In einem Waldstück in der Nähe der russischen Grenze treffe ich den Chef der ukrainischen Armee. Es ist das erste Mal, dass Alexander Sirsky als Chef der Armee einem europäischen Fernsehsender ein Interview gibt. Als er vor knapp zwei Jahren zum Armeeschef ernannt wurde, forderte er einen Wandel der Kriegsführung. Was hat er selbst erreicht und wie sieht es an der Front aus? Der General sieht die Lage seiner Truppe anders als in manchen Medien dargestellt. Dass auch er angesichts der vielen Verluste traurig ist, erzählt er auch. Das russische Narrativ lautet, sie würden bereits Pakrofs kontrollieren. Sie beschreiben, dass die Lage vor Ort völlig anders ist. Sie kommen gerade von dort. Können Sie mir schildern, wie es ist, in einer Stadt wie Pakrofs zu sein? Wie sieht es denn dort momentan aus?

Es sieht so aus, dass der nördliche Teil der Stadt unter unserer Kontrolle steht und unsere Einheiten alles kontrollieren, was faktisch ungefähr die Hälfte von Pukrovsk ausmacht. Und im südlichen Teil befinden sich russische Truppen, die das schwierige Wetter ausnutzen, den dichten Nebel, also eine Situation, in der man keine Drohnen einsetzen kann. Sie dringen in die Stadt ein und bauen dort nach und nach ihre Kräfte auf. Und gerade im unteren Teil, an den Zugängen zur Stadt, finden sehr harte Kämpfe statt. Leider spielt das Wetter den Besatzern in die Hände. Es begünstigt sie. Und Russland hat während dieser Operation mehr als 13.000 seiner Soldaten verloren, getötet oder verwundet.

Derzeit führen wir eine andere Operation durch, auf der anderen Flanke, wo es uns allein in einem Monat, binnen zwei Wochen gelungen ist, mehr als 50 Quadratkilometer zu befreien. Im südwestlichen Teil von Pokrovsk haben wir aktuell 13 Quadratkilometer direkt in der Stadt unter Kontrolle und halten sie. Und dieses Gebiet wächst täglich. In einigen deutschen Medien ist jetzt die Information erschienen und gedruckt worden, dass die russische Armee Pokrovsk eingenommen habe. Ich kann erneut mit voller Gewissheit bestätigen, dass diese Information nicht der Wirklichkeit entspricht. Wir halten den nördlichen Teil der Stadt unter unserer Kontrolle. Und die russische Armee verliert weiterhin ihre Soldaten direkt in Pokrovsk. Und wir halten sowohl die Stadt als auch den Ballungsraum. Aber die Ukraine verliert ebenfalls viele Soldaten. Richtig?

Ja, leider verlieren wir auch viele. Und für mich persönlich ist das ein großer Schmerz. Aber Russland verliert ein Vielfaches mehr seiner Soldaten. Unsere Helden verteidigen unser Land und die russischen Soldaten sind Eindringlinge. Eindringlinge, die in unser Land gekommen sind und versuchen es zu erobern. Sie töten und zerstören unsere Wirtschaft, unsere friedlichen Städte, Kleinstädte, Siedlungen, alles, was ihnen auf dem Weg begegnet.

Wir haben jetzt einen völlig anderen Krieg als vor zwei Jahren. Es ist ein Drohnenkrieg, oder? Können Sie erzählen, was es für Sie und Ihre Soldaten bedeutet? Wie kann sich jemand diesen Krieg vorstellen, der nicht dabei ist?

Tatsächlich beobachten wir einen rasanten Paradigmenwechsel im Krieg. Früher, zu Beginn dieses Krieges, da haben Sie völlig recht, wurde der Krieg auf traditionelle Weise geführt. Das heißt durch Offensiven von Bataillonsgruppen, Panzerkolonnen, großen Massen an Infanterie. Jetzt aber hat sich die Lage mit dem Auftauchen einer riesigen Zahl verschiedenster Drohnentypen völlig verändert. Heute kann man sich weder den Krieg, noch die Arbeit der Kommandeure, noch die Arbeit der Stäbe, noch die Entscheidungsfindung ohne die Berücksichtigung des Faktors Drohne vorstellen. Und der Kampf gegen Drohnen, die Vernichtung feindlicher Drohnen und ihrer Startplätze, von denen aus diese Drohnen gestartet werden, ist Aufgabe Nummer eins für jeden Kommandeur. Das heißt, dieser Faktor ist an die erste Stelle des Krieges gerückt.

Jetzt machen Drohnen praktisch 60 Prozent am gesamten Anteil der Feuerwirkung aus. Früher lag die Hauptrolle bei der Artillerie mit bis zu 80 Prozent der Feuerkraft gegen den Gegner. Jetzt ist die Artillerie zurückgedrängt und nimmt nur noch 40 Prozent ein. Und 60 Prozent entfallen eben auf die Drohnen. Drohnen entwickeln sich ständig weiter, werden ständig verbessert. Schon jetzt werden in vielen Drohnen, in vielen Systemen Elemente künstlicher Intelligenz eingesetzt. Zur Zielansteuerung, zur automatischen Zielerfassung und Zielvernichtung.

