Hallo und herzlich willkommen hier vor Ort auf der Republika und an alle, die uns im Podcast jetzt zuhören. Schön, dass ihr, dass sie dabei sind. Ich bin Rudi Zerne, freue mich, dass ich euch, dass ich sie begrüßen kann. An meiner Seite zwei hervorragende Kolleginnen, Conny Neumeyer und Helene Reiner. Hallo. Hallo. Das ist heute keine, wie Sie schon merken, ganz normale Podcast-Folge Aktenzeichen XY, unvergessene Verbrechen, sondern eine besondere Aufzeichnung live hier mit Ihnen gemeinsam auf der Republika Europas größter Digitalkonferenz. Das Motto, wie Sie ja wissen, der diesjährigen Republika lautet Never Gonna Give You Up. Ein Satz aus dem bekannten Pop-Stong von Rick Astley aus dem Jahr 1987. Und ich habe gehört, dass es gestern hier schon eine große Karaoke gab und alle haben fleißig mitgesungen. Der ist mal wieder ganz up to date. Und wir haben gemerkt, dass dieses Motto sehr gut zu unserer Sendung passt, zu unserem Podcast, denn auch wir geben nicht auf bei Aktenzeichen XY ungelöst bei der Vermissten-Sendung, die wir regelmäßig pro Jahr ausstrahlen. Wir helfen seit fast 60 Jahren, seit 1967 der Kriminalpolizei bei der Aufarbeitung von Kapitaldelikten, also Delikten von außerordentlicher Schwere. Da geht es um Mord und Totschlag, um bewaffneten Raubüberfall und natürlich auch um Vermisstenfälle. Aber bei dieser einen Perspektive der Fahndung ist es längst nicht geblieben. Darüber wollen wir heute sprechen. Über verschiedene Blickwinkel des XY-Kosmos. Das Spektrum ist immer größer geworden und ich freue mich sehr, dass ich das nicht alleine mache. Ich habe sie schon vorgestellt, bei mir Conny Neumeyer und außerdem Helene Reiner, die mit XY-Spuren des Verbrechens jetzt gerade gestartet ist. Das ist dann die neue Perspektive, die Sie dankenswerterweise einbringt. Schön, dass Sie hier beide da seid. Conny, lass uns das Publikum mal kurz abholen. Worum geht es uns heute? Ja, hallo auch von mir. Schön, dass wir heute da sind zu unserer ersten Live-Podcast-Aufzeichnung, möchte ich noch hinzufügen. Du hast es schon gesagt, wir sprechen heute über Vermisstenfälle. Wir greifen das Motto der Republika auf. Und da geht es natürlich um große Fragen. Es geht um Fragen, was passiert eigentlich, wenn ein Mensch verschwindet? Und diese Fragen, die betreffen die Angehörigen, sie betreffen die Ermittler, sie betreffen auch uns Medien. Und wir nähern uns oder wir versuchen, diese Fragen zu beantworten in den verschiedenen XY-Formaten, die es inzwischen gibt. Wir nehmen unterschiedliche Perspektiven ein, aber haben, ich denke, ein gemeinsames Anliegen, nämlich die Verbrechensaufklärung. Und ja, damit, du hast es schon gesagt, komme zu Helene Reiner. Du moderierst seit Mai das neue XY-Format XY Spuren des Verbrechens. Schön, dass du da bist. Ich freue mich sehr, dabei zu sein und euch bei eurer ersten Live-Podcast-Premiere sozusagen zu unterstützen und auch nochmal durch das neue Format XY Spuren des Verbrechens eben eine dritte Perspektive einzubringen und ja, über dieses sehr wichtige und auch sehr emotionale Thema der Vermisstenfälle mit euch zu sprechen. Schön, dass du da bist. Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wenn ein Mensch vermisst wird, dann passiert ja vieles gleichzeitig und in dem Zusammenhang möchte ich Ihnen mal ein persönliches Beispiel nennen. Das ist zwar gut ausgegangen, aber es ist schon mindestens 30 Jahre her. Ich war noch auf den Schlittschuhen unterwegs und wir waren gemeinsam mit unserer Tochter zum Mittagessen in einem großen Wirtshaus in München. Als es dann losging, jeder nochmal zur Toilette und in einem unbedachten, unbeobachteten Augenblick ist die Tochter weg. In einem Wirtshaus mit, ich glaube vier oder fünf, den Namen will ich nicht nennen, mit vier oder fünf Ausgängen, schlagartig ist mir der Schweiß ausgebrochen und mein Puls war bei 200. Gott sei Dank ist das gut ausgegangen, aber wir merken immer wieder bei diesen vermissten Fällen, wie sehr diese Ungewissheit die Menschen zermürbt. Sie wissen einfach nicht, was los ist. Und