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Hallo und herzlich willkommen zu Aktenzeichen XY Unvergessener Verbrechen. Ich bin Rudi Zerne. Und ich bin Conny Neumeyer. Schön, dass ihr wieder zuhört. Es gibt Verbrechen, die uns besonders berühren, weil ihre Folgen so schwer wiegen. Das stimmt. In unserem heutigen Fall wurde eine intakte, glückliche Familie je zerstört und lange gab es keine Antwort auf die Frage, warum und wer dafür verantwortlich ist. Aber bevor wir in den Fall einsteigen, begrüße ich erstmal den ehemaligen Ermittler der Mordkommission Mainz, Gerhard Wermter. Herzlich willkommen, Herr Wermter. Ja, auch guten Tag, Frau Neumeyer und Herr Zerne. Ich danke Ihnen für die Einladung und werde Ihre Fragen beantworten. Auch von mir herzlich willkommen. Schön, dass Sie da sind. Herr Wermter, bei unserem heutigen Fall waren Sie damals der Hauptsachbearbeiter. Wir wollen nicht zu viel verraten, aber die Suche nach dem Täter war ja äußerst aufwendig, oder? Ja, es hat Jahre gedauert, bis wir dem Täter auf die Spur gekommen sind. Aber eine alte Ermittlerweisheit besagt, wenn man einen Fall nicht binnen drei bis vier Tagen geklärt hat, dann kann es leider lange dauern.
Und genau so sollte es auch kommen. Der Täter hatte zwar jede Menge Fingerabdrücke hinterlassen, doch die haben zunächst auch nicht geholfen, ihn zu finden. Aber worauf kommt es eigentlich an, wenn Ermittler mit Fingerabdrücken arbeiten? Und was macht einen Fingerabdruck so einzigartig? Dazu haben wir im Vorfeld mit dem ehemaligen Kriminalhauptkommissar und Sachverständigen für Dactyloskopie, Andreas König vom Polizeipräsidium Dortmund gesprochen. Und bevor es losgeht, noch ein Hinweis. Aus rechtlichen Gründen haben wir alle Namen geändert. Beginnen wir also von vorne im Jahr 2002.
Seit acht Jahren leben die 45-jährige Elke Schneider und ihr Mann Jörg zusammen mit ihren beiden Töchtern in einem idyllischen Örtchen nahe Worms, einer kleinen Gemeinde mit gerade einmal 2000 Einwohnern. Ihr Zuhause, ein gemütliches Rhein-Mittelhaus, ist ihr Rückzugsort, ein Ort der Geborgenheit. Nach der Geburt ihrer jüngsten Tochter hat Elke ihren Job aufgegeben, um sich der Familie zu widmen. Gelegentlich hilft sie noch im Betrieb ihres Vaters aus. Ihr Mann führt wiederum die Firma seines Vaters weiter. Ein kleines Familienunternehmen, fest in der Region verwurzelt. Die beiden Töchter besuchen eine Schule in Worms. Die jüngste, Sarah, ist elf Jahre, ihre Schwester Petra 14 Jahre alt. Es ist früh am Morgen des 25. April, kurz vor Schulbeginn. Jörg macht sich für die Arbeit fertig, die Mädchen packen ihre Schulsachen. Ein ganz gewöhnlicher Morgen mit all den kleinen Alltagsherausforderungen, die wohl jede Familie kennt. Die elfjährige Sarah ist im Stress, da sie ein Heft für die Schule nicht finden kann. Wir haben die Situation damals im August 2002 für Aktenzeichen XY ungelöst nachgestellt. Hören wir kurz rein.
Mama! Mama, ich kann mein Matheheft nicht finden. Es ist immer dasselbe mit dir. Warum packst du dein Zeug nicht abends? Ja, gestern hatte ich's noch. Das muss hier irgendwo liegen. Du hast mir doch gestern die Aufgaben gezeigt. Tschüss, ich bin weg. Hast du die Gartenfirma angerufen, wenn die Büsche nicht bald geschnitten werden? Ja, alles erledigt. Der Chef hat mir versprochen, er macht's diese Woche. Wenn er's nicht mehr schafft, dann auf alle Fälle nächste. Na, hoffentlich. Also, mach's gut. Stopp! Wo ist jetzt das, mein Gehirn? Keine Ahnung. Hier. Komm endlich, wir müssen los. Ich habe noch Bibelkreis. Du nervst. Du nervst. Ihr nervt beide. Ab in die Schule. Tschüss.
Familie Schneider ist sehr religiös, besonders seit Elke eine schwere Krankheit überstanden hat. Seitdem ist die zierliche Frau körperlich zwar noch etwas angeschlagen, kann aber ihren Alltag wieder gut bewältigen. Am Nachmittag ist Elke wie jeden Donnerstag mit ihren Töchtern zum Mittagessen bei ihren Eltern verabredet. Aber diesmal wird sie nicht kommen. Es ist gegen halb zwei. Die Töchter sind bei den Großeltern und wundern sich, wo ihre Mutter bleibt. Der Großvater macht sich Sorgen und versucht, seine Tochter telefonisch zu erreichen. Aber vergeblich. Er will nach dem Rechten sehen. Aber die Mädchen sagen, dass sie ja eh nach Hause fahren. Und sie wissen, dass ihr Großvater nach dem Essen immer seinen Mittagsschlaf hält. Also schlagen sie vor, falls etwas nicht in Ordnung sei, würden sie ihn sofort anrufen. Der Großvater ist einverstanden. Zu Hause angekommen, fällt den Mädchen ein fremder Mann mit kurzen, grau melierten Haaren auf, der vor dem Haus herumlungert. Er trägt eine Sonnenbrille und ist dunkel gekleidet. Auch diese Szene haben wir bei Aktenzeichen XY ungelöst nachgestellt.
