ZDF Der Auslandsjournal Adventskalender Hinter jedem Türchen eine Geschichte, Unterwegs durch Schottlands Wede Highland.
Neun Stunden lang wandern wir. Durch ziemlich viel Regen und das alles nur für ein Bier. Merry Christmas aus dem ZDF-Studio London. Ich bin Wolf-Christian Ullrich, Korrespondent im Studio. Und ich bin Pierre Blechschmidt, der Katta und Kameramann hier. Wir erzählen euch von unserer schönsten Drehreise in diesem Jahr. Im Sommer ging es nach Schottland. Zum, und jetzt muss ich aufpassen und es richtig sagen, zum abgelegensten Pub. Zum abgelegensten Pub, nicht zum einsamsten Pub von Schottland, denn die Leute, die hier hingehen, fühlen sich überhaupt nicht einsam. Die sind froh, dass sie diesen Pub haben. Wir haben diese Reise gemacht für das ZDF Mittagsmagazin als Mima Reporter und wir haben diese Reise zu zweit und zu Fuß gemacht. Zehn Stunden über die Highlands. Und was wir euch dabei zeigen wollten, waren schönste Highlands, schönste Seen, klaren blauen Himmel. Ja, wir haben mit Sonnenschein gerechnet. Ja, genau so hatten wir uns das vorgestellt. Und dann passierte folgendes, wir kamen an und es fing an, aus Eimern zu gießen. Und zwar die ganze Zeit lang. Und das ist einerseits irgendwie lustig und andererseits ist es ein Problem, weil wir haben natürlich sensible Technik dabei. Und das ist nicht so leicht, damit zu drehen, wenn es feucht wird. Ja, man muss die Kamera abdecken. Drohne fliegen ist schwierig. Ich fliege auch nicht wirklich. Ganz genau. Und dann vor allen Dingen überall grau. Also es war irgendwie ein bisschen furchtbar. Aber Pierre hat das Beste daraus geholt. Ich habe versucht, das Beste draus zu machen und wie das geworden ist, zeigen wir euch jetzt.
Der Weg führt uns durch riesige Rhododendronbüsche. Die lieben das milde, dauerfeuchte Klima hier in den kaledonischen Wäldern. Teil einer besonderen Pflanzenwelt. Denn hier wächst ein Regenwald in gemäßigtem Küstenklima.
Sie planen hier eine Waldbrücke, wollen von dieser Küste bis zur nächsten neuen Regenwald pflanzen, denn der ist hier heimisch. Der schmale Pfad führt uns durch dichte Farne und an Wasserfällen vorbei, den Fjord immer im Blick. Das ist Loch Hölle und wir gehen jetzt über die Berge zum Loch Himmel. Wir gehen also in die richtige Richtung, von der Hölle zum Himmel. Aber den Weg zum Himmel gibt's nicht ohne Mühen. Ich könnte jetzt mal so ein Mittagessen gebrauchen. So eine Stulle oder so, das wäre ganz gut jetzt. Bergführerin Lissi führt mich zur einzigen Hütte am Wegesrand. Und nutzt die Wanderpause für ein bisschen Motivation. Wir haben die Hälfte an Höhenmetern schon geschafft. Wir sind gut in der Zeit. Den meisten geht es so, sie erfreuen sich an der tollen Natur hier. Und dann freuen sie sich auf ein schönes Bier.
Unsere Wege führen über riesige private Anwesen. Doch jeder darf in Schottland wandern und sogar zwei Tage lang campen, solange man seinen Müll mitnimmt. So, es regnet, es stürmt. Wir haben viereinhalb Stunden geschafft. Das ist der höchste Punkt unserer Wanderung. Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Aber wir haben noch viereinhalb Stunden vor uns bis zum einsamsten Pub von Schottland.