Sie beschreiben, dass sich alles verändert im Vergleich zu früher. Es gibt einige Experten aus Deutschland, die sagen, wenn der Westen seine Unterstützung für die Ukraine nicht verändert, dann wird die Ukraine diesen Krieg verlieren. Stimmen Sie dem zu? Es würde nicht ändern, dass die Unterstützung für die Ukraine, die Ukraine verliert. Würdest du sagen? Natürlich, Natürlich benötigt ein Krieg dieses Typs eine riesige Menge an Ressourcen verschiedenster Art, eine riesige Menge an Raketen und Munition. Und selbstverständlich kann ein Land, das schon vier Jahre lang Krieg führt, das aus eigener Kraft nicht bewältigen. Pecilo. Wenn man die Größe, das Ausmaß der russischen Wirtschaft und der russischen Rüstungsindustrie berücksichtigt, natürlich übertrifft sie uns.

Außerdem müssen wir noch einen weiteren gewaltigen Aspekt erwähnen, die täglichen Luftangriffe der russischen Drohnen auf unsere Infrastruktur, unsere Industrie, unsere Energieanlagen, Einrichtungen der zivilen Versorgung und praktisch auf die Städte selbst. Einmal von 130 bis 400. Täglich schlagen zwischen 130 und 400, manchmal bis zu 700 Drohnen ein, manchmal in Kombination mit Marschflugkörpern und ballistischen Raketen, erzeugt das enormen Druck, enorme Belastung und einen riesigen Verbrauch an Ressourcen, Vor allem von Luftverteidigungsmitteln, speziellen Flugabwehrraketen, Abfangraketen unserer Luftverteidigung, Abfangsysteme, die gegen die Drohnen kämpfen, gegen die Marschflugkörper. Und natürlich auch von Patriots, die in der Lage sind, ballistische und radioballistische Raketen abzuwehren.

Es ist klar, dass die meiste Munition in westlichen Ländern produziert wird und diese Ausrüstung wird ständig gebraucht, besonders Raketen und andere Munition. Als Trump verändert seine Politik für die Ukraine komplett, Wenn Trump seine Politik der Unterstützung für die Ukraine komplett ändert, dann wird Deutschland in der Zukunft eine größere Rolle spielen. Was erwarten Sie von Deutschland?

Nun, zuerst möchte ich der deutschen Regierung, dem Kanzler, dem deutschen Volk sehr danken für die permanente Unterstützung. Der Generalinspektor der Bundeswehr, Carsten Breuer, war vor einer Woche bei mir. Wir haben uns getroffen. Er hatte vor drei Tagen Geburtstag. Er hat sich in der Zeit, er hat drei Tage vorgelegt. Er braucht eine gewisse Begründung für die Begründung. An der Front wird eine große Menge an Munition benötigt, in erster Linie Artilleriemunition. Und diese Munition muss unter Berücksichtigung der Besonderheiten dieses Krieges bereitgestellt werden. Hochpräzise Munition, Munition für große Entfernungen, denn die Artillerie steht jetzt aufgrund der Drohnengefahr weiter von der vordersten Front entfernt. Wir benötigen moderne Mittel der elektronischen Kampfführung.

Wir benötigen gepanzerte Transportfahrzeuge, Schützenpanzer, gepanzerte Mannschaftstransporter zum Schutz unserer Infanterie. Denn der Transport der Infanterie ist jetzt eine äußerst wichtige Aufgabe, um sie vor Drohnenangriffen zu schützen. Das ist also ein Prozess. Und natürlich benötigen wir auch unsere bilaterale Zusammenarbeit zur Entwicklung unserer eigenen Rüstungsindustrie. Der Prozess braucht natürlich auch unsere zweifelten Zusammenarbeit in der Entwicklung unserer eigenen Präumellung. Als wir uns das letzte Mal getroffen haben, waren Sie, glaube ich, drei Tage davor, zum neuen Armeeschef ernannt zu werden. Sie sagten mir damals, das Militär müsse sich verändern. Und Sie haben etwas verändert. Die Ukraine trifft jetzt Objekte auf dem russischen Territorium und greift Russland an.

Sie wissen, wie sehr dieser Angriff die Kriegspläne Russlands verändert hat. Er hat praktisch die gesamte russische Sommerkampagne zunichte gemacht und der Gegner war gezwungen, seine besten Einheiten zu verlegen. In erster Linie die Luftlandetruppen, Sturmtruppen, die Marineinfanterie. Infanterie, praktisch alle, die zu seinen Reserven gehören. Er hat sie genau in Richtung Kursk verlegt. Und damals hat sich die Lage an den Fronten deutlich verbessert.