Guten Tag, wer sind Sie? Ich schneide ein Sock Grünes. Mama ist einkaufen. Ah, und was wollen Sie? Mittag machen. Haben getrunken mit Mama. Auf Terrasse Wasser aus Flasche. Mama haben gesagt, ich kann klingeln, wenn ich will, Glas und Flasche. Sie wollen die Wasserflasche und die Glas haben? Ja. Und wo steht das? Auf Terrasse. Okay, ich hol schnell, warten Sie. Als Petra das Haus betritt, fällt ihr auf, dass Durcheinander herrscht und dass die Vorhänge im Wohnzimmer zugezogen sind, was ungewöhnlich um die Tageszeit ist. Aber sie will den fremden Mann, der ihr bereits vor dem Haus merkwürdig vorkam, so schnell wie möglich loswerden und übergibt ihm die Flasche und das Glas, die sie im Wohnzimmer und nicht, wie der Mann gesagt hat, auf der Terrasse findet. Der geht schnellen Schrittes davon, ohne ein weiteres Wort. Dann betreten die beiden Mädchen das Haus. Die Unordnung im Erdgeschoss beunruhigt die Kinder. Aber noch beunruhigender ist, dass ihre Mutter nicht auf ihre Rufe reagiert.
Irgendetwas fühlt sich nicht richtig an. Sie wagen es nicht, weiter nachzusehen und rufen ihren Großvater an. Sie erzählen ihm von dem Durcheinander im Haus, dem fremden Mann und davon, dass ihre Mutter nicht aufzufinden ist. Der Großvater verspricht, sofort zu kommen. Während Sarah draußen auf ihn wartet, bleibt Petra im Wohnzimmer. Als er eintrifft, beginnen sie gemeinsam, das Haus zu durchsuchen. Zuerst den Keller, doch dort gibt es keine Spur von Elke. Schließlich geht der Großvater mit Sarah ins Obergeschoss, um dort nach ihrer Mutter zu suchen. Petra wartet unten. Von unten hört sie ihre Schwester sagen, dass Wasser unter der Badezimmertür hindurchläuft. Ihr Großvater bemerkt das ebenfalls und versucht, die verschlossene Tür zu öffnen. Nach heftigen Rütteln gibt die Tür nach. In diesem Moment kommt auch Petra nach oben. Mit Entsetzen sieht sie ihre Mutter reglos in der gefüllten Badewanne liegen.
Erschrocken rennt sie davon, während ihr Großvater ihr zuhuft, den Notarzt zu informieren. Während Petra das tut, beginnt der Großvater mit den Wiederbelebungsmaßnahmen. Aber vergeblich. Die eintreffende Notärztin kann nur noch den Tod feststellen. Während all das geschieht, ist der Ehemann auf einer Beerdigung. Dort erreicht ihn die Nachricht, dass seine Frau blau im Gesicht in der Badewanne gefunden wurde. Ohne zu wissen, dass sie bereits tot ist, macht er sich sofort auf den Weg nach Hause. Im Flur des ersten Obergeschosses trifft er auf die Notärztin, einen Sanitäter und die inzwischen eingetroffenen Kriminalbeamten. Erst jetzt erfährt er die schockierende Wahrheit. Seine Frau ist tot und die Spuren deuten auf ein Gewaltverbrechen hin. Man mag sich kaum vorstellen, was das für die Familie bedeutet haben muss.
Herr Wermter, Sie sind an dem Tag aus dem Urlaub zurückgekommen und waren deshalb nicht selbst am Tatort. Aber können Sie uns schildern, was Ihre damaligen Kollegen und Kolleginnen vorgefunden haben? Ja, der Großvater hatte zu diesem Zeitpunkt schon seine Tochter aus der Wanne gezogen, um sie wiederzubeleben. Sie war halb begleitet. Zuvor konnte man auch erkennen, dass sie geschlagen wurde und dann offensichtlich ertränkt zu Tode kam. Anhand der Spuren ließ sich auch erkennen, dass ein Kampf stattgefunden hat, der auch im Erdgeschoss schon begonnen hatte. Im Bereich der Garderobe war erkennbar, dass dort Sachen umgefallen sind, dass auch Schuhe durcheinandergeworfen waren. Das Opfer war nach der Spurenlage nach oben geflüchtet und hatte sich im Kinderzimmer verbarrikadiert.
Von dort sollte sie wohl auch einen Notruf gewählt haben. Bevor sie aber etwas sagen konnte, hat der Täter das Telefonkabel herausgerissen. Des Weiteren war der Türrahmen zersplittert, der Täter sie offensichtlich eingetreten. Im Schlafzimmer gab es dann weitere Spuren. Das Bett war verrückt, auch hier hatte wohl ein Kampf stattgefunden.
Von dort hat der Täter sie ins Badezimmer verbracht und in der vollen Badewanne ertränkt. Nachdem der Täter die Frau in der Badewanne ertränkt hatte, verließ er das Bad, indem er die Badezimmertür von außen verschlossen hatte, was in diesem Fall möglich war. War zu dem Zeitpunkt eigentlich schon klar, um was es da ging oder was das Motiv für all das gewesen sein könnte? Ja, es wurde festgestellt, dass Wertsachen gefehlt haben. Dazu zählte zum Beispiel die Eheringe des Ehepaares und ein Goldbarren, der genau ein Kilogramm schwer war. Darin war eingestanzt der Name der Bank sowie eine Individualnummer. Der Goldbachen war im Schrank im Elternschlafzimmer versteckt. Haben Sie denn deshalb geglaubt, dass der Täter vielleicht eingebrochen war und das Opfer ihn entdeckt überrascht hatte? Ja, zumindest gab es keine Einbruchsspuren. Es sah so aus, dass die Frau den Mann selbst hereingelassen hat. Trotzdem konnten Einbrecher nicht ausgeschlossen werden.
