ZDF, Auslandsjournal, die Podcast-Doku. Moment mal, das waren doch die Leute, die Berlin vor den Russen gerettet haben. Und die den Deutschen nach den Nazi-Jahren wieder den aufrechten Gang beibrachten. Und das kritische Denken und die Demokratie. Die überall ihre Amerika-Häuser bauten, damit wir ihre Sprache lernen und ein bisschen mehr so sein konnten wie sie.

Die halfen, unser kaputtes Land wieder aufzubauen. Die Frieden garantierten und Wohlstand und koffeinhaltige Brause. Die Fortschritt brachten und Blue Jeans und ihre Stars und ein ganz neues Lebensgefühl mit praktischen Küchen und Rock'n'Roll. Und jetzt müssen wir plötzlich feststellen, dass es dieses Land wohl nicht mehr gibt. Oder gab es dieses Land vielleicht in Wirklichkeit.

Mit diesem kurzen Gedankenspiel möchte ich Sie begrüßen zu diesem Auslandsjournal-Podcast. Ich bin Gerd Anhalt, Reporter und Autor beim ZDF und mein Thema heute ist der gefühlte Abschied von Amerika und die Zeitenwende oder besser der Epochenbruch, den vor allem aber nicht nur Donald Trump gerade der Welt aufzwingt. Bei den Betrachtungen unserer neuen und zunehmend unübersichtlichen internationalen Lage unterstützen mich Fachleute wie Daniel Marwecki, der lehrt Politikwissenschaft an der Universität von Hongkong und sorgte gerade mit seinem Buch Die Welt nach dem Westen für Aufsehen. Er meint zum Beispiel, ich glaube für Donald Trump sieht die Welt ein bisschen aus wie dieses Brettspiel Risiko, was man vielleicht kennt von früher. Professorin Gerlinde Greuckel vom Institut für Politikwissenschaft der Uni Regensburg ist Expertin für Außen- und Sicherheitspolitik der USA. Die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik war immer auch Machtpolitik.

Herfried Münkler, einer der bedeutendsten politischen Denker und Autoren im Land, emeritierter Professor der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Europäer haben das Problem zu lange verstanden. An das politische Konstrukt der Westen, also der transatlantische Westen, geglaubt zu haben. Und schließlich General im Ruhestand Ben Hodges, früher Oberbefehlshaber der US-Truppen in Europa, heute unter anderem ein wortgewaltiger Kritiker des US-Präsidenten.

Er glaubt, Trumps Griff nach Grönland würde in die Geschichte eingehen als das größte Eigentor der amerikanischen Außenpolitik.

So und weil es nun mal gerade überall diskutiert wird und weil es unversehens und ohne eigenes Zutun zum internationalen Zankapfel geworden ist, fangen wir die Geschichte doch mal dort an, wohin gerade sowieso alle schauen, nämlich nach Grönland. Das hätten sie sich auch wohl nie träumen lassen, die Menschen auf ihrer eisigen Insel im Nordatlantik, die dem Nordpol näher ist als der nächsten McDonalds-Filiale, das einmal die ganze Welt über sie sprechen und sich Gedanken um ihre Zukunft machen würde. Das war eine ganz neue Erfahrung, sagt auch Herr Möller, der im Hafen der Hauptstadt Nuuk Angelausflüge, Entenjagden und Whale-Watching für kälteresistente Touristen anbietet.

