Hallo und herzlich willkommen zu Aktenzeichen XY Unvergessene Verbrechen. Mein Name ist Rudi Zerne. Und ich bin Conny Neumeyer. Schön, dass ihr wieder zuhört. Ja Rudi, wir haben in mittlerweile 100 Podcast-Folgen ja schon mit zahlreichen Kriminalbeamtinnen und Beamten oder Staatsanwälten über ihre Ermittlungsarbeit gesprochen. Es gibt aber eine weitere Gruppe von Beteiligten, die ihnen dabei ganz essentiell hilft und ohne die die Aufklärung ganz vieler Fälle ja überhaupt nicht möglich gewesen wäre. Ja, das stimmt. Das sind die vielen Expertinnen und Experten und Wissenschaftler aus den verschiedensten forensischen Gebieten. Ob nun zum Beispiel aus der Rechtsmedizin bei Obduktionen, aus der Biologie bei der Untersuchung von DNA oder aus der IT-Forensik bei der Datenauswertung. Mit ihren Analysen sammeln sie akribisch Beweise und Indizien, die oft ausschlaggebend sind, um ein Verbrechen aufzuklären und einen Täter anklagen zu können. Das trifft auch auf unseren heutigen Fall zu, der sich im Jahr 2014 unweit von Wiesbaden zugetragen hat. Doch bevor wir in den Fall einsteigen, möchte ich unseren heutigen Gast hier im Studio begrüßen, den Mann, der damals die Ermittlungen geleitet hat, Stefan Lange, erster Kriminalhauptkommissar AD. Bis zu seiner Pensionierung vor vier Jahren hat er über 40 Jahre bei der Kriminalpolizei gearbeitet, zuletzt als Leiter des Kommissariats 11 des Polizeipräsidiums Westhessen in Wiesbaden.

Das unter anderem für Tötungsdelikte zuständig ist. Hallo und herzlich willkommen, Herr Lange. Auch von mir herzlich willkommen. Guten Morgen, ich grüße Sie. Herr Lange, in dem Fall, über den wir heute sprechen, hat die Arbeit der Kriminaltechnik wie so oft eine entscheidende Rolle gespielt. Ich nehme an, als Kriminalist ist man froh, wenn einem die Kolleginnen und Kollegen aus den verschiedenen Fachbereichen die Ermittlungsarbeit an der einen oder anderen Stelle erleichtern, oder? Das ist richtig so. Man muss halt sehen, ein Ermittlungsverfahren ist so vielschichtig, Da kann man nur mit vielen Leuten und unter anderem auch mit vielen Spezialisten zusammenarbeiten. Und die Kunst am Ende ist es, mit diesen Leuten, sage ich mal, zielführend, alles in eine gewisse Richtung zu bringen. Ja, umso wichtiger, dass sich begabte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht nur der freien Wirtschaft zuwenden, sondern sich in den Dienst der Verbrechensaufklärung stellen. Und einer dieser Experten, der in unserem heutigen Fall entscheidend mitgewirkt hat, ist Dr. Harald Schneider. Er leitet die Fachgruppe Biologie beim LKA Wiesbaden und gilt als einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der forensischen DNA-Analyse. Mit ihm haben wir im Vorfeld dieser Folge darüber gesprochen, wie viel die Beschaffenheit kleinster Spuren über den Hergang einer Tat verraten kann. Doch nun zu unserem Fall. Noch ein Hinweis aus rechtlichen Gründen haben wir alle Namen geändert.

Es ist der Nachmittag des 20. Februar 2014, ein Donnerstag, als ein Mann auf einer Polizeistation im südhessischen Rheingau-Taunus-Kreis erscheint. Er stellt sich als François Martin vor und sagt, er wolle eine Vermisstenanzeige erstatten. Der Mann erzählt den Beamten, er lebe in einem nahegelegen Örtchen und sei am Morgen frühzeitig von einer Geschäftsreise aus Frankreich zurückgekehrt, weil er seit zwei Tagen nichts mehr von seiner Frau Nadine gehört habe. Das gemeinsame Haus habe er dann bei seiner Ankunft verwaist vorgefunden. Beinahe alle Rollläden heruntergelassen, die Haustür verschlossen. Das Auto seiner Frau habe in der Garage gestanden. Ihr Handy und ihre Geldbörse hätten im Haus gelegen. Der Mann sagt, er mache sich große Sorgen. Seine Frau lebe eher zurückgezogen, gehe selten aus. Als Ehepaar hätten sie wenige Freunde und Bekannte, zu denen sie gegangen sein könne. Es sei völlig untypisch für die 37-Jährige, einfach unangekündigt zu verschwinden. Einzig ein paar Wanderschuhe und eine Jacke fehlten.

Womöglich sei ihr beim Spaziergang im angrenzenden Wald etwas passiert. Auf die Beamtinnen und Beamten der Schutzpolizei macht der Mann einen beherrschten Eindruck. Sie weisen François Martin darauf hin, dass Nadine Martin als erwachsene Frau frei über ihren Aufenthaltsort bestimmen könne. Ob er sicher sei, dass seine Frau nicht freiwillig weggegangen sei? Doch François Martin drängt mit Nachdruck auf die Erstattung einer Vermisstenanzeige. Kurz darauf machen sich die Polizisten selbst einen Eindruck vom letzten Aufenthaltsort der Frau. Sie begehen das Haus der Martins und suchen die nähere Umgebung ab. Es stimmt, Nadine Martin ist nirgends auffindbar. Offenbar hat sie weder ihre Papiere noch ihr Handy bei sich. Und auch alle Reisekoffer und Taschen des Paares befinden sich im Haus. Sie hat sich nicht bei ihren Eltern gemeldet und auch die wenigen Freunde des Paares wissen nicht, wo sie sein könnte. Schnell ist klar, Nadine Martin hat das Haus vermutlich nicht freiwillig verlassen.

Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft! Herr Lange, wir haben es eben schon gehört, mit Vermisstenmeldungen von Erwachsenen ist das so eine Sache. Denn nur weil jemand einen Angehörigen, zum Beispiel die Ehefrau, vermisst, heißt das noch lange nicht, dass der Ehefrau auch tatsächlich etwas zugestoßen ist. Und ganz plump gesagt, dass die Person überhaupt gesucht und gefunden werden will, oder? Das ist richtig. Man muss bei Ermittlungen im Bereich der Vermisstenanzeigen so mehrschichtig denken. Es gibt natürlich bestimmte Voraussetzungen, wenn zum Beispiel ein Kind vermisst wird, dann muss man oftmals direkt vom Schlimmsten ausgehen. Natürlich gibt es Kinder, die sich verspielen, aber auch da sollte man intensiv suchen. Wenn ein Erwachsener seinen Lebensbereich verlässt, mag das für Angehörige, ich sage jetzt mal schnell, ein Vermisstenfall sein. Aber es gibt auch Leute, die tauchen einfach ab und wollen nicht gefunden werden, aus mannigfaltigen Gründen. Und da kriegt man auch nicht immer die besten Antworten von den Anzeigerstattern, die wollen manchmal die Wahrheit gar nicht erzählen.

Außerdem bei vermissten Fällen ist es so, dass die Polizei bestimmte juristische Voraussetzungen hat und die sind anders als zum Beispiel beim Strafverfahren. Deswegen muss man da, ich sag mal, sehr vielschichtig dran gehen und auch vorsichtig sein. Denn ohne Anlass darf man in der Bundesrepublik Deutschland nicht nach Personen fahnden. Das Vorgehen in solchen Fällen ist oftmals so, dass die Leute ihre nahegelegene Schutzpolizeistation aufsuchen und dort zunächst einmal vortragen, was passiert sein könnte oder warum jemand weg sein könnte. Die Kollegen machen dann zunächst erstmal eine ganz normale schriftliche Anzeigenaufnahme und fangen dann an zu, ich sag mal, im Umfeld ein bisschen zu recherchieren. Oftmals schauen sie sich auch mal das Haus an, machen eine erste Absuche. Wie gesagt, bei Kindern ist alles möglich. Da findet man zum Beispiel auch mal ein Kind auf dem Dachboden oder aber in der Nachbarwohnung oder bei Nachbarn, bei Schulfreunden oder sowas.

Und wenn die Schutzpolizeikollegen dann aber denken, okay, hier sind so erste Hinweise drauf, die man einfach mal etwas weiter ausfächern sollte, dann ist es oftmals so, dass sie dann einfach aufgrund der Fachlichkeit dann bei der Kriminalpolizei anrufen oder vorbeikommen und sich dann einfach Rat und Tat holen und die leisten wir dann natürlich auch.

Also hier hatte man schon die Befürchtung, es könnte sich um eine Straftat handeln. Das war ja hier ganz klar. Ja, die Schutzpolizei, die Zuständige, hat so erste Begehungen und erste Absuchen gemacht natürlich. Wir reden aber hier von einem Wohngebiet direkt am Waldesrand. Und wenn man dann hört, dass da Wanderschuhe und eine Jacke fehlen, könnte man davon ausgehen, dass die Frau zunächst einmal in den Wald spazieren gegangen ist und hat sich verlaufen oder wie auch immer hat es vielleicht einen Unfall erlitten. Und deswegen wollte die Schutzpolizei schon dann unseren fachlichen Rat und auch einfach einen größeren Aufzug machen dann. François Martin hat ja angegeben, dass er seit zwei Tagen kein Lebenszeichen mehr von seiner Frau bekommen hat. Sie haben dann damals die Leitung der Ermittlungen übernommen. Was war denn Ihr Eindruck, als Sie von diesem Verschwinden der Frau erfahren haben? Also hatten Sie gleich das Gefühl, hier könnte vielleicht doch ein Verbrechen vorliegen? Ich will das mit zwei Sätzen ausführen. Wir haben zwei sehr versierte Vermisstensachbearbeiter gehabt, die sich hauptsächlich nur um diese Dinge gekümmert haben. Die haben ein gutes Händchen gehabt und ein gutes Näschen. Und die haben sich da erstmal vor Ort selber erstmal einen Eindruck verschafft und auch die ersten Befragungen gemacht, auch mit den Eltern der vermissten Dame gesprochen. Und man konnte schon ein bisschen Angst haben, sage ich mal, weil das war gänzlich aus ihrem üblichen Lebensbereich herausgenommen.

