WEBVTT

00:00:01.157 --> 00:00:06.057
Wo muss ich abbiegen? Nach Schleiden geht's hier lang. Fahr mal gleich rechts auf die Autobahn.

00:00:07.757 --> 00:00:12.077
Und jetzt? Wir hätten hier schon rausfahren müssen. Mist!

00:00:14.557 --> 00:00:19.657
Diese Zeiten sind inzwischen vorbei. Heute muss keiner mehr hektisch im Straßenatlas

00:00:19.657 --> 00:00:22.997
herumblättern, um den richtigen Weg nach Schleiden in der Eifel zu finden.

00:00:23.177 --> 00:00:28.697
Inzwischen haben fast alle Autos GPS-Navigation. In den 1980er Jahren aber gehörte

00:00:28.697 --> 00:00:32.737
ein Straßenatlas praktisch zur Grundausstattung. Am 21.

00:00:33.017 --> 00:00:38.697
Juni 1983 begann eine Autofahrt dann aber zum ersten Mal schon so.

00:00:46.217 --> 00:00:50.537
Das war die Stimme des ersten autarken Navigationssystems der Geschichte.

00:00:50.797 --> 00:00:56.237
Es hieß EFA und entwickelt hat es die Firma Bosch. Eva, das bedeutet elektronischer

00:00:56.237 --> 00:00:57.797
Verkehrslotse für Autofahrer.

00:00:58.577 --> 00:01:04.557
Echt, links, gerade aus. Eva hatte schon eine kleine digitale Karte zur Verfügung.

00:01:04.777 --> 00:01:05.797
Allerdings nur für Hildesheim.

00:01:06.677 --> 00:01:09.477
Die Zielpunkte waren in einen Zahlencode übersetzt worden.

00:01:09.637 --> 00:01:13.817
Und wenn man Start- und Zielkoordinaten eingegeben hatte, dann hat Eva die beste

00:01:13.817 --> 00:01:17.757
Route berechnet und einen mit klaren Anweisungen per Stimme zum Ziel gelost.

00:01:17.997 --> 00:01:22.077
Allerdings war Eva damals noch ein Prototyp. Ziel erreicht.

00:01:22.800 --> 00:01:35.600
Music.

00:01:35.317 --> 00:01:38.497
Ich bin Mirko Rotschmann, ihr hört Terra X History, der Podcast.

00:01:38.737 --> 00:01:43.337
Und in dieser Folge geht es um die Geschichte der Kartografie und die Macht der Karten.

00:01:43.657 --> 00:01:46.937
Wann haben die Menschen angefangen, die Welt auf Karten darzustellen?

00:01:47.097 --> 00:01:50.897
Warum haben sie begonnen, geografisches Wissen über Inseln, Flüsse und Berge

00:01:50.897 --> 00:01:55.257
für die Nachwelt festzuhalten? Und welche Probleme mussten Kartografen lösen,

00:01:55.457 --> 00:01:59.977
um die kugelige Oberfläche der Erde mehr oder weniger verzerrungsfrei auf eine

00:01:59.977 --> 00:02:01.037
platte Karte zu bringen?

00:02:01.297 --> 00:02:04.057
Wer schon einmal eine Apfelsine geschält hat und dann versucht hat,

00:02:04.117 --> 00:02:07.757
die Schalenstücke in einem Rechteck zusammenzufügen, der weiß, was ich meine.

00:02:07.977 --> 00:02:12.577
Irgendwo klafft immer eine Lücke. Und was bedeuten Digitalisierung und GPS für

00:02:12.577 --> 00:02:13.897
die Geschichte der Kartografie?

00:02:15.928 --> 00:02:19.608
Das erste digitale und autarke Navigationssystem mit Sprachausgabe,

00:02:19.728 --> 00:02:23.168
EFA, war Anfang der 1980er Jahre eine kleine Sensation.

00:02:23.468 --> 00:02:26.268
Aber es hat noch ohne GPS funktioniert.

00:02:26.748 --> 00:02:30.988
Mittlerweile ist nicht nur das GPS im Autonavistandard. Es gibt alle möglichen

00:02:30.988 --> 00:02:34.268
Karten, die uns Informationen liefern, ob digital oder analog.

00:02:34.828 --> 00:02:41.008
Stadtpläne, Wanderkarten, Schulatlanten, Busnetzkarten, Wetterkarten und so weiter und so fort.

00:02:41.048 --> 00:02:43.448
Wir sind im Alltag praktisch von Karten umgeben.

00:02:44.168 --> 00:02:48.388
Auch wenn es uns gar nicht bewusst ist, Karten speichern unser Wissen über die Welt.

00:02:48.568 --> 00:02:55.348
Ob als großmaßstäbige topografische Karte 1 zu 25.000 oder als kleinmaßstäbige

00:02:55.348 --> 00:02:57.588
Weltkarte 1 zu 75 Millionen.

00:02:57.928 --> 00:03:02.308
Mit Satellitenbildviewern können wir uns in jeden Winkel der Erde zoomen,

00:03:02.548 --> 00:03:05.068
ohne unsere Wohnung überhaupt verlassen zu müssen.

00:03:05.408 --> 00:03:09.468
Das Navi weist uns den Weg zum nächsten Supermarkt und wenn wir irgendwann dann

00:03:09.468 --> 00:03:13.768
trotzdem die Orientierung verloren haben, dann gucken wir in unserer Navigations-App

00:03:13.768 --> 00:03:18.888
auf dem Smartphone nach, wo das GPS-Signal leuchtet und dann wissen wir, wo wir gerade sind.

00:03:22.128 --> 00:03:24.848
Was sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht, ist,

00:03:25.068 --> 00:03:27.268
wir Menschen suchen offenbar seit Anbeginn

00:03:27.268 --> 00:03:30.268
nach dem richtigen Weg und sind neugierig auf das, was uns umgibt.

00:03:30.608 --> 00:03:34.468
Karten bieten uns Orientierung, sie liefern uns Wissen über die Welt und auch

00:03:34.468 --> 00:03:39.028
ein Stück weit Sicherheit. Selbst wenn es manchmal trotz GPS und Navi mit der

00:03:39.028 --> 00:03:41.688
Orientierung nicht immer hundertprozentig klappt.

00:03:43.308 --> 00:03:45.388
Auch ohne GPS und Navi hat das

00:03:45.388 --> 00:03:48.788
mit den Papierkarten und ihren Vorläufern erstaunlich gut funktioniert.

00:03:49.068 --> 00:03:53.688
Einige Jahrtausende lang. Der britische Journalist Simon Garfield hat mal geschrieben,

00:03:53.848 --> 00:03:56.148
dass jede Karte eine Geschichte erzähle.

00:03:56.388 --> 00:03:58.588
An dieser Stelle müssen wir das noch ein bisschen erweitern.

00:03:59.028 --> 00:04:02.148
Auch jede Karten ähnliche Darstellung erzählt eine Geschichte.

00:04:02.148 --> 00:04:06.308
Denn bevor es die ersten zweidimensionalen Karten gab, also nachdem die Schrift

00:04:06.308 --> 00:04:10.568
erfunden wurde, haben Menschen Informationen über Berge, Flüsse und Wälder auch

00:04:10.568 --> 00:04:14.388
schon auf andere Weise dargestellt und an nachfolgende Generationen weitergegeben.

00:04:16.508 --> 00:04:20.468
Vor kurzem haben Wissenschaftler in Frankreich etwas Bemerkenswertes entdeckt.

00:04:20.688 --> 00:04:24.868
In der berühmten Höhle von Segoniol, 60 Kilometer südlich von Paris,

00:04:25.228 --> 00:04:28.828
haben sie Gravuren im Sandsteinboden gefunden. Sie vermuten,

00:04:28.928 --> 00:04:32.508
dass es sich dabei um eine Art 3D-Modell der Umgebung handelt.

00:04:32.768 --> 00:04:37.308
Es wäre damit die älteste prähistorische, kartenähnliche Darstellung,

00:04:37.408 --> 00:04:38.828
die bisher entdeckt worden ist.

00:04:39.068 --> 00:04:43.808
Der Archäologe und Forschungsleiter Medard Thierry vom Zentrum für Geowissenschaften

00:04:43.808 --> 00:04:46.208
in Paris. Comparing 8 North from Michigan.

00:04:47.283 --> 00:04:51.003
Wenn man die Gestalt und Form der Einkerbungen in der Höhle mit der Landschaft

00:04:51.003 --> 00:04:55.223
außerhalb der Höhle vergleicht, sieht man, es handelt sich in gewisser Weise

00:04:55.223 --> 00:04:57.323
um ein Miniaturmodell dieser Landschaft.

00:04:59.063 --> 00:05:02.723
Was in der Höhle gefunden wurde, ist keine Karte nach heutigem Verständnis,

00:05:02.803 --> 00:05:07.863
denn Karten sind verkleinerte, stark vereinfachte und zweidimensionale Abbildungen der Wirklichkeit.

00:05:08.023 --> 00:05:13.103
Aber die Gravuren in der Höhle von Sigourn Yol können als Vorstufe davon gelten.

00:05:16.603 --> 00:05:19.963
Diese Reliefdarstellung könnte damals nützlich gewesen sein,

00:05:20.123 --> 00:05:22.423
um sich im Jagdkollektiv zu organisieren.

00:05:22.743 --> 00:05:27.003
Sozusagen als anschauliches Miniaturmodell zur Vorbereitung auf die Jagd.

00:05:27.163 --> 00:05:30.963
Etwa, wo die einzelnen Jäger sich hinstellen sollten, um vorherzusehen,

00:05:31.123 --> 00:05:33.223
wohin das Wild vielleicht flüchten würde.

00:05:38.543 --> 00:05:41.563
In dieser Zeit haben die Menschen noch andere Methoden genutzt,

00:05:41.563 --> 00:05:44.343
um ihr Wissen über die Umwelt, in der sie lebten, weiterzugeben.

00:05:44.603 --> 00:05:48.943
Oft war es überlebenswichtig zu wissen, wo Wälder lagen, wo Gebirge,

00:05:49.003 --> 00:05:50.843
wo Flüsse oder lebensfeindliche Städten.

00:05:51.043 --> 00:05:54.783
Und nicht immer gab es Höhlen, wo diese Informationen in den Stein eingraviert

00:05:54.783 --> 00:05:57.703
werden konnten und sich so geschützt und bis heute erhalten haben.

00:05:57.703 --> 00:06:01.583
Ob es solche Darstellungen vielleicht auch aus organischen Materialien gegeben

00:06:01.583 --> 00:06:03.403
hat, das können wir nicht mehr sagen.

00:06:03.603 --> 00:06:08.003
Wie fanden diese Jäger und Sammler ihren Weg? Woher wussten sie, wo sie genau sind?

00:06:08.690 --> 00:06:13.890
Ganz einfach. Sie erstellten vermutlich kognitive Karten oder Mental Maps.

00:06:14.250 --> 00:06:18.330
Die Menschen haben sich Wege, Flüsse, Entfernungen, Berge oder Seen einfach

00:06:18.330 --> 00:06:24.150
eingeprägt und alle wichtigen Informationen im Gedächtnis abgespeichert, um sich zu orientieren.

00:06:24.390 --> 00:06:27.870
Und sie haben ihr Wissen an nachfolgende Generationen weitergegeben.

00:06:28.270 --> 00:06:31.030
Ein Beispiel dafür sind die australischen Aboriginal People,

00:06:31.210 --> 00:06:35.470
die in sogenannten Songlines, also Gesängen, Landschaften und Wege beschreiben,

00:06:35.610 --> 00:06:37.650
zum Teil über Hunderte von Kilometern.

00:06:38.190 --> 00:06:41.110
Diese Art der Kartografie nutzten vielleicht auch die frühen Menschen.

00:06:41.310 --> 00:06:44.790
Und sie änderte sich erst dauerhaft, als die Menschen sesshaft wurden und sich

00:06:44.790 --> 00:06:47.070
erste Hochkulturen und Imperien entwickelten.

00:06:47.310 --> 00:06:50.150
Das war so ab dem 4. Jahrtausend vor der Zeitenwende.

00:06:50.650 --> 00:06:53.370
Denn damals entwickelten die Menschen auch die erste Schrift.

00:06:53.770 --> 00:06:55.710
Nach und nach entstanden Dörfer und Städte.

00:06:55.890 --> 00:06:59.770
Im Laufe der Zeit mussten Regionen und größere Herrschaftsgebiete verwaltet

00:06:59.770 --> 00:07:02.950
und, aus Sicht der Herrschenden, auch kontrolliert werden.

00:07:03.630 --> 00:07:06.730
Was sie dafür jetzt brauchten, das war erstmal ein Überblick,

00:07:06.890 --> 00:07:09.050
wie ihr Einflussbereich überhaupt aussah.

00:07:09.290 --> 00:07:12.590
Und dazu brauchten sie genau Karten.

00:07:14.870 --> 00:07:18.990
Die älteste erhaltene Karte ist mehr als 3000 Jahre alt.

00:07:19.130 --> 00:07:23.370
Sie stammt aus dem alten Ägypten, also etwa um 1150 vor der Zeitenwende.

00:07:23.470 --> 00:07:27.310
Es handelt sich um eine Karte aus Papyrus, auf der eine Gebirgslandschaft zu

00:07:27.310 --> 00:07:31.530
sehen ist. Mit verschiedenen Farben sind unterschiedliche Gesteinstypen eingezeichnet

00:07:31.530 --> 00:07:34.850
und einige Stellen markiert, an denen wahrscheinlich Goldminen lagen.

00:07:35.130 --> 00:07:37.930
Die Karte liegt heute im Ägyptischen Museum in Turin.

00:07:38.510 --> 00:07:42.750
Regeln, wie solche Karten angefertigt werden sollten, gab es damals vermutlich noch nicht.

00:07:43.070 --> 00:07:48.170
Das hat sich erst ein paar Jahrhunderte später geändert, und zwar im antiken Griechenland.

00:07:52.210 --> 00:07:57.310
Ich lache, wenn ich sehe, wie viele vor mir Karten von der Erde angefertigt haben.

00:07:57.870 --> 00:08:03.810
Aber niemand wirklich auf intelligente Weise, scherzt Herodot in seinen Historien im 5.

00:08:03.930 --> 00:08:08.690
Jahrhundert vor Christus, denn seine Zeitgenossen produzieren vor allem runde Karten.

00:08:08.910 --> 00:08:11.750
Sie zeichnen den Ozean um die Erde herum.

00:08:11.990 --> 00:08:15.470
Sie stellen Asien als genauso groß dar wie Europa.

