Jeden Tag werden Zivilisten angegriffen, werden Menschen in Städten terrorisiert. Und das macht den Eindruck, als will Russland den Menschen sagen, ihr könnt hier in euren Städten nicht mehr wohnen. Und das ist vielleicht auch eine russische Reaktion darauf, dass Russland an der Front nicht vorankommt und sich deswegen jetzt auf Terror gegen Zivilisten verlegt hat. ZDF heute. Militär und Macht. Die Analyse. Keine neue Strategie, aber auch ein Zeichen dafür, dass es an der Front nicht so läuft, wie der Kreml sich das wünscht. So ordnet Militärexperte Nico Lange die russischen Angriffe ein, die immer wieder Städte und Zivilisten treffen. Bei einem Angriff in Kramatorsk wurden nach ukrainischen Angaben mindestens 30 Menschen getötet. Gleichzeitig versucht die Ukraine, den Krieg immer stärker nach Russland zu tragen. Und damit herzlich willkommen zu unserer neuen Podcast-Folge. Ich bin Viktoria Reichelt. Schön, dass ihr wieder reinhört. Seit Monaten greift die Ukraine Wirtschaftsziele an. Zuletzt die größte russische Ölraffinerie im sibirischen Omsk und ein Rechenzentrum des Internetunternehmens Yandex, das oft als russisches Google bezeichnet wird. Das Ziel ist klar. Die Ukraine will, dass der Krieg vor Putin und den Kreml teurer wird, dass die Zivilbevölkerung in Russland den Krieg immer mehr spürt. Aber geht diese Strategie auf? Darüber sprechen wir in dieser Folge. Außerdem schauen wir auch auf die Rolle von deutschen Unternehmen, die immer noch in Russland aktiv sind. Zuletzt sorgte da Altkanzler Gerhard Schröder für Aufsehen. Der hat eine neue Funktion bei der Supermarktkette Globus in Russland übernommen. Und wir fragen, was ändert sich, sollte es eine AfD-geführte Landesregierung geben? Zuerst geht es aber um die neuesten Angriffe. Bei den jüngsten russischen Angriffen auf die Ukraine wurden erneut viele Zivilisten und Zivilistinnen getötet. Was beobachten wir da gerade? Ist das jetzt nochmal eine neue Eskalationsstufe? Putin hat sich auf Terror verlegt. Diese Angriffe auf Zivilisten gibt es ja leider schon seit Beginn des Krieges. Jetzt sind sie intensiver, weil Russland Lücken ausnutzt bei der Abwehr von Gleitbomben, bei der Abwehr von ballistischen Raketen und bei der Abwehr von neuen Drohnen, die Russland hat. die schneller fliegen und die für die Ukraine bisher noch schwer abzuwehren sind. Und Russland kennt da überhaupt gar keine Grenzen, hält sich auch nicht an Regeln des Krieges, sondern mit Kriegsverbrechen jeden Tag werden Zivilisten angegriffen, werden Menschen in Städten terrorisiert. Und das macht den Eindruck, als will Russland den Menschen sagen, ihr könnt hier in euren Städten nicht mehr wohnen. Und das ist vielleicht auch eine russische Reaktion darauf, dass Russland an der Front nicht vorankommt und sich deswegen jetzt auf Terror gegen Zivilisten verlegt hat. Und dann die anderen Bilder, die wir gerade gesehen haben im Einspieljahr. Das sind ja die ukrainischen Angriffe, die unter anderem Russlands größtes Öldepot in der Region Samara treffen und heute auch die größte Öl-Raffinerie. Wie wichtig sind solche Gegenschläge jetzt für die Ukraine? Erstmal ist es, und das muss man ja leider immer wieder erklären, erstmal ist es nicht so, dass die russischen Angriffe gegen Zivilisten irgendwelche Antworten wären auf das, was die Ukraine macht. Russland greift mit Raketen und Drohnen ukrainische Städte seit Beginn dieses Krieges an. Die Ukraine hat Mittel und Wege gefunden, selbst Ziele in Russland anzugreifen, bombardiert da aber nicht wahllos Zivilisten, sondern greift insbesondere Energieinfrastrukturen an, weil die Ukrainer wissen, Putin und Putins Regime trifft man beim Geld und bei Energie. Das sind die beiden Pfeiler von Putins Regime. Und die Ukrainer waren ja recht erfolgreich damit, Raffinerien anzugreifen, Tanker anzugreifen, die ja häufig der Schattenflotte angehören. Also die