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Zu dem Tod auf der Spur, dem Crime-Podcast des Hamburger Abendblattes. Ich bin Bettina Mittelacher, Gerichtsreporterin beim Abendblatt. Und dieser Podcast funktioniert nur im Team mit Rechtsmediziner Klaus Püschel. Er ist der Mann, der sich mit der Analyse von Tod und Gewalt so gut auskennt wie kaum jemand sonst. Moin Bettina und ein fröhliches Hallo an alle unsere Hörer. Ich glaube, dass ich tatsächlich viel Erfahrung im Fach Rechtsmedizin aufzuweisen habe, viele tausend Tote obduziert habe, das weiß ich, und sehr, sehr viele Verletzungen begutachtet habe. Natürlich auch bei Lebenden, darauf weise ich ja immer gezielt hin. Man könnte auch sagen, der Püschel ist ein extremer Fachidiot, damit kokettiere ich auch manchmal etwas. In meinem Arztleben habe ich nie was anderes gemacht. Also Fachidioten sind ja hier im Crime-Podcast sehr willkommen.
Gut, also unter diesen Verletzungen, die ich zu begutachten habe, sind häufig auch Schussverletzungen. Nicht so häufig wie in anderen Ländern, aber nach wie vor viel zu viele. Leider passiert das ja immer wieder, dass Menschen durch Schüsse schwer verletzt werden oder auch getötet werden. Meist übrigens von Menschen, die ihre Waffe illegal besitzen und einsetzen, so als Mörder. Da gibt es natürlich auch Geschehnisse, bei denen eben dann ganz absichtlich bewusst auf das Opfer gezielt wird. Aber es kommen auch Taten vor, die eigentlich ganz und gar nicht beabsichtigt waren. Und auch solche, bei denen sich die Menschen dann selbst versehentlich verletzt und sogar getötet haben. Das sind dann wohl die besonders tragischen Fälle. Das gilt dann wohl auch für sogenannte Jagdunfälle?
Genau, da kommt das im Besonderen vor, dieses spezielle Thema. Die Jagd ist für viele eine Leidenschaft regelrecht, für manche ja auch eine Art Inspiration und für einige wenige dann leider ihre Todesursache. Denn wo mit Schusswaffen umgegangen wird, kommt es leider immer wieder zu Leichtsinnfehlern und dann zu letalen Unglücksfällen. Denn jedes Jahr gibt es beispielsweise alleine in Deutschland bis zu 40 Todesfälle im Zusammenhang mit der Jagd. Zum Teil auch durch Jäger fernab vom Revier, beziehungsweise es sind eben Fälle mit Jagdwaffen. 40 Todesfälle, sagtest du, das klingt für mich nach einer bemerkenswert hohen Zahl. Dabei gibt es doch sicher Regularien, die klären, wer überhaupt auf die Jagd gehen darf und wer nicht. Man muss doch einen Jagdschein erwerben. Ja, und man muss einen Waffenschein besitzen, wenn man die Jagdwaffen einsetzt.
Trotzdem, es gibt bei aller Vorsicht immer wieder tödliche Zwischenfälle. Es gibt auch ein Sprichwort unter Jägern, das heißt, sag mir, mit wem du jagen gehst und ich sage dir, wie du nach Hause kommst. Ja, und in diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie kommt man dann nach Hause? Diese Weisheit kennt viele mögliche Antworten. Der Jäger kann zum Beispiel euphorisch heimkehren, wenn er beispielsweise einen kapitalen Hirsch erlegt hat. Er kann schlecht gelaunt sein, wenn es die ganze Zeit geschüttet hat und das einfach zu der Atmosphäre nicht passte und das Wetter der Freude einen Strich durch die Rechnung macht. Er kann frustriert nach Hause kommen, wenn der Erfolg ausbliebt oder, und jetzt sind wir wieder beim Thema Rechtsmedizin, er kann leblos von der Jagd zurückkommen. Und das wäre dann also waagerecht im Sarg und zwar gestorben nach einer tödlichen Schusswunde. Ja und um das ganz klar schon mal hier zu sagen, dann hat immer jemand einen fatalen Fehler gemacht, war leichtsinnig und hat gegen Regeln verstoßen. Dazu will ich noch Folgendes anmerken.
Nicht bei jedem Todesfall auf der Jagd, auf dem Hochsitz oder im Jagdhaus liegt eine Schussverletzung vor. Es kann auch mal ein völlig anderer Ablauf sein, aber davon später auch noch mehr. Gern. Zunächst möchte ich dich gerne bitten, von einem Fall zu erzählen oder auch von mehreren, mit denen du es im Zusammenhang mit dem Jagen zu tun hattest. Ja, heute kommt es in einer ganzen Reihe von Beispielen, einer Serie und ich fange mal an mit einem Fall aus dem Jahre 2004.
Da wurde ein 66-jähriger Jäger tot am Fuße eines Hochsitzes aufgefunden. Aber vermutlich war er nicht durch den Sturz vom Hochsitz gestorben, oder? Ja, ja und wieder doch nein. Er war offenbar vom Hochsitz heruntergefallen. Tatsächlich hatte er eine Schusswunde in der Brust. Ein Zeuge berichtete später, er habe in einigem Abstand zwei Schüsse gehört. Gesehen hatte jedoch niemand etwas. Die Waffe des Mannes, das war eine Jagdbüchse, die wurde oben auf dem Hochsitz gefunden. Der Lauf zeigte in Richtung auf die Leiter, da wo der Mann hochgeklettert war. Außerdem lag in diesem Bereich ein Rucksack, welcher dann letztendlich nach unserer Rekonstruktion die Erklärung lieferte. Wie das? Nun, die Rekonstruktion ergab, dass der Jäger einen gezielten Schuss abgegeben hatte, und zwar auf ein Wildschwein. Dann hatte er die Waffe an einem Stuhl in unmittelbarer Nähe seines Rucksacks angelehnt und den Hochsitz aus nicht geklärten Gründen verlassen.
Wahrscheinlich wollte er irgendwas prüfen, nachsehen wegen des ersten Schusses auf dieses Wildschwein. Für das, was dann geschah, nachdem er wieder hinaufkletterte, kommen nun unterschiedliche Unfallhergänge in Betracht. Sicher ist, dass der Riemen des besagten Rucksacks im Abzugsbereich der Waffe verhakt war. Das hatte zur Folge, dass das Abzugsgewicht herabgesetzt war, weil an dem Abzug ja nun dieser Rucksack hing. Also für alle, die bisher wenig oder gar nichts mit Waffen zu tun hatten, was bedeutet das? Dieses herabgesetzte Abzugsgewicht, von dem du eben gesprochen hast, heißt das, dass man nur noch ganz wenig Kraft braucht, um den Abzug zu betätigen? Das war nach unserer Rekonstruktion das Problem. Zur Schussabgabe kann es in dieser Situation beispielsweise kommen, wenn da an diesem Hochsitz gerüttelt wird, zum Beispiel von der letzten Stufe.