00:08:16.010 --> 00:08:20.490
Niemand weiß genau, ob Europa von einem Meer umgeben ist. Herodots Kritik?

00:08:20.650 --> 00:08:25.450
Auf den Karten fehlten Informationen aus Reiseberichten von Händlern und Entdeckern.

00:08:25.690 --> 00:08:29.250
Der griechische Geograf und Historiker war selbst viel gereist.

00:08:29.430 --> 00:08:35.590
Nach Ägypten, in den vorderen Orient, nach Nordafrika und kannte den gesamten Mittelmeerraum.

00:08:35.870 --> 00:08:40.070
Eine Karte hat er nach seinen Reiseberichten aber wohl nie selbst gezeichnet.

00:08:40.550 --> 00:08:42.510
Zumindest gibt es keine Quellen darüber.

00:08:45.650 --> 00:08:48.310
Herodot hat damals, wie viele seiner Zeitgenossen, geglaubt,

00:08:48.350 --> 00:08:49.770
dass die Erde eine Scheibe sei.

00:08:50.010 --> 00:08:54.070
Das hatte ein gewisser Pythagoras, der nicht lang vor Herodots Geburt starb

00:08:54.070 --> 00:08:57.550
und den ihr vermutlich noch aus dem Matheunterricht kennt, ganz anders gesehen.

00:08:57.750 --> 00:09:02.570
Die Pythagoreer sagen, die Erde sei eine Kugel in der Mitte des Alls.

00:09:02.730 --> 00:09:04.270
So ist es zumindest überliefert.

00:09:04.610 --> 00:09:08.990
Einige antike Gelehrte haben ihm zugestimmt. Darunter Aristoteles,

00:09:09.130 --> 00:09:13.650
der sicher war, dass die Erde eine Kugel ist. Er hatte Mondfinsternisse beobachtet

00:09:13.650 --> 00:09:17.790
und dabei festgestellt, dass die Erde einen kreisförmigen Mondschatten geworfen hat.

00:09:18.090 --> 00:09:21.390
Den letzten Beweis hat dann Eratosthenes von Kyrene erbracht.

00:09:21.730 --> 00:09:25.090
Der junge Gelehrte war im dritten Jahrhundert vor Christus Bibliothekar von

00:09:25.090 --> 00:09:31.350
Alexandria, eine der berühmtesten Bibliotheken der damaligen Zeit und das Wissenschaftszentrum der Antike.

00:09:31.910 --> 00:09:37.430
Daniela Dürk, Professorin für Antike Geschichte und Geografie an der Bar-Ilan-Universität in Israel.

00:09:38.550 --> 00:09:43.230
Er hat es geschafft, den Umfang der Erdkugel zu berechnen, und zwar fast genauso

00:09:43.230 --> 00:09:46.830
exakt, wie wir das heute tun würden. Das war echt erstaunlich.

00:09:48.310 --> 00:09:52.470
In einem historischen Bericht hieß es damals, er stellte die Sonne in seinen Dienst.

00:09:53.180 --> 00:09:57.120
Seine Beobachtungen in Suene, dem jetzigen Asuan in Ägypten,

00:09:57.240 --> 00:10:02.240
hatten ihn gelehrt, dass zur Sommersonnenwende das Spiegelbild der Sonne im

00:10:02.240 --> 00:10:03.600
Grunde eines Brunnens erschien.

00:10:04.040 --> 00:10:08.120
Die Sonne musste am 21. Juni senkrecht über Suene stehen.

00:10:08.540 --> 00:10:11.980
Heratostenes hat herausgefunden, dass die Sonne zur Mittagszeit im heutigen

00:10:11.980 --> 00:10:16.660
Asuan, im Zenit, in Alexandria, aber am Tag der Sommersonnenwende zur gleichen

00:10:16.660 --> 00:10:18.660
Zeit in einem anderen Winkel stand.

00:10:18.980 --> 00:10:21.820
Also konnte die Erde gar keine Scheibe sein.

00:10:22.400 --> 00:10:25.240
Eratosthenes kannte auch die Entfernung zwischen den beiden Orten,

00:10:25.520 --> 00:10:28.700
vermutlich geschätzt anhand der Reisegeschwindigkeit einer Kamelkarawane.

00:10:29.080 --> 00:10:34.480
Daraus berechnete er ziemlich genau den Erdumfang am Äquator von rund 40.000 Kilometern.

00:10:35.080 --> 00:10:38.020
Damit standen die Kartografen jetzt aber vor einem ganz anderen Problem,

00:10:38.180 --> 00:10:40.420
nämlich wenn die Erde keine Scheibe war.

00:10:40.580 --> 00:10:45.080
Wie sollte man die Kugelgestalt dann auf eine zweidimensionale Karte projizieren?

00:10:45.800 --> 00:10:49.860
Eratosthenes hat dieses Problem noch nicht gelöst, aber er hat eine der ersten

00:10:49.860 --> 00:10:53.720
Weltkarten gezeichnet, und zwar mit Hilfe von Reisebeschreibungen und Skizzen,

00:10:53.840 --> 00:10:56.800
die in der Bibliothek von Alexandria gesammelt worden waren.

00:10:57.300 --> 00:11:00.800
Eratosthenes Karte zeigte die damals für die europäische Antike bekannte Welt

00:11:00.800 --> 00:11:04.860
mit Europa, mit Asien und Afrika um 220 vor Christus.

00:11:05.280 --> 00:11:09.900
Iberien ist schon bekannt, das Kaspische Meer auch, Indien liegt ganz im Osten

00:11:09.900 --> 00:11:14.960
und ein Gitternetz, das Längen und Breitengraden ähnelt, hatte er auch schon eingezeichnet.

00:11:17.260 --> 00:11:20.360
Diejenigen, die sich mit der antiken Geografie beschäftigt haben,

00:11:20.780 --> 00:11:25.760
haben dann das Wissen aus dem antiken Griechenland weiter in die Zeit der römischen Antike getragen.

00:11:25.960 --> 00:11:30.100
Zu nennen ist da zum Beispiel Strabo aus Amaseia, der im ersten Jahrhundert

00:11:30.100 --> 00:11:34.920
nach Christus all das geografische Wissen in einem großen Sammelband zusammengefasst hat.

00:11:38.440 --> 00:11:43.200
Und das ist eigentlich eine Art beschreibende Geografie, die auf Erzählungen

00:11:43.200 --> 00:11:46.240
und Berichten basiert, die wir heute in den Karten dargestellt sehen.

00:11:53.579 --> 00:11:57.159
Denn die meisten Gelehrten der Antike sind nicht selbst gereist,

00:11:57.279 --> 00:12:01.579
sondern sie haben ihre Karten aus Erzählungen und Beschreibungen anderer angefertigt,

00:12:01.699 --> 00:12:04.459
etwa von Handelsreisenden oder umherziehenden Soldaten.

00:12:04.639 --> 00:12:08.739
Die berühmteste dieser so entstandenen Weltkarten stammt von Claudius Ptolemäus.

00:12:08.959 --> 00:12:13.079
Der Gelehrte hat fast sein ganzes Leben lang wie Eratosthenes in Alexandria

00:12:13.079 --> 00:12:15.559
geforscht, das zu Ptolemäus Lebzeiten im 2.

00:12:15.739 --> 00:12:19.339
Jahrhundert nach Christus allerdings zur römischen Provinz Ägypten gehörte.

00:12:23.259 --> 00:12:27.259
Sein größter Beitrag war, dass er einen systematischen Rahmen geschaffen hat,

00:12:27.419 --> 00:12:30.099
der die Grundlage für die Entwicklung der Kartografie bildete.

00:12:30.319 --> 00:12:35.559
Er erstellte Listen von Orten und die dazugehörigen Koordinaten nach Längen

00:12:35.559 --> 00:12:37.079
und Breitengraden auf der Erde.

00:12:37.399 --> 00:12:41.139
Damit konnte er jetzt den genauen Standort bestimmen, weil der Schnittpunkt

00:12:41.139 --> 00:12:44.519
dieser beiden Linien genau dort lag, wo sich ein bestimmter Ort befand.

00:12:46.599 --> 00:12:51.999
In seinen Büchern Geographieke Hyphegesis sind mehr als 8000 damals bekannte

00:12:51.999 --> 00:12:57.279
Orte verzeichnet, gegliedert nach drei Kontinenten, Europa, Afrika und Asien.

00:12:57.719 --> 00:13:02.199
Amerika, Ozeanien und Antarktis waren ihm und seinen Zeitgenossen ja noch unbekannt.

00:13:02.539 --> 00:13:08.259
Mit diesem Wissen hätte Ptolemaeus eine Weltkarte und 26 Regionalkarten herstellen können.

00:13:08.579 --> 00:13:12.179
Allerdings ist nicht überliefert, ob er selbst solche Karten wirklich angefertigt

00:13:12.179 --> 00:13:16.499
hat. Karten, die auf dem basieren, was Ptolemäus zusammengetragen hatte,

00:13:16.919 --> 00:13:19.199
wurden erst etwa 1000 Jahre später wirklich erstellt.

00:13:19.399 --> 00:13:22.479
Aber seine Forschung war die Grundlage für spätere Karten.

00:13:22.999 --> 00:13:26.319
Zum ersten Mal gab es damit eine echte wissenschaftliche Grundlage.

00:13:28.259 --> 00:13:32.639
Ptolemäus hat übrigens auch den Nullmeridian festgelegt. Und zwar an das äußerste

00:13:32.639 --> 00:13:37.659
Ende der damals bekannten Welt. Und das war die kleine kanarische Insel El Hierro.

00:13:38.159 --> 00:13:42.959
Erst 1884 haben sich Vertreter von verschiedenen Nationen auf einer internationalen

00:13:42.959 --> 00:13:47.379
Konferenz in Washington DC darauf geeinigt, den Nullmeridian nach Greenwich zu verlegen.

00:13:47.699 --> 00:13:50.939
Seitdem ist er nicht nur Referenzmeridian für die Karten der Welt,

00:13:51.139 --> 00:13:54.559
auch die Zeitzonen orientieren sich an der Greenwich Mean Time.

00:13:54.999 --> 00:13:59.519
Bis heute. Das Wissen von Ptolemäus wurde in den folgenden Jahrhunderten weitergetragen.

00:13:59.759 --> 00:14:03.899
Der arabische Kartograf Muhammad al-Idrisi hat zum Beispiel darauf zurückgegriffen.

00:14:04.239 --> 00:14:08.579
Er stand im 12. Jahrhundert im Dienst von König Roga, dem Zweiten in Sizilien,

00:14:08.699 --> 00:14:10.799
und hat einige Weltkarten gezeichnet.

00:14:11.039 --> 00:14:13.399
Leider sind von diesen Karten nur sehr wenige erhalten.

00:14:13.759 --> 00:14:20.439
Darunter eine Weltkarte aus dem Jahr 1154, die den Nil ins Zentrum der Welt rückt.

00:14:21.759 --> 00:14:26.899
Denn Karten erzählen immer eine Geschichte, nämlich über die Kultur der Zeit,

00:14:27.039 --> 00:14:28.259
in der sie entstanden sind.

00:14:28.579 --> 00:14:32.979
Bei europäischen christlichen Kartografen war lange Jerusalem das Zentrum.

00:14:32.979 --> 00:14:35.339
In der römischen Antike war es dann Rom.

00:14:35.639 --> 00:14:42.159
Ein berühmtes Beispiel dafür ist die Tabula Poitingeriana, eine Wandkarte, die wohl um 1200 n. Chr.

00:14:42.399 --> 00:14:45.059
Als Kopie eines spätantiken Originals entstanden.

00:14:45.772 --> 00:14:49.472
Im 16. Jahrhundert hat sie der Augsburger Jurist und Humanist Konrad Poettinger

00:14:49.472 --> 00:14:51.912
geerbt und so wurde sie schließlich wiederentdeckt.

00:14:52.132 --> 00:14:56.352
Die Weltkarte bestand im Original aus zwölf Kartenteilen, die insgesamt rund

00:14:56.352 --> 00:14:59.992
sieben Meter lang und gut 35 Zentimeter breit waren.

00:15:00.532 --> 00:15:04.772
Gezeichnet wurde sie auf Pergament aus Ziegenhäuten. Dargestellt ist ein stark

00:15:04.772 --> 00:15:09.472
verzerrtes, mehr als 100.000 Kilometer langes Straßennetz, das von den britischen

00:15:09.472 --> 00:15:13.072
Inseln über den Mittelmeerraum bis nach Zentralasien reicht.

00:15:13.412 --> 00:15:18.552
Alle Straßen führen nach Rom. Es gab sogar Meilenangaben zwischen den mehr als

00:15:18.552 --> 00:15:20.272
500 eingezeichneten Städten.

00:15:20.672 --> 00:15:23.752
Besonders exakt waren diese Entfernungsangaben allerdings noch nicht,

00:15:23.872 --> 00:15:28.912
denn bis zur präzisen Vermessung der Erde sollte es noch ein paar Jahrhunderte dauern.

00:15:31.292 --> 00:15:34.732
Viele Karten aus der Antike und aus dem Mittelalter sind nicht mehr erhalten.

00:15:34.952 --> 00:15:37.692
Die wenigen, die überliefert wurden, sind dafür umso bekannter.

00:15:37.912 --> 00:15:42.692
Darunter auch die Ebsdorfer Weltkarte, die 1830 im gleichnamigen Kloster der

00:15:42.692 --> 00:15:44.292
Benediktinerinnen gefunden wurde.

00:15:44.292 --> 00:15:50.752
Das Original wurde 1943 im Zweiten Weltkrieg zerstört, aber es wurden einige Kopien angefertigt.

00:15:50.912 --> 00:15:56.072
Sie ist eine der größten sogenannten Radkarten des Mittelalters und stammt vermutlich

00:15:56.072 --> 00:15:58.412
aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

00:15:58.692 --> 00:16:03.512
Jerusalem bildet das geografische Zentrum. Eine weitere berühmte Weltkarte aus

00:16:03.512 --> 00:16:07.612
der Übergangszeit von Spätmittelalter und Renaissance stammt von dem venezianischen

00:16:07.612 --> 00:16:11.092
Mönch Fra Mauro. Im Auftrag von König Alfons V.

00:16:11.432 --> 00:16:15.632
Von Portugal hat er aus Berichten von Entdeckungsreisenden und anderen Quellen

00:16:15.632 --> 00:16:16.992
eine Weltkarte erstellt.

00:16:17.712 --> 00:16:23.392
Mappamundi. Gezeichnet wahrscheinlich zwischen 1457 und 1459.

00:16:23.952 --> 00:16:27.492
Das Original gibt es leider auch nicht mehr, aber eine Kopie davon.

