WEBVTT

00:00:00.000 --> 00:00:10.800
Music.

00:00:10.643 --> 00:00:14.063
Hallo und herzlich willkommen zu Aktenzeichen XY Unvergessene Verbrechen.

00:00:14.563 --> 00:00:19.103
Ich bin Rudi Zerne. Und ich bin Conny Neumeier. Auch von mir herzlich willkommen.

00:00:20.143 --> 00:00:24.303
Rudi, wir sprechen heute über einen Fall, der durch seine Brutalität schockiert hat.

00:00:24.643 --> 00:00:27.843
Und dazu kam, dass er an einem Tag vor Heiligabend passiert war.

00:00:28.003 --> 00:00:32.363
Zu einer Zeit, in der viele Menschen sich im Kreise ihrer Familie auf die Weihnachtsfeiertage

00:00:32.363 --> 00:00:33.883
vorbereiten. Ja, das stimmt.

00:00:34.383 --> 00:00:36.243
Ich kann mich noch gut an diesen Fall erinnern.

00:00:36.763 --> 00:00:41.403
Trotz intensiver Ermittlungen konnte er zunächst nicht gelöst werden und wurde zu einem Cold Case.

00:00:42.163 --> 00:00:45.103
Neun Jahre nach der Tat hat sich die Polizei dann dazu entschieden,

00:00:45.263 --> 00:00:48.263
ihn bei Aktenzeichen XY ungelöst vorzustellen.

00:00:48.903 --> 00:00:53.843
Und ein Anruf hat dazu beigetragen, den Fall zu lösen, wenn auch nicht auf direktem

00:00:53.843 --> 00:00:56.623
Weg. Zu all dem kommen wir natürlich gleich noch.

00:00:57.083 --> 00:01:01.103
Jetzt begrüßen wir erstmal unsere heutigen Gäste, den ersten Kriminalhauptkommissar

00:01:01.103 --> 00:01:06.863
und Leiter der Kriminalinspektion 1 in Trier, Christian Soulier und Oberstaatsanwalt Dr.

00:01:07.023 --> 00:01:11.563
Erik Samel von der Staatsanwaltschaft in Trier, den ihr sicher schon aus früheren

00:01:11.563 --> 00:01:14.063
Episoden kennt. Herzlich willkommen. Auch ein Hallo von mir.

00:01:14.643 --> 00:01:17.143
Ich freue mich hier zu sein. Ich bin ganz gespannt über den heutigen Verlauf

00:01:17.143 --> 00:01:18.603
und wie dieser Podcast sich gestaltet.

00:01:19.163 --> 00:01:22.003
Ja, vielen Dank für die Einladung. Auch ich finde es schön, nochmal hier zu

00:01:22.003 --> 00:01:23.703
sein und über diesen Fall zu berichten.

00:01:23.823 --> 00:01:27.223
Und dann bleibt mir auch noch zu sagen, herzlich willkommen. Schön, dass Sie da sind.

00:01:27.383 --> 00:01:30.623
Herr Soulier, Herr Samel, zwei Jahrzehnte sind seit dem Verbrechen vergangen.

00:01:30.623 --> 00:01:34.663
Wenn Sie heute an den Fall zurückdenken, was ist das Erste, was Ihnen dazu einfällt?

00:01:34.783 --> 00:01:35.803
Herr Solier vielleicht zuerst.

00:01:36.023 --> 00:01:39.123
Ja, es war ein bisschen atypischer Beginn von einem Cold Case.

00:01:39.503 --> 00:01:42.043
Mir sind in Erinnerung geblieben die sehr aufwendigen Ermittlungen.

00:01:42.143 --> 00:01:45.443
Wir haben also Unmengen von Vernehmungen gemacht. Über 100 Personen sind vernommen

00:01:45.443 --> 00:01:47.403
worden, manche auch mehrfach.

00:01:47.563 --> 00:01:51.903
Und die Krux bei diesen vielen Vernehmungen ist, die ganzen Informationen zueinander

00:01:51.903 --> 00:01:54.003
zu bringen. Das war recht aufwendig und recht schwierig.

00:01:54.523 --> 00:01:58.403
Wir haben tatsächlich einen wirklich, kann man schon sagen, ungeheuren Aufwand

00:01:58.403 --> 00:02:03.543
betrieben bei den Ermittlungen. Das ging nach meiner Erinnerung teilweise bis zur Belastungsgrenze.

00:02:03.903 --> 00:02:08.663
Das lag im Wesentlichen natürlich daran, dass der Tatort spurentechnisch wirklich

00:02:08.663 --> 00:02:10.263
sehr, sehr unübersichtlich war.

00:02:10.670 --> 00:02:12.290
Warum das so war, darüber sprechen

00:02:12.290 --> 00:02:16.550
wir gleich noch. Trotzdem haben sie es geschafft, den Fall aufzuklären.

00:02:16.810 --> 00:02:18.910
Wie das gelungen ist, dazu kommen wir jetzt.

00:02:19.330 --> 00:02:23.870
An der Stelle noch ein kurzer rechtlicher Hinweis. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes

00:02:23.870 --> 00:02:25.450
haben wir alle Namen geändert.

00:02:25.890 --> 00:02:28.510
Beginnen wir jetzt mit dem, was sich damals ereignet hat.

00:02:31.730 --> 00:02:37.370
Es ist der 23. Dezember 2005, der Tag vor Heiligabend in Meeren,

00:02:37.610 --> 00:02:41.750
einem kleinen, beschaulichen Ort in der Eifel. Die Menschen dort sind mit den

00:02:41.750 --> 00:02:44.150
letzten Vorbereitungen für das Fest beschäftigt.

00:02:44.630 --> 00:02:47.430
Auch Karl-Heinz Ebach hat noch einiges zu tun.

00:02:47.950 --> 00:02:53.990
Der 54-Jährige leitet seit einem Jahr das Paketzentrum eines großen Versanddienstleisters.

00:02:54.250 --> 00:02:58.170
Er fühlt sich wohl im Unternehmen und hat hier seinen Platz gefunden.

00:02:58.450 --> 00:03:02.570
Es herrscht geschäftiges Treiben, denn die Angestellten und auch ihr Firmenleiter

00:03:02.570 --> 00:03:04.950
wollen pünktlich um 20 Uhr Feierabend machen.

00:03:05.410 --> 00:03:08.710
Alle freuen sich auf Weihnachten, besonders Karl-Heinz Ebach.

00:03:08.710 --> 00:03:12.010
Denn nicht nur der Job bedeutet für ihn einen Neuanfang.

00:03:12.690 --> 00:03:15.870
Erst wenige Monate zuvor hat er sich von seiner Frau getrennt.

00:03:16.090 --> 00:03:20.770
Nach 20 Jahren Ehe will sich das Paar, das zwei Töchter hat, scheiden lassen.

00:03:21.730 --> 00:03:25.590
In dieser schwierigen Zeit hat Karl-Heinz Ebach auf einem Klassentreffen in

00:03:25.590 --> 00:03:27.910
Brandenburg seine alte Jugendliebe wieder getroffen.

00:03:28.570 --> 00:03:33.470
Beide haben sich neu ineinander verliebt. Trotz der räumlichen Distanz von 800

00:03:33.470 --> 00:03:36.210
Kilometern versuchen sie, sich regelmäßig zu sehen.

00:03:36.970 --> 00:03:40.610
Die Weihnachtszeit bietet nun endlich die Gelegenheit, mehrere Tage am Stück

00:03:40.610 --> 00:03:41.750
gemeinsam zu verbringen.

00:03:42.530 --> 00:03:45.710
Zunächst verläuft der Arbeitstag im Paketzentrum planmäßig.

00:03:46.170 --> 00:03:51.510
Die meisten Fahrer sind früher als erwartet mit ihren Touren fertig und kehren rechtzeitig zurück.

00:03:52.110 --> 00:03:57.650
Doch dann ereignet sich etwas, das den weiteren Verlauf des Abends maßgeblich verändern wird.

00:03:58.450 --> 00:04:03.870
Boris Pawlik, ein polnischer Fahrer, kommt nicht wie vereinbart in das Paketzentrum zurück.

00:04:04.870 --> 00:04:10.150
Als Karl-Heinz Ebach ihn endlich telefonisch erreicht, offenbart er seinem Chef den Grund.

00:04:10.630 --> 00:04:12.910
Die kompletten Tageseinnahmen seien weg.

00:04:13.530 --> 00:04:20.850
Hören wir mal in den Filmbeitrag aus der Sendung Aktenzeichen XY Ungelöst vom 16. April 2014.

00:04:27.090 --> 00:04:31.610
Ja, warst du jetzt verloren oder gestohlen? Und wie viel war drin?

00:04:31.610 --> 00:04:35.830
Ja, Mensch, mach hin, wir wollen Feierabend machen. Das gibt's doch nicht.

00:04:37.450 --> 00:04:38.250
Ausgerechnet heute.

00:04:40.684 --> 00:04:44.344
Der Boris hat irgendwo seine Geldtasche liegen lassen. Jetzt klaffert er nochmal

00:04:44.344 --> 00:04:48.604
die letzten Stationen ab und sucht sie. Und wie viel Geld war drin? Über 2000.

00:04:49.044 --> 00:04:51.644
Das gibt Ärger. Ich hoffe nur, dass er es bald findet.

00:04:56.564 --> 00:05:00.084
Die Frau, mit der er spricht, ist Buchhalterin Ursula Walz.

00:05:00.624 --> 00:05:04.304
Da Karl-Heinz Ebach als Geschäftsleiter für die Abwicklung der Tagesgeschäfte

00:05:04.304 --> 00:05:09.504
verantwortlich ist, bleibt ihm nichts anderes übrig, als auf den fehlenden Fahrer zu warten.

00:05:10.684 --> 00:05:14.384
Während alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach und nach den Betrieb

00:05:14.384 --> 00:05:17.324
verlassen, leistet ihm nur noch seine Buchhalterin-Gesellschaft.

00:05:18.344 --> 00:05:23.044
Doch es wird noch fast anderthalb Stunden dauern, bis der Fahrer gegen 21.45

00:05:23.044 --> 00:05:25.884
Uhr schließlich in das Paket-Depot zurückkehrt.

00:05:26.284 --> 00:05:29.284
Hören wir nochmal in die Sendung rein. Ja, endlich!

00:05:30.264 --> 00:05:34.584
Hast du die Geldtasche gefunden? Nein, leider nicht.

00:05:34.864 --> 00:05:38.764
Boris, kommst du bitte abrechnen? Ja, ich komme.

00:05:39.064 --> 00:05:41.444
Vielleicht findet sich das Geld ja noch. Nach den Feiertagen?

00:05:41.564 --> 00:05:43.344
Ja, hoffentlich. Kopf hoch.

00:05:44.304 --> 00:05:49.604
Nach der finalen Abrechnung ist Karl-Heinz Ebach schließlich gegen 22 Uhr allein im Betrieb.

00:05:50.124 --> 00:05:53.324
Da es für die lange Fahrt nach Brandenburg nun zu spät geworden ist,

00:05:53.624 --> 00:05:54.644
informiert er seine Freundin.

00:05:54.944 --> 00:05:58.304
Aber an Heiligabend wird seine Freundin vergeblich auf ihn warten.

00:05:59.484 --> 00:06:05.924
Denn am Morgen des 24. Dezember 2005 gegen 9 Uhr fährt ein Lkw-Fahrer auf das

00:06:05.924 --> 00:06:10.524
Gelände des Paketdepots, um dort einen Anhänger für die Feiertage abzustellen.

00:06:11.284 --> 00:06:16.704
Dabei macht er eine grausame Entdeckung. Er findet die Leiche seines Chefs Karl-Heinz

00:06:16.704 --> 00:06:18.464
Ebach und verständigt sofort die Polizei.

00:06:18.640 --> 00:06:23.760
Music.

00:06:23.607 --> 00:06:26.887
Herr Soullier, kurz zur Einordnung. Der Tatort in Meeren liegt ca.

00:06:27.067 --> 00:06:29.787
60 km von Ihrer Dienststelle in Trier entfernt.

00:06:30.007 --> 00:06:34.147
Sie haben die Mordkommission vor Ort seinerzeit zusammen mit weiteren Kolleginnen

00:06:34.147 --> 00:06:36.887
und Kollegen aus anderen Kommissariaten unterstützt.

00:06:37.167 --> 00:06:41.007
Wie war das damals für Sie und die anderen? Naja, ein Mord an Heiligabend ist

00:06:41.007 --> 00:06:42.887
aus mehreren Gründen immer sehr ungünstig.

00:06:43.167 --> 00:06:45.967
Zum einen, der Mord an sich ist immer schlecht. Hinzu kommt,

00:06:46.267 --> 00:06:50.967
dass wir eine christlich geprägte Region sind. Man hat andere Gedanken als eine Mordgeschichte.

00:06:51.487 --> 00:06:56.347
Und sowohl die Angehörigen des Opfers als auch die Polizeibeamten sind gerüstet

00:06:56.347 --> 00:07:01.007
für Weihnachten, fester Liebe, man will sich beschenken, man feiert und dann

00:07:01.007 --> 00:07:02.147
kommt so eine Geschichte dazwischen.

00:07:02.227 --> 00:07:04.947
Das ist für alle Beteiligten eine schwierige Situation.

00:07:05.287 --> 00:07:10.127
Man kann also sagen, generell der Tod eines Menschen wird auch für einen erfahrenen

00:07:10.127 --> 00:07:12.467
Mordermittler nie zur Routine, egal zu welcher Zeit?

