WEBVTT

00:00:02.877 --> 00:00:03.477
ZDF,

00:00:08.897 --> 00:00:11.277
Ist ein waschechter Dinosaurier, die Anse.

00:00:17.360 --> 00:00:30.800
Music.

00:00:30.377 --> 00:00:34.877
Das wäre vermutlich eine gute Preisfrage in einem Fernsehquiz gewesen.

00:00:35.237 --> 00:00:41.497
Was sind die direkten Nachfahren der Dinosaurier? A. Krokodile, B. Lurche oder C.

00:00:41.997 --> 00:00:46.197
Vögel. Ich hätte vermutlich spontan auf Krokodile getippt.

00:00:46.477 --> 00:00:50.497
Und so falsch ist das ja auch gar nicht. Sie sind zumindest mit den Dinosauriern eng verwandt.

00:00:50.897 --> 00:00:53.777
Trotzdem wäre ich nie auf Vögel gekommen.

00:00:54.037 --> 00:00:56.597
Ich bin Birko Drotschmann, ihr hört Terra X History, der Podcast.

00:00:56.597 --> 00:01:00.557
Und in dieser Folge geht es nicht nur um Dinosaurier und was sie mit Amseln,

00:01:00.657 --> 00:01:05.477
Drosseln und Meisen zu tun haben, sondern um die Geschichte der Paläontologie.

00:01:05.897 --> 00:01:07.997
Wer grobt die ersten Knochen aus und warum?

00:01:08.537 --> 00:01:11.737
Seit wann beschäftigen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Fossilien?

00:01:11.857 --> 00:01:15.917
Und wie können Forscher überhaupt rekonstruieren, wie das damals so war,

00:01:16.097 --> 00:01:18.297
vor zig Millionen Jahren? War ja keiner dabei.

00:01:18.557 --> 00:01:22.237
Und wir sprechen natürlich auch über die Faszination, die Dinosaurier auf viele

00:01:22.237 --> 00:01:26.157
Menschen bis heute ausüben. Warum Brontosaurus, Stegosaurus,

00:01:26.657 --> 00:01:30.357
Triceratops und Tyrannosaurus rex vor allem bei Kindern so beliebt sind.

00:01:30.597 --> 00:01:34.257
Und warum noch viele Erwachsene einen Lieblingsdinosaurier haben.

00:01:34.477 --> 00:01:37.977
Einer ist übrigens der T-Rex und auch der Stegosaurus. Finde ich beide sehr cool.

00:01:38.757 --> 00:01:40.957
Naja gut, den findet glaube ich jeder cool, aber den Stegosaurus,

00:01:41.137 --> 00:01:42.257
den mag ich optisch ganz gerne.

00:01:42.517 --> 00:01:46.537
Und wenn wir jetzt die heutigen Dinosaurier, also die modernen Vögel anschauen,

00:01:46.997 --> 00:01:51.317
dann sind die Dinosaurier auch heute noch die erfolgreichste Landwirbeltiergruppe

00:01:51.317 --> 00:01:53.257
mit über 11.000 rezenten Arten.

00:01:53.537 --> 00:01:56.077
In dieser Folge werdet ihr Armin Schmidt immer wieder hören.

00:01:56.237 --> 00:01:59.757
Er ist nicht nur Paläontologe, sondern hat von den verschiedenen Bereichen des

00:01:59.757 --> 00:02:02.797
Fachs auch eine besondere Vorliebe für Dinosaurier.

00:02:02.997 --> 00:02:06.477
Und er räumt auch gleich mit einem Mythos auf, der weit verbreitet ist.

00:02:06.477 --> 00:02:10.397
Wenn man jetzt spitzfindig ist, könnte man ja sagen, dass die Dinosaurier vor

00:02:10.397 --> 00:02:14.217
66 Millionen Jahren nicht ausgestorben sind, weil die Vögel ja überlebt haben.

00:02:14.477 --> 00:02:18.737
Und jetzt nur den Erfolg an dieser Katastrophe zu messen, ist vielleicht auch

00:02:18.737 --> 00:02:23.837
ein bisschen harsch, weil auch alle anderen Tiere, alle anderen Tiergruppen,

00:02:23.897 --> 00:02:28.097
die am Ende der Kreidezeit zum Übergang zur Erdneuzeit gelebt haben.

00:02:28.717 --> 00:02:31.277
Haben massive Verluste hinnehmen müssen.

00:02:31.277 --> 00:02:33.977
Und was das auch für die Geschichte der Menschheit bedeutet hätte,

00:02:34.037 --> 00:02:35.337
das könnt ihr euch vielleicht vorstellen.

00:02:35.677 --> 00:02:39.577
Wären am Ende der Kreidezeit alle Säugetiere ausgestorben, dann würde es uns

00:02:39.577 --> 00:02:41.017
vermutlich heute gar nicht geben.

00:02:41.197 --> 00:02:45.037
Denn es hat ja ewig gedauert nach dem Massensterben, bis sich die ersten Menschen

00:02:45.037 --> 00:02:48.197
überhaupt aus den überlebenden Säugetieren haben entwickeln können.

00:02:48.457 --> 00:02:53.417
Grob geschätzt weitere 60 Millionen Jahre, bis sich die ersten Hominiden vor

00:02:53.417 --> 00:02:57.657
vielleicht 6 Millionen Jahren von unseren Vorfahren abgespaltet haben.

00:02:58.177 --> 00:03:01.697
Erdgeschichtlich betrachtet ist aber auch das eher ein Wimpernschlag.

00:03:01.937 --> 00:03:07.537
Die Erde ist fast unvorstellbare rund 4,6 Milliarden Jahre alt.

00:03:07.797 --> 00:03:13.097
Die Frühzeit nennt man Precambrium. Und vor vielleicht 3,7 Milliarden Jahren

00:03:13.097 --> 00:03:16.097
entstand das erste Leben auf unserem Planeten.

00:03:16.997 --> 00:03:23.317
Cyanobakterien. Und die formten sogenannte Stromatolite, also biogene Sedimentgesteine.

00:03:23.537 --> 00:03:26.397
Das sind die ältesten Fossilien der Geschichte.

00:03:28.617 --> 00:03:34.777
Am Anfang ist die Erde ein lebensfeindlicher Ort. Vulkane schleudern glühende Lava in den Himmel.

00:03:35.317 --> 00:03:38.257
Giftige Gase legen über alles einen dichten Schleier.

00:03:38.956 --> 00:03:44.216
Erst langsam kühlt sich der Planet ab. Aus den Vulkanen steigt Wasserdampf empor,

00:03:44.576 --> 00:03:46.296
erreichert sich in der Atmosphäre an.

00:03:46.736 --> 00:03:50.156
Irgendwann beginnt es zu regnen, Millionen Jahre lang.

00:03:53.796 --> 00:03:57.516
Tropfen für Tropfen füllen sich die Senken der Erdoberfläche.

00:03:57.836 --> 00:04:02.376
Es entsteht ein einziges gewaltiges Urmeer um kleine Urkontinente.

00:04:02.816 --> 00:04:04.876
Im Urmeer entsteht das Leben.

00:04:05.376 --> 00:04:08.516
Cyanobakterien beginnen das Sonnenlicht als Energiequelle zu nutzen.

00:04:08.956 --> 00:04:12.336
Durch die Photosynthese produzieren sie den ersten Sauerstoff.

00:04:12.716 --> 00:04:17.116
Bis dann aus einzelligen Organismen vielzellige Organismen geworden sind,

00:04:17.196 --> 00:04:18.536
das hat sehr, sehr lange gedauert.

00:04:18.736 --> 00:04:24.536
Und wir finden eigentlich erst komplexe Tiere bei der sogenannten Cambrischen Explosion.

00:04:24.916 --> 00:04:27.996
Wobei damit nicht gemeint ist, dass da irgendwas in die Luft geflogen ist,

00:04:28.116 --> 00:04:30.156
sondern es ist eine Art Explosion des Lebens.

00:04:30.396 --> 00:04:33.496
Und darauf sehen wir von jetzt auf gleich plötzlich ganz, ganz,

00:04:33.576 --> 00:04:37.576
ganz komplexe Lebewesen, Einige, von denen wir heute noch gar nicht so richtig

00:04:37.576 --> 00:04:41.896
verstehen, die auch mit den heutigen Tiergruppen nicht näher verwandt sind.

00:04:42.236 --> 00:04:47.696
Aber die tauchen dann irgendwie so vor 550 Milliarden Jahren auf.

00:04:47.856 --> 00:04:52.416
Und dazwischen, zwischen diesen 1,8 und diesen 500 oder 600 Millionen Jahren,

00:04:52.576 --> 00:04:55.576
da passiert gar nichts, was komplexe Lebewesen anliegt.

00:04:55.656 --> 00:04:58.796
Und vielleicht kann man deswegen sagen, es ist langweilig. Diese Zeit bis zur

00:04:58.796 --> 00:05:04.036
Cambrischen Explosion vor rund 540 Millionen Jahren wird auch als Boring Billion,

00:05:04.096 --> 00:05:07.236
also als die langweilige Milliarde bezeichnet.

00:05:07.496 --> 00:05:10.656
Aber dann ging es so richtig los mit dem Leben auf der Erde.

00:05:11.116 --> 00:05:15.156
Im Meer bilden sich erste Korallenriffe, in denen Trilobiten herumschwimmen.

00:05:15.296 --> 00:05:17.536
Das sind krebsähnliche Gliederfüßer.

00:05:17.716 --> 00:05:20.756
Die ersten Pflanzen entstehen. Vermutlich Mose.

00:05:22.776 --> 00:05:28.876
Vor rund 440 Millionen Jahren im Ordovizium scheint das Leben auf der Erde wieder vorbei.

00:05:29.176 --> 00:05:31.076
Das Klima verändert sich.

00:05:31.676 --> 00:05:36.516
Es kommt zur Katastrophe. Das erste Massenaussterben in der Erdgeschichte.

00:05:38.596 --> 00:05:42.756
Was genau damals passiert, darüber streiten sich die Wissenschaftler bis heute.

00:05:43.096 --> 00:05:48.156
Fest steht nur, jede Menge Vulkane brachen aus. Wir gehen davon aus,

00:05:48.256 --> 00:05:53.916
dass durch diesen Vulkanismus verstärkt Phosphor in das Meer gespült wurde.

00:05:54.516 --> 00:05:58.796
Und dieses Phosphor, das ist eine Art Dünger, kann man sich das so vorstellen.

00:05:59.076 --> 00:06:04.756
Und dann kam es zu massiven Algenblüten und diese Algenblüten haben dann den

00:06:04.756 --> 00:06:06.516
Sauerstoff, dem Wasser entzogen.

00:06:06.676 --> 00:06:11.616
Und dann kam es zu sogenannten anoxischen Verhältnissen, also frei von Sauerstoff.

00:06:11.616 --> 00:06:16.616
Und in Folge dessen kam es dann auch noch zu einer Reduktion von CO2 in der Atmosphäre.

00:06:16.776 --> 00:06:19.416
Und dann sagen die einen, das hat dann zu einer Abkühlung geführt und die anderen

00:06:19.416 --> 00:06:20.996
sagen, es hat zu einer Erwärmung geführt.

00:06:21.256 --> 00:06:24.496
Da weiß ich jetzt gar nicht so, werde am Ende die Oberhand halten.

00:06:25.264 --> 00:06:30.384
Am Ende des Ordoviziums war es jedenfalls erst einmal vorbei mit dem üppigen Leben auf der Erde.

00:06:30.624 --> 00:06:34.604
Es hat dann wieder ein paar Millionen Jahre gedauert, bis sich das Leben wiederentfaltet

00:06:34.604 --> 00:06:37.924
hat und auch erste höhere Gefäßpflanzen entstehen.

00:06:38.284 --> 00:06:43.224
Wir sehen danach zum Beispiel die Panzerfische oder die kieferlosen Fische.

00:06:43.344 --> 00:06:47.424
Das sind also Vorfahren von den Fischen, die nicht mit den modernen Fischen verwandten.

00:06:47.604 --> 00:06:52.044
Und wir sehen dann im Devon, also vor rund 400 Millionen Jahren,

00:06:52.044 --> 00:06:56.084
Die allerersten Tetrapoden an Land, so ein klassisches Beispiel,

00:06:56.304 --> 00:06:57.964
so Ichthiostega und solche Dinge.

00:06:58.244 --> 00:07:02.264
Oder auch der Vorfahrer von Ichthiostega, dieser Diktalik, der halt schon sehr,

00:07:02.364 --> 00:07:06.984
sehr viele Merkmale von Landwirbeltieren hat, aber der wahrscheinlich noch im Wasser gelebt hat.

00:07:08.804 --> 00:07:13.424
Wir sind jetzt also in der Erdgeschichte vor rund 400 Millionen Jahren angekommen.

00:07:13.724 --> 00:07:17.664
Ziemlich lange her und mich wundert immer, dass aus dieser Zeit überhaupt noch

00:07:17.664 --> 00:07:21.684
etwas von den Urzeitlebewesen übrig geblieben ist und nicht im Laufe der Zeit

00:07:21.684 --> 00:07:25.224
von Bakterien oder Würmern zersetzt wurde und spurlos verschwunden ist.

00:07:25.404 --> 00:07:29.684
Oder einfach unter Sedimenten restlos zermahlen wurde, die in Millionen von

00:07:29.684 --> 00:07:33.964
Jahren von den Bergen abgetragen wurden und sich überall auf der Erde abgelagert haben.

00:07:34.384 --> 00:07:38.164
Aber man findet tatsächlich noch versteinerte Trilobiten, die teils vor mehr

00:07:38.164 --> 00:07:40.884
als 400 Millionen Jahren im Meer gelebt haben.

00:07:41.204 --> 00:07:44.344
Diese Versteinerungen zu analysieren und ihr Alter festzustellen,

00:07:44.524 --> 00:07:48.984
ist heute Aufgabe der modernen Paläontologie. Sie rekonstruiert damit die Geschichte

00:07:48.984 --> 00:07:52.644
des Lebens auf unserem Planeten, die in den Gesteinen enthalten ist.

00:07:53.164 --> 00:07:57.304
Überreste ausgestorbener Tiere und Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen.

00:07:57.464 --> 00:08:00.544
Oder deren Spuren wie Fußabdrücke oder Exkremente.

