Wenn die russische operative Planung, so wie sie das vorgesehen hat mit ihrer Einkesselung, wenn das aufgeht, dann ist die Ukraine natürlich in einer Situation, wo sie wahrscheinlich auch einen nachteiligen Frieden in Kauf nehmen muss, beziehungsweise die Russen wahrscheinlich Richtung einer Siegoperation dann planen.
ZDF heute. Militär und Macht. Die Analyse. Hallo zusammen, ich bin Philipp Wortmann. Schön, dass ihr wieder mit dabei seid. An dieser Stelle sprechen wir einmal in der Woche über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe im Angriffskrieg gegen die Ukraine. Moskau hat seine Frühjahrsoffensive gestartet und erhöht den Druck vor allem im Donbass. Dort verteidigt die Ukraine strategisch wichtige Städte und kontert gleichzeitig mit Angriffen auf Putins Ölhäfen. Wie ist die Lage an der Front? Droht der Ukraine der Verlust des Donbass? Und wie laufen eigentlich die Verhandlungen zur Beendigung dieses Krieges? Darüber habe ich gesprochen mit Gustav Gressel, Militärexperte an der Landesverteidigungsakademie des österreichischen Bundesheeres und mit unserer ZDF-Reporterin Alisa Jung in der Ukraine. In den vergangenen Tagen hat dieser Krieg gegen die Ukraine vor allem Schlagzeilen gemacht mit massiven ukrainischen Angriffen auf die russische Ölinfrastruktur. Es wurden dabei wichtige Exporthäfen am Schwarzen Meer und auch an der Ostsee getroffen. Deswegen wollte ich von Militärexperte Gustav Gressel wissen, was er zu diesen ukrainischen Angriffen sagen kann.
Also diese Schläge wurden ja schon seit Monaten vorbereitet, indem die Ukraine systematisch russische Fliegerabwehr ausschaltet in dem sogenannten Fliegerabwehrgürtel rund um die Ukraine herum. Das sind lange systematische Schläge. Da wischte ein Fliegerabwehrsystem, ein schweres Fliegerabwehrsystem wie Buk oder S-400 nicht einfach so. Das ist beschützt durch Nahbereichsfliegerabwehr und diesen wieder beschützt durch Interceptor-Drohnen und Fliegerabwehrkanonen. Abwehrkanonen und man muss sich quasi mit eigenen Drohnen mühsam vorarbeiten, man muss mit elektronischer Kampfführung die nutzbaren Frequenzen dieser Systeme eingrenzen, die nutzbaren Frequenzen der Drohnenteams, die sie beschützen, eingrenzen, damit man sie leichter peilen kann. Wenn man sie peilen kann, dann muss man sie mit kombinierten Schlägen aus verschiedenen Drohnentypen ausschalten, die Wachmannschaften ausschalten, dann kommt man zum Fliegeabwehrsystem und das geht über Monate. Jetzt hat man sich Lücken geschaffen und diese Lücken hat man ausgenutzt.
Russische Öleinnahmen sind ja eine der wichtigsten Einnahmequellen des russischen Staates. Die Besteuerung des Ölexports kommt für einen Großteil der Staatseinnahmen auf, auch vor allen Dingen für die Devisen. Man braucht ja Devisen, um chinesische Ersatzteile, Maschinenparks etc. Zu kaufen, geschmuggelte Ware für Sanktionsumgehungen. Auch da spielt Öl eine Rolle. Deshalb ist es eines der zwei großen Ziele, russische Ölinfrastruktur und Exportinfrastruktur anzugreifen.
Meist der Öl derzeit aus Russland wird über die Ostsee exportiert, etwas 60 Prozent. Dann kommt erst zweitens das Schwarze Meer und sozusagen nur der kleinere Teil geht dann eigentlich über Leitungen beziehungsweise Eisenbahnen Richtung Ostasien. Und ja, diese Schläge haben jetzt mal zu einer starken Rückkehr des russischen Ölexports geführt. Wie nachhaltig es ist, hängt natürlich davon ab, ob die Ukraine auch Folgeschläge setzen kann und ob die Ukraine diese Kampagne über das Jahr natürlich weiter fortsetzen und durchhalten kann. Das Problem aus ukrainischer Sicht, es gibt zwei Pläne. Das sind sozusagen wichtige Ziele für Fernangriffe. Das eine ist mal Öl und Gas, Export und Verarbeitungsinfrastruktur. Das zweite ist natürlich die russische Produktion von Marschflugkörpern, ballistischen Raketen und anderen Fernwaffen. Der Irankrieg hat zusätzlich dafür gesorgt, dass sich die Lieferungen amerikanischer Fliegerabwehrsysteme und der Munition vor allen Dingen dafür verknappt.
