendwie inhaliert hat, dann entspannter ist und sein Schmerzempfinden geringer ist, das würde ja per se sehr gut klingen als Wirkung, als Effekt, denn es gibt ja viele Menschen, die Angst vor dem Zahnarzt haben. Naja, also das ist eben der angestrebte positive Effekt von Lachgas, wenn es an eingesetzt wird im medizinischen Bereich. Übrigens noch ein Beispiel, auch schwangere Frauen, die sehr starke Wehenschmerzen haben, bekommen gelegentlich in einigen Kliniken dann eine sogenannte Lachgasdusche, also Lachgas über die Nase zugeführt.
Ja, neben der entspannenden und angstlösenden Wirkung schätzen dann die Zahnärzte zum Beispiel auch die Hemmung des Würgereizes. Und sehr von Vorteil ist die nur sehr kurz anhaltende Wirkung. Im Gegensatz zu anderen Betäubungsmitteln sind die Patienten sehr kurz nach der Behandlung wieder einsatzfähig. Dass es kaum zu Nebenwirkungen kommt, hat vor allem auch damit zu tun, dass Lachgas heute sehr genau dosiert werden kann. im medizinischen Bereich und zusammen mit Sauerstoff verabreicht wird, wieder im medizinischen Bereich.
Nebenher, die Krankenkassen bezahlen das übrigens in der Regel nicht, wenn Lachgas eingesetzt wird. Schade eigentlich, was du über die Wirkung von Lachgas gesagt hast. Also gedämpfte Schmerzreize, weniger Ängste, ein Gefühl der Entspannung. Das klingt doch alles sehr positiv. Aber wir haben ja schon auch sehr deutlich gemacht, dass es beim Lachgas allerdings auch einen Haken gibt. Einen ganz, ganz gewaltigen Haken. Ja, ich finde auch, ein ist es ja auch nicht nur ein Haken, sondern da sind viele Probleme verbunden mit diesem Konsum von Lachgas.
Wichtig, das muss man wissen. Die positiven Gefühle nach Lachgas sind nur von kurzer Dauer. Danach geht es manchmal sogar dramatisch bergab. Lachgas kann sehr schwere gesundheitliche Risiken und Nebenwirkungen herbeiführen. Das haben wir schon ausführlich erwähnt. Sauerstoffmangel, Erfrierungen, neurologische Schäden. Also die Liste ist wirklich lang. Wie wird Lachgas denn üblicherweise konsumiert? Wir haben es schon ein bisschen angedeutet, aber vielleicht erklärst du es noch genauer? Naja, eigentlich will ich hier ja keine Handlungsanweisung geben. Aber wissen sollte man, dass Lachgas natürlich als Droge, als Rauschgift ohne Beimischung von Sauerstoff konsumiert wird. Meistens aus kleinen Gaskartuschen, die eigentlich für das Aufschräumen von Sahne hergestellt und verkauft werden.
Seit ca. 2017 ist Lachgas jetzt in neuerer Zeit auch in größeren Zylindern für den Gebrauch als Partydroge an Kiosken oder Automaten erhältlich, teilweise sogar an Tankstellen. Abhängig von der Häufigkeit des Konsums und der Menge, möglicherweise auch von Vorerkrankungen und individuellen Faktoren, kann es zu den erwähnten zahlreichen sehr gefährlichen Nebenwirkungen und Überdosierungen kommen. Es ist übrigens auch bereits wiederholt zu Todesfällen gekommen, zum Teil durch das Schnüffeln von Lachgas unter Plastiktüten oder unter Masken. Zu berücksichtigen ist auch der zunehmende Gebrauch im Zusammenhang mit einer sexuellen Stimulation und dabei habe ich schon wiederholt sogenannte autoerotische Unfälle beobachtet. Du hast da bestimmt ein Beispiel parat.