wenn dann. Eine Großmutter und ein Großvater sagen, das ist jetzt unser letzter Versuch, wenn es jetzt nicht klappt, dieses Kind wiederzufinden, dann geben wir auf, dann können wir nicht mehr weiter. Bei uns, bei Aktenzeichen XY ungelöst, steht zuallererst mal die Fahndung im Mittelpunkt. Die Ermittlungsbehörden wenden sich an unsere Redaktion, Aktenzeichen XY ungelöst oder auch vermisst, wenn die Umstände eines Verschwindens sehr ungewöhnlich sind. Und wenn der Verdacht besteht, dass ein Verbrechen dahinter steckt. Zunächst einmal muss man auch sagen, dass jeder Mensch, der volljährig ist, sich wann auch immer von zu Hause absetzen kann. Was anderes ist, wenn wir bei Minderjährigen sind, dann besteht natürlich leider immer die Befürchtung, dass ein Verbrechen dahinter steckt. Wenn jemand freiwillig verschwindet oder überhaupt verschwunden ist, dann können dort unterschiedliche Fälle zugrunde liegen. Mögliche Unfälle, Suizide, Entführungen oder, wie ich schon sagte, auch ein freiwilliges Verschwinden. Wir unterstützen, wie ich schon eingangs sagte, natürlich immer die Ermittlungsbehörden, das sind die Ermittler und Ermittlerinnen, die sich an die Redaktion wenden und sagen, wir kommen hier jetzt nicht mehr weiter, der Fall ist ausermittelt, deswegen die große Öffentlichkeit. Und dabei stellen wir, das weißt du, Conny, schlagartig mit Aktenzeichen die großmögliche Öffentlichkeit her. Also dann springen dann auch schon nochmal die Printmedien drauf ein. Doch bei diesem einen Fahndungsformat von Aktenzeichen XY ungelöst ist es nicht geblieben. Inzwischen gibt es einen ganzen, wir nennen es neuerdings den XY-Kosmos, ein breites Spektrum, der sich mit, solchen Fällen, mit unterschiedlichen Perspektiven nähert, Conny. Genau. Und da stellt sich natürlich die Frage, wie unterscheiden sich diese unterschiedlichen Formate eigentlich oder warum gibt es die denn? In unserem Podcast schauen wir uns an, was passiert eigentlich nach der Sendung. Also wie geht die Ermittlung weiter? Wie geht die Fahndung weiter? Wie geht es auch Angehörigen oder Opfern? Auch die finden in unserem Podcast Raum und treten auf. Wir sprechen mit Expertinnen, Psychologinnen. ForscherInnen zu den verschiedensten Themen. Aber vor allem eben die Kommissarinnen und die Kommissare kommen zu uns, erzählen von ihren Ermittlungen. Denn wo sind sie vielleicht auch mal gescheitert? Wo lief es gut? Wo haben sie Hilfe gebraucht und die dann auch durch zum Beispiel eben Aktenzeichen in Anspruch genommen. Und jetzt gibt es eben noch eine dritte Perspektive und die greifst du auf, Helene, in deinem Format. Erzähl uns doch mal, worum es da geht. Bei XY Spuren des Verbrechens gehen wir sozusagen noch einen Schritt weiter und schauen über den einzelnen Fall hinaus. Also wir stellen verschiedene Fälle gegenüber und fragen uns, was haben die gemeinsam? Wo gibt es auch Unterschiede? Wo lassen sich Muster erkennen, auch für die Polizeiarbeit? Und dann ist noch ganz wichtig die gesellschaftliche Relevanz, also im Prinzip das Überthema. Die Frage, was sagen diese Fälle über uns als Gesellschaft aus? Was für eine Wirkung haben diese Fälle in die Gesellschaft hinein? Beim Thema Vermiss, da interessiert uns, was passiert, wenn Menschen plötzlich nicht mehr auftauchen? Wie geht eben die Polizei in solchen Situationen vor? Und auch, was passiert mit denen, die zurückbleiben. Also was macht das mit Angehörigen, wenn geliebte Menschen nicht mehr auftauchen? Wie nähert ihr euch denn der Frage, wie das eine Gesellschaft auch verändern kann oder wie es in die Gesellschaft hineinwirkt? Wie versucht ihr das zu beantworten? Das ist unterschiedlich. Also das hat man natürlich, wenn man sich vier Fälle mit dem gleichen Thema, das da zugrunde liegt, anschaut, dann erkennt man vielleicht so ein bisschen besser, Oder wo gibt es einfach blinde Flecken? Wo hat es was mit einer übergeordneten strukturellen Sache, mit einem strukturellen Problem auch zu tun? Femizide zum Beispiel. Zum Beispiel, da sieht man das ganz deutlich, dass es bei diesen Morden