Sodass wir dann gedacht haben, da müssen wir näher schauen. Ich habe das Waldgebiet eben schon angesprochen, das heißt man beginnt zunächst einfach auch erstmal der Umfeldabsuche. Die haben wir dann durchgeführt mit entsprechenden Polizeikräften und Hubschrauber suchen. Das sind so die üblichen Maßnahmen, die man macht. Das Gefühl ist bei sowas immer zwiespältig. Man kann da in zwei Sekunden falsch liegen, was man da einstätzt, sondern aber auch in zwei Sekunden richtig. Ich habe mir erst mal alles vortragen lassen. Ich habe selber keinen Kontakt zu diesen Leuten. Ich kannte die Örtlichkeit vom Sehnen her. Ich habe da mal eine Leichensache nebendran bearbeitet.

Und für mich war jetzt erst mal kein großer Grund, da große Argwohnen zu haben. Was wir natürlich dann, ich greife da vielleicht eins vor, was wir dann schnell gemacht haben, das ist so üblich, Wir gehen dann in die, ich sag mal, in die Gegenstände der Vermissten, schauen uns an, ist das Handy noch da, schauen uns an, ist der PC noch da, schauen uns Kontobewegungen an und solche Dinge. Und da sind so die ersten, sag ich jetzt mal, Auffälligkeiten aufgefallen. Gut, das waren jetzt die ersten Auffälligkeiten. Die Vermutung, dass doch eine Straftat vorliegen könnte. Daran knüpft sich die nächste Frage an. Welche weiteren Schritte haben Sie dann unternommen? Gut, man, ich sag mal, man schafft erstmal eine Aktenlage. Man spricht mit Leuten, die da Hinweise geben könnten. Erstmal zu der Frau selber, zu dem Eheverhältnis, zu dem ganzen Umfeld, was da, ich sag mal, aufgetaucht ist. Wir haben mit den Eltern gesprochen, sehr, sehr feine Menschen, die uns sehr detailliert auch ihre Tochter beschrieben haben. Wir haben versucht, mit Nachbarn zu sprechen, die kaum Kontakt eigentlich zu den Vermissten und auch ihrem Ehemann hatten.

Und wir haben natürlich auch versucht, Freunde oder sowas zu organisieren und zu befragen, was sehr schwer war, weil die Vermisste selber ab einem gewissen Zeitpunkt sehr zurückgezogen gelebt hat zusammen mit ihrem Ehemann. Er selbst sagte, er wäre unbekannt. Sie haben auf einer Geschäftsreise gewesen und hätte Kontakt mit ihr gehabt per E-Mail. Da ging es um Beschaffung für Hausgegenstände und solche Dinge. Und als er dann zwei Tage nichts gehört oder anderthalb Tage nichts gehört, hat er sich Sorgen gemacht und wäre dann zurückgekommen. Hat dann das Haus so gefunden wie beschrieben und ist dann zur Polizei gegangen. Wie hat der Ehemann denn seine Frau beschrieben? Eigentlich ganz normal. Sie wäre ein bisschen verschlossen, sage ich jetzt mal. Er hat auch psychische Instabilitäten erwähnt, aber nicht wesentlich. Also das war für uns jetzt kein Alarmzeichen. Es gibt ja Leute, die psychisch sehr instabil sind, wo man dann auch entsprechende Suchen machen muss.

Dann hat er uns von einer möglichen, möglichen Morbus-Krohn-Erkrankung berichtet. Aber das waren alles Dinge, die auch von den Eltern weder bestätigt worden waren, noch irgendwo jetzt durch ein Krankheitsbild oder durch eine schriftliche Krankheitslage irgendwo verifiziert werden konnten. Wir haben ja auch gerade schon darüber gesprochen, Nadine Martin hatte ihr Handy offenbar im Haus zurückgelassen. Ich nehme jetzt mal an, dass sie das Handy natürlich auch zu Beginn der Ermittlungen sich angeschaut haben. Was kam dabei raus? Ja, richtig. Die Kollegen haben sich dann bei der Befragung das Handy und das Laptop der Vermissten vom Ehemann ans Handy gelassen, um einfach möglicherweise weitere Hinweise auf ihren Aufenthaltsort zu erlangen und in welcher Form es dort noch Kommunikation oder solche Ähnliches gab.

Wir haben die Gegenstände ja freiwillig überlassen bekommen und haben die dann zunächst einmal ausgewertet. Ja, und was dann auf den Datenträgern gefunden wurde, dazu kommen wir auch gleich. Zunächst aber die Frage, sicher haben Sie ja in der Zwischenzeit Maßnahmen ergriffen, um die Frau zu suchen. Welche waren das? Genau, wir haben dann diese üblichen Maßnahmen, die aufgrund der Räumlichkeit auch zu erfassen sind oder zu durchzuführen sind, gemacht. Wir haben abgesucht, dass nähere Umgebung mit sehr vielen Manpower nenne ich es jetzt einfach mal, um einfach auszuschließen, dass die Frau sich vielleicht wirklich beim Spazierengehen verletzt hat und in einer hilflosen Lage gewesen ist. Das war alles negativ, da sind wir nicht weit gekommen. Ja, nun muss man auch sagen, zwar wurden Sie in dieser frühen Phase der Ermittlungen nicht fündig bei der Fahndung nach Nadine Martin, bei der Auswertung Ihres Laptops, die parallel dazu in den ersten Stunden nach der vermissten Anzeige lief, allerdings schon. Und das, was Sie da an Informationen fanden, lenkte die Ermittlungen dann in eine völlig neue Richtung. In welche? Ja, da muss man zu sagen, wie Sie am Anfang schon erwähnten, Erfolg in einem solchen Bereich ist immer auch eine Frage des vorhandenen Fachpersonals.

Und wir hatten dort einen wirklich begnadeten Mitarbeiter in der technischen Forensik, in der IT-Auswertung. Der hat sich das Laptop angeschaut und hat dann festgestellt, dass dort eine Mail geschrieben worden war, beziehungsweise respektive von dem Laptop abgeschickt worden war, die die Vermisste angeblich an ihren Ehemann geschrieben haben sollte. Und das war so im Prinzip das letzte Lebenszeichen, was man dort generieren konnte.

Aber was auffällig war, war, dass diese Mail bzw. Das Standort dieses Laptops nicht im WLAN des Hauses gewesen ist, als die Mail geschrieben worden war, sondern das Laptop war in einem Hotel in Paris in das dortige WLAN eingebucht gewesen. Das klingt ja wie eine wirklich unglaubliche Wendung. Also der Ehemann wollte sich mit seiner Reise nach Paris beobachten.

Scheinbar anscheinend ein Alibi besorgen. Denn hätte sich Nadine Martin selbst noch am Dienstag, den 18. Februar 2014, per Mail gemeldet, hätte sie nach seiner Abreise ja noch am Leben gewesen sein müssen. Und ich nehme jetzt an, dieser Fund rückte dann die Aussagen des Ehemannes natürlich erst mal ein völlig neues Licht, oder? Das ist richtig. Natürlich legt es nahe dran, zu denken, dass nicht Nadine selber die Mail geschrieben hat, sondern den Ehemann, da fragt man sich dann, warum. Ich gehe noch mal kurz auf das Wort Alibi zurück. Der Ehemann hatte eine Geschäftsreise vorgehabt, die war also gebucht sozusagen und war auch mit Kontakten dort schon vorgeplant gewesen. In der Frage ging es jetzt einfach darum, zu dem Zeitpunkt, ich sage mal, letztes Lebenszeichen von der Nadine zu verifizieren, was damit dann vielleicht hätte generiert werden sollen. Wir haben zwischenzeitlich auch uns natürlich ein paar andere Dinge angeschaut und konnten auch sehen, da gibt es bestimmte Programme dafür, dass man Spuren vom Laptop löschen wollte. Die sind erstmal nicht sichtbar, aber bei einer tiefen Genforensik konnte man dann bestimmte Spuren finden. Auch diese Löschbefehle sozusagen, was natürlich dann auffällig ist. Warum soll jemand was löschen, wenn er sein Laptop noch benutzt? Natürlich haben wir alle anderen weiteren Maßnahmen zur Fahndung vorangetrieben.

Kontoauswertung, hat die Frau vielleicht irgendwo nochmal bezahlt mit der EC-Karte, mit ihrer Kreditkarte oder solche Dinge. Man muss nur wissen, da gibt es bestimmte rechtliche Voraussetzungen. Und gerade Banken oder Kreditinstitute verlangen da schon ein etwas höheres Einstiegsniveau. Das ist beim Strafrecht etwas anders. Was wir natürlich gemacht haben, habe ich auch schon mal erwähnt. Wir haben immer noch weiter Kontakt zu den Eltern gehabt, wir haben Kontakt zu den Zeugen gehabt, aber die Anskünfte waren immer die gleichen. Sehr zurückgezogen gelebt und keiner hat da eigentlich ins Innere hineingeschaut. Also nichts Auffälliges. Was genau Sie über das Ehepaar Martin herausgefunden haben, dazu kommen wir jetzt.