Ehrlich gesagt habe ich da sogar mehrere Beispiele. Lass hören. Vielleicht zwei Fälle, die mich wirklich ganz besonders angemacht, aufgeregt, beeinflusst haben. Zunächst einmal. Wir hatten einen Suizid mit Lachgas zu untersuchen. Dabei wurde dann diese Gaskartusche, aus der der Mann das Lachgas eingeatmet hatte, von der Polizei mitgegeben in die Rechtsmedizin. Bei dieser Person handelt es sich übrigens um einen ehemaligen Soldaten, der nach Auslandseinsätzen, insbesondere in Afghanistan, letztlich drogenabhängig wurde und gesellschaftlich nicht wieder Fuß fassen konnte.
Jetzt nochmal zu dieser Beigabe der Lachgas-Kartusche für die Überführung in die Rechtsmedizin. Das führte dann dazu, dass diese Kartusche dem Bestatter im Sarg mitgegeben wurde. Das ist natürlich ein Problem, weil dann der Sarg nicht wieder geöffnet wurde. Und der Leichnam wurde entsprechend dem Wunsch des Verstorbenen im Krematorium eingeäschert. Oh, Gas und Krematorium, das klingt nicht gut. Ja, das ist sogar extrem gefährlich.
Das war ein Krematorium, in dem ich auch selbsttätig bin, das hier betroffen war. Es kam zu einer wirklich massiven Explosion. Kurze Klarstellung, wenn du sagst Krematorium, in dem du selbsttätig bist, weil du dort Leichenschauen ausübst. Ja genau, das ist ja mein Beruf. Tote untersuchen. Also es geht um die zweite Leichenschau vor Einäscherung. Gut, also die Kartusche kam mit in den Krematoriumsofen und das hatte dann zur Folge, dass diese Gaskartusche im Ofen sehr schnell explodiert ist. Es kam tatsächlich zu einem ohrenbetäubenden Wumms geradezu. Der Ofen wurde erheblich zerstört, die Türen wurden aus den Angeln gerissen und glücklicherweise hatten sich die Techniker schon aus diesen Räumlichkeiten direkt beim Ofen entfernt. Einer von denen hat noch ein Knalltrauma erlitten. Es sind übrigens auch zu den angrenzenden Räumen weitere Türen rausgeflogen, also dann die normalen Zimmertüren. Aber es wurde niemand ernsthaft verletzt.
Und viele Menschen haben diese Druckwelle, die von der Explosion ausging, körperlich wahrgenommen. Ich erinnere mich, dass du auch mal von einem tödlichen Zwischenfall im Zusammenhang mit Lachgas gesprochen hast. Passierte das nicht sogar in einer Arztpraxis? Ja, das ist der zweite Fall, auf den ich jetzt noch eingehen will. Du erinnerst das ganz richtig. Da handelt es sich wirklich um einen sehr, sehr außergewöhnlichen Unfall. Es ging um einen 50 Jahre alten Zahnarzt.
Der kennt sich ja besonders gut aus mit Lachgas, weil er das ja auch beruflich einsetzt. Die Angestellten dieses Mediziners machten sich Sorgen, weil der stets pünktliche und zuverlässige Chef nach dem Wochenende nicht in die Praxis kam. Jetzt dachte man vielleicht an einen medizinischen Notfall, vielleicht auch an einen sonstigen Unfall. Vorsorglich wurde jedenfalls ein Rettungseinsatz im Wohnhaus des Zahnarztes initiiert. Der vor Ort eingesetzte Notarzt stellte dann sofort den Tod des Mannes fest. Es wurden keinerlei notärztliche Maßnahmen durchgeführt. Und die sehr ungewöhnliche Auffindungssituation wurde für die Maßnahmen der Kriminalpolizei unverändert belassen. Vorsorglich hatte die Polizei zu ihrem Einsatz übrigens auch noch Experten der Feuerwehr hinzugezogen, um die diversen Gasflaschen und Installationen zu sichern. Ich habe dir sehr genau zugehört und sehr wohl zur Kenntnis genommen, dass du eine ungewöhnliche Aufwindesituation erwähnt hast. Das macht mich neugierig. Unsere Zuhörer sind das sicher auch. Ich bin gespannt, was sich da in dieser Zahnarztpraxis abgespielt hatte.