fahren unter der Flagge irgendeines anderen Landes, schmuggeln aber russisches Öl, um die Sanktionen zu umgehen. Und das ist schon etwas, was in Russland zu Treibstoffmangel geführt hat und das zumindest mal die Möglichkeit jetzt an den Horizont gemalt hat, dass man über sowas wie einen Energiewaffenstillstand sprechen könnte. Präsident Trump hatte sich ja dazu geäußert, einige andere auch. Aber leider heißt das auch, dass wir diese Bilder, die wir gerade sehen, noch vermutlich eine Zeit lang sehen werden, bis es vielleicht zu Gesprächen über so einen Energiewaffenstillstand kommt. Sie sprechen das gerade an. Das sind ja wirklich ganz gezielte Angriffe auf Schattenflotten oder jetzt hier ganz gezielt auf weitere Energie-Hotspots, wichtige Energieversorgungspunkte. Wie gelingen denn der Ukraine derart präzise Angriffe? Na, erstmal macht die Ukraine damit was, wo viele, auch wir, also Deutschland, ihnen gesagt hat, mach das nicht. Und jetzt wird ja die Ukraine von vielen dabei unterstützt und dafür gelobt, dass sie das hinbekommen hat. Die ukrainische Industrie, die ukrainischen Technologien haben dazu beigetragen, dass die Ukraine selbst Waffensysteme hat, mit denen sie Angriffe sehr weit nach Russland hineinführen kann. Teilweise Jahrtausende Kilometer. Also Omsk, wo jetzt die Raffinerie getroffen wurde, liegt in Sibirien. Das ist wirklich sehr weit weg von der Ukraine. Die Ukraine ist geschickt darin, mit Kombinationen aus unterschiedlichen Drohnen, und so einer Mischung aus Drohnen und Marsflugkörpern die russische Luftverteidigung zu überwinden oder eben so viele zu schicken, dass immer etwas durchkommt. Und die Raffinerien sind ein ganz wichtiges Ziel, weil Dieselmangel, Benzinmangel in Russland doch etwas ist, was dann militärisch zu Problemen führt oder zumindest zu einem Dilemma bei den Russen führt. Priorisiert man jetzt zum Beispiel die Lieferung von Diesel und Benzin für die Hauptstadt Moskau, damit die Menschen davon Krieg nichts mitbekommen oder gibt man es den Streitkräften? Und wenn man in der Position der Ukraine ist, will man ja ein Dilemma auf der anderen Seite erzeugen, will man ja solche Schwierigkeiten für Russland produzieren. Die russische Ölindustrie ist aber nicht das einzige Ziel des ukrainischen Militärs. Wir haben ja vor ein paar Folgen auch über die Angriffe auf Logistikzentren des russischen Online-Händlers Wildberries gesprochen. Jetzt hat die Ukraine auch das größte russische Internetunternehmen Yandex angegriffen. Der Betrieb dort musste komplett eingestellt werden, sagte Yandex. Es ist der erste bestätigte ukrainische Angriff auf ein russisches Datenzentrum. Was das bedeutet, konnte unser ZDF-Korrespondent in Moskau Felix Klauser einordnen. Felix, kannst du uns das mal einordnen? Wie wichtig ist denn dieses Unternehmen, ist die Suchmaschine Yandex für die Menschen in Russland? Also Yandex ist eigentlich das zentrale Unternehmen hier für Online-Dienste, ganz egal welcher Art. Also das sind beispielsweise Kartendienste, eine Suchmaschine, das hast du gerade schon gesagt. Aber auch wenn man beispielsweise ein Taxi oder Essen bestellen möchte, dann macht man das in Russland normalerweise über Yandex. Also das ist das zentrale Unternehmen, das Online-Services in Russland anbietet und genau deshalb lässt dieser Angriff heute aufhorchen. Es gab heute über den Tag hinweg immer wieder mal Störungen von den Yandex-Diensten und Yandex hat sich eben dazu geäußert und hat gesagt, dass noch nicht ganz klar ist, ob man tatsächlich in der Lage ist, dieses Datenzentrum in der Region Rersan vollständig und kurzfristig wiederherzustellen. Also du sagst eine Art Knotenpunkt im Prinzip für verschiedene Online-Dienstleistungen. Da kann man ja schon die Frage stellen, wie stark trifft denn jetzt dieser Angriff die russische Wirtschaft? Oder wie groß ist das Potenzial, dass so ein Angriff die