ZDF, der Auslabsjournal Adventskalender. Hinter jedem Türchen eine Geschichte. Mein Name ist Andreas Stamm. Ich bin seit Sommer diesen Jahres Korrespondent in Brüssel, Europas Hauptstadt. Und ich stehe gerade im Herz dieser Hauptstadt, nämlich dem Bélomont-Gebäude. Da ist die EU-Kommission und hier am Schumann-Kreisel, das ist sozusagen das zentrale Ding. Und da geht meine Geschichte auch los. Es war nämlich mein allererster Arbeitstag hier in Brüssel. Und in Deutschland braucht der Kanzler ein, zwei Anläufe, um sich zum Kanzler wählen zu lassen. Und da waren natürlich hier große Aufregungen. Ist das jetzt wieder dieses Deutschland, was nichts hinkriegt? Also hat man irgendwann im Laufe des Tages auch nach Brüssel geschaltet. Und meine Aufgabe war eben, diese Stimmung zusammenzufassen. Und ich dachte mir dann im Heute-Journal, ja, ich habe es jetzt kapiert, so ungefähr, geh mal los. Und zum Schaltpunkt. Der Schaltpunkt ist da unten, ganz runter, am unteren Ende des Balamont-Gebäudes und ich taperte da so hin und auf den Weg dachte ich, was erzählst du jetzt eigentlich? Was sind die Fragen? Okay, was könnt ihr wissen wollen? Jojo, läuft.
Aber lief nicht so richtig, weil ich mich verlaufen habe. Denn wenn man da vorne ein bisschen zu früh abbiegt, kommt man in eine Straßenschlucht und Google funktioniert nicht. Ich weiß nicht, ob es hier Tracking-Sender gibt, keine Ahnung. Ich war völlig los. Ich wusste auf einmal nicht mehr, wo ich war und die Zeit lief. Oh mein Gott, ich muss ja zum Schaltpunkt. Ich muss zum Schaltpunkt. Diese Baustelle hier macht es auch überhaupt nicht besser. Das ist die Geschichte für Weihnachten 2026, 2027, denn die Brüsseler Stadtregion ist pleite. Hier wird wahrscheinlich nie weitergebaut. Keiner weiß das so genau, aber das beim nächsten Weihnachtsfest. Also, ich bin auf dem Weg, weiß nicht, wo ich bin. Rufe den Kameramann an, sag mir bitte, wo ich bin. Ich habe ihn beschrieben, die Häuser. Es war auch dunkel, 10 Uhr, heute schon abends. Wo muss ich hin? Ja, wo bist du orientiert? Die wollen schon, dass du drauf gehst, du hast nur noch zwei Minuten.
Ne, volle Kanne, Rennen, Rennen, Rennen, Rennen, Rennen. So ein Bungs über die Straße, drüber, Autos, alles egal, Hauptsache irgendwie da ankommen. Ich schaffe es dann noch irgendwie so halbwegs, es war schon ein bisschen verschoben, aber das Ohr, damit ich was höre aus Mainz, die Frage geht los und dann merke ich erst mal, ich habe überhaupt keine Luft mehr, nicht nada. Ich weiß gar nicht, wie ich antworten soll. Das sieht man dann ja auch. Andreas Stamm ist in Brüssel. Was erwartet denn Europa jetzt von Deutschland und der neuen Regierung?
Ja, ein bisschen weniger, deutlich weniger als noch heute Morgen vor diesem Fehlstart. Ich glaube, am deutlichsten wird das. Man hat sehr stark gehofft, hier auf Friedrich Merz, dass er das, was er auch häufig betont hat in den vergangenen Wochen, nämlich dass er Deutschland Führungsrolle in Europa wieder besetzen will, dass das passiert. Aber nach diesem ersten Wahlgang hörte sich das dann hier so an. Ich zitiere mal, das Scheitern dieses Wahlgangs ist eine Art Donnerschlag. So die Vorsitzende der liberalen Fraktion im EU-Parlament und Emmanuel Macron, Frankreichspräsident, rechte Hand. Und ein Vertrauter von Giorgio Meloni, der Ministerpräsidentin Italiens, der sagte, es ist ein kleiner Schock. Deutschland galt eins als Säule der Stabilität. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Andreas Stamm, ZDF Brüssel. Bisschen außer Atem noch, Andreas, aber herzlichen Dank. Du hast es rechtzeitig in die Sendung geschafft. Vielen Dank. Was danach kam, kann man sich vorstellen. Wer Kollegen, Kolleginnen hat, braucht keine Feinde. Es gab natürlich viel zu lachen, viel Häme, ob ich denn in Brüssel schon erdrückt würde, ob es mir denn wirklich gut gehen würde hier nach meinem ersten Tag oder ob ich schon wieder zurück wollte. Nee, ich bin geblieben und ich finde es mega spannend, auch wenn es manchmal erdrückend ist, was hier in Europas Hauptstadt passiert.
Und wir sind in Belgien, also es muss dreisprachig sein, macht hier eigentlich nur der König. Der arme Mann, der muss das wirklich bei jeder Ansprache irgendwie über die Bühne bringen, wenn es wirklich wichtig ist. Schwaye Noel, plättige Kerstagen, frohe Weihnachten. Der Auslandsjournal Adventskalender. Hinter jedem Türchen eine Geschichte.