Ja, das war wirklich extrem. Zunächst einmal, die Kriminalbeamten, die eingesetzt waren.
Beschrieben die Örtlichkeit als besonders sauber, ordentlich gepflegt und aufgeräumt. Dieses spezielle Zimmer war kein normaler Arbeitsraum der Praxis oder ein speziell eingerichteter Raum des Hauses zum Wohnen. Dieser Raum war ein höchst privates Zimmer nahe dem Schlafzimmer des Mannes.
Das klingt ja zunächst noch nicht wirklich besonders aufregend, aber da kocht noch was. Ja, ja, die Beschreibung fängt ja erst an. Auch noch wichtig, es gab keine kriminalistisch relevanten Besonderheiten insofern, als es keinerlei Hinweise auf eine Auseinandersetzung gab, also keine Anzeichen eines Kampfes, keine Blutspuren, ganz geordnete Verschlussverhältnisse. Es deutete überhaupt nichts darauf hin, dass sich fremde Personen Zugang zur Praxis verschafft hatten. Also es gab keine offenen Fenster, keine Außentüren, die geöffnet waren. Der Mann war ganz alleine, als er zu Tode kam. Was war denn nun das Erstaunliche an diesem Raum? Ja, ich spann dich etwas auf die Folter. Ja, ganz offensichtlich, erfolgreich. Ja, das Erstaunliche war nun wirklich dieser Raum, in dem der Tote gefunden wurde und die Ausstattung dieses Zimmers. Also jedenfalls nicht so, wie man es üblicherweise entweder im Wohnbereich oder im Praxisbereich eines Zahnarztes erwartet.
Folgendes, dieser Raum war wie ein exquisites Sexstudio eingerichtet. Ui. Ja, könnte man auch nach St. Pauli versetzen, dann aber in die bessere Szene. Also so ähnlich, wie man es in entsprechend ausgestatteten Etablissements im Rotlichtmilieu antrifft.
Da bewegen sich Rechtsmediziner ja auch nicht so selten, also ich kenne mich da ganz gut aus. Die Polizei fand unter anderem wirklich mannigfaltiges Sexspielzeug vor, unter anderem Dildos, also Kunstpenisse, Artikel aus der Sadomaso-Szene, Plastikbekleidung.
Sogenannte Fetische, Sexfetische jeder Art. Dann gab es da auch Pornohefte und Bildschirme, an denen man Pornofilme laufen lassen konnte. Dann schließlich Gasmasken, diverse Medikamente, Aphrodisiaka. Naja, also du merkst schon, dieser Zahnarzt hatte sich sein eigenes Studio eingerichtet. Du hast eben Aphrodisiaka erwähnt, für diejenigen, die mit diesem Begriff vielleicht nicht so richtig was anfangen können. Das sind ja Mittel, die die sexuelle Lust und das sexuelle Verlangen steigern sollen. Gut, und da gibt es als Chemikalien verschiedene, darauf gehe ich jetzt gerade nicht näher ein. In diesem Fall gab es zusätzlich zu der Gasmaske, die der Tote aufhatte, eine sehr fachmännisch installierte Konstruktion mit Gasflaschen, Schlauchleitungen, Pumpen und Ventilen zur dosierten Begasung über die Gasmaske. Von einer Gasflasche, die mit Lachgas gefüllt war, führte ein schwarzer Beatmungsschlauch geradewegs zu dieser Gasmaske, die der Mann aufhatte. Der verstorbene Zahnarzt, das Ventil dieser Lachgasflasche war geöffnet, die Flasche war jetzt auch leer.