Und ja, der Jäger könnte da also unvorsichtig gewesen sein. Vielleicht hat er auch irgendwas am Rucksack bewegt. Jedenfalls verlor er, das war das Ergebnis, den Stand auf der Leiter und fiel hinab.
Dabei kam er noch auf einem Querbalken des Hochsitzes auf. Er überschlug sich und kam schließlich auf dem Waldboden zu liegen. Überraschung, die Obduktion zeigte dann einen Schusskanal von der linken Brust bis zum Ausschuss am Rücken. Absolut tödlich.
Also du hast das ja vorhin erklärt, welche leichten Bewegungen diesen Schuss ausgelöst haben kann, ein Rütteln oder dass das schon reicht. Dann kann man also eigentlich sogar zusammenfassen, dass dieser Mann starb, weil er seinen Rucksack ungeschickt platziert hatte, nämlich in der Nähe des Gewehrs? Ja, so könnte man das zusammenfassen. Allerdings, Folgendes muss unbedingt hier an dieser Stelle auch wieder gesagt haben, der Jäger hat natürlich auch einen Fehler gemacht, abgesehen von dieser Platzierung des Rucksackes. Er hatte nämlich seine Waffe nicht sicher entladen, als er den Hochsitz verließ. Und das ist so eine Grundregel, die er da nicht eingehalten hatte. So, wie wäre das mit weiteren Fällen? Ich habe dich vorhin schon verstanden, dass du auch noch weitere Fälle auf Lager hast, wenn du dann noch was erzählen magst. Nur zu. Ja, also ich werde heute die vielen Fälle gar nicht hier alle erzählen können.
Das war in der Rechtsmedizin bei uns immer ein Spezialthema. Das ging vom alten Chef aus, aber darauf kommen wir auch später nochmal. Also kommen wir jetzt zu einem anderen, ebenfalls etwas älteren Jäger, 78 Jahre alt. Der wurde im Kreis Lüneburg vor seinem Ansitzwagen tot aufgefunden. Kurze Zwischenfrage, was ist ein Ansitzwagen? Na ja, bei dieser Gelegenheit muss ich nochmal sagen, ich bin selber da auch nicht der größte Fachmann, ich bin ja selber kein Jäger. Aber zum Ansitzwagen kann ich sagen, das ist sozusagen ein Hochsitz auf Rädern. Der kann dann besonders leicht verlagert werden, irgendwo anders aufgestellt werden und damit ist man bei der Jagd mobil. Aber zurück zu diesem dramatischen Vorfall damals in Lüneburg. Zeugen für ein Tatgeschehen hat es auch hier nicht gegeben. Wir mussten also rekonstruieren. Es war zunächst völlig unklar, um welche Art von Delikt es sich hierbei handeln könnte. In unmittelbarer Nähe des Leichnams lag die von ihm benutzte Jagdwaffe, und zwar eine Jagdflinte, eine sogenannte Bockbüchsflinte.
Der Tote wies eine typische Schussverletzung auf, und zwar mit einem Einschuss in der linken Brust und einem Ausschuss im Rückenbereich.
Also sozusagen beim Menschen eine Art Blattschuss. Eingehende Untersuchungen des Geschehensortes, um diesen Vorfall zu rekonstruieren, führten dann schließlich zu folgender Erkenntnis. Auch dieser Mann war Opfer eines tragischen Unfalls geworden. Der Abzug seiner Waffe, ich erinnere mal an den vorhergehenden Fall, also in diesem Fall war der Abzug hinter einem Knopf des Sitzpolsters, auf dem der Mann bei der Jagd auf dem Ansitzwagen gesessen hatte. Da war dieser Abzug verhakt und als der Jäger dann vom Ansitzwagen heruntergeklettert war und davor stehend das Gewehr zu sich heranziehen wollte, kam es durch den verkanteten Knopf dazu, dass der Abzug bewegt wurde und der Schuss ging los. Der Mann erlitt eine tödliche Verletzung. Er verstarb noch durch Verbluten am Unfallort.
Allmählich bekomme ich den Eindruck, dass Jagen nicht nur für die Tiere gefährlich ist, auf die es die Schützen abgegeben haben, sondern auch für die Jäger selbst. Naja, nochmal zurück zu dem Fall. Wieder ein Fehler. Der Mann hatte seine Waffe nicht sauber entladen, als er sich vom Hochsitz runter bewegt hat. Bettina Mann muss eben bedenken, dass wir hier auch über besonders gravierende Fälle sprechen.
Die in gewisser Weise schon Ausnahmecharakter haben. Um es klar zu sagen, letztlich kommt es nur in seltenen Fällen zu so dramatischen Folgen, dass ein Mensch stirbt. Die Jagd ist ganz überwiegend natürlich für die Jäger ein Vergnügen und normalerweise passiert nichts Böses. Die Hamburger Rechtsmedizin hat sich doch über einen längeren Zeitraum gezielt und intensiv mit Jagdunfällen beschäftigt. Wie kommt das? Tatsächlich waren Todesfälle im Zusammenhang mit der Jagd sowie durch Jagdwaffen für die Hamburger Rechtsmediziner über Jahrzehnte stets Geschehnisse mit besonders großem Interesse akribisch analysiert und ausgewertet wurden. Das lag vor allem daran, dass unser früherer Chef im Institut für Rechtsmedizin in Hamburg, nämlich Professor Werner Janssen, einer meiner beiden wichtigsten Lehrer.
Dass dieser Werner Janssen ein begeisterter Jäger war. Er kannte sich mit Schusswaffen allerbestens aus und widmete Todesfällen durch Schuss. Immer eine besondere Aufmerksamkeit und dazu hat er auch seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen angehalten. War sein Spitzname nicht auch Krimi Jansen? Das habe ich jedenfalls mal gelesen. Stimmt, genau. Den Spitznamen Krimi Jansen hatte er sich auch wirklich redlich verdient. Der Mann hat viele sehr bekannte und ungewöhnliche Verbrechen bearbeitet, analysiert, begutachtet.
