WEBVTT

00:00:02.757 --> 00:00:03.477
ZDF,

00:00:06.057 --> 00:00:10.537
Vater Unseher, du in Himide bist, Din namowerdiger Heiligott,

00:00:10.917 --> 00:00:16.637
Din rieche komme, Unter der Linden, an der Heide, Da unser zweier Bette was.

00:00:17.297 --> 00:00:23.477
Habe nun, ach, Philosophie, Juristerei und Medizin und leider auch Theologie

00:00:23.477 --> 00:00:26.277
durchaus studiert, mit heißem Bemühen.

00:00:26.437 --> 00:00:29.137
Hey, Bock auf chillen heute Abend? Zwinker-Smiley.

00:00:30.017 --> 00:00:32.297
Ich bin gerade bei PA. Ich schaff das später. See you.

00:00:45.887 --> 00:00:51.207
Was ihr da gerade gehört habt, das waren Beispiele aus der rund 1200 Jahre langen

00:00:51.207 --> 00:00:52.967
Geschichte der deutschen Sprache.

00:00:53.307 --> 00:00:56.167
Vermutlich haben die meisten von euch die ersten Zeilen des Vaterunsers aus

00:00:56.167 --> 00:00:59.387
dem Jahr 1000 gar nicht verstanden. Mir ging es ehrlich gesagt ähnlich.

00:00:59.927 --> 00:01:03.607
Bei dem Lied Unter der Linden von Walter von der Vogelweide,

00:01:03.687 --> 00:01:08.507
das ungefähr um das Jahr 1200 entstanden ist, war es schon ein kleines bisschen einfacher.

00:01:08.507 --> 00:01:13.607
Den Auszug aus Goethes Faust, den habt ihr vermutlich auf Anhieb kapiert und

00:01:13.607 --> 00:01:15.967
den fiktiven, modernen Chat sowieso.

00:01:16.187 --> 00:01:19.607
Aber wie hat sich Deutsch zu der Sprache entwickelt, die es heute ist?

00:01:19.807 --> 00:01:24.147
Seit wann sprechen wir Hochdeutsch? Und stimmt es wirklich, wie immer wieder

00:01:24.147 --> 00:01:28.087
zu lesen ist, dass die deutsche Sprache durch zu viele englische Begriffe,

00:01:29.087 --> 00:01:34.627
geschlechtergerechte Sprache, Messenger, Chats und KI heute vom Niedergang bedroht ist?

00:01:36.927 --> 00:01:40.407
Ich bin Mirko Drotschmann und ihr hört Terra X History, der Podcast.

00:01:40.687 --> 00:01:44.927
Und in dieser Folge wollen wir euch mitnehmen zu den Ursprüngen der deutschen Sprache.

00:01:45.107 --> 00:01:49.187
Was sie mal war und wie sie zu dem werden konnte, was sie ist.

00:01:49.407 --> 00:01:52.587
Die Entwicklung der deutschen Sprache war auch durch viele Zufälle geprägt.

00:01:52.807 --> 00:01:57.447
Erstmals im Jahr 1901 wurde dann die deutsche Rechtschreibung normiert.

00:01:58.490 --> 00:02:02.130
Interessant ist, dass es in der langen Sprachgeschichte des Deutschen immer

00:02:02.130 --> 00:02:06.590
wieder Phasen gegeben hat, in denen Gelehrte, Adlige oder Intellektuelle die

00:02:06.590 --> 00:02:11.350
deutsche Sprache definieren und von Fremdeinflüssen gewissermaßen säubern wollten.

00:02:11.810 --> 00:02:15.850
Aber Deutsch hat, wie die meisten anderen Sprachen, immer auch unter dem Einfluss

00:02:15.850 --> 00:02:20.930
von Fremdsprachen gestanden, wie etwa Latein oder Französisch und sich weiterentwickelt.

00:02:20.930 --> 00:02:25.430
Für viele Sprachwissenschaftler ist Deutsch daher eine multikulturelle Sprache.

00:02:25.610 --> 00:02:30.070
Man könnte auch sagen, ohne beispielsweise Latein oder Französisch gäbe es das

00:02:30.070 --> 00:02:32.650
Deutsch, so wie wir es heute kennen, überhaupt gar nicht.

00:02:32.890 --> 00:02:36.990
Wörter aus Latein und Französisch, Englisch und Griechisch, aber auch russische

00:02:36.990 --> 00:02:41.050
oder italienische Begriffe wurden im Verlauf der Geschichte immer wieder mal

00:02:41.050 --> 00:02:46.110
direkt übernommen, mal eingedeutscht. Oder wusstet ihr, dass Konto eigentlich

00:02:46.110 --> 00:02:47.710
ein italienisches Wort ist?

00:02:47.850 --> 00:02:52.130
Oder der Streik ursprünglich auf das englische strike zurückgeht?

00:02:52.410 --> 00:02:55.690
Manchmal hat man für fremde Ausdrücke dann auch was ganz Eigenes erfunden.

00:02:56.690 --> 00:03:01.150
Handy für ein mobiles Telefon. Klingt englisch, ist es aber gar nicht.

00:03:01.370 --> 00:03:07.390
In England fragt man nach dem Mobile Phone, in den USA nach dem Severer Phone oder Cell Phone.

00:03:07.670 --> 00:03:11.330
Handy kennt in den englischsprachigen Ländern kein Mensch.

00:03:14.770 --> 00:03:17.690
Hi, ich bin Caroline Ball und Autorin von New York Daltbüchern.

00:03:17.850 --> 00:03:20.610
Und das Besondere an der deutschen Sprache für mich ist tatsächlich,

00:03:20.790 --> 00:03:25.710
dass man recht viel umschreiben kann und unfassbar viele Möglichkeiten hat,

00:03:25.870 --> 00:03:30.910
verschiedene Dinge auszudrücken und das auf die unterschiedlichste Art und Weise.

00:03:31.250 --> 00:03:35.990
Ich persönlich verzweifle manchmal an der Kommasetzung, das ist mein Endgegner.

00:03:36.350 --> 00:03:41.430
Und ich liebe, liebe, liebe Wortkreationen, also sowas wie Herzschlag, Augenblicke.

00:03:41.590 --> 00:03:45.370
Man hat einfach direkt ein Bild im Kopf und kann damit arbeiten und für jeden

00:03:45.370 --> 00:03:50.010
bedeutet das ein bisschen was anderes. Heute gibt es schätzungsweise 130 Millionen

00:03:50.010 --> 00:03:52.270
Menschen auf der Welt, die Deutsch sprechen.

00:03:52.750 --> 00:03:55.510
Deutsch ist in sechs Ländern Amtssprache und zwar in Deutschland,

00:03:55.750 --> 00:03:58.490
Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg und Belgien.

00:03:59.030 --> 00:04:02.510
Auch im italienischen Südtirol ist Deutsch die Provinzamtssprache.

00:04:02.950 --> 00:04:06.270
Dazu kommen auch noch die vielen Dialekte und regionalen Ausdrücke, die es gibt.

00:04:06.490 --> 00:04:10.970
Ein schönes Beispiel ist etwa der Name für Kleingebäcke, die im nördlichen Teil

00:04:10.970 --> 00:04:16.510
Deutschlands Brötchen heißen, weiter südlich dann eher Weg, Semmel oder Weckli.

00:04:16.850 --> 00:04:23.650
Das Deutsche ist wortwörtlich eine Sprache in Bewegung und das seit mehr als 1200 Jahren.

00:04:27.170 --> 00:04:31.710
Sowohl auf Latein als auch in der Volkssprache. So ist es zu den Beschlüssen

00:04:31.710 --> 00:04:35.710
einer Kirchenversammlung in England aus dem Jahr 786 vermerkt.

00:04:36.270 --> 00:04:41.490
Mit Theodiske ist hier in der Volkssprache gemeint, also das damals in England

00:04:41.490 --> 00:04:44.730
gesprochene Altenglisch aus der westgermanischen Sprachfamilie.

00:04:44.730 --> 00:04:47.630
Es ist eng mit dem späteren Deutsch verwandt.

00:04:50.590 --> 00:04:53.430
Nur zwei Jahre später kommt es im Jahr 788.

00:04:54.377 --> 00:04:58.577
In Bayern zu einem aufsehenerregenden Prozess. Tassilo III.,

00:04:58.577 --> 00:05:04.057
bayerischer Herzog und Vetter Karls des Großen, ist wegen angeblicher Fahnenflucht angeklagt.

00:05:04.277 --> 00:05:09.777
Er wird erst zum Tode verurteilt, dann aber begnadigt und zu lebenslanger Klosterhaft verurteilt.

00:05:10.057 --> 00:05:15.217
In der Anklageschrift heißt es Quod Theodisca lingua haris litz dikitur.

00:05:15.457 --> 00:05:20.117
Und wieder taucht der Begriff Theodisca auf. Denn das Urteil wird dem bayerischen

00:05:20.117 --> 00:05:25.377
Herzog nicht wie üblich nur in Latein, sondern anschließend auch in seiner Volkssprache verlesen.

00:05:25.577 --> 00:05:28.277
Aber was war dieses Theodiskus jetzt genau?

00:05:28.637 --> 00:05:32.157
Naja, zuerst ging es nur darum, die jeweilige Volkssprache mit diesem Überbegriff

00:05:32.157 --> 00:05:33.537
von Latein zu unterscheiden.

00:05:33.737 --> 00:05:37.477
Mit der Zeit wurde aus dem Wort das althochdeutsche Diutisk.

00:05:37.577 --> 00:05:42.837
Und um das Jahr 1000 tauchten die Begriffe Diutic oder Diutisk auf.

00:05:43.257 --> 00:05:46.557
Im Anno-Lied zu Ehren des Kölner Erzbischofs Anno II.

00:05:46.957 --> 00:05:52.917
Aus dem späten 11. Jahrhundert ist dann erstmals die Rede von den Deutschen und ihrem Land.

00:05:58.017 --> 00:06:01.677
Wobei das mit dem deutschen Land ja so eine Sache ist, denn Deutschland gab

00:06:01.677 --> 00:06:03.677
es damals in der heutigen Form noch gar nicht.

00:06:03.777 --> 00:06:08.157
Und die Menschen waren auch noch weit davon entfernt, sich selbst als deutsch zu bezeichnen.

00:06:08.437 --> 00:06:12.397
Deshalb gab es auch keine einheitliche Sprachgemeinschaft. Von den Alpen bis

00:06:12.397 --> 00:06:16.977
zur Nordsee existierte ein Flickenteppich aus Dialekten. Man verstand sich wohl

00:06:16.977 --> 00:06:20.817
irgendwie untereinander einigermaßen, aber Althochdeutsch bezog sich damals

00:06:20.817 --> 00:06:22.597
auf alle möglichen Dialekte.

00:06:22.857 --> 00:06:25.657
Bayerisch, Schwäbisch oder auch Sächsisch.

00:06:28.197 --> 00:06:31.957
Was wir von dieser frühen Sprachstufe heute noch kennen, sind Texte,

00:06:32.037 --> 00:06:34.077
die meist in Klöstern aufgeschrieben wurden.

00:06:34.337 --> 00:06:40.197
Die Schriftsprache der Gebildeten, allen voran Priester, Mönche und Nonnen, war damals Latein.

00:06:40.720 --> 00:06:44.760
Die Volkssprache war die Alltagssprache. Irgendwann begannen die Mönche,

00:06:44.960 --> 00:06:49.260
kleine Erklärungshilfen und altdeutsche Übersetzungen in ihre lateinischen Bücher

00:06:49.260 --> 00:06:51.120
zu schreiben, sogenannte Glossen.

00:06:51.620 --> 00:06:54.700
Die wurden über oder hinter ein lateinisches Wort geschrieben.

00:06:55.100 --> 00:07:00.420
Im Bayerischen Kloster Freising war so um das Jahr 770 das erste Buch in deutscher

00:07:00.420 --> 00:07:02.780
Sprache entstanden. Der Abrogans.

00:07:02.960 --> 00:07:05.440
Eigentlich ein Synonym-Wörterbuch für Latein.

00:07:05.700 --> 00:07:10.460
Das Wort Abrogans war der erste Eintrag in diesem Wörterbuch. Daher der Name.

00:07:10.720 --> 00:07:14.060
Abrogans kann man auf Deutsch mit demütig übersetzen.

00:07:14.340 --> 00:07:17.860
In vielen Klöstern entstanden in den folgenden Jahrzehnten Abschriften dieses

00:07:17.860 --> 00:07:20.180
Abrogans, aber auch weitere Glossare.

00:07:20.700 --> 00:07:25.600
Viele tausend Wörter wurden so im Laufe der Zeit vom Lateinischen ins Deutsche übertragen.

00:07:26.180 --> 00:07:30.180
Eines der frühesten noch erhaltenen Wörterbücher stammt aus dem späten 8. Jahrhundert.

00:07:30.720 --> 00:07:36.020
Aufbewahrt wird es im Kloster St. Gallen, der Codex St. Galensis 911. Elf.

00:07:46.041 --> 00:07:50.621
Na, habt ihr das verstanden? Genau, das waren Himmel, Sonne und Mond.

00:07:50.941 --> 00:07:54.581
Die meisten frühen deutschen Texte haben sich mit geistlichen Themen befasst.

00:07:54.721 --> 00:07:58.881
Es gab aber auch Ausnahmen, wie das Hildebrandts Lied mit weltlichem Inhalt.

00:07:59.161 --> 00:08:02.861
Dieses Lied war besonders wichtig für die Entwicklung der deutschen Sprache.

00:08:03.121 --> 00:08:08.661
Es ist das älteste Zeugnis eines germanischen Heldenliedes und erzählt die Geschichte

00:08:08.661 --> 00:08:13.841
eines tragischen Duells zwischen Vater Hildebrandt und seinem Sohn Hadubrandt.

00:08:16.441 --> 00:08:21.181
Ich gehörte tatsächlich, dass sich Urheetum, Ähnung, Murtin,

00:08:21.661 --> 00:08:25.021
Hildebrandt, Enti, Hadubrandt, ich hörte es erzählen.

00:08:25.861 --> 00:08:30.661
Herausforderer traten einander entgegen. Hildebrandt und Hadubrandt zwischen

00:08:30.661 --> 00:08:32.801
zwei Heeren unter Herr Jun Tuem.

00:08:33.381 --> 00:08:37.181
Aufgeschrieben wurde das Lied im frühen 9. Jahrhundert im Kloster Fulda.

00:08:37.501 --> 00:08:40.781
Mönche haben diesen weltlichen Inhalt in einer Handschrift notiert.

00:08:41.121 --> 00:08:45.061
Warum sie das getan haben, das wissen wir nicht. Die Geschichte des Liedes selbst

00:08:45.061 --> 00:08:47.561
geht zurück auf die mündliche Erzähltradition der Germanen.

00:08:48.221 --> 00:08:53.041
Aber dank der Klöster wurde zum ersten Mal eine Geschichte in der Volkssprache,

00:08:53.081 --> 00:08:55.421
also damals im Althochdeutschen, verfasst.

00:08:58.561 --> 00:09:03.181
Sohn und Vater rüsteten ihre Rüstungen. Sie machten ihre Kampfgewänder bereit

00:09:03.181 --> 00:09:07.041
und gürteten sich die Schwerter, gurtunen sich ihre Schwerter nahe.

00:09:07.511 --> 00:09:10.311
Wie die Menschen im Alltag untereinander wirklich gesprochen haben,

00:09:10.711 --> 00:09:12.611
das lässt sich daraus natürlich nicht ableiten.

00:09:12.771 --> 00:09:16.871
In fast jeder Region Deutschlands sprachen die Menschen einen eigenen Dialekt.

00:09:17.051 --> 00:09:22.331
Aber wie wurde aus diesem Flickenteppich an Sprachen, an Dialekten am Ende eine

00:09:22.331 --> 00:09:24.211
gemeinsame Sprache, das Hochdeutsche?

00:09:24.511 --> 00:09:27.531
Genau darüber spreche ich jetzt mit dem Literatur- und Sprachwissenschaftler

00:09:27.531 --> 00:09:30.451
Michael Schwarzbach-Dobson von der Universität Köln.

00:09:30.611 --> 00:09:33.691
Michael, hallo, ich freue mich, dass du da bist. Ja, schön, dass ich mit dir sprechen kann.

00:09:34.031 --> 00:09:36.971
Dein Spezialgebiet ist das Mittelalter. Jetzt nehmen wir mal an,

00:09:37.051 --> 00:09:39.311
wir lesen eine Textnachricht aus dem 12. Jahrhundert.