russische Wirtschaft stört? Genau, also ich glaube, dieser einzelne Angriff heute, der trifft die russische Wirtschaft erstmal nicht besonders stark. Aber die Frage ist eben, ob es dabei bleibt oder ob das der Auftakt sozusagen von einer ganzen Serie von Angriffen gegen Yandex ist. Wir haben sowas ähnliches ja im Sommer schon einmal gesehen. Da hat es das russische Unternehmen Wildberries getroffen, praktisch eine Art, Amazon-Pendant, kann man so sagen, was überall in Russland Logistikzentren betreibt. Und die wurden eben über mehrere Wochen getroffen. Da lag der Schaden im Milliardenbereich. Und die Frage ist eben, ob jetzt sowas ähnliches auch bei Yandex möglicherweise bevorsteht. Wenn das so wäre, dann würde das die russische Wirtschaft ganz sicherlich erheblich treffen. Aber vor allem wäre es eben nach Wildberries ein nächster Bereich und in dem Fall von Yandex eben ganz viele Bereiche, in denen diese Angriffe auch den Alltag von Russinnen und Russen ganz erheblich stören würden. Also ein Angriff auf dieses Rechenzentrum, das sich einfügt vielleicht in eine Strategie. Wir bleiben mal beim Thema russische Wirtschaft. Der deutsche Altkanzler Gerhard Schröder, der wurde ja zuletzt in den Aufsichtsrat des Russlandablegers der deutschen Supermarktkette Globus berufen. Und in dieser Funktion war der Altkanzler Schröder gestern auch in Moskau. Felix, warum jetzt diese neue Rolle für den Altkanzler in diesem Unternehmen und was verspricht sich das Unternehmen davon? Genau, also dieser Besuch von Gerhard Schröder, der hat natürlich aufhorchen lassen, unter anderem deshalb, weil er gestern stattgefunden hat am 74. Geburtstag vom Freund Gerhard Schröders, Wladimir Putin. Aber Schröder war nicht in der Mission hier zu gratulieren, jedenfalls offiziell nicht, sondern weil er eben als neues Mitglied in den Aufsichtsrat von Globus gewählt worden ist. Und Globus spricht davon, dass man die langjährige Erfahrung des Ex-Kanzlers nutzen möchte und dass Schröder helfen solle, den dialogbasierten Ansatz in Russland weiterhin aufrechtzuhalten. Aber ich glaube, hinter all diesen warmen Worten lässt sich nicht ganz verbergen, dass diese Wahl von Gerhard Schröder in den Aufsichtsrat sicherlich kein Zufall ist. In den vergangenen Wochen gab es gleich mehrere europäische Unternehmen, die in Russland unter externe Zwangsverwaltung gestellt worden sind. Und ich glaube, es braucht nicht ganz so viel Fantasie, um sich auszumalen, was Globus mit diesem Schritt bezweckt möglicherweise. Nämlich, dass die guten Kontakte von Gerhard Schröder, die er ja weiterhin nach Moskau pflegt, helfen, dass genau dieses Schicksal Globus erspart bleibt. Du sprichst es gerade an, ein weiteres deutsches Unternehmen in Russland, nämlich die Metro, ist genauso ein Unternehmen, das Putin zuletzt unter Zwangsverwaltung gestellt hatte. Kannst du uns das mal einordnen? Wie relevant sind denn aktuell am russischen Markt noch deutsche Unternehmen? Welche Rolle spielen sie? Wie stark werden sie für den Menschen genutzt? Also natürlich nicht mehr so stark wie vor 2022, aber es sind eben doch noch sehr oder relativ viele deutsche, europäische Unternehmen in Russland vertreten. Das ist ein Milliardenmarkt und Metro ist eben eines der Unternehmen aus Deutschland, die hier nach wie vor aktiv gewesen sind, muss man jetzt ja sagen in der Vergangenheit, weil sie eben unter externe Verwaltung gestellt worden sind. Und nur um die Größenordnung zu verdeutlichen, Metro hat hier bis zuletzt in Russland 91 Filialen betrieben und ungefähr 9000 Mitarbeiter beschäftigt. Also das ist eine nach wie vor ernstzunehmende Größenordnung und der Kreml nutzt all das und verhehlt eigentlich nicht, dass man das versucht als politisches Druckmittel auch einzusetzen. Da ist genau eben die Rede davon, dass diese Maßnahmen auch deshalb getroffen werden, weil diese europäischen Unternehmen