00:08:01.004 --> 00:08:04.044
Aber Fossilien haben die Menschen schon in der Antike gefunden.

00:08:04.344 --> 00:08:07.444
Ohne natürlich genau zu wissen, was sie da eigentlich in den Händen hielten.

00:08:10.464 --> 00:08:14.144
Es gibt Gold in den großen Bergen, die von Greifen bewacht werden.

00:08:14.304 --> 00:08:20.024
Das sind Vögel mit vier Füßen, etwa so groß wie Wölfe, und mit Beinen und Klauen wie Löwen.

00:08:20.184 --> 00:08:24.084
Der griechische Arzt Ktesias von Knidos beschreibt im frühen 4.

00:08:24.224 --> 00:08:29.464
Jahrhundert vor Christus ein seltsames Wesen, das jemand mit eigenen Augen gesehen haben will.

00:08:29.644 --> 00:08:34.024
Ein Tier, das angeblich in den Wüsten Zentralasiens gelebt haben soll.

00:08:34.024 --> 00:08:38.444
Auch andere berühmte antike Autoren wie der Geschichtenschraber Herodot oder

00:08:38.444 --> 00:08:41.984
der römische Rhetoriker Claudius Elanius erzählen von diesem Mythos.

00:08:42.104 --> 00:08:46.624
Aber woher stammt er und warum hält er sich in der Antike über Jahrhunderte?

00:08:46.964 --> 00:08:52.024
Mit genau dieser Frage beschäftigt sich die US-amerikanische Althistorikerin Adrienne Mayer.

00:08:53.124 --> 00:08:58.304
Es gibt heute kein Lebewesen, das wir kennen, das vier Beine und einen Schnabel

00:08:58.304 --> 00:09:02.924
wie ein Adler hat. Aber Dinosaurier hatten oft vier Beine und Schnäbel.

00:09:03.244 --> 00:09:07.124
Also habe ich mich gefragt, ob vielleicht die alten skytischen Nomaden,

00:09:07.204 --> 00:09:11.144
die in den Ausläufern der Berge Zentralasiens nach Gold suchten,

00:09:11.364 --> 00:09:13.064
auf so etwas gestoßen sein könnten.

00:09:18.904 --> 00:09:23.424
Und es hat sich herausgestellt, dass es entlang dieser Handelsrouten,

00:09:23.424 --> 00:09:28.564
die die skytischen Nomaden genutzt haben, einige Dinosaurier-Fossilien vorkommen gibt.

00:09:28.564 --> 00:09:32.964
Und die am häufigsten vorkommende Kreatur war ein Protozeratops,

00:09:33.184 --> 00:09:36.124
also ein vierbeiniger Dinosaurier mit Schnabel.

00:09:37.264 --> 00:09:39.304
Moderne Paläontologen haben inzwischen

00:09:39.304 --> 00:09:42.744
auch Gelege dieser Dinosaurier mit versteinerten Eiern gefunden.

00:09:43.104 --> 00:09:47.684
Sie stammen aus der Kreidezeit und sind etwa 75 Millionen Jahre alt.

00:09:47.904 --> 00:09:52.864
Der Mythos des Greifs beruhte also sehr wahrscheinlich auf Funden von echten

00:09:52.864 --> 00:09:54.204
Dinosaurierfossilien.

00:09:54.449 --> 00:09:59.409
Erdbeben oder Überflutungen haben im Verlauf der Antike immer neue Fossilien freigelegt.

00:09:59.549 --> 00:10:02.849
Es gibt viele Quellen, die über genau solche Knochenfunde berichten.

00:10:03.049 --> 00:10:09.489
Ich habe mehr als 100 Beschreibungen in den klassischen Schriften gefunden über

00:10:09.489 --> 00:10:13.329
die Entdeckungen von großen oder sehr seltsam geformten Knochen,

00:10:13.369 --> 00:10:17.249
und zwar bei mindestens 30 griechischen und römischen Autoren.

00:10:22.009 --> 00:10:27.749
Ich habe dann eine Karte mit all diesen Fundstellen angefertigt und mit Paläontologen gesprochen.

00:10:28.409 --> 00:10:32.989
Und es hat sich herausgestellt, dass alle diese Orte, von denen die Griechen und Römer berichteten,

00:10:33.429 --> 00:10:37.529
man habe dort gigantische Knochen gefunden, Genau die Fundorte waren,

00:10:37.769 --> 00:10:42.369
die heute auch als Fossilienfundstellen bekannt sind, wo Versteinerungen von

00:10:42.369 --> 00:10:47.769
Mastodonten, Mammuts, Riesennashörnern oder Höhlenbären aus der Prähistorie zu finden sind.

00:10:52.669 --> 00:10:56.229
Die alten Griechen und Römer haben diese Fossilien nicht nur gesammelt,

00:10:56.349 --> 00:10:58.929
sie haben ihre Funde auch schon ausgestellt.

00:11:00.209 --> 00:11:04.989
Es ist schon erstaunlich, dass Kaiser Augustus tatsächlich das erste paläontologische

00:11:04.989 --> 00:11:08.589
Museum auf der Insel Capri gegründet hat, wo er seine Villa hatte.

00:11:09.029 --> 00:11:13.369
Als man das Fundament für Augustus' Villa ausgehoben hat, stießen die Arbeiter

00:11:13.369 --> 00:11:15.529
auf einige riesige versteinerte Knochen.

00:11:20.869 --> 00:11:26.249
In einer Quelle heißt es sogar, dass Kaiser Tiberius tatsächlich die allererste

00:11:26.249 --> 00:11:29.129
Rekonstruktion eines Fossils in Auftrag gegeben hat.

00:11:33.329 --> 00:11:37.969
Und zwar die eines Mammuts, dessen Skelett in der Nähe des Schwarzen Meeres gefunden worden war.

00:11:38.269 --> 00:11:42.949
Als Beweis überreichten Gesandte ihrem Kaiser einen 30 Zentimeter langen Zahn.

00:11:43.509 --> 00:11:48.289
Tiberius, der zwischen 14 und 37 nach Christus regiert hat, ließ anhand dieses

00:11:48.289 --> 00:11:54.229
Zahns von einem Mathematiker die wahre Größe des Mammuts ausrechnen und ein Modell danach bauen.

00:11:54.602 --> 00:11:57.942
Im Mittelalter waren diese antiken Berichte über Fossilien bekannt.

00:11:58.202 --> 00:12:02.802
Sie dienten als Beweise dafür, dass es tatsächlich Riesen gegeben haben musste.

00:12:03.202 --> 00:12:05.742
In der Bibel heißt es zum Beispiel in der Genesis.

00:12:07.762 --> 00:12:11.622
In jenen Tagen gab es auf der Erde die Riesen und auch später noch.

00:12:11.962 --> 00:12:14.102
Das sind die Helden der Vorzeit.

00:12:14.742 --> 00:12:19.642
Erst im 18. Jahrhundert hat sich dann ein gewisser Georges Cuvier die antiken

00:12:19.642 --> 00:12:21.202
Quellen noch einmal angeschaut.

00:12:21.382 --> 00:12:25.682
Er hat sich besonders für Elefanten interessiert. Ähnlich wie schon der römische

00:12:25.682 --> 00:12:30.362
Kaiser Tiberius studierte auch Cuvier einen fossilen Zahn etwas genauer.

00:12:31.342 --> 00:12:36.022
Was ist wohl aus den Tieren geworden, von denen es heute keine lebenden Spuren mehr gibt?

00:12:36.242 --> 00:12:42.862
Es ist der 4. April 1796 und der junge Gelehrte Georges Cuvier hält seine erste

00:12:42.862 --> 00:12:46.182
öffentliche Vorlesung an der Akademie der Wissenschaften in Paris.

00:12:46.442 --> 00:12:51.762
Solche Fragen hatte dem Publikum noch niemand gestellt. Der 26-jährige Cuvier

00:12:51.762 --> 00:12:53.842
interessiert sich besonders für Elefanten.

00:12:54.002 --> 00:12:58.142
Die Knochen unterscheiden sich von einem afrikanischen oder asiatischen Elefanten

00:12:58.142 --> 00:13:02.382
mindestens ebenso stark, wie sich ein Hund von einem Schakal unterscheidet.

00:13:02.742 --> 00:13:08.182
Cuviers Vortrag trägt den Namen Memoir sur les espèces d'éléphants vivants et

00:13:08.182 --> 00:13:12.782
fossiles, Abhandlung über lebende und fossile Arten von Elefanten.

00:13:14.222 --> 00:13:17.522
Es scheint mir, als ob diese Knochen die Existenz einer Welt beweisen,

00:13:17.782 --> 00:13:22.282
die unserer vorausging und durch eine Art Katastrophe zerstört wurde.

00:13:24.422 --> 00:13:28.942
Cuviers Theorie ist eine Sensation. Noch ist die allgemeine Lehrmeinung,

00:13:29.102 --> 00:13:32.182
alle Arten von Lebewesen existieren schon seit Anbeginn.

00:13:32.362 --> 00:13:37.202
Durch den Vergleich der Anatomie von Fossilien mit lebenden Tieren erbringt

00:13:37.202 --> 00:13:39.362
Cuvier nun den wissenschaftlichen Beweis.

00:13:39.662 --> 00:13:42.082
Tierarten können sehr wohl aussterben.

00:13:42.684 --> 00:13:45.864
Cuviers berühmte Vorlesung ist ein Wendepunkt.

00:13:46.124 --> 00:13:50.004
Der Naturforscher hat gezeigt, dass die fossilen Überreste des Tieres,

00:13:50.044 --> 00:13:55.144
das heute als Mastodon bekannt ist, nicht zu afrikanischen oder asiatischen Elefanten passten.

00:13:55.364 --> 00:13:58.524
Die fossilen Knochen mussten also zu einem Lebewesen gehören,

00:13:58.604 --> 00:14:03.124
das es heute nicht mehr gibt. Cuvier hat für das Aussterben des Mastodons wiederholte

00:14:03.124 --> 00:14:05.904
Naturkatastrophen in der Erdgeschichte verantwortlich gemacht.

00:14:06.124 --> 00:14:11.964
Und er hat auch geglaubt, dass neue Arten alte, ausgestorbene Arten einfach ablösen würden.

00:14:12.144 --> 00:14:14.324
Diese Vorstellung ist mittlerweile überholt.

00:14:14.564 --> 00:14:19.444
Heute wissen wir, jede neue Art entwickelt sich aus bereits existierenden Arten.

00:14:19.704 --> 00:14:23.604
Alles Leben hat einen gemeinsamen Vorfahren, wie die beiden Paläontologen David

00:14:23.604 --> 00:14:28.584
Taylor und Aaron O'Dee in ihrem Buch Die Geschichte des Lebens in 100 Fossilien schreiben.

00:14:28.584 --> 00:14:33.104
Und unter anderem darüber spreche ich jetzt mit dem Paläontologen und Wissenschaftsphilosophen

00:14:33.104 --> 00:14:35.524
Adrian Curry von der Universität in Exeter.

00:14:35.724 --> 00:14:37.764
Adrian, hallo, schön, dass du heute bei uns im Podcast bist.

00:14:38.184 --> 00:14:41.124
Hi, I'm delighted to be here. Je weiter man in der Zeit zurückgeht,

00:14:41.204 --> 00:14:43.844
desto weniger verwertbare Quellen gibt es für Historiker.

00:14:44.004 --> 00:14:46.904
Für Paläontologen ist das nochmal komplizierter, denn sie beschäftigen sich

00:14:46.904 --> 00:14:51.424
ja mit Erdzeitaltern wie dem Jura und das ist rund 200 Millionen Jahre her.

00:14:51.864 --> 00:14:55.524
Wie rekonstruieren Paläontologen denn das Leben auf der Erde vor Millionen von

00:14:55.524 --> 00:14:56.604
Jahren? Wie arbeiten sie?

00:15:05.244 --> 00:15:08.964
Wenn wir darüber nachdenken, welche Art von Beweisen wir überhaupt haben,

00:15:09.124 --> 00:15:13.304
um die Vergangenheit zu rekonstruieren, sei es in der Paläontologie oder in

00:15:13.304 --> 00:15:17.244
den Geschichtswissenschaften, gibt es meiner Meinung nach zwei Dinge zu beachten.

00:15:17.704 --> 00:15:20.964
Das eine ist, was für Spuren oder Quellen wir haben.

00:15:21.424 --> 00:15:24.064
Für die Menschen, die über die Geschichte des Lebens sprechen,

00:15:24.464 --> 00:15:26.644
sind Fossilien extrem wichtige Quellen.

00:15:27.304 --> 00:15:31.784
Aber Fakt ist, dass sich diese Funde mit der Zeit zersetzen und wir auch nur

00:15:31.784 --> 00:15:32.824
einen Teil davon finden.

00:15:33.544 --> 00:15:38.004
Und es ist auch noch so, dass die Erdvergangenheit im Vergleich zu unserer heutigen

00:15:38.004 --> 00:15:39.584
Welt sehr anders aussah.

00:15:40.901 --> 00:15:45.481
Als Paläontologe versucht man, Tiere zu erklären, die sich völlig von den Tieren

00:15:45.481 --> 00:15:49.841
unterscheiden, wie wir sie heute kennen und die wir um uns herum sehen in einer

00:15:49.841 --> 00:15:53.061
Umwelt, die auch vollkommen anders ist als heute.

00:15:53.541 --> 00:15:56.681
Was macht man also? Wie sieht die Strategie aus?

00:15:57.361 --> 00:16:01.961
Du nutzt jeden Beweis und jede Kleinigkeit, um eine hoffentlich plausible Geschichte

00:16:01.961 --> 00:16:05.261
zu rekonstruieren, in der sich alles zusammenfügt.

00:16:06.281 --> 00:16:11.341
Paläontologen rekonstruieren Dinge oft auf sehr kreative Weise und sind extrem

00:16:11.341 --> 00:16:13.921
gut darin, sehr produktiv zu spekulieren.

00:16:14.381 --> 00:16:19.001
Die Antwort auf die Frage, wie man etwas über eine unglaublich chaotische,

00:16:19.201 --> 00:16:23.941
komplizierte Welt herausfinden kann, lautet also durch unglaublich chaotische,

00:16:24.141 --> 00:16:26.001
komplizierte Untersuchungsstrategien.