an Frauen, weil sie Frauen sind. Meistens um Dynamiken geht, die sehr viel mit Machtstrukturen und auch mit Mustern in einer patriarchal geprägten Gesellschaft zu tun haben. Also Femizid, der Mord an einer Frau, weil sie eine Frau ist, das ist die Motivation bzw. das Motiv, das dahinter steckt. Wenn wir bei der Akten, das sagen wir auch, weil wir schon gesagt haben, wir sprechen mittlerweile von einem Kosmos, dem XY-Kosmos, da kann man also sagen, die XY-Ungelöst-Sendung ist sozusagen das Kernstück mit dir, Rudi. Und du hast vorhin gesagt, dass sich ja die Ermittlungsbehörden an euch wenden, also an die Redaktion. Wann wird denn da ein Vermisstenfall zu einem XY-Fall? Wenn alles im Prinzip ausermittelt ist, wenn die Behörden mit. Den Hinweisen, die sie bislang dazu bekommen haben, also Beobachtungen, die gemacht wurden, sind einfach nicht mehr weiterkommen. Wenn ein Kapitalverbrechen hinter dem Verschwinden vermutet wird, das ist ja oftmals eine Frage, mit der ich einsteige, wenn ein Kommissar zu einem Vermisstenfall zu uns in die Sendung Aktenzeichen XY, ungelöst kommt, dass man am Anfang erstmal fragt, das ist die Standardfrage, Sie befürchten, dass ein Verbrechen, dass diese Person, die vermisst wird, einem Verbrechen, also einem Mord zum Opfer gefallen ist. Solange keine Leiche da ist, gibt es keinen Beweis. für einen Mord. Also man kann dann nur nochmal nachforschen und hoffen, dass vielleicht doch jemand nach vielen, vielen Jahren und das ist oft genug vorgekommen, auspackt, einknickt in einer finalen Vernehmung. Das ist so geschehen in einem Fall, da ging es auch um zunächst einen vermissten Fall, der sich hinterher als Mord herausgestellt hat, Lolita B. Da ist dann damals der Kommissar Wolfgang Schuh, Kriminalhauptkommissar, mit dem zuständigen Staatsanwalt bei uns in der Sendung gewesen und hat gesagt. Die Frau, da bin ich mir sicher, ist ermordet worden, aber wir haben keine Leiche. Kann ich in die Kamera reinsprechen? Ja, selbstverständlich können Sie in die Kamera reinsprechen. Und jetzt noch mal zum Zeitfenster. Das Verschwinden von Lolita B. lag 29 Jahre zurück. Kommissar Schuh hat die Gelegenheit ergriffen, sich direkt an die Zuschauer gewandt. Und tatsächlich schaut eine ehemalige Partnerin, eine Freundin eines Mitwissers zu und setzt den entscheidenden Anruf ab. Sprechen Sie noch mal mit dem. Also mit dem ist nochmal gesprochen worden und dann ist er in einer erneuten Vernehmung tatsächlich eingeknickt. Die Leiche wurde gefunden, aber die Merkmale eines Mordes konnten nicht bewiesen werden und deswegen wurde das dann als Totschlag gewertet. Und somit ist der Täter freigesprochen worden, denn Totschlag verjährt, Mord hingegen nie. Aber so hatte uns dann auch noch die Mutter der getöteten Lolita B. zukommen lassen. Wir haben jetzt endlich Gewissheit und haben einen Grab, an dem wir trauern können. Und das ist dann schon schade, dass es so ausgegangen ist, aber man kann einen Schlussstrich ziehen. Und das ist immer wieder etwas, was ich bemerkenswert finde. Also das Fernsehen ist dann wirklich bei solchen vermissten Fällen der letzte Fahndungsansatz. Fälle kommen meist dann in Fragen, wenn klassische Ermittlungs- und Fahndungsmethoden nicht zum Erfolg geführt haben. Dann setzt man nochmal bei Aktenzeichen an. Und da schauen ja auch regelmäßig sehr, sehr viele Menschen zu. Welche Rolle spielt denn da diese Öffentlichkeit? Die Öffentlichkeit ist schon ein großer Druck für einen potenziellen Täter oder jemand, der glaubt, im Verborgenen zu leben. Jetzt wird das nochmal aufgegriffen. Und ich sage jetzt auch mal was Ketzerisches, das hat mir auch mal ein Kriminalkommissar gesagt. Wenn die Freundin oder die Frau erstmal Schluss macht vom Mörder, dann ist sie natürlich eine potenzielle Hinweisgeberin. Und so war es ja dann auch fast in dem Fall von Lolita B. Also nochmal, der Fall ist ausermittelt. Die Polizei kommt mit dem, was sie hat, nicht mehr weiter. und versucht jetzt nochmal neu anzusetzen oder andersrum auch gesagt, wenn genügend Gras über eine Sache