ZDF, der Auslandsjournal Adventskalender. Hinter jedem Türchen eine Geschichte. Ein Hubkonzert, das ist der Sound unseres Büros hier. Der Nil hinter mir fließt ganz langsam, ganz gemütlich in unserer Nähe. Willkommen in Kairo. Ich bin Goliné Atay. Ich berichte von hier aus über die arabische Welt für das ZDF. Viele unserer Berichte entstehen hier im Studio Kairo, wenn wir nicht gerade auf Reisen sind. Gereist sind wir dieses Jahr vor allem in Syrien. Das Land, das uns dieses Jahr am meisten beschäftigte. Von Nord nach Süd, von Ost nach West. Am Ende des Jahres, da blickt man ja gerne zurück und lässt die Dinge Revue passieren und zieht Bilanz. Das haben wir auch gemacht. Und was von unseren vielen Reisen zurückbleibt, ist vor allem Dankbarkeit.

Dankbarkeit über das Glück, am Unglück vorbeigeschrammt zu sein oder ihm gerade rechtzeitig entkommen zu sein. Zum Beispiel auf dieser Reise. Da waren wir im Süden Syriens. Wir fuhren von einer Region zur nächsten, auf der einen Seite Milizen, der Religionsgruppe der Drusen, auf der anderen Seite Regierungssoldaten. Wir waren auf einer Straße, auf der ständig etwas passiert. Schießereien, Tote. Als wir dann wieder Richtung Damaskus zurückfuhren, hielten die Regierungssoldaten uns am Checkpoint an und fragten uns, ob wir die Schießerei vorne mitbekommen hätten. Hatten wir nicht. Wir hatten Glück. Wir waren rechtzeitig aufgebrochen. Danke an die Schutzengel. Oder hier, wir fuhren durch Palmyra, die antike Ruinenstadt, die die Terrormiliz des IS ja vor zehn Jahren teilweise in die Luft gesprengt hat. Die Stadt in der Nähe, die war heftig zerstört. In den Trümmern lebten Menschen, die Armut war furchtbar. Mir fiel auch auf, wie wenig Regierungssoldaten dort die Straßen überwachen. Ich hatte ein ziemlich flaues Gefühl im Magen.

Und unsere syrischen Kollegen sagten, auf keinen Fall hier aussteigen, sondern weiterfahren. Als wir jetzt erfahren haben, dass wahrscheinlich ein IS-Terrorist genau dort in Palmyra vor kurzem zwei US-Soldaten getötet hat, da blicken wir nochmal ganz anders zurück auf unsere Fahrten durch Palmyra, die erreibungslos verliefen.

Mein Wunsch, möge dieser Ort bald wieder der Ort werden, der vor 20 Jahren noch wirklich tausende Touristen aus aller Welt in seinen Bann gezogen hat.

Glücksengel hatten wir auch bei dieser Reise dabei. Wir fuhren kreuz und quer durch Südsyrien, immer dicht vorbei an den neuen israelischen Militärstützpunkten dort. Dieses Bild mit den Araberpferden auf der Weide, aber ich glaube, das werde ich nie vergessen. Die Natur, wunderschön. Aber irgendetwas war doch schräg. Aus dem Nichts sprach eine Stimme aus einem Lautsprecher zu uns. Wir sollten uns entfernen. Es war das israelische Militär, das uns aufforderte, den Ort zu verlassen. Dann passierte noch was. Die Kamera, die hatte ständig Aussetzer. Der Kameramann drückte auf Aufnahme und die Kamera drückte auf Stopp, wie von Geisterhand. Und das passierte immer und immer wieder. Es waren wahrscheinlich irgendwelche Störsignale, die unsere Aufnahme dann unmöglich machten. Kurze Zeit später näherte sich uns eine israelische Patrouille. Ich glaube, ich habe meine arabischen Kollegen noch nie so schnell fahren sehen wie an diesem Tag. Das war wirklich von 0 auf 150. Wir hatten Glück, wieder einmal. Denn unsere Kollegen von der britischen BBC, die wurden bei ihrer Arbeit in genau der gleichen Region von den israelischen Streitkräften festgenommen. Sie wurden verhört, Hände und Auge verbunden, Fotos gelöscht. Ich bin wirklich froh und dankbar, dass wir ohne solche Vorfälle eine Woche lang in dieser Region drehen durften.

Es gibt eine Szene, an die ich wirklich gerne zurückdenke. Ich sitze in einem bekannten Kulturcafé in Damaskus und plötzlich kommt einer rein, der die Stimme der syrischen Revolution war. Der Musiker Wasfi Masarani ist aus dem Exil nach Damaskus zurückgekehrt, nach vielen, vielen Jahren. Einige staunen, umarmen ihn, seine Musik erklingt im Café. Das war für mich wirklich so ein Moment, der eine Grundwahrheit zeigt, dass wirklich am Ende jeder Dunkelheit unweigerlich das Licht zurückkommt. In dem Sinne euch ein schönes, strahlendes und lichtes Fest. Der Auslandsjournal Adventskalender. Hinter jedem Türchen eine Geschichte.