00:16:35.701 --> 00:16:38.901
Am Anfang deines Buches beschreibst du ein Tier, dessen Namen für mich sehr

00:16:38.901 --> 00:16:43.521
schwer auszusprechen ist. Es handelt sich um Obdurodon tarolkulchait oder so ähnlich.

00:16:43.721 --> 00:16:48.161
Ein Riesenschnabeltier, das im Oligozen, also vor etwa 30 Millionen Jahren in

00:16:48.161 --> 00:16:51.441
Australien, gelebt hat und von dem nur ein Zahn gefunden wurde.

00:16:51.821 --> 00:16:54.881
Letztlich kann man zu dem Schluss, dass es sich um eine neue Art handeln muss.

00:16:55.021 --> 00:16:57.541
Wie war das denn anhand eines einzigen Zahns möglich?

00:17:00.901 --> 00:17:04.161
Dieses Beispiel gefällt mir sehr gut, weil es uns sehr gut zeigt,

00:17:04.361 --> 00:17:06.581
wie wir mit dem Material umgehen, das wir haben.

00:17:07.281 --> 00:17:12.981
Wir denken oft, dass es auf jeden Fall wissenschaftliche Daten in großer Menge geben muss. Stimmt's?

00:17:13.521 --> 00:17:17.941
Und wenn man dann nur einen Zahn hat, dann denken viele, dass man sicherlich

00:17:17.941 --> 00:17:19.121
nicht viel daraus schließen kann.

00:17:19.581 --> 00:17:23.341
Aber tatsächlich haben wir bei Säugetierzähnen unglaubliches Glück,

00:17:23.741 --> 00:17:25.441
denn die sind äußerst informativ.

00:17:26.221 --> 00:17:29.481
Ein einzelner Zahn enthält eine enorme Menge an Informationen.

00:17:30.781 --> 00:17:35.641
Im Fall von Obdurdon terasuchild handelt es sich um eine Platypus-Art.

00:17:35.981 --> 00:17:40.681
Das sind diese seltsamen Säugetiere mit Entenschnäbeln, die man in Australien findet.

00:17:41.217 --> 00:17:45.957
Das Coole an Obdurdon Teresuchild ist, dass es ein Schnabeltier ist,

00:17:46.077 --> 00:17:49.797
das etwa doppelt so groß ist wie alle lebenden Schnabeltiere, die wir kennen.

00:17:49.977 --> 00:17:54.037
Etwa einen Meter lang, was für Schnabeltiere sehr, sehr groß ist.

00:17:54.717 --> 00:17:57.797
Aber wie kann man herausfinden, dass es so groß war?

00:17:58.517 --> 00:18:03.097
Wir haben Fossilien von anderen ausgestorbenen Schnabeltierzähnen und wir kennen

00:18:03.097 --> 00:18:04.577
die Größe dieser Schnabeltiere.

00:18:04.897 --> 00:18:09.097
Bei einem Säugetier korreliert die Größe der Zähne mit der Körpergröße.

00:18:09.777 --> 00:18:13.457
Und so kann man ziemlich einfach auf die Größe des Riesenschnabeltiers schließen.

00:18:13.917 --> 00:18:18.337
Es gibt viele kleine Tricks wie diesen, bei denen Paläontologen oft über extrem

00:18:18.337 --> 00:18:19.777
fundierte Kenntnisse verfügen,

00:18:20.297 --> 00:18:23.837
sowohl über die Beziehung zwischen verschiedenen morphologischen Merkmalen,

00:18:23.897 --> 00:18:27.257
wie zum Beispiel der Zahngröße, als auch über andere Merkmale,

00:18:27.277 --> 00:18:31.657
um dann zu sagen, ah, ich habe ein Riesenschnabeltier, richtig?

00:18:32.197 --> 00:18:35.757
In Kombination natürlich mit einem tiefen Verständnis der Prozesse,

00:18:35.897 --> 00:18:37.017
wie Fossilien entstehen.

00:18:37.757 --> 00:18:40.597
So kann man die Spuren deuten und dann Rückschlüsse daraus ziehen.

00:18:46.097 --> 00:18:49.317
Man hat also ein Fossil und erstellt dann eine Geschichte dazu.

00:18:49.497 --> 00:18:52.877
Aber wo liegt denn deiner Meinung nach die Grenze zwischen wissenschaftlicher

00:18:52.877 --> 00:18:54.057
Erklärung und Spekulation?

00:18:54.697 --> 00:18:57.777
Das ist eine gute Frage. Ich bin sehr pro-speculation.

00:18:58.497 --> 00:19:02.337
Wenn Leute fragen sich, wie wir wirklich für sicher wissen, was es nicht in

00:19:02.337 --> 00:19:05.557
paleontologie oder in historie wissen, Das ist eine gute Frage.

00:19:05.557 --> 00:19:07.657
Also ich bin Befürworter der Spekulation.

00:19:08.137 --> 00:19:12.397
Wenn Leute fragen, wie können wir in der Paläontologie oder in der Geschichte

00:19:12.397 --> 00:19:16.557
überhaupt etwas mit Sicherheit wissen, dann führt das natürlich direkt zu der

00:19:16.557 --> 00:19:21.537
Frage, wie können wir überhaupt davon ausgehen, dass paläontologisches Wissen fundiert ist.

00:19:21.837 --> 00:19:25.637
Und die Antwort darauf ist meiner Meinung nach, darüber nachzudenken,

00:19:25.757 --> 00:19:26.957
wie dieses Wissen entsteht.

00:19:27.408 --> 00:19:32.308
Nämlich aus der Kombination einer Reihe ganz unterschiedlicher Dinge, die wir wissen.

00:19:33.608 --> 00:19:36.908
Paläontologisches Wissen wird nicht auf die gleiche Weise gewonnen,

00:19:37.088 --> 00:19:41.108
wie man es vielleicht von klassischem, experimentellem Wissen erwarten würde,

00:19:41.188 --> 00:19:43.908
wo man dieses perfekte Experiment hat,

00:19:44.308 --> 00:19:48.008
bei dem Isaac Newton seine kleinen Prismen bewegt und dann zeigt,

00:19:48.208 --> 00:19:52.208
dass sich die Farbe des Lichts in derselben geometrischen Beziehung verschiebt,

00:19:52.368 --> 00:19:54.888
wie man die Lichtbrechung verschoben hat. Richtig?

00:19:55.588 --> 00:19:58.728
In der Paläontologie funktioniert das nicht so.

00:19:59.368 --> 00:20:04.008
Aber was du bekommst, sind Beweise aus allen möglichen unterschiedlichen Richtungen.

00:20:04.268 --> 00:20:07.628
Man denkt nicht nur über ein einziges, bestimmtes Fossil nach.

00:20:07.628 --> 00:20:11.408
Es gibt enorm viele und unterschiedliche Beweise oder Hinweise,

00:20:11.508 --> 00:20:13.848
die wir nutzen, um all diese Dinge zu verstehen.

00:20:14.208 --> 00:20:16.928
Und das ist die Art und Weise, wie wir Fragen stellen.

00:20:22.188 --> 00:20:25.828
Okay, schauen wir jetzt mal auf den Beginn der Paläontologie als Wissenschaft im 18.

00:20:26.028 --> 00:20:29.728
Jahrhundert, im Zeitalter der Aufklärung. Es gab einen französischen Naturforscher

00:20:29.728 --> 00:20:32.968
namens Georges Cuvier, der als Begründer der Paläontologie gilt.

00:20:33.068 --> 00:20:34.888
Wir haben über ihn auch hier im Podcast schon kurz gesprochen.

00:20:35.148 --> 00:20:40.208
Was wusste man denn damals über Dinosaurier und wusste man, wie alt die Erde überhaupt war?

00:20:40.728 --> 00:20:46.528
Das sind zwei sehr große Fragen. Zunächst sollte man wissen,

00:20:46.868 --> 00:20:49.308
dass erst in der ersten Hälfte des 19.

00:20:49.508 --> 00:20:54.228
Jahrhunderts allgemein anerkannt wurde, dass es so etwas wie ein Artensterben überhaupt gab.

00:20:54.768 --> 00:20:58.208
Es gab viele Menschen, die damals nicht glaubten, dass so etwas passieren könne.

00:20:58.871 --> 00:21:03.671
Und nicht allzu lange davor, Mitte des 18. Jahrhunderts, etwas vor Cuvier,

00:21:03.991 --> 00:21:07.711
hatte man zum ersten Mal den Gedanken zugelassen, dass es auch so etwas wie

00:21:07.711 --> 00:21:10.051
eine lange Geschichte vor der Menschheit gab.

00:21:10.191 --> 00:21:13.971
Also die Annahme, dass die Erde eine viel längere Geschichte hat,

00:21:14.051 --> 00:21:17.951
in der wir Menschen noch nicht existierten, und eine Erde existierte,

00:21:18.131 --> 00:21:20.331
in der es noch nicht alle Arten gab.

00:21:23.371 --> 00:21:27.471
Und das war eine wirklich revolutionäre Entdeckung. Ich weiß nicht,

00:21:27.591 --> 00:21:33.591
ob ich Georges Cuvier in dem Zusammenhang unbedingt als Vater der Paläontologie bezeichnen würde.

00:21:34.111 --> 00:21:38.951
Cuvier war ein Morphologe und sehr, sehr gut darin, das Aussehen und die äußere

00:21:38.951 --> 00:21:40.991
Form von Lebewesen zu analysieren.

00:21:41.591 --> 00:21:46.691
Er konnte sich also ein Fossil ansehen und sagen, hey, dieses Fossil sieht ein

00:21:46.691 --> 00:21:48.431
bisschen wie ein Leguan aus.

00:21:49.091 --> 00:21:53.171
Und dann kann ich es mit einem lebenden Leguan in Verbindung bringen.

00:21:53.331 --> 00:21:57.091
Und ich denke, das ist eine sehr wichtige Vorgehensweise in der Paläontologie.

00:21:57.391 --> 00:22:01.931
Aber was Cuvier, soweit ich weiß, nicht tat, war, sich mit den geologischen

00:22:01.931 --> 00:22:03.111
Aspekten zu beschäftigen.

00:22:03.671 --> 00:22:07.951
In dem Zusammenhang ist eine andere Person wichtiger, nämlich Robert Hooke,

00:22:08.291 --> 00:22:12.391
ein Zeitgenosse Newtons in der frühen Royal Society in Großbritannien.

00:22:13.171 --> 00:22:16.951
Hook interessiert sich sehr für Ammoniten, diese wunderschönen,

00:22:17.091 --> 00:22:18.591
spiralförmigen Fossilien.

00:22:18.851 --> 00:22:23.491
Er ist einer der Ersten, der sagt, hey, das war mal ein Lebewesen, oder?

00:22:24.131 --> 00:22:26.531
Vorher dachten das die meisten Menschen nämlich nicht.

00:22:27.231 --> 00:22:32.891
Es war also eine neue Entdeckung, dass Fossilien die Überreste von einst lebenden Organismen waren.

00:22:33.591 --> 00:22:36.151
Das Interessante an Hook und seinen Zeitgenossen ist jedoch,

00:22:36.371 --> 00:22:41.071
dass sie diese Fossilien nicht als etwas betrachteten, was vor den Menschen existierte.

00:22:41.731 --> 00:22:46.331
Er glaubte, dass sie zeitgleich existiert haben mussten. Für ihn waren die Fossilien,

00:22:46.411 --> 00:22:50.251
und diese Metapher hat er verwendet, so etwas wie römische Münzen.

00:22:51.201 --> 00:22:55.701
Und so gibt es im 18. und 19. Jahrhundert wirklich viele interessante Arbeiten

00:22:55.701 --> 00:23:00.021
von Wissenschaftlern, die versuchen, solche Funde zu ordnen und auch versuchen,

00:23:00.121 --> 00:23:04.981
das Alter der Erde zu bestimmen, wofür sie damals aber noch nicht wirklich gut aufgestellt waren.

00:23:05.741 --> 00:23:09.641
Man wusste, was zuerst und was später passiert sein musste.

00:23:10.281 --> 00:23:14.761
Aber man hatte noch keine Vorstellung davon, wann genau diese Entwicklung eigentlich begann.

00:23:22.681 --> 00:23:25.241
Haben die anderen Wissenschaftler Ihnen denn überhaupt geglaubt,

00:23:25.281 --> 00:23:28.681
dass sie von Fossilien sprachen, die älter sein sollten als die Menschheit?

00:23:28.781 --> 00:23:31.581
Und wie haben denn die Gesellschaft und die Kirche darauf reagiert?

00:23:38.001 --> 00:23:42.721
Nun, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es einen großen Boom in der Geologie.

00:23:42.781 --> 00:23:47.181
Und Paläontologie und Geologie sind seit jeher eng miteinander verbunden.

00:23:47.881 --> 00:23:51.761
Dieselben Leute, die Fossilien sammelten, sammelten auch interessante Steine.

00:23:52.481 --> 00:23:56.521
Eine der bekanntesten Entdeckungen stammt beispielsweise von William Buckland,

00:23:56.681 --> 00:23:58.781
einem äußerst seltsamen Charakter.

00:23:59.321 --> 00:24:03.341
Buckland ist vor allem dafür bekannt, dass er diese Hyänenhöhle in Yorkshire

00:24:03.341 --> 00:24:04.701
im Norden Englands entdeckt hat.

00:24:05.021 --> 00:24:09.641
Eine Höhle, die voller Knochen von Hirschen, vielen dieser riesigen Hyänen,

00:24:09.881 --> 00:24:11.981
Flusspferden, Elefanten und solcher Sachen war.

00:24:12.721 --> 00:24:18.361
Er leistet diese großartige Arbeit, in der er die Morphologie im Stil von Cuvier

00:24:18.361 --> 00:24:22.761
mit der Geologie kombiniert, um zu erklären, wie diese Höhle entstanden ist.

00:24:23.761 --> 00:24:26.941
Er bringt das zusammen und liefert ein wirklich solides Argument dafür,

00:24:27.261 --> 00:24:31.341
dass sie vor der Sintflut, so wie es in der Bibel steht, entstanden sein musste.

00:24:36.701 --> 00:24:41.041
Es stimmt natürlich, dass es deshalb Spannungen zwischen der Kirche und diesen

00:24:41.041 --> 00:24:42.581
wissenschaftlichen Entdeckungen gab.