Zum Beispiel aus Zeiten der Bader-Meinhof-Bande oder er hat mit mir zusammen auch den Fall Barschel obduziert. Übrigens wollte Werner Jansen auch dann noch von seinem Team alles über Schussverletzungen wissen. Als er selbst nur noch wenig obduziert hat. Und sogar dann, als er selbst schon lange pensioniert war, die Todesfälle bei der Jagd, darüber musste ich ihm stets berichten. Und er hat mir da wirklich geradezu Löcher in den Bauch gefragt. Der Mann ging sogar mit 96 Jahren regelhaft in Mecklenburg-Vorpommern zur Jagd. Er hat gleichermaßen bewundert für seine Disziplin, seine ruhige Hand und er hat tatsächlich seinen Jagdschein letztlich bis zu seinem Tod behalten. Sagtest du gerade, er ging mit 96 Jahren noch zur Jagd? Ja, und er hatte tatsächlich einerseits so gute Waffen und andererseits ein so gutes Auge, dass er auch häufig noch beste Schüsse performt hat. Professor Jansen war ja bis 1991 Direktor des Instituts für Rechtsmedizin in Hamburg und du, Klaus, wurdest dann sein Nachfolger auf diesem Posten.
Hat dann von dem Interesse von Professor Jansen speziell bezüglich der Jagd etwas auf dich oder andere Kollegen in dem damaligen Team der Rechtsmedizin abgefärbt? Ja, in gewisser Weise schon. Vor allem die Akribie, mit der Schussverletzungen von Werner Janssen analysiert wurden, die wurde dann fortgesetzt. Mit Schussverletzungen kannten wir uns gut aus. Allerdings ist real keiner seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dann weiterhin selbst zur Jagd gegangen. Die Begeisterung von Werner Janssen und auch sein detektivisches Interesse hat sich.
Ja, dann auch nicht nur im Hinblick auf die Schussverletzungen auf uns übertragen. Wir wurden immer wieder von seinem sehr ausgeprägten, rekonstruktiven Denken und Nachfragen geradezu elektrisiert. Er trieb sein Team an, stets sämtliche Details, jetzt bei den Schusswaffen, Einerseits zum Schützen, dann zur Waffe, zur Schussabgabe und zu den sonstigen Umständen genauestens zu rekonstruieren und uns gegebenenfalls dann auch sehr genau mit anderen Jägern und vor allem den Schusswaffenexperten im Landeskriminalamt abzustimmen. So ein präzises Vorgehen ist doch sicher wichtig, um die Fälle exakt zu analysieren, oder? Na klar.
Es ging dem Werner Janssen vor allem aber auch stets um eine sehr sorgfältige Mängelanalyse. Also da geht es nicht nur um Rekonstruktion, sondern um Prävention. Werner Janssen wollte durch die kritische Bearbeitung dieser Fälle verhindern, dass so etwas wieder passiert. Ja, mit dieser Herangehensweise kann man dann helfen, Fehler in Zukunft besser zu verhüten. Werner Janssens Faszination für Schusswaffen ging so weit, dass er im Keller des Instituts für Rechtsmedizin einen Schießstand einrichten ließ. Ja, das war damals tatsächlich Teil seiner Berufungsverhandlungen, als er nach Hamburg kam. Er selbst und mehrere aus seinem Team haben dann dort unten Probeschüsse abgegeben, zum Teil auch mit Tatwaffen.
Aber natürlich erst, nachdem bei diesen Waffen die speziellen kriminaltechnischen und ballistischen Untersuchungen der Polizei abgeschlossen waren. Und vor allen Dingen auch spurenkundliche Untersuchungen über den Schützen, die Schusshand getätigt worden waren. Zu Zeiten von Werner Janssen wurden in der Rechtsmedizin dann diverse Schießexperimente durchgeführt. Darüber haben wir auch wissenschaftliche Arbeiten ausgearbeitet, um so den Erfahrungshorizont für die Rekonstruktion von Schussverletzungen zu erweitern.
Davon haben doch dann sowohl die Mitarbeiter profitiert, als auch die Ermittlungsbehörden, also Polizei und Staatsanwaltschaft. Naja und natürlich die Gesellschaft insgesamt, weil die Todesfälle sehr präzise aufgeklärt worden sind. Und was lehrt uns dieser Erfahrungshorizont nun über Jagdunfälle? Also generell ist festzustellen, dass die Schusstodesfälle fast ausnahmslos auf menschlichen Fehlern beruhen. Also wenn es Unfälle sind, die einen selbst betreffen oder andere Jäger. Und diese Fehler, die sind letztlich auf zwei Grundübel zurückzuführen, nämlich...
Unvorsichtigkeit und Nicht-Einhaltung von Jagdregeln und da hat Werner Janssen wirklich geradezu gebetsmühlenartig drauf bestanden, dass diese Jagdregeln insbesondere im Zusammenhang mit dem Umgang mit Waffen auch eingehalten wurden. Ja, wenn es um Unvorsichtigkeit und Nicht-Einhaltung dieser Jagdregeln geht, was dann passieren kann, nämlich tödliche Verletzungen, dazu hast du uns ja schon zwei Beispiele genannt, aber du hast doch sicher noch weitere parat? Ehrlich gesagt viele. Die kann ich hier alle gar nicht darstellen.
Auf eins will ich noch besonders hinweisen, bei der dann eine weitere Person am Unfallgeschehen beteiligt war. Folgendes, zwei dänische Staatsbürger, beide erfahrene Freizeitjäger, waren gemeinsam zur Jagd gefahren. Das war im Einzugsbereich unseres Instituts. Sie hatten am Unfalltag schon einige Schüsse abgegeben, wobei einem der Männer auffiel, dass seine Waffe nicht richtig justiert war. Als sie dann ihre Jagdhütte wieder erreicht hatten, da haben sie sich erstmal etwas ausgeruht, etwas gegessen und dann, ja Fehler, Fehler, Fehler, sie haben Alkohol getrunken. Moment, es wurde Alkohol getrunken und danach mit Schusswaffen hantiert? Das ist gar nicht gut, oder?
Also, Werner Jansen hätte darüber doll geschimpft, da wäre er stinksauer gewesen. Und was hast du? Naja, ich bin ja wie gesagt kein Jäger, aber das Thema Alkohol spielt in der Rechtsmedizin bekanntlich nicht eine sehr große Rolle. Ja, vor allen Dingen auch bei Unfällen und das gilt eben auch für...