Am Anfang hat die Aufmerksamkeit uns gut getan und wir haben versucht, was draus zu machen. Aber das hat sich inzwischen geändert, weil er mehr und mehr drauf drängt und klar macht, dass er Grönland wirklich übernehmen will. Und während es uns am Anfang schon genutzt hat, sind wir jetzt ein bisschen alarmiert. Bald wird es drei neue Flughäfen geben. Früher konnte man nur über Kopenhagen einfliegen, jetzt gibt es sogar Direktverbindungen aus New York. So rückt Amerika wieder ein Stück näher Weißflughafen-Manager Lauritzen. Mit den drei neuen Flughäfen wollten wir vor allem unsere Wirtschaft entwickeln, in den Kernbereichen Tourismus und Bergbau. Bisher lebten sie fast ausschließlich vom Fischfang, aber nun boomt plötzlich der Tourismus. Sie kommen mit Kreuzfahrtschiffen oder Linienflügen und lassen vor allem bei den Betreibern von Ausflugsbooten die Kassen klingeln. Dennoch gibt es außerhalb der wenigen Siedlungen nur die unerschlossene Wildnis, Gletscher, Eisflächen und Eisberge. Trotzdem, das Klima wird ja milder und die Neugier größer und die Touristikunternehmen freuen sich. Die Zahl unserer Buchungen hat sich deutlich erhöht, besonders wegen dieses einen Herrn, der den Nachnamen Trump hat.

Der hat Grönland wieder international bekannt gemacht. Der bislang prominenteste Besucher auf Grönland war Anfang 2025 ebenfalls ein Herr mit dem Nachnamen Trump. Kam Donald Jr. da etwa als eine Art Kundschafter auf die Insel, der schon mal Maßnahmen und Ansprüche anmelden wollte? Nein, wir treffen hier keine Politiker. Da ist nichts geplant. Wir sind nur Touristen, schauen uns alles an. Als der Papa die kühne Idee das erste Mal aussprach im August 2019, da glaubte man noch an eines seiner vielen Hirngespinste. Als Baulöwe hatte Trump ganz eigene Vorstellungen. Das ist im Grunde nichts anderes als ein sehr großer Grundstücksdeal. Dänemark verliert dort jedes Jahr 700 Millionen Dollar. Sie machen also riesige Verluste. Strategisch wäre es für die Vereinigten Staaten eine nette Ergänzung. Wir sind ja ein großer Verbündeter von Dänemark und wir beschützen sie auch weiterhin.

Ungeachtet seiner angeblichen Millionenverluste zeigte sich Dänemark aber nicht an diesem Immobiliengeschäft interessiert. Im Gegenteil, die Ministerpräsidentin, die zufällig gerade die Insel besuchte, reagierte kühl. Zum Glück sind die Zeiten vorbei, als man andere Länder und ihre Bevölkerung kaufen und verkaufen konnte. Aber Scherz beiseite. Für uns sind die USA der wichtigste Verbündete und wir sind sehr an einer noch engeren strategischen Partnerschaft interessiert. Und wir freuen uns auf den bevorstehenden Besuch des Präsidenten, der sehr wichtig ist für unsere Beziehungen.

Zu früh gefreut. Trump, der auf Zurückweisung nie gut reagiert, sagte dem Besuch. Ich hatte mich auf den Besuch in Dänemark gefreut, aber die Aussage der Premierministerin, dass es eine absurde Idee sei, das war einfach böse, gemein und unangemessen. Sie hätte ja einfach sagen können, nein danke, kein Interesse. Vielleicht hat er seinen Ärger über die bösen, gemeinen Dänen vier Jahre lang gepflegt, denn kaum gewählt als 47. Präsident brachte er das Grönland-Thema wieder auf. Man weiß noch nicht mal, ob Dänemark rechtliche Ansprüche hat. Aber wenn sie die haben, dann sollten sie die aufgeben. Denn wir brauchen es für unsere Sicherheit und die der freien Welt. Wir beschützen die freie Welt. Man braucht nicht mal ein Fernglas. Man schaut da raus und da sind überall chinesische und russische Schiffe. Das lassen wir nicht zu.

In den Straßen der Hauptstadt Nuuk kann man diese Beobachtungen nicht bestätigen. Wie ein böser Fluch hängt Trumps Drohung über der Insel und inspiriert die örtliche Modesszene. T-Shirts mit der Parole, Grönland ist nicht zu verkaufen, sind gerade der Renner. Ansonsten sind die Grönländer mehr als verwundert. Den einzigen Chinesen hier, den sehe ich da drüben im Asia-Imbiss.