eben, so sagt es der Kreml, unfreundlichen Staaten nahestehen. Das sind genau die Staaten, die Russland so bezeichnet, weil sie die Ukraine unterstützen. Und ich glaube, es braucht nicht so viel Vorstellungsvermögen, um zu sehen, dass es weiter solche Maßnahmen geben könnte, solche Zwangsverwaltungen von europäischen Unternehmen auch in Zukunft. Ob Gerhard Schröder da wahnsinnig viel hilft oder nicht, das werden möglicherweise die nächsten Wochen zeigen. Wenn wir jetzt schon mal bei den deutschen Unternehmen sind, dann werfen wir jetzt auch noch einen Blick auf die politische deutsche Debatte. Und das tun wir nochmal gemeinsam mit Militärexperte Nico Lange. Herr Lange, in Sachsen-Anhalt haben die AfD und das BSW ja unmittelbar nach der Konstituierung des neuen Landtags in Magdeburg einen Antrag zum Stopp der deutschen Waffenlieferung an die Ukraine eingebracht. Was ist Ihre Einschätzung? Wieso beschäftigt sich jetzt eigentlich ein Landtag mit der Außenpolitik Deutschlands? Vielleicht, bevor ich antworte, wenn ich darf, ein Satz zu Gerhard Schröder. Ich finde es beschämend, wirklich beschämend, dass ein deutscher ehemaliger Bundeskanzler da in Moskau diese Show abzieht, während wir gleichzeitig erfahren, dass 33 Leute in einem Bus in Kramatorsk, von den Russen umgebracht worden sind. Also das fühlt sich sozusagen peinlich an für die Bundesrepublik Deutschland, dass der Schröder sich da so aufführt. Aber jetzt zu der Frage. Ein Landtag hat keine Befugnisse. Die Befugnisse zu den Themen, die in dem Antrag stehen, also die deutsche, Außenpolitik und die europäischen Sanktionen gegen Russland, die Befugnisse liegen auf der Bundesebene und auf der europäischen Ebene. Also ist so ein Beschluss, wenn er denn gefasst wird, Show und vielleicht der Versuch, ein Signal zu setzen, aber es ist keine Möglichkeit, tatsächlich Politik zu gestalten. Ich habe den Eindruck, es gibt ja eine ganze Reihe von Themen, die für Sachsen-Anhalt wichtig sind, aber offensichtlich haben sich da jetzt einige dazu entschieden, erst mal diese Art von Show abzuziehen. Sie bezeichnen das als Show und trotzdem haben wir auch eine Art Besorgnis in den Kommentaren. Hier fragt nämlich jemand, welche Rolle könnte denn die AfD-Regierung, eine mögliche AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt spielen? Ist da die Weitergabe von Informationen an Russland zu befürchten? Und wenn ja, was könnte man potenziell dagegen tun? Also eine Landesregierung in Sachsen-Anhalt ist ja in die deutsche Außenpolitik, Verteidigungspolitik, in die Hilfe für die Ukraine nicht involviert. Das ist ja vielleicht auch der Grund, warum man jetzt versucht, so ein Theaterstück aufzuführen mit so einem Beschluss. Deswegen glaube ich, dass vieles dafür spricht, dass man auf der Bundesebene und auf der europäischen Ebene, Die Nerven behält, was das angeht. Die Inhalte dieses Beschlussversuches oder dieser Vorlage, die da beschlossen werden soll im Landtag, sind doch auch insofern interessant, als dass dort. In keiner Weise erwähnt wird, dass nicht Deutschland Russland angegriffen hat, dass auch die Ukraine nicht Russland angegriffen hat, sondern dass Russland die Ukraine angegriffen hat. Und das ist ja völkerrechtlich dann auch so, dass man nicht davon sprechen kann, Deutschland hätte da Partei ergriffen. Natürlich ist man parteiisch, wenn man ein angegriffenes Land gegen einen Angreifer verteidigt. Aber das ist ja völkerrechtlich in diesem Fall so klar wie, glaube ich, in keinem anderen Fall. Insofern ganz bemerkenswert, dass das Ganze da nicht vorkommt. Und es steht viel in diesem Antrag darüber, was Deutschland machen soll. Die EU, die Sanktionen sind ja europäisch, alle Sanktionen sollen aufgehoben werden. Die Ukraine soll im Grunde aufhören, sich zu verteidigen oder dazu gezwungen werden, sich nicht mehr zu verteidigen, dadurch, dass man sie nicht mehr