François und Nadine Martin lernen sich im Jahr 2003 online auf einer Dating-Plattform kennen. Beide sind zu der Zeit 27 Jahre alt. Er kommt ursprünglich aus Frankreich, ist in einfachen Verhältnissen aufgewachsen und arbeitet als Restaurantleiter. Sie ist Teil des Bodenpersonals einer großen deutschen Fluglinie in Frankfurt. Schnell kommen sich die beiden näher, ziehen nach wenigen Monaten zusammen. Was sie verbindet, ist ihre Leidenschaft für schöne Dinge. Beide lieben Materielles und legen Wert auf ein Leben im Luxus. Und schon bald sieht es so aus, als könnten sie sich diesen gemeinsamen Traum von einem Leben in Wohlstand auch erfüllen. 2006 heiratet das Paar. François Martin macht Karriere, gründet später eine eigene Firma, die mit Spam-Mail-Adressen handelt und kommt so zu beträchtlichem Vermögen. Mit dem Geld will sich das Ehepaar sein Traumhaus finanzieren. Rückblickend muss man wohl sagen, es ist der Beginn einer sich immer schneller drehenden Abwärtsspirale.

2008 kauft das Ehepaar ein 2000 Quadratmeter großes Grundstück in dem kleinen Örtchen nahe Wiesbaden. Darauf lässt es für mehr als eine Million Euro eine großzügige Villa errichten. Modern, technisch auf dem neuesten Stand und nur mit den besten Materialien gebaut. Alles soll perfekt sein. Die makellose Basis für eine glückliche Zukunft. Doch schon bald entwickelt sich das Haus zur Belastung für François und Nadine Martin. Die Eheleute sind nicht zufrieden mit der Qualität des Baus. Kein Handwerker, kein Lieferant, kein Ausstatter kann ihren hohen Ansprüchen gerecht werden. Vor allem Nadine Martin stürzt sich nun immer tiefer in die Gestaltung ihres Zuhauses.

2013 kündigt sie schließlich ihren Job, um sich vollständig auf die Einrichtung und Dekoration zu konzentrieren, während ihr Mann nun allein für das Einkommen des Paares verantwortlich ist. Doch die Hausgestaltung nimmt kein Ende und entwickelt sich zusehends zur Obsession. Jedes Detail im Haus ist handverlesen. Täglich beschäftigt sich Nadine Martin mit Stickereien an Kissen und Polstermöbeln mit Bad- und Gartengestaltung. Nie ist sie zufrieden. Eine Gartenplanerin, die über mehrere Jahre für das Paar tätig ist, kommt beinahe täglich auf das Anwesen, um die genauen Vorstellungen der Martins von einem formschönen Garten zu erfüllen. Doch, so wird sie es später beschreiben, das Maß an Perfektion, das den Eheleuten vorschwebt, ist praktisch nicht erreichbar. Einmal pflanzt die Gärtnerin auf Nadine Martins Wunsch hin eine Reihe von Zierkirschen. Sie stehen zum Zeitpunkt der Pflanzung in voller Blüte. Doch einige Tage später erhält sie von Nadine Martin einen aufgebrachten Anruf. Der Anblick der verwelkenden Blüten und herabfallenden Blätter sei für sie unerträglich. Den ganzen Tag müsse sie die Rollläden geschlossen halten, um angesichts der verblühenden Bäume nicht in Depressionen zu stürzen. Das Projekt Haus setzt Nadine Martin offenbar psychisch immer stärker zu. Freunde trifft das Paar kaum noch. Keiner der Nachbarn kennt die Eheleute. In der Gemeinde weiß man nichts über sie. Nach außen hin wirkt ihr Leben makellos.

Auch Nadine Martins Eltern erleben das Paar als glücklich. Den Schwiegersohn zwar als ernst und verschlossen, aber liebevoll. Kaum jemand aus dem Umfeld der beiden scheint zu merken, dass sich das lang ersehnte Haus längst zu einem goldenen Käfig für Nadine Martin entwickelt hat.

Herr Lange, Sie bzw. Ihre Kolleginnen und Kollegen haben ja in den ersten Tagen nach der Vermissten-Meldung von Nadine Martin auch mit den Eltern gesprochen. Wie haben Sie denn auf das Verschwinden Ihrer Tochter reagiert? Die Eltern der Vermissten-Dame waren erstmal mit der Situation völlig überfordert. Das sind sehr feine, intelligente, lebensverfahrene Menschen, die einen ganz klaren Lebensweg gehabt haben. Und unter anderem war da auch die Tochter natürlich erheblicher Bestandteil, weil sie war ihr einziges Kind. Und deswegen waren die Sorgen und Ängste um die vermisste Frau natürlich riesengroß und wuchsen auch ständig noch. Inzwischen hatten Sie ja auch den Verdacht, dass der Mann von Nadine Martin etwas mit ihrem Verschwinden zu tun haben könnte. Die Eltern, das haben wir eben gehört, hatten aber nicht den Eindruck, dass es in der Ehe ihrer Tochter Probleme geben könnte? Im Gegenteil. Wir haben von den Eltern nur Positives von der Ehe berichtet bekommen. Gerade am Sonntag vor dem Verschwinden von Nadine war das Paar noch bei den Eltern zu Besuch gewesen, haben, bevor sie gegangen sind, im Wohnzimmer gekuschelt, Händchen gehalten und sind sehr liebevoll miteinander umgegangen.

Der Schwiegersohn hatte sich dann auch für ein paar Tage später, nach der Vermisstenanzeigenerstattung, mit den Eltern getroffen und hat den Trauern gegeben. Gemeinsam hat man geweint und hat getrauert und war in großer Sorge. Rückblickend war das natürlich auch nur ein Teil des Schwiegers Schauspiel des ersten Ranges, dass er dort abgelassen hat. Aber wir wurden alle getäuscht, die Eltern wurden getäuscht und das war auch sein Ziel gewesen. Dazu kommen wir gleich noch näher. Zunächst aber muss man ja sagen, die Eltern haben Ihnen im Gespräch noch einen entscheidenden Hinweis gegeben. Welcher war das? Dieser Hinweis kam leider nicht direkt bei der Anzeigenerstattung, sondern Sie haben im Gespräch mit meinen vermissten Sachbearbeitern uns erzählt, dass das Ehepaar im Haus eigentlich eine sehr aufwendige Videoüberwachungsanlage installiert hatte, auch technisch gesehen vom Allerfeinsten.

Und natürlich haben wir uns dann diese Anlage mal angeschaut, was da wohl drauf sein konnte. Der Ehemann auf Befragen sagte uns ja, das könnten wir uns eigentlich sparen, die wäre seit längerem schon kaputt. Aber wir haben sie dann trotzdem abgebaut und haben sie dann unserem Techniker zur Verfügung gestellt zur Auswertung. Und der hat relativ schnell festgestellt, dass die Anlage manipuliert worden war. Und die Manipulation, und das war dann auch wieder so ein Punkt, wo man sich Gedanken macht, war kurz nach dem Zeitpunkt erfolgt, als zum ersten Mal Polizei, also die Schutzpolizeikollegen, am Haus gewesen sind. Danach war die Anlage dann manipuliert worden. Also was meinen Sie jetzt mit manipuliert? Können Sie das weiter ausführen? Ja, ich will jetzt nicht zu technisch werden, aber die Anlage bestand aus mehreren Speichermedien, das nennt man also diese Festplatten. Die waren in einer gewissen Reihenfolge müssen, die in so einen Käfig gesteckt werden. und das Programm managt dann diese Festplatten. Und diese Reihenfolge war einfach verändert worden. Das heißt also, da waren Festplatten rausgenommen worden und sind an der falschen Position wieder reingesteckt gewesen. Das hatte dann zur Folge, dass die Aufnahmen selber, die technischen Aufnahmen eigentlich noch auf den Festplatten im Einzelnen vorhanden waren, aber völlig durcheinander geraten waren.

Und man muss wissen, dass Filme in diesem Bereich nicht aus einem durchgehenden Film, sondern aus einzelnen Bildern bestehen. Und diese einzelnen Bilder waren auf jeden Fall noch drauf, also auf der Festplatte als technische Datei, aber natürlich zu einem anderen Zeitpunkt. Und man kann es am besten beschreiben, wenn man das so sieht. Die Anlage war mal ein Buch gewesen, dort sind alle Seiten rausgerissen worden, auch die Inhaltsangabe. Und alle Seiten sind praktisch gemischt worden und danach wieder in ein Buch gebunden worden, nur ohne Inhaltsangabe. Und der Inhalt ist da, aber chaotisch und unsortiert. Nur, dass Sie es, also bildlich gesprochen, wahrscheinlich nicht mit einem Buch von ein paar hundert Seiten zu tun hatten, sondern eher mit mehreren hunderttausend. Wie viele waren es denn? Das ist richtig. Also insgesamt konnten wir feststellen, dass circa 1,1 bis 1,2 Millionen Dateien, also Bilder, Dateien vorhanden waren. Und man konnte auch jedes Bild einzeln aufrufen und man konnte erkennen, dass jedes Bild einen Zeitstempel mit Datum und Uhrzeit praktisch eingeprägt bekommen hatte. und man konnte händisch natürlich die Bilder sich anschauen, aber die Reihenfolge war dann immer wieder durcheinander.