00:24:42.761 --> 00:24:44.861
William Buckland zum Beispiel war Pfarrer.

00:24:45.421 --> 00:24:49.261
Er war ein ziemlich hohes Mitglied der Kirche. Und er bekam den ersten Lehrstuhl

00:24:49.261 --> 00:24:53.381
in Geologie in Oxford. Und der Grund, warum er diesen Lehrstuhl bekam,

00:24:53.521 --> 00:24:58.041
war, dass damals jeder ein bisschen misstrauisch gegenüber diesen neuen Wissenschaften war.

00:24:58.381 --> 00:25:03.341
Und Teil von Bucklands Job war es, dafür zu sorgen, dass die Geologie anerkannt wurde.

00:25:03.501 --> 00:25:07.381
Und er hat zum Beispiel diese berühmten Bridgewater-Abhandlungen geschrieben.

00:25:07.741 --> 00:25:11.701
Schaut her, hier sind Christentum und Geologie gute Freunde.

00:25:11.921 --> 00:25:14.981
Wir können Geologie nutzen, um die Bibel zu verstehen.

00:25:19.201 --> 00:25:23.141
Christlicher Glaube und das, was wir aus heutiger Sicht wissenschaftlicher Glaube

00:25:23.141 --> 00:25:25.861
nennen würden, waren in der ersten Hälfte des 19.

00:25:26.121 --> 00:25:29.881
Jahrhunderts wesentlich vielfältiger und komplexer und überschneiden sich auf

00:25:29.881 --> 00:25:31.721
interessante Weise mehr, als wir denken.

00:25:33.481 --> 00:25:38.441
Mich fasziniert immer, wie Menschen wie Buckland in populären Geschichtswerken dargestellt werden.

00:25:39.084 --> 00:25:43.604
Oft wird Buckland als der große Bösewicht angesehen, weil er das Kapitel über

00:25:43.604 --> 00:25:47.404
Geologie und Mineralogie in den Bridgewater-Abhandlungen verfasst hat.

00:25:47.804 --> 00:25:51.064
Darin geht es um eine biblische Auslegung der Geologie.

00:25:51.204 --> 00:25:55.384
Und sicher konnte das nicht wissenschaftlich sein, aber gleichzeitig war Buckland

00:25:55.384 --> 00:25:58.464
einer der ersten, der der Gletscher-Theorie zustimmte.

00:25:58.724 --> 00:26:04.224
Also, wie verschiedene geologische und geomorphologische Formen entstanden sind,

00:26:04.264 --> 00:26:08.644
im Gegensatz zu einem System, das alles versuchte, mit der Sintflut zu erklären.

00:26:09.084 --> 00:26:12.644
Und obwohl er ein tiefgläubiger Mensch war, ist er den Beweisen gefolgt.

00:26:13.264 --> 00:26:17.364
Ja, es gab Spannungen zwischen religiösen Überzeugungen und der neuen Wissenschaft

00:26:17.364 --> 00:26:21.664
der Geologie und der Paläontologie im späten 18. und 19. Jahrhundert.

00:26:22.204 --> 00:26:26.464
Aber ich denke, wir müssen sehr vorsichtig sein, wie wir diese Spannungen beschreiben,

00:26:26.804 --> 00:26:29.164
denn sie sind oft viel komplexer, als wir denken.

00:26:35.864 --> 00:26:39.124
Es gibt Menschen, die denken, dass Paläontologie nur daraus besteht,

00:26:39.284 --> 00:26:43.044
irgendwelche Dinosaurierknochen auszugraben, sie zu reinigen und so weiter.

00:26:43.204 --> 00:26:48.064
Aber du sagst, dass es viel mehr ist als das, vor allem wenn man auch die Geschichte betrachtet.

00:26:48.484 --> 00:26:51.784
Wie würdest du denn beschreiben, was Paläontologie wirklich ist?

00:26:56.644 --> 00:27:01.524
Eine Möglichkeit, das zu beschreiben, ist, dass Paläontologen sich für die tatsächliche

00:27:01.524 --> 00:27:02.724
Vergangenheit interessieren.

00:27:02.964 --> 00:27:06.404
Wir wollen wissen, warum die Dinosaurier ausgestorben sind.

00:27:06.624 --> 00:27:11.004
Wir wollen wissen, welches Tier diesen seltsam geformten Stein hinterlassen

00:27:11.004 --> 00:27:13.544
hat, um was für ein Fossil es sich handelt.

00:27:14.964 --> 00:27:18.864
Paläontologie, Archäologie, Geologie und Geschichtswissenschaften sind eigentlich

00:27:18.864 --> 00:27:23.984
Wissenschaften der Möglichkeiten. Denn um zu verstehen, was tatsächlich passiert

00:27:23.984 --> 00:27:27.484
ist, muss man verstehen, was alles hätte passieren können.

00:27:27.964 --> 00:27:30.984
Und man möchte verstehen, wie die Dinge hätten sein können.

00:27:31.344 --> 00:27:35.304
Denn eines der ersten Dinge, die man lernt, wenn man sich mit Geschichte und

00:27:35.304 --> 00:27:40.324
auch Paläontologie beschäftigt, ist, dass der derzeitige Zustand nicht von Dauer ist.

00:27:40.664 --> 00:27:45.684
Ohne Fossilien hätten wir beispielsweise keine Ahnung, dass vor 100.000 Jahren

00:27:45.684 --> 00:27:49.064
sieben andere Hominiden-Arten auf dem Planeten lebten.

00:27:49.624 --> 00:27:54.424
Oder dass es vor 60, 100 Millionen Jahren, dass es da keine Blumen auf der Welt

00:27:54.424 --> 00:27:59.424
gab, dass die sich erst entwickelten und dass es dann plötzlich Bienen und Insekten

00:27:59.424 --> 00:28:03.884
und all diese Dinge gab, die daraus entstanden sind. Das erfüllt uns mit Staunen.

00:28:04.363 --> 00:28:09.023
Es gibt uns eine neue Perspektive, um die Dinge, die wir für selbstverständlich

00:28:09.023 --> 00:28:11.463
gehalten haben, und unsere Annahmen zu überdenken.

00:28:13.243 --> 00:28:16.763
Und diese historische Perspektive ist meiner Meinung nach sehr wichtig,

00:28:16.763 --> 00:28:21.103
um die Zukunft zu betrachten und auch zu verstehen, was sich ändern könnte und

00:28:21.103 --> 00:28:23.543
vor allem, welche Dinge wir ändern könnten.

00:28:29.283 --> 00:28:31.923
Okay, das klingt wirklich toll. Ich glaube, jeder, der diesen Podcast hört,

00:28:32.023 --> 00:28:35.963
wird jetzt sagen, ja, ich möchte Paläontologe werden. Das ist so ein toller Beruf.

00:28:36.923 --> 00:28:40.983
Ich würde empfehlen, eher Philosoph oder Historiker der Paläontologie zu werden.

00:28:41.103 --> 00:28:44.603
Dann kann man über die Dinge nachdenken, ohne sich die Hände schmutzig zu machen.

00:28:46.183 --> 00:28:49.423
Ja, okay, da ist auch was dran. Vielen Dank auf jeden Fall, dass du bei uns im Podcast warst.

00:28:53.583 --> 00:29:00.023
Im Oberdevon, vor rund 372 Millionen Jahren. Die Ozeane sind voller Leben.

00:29:00.503 --> 00:29:04.983
Korallentierchen bauen mächtige Riffe. Panzerfische und Quastenflosser schwimmen umher.

00:29:05.323 --> 00:29:08.883
An den Ufern der Kontinente wachsen die ersten Bäume in den Himmel.

00:29:09.854 --> 00:29:15.214
Doch dann verändern gewaltige Vulkanausbrüche das Klima. Das Meer verliert seinen

00:29:15.214 --> 00:29:17.254
Atem, der Sauerstoff verschwindet.

00:29:17.734 --> 00:29:20.414
Zurück bleiben tote, giftige Ozeane.

00:29:21.054 --> 00:29:25.874
Das, was ihr da gerade gehört habt, handelt von dem sogenannten Kellwasserereignis.

00:29:26.074 --> 00:29:29.194
Es ist das zweite Massenaussterben in der Erdgeschichte.

00:29:29.474 --> 00:29:33.874
In der Paläontologie spricht man heute von den Big Five. Und damit sind in diesem

00:29:33.874 --> 00:29:35.774
Fall keine afrikanischen Wildtiere

00:29:35.774 --> 00:29:39.894
gemeint, sondern die großen Massenartensterben in der Erdgeschichte.

00:29:40.254 --> 00:29:43.734
Eigentlich sind es sechs. Von zweien haben wir schon gehört.

00:29:43.934 --> 00:29:47.814
Nämlich dem Massensterben im Ordovizium vor 440 Millionen Jahren,

00:29:48.114 --> 00:29:53.974
dem Kellwasserereignis im Oberdevon vor 372 Millionen Jahren und dann gab es

00:29:53.974 --> 00:30:00.394
noch das Hangenbergereignis vor 359 Millionen Jahren, bei dem bis zu drei Viertel

00:30:00.394 --> 00:30:02.214
aller Arten ausgestorben sind.

00:30:02.214 --> 00:30:06.694
Und da war aber das Aussterben tatsächlich überwiegend auch im Meer.

00:30:06.834 --> 00:30:11.354
Da waren die ganzen Korallen betroffen und vor allem bentische Organismen.

00:30:11.454 --> 00:30:15.674
Das sind am Meeresboden lebende Tiere wie zum Beispiel Brachiopoden,

00:30:15.754 --> 00:30:16.634
die gibt es auch heute noch.

00:30:16.794 --> 00:30:19.414
Die sehen so ein bisschen aus wie Muscheln, sind aber nicht echte Muscheln,

00:30:19.454 --> 00:30:20.494
sondern eben Brachiopoden.

00:30:20.714 --> 00:30:24.054
Und dann die Trilobiten, die kennt man also aus den ganzen Kinderbüchern.

00:30:24.174 --> 00:30:28.554
Und die primitiven Fische, von denen ich gesprochen habe, die sterben da also aus.

00:30:31.474 --> 00:30:35.294
Nach jedem Massenaussterben hat sich das Leben auf der Erde wieder erholt,

00:30:35.534 --> 00:30:38.294
auch wenn es Millionen von Jahren gedauert hat.

00:30:38.434 --> 00:30:43.454
Und dann gibt es wieder eine Normalisierung der Umstände und dann verbreiten

00:30:43.454 --> 00:30:47.074
sich die Organismen, die eben diesen Kollaps überlebt haben,

00:30:47.194 --> 00:30:49.394
dann massenhaft und rasant.

00:30:49.394 --> 00:30:53.094
Also die bringen dann in Nischen vor, die sie vorher vielleicht noch nicht belegt

00:30:53.094 --> 00:30:57.914
haben und entwickeln sich dann auch in einer höheren Evolutionsgeschwindigkeit

00:30:57.914 --> 00:31:00.334
und dann diversifiziert sich das Ganze wieder.

00:31:00.474 --> 00:31:05.074
Also wir sehen wieder ganz viele verschiedene Tiere und dann fängt eben das Leben von Neuem an.

00:31:07.046 --> 00:31:13.286
Im Karbon und im Devon, das ist so die Zeit, wo dann wirklich der Landgang vollzogen wird.

00:31:13.586 --> 00:31:17.526
Da haben wir dann echte Amphibien, dann haben wir die allerersten Präptilien,

00:31:17.606 --> 00:31:20.946
dann haben wir die ersten Synapsiden, aus denen später Säugetiere werden.

00:31:21.146 --> 00:31:26.726
Es gibt diese unglaubliche Fülle von Pflanzen, es entstehen Urwälder.

00:31:27.066 --> 00:31:31.606
Der Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre steigt auf bis zu 30 Prozent an.

00:31:31.786 --> 00:31:35.486
Das ist über dem Wert, den wir heute haben. Zum Vergleich, wir haben heute eine

00:31:35.486 --> 00:31:39.566
Atmosphäre, in der ungefähr 21 Prozent Luftsauerstoff enthalten ist.

00:31:39.706 --> 00:31:44.426
Und das war eben im Perm, also vor rund 270 Millionen Jahren.

00:31:44.846 --> 00:31:47.546
Und deswegen sehen wir also aus dem Carbon und aus dem Perm,

00:31:47.626 --> 00:31:50.726
also auf diese riesigen Steinkohlevorkommen, die wir heute haben,

00:31:50.826 --> 00:31:52.226
das ist in dieser Zeit entstanden.

00:31:52.486 --> 00:31:59.586
Also wir bauen heute noch Bäume ab, die dann eben vor über 350 Millionen Jahren gewachsen sind.

00:31:59.746 --> 00:32:02.486
Also das ist schon phänomenal, das ist verrückt.

00:32:05.246 --> 00:32:10.466
Die Tiere waren überwiegend räuberisch, aber es gab auch schon die ersten Pflanzenfresser,

00:32:10.586 --> 00:32:12.846
weil einfach Pflanzennahrung so üblich verfügbar war.

00:32:13.306 --> 00:32:16.846
Haben manche Landwirbeltiere gedacht, naja, dann essen wir halt auch Pflanzen,

00:32:17.006 --> 00:32:19.466
dann müssen wir nicht jagen und dann müssen wir nicht weit laufen.

00:32:19.806 --> 00:32:23.126
Und dann war das also ein ganz neues Konzept, ein neues Modell.

00:32:25.206 --> 00:32:30.526
Doch dann die nächste Katastrophe. Im Gebiet des heutigen Sibiriens brechen

00:32:30.526 --> 00:32:34.186
mächtige Vulkane aus. Die Lava überdeckt alles Leben.

00:32:34.506 --> 00:32:38.466
Eine Fläche von der Größe Australiens verschwindet unter erstarrtem Magma.

00:32:39.026 --> 00:32:43.046
Gase wie Schwefeldioxid und Kohlendioxid verpesten die Atmosphäre.

00:32:43.646 --> 00:32:48.946
Saurer Regen ergießt sich über die Erde. Dieser saure Regen führt dann zu einem

00:32:48.946 --> 00:32:51.146
massiven Waldsterben überall.

00:32:51.506 --> 00:32:56.426
Also diese ganzen üppigen Wälder, von denen wir da eben gerade gesprochen haben, die kollabieren.

