NATO hat nicht verfolgt. Die Regierung hat in diesem Fall verfolgt, um das strategische Ergebnis zu identifizieren.
Hallo zusammen, ich bin Philipp Wortmann. Schön, dass ihr mit dabei seid. Der, den ihr da gerade gehört habt, das war Ben Hodges, ehemaliger US-General und Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa. Übersetzt sagt er, nicht die NATO, sondern die amerikanische Regierung habe versagt, weil sie kein klares strategisches Ziel definiert habe. Und damit bezieht er sich natürlich auf den Iran-Krieg. Seine Zwischenbilanz, das amerikanische Militär sei zwar professionell vorgegangen, was aber fehle, sei eben ein konkreter Plan für den Militäreinsatz. Ich habe mit ihm auch darüber gesprochen, was die neuen transatlantischen Spannungen für die NATO bedeuten. Trump hat dem Bündnis ja mehrfach mangelnde Unterstützung vorgeworfen. Sogar einen NATO-Austritt hat er ins Spiel gebracht. Mehr dazu hört ihr dann gleich hier bei uns im Podcast. Erstmal geht es aber um die zweiwöchige Waffenruhe, die ja gerade zumindest offiziell gilt. Ich habe Ben Hodges gefragt, ob der US-Präsident diese Vereinbarung zu Recht als großen Sieg verkauft.
Ich denke, wenn das eine genaue Beschreibung der Situation wäre, eine richtige Beschreibung, dann würden sich jetzt Hunderte von Öltankern durch die Hormuzstraße bewegen und es gäbe kein angereichertes Uran mehr im Iran und es gäbe keine Raketen, die vom Iran aus auf arabische Staaten geschossen werden. Das heißt, wie würden Sie die Situation Stand heute beschreiben?
Also ich muss sagen, ich war erleichtert, dass es keine apokalyptischen Auswirkungen am Montagnacht gab. Der Präsident hatte ja gedroht, die iranische Zivilisation zu zerstören, die ganze Kultur, eine schreckliche Drohung. Und zum Glück hat er das nicht ausgeführt. Und jetzt sind wir am Beginn einer zwei Wochen Frist, wie er gesagt hat, um eine Regelung zu finden auf der Grundlage eines Waffenstillstands. Und dazu gehören verschiedene Punkte, die der Iran angeboten hätte als Grundlage für Verhandlungen.
Aber die Waffenruhe, die ist jetzt nicht wirklich eingetroffen. Und wir haben gesehen, dass das in großem Maße aufgrund von Unstimmigkeiten oder Konfusion entstanden ist, wegen der Frage, ob der Libanon mit eingeschlossen ist oder nicht. Die Israelis würden dem sicherlich niemals zustimmen. Deswegen ist es mir nicht ganz klar, was jetzt der Status dieser Waffenruhe ist. Ich weiß nicht, ob die Iraner tatsächlich es erlauben, dass Schiffe durch die Hormuzstraße fahren dürfen, ohne dass sie sich das irgendwie bezahlen lassen. Also vieles unklar, auch bei Ben Hodges, was die aktuelle Waffenruhe betrifft. Wenn es darum geht, ob der Krieg aus US-Sicht bislang erfolgreich war, dann stellt sich natürlich auch die entscheidende Frage, warum haben die USA gemeinsam mit Israel diesen Krieg überhaupt begonnen? Dazu gibt es eine spannende Recherche von den Kollegen der New York Times. Demnach war es der israelische Premier Netanyahu, der bei Trump für diesen Krieg geworben hat. Er soll ihm im Februar einen Vier-Phasen-Plan vorgelegt haben, Darin wohl vorgesehen die Tötung von Irans oberstem Führer Ayatollah Khamenei sowie die Zerstörung des iranischen Militärs und seines Raketenprogramms. Daraufhin sollte es dann zu Aufständen der iranischen Opposition und schließlich zu einem Regimewechsel kommen.
Soweit also wohl Netanyahus Plan. Trump soll darauf laut New York Times nur gesagt haben, klingt gut und großen Protest seines Stabs habe es nicht gegeben, trotz Bedenken.