00:16:27.852 --> 00:16:32.772
Jerusalem ist in dieser Weltkarte zum ersten Mal nicht mehr das geografische Zentrum.

00:16:33.172 --> 00:16:37.452
Viele Historiker sind deshalb der Ansicht, die Mappamundi des Framauro markiere

00:16:37.452 --> 00:16:40.532
den Übergang zwischen dem Mittelalter und der frühen Neuzeit.

00:16:40.532 --> 00:16:47.012
1935 wurde übrigens ein Mondkrater nach Framauro genannt und genau dort landete

00:16:47.012 --> 00:16:51.432
im Jahr 1971 die Raumfähre Apollo 14.

00:16:58.152 --> 00:17:02.852
In der dänischen königlichen Bibliothek in Kopenhagen geht ein älterer Mann

00:17:02.852 --> 00:17:07.552
zielstrebig in Richtung Kartenraum. Er hat einen Spitznamen. The Ripper.

00:17:08.132 --> 00:17:13.752
Es ist der 31. Januar 2001. In die Besucherliste trägt der Mann sich unter seinem

00:17:13.752 --> 00:17:16.152
richtigen Namen ein. Peter Bellwood.

00:17:16.452 --> 00:17:20.692
Was die Aufsicht der dänischen Königlichen Bibliothek nicht weiß.

00:17:20.912 --> 00:17:24.952
Peter Bellwood ist ein bereits verurteilter und notorischer Kartendieb.

00:17:27.392 --> 00:17:30.492
Bellwood geht nach dem immer gleichen Modus operandi vor.

00:17:30.672 --> 00:17:35.452
Ein kleines Federmesser, ein schneller Schnitt. Am Ende fehlen der Kopenhagener

00:17:35.452 --> 00:17:39.352
Bibliothek drei Karten aus alten Atlanten von unschätzbarem Wert.

00:17:39.552 --> 00:17:45.692
Darunter eine Weltkarte aus einem Atlas von Abraham Ortelius aus dem Jahr 1587.

00:17:46.969 --> 00:17:51.329
Solche Karten wie die von Abraham Otelius kosten heute oft einige tausend Euro.

00:17:51.629 --> 00:17:57.849
Bei Sotheby's ist 2014 die vierte Auflage von Otelius' Theatrum für fast 60.000

00:17:57.849 --> 00:17:58.969
Euro versteigert worden.

00:17:59.269 --> 00:18:02.489
Teuer war der Atlas übrigens auch schon zu Abraham Otelius' Lebzeiten.

00:18:02.709 --> 00:18:06.409
Er hat im 16. Jahrhundert den ersten modernen Atlas herausgegeben,

00:18:06.529 --> 00:18:08.149
also eine Sammlung von Karten.

00:18:08.509 --> 00:18:11.969
Otelius' Atlas hat die damals bekannte Welt in einem Buch gezeigt.

00:18:12.289 --> 00:18:16.889
Damit war Otelius ein Pionier. Der Antiquar- und Kartenhändler aus Antwerpen

00:18:16.889 --> 00:18:20.869
hat jahrelang mühsam alles an geografischem Wissen zusammengetragen,

00:18:20.969 --> 00:18:23.129
was damals auf Karten verfügbar gewesen ist.

00:18:23.349 --> 00:18:29.609
Am 20. Mai 1570 erschien die erste Auflage seines Theatrum Orbis Terrarum,

00:18:29.829 --> 00:18:32.029
was übersetzt Welttheater bedeutet.

00:18:32.409 --> 00:18:35.509
Und unter anderem darüber spreche ich jetzt mit Ute Schneider.

00:18:35.689 --> 00:18:38.629
Ute Schneider ist Professorin für Sozial- und Wissenschaftsgeschichte an der

00:18:38.629 --> 00:18:42.329
Universität Duisburg-Essen und ich freue mich sehr, dass sie heute hier bei

00:18:42.329 --> 00:18:44.929
uns im Podcast ist. Herzlich willkommen. Hallo Frau Schneider.

00:18:45.309 --> 00:18:49.489
Guten Tag, Herr Droschmann. Wir haben eben schon gehört, wie wertvoll originale

00:18:49.489 --> 00:18:51.349
historische Karten heute sind.

00:18:51.629 --> 00:18:55.009
Unter anderem natürlich der Atlas von Abraham Otelius aus dem 16.

00:18:55.189 --> 00:18:59.309
Jahrhundert und dass daraus auch gerne mal einzelne Karten aus Museen geklaut werden.

00:18:59.709 --> 00:19:03.329
Was ist denn das Besondere an diesem Atlas und den darin enthaltenen Karten?

00:19:03.789 --> 00:19:08.749
Diese Karten sind eigentlich Einzelstücke. Sie wurden einzeln hergestellt und

00:19:08.749 --> 00:19:13.129
dann in diesem Atlas zusammengebunden, sodass jede Karte ein Einzelstück ist.

00:19:13.129 --> 00:19:14.589
Sie wurde per Hand koloriert.

00:19:14.689 --> 00:19:19.049
Deswegen haben wir auch unterschiedliche Kolorierungen in den verschiedenen Atlanten.

00:19:19.229 --> 00:19:23.609
Und das macht sie für Sammler ganz besonders wertvoll.

00:19:23.869 --> 00:19:28.049
Und dann geht man eben auch mal in die Bibliothek und schneidet eine Karte mit

00:19:28.049 --> 00:19:29.089
einer Rasierklinge raus.

00:19:29.569 --> 00:19:33.909
Passiert als Nutzerin immer wieder mal, dass sie so ein Atlas aufschlagen und dann fehlt ein Stück.

00:19:34.186 --> 00:19:37.386
Wenn wir zurückblicken in das 16. Jahrhundert, welchen Stellenwert hatten denn

00:19:37.386 --> 00:19:40.686
Kartenmacher und auch Verleger wie Ortelius in der Gesellschaft damals?

00:19:40.686 --> 00:19:45.986
Sie waren in gewisser Weise Gelehrte, die das Wissen der Zeit kannten,

00:19:46.266 --> 00:19:52.026
zusammengetragen haben und dann eine Form gefunden haben, eine Verarbeitungsform

00:19:52.026 --> 00:19:53.586
und eine Darstellungsform,

00:19:53.826 --> 00:19:59.266
nämlich eine Umsetzung dieses Wissens in Karten und eine Verortung von Wissen,

00:19:59.446 --> 00:20:04.626
von Orten, was zusammengetragen wurde in dieser Zeit in diesen Karten.

00:20:04.626 --> 00:20:08.286
Wir dürfen aber eins nicht vergessen, wir werfen immer den Blick nur auf die Karten.

00:20:08.746 --> 00:20:13.426
Die Atlanten, aber auch Karten haben immer auch erläuternde Texte.

00:20:13.826 --> 00:20:18.786
Das heißt, das Text-Bild-Zusammenspiel ist hier ganz wichtig und war auch für

00:20:18.786 --> 00:20:23.126
die Zeitgenossen ganz wichtig, weil man ja in der Visualisierung in der Karte

00:20:23.126 --> 00:20:25.426
nicht immer alles erklären kann.

00:20:25.426 --> 00:20:30.926
Und wenn Sie so einen Atlas aufschlagen, auch der von Ortelius hat immer lange Erläuterungen,

00:20:31.106 --> 00:20:36.226
wie etwa in den alten Zeiten bei antiken Autoren etwas gesehen wurde,

00:20:36.326 --> 00:20:41.386
was man wusste, was man nicht wusste und was jetzt in dieser Karte zu sehen

00:20:41.386 --> 00:20:44.746
ist und häufig auch, woher diese Informationen kommen.

00:20:44.746 --> 00:20:47.826
Jetzt gibt es ja diesen alten Spruch, Wissen ist Macht.

00:20:47.946 --> 00:20:51.146
Wenn wir das auf Karten beziehen und auf diejenigen, die diese Karten damals

00:20:51.146 --> 00:20:53.806
besessen haben, kann man das auch so sagen?

00:20:53.966 --> 00:20:57.286
Also jemand, der eine Karte hatte, die entsprechenden Erläuterungen hatte,

00:20:57.526 --> 00:21:00.626
damit auch Macht und was war damit auch politisch verbunden?

00:21:00.626 --> 00:21:05.166
Diese Karten sind nicht nur heute besonders wertvolle Stücke,

00:21:05.426 --> 00:21:09.166
sondern sie waren von ungeheurem Wert auch in der frühen Neuzeit,

00:21:09.286 --> 00:21:13.466
also in der Zeit eines Orteleus oder anderer Kartenmacher und Gelehrten.

00:21:13.826 --> 00:21:15.786
Und sie wurden nicht gekauft.

00:21:15.786 --> 00:21:20.606
Ich sage mal so allgemein vertrieben. Man musste schon sehr viel Geld anlegen,

00:21:20.726 --> 00:21:23.086
um so eine Karte zu bekommen oder zu erwerben.

00:21:23.366 --> 00:21:28.466
Deswegen finden wir sie sehr häufig bei Monarchen in Fürstenhäusern oder bei

00:21:28.466 --> 00:21:33.246
wohlhabenden Bürgern, die sich es leisten konnten, eine Karte zu kaufen.

00:21:33.246 --> 00:21:40.126
Und sie sind deswegen Machtinstrumente, weil auch gerade Monarchenfürsten sie

00:21:40.126 --> 00:21:42.526
benutzt haben für ihre Politik.

00:21:42.786 --> 00:21:49.246
Sei es nun Expansionspolitik im großen globalen Maßstab oder sei es Expansionspolitik

00:21:49.246 --> 00:21:55.106
oder das Wissen und Generierung von Wissen über ihre manchmal auch sehr kleinen Territorien.

00:21:55.746 --> 00:22:01.626
1570 ist das Theatrum zum ersten Mal herausgebracht worden von Orteleus.

00:22:02.186 --> 00:22:05.446
Und auch sonst kann man feststellen, dass im 16. Jahrhundert ein ordentlicher

00:22:05.446 --> 00:22:08.826
Schub zu beobachten ist in der Entwicklung der Kartografie.

00:22:09.046 --> 00:22:11.586
Warum denn gerade in dieser Zeit? Was hat damit reingespielt?

00:22:11.806 --> 00:22:15.546
Ja, wir haben das Zeitalter der Expansionen ja im 15.

00:22:15.846 --> 00:22:20.906
Jahrhundert und da werden Wissensbestände zusammengesammelt, zusammengetragen.

00:22:21.026 --> 00:22:26.506
Sie werden schriftlich verarbeitet und jetzt geht man in gewisser Weise den zweiten Schritt.

00:22:26.506 --> 00:22:30.746
Das, was man schriftlich vorliegen hat, wird jetzt visualisiert,

00:22:30.906 --> 00:22:35.806
damit es denjenigen, die diese Karten oder die Visualisierung benötigen,

00:22:36.266 --> 00:22:42.266
es anschaulicher macht, immer auch in Kombination mit den entsprechenden Texten dazu.

00:22:42.646 --> 00:22:46.506
Deswegen haben wir hier einen Anstieg. Es kommen weitere Dinge hinzu.

00:22:46.706 --> 00:22:53.386
Es kommen die besseren Druckmöglichkeiten hinzu. Es ist nicht mehr der Holzdruck, wie wir ihn noch im 15.

00:22:53.606 --> 00:22:56.906
Jahrhundert haben, sondern wir können jetzt in Kupfer drucken.

00:22:56.986 --> 00:23:01.626
Es sind mehr Abzüge damit auch möglich von einzelnen Karten.

00:23:01.826 --> 00:23:06.106
Es kommen, ich sage mal, günstigere Möglichkeiten der Papierherstellung dazu.

00:23:06.686 --> 00:23:14.306
Sodass Karten einfacher technisch und in Anführungszeichen wirklich billiger zu produzieren sind.

00:23:14.769 --> 00:23:17.949
Jetzt haben wir über Otelius schon ausführlich gesprochen. Wir sollten noch

00:23:17.949 --> 00:23:19.049
einen weiteren Namen nennen.

00:23:19.129 --> 00:23:23.089
Es gab ja einige Pioniere in dieser Zeit, aber besonders hervorzuheben wäre

00:23:23.089 --> 00:23:25.329
noch Martin Waldseemüller, der schon Anfang des 16.

00:23:25.469 --> 00:23:28.089
Jahrhunderts eine ganz berühmte Weltkarte veröffentlicht hatte.

00:23:28.449 --> 00:23:31.349
Welche Bedeutung hatte denn Waldseemüller und vor allem welche Bedeutung hatte

00:23:31.349 --> 00:23:35.369
seine Karte für die Geschichte der Kartografie? Ja, Waldseemüller ist ja etwas

00:23:35.369 --> 00:23:39.509
früher als Orteleus, über den wir gerade gesprochen haben und andere.

00:23:39.769 --> 00:23:45.749
Er fällt in gewisser Weise genau in dieses Zeitalter der Expansionen hinein.

00:23:45.889 --> 00:23:52.209
Er ist auch jemand, der das Wissen, das mitgebracht wird, kartografisch visualisiert.

00:23:52.209 --> 00:23:56.949
Und es gibt ja eine Vielzahl von Unsicherheiten in dieser Zeit noch.

00:23:57.109 --> 00:24:01.929
Also hat man wirklich hier einen neuen Kontinent entdeckt oder ist eben das

00:24:01.929 --> 00:24:04.589
doch Indien auf dem Globus?

00:24:04.589 --> 00:24:09.309
Und Waldseemüller setzt sich mit diesen Unsicherheiten auseinander und seine

00:24:09.309 --> 00:24:13.329
Karte hat besondere Berühmtheit erlangt, weil er der Erste ist.

00:24:13.849 --> 00:24:20.069
Der den Kontinent, den er hier als eigenen Kontinent jetzt in seine Karte einzeichnet,

00:24:20.509 --> 00:24:22.589
mit Amerika bezeichnet.

00:24:22.589 --> 00:24:28.009
Das ist die Benennungsmacht, die Kartografen auch haben, denn diese Orte,

00:24:28.129 --> 00:24:29.789
die sie jetzt verzeichnen müssen,

00:24:30.269 --> 00:24:34.949
über manche wissen sie etwas, manche werden mit Herrschaftszeichen ausgezeichnet,

00:24:35.049 --> 00:24:39.209
also der Portugiesen oder Spanier, später auch der anderen Mächte.

00:24:39.209 --> 00:24:47.129
Und bei anderen Orten nimmt man Namen, die man zum Teil aus der Antike kennt und hier überträgt.

