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Hallo und herzlich willkommen zu Aktenzeichen XY. Unvergessene Verbrechen. Ich bin Rudi Zerne. Und ich bin Conny Neumeyer. Schön, dass ihr wieder zuhört. Ja Rudi, ganz am Anfang erstmal eine Frage an dich. Spielst du eigentlich Lotto? Ab und an schon. Sehr unregelmäßig, aber die Gewinne sind wirklich nicht erwähnenswert. Das Höchste der Gefühle waren mal drei Richtige und da kommt nicht viel bei rum. Wenn du jetzt mal sechs Richtige hättest, also eine große Summe gewonnen hättest, würdest du jemandem davon erzählen? Ja, auf jeden Fall meiner Frau. Wir freuen uns dann gemeinsam. Denn in Vorbereitung auf unsere heutige Folge, da hat unsere Redaktion mal recherchiert und nach einer aktuellen Umfrage würden 25 Prozent der Menschen nach einem Lottogewinn ihren Partnern bzw. Partnerinnen nichts von dem Gewinn sagen. Ja, spricht jetzt vielleicht nicht unbedingt für das Vertrauen in den Partner bei dem Thema. Jedenfalls geht es in unserem heutigen Fall auch um einen Lottogewinn, den eine Frau für ihren Mann aufbewahrt hat. Nur sie, ihre Tochter und ihr Mann wussten davon. Sie haben sonst niemandem davon erzählt. Und trotzdem muss jemand davon erfahren haben, so scheint es zunächst. Wir begrüßen dazu im Studio den ersten Kriminalhauptkommissar Andreas Friedrich von der Kripo Fürth, der diesen Fall bearbeitet hat. Herzlich willkommen. Vielen Dank, dass Sie mich eingeladen haben. Wir freuen uns.

Ja, der Einstieg war ja auch nicht ganz ideal für Sie, denn während das Verbrechen begangen wurde, waren Sie im Urlaub. Sie haben den Fall erst kurz darauf übernommen. Erzählen Sie mal. Ja, das Ganze war erst fünf Tage später. Das ist für einen Kriminalbeamten natürlich ein Nachteil, wenn man so spät an den Tatort kommt, der erste Eindruck vom Tatort nicht mitnehmen kann. Und in diesem Fall war es aber wirklich gut, dass ich etwas später dazugekommen bin, denn Kollegen, die als Erste am Tatort waren, hatten eine Theorie, die ich mit einem frischen Blick oder vielleicht mit einem neutralen Blick auf die Sache und auf die Aktenlage anders gesehen habe. Und was das für eine Theorie war, erzählen Sie uns im Anschluss. Ihr frischer Blick war jedenfalls ein Glück für die beiden Opfer dieser Tat, die wir auch gleich im Interview hören werden. Um sie zu schützen, nennen wir sie Heike und Julia Donauer. Hören wir zunächst, wie alles damals begann.

Es ist der 2. November 2016. Die 50-jährige Friseurmeisterin Heike Donauer ist den ganzen Tag unterwegs, um sich Heimwohnungen für ihren an Demenz erkrankten Vater anzusehen. Seit einem Jahr kümmert sie sich intensiv um ihn. Im Anschluss geht sie noch in die Stadt shoppen. Eines der Dinge, das sie an diesem Tag kauft, wird sie noch in Bedrängnis bringen. Doch davon später mehr. Um etwa 16 Uhr begibt sie sich auf den Heimweg. Heike Donauer lebt zusammen mit ihrer 22-jährigen Tochter Julia in einer Mietwohnung eines Mehrparteienhauses. Zu Hause präsentiert sie ihrer Tochter ihre neue schwarze Hose, die sie für die Arbeit im Friseursalon gekauft hat. Danach geht sie ins Wohnzimmer und schaut fern. Julia schläft in ihrem Zimmer ein. Da ist es etwa 17 Uhr. Plötzlich klingelt es. Bei Aktenzeichen XY ungelöst wurde die Szene so nachgestellt.

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Ja, bitte? Es geht um Ihre Tochter. Ist sie da? Polizei? Aber kann ich den Ausweis noch mal sehen? Hey! Hilfe! Was soll das?

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Die zwei unbekannten Männer drängen Heike Donauer in die Wohnung. Einer der beiden überwältigt sie und fesselt sie an Händen und Füßen mit einem Kabelbinder. Ihren Kopf umwickelt er mit Klebeband. Heike Donauer leidet an Asthma. Das Panzertape verursacht schwere Atemnot, wie sie uns geschildert hat. Und das hat er mir richtig um den Kopf rum. Nase, Kopf, Mund, Augen. Ja, also das war ganz dicht so geklebt. Das war vielleicht fünf oder sechs Mal um den Kupfer rumgewickelt. Und das war so, so beengend, Platzangst, Atemnot. Ich habe gedacht, das ist meine letzte Minute und das überlebe ich nicht. Ihre Tochter Julia hört den Lärm und kommt aus ihrem Zimmer. Sie fängt sofort an zu schreien. Der zweite Täter stürzt sich direkt auf sie, wirft sie zu Boden und legt sich auf sie drauf. Julia Donauer erinnert sich noch genau an die Worte des Täters. An die furchtbaren Drohungen, die er ihnen gegenüber ausgestoßen hat. Ja, halt das Maul, halt die Schnauze, seid ruhig, wir vergewaltigen euch sonst. Unter diesem ganzen Stress, ja, wir vergewaltigen euch etc., da hast du irgendwie gar nicht viel nachdenken können. In dem Moment habe ich einfach nur noch gesehen, wie meine Mama am Boden liegt, regungslos. Und in dem Moment dachte ich mir nur, oh mein Gott, die ist tot. Einer der Täter fesselt auch Julia an Händen und Füßen und umwickelt ihr Gesicht ebenfalls einige Male mit Klebeband. Als ihre Mutter nach Luft ringt und Laute von sich gibt, weiß Julia, dass sie lebt.

Mutter und Tochter liegen geknebelt und gefesselt auf dem Teppichboden im Wohnzimmer. Ein Täter befiehlt dem anderen, auf die Frauen aufzupassen. Sie hören, wie er die Wohnung durchwühlt, Schubladen aufreißt und den Inhalt zu Boden wirft. Es scheint, als würde er gezielt nach etwas suchen, das er nicht findet. Er kommt zurück und schreit Julia an. Wo ist das Geld? Julia schafft es, sich trotz des Klebebandes vor dem Mund zu artikulieren. Und ich habe dann gesagt, ja, im Schlafzimmer, glaube ich. Als erstes haben sie dann mich hergezerrt ins Schlafzimmer. Und ich wusste aber persönlich auch nicht, wo der Tresor versteckt ist. Ich wusste zwar schon, dass er im Schrank ist, aber wo genau, wusste ich auch nicht. Ich habe gesagt, ja, im Schrank, wo ist das Geld? An mir gezerrt und so weiter, wo ist das Geld? Ich habe gesagt, ich weiß es nicht, es muss im Schrank sein. Daraufhin hat er dann nochmal den Schrank auseinandergenommen, gewühlt und hat dann die grüne Geldkassette gefunden, also den kleinen Tresor.

