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Crime Podcast. Ich bin Bettina Mittelacher, Gerichtsreporterin beim Hamburger Abendblatt und wie immer ist Rechtsmediziner Klaus Püschel mit im Studio. Er ist der Mann, der in den Toten liest, wie in einem Buch. Moin an unsere Hörer, auch von mir. Tatsächlich habe ich in fast fünf Jahrzehnten in meinem Beruf schon viele tausend Tote untersucht. Eine Obduktion liefert entscheidende Erkenntnisse darüber, wie jemand genau zu Tode gekommen ist. Und oft genug ergeben sich zusätzlich wichtige Hinweise darauf, wie sich eine Tat oder allgemeiner gesagt ein Ablauf wahrscheinlich abgespielt hat.
Ob und wenn ja, welche Waffen eingesetzt wurden oder auch nicht, ob es sich eher um eine beabsichtigte Tötung gehandelt hat oder ob womöglich ein Unglück geschehen ist, das eigentlich niemand wollte. Ein Unglück, das niemand wollte? So etwas hat sich offenbar im Oktober 2022 in einer Wohnung in Hamburg abgespielt. Ein Mann ist zu Tode gekommen, als er die Dienste einer Domina in Anspruch genommen hat.
Der 53-Jährige hatte der 38 Jahre alten Frau vorher mitgeteilt, er wolle, Zitat, über seine Grenzen hinausgehen. Aber was dann wirklich geschah, war nicht geplant, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach das Ergebnis unvorhergesehene Umstände. Ja, also davon gehe ich auch aus, ganz sicher. Aber tatsächlich strangulierte sich der verheiratete Familienvater und Geschäftsmann mit einer Kette, die um seinen Hals gewickelt war. Der 53-Jährige verstarb dann und die Domina musste sich später vor Gericht verantworten. Also ich denke, die meisten unserer Hörer wissen, was eine Domina ist und was sie macht. Aber sicherheitshalber erkläre ich es kurz. Bei einer Domina handelt es sich um eine Frau, die gegen Entgelt sadistische und dominante Praktiken anbietet. So ist es nachzulesen bei Wikipedia.
Sprich, man kann eine Domina buchen, wenn man spezielle sexuelle Vorlieben hat. Ja, man kann sie zum Beispiel in Hamburg auf St. Pauli buchen, übrigens aber auch an vielen anderen Stellen in Häusern in Hamburg, wo man das eigentlich gar nicht erwartet. So viel am Rande.
Allgemein sogenannter Blümchensex ist ja nicht für jeden etwas. Es gibt offenbar viele Menschen, die bei ausgefallenen Praktiken ihre sexuelle Erfüllung erleben. Da spielen Schmerz und Unterwerfung teilweise eine große Rolle. Manche finden auch ihren besonderen Kick darin, dass ihnen eine gewisse Zeit lang die Luft abgeschmiert wird. Bettina, lass mich ganz kurz auf eins unserer Bücher hinweisen. Das hat ja tatsächlich auch den Titel Sex and Crime und über besondere Vorfälle beim Sex kann man da interessante Dinge nachlesen. Also zurück dazu, wie es dann ist, wenn die Luft abgeschnürt wird und dass manche darin einen sexuellen Kick empfinden. Das wäre dann zusammenzufassen nach dem Motto, besonders wenig Luft bedeutet besonders viel Lust und manchmal wird es dann für diejenigen, die auf diese Weise zum Höhepunkt kommen wollen, dann doch zu einem lebensgefährlichen Erlebnis, oder Klaus? Naja, also das ist Erfahrung der Rechtsmedizin, dass das gelegentlich in einem Desaster endet. Wir haben also als Experten immer wieder einmal mit solchen Fällen zu tun, solchen, die beinahe tödlich ausgehen oder tatsächlich tödlich enden.
Wenn nämlich jemand zu lange die Luft abgeschnürt hat oder wenn ihm die Luft abgeschnürt wurde, so war das auch in dem Fall, über den wir hier heute sprechen wollen. Insofern aufgepasst, Warnung, da gibt es einiges mitzukriegen und zu lernen. Was ist also passiert?