00:24:47.249 --> 00:24:51.569
Oder man nimmt eben, und das hat Waldseemüller gemacht, den Entdecker,

00:24:51.709 --> 00:24:56.329
den vermeintlichen Entdecker des neuen Kontinentes, Ameriko Vespucci,

00:24:56.789 --> 00:24:59.949
dem er hier ein Denkmal setzt mit der Benennung.

00:25:00.089 --> 00:25:03.549
Wenn man an das 16. Jahrhundert denkt, fällt einem natürlich die Reformation

00:25:03.549 --> 00:25:07.229
ein durch Martin Luther. Und es gibt tatsächlich auch einen kartografischen

00:25:07.229 --> 00:25:11.369
Reformator, zumindest wird er so genannt, nämlich Gerhard Mercator.

00:25:11.529 --> 00:25:14.829
Der war aus dem heutigen Belgien vor der Inquisition nach Duisburg geflohen.

00:25:14.909 --> 00:25:17.709
Dort ist er dann noch 1594 gestorben.

00:25:17.789 --> 00:25:20.649
Auch eine ganz wichtige Person im Zusammenhang mit der Kartografie.

00:25:20.969 --> 00:25:22.889
Welche Errungenschaften sind Ihnen denn zuzuschreiben?

00:25:23.051 --> 00:25:27.891
Ich reagiere erst mal auf den Reformator. Ich habe damit nämlich immer etwas

00:25:27.891 --> 00:25:29.811
Probleme mit dieser Bezeichnung.

00:25:30.291 --> 00:25:34.811
Weil hier sozusagen der Versuch dahinter steckt, strikt zu kategorisieren,

00:25:34.951 --> 00:25:38.231
in welche religiöse Richtung jemand tendierte.

00:25:38.231 --> 00:25:43.351
Und gerade Mercator ist ein gutes Beispiel dafür, dass es viele religiöse Fragen

00:25:43.351 --> 00:25:47.631
gab, mit denen sich die Zeitgenossen auseinandergesetzt haben und dass es Dinge

00:25:47.631 --> 00:25:53.051
gibt, die stärker in der einen Konfession überzeugen und andere Fragen in der anderen.

00:25:53.051 --> 00:25:57.791
Und Mercator selber hat sich ja auch nie deutlich geäußert.

00:25:57.871 --> 00:26:03.611
Er hat sich aber am Ende seines Lebens immer stärker auch mit Fragen der Schöpfungsgeschichte

00:26:03.611 --> 00:26:08.871
auseinandergesetzt, weil die Wissensbestände vermehrten sich und viele Dinge

00:26:08.871 --> 00:26:11.431
sind ja nun in der Bibel nicht mehr zu finden.

00:26:11.431 --> 00:26:16.291
Der neue Kontinent, später die neuen Kontinente und Ähnliches.

00:26:16.471 --> 00:26:21.551
Und das hat natürlich Fragen hervorgerufen und damit hat sich Mercator auseinandergesetzt.

00:26:22.031 --> 00:26:27.951
Er hat sich aber auch mit den Problemen seiner Zeit auseinandergesetzt im Hinblick

00:26:27.951 --> 00:26:34.011
auf die Frage der Expansionen. Denn eines der großen Probleme war die Seefahrt.

00:26:34.111 --> 00:26:40.851
Wir haben eine Vielzahl von Schiffbrüchen, Schiffe, die nicht zurückkehren, die irgendwo stranden.

00:26:40.951 --> 00:26:48.191
Und für die Seefahrt benötigte man nun gute Navigationssysteme und ein Navigationssystem.

00:26:48.191 --> 00:26:52.871
Und das hat Mercator entwickelt mit seiner Weltkarte Ad Osum Navigantium,

00:26:53.231 --> 00:27:01.071
also für die Seefahrt schon entwickelt 1569, die eine Projektionsform entwickelt hat,

00:27:01.511 --> 00:27:09.391
die der Seefahrt hilfreich war, weil man in gewisser Weise nun gut segeln konnte über die Meere.

00:27:09.391 --> 00:27:13.631
Das war ja auch etwas Neues überhaupt in dieser Zeit, dass man diese weiten

00:27:13.631 --> 00:27:18.231
Reisen angetreten ist und da half die Ausrichtung mit dieser Karte.

00:27:18.640 --> 00:27:23.040
Das Interessante ist ja, dass Teile dieser Projektionen noch einigermaßen aktuell

00:27:23.040 --> 00:27:26.060
sind, könnte man sagen, während andere Karten heute in Museen hängen.

00:27:26.140 --> 00:27:29.220
Was genau ist denn da heute noch aktuell von dieser Mercator-Projektion?

00:27:29.660 --> 00:27:32.940
Ja, Projektionen sind ja immer ein schwieriges Thema.

00:27:33.300 --> 00:27:36.820
Eigentlich ist ja die beste Form der Globus. Wenn Sie versuchen,

00:27:36.960 --> 00:27:40.380
den Globus oder die Erde sozusagen auf einen Blatt zu bringen,

00:27:40.640 --> 00:27:44.580
haben Sie immer das Problem, dass es Verzerrungen gibt. Und die haben wir bei

00:27:44.580 --> 00:27:46.840
der Mercator-Karte natürlich auch.

00:27:47.020 --> 00:27:49.500
Sie ist winkeltreu und nicht flächentreu.

00:27:49.780 --> 00:27:54.580
Deswegen haben wir einerseits das Zusammenfließen der Territorien an den Rändern

00:27:54.580 --> 00:27:58.700
und wir haben andererseits diese Disproportionalität, vor allen Dingen,

00:27:58.760 --> 00:28:01.420
wenn man etwa an die Größe von Afrika hier denkt.

00:28:01.420 --> 00:28:06.880
Das hat immer wieder Debatten ausgelöst, vor allen Dingen im 20.

00:28:07.200 --> 00:28:12.220
Jahrhundert. Aber in der Seefahrt wird die Mercator-Karte bis heute noch benutzt,

00:28:12.300 --> 00:28:16.200
weil sie eine gute Möglichkeit der Orientierung darstellt.

00:28:16.520 --> 00:28:21.960
Und wir haben in weiten Teilen der Erde, finden wir auch die Mercator-Karte

00:28:21.960 --> 00:28:25.540
heute noch in Atlanten, in Klassenzimmern.

00:28:25.720 --> 00:28:29.740
Da findet sie noch Verwendung. Kann man also sagen, dass Mercator auch unsere

00:28:29.740 --> 00:28:32.240
heutige Weltsicht geprägt hat und immer noch prägt?

00:28:32.400 --> 00:28:36.580
Ja, er hat sie ganz maßgeblich geprägt und das hängt damit zusammen,

00:28:36.780 --> 00:28:42.540
dass wir eine Verbreitung dieser Mercator-Karte eigentlich erst seit dem 18.

00:28:42.960 --> 00:28:47.920
Und vor allen Dingen dann im 19. Jahrhundert haben. Vorher gab es viel Kritik an ihm.

00:28:48.040 --> 00:28:53.180
Auch die Kaufleute, die holländischen Kaufleute waren von dieser Karte gar nicht

00:28:53.180 --> 00:28:58.360
begeistert, weil sie eben sich an die Seefahrt richtete und viele Informationen,

00:28:58.360 --> 00:29:02.180
die man jenseits der Seefahrt benötigte, nicht liefern konnte.

00:29:02.180 --> 00:29:06.140
Also es gab hier auch große Widerstände gegen die Mercator-Karte.

00:29:06.260 --> 00:29:11.280
Sie hat sich dann, man könnte sagen, mit dem Ausbau der Marinen und so weiter

00:29:11.280 --> 00:29:18.400
durchgesetzt in den nicht nur europäischen Staaten, aber da eben auch und wurde da benutzt.

00:29:18.400 --> 00:29:22.960
Und durch die Verbreitung, auch die Verbreitung in den Schulatlanten,

00:29:23.060 --> 00:29:26.020
in Klassenzimmern hingen Mercator-Karten aus.

00:29:26.480 --> 00:29:31.920
Hat sich sozusagen ein bestimmter Blick auf die Welt eingeprägt und wir nennen

00:29:31.920 --> 00:29:35.920
das auch so eine Mental Map, eine Vorstellung, die die Menschen entwickelt haben.

00:29:35.920 --> 00:29:40.820
Und das haben wir sehr schön daran gesehen, als etwa in Deutschland die Tagesschau,

00:29:41.000 --> 00:29:44.440
die sehr, sehr lange eine Mercator-Karte im Hintergrund hatte,

00:29:44.620 --> 00:29:50.580
auf eine andere Projektion umgestellt hat und es empörte Zuschriften in Zeitungen

00:29:50.580 --> 00:29:54.300
und dann in verschiedenen Medien gab, wo Leute sich beschwert haben,

00:29:54.400 --> 00:29:59.340
dass die Welt ganz anders aussieht und das wäre sozusagen eine deutliche Veränderung hier.

00:29:59.529 --> 00:30:04.889
Also auch Karten können emotionale Reaktionen hervorrufen. Das lernen wir hier an dieser Stelle.

00:30:05.069 --> 00:30:08.949
Vielleicht noch die letzte Frage. Wir haben jetzt schon gesprochen über sehr wertvolle Karten.

00:30:09.169 --> 00:30:14.489
Aber ab wann waren denn Karten für die breite Masse auch einigermaßen verfügbar

00:30:14.489 --> 00:30:17.429
und einigermaßen günstig? Das können wir eigentlich erst im 19.

00:30:17.669 --> 00:30:20.989
Jahrhundert sehen und da sind verschiedene Faktoren verantwortlich.

00:30:21.149 --> 00:30:24.269
Einerseits sind es die Schulen und die Schulpflicht,

00:30:24.449 --> 00:30:29.649
die dann eingeführt wird und da wird in Schulbüchern Atlanten für Schulbücher,

00:30:29.709 --> 00:30:32.809
denn der Geografieunterricht spielt eine ganz wichtige Rolle.

00:30:33.209 --> 00:30:36.029
Nicht nur über das eigene Wissen, über das eigene Territorium,

00:30:36.169 --> 00:30:40.009
sondern eben auch über die Welt und dafür benötigt man Karten.

00:30:40.009 --> 00:30:45.409
Und hier werden jetzt Karten in verschiedenen Projektionen, die Mercator-Karte

00:30:45.409 --> 00:30:50.949
ist aber immer auch dabei für die Weltkarte und in unterschiedlichen Maßstäben abgebildet.

00:30:51.189 --> 00:30:55.329
Das heißt, es ist einerseits die Schule, es sind andererseits aber auch wieder

00:30:55.329 --> 00:30:59.529
technische Möglichkeiten, indem wir eben Lithographien haben.

00:30:59.529 --> 00:31:02.569
Das macht den Druck von Karten noch mal billiger.

00:31:02.749 --> 00:31:08.589
Wir können dann Kolorierungen machen, also industrielle Kolorierungen auch bei Karten.

00:31:08.749 --> 00:31:13.989
Sie müssen nicht mehr handkoloriert werden und damit setzt eine Verbreitung

00:31:13.989 --> 00:31:18.709
ein. Vielleicht könnte man als dritten Punkt noch nennen, dass die Staaten im 19.

00:31:18.929 --> 00:31:22.089
Jahrhundert zunehmend verstehen, dass diese Machtinstrumente,

00:31:22.229 --> 00:31:26.609
die sie hier in der Hand haben, auch von öffentlichem Interesse sind und dass

00:31:26.609 --> 00:31:30.149
sie die Informationen auch an die Öffentlichkeit geben müssen.

00:31:30.389 --> 00:31:37.029
Und damit werden eben Karten zu einer gewissen Form von Massenware, ein begehrtes Gut auch.

00:31:37.209 --> 00:31:40.329
Herzlichen Dank Ihnen für das Gespräch. Gerne, ich danke Ihnen.

00:31:42.649 --> 00:31:47.529
Ja, das 16. und 17. Jahrhundert waren goldene Zeiten, was die Kartografie betroffen hat.

00:31:48.189 --> 00:31:52.349
Weltkarten wurden zu kostbaren Kunstwerken für alle, die es sich leisten konnten.

00:31:52.789 --> 00:31:58.249
Die Weltkarte aus dem Jahr 1643 von Willem Janssen Blau, einem der berühmtesten

00:31:58.249 --> 00:32:01.469
niederländischen Kartenmacher, zeigt zum Beispiel nicht nur die damals bekannte

00:32:01.469 --> 00:32:04.149
Welt, sondern sie war mit vielen Zeichnungen verziert.

00:32:04.689 --> 00:32:09.809
Segelschiffe schipperten über den Atlantik. Im Indischen Ozean schwammen furchterregende Fische.

00:32:10.369 --> 00:32:15.229
Weltwunder wie der Koloss von Rhodos, Sinnbilder für Jupiter oder die Sonne

00:32:15.229 --> 00:32:17.489
rahmten die Karte kunstvoll ein.

00:32:17.729 --> 00:32:20.009
Es gab viele textliche Erläuterungen am Rand.

00:32:21.711 --> 00:32:25.171
Die Niederlande waren damals das wichtigste Kartenzentrum der Welt.

00:32:25.571 --> 00:32:28.671
Auch Gerhard Mercator stammte ursprünglich aus Pflandern.

00:32:28.951 --> 00:32:32.831
Sein winkeltreuer Kartennetzentwurf, nachdem Schiffe jetzt sicher navigieren

00:32:32.831 --> 00:32:36.631
konnten, sollte einer der erfolgreichsten der Kartografiegeschichte werden.

00:32:36.971 --> 00:32:40.771
Natürlich gab es auch viele Versuche anderer Kartografen, die Kugelform der

00:32:40.771 --> 00:32:42.591
Erde auf eine flache Karte zu bringen.

00:32:42.891 --> 00:32:47.491
Es entstanden sehr viele Kartennetzentwürfe, um die Erde oder Ausschnitte davon abzubilden.

00:32:48.431 --> 00:32:50.691
Kegelprojektionen oder Zylinderprojektionen.

00:32:51.131 --> 00:32:54.551
Netzentwürfe, die mal äquatorständig oder polständig waren.

00:32:54.751 --> 00:32:57.811
Es wurden echte oder unechte Kartennetzentwürfe entwickelt.

00:32:58.131 --> 00:33:00.471
Es würde hier viel zu weit führen, alle Beispiele zu nennen.

00:33:00.811 --> 00:33:04.711
Wichtig ist, Gerhard Mercators Projektion aus dem 16. Jahrhundert wurde im Laufe

00:33:04.711 --> 00:33:06.171
der Zeit weiterentwickelt.

00:33:06.351 --> 00:33:09.431
Zum ersten Mal im Jahr 1772.