00:32:57.152 --> 00:33:00.632
Und dadurch, dass eben diese ganzen Pflanzen sterben, wird sehr,

00:33:00.752 --> 00:33:03.812
sehr viel organisches Material ins Meer eingespült.

00:33:03.952 --> 00:33:09.612
Und dann kommt es wieder zu diesen Algenblüten und dann kommt es wieder zu einem Umkippen des Meeres.

00:33:09.832 --> 00:33:16.192
Und darin erlosch vor 252 Millionen Jahren alles Leben. Und nicht nur da.

00:33:16.452 --> 00:33:20.292
Was schleichend begann mit dem Aussterben einzelner Arten im Meer,

00:33:20.592 --> 00:33:26.312
zog immer weitere Kreise. Es kam zum größten Massenaussterben in der Erdgeschichte,

00:33:26.472 --> 00:33:28.052
an der Grenze Triasperm.

00:33:28.312 --> 00:33:32.272
Es wird heute von einigen Forschern als das große Sterben bezeichnet.

00:33:32.612 --> 00:33:35.912
Und an Sterben, da gibt es unterschiedliche Angaben in der Literatur,

00:33:36.032 --> 00:33:40.872
aber wir können mal sagen grob 90 Prozent aller Tierarten im Meer und etwa 70

00:33:40.872 --> 00:33:43.432
Prozent aller Tierarten an Land.

00:33:43.692 --> 00:33:48.052
Und es hat nicht viel gefehlt, dann wären wahrscheinlich 100 Prozent ausgestorben.

00:33:50.032 --> 00:33:55.772
Es grenzt fast an ein Wunder, dass sich das Leben auf der Erde auch danach wieder erholen konnte.

00:33:55.992 --> 00:33:59.452
Ja, das Leben ist sehr hartnäckig und eine von diesen Gruppen,

00:33:59.472 --> 00:34:03.272
die überlebt haben, das sind die Archäosaurier, die herrschenden Reptilien.

00:34:03.392 --> 00:34:07.532
Und die herrschenden Reptilien kann man vereinfacht sagen, das sind alle Kropotilverwandten

00:34:07.532 --> 00:34:09.792
und alle Dinosaurier-Vögelverwandten.

00:34:09.792 --> 00:34:15.052
Und die waren einige der wenigen Tiergruppen, die überlebt haben und die sind

00:34:15.052 --> 00:34:20.792
dann eben an Land die vorherrschende Tiergruppe geworden, über das gesamte Erdmittelalter hinaus.

00:34:22.012 --> 00:34:25.432
Die obere Trias, ein üppiges Paradies.

00:34:25.952 --> 00:34:30.072
Schachtelhalme und Riesenfarne, Schuppenbäume und mächtige Ginkgos.

00:34:30.232 --> 00:34:36.472
Es herrscht ein mildes Klima. Im Ozean tummeln sich Ammoniten, Seeigel und Haie.

00:34:36.732 --> 00:34:41.452
Die ersten Dinosaurier wie Plateosaurus stopfen durch die Urwälder an Land.

00:34:42.012 --> 00:34:46.532
Krokodile gehen auf Beutejagd. In den Bäumen leben seltsame Reptilien.

00:34:47.790 --> 00:34:52.370
Ein schwülwarmer Morgen in der Region, die später das Elsass werden sollte.

00:34:52.730 --> 00:34:59.690
Vor 247 Millionen Jahren springt durch die hohen Baumwipfel von Ast zu Ast ein kleines Reptil.

00:35:00.990 --> 00:35:05.150
Es ist nur wenige Zentimeter groß. Der Kopf mit seinem schmalen,

00:35:05.250 --> 00:35:09.930
zahnlosen Schnabel ähnelt einem Vogel, der längliche Körper einer Echse.

00:35:10.170 --> 00:35:13.230
Auf dem Rücken trägt das Reptil einen eigentümlichen Kamm.

00:35:13.890 --> 00:35:19.550
Bei diesem etwas seltsamen Reptil handelt es sich um Mirasaurer graufogeli.

00:35:19.770 --> 00:35:22.550
Es wird auch als Wundersaurier bezeichnet.

00:35:22.930 --> 00:35:26.030
Seine Entdeckung ist kürzlich eine Sensation gewesen.

00:35:26.270 --> 00:35:31.450
Denn das Fossil lag fast 100 Jahre lang in einer Schublade, ohne dass es jemand

00:35:31.450 --> 00:35:32.510
näher untersucht hätte.

00:35:32.850 --> 00:35:36.930
Lustigerweise stammt das Fossil aus der Privatsammlung von Louis Graufogel,

00:35:37.030 --> 00:35:41.630
der Mirasaurer seinen Namen gab. Graufvogel hat in den Vogesen im heutigen Elsass

00:35:41.630 --> 00:35:47.470
von 1930 an alle möglichen Fossilien zusammengetragen, darunter auch den Wundersaurier.

00:35:47.690 --> 00:35:52.330
Er ist deshalb der Namenspate von Mira Saurar Graufvogeli, der mit einem Vogel

00:35:52.330 --> 00:35:54.330
aber so gar nichts zu tun hat.

00:35:54.450 --> 00:35:59.590
Wir können mit großer Sicherheit sagen, dass es sich bei diesem Tier um einen

00:35:59.590 --> 00:36:00.870
Drepanosaurus handelte.

00:36:01.150 --> 00:36:05.510
Der Drepanosaurus gehört zu einer Gruppe von Reptilien, die nur in der Trias vorkamen.

00:36:06.030 --> 00:36:10.230
Diese Gruppe ist an sich schon sehr bizarr, weil sie super an das Leben in Bäumen angepasst waren.

00:36:10.410 --> 00:36:13.630
Aus diesem Grund haben sie eine Morphologie, also einen Knochenbau,

00:36:13.810 --> 00:36:17.430
der einzigartig ist im Vergleich zu den Reptilien, die wir heute kennen.

00:36:20.050 --> 00:36:24.290
Der niederländische Paläontologe Stefan Spiekmann arbeitet am Staatlichen Museum

00:36:24.290 --> 00:36:25.810
für Naturkunde in Stuttgart.

00:36:26.250 --> 00:36:30.750
2019 wurde die Fossiliensammlung von Louis Grauvogel dem Museum übergeben.

00:36:31.110 --> 00:36:35.110
Eine der weltweit größten Fossilien-Sammlungen aus der mittleren Trias.

00:36:35.330 --> 00:36:39.590
Das Forscherteam um Spiekmann schaute sich alles noch einmal genau an.

00:36:41.430 --> 00:36:46.450
Diese Sammlung war also bereits weltberühmt und wurde über Jahrzehnte hinweg intensiv erforscht.

00:36:46.630 --> 00:36:51.570
Allerdings hauptsächlich von Menschen, die sich mit Pflanzen und wirbellosen Tieren beschäftigten.

00:36:52.610 --> 00:36:55.910
Das Forschungsteam um Stefan Spiekmann konnte nicht nur nachweisen,

00:36:55.990 --> 00:36:59.590
dass es sich bei Mirasaua um ein Fossil aus der mittleren Trias handelt,

00:36:59.590 --> 00:37:04.910
sondern auch, dass dieses Reptil so etwas Ähnliches wie Federn hatte und auf Bäumen lebte.

00:37:05.130 --> 00:37:09.590
Bisher hatte man angenommen, dass es die Dinosaurier waren, die die ersten Federn entwickelt hätten.

00:37:09.990 --> 00:37:16.910
Mirasaurer ist kein Dinosaurier. Genau deshalb ist Mirasaurer für die Forschung so wichtig.

00:37:17.290 --> 00:37:19.170
Das Fossil hat Strukturen, die wie

00:37:19.170 --> 00:37:22.990
Federn aussehen, aber es ist eben kein Dinosaurier, sondern ein Reptil.

00:37:24.250 --> 00:37:27.990
Entwicklungsgeschichtlich gesehen ist Mirasaurer also viel weiter von den Vögeln entfernt.

00:37:32.810 --> 00:37:36.030
Natürlich können wir aus diesem Fossil keine DNA extrahieren.

00:37:36.250 --> 00:37:40.190
Die einzige Möglichkeit, seine Position im Stammbaum des Lebens zu bestimmen,

00:37:40.650 --> 00:37:44.430
besteht darin, seine Morphologie, also die Form der Knochen so detailliert wie

00:37:44.430 --> 00:37:47.770
möglich zu untersuchen und mit anderen Reptilien zu vergleichen.

00:37:48.150 --> 00:37:51.750
Unsere Studie hat ergeben, dass er tatsächlich mit keiner der heute lebenden

00:37:51.750 --> 00:37:53.530
Reptiliengruppen eng verwandt ist.

00:37:53.830 --> 00:37:57.690
Der Mirasaurer Graufogeli war also wahrscheinlich ein früher Ableger in der

00:37:57.690 --> 00:38:01.830
Evolution der Reptilien. Und dass sie eigentlich wahrscheinlich ein sehr earlyer

00:38:01.830 --> 00:38:03.910
Aufschuss in der Evolution von Reptiles

00:38:04.211 --> 00:38:08.411
Und es lebten auch andere seltsame Tiere in dieser Epoche der Erdgeschichte.

00:38:09.471 --> 00:38:12.191
Zweibeinige Krokodile zum Beispiel, die wir heute gar nicht mehr kennen.

00:38:12.531 --> 00:38:15.551
In dieser Zeit tauchten auch die ersten Dinosaurier auf.

00:38:15.771 --> 00:38:18.971
Das hatte damit zu tun, dass die Erde nach dem Massenaussterben an der Wende

00:38:18.971 --> 00:38:23.571
Perm Trias mehrere Millionen Jahre gebraucht hat, um sich davon zu erholen.

00:38:23.771 --> 00:38:27.011
Der Sauerstoffgehalt der Luft war deutlich niedriger als noch im Perm,

00:38:27.351 --> 00:38:28.931
vielleicht 10 bis 15 Prozent.

00:38:29.251 --> 00:38:33.971
Und hier waren die Dinosaurier allen anderen Säugetieren weit überlegen.

00:38:34.211 --> 00:38:38.691
Die entwickeln dann diese vogelähnlichen Lungen, die wir heute bei den Vögeln sehen.

00:38:39.011 --> 00:38:43.251
Und wenn man jetzt spitzfindig ist, dann müsste man sagen, die Dinosaurier hatten

00:38:43.251 --> 00:38:47.251
keine Vogellungen, sondern streng genommen haben die Vögel Dinosaurierlungen,

00:38:47.411 --> 00:38:49.231
weil die Dinosaurier das erfunden haben.

00:38:49.351 --> 00:38:52.971
Und die haben schon diese ganz effiziente, unidirektionale Atmung.

00:38:53.071 --> 00:38:58.671
Also bei denen wird der Körper sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen mit Sauerstoff versorgt.

00:38:58.791 --> 00:39:02.791
Die Dinosaurier verschafften sich im Laufe der Evolution noch einen weiteren Vorteil.

00:39:03.311 --> 00:39:10.331
Sie entwickelten Federn. Die ersten Federn sehen wir dann am Übergang zwischen Trias und der Jura.

00:39:10.591 --> 00:39:15.651
Und die haben eben dieses Federkleid nicht unbedingt, um sich dann in die Lüfte

00:39:15.651 --> 00:39:17.811
zu erheben. Das konnten die zu dem Zeitpunkt noch nicht.

00:39:18.051 --> 00:39:23.051
Aber die hatten das, um eben ihre Körper zu isolieren und auch gleichzeitig

00:39:23.051 --> 00:39:26.031
auf sich aufmerksam zu machen beim Brautwerben.

00:39:26.311 --> 00:39:29.391
Dinosaurier mit Federn, ich muss zugeben, so genau habe ich das gar nicht gewusst.

00:39:29.391 --> 00:39:33.011
Und das ist schon eine seltsame Vorstellung, so ein gefiederter Velociraptor

00:39:33.011 --> 00:39:36.851
wie in Steven Spielbergs Film Jurassic Park aus dem Jahr 1993.

00:39:37.331 --> 00:39:42.711
Als der erste Film rauskam, da war das noch nicht bekannt, dass die Dromiosaurier,

00:39:42.791 --> 00:39:46.231
also diese Sicher-Klauen-tragenden Diosaurier, dass die gefiedert waren.

00:39:46.711 --> 00:39:51.271
Und erst danach kam das raus und dann kam der zweite und dritte Teil und da

00:39:51.271 --> 00:39:53.771
hätte man schon die mit Federn zeigen können,

00:39:54.071 --> 00:39:57.551
aber man wollte dem Zuschauer nicht den Eindruck vermitteln,

00:39:57.611 --> 00:39:59.111
das handelt sich um neue Tiere,

00:39:59.251 --> 00:40:03.811
sondern man wollte nach wie vor die Raptoren in Anführungsstrichen zeigen und

00:40:03.811 --> 00:40:07.291
dann musste man etwas zeigen, was die Leute schon kannten aus dem ersten Film

00:40:07.291 --> 00:40:10.991
und hat dann das alte Design beibehalten. Sie kriegen raus, wie man die Türen öffnet.

00:40:14.091 --> 00:40:19.511
Aber streng genommen sind all diese kleinen Raubdinosaurier gefiedert.

00:40:19.671 --> 00:40:23.931
Die einzige Ausnahme von Raubdinosauriern bilden die Tyrannosaurier,

00:40:24.051 --> 00:40:30.291
weil die waren so extrem groß, dass die wahrscheinlich auf einem zweiten Entwicklungsweg,

00:40:30.331 --> 00:40:32.931
also sekundär, diese Federn wieder verloren haben.

00:40:33.031 --> 00:40:37.331
Die Vorfahren der Tyrannosaurier, die hatten Federn und weil die Tyrannosaurier

00:40:37.331 --> 00:40:41.001
immer größer wurden, haben am Ende dann verloren, weil die sonst wahrscheinlich

00:40:41.001 --> 00:40:43.601
aufgrund dieser Gefieder überhitzt wären.

00:40:44.241 --> 00:40:48.221
Wir sind inzwischen erdgeschichtlich im Jura und in der Kreidezeit angekommen.

00:40:48.361 --> 00:40:52.461
Also rund 200 Millionen bis 66 Millionen Jahre vor unserer Zeit.