Für uns war jetzt klar, wir müssen das Bild finden oder die Bilder finden, wo man die Frau zuletzt lebend am Haus, im Haus gesehen hat. Und dafür haben Sie sich dann jedes Bild einzeln angeschaut? So haben wir angefangen. Uns blieb nichts anderes übrig. Wir haben uns dann, ich sag mal, organisiert in der Form, dass wir uns in Schichten eingeteilt haben. Haben uns vorher mehrere PCs gesetzt und haben dann im Einzelnen uns Bilder angeschaut. Und nach dem ersten Wochenende, wir haben angefangen praktisch am Freitag, haben wir dann so circa 20.000 Bilder aufgerufen, angeschaut, ich sag mal katalogisiert und dann das nächste uns angeschaut. Also eine richtige Sisyphus-Arbeit. Wäre es eigentlich geworden. Das war auch unser erster Ansatz, dass wir hätten weitermachen müssen. Aber ich habe ja vorhin schon einen sehr, sehr guten Mitarbeiter der Technik Forensik erwähnt. Der hatte sich so praktisch übers Wochenende mal hingesetzt hinter verschlossenen Türen und hat dort eine technische Meisterleistung vollbracht, das muss man heute noch sagen. Der hat auch so ein Programm geschrieben, dass jedes Bild sich automatisch aufruft, anschaut, so nenne ich es jetzt einfach mal, analysiert und dann diesen Zeitstempel raussortiert.

Und zusätzlich dazu schrieb er ein zweites Programm, ein Ausleseprogramm, dass diese Bilder dann in eine gewisse Kategorie, Reihenfolge sortieren konnte. Und so hatten wir dann, ich sag mal am Ende des Wochenends, respektive am Montag dann, die Aufnahmen in der Form vorliegen, mit den zeitlichen Stempeln, die uns natürlich interessiert haben. Und da haben wir auch das letzte Bild von der vermissten Nadine Martin identifizieren können. Von wann stammte dieses Bild? Dieses Bild war vom Abend des 16. Februars 2014, so gegen 21 Uhr kann man das sagen, je nach Zeitstempel. Und dort konnte man daran erkennen, wie Nadine Martin das Haus verließ, zum Mülleimer am Rand des Geländes lief und den Müll rausbrachte. Dann hat sie das Haus wieder betreten, da konnte man wirklich noch ein Bild von ihr sehen und danach wurde sie lebend nie mehr gesehen. Was bedeutete das für Sie? Welchen Schluss haben Sie daraus gezogen? Da konnten wir konkret zum ersten Mal den Schluss ziehen, dass im Haus etwas passiert sein musste mit der vermissten Person. Dass sie entweder... Ich sag mal, noch dort wäre im Haus oder aber, dass sie auf eine Art und Weise, die die Kameras nicht erfassen konnten, aus dem Haus gebracht worden wäre.

Und jetzt war auch klar, am Sonntagabend, als man Nadine Martin zum letzten Mal gesehen hat, war der Ehemann zu Hause. Anders als er behauptet hat, ist er also auch erst zwei Tage später am Dienstag nach Paris gefahren. Er hatte zunächst angegeben, auch Montag gefahren zu sein. Aber auch jetzt sah man auf Kamerabildern, dass er am Montag, also am Tag, an dem er eigentlich schon wechseln wollte, mit dem Auto der Frau, nicht mit seinem eigenen, am Nachmittag das Grundstück kurz verlassen hat, wiedergekehrt ist und danach erst in der Nacht auf Dienstag mit seinem eigenen Auto endgültig in Richtung Paris weggefahren ist. Sie haben ja noch eine auffällige Beobachtung bei der Sichtung der Kamerabilder gemacht. Auf den Bildern der Nacht von Sonntag auf Montag, also kurz nachdem man Nadine Martin zuletzt gesehen hat, war auf der Gartenseite des Hauses immer wieder ein fahler Lichtschein zu erkennen. Was hatte es denn damit auf sich? Ja, das muss ich vielleicht mal erklären. Die Anlage bestand eigentlich aus drei Perspektiven. Einmal vorne raus, einmal zur länglichen Seite und einmal nach hinten raus. Und das Licht, was Sie eben angesprochen hatten, das war auf der Gartenseite zu erkennen.

Und anders als auf anderen Bildern, die wir uns einfach als Vergleiche uns gesucht hatten zu bestimmten Zeiten, ist dort die ganze Nacht von 23 Uhr bis morgens ist da Licht angegangen, Licht ausgegangen. Darauf hat die kamera reagiert und hat das auch aufgezeichnet und das war schon sehr außergewöhnlich weil wie gesagt ich habe die vorher schon erwähnt wir hatten andere bilder uns angeschaut von anderen tagen von anderen monaten und sonst was und da war wirklich um 21 20 in dem haus Kein Licht mehr. Also da war wirklich Schluss. Und das war sehr auffällig für uns, um festzustellen, dass auf einmal solche unerklärlichen Bewegungen stattgefunden haben. Ja, und der Gedanke lag nahe, dass diese Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Nadine Martin standen.

Spätestens jetzt, kann man wohl sagen, war für sie als Ermittler klar, dass sie es mit einer Straftat möglicherweise sogar mit der Tötung von Nadine Martin zu tun hatten. Der Hauptverdächtige? Ihr Ehemann François Martin. In der Folge haben sie, Herr Lange, entschieden, François Martin rund zwei Wochen nach dem Verschwinden seiner Frau als Beschuldigten zu vernehmen. Doch was sie bei der Ankunft am Anwesen des Ehepaars Martin vorfanden, dazu kommen wir jetzt.

Es ist der 27. Februar 2014. Anderthalb Wochen sind seit Nadine Martins Verschwinden vergangen. Die Ermittler um Stefan Lange wollen François Martin am frühen Morgen zur Rede stellen. Sie haben einen richterlichen Beschluss dabei, um sich im Haus umzusehen und weitere Datenträger zu sichern. Aber auf das Klingeln der Beamten reagiert Martin nicht. Als sie schließlich mit einem Zweitschlüssel der Schwiegereltern die Villa betreten, finden sie François Martin im Badezimmer. Mit Schnitten an Armen und Knöcheln liegt er in der mit Wasser gefüllten Badewanne. Auf dem Rand der Wanne liegt neben einem Teppichmesser der Ehering des Mannes und der seiner Frau. François Martin ist bei Bewusstsein, als die Beamten ihn finden. Er sagt, er habe ohne seine Frau nicht mehr leben wollen und auch, dass er bereits auf anderem Wege versucht habe, sich zu suizidieren. Die Beamten bringen Martin sofort ins Krankenhaus. Dort zeigt sich schnell, die Schnitte sind nur oberflächlich. Martin hat keine nennenswerten Verletzungen. Eine Nacht lang wird er zur Beobachtung in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Am nächsten Morgen wird er vorläufig festgenommen und aufs Polizeipräsidium gebracht, um ihn wegen des Vorwurfs des Totschlags an seiner Ehefrau als Beschuldigten zu vernehmen.

Herr Lange, wie hat der Suizidversuch von François Martin auf Sie gewirkt? Wie die Verzweiflungstat eines trauernden Ehemanns oder eher wie ein Schuldeingeständnis? Ich mag ein bisschen ausholen bei der Antwort. Für einen Laien sind solche Suizidversuche, auch wenn sie so dramatisch dargestellt waren wie in dem Fall, möglicherweise ernst zu nehmen. Aber für mich war das einfach eine Fortsetzung seiner Schauspielinszenierung, die er da abgeliefert hat. Die Verletzungen, die er sich da selbst zugefügt hatte, die waren absolut nicht nennenswert. Und er hatte dann ja nicht nur behauptet, sich in der Badewanne durch beibringende Schnittverletzungen versucht haben umzubringen, sondern er wollte sich vorher mit einem Abgasschlauch in seinem Auto das Leben nehmen. Das ist allerdings heutzutage in einem modernen Auto mit Katalysator eher schwierig. Vor allen Dingen, wenn man das Auto der Frau nimmt, das so ein Cabrio war.

Außerdem wollte er noch Tabletten eingenommen haben, aber da konnten wir im Krankenhaus keine entsprechenden Labor weiter nachweisen, sodass das im Prinzip für uns sehr unglaubwürdig war. Der Mann wurde ja dann als Beschuldigter vernommen. Waren Sie da dabei? Ja, man muss ausführen, wir haben, ich hatte das damals eingeführt, einen sogenannten Video-Vernehmungsraum, sodass die Leute dann über Videokamera aufgenommen worden sind, auch akustisch und das Video ist im Nachbarraum übertragen worden, sodass dann auch Leute immer sich das angeschaut und angehört haben, um sich einfach eine Meinung zu bilden. Und so habe ich meine Sachbearbeiter, den Mann vernehmen lassen und ich habe mir das dann im Nachbarraum angehört. Das hat im Prinzip, hat man dann schon mal einen guten Eindruck von der Person und auch von dem Verlauf der Vernehmung.

Und wie hat der Mann dann auf Sie gewirkt und was hat er gesagt? Also man merkte, dass der Mann angespannt war, was man natürlich aus der Situation erklären kann. Zumindest ist er ja auch als Beschuldigter belehrt worden und hat dann zum ersten Mal diesen Status dann gehabt. Nach einer gewissen, ja, ich sag mal, Findungsphase hat er uns dann eine völlig andere Geschichte erzählt. Er beschrieb seine Frau als labil, psychisch belastet, schilderte Beziehungsprobleme und Diskussionen um Kinderwunsch, die sie da geführt haben wollen. Und der einzige Lebensinhalt seiner Frau sei zuletzt dieses Dekorieren dieses Hauses gewesen, dem er einen Riegel vorschieben musste, damit er es nicht ausartet und ihr damit praktisch den einzigen Lebensinhalt dann auch genommen hat. Er sagte, dass er am Sonntagabend mit seiner Frau von den Schwiegereltern dann von dem Besuch zurückgekehrt war und zu Hause hätte sie eine Panikattacke bekommen. Man habe dann beschlossen, was man schon öfters gemacht hat, in der Nacht zusammen zur Burg Kras zu fahren. Das ist ein Ausflugsort am Rhein, direkt am Wasser, um dort spazieren zu gehen. Dort an dieser Burg, krass, das ist ein Bauwerk, gibt es auch einen Anleger, wo die Einstiegsstelle für Ruderer sind, aber auch solche Anlegestellen für diese Ausflugsschiffe.