Möglicherweise war auch unbemerkt der Täter über die offene Terrassentür reingekommen. Konnten die damaligen Ermittler und Ermittlerinnen sonst irgendwelche Hinweise auf den Täter finden? Ja, er hatte sich offensichtlich bemüht, alle Spuren zu beseitigen. Außerdem hatte der Täter das Bett im Schlafzimmer abgezogen und die Bettwäsche mitgenommen. Vermutlich, weil durch den Kampf Spuren von ihm erkennbar waren. Die Kollegen konnten noch Blut des Opfers auf dem Bett finden. Obwohl er da also, sagen wir mal, aufgeräumt hat, seine Spuren verwischen wollte, gab es ja dann aber doch eine Spur. Welche? Ja, im Wohnzimmer gab es eine daktyloskopische Spur des linken kleinen Fingers am Rahmen der Terrassentür. Dieser blutige Fingerabdruck war aber leider nur ein Teil Fingerabdruck vom Täter. Das Blut war vom Opfer. Blut, das hieß, dass sich das Opfer im Rahmen der Kampfhandlungen verletzt hatte, oder? Was kam denn bei der Obduktion heraus? Durch die Obduktion wurden Verletzungen durch Schläge am Kopf festgestellt. Aufgrund vom Blut vom Opfer im Erdgeschoss muss Gewalt schon dort angefangen haben.
Todesursache war auf jeden Fall das Ertrinken. Die Lunge war nämlich voller Wasser. Allerdings haben wir keine fremde DNA gefunden. Herr Wermter, konnten denn sonst irgendwelche Spuren vom Täter gesichert werden? Leider nein. An der Kleidung der Elke Schneider wurden Fesselungsspuren, das heißt Fasern von Klebebändern, entdeckt, was darauf deutete, dass sie vor ihrem Tod gefesselt worden war. Am Tatort wurde kein Fesselungsmaterial gefunden. Das hatte der Täter offensichtlich mitgenommen. Ich nehme an, dass der fremde Mann, der die Kinder um die Wasserflasche und das Glas gebeten hatte, sofort in den Fokus ihrer Ermittlung gerückt war? Ja, wir gingen davon aus, dass er das Glas und die Wasserflasche geholt hatte, um seine Spuren vom Tatort zu entfernen. Vermutlich hatte er beides angefasst und hatte Angst, dass dort Fingerabdrücke hinterlassen worden sind. Also der wichtigste Anhaltspunkt, den sie zu dem Zeitpunkt hatten, war dieser fremde Mann, mit dem die Töchter vor dem Haus gesprochen hatten.
Wie es den Mädchen damals ergangen sein muss, lässt sich nur erahnen. Aber sie waren wichtige Zeuginnen und wurden einen Tag nach der Tat befragt. Beide konnten den fremden Mann gut beschreiben. Besonders auffällig waren seine oberen Schneidezähne. Eine markante Fehlstellung. Außerdem wirkten seine Zähne insgesamt ungepflegt, ähnlich denen eines starken Rauchers. Ansonsten machte er einen gepflegten Eindruck. Aufgrund der Aussage der beiden Mädchen konnte ein Phantombild des fremden Mannes angefertigt werden. Außerdem gaben die Mädchen noch an, dass der Fremde gebrochen Deutsch mit ausländischem Akzent gesprochen hätte. Herr Wärmter, konnte man sagen, was das für ein Akzent war? Nein, das hatten die Mädchen vermutlich auch nicht zuordnen können. Sie sind aber eher davon ausgegangen, dass der Akzent nur vorgetäuscht war, um die Ermittlungen in die Irre zu führen. Den Ehemann von Frau Schneider, den haben Sie ja sicherlich auch befragt. Was kam dabei raus? Es gab dann auch eine kurze Überprüfung der Familienverhältnisse, aber wir konnten schnell ausschließen, dass der Ehemann etwas damit zu tun hatte. Es war eine absolut intakte Familie.
Jetzt war also dieser fremde Mann im Fokus der damaligen Ermittlungen. Ihn galt es unbedingt zu finden. Womit fängt man da an, bei einer solch Wagensuche? Ja, da muss man ganz kleinteilig und akribisch vorgehen. Wichtig sind immer Zeugenbefragungen. Teams wurden damals gebildet, die von Tür zu Tür gegangen sind und gefragt haben, ob Anwohner irgendetwas Auffälliges gesehen haben. Ja, und es gab einige Zeugen, die den Gesuchten gesehen haben wollen. Was hatten die Ihnen berichtet? Ja, ein Zeuge hat ausgesagt, dass ihn ein Mann nach einer Telefonzelle gefragt hatte. Das war so gegen halb elf morgens. Ein Pferdchen, das im Auto dort vorbeigefahren ist, hatte auch einen Mann gesehen, der auf die Beschreibung passte, aber das war nach der Tat. Er ist aus einem Gebüsch gekommen, nahe einem Flaschencontainer und über die Straße gerannt, so dass sie ihn fast überfahren hätten. Wir haben den Container gecheckt, ob die Flasche und das Glas darin sind. Das wäre die wichtigste Spur gewesen, aber leider ohne Ergebnis. Die Nachbarn im Nebenhaus hatten um halb zwei herum Lärm gehört und dachten, dass die Kinder schon von der Schule zu Hause sind und Lärm gemacht hatten. Sie haben sich weiter dabei nichts gedacht. Ein Zeuge hat noch einen Mann gesehen mit einer großen schwarzen Tasche. Da waren vermutlich die entwendeten Gegenstände darin.
Einen Tag nach der Tat macht ein Mitarbeiter der Autobahnmeisterei auf einem Parkplatz an der A5 eine bemerkenswerte Entdeckung. Es ist 10 Uhr morgens, als er in einem Container auf verschiedene Gegenstände stößt. Einen grauen Führerschein, zwei Müllsäcke, eine leere Reisetasche, zwei leere Geldtaschen, zwei Stofftiere, zerrissene Dokumente, Knebelungs- und Fesselungsmaterial und einen zerrissenen Reisepass. Ausgestellt auf den Namen Elke Schneider. Zunächst vermutet er, dass es sich um gestohlene Sachen handelt und übergibt die Dokumente einem Vorgesetzten. Erst am Wochenende, als er in der Zeitung von dem Mord liest, wird ihm die Tragweite seines Fundes bewusst.
Das Alter des Opfers stimmt mit dem auf dem Führerschein überein. Daraufhin informiert er die Polizei.