Im Übrigen war der tote Mann, das will ich auch noch erwähnen, mit einer schwarzen Latex-Ganzkörperbekleidung bedeckt. Er trug auch schwarze Handschuhe und Füßlinge. Und der Tote lag nicht am Boden, oder? Gab es nicht da noch eine spezielle Konstruktion? Ich erinnere da sowas dunkel. Ja, das gehörte zur besonderen Einrichtung dieses Raumes. In der Tat, der Leichnam befand sich auf einem gepolsterten Zahnarztstuhl, an dem zusätzlich noch zwei Beinstützen montiert waren. Das Ganze war so ähnlich, wie man das an einem gynäkologischen Stuhl vorfindet.
Die Beine des Zahnarztes waren in gespreizter Position auf diesen Beinstützen abgelegt. Zwischen den Beinen des Leichnams war dann noch eine zusätzliche Konstruktion aufgestellt. Auch sehr kompliziert, sehr komplex. Hier an dieser Konstruktion wurde dann auch über ein Schwungrad an einem Führungsstab ein 20 Zentimeter langer Kunstpenis bewegt. Der war da befestigt. Dieser Kunstpenis konnte über einen Motor in unterschiedlicher Geschwindigkeit und Frequenz in die Afteröffnung des Mannes eingeführt werden. Und in diesem Bereich war der Latexanzug des Zahnarztes rundlich ausgeschnitten. Das hört sich ja wirklich sehr speziell an. Ich nehme an, der Tote wurde rechtsmedizinisch untersucht. Also es gab zumindest eine ärztliche Leichtschau, oder?
Ja, genau diese Leichenschau ergab, dass der Körper in vollständig entkleidetem Zustand keinerlei Verletzungen aufwies. Die Verteilung der Leichenflecke entsprach der Aufwendungssituation. Dabei zeichneten sich die eng anliegenden Kleidungsstücke an der Körperoberfläche ab, zum Beispiel die Region der kreisförmig ausgeschnittenen Brustwarzen, Außerdem auch die Verschnallung der Gasmaske. Das konnte man noch als Aussparung der Leichenflecke erkennen. Der Mann hatte beispielsweise keinerlei punktförmige, sogenannte petechiale Erstickungsblutungen im Bereich der Augenbinderhäute oder sonst irgendwo im Bereich von Kopf, Gesicht und Hals. Das ist wichtig. Diese punktförmigen Blutungen kommen beim Ersticken vor, allerdings nicht so häufig wie bei Strangulation. Speziell auch im Bereich des Halses und des Kopfes waren keinerlei sonstige Verletzungen festzustellen, sondern nur diese dunkelblauen cyanotischen Leichenflecke. Dunkelblaue cyanotische Leichenflecke, hast du gerade gesagt, das musst du bitte mal für die medizinischen Laien übersetzen. Welche Schlüsse zieht ihr da raus?
Also das passt zu einem Ersteckungsmechanismus. Das ist das eine. Das zweite, was wir sagen müssen, es gab keinerlei Hinweis auf Gewalteinwirkung von fremder Hand. Der Mann war also ganz alleine, hatte das alles alleine so eingerichtet. Er hatte das selbst installiert. Er hatte auch die Maschinerie betätigt. Er hatte in der Nähe beider Hände solche Druckknöpfe, um die Lachgaszufuhr zu regulieren und auch um den Dildo zu regulieren. Aber alles war eigentlich unter seiner eigenen Kontrolle, wenn er es richtig hätte einsetzen können. Was konntet ihr denn über den Todeszeitpunkt herausfinden?
Nun ja, das konnten wir nur allgemein sagen. Das Ganze geschah ja nach einem Wochenende. Und wir haben eine Leichenliegezeit von etwa zwei bis drei Tagen festgestellt. Also das Ganze ist dann schon sozusagen am Freitagabend passiert. Das heißt, er hatte zwei bis drei Tage lang tot in dieser Art gynäkologischen Stuhl gelegen, bis er gefunden wurde? Genauso war das. Aus polizeilicher Sicht gab es keinerlei Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden am Tod des Zahnarztes.