00:07:12.667 --> 00:07:15.587
Das ist absolut richtig, ja. Wir müssen halt schnell umdenken,

00:07:15.727 --> 00:07:19.827
müssen versuchen, die Sachlichkeit wieder reinzubringen, die Emotionen ein bisschen

00:07:19.827 --> 00:07:22.447
zu verdrängen, um in der Sache auch vorwärts zu kommen.

00:07:23.247 --> 00:07:27.007
Sie selbst sind ja erst einige Tage später persönlich vor Ort gewesen.

00:07:27.367 --> 00:07:30.767
Den Tatort kannten Sie zunächst nur von Bildern, die Ihnen Ihre Kolleginnen

00:07:30.767 --> 00:07:32.207
und Kollegen geschickt haben.

00:07:32.827 --> 00:07:36.487
Können Sie uns schildern, wie der aussah? Ja, es ist eine große Pakethalle mit

00:07:36.487 --> 00:07:39.227
einem seitlichen Personalausgang. Es geht eine Treppe nach unten.

00:07:39.647 --> 00:07:43.647
Und das Opfer lag auf dem geteerten Hof vor dieser Treppe.

00:07:44.127 --> 00:07:46.487
Er lag auf dem Rücken, das Gesicht nach oben.

00:07:47.007 --> 00:07:50.387
Die Arme waren rechts und links am Körper entlang gestreckt.

00:07:50.547 --> 00:07:55.087
Es sah ein bisschen gestellt aus, die Situation. Es war etwas ungewohnt.

00:07:55.827 --> 00:07:58.687
Das Opfer hatte massive Kopf- und Gesichtsverletzungen.

00:07:59.727 --> 00:08:02.367
Augenscheinlich war er erschlagen worden, hat sich auch später bestätigt.

00:08:02.987 --> 00:08:05.927
Man ist mit einer sehr großen Brutalität vorgegangen.

00:08:06.107 --> 00:08:09.467
Wir hatten nicht nur Kopfverletzungen, sondern auch Gesichtsverletzungen.

00:08:10.167 --> 00:08:13.407
Auf das Opfer ist sehr stark eingewirkt worden. Die Liegeposition war,

00:08:13.427 --> 00:08:16.487
wie gesagt, sehr seltsam, aber hat sich nachher ein Stück weit geklärt.

00:08:17.827 --> 00:08:20.927
Weil, da kommen wir gleich zu, weil auch die Täter was gesucht haben.

00:08:22.047 --> 00:08:25.287
Gab es denn irgendwelche verwertbaren Spuren am Tatort?

00:08:25.903 --> 00:08:30.163
Das war ein weiteres großes Problem. Es hat in der Nacht und tagsüber geregnet.

00:08:30.743 --> 00:08:34.323
Regen ist immer so ein Todesurteil für Spuren. Normalerweise, das war auch hier so.

00:08:34.583 --> 00:08:38.923
Die Kollegen, die vor Ort waren, haben relativ schnell ein Zelt aufgestellt,

00:08:39.063 --> 00:08:41.263
um zu versuchen zu retten, was zu retten ist.

00:08:41.343 --> 00:08:44.923
Dennoch war das ausgesprochen schwierig mit der Spurensituation.

00:08:45.683 --> 00:08:48.623
Die Kollegen, die den Tatort untersucht haben, haben dann sehr schnell auch

00:08:48.623 --> 00:08:53.203
gemerkt, dass die Türen, die Personaltür zum Gebäude offen stand und haben auch

00:08:53.203 --> 00:08:57.363
diverse Beschädigungen festgestellt. Herr Sammel, als zuständiger Staatsanwalt

00:08:57.363 --> 00:08:59.923
waren Sie natürlich auch von Beginn an involviert.

00:09:00.063 --> 00:09:03.623
Der Fall war damals einer Ihrer ersten im Bereich Kapitalverbrechen.

00:09:03.803 --> 00:09:08.023
Was waren das denn für Beschädigungen, die in der Firma festgestellt werden

00:09:08.023 --> 00:09:11.623
konnten? Wir haben eben von Herrn Solier schon gehört, dass man sich dieses

00:09:11.623 --> 00:09:14.843
Depot als eine große Pakethalle vorstellen muss.

00:09:15.043 --> 00:09:18.623
Also stellen Sie sich vor, es gibt ein großes Rolltor, durch das die Fahrzeuge

00:09:18.623 --> 00:09:22.883
normalerweise dann rein und raus fahren und ihre Pakete ein- und ausladen.

00:09:22.883 --> 00:09:29.323
Und neben diesem Rolltor war eine Personaltür, die hier auch eine entsprechende Rolle spielt.

00:09:29.523 --> 00:09:33.423
Und in dieser Halle selbst gibt es so einen ganz typischen Bürocontainer.

00:09:33.603 --> 00:09:38.143
Der stand da separat, das war so eine Art Fertigcontainer mit Tür und einer

00:09:38.143 --> 00:09:39.163
großen Fensterscheibe.

00:09:39.703 --> 00:09:44.523
Diese Fensterscheibe hatten die Täter eingetreten, um so in den Container einzusteigen.

00:09:44.523 --> 00:09:50.223
Und man hat dann im Rahmen der Ermittlungen und der Spurenaufnahme vor Ort im

00:09:50.223 --> 00:09:54.723
Container selbst den Schlüsselbund des Tatopfers gefunden, also des Geschäftsführers.

00:09:54.903 --> 00:09:57.963
Und mit diesem Schlüsselbund hatten die Täter den Tresor geöffnet,

00:09:58.103 --> 00:09:59.023
in dem die Einnahmen waren.

00:09:59.383 --> 00:10:02.123
Ja und dieser gefundene Schlüsselbund war dann für Sie, Herr Solier,

00:10:02.603 --> 00:10:06.583
letztlich ja auch die Erklärung für die auffällige Liegeposition des Opfers,

00:10:06.663 --> 00:10:09.743
also das mit den ausgebreiteten Armen auf dem Rücken lag.

00:10:10.523 --> 00:10:14.443
Ja, wir haben am Schlüsselbund Blutanhaftungen gefunden vom Opfer.

00:10:14.623 --> 00:10:18.863
Wir gehen davon aus, dass das Opfer gedreht wurde und nach Schlüsseln durchsucht

00:10:18.863 --> 00:10:22.183
wurde. Das Opfer hatte um den Hals herum einen Schlüsselbund getragen.

00:10:22.383 --> 00:10:24.423
Den haben wir auch später in der Halle gefunden.

00:10:24.663 --> 00:10:27.603
Also wir gehen davon aus, dass die Liegeposition dadurch entstanden ist,

00:10:27.763 --> 00:10:32.203
dass das Opfer gedreht wurde, um halt nach Schlüsseln und vergleichbaren Dingen zu suchen.

00:10:32.383 --> 00:10:36.923
So haben sich die Täter oder der Täter dann ja Zutritt durch die Tür und letztlich

00:10:36.923 --> 00:10:40.523
zum Tresor verschafft. Und anhand der Buchführung konnten Sie ja dann ermitteln,

00:10:40.683 --> 00:10:43.483
dass rund 6.400 Euro aus dem Tresor fehlten.

00:10:44.223 --> 00:10:47.763
Gab es denn für Sie schon irgendwelche Hinweise auf einen möglichen Täter?

00:10:47.983 --> 00:10:51.903
Zu dieser Zeit nicht. Wir hatten im Außenbereich durch den Regen eigentlich

00:10:51.903 --> 00:10:53.203
gar keine Spuren gefunden.

00:10:53.543 --> 00:10:57.443
Der Schlüsselbund wurde später auf Fremd-DNA untersucht, negativ.

00:10:57.643 --> 00:11:00.583
Das heißt, wir haben angenommen, dass die Täter Handschuhe getragen haben.

00:11:00.963 --> 00:11:05.783
Was wir gefunden haben, war ein Schuhabdruck, der auf einer zerbrochenen Glasscheibe

00:11:05.783 --> 00:11:09.523
festgestellt worden ist. Und dieser Schuhabdruck wurde dann später durch die

00:11:09.523 --> 00:11:11.643
Experten des Landeskriminalamtes untersucht.

00:11:12.083 --> 00:11:17.963
Dort konnte man herausfinden, dass die Schuhgröße 45 war, dass das Profil auffallend

00:11:17.963 --> 00:11:21.283
stark abgetreten war, also der Schuh war entsprechend benutzt worden.

00:11:22.131 --> 00:11:27.271
Dieser Schuh konnte einer bekannten Schuhmarke, eines Sportschuhherstellers, zugeordnet werden.

00:11:27.451 --> 00:11:32.751
Und wir wussten damals, dass er etwa zwischen 2002 und 2004 hergestellt wurde.

00:11:32.871 --> 00:11:37.651
Also ein erster wichtiger Hinweis, denn Schuhgröße 45, das sprach ja zumindest

00:11:37.651 --> 00:11:40.571
erstmal vielleicht für einen größeren, wahrscheinlich männlichen Täter.

00:11:41.431 --> 00:11:45.071
Konnte Ihnen denn der Schuhabdruck sonst noch irgendwie weiterhelfen?

00:11:45.491 --> 00:11:50.251
Leider hat uns dieser Hinweis zunächst mal keine weiteren guten oder unmittelbaren

00:11:50.251 --> 00:11:51.351
Informationen gebracht.

00:11:51.351 --> 00:11:56.371
Das liegt einfach daran, dass dieser Schuh in viel zu großen Stückzahlen hergestellt

00:11:56.371 --> 00:12:02.351
wurde und es da keinen Sinn gemacht hat, diesen Abdruck irgendwie mit irgendetwas zu vergleichen.

00:12:03.071 --> 00:12:07.711
Nichtsdestotrotz war es für uns ein wichtiges und zunächst einmal zentrales Beweisstück.

00:12:07.811 --> 00:12:11.351
Und wir haben natürlich auch im Rahmen der nachfolgenden Spurenabklärungen,

00:12:12.151 --> 00:12:17.051
wenn wir Personenspuren überprüft haben, immer geschaut, ob hier möglicherweise

00:12:17.051 --> 00:12:18.671
ein solcher Schuh eine Rolle spielt.

00:12:18.320 --> 00:12:25.200
Music.

00:12:24.491 --> 00:12:27.691
Und auch nach einer möglichen Tatwaffe wurde intensiv gesucht,

00:12:27.871 --> 00:12:31.811
denn die wurde am Tatort selbst ja nicht gefunden, Herr Sabel. Das ist richtig.

00:12:31.951 --> 00:12:36.391
Wir haben leider am Tatort selbst keine Tatwaffe finden können und haben natürlich

00:12:36.391 --> 00:12:41.211
auch die angrenzende Umgebung intensiv durchsucht, also mehr oder weniger jeden Stein umgedreht.

00:12:41.549 --> 00:12:44.869
Aber trotzdem haben wir wirklich nichts gefunden zu diesem Zeitpunkt,

00:12:44.909 --> 00:12:45.929
was uns weitergebracht hätte.

00:12:46.369 --> 00:12:49.229
Hat denn die Obduktion irgendwelche neuen Erkenntnisse geliefert?

00:12:49.389 --> 00:12:52.409
Ja, zumindestens mal wurden unsere Eindrücke, die ersten Eindrücke bestätigt.

00:12:52.609 --> 00:12:55.109
Die Täter sind mit extremer Brutalität vorgegangen.

00:12:55.629 --> 00:12:59.929
Dem Opfer wurde regelrecht der Schädel zertrümmert. Es gab markante Verletzungen am Hinterkopf.

00:13:00.109 --> 00:13:03.749
Es gab aber auch Verletzungen im Gesichtsbereich, wo man davon ausgegangen ist,

00:13:03.909 --> 00:13:05.309
dass auch zugetreten wurde.

00:13:05.449 --> 00:13:08.609
Also es ist mit einem Gegenstand geschlagen worden, was den Hinterkopf zertrümmert

00:13:08.609 --> 00:13:10.309
hat. Es wurde zugetreten.

00:13:10.869 --> 00:13:14.829
Interessant war, dass es in der Kopfschwarte eine Art Muster gab,

00:13:15.269 --> 00:13:17.169
wo wir überlegt haben, welcher Gegenstand

00:13:17.169 --> 00:13:19.849
könnte hier möglicherweise als Schlagwerkzeug benutzt worden sein.

00:13:19.969 --> 00:13:22.469
Was war das für ein Muster? Können Sie uns das beschreiben? Ja,

00:13:22.549 --> 00:13:25.349
es war so ein doppeltes T-Muster, was entstanden ist.

00:13:25.409 --> 00:13:28.009
Da gibt es zwei Möglichkeiten laut Rechtsmedizin, wie es entstanden ist.

00:13:28.129 --> 00:13:33.449
Einmal möglicherweise durch einen relativ dünnen metallischen Gegenstand,

00:13:33.629 --> 00:13:37.809
ein Metallrohr zum Beispiel, oder aber, was wir dachten, eine Art Wagenheber,

00:13:37.889 --> 00:13:40.589
der hier benutzt worden ist. Denn so sah das Muster aus.

00:13:41.629 --> 00:13:46.169
Und konnten Sie dann noch genauer eingrenzen, nach welcher Tatwaffe Sie suchen mussten?