Und wo ist der Schlüssel? Wo ist der Schlüssel? Wurde ich dann gefragt und ich weiß nicht, wie gesagt, riesengroße Rangelei. Ich wurde dann auch mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen und geschubst und gedrängt und so weiter. Auf jeden Fall, ich wusste da tatsächlich nicht, wo der Schlüssel ist. Der eine Täter zerrt Julia ins Badezimmer, setzt sie in die leere Wanne und bindet sie mit Kabelbindern am Wasserhahn fest. Sie bekommt mit, wie der Täter ins Wohnzimmer geht und ihre am Boden liegende, entkräftete Mutter anbrüllt. Er will jetzt von ihr wissen, wo der Tresor-Schlüssel ist. Aber Heike Donauer gerät in Panik, kann kaum einen klaren Gedanken fassen. Jetzt habe ich dann auch überlegen müssen, wo der Schlüssel ist. Ja, weil der Schlüssel, den habe ich eigentlich im Bad, in meinem Hochschrank, in meinem Pflaster etwa drin gehabt. Der wiederum zugemacht war mit einer Schnur, wie so ein kleines Säckler und da war der Schlüssel drin. Es gelingt ihr kaum, sich in dieser extremen Stresssituation zu sammeln. Doch dann fällt ihr das Versteck doch wieder ein und sie deutet mit dem Kopf Richtung Bad. Der eine Täter packt sie und schleppt sie ins Badezimmer. Durch die Aufregung und das Tape um ihren Kopf ist ihre Atemnot so groß, dass Heike Donauer im Bad einen Asthmaanfall erleidet. In Todesangst versucht sie dem Täter trotz des zugeklebten Mundes verständlich zu machen, dass sie ihr Asthma-Spray braucht.

Die an die Badewannen-Armatur gefesselte Julia muss hilflos mit ansehen, wie ihre Mutter nach Luft ringt. Und er hat dann ihre Tasche geholt und hat dann in der Tasche herumgekramt und hat dann auch das Spray gefunden gehabt. Ja, aber wie gesagt, hat er irgendwie keinerlei Verbindung zu einem Asthmatiker gehabt und dementsprechend hat er natürlich auch dann das Spray gepumpt. Das heißt, ein bisschen was hat sich geholfen für die ersten paar Minuten, aber der Rest war dann auch noch schwer, weil er einfach nicht gescheit gepumpt hat und sie trotz allem noch keine Luft bekommen hat. In der kurzen Phase, in der das Spray gegen die Atemnot hilft, deutet Heike Donauer dem Täter, wo sich der Schlüssel befindet und er findet ihn tatsächlich in dem Pflaster-Etui. Dann wird auch sie zu ihrer Tochter in die Badewanne gesetzt und mit mehreren Kabelbindern so stark an den Wasserhahn gefesselt, dass sich ihre Hand blau verfärbt. Als Heike darauf heftig reagiert, lockert er trotz seines sonst so brutalen Vorgehens die Fesseln leicht. Dann lässt er die beiden im dunklen Badezimmer zurück.

Mit dem gefundenen Schlüssel öffnen die Täter den Tresor im Schlafzimmer. Darin befinden sich 52.000 Euro. Also endlich haben sie, wonach sie gesucht haben. Herr Friedrich, wir haben es eingangs schon angedeutet, aber bitte schildern Sie uns jetzt mal, warum die beiden Frauen so viel Geld zu Hause hatten. Ja, der Ehemann von Frau Donauer, der hatte acht Jahre davor, im Dezember 2008 war das, 50.000 Euro im Lotto gewonnen. Das Geld hat er seiner Frau zum Aufbewahren gegeben und die hat es, statt es zur Bank zu tragen, sich dazu entschieden, das Geld in einem Tresor zu Hause zu behalten. Im Laufe der acht Jahre hat sie dann auch noch ihr eigenes Erspartes insgesamt 2.000 Euro zusätzlich zu diesem Betrag dazugelegt, sodass es am Schluss 52.000 Euro waren, die sich in dem Tresor befunden haben. Das war jetzt das Geld, von dem angeblich nur drei Personen wussten. Also Heike Donauer, ihr Mann und Tochter Julia.

Der Verdacht liegt jetzt natürlich nahe, dass einer von den dreien jemandem von dem Gewinn erzählt hat. Herr Friedrich, das ist ja häufig das Problem, dass diese Informationen über irgendeinen Weg an Dritte gelangen, oder? Ja, genau so ist es. Die Polizei rät deshalb immer, so viel Bargeld auf keinen Fall zu Hause aufzubewahren. In jedem Fall haben die Geschädigten aber genau das Richtige gemacht. Indem sie den Tätern des Verstecktes Schlüssels verraten haben und damit ihr eigenes Leben geschützt haben. Herr Friedrich, wo war denn eigentlich der Mann von Frau Donauer zu diesem Zeitpunkt? Der Mann von Frau Donauer ist in der ganzen Geschichte etwas außen vor gelassen, weil er kurz nach dem Lottogewinn damals in Haft kam. Er musste eine achtjährige Haftstrafe wegen eines Betäubungsmitteldelikts verbüßen, weil er mit Rauschgift gehandelt hatte.

Kommen wir wieder zurück zum Tatgeschehen. Denn für Mutter und Tochter ist das Martyrium noch lange nicht zu Ende. Sie sitzen nun schon längere Zeit in der Wanne im dunklen Bad und nehmen an, dass die Täter mittlerweile verschwunden sind. Deshalb versuchen sie, sich zu befreien. Doch die Täter sind noch da. Während Heike und Julia an ihren Fesseln zerren, reißt plötzlich einer der Täter die Tür auf und steht wieder neben ihnen. Er hat die versuchte Befreiungsaktion bemerkt und schlägt Julia ins Gesicht. Er zieht die Kabelbinder noch fester zu und verschwindet ohne ein Wort. Beide Frauen bleiben verzweifelt in der Dunkelheit des Badezimmers zurück und lauschen nach dem, was in der Wohnung vor sich geht. Julia Donauer schildert ihre damaligen Gedanken dazu. Was machen die jetzt noch in der Wohnung? Zerlegen die jetzt da die Wohnung? Wühlen die in deinen Sachen rum? Weil es ja trotz allem unsere Wohnung war, dein sicherer Ort eigentlich? Ja, da gehen einem wirklich hunderttausend Sachen durch den Kopf. Du hast solche Angstzustände und weißt halt überhaupt nicht mehr, wo vorne und hinten ist in dem Moment.

Und noch einmal müssen Heike und Julia Donauer Todesängste ausstehen, als einer der Täter erneut zurückkommt und sie mit einer unbekannten Flüssigkeit besprüht. Wir haben natürlich gar nicht gewusst, was Phase ist, weil wir kaum was gesehen haben. Und wir in dem Moment gemeint haben, mit was besprühen die uns da? Sie haben zwar nur geschrien, Desinfektion, Desinfektion, aber nach Desinfektionsmitteln hat es jetzt nicht gerochen. Deswegen haben wir auch gar nicht gewusst irgendwie, was passiert denn jetzt da in dem Moment. Naja, im ersten Moment meinst du das so, vielleicht zünden die dich auch an.

Eine schlimme Vorstellung, mit etwas besprüht zu werden, von dem man nicht weiß, was es ist und was die Täter damit bezwecken. Herr Friedrich, was war das für eine Flüssigkeit? Ja, die Ermittlungen haben dahingehend nichts ergeben. Wir wissen bis heute nicht, was es genau war. Wir vermuten natürlich, so wie es Sie schon in dem Anspieler angesagt haben, dass es sich um Desinfektionsflüssigkeit gehandelt hat. Allerdings können wir das nicht weiter verifizieren. Die Frauen waren selbstverständlich in totaler Panik, in Todesangst und wahrscheinlich wollten die Täter mit dieser Aktion lediglich ihre Spuren verwischen.