00:09:39.671 --> 00:09:42.991
Also jetzt mal ganz fiktiv. Natürlich gab es damals noch keine Möglichkeiten,

00:09:43.051 --> 00:09:46.451
irgendwas digital zu verschicken. Würden wir denn diese Nachricht überhaupt verstehen?

00:09:46.891 --> 00:09:50.531
Ja, das ist eine gute Frage. 12. Jahrhundert, da sind wir natürlich ungefähr

00:09:50.531 --> 00:09:52.651
in der Sprachstufe des Mittelhochdeutschen.

00:09:53.251 --> 00:09:57.791
Das würden wir mit unserem Gegenwartsdeutsch teilweise verstehen, würde ich sagen.

00:09:57.971 --> 00:10:01.611
Also die Sprachbarrieren liegen sicherlich einerseits im Sprachwandel.

00:10:01.911 --> 00:10:05.031
Das heißt, einige Vokale würden uns etwas ungewohnt vorkommen.

00:10:05.691 --> 00:10:09.351
Andererseits sicherlich aber auch im Bedeutungswandel. Also wir würden vielleicht Wörter erkennen.

00:10:09.551 --> 00:10:13.351
Diese Wörter haben aber im Mittelhochdeutschen noch eine andere Bedeutung,

00:10:13.451 --> 00:10:16.591
Semantik gehabt. Das heißt, wir würden sie heute anders gebrauchten.

00:10:16.811 --> 00:10:18.911
Und dann gibt es natürlich auch Wörter im Mittelhochdeutschen,

00:10:18.991 --> 00:10:20.471
die wir heute einfach schlicht gar nicht mehr kennen.

00:10:20.751 --> 00:10:25.131
Und da müssen wir dann im Wörterbuch nachschlagen, wenn wir die Textnachricht verstehen wollen.

00:10:25.611 --> 00:10:28.651
Hast du da ein Beispiel für ein besonders schönes Wort, das wir heute gar nicht mehr kennen?

00:10:29.131 --> 00:10:33.091
Das Mittelhochdeutsche hat tatsächlich noch zwei Wörter für die ganz grundlegenden

00:10:33.091 --> 00:10:35.551
Richtungen links und rechts, die wir heute nicht mehr haben,

00:10:35.811 --> 00:10:37.891
nämlich Winster für links und Zesse für rechts.

00:10:38.291 --> 00:10:43.151
Die findet man im Artus-Roman oder wo auch immer, wenn man in mittelalterlicher Literatur liest.

00:10:43.371 --> 00:10:46.911
Die sind aber heute komplett verschwunden, beziehungsweise sie wurden schon

00:10:46.911 --> 00:10:52.651
im Laufe des Hochmittelalters langsam ersetzt durch Ableitungen aus den mittelhochdeutschen

00:10:52.651 --> 00:10:56.931
Adjektiven link, also ungeschickt, und recht, gerade richtig.

00:10:57.751 --> 00:11:00.871
Das heißt, man merkt sofort, diese neuen Wörter, also unsere Richtungsangaben

00:11:00.871 --> 00:11:02.511
links und rechts, sind eigentlich sehr wertend.

00:11:02.931 --> 00:11:07.131
Also im Linken schwingt immer das Defizitäre, das Linkische mit oder auch die

00:11:07.131 --> 00:11:09.631
Täuschung, so wie wir heute ja auch sagen, du wurdest gelinkt.

00:11:10.662 --> 00:11:14.802
Das Rechte ist dafür eng verwandt mit dem Rechten, dem Gerechten oder Richtigen.

00:11:15.022 --> 00:11:18.082
Und da kann man sich natürlich fragen, wie passiert das, dass so grundlegende

00:11:18.082 --> 00:11:20.422
Wörter eigentlich ersetzt worden sind?

00:11:20.962 --> 00:11:25.262
Sicherlich ein Grund etwa, dass das Christentum, ja, in der Bibel haben die

00:11:25.262 --> 00:11:28.502
Richtungen links und rechts ganz dezidierte moralische Aufladungen.

00:11:28.682 --> 00:11:31.102
Also man soll den rechten Weg einschlagen, nicht den linken.

00:11:31.342 --> 00:11:35.362
Können auch Alltagserfahrungen sein, also der Großteil der Menschheit ist Rechtshänder.

00:11:35.522 --> 00:11:38.542
Das heißt, wir merken alle, dass das, was mit der rechten Hand einigermaßen

00:11:38.542 --> 00:11:40.082
gut funktioniert, mit der linken nicht klappt.

00:11:40.662 --> 00:11:44.462
All das kann dazu beitragen, dass bestimmte Wörter verschwinden und durch neue,

00:11:44.582 --> 00:11:46.602
die anscheinend besser gepasst haben, ersetzt werden.

00:11:46.922 --> 00:11:50.682
Das ist wirklich spannend. Ich hätte jetzt auch auf die Erklärung mit der Hand getippt.

00:11:50.862 --> 00:11:54.302
Die linke ist da die schwächere Hand bei vielen als die rechte.

00:11:54.422 --> 00:11:56.902
Aber auf jeden Fall sehr interessant, diesen Einblick da mal zu bekommen.

00:11:56.982 --> 00:12:00.682
Jetzt müssen wir aber sagen, wenn wir nach der Geschichte fragen und uns damit

00:12:00.682 --> 00:12:03.982
beschäftigen, wo liegt denn überhaupt der Ursprung des Deutschen?

00:12:04.142 --> 00:12:08.142
Kann man das so festmachen? Wir haben so erste schriftliche deutsche Texte etwa

00:12:08.142 --> 00:12:09.762
ab dem 8. Jahrhundert überliefert.

00:12:09.942 --> 00:12:13.042
Das heißt, ab dieser Zeit haben wir ein relativ gutes Verständnis dafür,

00:12:13.142 --> 00:12:14.702
wie die Schriftsprache aussieht.

00:12:15.282 --> 00:12:19.342
Das ist zu diesem Zeitpunkt 8. Jahrhundert noch die althochdeutsche Sprachstufe.

00:12:19.462 --> 00:12:20.942
Die ist uns heute sehr fremd.

00:12:21.082 --> 00:12:24.362
Also die Textnachricht aus dem 8. Jahrhundert würden wir gar nicht mehr verstehen

00:12:24.362 --> 00:12:25.842
eigentlich mit unserem Gegenwartsdeutsch.

00:12:26.422 --> 00:12:30.502
Und dann alles, was vor dem althochdeutschen liegt, müssen wir größtenteils rekonstruieren.

00:12:30.782 --> 00:12:33.962
Man geht von einer indoeuropäischen Sprachfamilie aus, sehr große,

00:12:34.082 --> 00:12:35.402
sehr alte Sprachfamilie. Vielen Dank.

00:12:35.689 --> 00:12:39.189
Zu der auch die germanischen Sprachen gehören, die vielleicht etwa im ersten

00:12:39.189 --> 00:12:42.229
Jahrtausend vor Christus entstanden sind und sich dann im Lauf der nächsten

00:12:42.229 --> 00:12:45.549
Jahrhunderte in unterschiedliche Sprachzweige aufgeteilt haben,

00:12:45.649 --> 00:12:47.549
etwa Nordgermanisch oder Westgermanisch,

00:12:47.989 --> 00:12:50.549
aus dem dann auch letztlich das Deutsche hervorgegangen ist.

00:12:50.969 --> 00:12:55.369
Es gibt ja einige andere indoeuropäische Sprachen, zu denen ja auch das Deutsche

00:12:55.369 --> 00:12:58.089
gehört. Die klingen ganz ähnlich, Niederländisch zum Beispiel.

00:12:58.329 --> 00:13:00.949
Wenn man genau hinhört, kann man den ein oder anderen Satz auch verstehen.

00:13:01.349 --> 00:13:04.089
Auch im Englischen gibt es Begriffe, die nicht weit vom Deutschen entfernt liegen.

00:13:04.089 --> 00:13:06.809
Aber irgendwann sind diese Sprachen auseinandergedriftet.

00:13:06.989 --> 00:13:10.869
Was hat das denn zu tun mit der sogenannten zweiten Lautverschiebung im 8.

00:13:10.989 --> 00:13:13.289
Jahrhundert? Kannst du mal kurz erklären, was da genau passiert ist?

00:13:13.289 --> 00:13:18.729
Die zweite Lautverschiebung beschreibt einen Konsonantenwechsel, der im 8.

00:13:18.809 --> 00:13:23.329
Jahrhundert ungefähr abgeschlossen ist, aber schon so um 600 nach Christus eingesetzt

00:13:23.329 --> 00:13:26.009
hat. Das heißt, es ist ein sehr langes Sprachphänomen.

00:13:26.269 --> 00:13:30.429
Und diese zweite Lautverschiebung sorgt dafür, dass sich das Hochdeutsche aus

00:13:30.429 --> 00:13:34.209
der germanischen Sprachgruppe ausgliedert und damit eben auch von anderen germanischen

00:13:34.209 --> 00:13:35.149
Sprachen unterscheidet.

00:13:35.149 --> 00:13:37.869
Das funktioniert, wie gesagt, über einen Konsonantenwechsel,

00:13:38.089 --> 00:13:42.889
also zum Beispiel Verschiebung von T zu S, Englisch Water, Deutsch Wasser oder

00:13:42.889 --> 00:13:46.549
P im Wortanlaut zu PF, Englisch Plow, Deutsch Flug.

00:13:47.309 --> 00:13:50.189
Es hat aber auch zu einer Unterteilung des Deutschen selbst geführt,

00:13:50.289 --> 00:13:54.809
denn nur ein Teil des deutschen Sprachraums macht diese zweite Lautverschiebung

00:13:54.809 --> 00:13:57.989
mit, nämlich genau den Teil, den wir jetzt Hochdeutsch nennen.

00:13:57.989 --> 00:14:00.809
Das ist vor allem so das heutige Süd- und Mitteldeutschland.

00:14:01.029 --> 00:14:04.489
Da geht quasi so eine Ost-West-Grenze einmal durch den deutschen Sprachraum,

00:14:04.549 --> 00:14:07.889
die nennt man die Benrather Linie, weil sie mitten durch den heutigen Düsseldorfer

00:14:07.889 --> 00:14:08.929
Stadtteil Benrath geht.

00:14:09.169 --> 00:14:14.149
Geht dann so nördlich von Kassel, südlich von Magdeburg quasi in Ost-West-Richtung einmal durch.

00:14:14.629 --> 00:14:17.529
Alles, was südlich davon ist, macht die zweite Lautverschiebung mit,

00:14:17.649 --> 00:14:22.129
Hochdeutsch. Alles, was nördlich davon ist, macht die zweite Lautverschiebung nicht mit.

00:14:22.269 --> 00:14:24.829
Und man bezeichnet diesen Sprachraum dann als Niederdeutsch.

00:14:25.489 --> 00:14:28.409
Und wir haben durch die zweite Lauschverschiebung im deutschen Sprachraum eine

00:14:28.409 --> 00:14:32.129
ganz grundlegende Trennung, die die Sprache für viele Jahrhunderte prägen wird.

00:14:32.844 --> 00:14:39.084
Wie war das denn damals? Gab es auch eine Sprache oder einen Dialekt zu dieser

00:14:39.084 --> 00:14:41.324
Zeit, den alle verstanden haben?

00:14:41.624 --> 00:14:45.024
Gab es zum Beispiel das Mittelhochdeutsche, das man verstanden hat,

00:14:45.104 --> 00:14:48.284
egal ob man jetzt irgendwo ganz im Süden unterwegs war oder ganz im Norden?

00:14:48.284 --> 00:14:50.764
Nein, das wird es so in der Form sicherlich nicht gegeben haben.

00:14:50.904 --> 00:14:54.244
Also wir müssen davon ausgehen, dass generell Dialekte zu der Zeit noch deutlich

00:14:54.244 --> 00:14:57.084
stärker ausgeprägt gewesen sind, als wir das heute haben.

00:14:57.224 --> 00:14:59.724
Aber auch die Schriftsprache ist keine einheitliche.

00:14:59.964 --> 00:15:03.704
Also das Mittelhochdeutsche ist keine normierte Sprache. Wir haben keine geregelte

00:15:03.704 --> 00:15:07.004
Orthographie, keinen Duden, der uns sagt, wie ein bestimmtes Wort geschrieben

00:15:07.004 --> 00:15:10.024
wird. Das heißt, jeder hat geschrieben, so wie er halt auch gerade gesprochen

00:15:10.024 --> 00:15:11.544
hat, etwas überspitzt gesagt.

00:15:11.984 --> 00:15:15.064
Und da haben wir tatsächlich eben die Unterteilung des deutschen Sprachraums

00:15:15.064 --> 00:15:16.984
in ganz unterschiedliche Dialektbereiche.

00:15:17.064 --> 00:15:21.424
Also einen alemanischen Sprachraum im Süden oder Südwesten, fränkische Dialekte

00:15:21.424 --> 00:15:24.304
im Westen, niederdeutsche Dialekte im Norden und so weiter und so fort.

00:15:24.744 --> 00:15:28.744
Also man wird sich schon irgendwie verständigt haben, grundlegend, denke ich.

00:15:29.004 --> 00:15:32.764
Wir reden ja hier nicht von vollkommen fremden Sprachen, aber die Verständung

00:15:32.764 --> 00:15:36.904
kann durchaus im Einzelfall sehr mühsam gewesen sein. Es gibt einen ganz berühmten

00:15:36.904 --> 00:15:41.184
Text aus dieser Frühzeit der deutschen Sprache und zwar das Nebelungenlied aus dem 13.

00:15:41.384 --> 00:15:44.664
Jahrhundert, also diese Heldengeschichte von Siegfried, dem Drachentöter und

00:15:44.664 --> 00:15:47.944
von seiner Liebe zur burgundischen Königssochter Krimhild.

00:15:48.404 --> 00:15:52.424
Da heißt es in der ersten Strophe, ich versuche das jetzt mal abzulesen,

00:15:52.504 --> 00:15:53.984
aber ich kriege das wahrscheinlich nicht so gut hin.

00:15:54.084 --> 00:15:56.444
Deshalb übernimm dann gerne, wenn es ganz schrecklich wird.

00:15:56.864 --> 00:16:00.984
Da heißt es, Zitat, uns ist in Alten, also bis dahin kriege ich das noch hin

00:16:00.984 --> 00:16:09.404
und jetzt mehren wunders viel geseit von Helden, Lobebären von großer Arbeit, Arbeit.

00:16:09.884 --> 00:16:13.604
Von Freuden hochgeziehten.

00:16:14.064 --> 00:16:16.624
Das war wahrscheinlich falsch, oder? Nein, ist schon ganz okay.

00:16:16.624 --> 00:16:19.384
Okay, von Weinen und von Klagen kriege ich wieder hin.

00:16:19.964 --> 00:16:25.344
Von Kühner Reckens Drieten Muget ihr nu Wunder hören sagen.

00:16:26.156 --> 00:16:29.276
Also ungefähr so ähnlich. Ungefähr so ähnlich, ja.

00:16:30.156 --> 00:16:34.136
Ja, das war so fest. Ich verstehe jetzt inhaltlich ehrlich gesagt nur die Hälfte.

00:16:34.216 --> 00:16:35.956
Man kann sich das eine oder andere vielleicht ableiten.

00:16:36.176 --> 00:16:40.176
Aber mit diesem Nibelungenlied verbunden ist was ganz Besonderes.

00:16:40.276 --> 00:16:42.736
Was denn genau und welche Rolle spielt das für die Geschichte der deutschen

00:16:42.736 --> 00:16:47.476
Sprache? Ja, das Nibelungenlied ist vielleicht also für unsere Kulturgeschichte

00:16:47.476 --> 00:16:49.596
fast genauso wichtig für die Sprachgeschichte.

00:16:49.736 --> 00:16:53.656
Also wir haben ja beim Nibelungenlied eine ganz starke Rezeption, vor allem im 19.

00:16:53.876 --> 00:16:57.656
Jahrhundert auf der Theaterbühne Hebel, auf der Opernbühne Wagner.

00:16:57.656 --> 00:17:02.436
Das heißt, man fängt plötzlich an, sich sehr stark für diesen Erzählstoff zu interessieren,

00:17:03.036 --> 00:17:06.056
gleichzeitig verbunden mit dem Versuch, das Nibelungenlied dann auch als so

00:17:06.056 --> 00:17:10.556
eine Art deutsches Nationalepos darzustellen, hat aber eben dafür gesorgt,

00:17:10.656 --> 00:17:13.476
dass man sich über die Auseinandersetzung mit dem Originaltext beschäftigt.