00:33:11.871 --> 00:33:16.891
Johann Heinrich Nambert entwickelt die transversale Mercator-Projektion.

00:33:16.891 --> 00:33:20.771
Der Mathematiker Lambert wickelte den Zylinder also nicht von West nach Ost

00:33:20.771 --> 00:33:25.311
um die Erdkugel wie Mercator, sondern er hat das Ganze gekippt und den Zylinder

00:33:25.311 --> 00:33:27.511
jetzt von Süd nach Nord gewickelt.

00:33:27.751 --> 00:33:30.871
Eine weitere Entwicklung gab es dann 1825.

00:33:31.471 --> 00:33:36.711
Karl Friedrich Gauss berechnet die Mercator-Projektion erstmals für das Erdellipsoid.

00:33:36.891 --> 00:33:40.691
Denn die Erde ist ja keine Kugel, sondern an den Polen abgeplattet.

00:33:40.871 --> 00:33:47.071
Eben ein Ellipsoid, also eher eiförmig als rund. 1912 hat dann ein Mathematiker

00:33:47.071 --> 00:33:51.971
und Geodät aus Elze seine bahnbrechende Arbeit über die konforme Abbildung des

00:33:51.971 --> 00:33:54.631
Erdellipsoids in der Ebene vorgestellt.

00:33:54.911 --> 00:33:59.371
Johann Heinrich-Louis Krüger verfeinerte damit die Berechnungen von Gauss.

00:33:59.851 --> 00:34:03.011
Damit war es jetzt möglich, große Flächen präzise zu vermessen.

00:34:03.691 --> 00:34:07.911
1923 wurde dann das Gauss-Krüger-Koordinatensystem eingeführt.

00:34:07.911 --> 00:34:13.331
Auf der Basis der transversalen Mercator-Projektion wird dieses Koordinatensystem

00:34:13.331 --> 00:34:15.911
in Deutschland Grundlage für die amtliche Kartografie.

00:34:17.048 --> 00:34:21.988
Dieses Koordinatensystem gilt im Prinzip bis heute, auch wenn seit 1989 das

00:34:21.988 --> 00:34:27.148
sogenannte Europäische Terrestrische Referenzsystem als Bezugssystem verwendet wird.

00:34:27.348 --> 00:34:33.728
Es entspricht dem weltweiten geodätischen System 1984, also dem WGS-84.

00:34:34.368 --> 00:34:38.368
Bis heute dient also die universelle transversale Mercator-Projektion,

00:34:38.468 --> 00:34:43.668
kurz UTM, als Basis topografischer Karten und damit für die Abbildung der Erdoberfläche.

00:34:43.668 --> 00:34:48.888
Schaut einfach mal in die Zeichenerklärung einer topografischen Karte im Maßstab 1 zu 25.000.

00:34:49.068 --> 00:34:52.008
Da findet ihr diese Angaben kleingedruckt am Rand.

00:34:55.308 --> 00:34:59.108
Und am Beispiel der Mercator-Weltkarte wird noch etwas anderes deutlich.

00:34:59.668 --> 00:35:04.928
Karten prägen unsere Sicht auf die Welt und sind damit immer auch ein Stück weit politisch.

00:35:05.168 --> 00:35:08.548
Deshalb gab es an der Mercator-Karte zu fast allen Zeiten Kritik.

00:35:08.788 --> 00:35:13.508
In den 1970er Jahren wetterte der Historiker und Kartograf Arno Peters gegen sie.

00:35:13.668 --> 00:35:20.408
Nun, unsere geografischen Vorstellungen sind genauso verkehrt wie unser gesamtes übriges Weltbild.

00:35:20.868 --> 00:35:28.028
Wir sehen noch immer Europa viel zu überwertig und das geografische Weltbild

00:35:28.028 --> 00:35:30.488
ist Ausdruck dieses europazentrischen Denkens.

00:35:30.767 --> 00:35:33.307
Und unter anderem darüber spreche ich jetzt mit Georg Glasse.

00:35:33.487 --> 00:35:38.767
Er ist Kulturgeograf und Professor für politische Geografie an der Friedrich-Alexander-Universität

00:35:38.767 --> 00:35:42.927
in Erlangen-Nürnberg und ich freue mich sehr, dass er heute hier Gast ist in unserem Podcast.

00:35:43.047 --> 00:35:45.347
Herzlich willkommen, Herr Glasse. Ja, ich freue mich auch. Vielen Dank.

00:35:45.567 --> 00:35:48.427
Wenn wir heute eine Karte sehen, nehmen wir mal die Weltkarte,

00:35:48.507 --> 00:35:51.407
die wir im Hintergrund in den Fernsehnachrichten zum Beispiel beim Heute-Journal

00:35:51.407 --> 00:35:54.507
zu sehen bekommen, dann gehen wir davon aus, dass das, was wir da sehen,

00:35:54.747 --> 00:35:56.787
auch genau die Realität widerspiegelt.

00:35:56.867 --> 00:35:59.087
Warum ist diese Vorstellung denn aber falsch?

00:35:59.747 --> 00:36:03.667
Ich glaube, wir müssen uns eigentlich erst mal klar machen, dass eben eine Karte ein Bild ist.

00:36:03.947 --> 00:36:07.287
Ein Bild, das auch irgendwie anders gemacht werden könnte und nicht irgendwie

00:36:07.287 --> 00:36:10.227
ein Abbild und die eine Realität zeigt.

00:36:10.667 --> 00:36:13.707
Und das kann man sich an der Weltkarte, wie sie in den Nachrichten kommt,

00:36:14.247 --> 00:36:16.987
schon immer klar machen, dass es ja in der Regel Karten sind,

00:36:17.087 --> 00:36:19.667
die auf Europa zentriert sind, die da gezeigt werden.

00:36:19.887 --> 00:36:24.807
Aber die Welt ist nicht auf Europa zentriert. Das ist eine soziale Vereinbarung, eine Setzung.

00:36:25.087 --> 00:36:28.967
Das kennen wir so, dass Weltkarten, die wir sehen, in unseren Atlanten auf Europa zentriert sind.

00:36:29.587 --> 00:36:33.187
Aber das ist nicht die Realität. Man könnte es auch ganz anders machen.

00:36:33.907 --> 00:36:37.587
Nordung ist so ein zweites Beispiel. Unsere Weltkarten sind immer genordet, fast immer genordet.

00:36:37.667 --> 00:36:40.907
Auch das ist eine Konvention, die nicht irgendwie naturgegeben ist und nicht

00:36:40.907 --> 00:36:44.027
die eine Realität ist, sondern es wären auch ganz andere Karten. Denk mal.

00:36:44.967 --> 00:36:48.087
Interessant ist jetzt, dass es natürlich kein Zufall ist, dass Weltkarten,

00:36:48.207 --> 00:36:52.327
die wir kennen, auf Europa zentriert sind, weil die moderne Kartografie eben

00:36:52.327 --> 00:36:54.727
von Europa aus in die Welt getragen wurde.

00:36:54.847 --> 00:36:58.747
Die moderne Welt wurde von den europäischen Kolonialmächten vermessen.

00:36:59.587 --> 00:37:03.127
Kartografiert. Und so hat sich das letztlich als Tradition herausgebildet.

00:37:03.567 --> 00:37:05.587
Aber es könnte auch anders sein. Das muss man sich, glaube ich,

00:37:05.627 --> 00:37:06.307
immer wieder klar machen.

00:37:06.567 --> 00:37:10.607
Wann entstand denn die Idee, dass Karten tatsächlich die Welt abbilden würden?

00:37:10.687 --> 00:37:12.427
Und warum sollte man das vielleicht auch kritisch sehen?

00:37:12.667 --> 00:37:16.147
Das ist eine gute Frage, wo ich jetzt gar keine so einfache Antwort darauf habe.

00:37:16.307 --> 00:37:20.127
Also wenn man sich anschaut, wann so die moderne, vermessende,

00:37:20.367 --> 00:37:24.507
exakte Kartografie entsteht, dann ist es ein neuzeitliches Projekt,

00:37:24.607 --> 00:37:29.227
das auch eng verknüpft ist mit der Entstehung der modernen Starken mit ihren,

00:37:29.777 --> 00:37:35.017
klar definierten Grenzen, mit Vermessung, mit Katasterkarten,

00:37:35.217 --> 00:37:37.597
die Immobilienbesitz genau festlegen wollen.

00:37:38.177 --> 00:37:43.477
Und da hatten diese möglichst exakten Karten natürlich auch eine wichtige Funktion,

00:37:43.657 --> 00:37:46.897
einmal beispielsweise eben um Steuern zu erheben über Immobilienbesitz,

00:37:47.077 --> 00:37:50.957
für die Kontrolle von Territorien, für militärische Nutzung.

00:37:51.257 --> 00:37:56.137
Und in dieser Logik, möglichst exakte, vermessende Karten zu machen,

00:37:56.137 --> 00:37:59.957
schreibt sich dann, glaube ich, auch die Vorstellung ein, dass diese möglichst

00:37:59.957 --> 00:38:04.777
exakten Karten eben auch ein möglichst exaktes Abbild der Erde sind.

00:38:05.017 --> 00:38:09.597
Also natürlich brauchen wir exakte Karten, wenn wir, keine Ahnung, Gebäude bauen.

00:38:09.837 --> 00:38:13.617
Nur diese Grundidee, dass wir da ein objektives Bild der Wirklichkeit haben,

00:38:13.777 --> 00:38:17.637
die müsste man, glaube ich, genauso hinterfragen, wie man das bei jedem Text

00:38:17.637 --> 00:38:18.937
ja auch immer machen würde.

00:38:19.157 --> 00:38:22.177
Da auch sozusagen zwischen den Zeilen zu lesen und zu hinterfragen,

00:38:22.277 --> 00:38:25.857
was einem da präsentiert wird. Und ähnlich müsste man eigentlich auch sensibilisieren

00:38:25.857 --> 00:38:30.237
dafür, dass jede Karte ein bestimmtes Bild ist, eine bestimmte Weltsicht präsentiert

00:38:30.237 --> 00:38:32.417
und aber auch andere Weltsichten immer möglich wäre.

00:38:32.637 --> 00:38:36.097
Manchmal passiert das aber auch, da gibt es Karten, da ist mal Afrika zu klein,

00:38:36.217 --> 00:38:38.357
mal zu groß, Grönland zu klein und zu groß und so weiter.

00:38:38.637 --> 00:38:41.937
Woran liegt das denn und wie könnte man solche Probleme lösen in der Darstellung?

00:38:41.937 --> 00:38:45.657
Also da gibt es eine längere Debatte, dass es eher ein zentrales Problem ist,

00:38:45.737 --> 00:38:50.597
wenn ich die dreidimensionale, den Erdball auf zwei Dimensionen der Karte bringen möchte.

00:38:51.017 --> 00:38:54.477
Und dieses Problem, da gibt es eben unterschiedliche mathematische Wege.

00:38:54.817 --> 00:38:58.477
Eine Kartenprojektion, die sehr verbreitet ist für Weltkarten,

00:38:58.537 --> 00:39:03.397
ist die sogenannte winkeltreue Projektion von Markator in der frühen Neuzeit entwickelt.

00:39:03.397 --> 00:39:07.577
Also die macht im Prinzip folgendes, die nimmt einfach Breiten- und Längengrade,

00:39:07.837 --> 00:39:14.337
die den Globus umspannen und behält vom Äquator bis zu den Polen immer 90 Grad

00:39:14.337 --> 00:39:18.097
bei, wenn sich ein Längengrad und ein Breitengrad treffen.

00:39:18.317 --> 00:39:20.677
Das hört sich jetzt erstmal ganz abstrakt an, aber man kann sich ja klar machen,

00:39:20.757 --> 00:39:23.997
dass an beiden Polen die Breitengrade ja noch ein Punkt sind.

00:39:24.337 --> 00:39:27.377
Wenn ich aber aus diesem Punkt eine Linie mache und den ganz lang strecke,

00:39:27.857 --> 00:39:31.237
dann werden alle polennahen Gebiete viel zu groß dargestellt.

00:39:31.237 --> 00:39:35.277
Und es hat ganz konkret zur Folge, dass Weltkarten, die mit der Mercator,

00:39:35.437 --> 00:39:40.817
also winkeltreuen Projektion arbeiten, dann so aussehen, als wäre Grönland flächenmäßig

00:39:40.817 --> 00:39:44.697
größer als China oder teilweise sogar Afrika, was natürlich nicht stimmt.

00:39:45.257 --> 00:39:50.677
Und Arno Peters, der hat sozusagen aus einer Kritik an der Verbreitung der Mercator-Projektion

00:39:50.677 --> 00:39:54.217
darauf hingewiesen, dass es natürlich auch politisch nicht unproblematisch ist.

00:39:54.217 --> 00:39:59.437
Also sein Argument war, dass sich implizit in diese Nutzung der Mercator-Projektion

00:39:59.437 --> 00:40:02.517
auch so eine Überhöhung des globalen Nordens einschreibt,

00:40:02.677 --> 00:40:06.937
der ja dann auch flächenmäßig größer dargestellt wird und Afrika und andere

00:40:06.937 --> 00:40:09.397
äquatornahe Gebiete zu klein dargestellt werden.

00:40:09.517 --> 00:40:14.457
Er hat dann ja eine eigene Projektion vorgestellt, die sogenannte Gall-Peters-Projektion,

00:40:14.577 --> 00:40:18.117
weil er auf den schon existierenden Kartennetzentwurf von James Gall aus dem 19.

00:40:18.277 --> 00:40:21.577
Jahrhundert zurückgegriffen hat. Aber auch das hat für viel Kritik gesorgt,

00:40:21.637 --> 00:40:25.257
weil jetzt zwar die Flächen gestimmt haben, die Umrisse der Kontinente aber

00:40:25.257 --> 00:40:29.457
vollkommen in die Länge gezerrt waren. Die Menschen haben die Welt nicht wiedererkannt.

00:40:29.715 --> 00:40:32.815
Also das ist eine lange Debatte. Und was Peters da vorschlägt,

00:40:32.895 --> 00:40:38.495
das verzerrt ja die Formen und schafft sozusagen Bilder von Regionen,

00:40:38.815 --> 00:40:42.975
die ganz ungewöhnlich sind, die auch für bestimmte Zwecke überhaupt nicht geeignet sind.

00:40:43.135 --> 00:40:46.855
Also die Markatorprojektion, Winkeltreu, ist zum Beispiel für Navigationsfragen

00:40:46.855 --> 00:40:49.795
sehr gut geeignet. War für die Seefahrt eine wichtige Karte.