Das Verhalten der Täter scheint willkürlich. Wie die Polizei später ermittelt, stecken sie eine Lampe aus und schließen stattdessen den Staubsauger an, den sie dann aber anscheinend nicht in Betrieb nehmen. Außerdem nehmen sie das Festnetztelefon sowie einen Wohnungsschlüssel aus der Diele an sich. Wie konnten Sie sich das erklären, Herr Friedrich? Wir konnten uns keine schlüssige Erklärung für dieses Vorgehen ausgeben. Vorstellen. Wir wissen auch nicht genau, ob sie den Staubsauger nicht doch angemacht haben, um Spuren zu vernichten. Wir haben daraufhin den Staubsaugerbeutel aber untersucht und konnten da nichts feststellen. Die Täter haben ja auch das Telefon mitgenommen, vermutlich aus dem Grund, dass sie nicht so schnell Hilfe holen können. Es wurde aber letztendlich auch nicht mehr gefunden. Auch der Der Schlüssel wurde mitgenommen. Hier gehen wir auch davon aus, dass sie möglicherweise versuchen wollten, dass sie nicht aus der Wohnung rauskommen. Aber ja, letztendlich gibt es keine schlüssige Erklärung dafür. Der Schlüssel wurde nie gefunden. Der Schlüssel wurde auch nicht gefunden, nein. Die Täter haben sich insgesamt etwa eine halbe Stunde in der Wohnung der Donauers aufgehalten. Doch bevor sie schließlich aus der Wohnung geflüchtet sind, hatten sie noch ein Küchenmesser am Badewannenrand abgelegt. Damit konnten sich Heike und Julia schließlich befreien und die Polizei informieren.

Herr Friedrich, Sie waren zu diesem Zeitpunkt ja noch im Urlaub. Aber Sie können uns sagen, wie Ihre Kolleginnen und Kollegen damals vorgegangen sind. Nämlich wie? Also nach Eingang des Notrufs waren die Kollegen natürlich rasch am Tatort und haben sich als erstes um die beiden Geschädigten gekümmert, die wirklich zu dem Zeitpunkt fix und fertig waren. Ich denke, das kann man sich auch ganz gut vorstellen in so einer Situation. Im Anschluss daran kommt die Spurensicherung, die den gesamten Tatort sichert. In der Dienststelle der Kriminalpolizei-Inspektion Fürth wurden sofort die Aussagen der Geschädigten aufgenommen. Das ist wichtig, dass das so schnell wie möglich passiert, da die Erinnerungen noch frisch sind. Ja, und dann wurden gleich danach Julia und ihre Mutter von einer Gerichtsmedizinerin untersucht, wie uns Julia Donauer erzählt hat. Die Schäden hat man aber zu dem Zeitpunkt irgendwie kaum gesehen, beziehungsweise die Rödungen halt nur. und das Blut, was halt aus der Lippe gekommen ist teilweise.

Und erst hinterher hat man dann die ganzen Prellungen und blaue Flecken und was halt noch so zusätzlich dazu kam, festgestellt. Daraufhin sind wir natürlich dann auch ein paar Tage später ins Krankenhaus.

Im Krankenhaus wird bei Heike Donauer eine Bandscheibenverletzung der Brustwirbelsäule festgestellt. Herr Friedrich, die Täter haben sich ja doch eine ganze Zeit in der Wohnung aufgehalten. Da konnten doch bestimmt einige Spuren gesichert werden. Welche zum Beispiel? Ja, die Spurensicherung hat die Wohnung gründlich nach Spuren abgesucht. Das heißt, jedes Zimmer wird einzeln sich vorgenommen und nach Gegenständen abgesucht, die die Täter angefasst haben, um da dann Rückschlüsse auf die Täter zu ziehen. Diverse Gegenstände wurden natürlich auch sichergestellt, wie das Küchenmesser, der Staubsauger und meterweise Klebebandreste, die man den Geschädigten um den Kopf und um die Hände gewickelt hatte.

Aber zunächst konnten keinerlei Spuren gefunden werden. Es gab überhaupt keine DNA-Spuren in den ganzen sichergestellten Gegenständen. Die einzigen Fingerabdrücke, die man am Tatort fand, waren die von den Geschädigten. Wie kann denn sowas möglich sein? Es gibt von Natur aus schlechte Spurenleger. Das liegt in der Natur des Einzelnen. Und zwar ist es folgendermaßen, wenn jemand trockene Haut hat, Hautschuppen oder egal, aus irgendeinem anderen Grund vielleicht sehr viele Hautschuppen verliert, dann ist das ein relativ guter Spurenleger. Und wir haben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es Personen gibt, die überhaupt keine DNA-Spuren oder ganz wenig DNA-Spuren hinterlassen. Und anscheinend sind unsere beiden Täter hier in der glücklichen Situation, diese DNA nicht so zu verbreiten, wie der ein oder andere Täter.

Außerdem war die Spurensicherung natürlich noch nicht sofort abgeschlossen. Insbesondere diese gefundenen Reste von dem Panzertape, von diesem silberfarbenen, sehr hocheffizient klebenden Klebeband, die ist so aufwendig gewesen, die zu untersuchen, sodass wir wirklich monatelang gebraucht haben, um diese einzelnen Verklebungen auseinanderzubringen. Man muss sich das vorstellen, die ganzen Tape-Stückchen mussten von den Spurensicherungen vorsichtig in Schutzanzug und unter Schutzatmosphäre mit Handschuhen und Pinzette einzeln auseinandergenommen werden und in Millimeterschritten abgesucht werden. Man hat erwartet, dass möglicherweise Fingerabdrücke zu sichern sind auf der Innenseite, auf der Klebebandseite oder eben auch DNA vorhanden ist. Man muss sich das auch vorstellen, pro Fetzen braucht man da drei bis vier Stunden. Das ist eine mühsame und vor allem ganz langwierige Angelegenheit.

Die zweite theoretische Möglichkeit, die man als Polizeibeamter in seine Überlegungen mit aufnehmen muss, ist natürlich, ob es den Überfall auch wirklich gegeben hat. Ja, dass der Überfall fingiert gewesen sein könnte, war ja eine Theorie, die ihre Kollegen zunächst tatsächlich verfolgten. Es kam sogar dazu, dass kurzfristig Heike Donauer selbst in Verdacht geriet. Weshalb? Die Kollegen haben in der Wohnung von Heike Donauer eine neue Panzertape-Rolle gefunden. Und das war natürlich genau so eine silberne Panzertape-Rolle, mit der die Geschädigten auch gefesselt wurden und mit der auch das Klebeband um den Kopf gewickelt wurde. Der Verdacht lag natürlich jetzt nahe. Die beiden haben den Überfall nur vorgetäuscht. Das Panzertape hat Frau Donauer noch dazu am selben Tag in der Stadt gekauft, als sie noch kurz shoppen war, wie wir anfangs gehört haben. Da stellt sich natürlich die Frage, warum hätten die beiden den Überfall vortäuschen sollen? Ihre Kollegen hatten da eine Theorie. Ja, genau. Wie gesagt, 50.000 Euro stammten aus einem Lottogewinn. Der Mann von Frau Donauer hatte den ja acht Jahre zuvor gemacht und das Geld wurde von den beiden Frauen zu Hause aufbewahrt. Die Mutmaßung der Kollegen war nun, dass die beiden Frauen während der Verbüßung der Haftstrafe die 50.000 Euro durchgebracht haben.

Sie wären dann in Erklärungsnot gekommen, weil er bald freikommt. Deshalb war die Theorie, sie hätten den Überfall lediglich vorgetäuscht. Ganz zu Beginn haben wir es ja auch schon erwähnt, dass sie durch ihren etwas verspäteten Einstieg in diesen Fall einen frischen Blick darauf hatten, was ein Glück für die beiden Frauen war. Sie konnten diese Theorie nämlich entkräften. Wodurch? Ja, ich habe mir natürlich alles ganz genau angeschaut und mit den Geschädigten viele Gespräche geführt. Für die neue Klebebandrolle, die wir bei ihr in der Wohnung gefunden haben, hat es eine plausible Erklärung gegeben. Und auch ich selbst habe solch eine Klebebandrolle bei mir im Haushalt. Also von daher ist es auch nicht so ungewöhnlich.