Damals wurden aus allen Richtungen Einheiten abgezogen. Sie erinnern sich, dass die Stärke der russischen Gruppierung mehr als 70.000 betrug. Und dann noch mehr, denn um die Schlagkraft weiter zu erhöhen, haben sie weitere 12.000 nordkoreanische Soldaten mit einbezogen. Das heißt, vier vollwertige Brigaden mit Unterstützungseinheiten wurden für den Einsatz gegen unsere Gruppierung im Gebiet Kursk betätigt. Aber genau das gab uns damals die Möglichkeit, in anderen Richtungen standzuhalten. Und nur in der Richtung Pokrovsk wurde eine einzige Brigade abgezogen. Mehr wurde in der Richtung nicht abgezogen, denn für sie hatte und hat diese Richtung Priorität. Deshalb war das eine erfolgreiche Erfahrung. Und danach sind wir noch mehrere Male auch in das Gebiet Belgorod vorgedrungen. Solche Aktionen haben es uns ermöglicht, ein Vielfaches an gegnerischen Kräften zu binden.

Eine andere Richtung ist natürlich der Deep Strike. Sie wissen, dass der russische Militärhaushalt, wenn ich mich nicht irre, rund 175 Milliarden Dollar beträgt. So was in etwa. Und ein erheblicher Teil dieses Haushalts wird durch Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor gedeckt. Ungefähr 120 Milliarden Dollar.

Und eine große Teil dieser Büschel ist für die Räume der Reihenfolge, die in der Veröffentlichung und die Veröffentlichung der Veröffentlichung. Das heißt, indem wir Deep Strikes durchführen und Objekte der Öl- und Gasindustrie treffen, verringern wir die Möglichkeiten und Fähigkeiten Russlands, diesen Krieg zu finanzieren. Und die Zerstörung ihrer Infrastruktur, ihrer militärischen Anlagen, vor allem jene Objekte, in denen Waffen, Drohnen, Munition, Treibladungspulver, Komponenten und Raketensysteme und Motoren hergestellt werden. «Infrastruktur, in der flere Objekte. In der flere Objekte, in denen wir die Soldaten, Das heißt, wir wissen genau, wo welche Fabriken stehen, wo sich diese Objekte befinden. Und wir setzen unsere Drohnen erfolgreich ein, die bereits mehr als 1500 Kilometer und mehr in die Tiefe des russischen Territoriums eindringen. Und die Dronen, die mehr.

Das heißt, unsere Möglichkeiten wachsen erheblich.

Obwohl das russische Luftverteidigungssystem sehr stark ist und moderne Luftverteidigungssysteme einsetzt. Sie haben eine riesige Zahl an Raketen. Sie setzen Luftwaffe, Hubschrauber, mobile Feuereinheiten ein. Alles, was auch wir einsetzen, aber um ein Vielfaches mehr.

Unsere Drohnen erreichen trotzdem die Ziele und treffen diese Objekte. Deshalb ist das für uns eine vielversprechende Richtung. Wir entwickeln sie weiter. Und natürlich mangelt es uns an eigenen Marschflugkörpern und ballistischen Raketen. Denn man kann Drohnen und ballistische Raketen nicht vergleichen. Sie sind völlig unterschiedliche Sachen. Und hier ist ein Vergleich nicht einmal nötig. Es ist alles so, wie dronen, ballistische Rakete, absolut verschiedene Dinge. Und hier gibt es auch nicht nur eine Begründung. Also, von allen, die sprechen über Frieden, Alle sprechen jetzt vom Frieden. Aber wie soll die Ukraine diesen Frieden erreichen? Aus ihrer Perspektive? Wie sehen sie es?

Wir sind Militärs. Unsere Aufgabe ist es in erster Linie, die Aggression abzuwehren, die Angriffe des Gegners abzuwehren, seinen Vormarsch aufzuhalten und unsere Bürger zu schützen. Frieden muss auf gleichberechtigten Bedingungen beruhen. Er muss ein gerechter Frieden sein. Unter Berücksichtigung dessen, dass nicht wir Russland angegriffen haben, sondern Russland uns angegriffen hat. Und dass es unser Territorium und unsere Bürger besetzt hat. Sie haben uns fast die Hälfte des ganzen Landes zerstört, weil die Angriffe Russlands von unseren östlichen bis zu unseren westlichen Grenzen erfolgen. Und es gibt kein einziges Objekt auf ukrainischem Territorium, das nicht unter Beschuss durch feindliche Raketen oder feindliche Drohnen liegt. Deshalb muss für uns der Frieden ein gerechter Frieden sein, ein Frieden ohne irgendwelche Bedingungen. Wir können niemals die Rolle eines schwachen Landes akzeptieren, den Bedingungen diktiert und aufgezwungen werden, das vor vollendete Tatsachen gestellt wird, dem man einfach sagt, unterschreiben und fertig. So ein Frieden darf es nicht sein. Gibt es solche Momente, in denen Sie traurig sind, in denen man wegen dieser Situation weinen möchte? Gibt es solche Momente?

Ja, es gibt solche Momente, wenn man Berichte über Verluste bekommt, über Verluste unserer Soldaten, über Verluste unserer zivilen Bürger. Das ist, glauben Sie mir, so schwer und so bitter und schmerzhaft und der Schmerz zieht mein Herz zusammen. Das sind wohl die schwersten Momente und das ist jeden Tag so. Es sei кожного дня!