00:40:52.721 --> 00:40:57.221
Im Meer wimmelt es von Ammoniten. Das sind tintenfischähnliche Kopffüße.

00:40:57.481 --> 00:41:01.181
Von denen gibt es heute jede Menge Fossilien, zum Beispiel auf der Schwäbischen

00:41:01.181 --> 00:41:03.061
Alb, die ja früher mal ein Meer gewesen ist.

00:41:03.461 --> 00:41:08.501
An Land sind es die Dinosaurier, die alles beherrschen. Zum Beispiel Brachiosaurus und Stegosaurus.

00:41:08.901 --> 00:41:12.521
Wenn man solche Fossilien finden will, dann muss man allerdings wissen,

00:41:12.641 --> 00:41:15.101
wo Sedimente aus dieser Zeit abgelagert wurden.

00:41:15.421 --> 00:41:20.961
Und ein sicherer Fundort liegt in Südwestengland in der Grafschaft Dorset.

00:41:23.161 --> 00:41:27.141
Es ist ein grauer Wintermorgen im Jahr 1823.

00:41:27.761 --> 00:41:33.621
Die junge Mary Anning klettert zwischen den Klippen von Lime Regis an der südwestenglischen Küste umher.

00:41:34.241 --> 00:41:39.601
Mary ist eine begeisterte Fossiliensammlerin. Ihrem geschulten Blick entgeht

00:41:39.601 --> 00:41:41.441
kein urzeitliches Zeugnis.

00:41:41.941 --> 00:41:47.261
Behutsam befreit sie mit Hammer und Meißel die Versteinerungen vom umgebenden Sedimentgestein.

00:41:48.761 --> 00:41:52.621
Ihr erstes Fossil entdeckt Mary wohl 1811.

00:41:53.021 --> 00:41:58.001
Ein Ichthyosaurus-Skelett, also ein Meeresdinosaurier aus dem Unterjura.

00:41:58.221 --> 00:42:00.701
Da ist sie gerade einmal zwölf Jahre alt.

00:42:02.021 --> 00:42:07.001
Schon Marys Vater hat in seiner Freizeit Fossilien gesammelt und damit das Einkommen

00:42:07.001 --> 00:42:08.341
der Familie aufgebessert.

00:42:08.541 --> 00:42:13.681
Als er mit 44 Jahren stirbt, führt Mary seine Arbeit zusammen mit ihrem Bruder fort.

00:42:14.081 --> 00:42:20.501
Der Fund des Ichthyosaurus bringt der Familie 23 Pfund. Für damalige Verhältnisse eine Menge Geld.

00:42:21.201 --> 00:42:25.921
In den folgenden Jahren findet Mary immer wieder neue Fossilien und im Winter

00:42:25.921 --> 00:42:29.481
1823 macht sie eine ganz besondere Entdeckung.

00:42:30.721 --> 00:42:34.941
Ich habe mir die Freiheit genommen, ihn zu schreiben, um ihnen mitzuteilen,

00:42:35.101 --> 00:42:39.001
dass ich ein fossiles Skelett einer unbekannten Spezies entdeckt habe,

00:42:39.461 --> 00:42:41.241
schreibt Mary Anning am 19.

00:42:41.481 --> 00:42:44.941
Dezember 1823 an Sir Henry Bunbury,

00:42:45.622 --> 00:42:49.862
ist Mitglied der Royal Geological Society und sammelt Fossilienberichte.

00:42:50.222 --> 00:42:54.222
Es ist neun Fuß lang und hat einen bemerkenswert kleinen Kopf.

00:42:54.442 --> 00:42:59.142
Aber einen Hals, der vom Brustbein bis zum Kopf gemessen vier Fuß lang ist.

00:42:59.482 --> 00:43:02.262
Es ist das anschaulichste bisher entdeckte Skelett.

00:43:02.782 --> 00:43:06.862
Mary Anning entdeckt das vollständige Skelett eines Plesiosauriers.

00:43:07.782 --> 00:43:13.422
Ein urzeitliches Meeresreptil mit langem Hals, kleinem Kopf und paddelartigen Gliedmaßen. Maßen.

00:43:14.262 --> 00:43:17.542
Wissenschaftlichen Ruhm erntet Mary Anning mit ihrem Fund damals nicht.

00:43:17.802 --> 00:43:22.202
Das Skelett wird vom britischen Geologen und Paläontologen William Connybear untersucht.

00:43:22.382 --> 00:43:27.042
Der veröffentlicht dann 1824 einen wissenschaftlichen Artikel über die Entdeckung

00:43:27.042 --> 00:43:33.782
des Almost Perfect Skeleton of the Plesiosaurus, also des fast perfekten Skeletts eines Plesiosaurus.

00:43:34.122 --> 00:43:37.522
Mary Anning wird in dem Artikel mit keinem Wort erwähnt.

00:43:38.002 --> 00:43:42.062
Fun Fact am Rande? Viele Abbildungen, die das Monster von noch Nest darstellen

00:43:42.062 --> 00:43:44.142
sollen, zeigen einen Pläsiosaurus.

00:43:45.402 --> 00:43:47.342
Aber jetzt zurück zu Mary Anning.

00:43:47.582 --> 00:43:50.802
Sie sammelt weiter Fossilien und wird schließlich doch noch berühmt.

00:43:51.722 --> 00:43:57.202
1828 entdeckt sie den ersten Flugsaurier, den Dimorphodon Macronyx.

00:43:57.562 --> 00:44:02.422
Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Großbritannien dann einen regelrechten Fossilienboom.

00:44:02.662 --> 00:44:05.882
Und der Küstenabschnitt in Südwestengland in Devon und Dorset,

00:44:06.002 --> 00:44:09.702
an dem Mary Anning ihre spektakulären Funde gemacht hatte, wurde inzwischen

00:44:09.702 --> 00:44:11.362
Jurassic Coast genannt.

00:44:11.582 --> 00:44:16.762
Viele Museen, Privatleute und Universitäten begannen, Fossilien-Sammlungen anzulegen.

00:44:18.362 --> 00:44:24.502
Als Mary Anning im März 1847 starb, ehrte sie die Royal Geological Society für

00:44:24.502 --> 00:44:28.022
ihre Verdienste in der Paläontologie. Mehr aber auch nichts.

00:44:28.725 --> 00:44:32.345
Mitglied der Gesellschaft hatte sie nicht werden dürfen, weil Frauen damals

00:44:32.345 --> 00:44:33.405
noch ausgeschlossen waren.

00:44:33.725 --> 00:44:37.405
Aber Mary Enning war so etwas wie eine Trendsetterin des frühen 19.

00:44:37.565 --> 00:44:41.245
Jahrhunderts, denn es interessierten sich mehr und mehr Wissenschaftler für

00:44:41.245 --> 00:44:44.805
die Millionen Jahre alten Versteinerungen aus der Erdgeschichte.

00:44:45.285 --> 00:44:49.405
Einer der berühmtesten war Charles Darwin, der mit seinem Buch über die Entstehung

00:44:49.405 --> 00:44:52.985
der Arten wichtige Grundlagen für das Verständnis der Evolution legte.

00:44:53.265 --> 00:44:57.585
Und viele seiner Ideen bekam er, weil er auf seinen Forschungsreisen auch Fossilien gesammelt hat.

00:44:58.725 --> 00:45:02.625
Am September 1832, während seiner zweiten Weltreise mit dem berühmten Schiff

00:45:02.625 --> 00:45:08.145
Beagle an der argentinischen Küste ankam, hat er in Punta Alta seine ersten Fossilien entdeckt.

00:45:08.405 --> 00:45:11.645
Und zwar die Schädel von zwei Arten von Riesenfaultieren.

00:45:12.185 --> 00:45:16.905
Eines davon war ein Megatherium, das vor rund zwei Millionen Jahren gelebt hatte,

00:45:17.065 --> 00:45:21.965
aber vermutlich mit dem Beginn der letzten Kaltzeit, also im obersten Pleistocene, ausgestorben war.

00:45:22.325 --> 00:45:27.325
Darwin war sich sicher, Fossilien beweisen, dass es eine Evolution gegeben hat.

00:45:28.245 --> 00:45:31.965
Die Paläontologie entwickelte sich in der Folge als moderne Wissenschaft.

00:45:32.325 --> 00:45:37.545
Nicht nur in Europa. Es begann ein Wettlauf um die spektakulärsten Dinosaurier-Skelette.

00:45:37.925 --> 00:45:39.005
Vor allem in den USA.

00:45:39.445 --> 00:45:43.805
Denn dort gab es mit der Morrison-Formation aus dem oberen Jura und der Lance-Formation

00:45:43.805 --> 00:45:49.285
aus der Oberkreide Sedimentgesteine, in denen besonders viele Dinosaurier-Skelette gefunden wurden.

00:45:49.525 --> 00:45:53.885
Und das wiederum führte zu einem erbitterten Konkurrenzkampf zwischen zwei inzwischen

00:45:53.885 --> 00:45:58.125
weltberühmten Paläontologen, Edward Cope und Othniel Marsh.

00:46:01.865 --> 00:46:05.305
Wann ihre legendäre Feindschaft genau beginnt, ist nicht belegt.

00:46:05.605 --> 00:46:12.305
Vielleicht im Jahr 1866, als Edward Cope ein nahezu komplettes Dinosaurierskelett

00:46:12.305 --> 00:46:14.725
in einer Mergelgrube in New Jersey findet.

00:46:15.485 --> 00:46:21.345
Tryptosaurus aquilunguis. Auch sein Freund Oath Neil Marsh, Paläontologe wie

00:46:21.345 --> 00:46:24.565
er, will die sensationelle Fundstelle in Augenschein nehmen.

00:46:27.400 --> 00:46:31.160
Hinter Copes Rücken schließt Marsh mit dem Steinbruchbesitzer einen Deal.

00:46:31.400 --> 00:46:34.480
Bitte schicken Sie demnächst alle Fossilienfunde nur noch an mich.

00:46:35.360 --> 00:46:40.480
Edward Cope schäumt vor Wut, als er davon erfährt, die beiden werden zu erbitterten Feinden.

00:46:40.740 --> 00:46:48.000
Und spätestens 1868 ist ihre Freundschaft, die 1863 in Berlin begann, endgültig Geschichte.

00:46:48.380 --> 00:46:53.200
Cope verwechselt bei der Rekonstruktion eines Elasmosaurus, Schwanz und Hals

00:46:53.200 --> 00:46:57.920
des Tieres und setzt den Schädel an das Schwanzende. Für Marsh die Gelegenheit,

00:46:58.060 --> 00:46:59.720
ihn öffentlich bloßzustellen.

00:47:00.740 --> 00:47:04.880
Inzwischen ist in der Wissenschaft bekannt, dass der mittlere Westen mit seinen

00:47:04.880 --> 00:47:09.560
Sedimentgesteinen aus dem Jura und der Kreide ein wahrer Dinosaurier-Friedhof ist.

00:47:09.780 --> 00:47:14.260
Die sogenannten Knochenkriege brechen zwischen den beiden US-Amerikanern aus.

00:47:14.440 --> 00:47:18.180
Gekämpft wird mit Schaufel und Hacke und öffentlichen Beleidigungen.

00:47:18.800 --> 00:47:23.360
Knochen werden zerstört, Stellen, an denen Gestein an der Oberfläche freigelegt

00:47:23.360 --> 00:47:27.580
war, wieder zugeschüttet, nur damit der Konkurrent nicht als Erste eine neue

00:47:27.580 --> 00:47:28.820
Dinosaurierart entdeckt.

00:47:30.840 --> 00:47:35.100
Der Streit zwischen Cope und Marsh eskaliert schließlich in Como Bluff,

00:47:35.360 --> 00:47:38.700
einer der berühmtesten Dinosaurierfundstellen in Wyoming.

00:47:39.240 --> 00:47:43.300
Cope soll zum Schutz seiner Fundstellen Revolverhelden angeheuert haben.

00:47:43.860 --> 00:47:48.300
Marsh engagiert den legendären William Cody, besser bekannt als Buffalo Bill,

00:47:48.700 --> 00:47:51.120
um seine Dinosaurierskelette vor Cope zu schützen.

00:47:51.620 --> 00:47:56.220
Gegenseitig bewerfen sich die Fossiliensucher aus beiden Lagern mit Steinen.

00:47:58.460 --> 00:48:01.540
Auch öffentlich tragen die beiden ihre Feindschaft aus.

00:48:01.800 --> 00:48:07.260
Am 12. Januar 1890 schreibt der New York Herald, Wissenschaftler führen einen

00:48:07.260 --> 00:48:11.400
erbitterten Krieg. In dem Artikel wirft Cope seinem Konkurrenten vor,

00:48:11.620 --> 00:48:15.860
sein Werk sei eine erstaunliche Sammlung von Fehlern und Ignoranz.

00:48:16.060 --> 00:48:20.500
Eine Woche später kontert Marsh in derselben Zeitung, ich habe Zweifel,

00:48:20.560 --> 00:48:22.020
ob er noch ganz bei Trost ist.

00:48:23.760 --> 00:48:27.740
Am Ende sterben beide verbittert und in ewiger Feindschaft verbunden.

00:48:28.140 --> 00:48:32.640
Einzig die Paläontologie hat davon, zumindest in Teilen, profitiert.

00:48:32.640 --> 00:48:40.120
Über 130 neue Dinosaurierarten wie Camarasaurus, Stegosaurus und Triceratops

00:48:40.120 --> 00:48:41.440
werden von den beiden beschrieben.

00:48:41.660 --> 00:48:45.760
Wie viele Dinosaurierskelette in den Knochenkriegen allerdings zerstört wurden

00:48:45.760 --> 00:48:48.740
und damit für immer verloren sind, das ist nicht bekannt.

00:48:49.638 --> 00:48:53.338
Was Kope und Marsch damals alles gefunden haben, das könnt ihr heute noch nachlesen.

00:48:53.518 --> 00:48:55.878
Und zwar im sogenannten Fossilbericht.

00:48:56.178 --> 00:49:01.938
Das sind alle Fossilien, die wir alle überall auf der Welt in der gesamten Zeit gefunden haben.

00:49:02.078 --> 00:49:04.318
Und die erzählen uns eine spannende Geschichte.

00:49:04.458 --> 00:49:07.138
Und das kann man sich so ein bisschen vorstellen wie ein Polizeibericht.