00:17:13.868 --> 00:17:17.488
Auch stärker für die Sprache, für das Mittelhochdeutsche interessiert hat.

00:17:17.848 --> 00:17:21.948
In diesem Zuge dann auch die ersten Germanistik-Lehrstühle zum Beispiel entstanden

00:17:21.948 --> 00:17:25.468
sind an den Universitäten, wo man tatsächlich am Anfang vor allem Texte wie

00:17:25.468 --> 00:17:28.668
das Nibelungenlied oder den Minnesang sich angeschaut hat.

00:17:28.908 --> 00:17:31.688
Das ist der eine Punkt. Und der andere Punkt, wenn wir uns den mittelalterlichen

00:17:31.688 --> 00:17:35.748
Text selbst mal anschauen, ist das Nibelungenlied insofern interessant,

00:17:35.748 --> 00:17:39.368
als diese Verschriftlichung des Erzählstoffs um 1200.

00:17:39.928 --> 00:17:44.648
Nicht unbedingt mit der Erfindung dieser Erzählung um Siegfried und so weiter gleichzusetzen ist.

00:17:45.028 --> 00:17:49.668
Weil tatsächlich vorher bereits über Jahrhunderte wahrscheinlich mündliche Erzählungen

00:17:49.668 --> 00:17:52.628
um Siegfried und die anderen kursiert sind.

00:17:52.788 --> 00:17:55.428
Und zwar in weiten Teilen Europas, nicht nur im deutschen Sprachraum.

00:17:55.928 --> 00:17:59.608
Und dann ist es natürlich spannend zu schauen, wie schlägt sich diese lange

00:17:59.608 --> 00:18:03.008
mündliche Erzähltradition jetzt plötzlich in der Schrift nieder.

00:18:03.168 --> 00:18:04.528
Und was macht das mit der Schrift?

00:18:04.688 --> 00:18:07.408
Und was hat die Schrift da mit der Mündlichkeit gemacht?

00:18:07.928 --> 00:18:11.908
Und jetzt hast du gerade schon was anderes genannt, das damit eng verbunden

00:18:11.908 --> 00:18:15.788
ist und über das wir an dieser Stelle auch sprechen sollten, nämlich den Minnesang.

00:18:16.048 --> 00:18:20.148
Da gibt es einen Namen, der sicher vielen präsent ist, nämlich Walter von der Vogelweide.

00:18:20.528 --> 00:18:24.748
Diese Minnegesänge waren auch wichtig für die Entwicklung der deutschen Sprache. Inwiefern denn?

00:18:25.028 --> 00:18:27.868
Generell kann man vielleicht sagen, dass die höfische Literatur,

00:18:28.048 --> 00:18:32.048
also neben dem Minnesang meinetwegen auch der Artus-Roman, sehr stark von Frankreich

00:18:32.048 --> 00:18:37.208
beeinflusst wurde. Also Frankreich ist sowieso zu der Zeit die Leitkultur schlechthin.

00:18:37.388 --> 00:18:41.388
Im Mittelalter war in Frankreich einfach eine sehr weitentwickelte Hofkultur

00:18:41.388 --> 00:18:45.188
vorhanden und die hat man dann im deutschsprachigen Raum auch versucht zu imitieren.

00:18:45.308 --> 00:18:48.788
Und das ging eben einher mit der Übernahme von französischen Wörtern,

00:18:48.888 --> 00:18:52.848
also etwa unsere heutigen Wörter Abenteuer oder Preis kommen daher,

00:18:53.188 --> 00:18:56.808
aber auch eben Elemente höfischer Kultur, etwa diese Vorstellung von Liebe.

00:18:56.808 --> 00:19:03.028
Und die eben im Minnesang auf eine sehr komplexe Art und Weise diskutiert, verhandelt werden.

00:19:03.388 --> 00:19:07.848
Schon in dieser Frühstufe der Lyrik hat man extrem komplexe Experimente mit

00:19:07.848 --> 00:19:10.068
Reihentechniken, mit Strophenformen.

00:19:10.168 --> 00:19:13.748
Ich kann da wirklich nur jedem empfehlen, sich die Texte mal im Original anzuschauen.

00:19:13.788 --> 00:19:16.728
Die sind schon beeindruckend auf ihre Art und Weise.

00:19:17.262 --> 00:19:21.122
Und für die Entwicklung der deutschen Sprache kann man natürlich auch überlegen,

00:19:21.302 --> 00:19:26.482
ob sich diese Etablierung eines literarischen Systems, in dem Minnesänger aufeinander

00:19:26.482 --> 00:19:30.782
Bezug nehmen, sozusagen auf Lieder anderer Minnesänger antworten und so weiter.

00:19:31.342 --> 00:19:36.722
Nicht tatsächlich schon langsam so etwas entwickelt, was zu einer Vereinheitlichung

00:19:36.722 --> 00:19:38.942
der Schriftsprache zumindest beiträgt.

00:19:38.942 --> 00:19:43.382
Weil man eben über die gleichen Themen diskutiert an unterschiedlichen Orten

00:19:43.382 --> 00:19:47.182
und das irgendwie auch dann natürlich miteinander in Verständigung bringen muss.

00:19:47.182 --> 00:19:53.642
Und dann kommt der Buchdruck, der für einen Wandel in ganz vielen Bereichen

00:19:53.642 --> 00:19:58.342
sorgt, auch was die Sprache angeht, der Buchdruck mit beweglichen Lettern, genauer gesagt im 15.

00:19:58.482 --> 00:20:04.642
Jahrhundert durch Johannes Gensfleisch oder auch bekannt als Johannes Gutenberg, erfunden in Mainz.

00:20:04.842 --> 00:20:07.682
Welche Rolle spielt denn das für die Entwicklung der deutschen Sprache?

00:20:07.802 --> 00:20:09.342
Welchen Schub gibt das der Entwicklung?

00:20:09.342 --> 00:20:14.182
Der Medienwandel hat sicherlich enorm zu einer Vereinheitlichung der deutschen

00:20:14.182 --> 00:20:15.522
Schriftsprache beigetragen,

00:20:15.982 --> 00:20:18.702
vor allem wenn wir an die Masse an Druckerzeugnissen denken,

00:20:18.942 --> 00:20:21.642
also etwa Flugblätter und Flugschriften im Kontext der Reformation,

00:20:22.042 --> 00:20:25.902
also sowohl von der lutherischen wie der antilutherischen Seite wurde da das

00:20:25.902 --> 00:20:27.902
neue Medium des Drucks enorm in Anspruch genommen.

00:20:28.470 --> 00:20:31.270
Dennoch sollte man vielleicht ein bisschen vorsichtig sein bei der Beurteilung

00:20:31.270 --> 00:20:33.370
des Drucks im Kontext der deutschen Sprachgeschichte.

00:20:33.690 --> 00:20:37.090
Zum einen hatte Druck die Pergamentkultur des Mittelalters nicht derart schnell

00:20:37.090 --> 00:20:38.610
ersetzt, wie man das manchmal annimmt.

00:20:39.010 --> 00:20:43.870
Und zum anderen waren auch die frühen Druckerzeugnisse noch eine Zeit lang von

00:20:43.870 --> 00:20:46.850
dialektaler Sprache geprägt. Also es hat da auch etwas gedauert,

00:20:46.910 --> 00:20:49.930
bis sich gewisse Standards der Vereinheitlichung durchgesetzt haben.

00:20:50.150 --> 00:20:54.050
Und nicht zu vergessen ist, dass ein Großteil der Druckerzeugnisse aus lateinischen

00:20:54.050 --> 00:20:55.290
Texten bestand, nicht aus deutschen.

00:20:55.450 --> 00:20:58.990
Schlicht, weil da einfach man sozusagen die breite Gelehrtengeschicht bedienen

00:20:58.990 --> 00:21:02.170
konnte und man konnte seine Texte auch über den deutschen Sprachraum hinaus

00:21:02.170 --> 00:21:05.510
verkaufen, weil Latein sozusagen jeder Gelehrte in Europa sprach.

00:21:05.830 --> 00:21:09.630
Erst im 17. Jahrhundert werden überhaupt mehr Deutsche als lateinische Texte gedruckt.

00:21:09.670 --> 00:21:12.990
Vorher war das Verhältnis ganz umgekehrt. Einige Jahrzehnte nach der Erfindung

00:21:12.990 --> 00:21:16.870
des Buchdrucks mit beweglichen Lettern kam dann ein Mann ins Spiel,

00:21:17.250 --> 00:21:21.890
der auch für Veränderung gesorgt hat, nämlich Martin Luther mit seiner Übersetzung

00:21:21.890 --> 00:21:24.450
der Bibel aus dem Lateinischen ins Deutsche.

00:21:25.150 --> 00:21:28.550
Und er stand vor der großen Herausforderung, dass er eine Sprache finden musste,

00:21:28.730 --> 00:21:33.810
die in weiten Teilen der deutschen Gebiete verstanden wird, was gar nicht so einfach ist.

00:21:33.930 --> 00:21:37.870
Du hast das schon beschrieben, wie es zu dieser Zeit war. Wie ist er dabei vorgegangen?

00:21:38.310 --> 00:21:43.050
Und welche Rolle spielt Martin Luther tatsächlich bei der Vereinheitlichung der deutschen Sprache?

00:21:43.330 --> 00:21:47.090
Bei einer Person wie Luther ist es sicherlich nötig, etwas genauer hinzusehen,

00:21:47.250 --> 00:21:50.770
weil da der Mythos doch dann manchmal etwas größer ist als die Wirklichkeit.

00:21:51.410 --> 00:21:54.950
Also schon vor Luther entwickelten sich im 15. Jahrhundert im hochdeutschen

00:21:54.950 --> 00:21:57.390
Sprachraum eigentlich zwei bedeutende Zentren der Schriftlichkeit.

00:21:57.790 --> 00:22:01.350
Und das eine war so die Kaiserliche Kanzlei, der Habsburger in Wien,

00:22:01.450 --> 00:22:02.890
das andere befand sich in Sachsen.

00:22:03.390 --> 00:22:07.190
Das war einfach so, weil es an diesen Orten wichtige Verwaltungszentren und

00:22:07.190 --> 00:22:11.010
bedeutende Handelswirtschaftsorte gab, die einfach auch viel Schriftverkehr

00:22:11.010 --> 00:22:14.850
betrieben haben, wodurch dann ihre Schriftsprache auch eine große Reichweite bekommen hat.

00:22:14.970 --> 00:22:17.450
Kanzleien, die so Verwaltungen betrieben haben.

00:22:17.850 --> 00:22:20.430
Das heißt, zu Luthers Zeit haben wir eigentlich schon zwei Sprachzentren,

00:22:20.530 --> 00:22:22.330
die für so eine gewisse Vereinheitlichung sorgen.

00:22:22.430 --> 00:22:25.030
Das eine ist Bayerisch-Habsburgisch, das andere ist Maisnisch,

00:22:25.110 --> 00:22:27.490
wie man die sächsische Schreibsprache oft genannt hat.

00:22:28.128 --> 00:22:32.088
Und Luther hat dann in seiner Bibelübersetzung vor allem Elemente des Sächsisch-Meißnischen

00:22:32.088 --> 00:22:35.988
übernommen, hat es aber auch durch süddeutsche Ausdrücke ergänzt,

00:22:36.088 --> 00:22:38.288
teilweise sogar auch niederdeutsche Wörter verwendet.

00:22:38.768 --> 00:22:42.428
Also eigentlich etwas zugespitzt formuliert hat er so eine Art Mischsprache

00:22:42.428 --> 00:22:44.848
genutzt, die eigentlich überall ganz gut angekommen ist.

00:22:45.568 --> 00:22:49.668
Also er hat gewissermaßen schon vorhandene Vereinheitlichungstendenzen gebündelt

00:22:49.668 --> 00:22:53.548
und verstärkt, die dann aber eben auch aufgrund der weiten Verbreitung seiner

00:22:53.548 --> 00:22:57.148
Bibelübersetzung großen Einfluss auf die Vereinheitlichung der deutschen Sprache

00:22:57.148 --> 00:22:59.088
oder der deutschen Schriftsprache gehabt hat.

00:22:59.408 --> 00:23:03.328
Und dort, wo er keine Wörter gefunden hat, hat er einfach welche erfunden, oder?

00:23:03.588 --> 00:23:06.788
Es gibt so ein paar Wörter, sowas wie Machtwort zum Beispiel,

00:23:07.008 --> 00:23:08.748
die auf Luther zurückgehen tatsächlich, genau.

00:23:09.148 --> 00:23:13.148
Sehr spannend. Wir stellen also fest, Sprache verändert sich natürlich kontinuierlich.

00:23:13.148 --> 00:23:16.388
Und es ist immer wichtig, die Hintergründe zu kennen. Und die haben wir jetzt

00:23:16.388 --> 00:23:17.208
von dir erklärt bekommen.

00:23:17.308 --> 00:23:19.728
Ganz herzlichen Dank. Ja, vielen Dank, dass ich da sein durfte.

00:23:22.128 --> 00:23:25.948
Ja, interessant ist, dass wir seit dem Mittelalter viele Wörter verloren haben,

00:23:26.048 --> 00:23:27.408
die damals üblich gewesen sind.

00:23:27.608 --> 00:23:32.108
Zum Beispiel den Begriff Lütz, womit die Menschen im Mittelalter klein gemeint haben.

00:23:32.348 --> 00:23:35.708
Und im 16. Jahrhundert gab es noch keine einheitlichen Regeln,

00:23:35.848 --> 00:23:39.168
wie Deutsch geschrieben werden sollte. Jeder hat so geschrieben, wie er wollte.

00:23:39.548 --> 00:23:44.448
Nach Gehör sozusagen und auch regional unterschiedlich. Aber nach und nach entwickelte

00:23:44.448 --> 00:23:46.468
sich das Deutsche dann auch zu einer Literatursprache.

00:23:47.448 --> 00:23:51.668
Noch Mitte des 18. Jahrhunderts waren allerdings etwa die Hälfte der niedergeschriebenen

00:23:51.668 --> 00:23:53.888
deutschen Schriften religiöse Texte.

00:23:54.028 --> 00:23:56.468
Aber dann hat sich etwas geändert.

00:23:58.628 --> 00:24:03.268
Solange die Welt steht, sind keine Erscheinungen so merkwürdig gewesen,

00:24:03.348 --> 00:24:05.648
als in Deutschland die Romanleserei.

00:24:06.352 --> 00:24:11.212
Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Romane im geheimen Menschen und

00:24:11.212 --> 00:24:13.312
Familien unglücklich gemacht haben.

00:24:13.492 --> 00:24:19.052
Heißt es im Pamphlet über die Pest der deutschen Literatur aus dem Jahr 1795

00:24:19.052 --> 00:24:21.472
zur Zeit der Französischen Revolution.

00:24:22.072 --> 00:24:27.592
Um 1800 scheint es so etwas wie einen ersten Romanboom in deutscher Sprache gegeben zu haben.

00:24:27.832 --> 00:24:31.132
Es lag auch daran, dass immer mehr Menschen lesen und schreiben konnten,

00:24:31.652 --> 00:24:36.092
Leihbibliotheken und Lesegesellschaften entstanden. Und junge Literaten wie

00:24:36.092 --> 00:24:39.772
Friedrich Schiller begannen, neue Ausdrucksformen auszuprobieren.

00:24:41.992 --> 00:24:48.932
Freude schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium, Wir betreten feuertrunken

00:24:48.932 --> 00:24:51.352
himmlische, dein Heiligtum.

00:24:52.012 --> 00:24:58.552
Deine Zauber binden wieder, was der Modeschwert geteilt, Bettler werden Fürstenbrüder,

00:24:59.012 --> 00:25:01.112
wo dein sanfter Flügel weilt.

00:25:02.157 --> 00:25:05.577
Deutsche Sprache war Kunst und Ausdruck des Selbstgefühls.

00:25:05.997 --> 00:25:10.697
Literaten wie Goethe, Schiller oder von Eichendorff schufen so schöne neue deutsche

00:25:10.697 --> 00:25:14.097
Wörter wie Mondnacht oder Götterfunken.

00:25:14.237 --> 00:25:17.337
Aber sie haben noch geschrieben, wie es ihnen gefiel.