Das, was die Europäer liefern, damit könnte im besten Fall die Ukraine etwa ein Viertel bis ein Drittel der russischen anfliegenden Luftziele abfangen, wenn die Amerikaner oder wenn über Pearl noch weiter geliefert wird, was ja derzeit fraglich ist, dann sind wir bei etwa zwei Drittel. wenn alles optimal ist. Und der Rest müsste eigentlich von der Fabrik bis zum Startfahrzeug zerstört werden, damit eben diese Projektile nicht irgendwo in ukrainischen Städten in der Energieinfrastruktur oder Rüstungsindustrie einschlagen. Herr Kressel, genau. Ich würde gerne auch in diesem Stream mit Ihnen auch auf die Zusammenhänge des Krieges in der Ukraine, aber auch des Krieges im nahen und mittleren Osten sprechen. Das machen wir, wenn es für Sie in Ordnung ist. Gerne später bleiben wir jetzt vielleicht noch mal kurz bei diesen Angriffen auf die Ölinfrastruktur. Sie haben gerade schon gesagt, dass das Ziel ist, damit die Einnahmen und die Exporte für Russland massiv herunterzufahren. Jetzt gibt es Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters, die das eben versucht haben nachzuvollziehen auf der Grundlage von Marktdaten. Und zu dem Ergebnis kommen, dass eben die russischen Ölexporte um mindestens 40 Prozent eingebrochen sind durch diese Attacken, über die wir jetzt gerade gesprochen haben und die wir gesehen haben und zusätzlich auch über die Beschlagnahmung von russischen Tankern, die eben dieses Öl, diese Ölexporte sozusagen vollziehen. Wie schwer trifft all das Russland?
Das kommt darauf an, wie lang es durchgehalten wird. Wir haben zum Beispiel im letzten Jahr schon eine ukrainische Kampagne gegen Raffinerien erlebt. Und kurzfristig ist die Raffinierungskapazität, also die Verarbeitungskapazität von Öl zu Erdölprodukten, Benzin, Diesel etc. um 25 Prozent eingebrochen. Übers Jahr gesehen waren es aber nur zwei Prozent Rückgang in der Herstellung verarbeiteter Ölprodukte. Jetzt haben wir einen kurzzeitigen 40-prozentigen Einbruch, aber natürlich werden Lager auch instand gesetzt, Verarbeitungs- und Verschiffungsinfrastruktur instand gesetzt, repariert. Man sucht dann Ersatzrouten, also da ist natürlich immer noch Improvisationspotenzial drin. Natürlich, wenn die Ukraine diese Kampagne durchhält, auch dann Nachfolgeschläge setzt, dann wird es für Russland schmerzlich, weil, wie gesagt, ein Großteil des Staatshaushalts und der Devisen aus diesem Erdöl-Export kommen.
Und weil über den Erdöl-Export vor allen Dingen auch sozusagen ein Wirtschaftszweig ist, der eben sehr schnell und vor allen Dingen bei den hohen Preisen, die derzeit sind, sehr viel Devisen ins Land bringt. Sonst müsste Russland, dass er seine Wirtschaft kaum diversifiziert hat, erhebliche Anstrengungen erbringen und erheblich manövrieren über Staatsschulden, Staatsschulden, Umverteilung, Abverkauf von Goldreserven etc. Noch Finanzmittel zu generieren, um den Krieg durchzuhalten. In dem Sinn kommt sozusagen diese Ölpreiserhöhung für Russland sehr, sehr gelegen. Und wenn die Ukrainer diese zusätzlichen Gewinne eben nicht abschöpfbar machen, weil sie die Infrastruktur zerstören, dann sozusagen verlängern sich die wirtschaftlichen, finanziellen Sorgen, die Russland ja schon über den Winter hatte. Vielleicht noch kurz, das heißt, gehen Sie davon aus, dass es zeitnah in den nächsten Tagen, in den nächsten Wochen nochmal ähnliche Schläge der Ukrainer geben könnte?
