Wir haben ja den doppelten Druck, den wir sehen. Einerseits Putin, der das Land zur Kapitulation bringen möchte. Und andererseits Trump, der offensichtlich möchte, dass es zumindest einen erzwungenen Waffenstillstand gibt. Zum Vorteil quasi Amerikas und auch Russlands, aber nicht zum Vorteil der Ukraine. ZDF heute. Militär und Macht. Die Analyse. Die Ukraine muss sich an der Front und in ihren Städten gegen unterschiedlichste russische Angriffe verteidigen. Das tut sie auch, mithilfe von amerikanischen Satellitennetzen von Elon Musks Firma SpaceX. Und die wurden nach ukrainischen Angaben am Dienstagabend gedrosselt, sollen zeitweise nicht mehr funktioniert haben. Das hatte Folgen für die Ukraine. Wie abhängig ist die Ukraine von der Hilfe der USA und ihrer Technologie? Ist sie wehrlos, wenn sie abgeschaltet wird? Das will ich mit Oberst Markus Reisner besprechen. Ich bin Alisa Jung, schön, dass ihr dabei seid. Wie schwer waren die Folgen dieser Drosselung für die Ukraine? Wir sehen also im Prinzip, dass es hier zu einer Situation kommt, die für die Ukraine sehr, sehr gefährlich ist. Der letzte Verteidigungsminister Fedorov hat das sehr drastisch ausgedrückt vor einigen Wochen, hat gesagt, Starlink ist quasi das Blut in den Adern der ukrainischen Streitkräfte. Und Sie dürfen nicht vergessen, Starlink hat im Prinzip Wirkung in drei wesentlichen Bereichen. Einerseits beim Einsatz von sogenannten Kommunikationsmittelformen an der Front, Und zweitens beim Einsatz von sogenannten Defensiv- und Abwehrwaffensystemen, wie zum Beispiel Abfangdrohnen. Und drittens beim Einsatz von sogenannten Offensivwaffensystemen, das sind sogenannte Drohnen, mit denen man auf mittlere Entfernung und hohe Entfernung Ziele treffen kann. Und wenn diese drei Fähigkeiten nicht mehr verfügbar sind, dann ist das für die ukrainischen Streitkräfte eine tatsächliche Katastrophe. Wie abhängig ist die Ukraine von Starshield? Wie bereits einleitend gesagt, ganz massiv, weil eben diese drei Fähigkeiten nur durch Starlink verfügbar sind. Das ist eben die Kommunikation und der Einsatz von Offensiv- und Defensivwaffen. Und die Ukraine hat in den letzten Tagen hier turbulente Zeiten erlebt, denn es war so, und das ist sicher kein Zufall, dass es zu massiven Einschränkungen kam. Es kam dann auch zu einigen Kommentaren, unter anderem auch von Elon Musk, der dann im Prinzip einerseits Trump zugestimmt hat in seinen Äußerungen und im konkreten Fall von Starlink darauf hingewiesen hat, dass Starship vom Pentagon betrieben wird. Also er hat die Schuld quasi dem amerikanischen Verteidigungsminister zugeschoben, und quasi Starlink dazu dient, quasi in der zivilen Kommunikation eingesetzt zu werden und zu reinen Defensivzwecken. Aber das zeigt, dass im Prinzip diese Störungen kein Zufall waren, sondern ziemlich sicher im Zusammenhang zu sehen sind mit dem Versuch des amerikanischen Präsidenten, ganz gezielt Druck auf die Ukraine auszuüben. Wenn jetzt Elon Musk sagt, er hätte mit Starshield eben mit der Entscheidung, ob das gut funktioniert oder nicht, eben nichts zu tun. Wie ist das einzuordnen? Weil es gehört ja eben auch zu seinem Unternehmen, wird davon betrieben. So ist das völlig korrekt. Star Steel ist die militärische Komponente, die von den US-Streitkräften betrieben wird und die auch sicher Garantien sich ausgehandelt haben, dass zu jeder Zeit diese Kommunikation funktioniert. Aber das System, die Plattform, das ist natürlich SpaceX, Starlink, im Prinzip von Elon Musk, die das betreiben. Und wir wissen aus der Vergangenheit, dass bereits im Jahr 2023 Elon Musk selbstständig als Starlink der Ukraine entzogen hat. Das war damals, wo es zu massiven Nuklearwaffentrungen der Russen gekommen ist. Das hat die amerikanische Regierung damals sehr, sehr ernst genommen und Elon Musk hat dann quasi einmal Stalin abgedreht und zwar genau in dem Moment, wo die Ukrainer versucht haben, mit Überwassertrohnen einen Angriff durchzuführen. Das heißt, man sieht, dass es hier eine aktive Verbindung