Und auf einem solchen Anleger haben sie gestanden, beide. Er hatte so auf der linken Seite des Anlegers gestanden, in Richtung Mainz geschaut und sie wäre auf die rechte Seite gegangen. Das ist dann praktisch reinab. Und auf einmal hätte es ein platschendes Geräusch gegeben. Es hätten Schuhe und Jacke von ihr auf dem Anleger gelegen und sie seien ins Wasser gesprungen, wohl in suizidaler Absicht. Er als Nichtschwimmer war dann damit völlig überfordert, konnte nicht helfen. Und habe auch kein Handy dabei gehabt, sodass er auch keine Hilfe rufen konnte.

Also hat er die Schuhe und die Jacke eingepackt, sei wieder nach Hause gefahren und die Kleidung hat er dann später in einem Abfallcontainer in einem Kaufhaus entsorgen wollen und dort haben wir sie dann später auch gefunden. Ja, also ich weiß nicht, wie es dir geht, Rudi, aber ich finde das an der Stelle wirklich schwer zu glauben. Also klar, zugegeben, wir erleben es in dem Podcast immer wieder, dass Menschen sich in Extremsituationen nicht so verhalten, wie man es vielleicht erwarten würde. Aber dass ein liebender Ehemann seiner Frau dabei zusieht, wie sie mit dem Ziel, sich das Leben zu nehmen, in einen Fluss springt und dann ohne Hilfe zu rufen, einfach nach Hause fährt, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Das geht mir ganz genauso. Und auch, dass der Mann als erstes, nachdem er gerade den angeblichen Suizid seiner Frau mit ansehen musste, deren Kleidung an verschiedenen Orten entsorgt.

Aus meiner Sicht eher unglaubhaft, oder? Ja, das ist mehr als unglaubhaft. Diese Erzählung war für uns wirklich absolut unglaubhaft. Und wir haben ja dann zwischenzeitlich ja noch diese wiederhergestellten Überwachungsvideos gesehen. Das hat überhaupt nicht damit korrespondiert, was er da erzählt hat. Man sah, dass in der Nacht vom Sonntag auf Montag, also nach der Rückkehr von den Eltern, überhaupt kein Auto, das vom Grundstück weggefahren ist. Das passte alles überhaupt nicht zu den Erzählungen eines nächtlichen Ausflugs an den Rhein. Und wir haben dann einen Antrag gestellt aufgrund dessen auf Untersuchungshaft und haben ihn als Beschuldigten zumindest eine Tötungshandlung dann eingetragen und der Haftrichter des AG Wiesbaden ist unseren Argumenten bis dahin natürlich auch gefolgt und hat einen hinreichenden Tatverdacht gegen den Ehemann gesehen und hat den Untersuchungshaft erlassen. Das gab Ihnen ja auch dann die Möglichkeit, die Ermittlungen zu intensivieren und nochmal voranzutreiben. Unter anderem haben Sie den Rhein von Tauchern absuchen lassen, weil natürlich bestand trotz aller Zweifel an der Geschichte des Mannes die Möglichkeit, den Leichnam von Nadine Martin dort zu finden. Das ist richtig. Aus zwei Gründen mussten wir das einfach mal machen. Erstens, man hatte ja immer noch die Möglichkeit, dass außerhalb der Überwachungsanlage immer noch die Leiche vielleicht doch im Rhein entsorgt worden ist, auch möglicherweise an dieser Stelle.

Leider Gottes war uns aber aufgrund des Wasserstandes und des Strömungsverhältnisses zu dieser Jahreszeit nicht möglich, dort direkt Taure einzusetzen, weil das war zu gefährlich für diese Menschen. Und wir haben das zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt, ich glaube im April oder sowas, haben dann aber keine Leiche gefunden, sondern nur Gegenstände, die überhaupt nichts mit so einer Tat zu tun haben. Also ich glaube, an der Stelle können wir festhalten, sie ging mittlerweile von einem Tötungsdelikt aus. Die Leiche blieb aber verschwunden. Für die Ermittlungen ist das eine schwierige Ausgangslage, nicht? Ja, das macht das in der Tat mehr als schwierig, weil man hat ja die Leiche überhaupt nicht als Spurenträger. Und eine Leiche hat immense Bedeutung als Spurenträger, insbesondere dann nicht nur in kriminalistischer Hinsicht, sondern auch in juristischer. Und wenn ich diese Spuren über die Tat an der Leiche selber nicht finden kann, dann habe ich Probleme zu erklären, wie fand möglicherweise eine Tötung statt, von wo erfolgte der Angriff gegen den Menschen von vorne oder von hinten. Das ist dann auch wieder eine juristische Betrachtung hinsichtlich, dass man damit nicht rechnet, dass es ein hinterrückser Angriff war oder solche Dinge, die natürlich in der juristischen Betrachtung eine Bedeutung spielen, gerade in der Betrachtung nach Mord oder Totschlag.

Denn der Mord zum Beispiel als Mordmerkmal, die Heimtücke, das ist eigentlich ein Beispiel für so ein hinterrückser Angriff von hinten gegen den Hals eines Opfers oder die Ausnutzung von Arg- und Wehrlosigkeit. Und das hat man natürlich nicht, wenn man keine Leiche hat. Deswegen sind die Beweislagen ohne Leichnam dann sehr schwierig in der Beziehung. Und es ist dann natürlich umso wichtiger, andere Beweismittel oder andere Indizien zu finden, um durch akribische Ermittlungsarbeit dann eine dichte und kaum zu lösende Indizienkette zu bilden. Also erstmal um die Tötung zu beweisen und dann auch entsprechend zu verurteilen zu kommen. Ich nehme mal an, das war nun Ihr oberstes Ziel, die Tötungsumstände eben offenlegen. So ist es. Wir haben uns ja gedacht, dass wir durch diese ständigen, ich nenne es jetzt An- und Ausschalten des Lichtes im Keller, dass dort etwas passiert sein muss. Wir hatten das ganz billig einfach Lichtspiele genannt, die wir sonst nie gesehen hatten. Also wir wussten, dass da jemand im Keller so... Agiert hat, intensiv agiert hat, anders als wenn er sich einfach nur ein Getränk holt und wieder hochgeht oder sowas. Und haben natürlich dann auch in diesen Räumlichkeiten und im Keller, die ausgestattet waren wie eine perfekte Wohnküche, kann man sagen.

Also das heißt gefließt und all diese Dinge, haben da intensivst, insbesondere nach Spuren im Bereich des Blutes oder Gewebes oder sowas gesucht. Und das wären dann Spuren eines Gewaltverbrechens gewesen und hätten uns dann da weitergeholfen. Aber wir haben nichts gefunden. Es war wirklich alles, was auch sonst schon so war. Alles sehr reinlich und es war klinisch rein.

Später hat sich dann für uns auch erklärt, warum das so reinlich war, warum wir nichts gefunden haben. Dazu kommen wir dann gleich auch noch. Aber eine Blutspur haben Sie ja dann... Doch noch gefunden. Können Sie uns die Umstände dazu schildern? Ja, wir haben dann natürlich nicht nur das Haus untersucht, sondern wenn man eine Leiche im Haus hat, will man die auch transportieren und dann benutzt man möglichst dann das Fahrzeug dafür. Das war ein Fahrzeug, der vermissten nicht möglich ist. Das war ein kleines Cabriolet, aber der Beschuldigte hatte dann ein großes Fahrzeug. Und dort haben wir im Kofferraum, hatten wir an einer Kunststoffverkleidung eine einzige Blutspur gefunden. Die konnten wir durch dann die kriminaltechnische Analyse durchs Landeskriminalamt analysieren und konnten feststellen, es war nicht nur Blut eines Menschen, sondern es war das Blut der vermissten Nadine Martin. Ja und auch die Auswertung der Geräte, also Handy, Laptop des Angeklagten und der Kontobewegungen des Paares, die haben ja weitere belastende Indizien gebracht. Sie haben unter anderem festgestellt, dass der Mann, anders als das perfekte Bild der Ehe vermuten ließ, über Dating-Plattformen Kontakt zu anderen Frauen suchte und auch mehrmals Prostituierte aufgesucht hat. Unter anderem, als er in Paris war. Das ist richtig.

François Martin hatte versucht, auch die Daten zu löschen, so wie er es auch versucht hat, am Laptop der Dame zu machen. Allerdings hatten wir einen Zugriff auf diese Daten, auf seinem Gerät selber nicht. aber wir konnten auf Sicherungskopien im Server, auf dem auch die Videoüberwachungsanlage gelaufen ist, konnten wir Daten wiederherstellen. Und da haben wir dann gesehen, dass er für die kommenden Tage mehrere Verabredungen hatte, einmal mit einer Dame aus Berlin, einmal mit einer Dame aus Hannover und auch, ich sag mal, eindeutige, explizite Nachrichten ausgetauscht hatte. Und all das in dem Lichte, während er dann den Eltern von Nadine noch den trauernden Ehrmann vorgespielt hat. Also das waren alles solche kleinen Indizien, die sich jetzt immer mehr zusammengefügt haben.