00:25:17.657 --> 00:25:20.837
Verbindliche Regelungen, was Rechtschreibung und Grammatik anbelangte,

00:25:21.257 --> 00:25:22.477
entwickelten sich gerade erst.

00:25:22.697 --> 00:25:25.937
Und eine einheitliche Aussprache, die gab es auch noch nicht.

00:25:26.297 --> 00:25:29.937
Jeder hat noch im 19. Jahrhundert gesprochen, wie er wollte.

00:25:30.597 --> 00:25:35.757
König, Könisch oder König, das hing ganz davon ab, wo man in Deutschland lebte.

00:25:36.017 --> 00:25:40.837
In Schleswig-Holstein, dem Rheinland oder in Bayern. Teilweise hört man das heute auch noch.

00:25:44.897 --> 00:25:49.197
1898, Deutschland war da längst Kaiserreich, hatte der Germanistikprofessor

00:25:49.197 --> 00:25:51.097
Theodor Siebs eine Idee.

00:25:51.377 --> 00:25:55.877
Der gebürtige Bremer und Spezialist für das Friesische legte unter seiner Leitung

00:25:55.877 --> 00:26:01.457
ein Aussprachewörterbuch vor, das schon ein Jahr danach im Schulunterricht verbindlich wurde.

00:26:01.777 --> 00:26:04.797
Später sollte es zum Standardwerk des in der ersten Hälfte des 20.

00:26:05.017 --> 00:26:06.737
Jahrhunderts gegründeten Rundfunks werden.

00:26:07.337 --> 00:26:10.757
Siebs hatte seine Sprachnorm ursprünglich für Theaterleute geschrieben.

00:26:11.017 --> 00:26:15.957
In seiner deutschen Bühnensprache machte der norddeutsche Siebs die Schriftsprache,

00:26:15.977 --> 00:26:19.417
die sich im hochdeutschen Raum entwickelt hatte, zur Standard-Aussprache.

00:26:19.597 --> 00:26:23.757
Damals war das Königreich Preußen zur führenden politischen Macht im deutschen

00:26:23.757 --> 00:26:29.097
Kaiserreich aufgestiegen und gab jetzt gewissermaßen auch in der deutschen Sprache den Ton an.

00:26:29.557 --> 00:26:31.657
Von nun an hieß es König Friedrich.

00:26:32.288 --> 00:26:37.068
CH hinten. Die Bayern sollten nun nicht mehr China sagen, sondern China.

00:26:37.468 --> 00:26:44.648
Und Vokale vor S oder Doppel-S sollten lang ausgesprochen werden, wie in Fuß oder Maß.

00:26:44.968 --> 00:26:49.908
Noch bis weit in das 20. Jahrhundert war der Siebs die deutsche Aussprachennorm

00:26:49.908 --> 00:26:52.608
und gilt mit einigen Ausnahmen bis heute.

00:26:52.788 --> 00:26:57.428
Und ich muss zugeben, auch ich musste das ein oder andere erst mühevoll dazulernen

00:26:57.428 --> 00:26:58.988
als jemand, der aus Karlsruhe.

00:27:01.088 --> 00:27:04.668
Kommt. Mein Name ist Helga Schubert, ich bin Schriftstellerin.

00:27:05.028 --> 00:27:08.788
Das Besondere an der deutschen Sprache ist für mich, dass es meine Muttersprache

00:27:08.788 --> 00:27:11.408
ist. Ich liebe die deutsche Sprache sehr.

00:27:11.768 --> 00:27:18.568
Ich verzweifle beim Sprechen und beim Schreiben manchmal an den Geditivkonstruktionen

00:27:18.568 --> 00:27:24.408
und meine Lieblingsformulierung und Lieblingswort in der deutschen Sprache ist Samfteig.

00:27:24.628 --> 00:27:29.308
Es war, wie so oft in der Geschichte der deutschen Sprache, eine Privatinitiative,

00:27:29.408 --> 00:27:30.968
die die Entwicklung vorangebracht hat.

00:27:31.368 --> 00:27:35.668
Ähnlich war es mit der Rechtschreibung. Auch nachdem die Lutherbibel in der Mitte des 16.

00:27:35.808 --> 00:27:38.828
Jahrhunderts dem Deutschen auf seinem Weg zu einem einheitlichen Hochdeutsch

00:27:38.828 --> 00:27:42.788
einen wichtigen Schub gegeben hatte, herrschte vor allem in der Rechtschreibung

00:27:42.788 --> 00:27:44.968
nach wie vor großes Chaos.

00:27:45.348 --> 00:27:50.308
Wenn es zum Beispiel um Christ ging, dann schrieben die einen es mit CH, die anderen mit K.

00:27:50.708 --> 00:27:53.608
Manchmal hieß es auch Kerist oder Chris.

00:27:54.068 --> 00:28:00.628
Aber im Jahr 1617, ein Jahr vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges, sollte sich das ändern.

00:28:03.728 --> 00:28:08.728
24. August 1617. Auf Schloss Hornstein in Weimar.

00:28:09.088 --> 00:28:13.668
Fürst Ludwig von Anhalt Köthen lädt zu einer Trauergedenkfeier für seine verstorbene

00:28:13.668 --> 00:28:14.868
Schwester Dorothea Maria.

00:28:15.188 --> 00:28:19.368
Unter den Anwesenden sind auch vier Fürsten aus Anhalt und Sachsen-Weimar.

00:28:19.668 --> 00:28:23.988
Fürst Ludwig nutzt den Anlass, um mit ihnen die fruchtbringende Gesellschaft

00:28:23.988 --> 00:28:27.568
zu gründen, die erste Sprachakademie der deutschen Geschichte.

00:28:28.642 --> 00:28:33.362
Wessen Land, dessen Religion. Das gilt damals auch für die deutsche Sprache.

00:28:33.642 --> 00:28:38.362
Das Kaiserreich ist in den deutschen Landen in viele kleine Herrschaftsbereiche zersplittert.

00:28:38.542 --> 00:28:42.282
Am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges hat man andere Sorgen,

00:28:42.382 --> 00:28:44.902
als sich um eine einheitliche Volkssprache zu kümmern.

00:28:47.982 --> 00:28:52.182
Auf Reichstagen und an Gerichten wird wieder vermehrt Latein gesprochen.

00:28:52.442 --> 00:28:57.082
Und wer à la mode, also besonders modern sein will, spricht Französisch.

00:28:57.082 --> 00:29:00.502
Denn Frankreich ist damals das Vorbild in fast allen Bereichen.

00:29:00.722 --> 00:29:04.562
Besonders der Adel parliert bald nur noch in der Sprache des westlichen Nachbarn.

00:29:04.722 --> 00:29:07.702
Einige sehen die deutsche Volkssprache ernsthaft bedroht.

00:29:08.722 --> 00:29:14.162
Wie im ganzen Reich, ein einträchtige Sprach und endlich auch ein einträchtige

00:29:14.162 --> 00:29:18.242
Religion bequemlich einzuführen und friedlich zu erhalten sei.

00:29:18.767 --> 00:29:22.967
Erklärt der Pädagoge Wolfgang Rathke auf dem Frankfurter Reichstag von 1612.

00:29:23.287 --> 00:29:26.987
Fürst Ludwig von Anhalt Köthen nimmt diese Idee mit Gleichgesinnten auf.

00:29:27.227 --> 00:29:30.767
Bei einer mehrjährigen Lustreise nach Italien erlebt Ludwig,

00:29:30.887 --> 00:29:34.207
wie die Italiener ihre Sprache zur Basis der nationalen Einheit machen.

00:29:34.787 --> 00:29:38.887
Und Ludwigs fruchtbringende Gesellschaft will das auch für Deutschland erreichen.

00:29:39.327 --> 00:29:43.107
Vor allem soll das Französische, wo immer es geht, zurückgedrängt werden.

00:29:45.427 --> 00:29:49.467
Die fruchtbringende Gesellschaft führt ein voller Erfolg. Namhafte Dichter des

00:29:49.467 --> 00:29:52.787
Parock wie Andreas Grüfius und Martin Opitz gehören bald dazu.

00:29:53.207 --> 00:29:57.727
Man schreibt sich Briefe, debattiert über Wortschöpfungen, Grammatik, Rechtschreibung.

00:29:58.407 --> 00:30:02.947
890 Mitglieder hat die Gesellschaft zuletzt. Nur ein Traum geht nicht in Erfüllung.

00:30:03.087 --> 00:30:05.067
Ein Wörterbuch der deutschen Sprache.

00:30:05.347 --> 00:30:10.307
Mit dem Tod des Gründers Fürst Ludwig von Anhalt Köthen im Jahr 1650 ging auch

00:30:10.307 --> 00:30:12.987
die fruchtbringende Gesellschaft allmählich unter.

00:30:13.307 --> 00:30:19.287
Und war 1680 Geschichte. Aber der Traum eines deutschen Wörterbuchs erfüllte

00:30:19.287 --> 00:30:21.307
sich einige Jahre später dann tatsächlich.

00:30:21.767 --> 00:30:28.427
Das ehemalige Mitglied der Gesellschaft, Kaspar Stieler, brachte 1691 das erste

00:30:28.427 --> 00:30:34.287
große Wörterbuch, der deutschen Sprache Stammbaum und Fortwachs oder deutscher

00:30:34.287 --> 00:30:35.647
Sprachwortschatz heraus.

00:30:36.147 --> 00:30:40.927
Damit war der Anfang gemacht. Allerdings hatten es vermeintliche Sprachpuristen im 17.

00:30:41.127 --> 00:30:45.007
Und 18. Jahrhundert vergleichsweise schwer. Im Handel-Etter bürgerten sich die

00:30:45.007 --> 00:30:48.027
italienischen Begriffe Kredit und Skonto ein.

00:30:48.327 --> 00:30:54.367
Eine neue Lateinwelle brachte dem deutschen Wortschatz Akten und Dokumente, Klausel und Privileg.

00:30:54.707 --> 00:30:59.227
Soldat und Pistole kamen aus dem Französischen und viele weitere Wörter aus

00:30:59.227 --> 00:31:00.767
anderen Sprachen hielten Einzug.

00:31:01.027 --> 00:31:05.367
Aber viele Versuche, die entlehnten oder übernommenen Begriffe aus dem deutschen

00:31:05.367 --> 00:31:08.767
Wortschatz wieder zu tilgen, waren nur mäßig erfolgreich.

00:31:11.547 --> 00:31:14.767
In der Zeit der Aufklärung, also im 17. und 18. Jahrhundert,

00:31:15.227 --> 00:31:18.287
wurde weiter um eine Vereinheitlichung der deutschen Sprache gestritten.

00:31:18.704 --> 00:31:24.404
Schon 1748 legte der Schriftsteller Johann Christoph Gottschädt eine Grundlegung

00:31:24.404 --> 00:31:25.624
der deutschen Sprache vor.

00:31:25.984 --> 00:31:32.484
In den Jahren 1774 bis 1784 veröffentlichte der Bibliothekar Johann Christoph

00:31:32.484 --> 00:31:37.764
Adelung dann in der ersten Auflage ein grammatisch-kritisches Wörterbuch der

00:31:37.764 --> 00:31:39.044
hochdeutschen Mundart.

00:31:39.344 --> 00:31:45.524
Und im Jahr 1781 die deutsche Sprachlehre im Auftrag des preußischen Kulturministers.

00:31:45.524 --> 00:31:49.784
Und zwar auf einen Erlass Friedrichs des Großen hin, der den Deutschunterricht

00:31:49.784 --> 00:31:51.704
an Gymnasien damit reformieren wollte.

00:31:51.944 --> 00:31:55.484
Mit Adelung, so sind sich viele Sprachwissenschaftler heute einig,

00:31:55.844 --> 00:31:59.684
wurde das Hochdeutsche zur gehobenen Einheitssprache in Deutschland.

00:32:00.044 --> 00:32:04.224
Adelung vertrat auch die Auffassung, dass sich Deutsch mehr oder weniger selbst

00:32:04.224 --> 00:32:06.624
entwickelt habe und auch weiterentwickeln würde.

00:32:06.844 --> 00:32:09.844
Und dass es dafür keine gesetzlichen Vorgaben brauche.

00:32:09.964 --> 00:32:15.124
Die Aufgaben eines Sprachlehrers definierte er so. Er ist nicht Gesetzgeber

00:32:15.124 --> 00:32:20.124
der Nation, sondern nur der Sammler und Herausgeber der von ihr gemachten Gesetze.

00:32:20.384 --> 00:32:24.884
Er entscheidet nie, sondern sammelt nur die entscheidenden Stimmen der meisten.

00:32:25.600 --> 00:32:29.700
Adelungs Wörterbuch umfasste immerhin mehr als 55.000 Artikel.

00:32:29.920 --> 00:32:34.900
Und die waren erstmals auch nicht nach Stammwörtern, sondern alphabetisch geordnet.

00:32:35.220 --> 00:32:40.080
Natürlich hagelte es an der neuen Systematik Kritik. Aber es war ein weiterer

00:32:40.080 --> 00:32:43.660
Schritt hin zu einem einheitlichen, für alle verbindlichen Deutsch.

00:32:44.000 --> 00:32:46.940
Und diesen Weg ging dann ein anderer konsequent weiter.

00:32:47.300 --> 00:32:55.140
Sein Name Joachim Heinrich Kampe. Ein großer Anhänger der Französischen Revolution und Sprachpurist.

00:32:55.600 --> 00:32:59.700
Kampe war Pädagoge und Hauslehrer von Alexander und Wilhelm von Humboldt.

00:32:59.840 --> 00:33:03.860
Er hat sich daran gesetzt, das Deutsche von allen Fremdwörtern zu befreien,

00:33:04.140 --> 00:33:05.720
vor allem vom Französischen.

00:33:06.080 --> 00:33:08.960
Schon 1794 verfasste Kampe eine

00:33:08.960 --> 00:33:17.460
Preisschrift des Berliner Gelehrtenvereins mit dem Titel Im Jahr 1801 folgte

00:33:17.460 --> 00:33:23.500
dann das Wörterbuch zur Erklärung und Verdeutschung der unserer Sprache aufgedrungenen

00:33:23.500 --> 00:33:27.140
Ausdrücke Das Wörterbuch wurde ein voller Erfolg.

00:33:27.600 --> 00:33:31.880
Kampes Idee war, mit der Muttersprache fange die Demokratisierung an.

00:33:32.040 --> 00:33:35.760
Und nach dem Vorbild des aufklärerischen Frankreichs solle auch Deutschland

00:33:35.760 --> 00:33:38.580
deshalb eine barrierearme deutsche Sprache haben.

00:33:38.740 --> 00:33:43.640
Es gab ein regelrechtes Verdeutschungsprogramm, das sich aber nicht durchsetzen konnte.

00:33:43.920 --> 00:33:49.920
Mehr als 11.000 Fremdwörter wollte Kampes eindeutschen. Aber nur 300 davon gingen

00:33:49.920 --> 00:33:51.880
tatsächlich in den Sprachgebrauch über.

00:33:52.160 --> 00:33:55.220
So wurde etwa aus Parterre das Erdgeschoss.

00:33:55.580 --> 00:34:01.640
Takt wurde zu Feingefühl und statt konventionell hieß es jetzt einfach herkömmlich.

00:34:01.900 --> 00:34:06.760
Diese Idee vom sogenannten Sprachburismus fand dann übrigens eine neue Heimat,

00:34:06.980 --> 00:34:10.860
was mit Kampes eher pädagogischem Ansatz allerdings nichts mehr zu tun hatte.

00:34:11.240 --> 00:34:16.560
Im Jahr 1885 wurde der Allgemeine Deutsche Sprachverein gegründet,

00:34:16.560 --> 00:34:20.560
der schon seit dem Jahr der Reichsgründung 1871 in Planung war.

00:34:22.060 --> 00:34:26.460
Bedenke auch, wenn du die deutsche Sprache sprichst, dass du ein Deutscher bist,

00:34:26.620 --> 00:34:29.560
schreibt in jenen Jahren ein gewisser Hermann Riegel.

00:34:30.020 --> 00:34:34.940
Seines Zeichens Kunsthistoriker und ein ausgemachter Franzosenhasser.

00:34:35.140 --> 00:34:38.620
Kein Fremdwort für das, was Deutsch ausgedrückt werden kann.

00:34:38.980 --> 00:34:43.940
Sein allgemeiner deutscher Sprachverein will die deutsche Sprache von allen

00:34:43.940 --> 00:34:46.660
unnötigen fremden Bestandteilen reinigen.