Und um das nochmal insgesamt einzuordnen, dieser Ausdruck ist in der Rechtsmedizin gebräuchlich, den kennt da jeder. Das war ein typischer sogenannter autoerotischer Unfall, also ein plötzlicher unerwarteter unfallmäßiger Tod bei der Selbstbefriedigung. Ja, ich wollte das gerade kurz erklären. Autoerotischer Unfall als solches bezeichnet man doch Geschehnisse, bei denen ein Mensch beim Masturbieren oder bei einer anderen autoerotischen Betätigung unabsichtlich eine erhebliche Verletzung sich selber zufügt oder dann dabei sogar stirbt. Genau, im Fall eines tödlichen Verlaufs verwendet man dann eben den Begriff autoerotische Selbsttötung. Gab es denn angesichts dieser Erkenntnisse, die da in diesen Praxisräumen gewonnen wurden und den weiterführenden Untersuchungen, auch eine weiterführende rechtsmedische Untersuchung, also mit anderen Worten, wurde der Mann noch wirklich seziert? Nein, das erfolgt in diesem Fall nicht. Für die Polizei war die Situation völlig klar.
Es gibt von daher keine Sektionsdiagnose, keine Anwendung. Weitergehende innere Untersuchung des Körpers und keinerlei toxikologische Untersuchungsbefunde. Letztlich blieb damit also unklar, wie es genau zu dem Tod des Mannes kam? Ja, obwohl die Gesamtsituation eindeutig war. Theoretisch wäre noch möglich, dass bei diesem autoerotischen Geschehen eventuell ein vorbestehendes inneres Leiden eine Rolle gespielt haben könnte. Dieser Mann war ja im mittleren Lebensalter so um 50. Ja.
Wahrscheinlich ist allerdings, und wahrscheinlich ist das die einzige Todesursache gewesen, dass es zu einer Überdosierung von Medikamenten, Stimulantien, sowie vor allen Dingen zu einer ungesteuerten Lachgasszufuhr gekommen ist, sodass eine Lachgasintoxikation die Todesursache war. Nochmal nahe den Händen des Leichnams fand man beidseits Schalter, über die sowohl die Lachgaszufuhr als auch die Einführung des Dildo gesteuert werden konnte.
Über dieses Schalter hatte der Mann offensichtlich die Kontrolle verloren. Die waren ihm dann aus der Hand gerutscht. Oje, ich verstehe das jetzt so, dass der Mann dadurch unter anderem die Menge an Lachgas, die ihm über diese Maske zugeführt wurde, nicht mehr kontrollieren konnte. Dass er dann eben, wie du es gerade schon gesagt hast, wahrscheinlich durch eine Überdösierung von Lachgas starb. Wir haben ja auch vorhin gesagt, dass der Behälter leer war. Genau, das ist unsere Theorie und die ist auch in jeder Hinsicht plausibel.
Wirklich definitiv festgestellt wurde dies allerdings nicht. Wie gesagt, es wurden keine toxikologischen Befunde erhoben. Das wäre nur erforderlich gewesen, wenn von Seiten der Polizei ein Hauch eines Zweifels vorhanden gewesen wäre, dass es sich um einen selbstverschuldeten, selbstbegründeten autoerotischen Unfall handelte. Wenn es also den Verdacht gegeben hätte, dass eine weitere Person irgendwie mit im Raum war oder irgendwas mit dem Tod des Zahnarztes zu tun gehabt hat, dann wären sicherlich von Polizei und Staatsanwaltschaft weiterführende Untersuchungen ja angeordnet worden. Aber wenn klar war, dass der Tod des Zahnarztes langsam durch das Lachgas verursacht wurde, dann sind wir ja wieder bei unserem Eingangsthema, nämlich der Gefahr durch Lachgas.