00:13:46.449 --> 00:13:49.909
Wir haben uns alle möglichen Wagenheber von unterschiedlichsten Automodellen

00:13:49.909 --> 00:13:54.189
dann besorgt und angeschaut und verglichen und haben natürlich uns die Frage

00:13:54.189 --> 00:13:58.109
gestellt, welches dieser Modelle kann genau so ein Muster,

00:13:58.309 --> 00:14:02.029
wie wir es durch die Rechtsmedizin gezeigt bekommen haben, verursacht haben.

00:14:02.649 --> 00:14:06.109
Aber auch das hat uns natürlich letztlich leider nicht weitergebracht.

00:14:06.689 --> 00:14:09.949
Nichtsdestotrotz gab es aber eine weitere sehr interessante Tatsache für uns,

00:14:10.069 --> 00:14:11.929
wenn man sich diese Tötung selbst anschaut.

00:14:12.029 --> 00:14:15.789
Und das war die Aussage der Rechtsmedizin, dass wahrscheinlich schon der erste

00:14:15.789 --> 00:14:19.189
Schlag ausgereicht hätte, um das Opfer tödlich zu verletzen.

00:14:20.749 --> 00:14:24.369
Der Rechtsmediziner, der später auch als Sachverständiger vor Gericht geladen

00:14:24.369 --> 00:14:28.829
war, hatte seinerzeit ausgesagt, so massive Schädelverletzungen habe er in seiner

00:14:28.829 --> 00:14:31.169
30-jährigen Tätigkeit nur selten gesehen.

00:14:32.029 --> 00:14:35.729
Er sprach von einem absoluten Vernichtungswillen des Täters.

00:14:36.189 --> 00:14:40.029
Was hat das für die Ermittlung bedeutet, Herr Sammel? Das hat bei uns natürlich

00:14:40.029 --> 00:14:41.869
viele Fragen aufgeworfen.

00:14:42.089 --> 00:14:45.429
Denn man muss sich das so vorstellen, wenn ich ein reines Raubdelikt begehen

00:14:45.429 --> 00:14:50.209
will, also wenn ich jemand mit Gewalt überfalle, um Geld oder andere Vermögensgegenstände

00:14:50.209 --> 00:14:54.249
zu rauben, dann tue ich als Täter normalerweise ja nur das, was nötig ist.

00:14:54.249 --> 00:14:57.049
Ich schlage jemanden nieder, vielleicht, dass er bewusstlos ist,

00:14:57.509 --> 00:15:02.829
halt in der Art und Weise, dass ich ohne Probleme an das komme, was ich haben möchte.

00:15:03.049 --> 00:15:08.029
Und das Auffällige hier war, dass hier eine wirkliche Form von Übertötung,

00:15:08.049 --> 00:15:10.189
muss man es bezeichnen, stattgefunden hat.

00:15:10.309 --> 00:15:13.589
Und das hat uns natürlich vor die Frage gestellt, warum?

00:15:13.809 --> 00:15:17.349
Also warum tut jemand so viel mehr, als er eigentlich tun müsste,

00:15:17.629 --> 00:15:19.909
um an das Geld im Depot zu kommen?

00:15:20.935 --> 00:15:26.075
Und da kann man spekulieren. Das kann starke Emotionen als Anlass sein,

00:15:26.295 --> 00:15:30.315
dass vielleicht ein Täter während der Tat ausgerastet ist oder dass er einen

00:15:30.315 --> 00:15:32.015
besonderen Hass auf das Opfer hatte.

00:15:32.555 --> 00:15:36.795
Das war etwas, was uns im Laufe der Ermittlungen tatsächlich sehr umgetrieben hat, diese Frage.

00:15:37.055 --> 00:15:39.915
Es war also auch denkbar, dass sich Täter und Opfer kannten.

00:15:40.095 --> 00:15:43.295
In solchen Fällen bezieht man sicher schnell auch das persönliche Umfeld des

00:15:43.295 --> 00:15:48.235
Opfers mit ein, zumal eine Scheidung und auch eine neue Partnerin eine Rolle gespielt haben.

00:15:48.355 --> 00:15:51.915
Richtig, Herr Solier? Ja klar, in dieser Phase haben wir alles in Erwägung gezogen.

00:15:52.055 --> 00:15:55.355
Dieses Übertöten, diese Wut, die möglicherweise eine Rolle gespielt hat,

00:15:55.715 --> 00:15:57.535
ist ein Indiz dafür, dass man sich gekannt hat.

00:15:57.575 --> 00:16:01.715
So gesehen sind auch die ganzen Bekannten überprüft worden und auch die Ex-Frau

00:16:01.715 --> 00:16:04.715
und Eifersuchtsdelikte wurden hier ins Kalkül genommen.

00:16:05.355 --> 00:16:09.095
Die Frau wurde überprüft. Man hat festgestellt, die beiden waren schon länger

00:16:09.095 --> 00:16:10.995
getrennt. Man hatte sich im Guten getrennt.

00:16:11.695 --> 00:16:15.035
Ein Scheidungsverfahren stand schon sehr lange im Raum. Es gab also hier keine

00:16:15.035 --> 00:16:17.995
Ansätze für diese starke Wut, die hier zum Tragen kam.

00:16:19.015 --> 00:16:22.955
Wurde denn auch die neue Partnerin von Karl-Heinz Ebach überprüft, Herr Sammel?

00:16:23.395 --> 00:16:27.375
Auch die haben wir natürlich überprüft. Wir haben auch mit der neuen Freundin

00:16:27.375 --> 00:16:31.755
oder Lebensgefährtin gesprochen, um herauszufinden, ob es von der Seite möglicherweise

00:16:31.755 --> 00:16:36.935
irgendwelche Eifersuchtszenarien oder anderes geben könnte.

00:16:37.215 --> 00:16:41.995
Aber da war am Schluss auch wirklich rein gar nichts, egal was wir da angesprochen haben.

00:16:42.295 --> 00:16:46.515
Es gab hier keine Motivlage, die uns weitergebracht hätte. Und natürlich haben

00:16:46.515 --> 00:16:48.375
wir auch bei dem Opfer dann noch weitergeschaut.

00:16:48.855 --> 00:16:54.235
Gibt es hier irgendwelche Eifersuchtstramen, Frauengeschichten oder irgendwelche

00:16:54.235 --> 00:16:57.235
Männer im Hintergrund, die möglicherweise hier eifersüchtig sind?

00:16:57.435 --> 00:16:59.655
Und auch das war alles absolut unauffällig.

00:17:00.395 --> 00:17:05.275
Auch weitere Ermittlungen im privaten Umfeld des Opfers haben keine neuen Erkenntnisse ergeben.

00:17:05.695 --> 00:17:10.295
Karl-Heinz Ebach hatte weder Schulden, noch war er mit jemandem in Streit geraten.

00:17:10.555 --> 00:17:14.395
Er galt als harmoniebedürftiger Einzelgänger, lebte eher bescheiden.

00:17:15.749 --> 00:17:19.709
Er könnte also einen Grund gehabt haben, diesen Mann, der auch von Mitarbeiterinnen

00:17:19.709 --> 00:17:23.569
und Mitarbeitern als netter Chef beschrieben wurde, brutal zu ermorden.

00:17:24.489 --> 00:17:27.869
Die Polizei erhofft sich hier zunächst Hinweise von Personen,

00:17:28.029 --> 00:17:30.089
die Karl-Heinz Ebach noch lebend gesehen haben.

00:17:30.789 --> 00:17:34.949
Doch der verspätete Fahrer Boris Pavlik war spurlos verschwunden.

00:17:35.369 --> 00:17:39.269
Und dann ist plötzlich eine ganz andere Person in den Fokus der Ermittlungen gerückt.

00:17:45.749 --> 00:17:50.869
Nach Überprüfung der Stempeluhr hat die Buchhalterin Ursula Walz um 22.02 Uhr

00:17:50.869 --> 00:17:53.869
als letzte Person vor Karl-Heinz Ebach den Betrieb verlassen.

00:17:54.689 --> 00:17:58.249
Zu diesem Zeitpunkt telefoniert er, wie wir vorhin schon gehört haben,

00:17:58.589 --> 00:17:59.569
noch mit seiner Freundin.

00:17:59.789 --> 00:18:05.169
Laut späterem Verbindungsnachweis von 21.54 Uhr bis 22.05 Uhr.

00:18:05.969 --> 00:18:09.809
Vermutlich nur kurze Zeit später verlässt der Firmenleiter dann sein Büro,

00:18:10.029 --> 00:18:12.269
um den Betrieb über Weihnachten zu schließen.

00:18:12.849 --> 00:18:16.649
Eigentlich hätte Karl-Heinz Ebach die Alarmanlage des Betriebs pünktlich um

00:18:16.649 --> 00:18:18.469
22 Uhr aktivieren müssen.

00:18:18.989 --> 00:18:24.209
Doch offenbar vergisst er das an diesem Abend. Deshalb löst das System einen

00:18:24.209 --> 00:18:25.829
sogenannten Negativalarm aus.

00:18:26.049 --> 00:18:29.749
Der private Wachdienst, der für die Alarmanlage zuständig ist,

00:18:30.269 --> 00:18:35.389
erhält eine automatische Benachrichtigung, dass die Anlage nicht scharf gestellt worden ist.

00:18:35.389 --> 00:18:39.869
Die Sicherheitsbeamten sehen die Benachrichtigung um 22.17 Uhr und versuchen

00:18:39.869 --> 00:18:44.769
vier Minuten später, Karl-Heinz Ebach telefonisch zu erreichen. Aber vergeblich.

00:18:45.389 --> 00:18:46.989
Als nächste Kontaktperson auf

00:18:46.989 --> 00:18:50.669
ihrer Liste rufen sie die Buchhalterin des Paketdepots, Ursula Walz, an.

00:18:51.696 --> 00:18:55.716
Die reagiert sofort und macht sich umgehend auf den Weg zurück zu ihrem Arbeitsplatz,

00:18:55.816 --> 00:18:56.896
um nach dem Rechten zu sehen.

00:19:01.116 --> 00:19:05.376
Herr Samel, was hat Ursula Walz denn dazu berichtet? Sie hat uns in der Vernehmung

00:19:05.376 --> 00:19:09.436
erzählt, dass sie um 22.40 Uhr vor Ort angekommen sei.

00:19:09.736 --> 00:19:13.236
Und zu diesem Zeitpunkt sei das Tor geschlossen gewesen. Das ist ihr deswegen

00:19:13.236 --> 00:19:17.156
aufgefallen, weil als sie zuvor die Arbeitsstätte verlassen hatte,

00:19:17.276 --> 00:19:19.976
also als sie nach Hause gegangen ist, sei das Tor noch offen gewesen.

00:19:20.736 --> 00:19:25.116
Außerdem hätte sie gesehen, dass ein weißer Transporter oder ein weißer Lieferwagen,

00:19:25.196 --> 00:19:28.116
wie sie es beschrieben hat, auf dem Gelände gestanden hat.

00:19:28.756 --> 00:19:33.236
Wir glaubten zu diesem Zeitpunkt, dass der Lieferwagen dem oder dem Täter gehört haben muss.

00:19:34.056 --> 00:19:37.896
Und sie sind ja davon ausgegangen, dass Karl-Heinz Ewach zum Zeitpunkt des Anrufs

00:19:37.896 --> 00:19:39.616
der Wachfirma schon nicht mehr am Leben war.

00:19:39.916 --> 00:19:44.676
Damit lag die Tatzeit vermutlich zwischen 22.05 Uhr und 22.20 Uhr.

00:19:45.336 --> 00:19:49.416
Hätte die Buchhalterin dann nicht die Leiche ihres Chefs auf dem Hof sehen müssen?

00:19:49.656 --> 00:19:50.796
Wie sehen Sie das, Herr Solier?

00:19:51.456 --> 00:19:54.396
Man muss sich vorstellen, es war Winterzeit. Es war früh dunkel.

00:19:54.676 --> 00:19:59.156
Das Industriegebiet liegt etwas abseits, ist ebenfalls relativ dunkel gehalten.

00:19:59.636 --> 00:20:03.876
Die Frau ist alleine hingefahren, war lediglich mit dem Auto am Tor,

00:20:04.016 --> 00:20:08.936
hat gesehen, dass das Tor abgeschlossen war, sieht auch diesen weißer LKW,

00:20:09.076 --> 00:20:12.636
also ein typisches Auto, was auch dort benutzt wird, glaubte, das gehöre zur Firma.

00:20:13.436 --> 00:20:16.476
Sie ist dann, weil sie wusste, dass ihr Chef in der Nacht noch starten wollte

00:20:16.476 --> 00:20:21.356
zu seiner neuen Freundin und noch tanken musste, zur örtlichen Tankstelle gefahren

00:20:21.356 --> 00:20:24.816
und wollte schauen, ob sie ihn danach abgreifen kann.

00:20:25.436 --> 00:20:29.136
Das ist ihr nicht gelungen. Danach ist sie nach Hause gefahren und hat ihm dort

00:20:29.136 --> 00:20:32.316
mit einem Zettel eine Nachricht hinterlassen, dass dieser Alarm eingegangen sei.

00:20:32.576 --> 00:20:35.816
Sie glaubte, er hat lediglich vergessen, die Alarmanlage scharf zu schalten.

00:20:36.776 --> 00:20:41.316
Die Buchhalterin, die dann vermutlich als letzte Zeugin routinemäßig überprüft

00:20:41.316 --> 00:20:45.796
wurde, geriet ja schließlich selbst dann in den Fokus ihrer Ermittlungen. Warum?