Seine Aussage hilft, den Ermittlern den möglichen Ablagezeitraum der Gegenstände festzulegen. Der Müllcontainer wurde zuletzt am Morgen des 24. April geleert. Am 25. April 2002 war der Parkplatz wegen Mäharbeiten bis 15 Uhr gesperrt. Danach war er wieder freizugänglich. Das bedeutet, die Gegenstände wurden irgendwann zwischen 15 Uhr am Tattag und 10 Uhr am nächsten Morgen dort entsorgt. Herr Wärmter, gab es denn auf den gefundenen Sachen Spuren vom Täter? Es gab Fingerabdrücke auf den zerrissenen Dokumenten. Diese wurden im System eingepflegt, diese Fingerabdrucksspuren. Aber es gab keinen Hinweis auf den Täter, da der Täter vermutlich nicht erkennungsdienstlich behandelt worden war. Eine weitere Erkenntnis war, dass die Sachen, die an der Autobahnraststätte gefunden wurden, daraufhin deuteten, dass der Täter mit einem Auto unterwegs war und somit vermutlich eins besaß. Sie hatten ja einen Teilfingerabdruck des kleinen linken Fingers vom Tatort. Stimmte der überein mit den Abdrücken auf den zerrissenen Dokumenten? Jein, muss man dazu sagen, denn dieser Fingerabdruck war leider nicht verwertbar. Dafür aber Fingerabdrücke auf den zerrissenen Dokumenten, die in der Datenbank leider nicht registriert waren.
Ja, und was das alles bedeutet hat, dazu haben wir mit Kriminalhauptkommissar im Ruhestand, Andreas König, gesprochen. Er war 30 Jahre lang bei der kriminaltechnischen Untersuchung. Seit 2000 ist er Sachverständiger für Daktyloskopie. Wir wollten von ihm wissen, warum ein Fingerabdruck so einzigartig ist. Ja, wir sprechen bei Fingerabdrücken von der sogenannten Leistenhaut. Die Leistenhaut befindet sich auf der Innenfläche der Finger- und der Handfläche, Unterseite der Füße. Und sie entwickelt sich so ab dem vierten Embryonalmonat und bleibt bis zur Versetzung des Körpers natürlich unverändert. Das heißt also, wenn es da zu einer Schnittverletzung kommt, dann würde man das auf der Oberhaut entsprechend als Narbe sehen. Die Begründung für die Einzigartigkeit ist, dass sich innerhalb der Hautschichten bei der Entwicklung Spannungen bilden, die dann dazu führen, dass wir diese reliefartigen Erscheinungen haben, nämlich diese Leisten. Und die Hauptbegründung dafür ist an und für sich der Formreichtum der Natur. Die Natur wiederholt sich nicht und daher haben alle Menschen eben unterschiedliche Fingerabdrücke.
Selbst eineige Zwillinge haben unterschiedliche Fingerabdrücke, obwohl sie die identische DNA haben. Wie ein Fingerabdruck entsteht, also wie genau diese verwertbare Spur auf einer Oberfläche zurückbleibt, das hören wir jetzt. Wir haben zwischen zwei und vier Millionen Schweißdrüsen, über die entsprechend dann immer Schweiß ausgeschieden wird. Diese Schweißdrüsen münden auf unserer Leistenhaut, auf diesen Papillarlinien und man erkennt dann dort die entsprechenden Poren. In diesem Schweiß befindet sich vornehmlich Wasser, darüber hinaus haben wir auch Fettdrüsen.
Und diese befinden sich an der Stirn, an den Wangen und den Nasenflügeln. Wir gehen uns natürlich mit den Fingern auch mal durch die Haare, durchs Gesicht, haben dann praktisch auf unserer Leistenhaut dann Schweiß und Fett. Und diese Emulsion nennt sich das, kleinstverteilte Tröpfchen in einer Flüssigkeit zwischen diesem Schweiß und Fett, nennt sich dann Hydrolipidfilm, der sich auf unserer Leistenhaut befindet. Und wenn ich einen Gegenstand dann anfasse, reißt dieser Hydrolipidfilm auf und legt sich auf den Spurenträger nieder. Und damit hat man einen Fingerabdruck. Fingerabdrücke, die wirken erstmal simpel, also man gleicht sie ab und dann hat man den oder diejenige. Das sind sie aber nicht. In jedem Abdruck, da stecken viele kleine Merkmale. Die entscheiden darüber, ob eine Spur verwertbar ist. Insgesamt zwölf dieser anatomischen Merkmale braucht es, um einen Fingerabdruck einer Person zuzuordnen. Ein Fingerabdruck zeigt, wer etwas berührt hat. Aber kann er auch verraten, wie jemand etwas angefasst hat? Ob die Person einen Gegenstand nur kurz berührt hat oder ihn wirklich gehalten oder sogar zerrissen hat? Dazu hören wir noch einmal Andreas König. Wenn der Spurenträger nur kurzfristig möglicherweise mit dem Papillarleisten-Kamm berührt worden ist, dann erscheinen solche Linien im Regelfall sehr dünn und unterbrochen.
Hat jemand was in der Hand gehabt? Also da sprechen wir ja jetzt über Papiere nämlich an. Dann würde man ein Papier haben, können natürlich vorausgesetzt genügend Hydrolipidfilm, befindet sich noch auf der Leistenhaut, können normalerweise einfach irgendwo natürlich da Abdrücke entstehen. Wenn jemand was zerrissen hat, gibt es Unterschiede. Also immer wieder vorausgesetzt, ich habe überhaupt entsprechend Hydrolipidfilm auf meiner Leistenhaut, dann hätten wir sogenannte Griffspuren. Also wir haben auf der einen Seite, würden wir erwarten wollen, dann Zeigefinger, Mittelfinger und der entsprechende Gegengriff, also dann der Daumen dazu. Aber durchaus kann natürlich auch möglich sein, je nachdem wie viel zerrissen worden ist, wie viel Kraft aufgewandt werden muss, muss es natürlich fester gehalten werden, dass auch der Kleinfinger, Ringfinger damit zum Abdruck kommen. Das natürlich sowohl von der linken als auch von der rechten Hand. Die Altersbestimmung von Spuren ist oft schwierig. Es gibt viele Faktoren, die ihren Zerfall beschleunigen können.