zwischen Elon Musk und dem Nachlassen oder sogar Versiegen von Kommunikationsmöglichkeiten über Stalin gibt. Jetzt sind es eben die Ukrainer, die sagen, Sie haben da diese Drosselung in den letzten Tagen wahrgenommen. Es sind auch die Ukrainer, die jetzt eben sagen, die soll inzwischen wieder aufgehoben worden sein. Aber sprechen wir über den Zeitpunkt. Gibt es dafür eine Begründung, warum das jetzt eben zu dieser Drosselung gekommen sein soll? Ja, das muss man eben im Zusammenhang sehen mit der Drohung des amerikanischen Präsidenten gegenüber dem ukrainischen Präsidenten beziehungsweise mit der Ausrufung des sogenannten Diesel-Deals und dem aktiven Zugehen der USA auf Putin. Das hat natürlich Zelensky wesentlich verärgert. Und man weiß auch, dass in der Vorgeschichte der Entwicklung dieser Pläne das Verhandlerteam um Kaschner und auch Wittkopf bereits damals vorgeschlagen haben, wenn die Ukraine nicht auf die Vorschläge eingeht, dass es möglich wäre, sie von den wichtigen Zieldaten. Diesen Ihnen zu entziehen bzw. Auch Stalin entsprechend abzudrehen. Und genau das ist aus meiner Sicht passiert. Es ist jetzt nicht klar, ob es tatsächlich nachhaltig ist oder ob es nur eine Warnung war, aber es ist auf jeden Fall kein Zufall gewesen und muss auf jeden Fall im Zusammenhang gesehen werden mit den Äußerungen von Trump gegenüber Zelensky und mit dem aktiven Zugang von Trump auf Putin. Die Situation sei gerade sehr gefährlich für die Ukraine, meint Oberst Reisner. Das Land ist massiv abhängig vom Satellitennetz Starlink des US-Unternehmers Elon Musk. Die Störungen seien seiner Meinung nach kein Zufall gewesen, sondern eine Maßnahme des US-Präsidenten, Druck auf die Ukraine auszuüben. Wie genau die letzten Tage in der Ukraine waren und wie der ukrainische Präsident reagiert hat, habe ich meinen Kollegen in der Ukraine, Dara Hassan Sadeh, gefragt. Die Menschen haben sehr gelitten unter den Angriffen, vor allem auch deshalb, weil die Frühwarnung nicht funktioniert hat. Vor allem bei ballistischen Raketen war es so, dass sie oft eingeschlagen sind und erst danach der Luftalarm kam. Dann zu kamen natürlich noch diese Treffer, die wirklich nachhaltig waren, was die Infrastruktur anging. Stundenlang hatten die Menschen keinen Strom. Bei diesen großen Wohnstätten, wo viele Kiewer Bürger leben, fehlen dann die Aufzüge. Die Wasserversorgung ist unterbrochen. Es ist ein sehr hartes Leben, was vor allem Menschen mit Familien mit kleinen Kindern betrifft und auch Alte. Und die überlegen sich schon, die Stadt zu verlassen. Das ist schon ein Gesprächsthema dort. Es ist keine Flucht wie am Anfang des Krieges, wo die Leute panisch die Stadt verlassen, sondern immer sehr überlegt. Hat man noch ein paar Tage Urlaub, dann verbringt man sie vielleicht woanders, hat man eine Datscha im Grünen oder Verwandte, die man dann besucht. So muss man sich die Situation vorstellen. Aber es gibt immer noch sehr, sehr viele, die dort bleiben. Und für Samstag sind auch Protestdemonstrationen angesagt. Viele Bürger sind unzufrieden, weil sie glauben, man könnte die Stadt noch besser schützen. Also dieser Protest, der soll sich dann schon gegen den Bürgermeister in Kiew und auch gegen die Regierung richten. Aber das sehen wir dann am Samstag. Wir haben auch eben, als du uns davon berichtet hast, eben die krassen Bilder gesehen von tagsüber, wenn Menschen einfach auf der Straße laufen und dann plötzlich neben ihnen etwas einschlägt. Dara, du hast davon gesprochen, dass Menschen eben darüber nachdenken, auch die Stadt zu verlassen. Das hat ja natürlich mit den Angriffen zu tun. Aber auch, wie wir häufig hören und lesen, mit der Sorge vor dem Winter, der da kommt, eben auch der Sorge, was das heißt. Sie haben so einen schrecklichen Winter letztes Jahr schon erlebt, eben die Energieinfrastruktur, die so sehr schon zerstört wurde in den letzten Jahren. Ich möchte dich gerne zwei Sachen fragen. Also einmal zum Zustand der Energieinfrastruktur, zunächst mal dazu. Und dann habe ich