Dann haben wir festgestellt, das dauert leider Gottes immer durch die Bearbeitungszeiten der Kreditinstitute. Die Kontobewegung bei beiden haben wir uns angeschaut und da haben wir festgestellt, dass er selber am Montag auf der Bank war und hat, also am Tag nach dem Verschwinden seiner Frau, oder er hatte für uns mutmaßliche Tötung und hat dort ganz frech Geld von seiner Frau auf seins transferiert. Das war ein erheblicher Betrag und hat sich auch nochmal 1000 Euro von ihrem Konto in Bar abgehoben. Letztendlich hat er mit diesem Geld, genau mit diesem Geld, danach sogar die erste Nacht der Prostituierte in Paris dann bezahlt. Unglaublich. Hatten Sie die Eltern von Nadine Martin denn inzwischen über ihren Verdacht informiert? Ja, das haben wir natürlich gemacht. Und für die ist in dem Moment einfach die Welt zusammengebrochen. Denn ihre Tochter war ja ein und alles. Und auch ihrem Schwiegersohn hatten sie völlig vertraut. Ja, wirklich unvorstellbar, was das für die Eltern von Nadine Martin bedeutet haben muss. Umso tragischer, was nun nach dem vermeintlichen Abschluss der Ermittlungen geschehen sollte.

Mit großem Aufwand sammeln die Ermittlerinnen und Ermittler Indizien, die die Wahrheit über das Verschwinden von Nadine Martin ans Licht bringen sollen. Die Kripo ist überzeugt, dass François Martin ein neues Leben ohne seine Frau beginnen wollte und sie deshalb getötet und ihren Leichnam auf dem Weg nach Paris entsorgt hat. Im Sommer 2014 übergeben die Ermittler ihre gesammelten Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft Wiesbaden.

Die erhebt Anklage gegen Martin. Doch dann weist das Landgericht Wiesbaden die Anklage überraschend ab. Laut den Richtern reichen die gesammelten Indizien nicht aus. Sie halten es nicht für wahrscheinlich, dass es auf ihrer Basis zu einer Verurteilung kommen wird und lehnen die Eröffnung des Verfahrens ab. Ein Tiefschlag für die Ermittler um Stefan Lange. Und eine Katastrophe für die Eltern Nadine Martins, die das Verfahren als Nebenkläger antreten wollten. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Nadine Martins Eltern legen Beschwerde gegen die Entscheidung ein. Zwar prüft die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main darauf hin, ob die bisherigen Indizien nicht doch die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung zulassen könnten. Doch bei einer Klageabweisung ist der Haftbefehl gegen den Beschuldigten sofort aufzuheben. So geschieht es auch hier. Martin wird aus der Untersuchungshaft entlassen und setzt sich kurz darauf nach Belgien ab. In Brüssel, erfahren die Ermittler, mietet er sich ein Loft für mehrere tausend Euro im Monat. Und sie bekommen mit, dass der Millionär aus der Ferne das gemeinsame Haus und alle persönlichen Gegenstände seiner Frau verkauft.

Herr Lange, Sie und Ihr Team hatten monatelang intensiv ermittelt, zahlreiche Indizien zusammengetragen, Und nun war die Klage abgewiesen worden und der Mann, von dem sie sicher waren, dass er Nadine Martin getötet hatte, hat sich abgesetzt. Wie haben Sie jetzt da diese Neuigkeiten aufgenommen? Ja, für mich war das, ich war auf dem Rückweg vom Urlaub, als ich das erfahren habe, war das natürlich absolut frustrierend. Wir hatten uns damals den Eltern, die so verzweifelt waren, hatten uns das Versprechen abbringen lassen, dass wir die Ermittlungen so fortführen können, dass es zu einer Verurteilung reichen würde. Und allein um diese völlige Verzweiflung der Eltern einfach abzumildern. Und für mich war das einfach klar, dass wir dort dieses Versprechen auch weiterhin umsetzen. Also aufgeben war da gar keine Option.

Vor allen Dingen, weil wir auch eigentlich überzeugt waren, dass wir hinreichende Argumente hatten, dass der Mann für das spurlose Verschwinden seiner Frau verantwortlich war und auch zur Verantwortung gezogen hätte werden können. Kam die Abweisung der Klage deshalb auch für Sie überraschend? Ja, auf jeden Fall. Aus meiner Sicht hätte es für die Anklage reichen müssen. Wir hatten eine dichte Indizienkette aufgebaut und die auch entsprechend formuliert.

Sowas muss natürlich durch die Staatsanwaltschaft dann in einer Anklageschrift auch entsprechend dargestellt werden. Und diese Erkenntnisse müssen juristisch sinnvoll gewertet werden, damit das Gericht sieht, ein Glied greift ins nächste und wir erreichen dadurch eine lückenlose Beweisführung. Und das ist der Staatsanwaltschaft leider nicht gelungen im ersten Zug. Da stelle ich mir extrem frustrierend vor. Wie haben Sie reagiert nach dem Motto jetzt erst recht? Ja, das mag jetzt pathetisch klingen, aber ich habe ja mal am Anfang meiner Arbeit eine Dienstzeit abgeleistet und ich war immer ein überzeugter Polizist und ich hasse nichts mehr als Ungerechtigkeiten. Und eine Ungerechtigkeit geht für mich da auch los, wo jemand im Laden etwas jemand anderen klaut. Das gehört sich einfach nicht, aber die unterste Stufe im kriminalistischen und natürlich auch im juristischen Bereich ist natürlich die Tötung eines unschuldigen Menschen. Und da sollte es eigentlich nichts geben, was jemand daran hindert, insbesondere Ermittlungsbehörden, dieser Ungerechtigkeit Einhalt zu gebieten. Und hier hieß es dann für uns, wir müssen einfach nochmal, ich will nicht sagen bei Null, aber knapp drüber, anfangen, uns alles nochmal anzuschauen. Und das haben wir dann auch getan. Ja, und wie Sie das genau getan haben, das hören wir jetzt.

Inzwischen hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main die Anklage überarbeitet und dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main zur Bewertung vorgelegt. Während dieses noch über die Beschwerde zur Klageabweisung zu entscheiden hat, machen sich die Ermittler daran, weitere Indizien zu sammeln, um François Martin sicher vor Gericht zu bringen. Als erstes schaut sich die Kripo dafür den Weg des Ehemanns nach Paris noch einmal genauer an. In welchen Funkzellen war dessen Handy auf der Fahrt nach Frankreich eingeloggt? Wo hat er sich länger aufgehalten, als es die Fahrtstrecke erklären würde? Wo gab es Pausen? Der Gedanke, wenn Martin die Leiche seiner Frau in der Nacht auf Dienstag in seinem Auto aus dem Haus gebracht hat, muss er sie irgendwo entlang der Route entsorgt haben. Dabei fallen Stefan Lange entlang der A6 zwischen Kaiserslautern und Saarbrücken zwei Seen auf, an denen man leicht mit dem Wagen halten und einen Leichnam entsorgen könnte. Der Ermittler lässt die Sehnen abtauchen. Doch auch hier keine Spur von Nadine Martin. Dann schaut er sich noch einmal die Kontobewegungen von François Martin an und macht dabei eine entscheidende Entdeckung.

Herr Lange, erzählen Sie, was haben Sie da gefunden? Ja, wir hatten die Kontobewegung ja schon einmal direkt nach dem Verschwinden der Frau geprüft. Allerdings haben wir jetzt gemerkt, nach damaliger Prüfung hatte die Bank weitere Buchungen aus fraglicher Zeit nachgeliefert. Das kennt man ja, manche Käufe insbesondere, wenn man die mit Karte bezahlt, werden erst nach Tagen später abgebucht und sind dann auf dem Konto sichtbar. Und die Bank hält sich natürlich nur an die Abfragezeiträume. Diese nachträglichen Buchungen hatten wir in den ersten Tagen nach dem Verschwinden noch gar nicht sehen können. Die haben wir jetzt erst entdeckt. Und was waren das jetzt für Abbuchungen? Wir haben dann festgestellt, dass der Ehemann am Montag, also am Tag nach dem Verschwinden seiner Frau, zu einem Baumarkt in der Nähe gefahren ist, um dort Einkäufe zu tätigen. Das passte auch der Zeitpunkt des Wegfahrens zu den Bildern der Überwachungskameras, die wir gesehen hatten. Wir haben gesehen, dass er vor der Abreise nach Paris mit seinem eigenen Auto ja mit dem Auto seiner Frau unterwegs gewesen ist.

Dann haben wir uns natürlich beim Baumarkt erkundigt, was dort gekauft worden ist. Und als das Ergebnis vom Baumarkt dann geliefert worden ist, da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Gekauft worden ist dann nämlich ein sogenannter Zementschleierentferner und ein Multitoolgerät. Ich bin selbst Handwerker und wusste dann sofort, was man mit diesem Multitoolgerät insbesondere anstellen kann.