Hören wir dazu noch einmal Andreas König. Kann man zum Beispiel sagen, dass Abdrücke, die sehr fetthaltig sind, deutlich länger halten. Und da würde man unterscheiden noch, handelt es sich um einen Innenraum oder geht es darum, ist das Ganze außerhalb? Außerhalb sind die Spuren natürlich den Umwelteinflüssen ausgesetzt. Also hohe Temperaturunterschiede, wechselnde Luftfeuchtigkeit, dann auch Verstaubung der Spuren durch Staub, der sich in der Luft aufhält. Da hängt es dann auch wieder etwas vom Material ab.
Handelt es sich da um Kunststoff? So wirken da auch noch statische Kräfte, die diesen Staub dann auch noch anziehen. Solche Spuren würden dann relativ zügig verfallen. Wie zuverlässig ein Fingerabdruck wirklich ist, auch das haben wir Andreas König gefragt. Also die Identifikation von Fingerabdrücken ist hundertprozentig zuverlässig, vorausgesetzt ich habe natürlich ausreichend Informationen in meiner Spur als auch in den Vergleichsabdrücken. In der Regel ist das das erkennungsdienstliche Material von einer Person. Bei der erkennungsdienstlichen Behandlung werden von einer Person Fotos gemacht bzw. Finger- und Handflächenabdrücke genommen. Jetzt zurück zu unserem Fall.
Hier sind die fremden Fingerabdrücke für die Polizei die wichtigste Spur im Fall der getöteten Elke Schneider. Zeitlich befinden wir uns einige Tage nach der Tat. Die Fahndung nach dem unbekannten Mann mit der Zahnfehlstellung läuft jetzt unter Hochdruck. In der Presse wird ein Phantombild des fremden Mannes, den die Kinder und die Nachbarn gesehen haben, veröffentlicht. Aber niemand scheint ihn zu kennen. Noch in den Tagen zuvor hat es im Haus der Familie Schneider, wo das Verbrechen passiert ist, eine Hausbegehung mit der Familie gegeben. Man wollte damit feststellen, ob noch irgendetwas verschwunden ist. Auch die Putzfrau der Familie war dabei. Wir nennen sie an dieser Stelle Gabi. Und ohne zu viel vorwegzunehmen, Gabi wird in den späteren Ermittlungen noch eine Rolle spielen. Deshalb, bevor wir weiter in den Fall eintauchen, hören wir kurz, wie die beiden Frauen sich kennengelernt haben.
Einige Jahre vor der Tat. Gabi und Elke begegnen sich zunächst nur flüchtig, da ihre Kinder denselben Kindergarten besuchen. Doch mit der Zeit erfährt Gabi mehr über Elkes Schicksal und dass sie im Jahr 1997 an Krebs erkrankt ist. Die anschließende Chemotherapie hat Spuren hinterlassen. Elke leidet seitdem unter Schmerzen und ist oft sehr erschöpft. Gabi, die in dieser Zeit im Kiosk eines Krankenhauses arbeitet, bietet Elke ihre Hilfe im Haushalt an. Die Nähe macht es unkompliziert. Gabi wohnt nur 15 Minuten von Elke entfernt. Ab jetzt kommt sie alle zwei Wochen, immer donnerstags und hilft Elke im Haushalt. Aber nur in deren Anwesenheit. Einen eigenen Schlüssel bekommt sie nicht. Mit der Zeit entwickelt sich zwischen den Frauen eine Art Freundschaft.
So vertraut sich Gabi Elke an, erzählt ihr über ihr Leben als alleinerziehende Mutter und die Herausforderungen mit ihrem Sohn. Und irgendwann erzählt sie ihr auch von ihrem neuen Partner. Aber dazu hören wir später noch mehr. Kehren wir nochmal zurück zur Hausbegehung. Herr Wermter, konnte denn festgestellt werden, ob noch was fehlte? Ich meine mich zu erinnern, dass nichts fehlte, nur das, was wir eh schon wussten. Ein paar Tage nach der Tat haben Ihre Kolleginnen und Kollegen dann ja noch Akustikversuche gemacht. Können Sie uns vielleicht kurz mal erklären, was das ist, zu welchem Zweck wird das gemacht und wie läuft das ab? Ja, es wird alles versucht, um die Tat noch einmal nachzustellen, was passiert sein könnte. Und da geht es darum, ob Zeugen zum Beispiel Kampfhandlungen oder Tathandlungen gehört haben könnten. In diesem Fall hatten die Nachbarn Lärm gehört und dachten, es seien die Kinder, die spielten. Hilferufe haben sie jedenfalls nicht gehört. Nur kurz zur zeitlichen Einordnung an dieser Stelle. Wir sind immer noch wenige Tage nach der Tat. Die bisherigen Spuren, die bringen die damaligen Ermittlerinnen und Ermittler nicht weiter.
Und einziger konkreter Anhaltspunkt ist eben das Phantombild. Deshalb hat die Polizei weiter auf die groß angelegte Öffentlichkeitsverhandlung nach dem Täter gesetzt und weiter intensiv das Umfeld des Opfers durchleuchtet. Die Theorie eines Einbrechers hat schnell an Gewicht verloren, weil es keine Einbruchspuren gegeben hatte. Doch dann gab es eine neue Spur und die kam mit der Post an den Ehemann. Herr Wermter, was wurde ihm da zugeschickt? Ja, in der Tat wurde ein Bibliotheksausweis von dem Ehemann, der auch an dem Tattag geraubt wurde, mit der Post zugeschickt.
Der Ausweis wurde wohl im Großraum Mannheim in einen Briefkasten geworfen und an den Ehemann anonym zurückgesendet. Also es gab keinen Absender. Das klingt ja erst mal merkwürdig. Vermutlich, davon gehen wir aus, hat ihn jemand gefunden und einfach in einen Briefkasten geworfen. Für uns war damals sehr wichtig, wo er gefunden wurde, um dadurch eventuell den Weg des Täters zu rekonstruieren. Sie waren deshalb ja auch im August 2002 dann bei Aktenzeichen XY und haben einen Aufruf nach dem Finder des Ausweises gemacht. Aber es gab noch ein Fundstück, das im Container neben den Sachen von Familie Schneider gefunden wurde. Und sie wussten, dass das Fundstück nicht der Familie Schneider gehörte. Wir hören deswegen nochmal kurz in die Sendung rein, um zu erfahren, worum es da genau ging.