Ja, ehrlich gesagt, darüber will ich ja die ganze Zeit reden, aufklären, darauf hinweisen. Ganz, ganz wichtig. Die Gefahren, des Lachgases sind einfach nicht zu unterschätzen. Es kommt zu Erfrierungen, es kommt zu schweren neurologischen Erkrankungen, es kommt zu Todesfällen, es kommt auch psychiatrisch zur Suchterkrankung. Also letztlich ist dieses eine sehr böse Droge. Man findet auch entsprechende Hinweise seit Jahren in diversen Medien. Vielen Dank. Wie ist denn das mit den allgemeinen Informationen zu Lachgas? Kannst du irgendwas über die chemische Zusammensetzung sagen?
Ich habe das vorhin ja schon mal kurz erwähnt, also Lachgas ist ein sehr einfaches Molekül, setzt sich zusammen aus zwei Atomen Stickstoff und einem Atomsauerstoff, also N2O. Das wird auch als Stickoxidul bezeichnet. Es ist ein farbloses, leicht süßlich riechendes und schmeckendes Gas in der Lebensmittelindustrie und in der Gastronomie wird Lachgas gelegentlich noch zum Aufschäumen von Schlagsahne benutzt. Beispielsweise in einem Sahnesiphon oder Sahnespender. Das kenne ich von meinen eigenen Eltern übrigens auch. Heute haben wir den nicht mehr. Bei uns im Haushalt gibt es gelegentlich noch solche kleinen Gasflaschen, aus denen man tatsächlich Sahne direkt herausdrücken kann.
Die im Haushalt gebräuchlichen kleinen Lachgaskartuschen, Auch das habe ich schon gesagt, kann man überall in Lebensmittelgeschäften erwerben. Die sind frei zu kaufen. Das soll übrigens auch so bleiben, auch nach dem neuen Gesetz, das wir schon erwähnt haben. Unbedingt zu beachten ist, dass Lachgaskartuschen bei einer höheren Umgebungstemperatur ab etwa 50 Grad durch den zunehmenden Gasdruck bersten. Das kann ausnahmsweise sogar mal eine Temperatur sein, die im gleißenden Sonnenlicht in einem Pkw entsteht. Also im Sommer sollte man Lachgas sicherlich auch nicht im Pkw liegen lassen. Also eine weitere Gefahr, aber die eigentliche Gefahr durch Lachgas, über die wir ja heute ausführlich reden wollen und auch schon länger geredet haben, besteht ja vor allem bei dem Konsum, also beim Gebrauch beispielsweise als Partydroge.
Genau so ist das. Ich finde das hochproblematisch. Die Politik hat übrigens in mehreren Ländern bereits reagiert, deutlich vor unserer Bundesregierung und vor unserem Parlament. Man versucht den schädlichen Gebrauch von Lachgas auszuschließen. Hingewiesen sei auf die entsprechenden gesetzlichen Regelungen in den Niederlanden und in Großbritannien. Die gelten allgemein als vorbildlich. In Deutschland hat unser Bundestag am 13. November, also gerade kürzlich, das Gesetz zur Änderung des Neue Psychoaktive Stoffegesetzes NPSG beschlossen. Kann man auf der Zunge zergehen lassen. Komplizierter Name für dieses Gesetz.
Also in diesem Gesetz steht dann, dass der Erwerb und Besitz für Kinder und Jugendliche künftig verboten ist. Die dürfen es nicht mehr einkaufen. Der Online-Handel und der Kauf an Selbstbedienungsautomaten wird ebenfalls komplett ausgeschlossen. Also soll dieses neue Gesetz vor allem dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor den gesundheitlichen Risiken des Lachgas, die nicht wahr, also finde ich sehr, sehr vernünftig. Ja, genau, darum geht es. Mit dem Gesetz soll der Missbrauch von Lachgas zu Rauschzwecken eingedämmt werden. Das ist aus meiner Sicht sehr wichtig, denn diese vermeintlich harmlose Industriechemikalie, darf nicht länger missbraucht werden. Lachgas ist kein Spiel und keine harmlose Partydroge, sondern stellt ein wirklich hohes Risiko für die Gesundheit dar. Ich finde, insofern besteht großer Aufklärungsbedarf im Hinblick auf die negativen Folgen des Konsums, die wirklich sehr bösen medizinischen Folgen.