Ex-US-General Hodges habe ich gefragt, ob Trump da einfach schlecht beraten war oder ob er sich vielleicht einfach über Ratschläge hinweggesetzt hat. Präsident Trump hat ganz klar gesagt, dass er derjenige ist, der die Entscheidungen trifft. Und er hat auch gesagt, und das schon öfter, dass er seine Bauchgefühl mehr traut als irgendjemand anderem. Und er hat ja oft die amerikanischen Geheimdienste kritisiert und deren Beschreibung einer russischen Bedrohung und anderer Bedrohungen. Er hat ganz klar gesagt, das wäre seine Entscheidung gewesen und dass er nicht da hineingetrickst worden wäre durch Premierminister Netanyahu. Und das ist auch ganz wahrscheinlich, denn der Präsident hat so viel Selbstvertrauen. Er hat ja gesehen, wie diese Operation in Venezuela verlaufen ist und deswegen glaubte er, dass ein Enthauptungsschlag gegen den obersten Führer im Iran einen völligen Kollaps des Regimes bringen würde und dass die Leute dann aufstehen würden. Und dass es eine einfache Operation sein würde.
Ich weiß, dass das Militär Übungen durchgeführt hat und Wargames durchgeführt hat von diesem Szenario eines Kampfes in der Hormuzstraße, in der Meerenge. Und das wurde schon vor Jahrzehnten ausprobiert. Und man hat immer wieder gesehen, dass die Iraner die Geografie dort nutzen würden als Vorteil im Kampf gegen Israel und jede andere Bedrohung. Es scheint, dass der Präsident glaubte, dass ein Enthauptungsschlag zu einem völligen Kollaps des Iran führen würde, also der Regierung des Iran. Das Problem dabei ist, oder was wir jetzt gelernt haben, ist, dass der oberste Führer nicht wirklich der offizielle Führer war. Vielleicht war er das Gesicht des Regimes, aber die iranischen Revolutionsgarden, die ERCG, das ist die wirkliche Macht im Iran. Und ich glaube, die haben sich selber schon organisiert für diesen möglicherweise kommenden Tag, wenn die USA und Israel angreifen würden. Also das Überleben ihrer eigenen Machtstruktur war das Wichtigste für sie. Und die Tötung des obersten Führers und aller anderen wichtigen Personen hat so nicht zu einem Kollaps der Regierung geführt.
Herr Hortes, wir kennen jetzt bis heute keine, sage ich mal, konsistente US-Strategie in diesem Krieg. Auch über Ziele in diesem Krieg gibt es immer wieder in Teilen auch widersprüchliche Aussagen aus der Trump-Administration. Was wären denn aus Ihrer Sicht tatsächlich militärische Erfolge der USA? Was wurde da bisher überhaupt erreicht?
Ja, damit haben Sie den Finger auf die Wunde gelegt. Der wichtigste Punkt, nämlich eine klare Kennzeichnung des strategischen Ziels. Was wollen wir erreichen? Militärischer Erfolg ist völlig irrelevant, wenn er nicht dazu führt, dass das strategische Ziel erreicht wird. Und das israelische und amerikanische Militär war ja sehr erfolgreich und professionell sehr kompetent bei der Ausführung der militärischen Aufgaben. Aber das ist irrelevant, wenn die strategische Situation so ist, dass der Iran immer noch das Potenzial für eine Atomwaffe hat und immer noch die Hormuz-Straße kontrolliert und immer noch in der Lage ist, Angriffe auf andere Länder in der Region durchzuführen.
Als professioneller Militär will man natürlich seine Aufgabe richtig und gut durchführen, aber das Wichtigste ist natürlich, dass das auch relevant ist zur Erreichung des strategischen Ziels und im Moment können wir das nicht sagen, dass das so wäre. Und das ist ein Problem für die zivilen Führer. Sie müssen ganz klar definieren, was das strategische Ziel ist. Und die Regierung der USA hat das bis jetzt nicht getan. Ich schaue gerade mal in unseren Chat und möchte gerne eine Frage an Sie weitergeben. Also der US-Präsident hat gesagt, die Truppen, die sollen erstmal in der Region bleiben. Man will eben für mögliche Schläge, sollten die denn erforderlich sein, in den nächsten zwei Wochen gewappnet sein. Ein User möchte gerne wissen, welche Möglichkeiten hat denn das Central Command in zwei Wochen, möglicherweise auch noch Verstärkung heranzuführen? Wie würden Sie die Frage unseres Zuschauers einschätzen?