Offiziell war der Mann, den wir im Podcast Manfred H. Nennen wollen, an jenem 18. Oktober 2022 auf einer Dienstreise, wohin es ihn in Hamburg aber wirklich trieb, das hielt der 53-Jährige aus Sachsen vor seiner Frau und seinen Kindern geheim. Tatsächlich hatte er sich für eine mehrstündige Session bei einer Domina in Hamburg angemeldet. Mehrere Stunden, sagst du? Da hat es dann ja ausreichend Zeit für besondere Erlebnisse gegeben. Was war denn vorgesehen? Also die Domina in deren Hände sich der Familienvater begab, die sagte später im Prozess vor Gericht, der Mann habe ihr im Vorwege folgendes mitgeteilt, er wolle, Zitat, über seine Grenzen hinausgehen.
Das kann natürlich vielerlei heißen. Der Fantasie sind ja beim Sex und sicher auch im Berufsleben einer Domina keine Grenzen gesetzt. Es geht also wahrscheinlich um Praktiken, die für den Kunden neu sind, um Schmerzen oder Erniedriging und die über das hinausgehen, was er bisher erlebt hat. So stelle ich mir das vor. Ja, was dann aber passierte, das hat wohl niemand gewollt. Manfred H. nicht und die Domina bestimmt ebenfalls nicht. Offenbar war geplant, dass sich der 53-Jährige fesseln ließ und in einer speziellen Halterung an der Zimmerdecke aufgehängt wurde, dass er also der Dominar somit vollständig ausgeliefert ist. Die später angeklagte Frau, die wir hier Ramona T. Nennen wollen, erzählte dazu Folgendes im Prozess, wobei sie wirklich immer wieder in Tränen ausbrach bzw. weinte. Offenbar hatte Manfred H. schon Erfahrung mit Dominas gesammelt und durchaus seine Vorstellungen davon, was er dort erleben wollte.
Es sollte also eine Langzeitsession werden und es kam darauf an, das Gefühl des Ausgeliefertseins zu erleben. Teilte er der Domina auf deren Frage nach seinem Vorleben mit. Sie fragte übrigens auch nach sogenannten No-Gos, also was auf keinen Fall passieren darf. Und dazu sagte er insbesondere, er wolle keine Praktiken, die bleibende Folgen haben.
Da gibt es natürlich viele Möglichkeiten, wie man dies interpretieren kann. Ganz sicher war damit gemeint, dass er keine gesundheitlichen Schäden davontragen wollte. Wahrscheinlich meint er auch, dass das, was auch immer mit ihm angestellt wird, keine sichtbaren Spuren hinterlässt. Weil es bei Besuchen bei Dominas oft auch darum geht, dass Kunden Schmerzen zugefügt werden, wäre denkbar, dass die Domina beispielsweise eine Peitsche oder irgendwelche Folterwerkzeuge benutzt und dann können Verletzungen entstehen, die sichtbar sind, also etwa Blutergüsse oder Striemen und dann gibt es Erklärungsbedarf zu Hause bei der Ehefrau.
Auf jeden Fall. Zur Erinnerung, Manfred H. war ja verheiratet und hatte zwei noch recht kleine Kinder. Seiner Frau hatte er erzählt, er sei auf einer Geschäftsreise. Stattdessen war er nun heimlich bei der Domina. Ja, man kann sich vorstellen, wenn er dann zurück nach Hause kommt und beispielsweise seine Rücken voller Striemen wäre, würde seine Frau natürlich wissen wollen, wie das denn passiert ist. Und dann stünde er vor dem Problem, was er ihr erzählen soll. Ich gehe mal davon aus, die Frau wäre not amused gewesen, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken. Also ich denke auch, sie wäre nicht begeistert, wenn sie erfahren würde, wie solche Verletzungen, also beispielsweise Stream, tatsächlich entstanden sind. Während er auf Dienstreise ist, muss man ja auch bedenken. Angeblich auf Dienstreise. Erzähl mal Bettina, wenn Manfred H. Diese Vorgaben gemacht hat, also keine bleibenden Schäden, dann hat sich Domina Ramona T. Doch sicher genau überlegt, wie sie die Zeit mit ihm verplant hat. Dazu hat die 38-Jährige auch einen Prozess ausgesagt. Sie erzählte, dass der Termin mit ihrem Kunden Manfred H. Auch für sechs Stunden angelegt war und in der Zeit sollte es mehrere sogenannte Spielstationen geben.
Ja, was auch immer darunter gemeint ist.