Sowohl als Kurzzeitläsionen, beispielsweise Erfrieren Erfrieren oder Erstickungsmomente und dann vor allen Dingen auch im Hinblick auf die Langzeitschäden im Nervensystem. Nach meiner Überzeugung kann es hier eigentlich nur eine Nulltoleranz geben. Insofern ist das neue Gesetz der Bundesrepublik ausdrücklich zu begrüßen. Es geht mir allerdings ehrlich gesagt nicht weit genug. Man sollte auch für Erwachsene den Erwerb, die Weiterverbreitung, den Konsum von Lachgas möglichst ausschließen. Um nochmal auf die Gefahren einzugehen. Wir haben ja ausführlicher über die Erfrierung gesprochen, auch über neurologische Schäden, die eintreten können. Aber es kommen doch noch weitere Gefahren hinzu, nicht wahr? Ja, ich kann es gerne nochmal wiederholen. Wichtig ist, dass dieses leicht fettlösliche Lachgas vor allen Dingen den Vitamin-B-Stoffwechsel stört. Das kann sogar auch zu einer Anämie führen, das haben wir vielleicht noch nicht erwähnt, aber das kommt auch noch dazu. Und die Hirnschäden habe ich erwähnt, der Intelligenzquotient sinkt und.
Nochmal, das Problem ist, in den letzten Jahren gab es eine erhebliche Zunahme des Lachgaskonsums.
Die Giftinformationszentren verzeichnen auch eine deutliche Zunahme bei den Notfällen. Und naja, von den Nachbarländern habe ich auch schon gesprochen, das ist also ein europaweites Problem. Also du hast gerade gesagt, der Konsum hat in der Vergangenheit noch zugenommen? Ja, unbedingt. Das kann man übrigens auch an einigen ungewöhnlichen Begleitphänomenen ablesen. Darauf will ich noch kurz eingehen. Es ist eine alltägliche Erfahrung, dass insbesondere in Großstädten und hier speziell in sozialen Problemzonen sehr häufig dieses Lachgas konsumiert wird. Man findet dann die entsprechenden Gaskartuschen achtlos, offen herumliegend oder auch im Müll. Im Müll wird es dann problematisch. Berichtet werden nämlich aus mehreren Großstädten, ich nenne da als Beispiele Gelsenkirchen, Berlin, Hamburg, ganz erhebliche Probleme der Müllverbrennungsanlagen, in denen Millionenschäden durch nicht entleerte, explodierende Lachgas-Kartuschen hervorgerufen wurden. Beispielsweise hat es auch schon Explosionen übrigens in den Fahrzeugen der Müllabfuhr gegeben, weil sich dort Lachgas angesammelt hatte.
Das klingt ja alles wirklich heftig. Also viele, viele Gründe, weshalb man sich der Sache von Gesetzeswegen annehmen sollte, musste und dann eben jetzt auch angenommen hat. Ja, also das war dringend an der Zeit. Übrigens, das Gesetz muss ja auch noch durch den Bundesrat. Also wir sind jetzt gerade in der Übergangsphase sozusagen und wahrscheinlich gibt es dann auch noch bestimmte Übergangsregelungen. Danach wird das Problem aber hoffentlich kleiner. Nochmal, um das klar zu sagen, der Besitz von Lachgas unterlag bisher keinerlei strafrechtlichen Verfolgung.