00:40:49.935 --> 00:40:53.455
Die Petersprojektion ist für Navigation denkbar ungeeignet. Also es gab ein

00:40:53.455 --> 00:40:58.115
Unverständnis dafür, Kartografie überhaupt in gewissen Weisen politische Tätigkeit zu sehen.

00:40:58.295 --> 00:41:01.255
Das war eine Kritik. Und es gab eben eine Kritik, diese Karte,

00:41:01.335 --> 00:41:05.255
die Peters da vorschlägt, ist ja eigentlich gar nicht richtig nutzbar und die verzerrt die Welt.

00:41:05.635 --> 00:41:07.975
Und das ist so ein Konflikt, der ist nicht so ganz aufgehoben.

00:41:07.975 --> 00:41:11.695
Also es gibt jetzt viele so vermittelnde Projektionen, die versuchen so nicht

00:41:11.695 --> 00:41:14.795
ganz wickeltreue zu sein, sich dem anzunähern.

00:41:14.955 --> 00:41:18.695
Aber dieser Konflikt ist nicht ganz aufgehoben und es gibt immer noch,

00:41:18.775 --> 00:41:23.475
glaube ich, so Vorbehalte überhaupt über diese politische Dimension von Karten

00:41:23.475 --> 00:41:24.775
und Kartografie nachzudenken.

00:41:25.015 --> 00:41:30.955
Jetzt haben wir viel gesprochen über einen Kartennetzentwurf und mögliche Verzerrung von Darstellungen.

00:41:31.015 --> 00:41:34.775
Man hat ja aber noch andere Gestaltungsmöglichkeiten, Farbe, Helligkeit, Formen.

00:41:34.895 --> 00:41:38.875
Was kann man denn damit beeinflussen? Wenn man erstmal den Punkt sich klar macht,

00:41:38.975 --> 00:41:41.855
dass eine Karte ein Bild ist und kein Abbild, dann stellen sich ja ganz,

00:41:41.915 --> 00:41:44.535
ganz viele Fragen, wie ich Dinge repräsentiere.

00:41:44.655 --> 00:41:47.215
Also mit was für Symbolen wird etwas dargestellt?

00:41:47.435 --> 00:41:49.935
Was wird überhaupt hervorgehoben? Was wird nicht hervorgehoben?

00:41:50.175 --> 00:41:54.015
Und wenn Sie jetzt Farben ansprechen, ist natürlich auch das immer eine Entscheidung

00:41:54.015 --> 00:41:58.875
von irgendjemand, der die Karte gestaltet, mit welchen Farben etwas dargestellt wird.

00:41:58.875 --> 00:42:03.195
Es gab zum Beispiel auch im Nachgang der Debatte um die Peters-Projektion eine

00:42:03.195 --> 00:42:07.995
Kritik an Karten, die lange Zeit die USA und die NATO verwendet haben,

00:42:08.195 --> 00:42:09.775
um den Kalten Krieg zu visualisieren.

00:42:09.815 --> 00:42:13.755
Die haben nämlich auch eine Mercator-Projektion genutzt. Was passiert bei der Mercator-Projektion?

00:42:13.915 --> 00:42:17.135
Die Sowjetunion mit ihren polnahen Gebieten sah ganz riesig aus.

00:42:17.215 --> 00:42:22.255
Der Feind war groß und er wurde in rot flächig eingefärbt, um sozusagen diese

00:42:22.255 --> 00:42:25.895
große, massive rote Bedrohung dieser Welt zu visualisieren.

00:42:25.895 --> 00:42:30.195
Also auch Karten, ich bin jetzt kein Psychologe, aber auch Karten haben ja eine

00:42:30.195 --> 00:42:34.055
bestimmte Symbolik und von daher ist auch das natürlich nicht neutral,

00:42:34.255 --> 00:42:37.895
was da mit welchen Farben bezeichnet wird und noch viel allgemeiner,

00:42:37.955 --> 00:42:40.255
was wird hervorgehoben, was wird weggelassen in Karten.

00:42:40.435 --> 00:42:44.075
Genau, das ist ein ganz wichtiger Punkt, das Weglassen. Da gibt es auch den

00:42:44.075 --> 00:42:46.495
schönen Ausdruck kartografisches Schweigen.

00:42:46.715 --> 00:42:49.755
Was ist das denn genau? Ja, das ist letztlich eine Diskussion,

00:42:49.835 --> 00:42:55.735
die kommt so ab den 80er, 90er Jahren auf, wo es vermehrt so ein Sozialkulturwissenschaftliches

00:42:55.735 --> 00:43:00.015
Nachdenken über Karten gibt und eben die Frage, was wird dargestellt und was funktioniert.

00:43:00.340 --> 00:43:04.180
Wird wie dargestellt, aber auch was wird nicht dargestellt? Man muss sich ja

00:43:04.180 --> 00:43:08.000
auch klar machen, da komme ich wieder auf diese Karte ist ein Bild und kein Abbild.

00:43:08.280 --> 00:43:12.200
Wenn die Karte ein Abbild wäre, dann müsste ja sozusagen die verkleinerte Form

00:43:12.200 --> 00:43:15.060
des Territoriums, müsste ja alles irgendwie präsent sein, was überhaupt nicht

00:43:15.060 --> 00:43:16.520
geht, was nicht visuell erfassbar ist.

00:43:16.820 --> 00:43:21.200
Also muss jede Karte eine Auswahl treffen, dem, was sie darstellt und was sie nicht darstellt.

00:43:21.420 --> 00:43:23.940
Und das, was sie nicht darstellt, ist kartografisches Schweigen.

00:43:23.940 --> 00:43:29.660
Konkretes, vielleicht banales Beispiel, auf den amtlichen topografischen Karten,

00:43:29.900 --> 00:43:31.980
die in Deutschland die Bundesländer ja erstellen,

00:43:32.420 --> 00:43:36.480
werden bestimmte Dinge hervorgehoben, es gibt Signaturen und es sind vielfach

00:43:36.480 --> 00:43:41.140
eben Gebäude, die irgendwie eine bestimmte Markanz haben und die man vielleicht

00:43:41.140 --> 00:43:43.440
auch aus irgendwelchen historischen Gründen hervorheben will.

00:43:43.440 --> 00:43:48.000
Also irgendwelche Schlösser, Klöster, Kirchen, Bahnhöfe werden hervorgehoben.

00:43:48.540 --> 00:43:51.360
Andere Dinge werden nicht dargestellt, werden weggelassen. Wir haben uns mal

00:43:51.360 --> 00:43:55.120
angeschaut beispielsweise, es gibt in der amtlichen deutschen Kartografie keine

00:43:55.120 --> 00:43:59.340
Signatur für Synagogen oder Moscheen. Das heißt, die kommen überhaupt nicht vor.

00:43:59.480 --> 00:44:02.800
Wenn Sie eine Stadt wie Nürnberg in der amtlichen Kartografie anschauen,

00:44:02.900 --> 00:44:07.900
ist es eine Stadt mit ganz vielen Kirchen, die mindestens Dutzend Moscheen tauchen

00:44:07.900 --> 00:44:09.740
aber auf dieser amtlichen Kartografie nicht auf.

00:44:10.200 --> 00:44:13.020
Das ist kartografisches Schweigen. Ein sehr interessanter Punkt,

00:44:13.120 --> 00:44:16.000
über den man sicherlich auch noch lang diskutieren könnte, aber kommen wir erstmal

00:44:16.000 --> 00:44:19.500
noch zu was anderem, nämlich den modernen Karten.

00:44:19.780 --> 00:44:24.000
Heute hat man mit dem Computer, mit Satelliten und anderen Hilfsmitteln ganz

00:44:24.000 --> 00:44:27.200
andere Möglichkeiten, als es die noch vor 100 oder 200 Jahren gab,

00:44:27.240 --> 00:44:28.500
wenn man Karten erstellt.

00:44:28.720 --> 00:44:32.220
Hat die gute alte Karte also nicht schon längst ausgedient?

00:44:32.360 --> 00:44:35.320
Machen die Computer heute alles? Ja, das ist eine interessante Frage,

00:44:35.480 --> 00:44:40.140
weil irgendwie ja, alle Karten, die wir heute sehen, sind digitale Karten.

00:44:40.580 --> 00:44:45.500
Dahinter stecken also digitale Informationen, Geodaten, Daten mit einer Georeferenzierung,

00:44:45.600 --> 00:44:48.300
die dann visualisiert werden in einer bestimmten Form.

00:44:48.300 --> 00:44:53.560
Auf der anderen Seite wäre mein Argument, dass ich in, keine Ahnung,

00:44:53.700 --> 00:44:56.840
in meinen 40 Jahren, wo ich das jetzt vielleicht bewusst wahrnehme,

00:44:56.960 --> 00:44:59.780
keine empirischen Untersuchungen habe, mein Eindruck ist, dass ich immer mehr

00:44:59.780 --> 00:45:01.660
Karten in meinem Alltag sehe.

00:45:01.860 --> 00:45:06.860
Medien nutzen immer mehr Karten, für alle möglichen Navigationsdinge werden Karten benutzt.

00:45:06.860 --> 00:45:12.380
Also ich wäre ein bisschen skeptisch von so am Ende der Karte als Kommunikationsform

00:45:12.380 --> 00:45:16.540
zu rechnen, aber sie ist eben zunehmend eine digitale Karte und von daher müssen

00:45:16.540 --> 00:45:19.780
wir uns, wenn wir uns sozusagen kritisch auseinandersetzen mit Fragen,

00:45:19.940 --> 00:45:22.920
was wird dargestellt und was wird nicht dargestellt, was wird verschwiegen,

00:45:23.320 --> 00:45:26.580
müssen wir uns eben sozusagen auch hinter der Karte am Bildschirm mit der Frage

00:45:26.580 --> 00:45:30.340
beschäftigen, welche Daten stecken denn da dahinter, wer erhebt die Daten,

00:45:30.500 --> 00:45:34.080
wie werden die Daten verarbeitet und welche Daten werden vielleicht nicht erhoben,

00:45:34.340 --> 00:45:35.680
welche Daten werden nicht verarbeitet.

00:45:35.680 --> 00:45:39.260
Also was ist sozusagen das kartografische Schweigen im digitalen Zeitalter?

00:45:39.572 --> 00:45:44.432
Und eine Frage, die damit auch verbunden ist, ist, wie werden denn Karten politisch aufgefasst?

00:45:44.612 --> 00:45:47.912
China sagt Taiwan gehört zu uns, Russland sagt, die Krim gehört zu uns,

00:45:48.032 --> 00:45:51.272
die Ukraine sieht das naturgemäß völlig anders, was die Krim angeht.

00:45:51.672 --> 00:45:55.152
Also wie beeinflussen denn auch Karten, die wir im Netz sehen,

00:45:55.312 --> 00:45:59.912
zum Beispiel Google Maps oder andere, unsere politische Sicht auf die Welt?

00:45:59.912 --> 00:46:02.872
Ich würde zunächst mal sagen, dass es eigentlich nichts Neues ist.

00:46:03.252 --> 00:46:07.292
Und es war für den Staat, würde ich argumentieren, immer auch ein Argument,

00:46:07.412 --> 00:46:11.732
um seine eigene, man kann fast sagen, Ideologie, nationale Ideologie zu festigen.

00:46:11.832 --> 00:46:16.192
Also um seinen Bürgerinnen und Bürgern auch nahezubringen, das ist unser Territorium,

00:46:16.252 --> 00:46:20.112
das ist das Territorium unserer Nation. Und das mag dann in Frankreich durchaus

00:46:20.112 --> 00:46:24.252
mal anders ausgesehen haben als in Deutschland im deutsch-französischen Konflikt im 19.

00:46:24.372 --> 00:46:28.632
Jahrhundert, wurden dann Bereiche in Elsass-Lothring garantiert anders kapiert

00:46:28.632 --> 00:46:31.112
von französischen Kartografen als von deutschen Kartografen.

00:46:31.712 --> 00:46:33.912
Also von daher ist es erstmal, würde ich sagen, nichts Neues,

00:46:33.992 --> 00:46:37.212
was jetzt interessant ist im digitalen Zeitalter, dass wir eigentlich das erste

00:46:37.212 --> 00:46:41.812
Mal wirklich permanent mit Karten konfrontiert sind, die eine globalen,

00:46:41.872 --> 00:46:43.612
universelle Abdeckung haben.

00:46:43.972 --> 00:46:48.132
Also Google Maps, das ist eine Revolution, über die man wenig nachdenkt.

00:46:48.352 --> 00:46:51.852
Google Maps ist halt eine global verfügbare Karte und es gibt auch andere digitale

00:46:51.852 --> 00:46:53.232
Konkurrenzprodukte, die das tun.

00:46:53.712 --> 00:46:57.432
Früher waren Karten eigentlich immer beschränkt auf kleine lokale Territorien

00:46:57.432 --> 00:46:59.092
oder vielleicht mal auf ein nationales Territorium.

00:46:59.092 --> 00:47:03.112
Damit stellen sich jetzt die Fragen, da wo es konkurrierende Ansichten gibt,

00:47:03.432 --> 00:47:07.312
keine Ahnung, die Westsahara, ist die unabhängig, gehört die zu Marokko,

00:47:07.752 --> 00:47:09.212
die Krim, schönes Beispiel.

00:47:09.652 --> 00:47:14.072
Wie geht man jetzt damit um Russland betrachtet? Die Krim inzwischen als russisches Territorium.

00:47:14.212 --> 00:47:18.552
Die Ukraine betrachtet die Krim natürlich als besetztes ukrainisches Territorium.

00:47:18.672 --> 00:47:22.912
Und international ist jetzt sozusagen die Frage, wie stellen sich andere Länder in diesem Konflikt?

00:47:23.549 --> 00:47:25.889
Und für so ein privates Unternehmen wie Google ist jetzt, wird sich fragen,

00:47:25.949 --> 00:47:27.309
wie geht es in solchen Konflikten um?

00:47:27.429 --> 00:47:30.049
Und Google nutzt jetzt seit einigen Jahren eben die Möglichkeiten,

00:47:30.049 --> 00:47:33.409
die die digitale Welt auch zur Verfügung stellt, indem sie sich eigentlich nicht

00:47:33.409 --> 00:47:36.889
festlegen und es eben sich wieder ablösen von der universalen Karte.

00:47:36.989 --> 00:47:40.429
Das heißt, ein Nutzer, der auf den Rechner mit einer IP-Adresse in Russland

00:47:40.429 --> 00:47:43.269
darauf zugreift, kriegt es als russisches Territorium angezeigt.

00:47:43.669 --> 00:47:46.709
Von Kiew kriegen sie es als ukrainisches Territorium angezeigt.