unterstützt. Es steht kein Wort darin, was eigentlich Russland machen soll. Deswegen kann man aus diesem Antrag eigentlich nur schließen. Es geht darum, die Ukraine soll sich den Russen ergeben, damit man aus der Sicht derjenigen, die diesen Antrag stellen, von diesem Krieg nichts mehr hören muss. Wobei ich mir die Frage stelle, wenn man gegen Fluchtbewegungen sich stellt, das tun diese Parteien ja, wie soll denn gleichzeitig, damit umgegangen werden, wenn sehr viele Menschen aus der Ukraine fliehen müssten, weil sie zum Beispiel ihre Schulen, ihre Energieeinrichtungen, ihre Städte, ihr Alltagsleben, wir haben ja gerade die Bilder gesehen, nicht mehr gegen russische Drohnen und Raketen verteidigen können. Also da passt vieles nicht zusammen. Jetzt ist ja nicht nur die AfD involviert in diese Position, sondern auch Sarah Wagenknecht, Gründerin des BSW, sagt, man benötige eigentlich eine Bundesregierung, die den Dialog mit Russland vorantreibe, statt die Situation weiter eskalieren zu lassen. Und das ist durchaus auch eine Position, die sich hier gerade in den Kommentaren abbildet. Es fragt jemand, wie kann man denn Russland an den Verhandlungstisch bekommen, bevor es Kiew vollends zerstört. Ist das eine legitime Forderung? Ich glaube, das ist die entscheidende Frage. Die entscheidende Frage ist ja nicht, wie bringt man die Ukraine zum Waffenstillstand? Die Ukraine wollte diesen Krieg nicht. Die Ukraine ist überfallen worden und verteidigt sich. Das ist völkerrechtlich auch ihr gutes Recht. Und was sollen sie denn sonst machen? Sollen sie sich von den Russen einfach überfallen lassen, die Kinder entführen lassen, unterdrücken lassen? Also die Lage ist so, dass die Ukraine seit März 2025, das ist ja jetzt schon ziemlich lange, zu einem bedingungslosen Waffenstillstand bereit ist. Auch die Bundesregierung arbeitet ja auf einen Waffenstillstand hin. Der Außenminister, der Bundeskanzler haben das mehrfach sehr deutlich gesagt. Ein Waffenstillstand muss her, damit man dann über alle weiteren Themen verhandeln kann. Es ist Russland, das nicht zu einem Waffenstillstand bereit ist. Insofern ist die Forderung aus diesem Antrag, es soll ein Waffenstillstand her, richtig. Diejenigen, die den Waffenstillstand verhindern und den Krieg verlängern, sind die Russen. Und die Frage, wie kriegt man die jetzt dazu, dass die einem Waffenstillstand zustimmen, ist wirklich die zentrale Frage. Ich glaube nicht, dass man die Russen zu einem Waffenstillstand bekommt, indem man sagt, wir heben jetzt ohne Gegenleistung einfach alle Sanktionen auf. Und es wäre ja auch nicht klug, ein Druckmittel, das man hat für Diplomatie, einfach vorher aus der Hand zu geben, in der Hoffnung, dass die Russen dann gutmütig irgendwas tun würden. Wie ich schon gesagt habe, da passt vieles nicht zusammen. Aber ich glaube, es geht auch gar nicht um die Sache, sondern es geht darum, eine Show abzuziehen. Wenn wir darüber sprechen, wie wir über diesen Krieg hier in Deutschland debattieren und politisch diskutieren, dann reden wir auch immer wieder über den hybriden Krieg, den Putin führt gegen Westeuropa. Sehen Sie da jetzt bereits messbare Erfolge dieses hybriden Kriegs in Westeuropa bzw. messbare Vorteile, die dadurch für Putin entstanden sind? Naja, wenn man sich die öffentliche Debatte anguckt, die Debatte in sozialen Netzwerken anguckt, wenn man sich anguckt, welche propagandistischen russischen Erzählungen einem immer wieder begegnen, dann hatte Russland sehr große Erfolge. Also ich gehöre zu einigen, die sich mit dem Thema, wie widerlegt man diese russische Propaganda über Jahre hinweg immer wieder beschäftigt haben. Und ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Jahren die Erzählung, die Ukrainer hätten 14.000 Leute im Donbass umgebracht, widerlegt habe. Wo seit vielen Jahren klar ist, diese Zahl 14.000 aus dem UN-Bericht wird von den Russen