Unfälle auf der Jagd oder im Umgang mit Waffen. Das leuchtet ein. Was war denn nun bei den beiden Dänen, von denen du vorhin erzählt hast? Sie haben also Alkohol konsumiert, haben an ihren Waffen hantiert und dann ging wohl etwas schief? Ja, der Plan war nun, die eine Waffe, die ungenau schoss, zu justieren. Der Freund des späteren Opfers befestigte nun also dessen Waffe, die zuvor ungenügend genau gefeuert hatte, auf einem Schießstock, um sie zu justieren. Der andere Mann trat in den Bereich vor der Mündung. Also das hört sich nicht so furchtbar clever an, denn damit geriet er doch ins Schussfeld. Ja, das ist so eine Grundregel, die versuchen wir ja sogar unseren Kindern immer beizubringen. Also niemals mit der Mündung auf eine andere Person zeigen. Dieses hier war wieder mal ein Kardinalfehler. Warum der Mann das tat, ist nicht bekannt. Ebenso wenig, wie es genau zur Schussabgabe kommen konnte. Sicher ist nur, dass sich ein Schuss löste und den zweiten Jäger in der Brust traf.
Also auch mal wieder ein Fehler. Die Waffe war nicht sauber und sicher entladen. Ein Notarzt versuchte noch, den Mann zu reanimieren. Er wurde auch noch ins Krankenhaus eingeliefert, wo er jedoch kurz darauf infolge starker innerer Blutung verstarb. Es wurde bei ihm ein Blutalkoholwert von 0,58 Promille ermittelt. Der zweite Mann wurde dann später wegen fahrlässiger Tötung angeklagt und musste sich vor Gericht verantworten. Nun bin ich gespannt auf noch weitere Fälle, von denen du erzählt hast oder die du angedeutet hast. Bitte, weiter geht's. Ein ausländischer Jagdgast stürzte auf einem durchfurchten Waldweg mit seiner geladenen, ungesicherten Büchse zu Boden. Wieder mal prinzipieller Fehler. Also mit der geladenen Büchse soll er natürlich nicht im Wald herumspazieren. Nachdem da man sich aufgerichtet hatte, staunten andere, dabei stehende Jäger, dass er als erstes in die Laufmündung seiner eigenen Waffe schaute. Er tat dies vermutlich, um festzustellen, ob Schmutz hineingelangt war.
Immerhin, ja, das Böse, es löste sich nun ein Schuss aus der Waffe und traf den Mann. Und nochmal zum Verständnis, er hat in den Lauf geschaut und währenddessen hat sich dann der Schuss gelöst, um jetzt mal wieder ein Sprichwort zu bemühen, das kann ins Auge gehen. Genau, genauso war das auch. Die Kugel drang im Bereich des linken Auges in den Schädel ein und versuchte und verursachte durch schwerste Hirnverletzungen den sofortigen Tod des Mannes. Wie ging es dann weiter?
Dieser 32-jährige Mann war in seinem Heimatland extrem hoch unfallversichert. Das war eigentlich sehr ungewöhnlich. Die Versicherung, die nun Gutachter einschaltete, ging von einem Suizid aus und lehnte eine Geldzahlung ab. Nach mehreren Prozessen und diversen Instanzen wurden vor dem höchsten Zivilgericht des Landes zwei rechtsmedizinische Experten gehört. Zwei Experten, drei Meinungen, das hört man ja immer wieder mal. Ist es in der Rechtsmedizin auch so? Kommt vor, oder? Na, warte mal Bettina, jetzt kommt wieder mal Werner Janssen zu Wort. Also der eine Experte bezog sich auf sein großes Untersuchungsgut, seine Erfahrungen auch mit Suiziden durch Erschießen und zwar im Gebiet der Hauptstadt seines Landes, also das war nicht in Deutschland. Und der hielt einen Selbstmord für naheliegend.
Der andere Rechtsmediziner, erfahrener Jäger, wir reden von Werner Janssen, verwies auf das ähnliche Untersuchungsgut des Kollegen und hat dann nachgefragt, ob denn darunter auch andere Suizidenten zu finden seien. Die sich bei einem Suizid ins Auge geschossen hätten.
Also dieser Experte Werner Janssen sprach sich dafür aus, dass es sich doch eher um ein Unfallgeschehen handelte, weil der Schuss ins Auge ging. Und nochmal der Hinweis von mir als Rechtsmediziner, beim Suizid findet man häufig doch einen Schuss in den Mund, in die Stirn oder in die Schläfe, aber beim Suizid ins Auge zu schießen ist extrem ungewöhnlich, mir ist gar kein sonstiger Fall bekannt. Letztlich entschied das Gericht auf Zahlung der gesamten Versicherungssumme, das ist teuer geworden. Ja, gesamte Versicherungssumme, die war dann vermutlich mindestens sechsstellig, oder?
Ja, das ist fast noch zu gering eingeschätzt. Ich habe übrigens noch weitere Fälle auf Lager, Bettina. Davon bin ich überzeugt. Lass hören. Ja, das ist jetzt auch ein Ausdruck, den ich von Werner Jansen gelernt habe. Bei der Yacht geht es zum Beispiel auch um das sogenannte Frittieren. Moment, also mir ist der Begriff frittieren vertraut, so geht es wahrscheinlich auch den meisten unseren Hörern, aber was bitte ist frittieren?
Ja, dabei handelt es sich um eine besondere Form der Kaninchenjagd mit Hilfe von Frettchen. Frettchen sind besonders wendige, kleine Tiere aus der Gattung der Marder, ähnlich wie ein Iltis. Und die werden dann zur Kaninchenjagd genutzt? Also da habe ich ja wieder was dazu gelernt. Ja, also diese Frettchen gehen dann in die Bauten hinein.
Übrigens nicht nur bei Kaninchen, manchmal auch bei größeren Tieren. Die sind also auch sehr mutig, diese Tiere, und treiben die Tiere heraus. Und der Jäger steht dann vor dem Ausgang oder mehrere Jäger stehen vor verschiedenen Ausgängen und die können dann auf die Tiere, die rauskommen, schießen. Und manchmal setzt man die Frettchen auch ein, wenn dann hinterher eine Falkenjacht stattfindet. Und bei diesem Frettieren kam es dann also für einen Jäger zu einem tödlichen Unfall, so habe ich dich verstanden. Genau, also jetzt Unfall beim Frettieren mit dem Frettchen. Das Unglück spielte sich folgendermaßen ab. Der Jäger war mit seinem Jagdhund unterwegs, den er mit einer Umhängeleine am Körper angeleint hatte. Als nun ein Kaninchen aus dem Bau heraussprang, da wurde natürlich auch der Hund unruhig und der zog ganz unvermittelt und heftig los, wollte dem Kaninchen hinterher und dabei brachte er sein Herrchen zu Fall. Durch den Sturz des Jägers löste sich aus seiner Schrotflinte ein Schuss und verletzte einen etwa 10 Meter entfernt stehenden weiteren Jäger.