Und wir gehen doch im Sommer segeln und jagen. Und da habe ich noch niemals ein chinesisches oder russisches Schiff gesehen. Kein Wunder, meint General Hodges. Es gibt ja auch gar keine Chinesen dort und es kreisen auch keine Schiffe von Russen oder Chinesen um die Insel. Das ist eine absolut falsche Behauptung. Aber genauso wie es in Venezuela nicht um Drogen ging, geht es in Grönland nicht um die Sicherheit. Es ist Teil dieser Strategie für die westliche Hemisphäre. Und die sagt, das gehört uns allein.

Tatsächlich sieht man vor allem dänische Schiffe in Grönlands Gewässern. Nicht genug freilich, um eine asiatische Invasion abzuwehren, aber die steht ja offenbar doch nicht bevor. Und doch wiederholt Trump es immer wieder und hat für die Dänen, den NATO-Partner, nur Verachtung übrig. Grönland ist gespickt mit russischen und chinesischen Schiffen, überall. Wir brauchen Grönland, wegen unserer nationalen Sicherheit. Und Dänemark kann das nicht leisten. Wissen Sie, was Dänemark neulich für die Erhöhung von Grönlandsicherheit getan hat? Sie haben einen zusätzlichen Hundeschlitten in Betrieb genommen. Das stimmt! Tolle Leistung! Dabei will Kopenhagen-Grönland mit vielen Milliarden aufrüsten und öffnet dem US-Militär seit jeher Tür und Tor, weiß Militärexperte Thomas Crosby.

Deswegen hätten die USA keinen Vorteil, wenn ihre Flagge statt der Grönland-Flagge über der Hauptstadt Nuuk weht. Sie hätten nichts davon, weil sie ja jetzt schon alle Möglichkeiten haben, die sie wollen. Gäbe es irgendeinen besonderen Zugang, den sie aus Sicherheitsgründen brauchen, dann würden sie den selbstverständlich als treuer Verbündeter sofort bekommen. Mit der Verbesserung von Amerikas Sicherheit hat das Ganze rein gar nichts zu tun.

Und auch bei der Ausbeutung der Rohstoffe, Kupfer, Nickel, Lithium, seltene Erden und vieles mehr, wären die USA den Dänen ein willkommener Partner. Auch das, meinen Experten, könne wohl nicht der wahre Grund sein für den Griff nach der Insel. Der liegt wohl eher in Amerikas neuer Rolle auf der Weltbühne, so Daniel Marwecki. Ich glaube, für Donald Trump sieht die Welt ein bisschen aus wie dieses Brettspiel-Risiko, was man vielleicht kennt von früher. Die USA können eigentlich im Grunde schon all das machen, was sie machen wollen. Vielleicht will Trump einfach, dass die USA größer aussehen. Kaum hatte er seinen Amtseid abgelegt, ließ der neue Präsident den Salutschüssen vor dem Kapitol einen rhetorischen Warnschuss an die Welt folgen. Er will Grenzen verschieben. Amerika wird seinen rechtmäßigen Platz wieder einnehmen als die größte, mächtigste und respektierteste Nation der Erde. Und wir werden uns wieder als eine wachsende Nation verstehen, eine Nation, die ihren Reichtum mehrt und ihr Staatsgebiet ausweitet.

Vor ziemlich genau 200 Jahren formulierte der fünfte US-Präsident, das war James Monroe, die Doktrin, nach der keine andere Macht sich in der von Amerika beanspruchten Welthälfte breit machen dürfte. Unter dem 47. US-Präsidenten, also Donald Trump, bekommt die Doktrin nunmehr ein Update. Sie wird zur Don-Row-Doktrin, die Professorin Greutel so interpretiert. Es ist der Versuch bzw. Das Versprechen, das muss ja erst umgesetzt werden, die westliche Hemisphäre zu kontrollieren, um sicherzustellen, dass keine andere Macht bzw. Auch keine andere nationale Regierung Dinge tut, die den amerikanischen Interessen widersprechen. Also es ist der Versuch, die eigene Nachbarschaft zu dominieren. Dazu ergänzt General Hodges.