00:20:46.736 --> 00:20:51.516
Naja, uns war bekannt, dass die Buchhalterin von ihrem Freund abgeholt worden

00:20:51.516 --> 00:20:55.096
ist und die letzten Personen, die jemanden lebend gesehen haben,

00:20:55.196 --> 00:20:57.276
sind natürlich routinemäßig immer sehr interessant.

00:20:57.496 --> 00:21:02.256
Und in dieser Situation haben wir natürlich auch beide Personen auch sehr intensiv

00:21:02.256 --> 00:21:06.876
überprüft. Die Vorgehensweise der brutalen Mord sprach eher von männlichen Täter.

00:21:08.236 --> 00:21:12.916
Die Buchhalterin wusste natürlich um die Umstände der Geldeinnahmen, was an Geld da ist.

00:21:12.976 --> 00:21:16.916
Wir gingen davon aus, dass hier ein gewisses Insidermissen vorhanden sein muss.

00:21:17.596 --> 00:21:22.116
Es gab Rekonstruktionen, wie sie gefahren sind. Wir haben das sehr intensiv nachgestellt.

00:21:22.896 --> 00:21:26.696
Wir haben teilweise mit der Stoppuhr gestoppt, die Zeiten. Also um es kurz zu

00:21:26.696 --> 00:21:28.516
machen, da ist kein Verdacht hängen geblieben.

00:21:28.400 --> 00:21:35.600
Music.

00:21:35.447 --> 00:21:39.487
Bei der Suche nach dem Grund für die Übertötung standen sie ja lange vor einem Rätsel.

00:21:39.767 --> 00:21:42.787
Ein Raub schien zunächst das einzig greifbare Motiv zu sein.

00:21:42.887 --> 00:21:48.267
Und hier haben sie frühzeitig ausgeschlossen, dass Karl-Heinz Ebach ein Zufallsopfer war. Warum?

00:21:48.927 --> 00:21:52.347
Zum einen muss man mal die Örtlichkeiten kennen. Wir gingen davon aus,

00:21:52.387 --> 00:21:53.787
dass wir Insiderwissen hier haben.

00:21:53.967 --> 00:21:58.387
Es musste jemand sein, der weiß, dass im Betrieb überhaupt Geld vorhanden ist.

00:21:59.107 --> 00:22:03.327
Es muss auch jemand sein, der weiß, dass das Opfer der Ebach alleine das Gebäude

00:22:03.327 --> 00:22:05.967
verlässt. Wenn der mit Belegschaft zusammen das Gebäude verlässt,

00:22:06.047 --> 00:22:08.207
wer greift da an? Also das ist eher unwahrscheinlich.

00:22:08.927 --> 00:22:12.487
Also es musste jemand sein, der Abläufe kannte. Was war dann Ihr Ansatz?

00:22:12.567 --> 00:22:13.967
Wie haben Sie weitergemacht?

00:22:14.347 --> 00:22:17.367
Ja, das war natürlich eine große Schwierigkeit, weil wir haben natürlich alle

00:22:17.367 --> 00:22:21.567
Personen, die einen Bezug zu dieser Firma, zu diesem Gebäude haben, überprüft.

00:22:21.967 --> 00:22:26.887
Das heißt zum einen alle Angestellten, die dort gearbeitet haben oder früher mal gearbeitet haben.

00:22:27.327 --> 00:22:31.227
Wir haben geschaut, wer hat Bezug zu dieser Firma. Es gab also auch Subunternehmer

00:22:31.227 --> 00:22:33.587
mit Angestellten, die für diese Firma gefahren sind.

00:22:33.707 --> 00:22:37.127
Also es kamen sehr viele Personen in Frage, die Kenntnisse hatten.

00:22:37.507 --> 00:22:39.307
Wer zum Beispiel? Können Sie davon erzählen?

00:22:40.027 --> 00:22:43.467
Ja, wie es gerade eben angesprochen worden ist, muss man sich das bei den Speditionen

00:22:43.467 --> 00:22:46.967
ja so vorstellen, dass die sehr, sehr viel mit Subunternehmern arbeiten.

00:22:47.127 --> 00:22:51.247
Also das sind kleine Speditionsfirmen, die dann wiederum für die große Spedition arbeiten.

00:22:51.467 --> 00:22:55.387
Und auch diese Speditionsfirmen haben dann wieder Angestellte,

00:22:55.467 --> 00:22:57.667
also angestellte Fahrer, die hier tätig sind.

00:22:58.327 --> 00:23:01.867
Da ist man sehr schnell bei deutlich über 100 Personen, die überprüft worden

00:23:01.867 --> 00:23:03.627
sind oder überprüft werden müssen.

00:23:03.707 --> 00:23:07.787
Und all diese Personen haben wir dann im Rahmen der Ermittlungen erfasst und

00:23:07.787 --> 00:23:09.887
zum Teil dann auch standardmäßig überprüft,

00:23:10.067 --> 00:23:13.447
auch uns die Frage gestellt und auch in den Datenbanken überprüft,

00:23:13.507 --> 00:23:16.607
gibt es zu diesen einzelnen Personen schon Erkenntnisse, haben die vielleicht

00:23:16.607 --> 00:23:19.227
schon Straftaten begangen, um es mal so zu sagen,

00:23:19.927 --> 00:23:24.467
und wir haben natürlich uns speziell auch fokussiert auf die Leute,

00:23:24.707 --> 00:23:28.987
die an diesem Tag im Dienst waren, die gearbeitet haben, die Pakete ausgefahren

00:23:28.987 --> 00:23:33.727
haben, Pakete zurückgebracht haben und auch mit ihren Speditionsfahrzeugen dort tätig war.

00:23:37.727 --> 00:23:41.767
Und einer davon war, wie wir bereits gehört haben, der Fahrer Boris Pavlik.

00:23:42.167 --> 00:23:45.867
Wegen seiner Verspätung musste Karl-Heinz Ebach länger in der Firma bleiben.

00:23:46.487 --> 00:23:50.487
Was war damals die Vermutung, Herr Solje? Das war natürlich sehr auffällig,

00:23:50.627 --> 00:23:52.507
dass die Situation so entstanden ist.

00:23:52.907 --> 00:23:56.607
Zum einen dachten wir, naja, entweder hat er vielleicht Geld gebraucht und hat

00:23:56.607 --> 00:23:59.627
dieses Geld verschwinden lassen mit dem Argument, Er hat es verloren,

00:23:59.687 --> 00:24:02.507
er ist ihm gestohlen worden oder aber es war eine Finte,

00:24:02.687 --> 00:24:05.947
um einfach dafür zu sorgen, dass der Chef länger in der Firma bleibt,

00:24:06.127 --> 00:24:08.267
um sicher zu gehen, dass er dann alleine ist.

00:24:08.962 --> 00:24:12.062
Und er wusste ja auch, dass der Chef die Schlüssel zum Tresor hat.

00:24:12.342 --> 00:24:17.162
Also eine Person mit einem möglichen Motiv. Aber dieser Mann war zunächst mal verschwunden.

00:24:17.422 --> 00:24:21.442
Ja, er war offensichtlich, wie wir dann auf Nachfragen ermitteln konnten,

00:24:21.642 --> 00:24:24.882
wegen Weihnachten in seiner Heimat, also nach Polen, gereist.

00:24:25.222 --> 00:24:29.542
Wobei wir zunächst, also in den Tagen nach der Tat, nicht klären konnten,

00:24:29.722 --> 00:24:31.502
wo in Polen er sich dann aufgehalten hat.

00:24:31.642 --> 00:24:35.582
Und wie haben Sie Boris Pavlik letztlich gefunden? Am 27.

00:24:35.842 --> 00:24:41.342
Dezember ist er aus Polen zurückgekommen und wurde direkt von uns vernommen in der Sache.

00:24:41.682 --> 00:24:43.882
Er hat dann auch angegeben, das war eine weitere Auffälligkeit,

00:24:44.222 --> 00:24:49.982
dass am Tag sein jüngerer Bruder, der war damals 25 Jahre alt, bei ihm zu Besuch war.

00:24:50.222 --> 00:24:54.562
Und dieser Bruder war den ganzen Tag mit im Transporter mitgefahren,

00:24:54.902 --> 00:24:59.402
obwohl er kein Angestellter des Depots der Firma war. Also eine ungewöhnliche Situation.

00:25:00.182 --> 00:25:04.902
Man hat aber dann angeblich lange gemeinsam versucht, die Geldtasche wiederzufinden

00:25:04.902 --> 00:25:07.242
und sei deswegen verspätet ins Depot gekommen.

00:25:08.022 --> 00:25:11.102
Was auch eine Auffälligkeit war, er hat später in der Nacht noch eine Küche

00:25:11.102 --> 00:25:15.422
mit seinem Bruder abgebaut, die man ihm geschenkt hat und ist dann mit dieser

00:25:15.422 --> 00:25:19.502
Küche an dem Tattag in der Nacht nach Polen nach Hause gefahren,

00:25:19.602 --> 00:25:20.982
auch um dort Weihnachten zu verbringen.

00:25:21.902 --> 00:25:24.582
Konnte dieser Abbau der Küche denn von Zeugen bestätigt werden?

00:25:24.782 --> 00:25:29.122
Ja, es gab Zeugen, die haben das bestätigt, wobei die Uhrzeiten ein Problem

00:25:29.122 --> 00:25:31.462
war. Aber man konnte diese nicht mehr genau festmachen.

00:25:31.922 --> 00:25:36.282
Herr Sammel, ist die Geldtasche mit den 2.000 Euro eigentlich wieder aufgetaucht?

00:25:36.462 --> 00:25:39.042
Die blieb bis zum Letzt leider verschwunden.

00:25:39.462 --> 00:25:44.422
Wir haben alle Angaben der Fahrer entsprechend überprüft und auch nachgeprüft,

00:25:44.582 --> 00:25:47.762
wo diese angeblich nach der Tasche gesucht haben und auch gesucht haben wollen

00:25:47.762 --> 00:25:50.922
und wo sie möglicherweise hätte verloren gegangen sein können.

00:25:51.202 --> 00:25:55.702
Wir haben auch hier Wegzeitberechnungen angestellt, also ob das so stimmen kann,

00:25:55.862 --> 00:25:58.702
was in der Vernehmung uns berichtet wurde.

00:25:59.302 --> 00:26:02.702
Da kam es dann allerdings zu den ein oder anderen Unstimmigkeiten,

00:26:02.722 --> 00:26:08.142
die Wegstrecke und das, was gesagt wurde, nicht als ganz plausibel erschienen ließ.

00:26:08.242 --> 00:26:12.382
Der jüngere Bruder war ja zum Zeitpunkt der Befragung von Boris Pawlik in Polen.

00:26:12.582 --> 00:26:14.302
Wie konnte er überprüft werden?

00:26:14.616 --> 00:26:18.156
Ja, wir haben mit den Polen Kontakt aufgenommen und haben die um Überprüfung

00:26:18.156 --> 00:26:21.216
gebeten. Das geschieht in Form eines Rechtshilfersuchen.

00:26:21.296 --> 00:26:25.656
Das bedeutet, die Staatsanwaltschaft nimmt auf bestimmte Wege mit der Staatsanwaltschaft

00:26:25.656 --> 00:26:30.236
in Polen Kontakt auf und daraufhin wurden dann in Polen Maßnahmen ergriffen.

00:26:30.876 --> 00:26:35.276
Polnische Kollegen haben parallel ermittelt, der Bruder ist in Polen vernommen worden.

00:26:35.396 --> 00:26:39.716
Ein Team von uns ist ebenfalls nach Polen gereist und war anwesend bei dieser Vernehmung.

00:26:39.956 --> 00:26:43.016
Dann wurde auch die Wohnung durchsucht. Man hat nach Schuhen geschaut,

00:26:43.096 --> 00:26:46.776
die möglicherweise vom Abdruck her identisch sind, mit dem Schuhabdruck,

00:26:46.856 --> 00:26:49.196
den wir ja gefunden hatten, an der Glasscheibe.

00:26:49.796 --> 00:26:52.596
Von der Schuhgröße hätte es sogar theoretisch gepasst.

00:26:53.436 --> 00:26:57.696
Also beide Brüder waren Gegenstand intensiver Ermittlungen und sind mehrfach vernommen worden.

00:27:02.016 --> 00:27:05.636
Die beiden Brüder waren zu diesem Zeitpunkt die Hauptverdächtigen.

00:27:05.776 --> 00:27:09.276
Aber es fehlten Beweise und so blieb ihnen ja nichts anderes übrig,

00:27:09.316 --> 00:27:11.056
als weiter in alle Richtungen zu ermitteln.

00:27:11.596 --> 00:27:15.816
So haben sie zum Beispiel noch eine andere Personengruppe genauer unter die Lupe genommen.

00:27:16.396 --> 00:27:19.496
Welche Personengruppe war das? Wir haben die, wie man so schön sagt,

00:27:19.676 --> 00:27:23.856
Kleinkriminellen aus der Region natürlich auch überprüft und haben uns angeschaut,

00:27:23.856 --> 00:27:29.036
wo gab es Einbrüche in der Zeit, Wo gab es vielleicht ähnlich gelagerte Raubdelikte,

00:27:29.216 --> 00:27:31.256
also mit einer ähnlichen Tatausführung?

00:27:32.016 --> 00:27:34.516
Gab es irgendwelche oder gibt es irgendwelche Gruppierungen,

00:27:34.696 --> 00:27:38.896
die in diesem Bereich zu der Zeit unterwegs waren, die vielleicht entsprechend

00:27:38.896 --> 00:27:42.536
Objekte ausgespäht haben oder vergleichbare Taten begangen haben?