gewachsen ist, kommt ein Kamel daher und frisst es runter. Und da sind wir gerne in der Person der Kamele. Ihr spielt ja die Fälle nach, also das sind nachgestellte Szenen, die ihr nutzt, um diese Fälle zu zeigen und zu visualisieren. Was wird da gezeigt und was nicht? Also wie geht ihr da vor bei dieser Entscheidung? Also wir haben eine Devise seit vielen, vielen Jahren. So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Weil wir natürlich auch immer Rücksicht nehmen wollen auf die Angehörigen, die sich jetzt natürlich emotional mit so einem Fall, wenn es um Mord und Totschlag geht, aber auch um einen Vermisstenfall, nochmal mit diesem Drama auseinandersetzen müssen. Das wühlt nochmal unglaublich viel auf. Aber ich merke das auch immer wieder bei den Spezialausgaben von Aktenzeichen XY vermisst, wenn die Angehörigen bei uns im Studio sind. Das ist für mich auch wesentlich emotionaler. Ansonsten rede ich mit Kriminalkommissarinnen und Kommissaren, wir reden über den Fall, wir sehen Bilder, wir haben, wie du schon sagst, den Fall nachgestellt. Aber wenn ein Eingehöriger einer vermissten Person bei dir im Studio neben dir sitzt und du merkst die Verzweiflung. Das ist nicht einfach. Das ist nicht einfach. Das geht mir auch schon an die Nieren, muss ich ehrlich dazu sagen. Aber trotzdem, im Nachhinein ist mir oft auch schon bestätigt worden, ich habe gedacht, mein Gott, wir quälen ja diese Menschen unter Umständen. Aber es ist immer wieder die Quintessenz, dass Personen sagen, wir freuen uns, dass noch jemand bei unserem Fall dran bleibt. Weil oftmals muss die Polizei auch sagen, wir kommen da jetzt nicht mehr weiter. Und auf Drängen der Angehörigen kommt der Fall doch nochmal zu uns. Dann vielleicht auch manchmal noch die einzige Hoffnung, die bleibt. Die letzte Hoffnung, ja. So, jetzt haben wir viel über die Fahndungssendung gesprochen. Wir im Podcast beschäftigen uns ja damit, was passiert eigentlich nach der Sendung. Die Grundidee ist, wir wählen die Fälle sehr sorgfältig aus, mit Blick eben, ich habe es gerade schon gesagt, auf das Danach. Also das bedeutet jetzt, bezogen auf vermissten Fälle, was bedeutet es eigentlich, vermisst zu gehen? Und was lief in den Ermittlungen gut? Was hätte besser laufen können? Und in der Regel sind also bei uns im Podcast die Fälle aufgeklärt. Wir hatten, glaube ich, auch schon ein, zwei, die offen waren. Ich erinnere mich über vier Jahre. Es sind viele Fälle, die wir inzwischen besprochen haben. Aber wir behandeln offene Vermisstenfälle meistens eigentlich nicht, auch um die Ermittler nicht zusätzlich zu belasten. Das würde ja wieder Ressourcen binden, wenn die dann in laufenden Ermittlungen auch nochmal zu uns kommen müssten. Es gibt aber eine Ausnahme, jetzt im Juni gibt es eine BKA-Kampagne und da werden wir, Juli, danke, werden wir einen Vermisstenfall aus Berlin in einer Folge behandeln und dieser Fall wird dann auch bei dir im Spätsommer in der Fahndungssendung eine Rolle spielen. Genau, ich mache mit bei dieser Kampagne des Bundeskriminalamts, habe da einen sogenannten Aufsager gemacht, also in eine Kamera reingesprochen und die, Produktion, die mit dem Bundeskriminalamt in Wiesbaden zusammenarbeitet, die setzt das jetzt nochmal um und wir werden dann den Fall auch bei Aktenzeichen XY präsentieren. Da geht es um vermisste Kinder. Das ist natürlich für die Eltern immer ganz entsetzlich, kann man sich bildlich vor Augen führen. Ich denke auch noch an den Fall, der in allen Medien auftauchte, Madeleine McCann. Ja, wer kennt die nicht? Wer kennt diesen Fall nicht? Die Eltern sind auch damals zu uns gekommen. Ich war zu einem Vorgespräch in Bristol. Das war natürlich auch sehr, sehr bewegend. Der Vater, Kerry McCann. War relativ souverän, fand ich noch, mit der ganzen Situation umgegangen. Der Mutter hat man diese Ungewissheit und dieses Zermürbsein förmlich, körperlich angemerkt. Das tat sehr, sehr weh. Es war eine konzertierte Aktion, also die McCanns kamen zu uns in die Sendung, waren einen Tag zuvor schon bei BBC, bei der