Der Präsident möchte gern seinen Namen in den Geschichtsbüchern verewigt sehen. Genauso wie seinerzeit Monroe. Aber Don Rowe, das hört sich lächerlich an. Aber die Trump-Version zur ursprünglichen Doktrin ist, dass Monroe andere fernhalten wollte. Damals waren das die Kolonialreiche, England und Spanien. Aber Trump ist bereit, Gewalt anzuwenden, um sich aus seinem Einflussbereich das zu holen, was er will.

Die Welt hielt kurz den Atem an, als am 3. Januar US-Truppen Präsident Maduro verschleppten und Venezuela durch Gewaltandrohung unter US-Aufsicht stellten, Völkerrecht hin oder her. So erstaunlich solches Vorgehen auch ist, neu war es nicht, wie zum Beispiel der Blick in eine alte US-Wochenschau lehrt. In 1950 bekam Guatemala die erste kommunistisch dominierte Regierung in der westlichen Hemisphäre. Vier Jahre später, unter Präsident Arbenz Guzman, war das Land dabei, das erste kommunistische Regime auf dieser Seite des Atlantiks zu werden. Da unterstützten die USA den jetzigen Präsidenten Fuentes moralisch und materiell dabei, Abends zu stürzen und den Kommunismus vorübergehend aus dem Westen zu vertreiben. Für unsere Sicherheit müssen wir die Karibik kontrollieren.

Und nicht nur die. Ebenfalls 1954 sorgten die Amerikaner zusammen mit den Briten dafür, dass der demokratisch gewählte Premierminister Mossadegh in Teheran gestürzt wurde. Vorausgegangen war ein Streit um die Öleinnahmen. Unruhen und Putsch wurden organisiert und der Premier durch das autoritäre und korrupte Regime des Schahs ersetzt. Deutlich weniger erfolgreich war sieben Jahre später das peinliche Debakel in der kubanischen Schweinebucht. Die CIA unterstützte eine Truppe von Exil-Kubanern bei einem Invasionsversuch. Aber statt Fidel Castro zu beseitigen, saß der Revolutionsführer danach noch fester im Sattel. Unverdrossen aber räumten die USA in ihrem Hinterhof weiter mit kommunistischen Umtrieben auf. Auf 1965 fielen sie in der Dominikanischen Republik ein und sorgten mit Waffengewalt dafür, dass ein ihnen genehmer Regierungschef an die Macht kam. Während sie sich zeitgleich auf der anderen Seite des Globus immer tiefer in Vietnam verstrickten, wo sie ebenfalls ein erstarkendes Kommunismus verhindern wollten. Dann der Putsch in Chile 1973, als ein weiterer demokratisch gewählter, aber linksgerichteter Präsident namens Allende mit CIA-Hilfe von der Armee beseitigt wurde.

Und in den 80er Jahren ging es ungebremst weiter und am 25. Oktober 1983 meldete die ZDF-Heute-Sendung.

Die USA und sechs karibische Staaten haben wenige Tage nach einem Putsch auf der Insel Grenada dort militärisch eingegriffen. Mit der Invasion sollen, wie US-Präsident Reagan erklärte, auf dem Inselstaat wieder Ordnung und Demokratie hergestellt werden. Die Mini-Insel Grenada hatte sich unvorsichtigerweise zu gut mit Kuba und Nicaragua gestellt. Auch beim Bürgerkrieg dort und in El Salvador mischten die Amerikaner kräftig mit. Nicht Ideologie, sondern Drogenvorwürfe wie nun bei Maduro machte Präsident Bush der Ältere geltend, als er 1990 den Machthaber von Panama, General Noriega, entführen und vor Gericht nach Miami bringen ließ.

Es folgten die Operation Wüstensturm am Golf, also die Befreiung Kuwaits von irakischer Besatzung, dann der Einmarsch in Irak und das Fiasko in Afghanistan. Dazu unsere Experten, zuerst Professor Münkler.