00:27:42.536 --> 00:27:47.836
Und wir haben uns natürlich auch angeschaut, welche Personen aus dem Umfeld,

00:27:48.056 --> 00:27:52.516
aus der Region sind in der jüngeren Vergangenheit überhaupt strafrechtlich in

00:27:52.516 --> 00:27:55.956
Erscheinung getreten oder mit ähnlichen Delikten, also mit Eigentumsdelikten

00:27:55.956 --> 00:27:57.336
oder mit Raubdelikten aufgefallen.

00:27:57.516 --> 00:28:00.896
Und während dieser Ermittlungen hat die Mordkommission dann auch festgestellt,

00:28:01.096 --> 00:28:05.256
dass es in den Jahren zuvor bereits vier ähnliche Einbrüche in das Depot gegeben hatte.

00:28:05.436 --> 00:28:09.416
Auch diese Einbrüche wurden ja von Ihnen überprüft. Ja, diese Einbrüche waren

00:28:09.416 --> 00:28:14.336
auch der Grund dafür, dass der Vorgänger von Herrn Ebach das besagte Alarmsystem

00:28:14.336 --> 00:28:16.916
installiert hat, was er in der Nacht ja auch angeschlagen hat.

00:28:17.676 --> 00:28:20.836
Eine dieser Einbrüche war von der Nachbardienststelle aufgeklärt worden,

00:28:21.036 --> 00:28:25.376
sodass wir dadurch auch konkrete Namen der damaligen Täter hatten.

00:28:25.816 --> 00:28:30.236
Diese Personen wurden, wie eben bereits von Herrn Sammel geschildert, von uns überprüft.

00:28:30.776 --> 00:28:34.476
Alle hatten dann auch ein Alibi angegeben für die besagte Tatzeit.

00:28:35.116 --> 00:28:39.276
Trotz intensivster Ermittlungen, hunderter Überprüfungen und Vernehmungen fehlte

00:28:39.276 --> 00:28:40.436
der entscheidende Hinweis.

00:28:41.376 --> 00:28:44.616
Der Tatverdacht gegen den polnischen Fahrer Boris Pawlik und seinen Bruder,

00:28:44.716 --> 00:28:48.436
der zunächst vielversprechend schien, hatte sich trotz monatelanger Ermittlungen

00:28:48.436 --> 00:28:49.876
am Ende nicht erhärten lassen.

00:28:50.256 --> 00:28:53.556
Der Fall wird 2008 also schließlich zum Cold Case.

00:28:56.796 --> 00:29:02.456
Herr Soulier, 2009 sind Sie dann der Leiter des K11, also der Mordkommission in Trier geworden.

00:29:03.598 --> 00:29:07.778
Sie hatten dann lange nichts mehr mit dem Fall zu tun, aber losgelassen hat sie das Ganze nie.

00:29:08.258 --> 00:29:11.958
Neun Jahre nach dem Mord haben sie dann noch einmal einen Versuch gestartet

00:29:11.958 --> 00:29:15.578
und den Fall im April 2014 bei uns in der Sendung vorgestellt.

00:29:15.838 --> 00:29:20.458
Wie kam es dazu? In den Mordkommissionen gibt es fast immer sogenannte Altfälle.

00:29:20.558 --> 00:29:22.998
Das sind ungeklärte Morde. Auch wir haben welche.

00:29:23.958 --> 00:29:27.458
Das Arbeitsaufkommen bei Mordkommissionen läuft nach Wellenbewegungen.

00:29:27.598 --> 00:29:31.138
Wir haben Zeiten, da ist relativ viel los mit aktuellen Fällen.

00:29:31.238 --> 00:29:34.178
Dann wiederum haben wir Zeiten, wo relativ wenig ist. Und wir haben in Trier

00:29:34.178 --> 00:29:37.858
diese Zeiten genutzt, um diese Altfälle nochmal anzugehen.

00:29:38.198 --> 00:29:41.838
Wir haben es so aufgeteilt, dass jeder Sachbearbeiter ein bis zwei Altfälle

00:29:41.838 --> 00:29:46.058
betreut, um, wenn Informationen reinkommen, er sprachfähig ist und auch mit

00:29:46.058 --> 00:29:47.758
diesen Altfällen arbeitet.

00:29:48.018 --> 00:29:52.298
Ich hatte diesen Fall hier einem jungen Mitarbeiter zugewiesen und der hatte

00:29:52.298 --> 00:29:54.498
die Idee mit Aktenzeichen.

00:29:54.618 --> 00:29:58.018
Ich hatte ihn zuvor gebeten, in dem Fall nach sogenannten Lücken zu suchen,

00:29:58.178 --> 00:30:01.878
also Ermittlungslücken, Dingen, die nicht geschlossen sind, Fragen, die offen sind.

00:30:02.658 --> 00:30:05.978
Und nachdem er diesen Vorschlag gemacht hatte, zur Aktenzeichen zu gehen mit

00:30:05.978 --> 00:30:07.518
dieser Sendung, habe ich ihm natürlich auch zugestimmt.

00:30:07.758 --> 00:30:10.278
Und das wurde dann ja wahrscheinlich auch mit Ihnen besprochen,

00:30:10.378 --> 00:30:11.538
Herr Sammel, oder? Ja, genau.

00:30:11.778 --> 00:30:15.398
Das ist letztlich immer eine Teamentscheidung. Also wir setzen uns dann zusammen,

00:30:15.518 --> 00:30:18.278
überlegen, wie es der Herr Solé auch gerade gesagt hat, was können wir in dem

00:30:18.278 --> 00:30:21.638
Fall noch tun, insbesondere der zugeteilte Sachbearbeiter.

00:30:22.078 --> 00:30:25.698
Und dann besprechen wir das in der Runde und entscheiden dann auch,

00:30:25.798 --> 00:30:28.338
welche weiteren Ermittlungen können noch gemacht werden.

00:30:28.518 --> 00:30:33.158
Und auch natürlich darüber, gehen wir zur Aktenzeichen, kann uns das möglicherweise

00:30:33.158 --> 00:30:34.538
in der Sache weiterhelfen.

00:30:34.778 --> 00:30:38.378
Und so kam es dann hier auch in dem Fall. Wir haben dann gemeinsam besprochen

00:30:38.378 --> 00:30:43.578
und entschieden, dass wir mit dem Fall in die Sendung Aktenzeichen XY gehen

00:30:43.578 --> 00:30:49.738
wollen, in der Hoffnung, neue Hinweise zu bekommen, die uns zur Aufklärung des Falles helfen.

00:30:49.360 --> 00:30:56.720
Music.

00:30:56.198 --> 00:31:02.338
Am 16. April 2014 ist es dann soweit. Der Fall wird bei Aktenzeichen XY ungelöst gezeigt.

00:31:02.838 --> 00:31:06.138
Für sachdienliche Hinweise, die man sich durch die Sendung erhofft,

00:31:06.218 --> 00:31:08.118
wird die Belohnung durch den Arbeitgeber E.

00:31:08.158 --> 00:31:12.318
Bachs noch einmal von 10.000 auf 25.000 Euro erhöht.

00:31:12.498 --> 00:31:15.918
Und dann gibt es tatsächlich eine spektakuläre Wende in dem Fall.

00:31:16.478 --> 00:31:20.938
Genauer gesagt durch einen Anruf während der Sendung. Eine Zuschauerin meldet

00:31:20.938 --> 00:31:22.118
sich telefonisch im Studio.

00:31:22.698 --> 00:31:27.318
Sie berichtet von ihrem Aufenthalt in einer Drogenentzugsklinik im Jahr 2011.

00:31:27.938 --> 00:31:32.318
Der liegt also schon einige Jahre zurück. Dort hatte sie sich mit einem jungen

00:31:32.318 --> 00:31:33.838
Mitpatienten angefreundet.

00:31:34.318 --> 00:31:38.898
Im Vertrauen habe er ihr erzählt, in der Vergangenheit gemeinsam mit mehreren

00:31:38.898 --> 00:31:41.698
anderen Personen zahlreiche Einbrüche begangen zu haben.

00:31:42.238 --> 00:31:44.938
Bei einem dieser Einbrüche sei ein Mann erschlagen worden.

00:31:45.558 --> 00:31:50.538
Dieses Bild verfolge ihn besonders der Moment, in dem er gezwungen gewesen sei,

00:31:50.738 --> 00:31:52.158
über die Leiche hinweg zu steigen.

00:31:52.998 --> 00:31:58.018
Der getötete Mann, so seine Erzählung, sei der Leiter eines Paketdepots gewesen.

00:31:58.278 --> 00:32:01.038
Und noch etwas macht den Anruf der Frau so bemerkenswert.

00:32:01.816 --> 00:32:05.376
Sie nennt sogar den Namen dieses Mannes, den wir hier Markus K. nennen.

00:32:11.376 --> 00:32:16.096
Herr Solier, diesen Markus K., den kannten Sie bereits. Sie hatten ihn 2005

00:32:16.096 --> 00:32:20.196
schon mal kurz im Blick, weil er als sogenannter Kleinkrimineller aktenkundig war.

00:32:20.456 --> 00:32:25.236
Ja, wir wussten, dieser Markus K. war zum Tatzeitpunkt 21 Jahre alt.

00:32:25.496 --> 00:32:28.936
Es war jemand, der bei früheren Einbrüchen im Paketdepot dabei war.

00:32:28.936 --> 00:32:32.596
Und es war auch einer dieser Personen oder einer dieser Fälle,

00:32:32.716 --> 00:32:36.996
der aufgeklärt worden ist und damit ist dieser Name auch bekannt geworden und

00:32:36.996 --> 00:32:40.056
diese Kleinkriminellen wurden ja damals, wie eben bereits geschildert,

00:32:40.516 --> 00:32:42.276
in die Überprüfungen mit einbezogen.

00:32:42.576 --> 00:32:47.996
Er hatte damals ein Alibi für den Tatzeitraum angegeben, dennoch war diese Information,

00:32:48.016 --> 00:32:51.696
die über Aktenzeichen reinkam, hochinteressant, hat bei uns die Alarmglocken

00:32:51.696 --> 00:32:54.396
klingeln lassen, weil wir jetzt eine Person hatten,

00:32:55.056 --> 00:33:00.276
die damals schon überprüft wurde, nicht intensiv, aber überprüft wurde.

00:33:00.616 --> 00:33:04.076
Und damit war diese Person hochinteressant für weitere Überprüfungen.

00:33:04.896 --> 00:33:09.276
Die Ermittlungen liefen also jetzt wieder auf Hochtouren. Nach den vielen Jahren

00:33:09.276 --> 00:33:12.316
endlich ein neuer konkreter Ansatzpunkt. Erzählen Sie, wie ging es weiter?

00:33:12.816 --> 00:33:15.996
Ja, wir haben jetzt begonnen, diese Person sehr intensiv zu überprüfen.

00:33:16.156 --> 00:33:20.236
Also wir konnten ermitteln, dass er in unterschiedlicher Tatbeteiligung immer

00:33:20.236 --> 00:33:25.436
wieder mit leicht abgewandelten Versionen bei Einbrüchen zugegen war und dabei war.

00:33:25.656 --> 00:33:29.856
Er hat dann auch diese Version, die die Zeugin über Aktenzeichen den Hinweis

00:33:29.856 --> 00:33:32.156
gegeben hat, auch anderen Personen mitgeteilt.

00:33:32.256 --> 00:33:38.216
Also erzählt, dass er bei diesem Geschehnis, wo das Opfer zu Tode kam, dabei war.

00:33:38.796 --> 00:33:43.416
Interessant war, dass er zum Zeitraum, als wir ihn überprüft haben,

00:33:43.496 --> 00:33:46.936
ein Alibi angegeben hat, dass er bei einem Freund war.

00:33:47.756 --> 00:33:52.716
Diesen Freund hatten wir jetzt aufgesucht und er wusste nichts von diesem Alibi.

00:33:52.716 --> 00:33:57.176
Das war also eine neue Situation, die wir hatten und hat den Verdacht bestätigt,

00:33:57.716 --> 00:34:00.416
dass diese Person mit der Sache etwas zu tun hat.

00:34:01.177 --> 00:34:06.137
Wie ging es dann weiter? Wurde das Alibi von Markus K. denn 2005 nicht überprüft?

00:34:06.257 --> 00:34:08.957
Das war eine dieser besagten Lücken, von denen ich gesprochen habe,

00:34:09.037 --> 00:34:10.257
nach denen wir suchen sollten.

00:34:10.437 --> 00:34:14.877
Es wurde damals ja hunderte von Personen überprüft. Die meisten haben ein Alibi angegeben.

00:34:15.497 --> 00:34:18.437
Und dieses Alibi ist nicht gegengeprüft worden.

00:34:18.577 --> 00:34:21.697
Und das war die besagte Lücke, wo wir sagten, da müssen wir rein,

00:34:21.757 --> 00:34:23.777
das müssen wir neu nochmal angehen.

00:34:23.997 --> 00:34:26.357
Und dieser Mann war nur ein kleines Licht.

00:34:26.877 --> 00:34:32.557
Der war bekannt für kleinere Delikte und wurde halt auch nur routinemäßig überprüft.

00:34:32.637 --> 00:34:36.957
Es fanden damals keine sehr intensiven Überprüfungen statt, sodass der uns quasi durchgerutscht ist.