Ausschlaggebender Punkt war für mich letztendlich eine kleine Unstimmigkeit, die nicht ins Gesamtbild passte. Das mag vielleicht erstmal nur ganz klein klingen, es war aber für mich so gravierend, als ich gesehen habe, wie die Haare von der Frau Donauer verklebt waren. Noch dazu ist die Frau Donauer ja eine gelernte Friseurmeisterin und arbeitet in dem Beruf. Für sie sind die Haare so wichtig, die hätte sich nie im Leben die Haare so kaputt gemacht. Das war wesentlich schlimmer für sie als alles andere, was in der Wohnung beschädigt wurde. Selbst die ganzen kaputten Gegenstände waren für sie nicht so schlimm wie ihre verklebten Haare. Mir war klar, das kann auf keinen Fall vorgetäuscht sein. Konnte denn von den Haaren irgendwas gerettet werden oder mussten die am Ende abgeschnitten werden? Ganz genau kann ich es nicht sagen. Die Haare waren ruiniert. Ganz und gar mussten sie nicht abgeschnitten werden, aber es mussten natürlich schon viele Haare rausgeschnitten werden.

Noch bevor Sie, Herr Friedrich, mit Ihrer Ermittlungsarbeit richtig loslegen können, haben die beiden Frauen auf eigene Faust recherchiert. Die Frage, die sie dabei umgetrieben hat, war, woher wussten die Täter von dem Lottogewinn? Ich habe dann kurz einmal meine Tochter an Verdacht gehabt. Hast du das irgendwo erzählt mit dem Geld?

Was halt so Jugendliche machen. Aber da habe ich eigentlich meiner Tochter immer vertrauen können mit solchen Sachen. Gut, es war momentan der erste Gedanke, wer weiß vor diesem Geld. Die beiden recherchieren gemeinsam weiter, wie die Sache mit dem versteckten Geld an fremde Ohren gelangt sein könnte. Und wir dann überlegt, ja, hat das vielleicht ein Postbote gehört oder Lieferant oder irgendwas, der wo vielleicht an der Tür stand, wo wir uns irgendwie über irgendwas unterhalten haben können. Ja, das war dann so die Vermutung, bis wir dann erst mal drauf gekommen sind, dass es vielleicht auch einen Zusammenhang mit dem Gefängnis haben könnte. Dieser Gedanke lässt Mutter und Tochter nicht mehr los. Sie erinnern sich, dass sie während des Überfalls einen Namen aufgeschnappt haben, mit dem der eine Täter den anderen gerufen hat. Mit Hilfe dieses Namens und in der Überzeugung, dass die Täter mit ihrem Vorwissen aus der Umgebung stammen müssen, suchen sie in diversen Foren und sozialen Netzwerken. Schließlich stoßen sie auf ein Foto von drei Männern. Zwei von ihnen glauben sie wiederzuerkennen. Eine heiße Spur? Wir hören nochmal Heike Donauer dazu. Okay, wir haben eine gefunden. Bang, drei Brüder. Die sind in einer Kneipe im Internet fotografiert.

Und da waren wir uns top sicher. Herr Friedrich, auf wen genau sind die beiden denn da gestoßen? Und haben Sie Ermittlungen in diese Richtung aufgenommen? Die Geschädigten sind über das Internet auf drei Brüder gestoßen, die in der Nähe wohnen. Einer davon war mit dem Mann von Frau Donauer zusammen inhaftiert gewesen und die beiden Frauen vermuteten, dass er auf diesem Weg von dem Lottogewinn hat erfahren können. Die beiden waren felsenfest davon überzeugt, dass es zwei dieser Brüder waren. Sie haben ja die Täter gesehen, bevor ihnen das Panzertape um den Kopf gewickelt wurde. Aufgrund der Fotos im Internet waren sie sich so sicher, dass sie überhaupt nicht mehr von ihrem Standpunkt abwichen. Unsere Ermittlungen haben sich dann auf die Brüder konzentriert. Das war auch zu diesem Zeitpunkt der einzige Anhaltspunkt, den wir damals hatten. Also mit anderen Worten, Sie haben die Brüder dann ganz genau unter die Lupe genommen. Was ist dabei rausgekommen? Einer der beiden konnte sofort mit einem Alibi aufwarten. Er arbeitete in einem Gastronomiebetrieb und hat dort für seinen Chef ein Video erstellt. Anhand des Videos war genau der Zeitpunkt und natürlich auch die Örtlichkeit zu sehen und das deckte sich genau mit dem Zeitpunkt des Überfalls. Trotzdem blieben wir skeptisch. Untersuchungen meiner Kollegen auf seinem Handy zeigten, dass er niemals zuvor und auch später solchen Videos erstellt hatte.

Wir haben den Verdacht natürlich gehabt, dass das Video absichtlich aufgenommen wurde, um für den Zeitpunkt ein Alibi vorzuweisen. Und was haben Sie dann danach herausgefunden? Ja, wir haben natürlich das Umfeld der Täter recherchiert. Schließlich hat sich herausgestellt, dass es wirklich nur ein Zufall war. Beide Brüder passten auch von ihren Lebensläufen her nicht in das Täterprofil. Also die waren in der Vergangenheit nie gewalttätig. Von daher muss man auch davon ausgehen, dass das nicht unsere Täter waren. Ist es also möglich, dass sich Heike und Julia Donauer geirrt haben? Also Sie haben die Täter ja immerhin kurz gesehen, wie Sie uns erzählt haben. Ja, unsere Geschädigten waren in diesem Fall leider schlechte Zeugen. Das hat natürlich unterschiedliche Gründe.

Zum einen ist es diese enorme Stresssituation, die die Geschädigten in so einer Situation haben. Zum zweiten hatten sie natürlich auch dieses Panzertape um den Kopf gewickelt. Und drittens, sie hatten... Diese Bilder von den beiden Brüdern im Kopf, die sie im Internet herausgesucht haben, da zimmert sich im Hirn etwas zusammen, was nicht der Realität entspricht. Und in dieser Stresssituation war für sie nur noch der Gedanke, dass diese beiden Brüder, die sie da im Netz gefunden haben, auch die Täter sind. Deshalb war auch eine Lichtbildrecherche nicht von Erfolg gekrönt, denn auf den Bildern haben sie nur nach den Brüdern Ausschau gehalten. An der Stelle nochmal eine kurze Nachfrage. Wie läuft denn eine sogenannte Lichtbildrecherche ab? Wir zeigen den Geschädigten auf dem Computer eine Reihe von Fotos von Tatverdächtigen, die in der Vergangenheit straffällig geworden sind. Auf diesen Fotos, die werden dann eingeschränkt und zwar Alter, Aussehen und so weiter. Je nachdem, wie viel wir da in unserem Computer haben, werden da zwischen 100 und 200 Fotos den Geschädigten gezeigt, auf denen sie eventuell im besten Fall den Täter wiedererkennen. Das heißt, dieser Verdacht lief ins Leere und Sie mussten wieder neu ansetzen. Wie waren die weiteren Ermittlungsschritte? Also unser nächster Schritt war die Erstellung von Phantombildern.

Nachdem die Lichtbildrecherche ja nichts ergeben hat, haben wir eine Zeichnerin vom Landeskriminalamt hinzugezogen, die mit den Geschädigten eine Phantombildzeichnung gemacht hat. Sie waren auch damit nicht ganz glücklich. Weshalb? Ja, auch hier hatte ich wieder den Eindruck, dass sie nicht wirklich aussagekräftig waren, die Phantombilder, weil sie den Bildern ähnelten, die wir schon von den beiden Brüdern kannten. Also die Geschädigten hatten ihre Tatverdächtigen, die sie im Internet gefunden hatten, so fest im Kopf verankert, die haben die auch tatsächlich wieder auf dieses Phantombild und über die Zeichnerin aufs Papier projiziert. Wir haben die Bilder in der Nachbarschaft, in Geschäften aufgehängt und die Presse, das heißt Zeitungen und Internet, wurden die Bilder auch abgedruckt und veröffentlicht. Wir sind zum damaligen Zeitpunkt davon ausgegangen, dass die Täter aus der näheren Umgebung stammten. Die Reaktion auf diese Bilder war aber äußerst mager. Wir haben so gut wie keine Hinweise auf irgendwelche Personen bekommen. Inzwischen sind einige Monate ins Land gegangen und sie hatten noch keine konkreten Spuren. Das ist doch ziemlich frustrierend. Wie war das für Sie? Ja, das kann man so sagen.