genutzt, um so zu tun, als hätten die Ukrainer da Leute umgebracht. Aber in Wahrheit geht es um Todesopfer auf beiden Seiten. Es geht um viele Jahre einer gewaltsamen Auseinandersetzung, die von Russland begonnen wurde im Donbass. Aber man muss diese Dinge immer wieder widerlegen. Und das ist auch ein Erfolg der russischen Einflussnahme, der russischen Verstärkung von Informationen bei uns in den Diskussionen. Und gerade im Zusammenhang mit der Wahl in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern merken, glaube ich, alle, die in sozialen Netzwerken aktiv sind, dass Russland gerade bei, Bots und bei Kommentaren, die maschinell gesteuert sind, bei Einflussnahme, bei Informationsoperationen gerade nochmal eine Schippe draufgelegt hat. Da können alle, die in dem Diskurs unterwegs sind, gerade ein Lied davon singen. Und von der deutschen politischen Debatte blicken wir nochmal auf die ukrainische Debatte, beziehungsweise in die Ukraine selbst. Präsident Zelensky war nämlich heute in einer ukrainischen Stadt, in der zuletzt viele Menschen bei einem russischen Angriff getötet worden waren. Und wir hören uns mal an, was er in Richtung Putin gesagt hat. Er will die Situation so weit wie möglich eskalieren lassen. Deshalb müssen wir alle zusammenarbeiten. Die Europäer können ihn nicht unter Druck setzen, aber sie können uns unterstützen und ihn damit zu Verhandlungen zwingen. Noch mehr können aber die Amerikaner tun. Ich denke, Präsident Trump kann mehr tun und unter uns gesagt, er muss auch mehr tun, weil unsere Verluste so hoch sind. Wir sprechen von so vielen Opfern. Müssen wir da nicht mehr tun? Also eine deutliche Kritik an den USA seitens Zelenskys und er bezieht sich damit ja auch auf die Äußerung von US-Außenminister Rubio, der gesagt hatte, der Krieg sei eigentlich in einer Patz-Situation. Stimmen Sie dazu und wie sehen Sie aktuell die Rolle der USA im Versuch, diesen Krieg zu beenden? Also ich verstehe, warum Präsident Zelensky die Amerikaner immer wieder anspricht, den Kontakt sucht. Aber ich habe mittlerweile wenig Hoffnung, dass die Amerikaner Druck machen werden auf Putin und Putin zu einem Waffenstillstand drängen. Die Amerikaner fallen in der Amtszeit Trump II immer wieder in das Muster zurück, dass sie am liebsten irgendwelche vermeintlichen Milliardengeschäfte machen wollen würden mit Putin. Und die Ukraine stört dabei irgendwo. Der andere Punkt, den Selenskyj anspricht, der betrifft ja nicht nur die Amerikaner, der betrifft ja auch uns. Nehmen wir das jetzt wirklich achselzuckend hin, jeden Tag, wenn über 30 Menschen, Zivilisten, ermordet werden oder da an dem Ort, wo Selenskyj war, am Tag vorher, ein Hochhaus bombardiert wird und sehr viele Menschen sterben, darunter fünf Kinder, zum Teil kleine Kinder. Also wer die Bilder gesehen hat und sich dann anguckt, wie unsere Selbstbeschäftigung gerade aussieht, Da stellt sich doch die Frage, lassen wir das zu in Europa? Als Europäer ist es das, was wir sein wollen, dass wir das gleichgültig und achselzuckend hinnehmen. Ich finde, das ist eine absolut berechtigte Frage. Und wir müssen uns, glaube ich, an den Gedanken gewöhnen, dass die Amerikaner diese Situation nicht für uns retten werden. Und dass es auf die Frage hinausläuft, wie drängen die Europäer Putin zu einem Waffenstillstand? Und je eher wir diese Erkenntnis wirklich haben und verinnerlichen und dann das auch das Notwendige tun, desto besser. Ja, wir haben uns ja zu diesem Krieg schon oft gesprochen und mal wieder steuern wir zu auf einen weiteren Winter. Man sagt auch, es könnte der härteste Winter in diesem Krieg für die Ukraine werden. Was glauben Sie, kann die Ukraine den Festungsgürtel bis zum Frühjahr halten? Das ist eine Frage, die ein User hier stellt. Ja, also Russland wird auch in diesem Jahr den Festungsgürtel, also die Gebiete um Kramatorsk und Sloviansk nicht