Der Zementschleierentferner ist praktisch eine Säure oder enthält Säure, die man dann benutzt, um normalerweise einen Fugenschleier auf Keramiken oder Fußböden zu entfernen. Säure ist sehr gut geeignet, um Blutspuren und Gewebespuren zu entfernen. Das hat natürlich jetzt uns auch erklärt, warum wir in dem ganzen Haus keinerlei derartigen Spuren gefunden hatten. Und dieses elektrische Werkzeug, das Multitool-Gerät? Dieses elektrische Werkzeug, das ist eigentlich so geartet, dass man mit diesem Gerät, deswegen heißt es auch Multitool, verschiedene Köpfe und verschiedene Werkzeuge montieren kann. Da gibt es Köpfe für Schleiftätigkeiten, aber auch Sägetätigkeiten für harte Gegenstände. Dieses Multitool, wenn man das mit einem Sägeblatt ausstattet, ist nicht geeignet, um weiches Gewebe, also menschliches weiches Gewebe zu zerschneiden. Dafür müsste man ein anderes Gerät nehmen, zum Beispiel eine Säge oder ein Messer. Aber wofür es geeignet ist, ist einfach harte Gegenstände. und wenn wir jetzt hier von einem menschlichen Körper sprechen, dann natürlich um Knochen zu zerteilen. Und in dem Moment waren wir uns sicher, dass die Frau getötet worden ist und dass die Leiche im Kellergeschoss unter anderem mittels des Multitool-Gerätes zerteilt worden war. Daher dann auch diese mannigfaltigen Lichtspiele, die ich erwähnt hatte. Und Leichenteile kann man natürlich entsorgen, viel leichter als eine komplette Leiche. Und für uns war klar, dass die Leichenteile auf dem Weg nach Paris entsorgt worden waren.

Wir haben dann im Lichte dieser Erkenntnis, haben wir natürlich sofort mit dem Käufer des Hauses Kontakt aufgenommen, den wir schon zu anderen Gelegenheiten mal kontaktiert hatten. Das ist ein sehr, sehr vernünftiger Mensch gewesen. Der hatte das Haus damals mit sämtlichen Inventar gekauft. Als der Beschuldigte aus der Untersuchungshaft entlassen worden ist, hat er ja alles verkauft, verscherbelt. Und hat auch eine voll ausgestattete Werkstatt übernommen, die sich im Keller befunden hatte. Der Mann hat uns dann erlaubt, einfach nochmal alles uns anzuschauen. Letztendlich hätten wir auch einen Beschluss beantragen können, um dann offiziell das zu machen. Aber wir durften dann mit Zustimmung selbst nachschauen und wir haben dort ein Multitool gefunden.

Und das ging natürlich sofort zur kriminaltechnischen Untersuchung an das Hessische Landeskriminalamt, um es auf Spuren zu untersuchen. Der Mann, der dieses Gerät dann beim LKA im Labor in Wiesbaden auf Spuren hin untersucht hat, heißt Dr. Harald Schneider. Er leitet die Fachgruppe Biologie beim Hessischen Landeskriminalamt und man kann sagen, er ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der forensischen DNA-Analyse. Unsere Redaktion hat im Vorfeld dieses Podcasts mit ihm gesprochen und er hat uns erzählt, was er bei der Untersuchung des Multitool-Geräts gefunden hat. Bei der ersten Durchsicht dieses Multitools, was wirklich fabrikneu aussah, fielen uns wirklich in den Vertiefungen dieses Griffstücks im vorderen Bereich, wo die Aufnahme ist für das Multitool, für die verschiedenen Werkzeuge, fielen uns punktförmige Antragungen auf, rötlich, kräftig, typisch wie für ein Blut. Und was wir dann als allererstes machen, dass wir dann von verschiedenen Stellen einfach mal einen Blutnachweis gemacht haben. Und dieser Blutnachweis fiel zu unserer Überraschung eindeutig positiv aus. Wir hatten also jetzt den Hinweis, dass wir hier Menschenblut an diesem Multitool hatten.

Und dann ging natürlich die Analyse weiter. Wir haben dann uns das komplette Multitool mit den Werkzeugen, mit dem Koffer, alles anguckt und konnten an diesem Multitool. Schätzungsweise waren es um die 20 verschiedene Stellen identifizieren, an denen wir biologisches Material gefunden haben, was wir molekularbiologisch auch auswerten konnten. Und diese Auswertung, das hat Dr. Schneider auch berichtet, lieferte ein ziemlich eindeutiges Ergebnis. Denn die DNA-Merkmale der Spuren stimmten mit jener DNA überein, die Harald Schneider und sein Team zuvor von einer Zahnbürste von Nadine Martin extrahiert hatten. Das Blut an dem Multitool-Gerät stammte also eindeutig von der Vermissten. Und Harald Schneider sagt auch, das Verteilungsbild der Spritzspuren legt nahe, dass diese in unmittelbarer Nähe zu einem extrem blutigen Ereignis entstanden sein mussten. Zwar sei das Multitool-Gerät alleine nicht geeignet, eine Leiche zu zerteilen.

Das haben wir ja eben schon von Stefan Lange gehört. Doch eine weitere Spur am Multitool legte ohnehin nahe, dass bei der Zerteilung der Leiche mehrere Werkzeuge zum Einsatz gekommen waren. Dazu noch einmal Dr. Schneider. Also so ein Multitool muss man sich vorstellen, das ist ein Gerätekörper und der hat vorne eine Aufnahme. Diese Aufnahme dient dazu, verschiedene Werkzeuge aufzunehmen. Sie können also eine Schleifplatte draufsetzen, Sie können eine Säge draufsetzen, Sie können ein Schrabewerkzeug draufsetzen. Also verschiedene Werkzeuge, deshalb nennt man das als Multitool, mit dem man verschiedene Arbeiten durchführen kann. Und bei der Untersuchung im Labor haben wir diese Aufnahme vorne, das ist in Form einer Imbusschraube, stellen Sie sich einfach vor eine große Schraube, mit der man diese Werkzeuge befestigen kann, an diesem Kopf von diesem Werkzeug.

Wurde von uns entfernt und bei dem Entfernen fiel uns auf, dass auf der Rückseite dieser Schraube, auf der Unterseite praktisch dieser Schraube, eine einzelne Tropfspur vorhanden war, die wir uns jetzt erstmal auf den ersten Blick gar nicht erklären konnten. Erst auf den zweiten Blick war für uns klar, dass sich zum Zeitpunkt der Antragung dieser Blutspur das Werkzeug ja natürlich nicht in Betrieb gefunden haben kann, sondern dass diese Schraube, die wir uns nicht mehr haben, unmittelbar neben diesem Spritzereignis gelegen haben muss, also nicht im Betrieb gewesen sein. Woraus man wiederum schließen kann, dass möglicherweise ein zweites Werkzeug eingesetzt worden ist zu dem vermeintlichen oder mutmaßlichen Zerteilen der Leiche. Wir haben es ja eben schon gehört, Stefan Lange vermutete da beispielsweise eine Säge. Mit Blick auf die Blutspuren stellt sich dann allerdings die Frage, woher wusste Harald Schneider, dass das Blut nicht beispielsweise durch eine ganz alltägliche Verletzung, sagen wir, bei der Renovierung des Hauses, an das Gerät gelangt war?

Und auch das hat der Molekularbiologe uns erklärt. Das war eine Idee, die uns natürlich gekommen ist. Wir haben natürlich noch weitere Spurenuntersuchungen durchgeführt in diesem Verfahren. Unter anderem konnten in dem Fahrzeug des Geschuldigten, und zwar in dem Kofferraumbereich, wenn Sie sich so einen Kofferraum von einem normalen Pkw vorstellen, dann haben Sie so eine Art Ladekante. Und direkt im Bereich der Ladekante haben wir mehrere wirklich auch wieder punktförmige Antragungen gefunden, die wir auch wieder der Geschädigten zweifelsfrei zuhören können. Wenn ich aber jetzt mal die Verteidigungshypothese annehme und stelle mich mal auf die Seite der Verteidigung von unseren Beschuldigten, dann kann man natürlich auch mal annehmen, dass diese Blutspuren auch durch einen legalen Kontakt übertragen worden sein können. Stellen Sie sich vor, Sie haben im Garten Rosen geschnitten. Die Rosen sind häufig intensive Dornen. Ich habe mich jetzt selbst erst vor kurzer Zeit an so einem Dorn gestochen und das blutet extrem stark. Das muss man einfach sagen. Das ist so, gerade die Fingerkuppen vorne sind stark durchblutet und das gibt dann schon entsprechende Spuren. Und diese Spurenbilder, denen kann man natürlich nicht direkt ansehen, ob sie mit einem Rahmen eines legalen Kontaktes, also durch eine normale Verletzung oder aber im Rahmen des Transportes einer Leiche entstanden sein können. Das war der eine Punkt. Das heißt, wir hatten den Spurenkomplex PKW und dann kam jetzt dieser Spurenkomplex Multitool dazu.

Und die Spuren an den Multituden ließen sich keinesfalls durch einen legalen Kontakt mit diesem Werkzeug erklären. Die Spurenverteilung war derart typisch für Spritzbilder, die wir normalerweise bei Kapitalverbrechen sehen. Das ist unmöglich, solche Spuren anzutragen im Rahmen eines legalen Kontaktes. Selbst wenn man sich jetzt ganz vorstellt, ganz blutige Finger, man hätte sich geschnitten und fasst dann dieses Multitool an, dann haben sie Wischspuren da dran, dann haben sie Schmierspuren dran. Aber nicht diese punktförmigen Spritzer, wie wir sie an dem Multitool gefunden haben. Und wir mussten eigentlich davon ausgehen, dass diese Spuren an dem Multitool direkt in unmittelbarer Nachbarschaft, in unmittelbarer Nähe zu einem sehr blutigen Ereignis entstanden sein muss. Weil diese typischen Spritzspuren lassen sich durch keine andere Handlungsweise erklären, sodass wir zu der Überzeugung gekommen sind, so habe ich es auch in meinem Gutachten vom Landgericht Wiesbaden formuliert, dass dieses Werkzeug zwangsläufig etwas mit dem Verschwinden der Geschädigten zu tun haben muss.