Dadurch, dass die Spurenlage wirklich so gering war, das Spurenaufkommen, war praktisch nichts vorhanden, hat sich das wirklich sehr schwierig dargestellt. Die Kolleginnen und Kollegen von der Spurensicherung, die an den Klebebandresten drangeblieben sind, haben weiterhin keine Ergebnisse gefunden.

Die mussten auch sich immer wieder Zeit freischaufeln, um immer wieder diese Klebebandreste in Angriff zu nehmen. Man muss sich das vorstellen, da sind ja etliche Kartons sichergestellt worden von diesen Klebebandresten und es kommen andere Fälle rein, es kommen Tötungsdelikte rein, es kommen das normale Tagesgeschäft, Aufbrüche, PKW-Aufbrüche, alles muss von unserer Spurensicherungsabteilung bearbeitet werden und da kann man sich jeden Tag vielleicht einmal ein, zwei Stunden freischaufeln und sich mal wieder da drüber machen. Aber die Motivation ist auch immer schlechter geworden, weil man mit jedem Klebeband, das man geöffnet hat, eigentlich drauf gestoßen ist. Es gibt keine Spuren. Die Täter haben wohl Handschuhe getragen und haben weder DNA noch Fingerabdrücke an diesen Klebebandresten hinterlassen. Ja, so lange darauf zu warten, das ist natürlich auch zermürbend für die Opfer, oder so stelle ich mir das jedenfalls vor, die natürlich Ergebnisse sehen wollen und kein gutes Gefühl dabei haben, dass die Täter immer noch frei rumlaufen, oder? Klar, das ist unbefriedigend, sobald sie mit den psychischen Folgen des Überfalls zu kämpfen hatten.

Die Geschädigten haben natürlich immer wieder nachgefragt, warum wir denn die Brüder noch nicht festgenommen haben. Das waren die Brüder, die sie selber im Internet gefunden haben zur Erklärung und waren bis zum Schluss felsenfest davon überzeugt, dass es die beiden waren. Das hilft einem natürlich in den Ermittlungen nicht weiter, wenn man für sich selber das schon abgeschlossen hat. Die haben stichhaltige Alibis gehabt für die Tatzeit und kamen für uns als Täter nicht mehr in Betracht. Trotzdem, Sie haben die Flinte nicht ins Korn geworfen und haben noch drei weitere Ermittlungsansätze ausprobiert. Welche waren das? Genau, die Frau Donauer ist zwischendurch auf mich zugekommen und hat gesagt, dass bei ihr immer noch ein Wohnzimmerteppich liegt, auf dem ihre Tochter von einem der Täter niedergerungen wurde. Das war mir so nicht bewusst. Das habe ich dann erst durch das Gespräch oder durch die vielen Gespräche mit der Frau Donauer erfahren. Der Teppich lag auch nicht mehr an der Stelle, sondern die hat ihn zwischenzeitlich weggeräumt gehabt. Und das war natürlich für mich nochmal ein Ansatz, dass man diesen Teppich nochmal untersucht und genauer anschaut. Ich habe dann den Teppich sichergestellt, habe den dann auch zur Untersuchung gegeben. Das dauert natürlich dann immer, bis der Teppich eingeschickt wird. Das dauert ein bis zwei Wochen. Dann dauert die Untersuchung nochmal zwei Wochen, bis man dann ein Ergebnis hat auf DNA-Spuren. dauert es je nachdem, das sind manchmal Wochen, manchmal Monate, bis ein Ergebnis kommt.

Und wir haben auch hier wieder auf Hautschuppen gehofft, gerade wenn es da zu einer Rangelei kommt auf dem Teppich, dass man da wirklich irgendwas findet. Aber auch hier war das Ergebnis ernüchternd. Wir haben wieder nichts gefunden. Wir haben natürlich untersucht, wo gibt es andere gleichgelagerte Fälle. Gab es ähnliche Fälle in der Umgebung, aber auch hier gab es keinerlei Ansätze. Der Fall war letztendlich durchermittelt und es gab keine weiteren Ermittlungsansätze mehr. Aber Sie haben sich auch noch mal dem Mann von Frau Donauer vorgenommen im Gefängnis? Mit dem Mann von Frau Donauer, der zu dem Zeitpunkt noch im Gefängnis saß.

Habe ich auch mehrere Vernehmungen gemacht. Er hat mir versichert, dass er zu keinem Zeitpunkt leichtfertig jemandem von diesem Lottogewinn erzählt hat. Ja, dann haben Sie sich ein Jahr nach dem Überfall an das Publikum von Aktenzeichen XY ungelöst gewandt. Aber kurz vor der Ausstrahlung gab es für Sie und Ihr Team eine große Überraschung. Welche war das? Ja, meine Kollegen vom Erkennungsdienst, die haben ja nie wirklich aufgehört, diese Klebereste und Panzertape-Stückchen zu untersuchen. Die mussten halt immer nur ihre Arbeit unterbrechen. Aber letztendlich und wirklich im allerletzten Klebebandstückchen konnten wir eine DNA-Spur feststellen. Das Ganze war die Fingerkuppe eines Handschuhs, die einem der Täter beim Verkleben wohl vom Handschuh abgerissen war und sich an das Klebeband angeheftet hat. Wir haben natürlich jetzt stark gehofft, dass diese DNA uns zu einem Täter führt. Dafür muss man wissen, dass der Täter natürlich vorher in der Datenbank einliegen muss. Sonst hat man hier auch keinen Treffer. Es hat dann letztendlich doch noch eine ganze Woche gedauert, bis ein Ergebnis des Datenbankabgleichs vorhanden war. Und tatsächlich hat es einen Datenbanktreffer gegeben. Herr Friedrich, was ging Ihnen da durch den Kopf? Wir waren natürlich unglaublich erleichtert. Ein Jahr Ermittlungen führten endlich zum Erfolg.

Aufgrund der Brutalität des Täters haben wir natürlich gehofft, dass tatsächlich eine Spur in der Datenbank vorliegt. Ohne diese DNA-Spur wäre es wirklich schwierig geworden. Es gab überhaupt keine Verbindung zwischen dem Täter und unseren Geschädigten. Und jetzt natürlich die spannende Frage, wem gehörte die DNA denn? Der Besitzer der DNA war ein Konditor aus Oberbayern, der wegen vorangegangener Straftaten in der Datenbank zu finden war. Ohne DNA wäre es schwer gewesen, überhaupt eine Verbindung herzustellen. Aus rechtlichen Gründen nennen wir den Besitzer der DNA an dieser Stelle Ali K.

Sie konnten einen Haftbefehl gegen ihn erwirken, haben ihn aber nicht sofort verhaftet. Aus taktischen Gründen haben wir erstmal die Ausstrahlung der Sendung abgewartet, um Hinweise aus der Bevölkerung zu bekommen. Wir wollten ja schließlich wissen, wer der Mittäter von Ali K. war. Ja, und dann erfolgte die Ausstrahlung am 13. Dezember 2017 und ist Ihr Kalkül denn tatsächlich aufgegangen? Haben Sie nach der Sendung Hinweise bekommen, Herr Friedrich? Ja, wir bekamen sehr viele Hinweise. Einer war sehr konkret. Ein Mann, der seinen Namen nicht nennen wollte, nannte uns Ali K. Und seinen älteren Bruder als Täter. Er sagte, er wüsste, wie sie es gemacht hatten. Er hatte sehr große Angst vor dem älteren Bruder, der, wenn er wieder aus dem Knast käme, So hat er mir gesagt, er seines Lebens nicht mehr sicher sein könnte. Von daher hat er lieber auf die Belohnung verzichtet, als dass er seinen Namen preisgegeben hätte. Für uns war das natürlich nochmal ein Hinweis und ein sehr wichtiger Hinweis, überhaupt zu erfahren, dass der Bruder mit dabei war. Nennen wir den älteren Bruder an dieser Stelle Cengiz K. Sie hatten jetzt also einen ganz konkreten Hinweis auf den älteren Bruder. Hatten Sie den davor auch schon in Verdacht? Wir sind natürlich alle Möglichkeiten durchgegangen, wer der zweite Täter hätte sein können und haben auch den Bruder ins Visier genommen.