erobern. Das ist überhaupt nicht absehbar, dass Russland das schafft. Das hat es jetzt seit fünf Jahren nicht oder dann seit fünf Jahren nicht. Im Moment ist es ja eher so, dass die Ukraine an einigen Frontabschnitten sogar, ein bisschen die Grauzone bereidigt oder die Russen ein Stück weit zurückdrängt. Und da ist überhaupt nichts im Sinne Russlands geschehen in diesem Jahr, auch im letzten Jahr kaum etwas. Also Russland wird nicht in der Lage sein, den Donbass vollständig zu erobern. Und Putin, der ja immer gesagt hat, das passiert bald und das passiert zum Ende des Jahres, spricht jetzt selbst von 18 Monaten. Das ist ja schon das Eingeständnis für Putin, dass er das auf einen Horizont verschiebt, weit weg, weil er selbst weiß, dass er das nicht schafft. Dieser Festungsgürtel wird weiter von der Ukraine gehalten werden. Und im Moment ist es auch so, dass die Abwehr der Ukrainer an der Front ganz gut funktioniert. Vor allen Dingen durch einen Nachschub an vielen, vielen sehr, sehr weit entwickelten und funktionstüchtigen Drohnen. Das aber im Hinterland die Ukraine sehr stark Probleme hat durch die russischen Gleitbomben, wie wir das gesehen haben in Kramatorsk und durch die russischen Drohnen und Raketen, die Städte angreifen. Da ist das größere Problem. Ja und noch eine weitere Frage zur Bedeutung der Aktivitäten im Schwarzen Meer. Wir haben ja ganz am Anfang dieses Streams die Bilder gesehen, die Bilder des Angriffs auf einen russischen Öltanker. Was glauben Sie denn ganz generell, wie bedeutend sind diese Vorgänge gerade im Schwarzen Meer für den weiteren Kriegsverlauf? Ja, das ist eine schwierige Situation, weil einerseits die Ukraine, gute Argumente hat zu sagen, wir müssen diese Öltransporte unterbinden, nicht nur im Schwarzen Meer, sondern auch im Asowschen Meer, insbesondere auch das Asowsche Meer unter Druck setzen, wo Russland ja getan hat die letzten Jahre, als wäre das ein russisches Binnenmeer. Aber das ist ja ein internationales Gewässer. Und die Ukraine setzt die Russen da unter Druck. Und jeder Tanker, der nicht zu Geld, also wo der Inhalt, das Öl, nicht zu Geld gemacht werden kann, ist aus ukrainischer Perspektive eine Hilfe. Weil mit dem Geld ja die Kriegsanstrengung finanziert wird. Andererseits hat Russland jetzt damit begonnen, Schiffe im Schwarzen Meer zu bombardieren. Nicht nur ukrainische, sondern zuletzt ja auch bulgarische. Und es ist etwas, der Außenminister weist da immer wieder darauf hin, es ist etwas hochproblematisch an den russischen Angriffen im Schwarzen Meer, weil dadurch die Exporte von insbesondere Nahrungsmitteln aus der Ukraine nicht mehr gelingt. Und da sind ja sehr viele Staaten davon betroffen. Das hatten wir vor einigen Jahren schon mal. Wenn diese Nahrungsmittel nicht geliefert werden können, droht in einigen Gebieten der Welt Hunger. Und das passiert ja gleichzeitig mit der immer noch anhaltenden Blockade der Straße von Hormuz, wo ja auch viele Düngemittel für die Landwirtschaft nicht ausgeliefert werden können. Und also die weltweite Ernährungssituation ist durch die Situation im Schwarzen Meer sehr stark unter Druck gekommen. Ja, wir haben hier noch eine weitere Frage zur militärischen Situation der Ukrainer im Chat. Nämlich die Frage, wird die Ukrainer nicht irgendwann so wenig Truppen haben, dass sie den Krieg irgendwann verlieren werden? Also zum einen natürlich die Situation in Ormus, wie Sie beschreiben, die Ressourcenfrage. Wie sieht es denn aus mit den Truppen? Ja, die Ukrainer haben immer wieder Probleme damit, sind auch einige Frontabschnitte, nicht so stark besetzt. Aber in der jetzigen Phase des Krieges haben die Ukrainer das ehrlicherweise ganz gut in den Griff bekommen. Sie haben sogar mit der sogenannten Operation Vivaldi in einigen Gebieten der Front jetzt aktivere Gegenangriffe unternommen, haben sehr viele russische Soldaten gefangen nehmen