Der schwere Verletzungen im Bereich von Kopf und Hals erlitt. Die Verletzungen waren tödlich. Oh, da kamen aber wirklich mehrere unglückliche Zufälle zusammen, oder? Das kann man wohl sagen. Ein Unglück kommt selten alleine, kann man hier nun wieder ein Sprichwort zitieren. Ja, Bettina, das Leben hält für die Menschen auch auf der Jagd eben viele Überraschungen parat. Eine Erfahrung ganz allgemein aus der Rechtsmedizin lautet bekanntlich, manchmal stirbt man schneller als man denkt. Das gilt speziell auch für die Jagd. Also diesen Satz, manchmal stirbt man schneller als man denkt, den habe ich von dir über die Jahre schon das eine oder andere Mal gehört und er bewahrheitet sich ja immer wieder, beispielsweise bei Unfällen im Straßenverkehr, aber das ist ja heute nicht unser Thema.
Kam es denn bei diesem Jagdunfall, von dem du eben erzählt hast, also dem mit dem Sturz des Jägers und diesem überraschenden Schuss, durch den versehentlich ein anderer Mann getötet wurde, kam es danach zu einem Prozess? Ja, das Gerichtsverfahren, in dem der Jäger wegen fahrlässiger Tötung angeklagt war, wurde schließlich gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt. Da hat der Jäger echt Glück gehabt. In der Hauptverhandlung hatte nämlich ein leitender Forstbeamter als Sachverständiger ausgeführt, dass beim Springen eines Kaninchens während der Frettchenjagd, das Springen eines Hundes zur Verfolgung des Wildes nicht sicher zu vermeiden sei. Du hast doch schon das ein oder andere Mal betont, dass dein Vorgänger als Chef des Instituts für Rechtsmedizin in Hamburg, dieser Professor Werner Janssen, ein passionierter Jäger war. Hatte er dieselbe Meinung wie der Forstbeamter? Also dass man praktisch die Handlung des Hundes nicht voraussagen kann? Keineswegs. Prof. Werner Janssen hat seinerzeit dieser Sachverständigen-Aussage des Forstbeamten eindeutig widersprochen.
Und Werner Janssen hatte sich in diesem Zusammenhang natürlich auch bei sehr erfahrenen und anerkannten Jagdgebrauchshundeführern schlau gemacht. Die sagen selbstverständlich alle, ein Hund, der nicht gehorcht, gehört nicht auf die Jagd. In diesem Zusammenhang muss man dann sagen, der Jäger hatte also eindeutig einen Fehler gemacht, indem er einen nicht gut ausgebildeten Jagdhund damit zu dieser Frettchenjagd genommen hatte. Also wie du das jetzt erklärt hast, das klingt für mich absolut nachvollziehbar. Gut, also Werner Jansen fand das Urteil nicht gerechtfertigt und der hätte, glaube ich, in dem Fall lieber eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung gesehen. Jetzt aber zum nächsten Fall, bei dem es im Zusammenhang mit der Jagd zu einem tödlichen Geschehnis gekommen ist. Ein 56-jähriger Geschäftsmann und Jäger wurde, nachdem man in der Nachbarschaft einen Schuss gehört hatte, tot in der Küche seines Hauses aufgefunden.
An seiner linken Brustseite hatte er einen Einschuss. Es wurde rekonstruiert, dass es offenbar um seine Flinte ging. Die wollte er reinigen und dabei hatte sich ein Schuss gelöst. Denn neben diesem Mann lag seine Bock-Doppelflinte Kaliber 12.770. Der Oberlauf war frisch abgeschossen. Der untere noch geladen. Die ermittelnde Polizei ging von einem Schuss mit aufgesetzter Waffe aus und rekonstruierte folgende Situation. Der Trageriemen war an der oberen Öse der Waffe gelöst und vor dem Vorderen der beiden Abzüge unter dem Abzugsbügel hindurchgezogen. Das muss man sich mal genau vorstellen. Das ist also keine natürliche Position für den Trageriemen, ganz und gar nicht. Okay, diese ungewöhnliche Position, die du gerade ausgeführt hast, des Trageriemens, welche Schlüsse zog die Polizei daraus aus dem, was da rekonstruiert worden war?
Die Kripobeamten waren von einem Suizid überzeugt. Sie nahmen an, dass der Mann den Flintenlauf mit den Händen gegen seine linke Brustseite richtete, dann den durchgezogenen, herunterhängenden Riemen mit einem Fuß am Boden fixierte und die gesamte Waffe anhob. Dadurch wurde der Riemen gespannt und gegen den vorderen Abzug gedrückt und der Schuss löste sich. Gab es denn weitere Indizien, die für einen Suizid sprachen in dieser Sache? Ja und nein. Der Erschossene soll wirtschaftliche Sorgen gehabt haben. Dies wurde aber später von seiner Familie ausdrücklich bestritten. Übrigens wurde in dem Fall auf eine Obduktion oder sonstige Dokumentation verzichtet. Das ist für mich eigentlich völlig unakzeptabel. Gerade bei Schutzverletzungen sollte regelhaft eine Obduktion stattfinden. Wie ging es denn in dem Fall weiter? Die Unfallversicherung lehnte jegliche Leistung ab und die Hinterbliebenen klagten zunächst ohne Erfolg dagegen. Vor dem Oberlandesgericht schließlich wurden erstmals Sachverständige gehört, nämlich ein Schusssachverständiger der Polizei und ein Rechtsmediziner.
Beide mussten an der Originalwaffe feststellen, dass wie allgemein üblich mit dem vorderen Abzug der untere Lauf und mit dem hinteren der obere Lauf, der abgeschossen vorgefunden war, bedient wurde. Eine Verlagerung des Riemens nach Abgabe des Schusses vom hinteren vor den vorderen Abzug war bei dem sehr geringen Abstand zwischen Abzugsspitze und Abzugsbügel nicht möglich. Und das heißt? Damit ergab sich ein Widerspruch zwischen der primär rekonstruierten suizidalen Schussauslösung und den waffentechnischen Gegebenheiten.
In der angenommenen Weise konnte der tödliche Schuss nicht beigebracht worden sein. Das war also ein Fehler bei der ersten Rekonstruktion. Trotz der sonst hochverdächtigen Fundsituation war jetzt ein Suizid nicht mehr zu beweisen. Der Prozess endete dann letztlich mit einem Vergleich. Das waren jetzt, wenn ich richtig mitgezählt habe, sechs Fälle, die du bisher dargestellt hast. Also ein oder zwei würde ich wirklich gerne noch hören. Kurz nebenbei, Bettina, wir haben alle die Schusstodesfälle auch im Zusammenhang mit Doktorarbeiten ausgewertet. Da kommen dann einige hundert zusammen. Aber so viel Zeit haben wir heute nicht. Also, zwei Jäger, 50 und 28 Jahre alt, wurden in ihrem Revier von einem desertierten ausländischen Soldaten erschossen.