Der hatte auch dementsprechend einschlägige Vorstrafen. Der war bereits wegen Erpressung und Bankraub mit einer Schusswaffe vorbestraft.

Es gab jetzt nur ein Problem. Cengiz K. saß während des Überfalls am 2. November 2016 in Haft. Das heißt, er konnte am Überfall gar nicht beteiligt gewesen sein. War der Tipp des anonymen Hinweisgebers nach der Sendung also falsch? Nein, inzwischen konnten wir ermitteln, dass Cenkis K. Während der Tatzeit in einer geschlossenen Anstalt in München einsaß und langsam auf die Entlassung hin arbeitete. Die Anstaltsleitung hat zu diesem Zweck immer wieder Freigänge für ihn veranlasst. Das heißt, das waren Stadtspaziergänge, in denen die Straftäter langsam wieder auf die Freiheit vorbereitet werden. Und am Tag des Überfalls hatte er einen sehr langen Ausgang, der dauerte von 7.45 Uhr bis 19.45 Uhr. Also er sollte um 19.45 Uhr wieder in München sein. Die Täter haben um etwa 17.30 Uhr die Wohnung der Geschädigten verlassen. Jetzt muss man natürlich schauen, ob das überhaupt zu schaffen war. Ich bin dann selbst die Strecke mal abgefahren, um zu überprüfen, ob man es in der Zeit überhaupt hätte schaffen können. Mit dem Auto wäre es leicht möglich gewesen, aber beide Brüder hatten weder Führerschein noch ein Auto. Mit der Bahn, so habe ich es zumindest auf dem Fahrplan nachsehen können, hätte man es knapp schaffen können. Das wäre aber schon äußerst knapp gewesen.

Mit Bus zum Bahnhof, mit der Bahn nach München und dann noch mit der S-Bahn zur Klinik ist eine ganz knappe Kiste. Wenige Minuten Verspätung hätten das bereits zunichte gemacht, dass man es schaffen konnte. Okay, inzwischen haben Sie den jüngeren Bruder Ali K. ja kurz nach der Ausstrahlung der Sendung verhaftet. Was hat der zu dem Überfall ausgesagt? Leider hat er mir gegenüber gar nichts gesagt. Er wollte keine Aussage machen und hat geschwiegen. Gab es denn eine Gegenüberstellung, bei der Heike und Julia Donauer Alikar als den Täter identifizieren konnten? Nein, eine Gegenüberstellung haben wir nicht gemacht. Wir machten in diesem Fall eine Wahllichtbildvorlage. Das ist jetzt wieder etwas anderes als die Lichtbildrecherche, von der wir vorhin schon gesprochen haben. Erklären Sie uns doch gerne mal, was eine Wahllichtbildvorlage ist. Was passiert da? Also eine Wahllichtbildvorlage ist praktisch eine Vorlage, da sieht man auf einem Blatt Papier.

Sind acht Personen abgebildet, eine davon ist der Tatverdächtige, den wir jetzt haben und die wird praktisch den Geschädigten gezeigt. Die beiden Geschädigten haben Ali K. nicht als Täter wiedererkannt. Die haben nur gesagt, da sind ja diese Brüder gar nicht dabei. Sie hatten leider immer noch die fixe Idee, dass es die Brüder aus deren Umgebung waren, die sie selbst im Internet gefunden haben. Neben der Aussage des anonymen Hinweisgebers hatten sie aber noch weitere Hinweise, die den Verdacht gegen Cengiz K. Erhärteten. Welche waren das? Wir mussten tatsächlich weitere Indizien und Beweise finden, denn es gab von ihm, wie gesagt, keinerlei Spuren am Tatort. Die einzige Spur war von dem jüngeren Bruder, von Alika. Wir hatten jedoch ein weiteres Indiz, und zwar, konnten wir ermitteln, dass Cengiz K. zwischen 2012 und 2015 in der JVA Straubing mit dem Mann von Frau Donauer zusammen inhaftiert war. Es gab also tatsächlich einen Zusammenhang zwischen den Tätern und unseren Geschädigten.

Hier könnte er, oder so war unsere Vermutung, hier könnte er von dem Lottogewinn erfahren haben. Und dann haben Sie die damalige Freundin des jüngeren Bruders, Ali K., als Zeugin vorgeladen. Nennen wir sie Nadine S. Sie wollte ja zuerst gar nicht aussagen, nicht? Ja, auch sie hatte sehr große Angst vor dem älteren Bruder. Da sie aber als Zeugin geladen war, war sie verpflichtet, bei uns eine Aussage zu machen. Sie hat sich dann einen Anwalt genommen.

Als Zeuge hat man die Möglichkeit, sich einen Zeugenbeistand, eben einen Anwalt zu nehmen, um einfach da ein bisschen aus dieser Angst herauszukommen, die sie vor dem älteren Bruder hatte. In der Kanzlei des Anwalts habe ich sie dann vernommen und sie hat umfassende Aussage gemacht. Was hat Ihnen Nadine S. denn erzählt? Im Grunde hat sie alles bestätigt, was wir bisher an Ermittlungsansätzen schon gehabt haben.

Sie sagte, dass der jüngere Bruder, ihr damaliger Lebensgefährte Ali K., niemals in der Lage gewesen wäre, sowas zu planen oder selbstständig durchzuziehen. Der kleine Bruder musste letztendlich machen, was der Große gesagt hat. Er hat ihr erzählt, dass er eine größere Summe Geld geholt und sich dabei an der Wohnungstür als Polizeibeamte ausgegeben hätten. Er hat auch nicht gesagt, dass es in Bayern war, sondern sagte, es wäre in Österreich passiert und habe die Tat mehr oder weniger verharmlost. Nun hatten Sie aber genug gegen Cengiz K. in der Hand, um ihn dingfest zu machen. Wie ging es dann weiter? Ja, jetzt hatten wir genug. Wir bekamen einen Haftbefehl. Er war inzwischen wieder auf freiem Fuß. Er hatte auch wieder Arbeit gefunden und arbeitete in München bei einem Gastronomiebetrieb. Dort konnten wir ihn schlussendlich verhaften. Ich bin mit einem Kollegen persönlich nach München gefahren, um ihn nach Nürnberg zu bringen. Wir haben ihn im Auto belehrt und wollten ihn vernehmen. Er hat aber gleich gesagt, dass er bei uns keine Angaben macht. Erst als wir ihn in Nürnberg in die Zelle verbringen wollten, wollte er doch noch eine Aussage machen. Das war aber eine sehr kurze Vernehmung. Er nannte uns ein Alibi, was wir ziemlich schnell widerlegen konnten. Angeblich hätte er im Gefängnis einen Abschluss machen wollen und hat zum Zeitpunkt der Tat eine Schule besucht.

Das Blöde für ihn war allerdings, dass das genau in den Herbstferien war und die Schule zu dieser Zeit geschlossen war. Ich wusste das, weil ich selbst in den Herbstferien im Urlaub war und er hat daraufhin komplett blockiert und hat gesagt, er macht keine Angaben mehr. Er wisse, wer der Täter war, es ist jemand aus seiner Verwandtschaft, aber er macht hierzu keine Angaben und will im Prozess letztendlich alles offenlegen. Was er vor Gericht tatsächlich offenlegt, hören wir gleich. Heike und Julia Donauer haben ja geschildert, wie brutal die Täter bei dem Überfall vorgegangen sind. Jetzt haben sie Cengiz K. kennengelernt. Was hatten sie für einen Eindruck von ihm? Was ist das für ein Mensch? Cengiz K. war ein sehr charismatischer Typ, ein Macher, aber auch Manipulator. Die Leute in seinem Umfeld hat er benutzt und manipuliert, auch seinen Bruder.