Sicher kann man sagen, guckt man sich die Geschichte der USA vor Donald Trump an, dann haben sich die USA immer mal wieder eher als Herr, denn als Hüter der Weltordnung aufgeführt. Das kann man erklären, wenn auch nicht als Entschuldigen. Sie haben sich damals darum bemüht, in irgendeiner Weise Gründe beizubringen, die völkerrechtlich relevant waren. Während halt das, was Trump jetzt als Gründe nimmt, erkennbar fadenscheinig ist. Das zeigt auch, dass eigentlich neben der Frage der völkerrechtlichen Bindungen auch die Frage der Wahrheit keine Rolle mehr spielt. Das kennen wir ja von Trump aus anderen Zusammenhängen schon. Es geht nicht mehr um Freiheit, Demokratie, es geht nicht um die Verteidigung der liberalen Seite im Kalten Krieg. Es geht einfach nur irgendwie diffus um Öl, aber auch das ist gar nicht klar. Es geht um innenpolitische Ablenkung auch, das darf man auch nicht vergessen. Und es geht auch einfach darum, Macht zu zeigen, ohne sich in lange Kriege zu involvieren. Also Trump ist ja auch auf dem Ticket gewählt worden, diese Forever Wars, die endlosen Kriege zu beenden. Die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik war immer auch Machtpolitik.

Das kommt für uns vielleicht etwas überraschend, weil wir nicht in diesen machtpolitischen Kategorien denken. Aber natürlich ist auch Raumkontrolle, die Kontrolle der eigenen Nachbarschaft und Ähnliches. Der Blick auf strategisch wichtige Knotenpunkte, auf strategisch wichtige Ressourcen und Ähnliches. Das ist einfach wichtig für eine Weltmacht. Und das, glaube ich, ist eine Sache, mit der wir heute zu kämpfen haben. Wir sind uns nicht sicher, ob es dieses Bekenntnis zu einem liberalen Konsens, der Europa und die USA aneinander bindet, als den transatlantischen Westen, ob es den noch gibt. Diese Frage haben sich viele gestellt, die den US-Vizepräsidenten Anfang 2025 bei der Münchner Sicherheitskonferenz erleben durften. Seine Rede war eher eine Kampfansage an das liberale Europa und sein Regelwerk, das den Mager-Amerikanern zutiefst zuwider ist.

Insbesondere die Regulierung des Internets ist der US-Regierung, die maßgeblich von Tech-Milliardären unterstützt wird, ein Dorn im Auge. Für mich ist die größte Bedrohung Europas nicht Russland und nicht China. Es ist keine Macht von außen. Ich bin besorgt über die innere Bedrohung. In Brüssel drohen EU-Kommissare damit, die sozialen Medien im Falle von Unruhen zu blockieren, sobald sie hasserfüllte Inhalte bemerken. Ich fürchte, in Europa ist die Meinungsfreiheit auf dem Rückzug. Und im Sinne der neuen US-Sicherheitsstrategie, die auch die Unterstützung rechtspopulistischer Kräfte in Europa zum Ziel hat, machte der Vizepräsident klar, dass ihm deren Ausgrenzung gar nicht gefällt. Die Organisierten dieser Konferenz haben die Verwaltungen verabschiedet, die Populistischen Partien auf der Seite und der Seite, von der Parteien in diese Gespräche. Es gibt keine Raum für die Feuerwehr. Einmischung ist kein Tabu mehr, obwohl das war sie eigentlich nie, oder Professor Greutel?

Auch Joe Biden zum Beispiel hat einen Demokratiegipfel veranstaltet und explizit Viktor Orban nicht eingeladen. Das könnte man auch sagen. Das ist natürlich auch eine Einmischung in innerer Angelegenheiten. Es wird halt unterschiedlich beurteilt, je nachdem, ob man es gut findet oder eben nicht. Und da würde uns gut beraten, wir wären gut beraten, wenn wir unser Urteil wirklich immer sehr scharf fehlen würden. Wirklich nicht nach politischen Belieben, sondern im Grundsatz.