00:34:47.180 --> 00:34:51.140
Auch Riegel kann mit seinem Sprachverein den Einfluss von Latein oder Französisch

00:34:51.140 --> 00:34:52.440
auf das Deutsche nicht verdrängen.

00:34:52.900 --> 00:34:58.420
Zumal nicht alle Deutschen es genauso sehen. Bis 1915 entstehen aber trotzdem

00:34:58.420 --> 00:35:03.900
gut 327 Zweigvereine mit knapp 38.000 Mitgliedern.

00:35:04.220 --> 00:35:09.180
Nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg 1918 verliert der Allgemeine

00:35:09.180 --> 00:35:11.140
Deutsche Sprachverein dann seine Bedeutung.

00:35:11.260 --> 00:35:16.800
Bis er 1923 als deutscher Sprachverein wieder aufersteht und bei den zu dieser

00:35:16.800 --> 00:35:19.980
Zeit aufstrebenden Nationalsozialisten große Anerkennung findet.

00:35:19.980 --> 00:35:22.600
Für die Geschichte des Deutschen war das 19.

00:35:22.820 --> 00:35:26.560
Jahrhundert als Zeitalter des Nationalismus ein ganz besonderes Jahrhundert.

00:35:26.760 --> 00:35:30.700
Es wurden mehr und mehr Wörterbücher der deutschen Sprache veröffentlicht.

00:35:32.700 --> 00:35:38.040
Nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon und der Reichsgründung von 1871 sollte

00:35:38.040 --> 00:35:41.820
endlich ein einheitlicher Standard für die deutsche Nationalsprache her.

00:35:41.820 --> 00:35:46.000
Dazu kam die allgemeine Schulpflicht, die schon im Königreich Preußen Anfang des 18.

00:35:46.180 --> 00:35:50.040
Jahrhunderts eingeführt worden war und jetzt nach und nach auch in allen Teilen

00:35:50.040 --> 00:35:51.600
des Deutschen Reiches übernommen wurde.

00:35:52.742 --> 00:35:57.182
Was sollte man den Schülern in Deutsch beibringen? Und vor allem, nach welchen Regeln?

00:35:57.682 --> 00:36:01.282
Und da sind wir bei den, genau, bei den Brüdern Grimm.

00:36:01.562 --> 00:36:05.282
Die beiden sind vor allem für ihre Sammlung von Kinder- und Hausmärchen bekannt.

00:36:05.462 --> 00:36:09.782
Aber während Wilhelm Grimm, der Jüngere der beiden, noch über den Märchen brütete,

00:36:10.202 --> 00:36:14.602
schrieb Jakob Grimm seit 1819 an einer deutschen Grammatik.

00:36:15.142 --> 00:36:19.462
Kein Volk auf Erden hat eine solch lange Geschichte für seine Sprache wie die deutsche.

00:36:20.042 --> 00:36:24.042
Jakob und Wilhelm Grimm studierten in Marburg Juristerei, so hieß das damals.

00:36:24.382 --> 00:36:29.042
Aber ihr Faible galt der deutschen Sprache. Für seine Arbeit zur deutschen Grammatik

00:36:29.042 --> 00:36:32.602
bekam Jakob Grimm 1830 eine Professur in Göttingen.

00:36:32.962 --> 00:36:37.682
Als der König von Hannover vor seinem Regierungsantritt 1837 die Verfassung

00:36:37.682 --> 00:36:42.002
außer Kraft setzte, protestierte Jakob Grimm gemeinsam mit sechs anderen dagegen

00:36:42.002 --> 00:36:44.882
und wurde daraufhin des Landes verwiesen.

00:36:44.882 --> 00:36:49.482
Im preußischen Exil übernahm er gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm die Arbeiten

00:36:49.482 --> 00:36:53.762
an einem deutschen Wörterbuch, für das mehrere Verlage schon seit langem Verfasser suchten.

00:36:54.882 --> 00:36:59.882
1852 erschienen, zunächst in Heftform, die ersten Lieferungen des neuen deutschen Wörterbuchs.

00:37:01.342 --> 00:37:04.602
1854 war der erste komplette Band fertig.

00:37:04.982 --> 00:37:09.462
Als Wilhelm Grimm 1862 und ein Jahr später sein Bruder Jakob starben,

00:37:09.942 --> 00:37:13.902
waren die beiden nur bis zu den Buchstaben D bzw. F gekommen.

00:37:14.742 --> 00:37:18.442
Reichskanzler Bismarck und auch Kaiser Wilhelm I. sorgten dann dafür,

00:37:18.602 --> 00:37:20.402
dass das deutsche Wörterbuch weitergeführt wird.

00:37:21.594 --> 00:37:28.014
Fertiggestellt, wurde es erst im Jahr 1961 von den beiden damals noch existierenden

00:37:28.014 --> 00:37:32.054
deutschen Staaten, Bundesrepublik Deutschland und Deutsche Demokratische Republik

00:37:32.054 --> 00:37:33.954
in einer Art Gemeinschaftsprojekt.

00:37:34.214 --> 00:37:37.254
Das komplette deutsche Wörterbuch gibt es übrigens auch online,

00:37:37.374 --> 00:37:41.334
kann sich jeder anschauen, den Link dazu findet ihr hier neben diesem Podcast

00:37:41.334 --> 00:37:44.574
oder darunter, wo auch immer ihr reinschaut, in unseren Shownotes.

00:37:45.454 --> 00:37:48.394
Vermutlich wird sich jetzt schon der ein oder die andere gefragt haben,

00:37:48.794 --> 00:37:51.314
ja okay, aber was ist denn jetzt mit dem Duden?

00:37:51.594 --> 00:37:55.434
Der kommt auch ungefähr um diese Zeit ins Spiel. Konrad Duden,

00:37:55.674 --> 00:37:56.954
ein Gymnasialdirektor,

00:37:57.214 --> 00:38:03.914
legte 1872 seine Deutsche Rechtschreibung vor, die sich 1876 auf der ersten

00:38:03.914 --> 00:38:06.854
orthografischen Konferenz in Berlin durchgesetzt hat.

00:38:07.874 --> 00:38:12.074
1880 veröffentlichte Duden ein vollständiges orthografisches Wörterbuch.

00:38:12.394 --> 00:38:17.854
Und 1901 einigten sich auf der zweiten orthografischen Konferenz auch die Vertreter

00:38:17.854 --> 00:38:21.614
aus Österreich und der Schweiz auf eine verbindliche Rechtschreibung,

00:38:21.674 --> 00:38:24.294
die Duden dann in seinem Wörterbuch vorschlug.

00:38:24.594 --> 00:38:29.294
Konrad Duden starb 1911, aber sein Werk wurde fortgeführt.

00:38:29.554 --> 00:38:34.894
Bis heute ist der Duden für viele das Nachschlagewerk für korrektes Deutsch.

00:38:38.374 --> 00:38:42.594
Mein Name ist Robert Seetaler. Das Besondere der deutschen Sprache ist für mich,

00:38:42.674 --> 00:38:43.794
dass ich mit ihr spielen kann.

00:38:44.674 --> 00:38:48.594
Ich verzweifle nie mit ihr. Für Verzweiflung gibt es, wenn überhaupt,

00:38:48.854 --> 00:38:50.134
ganz andere Gründe in dieser Welt.

00:38:50.694 --> 00:38:53.054
Mein Lieblingswort ist Purzelbaum.

00:38:54.554 --> 00:38:59.694
Im Kinderanfall unserer Stadtgemeinde ist eine hierorts wohnhafte,

00:38:59.874 --> 00:39:05.294
noch unbeschulte Minderjährige aktenkundig, welche durch ihre unübliche Kopfbekleidung

00:39:05.294 --> 00:39:08.714
gewohnheitsrechtlich Rotkäppchen genannt zu werden pflegt.

00:39:10.882 --> 00:39:16.382
Vor ihrer Inmarsch-Setzung wurde die R seitens ihrer Mutter über das Verbot

00:39:16.382 --> 00:39:19.962
betreffs Verlassens der Waldwege auf Kreisebene belehrt.

00:39:20.762 --> 00:39:23.982
Dieselbe machte sich in Folge nicht... Ihr habt am Namen Rotkäppchen wahrscheinlich

00:39:23.982 --> 00:39:25.582
gleich erkannt, um was es sich handelt.

00:39:25.662 --> 00:39:28.862
Das berühmte Märchen vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf.

00:39:29.042 --> 00:39:31.242
Allerdings in Beamten-Deutsch.

00:39:31.442 --> 00:39:35.582
Das ist eine der Fachsprachen, die sich mit der Zeit aus dem Standarddeutsch

00:39:35.582 --> 00:39:40.962
herausentwickelt haben. Aufgeschrieben hat diese Rotkäppchen-Version der Autor der Deus Troll.

00:39:41.242 --> 00:39:44.882
Aber warum haben wir überhaupt so eine verquaste Amtssprache,

00:39:44.962 --> 00:39:48.642
die kaum jemand auf Anhieb versteht? Und brauchen sie vielleicht auch sogar?

00:39:49.002 --> 00:39:54.342
Genau dazu forscht Christine Mörs am Leibniz-Institut für deutsche Sprache in Mannheim.

00:39:54.642 --> 00:39:59.482
Ich finde, dieses Beispiel ist sehr schön, weil es sieht, warum eigentlich Amtsdeutsch

00:39:59.482 --> 00:40:01.662
in Märchen völlig unbrauchbar ist.

00:40:02.102 --> 00:40:06.902
Es nimmt jede Emotion raus. Ich glaube, die Sprache wirkt sehr distanziert und

00:40:06.902 --> 00:40:13.482
sehr kompliziert und im Grunde wird jeder normale Handlungsschritt absolut überbürokratisiert.

00:40:13.482 --> 00:40:17.862
Märchen leben im Unterschied dazu von Bildern, von Spannung,

00:40:18.142 --> 00:40:21.582
auch von Tempo und vielleicht auch manchmal von Überraschungen.

00:40:21.742 --> 00:40:25.182
So wie wir das vielleicht auch von Krimis kennen, die über hunderte Seiten gehen

00:40:25.182 --> 00:40:27.862
und erst ganz am Ende kommt raus, wer ist es gewesen.

00:40:28.062 --> 00:40:31.182
Das ist natürlich etwas, was wir in der Verwaltungssprache nicht gebrauchen können.

00:40:31.282 --> 00:40:34.082
Wir wollen nicht 800 Seiten einen Brief von einem Amt bekommen,

00:40:34.222 --> 00:40:37.122
um dann ganz am Schluss auf der letzten Seite, bis wir uns durchgekämpft haben,

00:40:37.502 --> 00:40:39.202
wissen wollen, was müssen wir eigentlich tun.

00:40:39.362 --> 00:40:42.742
Das ist auch für mich manchmal gar nicht so einfach. Bei kompliziert formulierten

00:40:42.742 --> 00:40:45.182
Schreiben von Ämtern, da kann man regelmäßig verzweifeln.

00:40:45.822 --> 00:40:48.882
Man muss jeden Satz fünfmal durchlesen, der geht dann über mehrere Zeilen und

00:40:48.882 --> 00:40:52.782
erst dann versteht man irgendwann, was gemeint ist und was man machen muss.

00:40:53.042 --> 00:40:59.442
Aber diese Art zu schreiben hat eine lange Tradition in Verwaltung und auch in der Justiz.

00:40:59.442 --> 00:41:05.302
Die sehr stark auf Distanzierung aus war, also auf Nominalstil und Passiv gesetzt

00:41:05.302 --> 00:41:11.922
hat und dadurch quasi so eine Distanz zwischen der juristischen Ebene und der

00:41:11.922 --> 00:41:13.162
Bevölkerung geschaffen hat.

00:41:13.342 --> 00:41:17.642
Das Beamtendeutsch entstand als sogenannte Kanzleisprache im späten Mittelalter.

00:41:17.882 --> 00:41:22.202
Als etwa ab dem 13. Jahrhundert dann vermehrt Urkunden und Verwaltungsschreiben

00:41:22.202 --> 00:41:24.962
nicht mehr auf Latein, sondern auch auf Deutsch angefertigt wurden,

00:41:25.382 --> 00:41:28.802
entstand ein neuer Berufsstand, die Kanzleischreiber.

00:41:28.802 --> 00:41:34.682
Da ging es um offizielle Texte auf der Basis von Gesetzen oder um die Kommunikation zwischen Fürsten.

00:41:34.742 --> 00:41:38.362
Es galt, möglichst eindeutig und genau zu formulieren.

00:41:38.735 --> 00:41:44.735
Wir finden so ganz spezielle Ausdrücke wie wohnhaft oder aktenkundig oder gewohnheitsrechtlich.

00:41:45.555 --> 00:41:49.335
Dann sehen wir vor allen Dingen viele Nomen statt vielleicht Verben,

00:41:49.435 --> 00:41:51.675
die man für die Handlungen auch ausdrücken könnte.

00:41:52.075 --> 00:41:57.735
Also ganz besonders schön finde ich in Marschsetzungen anstatt sowas wie bevor sie losging oder so.

00:41:58.095 --> 00:42:03.955
Oder in Folge Nichtbeachtung. Auch Passivkonstruktion und so unpersönliche Formulierungen

00:42:03.955 --> 00:42:05.735
wurde zuständig gemacht.

00:42:05.735 --> 00:42:10.355
Ganz besonders schön finde ich Einsichtnahme in das zu Transportzwecken von

00:42:10.355 --> 00:42:15.455
Konsumgütern dienende Korbbehältnis, obwohl Rotkäppchen einfach nur einen Korb in der Hand hat.

00:42:15.695 --> 00:42:20.555
Also das sind so die Klassiker, die man sagen kann, die Verwaltungssprache auszeichnen

00:42:20.555 --> 00:42:24.815
und charakterisieren, die sich halt auch historisch so ein bisschen gehalten

00:42:24.815 --> 00:42:26.455
haben in der Verwaltungssprache.

00:42:26.455 --> 00:42:29.775
Die Kanzleisprache war von Beginn an eine Art Elitensprache,

00:42:29.855 --> 00:42:32.555
die Schriftsprache der gebildeten Oberschicht und der Adligen.

00:42:32.775 --> 00:42:36.175
Sie sollte sich nicht nur vom Dialekt der einfachen Menschen unterscheiden,

00:42:36.355 --> 00:42:41.895
sondern auch so konstruiert sein, dass sie von der Bevölkerung gar nicht verstanden werden konnte.

00:42:42.155 --> 00:42:45.935
Um so dieses Obrigkeitsverhältnis zwischen den Ebenen ganz deutlich zu machen

00:42:45.935 --> 00:42:47.255
und das eben auch über Sprache.

00:42:47.475 --> 00:42:51.215
Ja, aus der Verwaltungssprache kommt übrigens auch das historisch gesehen längste

00:42:51.215 --> 00:42:53.655
deutsche Wort, für das ich jetzt erstmal ein bisschen Luft holen muss.

00:42:54.345 --> 00:43:01.025
Rindfleisch-Etikettierungs-Überwachungsaufgaben-Übertragungsgesetz mit ganzen 63 Buchstaben.

00:43:01.225 --> 00:43:03.905
Die deutsche Sprache hat nämlich noch eine Eigenart.

00:43:04.165 --> 00:43:08.665
Sie erlaubt es, neue Wörter zu erfinden. Oder hättet ihr vor der Corona-Pandemie

00:43:08.665 --> 00:43:11.045
gewusst, was Freitesten bedeutet?

00:43:11.345 --> 00:43:14.665
Während der Corona-Pandemie haben wir gesehen, dass die deutsche Sprache mit,

00:43:14.705 --> 00:43:19.605
ich glaube, fast 3000 neuen Wörtern, ein absoluter Spitzenreiter kann man fast

00:43:19.605 --> 00:43:23.385
schon sagen, war in der Bildung von neuem Wortschatz rund um ein Phänomen,

00:43:23.385 --> 00:43:25.245
was dann plötzlich in unsere Welt gekommen ist.

00:43:25.365 --> 00:43:29.185
Aber ich glaube, Verwaltungssprache steht immer mal wieder vor dem Problem,

00:43:29.325 --> 00:43:32.685
dass es eben ja neue Verordnungen gibt zu irgendwelchen neuen Themen.

00:43:32.885 --> 00:43:35.625
Und dann muss man sich halt überlegen, haben wir da jetzt schon ein Wort dafür?