In Haft hat er eine Therapie gemacht. Auch hier hat er die Therapeuten um den Finger gewickelt. Mit einigen der Therapeuten habe ich auch während der Ermittlungen gesprochen. Einige von den Therapeutinnen hatten Tränen in den Augen. Sie haben gesagt, sie würden die Hand für Cengiz K. Ins Feuer legen, dass der nicht die Tat begangen hat. Die Therapie, die er in der Klinik gemacht hat, konnte er nicht abschließen, weil er eine Liebesbeziehung mit seiner Therapeutin begonnen hatte. Laut Aussagen von Nadine S., der Lebensgefährtin des jüngeren Bruders, war die Therapeutin sogar schon auf Familienfeiern mit dabei gewesen und dachte, dass sie von Cengiz K. schwanger sei. Sie hat er dann in der Klinik gekündigt. Selbst in der U-Haft aus dem Gefängnis heraus hat Cengiz K. Noch versucht, andere Menschen für seine Zwecke zu nutzen. Wie hat er das versucht? Cengiz K. war in Bamberg in U-Haft. In Bamberg wohnte ein Mann, den ich jetzt mal Bernd B. nenne. Bernd B. war mit ihm zuvor schon mal in der JVA Straubing inhaftiert. In demselben Gefängnis, in dem auch der Mann von Frau Donauer in Haft war. Cenkis K. hat sich von ihm Handys in die JVA schmuggeln lassen und er hatte abenteuerliche Fluchtpläne ausgearbeitet, bei denen ihm Bernd B. helfen sollte. Bernd B. sollte ihm mit einer Drohne einen Sägedraht in die Zelle fliegen, mit dem er Gitterstäbe durchsägen sollte.

Alternativ wollte Cengiz K. eine Krankheit vortäuschen und beim Transport in die Klinik dann mit Hilfe von Bernd B. Fliehen. Ja, das hört sich wirklich abenteuerlich an. Er konnte seine Fluchtpläne aber nicht in die Tat umsetzen. Nein, die Fluchtpläne wurden von einem Mithäftling entdeckt, der sich der Anstaltsleitung anvertraute. Diese Pläne haben natürlich große Wellen geschlagen bis ganz nach oben. Wir mussten verschiedene Berichte fertigen bis hinauf zum Justizministerium, weil es doch so abenteuerliche Fluchtpläne waren. Wir haben auch den Bernd B. Dazu vernommen. Der war auch fix und fertig. Der war so unter Druck gestanden durch Cengiz K. Und diese Pläne waren auch nicht in die Tat umzusetzen. Also bei Cengiz K. Steckt eine Menge kriminelle Energie dahinter Und auch den Namen Bernd B. Werden wir gleich nochmal hören. Der spielt nämlich im Gerichtsprozess dann noch eine Rolle.

Am 20. November 2018 beginnt der Prozess gegen die beiden Brüder am Landgericht Nürnberg-Fürth. Die Anklage lautet auf schweren Raub mit gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Für Heike und Julia Donauer ist es schwer, den Tätern vor Gericht erneut gegenüberzustehen. Julia Donauer erinnert sich. Also da weißt du gar nicht, wie du reagieren sollst, ob du die anschauen sollst, weil die sitzen neben dir, haben noch so ein leichtes Schmunzeln auf den Lippen und du würdest am liebsten eigentlich aus deiner Haut fahren. Am ersten Verhandlungstag warten alle gespannt auf die Aussage des älteren Bruders Cengiz K., der ja angekündigt hatte, den wahren Täter aus dem Kreis seiner Verwandtschaft nennen zu wollen. Doch es kommt zu einer Überraschung.

Cengiz K. legt sofort ein umfassendes Geständnis ab, schweigt dann aber während des restlichen Prozesses. Genauso wie der jüngere Bruder Ali, der allerdings schon ein paar Tage nach seiner Festnahme einen Brief an Frau Donauer geschrieben hatte, was vom Gericht als frühes Geständnis gewertet wird. Frau Donauer hat uns diesen Brief dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. Darin heißt es, dass es ihm leidtue, dass er sich schäme und dass seine Eltern ihn so nicht erzogen hätten. Weiter schreibt Ali K., ich zitiere aus diesem Brief, die Gewissensbisse verfolgen mich seitdem Tag und Nacht, ob sie es glauben oder nicht. So etwas wünscht man keinem. Ich möchte das überhaupt nicht kleinreden und stelle mich der Verantwortung. Ich war zu diesem Zeitpunkt in einer tiefen Lebenskrise und drogensüchtig. Ich weiß nicht, ob sie mir vergeben können. Und so hat Heike Donauer auf diesen Brief reagiert. Das war für mich, das hat mich kalt gelassen. Ich habe den einmal gelesen. Ich habe sofort gesagt, das ist nicht zu entschuldigen. Der Prozess findet genau zwei Jahre nach dem Überfall statt. Vor Gericht wird die ganze Vorgeschichte der Tat aufgerollt. Heike und Julia Donauer erfahren endlich, wie die Täter von dem Geld in ihrer Wohnung Wind bekommen haben.

In der JVA Straubing, in der Cengiz K. Zusammen mit dem Mann von Heike Donauer von 2012 bis 2015 inhaftiert war, sei das Gerücht umgegangen, dass der Mann von Frau Donauer zu Hause Drogen und angeblich 250.000 Euro in einem Tresor gebunkert haben soll. Das Ziel war also nicht das Geld aus dem Lottogewinn, sondern eine viel höhere Summe aus angeblichen Drogengeschäften, die es nie gegeben hatte. Heike und Julia Donauer haben also nun endlich Gewissheit, dass keiner von ihnen etwas ausgeplaudert hatte. Ein Mithäftling von Cengiz K. ist mit Frau Donauers Mann lose in Kontakt. Es handelt sich um Bernd B., von dem wir gerade bei den Fluchtplänen aus der U-Haft gehört haben. Bernd B. schleicht sich in die Zelle von Frau Donauers Mann und durchsucht heimlich dessen private Briefe. So findet er Namen und Anschrift von Frau Donauer und teilt sie Cengiz K. mit. Dafür soll er mutmaßlich ein Drittel der Beute bekommen.

2015 wird der ältere Bruder zur Resozialisierung in eine Anstalt bei München verlegt. Wenige Wochen vor seiner Entlassung weiht er seinen jüngeren Bruder in den Tatplan ein und verspricht ihm dafür die Hälfte seines Anteils. Eine Woche vor der Tat nehmen die beiden das Auto ihrer Eltern und fahren ohne Führerschein von München zum Wohnhaus der Opfer in Mittelfranken, um ihren Plan in die Tat umzusetzen. Kurz vorm Betreten des Treppenhauses werden sie vermutlich von zwei Nachbarn gesehen, worauf sie ihr Vorhaben abbrechen und zurück nach Oberbayern fahren. Am 2. November 2016 schließlich, bei einem langen Ausgang von Schengis K., nehmen sie noch einmal den Wagen der Eltern und fahren abermals dorthin. Diesmal wird der Plan zur Realität. Allerdings erbeuten sie lediglich 52.000 Euro statt wie erwartet 250.000 Euro.

Nach dem Überfall fahren sie um ca. 17.30 Uhr nach München zurück, damit der ältere Bruder rechtzeitig wieder in der Klinik erscheinen kann. Die Beute versteckt er einige Tage später auf dem Dachboden seiner Eltern. Er trifft sich zweimal mit Bernd B. und übergibt ihm mutmaßlich 15.000 Euro, also den in etwa versprochenen Anteil von einem Drittel, was Bernd B. Vor Gericht bestreitet.