00:49:07.818 --> 00:49:11.818
Da sind alle wichtigen Informationen drin, wo und wann ist was genau passiert.

00:49:12.058 --> 00:49:16.498
Zum Beispiel gibt es einen Eintrag von Hermann von Meier aus dem Jahr 1837.

00:49:17.738 --> 00:49:22.958
Plateosaurus Engel Hadi aus der Trias. Gefunden in Heroldsberg in der Gesteinsformation

00:49:22.958 --> 00:49:24.738
Feuerletten in Deutschland.

00:49:25.178 --> 00:49:28.658
Und wenn wir dann die Zusammenhänge richtig verstehen und entsprechend deuten,

00:49:28.878 --> 00:49:32.678
dann können wir anhand dieser Funde den Hergang, also den Fall der Evolution

00:49:32.678 --> 00:49:34.498
in dem Fall, rekonstruieren.

00:49:34.638 --> 00:49:38.478
Und wenn etwas Schlimmes passiert ist, also in dem Fall jetzt nicht eine Straftat,

00:49:38.598 --> 00:49:43.178
sondern ein Massenaussterben, dann können wir sagen, okay, wer das verursacht,

00:49:43.278 --> 00:49:46.978
wer ist der Täter? und dann können wir uns da lang handeln.

00:49:47.238 --> 00:49:51.778
Moderne Paläontologie ist also echte Detektivarbeit, bei der Forscher Puzzleteil

00:49:51.778 --> 00:49:55.838
für Puzzleteil, das heißt Fossilfund für Fossilfund, zusammensetzen,

00:49:55.998 --> 00:49:59.738
um so eine Vorstellung davon zu bekommen, wie sich das Leben auf der Erde in

00:49:59.738 --> 00:50:01.278
Milliarden Jahren entwickelt hat.

00:50:01.458 --> 00:50:04.538
Denn nur ein Bruchteil aller Arten, die jemals gelebt haben,

00:50:04.958 --> 00:50:06.138
wurde überhaupt versteinert.

00:50:06.318 --> 00:50:09.718
Und davon wurde bislang auch nur ein winziger Teil entdeckt.

00:50:09.858 --> 00:50:13.438
Auch in Deutschland haben wir übrigens Fossilienfundstellen von Weltruhm.

00:50:13.438 --> 00:50:15.958
Und zwar auf der Altmühlalp in Bayern.

00:50:16.138 --> 00:50:19.478
Die Sollenhofener Plattenkalke aus der oberen Jura.

00:50:19.818 --> 00:50:23.718
Entdeckt hat man hier Fossilien, weil jahrzehntelang der Plattenkalk abgebaut

00:50:23.718 --> 00:50:26.378
und unter anderem zu Fensterbänken verarbeitet wurde.

00:50:26.658 --> 00:50:30.598
Und genau hier hat man den Urvogel Archäopteryx gefunden.

00:50:30.818 --> 00:50:35.238
Der lebte vor 150 Millionen Jahren in einer subtropischen Landschaft,

00:50:35.418 --> 00:50:39.598
in der es Insel und Lagunen gab, die von einem warmen Meer umspült wurden.

00:50:39.718 --> 00:50:41.298
Und das im heutigen Bayern.

00:50:41.518 --> 00:50:47.018
Kaum vorstellbar. Neueren Forschungen zufolge hat man bisher insgesamt 14 Exemplare

00:50:47.018 --> 00:50:49.118
dieses Urvogels in Sollenhofen gefunden.

00:50:49.238 --> 00:50:52.658
Der übrigens wie ein Hühnchen umhergeflattert sein soll.

00:50:53.818 --> 00:50:59.518
Obere Kreidezeit vor 66 Millionen Jahren. Die Dinosaurier beherrschen die Welt.

00:51:00.078 --> 00:51:05.298
Am Himmel über der mexikanischen Halbinsel Yucatan erscheint ein gigantischer Feuerball.

00:51:05.618 --> 00:51:10.458
Dann wird es dunkel. Es kommt zum fünften Massenaussterben in der Erdgeschichte.

00:51:10.458 --> 00:51:16.298
Und infolge der Dunkelheit und infolge des Waldsterbens auch da verhungern dann

00:51:16.298 --> 00:51:20.278
die ganzen großen Pflanzenfresser, aber eben nicht nur die Dinosaurier,

00:51:20.398 --> 00:51:23.058
sondern auch viele Krokodilarten, viele Säugetierarten.

00:51:23.238 --> 00:51:27.558
Alle großen Meeresreptilien verschwinden. Wir finden dann keine Mosasaurier

00:51:27.558 --> 00:51:32.598
mehr, wir finden dann keine Plesiosaurier mehr, diese Paddel-Echsen. Die sterben alle aus.

00:51:32.918 --> 00:51:37.118
Die Ammoniten sterben aus. Das sind diese Kopffüßer, diese Tintenfischverwandten,

00:51:37.218 --> 00:51:40.058
die ein schaliges Gehäuse haben. Auch die sterben.

00:51:40.816 --> 00:51:47.616
Mit diesem Einschlag des Asteroiden aus und nur eine ganz, ganz kleine Fraktion der Säugetiere,

00:51:47.876 --> 00:51:52.996
mausgroße, rappengroße Säugetiere, die überleben und eine kleine Gruppe von

00:51:52.996 --> 00:51:56.396
Dinosauriern und das sind eben die Vorfahren der modernen Zöger.

00:52:06.076 --> 00:52:10.816
Bitte steh auf! Interessant ist, dass die Dinosaurier nicht nur die erfolgreichsten

00:52:10.816 --> 00:52:15.016
Lebewesen in der gesamten Evolution sind, denkt an die noch lebenden Dinosaurier

00:52:15.016 --> 00:52:17.216
in Gestalt von Hühnern, Amseln oder Rotkehlchen,

00:52:17.616 --> 00:52:21.696
sondern sie sind auch mit Abstand die beliebtesten Fossilien überhaupt.

00:52:22.216 --> 00:52:26.596
Dinos in Büchern, im Film, Dinos auf Schlafanzügen, Dino-Förmchen,

00:52:26.976 --> 00:52:30.156
Dino-Plastikfiguren, Dino-Weingummi und, und, und.

00:52:30.456 --> 00:52:34.056
Genau darüber spreche ich jetzt mit dem Kulturwissenschaftler Alexis Dvorsky.

00:52:34.296 --> 00:52:37.576
Alexis, schön, dass du da bist. Hallo, herzlich willkommen. Hallo, grüß dich.

00:52:37.956 --> 00:52:41.796
Ich muss dir sagen, ich habe überhaupt keine Chance momentan Dinosauriern zu entkommen.

00:52:41.976 --> 00:52:45.496
Meine beiden Töchter sind absolut im Dinosaurier-Fieber. Egal wo man hinschaut,

00:52:45.596 --> 00:52:49.016
Dinosaurier-Figuren, Kuscheltiere, Bücher und so weiter und so fort.

00:52:49.076 --> 00:52:52.836
Die kennen auch wirklich jeden Dinosaurier-Namen auswendig und verbessern mich

00:52:52.836 --> 00:52:54.116
auch immer, wenn ich was ausspreche.

00:52:54.256 --> 00:52:57.396
Also die sind da absolut drin und total fasziniert.

00:52:57.556 --> 00:53:00.656
Und das erinnert mich so ein bisschen an meine Kindheit. Ich war auch ein großer

00:53:00.656 --> 00:53:05.236
Dinosaurier-Fan und viele andere auch. Woher kommt denn deiner Meinung nach diese Faszination?

00:53:05.736 --> 00:53:11.896
Stephen Jay Gould, so ein bekannter Biologe, Paläontologe und Bestsellerautor,

00:53:12.076 --> 00:53:16.776
der hat Dinos mal charakterisiert als groß, gefährlich, aber ausgestorben.

00:53:17.176 --> 00:53:21.016
Und das, glaube ich, hilft schon ganz gut weiter, weil wir können uns mit diesen

00:53:21.016 --> 00:53:23.296
Monstern, mit diesen Riesentieren beschäftigen.

00:53:23.616 --> 00:53:26.556
Wir können uns mit ihnen sogar messen und gegen sie antreten.

00:53:26.936 --> 00:53:29.516
Dabei müssen wir aber keine Angst haben, dass wir uns wirklich was tun,

00:53:29.936 --> 00:53:34.056
weil sie sind ja seit Jahrmillionen ausgestorben. und dadurch fühlen wir uns

00:53:34.056 --> 00:53:37.576
natürlich selber groß, mächtig und stark und das gefällt.

00:53:37.996 --> 00:53:42.036
Ja, hat eine gewisse Faszination, eine Faszination des Grauens vielleicht auch,

00:53:42.296 --> 00:53:46.196
aber man muss sagen, im Laufe der Erdgeschichte gab es ja noch viel mehr Lebewesen,

00:53:46.256 --> 00:53:49.856
vielleicht auch Pflanzen, die faszinierend waren, vielleicht auch grausam waren.

00:53:50.216 --> 00:53:54.216
Warum wurden denn ausgerechnet die Dinos so populär? Was präsentieren Sie vielleicht auch?

00:53:54.356 --> 00:53:57.316
Ich glaube, man sollte da schon nochmal feststellen, dass die Dinos nur so in

00:53:57.316 --> 00:54:01.796
der Alltagskultur so wichtig und so dominant sind. Also so einen fachwissenschaftlichen

00:54:01.796 --> 00:54:05.876
Diskurs unter Paläontologen, unter Forschern, die sich mit der Urwelt beschäftigen,

00:54:06.216 --> 00:54:08.596
da spielen die Dinosaurier gar keine so große Rolle.

00:54:08.816 --> 00:54:11.616
Das sind eben, wie du gesagt hast, Pflanzen oder vielleicht auch sowas ganz

00:54:11.616 --> 00:54:14.196
Kleines, sowas wie Schnecken und Muscheln, die sind da viel,

00:54:14.236 --> 00:54:16.836
viel wichtiger, weil es eine viel bessere Überlieferung davon gibt.

00:54:17.230 --> 00:54:21.430
Aber trotzdem sehen wir eben die Dinos vorne groß in den Eingangshallen vom

00:54:21.430 --> 00:54:24.790
Naturkundenmuseum wie so eine riesige Werbetafel dafür.

00:54:25.430 --> 00:54:29.710
Also die Dinosaurier, die repräsentieren natürlich auch so diesen Wissenschaftsbetrieb,

00:54:29.810 --> 00:54:33.830
aber was dann dahinter passiert im Museum, in den Laboren, in den Hörsälen,

00:54:34.010 --> 00:54:35.350
das ist oft was ganz anderes.

00:54:35.790 --> 00:54:39.670
Und die Dinos, die können eben ganz, ganz vieles repräsentieren und das macht

00:54:39.670 --> 00:54:41.650
auch so diese Faszination und den Nutzen aus.

00:54:41.790 --> 00:54:45.230
Und das, für was sie stehen, das wandelt sich aber auch im Laufe der Zeit.

00:54:45.770 --> 00:54:49.490
Oft werden sie ja als sehr gefährlich dargestellt, insbesondere der T-Rex,

00:54:49.590 --> 00:54:53.390
der König der Dinosaurier. Dabei gab es auch viele harmlose Pflanzenfresser.

00:54:53.610 --> 00:54:58.270
Und das war auch schon in den 1950er Jahren so. Damals kam Godzilla in die Kinos,

00:54:58.490 --> 00:54:59.710
furchterregend natürlich.

00:54:59.950 --> 00:55:04.570
Damals auch so eine Art Metapher für das, was Japan passiert ist im Zweiten Weltkrieg.

00:55:04.730 --> 00:55:08.310
Was sagt denn das über die Zeit damals aus? Und warum wurden in der Nachkriegszeit

00:55:08.310 --> 00:55:11.610
offenbar diese schrecklichen, grausamen Dino-Monsterfiguren so beliebt?

00:55:11.610 --> 00:55:16.790
Also ich denke so die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, aber überhaupt so ein Großteil für das 20.

00:55:16.970 --> 00:55:20.810
Jahrhundert, da war schon so ein Gigantismus sehr wichtig. Riesige Schlachtschiffe,

00:55:21.090 --> 00:55:26.110
Panzer, Wolkenkrazer, riesige Raketen und mit solchen Megatechnologien,

00:55:26.430 --> 00:55:30.170
auch mit solchen Megakriegstechnologien hat sich der Dinosaurier die eben dann auch gemessen.

00:55:30.170 --> 00:55:33.890
Das war weniger ein Maßstab für uns, sondern für solche großen, riesen Sachen.

00:55:34.250 --> 00:55:37.390
Und mit Godzilla ist es schon nochmal ein Stück weit was Besonderes.

00:55:37.470 --> 00:55:42.730
Wie du angedeutet hast, hängt es eben auch mit den Atombomben von Nagasaki und Hiroshima zusammen.

00:55:43.310 --> 00:55:46.450
Der Godzilla wurde von so einer Atombombe geweckt und ist dann selber wie so

00:55:46.450 --> 00:55:49.470
eine Naturgewalt über die Menschen hereingebrochen.

00:55:49.650 --> 00:55:53.190
Und das, glaube ich, war schon für das 20. Jahrhundert ganz bestimmt so dieser

00:55:53.190 --> 00:55:57.190
riesige, mega gefährliche Dinosaurier, die eben wie so eine Waffe war.

00:55:57.670 --> 00:56:00.550
Fantasiert wird ja auch in der Literatur jede Menge. Schon im 19.

00:56:00.790 --> 00:56:04.670
Jahrhundert und auch im 20. Jahrhundert tauchen Dinosaurier in der Literatur auf.

00:56:05.190 --> 00:56:08.230
Reise zum Mittelpunkt der Erde ist so ein Beispiel von Jules Verne oder später

00:56:08.230 --> 00:56:11.350
The Lost World von Arthur Conan Doyle aus dem Jahr 1912.

00:56:11.730 --> 00:56:16.110
Wie werden die Dinosaurier denn in diesen Büchern dargestellt und welchen Hintergrund hat das gehabt?

00:56:16.627 --> 00:56:20.307
Der Hintergrund ist dann natürlich schon auch noch so der Kolonialismus,

00:56:20.507 --> 00:56:23.987
dass man neue Gebiete entdeckt und auch erobert.

00:56:24.407 --> 00:56:28.907
Und diese letzten Flecken der Welt werden eben mit Dinosauriern besiedelt.