Das wäre aus ukrainischer Sicht natürlich anzustreben. Aber wie ich vorher schon gesagt habe, es gibt auch andere Prioritätenlisten. Wie gesagt, die Ukraine hat das zum Beispiel in vergangenen Angriffen gegen Elektronikwerke für Fernflugkörper, gegen Fabriken etwa in Belgorod schon auch versucht, die zweite Zielgruppe zu bestreichen. Da gibt es natürlich dann immer Konflikte, wohin die begrenzten Anzahlen an Fernangriffsdrohnen gehen können, welche Ziele sich gerade anbieten, weil sie gerade weniger oder nicht geschützt werden von russischer Fliegeabwehr. Den Fliegeabwehrgürtel zu durchbrechen bzw. dort sich Lücken zu schlagen, das ist das eine. Wenn man natürlich dann Fliegeabwehrschutz in der Tiefe hat, dann ist das wieder weit schwieriger zu übersättigen und anzugreifen. Also da hängt viel darauf ab, wie sich die Russen verhalten, wie sie improvisieren, wo sie hingehen, was für Lehren sie daraus auch ziehen aus diesen Schlägen und wie die Ukraine dem kontern. Aber natürlich, erstrebenswert wäre es aus der Sicht Kiew, dass man relativ schnell nachsetzt. Also Russland greift die Ukraine weiterhin mit vielen Drohnen an und es gibt Meldungen darüber, dass zunehmend auch Personenzüge ins Visier russischer Angriffe geraten. Unsere Reporterin Alissa Jung ist gerade in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Und von ihr wollte ich wissen, wie sie die aktuelle Lage in der Ukraine einschätzt.
Es gibt für die Ukrainer nach dem heftigsten Winter, den sie ja hier erleben mussten, tatsächlich wirklich keine Atempause. Also wir haben jetzt vor zwei Tagen hier einen Angriff mit an die tausend Angriffstrohnen erlebt. Und das war ein Angriff aufs ganze Land. Und was dabei auch eher ungewöhnlich war, er war am helllichten Tag. Also mitten am Tag wurden, und das ist nochmal eher ungewöhnlich, vor allem auch Städte im Westen getroffen. Zum Beispiel in der Innenstadt von Dviv ist eine Drohne eingeschlagen, in Ivano-Frankivs, in Chernihiv. Das sind also Städte, die eher sonst weniger zum Ziel werden, sagen wir es mal so. Immer wieder passiert das zwar auch, aber es passiert eben seltener. Also hier wurde abermals gezeigt von russischer Seite, sie sind durchaus in der Lage, eben das ganze Land anzugreifen. Und dann mit tausend Drohnen, dann ist es natürlich auch hier für die ukrainische Luftabwehr irgendwann nicht mehr möglich, alle einzudämmen, sagen wir es mal so. Und was jetzt aber auch interessant ist, was zu beobachten ist, nachdem die Energieinfrastruktur so heftig im Winter angegriffen wurde, die Menschen es hier also kalt hatten, frieren mussten, keine Heizung hatten, keine Elektrizität hatten, es war dunkel, ist jetzt was Neues zu beobachten und zwar sind es Personenzüge, eben nicht nur die Logistik, Bahnhöfe, die ins Visier genommen werden, sondern russische Angriffe zielen auch auf die Personenzüge, meldet uns die ukrainische Bahn, mit der wir diese Woche gesprochen haben.
So ergreifen sie jetzt also Maßnahmen, wollen ihren bahnfahrenden Gästen also mitteilen, wie sie sich zu verhalten haben im Falle von eben Beschuss, also wie sie sich evakuieren können, weil sie eben beobachten, dass das häufiger passiert. Und auch das Wasser, vermuten sie, also die Wasserversorgung der Ukraine, die könnte jetzt im Frühjahr, Sommer eben wieder häufiger ins Visier geraten. Was soll das Ganze? Warum passiert das? Es ist eben auch eine russische Taktik, eine Taktik dieses Krieges, die Zivilisten anzugreifen, die zivile Infrastruktur und damit natürlich die Widerstandskraft der Ukrainer zu brechen. Ja, also du sagst es, die Angriffe gehen weiter. Währenddessen gibt es aber auch offenbar weiter Gespräche über ein Ende dieses Krieges beziehungsweise möglicherweise auch über Sicherheitsgarantien. Am Dienstag wurde, so hören wir gesprochen, zwischen Vertretern der USA und der Ukraine in Miami. Jetzt hat sich der ukrainische Präsident Zelensky dazu in dieser Woche auch schon geäußert und sagt eben, Laut ihm sei die US-Position weiterhin, dass die Ukraine den Donbass aufgeben müsse für Sicherheitsgarantien. Das haben wir in der Vergangenheit schon häufiger gehört. Wie sieht man das in der Ukraine weiterhin? Musik.