00:43:35.945 --> 00:43:40.005
Mittlerweile gibt es in vielen Behörden Versuche, bürgernäher und in einfacher

00:43:40.005 --> 00:43:41.165
Sprache zu formulieren.

00:43:41.325 --> 00:43:46.305
Ich glaube auch, da gibt es noch ganz schön viel zu tun, weil in unserer Welt,

00:43:46.405 --> 00:43:51.105
in unserem Alltag sehr viel über Bürokratie geregelt ist. Und da muss auch Verwaltung

00:43:51.105 --> 00:43:56.045
nicht nur an der Sprache arbeiten, sondern auch an der Komplexität der Bürokratie insgesamt.

00:43:56.265 --> 00:43:59.865
Also wenn ein Vorgang total komplex ist von seinem Inhalt her,

00:44:00.245 --> 00:44:02.785
dann macht es das natürlich für die Sprache auch nicht wirklich leicht.

00:44:08.405 --> 00:44:12.585
Mit Beginn des 20. Jahrhunderts war die Entwicklung des Deutschen zur Standardsprache

00:44:12.585 --> 00:44:15.865
mit mehr oder weniger einheitlichen Regeln in Deutschland vollendet.

00:44:16.085 --> 00:44:19.905
In der Wissenschaft war Deutsch vor dem Ersten Weltkrieg sogar eine der führenden

00:44:19.905 --> 00:44:21.105
internationalen Sprachen.

00:44:21.385 --> 00:44:26.605
In der Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 wird die deutsche Sprache dann zum

00:44:26.605 --> 00:44:27.865
Propaganda-Instrument.

00:44:27.865 --> 00:44:31.445
Ganz typisch für den Nationalsozialismus ist die beschönigende Sprache,

00:44:31.565 --> 00:44:35.025
also die Euphemismen, mit denen die Nationalsozialisten vieles verschleiern

00:44:35.025 --> 00:44:37.725
wollten, auch die Grausamkeiten ihrer Politik.

00:44:38.105 --> 00:44:42.805
Statt Ermordung von Millionen Jüdinnen und Juden hieß es für die Öffentlichkeit

00:44:42.805 --> 00:44:44.985
scheinbar harmlos Entlösung.

00:44:46.531 --> 00:44:50.131
Frontbegradigung war der Rückzug der Armee nach einer Niederlage gemeint.

00:44:50.391 --> 00:44:55.151
Wenn von Sonderbehandlung die Rede war, meinten die Nationalsozialisten damit

00:44:55.151 --> 00:44:56.531
die Tötung von Menschen.

00:44:56.971 --> 00:45:01.471
Das sind diese Euphemismen, von denen ich mir gar nicht sicher bin,

00:45:01.611 --> 00:45:06.311
ob die wirklich als Euphemismen tatsächlich Erfolg hatten.

00:45:06.711 --> 00:45:11.671
Weil in ganz, ganz vielen Texten kann man erkennen, dass man wusste,

00:45:12.151 --> 00:45:16.391
was mit Sonderbehandlung gemeint war oder mit Frontbegradigung.

00:45:16.531 --> 00:45:20.691
Die Sprachwissenschaftlerin Heidrun Deborah Kemper forscht zur deutschen Sprache

00:45:20.691 --> 00:45:21.891
im Nationalsozialismus.

00:45:22.151 --> 00:45:28.351
Üblich sei es damals auf Anordnung des NS-Propagandaministeriums auch gewesen, Wörter umzudeuten.

00:45:28.511 --> 00:45:31.891
Und zwar so, dass sie zur Ideologie der Nationalsozialisten passten.

00:45:32.111 --> 00:45:34.451
Mit Sprache schaffen wir Wirklichkeit.

00:45:34.651 --> 00:45:39.371
Und das ist eben auch sozusagen der Funktionsmechanismus von Euphemismen.

00:45:39.471 --> 00:45:42.871
Es soll eine andere Wirklichkeit geschaffen werden, als die,

00:45:42.971 --> 00:45:44.451
die vorliegt sozusagen.

00:45:45.391 --> 00:45:50.831
Während des Krieges zum Beispiel durfte nicht von englischen Luftangriffen gesprochen

00:45:50.831 --> 00:45:54.451
werden, wenn die Bomben fielen, sondern das waren immer Terrorangriffe.

00:45:55.391 --> 00:46:00.411
Man musste dieses Phänomen Terrorangriff nennen und durfte es nicht anders nennen.

00:46:01.031 --> 00:46:05.071
Ja, und so war also das vom Propagandaministerium gesteuert.

00:46:05.071 --> 00:46:09.311
Viele ideologisch aufgeladene Wörter und Euphemismen aus dem Nationalsozialismus

00:46:09.311 --> 00:46:10.591
verwenden wir heute nicht mehr.

00:46:10.751 --> 00:46:15.171
Sprache ist im ständigen Wandel und dazu gehört eben auch immer wieder zu prüfen,

00:46:15.311 --> 00:46:17.511
was für eine Bedeutung hängt an einem Wort.

00:46:17.791 --> 00:46:22.371
Wie Endlösung zum Beispiel. Oder Phrasen wie Arbeit macht frei.

00:46:24.111 --> 00:46:28.271
1957 veröffentlichten Dolph Sternberger, Wilhelm E. Süßkind und Gerhard Storz

00:46:28.271 --> 00:46:30.471
das Wörterbuch des Unmenschen.

00:46:30.769 --> 00:46:35.289
Darin wurden Wörter und Ausdrücke aufgelistet, die im Nationalsozialismus verwendet

00:46:35.289 --> 00:46:37.209
wurden, um Verbrechen zu verschleiern.

00:46:37.389 --> 00:46:41.069
Aber auch Wörter, die damals im NS-Staat beliebt wurden und die wir heute noch

00:46:41.069 --> 00:46:43.849
benutzen. Wie zum Beispiel das Wort betreuen.

00:46:44.049 --> 00:46:46.349
Man betreut jemanden und damit basta.

00:46:46.929 --> 00:46:51.749
Dieses Verhältnis ist ein totales. Die Betreuung ist diejenige Art von Terror,

00:46:52.029 --> 00:46:55.609
für die der jemand, der Betreute, Dank schuldet.

00:46:56.029 --> 00:46:58.629
Und das tut dem Unmenschen wohl.

00:46:59.149 --> 00:47:02.949
Im Wörterbuch des Unmenschen hieß es, man solle das Wort nicht mehr verwenden.

00:47:03.229 --> 00:47:07.929
Aber bis heute sagen wir zum Beispiel Kinderbetreuung. Aber wie man sieht,

00:47:08.289 --> 00:47:12.449
man braucht dieses Wort, wenn man einen bestimmten Sachverhalt eben beschreiben will.

00:47:12.749 --> 00:47:15.389
Und insofern ist dieses Wort nicht verschwunden sozusagen.

00:47:16.109 --> 00:47:19.469
Andere Wörter, die auch eben in diesem Wörterbuch stehen, zum Beispiel charakterlich.

00:47:20.569 --> 00:47:23.849
Ja, charakterlich war ein beliebtes Wort bei den Nazis.

00:47:24.209 --> 00:47:28.309
Charakter zu haben war wichtiger als Intelligenz zu haben zum Beispiel.

00:47:28.629 --> 00:47:32.129
Charakterliche Stärke. Also so gibt es eine ganze Reihe von Wörtern,

00:47:32.409 --> 00:47:33.549
die man nicht vermeiden kann.

00:47:33.889 --> 00:47:37.849
Also wichtig ist mir an der Stelle immer, dass wir ein Bewusstsein haben,

00:47:38.329 --> 00:47:43.589
dass wir wissen, wie ein bestimmtes etwas anrüchiges Wort, sagen wir mal,

00:47:43.769 --> 00:47:46.889
in der NS-Zeit verwendet wurde, wie eben betreuen.

00:47:47.149 --> 00:47:52.649
Und dass wir dann aus diesem Wissen heraus aber sagen, ich brauche das Wort

00:47:52.649 --> 00:47:58.709
heute und meine damit natürlich etwas ganz anderes oder meines nicht im NS-Sinn oder so.

00:47:59.269 --> 00:48:04.129
Also das Bewusstsein über die Geschichte bestimmter Wörter, das ist viel wichtiger.

00:48:04.469 --> 00:48:08.789
Die deutsche Sprache wandelt und entwickelt sich seit mehr als 1200 Jahren.

00:48:09.129 --> 00:48:13.969
Wörter, die früher selbstverständlich waren, klingen heute veraltet oder sind ganz verschwunden.

00:48:14.349 --> 00:48:17.889
Dafür sind viele neue Begriffe eingegangen oder entstanden, die es im 19.

00:48:18.049 --> 00:48:19.209
Jahrhundert noch gar nicht gab.

00:48:20.129 --> 00:48:23.069
Atomenergie ist so ein Wort oder Sonnenkollektor.

00:48:23.603 --> 00:48:26.223
Und genau darüber spreche ich jetzt mit Simon Meier-Fieracker.

00:48:26.443 --> 00:48:29.883
Er ist Sprachwissenschaftler und Professor für angewandte Linguistik an der

00:48:29.883 --> 00:48:34.303
TU Dresden und sein besonderes Forschungsinteresse gilt der Fußballsprache.

00:48:34.383 --> 00:48:35.523
Darüber werden wir auch gleich noch sprechen.

00:48:35.943 --> 00:48:39.143
Aber jetzt erstmal Simon, hallo, schön, dass du heute hier bei uns bist. Hallo.

00:48:39.383 --> 00:48:44.463
Du beschäftigst dich mit Sprachwandel und ich hätte direkt zu Beginn mal ein

00:48:44.463 --> 00:48:47.363
paar Fragen oder beziehungsweise ein paar Wörter, bei denen ich mir nicht ganz

00:48:47.363 --> 00:48:50.203
sicher bin, wie man das eigentlich genau formuliert.

00:48:50.203 --> 00:48:54.743
Heißt es denn, ich bug oder ich backte? Es geht beides.

00:48:55.023 --> 00:48:58.043
Das ist ein bisschen eine Geschmacksfrage und ein bisschen die Frage,

00:48:58.183 --> 00:49:01.343
ob man möglicherweise schräg angeschaut werden möchte.

00:49:01.863 --> 00:49:05.343
Wenn man das möchte, dann kann man Bug verwenden. Damit fällt man auf jeden

00:49:05.343 --> 00:49:10.643
Fall auf, weil es die altertümliche und wir würden in der Linguistik sagen, die markierte Form ist.

00:49:11.043 --> 00:49:14.083
Backte, würde ich sagen, ist alltagstaugliche. In deinem Buch verwendest du

00:49:14.083 --> 00:49:17.483
eine ganz schöne Metapher, nämlich die vom Trampelpfad im Park,

00:49:17.823 --> 00:49:20.703
dem immer mehr Menschen folgen, bis man dann so eine Spur hat und irgendwann

00:49:20.703 --> 00:49:22.103
ist es so ein offizieller Weg.

00:49:22.343 --> 00:49:25.903
Wie viele Menschen müssen denn so einem Trampelpfad folgen im übertragenen Sinne,

00:49:26.103 --> 00:49:28.723
bis Bakte zur Norm in der deutschen Sprache werden?

00:49:28.903 --> 00:49:32.903
Also wirklich pauschal kann man das nicht sagen, aber schon mehr als nur ein paar.

00:49:33.203 --> 00:49:38.043
Das ist, glaube ich, klar. Ich habe im Buch auch ein Kapitel über die Angewohnheit

00:49:38.043 --> 00:49:41.763
junger Menschen auf Social Media das Wörtchen N mit NH zu schreiben.

00:49:42.328 --> 00:49:45.868
Und das ist aber eine Regel, die sich ganz bestimmt nicht durchsetzen wird.

00:49:45.968 --> 00:49:49.148
Das wird immer ein Nischenphänomen bleiben, auch wenn es viele sind,

00:49:49.208 --> 00:49:50.808
aber bei weitem nicht die Mehrheit.

00:49:51.048 --> 00:49:54.328
Aber es ist nicht immer so, dass es wirklich eine Mehrheitsentscheidung sein

00:49:54.328 --> 00:49:57.408
muss, aber ich würde mal sagen, schon eine kritische Masse. Jetzt hast du gerade

00:49:57.408 --> 00:50:00.128
das Beispiel nö genannt und ich habe es jetzt endlich verstanden.

00:50:00.228 --> 00:50:02.288
Ich habe mich schon immer gefragt, warum das so geschrieben wird.

00:50:02.468 --> 00:50:03.848
Jetzt kapiere ich, was dahinter steckt.

00:50:04.108 --> 00:50:08.708
Und das ist ja so ein Ding, das sich über Social Media, du hast es gerade beschrieben, entwickelt hat.

00:50:08.768 --> 00:50:11.928
Und da gibt es schon einige Menschen, die sagen, Social Media macht unsere Sprache

00:50:11.928 --> 00:50:14.088
kaputt. Unsere Sprache ist im Niedergang.

00:50:14.348 --> 00:50:17.228
Warum ist es deiner Meinung nach, so schreibst du es zumindest in deinem Buch,

00:50:17.408 --> 00:50:20.508
Quatsch, dass unsere deutsche Sprache immer mehr verunstaltet wird?

00:50:20.508 --> 00:50:25.348
Die Frage ist, ob wir sagen können, das Deutsche als Sprache geht vor die Hunde

00:50:25.348 --> 00:50:30.688
und können wir sagen, dass Social Media sozusagen der eigentliche Grund- und

00:50:30.688 --> 00:50:34.028
Hauptaustragungsort dieses Niedergangs ist. Und da wäre ich vorsichtig.

00:50:34.328 --> 00:50:40.268
Wir müssen uns klarmachen, dass wir es gewohnt sind, über geschriebene Texte,

00:50:40.448 --> 00:50:44.608
vor allem am Beispiel von gedruckten Texten, Büchern,

00:50:44.983 --> 00:50:50.983
mit Zeitungstexten und so weiter nachzudenken, für die es recht klare schriftsprachliche

00:50:50.983 --> 00:50:54.743
Normen gibt, die fürs mehrmalige Lesen gemacht sind und so weiter.

00:50:55.123 --> 00:50:59.683
Und das ist das, was wir normalerweise mit gutem geschriebenen Deutsch verbinden.

00:50:59.843 --> 00:51:02.463
Und wenn wir jetzt Social Media aufmachen und schauen, wie da geschrieben wird,

00:51:02.543 --> 00:51:06.203
wenn wir unsere WhatsApp-Chats durchscrollen, wenn wir YouTube-Kommentare lesen,

00:51:06.283 --> 00:51:08.083
dann sehen wir, dass das massiv davon

00:51:08.083 --> 00:51:11.423
abweicht, was wir normalerweise von schriftlichen Texten gewohnt sind.

00:51:11.423 --> 00:51:15.523
Das fängt an mit häufig keine Groß- und Kleinschreibung mehr.

00:51:16.243 --> 00:51:21.683
Wenig Interpunktion, viele Abkürzungen, sehr stark orientiert am mündlichen

00:51:21.683 --> 00:51:26.143
Sprachgebrauch, auch was die Grammatik anbelangt, Emojis und so weiter.

00:51:26.443 --> 00:51:31.063
Aber wir dürfen das nicht direkt vergleichen, weil diese Texte auf Social Media

00:51:31.063 --> 00:51:34.103
einfach anderen Anforderungen genügen als geschriebene Texte.

00:51:34.103 --> 00:51:36.883
Sie müssen schneller produziert werden.

00:51:37.043 --> 00:51:41.383
Sie müssen im Moment verständlich sein, aber auch nur in diesem Moment.

00:51:41.703 --> 00:51:45.023
Und was wir auf Social Media beobachten können, die neuen sprachlichen Formen

00:51:45.023 --> 00:51:49.423
sind eigentlich Anpassungen an diese neuen Kommunikationsanforderungen.

00:51:49.423 --> 00:51:54.863
Da zeigen sich Schreibende ausgesprochen kreativ und auch situationsbewusst

00:51:54.863 --> 00:51:58.383
und das ist eigentlich was, was die deutsche Sprache nur bereichert.

00:51:58.943 --> 00:52:02.503
Ein Problem wäre es dann, wenn wir zeigen könnten, dass die schriftsprachlichen

00:52:02.503 --> 00:52:06.083
Kompetenzen wegen Social Media insgesamt zurückgehen.

00:52:06.409 --> 00:52:11.029
Also, dass insgesamt keine Kommasetzung mehr korrekt gesetzt werden kann und

00:52:11.029 --> 00:52:13.529
dass insgesamt korrekte Grammatik verloren geht.