Ich will aber auch noch darauf hinweisen, dass Lachgas auch im Straßenverkehr übrigens in letzter Zeit verstärkt beobachtet worden ist. Es gehört hier zu den berauschenden Mitteln, die im Strafgesetzbuch angeführt sind, in den Paragrafen 316 und 315c. Wenn also jemand mit einem kürzlich stattgehabten Lachgaskonsum am Steuer eines Pkw angetroffen wird oder wenn er einen Unfall hat, dann ist das eine relevante Straftat, ähnlich wie eine Trunkenheit oder eine Fahr- und Tüchtigkeit wegen berauschender Mittel, also Drogen. Du hast eben gesagt, am Steuer eines Pkw, aber das gilt natürlich genauso für Steuer am Lkw oder wahrscheinlich sogar noch eindringlicher, oder? Naja, das gilt auch an kleinen Fahrzeugen, also Motorrädern oder jetzt die kleinen Motorroller, die bei uns durch die Stadt fahren. Da sollte man besonders drauf achten übrigens. Bettina, ganz zum Schluss will ich noch eins draufgeben. Ich weiß nicht, ob die Hörer dies bewusst verfolgt haben. Es gab ja kürzlich, also in diesem Jahr, einen sehr großen Brand im Hamburger Hafen.
Der war tagelang im Gang, der war auch Gegenstand wiederholt der Nachrichten bis hin zur Tagesschau. Also das hat wirklich große Aufmerksamkeit gefunden. Zeitweise waren über 300 Feuerwehrleute im Einsatz, auch mit ganz speziellen Löschgeräten. Darüber hat bestimmt auch das Hamburger Abendblatt ausführlich berichtet. Ja, ihr hattet Balkenüberschriften. Ihr habt auch mal aber eher so am Rande hingewiesen, was das eigentliche Problem war. Also begonnen hat der Brand im Bereich eines Lkw und dann hat er übergegriffen auf Lagerhallen. Und was lagerte in diesen Hallen und zwar unvorschriftsmäßig? Hier gab es jede Menge Lachgaskartuschen und zwar immer nur die, wie sie in der Drogenszene eingesetzt werden, verkauft werden, um Dealer reicher zu machen. Also diese Lagerhallen mit den Lachgaskartuschen wurden vom Brand erfasst. Dann sind die Lachgaskartuschen explodiert. Das sieht man übrigens auch in der Tagesschau.
Diese Metallkartuschen sind zum Teil mehrere hundert Meter weit geflogen. Das muss man sich vorstellen. Das sind ja regelrechte Geschosse, ne? Ja, so kann man das bezeichnen. Die landeten dann zum Teil auf der nahegelegenen Autobahn, also im Bereich der Elbbrücken und haben hierzu Schäden an den Autos geführt. Und weil immer wieder Lachgaskartuschen explodiert sind, konnten die Feuerwehrleute auch nicht direkt an den Brand heran. Sie mussten also immer Abstand halten und deswegen hat es auch tagelang gedauert, bis letztlich dieser Brand gelöscht war. Ein riesen Schaden. Mehrere verletzte Personen, verletzte Feuerwehrleute. Und ja, der Einsatz war extrem aufwendig. Die Lagerhallen sind nicht mehr zu gebrauchen. Und alles nur wegen dieses, ich sag mal, blöden Lachgas. Und dann sage ich dazu, das ist wirklich nicht zum Lachen. Die Müllverbrennungsanlagen sagen ausdrücklich Schluss mit lustig. Und mein Schlusswort ist dann Schluss mit diesem Irrsinn, mit dem Lachgas. Ja, das ist wirklich ein gutes und ich hoffe auch eindrückliches Schlusswort. Wichtiges Thema heute.
Vielen Dank, dass wir so ausführlich darüber gesprochen haben. Und ich freue mich auf eine nächste Folge mit dir, Klaus, wenn es dann wieder heißt, dem Tod auf der Spur. Danke. Und tschüss.