00:34:38.397 --> 00:34:43.657
Wie genau Sie Markus K. dann 2014 überprüft haben, das dürfen wir hier aus ermittlungstaktischen

00:34:43.657 --> 00:34:45.317
Gründen nicht im Detail erzählen.

00:34:45.697 --> 00:34:50.437
Was wir aber sagen dürfen, ist, dass Sie den Mann zunächst eine längere Zeit beobachtet haben.

00:34:50.577 --> 00:34:54.317
Und Sie haben dann ja auch nach potenziellen Mittätern Ausschau gehalten. denn Markus K.

00:34:54.437 --> 00:34:58.377
Hatte der Zeugin ja erzählt, dass er die Tat nicht alleine begangen hätte.

00:34:58.737 --> 00:35:00.417
Wie sind Sie dann weiter vorgegangen?

00:35:01.117 --> 00:35:04.737
Wir haben den natürlich im Hintergrund uns sehr, sehr genau angeschaut.

00:35:04.977 --> 00:35:08.517
Also kann man schon fast sagen, auf links gedreht und uns angeschaut,

00:35:08.637 --> 00:35:12.757
welche Personen spielen aktuell in seinem Leben eine Rolle und welche Personen

00:35:12.757 --> 00:35:15.357
haben damals zur Tatzeit eine Rolle gespielt.

00:35:15.497 --> 00:35:20.017
Mit welchen war er privat unterwegs, mit welchen hat er möglicherweise Straftaten

00:35:20.017 --> 00:35:24.217
begangen Und an der Stelle sind wir dann auch direkt wieder im kleinkriminellen

00:35:24.217 --> 00:35:29.557
Milieu gelandet und haben uns natürlich in den alten Verfahren, Einbruchsverfahren,

00:35:29.797 --> 00:35:33.037
in denen er als Mittäter unterwegs war, angeschaut.

00:35:33.117 --> 00:35:36.237
Welche weiteren Personen waren denn da noch beteiligt?

00:35:36.237 --> 00:35:40.257
Also man kann durchaus sagen, dass er zum damaligen Zeitpunkt,

00:35:40.397 --> 00:35:45.597
also in diesen tatrelevanten Jahren, Teil einer losen Gruppierung war,

00:35:45.797 --> 00:35:47.617
salopp gesagt einer Einbrecherbande.

00:35:47.617 --> 00:35:52.497
Also Personen, also Leute, die immer wieder in wechselnden Konzentrationen kleinere

00:35:52.497 --> 00:35:55.477
Straftaten begangen haben, Einbrüche begangen haben.

00:35:55.797 --> 00:36:00.757
Man ist zum Beispiel mal in ein Reifendepot eingebrochen, hat dort Reifen geklaut

00:36:00.757 --> 00:36:05.837
oder aber, wie schon erzählt, in eine Spedition, um dort Päckchen zu öffnen

00:36:05.837 --> 00:36:10.357
und aus den Päckchen Wertgegenstände zu entwenden oder aber auch kleinere Geldbetreiber.

00:36:10.320 --> 00:36:15.600
Music.

00:36:15.446 --> 00:36:19.246
Eine weitere Person, die Ihnen auch schon vom früheren Einbruch auf das Depot

00:36:19.246 --> 00:36:22.746
bekannt war und die seinerzeit ebenfalls sporadisch überprüft wurde,

00:36:22.866 --> 00:36:27.446
war Oleg F., ein 36 Jahre alter Mann, der in Russland geboren wurde.

00:36:27.886 --> 00:36:31.546
Auch sein Alibi, das er 2005 für den Tatabend gegeben hatte,

00:36:32.146 --> 00:36:34.566
wurde nun genauer überprüft und infrage gestellt.

00:36:34.746 --> 00:36:37.946
Was kam dabei heraus, Herr Sammel? Er hatte am 23.

00:36:38.286 --> 00:36:43.586
Dezember 2005, also unmittelbar vor dem Tatabend, laut eigenen Angaben bei einer

00:36:43.586 --> 00:36:47.126
Firma in Koblenz, das sind etwa rund 70 Kilometer vom Tatort entfernt,

00:36:47.266 --> 00:36:51.986
gearbeitet und hatte sich dort auch ein- und ausgestempelt. Also soweit, so gut.

00:36:52.146 --> 00:36:55.666
Diese Stempelzeiten haben wir natürlich überprüft und die waren auf den ersten

00:36:55.666 --> 00:36:57.366
Blick zunächst mal korrekt.

00:36:57.766 --> 00:37:01.006
Wenn man dann aber tiefer geschaut hat und tiefer nachgebohrt hat,

00:37:01.146 --> 00:37:03.566
dann konnten wir im Jahr 2014 ermitteln,

00:37:04.226 --> 00:37:09.326
dass das in der Firma gar nicht so unüblich war, dass man durchaus mal früher

00:37:09.326 --> 00:37:15.206
ging oder später kam und ein Kollege auf der Arbeit einfach für einen den Stempel gedrückt hat.

00:37:15.346 --> 00:37:18.506
Also wie auch hier jetzt in dem Fall und dann ein- oder ausgestempelt hat.

00:37:19.126 --> 00:37:22.506
Insofern muss man sagen, dass sein Alibi letztlich doch sehr wackelig war.

00:37:22.746 --> 00:37:26.266
Sie haben dann weitergegraben und herausgefunden, dass Oleg F.

00:37:26.446 --> 00:37:29.106
Kurz nach der Tat für längere Zeit in Russland war.

00:37:29.486 --> 00:37:33.086
Und außerdem war der Mann zwischenzeitlich in den Bereichen des Menschenhandels

00:37:33.086 --> 00:37:35.086
und der Prostitution auffällig geworden.

00:37:35.566 --> 00:37:41.186
Sie haben ihn dann schließlich im Oktober 2014 unter seiner früheren Meldeadresse aufgesucht.

00:37:41.886 --> 00:37:45.506
Haben Sie ihn dort auch angetroffen? Ja, wir haben nur seine Ex-Frau angetroffen.

00:37:45.806 --> 00:37:49.826
Sie wusste nicht, wo sich ihr Ex-Mann auffällt. Wir haben dann mit ihr geredet

00:37:49.826 --> 00:37:52.386
und sie hat dann wirklich einige sehr interessante Angaben gemacht.

00:37:53.444 --> 00:37:58.284
Und sie konnte sich noch gut erinnern. Immerhin lag der Zeitpunkt der Tat ja neun Jahre zurück.

00:37:58.504 --> 00:38:01.404
Ja, man muss sagen, das war sozusagen Glück im Unglück. Ich meine,

00:38:01.564 --> 00:38:05.164
es war ein Tag vor Heiligabend. Das ist durchaus ein prägnantes Datum.

00:38:05.304 --> 00:38:08.844
Da fällt es einem leichter, sich an gewisse Ereignisse zu erinnern.

00:38:09.424 --> 00:38:15.404
Und sie hat uns berichtet, dass sich ihr Ex-Mann an diesem Heiligabend sehr,

00:38:15.524 --> 00:38:16.924
sehr auffällig verhalten hatte.

00:38:16.924 --> 00:38:22.944
Also sie beschreibt ihn als seltsam in seinem Wesen und er wäre eigentlich morgens

00:38:22.944 --> 00:38:26.784
weggefahren, den ganzen Tag verschwunden und als Grund hätte er angegeben,

00:38:26.904 --> 00:38:30.444
dass er ein Fahrzeug ummelden wollte, was natürlich völliger Unsinn war.

00:38:30.904 --> 00:38:35.624
Der Heiligabend war ein Samstag, da hat keine Meldebehörde offen und schließlich

00:38:35.624 --> 00:38:39.584
sei er erst abends zurückgekommen, sei sehr, sehr übellaunig gewesen.

00:38:40.124 --> 00:38:43.064
Er hätte nicht einmal die Weihnachtsgeschenke ausgepackt, hat sie uns erzählt,

00:38:43.264 --> 00:38:45.844
hätte auch nicht am gemeinsamen Weihnachtsessen teilgenommen.

00:38:45.844 --> 00:38:50.824
Also das sei ja alles schon sehr, sehr komisch vorgekommen und wenige Tage später

00:38:50.824 --> 00:38:53.684
sei er dann einfach mal für ein paar Tage verschwunden gewesen.

00:38:53.924 --> 00:38:58.044
Also das brüchige Alibi und das beschriebene auffällige Verhalten von Oleg F.

00:38:58.124 --> 00:39:01.244
Am Tag nach der Tat hat den Mann für sie interessant gemacht.

00:39:01.424 --> 00:39:04.164
Er konnte als einer der Mittäter in Frage kommen.

00:39:04.764 --> 00:39:08.344
Und während sie in den Tagen darauf dann versucht haben, den Aufenthaltsort

00:39:08.344 --> 00:39:11.784
des Mannes zu ermitteln, meldete sich dann die Ex-Frau noch einmal mit einem

00:39:11.784 --> 00:39:14.024
Brief bei ihnen, den sie gefunden hatte.

00:39:14.624 --> 00:39:18.624
Der war von einem Bekannten, Ariane A., an ihren Ex-Mann.

00:39:18.884 --> 00:39:22.864
Die beiden waren früher enge Freunde, aber seit 2005 verfeindet.

00:39:23.264 --> 00:39:25.164
Herr Sammel, worum ging es in dem Brief?

00:39:25.704 --> 00:39:29.944
Der Brief war dann schon sehr, sehr aufschlussreich und hat uns schon in den

00:39:29.944 --> 00:39:31.544
Ermittlungen einiges zu denken gegeben.

00:39:31.804 --> 00:39:35.604
Der Brief begann mit »Ich weiß, wie es dir jetzt geht, du altes Arschloch«.

00:39:36.844 --> 00:39:39.644
Der Schreiber des Briefes hat sich bei Oleg F.

00:39:39.864 --> 00:39:43.424
Beschwert mit den Worten unter anderem, als du damals abgehauen bist,

00:39:43.484 --> 00:39:45.324
hast du mir viele Probleme hinterlassen.

00:39:45.724 --> 00:39:51.164
In dem Brief ging es dann auch um Prostituierte in diesem Kontext und der Empfänger,

00:39:51.344 --> 00:39:52.924
also Oleg F. wird auch beschuldigt.

00:39:53.064 --> 00:39:58.584
Er hätte die ganze Familie des Verfassers des Briefes zerstört und der Verfasser

00:39:58.584 --> 00:40:01.064
wolle jetzt dafür sorgen, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

00:40:01.784 --> 00:40:05.404
Und ganz zum Schluss endete der Brief mit, und das war für uns natürlich sehr,

00:40:05.504 --> 00:40:08.924
sehr markant, du weißt, was du in Meeren getan hast.

00:40:09.124 --> 00:40:12.344
Ja, ein Satz, der tatsächlich klingt wie aus einem Film.

00:40:12.884 --> 00:40:17.964
Arian A. hatte offenbar Kenntnisse von der Tat und war damit zumindest ein wichtiger Zeuge.

00:40:18.484 --> 00:40:23.884
Ende Oktober 2014 konnten sie den Mann, einen Serben, dann auch ermitteln,

00:40:24.044 --> 00:40:29.004
denn er verbüßte eine 5,5-jährige Haftstrafe und saß immer noch in der JVA.

00:40:29.744 --> 00:40:32.204
Die spannende Frage, war dieser Mann gesprächsbereit, Herr Solier?

00:40:32.524 --> 00:40:37.104
Ja, wir mussten ihn mehrfach aufsuchen. Er war zu Beginn etwas wortkarg.

00:40:37.484 --> 00:40:41.604
Er hat dann nach und nach eingeräumt, dass er den Brief geschrieben hat und

00:40:41.604 --> 00:40:43.144
hat sich auch ein bisschen auf uns eingelassen.

00:40:43.384 --> 00:40:47.884
Er hat erzählt, dass er selbst zur Tatzeit mit seinen Kindern in Serbien war.

00:40:48.424 --> 00:40:52.824
Seine damalige Frau, die in Deutschland geblieben ist, hätte ihn angerufen und

00:40:52.824 --> 00:40:54.264
ihm erzählt, dass Oleg F.

00:40:54.584 --> 00:40:57.784
Bei ihr gewesen sei und habe ihr seltsame Dinge erzählt.

00:40:58.724 --> 00:41:03.364
Als dann der Adrian A. zurückkam aus Serbien, hat er den Oleg F.

00:41:03.464 --> 00:41:05.624
Dazu befragt, was er von seiner Frau wollte.

00:41:06.044 --> 00:41:11.284
Und Oleg F. hätte ihm dagestanden, an der Tat in Meeren mit weiteren Personen

00:41:11.284 --> 00:41:14.724
beteiligt gewesen zu sein. Seine Frau wisse hierüber auch Bescheid.

00:41:19.004 --> 00:41:21.864
Der Mann konnte am Ende keine weiteren Namen nennen.

00:41:22.684 --> 00:41:26.504
Die Ex-Frau von Ariane A. sollte nach diesen Ermittlungsergebnissen dann aber

00:41:26.504 --> 00:41:28.464
auch als wichtige Zeugin vernommen werden.

00:41:28.964 --> 00:41:33.164
Doch Valentina A. versteckte sich aus Angst vor ihrem früheren Partner und konnte

00:41:33.164 --> 00:41:34.884
zunächst nicht ausfindig gemacht werden.

00:41:35.224 --> 00:41:39.384
Während die Suche nach ihr lief, konnte zumindest Oleg F. in Bayern verhaftet

00:41:39.384 --> 00:41:43.044
werden und kam am 17. Dezember 2014 in U-Haft.