Herr Lange, ein erhebliches Beweismittel, das Sie da noch aufgetan haben. Aufgrund der Beschaffenheit der Blutspuren lag nun also wirklich extrem nahe, dass der Ehemann seine Frau getötet und mit dem Multitool die Knochen zerteilt hatte. Allerdings frage ich mich, warum hat François Martin das Gerät nicht entsorgt? Sie haben ja weder den neu gekauften Zementschleierentferner noch die vermutete Säge im Haus finden können. Wieso dann das Multitool? Ja, wir hatten zwar Zementschleierentferner gefunden, aber nicht den neu gekauften, sondern einen alten, also der früher beim Bau des Hauses einfach übrig geblieben ist. Und was wir noch gefunden hatten, deswegen habe ich auch die Säge schon erwähnt, wir haben Zubehör einer Stichsäge gefunden, aber nicht eine Säge selber. Und das war dann für mich das Anzeichen, dass die Säge wohl entsorgt worden war.

Wir erfuhren aber, und zwar vom Schwiegervater, also vom Vater der Vermissten, dass der Beschuldigte schon vor dem Kauf dieses Multitools ein anderes Multitool besessen hatte. Das war natürlich für uns interessant, dass es zwei gegeben hat. Unsere Vermutung war dann natürlich, hat er das zweite Gerät für die Tat gekauft, um es dann zu entsorgen zu können, um Spuren zu vernichten. Hat er aber dabei versehentlich einfach das alte Gerät, was schon im Haus vorhanden war, entfernt, was keinerlei Spuren aufwies und hat einfach die Geräte vertauscht und hat das neuere dort dann liegen lassen. Wir haben parallel dazu eine Verkaufswegefeststellung, so nennt man das, bei dem Hersteller des Multitools angestoßen und haben dann festgestellt, das war eindeutig das Neugekaufte, was wir gefunden hatten, ein frisch produziertes Tool und da konnten keinerlei alten Blutspuren aus einem anderen Zusammenhang an dem alten Gerät sein. Das ist viel später produziert worden. Das klingt nach einer extrem aufwendigen Erbittlungsarbeit. Sie hatten ja dann auch noch ein belastendes Indiz in der Zwischenzeit gefunden und zwar auf einem weiteren Laptop des Angeklagten fanden sich bislang unbekannte Suchanfragen im Internet. In den Tagen vor dem Verschwinden seiner Frau hatte François Martin zu Begriffen wie Würgegriff recherchiert und sich über Angriffstechniken gegen den Hals informiert.

Auch zu den Kosten einer Scheidung und Erbschaftsfragen hatte es Suchanfragen gegeben. In den Tagen nach der Tat hatte er außerdem Begriffe wie vermisste Frau ehemann schuldig bei einer Suchmaschine eingegeben und Ermittlungsmethoden der Polizei nachgeschlagen. In der Zwischenzeit hatte auch das Oberlandesgericht Frankfurt am Main die Indizien in dem Fall nochmals geprüft und entschieden, dass die Anklage nun doch zur Verhandlung vor dem Landgericht Wiesbaden zugelassen werden musste. Am 13. März 2015 wurde der Haftbefehl gegen François Martin auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft schließlich wieder in Kraft gesetzt. Was dann geschah, hören wir jetzt.

Rund ein Jahr ist seit dem Verschwinden von Nadine Martin vergangen. Ihr Ehemann François Martin hält sich nach wie vor in Brüssel auf. Doch auch dort kann er sich den deutschen Ermittlungsbehörden nicht entziehen. Es ist der 22. März 2015, ein Sonntagmorgen, als belgische Beamte vor der Brüsseler Loft-Wohnung von François Martin stehen. Sie haben einen internationalen Haftbefehl dabei. Begleitet werden sie von zwei Kollegen aus Stefan Langes Ermittlungsgruppe. Die Beamten verhaften den Beschuldigten. Kurz darauf wird François Martin über ein Auslieferungsverfahren nach Deutschland überstellt. Am 1. Juni 2015 eröffnet die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Wiesbaden das Verfahren gegen François Martin wegen des Verdachts des Totschlags seiner Ehefrau. Mehr als zehn Monate dauert die Verhandlung, in der die Staatsanwaltschaft die zahlreichen Indizien vorlegt, die die Kripo zusammengetragen hat. Sie belasten François Martin, der den gesamten Prozess überschweigt und von drei Strafverteidigern vertreten wird, schwer.

Dennoch, der Leichnam von Nadine Martin wurde nach wie vor nicht gefunden. Hält die Indizienkette, die die Ermittlungen erbracht haben? Während des Verfahrens wird François Martin psychiatrisch begutachtet. Die Sachverständige stellt fest, er weist eine schizoide, zwanghafte Persönlichkeitsstruktur mit manipulativen Zügen auf. Das heißt, Martin ist emotional kühl und distanziert. Nach engen Freunden oder vertrauensvollen Beziehungen sehne er sich nicht. Stattdessen interessiere er sich mehr für Dinge als für Menschen, während sein zwanghafter, perfektionistischer Charakter die Fertigstellung von Projekten verhindere. Man kann vermuten, auch aufgrund dieser Persönlichkeitsstruktur und der Tatsache, dass das einst erträumte Luxusleben des Paares aus seiner Sicht in weite Ferne rückte, empfand François Martin seine Ehe zunehmend als Belastung. Deshalb hatte er sich wohl dazu entschieden, seine Frau umzubringen. Am 16. April 2016 fällt das Urteil. Das Landgericht Wiesbaden sieht es als erwiesen an, dass François Martin seine Ehefrau im Zeitraum zwischen dem Abend des 16. Februar und der Nacht auf den 18. Februar 2014 tötete, die Leiche zerteilte und auf dem Weg nach Paris entsorgte. Zwar prüft die Kammer auch mögliche Mordmerkmale, doch aufgrund der fehlenden Leiche lassen sich diese nicht mehr eindeutig feststellen. Das Gericht verurteilt den Angeklagten wegen Totschlags zu elf Jahren Haft.

Herr Lange, Sie waren ja damals auch als Zeuge bei Gericht, um von Ihren Ermittlungen zu berichten. Wie haben Sie den Angeklagten da erlebt? Bevor ich selbst im Prozess als Zeuge vernommen worden bin, wurden die Eltern befragt, die damals sehr, sehr verzweifelt gewirkt haben. Mir wurde geschildert durch, wir nennen das Prozessbeobachter, dass der Beschuldigte dabei noch sogar gelacht haben sollte, als der Vater und die Mutter aus ihrer Sicht das geschildert haben. Und das entspricht für mich einfach dem Charakter, den auch die Gutachterin, die eben ja schon gehört, festgestellt hat. Er selbst hat im Verlauf des Prozesses, aber auch bis heute anderweitig, keinerlei Angaben gemacht zum Verbleib der Leiche.

Die Eltern sind mittlerweile verstorben, aber für die war es auch die Zeit danach wirklich sehr grausam. Sie hatten ihr Kind verloren, das ist schon schlimm genug, aber wo sollten sie dann hin mit ihrer Trauer? Oder ihnen war es noch nicht mal möglich, ein Grab, an dem sie praktisch Erinnerungen haben können, zu errechten. Und das hätten sie gehen können. Es gab keinerlei Hinterlassenschaften, die der Ehemann dort hinterlassen hat. Der hatte ja wirklich alles verkauft gehabt. Das Wenige, was wir den Eltern dann auch übergeben konnten, was wenig persönlich war, das ist natürlich sowas wie Laptop, Handy und keinerlei weiteren persönlichen Gegenständen, was sehr traurig für diese Menschen war. Ja, gerade vor diesem Hintergrund, elf Jahre Haft, ist das aus Ihrer Sicht ausreichend? Wie schon gesagt, Mordmerkmale konnte man aufgrund fehlender Leiche und Leichenteile nicht nachweisen. Für eine Verurteilung wegen Totschlages war das doch ein recht hohes Strafmaß, wenn man sich vergleichbare Fälle anschaut. Oftmals geben andere Kammern dort sich damit zufrieden, so mit sieben, acht Jahren, aber da waren die elf Jahre wirklich schon ein hohes Strafmaß, so kann man das bezeichnen.

Das zeigte sich für uns natürlich auch, dass unsere akribische Arbeit, die wir innerhalb dieser langen Zeit auch geleistet hatten und auch im Gericht entsprechend aufgetreten waren, dass sie sich gelohnt hat. Und das Gericht war unserer Indizienkette vollumfänglich gefolgt. Damit sind wir am Ende der heutigen Folge. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen, Herr Lange, dass Sie uns diesen Einblick in Ihre Ermittlungen gewährt haben und sich die Zeit genommen haben und zu uns ins Studio gekommen sind. Vielen Dank dafür und auf Wiedersehen. Danke, dass Sie da waren. Danke auch an Dr. Harald Schneider, Leiter der Fachgruppe Biologie des Landeskriminalamts Hessen und an Lale Artun, Autorin dieser Folge. Wie immer am Ende vielen Dank auch an euch fürs Zuhören. Ich sage bis zum nächsten Mal bei Aktenzeichen XY unvergessene Verbrechen und ganz wichtig, bleibt sicher. Wie immer findet ihr alle weiteren Infos zur Folge in den Shownotes und wir hören uns in zwei Wochen wieder. Bis dahin. Aktenzeichen XY unvergessene Verbrechen ist eine Produktion der Securitel in Kooperation mit BUM-Film im Auftrag des ZDF.