Und dann muss man eben erkennen, es ist nicht ganz neu, wenn jetzt die amerikanische Politik sich einmischen will, aber sie mischt sich halt vielleicht in eine andere Richtung ein, als das in früheren Zeiten der Fall war.

Nun kann man natürlich sagen, einige europäische Politiker haben auch im Vorfeld der Wahlen eher mal für Hillary Clinton und Kamala Harris Partei ergriffen und so manches an Trump kritisiert. Na gut, aber ich glaube, das ist jetzt eher sozusagen eine Begleitmusik zum Rückzug der USA aus Europa. Also sozusagen, wenn man die Sache geostrategisch betrachtet, geht es darum, dass die USA sich aus der Position eines globalen Hegemonen verabschieden, weil die Globalität für sie zu anstrengend ist, zu viele Baustellen ihnen präsentiert. Kurzum, sie haben hier eine Überdehnung gehabt und sie wollen sich ja das gilt seit 2011 Obamas Rede zum Pivot to Asia auf den indopazifischen Raum konzentrieren und da ist in Europa in vieler Hinsicht sozusagen ein Klotz am Bein. Als Klotz am Bein empfindet jedenfalls der US-Präsident schon länger die NATO. Aber weil es ohne die USA nun mal nicht geht, besonders nicht in der Ukraine, verstieg sich Generalsekretär Rütte beim NATO-Gipfel im Juni 2025 zu unerhörten Schmeicheleien. Russen und Ukrainer wollen nicht mehr kämpfen. Sie sind wie zwei Schulkinder, die raufen wie der Teufel.

Die muss man zwei, drei Minuten gewähren lassen und dann kann man sie stoppen. Und dann muss der Papa kommen und ein Machtwort sprechen. Aber der Papa ließ sich auch mit Unterwerfungsgesten nicht besänftigen und beharrt weiter auf der Vergrößerung seines Staatsgebietes auf Kosten seiner Verbündeten. Und das kritisiert General Hodges heftig. Also worum geht es denn nun? Jedenfalls nicht um Sicherheit, sondern nur darum, dass der Präsident sagen kann, ich will nicht in Dänemark oder gar in Grönland um Erlaubnis bitten, um irgendetwas zu tun. Das liegt in unserem Bereich, das gehört uns, wir müssen es besitzen. Hier geht es um eine reine Machtdemonstration. Denn niemand kann ihn aufhalten, unglücklicherweise. Und ich glaube, dies wird in die Geschichte der amerikanischen Außenpolitik eingehen, als das größte Eigentor aller Zeiten. Denn obwohl es nicht notwendig ist, tut er es zum Preis von Vertrauensverlust seiner Alliierten, Beschädigung des erfolgreichsten Bündnisses der Weltgeschichte, verlorenen Einflusses in Europa. Und dann wenden sich manche Länder China zu, weil sie in ihm wenigstens keine Bedrohung ihrer Souveränität sehen.

Professor Münkler sieht auch die Schwachstellen Europas. Die Europäer haben das Problem zu lange.

An das politische Konstrukt der Westen, also der transatlantische Westen, geglaubt zu haben, keinen Plan B verfolgt zu haben, also den Aufbau eigener Fähigkeiten, die Herausbildung einer hierarchischen Spitze innerhalb der Europäischen Union, die auch schnell entscheiden kann. Das ist ja das Entscheidende, wenn man es mit drei Imperien oder mit drei autokratischen Figuren zu tun hat, Xi und Putin und Trump.

Dass man dann nicht sagen kann, in der Sprache meiner hessischen Heimat, Haldemar, wir brauchen dafür ein Jahr, zwei Jahre, vielleicht auch 20 Jahre oder 25 Jahre, um darüber Einigkeit zu erzählen, sondern dass man da gewissermaßen wie im Schnellschach mitziehen muss. Und wenn man nicht mehr zieht, fliegt man raus. Längst schon verbreiten patriotische KI-Pioniere ihre Vision von amerikanisch Grönland im Internet. Bomber, Panzer, Drohnen über eisigen Landschaften und die US-Flagge weht über Grönlands Gletschern. Das ist ganz im Sinne einer US-Regierung, die auf rohe Überwältigung setzt und sich als unbezwingbare Militärmacht präsentiert. Die ihr Verteidigungsministerium in Kriegsministerium umbenennt, um Angst und Ehrfurcht in die Herzen ihrer Feinde und Widersacher zu sehen. Und die Generäle aus aller Welt herbeirief, um sie auf eine neue Rücksichtslosigkeit einzuschwören, wenn sie Ordnung schaffen, wenn es sein muss, sogar im eigenen Land. Dazu der Verteidigungsverzeihung der Kriegsminister Hexeth.