00:41:43.404 --> 00:41:48.184
Am selben Tag wurde auch Markus K. nach längerer Observationszeit verhaftet.

00:41:48.184 --> 00:41:52.184
Fast genau neun Jahre nach der Tat gab es endlich zwei konkrete Tatverdächtige.

00:41:53.244 --> 00:41:56.364
Doch das erhoffte Geständnis, das blieb aus.

00:41:57.104 --> 00:42:01.764
Oleg F. schwieg beharrlich zu den Vorwürfen. Und Markus K., der die Tat gleich

00:42:01.764 --> 00:42:05.644
mehreren Personen anvertraut hatte, hatte eine überraschende Erklärung dafür,

00:42:05.924 --> 00:42:09.224
warum er plötzlich keine weiteren Details zur Tat preisgeben kann.

00:42:09.964 --> 00:42:11.304
Dazu kommen wir später noch.

00:42:14.573 --> 00:42:18.813
Herr Sammel, im Januar 2015 konnte dann endlich der aktuelle Aufenthaltsort

00:42:18.813 --> 00:42:20.693
von Valentina A. ermittelt werden.

00:42:21.493 --> 00:42:24.793
Die Hoffnung lag darauf, dass der Verdächtige Oleg F.

00:42:25.413 --> 00:42:30.453
Ihr am ersten Weihnachtstag 2005 konkrete Details zur Tat und Namen möglicher

00:42:30.453 --> 00:42:31.933
Tatbeteiligter genannt hatte.

00:42:32.213 --> 00:42:34.893
Doch die Frau wollte nicht mit der Polizei sprechen. Warum?

00:42:35.173 --> 00:42:38.173
Sie hat sich für ihren Ex-Mann, dem Ariane A., versteckt gehalten,

00:42:38.413 --> 00:42:39.993
obwohl der im Gefängnis saß.

00:42:39.993 --> 00:42:43.813
Das Hintergrund war, dass es in der Vergangenheit in der Beziehung Gewalttätigkeiten

00:42:43.813 --> 00:42:48.113
gab, dass es Bezüge zum Rotlichtmilieu gab, also eine Vielzahl von Dingen,

00:42:48.453 --> 00:42:50.173
die der Zeugin Angst gemacht hatten.

00:42:50.413 --> 00:42:53.913
Und sie hatte natürlich auch Angst, wenn sie jetzt offen in dem Verfahren auftritt.

00:42:54.793 --> 00:42:57.673
Dass ihr Mann dann rausbekommt, spätestens zu dem Zeitpunkt,

00:42:57.773 --> 00:43:01.713
wenn er aus der Haft entlassen wird, wo sie wohnt und sie dann möglicherweise

00:43:01.713 --> 00:43:04.513
aufsucht und sie hier neue Gewalt erfährt.

00:43:05.373 --> 00:43:07.073
Und vor dem Hintergrund, muss man sagen,

00:43:07.233 --> 00:43:10.233
war natürlich ein Stück weit eine Bedrohungslage für die Zeugin gegeben.

00:43:10.573 --> 00:43:15.013
Sie haben dann in diesem speziellen Fall ja die Möglichkeit geprüft, Valentina A.

00:43:15.053 --> 00:43:19.353
In ein Zeugenschutzprogramm zu bringen und haben ihr das dann ja auch angeboten.

00:43:19.933 --> 00:43:22.893
Wollen Sie uns kurz erklären, was das für die Frau bedeutet hätte?

00:43:23.173 --> 00:43:25.913
Ein Zeugenschutzprogramm muss man sich tatsächlich so vorstellen,

00:43:26.313 --> 00:43:30.773
dass die Person dann unter der bekannten Identität, also Name,

00:43:30.993 --> 00:43:34.913
Anschrift, Geburtsdaten, alles, was bis jetzt so zu jemandem,

00:43:35.053 --> 00:43:37.893
der existiert, gehört, nicht mehr existiert hätte.

00:43:38.293 --> 00:43:42.573
Also man gibt der Person eine vollständig neue Identität an irgendeinem anderen

00:43:42.573 --> 00:43:47.453
Ort mit dem Ziel, dass sie auch nicht mehr einer Bedrohung ausgesetzt wird,

00:43:47.593 --> 00:43:50.093
dass sie geschützt ist und dass die Personen,

00:43:50.333 --> 00:43:55.253
hier jetzt ganz konkret der Ariane A., keine Chance haben, sie irgendwie nochmal zu erreichen.

00:43:55.693 --> 00:43:59.433
Und vor dem Hintergrund hat sich die Zeugin dann auch zur Aussage bereitet.

00:44:03.413 --> 00:44:09.293
Die für sie so wichtige Zeugin war nun bereit zu reden und wurde Anfang 2015 mehrfach vernommen.

00:44:10.126 --> 00:44:13.066
Fassen wir die wichtigsten Aussagen der Frau einmal zusammen.

00:44:13.486 --> 00:44:16.166
Zwei Tage nach dem Mord, am 25.

00:44:16.466 --> 00:44:21.506
Dezember 2005, dem Abend des ersten Weihnachtstags, taucht Oleg F.

00:44:21.946 --> 00:44:23.346
Plötzlich bei Valentina A. auf.

00:44:24.106 --> 00:44:28.886
Aufgewühlt und nervös. Er fragt sie, ob er Geld in ihrer Wohnung verstecken

00:44:28.886 --> 00:44:30.406
dürfe, da er verschwinden müsse.

00:44:31.186 --> 00:44:34.526
Sie weigert sich, aus Angst, ihr Mann könne das Geld finden.

00:44:35.446 --> 00:44:39.166
Daraufhin versteckt Oleg F. das Geld zunächst in einem Taubenschlag im Garten,

00:44:39.546 --> 00:44:41.106
holt es jedoch später wieder ab.

00:44:41.506 --> 00:44:46.026
Oleg F. vertraut sich der Frau an, da er sehr von dem Verbrechen belastet sei.

00:44:47.126 --> 00:44:51.226
Obwohl es nur um einen Raub gehen sollte, wäre er jetzt tatsächlich an einem

00:44:51.226 --> 00:44:52.626
brutalen Mord beteiligt.

00:44:53.146 --> 00:44:57.126
Auch wenn er nur der Fahrer gewesen wäre, denn er hätte im Auto gewartet.

00:44:58.286 --> 00:45:01.706
Insgesamt vier weitere Personen seien an der Tat beteiligt gewesen.

00:45:02.226 --> 00:45:06.246
Darunter auch eine Frau, die Karl-Heinz Ebach beim Verlassen des Gebäudes ablenken sollte.

00:45:10.686 --> 00:45:13.906
Herr Solier, konnte die Frau denn weitere Namen nennen?

00:45:14.326 --> 00:45:17.886
Ja, das konnte sie in der Tat. Sie hat uns zum einen einen Georg O.

00:45:18.046 --> 00:45:22.186
Genannt, ein 26-jähriger Deutscher, sowie den Namen Timur L.,

00:45:22.186 --> 00:45:26.006
das sei der Schwager des Georg O., damals 18 Jahre alt.

00:45:26.306 --> 00:45:30.406
Von einem ebenfalls beteiligten Marokkaner und der Frau wisse sie keinen Namen.

00:45:31.126 --> 00:45:34.446
Also neben Oleg F. zwei weitere konkrete Namen.

00:45:35.106 --> 00:45:38.266
Wusste Sie denn, wer von Ihnen Karl-Heinz E. Bach umgebracht hat?

00:45:38.826 --> 00:45:42.286
Ja, je nach sei Georg O. ausgerastet und habe den Mond begangen.

00:45:42.446 --> 00:45:45.446
Warum dieser ausgerastet sei, das wusste sie nicht.

00:45:45.666 --> 00:45:50.206
Sie hatten damit mittlerweile zehn Jahre nach der Tat zum ersten Mal einen konkreten

00:45:50.206 --> 00:45:54.626
Hinweis auf den mutmaßlichen Mörder von Karl-Heinz E. Bach, Georg O.,

00:45:55.353 --> 00:46:00.413
War Ihnen dieser Name auch bereits bekannt? Nein, er war im Jahr 2005 nicht

00:46:00.413 --> 00:46:05.033
im kleinkriminellen Milieu erfasst und wurde deshalb damals auch nicht von uns überprüft.

00:46:05.153 --> 00:46:09.213
Also wir hatten ihn da nicht auf dem Radar, er war nicht in den Datenbanken bei uns drin.

00:46:10.053 --> 00:46:15.253
Als wir ihn dann 2014 in die Vernehmung genommen haben, hat er uns ein Alibi

00:46:15.253 --> 00:46:18.673
präsentiert und hat gesagt, ich kann es gar nicht gewesen sein.

00:46:18.673 --> 00:46:21.153
Ich war zu der Zeit in der JVA inhaftiert.

00:46:21.533 --> 00:46:25.613
Er war also da quasi im Strafvollzug aufgrund anderer Delikte,

00:46:25.793 --> 00:46:27.073
für die er verurteilt worden war.

00:46:27.733 --> 00:46:31.373
Und bei einer ersten Überprüfung hat das so im Prinzip auch gestimmt.

00:46:32.013 --> 00:46:34.973
Wir haben uns aber damit nicht zufrieden gegeben und haben das natürlich näher

00:46:34.973 --> 00:46:37.813
hinterfragt und uns auch näher die Haftdaten angeschaut.

00:46:38.233 --> 00:46:42.113
Und diese Überprüfung hat dann aber ergeben, dass er im Tatzeitraum Freigang

00:46:42.113 --> 00:46:44.633
hat, also Weihnachtsurlaub. Valentina A.

00:46:44.713 --> 00:46:47.913
Hat bei ihrer Aussage ja weiter angegeben, dass Georg O.

00:46:48.093 --> 00:46:53.093
Vier Wochen nach der Tat ebenfalls bei ihr zu Hause aufgetaucht sei und wiederum

00:46:53.093 --> 00:46:55.473
Oleg F. des Mordes beschuldigt hat.

00:46:56.093 --> 00:47:01.273
Er wäre zufällig zur gleichen Zeit in ein Nachbarhaus eingebrochen und hätte den Mord beobachtet.

00:47:01.973 --> 00:47:04.833
Herr Sully, was hielten Sie von dieser Aussage?

00:47:05.553 --> 00:47:08.833
Ja, also die Aussage von Valentina A., die war für uns glaubwürdig.

00:47:08.933 --> 00:47:10.773
Aber die Geschichte, die Oleg F.

00:47:10.993 --> 00:47:14.293
Erzählte, dass er von einem Nachbarhaus was beobachtet habe,

00:47:14.353 --> 00:47:15.853
das war absolut unglaubwürdig.

00:47:16.073 --> 00:47:19.453
Auf dem Gelände des Paketdepots gibt es überhaupt kein Nachbarhaus.

00:47:19.993 --> 00:47:24.313
Also für uns war das ein ganz klarer Versuch, von sich selbst als Tätern gegenüber

00:47:24.313 --> 00:47:25.793
Valentina A. abzulenken.

00:47:29.873 --> 00:47:33.993
Georg O. und sein Schwager Timo L. wurden dann zunächst auch noch eine Zeit

00:47:33.993 --> 00:47:36.213
lang intensiv beobachtet, bevor sie am 3.

00:47:36.333 --> 00:47:38.993
Februar 2015 schließlich verhaftet werden.

00:47:39.353 --> 00:47:41.313
Zu den Tatvorwürfen schweigen sie.

00:47:41.913 --> 00:47:46.993
Trotzdem kommt es aufgrund aller Zeugenaussagen, Vernehmungen und Indizien im

00:47:46.993 --> 00:47:51.273
Juni 2015 zum Prozess, bei dem vier Männer auf der Anklagebank sitzen.

00:47:51.453 --> 00:47:55.613
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Oleg F. das Fluchtfahrzeug gefahren hat.

00:47:55.793 --> 00:48:00.313
Georg O. den Firmenchef Karl-Heinz Ebach erschlagen hat und sein Schwager Timo

00:48:00.313 --> 00:48:01.773
L. am Raub beteiligt war.

00:48:02.501 --> 00:48:06.401
Welche Rolle Markus K. bei der Tat gespielt hat, darüber sprechen wir gleich.

00:48:06.981 --> 00:48:11.201
Zunächst nochmal eine Frage an Sie, Herr Sammel. Sie haben die Anklage damals vor Gericht vertreten.

00:48:11.661 --> 00:48:15.761
Der Prozess dauerte aufgrund der vielen Beteiligten relativ lang, oder?

00:48:16.001 --> 00:48:19.521
Die Hauptverhandlung hat tatsächlich ziemlich exakt ein Jahr lang gedauert.

00:48:19.681 --> 00:48:24.921
Also ein Jahr, in dem wir nahezu wöchentlich ein bis zwei Hauptverhandlungstermine ganztägig hatten.

00:48:25.661 --> 00:48:31.181
Das lag daran, dass wir ungefähr ca. 120 Zeugen zu vernehmen hatten in dieser

00:48:31.181 --> 00:48:33.221
Zeit, die das Gericht alle gehört hat.

00:48:33.341 --> 00:48:36.181
Also alles Zeugen, die auch Gegenstand des Ermittlungsverfahrens waren.