00:56:29.207 --> 00:56:33.467
Bei Arthur Conan Doyle ist das in Brasilien, irgendein Tafelberg auf dieser Hochebene.

00:56:33.707 --> 00:56:37.667
Da tummeln sich die Dinos und die rennen und springen da tatsächlich umher.

00:56:37.907 --> 00:56:41.467
Also in der Literatur ist man eben nicht an die Schwerkraft gebunden.

00:56:41.467 --> 00:56:46.267
Und so war so ein sehr agiles, sehr dynamisches Bild vom Dinosaurier,

00:56:46.327 --> 00:56:48.127
was dort eben mit Worten gezeichnet wurde.

00:56:48.467 --> 00:56:50.987
Das hat sich dann aber schnell gewandelt und verändert.

00:56:51.787 --> 00:56:55.307
Wurde dann tatsächlich auch verfilmt, The Lost World zum Beispiel 1925,

00:56:55.307 --> 00:56:58.227
ein Stummfilm mit sogenannter Stop-Motion-Animation.

00:56:58.727 --> 00:57:01.087
Beeindruckend für die Zeit. Wenn man das heute sieht, würde man sagen,

00:57:01.147 --> 00:57:04.187
das ist aber schon billig gemacht. Nur damals war das wirklich innovativ.

00:57:04.587 --> 00:57:07.987
Was ist für dich das Besondere an diesem Film? Warum hat man gerade die Dinosaurier

00:57:07.987 --> 00:57:11.727
hier zur Hauptfigur gemacht? Ich finde deinen Begriff der Animation ganz wichtig,

00:57:11.927 --> 00:57:15.907
weil animieren heißt eben auch wörtlich genommen wirklich etwas zum Leben erwecken

00:57:15.907 --> 00:57:18.507
und das ist passiert mit der Stop-Motion-Technik.

00:57:18.927 --> 00:57:23.807
Also die Dinos hat niemals jemand in echt gesehen, also hängt unsere Vorstellung

00:57:23.807 --> 00:57:25.567
sehr stark von der Darstellung ab.

00:57:25.567 --> 00:57:30.167
Und dargestellt bei der Stop-Motion-Technik wird es so, dass man so kleine Miniaturen

00:57:30.167 --> 00:57:34.867
mit so Gelenken Stück für Stück bewegt und dann quasi abfotografiert und solche

00:57:34.867 --> 00:57:39.167
Miniaturen, die konnten eben nicht mehr springen und rennen wie in der Romanvorlage,

00:57:39.287 --> 00:57:42.307
die konnten immer nur ein Bein nach dem anderen bewegen,

00:57:42.507 --> 00:57:47.687
sonst wären die einfach umgefallen und entsprechend träge und schwerfällig wurde

00:57:47.687 --> 00:57:50.967
der Dino dann auch und das hat sich eben für das ganze 20.

00:57:51.167 --> 00:57:54.467
Jahrhundert eigentlich so gehalten und hat auch die Vorstellung geprägt,

00:57:54.567 --> 00:57:56.867
was sich WissenschaftlerInnen von Dinosauriern gemacht haben.

00:57:57.607 --> 00:58:01.707
Ja, und vor allem sieht man auch, was passiert, zumindest in diesem Film,

00:58:01.807 --> 00:58:04.927
wenn die Wissenschaft eingreift, die Wissenschaftler entdecken die Dinos und

00:58:04.927 --> 00:58:06.547
dann gerät alles außer Kontrolle.

00:58:06.987 --> 00:58:10.567
Jurassic Park ist ja nochmal ein bisschen heftiger, denn da sind die Wissenschaftler

00:58:10.567 --> 00:58:14.547
diejenigen, die die Dinos erschaffen und dann für Chaos sorgen.

00:58:15.047 --> 00:58:17.767
Das ist so eine Erzählung, die sich anscheinend immer wiederholt und weil die

00:58:17.767 --> 00:58:19.467
Wissenschaft gar nicht so gut wegkommt.

00:58:19.767 --> 00:58:23.467
Warum könnte das so sein? Das ist tatsächlich schon so eine uralte Geschichte.

00:58:23.687 --> 00:58:26.067
Ich meine, wir finden die immer wieder, wie du gesagt hast, schon bei den alten

00:58:26.067 --> 00:58:29.367
Griechen. Irgendwie fliegt Icarus zu nah an die Sonne ran und stürzt dann ab.

00:58:29.567 --> 00:58:34.507
Pandora öffnet die Büchse, Faust verkauft dann später seine Seele für Wissen.

00:58:35.387 --> 00:58:39.667
Frankenstein erschafft mit Elektrizität ein Monster. Und im Jurassic Park ist

00:58:39.667 --> 00:58:43.707
es dann Hämmern, so ein reicher Typ, der eben die Dinosaurier dann klont und

00:58:43.707 --> 00:58:46.827
die letztendlich dann für Unruhe und für Chaos sorgen hat.

00:58:47.442 --> 00:58:50.822
Die Geschichte dahinter ist eigentlich immer die, nur weil wir etwas können,

00:58:50.822 --> 00:58:54.102
heißt es noch lange nicht, dass wir es auch machen und tun sollten.

00:58:54.362 --> 00:58:58.802
Und ich glaube, dass wir natürlich uns von so einem Film Action und Aufregung

00:58:58.802 --> 00:59:01.682
erhoffen, aber auch immer so ein Stück weit Orientierung brauchen.

00:59:01.842 --> 00:59:04.342
Und darum greift man vielleicht immer auf so alte Geschichten zurück.

00:59:04.642 --> 00:59:07.042
Ist auch ein gewisser Gruselfaktor, wenn man sich vorstellt,

00:59:07.162 --> 00:59:10.642
die erzeugen da Dinosaurier und dann werden die zum Leben erweckt.

00:59:11.062 --> 00:59:14.002
Vielleicht passiert das ja wirklich mal und das spielt sicher auch eine Rolle,

00:59:14.122 --> 00:59:17.642
gerade bei Jurassic Park. Aber gleichzeitig gibt es auch Darstellungen,

00:59:17.822 --> 00:59:19.322
bei denen die Dinos sehr gut wegkommen.

00:59:19.562 --> 00:59:22.262
Ich erinnere mich noch gut an In einem Land vor unserer Zeit,

00:59:22.422 --> 00:59:27.182
ein Film, der in den 1990er Jahren rauskam, die Hauptfigur Ein lieber Dino,

00:59:27.562 --> 00:59:29.522
mit dem man sich sehr gut identifizieren konnte.

00:59:30.102 --> 00:59:33.402
Spricht das auch für die Zeit damals, für die 90er Jahre? War das anders,

00:59:33.642 --> 00:59:35.702
als es heute ist? Ja, ich denke schon.

00:59:36.202 --> 00:59:38.822
Also wenn man es nochmal so die 90er Jahre vor Augen führen,

00:59:38.902 --> 00:59:42.502
das war so die Zeit nach dem Kalten Krieg, nach dem Fall vom Kommunismus.

00:59:42.502 --> 00:59:46.682
Und da hat man eben sehr, sehr positiv in die Zukunft geblickt und nicht nur

00:59:46.682 --> 00:59:48.842
in die Zukunft, sondern auch in die Vergangenheit.

00:59:49.162 --> 00:59:54.162
Und auch die Urwelt war damals so eine Art bunter Schralaffenland und die Wirklichkeit

00:59:54.162 --> 00:59:55.782
hat sich dann aber schon anders entwickelt.

00:59:56.002 --> 01:00:00.342
Der 11. September, die Terroranschläge, die Kriege im Irak, in Afghanistan,

01:00:00.762 --> 01:00:04.642
der Krieg in der Ukraine und dieses Bild, was wir uns heute von der Urwelt machen,

01:00:04.902 --> 01:00:09.342
ist eben wieder durchaus ein finsteres Bild, wo jeder gegen jeden kämpft.

01:00:09.342 --> 01:00:12.802
Also ist die Darstellung von Dinosauriern immer auch ein Spiegel unserer Zeit?

01:00:13.082 --> 01:00:17.522
Ja, absolut. Also wenn wir in die Uhrzeit schauen, blicken wir in den Spiegel

01:00:17.522 --> 01:00:23.082
und sehen so unsere eigene Gegenwart und maskieren die, verkleiden die dann eben mit Dinosauriern.

01:00:23.542 --> 01:00:25.902
Gibt es vielleicht noch andere Beispiele, die du nennen kannst,

01:00:25.982 --> 01:00:27.942
an denen man das sehen kann? Da haben wir uns jetzt ja schon angeschaut,

01:00:28.022 --> 01:00:28.982
aber fällt dir noch was ein?

01:00:29.322 --> 01:00:32.402
So ein Beispiel, das ich glaube, wo man das super gut sieht,

01:00:32.402 --> 01:00:34.062
ist die Zeit vom Kalten Krieg eben.

01:00:34.362 --> 01:00:38.342
Wir haben das mit Godzilla ja schon kurz angesprochen. Damals war die Welt eigentlich

01:00:38.342 --> 01:00:39.642
in zwei Blöcke zerteilt.

01:00:39.742 --> 01:00:42.602
Auf der einen Seite Kommunismus, auf der anderen Kapitalismus.

01:00:43.182 --> 01:00:45.882
Und genau diese Vorstellung sehen wir eben auch in der Urwelt.

01:00:46.122 --> 01:00:49.502
Da gab es nicht mehr diesen einen Dino, der irgendwie alles zertrampelt hat,

01:00:49.902 --> 01:00:52.202
sondern da gab es so eine Gegenüberstellung von zwei Blöcken.

01:00:52.302 --> 01:00:56.722
Auf der einen Seite sowas wie T-Rex, die aufrecht gegangen sind auf zwei Beinen,

01:00:56.922 --> 01:00:58.902
die fiese Fleischfresser waren.

01:00:59.202 --> 01:01:02.242
Und auf der anderen Seite nicht weniger gefährlich waren die Pflanzenfresser

01:01:02.242 --> 01:01:06.422
mit irgendwelchen Hörnern und Rückenschildern. und diese zwei Blöcke sind sich

01:01:06.422 --> 01:01:08.062
auch in der Urwelt gegenüber gestanden.

01:01:08.502 --> 01:01:10.862
Jetzt ist es so, dass Dinos ja, ich habe das eingangs gesagt,

01:01:11.042 --> 01:01:14.622
gerade Kinder besonders faszinieren. Womit könnte das denn zusammenhängen? Das

01:01:14.908 --> 01:01:19.648
Und Dinosaurier vor allem Kinder so faszinieren, kann an vielen unterschiedlichen Dingen liegen.

01:01:19.968 --> 01:01:23.328
Zum einen liegt es daran, dass es so eine Welt ist, in der sich Kinder vielleicht

01:01:23.328 --> 01:01:25.568
auch mal besser auskennen wie die Erwachsenen.

01:01:25.788 --> 01:01:29.848
Die Kinder können die ganzen Namen, die Fachbegriffe und die Erwachsenen können

01:01:29.848 --> 01:01:32.568
dann nur staunen und den Kopf irgendwie nicken oder schütteln.

01:01:33.068 --> 01:01:35.708
Zum anderen hängt es aber natürlich auch mit Kommerz zusammen.

01:01:36.048 --> 01:01:39.948
Wenn wir so in die Spielzeuggeschäfte schauen, da sind die voll mit Dinosauriern.

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Und Kinder interessieren sich vielleicht nicht von Natur aus für Dinos,

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aber es gibt genug Zeug, was sie über Dinos kaufen können.

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Das stimmt, absolut. Und die Eltern sind die Leidtragenden davon.

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Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

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Und ich kann auch das Vorurteil widerlegen, dass sich nur Jungs für Dinosaurier

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interessieren. Da habe ich auch vorhin schon gesagt, meine Töchter sind auch sehr begeistert davon.

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Herzlichen Dank dir für die Einblicke. Ja, ich bedanke mich für das Gespräch. Danke.

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Wir sind leider, und das muss ich jetzt an der Stelle auch erwähnen,

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Das einzige Lebewesen, das in 3,7 Milliarden Jahren auf der Erde gelebt hat,

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das nicht ein Massenaussterben begleitet, das von einem extraterrestrischen

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Himmelskörper verursacht wurde oder von weltumspannendem Vulkanismus,

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sondern wir sind die Verursacher des sechsten großen Massenaussterbens.

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Und das ist vielleicht jetzt kein Titel, mit dem man sich rühmen kann,

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aber diesbezüglich ist die Tragweite des Menschen also schon enorm.

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Wir haben es geschafft, als Spezies, als Art Aussterben von Tiergruppen zu verursachen,

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die auf einer Skala wiederzufinden sind, die vergleichbar sind mit den fünf

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verheerendsten Katastrophen, die die Welt je gesehen hat.

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Und das ist sehr, sehr schlimm und da kann man sich auf jeden Fall nicht freuen,

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aber das wird also unsere Hinterlaschenschaft sein.

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Ja, und das war's auch schon mit unserer Reise in die Urzeit und mit dieser

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Folge zur Geschichte der Paläontologie.

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Wenn ihr Lust habt, noch tiefer in das Thema einzusteigen und auch mal einen

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Blick zu riskieren, dann schaut doch auch mal im ZDF-Streaming vorbei.

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Dort findet ihr nämlich unsere Terra-X-Reihe Unterdinos – Geheimnisse der Urzeit.

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Mit ganz erstaunlichen Einblicken in die aktuelle Forschung und in das Leben der Saurier.

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Wir verlinken euch die Seite in den Shownotes. Wenn ihr Feedback für uns habt,

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dann schreibt uns sehr gerne per Mail auf Terra Existory bei Instagram oder

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aber ihr kommentiert diese Folge auf YouTube beim Kanal Terra Existory.

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Wir freuen uns über eure Gedanken zur Folge, aber auch über neue Themenvorstäge.

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Dieser Podcast hier ist eine Produktion von Objektiv Media im Auftrag des ZDF.

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Die Autorinnen waren wie immer Janine Funko und Andrea Kahrt.

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Sie sind verantwortlich für Buch und Regie. Für die technische Umsetzung und

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Gestaltung verantwortlich ist Sascha Schiemann. Redaktion im ZDF hatte Katharina

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Kolvenbach, ich bin Mirko Drotschmann und ich sage danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