Das ist eine großartige Frage. Die logistische Unterstützung, die man braucht, um längere Zeit solche Militäroperationen durchzuführen, ist natürlich ganz wichtig. Also Kraftstoff, Munition, Wasser, Nahrungsmittel. Aber die Vereinigten Staaten haben während der Jahrzehnte eine große Infrastruktur in der Region aufgebaut, genau für diesen Zweck. Ich glaube nicht, dass das eine wirkliche Herausforderung oder ein wirkliches Problem ist, zu bekommen, was gebraucht wird. Und möglicherweise Munition, Dinge wie die Patriot-Raketen, diese Interceptor, diese Abfang-Raketen oder die Tomahawks, von denen wurden während der letzten Wochen ganz viele verschossen. Und ich denke, die arbeiten jetzt ganz stark daran, hier die Lagerbestände wieder aufzubauen. Aber die andere Logistik zum Beispiel, da wird man wahrscheinlich schon vorhergesehen haben, was man da braucht.
Ja, soweit die Einschätzung von Ben Hodges. Im Gespräch mit ihm geht es gleich noch um die Folgen des Krieges für die NATO. Denn für das Bündnis wird er ja immer mehr zur Zerreißprobe. Trump hat die Verbündeten wiederholt gedrängt, die USA in diesem Krieg zu unterstützen. Stichwort Straße von Hormuz. Was diese Spannungen bedeuten, dazu haben wir zunächst kurz die Einschätzung unserer Korrespondenten eingeholt. In Brüssel ist das Isabel Schäfers in Washington Elmar Thewissen. Der deutsche Bundeskanzler, der hat gesagt, man wolle keine Spaltung der NATO. Isabel Schäfers in Brüssel habe ich gefragt, ob die NATO nicht im Grunde schon längst gespalten ist.
Ja, also der NATO-Generalsekretär versucht das ja so ein bisschen runter zu kochen und sagt, es gibt eigentlich kein Problem. Die Europäer haben ja geholfen, aber diese Drohung von Donald Trump und die Forderung, dass die Europäer sich jetzt beteiligen, die steht ja im Raum. Und man muss ganz klar sagen, dass da schon eine Spaltung in der NATO ist und zwar nicht nur erst seit dem Iran-Krieg, sondern mit jeder Wiederholung von Drohungen von Donald Trump steht ja im Raum, dass die NATO eigentlich ihr Bündnisversprechen nicht halten kann. Deswegen ja, eine Spaltung ist schon da. Und jetzt in dieser Frage zum Iran-Krieg wird die nochmal ganz deutlich, weil Donald Trump stellt jetzt eine Forderung, die die Europäer so einfach nicht erfüllen können oder wollen. Die Europäer haben ja eine sehr, sehr klare Linie. Der Bundeskanzler hat das heute deutlich gemacht. Aber das Gleiche gilt auch für andere Länder wie Italien, Frankreich, Großbritannien. Man will sich nicht an diesem Krieg beteiligen. Man will erst mitmachen, wenn die Kampfhandlungen eingestellt sind und auch nur mit einem internationalen Mandat. Und aus Berlin, aber auch aus anderen europäischen Hauptstädten wurde ziemlich deutlich, dass man von dieser sehr zurückhaltenden Haltung jetzt nicht abweichen will durch die Dröhungen von Donald Trump. Das kann auf der einen Seite ein bisschen Strategie sein, zu versuchen, hier besonders geschlossen und klar vereint dazustehen. Aber auf der anderen Seite muss man einfach sagen, dass hier Positionen aufeinander clashen, die so nicht miteinander vereinbar sind. Und deshalb weiß einfach niemand, wie das jetzt ausgeht.
Jetzt gibt es Berichte darüber, dass US-Präsident Trump den NATO-Partnern, den europäischen NATO-Partnern, ein neues Ultimatum gesetzt hat, eben für eine Sicherung der Straße von Hormuz. Elma, was kannst du uns zu diesem Ultimatum, wie es in Berichten heißt, sagen?