00:52:13.649 --> 00:52:17.009
Und da gibt es keine Hinweise, auch aus Studien, die sich den Sprachgebrauch

00:52:17.009 --> 00:52:18.609
von Schülerinnen und Schülern anschauen.

00:52:18.829 --> 00:52:22.789
Die wissen sehr genau zu unterscheiden, ob sie jetzt auf Social Media sich befinden

00:52:22.789 --> 00:52:25.589
oder ob sie einen Schulaufsatz schreiben und entsprechend passen sie sich an.

00:52:25.869 --> 00:52:29.189
Ist es denn manchmal so, dass erstmal Regeln gebrochen werden müssen,

00:52:29.269 --> 00:52:33.909
damit sich Sprache weiterentwickeln kann, sich auch neu erfinden kann? Ganz genau so ist es.

00:52:34.469 --> 00:52:40.089
Wenn Regeln immer zu 100 Prozent eingehalten würden, dann würde sich Sprache

00:52:40.089 --> 00:52:42.609
nicht weiterentwickeln. Sie hat sich aber weiterentwickelt.

00:52:43.069 --> 00:52:47.849
Wenn wir Texte von vor 100, vor 200 und vor 300 Jahren lesen,

00:52:48.069 --> 00:52:51.709
dann fällt uns das ja unmittelbar auf, dass sich an verschiedensten Stellen was ändert.

00:52:51.889 --> 00:52:57.669
In der Grammatik, in der Rechtschreibung, im Wortschatz. Und das hätte gar nicht

00:52:57.669 --> 00:53:01.849
passieren können, wenn es nicht früher auch schon Regelbrüche gegeben hat.

00:53:02.089 --> 00:53:07.029
Ein bisschen hat sich jetzt die Lage geändert, weil wir seit 150 Jahren ja wirklich

00:53:07.029 --> 00:53:11.129
auch Standardisierung haben und Kodizes, wie wir sagen.

00:53:11.129 --> 00:53:15.749
Sowas wie ein amtliches Regelwerk sogar, wo es also wirklich dann auch quasi

00:53:15.749 --> 00:53:18.309
gesetzlich vorgeschrieben ist, was die korrekte Schreibung ist.

00:53:18.509 --> 00:53:22.689
Das gab es vor 300 Jahren nicht und deswegen ändert sich natürlich auch die

00:53:22.689 --> 00:53:24.969
Frage, wie können wir überhaupt gegen Regeln verstoßen.

00:53:25.129 --> 00:53:30.149
Aber prinzipiell wird es immer so sein, dass Sprachwandel dadurch zustande kommt,

00:53:30.169 --> 00:53:32.069
dass gegen Regeln verstoßen wird.

00:53:32.169 --> 00:53:36.689
Und dann irgendwann sind diese Regelverstöße dann gleichberechtigte Varianten

00:53:36.689 --> 00:53:39.089
und nochmal weiter werden sie dann irgendwann selbst zur Norm.

00:53:39.089 --> 00:53:42.709
Irgendjemand muss diese Regeln und Normen ja aber auch festlegen.

00:53:43.009 --> 00:53:46.209
Wer hat das denn in der Vergangenheit gemacht und wer legt das heute fest?

00:53:46.613 --> 00:53:50.513
In der Vergangenheit waren das alte weiße Männer, um es mal so zu sagen.

00:53:51.153 --> 00:53:55.693
Also das sind Sprachgelehrte gewesen. Denken wir an die Brüder Grimm oder so

00:53:55.693 --> 00:53:59.853
Sprachwissenschaftler wie Adelung oder der Dichter und Philosoph Gottschett,

00:54:00.033 --> 00:54:04.753
die den Sprachgebrauch beobachtet haben und dann selektiert haben,

00:54:05.053 --> 00:54:09.513
was sind korrekte Varianten und was hingegen gilt als sogenannter niederer Sprachgebrauch.

00:54:09.513 --> 00:54:14.213
Und so wurde dann in der kollektiven Anstrengung aber eben von den gesellschaftlich

00:54:14.213 --> 00:54:18.433
Mächtigen, von der gebildeten Elite, wurde dann festgelegt, was korrekt ist.

00:54:18.933 --> 00:54:20.913
Inzwischen hat sich es ein bisschen verschoben.

00:54:21.513 --> 00:54:26.073
Inzwischen sind es vor allem Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler,

00:54:26.153 --> 00:54:30.993
die Sprachstandserhebungen machen und die arbeiten dann in Wörterbuchredaktionen

00:54:30.993 --> 00:54:34.733
beim Duden zum Beispiel. Und die beobachten einfach, wie wird denn geschrieben?

00:54:35.073 --> 00:54:37.993
Und auf Grundlage dessen, was sie beobachten können,

00:54:38.253 --> 00:54:41.973
treffen sie dann wiederum Entscheidungen, wo ändert sich möglicherweise die

00:54:41.973 --> 00:54:46.693
Sprache, wo können wir Regelanpassungen vornehmen, wo sind wir vielleicht sogar

00:54:46.693 --> 00:54:51.013
gefordert, sie vorzunehmen, weil sich der allgemeine Sprachgebrauch weiterentwickelt hat.

00:54:51.193 --> 00:54:56.513
Und so sind es dann immer noch Expertenentscheidungen und die legen dann in

00:54:56.513 --> 00:55:00.173
vielen, vielen Abstimmungsrunden dann fest, was ins Regelwerk aufgenommen wird.

00:55:00.173 --> 00:55:05.353
Jetzt sagst du gerade, die gucken genau hin, was häufig formuliert wird und übernehmen das dann.

00:55:05.573 --> 00:55:10.793
Könnte es tatsächlich sein, dass der Dativ irgendwann den Genitiv tötet? Nein, glaube ich nicht.

00:55:11.053 --> 00:55:14.993
Das gibt insgesamt eine Tendenz zum Kasusabbau im Deutschen.

00:55:15.393 --> 00:55:20.653
Es gibt auch genug Fälle, wo der Genitiv den Dativ verdrängt.

00:55:20.893 --> 00:55:23.453
Nehmen wir mal die Präposition Dank zum Beispiel.

00:55:23.953 --> 00:55:28.193
Dank des beherzten Eingreifens der Passanten, würden wir sagen,

00:55:28.313 --> 00:55:33.353
ist niemand ernsthaft zu Schaden gekommen oder so. Also dank mit Genitiv-Dess

00:55:33.353 --> 00:55:37.653
und das ist tatsächlich eine neue Form, die sich erst in den letzten so 30 Jahren

00:55:37.653 --> 00:55:38.673
ungefähr entwickelt hat.

00:55:38.893 --> 00:55:41.713
Früher war allein dank dem korrekt.

00:55:42.139 --> 00:55:46.879
Ähnlich verhält es sich bei Trotz. Ursprünglich wurde Trotz mit Dativ verwendet

00:55:46.879 --> 00:55:50.939
vor einigen hundert Jahren und dann hat sich mehr und mehr auch die Genitiv-Form durchgesetzt.

00:55:51.099 --> 00:55:56.019
Und so können wir viele andere Beispiele mehr bringen, wo es gegenläufige Tendenzen

00:55:56.019 --> 00:55:58.339
gibt zum Tod des Genitivs.

00:55:59.139 --> 00:56:04.439
Davon unbenommen sind natürlich Beobachtungen, wie dass wir sowas wie Werde-Mitglied

00:56:04.439 --> 00:56:08.739
von unserem Team, Werde-Teil von unserem Team lesen wir auch in Stellenausschreibungen

00:56:08.739 --> 00:56:10.419
und nicht mehr Werde-Teil unseres Teams.

00:56:10.879 --> 00:56:16.199
Das wäre vor 20, 30 Jahren noch als sehr mündlich umgangssprachlich aufgefallen.

00:56:16.299 --> 00:56:20.459
Inzwischen fällt es den Leuten, die die Stellenausschreibungen verfassen, gar nicht mehr auf.

00:56:20.799 --> 00:56:25.059
Mir selber ging es so. Ich habe auch damals, als ich die Professur angetreten

00:56:25.059 --> 00:56:29.259
habe, Ich habe auf Twitter meine Stellenausschreibung geteilt und habe auch

00:56:29.259 --> 00:56:33.519
Werdeteil von unserem Team geschrieben, ohne dass ich darüber nachgedacht hätte.

00:56:33.579 --> 00:56:37.419
Und das sind ja Zeichen, dass es tatsächlich hier zu diesem Genitivabbau kommt.

00:56:37.819 --> 00:56:40.519
Und du hast gerade schon vom Team gesprochen und ich versuche jetzt mal eine

00:56:40.519 --> 00:56:41.759
ganz schlechte Überleitung zu machen,

00:56:41.759 --> 00:56:45.679
wie sie im Fußball auch in den Kommentatoren-Texten oft stattfindet.

00:56:45.779 --> 00:56:50.499
Kommen wir zu Fußballteams, denn das ist ein Spezialgebiet, die Fußballsprache.

00:56:51.099 --> 00:56:55.279
Die Regeln im Fußball kamen am Anfang aus England, gilt ja auch als Mutterland des Fußballs.

00:56:55.459 --> 00:56:59.019
Da hat man sich alles abgeguckt und hat auch versucht, Dinge einzudeutschen.

00:56:59.099 --> 00:57:01.519
Das hat aber, muss man sagen, nicht immer so gut funktioniert.

00:57:01.719 --> 00:57:03.799
Hast du da mal ein Beispiel für? Also die...

00:57:04.429 --> 00:57:09.209
Ursprüngliche Fußballsprache, du hast es gesagt, ist vornehmlich englisch gewesen.

00:57:09.629 --> 00:57:16.749
Und das war im ultranationalistischen Deutschland des Kaiserreichs vielen Leuten ein Dorn im Auge.

00:57:17.069 --> 00:57:21.429
Dann hat man befürchtet, dass es die Jugend verdirbt, wenn diese englische Fußlömelei

00:57:21.429 --> 00:57:25.449
den ganzen Tag sich damit beschäftigen. Und dann auch noch diese vielen Anglizismen.

00:57:25.569 --> 00:57:29.749
Da hat man befürchtet, dass da so die nationale Identität darunter leidet.

00:57:29.749 --> 00:57:34.729
Und dann gab es einen Gymnasiallehrer und Fußballpionier, der gesagt hat,

00:57:34.789 --> 00:57:37.589
wenn wir Fußball wirklich zu einem deutschen Spiel machen wollen,

00:57:37.769 --> 00:57:42.649
was Reit akzeptiert mit der Gesellschaft, dann müssen wir auch die Fußballsprache eindeutschen.

00:57:42.649 --> 00:57:47.589
Und hat dann einfach ganz systematisch die Termini übersetzt oder versucht,

00:57:47.809 --> 00:57:50.369
Entsprechungen zu finden. Das hat in vielen Fällen funktioniert.

00:57:50.969 --> 00:57:55.809
Aus Kickoff wurde der Abstoß, aus Offside wurde Abseits. Aber aus dem Käpt'n

00:57:55.809 --> 00:57:57.449
sollte der Fußball-Kaiser werden.

00:57:58.269 --> 00:58:03.509
Das hat sich nicht durchgesetzt und genauso sollte das Goal ursprünglich Mal

00:58:03.509 --> 00:58:05.149
genannt werden, statt Tor.

00:58:05.649 --> 00:58:10.029
Man hat dann aber festgestellt, dass sich im Gegensatz zu Goal das Wort Mal

00:58:10.029 --> 00:58:14.409
nicht so gut grölen und brüllen lässt. Und deswegen hat er dann noch ein anderes

00:58:14.409 --> 00:58:15.989
Wort gesucht, was allein vom

00:58:15.989 --> 00:58:19.969
Klang her näher ein Goal ist und so kam die Idee, das ganze Tor zu nennen.

00:58:20.109 --> 00:58:21.009
Vielleicht hören wir da mal ganz

00:58:21.009 --> 00:58:24.589
kurz rein mit Ausschnitten aus typischen Fußball-Bundesliga-Reportagen.

00:58:27.628 --> 00:58:33.488
Beide spielen heute mit voller Kapelle. Aber Lautern versucht alles im Angesicht

00:58:33.488 --> 00:58:36.308
des Abgrunds. Die Bayern weiter im Vorwärtsgang.

00:58:36.468 --> 00:58:39.488
Wagner vergibt, so kommt man eben in die Hölle.

00:58:39.708 --> 00:58:43.148
Mehr als ein Warnschuss ist es dann doch nicht in Minute 6.

00:58:43.568 --> 00:58:46.928
Was auch immer auffällt, ist, dass es eine sehr militärische Sprache ist.

00:58:47.128 --> 00:58:48.968
Der Sturm zum Beispiel, der Angriff.

00:58:49.228 --> 00:58:53.668
Woher kommt das denn? Als der Fußball aufkam und populär wurde im Kaiserreich,

00:58:53.668 --> 00:58:57.808
Das war eine ultranationalistische Gesellschaft und eine hochmilitarisierte

00:58:57.808 --> 00:59:02.228
Gesellschaft, wo also das Militär allerhöchstes Ansehen genoss.

00:59:02.668 --> 00:59:07.788
Und in so einem gesellschaftlichen Milieu hat natürlich dann eine militärische

00:59:07.788 --> 00:59:10.668
Metaphorik viel größere Chancen, sich durchzusetzen.

00:59:10.968 --> 00:59:14.028
Und hat es bis heute auch geschafft zu bestehen.

00:59:14.168 --> 00:59:16.968
Da gibt es ja jede Menge Phrasen, das Runde muss ins Eckige,

00:59:17.068 --> 00:59:21.288
das Spiel lebt von der Spannung, ein Spiel geht 90 Minuten und so weiter.

00:59:21.288 --> 00:59:24.388
Und die Spieler in den Interviews immer, wir müssen von Spiel zu Spiel denken.

00:59:24.988 --> 00:59:28.868
Also gibt es sehr viel. Was fasziniert dich denn so sehr an der Fußballsprache,

00:59:28.928 --> 00:59:30.308
die ja doch oft sehr einfach ist?

00:59:30.668 --> 00:59:35.208
Einfach, repetitiv, aber auch gleichzeitig bildreich. Ja, ist einfach eine sehr

00:59:35.208 --> 00:59:40.288
ertragreiche Schatzkiste, die man da öffnet für sprachwissenschaftliche Untersuchungen aller Art.

00:59:40.848 --> 00:59:42.508
Und was mich auch immer fasziniert hat,

00:59:42.648 --> 00:59:46.068
ist, dass der Fußball so eine Projektionsfläche für alles Mögliche ist.

00:59:46.448 --> 00:59:50.648
Ja, also dass wir aus den unterschiedlichsten metaphorischen Quellbereichen,

00:59:50.648 --> 00:59:55.088
wie wir sagen, da unsere Vergleiche ziehen. Es gibt Theatermetaphern.

00:59:55.328 --> 00:59:59.688
Wir sprechen vom Mittelfeldregisseur zum Beispiel, vom Statisten.

00:59:59.968 --> 01:00:03.568
Es gibt die ganze Militärmetaphorik, von der wir schon gesprochen haben,

01:00:03.668 --> 01:00:06.408
aber es gibt auch kulinarische Metaphern und vieles andere mehr.

01:00:06.648 --> 01:00:10.528
Und wir können eigentlich sagen, alles, was eine Gesellschaft bewegt und umtreibt,

01:00:11.048 --> 01:00:15.548
kehrt dann im Fußballdiskurs wieder, aber sozusagen auf eine spielerische Ebene

01:00:15.548 --> 01:00:16.768
gehoben. Und das finde ich interessant.

01:00:17.384 --> 01:00:21.224
Das stimmt, ja. Und wenn wir jetzt über die Phrasen sprechen,

01:00:21.724 --> 01:00:24.564
dann könnte man schnell zu dem Schluss kommen, naja, das ist eigentlich nur

01:00:24.564 --> 01:00:28.504
eine Aneinanderreihung verschiedener Phrasen, wenn es um Spielberichte geht

01:00:28.504 --> 01:00:30.144
oder um Kommentatorentexte.

01:00:30.564 --> 01:00:36.544
Wäre das nicht eine Sache, die man ganz einfach künftig mit KI auch lösen könnte? Ja, ja, klar.

01:00:37.084 --> 01:00:42.724
Wenn wir uns mal über den Ärmelkanal nach England bewegen und da mal versuchen.