00:48:36.881 --> 00:48:41.121
Und in diesem Zusammenhang hat auch die Hauptbelastungszeugin Valentina A.,

00:48:41.121 --> 00:48:43.241
die sich dann im Zeugenschutzprogramm befand,

00:48:43.541 --> 00:48:48.581
in der Hauptverhandlung ganz exakt ihre Aussage so bestätigt und wiederholt,

00:48:48.741 --> 00:48:52.661
wie wir sie auch im Ermittlungsverfahren von ihr in der Vernehmung bekommen haben.

00:48:53.301 --> 00:48:58.301
Von wie vielen Tatbeteiligten sind Sie als Vertreter der Anklage denn damals ausgegangen?

00:48:58.781 --> 00:49:02.341
Bis heute ließ sich nicht abschließend klären, wie viele Personen tatsächlich

00:49:02.341 --> 00:49:04.781
an der Tat beteiligt waren. Also wir bzw.

00:49:05.101 --> 00:49:10.141
Auch das Gericht ging am Ende von fünf Tatbeteiligten aus, wobei zwei Personen,

00:49:10.381 --> 00:49:14.381
ein Marokkaner und die Frau, die schon Erwähnung gefunden hat,

00:49:14.541 --> 00:49:16.041
bis heute nicht ermittelt werden konnten.

00:49:19.281 --> 00:49:23.541
Am Ende des Prozesses hält das Gericht folgenden Tathergang für plausibel.

00:49:24.141 --> 00:49:29.021
Oleg F. war der Kopf der Gruppe. Er hat den Raubüberfall auf das Logistikdepot

00:49:29.021 --> 00:49:33.281
in Meeren geplant und vermutet, dass dort vor Weihnachten Bargeld in Höhe von ca.

00:49:33.441 --> 00:49:35.601
40.000 Euro vorhanden sein könnte.

00:49:35.761 --> 00:49:38.341
Er heuert Georg O., dessen Schwager Timo L.

00:49:38.701 --> 00:49:42.401
Und einen bis heute unbekannten Marokkaner für die Tat an. Eine Frau,

00:49:42.561 --> 00:49:46.941
die bis heute ebenfalls nicht ermittelt werden konnte, sollte als Lockvogel dienen.

00:49:47.281 --> 00:49:52.101
Schon Wochen vorher haben Oleg F. und Georg O. das Depot ausgekundschaftet und

00:49:52.101 --> 00:49:53.701
den Überfall im Detail geplant.

00:49:54.761 --> 00:50:01.761
Am 23. Dezember 2005 lauert Georg O. dem Depotleiter Karl-Heinz Ebach vor der Personaltür auf.

00:50:02.821 --> 00:50:07.521
Die unbekannte Frau sollte versuchen, den Firmenchef unter einem Vorwand aus dem Gebäude zu locken.

00:50:07.861 --> 00:50:11.821
Aber wahrscheinlich hat dieser dabei Verdacht geschöpft. Daraufhin schlägt Georg

00:50:11.821 --> 00:50:14.441
O. ihn mit einem Wagenheber auf den Kopf.

00:50:14.861 --> 00:50:19.301
Als Karl Heiz Ebach versucht, ins Gebäude zu flüchten, schlägt und tritt er

00:50:19.301 --> 00:50:22.201
weiter auf ihn ein, auch noch als er bereits am Boden liegt.

00:50:23.135 --> 00:50:26.875
Danach nehmen Timo L. und der Marokkaner dem Opfer den Schlüsselbund ab,

00:50:27.055 --> 00:50:30.375
dringen in das Gebäude ein und entwenden das Geld aus dem Tresor.

00:50:31.135 --> 00:50:34.395
Dabei hinterlässt einer der Männer, vermutlich der Marokkaner,

00:50:34.835 --> 00:50:36.935
den später sichergestellten Schuhabdruck.

00:50:37.255 --> 00:50:43.235
Die erbeuteten 6.400 Euro werden dann an Oleg F. übergeben, der in einem Auto

00:50:43.235 --> 00:50:44.895
abseits des Geländes wartet.

00:50:45.555 --> 00:50:49.135
Später teilen die Tatbeteiligten das Geld unter sich auf.

00:50:52.455 --> 00:50:57.235
Eine Frage bleibt an der Stelle. Warum hat Georg O. Karl-Heinz Ebach derart

00:50:57.235 --> 00:50:59.675
brutal getötet? Herr Solje, was sagen Sie dazu?

00:51:00.135 --> 00:51:02.915
Also ehrlich gesagt, wir wissen es nicht. Wir können nur vermuten,

00:51:03.035 --> 00:51:04.595
dass er einfach ausgerastet ist.

00:51:05.535 --> 00:51:09.775
Georg O. hatte einen Ruf. Er galt als gewaltbereit. Er hat damals auch Geld

00:51:09.775 --> 00:51:12.775
gebraucht. Er war arbeitslos, musste sein Haus abbezahlen.

00:51:13.075 --> 00:51:16.435
Das Gericht hat letztendlich zwei Theorien in den Raum gestellt.

00:51:16.435 --> 00:51:22.135
Die eine war, der Täter war wütend über einen nicht planmäßig verlaufenden Lockvogel-Einsatz

00:51:22.135 --> 00:51:27.035
und die zweite, das Opfer hat vermutlich versucht zu flüchten und dabei einen

00:51:27.035 --> 00:51:28.715
wuchtigen Schlag gegen den Kopf bekommen.

00:51:28.975 --> 00:51:31.975
Die weitere Flucht sollte unterbunden werden durch weitere Schläge,

00:51:32.095 --> 00:51:33.555
um dann ungestört den Raub durchführen

00:51:33.555 --> 00:51:36.295
zu können, indem man einfach an die Tresorschlüssel herankommt.

00:51:36.875 --> 00:51:40.895
Kann man denn sagen, dass diese Form der Übertötung, so haben Sie es vorhin

00:51:40.895 --> 00:51:44.515
genannt, Herr Sammel, die Ermittlerinnen und Ermittler in einer gewissen Weise

00:51:44.515 --> 00:51:47.135
auch auf eine falsche Fährte geführt hatte?

00:51:47.295 --> 00:51:50.255
Ich würde vielleicht nicht sagen falsche Fährte, aber es hat uns natürlich schon

00:51:50.255 --> 00:51:55.095
sehr irritiert und auch sehr viel Zeit gekostet und sehr viel Ermittlungsaufwand,

00:51:55.195 --> 00:51:58.555
weil es hat halt keinen richtigen Sinn gemacht. Wie ich bereits gesagt hatte,

00:51:58.675 --> 00:52:01.775
wenn ich einen Raub begehe, dann mache ich normalerweise nur das Nötigste.

00:52:02.395 --> 00:52:05.855
Und wir sind da auch sehr, sehr lange der Theorie nachgegangen,

00:52:05.975 --> 00:52:09.675
dass Täter und Opfer sich möglicherweise gekannt haben müssen und hier vielleicht

00:52:09.675 --> 00:52:13.915
eine emotional-persönliche Komponente im Raum steht, also so eine klassische

00:52:13.915 --> 00:52:14.935
Täter-Opfer-Beziehung.

00:52:15.235 --> 00:52:18.095
Und das hat uns schon sehr, sehr viele Ermittlungsstunden gekostet.

00:52:18.000 --> 00:52:23.120
Music.

00:52:22.964 --> 00:52:26.764
Am 31. Mai 2016 fiel dann endlich das Urteil.

00:52:27.104 --> 00:52:31.444
Das Landgericht Trier sah es als erwiesen an, dass Georg O. der Haupttäter war.

00:52:32.024 --> 00:52:36.924
Er wurde wegen Raubes mit Todesfolge in Tateinheit mit Totschlag zu 15 Jahren

00:52:36.924 --> 00:52:38.244
Freiheitsstrafe verurteilt.

00:52:38.864 --> 00:52:41.604
Herr Sammel, warum konnte der Mann nicht wegen Mordes verurteilt werden?

00:52:42.304 --> 00:52:45.184
Das gab die Beweislage schlicht und ergreifend nicht her.

00:52:45.464 --> 00:52:50.524
Wir konnten kein Mordmerkmal nachweisen. Sie müssen ja für Mord nach deutschem

00:52:50.524 --> 00:52:52.984
Strafrecht gewisse Mordmerkmale verwirklichen.

00:52:53.064 --> 00:52:57.264
Das kann zum Beispiel Heimtücke sein oder Grausamkeit oder niedrige Beweggründe.

00:52:57.544 --> 00:52:58.984
Das sind nur so ein paar Beispiele.

00:52:59.604 --> 00:53:06.004
Und kein Mordmerkmal war hier nachweisbar verwirklicht, sodass es letztlich beim Totschlag blieb.

00:53:06.804 --> 00:53:10.884
Kommen wir zu den weiteren Tätern. Oleg F., den die Ermittler als Drahtzieher

00:53:10.884 --> 00:53:15.804
einstuften, erhielt eine Freiheitsstreife von acht Jahren wegen besonders schweren

00:53:15.804 --> 00:53:19.424
Raubes. Auch der damals 18-jährige Mittäter Timo L.

00:53:20.084 --> 00:53:26.504
Wurde verurteilt nach Jugendstrafrecht. Er bekam vier Jahre Jugendstrafe wegen Raubes mit Todesfolge.

00:53:26.864 --> 00:53:30.464
Und Markus K., der ebenfalls im Fokus der Ermittlungen stand,

00:53:30.704 --> 00:53:32.004
der wurde freigesprochen.

00:53:32.584 --> 00:53:36.184
Herr Sammel, warum das denn? Es hat sich im Verfahren und auch insbesondere

00:53:36.184 --> 00:53:39.384
in der Hauptverhandlung dann tatsächlich herausgestellt, dass er diese ganze

00:53:39.384 --> 00:53:42.884
Geschichte, die er der Zeugin berichtet hatte, nur erfunden hatte.

00:53:42.884 --> 00:53:47.844
Also er war letztlich jemand, der Geschichten erzählt hat, um Frauen zu imponieren

00:53:47.844 --> 00:53:49.984
oder sich auch bei anderen Personen wichtig zu tun.

00:53:50.444 --> 00:53:53.964
Wir gehen natürlich davon aus, ich meine, diese Geschichte kam ja nicht aus

00:53:53.964 --> 00:53:58.024
dem Nichts, dass er zumindest, weil er die handelnden Personen kannte,

00:53:58.164 --> 00:53:59.664
damals gefragt wurde, ob.

00:54:00.513 --> 00:54:05.313
Bei diesem geplanten Einbruch mitmachen würde und daher auch gewisse Informationen hatte.

00:54:06.073 --> 00:54:08.993
Und den Rest hat er sich dann aus der Zeitung, aus den Medien besorgt,

00:54:09.133 --> 00:54:11.213
was damals über die Tat berichtet wurde.

00:54:12.073 --> 00:54:16.393
Und er war ja in Untersuchungshaft im Rahmen des Ermittlungsverfahrens und hat

00:54:16.393 --> 00:54:19.733
dann auch später noch den Antrag auf Haftentschädigung gestellt.

00:54:20.113 --> 00:54:25.073
Der wurde aber natürlich abgelehnt, denn eins muss man ganz klar sagen,

00:54:25.253 --> 00:54:29.893
das hat auch das Gericht so bestätigt, wenn ich solche Geschichten erzähle und

00:54:29.893 --> 00:54:31.993
mich selbst als Täter präsentiere,

00:54:32.213 --> 00:54:35.593
dann muss ich mich nicht wundern, wenn ich dann auch in den Fokus der Strafverfolgung

00:54:35.593 --> 00:54:36.933
gerate und auch in Haft gehe.

00:54:40.533 --> 00:54:41.673
Schon unglaublich, dass man

00:54:41.673 --> 00:54:45.793
so etwas erfindet, um Frauen oder anderen Personen imponieren zu wollen.

00:54:46.453 --> 00:54:49.653
Aber am Ende hat diese Lügengeschichte des Mannes ja geholfen,

00:54:49.793 --> 00:54:53.293
diesen Fall aufzuklären. Ja, und damit sind wir auch am Ende der heutigen Folge.

00:54:53.613 --> 00:54:57.093
Herr Dr. Samel, Herr Solier, wir bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen,

00:54:57.233 --> 00:55:01.513
dass Sie sich die Zeit genommen haben und uns diesen spannenden Einblick in

00:55:01.513 --> 00:55:03.233
Ihre Ermittlungen gewährt haben.

00:55:03.473 --> 00:55:05.673
Auch von mir ein ganz herzliches Dankeschön, dass Sie da waren.

00:55:05.773 --> 00:55:07.253
Kommen Sie gut nach Hause, nach Trier.

00:55:07.493 --> 00:55:11.173
Vielen Dank. Auch von mir ein Dankeschön und auch für die spannende Zeit heute

00:55:11.173 --> 00:55:12.153
Nachmittag hier bei Ihnen.

00:55:12.713 --> 00:55:17.193
Danke auch an den Autor dieser Folge, Andi Klein. Wie immer am Ende vielen Dank

00:55:17.193 --> 00:55:20.313
auch an Euch, unsere Zuhörerinnen und Zuhörer.

00:55:20.433 --> 00:55:24.013
Ich sage bis zum nächsten Mal bei Aktenzeichen XY, unvergessene Verbrechen.

00:55:24.653 --> 00:55:29.493
Und ganz wichtig, bleibt sicher. Wir hören uns wie immer in zwei Wochen mit

00:55:29.493 --> 00:55:34.493
einer neuen Folge und alles Weitere zu diesem Fall findet ihr in den Shownotes.

00:55:42.480 --> 00:55:56.708
Music.