danach noch Fragen zu deiner politischen Einordnung. Also wie steht es denn um die Energieinfrastruktur in der Ukraine, die ja schon so gelitten hat in den letzten Jahren? Schlecht, genau deswegen. Es sind jetzt fünf Jahre Krieg und die Kraftwerke, vor allem Heizkraftwerke und Stromkraftwerke, die waren immer im Fokus der russischen Angriffe. Viele von denen wurden mehrfach getroffen, immer wieder repariert und aufgebaut. Aber irgendwann ist die Substanz dermaßen zerstört, dass das nicht mehr funktioniert. Etliche Kraftwerke funktionieren einfach nicht mehr. Es gibt einen kleinen Lichtblick. Die Ukraine hat schon vor Längerem damit angefangen, ihr Stromnetz, was aus sowjetischen Zeiten vollkommen zentralisiert war, zu dezentralisieren. Es gibt vor allem im Süden auch alternative Stromquellen. Da werden Windparks errichtet und Speicherkapazitäten geschaffen. Aber das ist natürlich alles nicht ausreichend. Hinzu kommt auch noch, dass die Wasserkraftwerke auch attackiert werden. Es ist also sehr, sehr schlecht bestellt um die Energieversorgung in der Ukraine. Von daher hat auch Zelenskyj direkt reagiert und hätte einem Energiewaffenstillstand sofort zugestimmt. Doch jetzt gingen die Angriffe weiter und er hat heute gesagt, dass er sich an denen nicht mehr gebunden sieht und dass es jetzt Angriffe auf die russische Ölinfrastruktur wieder geben wird. Du hast es angesprochen, genau der ukrainische Präsident, der hat sich geäußert, eben nachdem der amerikanische Präsident Trump gefordert hat, Ukraine und Russland, die sollen die Angriffe auf die Energieinfrastruktur einstellen. Russland hat das nicht getan, du hast es angesprochen, Selenskyj sagt, in der Folge tut das die Ukraine auch nicht mehr. Und wie ist jetzt aber auch die Reaktion des ukrainischen Präsidenten auf diese Drosselung eben der Satellitensysteme in den letzten Tagen? Da war er heute sehr klar und auch sehr konfrontativ. Er hat gesagt, diese Drosselung, die geschah absichtlich, das war gewollt. Und er hat damit auch ganz klar zum Ausdruck gebracht, wer dafür zuständig ist. Und wenn man sich das politisch anguckt, wie sich das in letzter Zeit aufgebäumt hat, hat der ukrainische Präsident eigentlich auch keine andere Wahl mehr. Denn Donald Trump hat in den letzten Tagen seine Präsidentschaft, also die Präsidentschaft von Zelensky in Frage gestellt. Er hat gesagt, moralisch er soll abtreten, er soll nicht mehr Präsident sein, er sei nicht mehr gewählt, seine Amtszeit sei vorbei. Er wurde gleichzeitig, hat Trump die Diesel veröffentlicht. Importe aus Russland vorangetrieben. Das sind alles sehr, sehr kritische Dinge, die die Ukraine hart treffen. Und dann kam noch der Verzicht auf die Frühwarnung hinzu und das trifft natürlich vor allem Zivilisten und die Menschen im Land. Und dann noch die Drosselung, die der ukrainischen Armee, die vor allem in den Midstreichs und bei den Intercepter drohen, große Probleme schafft. Ich habe heute mit einem Kommandeur gesprochen, der hat gesagt, nachdem diese Starlink-Drosselung stattfand, fanden auf seinem Frontabstieg enorm harte Angriffe von der russischen Seite statt. Also das sind, auch wenn das jetzt vom Verteidigungsministerium wieder bestätigt wurde auf ukrainischer Seite, dass bis 160 Kilometer, pro Stunde die Starlink wieder operieren, das haben uns Quellen aus dem Ministerium gesagt, das scheint wohl wieder der Fall zu sein, aber für die schnelleren Drohnen ist der militärische Teil vom Starlink im Moment nicht nutzbar. Auch von Oberst Markus Reisner wollte ich wissen, wie die Lage nach der Drosselung im Land ist. Ist sie wirklich wieder aufgehoben? Und was bedeutet das jetzt für das Verhältnis der Ukraine und der USA? Ich kann Ihnen nur authentisch berichten. Ich habe gestern mit zwei Offizieren, gesprochen, der ukrainischen Armee, beide Stabsoffiziere. Und die haben also auch bestätigt, dass die große Herausforderung besteht, dass Drohnen, die schneller als 100 kmh, bis zu 160 kmh fliegen, Probleme bei der Steuerung haben. Das heißt, ich kann bestätigen, was Sie auch gerade gehört haben. Und das macht es natürlich schwierig für die Ukraine, vor allem diese Mittelstreckenangriffe durchzuführen beziehungsweise auch tiefergehende Angriffe durchzuführen. Und aus meiner Sicht ist es so, dass der Druck langsam erhöht wird auf die Ukraine. Das heißt, man möchte ihn jetzt nicht sofort radikal erhöhen, indem man also alles abschaltet, weil das würde vielleicht sogar zu einem Zusammenbrechen führen von Teilen der Front. Das möchte man auf keinen Fall, sondern ich glaube, das Kalkül ist dessen quasi im Prinzip nachzukommen, den Druck zu erhöhen und im Prinzip so die Ukraine langsam, aber sicher zum Nachgeben zu zwingen. Und das ist das Ziel. Und hier haben wir den doppelten Druck, den wir sehen. Einerseits Putin, der das Land zur Kapitulation bringen möchte und andererseits Trump, der offensichtlich möchte, dass es zumindest einen erzwungenen Waffenstillstand gibt, zum Vorteil quasi Amerikas und auch Russlands, aber nicht zum Vorteil der Ukraine. Es gibt hier eine Frage, die kam per Mail von Roland Hartinger. Er fragt sich, wäre es denn denkbar, dass Donald Trump die Geduld verliert und den ukrainischen Präsidenten mit Gewalt, wie im Fall Maduro, das nennt er hier als Beispiel, vom Amt entfernen lässt? Dass er es einmal sehr weit hergeholt hat, dass das tatsächlich so der Fall ist. Es gibt ja viele ausgewählte Methoden, quasi sein Ziel zu erreichen. Und ich habe in den letzten Monaten immer wieder darauf hingewiesen, die USA sind der Königsmacher. Und die Europäer haben es versäumt in den letzten Jahren, der hat nachzurüsten, als dass sie sich einerseits nicht in diese Abhängigkeit gegenüber den USA begeben haben, beziehungsweise andererseits auch aktiv mitbestimmen könnten, wie dieser Konfliktverlauf sich tatsächlich darstellt. Also ich denke, man sieht ja ganz eindeutig, wie hoch die Abhängigkeit ist, quasi auch der Ukraine, von dieser ganzen Tech-Community, denken Sie an Ballantir von Alex Karp, denken Sie an die Hornetronen von Eric Schmidt, denken Sie an Starling und Starship von Elon Musk. Und das in Kombination gibt natürlich eine Situation, die, wenn sie zu ihren Gunsten eingesetzt wird, positiv ist, aber das gibt natürlich auch den großen Nachteil, dass wenn jemand quasi ihnen eine Entscheidung aufzwingen möchte, dann kann er das tun. Und das sollte aus meiner Sicht auch ein großes Warnsignal sein an Europa, sich hier auf keinen Fall in eine derartige Abhängigkeit zu geben. Sie sprechen die Europäer an. Ich habe mehrfach bei uns im Stream die Frage nach den Europäern gelesen. Und zwar, ob Europa nicht eigene Systeme der Satellitenkommunikation hat und welches System Russland nutzt. Russland hat ja im Prinzip dieselbe Herausforderung erlebt, wie jetzt die Ukraine es erlebt hat. Russland hat ja illegalerweise Starlink begonnen zu nutzen und hat es zu seinem eigenen Vorteil eingesetzt. Und in dem Moment, wo Russland begonnen hat, seine Drohnen mit Starlink-Schüsseln auszustatten, um Angriffe tief in der Ukraine durchzuführen, dann hat man im Prinzip Russland die Möglichkeit, entzogenen Starlink zu benutzen. Russland hat da eine Alternative gesucht. Das waren einerseits Ballons, die man gestartet hat als fliegende Kommunikationsknotenpunkte und auch ein eigenes Satellitenkommunikationssystem namens RASVET. Hier hat man also schon mehrere Satelliten in den Weltraum geschickt. Diese Satelliten funktionieren auch zum Teil und das gibt den Russen die Möglichkeit, sie zu verwenden. Übrigens im Bild kurz der Einsatz eines ukrainischen Ballons mit einer Drohne, die auch über Starlink gesteuert wird, die gerade von einer russischen Drohne abgefangen wird. Aber ganz wichtig zu verstehen, die Russen haben also Stalin genützt und haben also gesehen, was passiert, wenn sie es nicht verwenden können und haben sich redundant aufgestellt. Europa hat natürlich auch Satellitenkommunikationssysteme, kann aber bei weitem nicht in der Qualität und in der Quantität mithalten, wie das im amerikanischen Tech-Unternehmen können, wie das im Großen und Ganzen der Fall ist bei Elon Musk. Und sprechen wir über diese strategischen Luftangriffe, die die Ukraine da eben erlebt. Was hat sie denn aktuell für Möglichkeiten und welche hat sie nicht, sich dagegen zu wehren? Ja, das ist wieder das Entscheidende zu verstehen, dieser Unterschied zwischen der taktisch-operativen und der strategischen Ebene. Die Ukraine ist momentan auf der taktisch-operativen Ebene sogar erfolgreich, denken Sie an Operation Vivaldi, aber es holt sich die strategische Ebene ein. Und auf der strategischen Ebene sehen wir diese feierenden Luftangriffe, die die Russen durchführen mit dem Ziel, die Ukraine zur Kapitulation zu zwingen. Und diese Luftangriffe erfolgen einem Dreieckgang. Ich nenne das das Dreieck des Terrors. Es ist einerseits der Einsatz von schnell fliegenden Drohnen vom Typ Karan 3, 4 und 5. Hier haben Experten darauf hingewiesen, am Beginn des Jahres. Dass die Russen jetzt in großer Zahl diese Drohnen bauen werden. Man hat es zum Teil ignoriert und jetzt ist genau das Dilemma, dass die Ukraine zu langsam war, quasi abfangen Drohnen zu bauen, um diese schnellen Drohnen abfangen zu können, zusätzlich zu der Stalin-Herausforderung. Das Zweite, dieses Dreieck des Terrors, das sind sehr schnell und tief fliegende Marschflugkörper. Dafür bräuchte man quasi potente Fliegeabwehr vom System Petros zum Beispiel. Und es gibt einfach kaum mehr Petrotraketen, die man einsetzen kann. Und der dritte Punkt, der den Dreigang dann perfekt macht, dieses Dreiecks des Terrors, das sind die ballistischen Raketen, die in einer sehr hohen Winkelgruppe, also sehr steil hereinkommen und die ebenfalls sehr schwer abzufangen sind. Und auch hier bräuchte man die entsprechenden Abwehrraketen, um sie abzufangen. Im letzten Angriff, der stattgefunden hat in den letzten Jahren. In zwei Tagen war es so, dass nicht nur über 500 russische Drohnen eingeflogen sind, davon bereits 80 von diesen schnellfliegenden Garant 3, 4, 5, sondern auch 40 ballistische Raketen, von denen man nur vier abfangen konnte. Das heißt, die anderen haben ihre Ziele getroffen. Und zu allem Überfluss kommt dazu, dass diese Raketen durch Lieferungen aus Nordkorea unterstützt werden, im Prinzip die es auch noch zusätzliche Raketen mitgebracht haben. Und dass die Russen es geschafft haben, die Produktionsraten von diesen drei Waffensystemen zu steigern. Ca. 200 Stück ballistische Raketen und Marschflugkörper im Monat und ca. 2.000 bis 2.500 Stück von diesen Garand-Drohnen, darunter die Masse bereits, diese schnell fliegenden Drohnen. Also Sie sehen auch keine Hoffnung für die Ukraine, dass es da bald irgendwie weniger von gibt, weil Russland zu viele davon verschießt? Das ist die Herausforderung. Das ist ein Abnutzungskrieg. Und ich habe das also immer wieder auch gesagt, ein Abnutzungskrieg wird nicht nur rein durch die Qualität entschieden oder durch besonders brillante Taktik oder Operationsführung, sondern er wird vor allem durch die Masse entschieden. Und Russland folgt seiner Militärtheorie, die geprägt ist von Leuten wie zum Beispiel Alexander Svecchin, der in den 20er, 30er Jahren davon gesprochen hat, dass wenn es nicht gelingt, dem Gegner den Sieg sofort aufzuzwingen, ihn man erdrücken muss wie eine Schlange. Das heißt, man muss einen Abnützungskrieg führen, der dazu führt, dass in der Qualität quasi zwar einerseits versucht wird, immer wieder nachzurüsten. Aber vor allem die Quantität, das entscheidend ist. Und wie wir sehen, hat Russland einerseits auch die Verbündeten, aber auch noch immer die Industrieenkapazitäten, die Produktionszahlen hinaufschnellen zu lassen und es ist auch skrupellos genug, Soldaten immer wieder zu rekrutieren und an die Front zu bringen und damit die Ukraine unter einen massiven Druck zu stellen. Und jetzt haben wir genau die Herausforderung im fünften Jahr des Krieges, dass wir einen Kulminationspunkt sehen, wo es darauf ankommt, dass gerade jetzt die Unterstützer der Ukraine zur Seite stehen müssten, aber die wenden sich offensichtlich gerade ab bzw. sind dazu nicht in der Lage, sie zu unterstützen. Und das bedeutet über kurz oder lang, dass die Situation für die Ukraine entstand. Derart enden kann, dass sie gezwungen ist, eine Art Diktat, Waffenstillstand im Prinzip anzunehmen. Sie sprechen die Lage an der Front an. Gibt es da irgendwelche nennenswerte Veränderungen irgendwo an der kompletten Front, sei es Süden oder Osten? Zusammenfassend ist zu sagen, dass auch dieses Jahr die russische Sommeroffensive im Prinzip gescheitert ist und sie es nicht geschafft haben, den Donbass in einer Zangenbewegung in Besitz zu nehmen. Im Gegenteil, es ist so, dass quasi die nördliche Zange bei Liman durch diese Operation Vivaldi der Ukraine zerschlagen worden ist. Es gibt zwar Vormarschanstrengungen der Russen quasi südlich von Konstantinivka. Das ist eine Stadt quasi ostwärts des Festungsgürtels, wo die Russen es auch schaffen, Richtung Tropopila vorzustoßen. Und es gibt heftige Kämpfe auch im Nord- und Südabschnitt der Front. Aber der wirklich operative Durchbruch, den die Russen erziehen wollen, der ist nicht gelungen. Das ist eine gute und positive Nachricht für die Ukraine. Sie hat es geschafft, die russischen Streitkräfte auf Distanz zu halten. Hier sehen Sie noch einmal diesen Festungsgürtel, über den wir immer wieder gesprochen haben. Aber der Krieg wird vor allem auch entschieden über diese drei Ebenen. Und die strategische Ebene, die entscheidet, ob sie einen Krieg über lange Zeit führen können, das ist die entscheidende. Und wenn die Ukraine es zwar schafft, an der Front siegreich zu sein, aber es nicht schafft, ihre Bevölkerung zu schützen, dann hat das natürlich einen massiven Einfluss auf den Ausgang des Krieges. Ich möchte mit Ihnen auch noch mal jetzt auf die politische Reaktion des ukrainischen Präsidenten eingehen. Der Rahasan Sadeh hat das auch angesprochen, möchte aus dem Financial Times Interview, da hat sich nämlich der ukrainische Präsident geäußert, noch mal ein bisschen zitieren, dass wir vielleicht auch darüber sprechen können, was darauf jetzt folgen könnte. Also Selenskyj sagte eben zur Financial Times in einem Interview nach der Aufforderung des US-Präsidenten, eben eine Waffenruhe auf Energieinfrastruktur, die einzugehen. Das hat er gefordert von Russland und der Ukraine. Darauf sagte er, der Ukraine wurde unmissverständlich untersagt, russische Ölraffinerien anzugreifen. Andernfalls wurde gedroht, ihr würde der Zugang zu Informationen der US-Geheimdienste entzogen werden, sagt der ukrainische Präsident. Außerdem noch Folgendes, nachdem Russland die Angriffe nicht eingestellt habe, hätte sich die Einstellung der Angriffe auch für die Ukraine erledigt. Zitat. Und er sagt noch zur Drosselung eben von Starshield der letzten Tage, das war kein technisches Problem, das war Absicht. Welche Reaktion des US-Präsidenten befürchten Sie nun? Nun, wenn man den US-Präsidenten beobachtet in seinen Äußerungen über die letzten Monate, dann kann man befürchten, dass er sich endgültig von der Ukraine abwendet und das Signal gibt quasi massiv, quasi die Ukraine einzuschenken in ihrer Kriegsführung. Das heißt zum Beispiel, Satellitenaufklärung zu verweigern. Und das ist ja auch ganz wichtig für das rechtzeitig Erkennen von Raketenstart zum Beispiel. Wir hatten in den letzten Tagen immer wieder Situationen, auch gerade in Kiew, dass Raketen eingeschlagen sind, bevor der Luftalarm überhaupt ausgelöst worden ist. Also diese Daten sind sehr wichtig. Das Zweite ist, dass es auch dazu kommen kann, dass Zieldaten nicht verfügbar sind für diese langsteckenden Drohnerlanggriffe. Auch hier kommen wieder die Tech-Bros ins Spiel. Das sind also im Prinzip Unternehmen wie Palantir, die mit Systemen und Softwarelösungen wie Maven und Prism einen großen Unterschied für die Ukraine machen. Das heißt, auch das könnte nicht zur Verfügung stehen. Und wir haben die Herausforderung, dass natürlich neben quasi Zieldaten und Aufklärungsdaten durch das Weglassen oder das Verweigern quasi der Möglichkeiten der Kommunikation, das zu einer Katastrophe führen könnte. Und das sagen auch viele Ukrainer und auch der ukrainische Verteidigungsminister, der letzte hat das klar zum Ausdruck gebracht. Er war es auch der, der ja im Prinzip die Kontakte hergestellt hat damals zu dieser Tech-Pro-Szene, dass wenn also Starlink zum Beispiel nicht verfügbar ist oder Starshield, dann hat das natürlich katastrophale Auswirkungen. Und ich befürchte, dass der amerikanische Präsident unbedingt ein Ergebnis haben möchte. Die Mitterms kommen immer näher. Und es kann also durchaus sein, dass sich das verschärft. Es könnte natürlich auch sein, dass man sich einigt, aber im Moment sehen wir auf der einen Seite Verzweiflung und Trotz, das ist der ukrainische Präsident, und auf der anderen Seite Wut und Ungeduld, und das ist die amerikanische Seite. Es ist aber auch nicht das erste Mal, dass der US-Präsident der Ukraine droht und dass die Ukraine auch zittern muss, eben die Aufklärungsdaten, die Informationen dazu verlieren. Ist es aber vielleicht auch ein bisschen wie im Schach, the threat is stronger than the execution, also die Drohung, die ist dann stärker als der Vollzug oder glauben Sie eben, das ist mehr als eine Drohung? Absolut, da gebe ich Ihnen völlig recht. Es ist also quasi hier ein Katz-und-Maus-Spiel, wo man also versucht, den anderen einzuschüchtern und auch Reaktionen zu erzielen. Das betrifft nicht nur die Ukraine und Russland, sondern natürlich auch Amerika, Russland oder auch Amerika und die Ukraine. Auch hier wird sehr angemerkt, dass ich kaum über Europa rede, aber das ist also nur ein Nebensatz in dieser Stelle. Aber natürlich, man sieht, dass es hier Trump versucht, quasi Druck auszuüben, in der Hoffnung, dass die Ukraine nachgibt, und zwar in einer Art und Weise, dass sie nicht selbst kollabiert, denn das ist das, was ich vorher schon erwähnt habe. Man kann erkennen aus meiner Sicht, dass es hier nuanciert vorgegangen wird. Also man versucht, den Druck langsam zu erhöhen, aber mit einer klaren Absicht. Und wie gesagt, das alles hat eine Vorgeschichte. Man weiß aus den Verhandlungen von Wittkopf und Kaschner, dass das damals schon Thema war, dass sie zurückgekommen sind mit konkreten Angeboten der Russen. Aber eben, wenn die Ukraine quasi nicht zustimmen würde, hat man in den Raum gestellt, dass man quasi die Aufklärungs- und Zieldatenweitergabe einstellen könnte oder eben auch mit Starlink tatsächlich die Verbindung unterbrechen könnte. Und das materialisiert sich jetzt. Und wir sollten also hier aus meiner Sicht nicht überrascht sein, sondern das, was jetzt gerade passiert, einerseits die strategischen Luftangriffen, die Auswirkungen, hat sich angekündigt. Und das, was wir jetzt gerade auch sehen, die Ungeduld des amerikanischen Präsidenten, war aus meiner Sicht auch absehbar in Anbetracht der Situation, dass er ja nicht nur die Ukraine zu bewirtschaften hat, sondern auch die Situation im Iran mit zu berücksichtigen ist. Und wie Sie vielleicht mitbekommen haben, die Hussis gerade im Jemen im Vormaschinen und Saudi-Arabien bedrohen. Und das ist also eine Konfliktregion nach der anderen, die von den Amerikanern bewirtschaftet werden müssen. Und auch den Amerikanern geht er langsamer doch die Kraft aus. Ich gucke hier gerade nochmal in die Kommentare und lese auch immer wieder ein bisschen Unverständnis, warum nur die Amerikaner einfach die Satellitenkommunikationssysteme zu haben scheinen. Also ein User fragt sich auch, was ist eigentlich mit eigenen ukrainischen Satelliten? Vorhin kam die Frage, was ist mit den Europäern? Wie konnte es denn dazu kommen, dass die Amerikaner da die Hoheit zu haben scheinen? Weil die amerikanische Rüstungsindustrie seit Jahrzehnten darauf ausgerichtet ist, die amerikanischen Streitkräfte in die Lage zu versetzen, global auf dieser Weltmacht zu projizieren. Und das hat sich seit Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute nicht geändert. Und das hat die USA zum Sieger des Kalten Krieges gemacht. Die Europäer waren zwar wichtige Partner in der Zeit des Kalten Krieges, aber haben dann aufgrund der Friedensdividende massiv abgebaut. Und wir dürfen hier nicht naiv sein und glauben, dass sich in den letzten Jahren hier massiv etwas getan hat. Natürlich sind die Aufträge in den Rüstungsunternehmen voll, Aber hier geht es also wirklich um Technologien, die Jahrzehnte brauchen, um entwickelt zu werden. Das ist der Grund. Es gibt auch Hochtechnologieprodukte in Europa, aber viele davon haben natürlich mit Masse einen friedlichen Zweck verfolgt. Und jetzt versucht man aber auch einen militärischen Zweck hineinzupacken. Und das geht natürlich nicht so einfach. Und Stalin hat den großen Vorteil, dass sie ein sehr billiges, sehr gut funktionierendes, massenhaft verfügbares System haben, das man nützen kann. Und da kann Europa nicht mithalten, auch Russland nicht übrigens. Aber beide Seiten versuchen hier natürlich nachzuziehen. Und das Problem ist, uns läuft also hier langsam die Zeit davon. Und so Ereignisse wie die Ukraine und das Abschalten dieser Kommunikationstechnologien zeigen uns dann plötzlich schlagartig und fast schockartig, wie so quasi wir im Prinzip aufgestellt sind und welche Fähigkeiten uns hier massiv fehlen. Und da sind wir von der strategischen Autonomie, von der der französische Präsident immer spricht, noch weit entfernt. Jetzt ist der ukrainische Präsident aktuell nach Europa gereist, will eben am Freitagmorgen beim EU-Gipfel teilnehmen, als Gast daran teilnehmen. Was erwarten Sie von eben jetzt der Unterstützung der Europäer? Was erwarten Sie von dem EU-Gipfel? Ich denke, dass die Europäer versuchen, solidarisch gegenüber der Ukraine zu sein. Und sie werden versuchen, noch einmal in ihre leeren Lager zu schauen und die letzten Krümel zusammenzukratzen. Sie haben ja auch schon gehört, dass man versucht, zum Beispiel auf Griechenland einzuwirken, dass noch Metrotraketen hat, die eigentlich kurz vorm Erreichen des Ablaufdatums sind, um diese frei zu machen. Sie haben auch gehört, dass die F-16-Flotte der Ukraine große Probleme hat aufgrund der mangelnden Ersatzteilbewirtschaftung und vor allem aufgrund des Mangels der verfügbaren Luft-Luft-Waffensysteme. Und das lässt sich quasi hier weiter fortsetzen. Und aus meiner Sicht ist es eine absolute Niederlage, dass Europa es nicht geschafft hat, in den letzten fünf Jahren zumindest die Produktion von Defensivwaffensystemen markant zu steigern. Und ich rede hier von, wie gesagt, Defensivwaffensystemen wie vergleichbaren Systemen der Fliegerwehr, so wie das amerikanische System Petro, den Europa, das französisch-italienische System Sempeti, wo die Produktionsraten sich nicht wesentlich gesteigert haben, aber die Raketen immer teurer geworden sind. Und das ist natürlich nicht eine Strategie, die dazu dienen kann, die eigene Bevölkerung zu schützen beziehungsweise die Ukraine so zu unterstützen, dass sie das bekommt, was sie braucht, um sich gegen den Aggressor zu wehren. Und wie gesagt, wir reden hier rein nur von Defensivwaffensystemen, von Fliegerabwehr, die jetzt gerade gebraucht wird, um sich gegen koreanische, russische Raketen, Marschflugkörper oder schnell fliegende Drohnen zu wehrzusetzen. Nach den letzten Monaten könnte sich der US-Präsident nun endgültig von der Ukraine abwenden, meint Oberst Reisner. Und der Krieg in der Ukraine sei ein Abnutzungskrieg, der nicht durch Qualität und Taktik entschieden werde, sondern durch die Masse. Im fünften Jahr des Krieges fürchtet er, dass die Ukraine dazu gezwungen werden könnte, einen Diktat-Waffenstillstand anzunehmen. Jede Woche sprechen wir hier bei Militär und Macht die Analyse über globale Machtverhältnisse, über Militärpolitik und Verteidigungsstrategien. Außerdem findet ihr uns auf YouTube. Da könnt ihr uns auch eure Fragen stellen. Den Link findet ihr in den Shownotes. Danke fürs Zuhören und sehr gerne bis zum nächsten Mal. Tschüss.