können. Also selbst zu solchen Gegenstößen ist die Ukraine in der Lage. Jetzt ist die Situation nicht gut, aber sie ist eben auch nicht so, dass man befürchten müsste, dass die Ukraine wegen Mangel an Soldaten einen Zusammenbruch an der Front zu befürchten hätte. Und ich glaube, auch wenn das eine traurige Diagnose ist, dieser Krieg wird nicht dadurch entschieden werden, dass einer der beiden Seiten die Soldaten ausgehen. Und wir haben hier noch eine Frage per Mail erhalten, die nochmal auf die Situation in Deutschland bzw. Auch in Westeuropa abzählt. Warum sind die deutschen Behörden immer noch nicht in der Lage, auf die hybriden Angriffe durch wohl hauptsächlich durch Russland angemessen zu reagieren bzw. sie überhaupt nachweislich zuzuordnen? Ja, man muss sie zuordnen wollen. Es war ja eine lange Diskussion in Deutschland, auch wenn man weiß, da steckt der russische Militärgeheimdienst GRU dahinter. Macht man das jetzt öffentlich? Glücklicherweise haben das die Minister Wartefohl und Dobrindt dann gemacht und zum ersten Mal ist das jetzt klar. Und da kommen ja auch immer mehr Details raus, dass der russische Militärgeheimdienst hinter diesen Angriffen steckt. Ich glaube, das war schon lange nötig und wenn das der Hintergrund der Frage war, teile ich das sehr, warum machen wir das nicht? Warum machen wir Russland nicht dafür verantwortlich und warum verhängen wir keine Konsequenzen? Der Bundeskanzler hat vor einiger Zeit gesagt, das muss Kosten haben für diejenigen, die uns angreifen. Da bin ich sehr einverstanden, aber da reicht dann die Schließung des russischen Hauses nicht aus. Da muss man andere Dinge tun. Es gibt gerade eine Debatte über die neuen Gesetze zu den Befugnissen der deutschen Nachrichtendienste. Da sind einige Elemente drin, die könnten dazu geeignet sein, um Russland auch Kosten zu verursachen dafür, dass Russland uns angreift. Aber wir können uns das nicht gefallen lassen. Ich finde, wir müssen uns wehren gegen diese Angriffe. Ansonsten dehnt sich das immer weiter aus. Und das ist ja ehrlicherweise auch das, was wir schon sehen. Dadurch, dass wir nicht wirklich uns dagegen wehren, geht Russland immer weiter und dehnt die Grauzone immer weiter aus. Und da gehören ja nicht nur die hybriden oder sogenannten hybriden Angriffe dazu. Da ist ja nichts Hybrid an den Angriffen. Hybrid würde ja heißen, dass man mehrere Elemente kombiniert. Das sind Angriffe. Und Russland unterscheidet übrigens nicht zwischen hybriden Krieg und richtigen Krieg. Das sind einfach unterschiedliche Instrumente der Kriegführung. Aber dazu gehören auch Verletzungen des Luftraums, die wir ja in den Staaten an der Ostflanke, aber auch im Ostseeraum immer wieder sehen. Und ich finde, da muss man hart dagegen vorgehen. Das kann man sich nicht gefallen lassen und man kann das nicht laufen lassen. Und wir haben ja gesehen, dass das Eskalationspotenzial auf der russischen Seite, wenn keine Gegenwehr kommt, immer weiter ausgedehnt wird, zuletzt mit Bewaffneten, die für einige Minuten auf dem Territorium Lettlands waren, von Belarus aus. Also besser eine harte Gegenwehr und harte Gegenmaßnahmen und nicht eine Ausdehnung der Grauzone. Kann die Ukraine Russland mit ihren Angriffen nachhaltig treffen? Die Ukraine versucht es jedenfalls immer stärker. Mit Angriffen auf Russlands wirtschaftliche und technologische Infrastruktur. Wir behalten für euch die aktuellen Entwicklungen im Blick. Wenn es was Neues gibt, dann hört ihr es hier. Und das war unsere neue Folge Militär und Macht, die Analyse. Wenn ihr die komplette Analyse mit Karten und Grafiken sehen und mitdiskutieren wollt, findet ihr die Sendung bei ZDF heute live auf YouTube. Da streamen wir jeden Donnerstag live und wir freuen uns auf eure Fragen und Anregungen. Die Links dazu findet ihr in den Shownotes. Danke fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge.