Seit rund drei Jahren hat Betty Färber nichts mehr von ihrer Mutter gehört. Die damals 40-Jährige ist einfach verschwunden, von einem Tag auf den anderen. Kein Abschiedsbrief, keine Erklärung. Betty kämpft sehr mit der Situation und schreibt ihrer Mutter immer wieder Briefe, die sie nie abschicken kann. Liebe Mama, ich frage mich, wie es dir gerade geht. Warum bist du gegangen? Und warum meldest du dich nicht? Habe ich etwas getan, das dich so wütend gemacht hat? Nächste Woche werde ich acht sehen. Ich habe nur einen Wunsch, dass du dich meldest. Der Inhalt eines Briefs, nachgestellt für unsere Fernsehsendung XY gelöst. Zeilen, die unter die Haut gehen. Vor allem, weil man in jedem Satz spürt, wie sehr sich eine Tochter nach ihrer Mutter sehnt. Und weil sie bis zuletzt gehofft hat, dass ihre Worte sie vielleicht doch noch erreichen. Doch genau diese Hoffnung sollte sich nie erfüllen. Warum? Darüber sprechen wir gleich. Erst einmal Hallo und herzlich Willkommen zu Aktenzeichen XY, Unvergessene Verbrechen. Mein Name ist Rudi Zerne. Und ich bin Conny Neumeyer. Schön, dass ihr dabei seid. Wir haben es eben gehört, heute geht es um eine Frau, die spurlos verschwindet und ihren Mann und die beiden Kinder einfach zurückgelassen haben soll. Und damit nicht genug. Sie soll weniger als 100 Kilometer weit entfernt von ihrer alten Familie ein neues Leben angefangen haben. Ohne ihre Tochter, mit der sie doch ein so enges Verhältnis hatte. Ein herausfordernder Fall für den damaligen leitenden Ermittler. Bei uns ist heute Kriminalhauptkommissar AD Franz Wirges von der Kripo Bonn. Herzlich willkommen. Ja, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich, dass ich hier sein darf. Auch von mir herzlich willkommen. Im Vorgespräch haben Sie uns erzählt, dass dieser Fall für Sie sehr außergewöhnlich war. Warum? Ja, zum einen der Ehrgeiz, zum anderen auch die Pflicht, diesen Fall zu klären. Gleichzeitig aber auch die Ernüchterung, dass wir der Tochter damit wahrscheinlich sehr wehtun werden. Dass diese endgültige Gewissheit ihr aber auch Klarheit für ein neues Leben geboten hat, war uns beiden damals so nicht bewusst. Und Sie haben ja auch bis heute Kontakt, oder? Der Kontakt ist heute nach wie vor vorhanden und ich würde sagen, ein sehr guter und freundschaftlicher Kontakt. Auch mit Albrecht Röbke steht die Tochter bis heute in Kontakt. Er ist evangelischer Pfarrer und Seelsorger. Und in dieser Funktion hat er Betty Färber lange Zeit intensiv begleitet. Mit ihm haben wir vor der Aufzeichnung heute darüber gesprochen, was Seelsorge in traumatischen Situationen leisten kann. Bevor wir uns den Fall jetzt im Detail anschauen, noch ein Hinweis, wir haben alle Namen geändert. Im Jahr 1986 beginnt die damals 18-jährige Susanne eine Ausbildung in einem gastronomischen Betrieb in Bonn. Im Laufe der Zeit kommt sie dabei ihrem sieben Jahre älteren Ausbilder Klaus Färber immer näher. Die beiden verbindet mehr als ein gutes Arbeitsverhältnis. Schließlich entscheiden sie sich gemeinsam dafür, dass der 25-Jährige den Job wechselt, damit ihnen für eine Beziehung nichts mehr im Wege steht. Als Klaus keine neue Anstellung in Bonn findet und ein gutes Angebot aus Neues erhält, entscheidet sich Susanne, ihre Ausbildungsstelle ebenfalls zu kündigen und mit ihm mitzugehen. Kurze Zeit später bekommt Klaus von seinem Chef die Möglichkeit, zwei Betriebe in Düsseldorf im Servicebereich zu übernehmen. Eine große Karrierechance und ein gutes Gehalt winken. Klaus und Susannes gemeinsamen Glück steht nun nichts mehr im Weg. 1988 heiraten sie. Aber die Arbeitszeiten von Klaus Färber werden im neuen Job immer länger. Oft kommt er erst am späten Abend nach Hause. Susanne fühlt sich zunehmend alleingelassen und unwohl. Sie will so nicht weitermachen und drängt Klaus dazu, seine Stelle zu kündigen und wieder mit ihr nach Bonn zurückzuziehen. 1989 ist es dann soweit. Klaus kann im Großraum Bonn aber keine neue Anstellung finden. Schließlich entscheidet sich das Paar, selbstständig einen gastronomischen Betrieb zu übernehmen. Sie wollen etwas Eigenes auf die Beine stellen. 1990 kommt ihr Sohn Sören zur Welt, 1992 dann Tochter Betty. Die Folgejahre sind für Klaus und Susanne sehr arbeitsintensiv und trotzdem ist das Geld immer knapp. Die Kinder sollen darunter aber nicht leiden. Deshalb kauft Susanne ihnen auch weiterhin teure Markenkleidung. Immer wieder kommt es deshalb zu heftigen Streitigkeiten zwischen ihr und ihrem Mann. Denn Klaus Färber weiß nicht, wie er all die offenen Rechnungen noch bezahlen soll. Ich glaub doch wohl, du spinnst! Wer verwöhnt denn hier die Kinder nach Strich und Faden? Hier eine neue Jacke, da ein neues Handy. Die Kinder haben auch ein Recht, am Leben teilzunehmen. So wie ich. Was haben wir denn sonst noch? Wir können uns das aber nicht leisten. Verdammt nochmal! Soll ich dir mal auflisten, wie viel Geld du die letzten drei Wochen ausgegeben hast? Lass mich doch in der Ruhe. Drehst du jetzt völlig durch, oder was? Ich weiß ganz genau, was ich sage. Du hast uns in diese Situation gebracht und alles, was du anfasst, läuft schief. Alles. Früher oder später. Alles. Gut läuft es für die beiden beruflich tatsächlich nicht. Die Selbstständigkeit der Färbers scheitert schließlich. 2003 kommt es zum Insolvenzverfahren. Der Druck auf das Ehepaar wächst und ihre Beziehung verschlechtert sich zunehmend. Streitereien werden nun auch offen vor den Kindern ausgetragen. Herr Wirges, Sie haben sich natürlich auch mit der Familiensituation beschäftigt. Wie haben die Kinder Sören und Betty diese Spannungen überhaupt wahrgenommen? Ja, die Kinder waren natürlich von dieser Situation überhaupt nicht angetan. Das Eltern-Kind-Verhältnis war dadurch immer schlechter geworden. Der Sohn hat relativ früh das Elternhaus verlassen und sogar keinerlei Kontakt mehr zu seinem Eltern unterhalten. Die Familie wusste nicht einmal, wo er sich aufhält. Wir haben ihn später im Kölner Obdachlosenmilieu auffinden können und die Tochter hat sich im Elternhaus mehr oder weniger zurückgezogen. So können Sie sich vorstellen, es stellt man sich kein schönes Familienleben vor. Vor allem, wenn so viel gestritten wurde, kam denn da keine Trennung infrage? Also nach unserem Eindruck hielt der Ehemann trotz der Spannungen an seiner Frau fest und hat sie auch noch geliebt. Also für ihn stand keine Trennung in Aussicht, aber die Ehefrau, das konnten wir später erfahren, hat sich schon mit diesem Gedanken getragen. Mhm. Dazu kommen wir gleich noch. Nach ihrer gescheiterten Selbstständigkeit und bis Anfang 2008 hatten beide für eine Veranstaltungsfirma gearbeitet. Im Januar 2008 hat sich die Situation für das Ehepaar erneut verschärft. Was ist dann passiert? Ja, die beiden haben einfach kein Glück gehabt. Die Firma hat von heute auf morgen den beiden die Kündigung gegeben und ist selbst in Insolvenz gegangen. Noch zustehende Löhne wurden gar nicht mehr ausgezahlt. Und das hat natürlich zu mehr Frust geführt, wie er ohnehin schon da war. Und von nun an lebten die zwei zusammen ohne Arbeit den ganzen Tag zu Hause. Und das können Sie sich vorstellen, dass da ziemlich Dampf in der Hütte war. Etwa einen Monat später, am 14. Februar 2008, hat Klaus Färber dann seine damals 15-jährige Tochter Betty auf dem Handy in der Schule angerufen und sie gebeten, nach dem Unterricht mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder Sören in ein Restaurant zu kommen. Dort wollte er ihnen etwas Wichtiges erzählen. Herr Wirges, was war das? Ja, er hat die angerufen und hat beide Kinder an der Schule abgeholt und ist mit ihnen in ein Schnellrestaurant gegangen und hat ihnen dann dort erzählt, dass die Mutter am Morgen das Haus verlassen hätte und aufgrund eines, Streites und sie würde aber mit Sicherheit in naher Zukunft wieder zurückkommen. Für die Kinder war das in diesem Moment nicht ungewöhnlich, da sie eigentlich aufgrund der vielen Streitigkeiten, die im Hause standfanden, damit haben rechnen müssen. Doch seit diesem Tag herrscht Funkstille. Als Betty dann circa zwei Wochen später von der Schule nach Hause gekommen ist, gab es endlich Neuigkeiten von ihrer Mutter. Klaus Färber erzählte seiner Tochter, Susanne sei kurz vorbeigekommen und hätte ein paar Kleidungsstücke abgeholt. Hören wir noch mal in eine nachgestellte Szene aus XY gelöst. Hat sie nichts gesagt? Wo sie gerade wohnt? Oder wann sie wiederkommt? Nein, sie ist offenbar immer noch stinksauer auf mich. Betty, da waren zwei so Typen bei ihr, die haben ihr beim Tragen geholfen. Was? Ja, mit denen ist sie wieder weggefahren. Und wer waren die Typen? Hast du die gekannt? Nein, ich habe die auch nur ganz kurz gesehen, von hinten, aus der Entfernung. Die haben einen weißen Transporter gefahren, der stammt hier in der Garage. Mehr weiß ich echt nicht. Und wo ist Mama jetzt bei denen? Keine Ahnung. Sie hat ihr Handy auch wieder nicht mitgenommen. Weißt du was? Ich glaube, wir sind Mama sowas von scheißegal. Weil die Familie ja auch in den nächsten Tagen nichts mehr von der Mutter gehört hat, meldet Klaus Färber sie bei der Polizei dann als vermisst. Wie haben die Beamten reagiert, Herr Wirges? Ja, der Herr Färber so nach seinen Angaben und nach Rücksprache mit den Kollegen ist zu einer, Dienststelle im Nachbarort gegangen und hat den Kollegen eigentlich genau die Geschichte erzählt, die er auch seinen Kindern im Schnellrestaurant erzählt hat. Das war für die Kollegen nicht Anlass genug, um hier eine Vermissenanzeige aufzunehmen, da, ja hier aus freien Stücken die Frau das Elternhaus verlassen hat und somit auch kein Anlass besteht, eine Anzeige aufzunehmen, weil sie kann das frei entscheiden. Das haben die Kollegen dem Herrn Färber dann auch so mitgeteilt. Ist die Polizei denn nicht gezwungen, in der Form auch zu ermitteln, beziehungsweise hätte sie ermitteln müssen? Nein, denn wie ich eben schon erwähnte, es gab keinen Anlass, dass hier irgendetwas Schlimmes, möglicherweise ein Verbrechen vorliegt. Dafür gab es überhaupt keine Anhaltspunkte. Wenn jetzt vielleicht ein Hinweis vorliegen würde, dass diese Frau irgendwelche gesundheitlichen Schäden hat, dass sie Tabletten braucht oder dass möglicherweise Suizidabsichten vorliegen, dann ja, aber das war ja in diesem Fall alles nicht. Unsere Redaktion hat im Vorfeld mit dem evangelischen Pfarrer Albrecht Röpke gesprochen, der die Familie Färber kennt und Tochter Betty seit dem Verschwinden ihrer Mutter als Seelsorger begleitet hat. Er weiß genau, was sie durchgemacht hat. Wir haben ihn gebeten einzuordnen, was Betty in dieser Extremsituation damals empfunden hat. Einmal ein ganz großes Gefühl von Wut. Warum lässt die Mama mich alleine? Frage von Schuldgefühlen. Habe ich was falsch gemacht? Und das kam eher auf die Dauer, so ein Gefühl von Wertlosigkeit nach dem Motto, ich bin es nicht wert, dass die Mama bei mir bleibt. Und ich glaube, genau das ist das auch Schwierige in der Situation, dass diese Gefühle sich überlappen. Die Wut wird sofort beantwortet mit, naja, vielleicht habe ich was falsch gemacht und das könnte ich falsch gemacht haben. Und gleichzeitig so, naja, wer bin ich eigentlich, wenn sogar die eigene Mutter mich verlässt? Und das sozusagen in Abwechslung und nicht steuerbar. Und das ist natürlich für einen Teenager ein Ritt auf der emotionalen Geisterbahn. Man will sich einerseits das Beste ausmalen. Sie hat sich jetzt bestimmt irgendwo am Mittelmeer eine neue Existenz aufgebaut. Sozusagen, um sich auch ein bisschen zu trösten. Aber das geht natürlich insofern schief, weil man sich direkt wieder fragt, aber warum hat sie mich nicht nippgenommen? Warum schreibt sie nicht eine Postkarte zum Geburtstag mal? Warum sagt sie nicht, dass es ihr gut geht, wenn es ihr doch gut geht? Und das führt zu einer totalen Verwirrung, die einen zerreißt innerlich. Das Verhältnis zu ihrem Vater, der mittlerweile auch wieder eine Arbeit gefunden hat, war für Betty in dieser Zeit sehr wichtig. Wie sich das nach dem Verschwinden der Mutter verändert hatte, wollten wir auch von Herrn Röpke wissen. Ganz objektiv hat sich das sehr verbessert. Also der Vater war vorher sehr viel arbeiten. Das heißt, er war überhaupt kein schlimmer oder strenger Papa, aber er war schlicht sehr viel weg. Und er hat nach dem Verschwinden der Mutter auch die Arbeitszeiten geändert und war zumindest für Betty sehr präsent. Also hat immer gesehen, dass er mittags zu Hause ist, zu essen kocht und das war neu. Also insofern hat sich das Verhältnis eigentlich und objektiv erstmal stark verbessert. Dass das Verhältnis enger geworden ist, hat Betty sicher gut getan. Was eine professionelle Begleitung in einer solchen Extremsituation leisten kann, haben wir Albrecht Röpke ebenfalls gefragt. Begleiten die Menschen und wir versuchen die Menschen sozusagen, ihnen zu helfen, dass sie sich wieder selber helfen können. Die sind in der Ausnahme und in der Stressreaktion. So und jetzt gibt es, ich sag mal, mehrere Säulen, auf denen die Notfallseelsorge dann steht. Das einmal ist, die Leute sind ja in einer Ohnmacht, Betty konnte nicht kontrollieren, ob ihre Mutter weggeht. Da ist es ganz wichtig, dass die Menschen Dinge entscheiden können in ihrem Stress, dass sie merken, ich habe zwar das ganz Wesentliche nicht unter Kontrolle, aber ich habe Kontrolle. Und das sind ganz basale Dinge zu sagen, wenn wir uns unterhalten wollen, wo möchtest du dich treffen? Soll das ein Café sein? Soll ich zu dir kommen? Du zu mir? Soll jemand dabei sein? Das zweite ist, den Menschen zu helfen, ihre Gefühle, die sie von sich in der Ausnahmesituation nicht kennen, einzuordnen. Also ihnen einschlicht zu erklären, das sind Stressreaktionen und die sind normal als Stressreaktion. Was unnormal ist, ist die Situation, in der du dich befindest. Und wenn deine Mutter plötzlich verschwindet, ist das die unnormale Situation. Und darauf mit Wut oder mit Hoffnung zu reagieren, das ist normal. Drei Jahre lang meldet sich Susanne Färber bei niemandem. Ihr Mann stellt immer wieder, auch auf Bitte seiner Tochter, Nachforschungen an. Unter anderem bei der Polizei, beim Einwohnermeldeamt und bei der Krankenkasse. Ohne Erfolg. Betty Färber ist trotzdem nach wie vor davon überzeugt, dass ihre Mutter noch am Leben ist, dass sie sie eines Tages wiedersehen und sich endlich alles aufklären wird. Am 7. Februar 2011, eine Woche bevor sich das Verschwinden zum dritten Mal jährt, unternimmt die Familie einen erneuten Anlauf, um Susanne Färber zu finden. Gemeinsam mit einer Tante und dem Vater sucht Betty die Polizeiwache in der Bonner Innenstadt auf. Der Beamte fragt nach den Personalien der Mutter und sucht sie im System. Und tatsächlich, es gibt einen Eintrag der Polizei Düsseldorf, der noch gar nicht so lange zurückliegt. Die Personendaten von Susanne Färber erscheinen im Zusammenhang mit einer Verkehrsangelegenheit. Betty fällt ein Stein vom Herzen. Ihre Mutter lebt also noch. Vielleicht sogar ganz in der Nähe, in Düsseldorf. Wenig später kommt es zu einer weiteren Situation, die dafür spricht, dass sich Susanne Färber abseits ihrer Familie eine neue Existenz aufgebaut hat. Mit ihrer Freundin Paula besucht Betty einen Freizeitpark. Dort meint sie, in einiger Entfernung ihre Mutter zu erkennen. Betty kann es kaum glauben und läuft in die Richtung der Frau, die sie für ihre Mutter hält. Die mittlerweile 18-Jährige ruft immer wieder laut nach ihr, doch sie reagiert nicht. Als sie an der Stelle ankommt, an der sie die Frau eben noch gesehen hat, ist die bereits verschwunden. Betty ist bitter enttäuscht. Ein Jahr später hat immer noch niemand etwas von Susanne Färber gehört. Die Tochter Betty ist mittlerweile wie ihr Bruder ausgezogen. Und auch Klaus Färber hat einen neuen Lebensabschnitt begonnen. Er hat sich von seiner verschwundenen Frau Susanne scheiden lassen und erneut geheiratet. Inzwischen hat sich auch die finanzielle Situation ein bisschen beruhigt. Aber Betty hat noch nicht mit der Vergangenheit abgeschlossen. Im Gegenteil, deshalb ist sie mit einer Idee auf ihren Vater zugegangen. Herr Wirges, was hatte sie denn vor? Ja, sie wollte halt über die Medien nach ihrer Mutter suchen und sah darin eine große Hoffnung, dass sie sich vielleicht nach einem Fernsehauftritt melden würde. Da hatte sie Kontakt zu einem privaten Fernsehsender und dieser hat die Sache dann auch nachmittags im Programm ausgestrahlt. Für Betty war klar, dass sie nur einen Wunsch hatte. Sie wollte wissen, wo ihre Mutter ist. Und für sich selbst machte sie sich auch Gedanken darüber, dass sie vielleicht Ursache des Weggehens der Mutter sei. Aufgrund ihres damaligen pubertären Verhaltens hat sie vielleicht gedacht, dass die Mutter ihretwegen gegangen ist. Und sie wollte das wissen. Der Bericht wurde dann ausgestrahlt. Ich kann mich heute noch erinnern, dass der Vater da mit auf dem Sofa im Wohnzimmer saß und Tränen in den Augen hatte. Verschiedene Medien haben anschließend über das Verschwinden von Susanne Färber berichtet. Dadurch ist der Fall auch bei der Polizei nochmal in den Fokus gerückt und anders eingestuft worden. Und dann sind auch Sie in die Ermittlungen eingestiegen, oder? Genau. Die Vermisstenabteilung hat alles Mögliche versucht, um diesen Fall zu klären, aber sie hatten leider keinen Erfolg. Der Vorgang ist dann von der Staatsanwaltschaft in Bonn als mögliches Kapitaldelikt eingestuft worden und uns zur weiteren Bearbeitung im Kommissariat KK11 übergeben worden, wo wir für Tötungsdelikte zuständig sind. Ich habe diesen Fall dann damals zusammen mit einem Kollegen bearbeitet. Was hat denn dazu geführt, dass die Vermissten-Sache nun doch als mögliches Tötungsdelikt geführt wurde? Ja, natürlich die bisherige Ermittlungsarbeit. Die Kolleginnen und Kollegen haben sich natürlich viel Mühe gemacht, um etwas rauszufinden, wo sich denn die Ehefrau befindet. Da gehören zum Beispiel Ermittlungen bei Banken, gibt es hier irgendwelche Lebenszeichen bei Versicherungen und so weiter. Aber alles das war nicht vorhanden. Und der Erfahrungswert, den wir haben, dass eine Mutter nicht einfach ihre Kinder verlässt. Man mag vielleicht eine Auszeit nehmen, aber in dieser Auszeit unterhält die Mutter weiterhin Kontakt zu ihren Kindern. Das ist in absoluten Ausnahmefällen vielleicht mal möglich, aber nicht die Normalität. Erfahrungsgemäß ist der Täter oft im engeren Familien- und Bekanntenkreis zu finden. Hier ist also der Ehemann gemeint. Die Aussagen des Vaters haben wir überprüft, auch im Hinblick auf diese Männer im Transporter. Es gab aber keine Anhaltspunkte und auch keine Zeugen, die das gesehen haben. Also ein weiteres Indiz. Und so gab es halt eine ganze Menge an Indizien, die gegen ihn sprechen. Welche Indizien gab es denn noch? Erstens mal diese Indizien, die ich genannt hatte. Dann haben wir uns den Laptop der Ehefrau angeschaut und hier war erstaunlich festzustellen, dass der Ehemann diesen Laptop kurz nach dem Verschwinden neu aufgesetzt hat. Dafür hat es ja eigentlich keine Veranlassung gegeben. Und dann war noch die Geschichte, dass der Ehemann, der Betty, kurz nach dem Verschwinden einen Hund gekauft hat. Das war natürlich sehr zum Wohle der Tochter, weil sie sich das sehr gewünscht hat. Aber es musste sich die Frage stellen, warum kauft er einen Hund, wenn die Mutter das ständig abgelehnt hat und eigentlich, so wie Betty uns das später beschrieben hat, eine Hundehasserin war. Also mit dem Laptop nochmal. Neu aufgesetzt heißt, alle Daten wurden gelöscht? Alle Daten wurden gelöscht. Es war nichts mehr zu finden, was die Ehefrau dort irgendwann mal notiert hat. Vielleicht hätte sich ja daraus irgendwas ergeben, wo ist sie hin oder dass sie keine Lust mehr hat zu Hause zu bleiben oder irgendwelche Notizen. Oder aber auch Notizen, die möglicherweise dafür sprechen, dass er ihr was antun möchte. Trotzdem gab es ja immer noch den Eintrag aus dem Jahr 2011, bei dem Susanne Färber in eine Verkehrsangelegenheit geraten war. Wie passt das zu einem vermuteten Tötungsdelikt? Als wir die Ermittlungen übernommen haben, war dieser Eintrag nicht mehr zu finden. Wir haben versucht, das zu hinterfragen, konnten wir aber nicht, was da damals geschehen ist. Und für uns galt der Blick nach vorne. Wir wollten uns halt eben durch diese Sache in den weiteren Ermittlungen nicht aufhalten lassen. Vielleicht lag eine Verwechslung vor, dass der Kollege da eine Namensgleichheit gefunden hat, vielleicht nicht das Geburtszeitung genau kontrolliert hat. Das werden wir leider nicht mehr rausfinden. Gehen wir noch einen Schritt weiter. Sie haben ja dann als nächstes damals die Angehörigen der Vermissten befragt. Mehrfach natürlich auch die Tochter Betty. Wie hat sie damals auf das alles reagiert? Ja, Betty hat eigentlich zu diesem Zeitpunkt, als wir die Ermittlungen aufgenommen haben, überhaupt nicht daran geglaubt, dass hier ein Verbrechen vorliegt. Sie war auch der festen Überzeugung, dass ihre Mutter noch lebt. Ich meine, das war wahrscheinlich mehr Hoffnung wie Überzeugung und in keinster Weise auch nur daran gedacht, dass ihr Vater etwas damit zu tun haben könnte. Ich kann mich genau an die Vernehmungssituation damals erinnern und habe ihr dann auch gesagt, nachdem sie uns das alles erzählt hat, dass wir, mein Kollege und ich, nicht daran glauben, dass ihre Mutter noch lebt. Das war eine ziemlich harte Auskunft ihr gegenüber und ich habe ihr auch gesagt, wenn deine Mutter nicht mehr lebt, dann können sie sich an drei Fingern auszählen, dass auch ihr Vater wahrscheinlich was damit zu tun hat. Das hat Betty natürlich ziemlich hart mitgenommen. Ich glaube, sie hätte mir am liebsten an diesem Tage die Augen ausgegratzt. Das hat sie mir auch später so deutlich zu verstehen gegeben. Aber wir als Polizei, wir werden immer belogen und wir dürfen nicht das Gleiche tun. Das ist unsere Aufgabe, dass wir, nicht mit Lüge, sondern mit Wahrheit und Möglichkeiten arbeiten müssen. Sie haben damals natürlich nicht nur die Familie befragt, sondern auch den Bekanntenkreis. Dabei haben Sie auch einen Mann namens Rolf Jebsen als Zeugen vernommen. Er war der einzige engere Vertraute von Susanne Färber. In welchem Verhältnis standen die beiden und was hat er Ihnen erzählt? Also diesen Herrn Jebsen haben wir aufgesucht und aus seinen Aussagen heraus konnten wir feststellen, dass es ein vertrauenswürdiges Verhältnis zwischen den beiden gab, wobei man sich aber nicht näher gekommen sei. Und die Ehefrau hat ihm auch erzählt, dass sie über eine mögliche Scheidung nachdenkt. Er hat aber auch das Verhältnis der Ehefrau zu den Kindern als sehr positiv erwähnt und hat uns gegenüber gesagt, dass wenn sie dann weggegangen sei, sie das niemals getan hätte und ihre Kinder dabei verlassen hätte. Sie haben sich dann ja dazu entschieden, am 16. Oktober 2013 zu Aktenzeichen XY ungelöst zu gehen und dort den Fall vorzustellen. Was haben Sie sich davon versprochen? Also ganz ehrlich, die Hoffnung, dass sich Frau Färber in dieser Sendung melden würde oder danach melden würde, diese Hoffnung hatten wir überhaupt nicht. Aber ich kann mich noch erinnern, dass ich in der Sendung aufgerufen habe, Frau Färber, wenn Sie hier heute Abend zuschauen, bitte melden Sie sich hier im Studio oder irgendwo bei der Polizei. Dass der letzte Strohhalm in einer polizeilichen Arbeit immer wieder ergriffen werden muss, ist für uns selbstverständlich. Und so war auch Aktenzeichen XY für uns einer dieser bekannten Strohhalme, weil aus der Vergangenheit wir immer wieder die Erfahrung gemacht haben, dass auch in unmöglichen Fällen, wo man eigentlich denkt, da wird sich nichts daraus ergeben, sich dann doch etwas ergeben hat. Und deshalb sind wir zu Aktenzeichen XY gegangen und letztendlich war es auch gut so, dass wir dort waren. Und es hat sich dann gezeigt, diesmal auf eine ganz andere Art und Weise, dass mithilfe von Aktenzeichen XY dieser Fall indirekt geklärt werden konnte. Hören wir dann mal kurz rein in die Sendung von damals. Jetzt, liebe Zuschauer, zu einem Fall, wie er geheimnisvoller kaum sein kann. Es geht um diese Frau, die Sie jetzt sehen. Seit über fünf Jahren wird sie vermisst. Das ist ein Fall, der die Ermittler vor unzählige Rätsel stellt und der eine ganze Familie wirklich in ihren Grundfesten erschüttert hat. Herr Wirges, mit dem Wissen von heute kann man sagen, dass Ihr damaliger Auftritt bei uns tatsächlich ein Wendepunkt in dem Fall war. Denn hier haben Sie den Zuschauern auch berichtet, wie Klaus Färber Ihnen die Männer beschrieben hat, die zusammen mit Susanne Färber ihre Sachen abgeholt haben sollen. Hier der Ausschnitt. Er beschreibt sie als jung, schlank, groß. Durchaus sympathisch und möglicherweise deutsch. Sie sollen einen weißen Transporter geführt haben mit vermutlich Kölner Kennzeichen, eventuell ein Sprinter. Betty hat die Sendung damals ja mit ihrem Vater gesehen und dabei ist ihr etwas aufgefallen. Was war das, Herr Würges? Ja, wie schon erwähnt, Betty hatte also ganz große Hoffnungen in diese Sendung, dass sich die Mutter meldet. Das war nicht der Fall. Und es kam dann zu diesem Zufall, dass ich in dieser Sendung eine Beschreibung abgegeben habe von diesen beiden Männern, mit der die Mutter angeblich mal nach Hause gekommen sei. Betty hat ihren Vater damals auch gefragt, wie denn diese Männer aussahen. Da hat er ihr überhaupt keine Antwort darauf geben können. Er sagt, das ist alles so schnell gegangen, ich konnte die nicht beschreiben. Und ich stehe jetzt im Studio und gebe diese Beschreibung ab. Und das hat ihr dann sehr zu denken gegeben und hat ihn dann direkt noch während der Sendung danach gelöschert und gefragt, wieso kann der Herr Weges dort im Studio eine Beschreibung dieser beiden Männer abgeben und du hast mir gesagt, du weißt nicht, wie die aussehen. Er hat dann nur lapidar darauf geantwortet, da muss der Polizei ja irgendetwas sagen. Also das muss man sich mal vorstellen. Bislang hat Betty ja nie in Betracht gezogen, auch bis sie es ihr nicht gesagt hatten, dass ihr Vater etwas damit zu tun haben könnte. Und während der Sendung wird sie dann misstrauisch. Und das hat sie wahrscheinlich verständlicherweise aus der Bahn geworfen. Man muss sich ja allein mal vorstellen, dass man sich dann solche Fragen stellen muss wie, was hat der eigene Vater mit dem Verschwinden der Mutter wirklich zu tun? Was hat er vielleicht sogar verschwiegen? Bevor wir jetzt dazu kommen, was Betty anschließend gemacht hat, würde ich gerne noch von Ihnen wissen, Herr Wirges, welche Hinweise kamen denn nach Ihrem Auftritt im Studio dann bei Ihnen ein? Ja, es gab eine ganze Menge an Hinweisen, die aber leider für uns allesamt nicht zielführend waren. Wenn ich da mal ein Beispiel nennen darf, es gab zum Beispiel einen Hinweis darauf, dass die Mutter im Skigebiet in der Schweiz als Kellnerin arbeitet. Wir haben uns gefreut, wir hatten schon die Skier eingepackt, aber leider hat sich das nicht so ergeben. Wir haben dann halt eben später erfahren, dass all diese Hinweise nicht weiterführend waren und uns eigentlich überhaupt nichts gebracht haben. Am Tag nach der Sendung trifft sich Betty mit ihrer Freundin Paula Weiß, der sie sich anvertraut. Das hat ihr vermutlich gut getan, denn Betty hatte davor viel mit sich selbst ausgemacht. Sie erzählt Paula, dass sie nicht mehr wisse, ob sie ihrem Vater noch irgendetwas glauben könne und dass sie sehr verunsichert sei. Denn er habe immer wieder felsenfest behauptet, er könne sich gar nicht mehr an die Begleiter ihrer Mutter erinnern. Und nun habe Ermittler Franz Wirges sie bei Aktenzeichen XY so gut beschreiben können. Betty ist sich mittlerweile sicher, hier stimmt was nicht. Aber sie kämpft eben auch einen großen inneren Konflikt. Sie möchte ihren Vater nicht zu Unrecht beschuldigen. Schließlich hat sie schon ihre Mutter verloren. Aber da sei noch etwas, was ihr komisch vorkomme, erzählt Betty ihrer Freundin. Ihr Hund würde im Garten immer wieder an derselben Stelle buddeln. So, als hätte er dort etwas gerochen. Paula hat ein schlechtes Gefühl und rät Betty daraufhin, sich dringend bei der Polizei zu melden und den Ermittlern ihre Vermutung mitzuteilen. Doch noch hadert Betty mit sich. Sie denkt eher daran, vielleicht einen anonymen Brief zu verfassen. Aber Paula ist der Meinung, dass Betty unbedingt persönlich mit den Ermittlern sprechen müsse und nimmt das Ganze schließlich selbst in die Hand, um ihrer Freundin zu helfen. Herr Wirges, was ist nach diesem Gespräch der beiden jungen Frauen passiert? Ja, diese Paula hat sich bei uns gemeldet und mitgeteilt, dass sie einiges gehört habe und wir doch Kontakt zu der Tochter aufnehmen sollen. Das habe ich auch gemacht. Ich habe Kontakt aufgenommen und bin zu ihr hingefahren und mich mit ihr in einem Café getroffen, um zunächst einmal abzuchecken. Was denn dort überhaupt zu hören ist. Natürlich wollte ich auch sofort wissen, was sich denn da ergibt. Sie haben uns ja erzählt, dass Betty Ihren Vater in früheren Gesprächen mit Ihnen ganz klar nicht als möglichen Täter in Erwiegung gezogen hat. Das fing sich nun an zu ändern. Das heißt, dieses Mal ist die Unterhaltung dann auch vermutlich anders verlaufen. Ja, das kann man so sagen. Sie war natürlich zögerlich in ihren Mutmaßungen. Das habe ich gemerkt, aber es schien so zu sein, dass dort was Verwertbares bei rauskommt. Und deshalb bin ich dann mit ihr ins Polizeipräsidium gefahren. Sie hat uns dort gesagt, dass sie nunmehr nicht mehr daran glaubt, dass ihre Mutter lebt. Und sie hat all ihre Hoffnungen auf Aktenzeichen XY gesetzt, dass es dort eine Meldung ihrer Mutter gibt. Das gab es ja nicht. Und sie hat auch plötzlich diese Verhaltensweisen ihres Vaters überdacht. Denn der hatte kurz nach dem Verschwinden der Mutter einen Hund gekauft. Da haben wir ja vorhin schon kurz drüber geredet. Warum kam denn Betty dieser Hundekauf so seltsam vor? Die Mutter hat Hunde gehasst. Und wenn man davon ausgehen muss, dass wenn die Mutter eine Auszeit nimmt und diese nach dieser Auszeit wieder zurückkehrt, dann wird es ein Riesentheater geben als Hundehasserin, wenn plötzlich dieser Hund im Haus steht. Der Ehemann hat auch sehr schnell wieder geheiratet. Er muss also gewusst haben, dass die Ehefrau nicht zurückkommt. Warum sollte er denn dann heiraten? Und kurz nach dem Verschwinden der Ehefrau hat er in dem Garten des gemieteten Hauses eine Böschung ganz neu angelegt. Und der Hund hat an dieser Böschung immer wieder gegraben. Das hat den Vater sehr gestört. Er ist dann immer rausgerannt und hat den Hund da zusammengestaucht. Er soll doch damit aufhören und hat ihn dann wieder nach drinnen geholt. Und das kam mir dann plötzlich verdächtigt vor. Und ja, sinngemäß sagte sie nicht, dass dort meine Mutter begraben ist. Sie haben dann mit Hilfe der Staatsanwaltschaft einen Durchsuchungsbeschluss für das gemietete Grundstück von Klaus Färber beantragt. Die Durchsuchung fand am 30. Oktober 2013 statt. Erzählen Sie uns bitte mal davon. Ja, wir haben den Herrn Färber zu seiner Arbeitsstelle an dem Morgen fahren lassen und dann vor seinem Haus, ich möchte sagen, mal ein großes Orchester aufgebaut. Dort standen Bagger, da standen große LKWs der technischen Hundertschaft, jede Menge Leichenspürhunde und jede Menge Polizeibeamte. Und den Herrn Färber haben wir dann von der Arbeit abholen lassen. Und als er dort ankam und dieses, ja, ich sag nochmal Orchester gesehen hat, da war er sichtlich erstaunt. Und das war dann auch das erste Mal, dass Sie Klaus Färber persönlich begegnet sind. Wie haben Sie dieses Aufeinandertreffen in Erinnerung? Das habe ich schon sehr genau in Erinnerung. Ich hatte bislang mit ihm keinen Kontakt. Das hatte mein Kollege vorher immer gemacht. Und ich habe mich dann ganz sachlich bei ihm vorgestellt und direkt zu ihm gesagt, Herr Färber, das Spiel ist jetzt vorbei. Wir sind hier und Sie sagen uns jetzt und sofort, wo sich Ihre Frau befindet. Wenn Sie uns das nicht sagen, werden wir hier das Haus bis auf die Grundmauern ausbackern lassen, bis auf die Kellerwände und so weiter. Mir ist es sogar egal, wenn das Haus dabei noch umgibt. Sagen Sie uns jetzt hier auf der Stelle, wo ist Ihre Frau? Er war da auf ein schneeweißem Gesicht und wir sind dann zusammen ins Haus gegangen. Wann und wie hat denn Betty von dieser Durchsuchung erfahren? Wir hatten ja vorher diese Vernehmung und dieses Gespräch mit Betty und haben ihr gesagt, dass wir davon ausgehen, dass wir irgendeine Aktion jetzt starten werden mit Beschluss des Gerichtes und so weiter und so fort. Was genau wir machen, haben wir ihr nicht gesagt. Und wann wir das machen, haben wir auch nicht gesagt. Wir sind dann an dem Morgen dorthin gefahren. Sie war zu Hause, den Vater hatten wir ja wegfahren lassen. Wir haben ihr dann gesagt, dass an diesem Tag das Haus durchsucht wird und dass der Vater gleich kommen wird. Und sie wollte aber abwarten, bis der Vater kommt und wollte mit ihm sprechen. Zur Unterstützung hatten wir eine Kollegin vom Opferschutz, die halt eben Betty in dieser Situation betreuen sollte und auch betreut hat. Also dem eigenen Vater in so einer Situation gegenüberzustehen, Das muss ein emotionaler Kraftakt für Betty gewesen sein. Wir haben die Szene in XY gelöst nachgestellt. Was ist los, Papa? Frau Ferbe, wir müssen jetzt gehen. Was ist los? Frau Ferbe, bitte, wir müssen jetzt gehen. Ich will nicht gehen. Sag mir, was los ist, Papa. Was ist los? Hat Klaus Färber seiner Tochter denn noch geantwortet, Herr Birges? Nein, geantwortet hat er ihr nicht. Er hat sie aber umarmt und dann wurde Betty rausgebracht. Bei dieser Umarmung konnte man sehen, dass er am Heulen war. Sie haben ihn ja dann recht hartnäckig mit der Frage konfrontiert, wo seine Frau liegt. Und dann kam es zu einer recht merkwürdigen Situation. Wollen Sie uns von der erzählen? Ja, ich habe einfach nicht locker gelassen. Ich habe mehrfach gesagt, jetzt sagen Sie, wo ist Ihre Frau? Dann ist er plötzlich, ohne ein Wort zu sagen, er hat also bislang die ganze Zeit nicht gesprochen, dann ist er in den Keller gegangen. Ich bin hinterher mit meinem Kollegen, dann öffnete er einen Kellerraum, der war ziemlich bestückt mit Fahrrädern, sonstigen Sachen, die man in einem Keller unterbringt. Und dann zeigte er auf ein Weinregal, welches sich an der Stirnseite des Raumes befand. Ich habe ihn gefragt, was ist mit dem Weinregal? Er ist daraufhin wieder gegangen, wollte nach oben. Ich habe ihn am Nacken, am Hemd oder am Kragen gepackt und wieder zurückgezogen. Und ich sagte zu ihm, was ist mit dem Weinregal? Liegt da Ihre Frau drin? Keinerlei Antwort. Er ist dann wieder nach oben und wir sind in die Küche. Und dann habe ich ihn angesprochen und sagte. Herr Färber, wollen Sie uns eigentlich verarschen? Er guckte mich an und dann kamen seine ersten Worte und sagte, die Zeit des Verarschens ist vorbei. Ich fahre jetzt mit Ihnen ins Polizeipräsidium und ich werde alles erzählen, was geschehen ist und wo meine Frau ist. Bevor wir dann gefahren sind, haben wir den Kollegen mitgeteilt, dass sich im Keller ein gemauertes Weinregal befindet und dass sie dort beginnen sollen. Das haben sie dann auch getan und haben dort einen Leichenspielhund angesetzt, der ihn auch tatsächlich vor diesem gemauerten Weinregal angeschlagen hat. Also nach Jahren des Schweigens und des Versteckspiels war Klaus Färber also endlich bereit, die Wahrheit zu sagen, also auszupacken. Ja, schon auf der Fahrt zum Polizeipräsidium hat er uns gestanden, dass seine Frau in dem Regal eingemauert ist. Im Laufe der späteren Vernehmung kam dann noch raus, dass die beiden sich an diesem Morgen, diesen 14. Februar 2008, im Badezimmer gestritten haben. Die Ehefrau sei aus der Dusche gekommen, habe ihm mal wieder die üblichen Vorwürfe gemacht, Geldsorgen, er arbeitet zu wenig und so weiter und die Schulden würden nicht beseitigt. Sie habe ihn einen Versager genannt und ihn dabei geschubst, wobei er sie dann auch zurückgeschoben habe. Dabei sei sie auf den Boden gefallen und hat sich eine kleine Platzwunde am Kopf zugezogen. Daraufhin ist der Streit wegen dieser Platzwunde unter anderem eskaliert und am Schluss habe er ihr den Hals zugedrückt. Nach seinen Worten, bis endlich Ruhe war. Man erahnt ja, finde ich, von Beginn der Folge an, wohin es geht oder wohin es gehen könnte, also dass die Mutter eben nicht abgehauen oder verschwunden ist. Und an der Stelle muss ich sagen, ich bin es leid, dass Frauen ihr Leben lassen müssen, dass sie von ihren Partnern oder Ex-Partnern umgebracht werden. Und dieser Satz, sein Gedanke, bis endlich Ruhe war, seine Ruhe war am Ende ihr Tod. Was hat Klaus Färber denn am Ende mit der Leiche seiner Frau gemacht? Ja, nach langem Überlegen. Der steht natürlich jetzt auch ein bisschen fassungslos über das, was er da getan hat im Badezimmer. Und hat natürlich nur noch einen Gedanken. Die Leiche muss jetzt irgendwie beiseite geschafft werden. Dann hat er sie in Plastiktüten, so wie er erzählt hat, verpackt und in den Keller geschleppt, das Bad noch gereinigt und dann war auch schon der Zeitpunkt gekommen, wo es gegen Schutzschluss der Kinder ging. Dann hat er halt eben dieses Telefonat geführt, die Kinder angerufen und sich mit denen im Schnellrestaurant getroffen und ihnen diese Geschichte erzählt, dass man sich gestritten habe und die Mama daraufhin das Haus verlassen habe, um eine Auszeit zu nehmen. Am nächsten Morgen ist er dann, als die Kinder wieder in der Schule waren, in den Keller und hat überlegt, wohin mit der Leiche. Er sitzt dann da und denkt, wenn ich die jetzt nach draußen schleppe, wird mich jeder sehen. Das kann ich nicht machen. Und dann kam ihm dieser Gedanke, weil die Grundmauer für dieses Reihenregal war schon geschaffen, dass dieser Leichnam der Ehefrau genau in dieses Weinregal hineinpasst. Und das hat er dann auch gemacht. Er hat sie dort reingelegt und im Laufe der nächsten Tage das hochgemauert, bis es über den Leichnam hinweg ging. Er hat dann den Rest mit Fertigbeton aufgefüllt und dann im Nachhinein mit Tonröhren das Ganze gestaltet. Wirklich unfassbar. Das Weinregal hatte er seiner Frau zum 40. Geburtstag im Januar 2008 geschenkt. Er hat ihr da versprochen, es in den nächsten Wochen fertigzustellen. Nun ist es ihr Grab geworden. Ja, die Kollegen sind dann dort tatsächlich fündig geworden. Und der Leichnam später bei der Obduktion, der war noch in einem Zustand, ich möchte sagen, dass zumindest 80 Prozent noch erhalten war. Wir haben noch den Ehring und den damals bei Aktenzeichen XY genannte Kette mit dem Modenherz gefunden. Über fünf Jahre hat Klaus Färber der Welt etwas vorgespielt. Sogar seiner eigenen Tochter Betty, die nun Gewissheit darüber hatte, dass ihr Vater ihre Mutter getötet hat. Wie Betty damit umgegangen ist, haben wir ihren Seelsorger, den evangelischen Pfarrer Albrecht Röpke, gefragt. Das ist natürlich der Zusammenbruch der Welt erstmal. Also da ist, dann stimmt ja gar nichts mehr. Wenn das jetzt passiert ist und ich belogen worden bin, worauf kann ich mich in dieser Welt noch verlassen und was ist überhaupt noch echt und was stimmt. Ich weiß aber, da ist Betty sehr außergewöhnlich, weil das eine sehr selbstreflektierende junge Frau ist, dass sie zum Beispiel geäußert hat, zu sagen, ich habe totales Chaos, meine Welt ist zusammengebrochen, aber in mir fühlt sich was gut an, bin ich jetzt verrückt? Und da konnte ich ihr direkt sagen, Betty, könnte es sein, dass das gute Gefühl sagt, du weißt jetzt sicher, deine Mutter wollte dich nie verlassen und die hat dich nie absichtlich alleine gelassen und die hat sich nie absichtlich alleine gelassen. Das ist, glaube ich, ganz schwierig, diese Ambivalenz auszuhalten. In dem Zusammenbruch, in der totalen Tragödie, in der totalen Trauer um meine Mutter, gibt es auf einmal ein gutes Gefühl mittendrin. Ambivalent war auch das Verhältnis zwischen Betty und ihrem Vater nach der Verhaftung. Im Prozess hat Klaus Färber ein umfassendes Geständnis abgelegt und die Geschehnisse detailliert geschildert. Wohl, um seine Tochter so wenig wie möglich zu belasten. Er ist dann im März 2014 nach nur vier Verhandlungstagen wegen Totschlags verurteilt worden. Er muss für acht Jahre ins Gefängnis. Betty hat den Kontakt aber damals nicht abreißen lassen und ihrem Vater Briefe geschrieben. Aber nicht nur das, wie uns Albrecht Röpke erzählt hat. Sie wollte ihn im Gefängnis besuchen. Ich habe gesagt, wenn du willst, begleite ich dich gerne. Und ich habe sie dann auch vorbereitet, genau wegen dieser Gefühlslage. Pass mal auf, du wirst dich nach dem Besuch auf jeden Fall nicht gut fühlen. Weil du wirst sehen, entweder wird es ihm gut gehen, dann wirst du dich denken, wie kann es dir so gut gehen. Wo du das doch getan hast, oder es wird ihm schlecht gehen und wir werden da rausgehen und du wirst dich fragen, oh Gott, was kann ich noch machen für den armen Papa. Und das Schlimme für Bettys Situation war, man wird von außen, also von der Umwelt, wird noch verlangt, dass man sich positioniert sozusagen. Man selber ist ja zerrissen. Der liebe Papa ist der böse Mörder. Der böse Mörder ist der, der aber mittags immer zu Hause war und mit mir Hausaufgaben gemacht hat. Das kriegt man ja schon selber nicht verpackt. Und von außen wird man auf eine Dimension reduziert, zu sagen, du musst deinen Papa jetzt hassen. Und dann hat Betty innerlich sofort die Gegenbewegung gehabt, zu sagen, aber er hat ja nur mich. Und nein, ich will ihn nicht hassen. Und wenn jemand von außen