00:47:46.949 --> 00:47:50.769
Und von Deutschland aus kriegen wir so eine gestrichelte Linie als umstrittenes

00:47:50.769 --> 00:47:54.689
Territorium angezeigt. Augen auf, definitiv beim Kartenanschauen,

00:47:54.849 --> 00:47:57.109
egal wo, ob im Fernsehen, im Internet oder an anderer Stelle.

00:47:57.209 --> 00:48:00.509
Ganz herzlichen Dank für diese spannenden Einblicke, für die Einordnungen.

00:48:00.689 --> 00:48:02.509
Und ich glaube, wir sind jetzt alle ein bisschen sensibilisierter,

00:48:02.509 --> 00:48:05.609
wenn wir das nächste Mal bei Google Maps oder sonst wo vorbeisurfen und uns

00:48:05.609 --> 00:48:06.749
auf der Karte was anschauen.

00:48:06.829 --> 00:48:09.249
Herzlichen Dank. Vielen Dank von mir. Danke für die Einladung.

00:48:12.469 --> 00:48:16.909
Ja, Karten zeigen uns also in allen Epochen das jeweilige Wissen über die Welt.

00:48:16.909 --> 00:48:22.089
Heute im Zeitalter von Geoinformationssystemen, von Google Maps und GPS und

00:48:22.089 --> 00:48:26.169
der weltweiten Abdeckung mit Satelliten, die von jedem Winkel der Erde Aufnahmen

00:48:26.169 --> 00:48:29.249
senden, gibt es keine weißen Flecken auf der Weltkarte mehr.

00:48:29.509 --> 00:48:33.429
Das sah im 19. Jahrhundert, zumindest aus europäischer Perspektive, noch ganz anders aus.

00:48:33.649 --> 00:48:37.729
Der afrikanische Kontinent war zum Beispiel bis auf die Küstenregionen im Inneren

00:48:37.729 --> 00:48:39.629
mehr oder weniger unkartiert.

00:48:39.989 --> 00:48:43.749
Bekannt waren meistens nur die küstennahen Gebiete rund um die Handelsstützpunkte

00:48:43.749 --> 00:48:46.689
der Kolonialstaaten wie Großbritannien, Portugal oder Frankreich,

00:48:46.909 --> 00:48:49.569
die sie dort seit dem 15. Jahrhundert gegründet hatten.

00:48:50.089 --> 00:48:55.729
Entdecker wie Mango Pack, Henry Morton Stanley oder der legendäre David Livingston

00:48:55.729 --> 00:49:00.709
machten sich daran, den afrikanischen Kontinent bis in den letzten Winkel zu erkunden.

00:49:00.909 --> 00:49:05.249
Das alles mündete Ende des 19. Jahrhunderts in den sogenannten Scramble for

00:49:05.249 --> 00:49:07.929
Africa, also dem Kampf um Afrika.

00:49:08.149 --> 00:49:13.869
Aber lange bevor auf der sogenannten Berliner Kongo-Konferenz 1884-85 auf einer

00:49:13.869 --> 00:49:18.629
Karte willkürlich Grenzen gezogen wurden, füllte ein berühmter englischer Kartograf

00:49:18.629 --> 00:49:22.669
die weißen Flecken auf der afrikanischen Landkarte auf andere Weise.

00:49:22.909 --> 00:49:29.009
Er hat 1798 einfach einen Gebirgszug erfunden. Die sagenhaften Kongberge.

00:49:33.649 --> 00:49:40.449
Unüberwindlich. Über mehrere tausend Kilometer lang. Im Hinterland der Küste am Golf von Guinea.

00:49:40.769 --> 00:49:43.689
Eines der größten Phantome der Kartografiegeschichte.

00:49:46.009 --> 00:49:51.149
James Ronell ist renommierter Kartograf und erfolgreicher Vermesser Bengalens,

00:49:51.709 --> 00:49:56.749
Mitbegründer der Royal Geographical Society und hoch angesehenem britischen Empire.

00:49:59.171 --> 00:50:03.911
Zum ersten Mal tauchen die sagenhaften Kong-Berge auf zwei Landkarten in Mango

00:50:03.911 --> 00:50:09.471
Parks Bericht Reisen ins Innere Afrikas auf. Gezeichnet von James Rennell.

00:50:09.711 --> 00:50:14.751
Im Nachwort zu Parks Buch schreibt er, Parks Entdeckungen haben dem Kontinent

00:50:14.751 --> 00:50:16.631
ein neues Gesicht gegeben und bewiesen,

00:50:16.831 --> 00:50:21.171
dass eine Bergkette, die sich von West nach Ost erstreckt, die Bereiche zwischen

00:50:21.171 --> 00:50:25.091
10 und 11 Grad westlicher Länge von Greenwich aus bedeckt.

00:50:27.331 --> 00:50:32.811
Zwar berichtet Park nur von einigen Berggipfeln, doch Renel macht daraus mit

00:50:32.811 --> 00:50:34.951
einem Federstrich eine hohe Bergkette.

00:50:35.171 --> 00:50:39.731
Der vermeintlich unüberwindbare Gebirgszug wird wieder und wieder von Kartografen

00:50:39.731 --> 00:50:41.351
aus Renels Karten kopiert.

00:50:41.791 --> 00:50:48.791
Erst 1889 kommt der französische Offizier Louis-Gustave Binget dem Geheimnis

00:50:48.791 --> 00:50:55.391
der Phantomberge auf die Spur. Er reist von Bamako im heutigen Mali aus am Niger entlang.

00:50:56.151 --> 00:51:00.371
Über seine Erlebnisse berichtet er im Dezember vor der Société de Géographie

00:51:00.371 --> 00:51:03.551
in Paris. Die sagenhaften Kong-Berge.

00:51:03.911 --> 00:51:08.731
Am Horizont nicht einmal eine Hügelkette. Die Kong-Berge sind danach aus den

00:51:08.731 --> 00:51:09.871
meisten Karten verschwunden.

00:51:10.091 --> 00:51:15.211
Allerdings konnte man noch 1928 im Index des Oxford Advanced Atlas lesen.

00:51:15.211 --> 00:51:22.731
Kongberge, französisch Westafrika, 8 Grad, 40 Minuten Nord, 5 Grad, 0 Minuten West.

00:51:23.831 --> 00:51:28.451
James Rennell hatte die Geografie Afrikas für fast 100 Jahre verändert,

00:51:28.671 --> 00:51:32.731
bis die sagenhaften Kongberge aus den Karten endlich wieder verschwanden.

00:51:33.291 --> 00:51:37.291
Dabei hatte die Vermessung der Erde schon zu Rennells Lebzeiten viele Fortschritte gemacht.

00:51:37.591 --> 00:51:40.971
Man hat Karten nicht mehr nur nach Reiseberichten gezeichnet oder nach überlieferten

00:51:40.971 --> 00:51:45.831
Skizzen. Schon 1525 führte der französische Arzt Jean-Jacques Fernell nördlich

00:51:45.831 --> 00:51:48.711
von Paris eine erste präzise Längengradmessung durch.

00:51:48.971 --> 00:51:54.891
Und um 1617 hat der niederländische Astronom und Mathematiker Snellnius Berechnungsgrundlagen

00:51:54.891 --> 00:51:57.311
für die sogenannte Triangulation geschaffen.

00:51:57.831 --> 00:52:00.711
Dabei überzog man ein Gebiet mit genau vermessenen Dreiecken,

00:52:00.971 --> 00:52:05.751
innerhalb derer die Lage für jeden Punkt der Erdoberfläche genau bestimmt werden konnte.

00:52:06.131 --> 00:52:10.831
Dieses Verfahren wurde im 19. Jahrhundert in vielen Ländern zur Basis der Landesvermessung.

00:52:10.831 --> 00:52:17.211
In Deutschland hat Karl Friedrich Gauss in den Jahren 1822 bis 1824 zum ersten

00:52:17.211 --> 00:52:22.271
Mal eine exakte Gradmessung zwischen dem Inselberg im Thüringer Wald und Altona durchgeführt.

00:52:22.571 --> 00:52:25.451
Friedrich Wilhelm Bessel 1831 dann für Ostpreußen.

00:52:25.971 --> 00:52:31.211
Interessant ist, dass Bessel 1840 alle bekannten Messungen zusammengefasst hat

00:52:31.211 --> 00:52:35.431
und Messfehler in Bezug auf das sogenannte Erdellipsoid bereinigt hat.

00:52:35.431 --> 00:52:39.911
Dieses Verfahren wurde zur Grundlage der preußischen Landesvermessung und auch

00:52:39.911 --> 00:52:43.691
der späteren Vermessung im Deutschen Reich nach 1871.

00:52:45.452 --> 00:52:50.452
Erste Ansätze für eine exakte Landesvermessung in Preußen gab es aber schon viel früher.

00:52:51.032 --> 00:52:56.772
Schon 1818 gab das königlich-preußische Kriegsministerium das erste Musterblatt

00:52:56.772 --> 00:53:00.712
für die topografischen Arbeiten des königlich-preußischen Generalstabs heraus.

00:53:01.052 --> 00:53:06.712
Eine Art Vorläufer für die späteren preußischen Messtischblätter im Maßstab 1 zu 25.000.

00:53:07.032 --> 00:53:10.632
Denn nach dem Ende der Napoleonischen Kriege und dem Zweiten Pariser Frieden

00:53:10.632 --> 00:53:16.072
mussten viele Territorien von 1815 an neu geordnet werden. Dafür hat man auch

00:53:16.072 --> 00:53:18.052
in Preußen präzise Karten gebraucht.

00:53:18.252 --> 00:53:21.752
Das Ziel war, ein einheitliches Kartenwerk für das gesamte Königreich.

00:53:22.592 --> 00:53:26.212
Jetzt schwärmten die Topografen aus und kartierten mit Messtisch,

00:53:26.372 --> 00:53:31.812
Kompass, Wasserwaage und einem optischen Entfernungsmesser, der Kippregel, das Staatsgebiet.

00:53:31.972 --> 00:53:37.512
Die preußische Uraufnahme war lange Zeit eine rein militärische Angelegenheit.

00:53:38.332 --> 00:53:42.712
Das Interesse an den geheimen Militärkarten wuchs auch außerhalb des Militärs.

00:53:42.712 --> 00:53:47.152
Im Zuge der Industrialisierung brauchte man jetzt größere Maßstäbe im Vergleich

00:53:47.152 --> 00:53:49.472
zu den viel zu kleinen maßstäbigen Weltkarten.

00:53:49.752 --> 00:53:53.072
Nur so konnten sie von Verwaltung und Politik genutzt werden,

00:53:53.272 --> 00:53:56.712
etwa für Steuerfragen, den Straßen oder den Wohnungsbau.

00:53:56.952 --> 00:54:02.172
Die Militärkarten wurden von 1868 an deshalb auch für die zivile Nutzung freigegeben.

00:54:02.452 --> 00:54:08.292
Nur waren die meisten Karten inzwischen veraltet. Schon 1870 trat das Organisationsstatut

00:54:08.292 --> 00:54:12.952
für das Zentraldirektorium der Vermessung im preußischen Staat erstmals zusammen.

00:54:13.172 --> 00:54:18.152
Unter der Leitung von Generalstabschef Helmut von Moltke sollte Preußen neu vermessen werden.

00:54:18.592 --> 00:54:23.072
Zwei Jahre später wurde beschlossen, die Vermessung sollte mit 90 Messtischblättern

00:54:23.072 --> 00:54:25.752
im Maßstab 1 zu 25.000 erfolgen.

00:54:25.932 --> 00:54:28.452
Dauer mindestens 30 Jahre.

00:54:29.112 --> 00:54:34.532
Diese preußische Neuaufnahme kam dann im Ersten Weltkrieg zu ihrem ersten wichtigen Einsatz.

00:54:36.192 --> 00:54:42.232
Der Krieg zeigt den unendlichen Wert der Karten. Sie sind viel, viel mehr wert als Geld.

00:54:42.712 --> 00:54:46.332
Als ich auf dem Schlachtfeld das Kommando meiner Kompanie übergeben musste,

00:54:46.572 --> 00:54:49.912
war die Frage des Übernehmers, wo ist die Karte?

00:54:50.192 --> 00:54:54.532
Berichtet uns ein gewisser Paul Kaltschmidt, österreichischer Hauptmann.

00:54:54.532 --> 00:54:58.492
Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges werden nicht nur mehr Waffen produziert,

00:54:58.652 --> 00:55:00.332
sondern auch mehr Landkarten.

00:55:00.532 --> 00:55:05.672
Die Wichtigkeit der Karte begriff jedermann. Die Karten sind im Krieg streng

00:55:05.672 --> 00:55:09.732
geheim, denn wer präzise Karten besitzt, ist strategisch im Vorteil.

00:55:10.192 --> 00:55:14.832
Quellen berichten über den Ersten Weltkrieg, dass manchmal mehr als 600 Kartenblätter

00:55:14.832 --> 00:55:15.972
Teil der Ausrüstung sind.

00:55:16.172 --> 00:55:21.032
Und dass vor allem eins nicht passieren darf, dass sie dem Feind in die Hände fallen.

00:55:21.965 --> 00:55:25.085
Im Ersten Weltkrieg hat sich die Kartografie grundlegend verändert.

00:55:25.285 --> 00:55:27.485
Und das hing mit der Entwicklung der Luftfahrt zusammen.

00:55:28.085 --> 00:55:31.685
Kampfflugzeuge konnten auch Aufnahmen aus der Luft machen. Diese Luftbilder

00:55:31.685 --> 00:55:33.605
wurden fotogrammetrisch ausgewertet.

00:55:33.845 --> 00:55:37.845
So konnten zum Beispiel Entfernungen erstmals anhand von Luftbildern gemessen werden.

00:55:38.105 --> 00:55:42.285
Oder Karten konnten korrigiert werden, weil die Luftbilder wichtige topografische

00:55:42.285 --> 00:55:46.045
Details gezeigt haben, die auf den Landkarten gar nicht eingetragen worden waren.

00:55:46.265 --> 00:55:50.165
Im Zweiten Weltkrieg gab es dann schon speziell ausgerüstete Flugzeuge für die

00:55:50.165 --> 00:55:54.445
Luftbildfotografie, deren einzige Aufgabe es war, Luftaufnahmen zu machen.

00:55:54.805 --> 00:56:00.045
Etwa von Munitionsfabriken, erfolgreichen Bombenabwürfen, Truppenbewegungen oder Stellungen.

00:56:00.405 --> 00:56:05.245
Zum Beispiel wurden im Vorfeld das D-Day, also der Landung der Alliierten in der Normandie am 6.