Der Cape Wrath Trail gehört zu den spektakulärsten Fernwanderwegen im Vereinigten Königreich. Am Wegesrand immer wieder sprudelnde Gebirgsbecher. So klar, dass man von ihnen trinken kann. Schließlich erreichen wir Loch Himmel. Der Weg ist das Ziel, das begreifen wir spätestens jetzt. Wahnsinn, nach neun Stunden Wanderung, 24 Kilometer, haben wir endlich das einsamste Pub von Schottland erreicht. Ich bin echt müde und jetzt gibt es erstmal ein schönes Bier. 130 Menschen wohnen in Inverie aus zehn Nationen. Der Pub ist ihr Treffpunkt. Sie arbeiten im Forst, im Bau, im Tourismus. An der Bar erholt sich Danny Gorman von einem anstrengenden Tag. Ich kam 2007 für drei Wochen zum Bäume pflanzen. Und jetzt bin ich immer noch hier. Damals standen noch Ian und Jackie Robertson am Tresen. Sie erinnern sich an wilde Zeiten. Das ist hier sehr abgelegen. Wir hatten bis vor kurzem kein Fernsehen, kein Internet, kein Telefon, also haben wir selbst für Unterhaltung gesorgt. Feuerschlucker, Bauchtänzer und Limbo-Tänzer, das konnte man sich nicht ausdenken. Jede Nacht ist hier was passiert.
Ian, Jackie und ihre Freunde lieben die Ruhe und die Freiheit im abgelegenen Invery. Wir jedoch müssen weiterziehen und nehmen das Boot, die tägliche Verbindung zur Außenwelt. Und wir wären gerne länger geblieben in den friedlichen, wilden Highlands. Das war ein super Abenteuer und es war aber nicht das einzige Mal, dass uns hier auf den britischen Inseln das Wetter so richtig einen Strich durch die Drehrechnung gemacht hat. Ich erinnere mich, vor zwei Jahren, war ich gerade hier neu angekommen in London, da sind wir beide auch wieder zu zweit gefahren auf die Shetland-Inseln, ganz, ganz im Norden unseres Berichtsgebiets, zur Appellia. Ein Wikinger-Karneval. Das größte Feuerfest Europas. Das wir gedreht haben, es ist eine tolle Geschichte geworden, nur leider ist es so stürmisch geworden, dass wir dann noch weitere drei Tage festgesessen sind. Unser Flieger ging nicht nach Hause, die Fähre fuhr nicht, es gab einfach keinen Weg. Ja, und dann sitzt man da, im Hotelzimmer und fährt durch die Gegend, guckt sich den Sturm an. Dann haben übrigens noch schöne Bilder gedreht, die die Kollegin Hilke Petersen dann in einer Schottland-Doku verwendet hat.
Die Prozession schlängelt sich durch den 13.000-Seelen-Ort. Gestandene Wikinger, gefolgt von fröhlichen Vasallen. Es ist wahnsinnig beeindruckend. 900 Fackelträger leuchten hier die Nacht. Es ist das größte Feuerfestival Europas. Die Stimmung ist einfach magisch. Im Schlepptau haben sie das nagelneue Schiff, das schließlich unter dem Jubel der Schaulustigen seine Jungfernfahrt in ein Flammenmeer erlebt. Es ist fantastisch, ein echtes Highlight. Wenn ich nach Shetland heimkehre, um die Appellia zu sehen, dann ist das so schön, so viel Spaß und man spürt die Gemeinschaft hier.
Bis heute gilt, nur wer hier seine Heimat hat, darf auch eine Fackel tragen und die Erinnerung pflegen an die Wikinger, die vor mehr als tausend Jahren ihre Heimat auf den Shetland-Inseln fanden. Wir wünschen euch, dass ihr ohne Sturm, ohne Schnee, ohne Chaos zu euren Liebsten nach Hause kommt, zu Weihnachten in diesem Jahr und ein schönes Weihnachtsfest habt und ein glückliches und friedliches neues Jahr. Alles Gute aus London. Frohe Weihnachten.