Ja, das ist rausgesickert aus dem Gespräch von Donald Trump und Mark Rutte eben gestern, dass es so ein Ultimatum geben soll, möglicherweise eben jetzt innerhalb dieser zwei Wochen, in denen der Waffenstillstand gilt, dafür zu sorgen, dass die NATO Butter bei die Fische tut, also dass die Partner selber auch entsprechende Truppen stellen, vor allen Dingen Schiffe, Aufklärungsmöglichkeiten und ähnliches. Das Problem an der Geschichte ist einfach, dass die NATO-Partner in Europa das Gefühl haben, Es gibt eben nirgendwo einen Plan und ein Konzept und Donald Trump das Gefühl hat, er kann einfach per Tweet oder per Social Media Post anordnen, Befehlen fordern, dass die NATO-Partner jetzt nicht nur reden und Zusagen geben, sondern eben auch was machen.
Das Machen liegt ja eigentlich auf der Hand, nämlich dass man Minenräumenboote und anderes in die Region schickt, aber erst dann, wenn die Waffen wirklich schweigen, das ist momentan nicht der Fall. Und zweitens, wenn eben ein Konzept existiert, die NATO hat normalerweise ja dafür Mechanismen, dass man sich zusammensetzt an einem Tisch, darüber berät hinter verschlossenen Türen, wie sieht der Plan aus, wie sehen die Bedingungen aus, welche Truppeneinheiten, welche technischen Elemente werden dann geschickt und dann kann man diesen Plan eben auch in die Tat umsetzen. Aber Donald Trump hat ganz offenbar eine große Verachtung gegenüber den eingefahrenen Wegen innerhalb der NATO, diese entsprechenden Ausschüsse, wo das besprochen und beschlossen wird. Er gibt auf Social Media bekannt, was er will. Und die NATO-Partner haben das Problem, selbst wenn sie jetzt Schiffe in die Region schicken, dass sie nicht wissen, wie die denn erfolgreicher sein sollen als die größte Streitmacht der Erde, die in dieser Region ja gerade aufgefahren ist. Also es gibt ja einen tiefen Dissens, ein tiefes Misstrauen und eigentlich nur die Hoffnung, dass am kommenden Wochenende, wenn es denn Verhandlungen gebe in Pakistan.
Das Ergebnis davon eine Vereinbarung ist, die dann tragfähig ist, also dass dann die Bedingungen eines Waffenstillstandes auch wirklich von beiden Seiten eingehalten werden. Ja, das also sagen unsere Korrespondenten zu den Folgen des Irankrieges für Europa und die NATO. Damit zurück zu Ex-US-General Ben Hodges. Mit ihm habe ich dieses Thema noch vertieft und ihn gefragt, wie ernst man dieses Ultimatum, das Elmar Thewesen eben angesprochen hat, nehmen muss. Also das Ultimatum des US-Präsidenten in Richtung der europäischen NATO-Partner für eine Sicherung der Straße von Hormuz.
Das ist natürlich ein großartiger Bericht gewesen von Elmar und Isabel. Ich glaube, der Bundeskanzler hat auch recht, wenn er sagt, dass trotz allem, was der amerikanische Präsident gesagt hat, brauchen wir eine langfristige Sichtweise, auch der Beziehung zur NATO. Die NATO hat nicht versagt. Die amerikanische Regierung hat versagt, weil sie nicht klar das strategische Ziel definiert hat. Und der amerikanische Kongress hat auch seine Pflicht nicht getan und hat den amerikanischen Präsidenten nicht zur Verantwortung gezogen. Die NATO ist in einer herausfordernden Zeit, aber die Allianz ist ja schon oft durch schwierige Zeiten gegangen. Während ihrer Geschichte und jetzt ist es so, dass europäische Länder, Deutschland, Frankreich und Italien sagen könnten, okay, die Hormuzstraße wird nicht geöffnet durch deutsche Schiffe oder französische oder britische Schiffe, sondern die Straße wird geöffnet, wenn die Führung in Teheran mitbekommt, dass es in ihrem eigenen Interesse ist, die Straße zu öffnen, ohne eine Maut zu verlangen. Das heißt, wirtschaftlicher und diplomatischer Druck, der aus der gesamten EU kommt, plus von anderen Ländern.