analogen Sendung, beziehungsweise dem Pendant zu Aktenzeichen XY, die heißt oder hieß dort Crime Watch UK und dann auch noch bei Ops Bowling Versucht, das ist die Ausgabe in den Niederlanden. Sind also an drei Tagen in drei verschiedenen Sendungen gewesen. Die Resonanz war unglaublich. Und es tut natürlich auch irgendwo gut, auch wenn dieser Fall unglaublich dramatisch ist, dass die Eltern dann sich bei uns bedanken, bei Aktenzeichen XY, dass wir für sie auch nochmal dranbleiben an diesem Fall. Weil der ist nach wie vor ein großes Rätsel. Man weiß nicht, was auf dieser Ferienanlage in Portugal passiert ist. Ob das Mädchen schon dort getötet wurde, ob sie weggekommen ist. Weggekommen ist sie ja. Es gab einen Verdächtigen. Der ist dann aber auch wieder ausgeklammert worden. Also das beschäftigt die, Polizei und die Eltern natürlich insbesondere nach wie vor. Und Carrie McCann hatte mir damals gesagt, solange der Beweis nicht erbracht ist, dass meine Tochter getötet wurde, habe ich ein Recht darauf zu hoffen. Und das ist mir unter die Haut gegangen. Das fand ich enorm. Bei diesen unterschiedlichen Formaten innerhalb dieses, Kosmos finde ich es immer so interessant, auch selber als Konsumentin dieser Formate, als Zuschauerin oder auch als Zuhörerin dann zu merken, dass da teilweise unterschiedliche Logiken bedient werden. Denn Conny, bei euch im Podcast ist es so, kann man schon sagen, ihr habt einfach nochmal mehr Zeit. Ja, wir haben viel mehr Zeit. Wir können viel mehr auf Details eingehen. Wir können mit, ich habe es gerade schon angerissen, mit ExpertInnen aus sämtlichen, wie sagt man, Sparten sprechen. Wir können darüber reden, was das eigentlich betrifft. Wie man Traumabewältigung auch, ich glaube, da hat mir mal jemanden da als Angehöriger, wie man da sich dran nähert. Wir lernen, wie eigentlich die Polizei DNA-Analysen durchführt. Also man kann ganz andere Akzente setzen und auch Schwerpunkte. Und die Ermittler und Ermittlerinnen kommen auch selber zu Wort und können aus ihrer Perspektive dann ja auch nochmal ausführlicher über so einen Fall berichten. Ja, absolut. Und es ist jetzt im Augenblick, auch wenn ich das sagen darf, Conny, so ein bisschen en vogue für die Ermittlerinnen und Ermittler zu uns zu kommen. Wir hatten, erinnert dich, unlängst zwei Ermittler vom Bundeskriminalamt, die sich normalerweise sehr bedeckt halten, auch mit Informationen, nicht einfach so daherplaudern und die Informationen rausgeben. Aber der hat ein, ich glaube, ein Kriminaldirektor, ein Vorgesetzter dieser beiden Kriminalhauptkommissare gesagt, geht da mal hin. Und was ich auch interessant finde, wir machen jetzt nicht so wie bei dieser Sendung hier, Wir senden live durch. Wir können nicht anhalten. Wenn wir Mist bauen, bleibt das verhofft. Wir können nicht von der Bühne. Genau, wir können auch nicht von der Bühne gehen. Aber wenn wir diesen Podcast aufzeichnen, dann nehmen wir uns auch zwischendurch nach ein, zwei Blöcken. Immer wird die Zeit, noch mal über Kleinigkeiten zu sprechen. Da geht es um kleinste Betonungen, um die Wortwahl. Wir müssen bei solchen Sachen sehr, sehr vorsichtig sein, auch wenn es darum geht, Persönlichkeitsrechte zu schützen. Es geht dann auch um Opferschutz. Also wir wollen da nicht zu sehr in die Tiefe reingehen, um nicht die Menschen wieder zu sehr aufzuregen. Aber zwischen diesen Takes, wenn die Regie und die Redakteurinnen und Redakteure, eine sitzt hier vorne, Sonja Roy, wenn die dann nochmal über alles reden, das dauert mitunter 10 Minuten. Und dann kommen diese Ermittler richtig ins Plaudern und erzählen uns Dinge, die sie niemals öffentlich sagen dürfen. Ich sage ihnen jetzt auch nicht, was sie sagen, sondern dann würde ich mich ja selbst um Kopf und Kragen reden. Aber das ist dann wirklich spannend, welche Maßnahmen es gibt, um Personen zu überwachen. Das muss ja auch alles vom Staatsanwalt genehmigt werden. Wie lange das alles teilweise dauert und wie müßig das sein kann. Also es ist sehr, sehr spannend. Diese Arbeit ist extrem spannend. Ja, man bekommt einen Einblick, den man sonst so nicht bekommen würde. Und gleichzeitig stellt einem das Thema qua Inhalt natürlich auch immer wieder vor Herausforderungen. Also du musst eigentlich bei jeder Folge diesen schmalen Grat gehen zwischen den Anspruch aufzuklären, aber die Verantwortung auch Rücksicht zu übernehmen, die Würde von Opfern und Angehörigen. Nicht zu verletzen. Und das Ganze einfach mit einer Sensibilität sich dem Ganzen zu nähern. Und ich glaube, dass das Publikum im Vergleich zur Fahndungssendung, die sind natürlich auch nochmal ein Stück jünger. Die sind ein Publikum, das On-Demand-Inhalte vor allem konsumiert. Also auch da unterscheiden wir uns im Kern von der Fahndungssendung. Du hast gerade diese Sensibilität angesprochen. Vielleicht nochmal ein Beispiel dazu, gar nicht mal Sensibilität haben wir auch vorhin schon gemerkt und Emotionalität, wenn es beispielsweise um den vermissten Fall Madeleine McCann ging. Aber Sensibilität, und jetzt bin ich wieder bei einem Kapitaldelikt, nämlich schwere Körperverletzungen, da ging es um Mark H. Aus Offenbach. Da gab es ein Fest am Biberer Berg und ein schon stadtbekannter Schläger, der sich meistens in einer Kneipe einen völlig angetrunkenen Mann ausgesucht hat und den übelst zusammengeschlagen hat. In diesem Fall war es so, es gab zuerst eine verbale Auseinandersetzung mit Marc H. Und dann ein Schlag nach dem anderen. Und der Mann ist buchstäblich in den Rollstuhl geprügelt worden. Also er war vom Hals abwärts querschnittgelegt. Großer Fußballfan. Großer Fußballfan. Und da haben wir auch gesagt, wie stellen wir das dar? Der Kommissar, Leiter der Mordkommission in Offenbach, hat zu uns gesagt, ich hätte das gerne als Film bei Ihnen. Der Redakteur kommt dann, beziehungsweise der Redakteur fährt dann ins Kommissariat und spricht dann die Einzelheiten dieses Falles ab. Aber der Kommissar hat gesagt, das muss sehr, sehr emotional werden. Und so ist Marc H.. Der künstlich beatmet wird, auch zu Wort gekommen. Der wollte sich auch melden. Das ist während eines Fußballspiels auf der großen Leinwand am Marathon-Torn, in Kickers-Offenbach gezeigt worden. Es gab Zeugen, dieser schweren Körperverletzung, aber die haben anonym angerufen. Und wenn sie einen Hinweis geben, dann muss das Gerichtsverwertbar sein. Das heißt, der Zeuge muss seinen Namen nennen, seinen Wohnsitz und erst dann ist dieser Hinweis verwertbar. Und nach dieser Ausstrahlung haben zwei Personen gesagt, jetzt packen wir aus. Und dann ist der Mann auch der Täter verurteilt worden. Und die Richterin ist über das geforderte Strafmaß des Staatsanwalts hinausgegangen. Also der hat ganz viel Staub aufgewirbelt. Der Mann ist rechtskräftig verurteilt worden und ich sage einfach, aufgrund dieser Emotionalität, die wir rübergebracht haben, bei Aktenzeichen, haben zwei Zeugen sich gemeldet und gesagt, ich nenne jetzt Ross und Reiter. Und das zeigt, was das Fernsehen bewirken kann, bei vermischten Fällen, bei Spuren des Verbrechens und bei Aktenzeichen XY ungewöhnlich. Er war ja auch dann bei uns im Podcast und nicht persönlich, aber mit Zuspielern und ich erinnere mich gut an die Stimme auch noch. Und wie einen das mitnimmt, dass man selbst an der Stimme hört, wie schwer verletzt er wurde. Jetzt haben wir viel über den Podcast gesprochen, Helene. Kommen wir nochmal zu XY-Spurden des Verbrechens. Da triffst du ja unter anderem auch Angehörige von Menschen, die verschwunden sind. Und ja, machst dich auf die Suche nach Antworten, die vielleicht noch lange auf sich warten lassen. Wie ist das denn für dich? Wie war das denn für dich, mit Menschen zu sprechen, die jemanden verloren haben? Also ich habe jetzt eben für die erste Folge, die verschiedene Vermisstenfälle gegenübergestellt hat, habe ich einen Bruder getroffen, der seine kleine Schwester vor fast 30 Jahren verloren hat, weil sie eines Tages plötzlich nicht mehr aufgetaucht ist. Und für mich erstmal war das eine Begegnung, die wirklich noch lange auch nachgehalten hat und nachgewirkt hat. Und ich habe das wirklich als sehr emotional aufgefasst, weil man natürlich sich, jetzt mache ich dieses neue Format auch noch nicht so lange, das heißt man beschäftigt sich erstmal, sage ich mal, auf Papier mit diesen Fällen. Man liest sich ein, man schaut da in die Akten und auf einmal steht dir da so ein Mensch wirklich gegenüber, der das alles am eigenen Leib erfahren hat und so offen ist, mit dir darüber zu sprechen. Und der auch tatsächlich nach so langer Zeit, nach eben fast 30 Jahren immer noch nicht aufgegeben hat. Braucht auch Mut. Ganz öffentlich über sowas zu sprechen, das einem so nahe geht. Du hast es gerade schon gesagt, es geht um ein vermisstes Mädchen. Der Bruder spricht mit dir darüber. Was zeigt denn dieser Fall? Seit 30 Jahren ist sie jetzt inzwischen vermisst. Und der Fall, der zeigt eigentlich exemplarisch, was das mit Menschen macht, wenn sie mit dieser Ungewissheit leben und im Prinzip in so einem ständigen Wartemodus gefangen sind. Und auch immer in diesem, wir haben es immer Schwebezustand genannt, zwischen auf der einen Seite Hoffnung und auf der anderen Seite einfach tiefe Verzweiflung. Und. Der Bruder, den ich getroffen habe, der eben seine Schwester vermisst seit so vielen Jahren, hofft immer noch, dass irgendwo da draußen irgendjemand etwas gesehen haben könnte und sich dann auch nach so langer Zeit mit Hinweisen an die Polizei wendet. Also dieses kleine, kleine Puzzleteil, da hofft er immer noch, das zu finden. Und er steht auch, dieser Fall, exemplarisch für das Nicht-Aufgeben. Also das Angehörige selber mit so viel Kraft alles unternehmen, um bei dieser Suche zu helfen. Und natürlich steht er auch dafür, das haben wir ja auch schon gesagt, auf manche Antworten, die gibt es nicht oder die werden leider niemals kommen. Aber trotzdem endet ein Vermisstenfall nicht, sondern er bleibt offen. Also solange nicht klar ist, was mit der Person passiert ist, bleiben die Akten offen. Und irgendwo ist dann aber doch dieser Hoffnungsschimmer, dass zumindest der Fall geschlossen werden kann, weil man einfach damit abschließen kann und weiß, was passiert ist. Genau. Willst du? Ja, ja. Vielleicht auch nochmal. Oder hast du auch ein Beispiel? Ich habe eine Nachfrage. Okay. Dann frag du erst. Beim Rudi klang es gerade schon so an, bei dem Fall Madeline McKenna, dass der Vater gesagt hat, also die Hoffnung, die lasse ich mir nicht nehmen. Jetzt hast du gesagt, da ist schon auch viel Verzweiflung, aber auch weiter Hoffnung. Also du hast auch das Gefühl... Hoffnung ist dann das, was die Leute weitersuchen lässt und auch nicht aufgeben lässt? Ja, aber noch nicht mal unbedingt die Hoffnung, die geliebte Person noch am Leben zu finden. Mir hat der Bruder selber gesagt, dass er weiß, dass das nicht realistisch ist, aber zumindest die Hoffnung auf diese Gewissheit. Einfach zu wissen, was ist passiert? Ja. Ich wollte noch ein kleines Beispiel für diesen Hoffnungsschimmer nennen, der sich dann tatsächlich mal erfüllt hat in einer Sendung. Da waren wir auch alle ganz, ganz, ganz glücklich. Also auch eine Mutter, die ihr Kind vermisst hat, war bei uns in der Sendung mit ihrem Ehemann und das Kind, wie sich dann herausgestellt hat, ist mit ihrem Freund abgehauen. Also ist zum Freund abgehauen und sieht zufällig beim Reinzappen in unserer Sendung, wie die Mutter in Tränen aufgelöst sagt, was auch immer passiert ist, komm zurück, wir verzeihen dir, lass uns nochmal von vorne anfangen. Und das Mädchen, das vermisste Mädchen, das dann diese Sendung sieht, sagt, sie hat dann erst gemerkt, was sie mit dem Durchbrennen, mit dem Abhauen angerichtet hat und hat sich dann bei der Polizei gemeldet und dann ist die Familie wieder zusammengeführt worden. Einer von einigen Fällen, die dann tatsächlich zu einem guten Ende führten, aber natürlich, ist es auch immer wieder wichtig, wir haben das schon angesprochen, dass man sich um diese Menschen, um diese Fälle kümmert, dass wir die Hoffnung nicht aufgeben und das macht Aktenzeichen ja seit 1967. Ja. Eine letzte Frage noch zu deinem Format, bevor wir vielleicht zum nächsten Punkt kommen. So wie bei uns im Podcast, triffst du ja auch ExpertInnen, PsychologInnen und so weiter. Welche Fragen klärst du denn mit denen oder anders gefragt, welchen Einblick können die dir geben in die Fälle? Also in dem Fall haben wir mit einer Psychologin gesprochen und ich wollte wissen erstmal, wie kann ein Mensch mit dieser Ungewissheit leben? Und dann hat sie uns sehr eindrücklich beschrieben, was Angehörige da durchmachen und nochmal diesen Zustand erklärt, dass man im Prinzip ja in so einer Dauerschleife gefangen ist, dass man eben keine Klarheit hat. Und im Prinzip ist dieses Warten ein Einfrieren des normalen Trauerprozesses, den jeder Mensch hat, wenn er einen Verlust erlitten hat. Also eigentlich fehlt das, was man auch braucht, um diesen Verlust zu verarbeiten. Zum Beispiel eine Verabschiedung, eine Beerdigung oder auch ein Grab. Sie hat auch immer wieder gesagt, dass man diesen schmerzhaften Weg natürlich nicht alleine gehen muss. Es gibt Anlaufstellen, man kann sich auch professionelle Hilfe holen. Die zweite Frage, die mich sehr beschäftigt hat, auf die ich versucht habe, eine Antwort zu finden, ist eben, wie schaffen es Angehörige oder warum versuchen auch so viele Jahre, teilweise Jahrzehnte später Angehörige, immer noch diese vermisste Person zu suchen? Hast du sie bekommen? Ja, zumindest eine Erklärung, dass wenn man das Gefühl hat, nach der Person, noch weiter zu suchen, dann hat man eben dieses Gefühl, etwas tun zu können, selber aktiv zu werden. Und außerdem durchlebt man auch eine Art Trennungsschmerz. Also es ist eine intensive Trauer, begleitet von einer starken Sehnsucht nach der verschwundenen Person. Und diese Suche ist eben auch eine Möglichkeit, mit diesem Schmerz und mit dieser Trauer umzugehen. Also das Motto hier auch von der Republika dieses Jahr, Never Gonna Give You Up, ist hier sehr, sehr konkret gemeint, nämlich, dass vermisste Menschen von ihren Angehörigen, Niemals aufgegeben werden und niemals vergessen werden. Der Spruch passt gut zu uns. Ja, drei XY-Formate sitzen auf der Bühne. Ein Versprechen, wir geben nicht auf, um Fälle aufzuklären. Drei Formate also, Aktenzeichen XY ungelöst, aktivierte Öffentlichkeit, hilft bei der Ermittlungsarbeit und sucht dann dringend Zeugen, die Hinweise geben können. Der Podcast, der richtet den Fokus auf die Ermittlungsarbeit danach. Wie geht es weiter? Wenn die Kameras im Studio aus sind und da versuchen wir dann, den einzelnen Schritten im Detail nachzugehen. Und XY Spuren des Verbrechens fragt, was verbindet einzelne Fälle miteinander, welche Muster ergeben sich darauf und wie ist die Wirkung in die Gesellschaft hinein. Und dann im Zusammenspiel, würde ich mal sagen, ergibt sich ein ganzes Bild. Wir danken bis hierhin fürs Zuhören. Wir verabschieden uns jetzt von unseren Podcast-Zuhörerinnen und Zuhörern. Toll, dass ihr dabei gewesen seid und auf Wiederhören. Danke, Helene, dass du da warst zu unserer ersten Live-Podcast-Folge von der Republika in Berlin. Danke, sehr gerne. An dieser Folge mitgearbeitet haben in der ZDF-Redaktion Matthias Rohde, Sonja Roy und Kirsten Zilonka. Die Folge wurde außerdem redaktionell bei der Sekuritel von Nikola Hänisch-Koros, Katharina Jakob und Soy Jungblut begleitet. Für den Ton sorgte Heiko Frenzel und für die Postproduktion war Stefan Gossen verantwortlich. Die Podcast-Folgen könnt ihr übrigens auch auf dem ZDF-True-Crime-YouTube-Kanal anhören. Den Link dazu, wie auch alle Infos zu dieser Folge, findet ihr wie immer in den Shownotes. Aktenzeichen XY unvergessene Verbrechen. Eine Produktion der Securitel in Kooperation mit Bumfilm im Auftrag des ZDF. Wenn ihr euch für wahre Kriminalfälle interessiert und herausfinden wollt, wie viel Geld mit einer gefährdeten Tierart, die in den Flüssen vor unserer Haustür schwimmt, verdient werden, dann hört bei Billion Dollar Babys der Aal und die Gier rein. Ich bin Sebastian Weiß und ich habe zudem laut Europol größten Wildtierverbrechen Europas recherchiert. Ich bin der Frage nachgegangen.