Im Container lag auch diese Schirmmütze. Sie ist vielleicht vom Täter weggeworfen worden. Und jetzt wollen Sie natürlich wissen, wem sie gehört. Ja, diese Mütze besteht aus einem dicken Wollstoff mit Ohrenklappen. Im vorderen Stirnbereich haben wir Sternenembleme. Da der Container kurz vor dem Fund der Sachen geleert worden war, lag also die Vermutung nahe, dass die Mütze vom Täter stammen könnte. Und für brauchbare Hinweise wurde damals eine Belohnung von insgesamt 10.000 Euro ausgesetzt. Allein 5.000 davon kamen direkt von der Familie Schneider. Die Familie des Opfers setzte große Hoffnung in die damalige Aktenzeichen XY-Folge. Sie hingen vor der Ausstrahlung Plakate auf, um auf die Sendung aufmerksam zu machen. Doch trotz aller Bemühungen blieben entscheidende Hinweise aus. Für die Familie eine belastende Situation, denn solange der Mörder nicht gefasst ist, kann sie kaum mit den Geschehnissen abschließen. In einem Interview mit einer Tageszeitung sagt der Ehemann des Opfers damals, Mit dieser Tat stirbt auch ein Stück von einem selbst. Wir wünschen uns nur, dass der Mörder gefunden wird.
Mehr als 1000 Personen werden in den nächsten zwei Jahren vernommen, 256 Spuren überprüft. Doch eine wirklich heiße Spur bleibt aus. Auch die gesicherten Fingerabdrücke auf den weggeworfenen Gegenständen führen ins Leere. Der Täter ist nicht in den Datenbanken erfasst. Nach fast zwei Jahren intensiver Arbeit kommt der Fall im November 2005 zum Stillstand. Offiziell wird er als Cold Case eingestuft.
Im Juli 2006, mehr als vier Jahre nach der Tat, gibt es dann eine neue Spur. Sie führt zu einer Einbrecherbande, die etwas mit dem Tötungsdelikt zu tun haben könnte. Ein Tatverdächtiger rückt ins Visier der Ermittler. Doch am Ende stellt sich heraus, dass der ein stichfestes Alibi hat. Die Ermittlungen stehen wieder am Anfang und ein weiteres Jahr vergeht. Bis die Kripo im November 2007 einen Anruf aus dem Ausland, um genau zu sein, aus Wales erhält. Herr Wermter, wer hat sich da gemeldet und worum ging es? Ja, es waren Kollegen von uns und berichteten über einen Fall von häuslicher Gewalt. Eine Frau hatte ihren Ehemann angezeigt wegen Körperverletzung. Und dieser Anruf sollte von unglaublicher Bedeutung für die Ermittlungen in ihrem Fall werden. Warum? Aufgrund der Anzeige hatten die Kollegen den Mann erkennungsdienstlich behandelt.
Das war dann die große Überraschung für die Kollegen in Wales. Es gab ein Match in einem Mordfall in Deutschland mit den Fingerabdrücken, die wir Jahre zuvor in das System eingespeist hatten. Damit hat ja wahrscheinlich erst mal niemand gerechnet. Wir nennen den Ehemann hier mal David L. Damit hatten sie ja dann auch endlich einen Namen. Oh ja, das war ein guter Tag für uns. Für David L. ist es ja bereits die zweite Ehe und er lebte zuvor ja auch in Deutschland, oder? Ja, das war bis etwa 2004. Dann war er in einem Thailand-Urlaub und hat dort seine zweite Ehefrau kennengelernt, mit der er auch dann nach Wales gezogen war. Also Sie wussten zu diesem Zeitpunkt jetzt, wie der Mann hieß und wer er war. Wie ging es denn dann weiter? Ja, es wurde sofort wieder die alte Soko aufgebaut und wir haben alle Daten und Fakten um den Mann herum überprüft, um sein insbesondere damaliges Umfeld, als er noch in Deutschland lebte. Der Mann war mehrfach vorbestraft wegen Urkundenfälschung, fahrlässiger Körperverletzung, Betrug und so weiter. Er war aber nie erkennungsdienstlich behandelt worden. Bevor wir tiefer in die Ermittlungen eintauchen, werfen wir einen kurzen Blick darauf, was Sie und die Kolleginnen und Kollegen damals herausgefunden hatten, wer dieser Mann ist. Und dafür gehen wir zurück ins Jahr 1977 nach England.
Dort heiratet der damals etwa 19-jährige Brite David L. die zwei Jahre jüngere Eliza. Zwei Jahre später, 1979, macht er eine Lehre zum Schreiner. 1981 zieht das Paar nach Deutschland, wo sie drei Kinder bekommen. Ende der 80er und einen Tag vor seinem 29. Geburtstag lässt sich David L. sterilisieren. Mit seiner Ehefrau hatte er nach der Geburt ihrer drei Kinder entschieden, die Familienplanung abzuschließen. In den 90er Jahren häufen sich die Streitigkeiten. Und schließlich findet David L. Heraus, dass seine Frau eine Affäre hat, woraufhin er seine Frau schlägt. Wie oft und wie heftig wird später niemand mehr genau feststellen können. Aber auch ihrem Liebhaber begegnet er mit Gewalt. Bei einem zufälligen Treffen schlägt er ihm mit einer Bierflasche auf den Kopf. Ende der 90er lassen sich David L. und Elisa scheiden. Kurz darauf zieht der Engländer zurück in seine Heimat. Nur um kurz darauf wieder zurück nach Deutschland zu kommen. Im Dezember 2000, also etwa eineinhalb Jahre bevor Elke Schneider ermordet wird, lernt er in Worms eine Frau kennen. Und mit dieser Frau gibt es endlich den lang gesuchten Überschneidungspunkt zum Fall der Getöteten. Wie die damaligen Ermittlerinnen und Ermittler das herausgefunden haben, dazu kommen wir gleich.
Noch standen die Ermittlungen zu David L. am Anfang. Im November 2007 haben die deutschen Behörden dann aber einen internationalen Haftbefehl gegen ihn erlassen. Während David L. in England in Untersuchungshaft auf seine Auslieferung gewartet hat, haben Sie, Herr Wermter, gemeinsam mit Ihren Kolleginnen und Kollegen seine Vergangenheit in Deutschland durchleuchtet. Was haben Sie denn damals unternommen, um den Mann genauer zu überprüfen? Wir wussten, dass er in Deutschland als Subunternehmer für eine Trockenbaufirma gearbeitet hatte. Wir haben dann alle Leute, die mit ihm Geschäfte gemacht hatten, vernommen. Aus einer Vernehmung haben Sie dann auch einen entscheidenden Hinweis bekommen, wie die Verbindung zu dem Opfer war, nicht? Ja, genau. Wir haben eine Frau aus der Eifel vernommen. Über diese haben wir dann erfahren, dass der Mann ein Techtelmechtel mit der Haushaltshilfe des Opfers hatte. Und damit schließt sich der Kreis. Im Dezember 2000 hatte David L. Gabi im Rahmen von Trockenbauarbeiten im Stadtkrankenhaus in Worms kennengelernt, wo sie damals gearbeitet hat. Hören wir nun, wie über Gabi der Kontakt zu dem Opfer zustande kam.
Es ist Ende 2000 oder Anfang 2001, kurz nachdem Gabi David L. kennengelernt hat. Beim Einkaufen trifft Gabi zufällig Elke und stellt ihr ihren neuen Freund David L. vor. Nur eine ganz kurze, beiläufige Begegnung mit schlimmen Folgen. Bei dem Treffen erzählt Gabi von David L.s handwerklichem Geschick. Da bei Elke im Hause eine undichte Silikondichtung am Waschbecken ausgetauscht werden muss, übernimmt der Brite diese Arbeit gern.
An einem Samstagmorgen kommt er bei ihr vorbei und erledigt die Reparatur. Eine Bezahlung lehnt er ab. David L. ist danach noch mindestens einmal bei Elke im Haus. Angeblich, um wieder eine Kleinigkeit zu reparieren. Ob er diese Arbeit wirklich ausgeführt hat, wird später niemand mehr genau sagen können. Im Juli 2001 endet dann die Beziehung zwischen Gabi und David L. Die Trennung verläuft friedlich und David L. bleibt zunächst in Deutschland. Herr Wermter, jetzt wussten Sie, in welcher Verbindung David L. Zum Opfer stand. Noch saß er in England in Untersuchungshaft. Im Februar 2008 wurde er dann aber endlich nach Deutschland überführt, oder? Ja, wir bekamen von der Staatsanwaltschaft sofort die Erlaubnis, ihn in London Heathrow abzuholen. Ich selbst bin dahin geflogen mit zwei ECK-Beamten. Bei diesem Transport durfte dummerweise der Täter aber nicht gefesselt transportiert werden. Warum? Ich nehme jetzt mal an, Sie haben ihn in einer Passagiermaschine überführt. War das nicht eine Gefahr für Sie und auch für die anderen Passagiere? Prinzipiell ja, aber der Flugkapitän hat uns das untersagt, eben die Fesselung. Er meinte, wenn die Maschine abstürzen würde, dann hätte er keine Chance, sich selbst zu retten.
Hatten Sie denn da in dieser Situation Sorge, dass er gewalttätig wird? Ja, absolut. Und auch, dass er fliehen könnte. Der Täter war ein großer Fußballfan und auch Hooligan. Insbesondere waren seine Kopfstöße gefürchtet.
Außerdem hatte er jede Menge Vorstrafen. Was war denn Ihr Eindruck von dem Mann? Ja, er hat auf mich einen gewissen Respekt ausgelöst, da er bullig und resolut war und auch als Kämpfer bekannt war. Nehmen Sie uns mal mit auf den Flug. Haben Sie währenddessen neben ihm gesessen? Wie hat er sich während des Flugs verhalten? Er saß zwischen den beiden SEK-Beamten und ich saß im Blickrichtung auf ihn in einer anderen Reihe. Aber es lief alles sehr gut und hat geklappt. Wir haben nicht miteinander gesprochen. Meine Aufgabe war, ihn wohlbehalten im Polizeipräsidium in Mainz abzuliefern. Dann hatten Kollegen die Vernehmung übernommen. Nach dem Rücktransport zum Polizeipräsidium Mainz erwartete ihn schon ein Kollege, der ihn vernehmen wollte bzw. Hat. Und dieser hat sich auf eine kumpelhafte Ebene mit ihm begeben, in dem sich beide duzten. Und dies geschah aus ermittlungstaktischen Gründen, um bei der Vernehmung Zugang zu ihm zu bekommen. Und hat diese Taktik am Ende geklappt? Ist die aufgegangen? Ja, er hat geredet wie ein Wasserfall. Er hat zugegeben, die Putzfrau zu kennen und das Opfer. Er hat bestätigt, dass er Reparaturarbeiten bei ihr gemacht hat. Aber den Mord, den hat er geleugnet.
Aber seine Fingerabdrücke stimmten mit den weggeworfenen Sachen im Container überein. Und auch der Teilfingerabdruck am Türrahmen war von ihm. Und den Zeugen wurde ein Foto von David L. gezeigt, worauf sie ihn als den Mann von damals identifizierten. Was hat er zu diesen Indizien gesagt? Er sagte einfach, dass er Erinnerungslücken hätte und hat sich darauf berufen. Er behauptete, dass seine damalige Lebensgefährtin ihm Drogen verabreicht hätte und er an diese Zeit fast gar keine Erinnerung hätte.
Seine damalige Lebensgefährtin, wir nennen sie mal Linda, hatte er kurz nach seiner Beziehung mit Gabi kennengelernt. Mit ihr war er dann etwa von 2001 bis 2003 zusammen, also auch zu der Zeit, als Elke Schneider ermordet wurde.