Es werden also nicht die Marineschiffe sein, die die Straße öffnen, sondern wirtschaftlicher und diplomatischer Druck. Und da haben die europäischen Länder eine wichtige Rolle zu spielen. Vielleicht, Herr Hodges, schauen wir uns noch einmal an, was Donald Trump zur NATO gesagt, beziehungsweise in diesem Fall gepostet hat. Ein Post bei Truth Social, da hat er übersetzt geschrieben, die NATO war nicht da, als wir sie brauchten und sie wird auch nicht da sein, wenn wir sie wieder brauchen. Denkt an Grönland, dieses riesige, schlecht verwaltete Stück Eis. Also wir wissen, die Europäer brauchen die USA in der NATO. Vielleicht andersrum von mir mal gefragt, wie sehr brauchen denn die USA, die Europäer in diesem Bündnis und wäre möglicherweise ein Abzug der US-Truppen aus Europa überhaupt denkbar?
Also, zunächst mal möchte ich nicht mal darüber nachdenken, wie die USA ohne die NATO und unsere europäischen Verbündeten und Kanada aussehen würden. Die Vereinigten Staaten haben nie in der Geschichte genug Möglichkeiten gehabt, alle unsere Interessen zu schützen. Wir brauchten immer Alliierte. Und es gibt einen Grund, warum wir seit 1949 in der NATO sind. Trotz der Herausforderungen, trotz der Frustration, ob manche Länder jetzt genug tun oder nicht. Die Tatsache ist, dass die Hälfte der nachrichtendienstlichen Erkenntnisse von unseren Alliierten kommen und nicht von amerikanischen Satelliten. Die Basis, die Stützpunkte unserer Bündnispartner, die Flughäfen, die Seehäfen sind ganz wichtig für die amerikanische Sicherheit. Sie sind nicht in Deutschland und Deutschland zu schützen, sondern amerikanische Interessen zu schützen und um ihre Macht auszudehnen auf den Nahen Osten und Afrika. Das ginge nicht ohne die Ressourcen der Bündnispartner in Europa.
Die militärische Führung arbeitet wahrscheinlich sehr hart daran, das dem Verteidigungsminister Hexer zu erklären, auch dem Präsidenten, was das für eine Katastrophe wäre für die USA, wenn wir den Zugang verlieren würden, den die Bündnispartner uns geben, was die Nachrichten, die es die Erkenntnisse angeht und die Stützpunkte. Und dann haben wir ja auch noch andere Ressourcen, die wir von den Bündnispartnern bekommen und unsere Bündnispartner verstehen das.
Es ist möglich, dass der Präsident Dinge verändern kann. Innerhalb von Europa gibt es hier jetzt 80.000 amerikanische Truppen, die irgendwo in Europa sind. Das füllt ein großes Fußballstadion. Das sind nicht so viele Soldaten.
Ich denke, wir können immer Truppen verlegen. Das ist etwas anderes, als sie aus dem Bündnis herauszuziehen. Herr Hodges, ich würde gerne mit Ihnen noch einmal einen Blick in die Vergangenheit und damit auch gleichzeitig in die Zukunft richten. Es wird im Iran-Krieg immer wieder auch der Vergleich gezogen zum Irak-Krieg. Kleine Erinnerung, 2003 waren die USA gemeinsam mit ihrer Koalition der Willigen in den Irak einmarschiert, unter dem, wie sich im Nachhinein herausstellte, unter dem falschen Vorwand von Massenvernichtungswaffen. Das Regime sollte dort eben gestürzt und es sollte eine Demokratie etabliert werden. Wie wir heute wissen, hat es viele, viele Jahre gedauert, bis sich der Irak halbwegs stabilisiert hat. Sie waren selbst als Soldat im Irak. Welche Parallelen sehen Sie und daran angeschlossen vielleicht auch die Frage, wie werden die USA aus diesem Krieg, aus dem Iran-Krieg irgendwann mal wieder rauskommen?
Also die Parallele ist, dass wir eine falsche Bewertung zugrunde gelegt hatten in Bezug auf die Bedrohung aus dem Irak. Und wir sind dahin gegangen. Ich war Brigadekommandeur und ich war sicher, dass wir Chemiewaffen finden würden. Und offensichtlich haben wir keine gefunden. Und jetzt dieser Krieg im Iran, der begann unter einem falschen Vorwand. Der Präsident sagte, dass es eine Bedrohung gäbe, eine direkte Bedrohung gäbe, dass der Iran eine Nuklearwaffe hätte, aber die Geheimdienste sagten alle, das wäre nicht so. Es ist verständlich, warum unsere Bündnispartner sehr zurückhaltend sind, einem amerikanischen Präsidenten wieder einmal zu folgen, der sich selber einen Krieg aussucht, der kein Verteidigungskrieg ist. Die Möglichkeit, da rauszukommen, ist, dass der Präsident etwas tut.
Was er bisher nicht tun will, nämlich die Verantwortung zu übernehmen und anzuerkennen, dass wir einen Fehler gemacht haben und dann zu versuchen, eine diplomatische Lösung zu finden.
Und da, denke ich, könnten unsere Bündnispartner eine Menge Druck ausüben auf das Regime in Teheran. Ich möchte eines ganz klar sagen. Der Iran hat unsere Botschaft 1979 besetzt, als ich Kadett in West Point war. Und während meiner gesamten, während meiner professionellen Lebenszeit war der Iran der Gegner. Und Hunderte von amerikanischen Soldaten und Marines sind seither gestorben. Der Iran hat den Terrorismus in der Region unterstützt und sie haben ihr eigenes Volk schlechter behandelt als irgendjemand anderen. Ich habe also überhaupt kein Mitleid für dieses Regime, aber ich mache mir Sorgen, dass die Art und Weise, wie die Regierung das angeht, die amerikanische Regierung, ohne Unterstützung im Kongress oder im amerikanischen Volk oder unter unseren Bündnispartnern und dann auch noch Kriegsverbrechen androht, also die Zerstörung einer Zivilisation, so wird Amerika nicht mehr großartig. Aber Herr Hotches, jetzt haben Sie gerade gesagt, dieser Krieg wird enden, wenn US-Präsident Trump einen Fehler eingesteht. Wir verfolgen alle Donald Trump seit Jahren. Wir wissen, das, was er heute sagt, muss möglicherweise morgen nicht mehr gelten. Aber wird das tatsächlich passieren, dass Donald Trump öffentlich sagen wird, ich habe geirrt, dieser Krieg war ein Fehler?
Nein, natürlich nicht. Aber er ist ein Politiker und er muss auf innenpolitischen Druck antworten und es wird die Midterm-Wahlen geben und jedes Mitglied des Repräsentantenhauses und ein Drittel der Senatoren werden neu gewählt. Und es gibt jetzt Druck von Seiten der Bevölkerung wegen der höheren Benzinpreise. Und die ursprünglichen MAGA-Wähler waren ja für Trump, weil er sagte, er wäre ein Friedenspräsident. Er würde uns nie in einen Krieg im Nahen Osten führen. Und genau das hat er ja gemacht. Ich glaube, er sucht jetzt nach einem Ausweg. Irgendwie, wo er die Schuld anderen zuschreibt, wegen des innenpolitischen Drucks, der steigt. Und er wird wahrscheinlich Lügen aussprechen über alles, was er erreicht hat und dass das das Problem der Europäer ist und dass die schuld sind, dass alles gut werden wird. Ich glaube, wir werden das unglücklicherweise demnächst sehen.
Also US-Präsident Trump wird wohl bei anderen die Schuld suchen, vermutet Ex-US-General Hodges. Nach seiner Einschätzung liegt der Fehler nicht bei der NATO, sondern bei der US-Regierung, die sich eben verkalkuliert habe und den Iran-Krieg begonnen hat, ohne ein klares strategisches Ziel zu definieren. Er widerspricht auch der Darstellung, die USA seien nicht auf die NATO angewiesen. Sie hätten immer Verbündete gebraucht, um ihre Interessen zu schützen, unter anderem was die Zusammenarbeit der Geheimdienste betrifft. Jede Woche sprechen wir hier bei Militär und Machts mit Experten, unseren Korrespondenten und Reportern über Entwicklungen und Hintergründe von aktuellen Kriegen. Oft geht es dabei um die Ukraine. Je nach Weltlage widmen wir uns aber auch anderen Kriegen, wie diesmal dem im Iran. Wenn ihr unsere Analysen auch mit Bildern und Karten sehen wollt und auch eure eigenen Fragen stellen möchtet, dann schaut gerne rein bei ZDF Heute Live, entweder auf YouTube oder auch in der ZDF Heute App. Das war es für heute von uns, Militär und Macht, die Analyse. Habt einen schönen Tag, bis zum nächsten Mal. Tschüss.