01:00:43.544 --> 01:00:46.564
Live-Ticker zu finden, die noch von Menschen geschrieben werden,

01:00:46.684 --> 01:00:47.564
wird uns das nicht gelingen.

01:00:47.824 --> 01:00:53.284
Das ist alles in maschineller Hand inzwischen. Ob sie dann noch gelesen werden, ist die andere Frage,

01:00:53.784 --> 01:00:57.544
denn ich würde mal vermuten, Menschen haben doch immer noch ein Bedürfnis,

01:00:57.784 --> 01:01:03.164
menschliche Perspektiven zu lesen und wollen nicht so sehr einfach nur lesen

01:01:03.164 --> 01:01:05.844
müssen, was ein Computer generiert hat.

01:01:06.624 --> 01:01:10.864
Und speziell beim mündlichen Kommentar ist natürlich auch noch wesentlich mehr drin.

01:01:10.984 --> 01:01:15.244
Da ist die ganze Emotionalität, die Stimmlage, die uns da so packt,

01:01:15.304 --> 01:01:17.404
wenn wir zum Beispiel Radioreportagen hören.

01:01:17.684 --> 01:01:21.284
Und das ist, glaube ich, nichts, was sich Redaktionen trauen werden,

01:01:21.324 --> 01:01:24.084
an Maschinen zu übertragen. Ja, sehe ich genauso.

01:01:24.584 --> 01:01:28.204
Vor allem, wenn es um KI geht, dann ist es ja auch so, dass die KI nur das verarbeiten

01:01:28.204 --> 01:01:33.284
kann, was ihr irgendwann mal zugefüttert worden ist. Da wäre auch die Frage,

01:01:33.424 --> 01:01:37.384
was passiert denn, wenn immer mehr Texte über KI generiert werden?

01:01:37.604 --> 01:01:40.944
Kann es sein, dass unsere Sprache damit dann deutlich eingeschränkt wird,

01:01:41.084 --> 01:01:45.344
weil Dinge, die dann nicht bei diesem Futter dabei waren, ausgeblendet werden?

01:01:45.867 --> 01:01:49.507
Ja, also da gibt es tatsächlich Gedankenexperimente von Philosophen.

01:01:49.667 --> 01:01:53.907
Benjamin Bracken, glaube ich, heißt der, der arbeitet mit dem Bild der Schlange,

01:01:53.987 --> 01:01:55.367
die sich in den eigenen Schwanz beißt.

01:01:55.967 --> 01:02:01.447
Also was passiert, wenn die KIs, die wir trainieren, nur noch oder immer mehr

01:02:01.447 --> 01:02:04.487
mit Texten trainiert werden, die sie selbst produziert haben?

01:02:04.487 --> 01:02:06.807
Das könnte dazu führen, aber das

01:02:06.807 --> 01:02:10.887
ist reine Spekulation, dass die Sprache sozusagen immer mehr einfriert.

01:02:11.267 --> 01:02:16.647
Denn KIs sind letztlich konservativ. Sie bewahren den Sprachstand,

01:02:17.027 --> 01:02:22.107
den sie eben vorfinden in ihren Trainingsdaten und sind gerade nicht dazu in

01:02:22.107 --> 01:02:25.687
der Lage, wirklich kreativ Sprache neu voranzubringen.

01:02:25.687 --> 01:02:28.707
Und wie sich das auf Dauer entwickelt, ja, weiß kein Mensch.

01:02:29.127 --> 01:02:34.147
Da hilft es einfach nur zuzuwarten und achtsam und kritisch zu sein.

01:02:34.587 --> 01:02:39.227
Gibt es denn als abschließende Frage ein Wort oder eine Formulierung relativ

01:02:39.227 --> 01:02:43.107
neu, bei dem du sagst, das gefällt dir besonders gut, das finde ich so eine

01:02:43.107 --> 01:02:45.867
schöne Neuschöpfung, das sollte doch jetzt in den offiziellen Sprachgebrauch

01:02:45.867 --> 01:02:48.927
übernommen werden? Ach, das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht.

01:02:49.187 --> 01:02:52.547
Ich werde oft gefragt, ob ich ein Lieblingswort habe. Ich habe kein Lieblingswort.

01:02:53.047 --> 01:02:56.227
Und es gibt auch jetzt nicht so eine besondere Formulierung,

01:02:56.407 --> 01:02:59.307
von der ich wollen würde, dass sie sich allgemein durchsetzt.

01:02:59.747 --> 01:03:02.187
Ich beobachte, wie die Leute sprechen und habe Freude daran,

01:03:02.527 --> 01:03:06.507
dass sie so kreativ und erfindungsreich sind. Vor allem im Fußball.

01:03:06.787 --> 01:03:09.107
Wie gesagt, darüber sprechen wir dann vielleicht an anderer Stelle noch mal

01:03:09.107 --> 01:03:12.527
ausführlicher. Ganz herzlichen Dank dir auf jeden Fall für den Einblick in die

01:03:12.527 --> 01:03:15.627
deutsche Sprache und in deren Entwicklung. Ich danke sehr für das Interesse.

01:03:18.507 --> 01:03:22.387
Eher keine Entwicklung, sondern praktisch eine Anordnung von oben,

01:03:22.567 --> 01:03:27.627
war die Rechtschreibreform von 1996, die gründlich schief ging.

01:03:27.947 --> 01:03:30.667
Ziel war es, die deutsche Rechtschreibung zu vereinfachen.

01:03:31.007 --> 01:03:35.487
Auf einmal sollte Thunfisch ohne H und Geograph mit F geschrieben werden.

01:03:35.867 --> 01:03:40.547
Das scharfe S wurde fast ganz abgeschafft und alles Mögliche sollte jetzt groß

01:03:40.547 --> 01:03:42.167
statt wie vorher klein geschrieben werden.

01:03:42.590 --> 01:03:46.010
Sofort hagelte es in Deutschland von allen Seiten Kritik.

01:03:46.270 --> 01:03:49.870
Verlage und Nachrichtenagenturen wie die Deutsche Presseagentur gaben eigene

01:03:49.870 --> 01:03:53.510
Leitlinien heraus, die viele Vorgaben der Rechtschreibreform einfach ignorierten.

01:03:53.770 --> 01:03:57.490
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zum Beispiel rief gleich zum Boykott auf.

01:03:57.870 --> 01:04:03.790
In den Zeitungen war von Chance Vertan oder Rechtschreibreform gegen das Volk die Rede.

01:04:04.250 --> 01:04:08.090
Unlogisch und inkonsequent waren noch die freundlicheren Umschreibungen für

01:04:08.090 --> 01:04:11.450
die Reform, die von den Kultusministerien der Länder damals beschlossen worden

01:04:11.450 --> 01:04:14.810
sind. Ich war damals in der vierten Klasse und völlig verwirrt.

01:04:14.930 --> 01:04:17.330
Zuerst haben wir das Alte gelernt, dann das Neue. Wir wussten überhaupt nicht

01:04:17.330 --> 01:04:18.430
mehr, was wir schreiben sollten.

01:04:18.930 --> 01:04:22.410
In seiner langen Geschichte gab es für die Sprachregelung des Deutschen keine

01:04:22.410 --> 01:04:24.590
behördlichen Anordnungen oder Gesetze.

01:04:24.850 --> 01:04:30.410
Jetzt wollte man das ändern und altbewährtes neu regeln. Und das konnte einfach nicht gut gehen.

01:04:30.590 --> 01:04:32.850
Und so kam die Reform der Reform.

01:04:33.210 --> 01:04:39.590
Allerdings erst im Jahr 2006. Jetzt durfte man Geograph mit F schreiben oder mit PH.

01:04:40.070 --> 01:04:44.810
Den Thunfisch wieder mit oder ohne H. Leider hat diese Reform uns dann aber

01:04:44.810 --> 01:04:47.290
das eine oder andere Wortungetüm gebracht.

01:04:47.750 --> 01:04:50.730
Zum Beispiel die Schifffahrtsgesellschaft mit drei F.

01:04:51.290 --> 01:04:55.430
Lehrerinnen und Schülerinnen waren über die neue Reform nicht besonders glücklich.

01:04:55.690 --> 01:04:57.610
Wahrscheinlich haben sie sich gedacht, das ist ein Vereinfach.

01:04:57.730 --> 01:05:00.430
Aber eigentlich ist es ja nur noch schwieriger, weil jetzt alle total durcheinander

01:05:00.430 --> 01:05:03.630
sind. Also ich finde es jetzt auch blöd, ehrlich gesagt, weil man kann gerade

01:05:03.630 --> 01:05:06.490
die erste, also die alte Rechtschreibung, jetzt muss man schon wieder eine neue

01:05:06.490 --> 01:05:08.230
lernen. Also ich komme selber durcheinander.

01:05:08.430 --> 01:05:13.030
Ich fand, dass die Reform, die erste Reform in vielen Fällen unlogisch war und

01:05:13.030 --> 01:05:14.870
tatsächlich zum Auswendiglernen geführt hat.

01:05:14.930 --> 01:05:18.230
Man musste viele Ausnahmen lernen und die werden jetzt freigestellt.

01:05:18.310 --> 01:05:22.170
Also ich denke, es ist eine Verbesserung, eine Vereinfachung, die zweite Reform.

01:05:22.310 --> 01:05:24.470
Und deswegen finde ich eigentlich, dass es gut so ist.

01:05:25.000 --> 01:05:28.560
Aber wie ist das heute in der Schule? Genau darüber spreche ich jetzt mit Nikolaus

01:05:28.560 --> 01:05:31.880
Schmelzer, zurzeit vielleicht einer der bekanntesten Deutschlehrer der Republik

01:05:31.880 --> 01:05:35.840
mit mehr als 250.000 Followern auf TikTok und Instagram.

01:05:36.100 --> 01:05:39.200
Ich höre von vielen Schülern, die sagen mit vollem Bewusstsein,

01:05:39.480 --> 01:05:41.120
ja komm, die setze ich halt nicht.

01:05:42.160 --> 01:05:45.800
Weil ich weiß nicht genau wie und ich habe es nie so richtig gebraucht.

01:05:46.220 --> 01:05:50.100
Und ich glaube schon, dass in der textgebundenen Welt, in der SchülerInnen sich

01:05:50.100 --> 01:05:55.700
bewegen, wenn man das beobachtet, man auch sehen kann, dass Zeichensetzung einfach

01:05:55.700 --> 01:05:56.720
nicht mehr so wichtig ist.

01:05:56.920 --> 01:06:00.600
Also die Kommunikation funktioniert und wenn die Kommunikation ihr Ziel erfüllt,

01:06:01.020 --> 01:06:06.120
dann senkt es wahrscheinlich auch den Anreiz, Zeichensetzung und so weiter in der Form zu nutzen.

01:06:06.340 --> 01:06:09.800
Und das kann man auch ein Stück weit nachvollziehen, finde ich, als Lehrer.

01:06:10.140 --> 01:06:13.640
Arbeiten müssen wir daran natürlich trotzdem. Aber wie begeistert man heute

01:06:13.640 --> 01:06:16.640
Schülerinnen und Schüler für die deutsche Sprache in all ihren Facetten?

01:06:17.020 --> 01:06:20.460
Nikola Schmelzer hat mit seinem besonderen Ansatz Schlagzeilen gemacht.

01:06:20.460 --> 01:06:25.020
Er nutzt im Deutschunterricht auch Texte von bekannten und durchaus umstrittenen

01:06:25.020 --> 01:06:26.660
Rappern, wie Haftbefehl.

01:06:26.840 --> 01:06:29.580
Ich würde schon sagen, dass man die Gedichtanalyse fast genauso machen kann

01:06:29.580 --> 01:06:30.620
wie mit einem Eichendorftext.

01:06:30.940 --> 01:06:35.900
Also wenn ich jetzt Mondnacht nehme und nebendran dann 069 halte von Haftbefehl,

01:06:35.960 --> 01:06:38.460
dann kann man damit ziemlich ähnlich arbeiten.

01:06:39.440 --> 01:06:44.640
Es war, als hätte der Himmel die Erde stillgeküsst, dass sie im Blütenschimmer

01:06:44.640 --> 01:06:48.220
von ihm nun träumen müsst. 06, 06, 09!

01:06:50.720 --> 01:06:54.600
Das ist Alltagslyrik, da gibt es natürlich ein ganz anderes Sprachbild,

01:06:54.760 --> 01:06:57.060
aber genau darüber will man ja auch reden, wenn man das benutzt.

01:06:57.300 --> 01:07:00.100
Und wenn man dann diese Metapher eben analysiert und dadurch selber merkt,

01:07:00.200 --> 01:07:04.140
okay, auch diese Alltagslyrik hat irgendwie ihre Kunst, dann ist das,

01:07:04.220 --> 01:07:05.860
finde ich, durchaus wertvoll.

01:07:06.100 --> 01:07:10.020
Also wenn ich natürlich die Standardsprache, die schriftlich geboten ist,

01:07:10.280 --> 01:07:13.660
üben möchte, dann brauche ich natürlich auch einen Ausgangstext, der diese erfüllt.

01:07:14.200 --> 01:07:18.220
Außer ich würde hingehen und würde zum Beispiel eine Eigentextproduktion machen

01:07:18.220 --> 01:07:20.720
und sagen, ey, schau dir doch jetzt mal 069 hier an.

01:07:21.444 --> 01:07:23.884
Schreibt das mal, als hätte es Hölderlin geschrieben.

01:07:28.004 --> 01:07:33.564
Und übrigens, das Crazy ist das Jugendwort 2025, werden die meisten auch schon

01:07:33.564 --> 01:07:36.404
mitbekommen haben. Das heißt so viel wie OK oder Aha.

01:07:37.044 --> 01:07:41.764
Eine Antwort auf die Frage, welches ist das schönste deutsche Wort, die gibt es auch.

01:07:42.544 --> 01:07:46.324
2004 wurde es in einem internationalen Wettbewerb gekürt.

01:07:46.704 --> 01:07:51.724
Gewonnen hat das Wort Habseligkeiten. Für die Jury beschreibe das Wort mit einem

01:07:51.724 --> 01:07:55.984
freundlich-mitleidigen Unterton, wie wenig man eigentlich besitze.

01:07:56.784 --> 01:08:00.404
Augenstern und Purzelbaum kamen übrigens auch unter die ersten zehn.

01:08:00.944 --> 01:08:06.504
Und 2023 hat das Sprachmagazin Deutschperfekt nach einer Umfrage Kuddelmuddel

01:08:06.504 --> 01:08:09.204
zum beliebtesten Wort erklärt. Auch sehr schön für dich.

01:08:09.684 --> 01:08:13.124
Mir gefällt das Wort Pampelmuse sehr gut. Ich finde, das zaubert einem immer

01:08:13.124 --> 01:08:16.244
so ein Lächeln auf die Lippen. das klingt besonders, verwendet man nicht so

01:08:16.244 --> 01:08:19.904
oft und irgendwie würde ich es am liebsten jeden Tag mehrfach irgendwo in den

01:08:19.904 --> 01:08:23.204
Raum rufen, aber es ergibt ja nicht so viel Sinn, denn so oft ist man Pampelmusen

01:08:23.204 --> 01:08:24.004
jetzt auch wieder nicht.

01:08:24.184 --> 01:08:28.104
Aber vielleicht ist auch das das Besondere, dass man es eben nicht so häufig verwendet.

01:08:28.264 --> 01:08:31.004
Wenn ihr auch ein Lieblingswort habt, dann schreibt es uns sehr gerne per Mail

01:08:31.004 --> 01:08:34.264
oder auf Terra X History bei Instagram. Ich bin sehr gespannt,

01:08:34.324 --> 01:08:35.424
was ihr uns da durchgebt.

01:08:37.564 --> 01:08:40.824
Dieser Podcast hier endet an dieser Stelle, ist eine Produktion von Objektiv

01:08:40.824 --> 01:08:42.084
Media im Auftrag des ZDF.

01:08:42.264 --> 01:08:44.984
Die Autorinnen waren wie immer Janine Funke und Andrea Kahr.

01:08:45.084 --> 01:08:46.624
Sie sind beantwortlich für Buch und Regie.

01:08:46.784 --> 01:08:50.364
Für die technische Umsetzung und Gestaltung verantwortlich ist Sascha Schiemann.

01:08:50.784 --> 01:08:54.224
Redaktion im ZDF hatte Katharina Kolbenbach und mein Name ist Mirko Drotschmann.

01:08:54.724 --> 01:08:57.644
Ich sage danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