Jetzt gehen wir also weg von den Unfällen und Suiziden. Jetzt geht es um Mord und Totschlag. Hintergrund war, dass die Jäger ihn wegen eines im Walde angefachten Feuers zur Rede stellen wollten. In dieser Situation zog der Soldat plötzlich eine 9mm Pistole und schoss sechsmal von vorne auf beide Jäger, die sich noch vergeblich zu wehren versuchten. Kurze Zeit darauf verstarben beide Opfer. Die Untersuchung ergab Einschüsse von vorne in Gesicht, Hals und Brustbereich. Der Soldat, der die Waffen und die Fotoausrüstung der Jäger geraubt hatte, stellte sich dann später der Polizei. Und wurde dann vermutlich wegen Totschlags oder sogar Mordes angeklagt. So war das. Jetzt noch ein weiterer Fall. Einem 44-jährigen Jäger wurde, als er im Wald zur Heimfahrt in seinen Pkw steigen wollte, von zwei Tätern mit einer 765er Pistole siebenmal in den Rücken geschossen. Der Jäger war danach schnell tot. Die Täter raubten seine Waffe, weil sie diese dann zur Begehung weiterer Straftaten nutzen wollten.
Also sehr perfide. Ein Jäger wird um seine Waffe bestohlen, um mit dieser Waffe dann weitere Verbrechen zu begehen. Was war dann mit den Tätern? Hat man die gefasst? Ja, die beiden Männer wurden später gefasst. Die Untersuchung ergab auch hier zweifelsfrei Einschüsse durch die Kleidung im Rücken mit mehrfach tödlichen Verletzungen von Herz und Lunge. Also die Brust war mehrfach durchschlagen.
Jetzt vielleicht noch ein allerletzter Fall, den mir übrigens Professor Jansen aus seiner Heidelberger Zeit berichtete, bevor er nach Hamburg kam. Ich bin gespannt. War er in Heidelberg. Ich bin gespannt. Was hatte er da zu erzählen? Also ein Förster wurde von zwei Wilderern, die er zuvor im Revier festgenommen hatte, plötzlich überwältigt und durch Nahschuss in den Kopf umgebracht. Die Täter legten den Getöteten zusammen mit seiner Büchse auf die Gleise einer im Wald verlaufenden Eisenbahn, um einen Unfall oder auch einen Suizid vorzutäuschen. Und das gelang ihnen zunächst auch. Aber dann nehme ich mal an, wenn du sagst, es gelang ihnen zunächst, dass dann eine rechtsmedizinische Untersuchung stattfand, die dieses Täuschungsmanöver entlarvte. Ja, Werner Janssen trat auf den Plan. Der Rechtsmediziner stellte in wirklich mühseliger Präparationsarbeit den Schädel des Mannes wieder her.
Also die Knochen wurden dann letztlich alle marzeriert und dann neu zusammengeklebt. So wurde festgestellt, dass es am Kopf eine Schussverletzung gab und eine Auseinanderreißung des Schädels durch die Explosionswirkung des Schusses eingetreten war. Zusätzlich war es auch zu Einwirkungen durch das Schienenfahrzeug gekommen. Immerhin, der Rechtsmediziner hat das als Tötungsdelikt eindeutig eingeordnet und die daraufhin durchgeführte Fahndung hatte Erfolg. Die Täter wurden dann letztlich als Mörder verurteilt. Also ich finde, alle diese Beispiele, die du heute genannt hast, zeigen, man kann bei dem Umgang mit Schusswaffen im Allgemeinen, aber auch bei der Jagd im Besonderen nie vorsichtig genug sein. Oder wie siehst du das, Klaus? Also das sehe ich genauso. Der Umgang mit Schusswaffen unterliegt eindeutigen Regeln. Für mich ist die erste Regel, dass ich die Waffen wirklich nur anfasse, wenn sie entladen sind und wenn sich ein Projektil in der Waffe befindet, dann muss die Waffe natürlich immer auf die Zielscheibe zeigen und nie auf einen Menschen.
Das wahre Leben bietet viel mehr Raum für Verbrechen oder Unglücksfälle, als wir es gemeinhin für möglich halten. Einen soliden Überblick über die Schusstodesfälle der Region Hamburg und die Umgebung liefert im Übrigen die Rechtsmedizin. Hier in der Hamburger Rechtsmedizin werden schon seit fünf Jahrzehnten alle Fälle systematisch ausgewertet. Im Einzugsbereich des Instituts kommt es jährlich etwa ein bis zweimal zu derartigen Todesfällen bei der Jagd bzw. Mit Jagdwaffen. Gibt es denn allgemeine Schlussfolgerungen aus den Fällen, also etwa eine Statistik? Ja, einige Ergebnisse. Im Hinblick auf die betroffenen Personen lässt sich in etwa Folgendes feststellen. Unter diesen Schusstodesfällen bei der Jagd und mit Jagdwaffen befinden sich fast nur Männer. In 10 bis 20 Prozent der Fälle sind Berufsjäger betroffen, also Berufsjäger eher wenig. Die Altersverteilung der Opfer zeigt keine besonderen Charakteristika. Bei den Unfällen gab es eine gewisse Häufung im mittleren Lebensalter. Bei den Tötungsdelikten eher jüngere Opfer. Bei den Suiziden lagen alle Altersgruppen vor, einschließlich Einzelner, zum Teil unabhängig. Sehr alter Menschen, die Auswertung der Jahreszeit der Vorkommnisse ergab keine Besonderheiten.
Ungewöhnliche tageszeitliche Häufungen haben wir auch nicht festgestellt. Also mit anderen Worten, man kann jetzt nicht sagen, dass die Vorfälle alle eher abends oder gerade am frühen Morgen stattfanden. Aber was ist dann über die verwendeten Waffen zu sagen? Gab es da doch sicher auch eine Auswertung, oder? Klar, die verwendeten Waffenarten waren sehr unterschiedlich. Bei den Unfällen dominierten Büchsen, also Langwaffen, einschließlich Kleinkalibergewehren, bei den Suiziden- und Tötungsdelikten dagegen Schrotflinten, einige Male erfolgten Tötungen an Jägern auch mittels Kurzwaffen, also Pistolen. Weiter mit der Statistik, die Einschusslokalisation lag bei allen drei Todesarten, also Unfall, Suizid und Tötungsverbrechen, überwiegend in der Kopf- und Halsregion sowie im Brustbereich. Das ist logisch, weil es sich ja um Todesfälle handelt, mit Verletzungen lebenswichtiger Organe. Bei den Suiziden gab es vor allen Dingen eine Vielzahl von tödlichen Kopfverletzungen, wobei die Mundschüsse dominierten. Und wie sah es bei den Fällen aus, die als Unfall gedeutet werden, mit den Schussverletzungen? Davon haben wir eine ganze Reihe beschrieben. Bei den Unfällen lag stets nur eine einzige Schussverletzung an der getöteten Person vor.