Details wissen wir nicht. Der Preis, den freier Manfred H. Für ihre Dienste zahlen sollte, War bestimmt vorher fest vereinbart. Bettina, wissen wir was darüber? Also tatsächlich sollte diese sogenannte Session, diese Langzeitsession 900 Euro kosten. Das hat die Angeklagte dann auch im Prozess erzählt. Zu der Inszenierung sollte unter anderem gehören, dass der 53-Jährige sich gänzlich auszieht, ihm dann eine Kette zweimal um den Hals geschlungen wird und diese metallene Fesselung wiederum an einer Konstruktion an der Zimmerdecke verankert wird. Und dabei sollten die Hände von Manfred H. Durch ein spezielles Kleidungsstück, eine sogenannte Bondage-Corsage, gefesselt sein. Also er hätte die Hände nicht frei gehabt.
Außerdem wurde ihm auch noch eine Fesselung um den Hals gelegt zusätzlich. Das haben wir ja schon gesagt, da handelte es sich um diese robuste Metallkette. Also das ist dann jedenfalls keine Fesselung, die man eben schnell lösen kann, beispielsweise indem man eine Schere ansetzt. Auf keinen Fall. Ich bin da wirklich kein Experte. Ja, ehrlich gesagt, für Rechtsmedizin schon, aber nicht für die Arbeit von Dominas. Dafür bräuchte man wahrscheinlich schwereres Gerät, also bei dieser Eisenkette.
Also Werkzeug wie zum Beispiel einen Bolzenschneider. Und in dieser Situation, wie du sie beschrieben hast, begibt sich der Mann ja vollkommen in die Hände der Domina. Er hat wegen der Fesselung an den Händen und Armen auch überhaupt gar keine Chance mehr, sich irgendwie zu wehren, wenn es ihm zu viel wird. Er hat selbst keinerlei Eingriffsmöglichkeiten. Und genau deshalb haben die beiden laut der Darstellung der Angeklagten vorab ein Codewort verabredet und das hätte Manfred H. In dem Moment nennen sollen, wenn ihm das, was mit ihm angestellt wird, doch das übersteigt, was er sich ausgemalt hat, also mit anderen Worten, wenn es ihm dann zu viel wird.
Ich kann mir vorstellen, dass so eine Sicherheitsmaßnahme sinnvoll ist. Darauf wird ja auch immer wieder hingewiesen. Wie gesagt, der Mann war ja gefesselt, konnte also die Arme nicht bewegen und sich nicht selber aus dieser Konstruktion mit der Kette und der Verankerung in der Decke befreien. Dann ist es gut, wenn man vorher eindeutig geklärt hat, bis hierhin und nicht weiter. Also im Grunde ist es dann auch dieses No-Go. Wenn der Kunde das bestimmte Kodewort sagt, dann muss sofort gestoppt werden.
Wir haben nun also in dem Zimmer, in dem sich die Domina und der Kunde trafen, eine Konstruktion, in der der Kunde aufrecht steht und in einer Art Flaschenzug an der Decke fixiert ist. Wir haben einen Mann, der groß und stark gebaut ist und deutlich mehr als 100 Kilo wiegt. Und dann passiert das, was überhaupt nicht geplant war. Der Mann hat vermutlich das Bewusstsein verloren und sackte zusammen. Das heißt, dass sich die Metallkette, die um seinen Hals geschlungen war, dass die sich fester zuzog. Es spricht viel dafür, dass der Druck auf den Hals des Mannes und damit auf die Blutzufuhr und die Atemwege schon vorher ziemlich hoch war, also während des Fesselvorgangs.
Wahrscheinlich wurde er in diesem Zusammenhang ohnmächtig dadurch, dass das Gehirn dann nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt wurde. Und als er nun ohne Körperspannung und mit seinem ganzen Gewicht als wirklich schwerer Kerl in dieser Konstruktion hing, da hat sich dann die Metallkitte um seinen Hals noch weiter zugezogen. Also die Luft und die Blutzufuhr wurde ihm buchstäblich abgeschnürt. Klaus, erzähl doch bitte mal allgemein, was dann passiert. Es droht der Erstickungstod, oder?
Allgemein ist das gar nicht so ganz einfach zu erklären. Zu bedenken ist, dass für die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff vor allen Dingen die Blutzufuhr wichtig ist, über die Halsschlagadern. Und vom Herzen wird das Blut ausgeworfen und gelangt über die Körperhauptschlagader schnell in die Halsschlagadern und dann zum Gehirn. Das Gehirn hält es nur etwa 10 bis 15 Sekunden ohne Blutzufuhr aus. Das ist also eine sehr, sehr kurze Zeit. Dann schalten Hirnzellen ab, man wird bewusstlos. Der zweite Faktor, der bei der Strangulation auch eine Rolle spielt, ist die Einschränkung der Luftzufuhr. Also dadurch, dass die Atemwege dann zugeklemmt werden im Bereich der Luftröhre oder des Kehlkopfes. Das wirkt sich aber im Prinzip eigentlich erst später aus. Also die Luft kann man ja durchaus eine halbe bis eine Minute entbehren. So lange kann man auch die Luft anhalten. Das Entscheidende ist also die Versorgung des Gehirns mit Blut durch die Halsschlagadern.