Der jüngere Bruder Ali bekommt 9.000 Euro, die er zum größten Teil dafür verwendet, Drogen zu erwerben. Den Rest der rund 20.000 Euro verspielt Cengiz K. innerhalb weniger Wochen bei Sportwetten. Viel Geld, das einfach den Bach runtergeht. Und dafür mussten zwei Menschen Todesangst ausstehen. Die physischen Verletzungen, Hämatome und Prellungen sind verheilt. Nicht aber die psychischen Folgen, wie uns Julia Donauer berichtet. Bei mir war es hauptsächlich psychisch. Ich habe dann natürlich auch fast ein halbes Jahr nicht arbeiten können, war ich tatsächlich berufsunfähig, weil ich eine Führungsposition hatte. Aber die habe ich zu dem Zeitpunkt natürlich einfach nicht mehr ausüben können. Bei ihrer Mutter wird eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Auch sie kann ihrer Arbeit längere Zeit nach dem Überfall nicht nachgehen. Beide durchlebten während des Überfalls massive Ängste umgebracht oder vergewaltigt zu werden, die sich in der Folge in Albträumen, Panikattacken und Flashbacks manifestieren.

Sowohl Mutter als auch Tochter können monatelang in der Dunkelheit nicht auf die Straße gehen und werden bis heute von Angstzuständen geplagt. Es gibt schon so Momente, wo man so Flashbacks hat, wo man nachts schweißgebadet aufwacht. Und was natürlich auch ein ganz großer Knacks ist, wenn es klingelt. Wenn es an der Tür klingelt, steigt sich so die Gänsehaut. Ich mache auch niemandem die Tür auf, wenn ich niemanden erwarte. Egal, ob es Päckchen sind, die kommen ja dann in die Packstation. Ich wurde auch ein Jahr lang von meinen Freunden abgeholt und heimgefahren. Ich konnte nirgendwo alleine hin. Ja, verfolge dich natürlich bis heute noch. Die psychischen Folgen sind durch nichts wieder gut zu machen. Auch nicht durch Geld.

Da die 52.000 Euro laut Aussage der Täter verpulvert sind, ordnet das Gericht an, dass der Gegenwert des geraubten Geldes bei den beiden Tätern eingezogen werden muss. Bis heute hat Heike Donauer das Geld jedoch nicht zurückbekommen. Julia glaubt nicht, dass das noch der Fall sein wird. Wir haben zwar wohlmöglich die Möglichkeit gehabt, auf so einen Titel oder wie sich das nennt, hätten aber in Vorkasse gehen müssen. Ja, das Geld hätten wir jetzt zu dem Zeitpunkt eigentlich gar nicht gehabt. Und uns wurde auch gesagt, dass die Chance eher gering ist, trotz allem, dass wir dann 6.000 bis 8.000 Euro zahlen, das Geld wiederzusehen. Herr Friedrich, Sie sind jetzt kein Jurist, aber Sie haben oft mit solchen Fällen zu tun. Können Sie uns mal in aller Kürze erklären, was denn so ein Titel ist und ob die beiden Frauen ihr Geld jemals wiedersehen werden? Also ich habe natürlich mit den beiden Frauen gesprochen. Die haben sich auch eines Rechtsanwaltes bedient und haben sich mit dem beraten. Und wie es immer so ist, wenn man jemandem Geld schuldet, kann man zwar einen gerichtlichen Titel erwirken, aber solange derjenige kein Geld hat, kann man natürlich auch keins bekommen.

Und ja, man muss regelmäßig einen Rechtsanwalt beauftragen, der immer wieder anklopft, nachschaut, ist was zu holen, ist nichts zu holen. Und wenn man wirklich so viel Schulden hat, dann versucht man offiziell so wenig Geld wie möglich zu verdienen, sodass bei einer Pfändung nichts zu holen ist. Also die Chancen stehen wahrscheinlich wirklich sehr schlecht, dass die beiden Donauers ihr Geld wiederbekommen.

Die Kosten für so ein gerichtliches Verfahren richten sich immer nach dem Streitwert hier nach diesen 52.000 Euro und ja.

Es ist, wie man so schön sagt, ein Titel ohne Mittel. Ja, ziemlich frustrierend für die Opfer. Aber eines bringt schließlich doch noch ein Stück Gerechtigkeit, denn Cengiz und Ali K. werden verurteilt. Zu ihren Gunsten wertet das Gericht ihre Geständnisse sowie die Spielsucht des Älteren und die Drogensucht des jüngeren Bruders. Strafmindernd kommt außerdem hinzu, dass sie Heike Donor das Asthma-Spray gegeben, die Fesseln gelockert und ein Messer zum Öffnen der Fesseln zurückgelassen haben. Die schweren psychischen Folgen für Heike und Julia Donauer, die kriminelle Energie und das große einschlägige Vorstrafenregister des älteren Bruders, wird den beiden wiederum erschwerend zur Last gelegt. Der ältere Bruder Cengiz K. wird zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren, der jüngere Ali K. Zu sechs Jahren und einer Einlieferung in eine Entziehungsanstalt verurteilt.

Für Julia Donauer, die immer noch mit den Folgen dieser Tat leben muss, ist diese Verurteilung nur ein schwacher Trost. Und es wurde nur darauf ausgelegt, ja, wir haben das gemacht, weil wir so eine schwere Kindheit hatten, weil wir alkoholisiert waren, weil wir drogenabhängig waren und so weiter. Aber das hat nichts mit diesem Prozess an sich oder mit deinem Vorgehen zu tun. Du hast einfach zwei Frauen überfallen und es musste ihr im Klaren gewesen sein. Die waren ja zu diesem Zeitpunkt weder alkoholisiert, noch, sage ich, waren sie unter Drogen. Die waren bei vollem Verstand. Weil diese Tat hast du planen müssen und du warst dir deiner Schuld bewusst. Und ich glaube, das sind sie sich aber bis heute noch nicht. Heike Donauer will nach dem Überfall aus der Wohnung ausziehen, in der das alles passiert ist. Bis heute konnte sie aber keine bezahlbare andere Wohnung verhindern.

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Herr Friedrich, der ältere Bruder ist türkischer Staatsangehöriger. Was passiert mit ihm nach der Verbüßung der Haftstrafe? Ja, Cenkis K. hat keine gültige Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland. Es besteht die Möglichkeit, dass nach zwei Drittel Verbüßung der Haftstrafe er in die Türkei abgeschoben werden kann. Dort wird er dann die Strafe vollständig absitzen. Damit sind wir am Ende dieser Folge angelangt. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen, Herr Friedrich, dass Sie zu uns ins Studio gekommen sind und uns über die Details in diesem Fall berichtet haben. Schön, dass Sie hier waren. Sehr gerne. Vielen Dank. Auch von mir herzlichen Dank. Kommen Sie gut nach Hause. Danke auch an Heike und Julia Donauer, die uns mutig ihre Geschichte erzählt haben. Wir wünschen Ihnen viel Kraft für die Zukunft und wir hoffen, dass Sie das Erlebte irgendwann verarbeiten können. Ja, und nicht zuletzt ebenso danke an die Autorin dieser Folge, Mirela Stanley. Ja und wie immer am Ende vielen Dank an euch, unsere Zuhörerinnen und Zuhörer. Bis zum nächsten Mal bei Aktenzeichen XY unvergessene Verbrechen und bis dahin bleibt sicher. Wenn es euch gefallen hat, dann abonniert unseren Podcast doch gerne, dann verpasst ihr auch keine neue Folge. Die nächste gibt es wie immer in zwei Wochen. Und wenn ihr schon dabei seid, dann lasst uns gerne ein paar Sterne auf der Podcast-Plattform eurer Wahl da. Alle Infos zum Fall findet ihr wie immer in den Shownotes. Bis bald, bis zur nächsten Folge. Macht's gut.

Aktenzeichen XY Unvergessene Verbrechen ist eine Produktion der Sicuritel in Kooperation mit Bummfilm im Auftrag des ZDF.

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