Wir müssen jeden Tag auf Krieg vorbereitet sein und nicht auf Verteidigung. Wir bilden Krieger aus und nicht Verteidiger. Wir führen Kriege, um zu gewinnen und nicht, um uns zu verteidigen. Wer verteidigt, ist defensiv. Der verzettelt sich. Krieg führt man gezielt, mit klaren Vorgaben und Zielen. Wir kämpfen, um zu gewinnen.

Trump feierte seine Armee und sich selbst mit einer Parade in Washington. Von Alliierten, von der NATO, von gemeinsamen Werten des Westens ist schon lange keine Rede mehr. Nur von Stärke, Macht und von Gewalt. Amerikas Feinde haben gelernt, dass wer das amerikanische Volk bedroht, es mit unseren Soldaten zu tun bekommt. Deine Niederlage ist gewiss, dein Untergang sicher und deine Zerstörung total. Dazu Daniel Marwecki, Autor des Buches Die Welt nach dem Westen. Die USA haben ja diese liberale, globale Ordnung aufrechterhalten nach dem Kalten Krieg mit all ihren Fehlern, über die wir reden können. Donald Trump sieht von dieser Ordnung nur die Kosten, nicht den Nutzen für die USA. Und er will die Kosten loswerden, aber den Nutzen erhalten. Wie kann das klappen? Ich glaube nicht, dass es funktioniert, weil es eben auch die USA noch unglaubwürdiger macht, eigentlich als Aufrechterhalter dieser Ordnung. Und das führt eben dazu, dass dieser Rückzug, diese Besinnung zum Nationalen für Trump.

Naja, die Welt eben weiter multipolarisiert, mehr Räume eröffnet für Staaten wie Russland und China, aber genauso Indien, die anderen Bricks-Länder, die Golfstaaten etc. Donald Trump ist für mich der US-Präsident, der diesen Übergang managt hin zu einer weniger westlichen Welt. Donald Trump ist der relative Abstiegsmanager des Westens, so würde ich ihn nennen. Und da kann man auch nämlich Interventionen wie die in Venezuela lesen, nicht als Ausdruck von wachsender Stärke, sondern eher von abnehmender Dominanz. Also auch dieser Fokus auf den Hinterhof, diese Monroe-Doktrin, dieser Rückfall ins 19. Jahrhundert, der uns ja völlig absurd erscheint, ist vielleicht auch sowas wie eine Abwehr- oder Abstiegsreaktion. Wir leben in einer Welt massiver Veränderung. Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir uns in einer Welt zurechtfinden müssen, die sehr viel stärker von Wettbewerb, von strategischer Konkurrenz, auch vom Recht des Stärkeren geprägt sein wird. Wir sind momentan noch auf der Wartestation und halten am Status quo ante fest, also wünschen uns in eine Zeit zurück, die längst vorbei ist. Denn in den USA wird es kein Zurück geben und auch hier wird es kein Zurück geben, in Europa, weil die Welt in uns herum sich eben doch fundamental verändert.

Aber nicht nur wir. Auch viele Amerikaner wünschen sich zurück in eine vergangene Zeit. Oder zumindest eine, in der es noch keinen Trump gab. Dafür demonstrieren Hunderttausende in den US-Städten. Aber auch sie müssen wohl endgültig Abschied von einem Amerika nehmen, das es einfach nicht mehr gibt. Oder einem, das es in Wirklichkeit vielleicht nie gab. Auslandsjournal.