gesagt hat, du musst dich aber um deinen Papa kümmern, der hat jetzt nur noch um dich, hat sie gesagt, nein, ich will mich gar nicht um den kümmern, der hat meine Mutter umgebracht und. Mich fünf Jahre lang belogen. Also es gab gar keinen Ruhezustand mehr für Betty. Heute ist Betty Ferber Mitte 30. Zu ihrem Vater hat sie aktuell keinen Kontakt mehr, wohl aber zu Seelsorger Albrecht Röpke. Und wir wollten natürlich von ihm wissen, wie es ihr heute geht. Betty geht es heute gut. Sie hat einen Beruf, den sie gerne macht. Sie hat eine Familie, ein Eigenheim. Da gab es nur eine Bedingung bei dem Haus. Es darf kein Keller haben und das kann man ja auch nachvollziehen. Und ich würde sagen, von außen ist das ein glückliches und auch normales Leben. Die Normalität daran ist nur sehr stark erkämpft und hat einen langen Weg gebraucht. Aber ich würde sagen, dass hier heute ein absolut erfülltes und glückliches Leben führt. Ich finde es beeindruckend, dass Betty es geschafft hat, trotz ihres schweren Schicksals nach vorn zu blicken. Herr Wirges, die Aufklärung des Falles, die liegt nun 13 Jahre zurück. Können Sie sich noch erinnern, wie Sie sich damals gefühlt haben, als feststand, dass Klaus Färber der Täter war? Ja, ich, wir in dem Falle waren natürlich sehr erleichtert, den Fall geklärt zu haben und auch glücklich darüber, dass wir der Betty Klarheit verschafft haben. Gleichzeitig war es natürlich auch traurig, sie in eine solche Situation gebracht zu haben. Denn letztendlich bin auch ich oder wir sind ja auch Menschen und beschäftigen uns mit einer solchen Situation. Was Schlimmeres kann man einem Menschen ja nicht antun, den Vater festzunehmen, weil er die Mutter umgebracht hat und die Mutter die Gewissheit, dass die auch nicht mehr da ist. Um das an der Stelle vielleicht nochmal einzuordnen, muss man ja auch sagen, dass es nicht Sie waren, sondern der Vater der Täter, der die beiden Kinder in diese Situation gebracht hat. Gebe ich Ihnen vollkommen recht. Der Vater hat die Kinder in diese Situation gebracht und ist auch dafür verantwortlich. Wir haben aber mit unserem Ermittlungsergebnis letztendlich die Aufklärung herbeigeführt. Und dadurch auch der Betty den letzten Funken Hoffnung zu nehmen und ihr endgültig. Zu sagen, dass das Leben der Mutter erloschen ist. Was bei der Tochter zuvor ja so lange die Hoffnung aufrechterhalten hatte, dass ihre Mutter noch am Leben ist, war mitunter der Eintrag bei der Polizei Düsseldorf zu einer Verkehrsangelegenheit im Jahr 2011. Nun, da klar ist, dass Susanne Färber damals schon tot gewesen sein muss, frage ich mich, was hatte es eigentlich damit auf sich? Ja, das war, wenn ich das mal ausdrücken darf, quasi wie ein Sechser im Lotto für den Ehemann. Plötzlich gab es ein Lebenszeichen und man hat ihn wieder in Ruhe gelassen und damit auch wieder der Tochter Hoffnung geschürt. Und letztendlich, ich kann es heute nicht sagen, warum das geschehen ist. Wir haben das aber auch vernachlässigt, weil unser Blick ging nach vorne, um dieses Geschehen aufzuklären. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Tut mir leid. Was mich auch noch interessiert, Klaus Ferber hatte ja diese Nachforschungen bei der Krankenkasse und bei der Polizei unternommen. Warum hat er das gemacht? Vielleicht damit seine Tochter keinen Verdacht schöpft? Das sind alles solche Sachen, das haben wir aus der Erfahrung schon. Da mögen sie recht haben, dass ein Ablenkungsmanöver gegenüber den Kindern ist, dass es ein Ablenkungsmanöver für mögliche spätere Ermittlungen der Polizei sein kann. Und aber auch, wie wir ja wissen, hat er sich scheiden lassen und ich glaube, dass man auch für eine solche Scheidung erstmal gewisse Schritte unternehmen muss, um darzustellen, dass die Frau ihn verlassen und nicht mehr auffindbar ist. Was können Sie uns über den Täter heute sagen, Herr Birges? Ja, er ist ja zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Hier hat er schon längst abgesessen und meines Wissens ist auch eine neue Partnerin an seiner Seite. Sie haben, genau wie Herr Röpke, bis heute Kontakt zu Betty Färber. Und das ist alles andere als selbstverständlich. Wie ist denn Ihr Blick auf die junge Frau? Ja, die junge Frau, die hat das Ganze grandios überstanden. Und zwar hauptsächlich auch mithilfe von, ich sage Albi, wir nennen ihn Albi, den Herrn Röpke, gemeistert. Und die Jugendliche, die heute eine erwachsene Frau und Mutter von zwei Kindern ist. Die mich einst gehasst hat, die sitzt heute als gern gesehener Gast in unserem Hause. Und das ist das Schöne an der ganzen Geschichte. Und das ist auch sehr beeindruckend. Und damit sind wir jetzt am Ende der heutigen Folge. Danke, Herr Wirges, dass Sie uns diesen Einblick in Ihre Ermittlungen gewährt haben. Wir bedanken uns ganz herzlich, dass Sie hier Rede und Antwort gestanden haben und dass Sie sich die Zeit genommen haben und hier bei uns im Studio waren. Herzlichen Dank. Ja, ich danke Ihnen auch. und es hat mich sehr gefreut, dass ich hier sein durfte. Auch von mir ganz herzlichen Dank. Danke auch an den evangelischen Pfarrer und Seelsorger Albrecht Röpke und auch an den Autor dieser Folge, Jan Vogelgesang. Wie immer am Ende, vielen Dank an euch fürs Zuhören. Ich sage Tschüss und bis zum nächsten Mal bei Aktenzeichen XY unvergessene Verbrechen. Und ganz wichtig, bleibt sicher. Die nächste Folge gibt es wie immer in zwei Wochen bis dahin. An dieser Folge mitgearbeitet haben Nikola Hänisch-Koros, Katharina Jakob, Natascha Fehn und Zoe Jungblut. Für Ton und Technik sorgten Stefan Gossen und Christina Meyer. Die Regie hatte David Gromer und die Redaktion im ZDF Sonja Roy und Kirsten Zilonka. Die Podcast-Folgen könnt ihr übrigens auch auf dem ZDF True Crime YouTube-Kanal anhören. Den Link dazu, wie auch alle Infos zu dieser Folge, findet ihr natürlich in den Shownotes. Aktenzeichen XY unvergessene Verbrechen. Eine Produktion der Securitel in Kooperation.