Das ist logisch. Ebenso übrigens mit einer Ausnahme bei den Suiziden. Bei den Tötungsverbrechen bestanden in manchen Fällen mehrere Schussverletzungen.
Berichtet haben wir über den Fall mit vielen Schussverletzungen auch im Rücken. Der Ort des Geschehens lag bei den verschiedenen Todesarten in einem großen Teil der Geschehnisse im Revier, bei den Suiziden darüber hinaus ebenfalls im häuslichen Bereich. Die Verteilung der Tötungsverbrechen ist eher regellos. In mehreren Fällen wurden Jäger im Revier erschossen und dann danach mit den gestohlenen Jagdwaffen weitere Straftaten verübt. Und hervorzuheben sind Schuss-Todesfälle, die beim Übungsschießen auf Schießständen erfolgten und zum Beispiel auch zweimal in der Nähe stehende Personen betrafen. Da war jemand natürlich wieder extrem unvorsichtig und hat die Regeln nicht eingehalten. Wie sieht es denn bei der Auswertung von solchen Schussfällen in anderen Ländern aus? Ich kann mir vorstellen, dass in den Ländern, in denen es mehr Jäger gibt, es dann auch häufiger zu tödlichen Zwischenfällen kommt, oder?
Genauso ist das. Bei den internationalen Vergleichen von Schusstodesfällen auf der Jagd ist zu berücksichtigen, dass die Anzahl der Jäger in den verschiedenen Ländern wirklich sehr unterschiedlich ist. In Deutschland gibt es etwa vier Jäger auf tausend Einwohner. In Frankreich fast zehnmal so viel.
Und in Finnland zum Beispiel noch deutlich mehr. Kleine Bemerkung am Rande, mein Lehrer Werner Jansen hat vor allen Dingen auch wirklich viel in Finnland Elche gejagt. Deutschland hat im europäischen Vergleich eine vergleichsweise geringe Anzahl von Jägern und damit auch vergleichsweise weniger tödliche Schussverletzungen im Zusammenhang mit der Jagd.
Die Auswertung der Fälle ergab übrigens noch Folgendes. In 90 Prozent der Fälle werden die Verletzungen durch Langwaffen verursacht. Die sind ja vor allen Dingen bei Jägern im Gebrauch, das sind Flinten oder Büchsen. Nur in sehr wenigen Fällen durch Kurzwaffen, also Pistolen, die ja nur ausnahmsweise bei der Jagd im Gebrauch sind. Jetzt wüsste ich gern noch, was ist über die Verletzungen zu sagen? Gibt es da ganz typische Befunde? Ja, nur weniges will ich hier anführen. Tatsächlich gibt es einige typische Konstellationen. Nahschüsse mit Schrotflinten führen beispielsweise bei scharf abgegrenzten Kalibergroßen Einschuss ohne Schrotstreuung schon in einer Schusskanaltiefe von wenigen Zentimetern innerhalb der Brustwand zu großflächigen Zertrümmerungen.
Das kann man sehr leicht diagnostizieren. Dabei werden in der Regel außerdem knöcherne Brustwandteile regelrecht herausgesprengt. Vergleichbar ist diese Sprengwirkung mit einem sogenannten Schrapnell-Effekt. Was das heißt, erklärst du am besten mal für unsere Hörer? Schrapnell-Effekt? Ja, die meisten kennen den Ausdruck Schrapnell aus einem anderen Bereich. Damit sind alte Menschen gemeint, die sich ein bisschen merkwürdig verhalten. Schrapnell ist in der Tat ein besonderes Geschoss, das vor allen Dingen im Krieg verwendet wird.
Darin findet sich eine Ladung von kleinen Kugeln, die kurz vor dem Ziel durch eine extra Treibladung ausgetrieben werden und dann besonders böse Verletzungen hervorrufen. Dieser sehr verletzungsträchtige Aspekt wird bei Schrot, vor allen Dingen auch durch knöcherne Widerstände, also Brustmein, Rippen oder Extremitätenknochen, in ähnlicher Art und Weise ausgelöst. Und ähnliche schwere Verletzungen können in seltenen Fällen auch durch Flintenlaufgeschosse hervorgerufen werden, beispielsweise mit dem Modell Brennecke.
Da bestehen die Geschosse vollkommen aus Blei und ihr Kaliber entspricht dem der Flinten, aus der sie verschossen werden. Aber diese Geschosse zerlegen sich dann im Körper sehr schnell und dadurch gibt es besonders böse Verletzungen. Wie ist das denn mit anderen Verletzungen womöglich durch andere Geschosse oder Projektile, die aus Jagdbüchsen dann verfeuert werden? Naja, über diese brennige Geschosse aus Blei habe ich gerade gesprochen. Bei der Jagd werden häufig auch Teilmantelgeschosse verwendet, die in ihrem vorderen Teil den Bleikern freilassen und deren Spitze nach Art von Dumm-Dumm-Geschossen ausgehöhlt ist. Die Wirkung beruht vor allem auf der Deformierung bei hoher Auftreffgeschwindigkeit. Die Spitze muss so beschaffen sein, dass sie sofort aufstaucht, den Mantel zerreißt und dadurch dann die tödlichen Zerstörungen im Inneren des Wildkörpers verursacht, gegebenenfalls auch mal bei einem Menschen.
Auf diese Weise soll das Geschoss den größten Teil seiner Energie im Körper verbrauchen. Dementsprechend schwer waren auch die Verletzungen bei einigen der von uns untersuchten, getöteten Menschen. Die Geschosse hatten sich zum Teil dann sogar ohne Knochenberührung zerlegt und nach Art einer Sprengwirkung starke Zertrümmungen im Verlauf des erweiterten Schusskanals verursacht. Das klingt überhaupt nicht gut, also wirklich tödlich, möchte mir das gar nicht weiterbildlich vorstellen, aber ich hätte jetzt gerne noch ein paar Fakten zu den Unfallursachen. Die Ursachen, die in unseren Auswertungen festzustellen waren und.
Die Lehren, die man aus Mitteilungen in Jagdzeitschriften ziehen kann, die auch in der Fachliteratur bekannt sind, die umfassen ein breites Spektrum.