Laut David L. habe Linder ihn angeblich mit einer Nebentätigkeit in einem Escort-Service hintergangen. Und um dies vor ihm zu verbergen, soll sie ihm Schlafmittel verabreicht haben. Dadurch hätte er Erinnerungslücken und könne sich an die Tat nicht erinnern. Angesichts der Beweislage sähe er zwar ein, dass er der Täter gewesen sein müsse, doch er könne sich einfach nicht mehr daran erinnern. Er bemühe sich, sie zurückzugewinnen, in der Hoffnung zu verstehen, warum er die Tat begangen habe. Dennoch bleibe bei ihm die Unsicherheit. Sei er es wirklich gewesen? Herr Wermter, das ist eine unglaubliche und ich würde fast sagen unglaubwürdige Geschichte, die David L. Den Beamten damals erzählt hat. Wie war Ihre Einschätzung? Ja, das war absolut nicht glaubhaft. Ich möchte auch noch mal auf die Haushaltshilfe zurückkommen. Sie muss doch auch das Phantombild in der Presse gesehen haben. Warum hat sie der Polizei damals nicht schon von David L. Erzählt? Darüber kann ich nur spekulieren. Sie hat sich wahrscheinlich geschämt vor der Polizei wegen dem Techtel-Mächtel. Gut, aber hat sie sich denn damit dann eigentlich strafbar gemacht? Wenn sie es bewusst gemacht hätte oder hat, dann schon. Noch im selben Jahr, im Dezember 2008, startet ein aufwendiger Indizienprozess am Landgericht in Mainz.
David L. ist wegen Mordes und schweren Raubes angeklagt. 17 Verhandlungstage sind angesetzt. Es werden schwierige Tage, vor allem für die Familie des Opfers, denn durch den Prozess wird alles wieder aufgewühlt. Vor Gericht bleibt David L. bei seiner wenig glaubwürdigen Aussage, er könne sich nicht an den Tathergang erinnern, obwohl er das angeblich wolle. Aber die Spurenlage ist eindeutig und ermöglicht eine lückenlose Rekonstruktion der Tat. Zum Zeitpunkt der Tat, im April 2002, hat der Angeklagte als Freiberufler kein regelmäßiges.
Trotzdem hat er hohe Ausgaben, vor allem für seine Leidenschaft Fußball und seine Großzügigkeit gegenüber seiner damaligen Freundin Linda. Deshalb braucht er dringend Geld, das er von Elke Schneider fordert. Da die 45-jährige David L. kennt, lässt sie ihn arglos ins Haus. Aber nachdem sie ablehnt, ihm Geld zu geben, eskaliert die Situation. Der erste Angriff findet im Erdgeschoss statt. Er schlägt auf Elke ein, um sie zu zwingen, den Aufbewahrungsort ihrer Wertsachen zu verraten. Was sie vermutlich auch getan hat. Denn die Spurenlage zeigt, dass David L. die Wohnung gezielt durchsucht und nur bestimmte Schubladen geöffnet hat. Elke wehrt sich und schreit um Hilfe. Damit niemand ihre Hilfeschreie hört, schließt David L. die Terrassentür. Dabei hinterlässt er den blutigen Teilfingerabdruck. Währenddessen kann Elke entkommen und rennt ins Obergeschoss, ins Kinderzimmer ihrer Tochter. Von dort wählt sie um 12.31 Uhr den Notruf. Doch sie kann nicht mehr um Hilfe bitten, denn direkt nach dem Verbindungsaufbau reißt David L. Den Telefonstecker heraus, bricht die Kinderzimmertür auf und zwingt sie im Schlafzimmer unter Gewaltanwendung preiszugeben, wo weitere Wertsachen versteckt sind.
Dafür spricht, dass er gezielt den Goldbarren aus dem Kleiderschrank genommen hat. Aber dann wird David L. bewusst, dass er nicht unbehelligt davon kommen wird, da Elke ihn kennt. Deshalb fasst er den Entschluss, sie zu töten. Er fesselt und knebelt sie. Dann setzt er sie auf einen Drehstuhl und bringt sie ins Badezimmer. Dort ertränkt er sie. Danach beseitigt er alle Spuren. Er nimmt das Klebeband mit, mit dem er Elke Schneider gefesselt hat. Und auch die Bettwäsche aus dem Schlafzimmer. Die Wasserflasche und das Glas, die er berührt hat, vergisst er allerdings. Deshalb kommt er nochmal zurück und bittet die Mädchen, ihm beides zu geben. Ein psychiatrisches Gutachten bestätigt später, der Angeklagte ist voll schuldfähig. David L. Wird des Mordes in Tateinheit mit schwerem Raub schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt.
Er legt Revision ein, die am 17. Juni 2009 abgewiesen wird. Das Urteil ist damit rechtskräftig. Auch wenn das Elke Schneider nicht zurückbringt, kann die Familie endlich abschließen. In das Haus ist sie nie wieder zurückgekehrt. Die Erinnerungen an die traumatischen Geschehnisse sind dort einfach zu präsent. David L. wird nach England abgeschoben. Dort muss er seine Strafe absitzen und bleibt mindestens 30 Jahre in Haft, bevor er einen Antrag auf Entlassung stellen kann. Herr Wermter, der Mord an Elke Schneider ist jetzt über 22 Jahre her. Das Urteil wurde vor rund 16 Jahren gesprochen. Wenn Sie heute an den Fall zurückdenken, was bleibt für Sie? Ich sehe eine zurückgelassene Familie. Das ist das Schlimmste für mich an der Sache.
Kinder, eben die Mädchen, die ihre Mutter verloren haben. ein Ehemann, der seine Frau verloren hat. Danke für Ihre wertvollen Einblicke in die damalige Ermittlungsarbeit. Und damit sind wir auch am Ende der heutigen Folge. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen, dass Sie sich die Zeit genommen haben und zu uns ins Studio gekommen sind. Das habe ich gerne gemacht. Auch von mir Dankeschön und auch ein herzliches Danke an den Sachverständigen für Daktuloskopie, Andreas König und die Autorin dieser Folge, Corinna Prinz. Und wie immer am Ende auch vielen Dank an euch fürs Zuhören. Ich sage bis zum nächsten Mal bei Aktenzeichen XY Unvergessene Verbrechen und bleibt sicher.
Music.