00:56:05.345 --> 00:56:09.385
Juli 1944, aus Luftbildern Invasionskarten erstellt.

00:56:09.545 --> 00:56:13.405
Sie haben die Lage von Bunkern, Strandhindernissen und Panzersperren gezeigt.

00:56:13.885 --> 00:56:16.665
Exakte Karten waren nicht nur hier kriegsentscheidend.

00:56:17.205 --> 00:56:21.845
Legendär ist zum Beispiel Winston Churchill's War Room, dessen wichtigster Teil

00:56:21.845 --> 00:56:23.725
aus einer Kartensammlung bestand.

00:56:23.905 --> 00:56:28.165
Oder auch das topografische Kartenwerk im berühmten Afrika-Feldzug der Deutschen

00:56:28.165 --> 00:56:29.325
gegen die britischen Truppen.

00:56:29.485 --> 00:56:32.605
Nur so konnten sie sich in der kargen Landschaft orientieren.

00:56:32.885 --> 00:56:36.705
Bitte in einem Kilometer von der Autobahn abfahren.

00:56:40.345 --> 00:56:46.005
Vor allem Digitalisierung und Satellitennavigation, GPS, kurz für Global Positioning

00:56:46.005 --> 00:56:50.385
System, haben die Kartografien in den vergangenen 30 Jahren grundlegend verändert.

00:56:50.765 --> 00:56:54.665
Ursprünglich war das GPS eine militärische Entwicklung zur besseren Steuerung

00:56:54.665 --> 00:56:56.245
von Interkontinentalraketen.

00:56:56.365 --> 00:57:01.605
Das Global Positioning System wurde schon in den 1960er Jahren vom US-amerikanischen

00:57:01.605 --> 00:57:03.225
Verteidigungsministerium entwickelt.

00:57:03.945 --> 00:57:07.425
1983 hat der damalige US-Präsident Ronald Reagan angekündigt,

00:57:07.625 --> 00:57:10.565
das System auf lange Sicht für die zivile Nutzung freizugeben.

00:57:10.685 --> 00:57:13.485
Für Mobilfunk oder private Navigationssysteme.

00:57:13.705 --> 00:57:17.845
Dazu kam es dann in den 2000er Jahren. Allerdings hat blindes Vertrauen in die

00:57:17.845 --> 00:57:20.685
Technik nach wie vor so seine Tücken.

00:57:21.885 --> 00:57:25.465
April 2010. Autobahnkreuz Osnabrück-Süd.

00:57:25.745 --> 00:57:30.545
45-jähriger Autofahrer aus Bayern gehorcht Navi, wendet auf der Autobahn und

00:57:30.545 --> 00:57:31.605
wird zum Geisterfahrer.

00:57:33.225 --> 00:57:34.645
September 2010.

00:57:38.126 --> 00:57:43.046
37-jähriger Autofahrer vertraut Navi und landet mit Lieferwagen auf Ziegenpfad.

00:57:43.446 --> 00:57:45.686
Lieferwagen muss mit dem Hubschrauber geborgen werden.

00:57:52.366 --> 00:57:56.426
Autofahrer vertraut Navi und lenkt Auto in die Elbe. Feuerwehr muss Auto aus

00:57:56.426 --> 00:57:59.726
Fluss ziehen. Fahrer kann unverletzt mit nassen Füßen aussteigen.

00:58:00.986 --> 00:58:04.606
Das sind nur einige der skurrilsten Beispiele, was passieren kann,

00:58:04.786 --> 00:58:07.646
wenn man dem Navigationssystem hundertprozentig vertraut.

00:58:07.786 --> 00:58:12.866
Aber eine Welt ohne GPS ist heute vermutlich für die meisten undenkbar.

00:58:13.446 --> 00:58:17.346
Geodaten sind weltweit verfügbar. Satelliten und Luftbilder waren anders als

00:58:17.346 --> 00:58:22.266
heute bis weit in die 1990er Jahre nicht frei verfügbar und die digitale Kartografie

00:58:22.266 --> 00:58:24.046
steckte damals noch in den Kinderschuhen.

00:58:24.346 --> 00:58:28.246
Inzwischen ist die Welt der Kartografie längst digital und dabei sind auch ganz

00:58:28.246 --> 00:58:29.626
besondere Projekte entstanden.

00:58:29.726 --> 00:58:35.446
Eines davon ist OpenStreetMap, vermutlich eines der demokratischsten Kartografieprojekte

00:58:35.446 --> 00:58:39.586
in der Geschichte der Menschheit, an dem ihr euch alle beteiligen könnt, wenn ihr möchtet.

00:58:39.726 --> 00:58:42.006
Denn es geht um eine Weltkarte für alle.

00:58:42.606 --> 00:58:46.446
Frederik Ramm war fast von Anfang an mit dabei und lange Zeit im Vorstand der

00:58:46.446 --> 00:58:47.626
OpenStreetMap Foundation.

00:58:48.246 --> 00:58:52.546
2004 ist das Projekt überhaupt erst entstanden. Das heißt, zwei Jahre hat es

00:58:52.546 --> 00:58:56.306
gebraucht, bis es ja in England gegründet worden, bis das seine Wellen geschlagen

00:58:56.306 --> 00:58:58.366
hat und die ersten in Deutschland mitgemacht haben.

00:58:58.806 --> 00:59:02.966
Und dann bin ich da gleich eingestiegen. Ja, das war noch eine Zeit,

00:59:03.346 --> 00:59:05.886
da waren die, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen,

00:59:05.986 --> 00:59:09.386
da war, wenn man in Karlsruhe auf die Karte geguckt hat, da gab es ein paar

00:59:09.386 --> 00:59:12.246
Hauptstraßen und ein paar Nebenstraßen und das war es.

00:59:12.246 --> 00:59:16.006
Und die 80 Prozent vom Straßennetz fehlte einfach.

00:59:16.226 --> 00:59:21.186
Und dann hat man sich auf seinen Pfad gesetzt mit einem GPS-Empfänger und ist da so lang gerade.

00:59:21.406 --> 00:59:23.326
Dann hat er neue Straßen eingetragen.

00:59:23.566 --> 00:59:27.526
Das war damals noch Abenteuerstimmung bei OpenStreetMap.

00:59:28.586 --> 00:59:34.906
Am Anfang, das waren einfach Computer-Nerds in England. Die wollten irgendwelche

00:59:34.906 --> 00:59:36.546
coolen Sachen machen mit Geodaten.

00:59:37.166 --> 00:59:41.046
Die haben sich gedacht, hey, das wäre doch cool. Ich könnte hier irgendwie für

00:59:41.046 --> 00:59:46.146
Fußgänger die beste Route durch London ausrechnen oder wie man an den meisten

00:59:46.146 --> 00:59:50.946
Kneipen vorbeikommt oder irgendwas, aber mir fehlen dazu die Daten.

00:59:51.186 --> 00:59:55.346
Und dann geht man halt hin zu irgendwie, in England ist das Ordnungsurvey,

00:59:55.466 --> 00:59:59.006
die staatliche Vermessungsagentur, da geht man da hin und sagt,

00:59:59.106 --> 01:00:03.906
hey, können wir von euch Daten bekommen, wir sind Studenten der Informatik,

01:00:04.026 --> 01:00:05.286
wir wollen irgendwas ausprobieren.

01:00:05.286 --> 01:00:08.706
Und dann heißt es, oh, da müsst ihr erstmal ganz viel Formulare unterschreiben

01:00:08.706 --> 01:00:11.526
und ihr dürft dies nicht und ihr dürft das nicht und, und, und, und.

01:00:11.686 --> 01:00:18.566
Die Daten sind teuer, die Daten sind lizenziert, die Daten sind zum Teil irgendwie auch noch geheim.

01:00:18.866 --> 01:00:21.466
Und dann haben halt diese Nerds irgendwie gesagt, hey, wisst ihr was,

01:00:22.126 --> 01:00:24.246
ihr könnt uns alle mal, wir machen das jetzt selber.

01:00:26.917 --> 01:00:30.837
Die am Anfang noch ziemlich komplizierte Software wurde ständig weiterentwickelt.

01:00:31.057 --> 01:00:32.517
Mehr und mehr Menschen haben sich

01:00:32.517 --> 01:00:36.097
weltweit mit ihren GPS-Geräten am gemeinschaftlichen Mapping beteiligt.

01:00:36.397 --> 01:00:41.337
Inzwischen kartieren allein in Deutschland geschätzt jeden Tag rund 1000 sogenannte

01:00:41.337 --> 01:00:45.877
Mapper und tragen ihre aufgezeichneten Daten in die OSM-Datenbank ein.

01:00:46.297 --> 01:00:50.997
Öffnungszeiten vom Bäcker, den neu entdeckten Wanderweg, das neue Wohnhaus an der Ecke.

01:00:51.337 --> 01:00:55.997
Mittlerweile gleichen die Freizeitkartografen ihre Informationen auch mit Luftbildern ab.

01:00:55.997 --> 01:01:01.937
Was grundsätzlich passiert ist, die Community selber macht Qualitätsprüfungen,

01:01:02.117 --> 01:01:06.437
weil es ja hunderte von Leuten gibt, die jeden Tag an OpenStreetMap arbeiten.

01:01:07.037 --> 01:01:10.777
Je größer die Dinge, die man einzeichnet, je auffälliger, desto eher werden

01:01:10.777 --> 01:01:12.377
die bemerkt und korrigiert.

01:01:12.637 --> 01:01:16.257
Wenn es kleinere Dinge sind, dann kann das schon mal sein, dass es etwas länger

01:01:16.257 --> 01:01:18.077
dauert, bis ein Fehler auffällt.

01:01:18.577 --> 01:01:22.417
OpenStreetMap steht jedem kostenlos zur Verfügung, auch kommerziellen Anbietern

01:01:22.417 --> 01:01:26.397
von Navigations-Apps. Die Bedingung ist, dass man die Quelle angibt und das

01:01:26.397 --> 01:01:28.297
machen diese Anbieter meistens auch.

01:01:28.397 --> 01:01:31.397
Die schreiben dann drunter, diese Daten sind aus OpenStreetMap.

01:01:31.557 --> 01:01:36.137
Das ist im Grunde die Währung, in der die Community bezahlen, diese Aufmerksamkeit.

01:01:37.857 --> 01:01:43.537
Ein Kritikpunkt ist, vor allem die westliche wohlhabende Welt sei in OpenStreetMap gut kartiert.

01:01:43.737 --> 01:01:46.357
In ärmeren Ländern fehlten oft die Ressourcen.

01:01:46.697 --> 01:01:50.777
Keine technischen Geräte, kein Internet, nicht genügend Freizeit, um zu kartieren.

01:01:50.777 --> 01:01:55.497
Aber es gibt auch viele Erfolgsgeschichten, wo vielleicht mit ein bisschen finanzieller

01:01:55.497 --> 01:02:02.117
Unterstützung aus reicheren Ländern tatsächlich vor Ort in ärmeren Ländern irgendwelche

01:02:02.117 --> 01:02:06.497
Slums gemappt wurden und die Leute vor Ort in die Lage versetzt wurden,

01:02:07.137 --> 01:02:12.717
die Dinge, die für ihr tägliches Leben wichtig sind, auch tatsächlich auf der Karte einzutragen.

01:02:12.717 --> 01:02:16.937
Und da ist natürlich OpenStreetMap ein super Projekt, das den Leuten,

01:02:17.137 --> 01:02:22.257
also es besitzt zumindest die Möglichkeit, den Leuten Macht über ihre eigene

01:02:22.257 --> 01:02:24.797
Karte zu geben, wenn es richtig eingesetzt wird.

01:02:26.237 --> 01:02:30.837
Und es gibt aber auch inzwischen, unter dem Stichwort so Gamification,

01:02:31.437 --> 01:02:36.877
gibt es also solche Handy-Apps, wo man nicht mehr frei OpenStreetMap editiert,

01:02:37.057 --> 01:02:39.697
sondern diese Handy-Apps stellen einem Fragen.

01:02:39.997 --> 01:02:44.517
Die sagen, ich sehe am GPS-Signal, dass du gerade vor einem Supermarkt stehst,

01:02:44.757 --> 01:02:47.797
aber von diesem Supermarkt fehlen mir die Öffnungszeiten.

01:02:47.897 --> 01:02:50.697
Kannst du mir die kurz eingeben? Und dann macht man das.

01:02:51.577 --> 01:02:54.817
StreetComplete heißt eine von diesen Apps, die sehr populär ist.

01:02:55.417 --> 01:02:59.197
Also es gibt da wirklich inzwischen auch diesen spielerischen Ansatz und der

01:02:59.197 --> 01:03:02.797
funktioniert erstaunlich gut. Sie haben ihr Ziel erreicht.

01:03:03.120 --> 01:03:08.560
Music.

01:03:08.463 --> 01:03:12.743
Und das war's mit unserer heutigen Podcast-Folge zur Geschichte der Kartografie.

01:03:12.943 --> 01:03:15.683
Wir hören uns, wenn ihr möchtet, an dieser Stelle am 29.

01:03:16.043 --> 01:03:19.743
August wieder. Dann gehen wir in der Geschichte so weit zurück wie noch nie.

01:03:19.923 --> 01:03:26.163
Wir sprechen über die Paläontologie und die Frage, wer hat den ersten Dinosaurierknochen ausgegraben?

01:03:26.463 --> 01:03:29.743
Bis dahin schreibt uns sehr gerne per Mail auf Terra X History bei Instagram

01:03:29.743 --> 01:03:33.583
oder kommentiert die Folge hier bei YouTube auf dem Kanal Terra X History.

01:03:33.803 --> 01:03:36.883
Dort sind wir nämlich jetzt auch unterwegs. Wir freuen uns sehr über eure Gedanken

01:03:36.883 --> 01:03:40.783
zu dieser Folge, aber auch wie immer über neue Themenvorschläge.

01:03:43.303 --> 01:03:47.623
Dieser Podcast ist eine Produktion von Objektiv Media im Auftrag des ZDF.

01:03:47.703 --> 01:03:50.543
Die Autorinnen waren wie immer Janine Funke und Andrea Kahrt.

01:03:50.723 --> 01:03:54.003
Sie sind verantwortlich für Buch und Regie. Für die technische Umsetzung und

01:03:54.003 --> 01:03:56.283
Gestaltung verantwortlich ist Sascha Schiemann.

01:03:56.583 --> 01:03:59.943
Redaktion im ZDF hatte Katharina Kolvenbach und ich bin Mirko Drotschmann.

01:04:00.143 --> 01:04:03.063
Und ich sage danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

01:04:06.123 --> 01:04:07.303
Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!