Also wenn jemand am Hals stranguliert wird, dann hat man nur sehr wenig Zeit, diesem Menschen zu helfen. Besonders wegen der Einschränkung der Durchblutung und des Verschlusses der Halsschlagadern. Man muss sehr schnell und entschlossen handeln, also im Grunde innerhalb von wenigen Sekunden und man muss bedenken, dass das Gehirn ohne Sauerstoff dann relativ schnell Schaden nimmt. Aber diese Hilfe, von der du eben gesagt hast, dass sie wirklich sehr schnell kommen muss, das ist offensichtlich nicht passiert. Der Mann hatte, als endlich die Fesselung um den Hals gelockert wurde, schon mehrere Minuten ohne Sauerstoffzufuhr in dieser Konstruktion gehangen. Er kam zwar noch in eine Klinik, aber für eine Rettung war es zu spät.
Ja, so war das leider. Der Mann starb kurze Zeit später in dem Krankenhaus, in das er noch eingeliefert wurde. Die Angeklagte hat doch später im Prozess noch berichtet, was da so im Einzelnen geschehen ist, bevor und nachdem ihr Freier ohnmächtig wurde. Bettina, erzähl mal. Also Ramona T. beteuerte im Prozess, der 53-Jährige habe das vorab vereinbarte Codewort eben nicht gesagt. Sie erzählte auch, sie habe ihren Kunden zu Beginn des Treffens nach Vorerkrankungen gefragt und daraufhin habe Manfred H. mitgeteilt, dass er gesund ist. Klaus, dazu habe ich noch eine allgemeine Frage.
Wenn sich die Domina nach Vorerkrankungen erkundigt, deutet das für mich darauf hin, dass sie sicher gehen will, dass nichts Schlimmes passiert. Welche Art von möglichen Vorerkrankungen wären denn für so ein Treffen relevant? Wo muss man sich da absichern? Naja, problematisch ist immer die Situation, wenn der Mann, der bei der Domina ist, kurzfristig sein Bewusstsein verliert und da geht es natürlich in erster Linie um relevante Erkrankungen von Herz und Lunge, speziell Herzvorerkrankungen, also man muss ausschließen, dass der schon mal einen Herzinfarkt gehabt hat, dass er ein Bluthochdruckleiden hat und man sollte auch schwere Lungenerkrankungen ausschließen. Ich will das mal vorwegnehmen. Es wurde ja später in der Rechtsmedizin eine Obduktion durchgeführt. Es gab, denke ich, keinen Grund, dass der 53-Jährige darüber hätte berichten müssen. Der war im Wesentlichen schon organgesund. Also das deckt sich mit dem, was dann Ramona T. Auch im Prozess gesagt hat, dass er eben nichts von irgendwelchen Beeinträchtigungen erzählt hat.
Aber als er dann bei ihr in der Modellwohnung so hilflos mit dem Hals in der Metallkette und dann an der Decke hing, da wurde eben der Mann plötzlich ohnmächtig, wir haben es erwähnt. Die Angeklagte erzählte dann im Prozess weiter, als sie gemerkt habe, dass ihr Kunde sein Bewusstsein verloren hatte, habe sie wirklich verzweifelt versucht, ihn aus dieser Fesselung am Hals zu befreien. Naja, aber das konnte ja so jetzt nicht funktionieren. Wir haben ja gehört, dass der 53-Jährige mehr als 100 Kilo wog. Wenn ein Mensch bewusstlos ist, also dann ohne jegliche Körperspannung, dann wirkt er nochmal deutlich schwerer und der hinkt ja auch an dieser Kette, die an der Decke befestigt war. Also eine im Grunde unlösbare Situation für diese Ramona T., die konnte es gar nicht schaffen, ihn so weit zu stabilisieren und anzuheben, dass sie die Metallkette um seinen Hals hätte lösen können. Naja, dazu hatte sie ja wirklich nicht ausreichend Kraft und sie hätte unbedingt Unterstützung gebraucht.
Auf jeden Fall. Sie erzählte weiter, dass sie noch versucht hat, auf einem anderen Weg ihren Kunden aus dieser wirklich gefährlichen Lage zu befreien. Sie hat nämlich versucht, Manfred H. Auf ein Sofa zu verfrachten, das in der Nähe stand. Ihre Idee war, dass sich auf diese Weise, wenn er also höher gelagert ist, der Druck von der Metallkette auf seinen Hals mildern würde. Aber es sei eben angesichts seines Gewichts nicht gelungen, ihn auf dieses Sofa zu bekommen. Und dann fing sie an zu schreien, vielleicht aus Verzweiflung und Panik, aber sicher auch damit Hilfe herbeikommt. Und als sie nun so schrie, wurden Kolleginnen von ihr, die also offenbar in Nachbarzimmern auf Kunden warteten oder Kunden hatten, die wurden dann aufmerksam und alarmierten dann Rettungskräfte. Ja, das ist jetzt natürlich der richtige Weg, der einzige Weg. Man muss die Profis alarmieren, dass es richtig zu bedenken ist, aber dass natürlich immer mindestens einige Minuten vergehen, bis Rettungskräfte dann dort ankommen, wo sie gebraucht werden.
Sie bemühen sich immer, möglichst schnell zu sein, aber sie müssen ja erst zu der genannten Adresse fahren. Auch bei der besten Organisation dauert das minutenlang, in Hamburg so im Schnitt etwa, das kann ich mal sagen, acht bis zehn Minuten. In dem Fall mussten sie dann auch noch in die Wohnung hochlaufen. Das ging um mehrere Stockwerke. Genau kenne ich die Begebenheiten vor Ort allerdings nicht.
Und vielleicht hätten die Kolleginnen von Ramona T. Versuchen können, mit ihr gemeinsam, also mit vereinten Kräften von mehreren Frauen, mehreren Dominas, den Mann so weit anzuheben, dass der Druck von der Metallkette auf seinen Hals gelockert wird. Aber das ist natürlich heute und aus der Distanz heraus leicht gesagt. Wenn man selber in der akuten Situation vor Ort ist, ist man vielleicht von der Notlage überfordert. Ich sage nochmal an dieser Stelle wieder Achtung, Warnung. Auf so eine Situation muss man eigentlich als Dominar vorbereitet sein.
Das ist wahrscheinlich so, aber wir sprechen ja nun von einer Notlage, die offenbar niemand vorhergesehen hat und dann gelingt es vielleicht wirklich nicht einen klaren Gedanken zu fassen. Vielleicht war es genau so. Jedenfalls den Rettungskräften, die ja nun dazugerufen worden waren, den gelang es, den 53-Jährigen aus der Strangulierung zu befreien. Die Helfer konnten den Mann auch noch wiederbeleben, aber die Schäden, die bei dem Mann durch das mittlerweile etwa 10-minütige Abschneiden der Luftzufuhr verursacht waren, die waren zu schwer. Ja Bettina, noch einige Informationen.
Zu dieser Situation, die die RTW-Besatzung vorgefunden hat, die Leute beschreiben, dass eben der 53-Jährige bei ihrem Eintreffen noch mit der Eisenkette an einem Karabinerhaken an der Decke hing, da war der eingeklinkt. Er sei zu diesem Zeitpunkt dann auch noch gefesselt gewesen, sodass er selber natürlich auch keine Chance hatte, aus dieser Zwangslage herauszukommen. Und dann noch einmal zu diesem Faktor Zeit. Die Rettungskräfte haben protokolliert, dass es zehn Minuten gedauert hat, die der Mann da tatsächlich in der Eisenkette hing. Und man muss von daher ausgehen davon, dass das Gehirn zehn Minuten lang ohne jegliche Sauerstoffzufuhr war, weil die Eisenkette die Halsschlagadern sich ja vollständig verlegt hat. Also die sogenannte No-Flow-Zeit war zehn Minuten und ehrlich gesagt, das hält kein Gehirn aus, zehn Minuten ohne Sauerstoff. Da resultiert ein schwerster hypoxischer Hirnschaden.
Kannst du das jetzt nochmal genauer erklären? Ich verstehe das so, Gehirnzellen sterben ab. Was passiert da? Naja, ich habe das ja schon versucht anzudeuten. Bei einer minutenlangen Mangelversorgung des Gehirns mit Sauerstoff sterben diese Hirnzellen ab. Das beginnt, das hat man früher tatsächlich mal experimentell nachvollzogen, man weiß, dass so etwa ab 100 Sekunden, also wenn das Gehirn mehr als 100 Sekunden nicht mit Sauerstoff versorgt ist, sterben die ersten Hirnzellen und nach drei Minuten ohne Sauerstoff gibt es eine sehr schwere Hirnschädigung und nach etwa fünf Minuten stirbt der Mensch. Wenn es kürzer ist, gibt es schwerste geistige und körperliche Schäden. Also Sauerstoffmangel, verschluss der Halsschlagadern, das ist eine hochgradige Lebensgefahr. Wenn ich das noch sagen darf, also zurück zum Prozess vor dem Landgericht. Das Urteil gegen die 38-jährige Domina, das lautete doch schließlich, ja, oder die Anklage lautete doch fahrlässige Tötung? Also die Anklage hat ursprünglich ganz anders gelautet, aber das Urteil gegen sie lautete auf fahrlässige Tötung.
Ursprünglich war die Tat als Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt worden, aber im Verlaufe des Prozesses war man zu der Einschätzung gelangt, dass die Tat eben als fahrlässige Tötung zu werten sei. Die Staatsanwaltschaft hat dann eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren mit Bewährung beantragt. Die Verteidigung plädierte auf eine Geldstrafe und das Urteil lautete schließlich, das Gericht verhängte gegen Ramona T. Eine Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu je 35 Euro. Kleine Ergänzung, eine Geldstrafe setzt sich immer zusammen aus der Höhe eines Tagessatzes, der sich am Einkommen desjenigen orientiert, der da vor Gericht steht. Und die Anzahl der Tagessätze soll in etwa das Maß der Schuld widerspiegeln. Also in dem Fall 140 Tagessätze zu 35 Euro. Die bevor sitzende Richterin betonte in der Urteilsverkündung, eine Metallkette um den Hals eines Menschen zu legen sei ohnehin gefährlich.
Zudem habe Romona T. es versäumt, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, falls es zu einem dramatischen Zwischenfall kommen würde und das fasste die Richterin dann so zusammen. Das hat sich fatal ausgewirkt. Ja, das hat es in der Tat. Die Befunde am Leichnam waren übrigens auch völlig eindeutig. Der hatte sozusagen eine klassische Strangulationsmarke am Hals. Die Halsweichteile waren ausgedehnt unterblutet und von daher waren das klassische rechtsmedizinische Befunde. Die Richterin hat das dann auch noch weiter kommentiert.
Also vor allen Dingen auch im Hinblick auf diese fehlenden Sicherheitsvorkehrungen hat sie gesagt, etwas sehr Schlimmes ist passiert. Ein Mensch ist zu Tode gekommen. Bettina? Ja, ganz richtig. Das ist natürlich wirklich ein Drama. Es handelt sich ja um einen Familienvater. Gut, das macht die Sache nicht besser oder schlechter. Auf jeden Fall, jemand ist gestorben und das ist natürlich sehr schlimm und sehr traurig und war dann letztlich auch tatsächlich dieser Dominar anzulasten. So hat das Gericht es entschieden. Die Richterin führte außerdem aus, dass es bei der Einordnung der Tat zu bedenken sei, dass es sich nicht um ein Augenblicksversagen der Angeklagten handelte, sondern dass Ramona T. Schon geplant hatte, wie sie die Zeit mit ihrem Kunden gestalten wollte. Ja, sie hat übrigens auch wiederholt ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie eine professionelle Ausbildung als Domina gehabt hat. Aber aus meiner Sicht im Hinblick auf Notfallmaßnahmen hat es hier an Professionalität eindeutig gefehlt. Und nochmal zum Vergleich von einem sogenannten Augenblicksversagen spricht man auch häufig bei Verkehrsunfällen.
Im Straßenverkehr passiert es ja leider nicht selten, dass jemand zu Tode kommt, weil ein anderer Mal für ein paar Sekunden oder auch nur für den Bruchteil einer Sekunde nicht aufgepasst hat. Hier im Zimmer von der Domina Ramona war das aber, und da kann ich dem Gericht gut folgen, da war das wirklich ganz anders. Ja, hier ging es ja wirklich um Minuten und eine geplante sogenannte Session. Die Richterin führte weiter aus, dass der 38-Jährigen bewusst gewesen sei, dass es immer zu einer Ohnmacht des Kunden kommen könne, wenn sich die Männern ihre Hände begeben. Aber Ramona T. Habe darauf vertraut, dass alles gut gehen werde. Die Richterin sagte allerdings zu bedenken sei andererseits auch, dass sich Manfred H. Ja freiwillig in die Situation begeben habe.
Ja, Manfred H. hat dies freiwillig getan. Er hat dafür Geld bezahlt und dann hat er mit seinem Leben bezahlt. Allerdings ist die rechtliche Bewertung da schon etwas differenzierter. Ich weiß, dass der Bundesgerichtshof bereits in einem anderen Fall entschieden hat, dass man nicht in eine das Leben gefährdende Behandlung oder Handlung einwilligen könne. Wenn dadurch jemand in konkrete Todesgefahr gelangen könne, sei das sittenwidrig. Eine Einwilligung sei in einer solchen Situation also nicht wirksam. Das war jetzt juristische Feinarbeit, danke dafür. Entschuldigung. Was denn? Ist doch gut, dass das so erklärt wird. Ich kann auch ergänzen, dass die Richterin gesagt hat, insgesamt sei die Situation mit der Fesselung am Hals zu gefährlich gewesen. Und dann sagte sie weiter an die Adresse der Angeklagten, als Dominer ist es ihr Job, die Situation so zu inszenieren, dass sie sicher sind. Wir haben ja jetzt länger über Strangulation im Zusammenhang mit sexuellem Interesse gesprochen. Da gibt es noch einige weitere Fälle, die bekannt geworden sind.
Ehrlich gesagt sind es ziemlich viele Fälle, leider, mit denen auch die Rechtsmedizin zu tun hatte, speziell auch die Hamburger Rechtsmedizin. Über solche Fälle haben wir ja auch schon in einem früheren Podcast mal gesprochen. Stimmt, das ist etwa vier Jahre her. Wir haben den Podcast damals so genannt, ich zitiere, Tod beim Sex, weil sie extremen Höhenflug suchen. Das war eine extra Folge bei uns. Ja, ich erinnere mich, den Titel muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Extrem Höhenflug und man landet dann im Jenseits.
Ja, deshalb hier an dieser Stelle nur in Kürze. Es gibt zum Beispiel immer wieder das, was die Rechtsmediziner dann autoerotische Unfälle nennen, Ich erinnere mich beispielsweise an den Fall eines 89-jährigen Mannes, der den besonderen Kick suchte, also den sexuellen Kick als 89-Jähriger. Und ja, für diesen besonderen Kick hat er eine ganz besondere Zeit gewählt. Da war nämlich seine Ehefrau nicht zu Hause, sondern auf einer Kaffeefahrt. Und dann fuhr der Senior mit dem Auto an eine einsame Stelle im Wald, an einen Bachlauf, wo er nach den späteren Ermittlungen nicht zum ersten Mal war.
Er hatte einen recht komplizierten Mechanismus dabei, mit dessen Hilfe er masturbieren wollte und zwar nackt im Bach stehend. Er hat dann allerdings einen Kreislaufkollaps erlitten, also jetzt wieder das Problem, der ist ohnmächtig geworden und ist ertrunken. Keine Vorsorge, dass ihm geholfen wurde, im Grunde ziemlich jämmerlich in einem flachen Bachlauf dann ertrunken. Also für den ist das letztlich tödlich ausgegangen. Ich erinnere mich speziell noch an einen anderen Fall, den wir in unserem True-Crime-Buch Tote Lügen nicht geschildert haben. Die Überschrift lautete alles Käse. Klaus, erzähl mal, was es mit dieser Überschrift oder mit diesem Fall auf sich hatte. Ja, also ehrlich gesagt möchte ich vor allen Dingen auf unser Buch verweisen. Das ist schon ein sehr, sehr spezieller Fall. Ein Mann hatte sich in der Stille und Einsamkeit seiner eigenen Wohnung aufgenommen. Einen Taucheranzug aus Neopren angezogen. Das muss man sich mal so bildlich vorstellen. Darunter trug er dann außerdem noch ein Regenkep und darunter Frauenunterhosen. Über dem Kopf hatte der 40-Jährige dazu einen Plastikmüllsack gezogen.
Den wiederum hatte er mit einer Ätherlösung befüllt. Interessant war dann vor allen Dingen.
Dass er unter all diesen Schichten der verschiedenen Kleidungsstücke direkt auf der Haut eine Vielzahl von Käsescheiben platziert hatte. Die hatte er dann locker fixiert mit diesen langen Damenstrumpfhosen. Und diese Käsescheiben sind an seiner Körperoberfläche dann geschmolzen durch die Körperwärme. Er hatte sich außerdem noch vor die Heizung gehockt.
Und durch die Plastiktüte über dem Kopf ist er letztlich erstickt und in dieser Situation dann aufgefunden worden. Und ich war als Rechtsmediziner vor Ort.
Also ich möchte nochmal das nochmal nachhaken, Klaus. Ich kenne den Fall ja, aber wenn du jetzt darüber sprichst, wird mir wieder bewusst, wie speziell der ist. Eine dicke Schicht geschmolzener Käse auf der Haut, also diese Vorstellung klingt bestimmt nicht für jeden erotisch, aber diesem Mann gefiel das offenbar gut. Ja, also wir fanden in der Küche Verpackungsmaterial für 300 Käsescheibblätten, das muss man sich mal vorstellen. Und die lagen tatsächlich wie eine zweite glitschige Haut auf seiner Haut und das war offensichtlich ein ganz besonderes Wohlgefühl, dem er sich da hingegeben hat. Und zusätzlich hat er durch die Plastiktüte über den Kopf diesen Aspekt Sauerstoffmangel. Und Sauerstoffmangel führt ja zu einer verstärkten sexuellen Wahrnehmung für sich wahrgenommen. Also eine hochgefährliche Situation und dass er das alleine in der Wohnung gemacht hat, spricht dafür, dass er wirklich zu wenig nachgedacht hat. Aber es hat ihm offensichtlich gefallen. Also wenn du das so sagst, ich weiß nicht, ob das so sein kann, aber ich glaube dir das mal. Dieser Fall mit dem Käse, wir haben ja schon gesagt, sehr speziell.
Als Rechtsmediziner erlebt man ja viele besondere Dinge. Ja, also an dieser Stelle noch einmal der Hinweis, Warnung. Das Problem, also bei dem Fall, den wir heute ausführlich geschildert haben und jetzt auch bei diesem Fall mit dem Käse, die beiden Männer haben nicht darauf geachtet, dass sie genug Luft zum Atmen haben und dass sie tatsächlich die Luftzufuhr unter Kontrolle haben und dass ihnen in einer Notsituation gegebenenfalls geholfen werden kann. Also der Mann mit dem Käse ist unter der Plastiktüte letztlich erstickt und wenn man diese Situation sich nochmal vor Augen führt, ich sage es noch einmal als Rechtsmediziner, es gibt offensichtlich nichts, was es nicht gibt, speziell auch im Bereich Sex und autoerotische Unfälle.
Und aus meiner Sicht, jetzt zum wiederholten Male, ich muss ausdrücklich davor warnen, gefährliche sexuelle Praktiken sollte man, wenn überhaupt, nur im hochprofessionellen Kontext mit Sicherung durch andere Personen praktizieren. Auch die Rettungskette muss im Prinzip vorprogrammiert sein, für den Fall, dass etwas Unvorhergesehenes passiert. Es kommt leider immer wieder einmal zu sehr ernsthaften Zwischenfällen. Wir haben jedes Jahr tatsächlich wiederholt Todesfälle in solchen speziellen Situationen mit ungewöhnlichen sexuellen Praktiken und abgesehen von den Toten gibt es durchaus einige Menschen, die im Wachkoma, in Pflegebereichen liegen und die ihre Lust am Sex dann zwar nicht mit dem Leben, aber mit der ständigen Umnachtung bezahlt haben. Frage ein bisschen, was schlimmer ist. Es ist übrigens ganz überwiegend ein Problem der Männer. Also diese speziellen gefährlichen sexuellen Praktiken werden von 98 Prozent, kann man so etwa sagen.
Von Männern praktiziert und Frauen sind nur sehr selten betroffen. Also noch einmal jedes Jahr wieder, ich warne davor, safer Sex ist angesagt. Okay, das kann man ja wiederum zusammenfassen mit einem Satz, der für die Rechtsmedizin allgemein steht, von den Toten lernen wir für das Leben. Ich glaube wir haben mit dieser Folge auch nochmal sehr klar Hinweise gegeben, was schwierig ist, was man besser lassen sollte oder was man nur unter bestimmten Voraussetzungen machen sollte. Ja, auf jeden Fall ein interessanter Fall und wieder ganz herzlichen Dank, dass wir spannende Dinge erfahren haben und ich hoffe, unsere Hörer haben gerne zugehört und ich freue mich auf ein nächstes Mal, wenn es heißt, dem Tod auf der Spur. Ja, und ich hoffe, dass wir auch in Zukunft durch unsere spannenden Podcasts ähnlich schlimme Fälle vermeiden helfen. Also Rechtsmedizin bedeutet insoweit dann auch Prävention. Und tschüss.