Die Unfallmöglichkeiten sind in Jagdkreisen mehr oder weniger geläufig. Und es darf angenommen werden, dass jede erfahrene Jäger und noch glimpflich ausgegangene beinahe Unfälle durch Schusswaffen miterlebt worden sind und dass daraus auch Lehren gezogen worden sind. Die Ursachen sind zum Teil dann doch regelrecht tragisch, besonders wenn nicht nur der Verursacher selbst, sondern andere Unbeteiligte davon betroffen werden, eventuell Jagdkameraden, eventuell Verwandte, Freunde. Das ist relativ häufig der Fall. Häufigste Unfallursache waren, das habe ich ja schon mehrfach gesagt, das unvorsichtige Hantieren mit der Waffe, vorwiegend beim Laden und Entladen sowie der Umgang mit geladenen Waffen. Das habe ich auch wiederholt gesagt, außerhalb der unmittelbaren Jagdausübung. Es wurden einfach immer wieder Grundregeln der Jagd verletzt. Ein Wort noch zum Problem Alkohol. Ja, wir hatten ja vorhin in den Beispielen, die du genannt hast, einen Fall, bei dem tatsächlich Alkohol eine Rolle gespielt hatte. Nun, Alkohol ist bekanntlich ein Thema, welches in der Rechtsmedizin regelhaft überprüft wird.
Hierzu hat das Bundesverwaltungsgericht einmal ganz eindeutig entschieden, benutzt ein Waffenbesitzer im alkoholisierten Zustand seine Schusswaffe, Rechtfertigt dies die Annahme, dass er im waffenrechtlichen Sinne unzuverlässig ist. Damit verliert dieser Mensch seinen Waffenschein. Das sollte man hier klar sagen. Und Alkohol im Zusammenhang mit der Jagd ist sicherlich eine besonders schlechte, gefährliche Angewohnheit. Und wenn überhaupt Alkohol getrunken wird, dann müssen die Waffen alle sicher verwahrt im Waffenschrank sein. Wir haben jetzt viel über Schussverletzungen beim Jagen gesprochen, aber du hast eingangs angedeutet, dass es auch im Zusammenhang mit der Jagd durchaus schon zu natürlichen Todesfällen gekommen ist.
Ja, das muss hier ausdrücklich erwähnt werden. Die Jäger sind ja zum Teil auch ältere Menschen. Ja, viele Jäger sind durchaus über 60, einzelne über 70. Dementsprechend häufig haben sie körperliche Erkrankungen. Ja, in unserem Untersuchungsgut waren das dann beispielsweise eine einengende Herzkranzschlagaderverkalkung und dadurch verursacht dann unter Umständen einen Herzinfarkt. Ja, Bluthochdruck spielt eine Rolle. Es kommt zu Hirnblutungen mit späterem Schlaganfallgeschehen. Und man kann sich ja durchaus auch mal an so einen bekannten Fall erinnern wie den des bekannten deutschen Politikers Franz Josef Strauß, seinerzeit CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident. Ja, ich denke der Name und die Person ist hinlänglich bekannt. Was hat Franz Josef Strauß mit der Jagd und dementsprechend einer Todesursache zu tun? So habe ich dich eben verstanden. Ja, was vielleicht weniger bekannt ist, dieser Franz Josef Strauß brach am 1. Oktober 1988 bei der Jagd zusammen.
Er war zuvor mit einem Hubschrauber vom Oktoberfest aus München kommend in der Nähe von Regensburg beim Jagdschloss Aschenbrenner-Marte eingetroffen, um an einer von Johannes von Thorn und Taxes veranstalteten Hirschjagd teilzunehmen.
Ja und hier kollabierte der 73-Jährige plötzlich und unerwartet. Er hat sich dabei noch erbrochen. Zwei Tage später verstarb er an einem Multi-Organ-Versagen. Also der Tod war hier eindeutig auf eine innere Erkrankung zurückzuführen und hatte mit der Jagd selbst gar nichts zu tun. Okay, das war jetzt eine kleine Exkursion zu dem Tod von Franz Josef Strauß, dem Politiker. Klaus, insgesamt habe ich natürlich heute in unserem Podcast viel gelernt. Das gilt hoffentlich auch für unsere Hörer. Vielleicht von dir noch ein Wort zum Abschluss? Naja, es ist eigentlich eine Wiederholung. Ich möchte nochmal feststellen, dass Tötungsdelikte mit Jagdwaffen und im Bereich der Jagd natürlich immer in der gleichen Weise zu untersuchen sind wie andere Tötungsdelikte.
Aber auch in allen Zweifelsfällen, wenn es also um Unfälle oder vielleicht auch Suizide geht, dann muss eine sehr sorgfältige Untersuchung möglichst mit Obduktion erfolgen. Man sollte unbedingt jagdliche Gegebenheiten berücksichtigen und deswegen erfahrene Jäger und Schusswaffensachverständige der Polizei hinzuziehen, um letztlich eine richtige Einordnung durchzuführen.
Man muss unter Umständen auch damit einmal rechnen, dass solche Fälle vertuscht werden. Beispielsweise dadurch, das war der Fall von Werner Janssen, dass dann der Fall auf die Schienen gelegt wird, um ein suizidales Ereignis vorzutäuschen. Und man muss auch immer an ein Tötungsdelikt denken, selbst wenn ein Suizid oder ein Unfall eigentlich klar zu sein scheint. Und auch die Differenzierung Suizid und Unfall ist extrem wichtig, zum Beispiel wegen Versicherungsleistungen.
Und insgesamt ist das ein echt wichtiges Spezialgebiet der Rechtsmedizin. Selbst innerhalb der Schussverletzungen spielen tatsächlich Fälle mit Jagdwaffen eine herausragende Rolle. Jetzt möchte ich gerne noch ein bisschen Werbung in eigener Sache machen, also für uns beide als Autoren und als Fachleute, mich eben Gerichtsreporterin und ich als Rechtsmediziner. Wir haben über diese Fälle, also speziell Unfälle durch Jagd oder Tötungsdelikte bei der Jagd, auch etwas in einem von uns veröffentlichten Buch geschrieben. Dieses Buch heißt Tod durch Schuss. Da kann man über die von uns eben genannten Fälle viel nachlesen, aber da sind natürlich auch etliche weitere spannende Fälle genannt, also Tod durch Schuss, wer sich das mal genauer ansehen möchte, herzlich willkommen. Ja, Klaus, beim nächsten Mal, unserem nächsten Podcast, gibt es natürlich wieder ein ganz anderes Thema.
Ich freue mich schon drauf und hoffe und freue mich dann auch auf eine weitere Begegnung, auf einen weiteren spannenden Fall und sage damit Tschüss. Und Weidmannsheil.
Und auf abendblatt.de slash podcast.