Der ukrainische Präsident, der hat dann dazu auch noch was gesagt, hat nämlich seine Sorgen dazu geteilt, hat gesagt, er wünschte sich, dass die USA begreifen würden, dass die Sicherheitsgarantien für die Ukraine auch eben der Donbass bedeutet. Was heißt das? Also der Donbass, der Teil, den die Ukraine da ja noch hält, rund 20 Prozent, eben das ist auch ein Teil der Sicherheitsgarantien insofern, dass da ja Städte sind. Städte, die die Ukraine noch hält und die auch für die Verteidigung wichtig sind, weil danach ist dann eben plattes Land. Also insofern sagt Zelensky, wenn wir das abgeben, wenn wir den Donbass-Gebiete, die Russland ja noch gar nicht kontrolliert, eben gar nicht erkämpfen konnte in den letzten Jahren, wenn wir die abgeben, dann verlieren wir zum einen eben da auch eine Verteidigungsfähigkeit, ist eben eine große Sorge hier im ganzen Land, eben von der Bevölkerung, was sie seit Monaten ja auch immer wieder sagt, dass wenn sie den Donbass abgeben, wer sagt ihnen denn, dass Russland dann nicht sie wieder angreift, weiter angreift, sich dadurch belohnt fühlt. Also die Sorge der Ukraine, dass das passiert, dass die USA das jetzt an Sicherheitsgarantien knüpfen, dass sie sagen, ihr müsst den ganzen Donbass verlassen, auch die Gebiete, die ihr noch haltet, die ist sehr, sehr groß und sehr, sehr real. Lass uns nochmal beim ukrainischen Präsidenten Selenskyj bleiben. Der ist aktuell nicht in der Ukraine, sondern in Saudi-Arabien und da geht es ihm offenbar um einen Deal. Was kannst du uns dazu sagen?
Ja, es scheint so, dass das, was Zelenskyy da jetzt versucht, seit es den Iran-Krieg auch gibt, dass er sucht die Partnerschaft mit den arabischen Staaten, mit den Staaten am Golf. Er bietet sich da also an, bietet die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine im Bereich Drohnenabwehr an. Er sagt, wir haben zum einen die Drohnen, die also Angriffe abwehren können, andere Drohnenangriffe abwehren können und wir haben auch die Fähigkeiten, euch zu zeigen, wie das geht. Was er erreichen möchte, ist ein Tausch. Er sagt Abwehrdrohnen gegen Abwehrraketen. Das ist das, was er möchte, weil davon hat er zu wenig. Er sagt das, was die Ukraine zu viel hat an Abwehrdrohnen und davon gibt es eben etwas, das möchte er teilen, zur Verfügung stellen, aber eben nicht umsonst, sondern er möchte von den arabischen Ländern dann womöglich Abwehrraketen zurückhalten. Das wäre natürlich, wenn ihm das gelänge, ein guter Deal für die Ukraine. Es gibt aber auch kritische Stimmen von eben den Drohnenproduzenten hier in der Ukraine, die sagen, er soll uns doch aber auch einfach jetzt schon am Markt teilhaben lassen, weil es gibt ein Exportverbot eben für ukrainische Rüstungsgüter. Die ukrainischen Drohnenhersteller sagen also, das, was wir zu viel haben, lasst uns das jetzt schon verkaufen. Lasst uns also als Hersteller auch auf den Markt Fuß fassen, uns da eben zeigen, dass wir eben auch nachhaltig hier unsere Wirtschaft stärken können. Das ist deren Perspektive. Die aktuelle Perspektive der ukrainischen Regierung ist, wie gesagt, dass Selensky, der ukrainische Präsident, da womöglich eben versucht, ein Tauschgeschäft einzugehen.
Ja, weiterhin offen ist die Frage, wie dieser Krieg beendet werden kann. Im Zentrum der Verhandlungen ist der Donbass, den Russland weiter für sich beansprucht. Militärexperte Gustav Gressel habe ich deswegen gefragt, ob er einen Fortschritt bei den aktuellen Verhandlungen sieht und ob eine freiwillige Abgabe des Donbass an Russland einen nachhaltigen Frieden bringen könnte. Also eins, nein, ich sehe keine substanzielle Bewegung. Die Fronten sozusagen sind schon länger festgefahren. Und zweitens, ich sehe auch nicht, wie die Abgabe des Donbasses für einen Frieden förderlich wäre.
Der Donbass, wie gesagt, der Festungsgürtel allein ist schwer einzunehmen. Man schätzt, dass es Russland ein ganzes weiteres Jahr kosten würde, diesen Gürtel einzunehmen, etwa 250.000 Mann. Die würde man Russland quasi schenken. und Russland sieht das als Vorbedingung für Verhandlungen über den Waffenstillstand. Also es würde den Waffenstillstand nicht automatisch generieren. Und auch dann wären sozusagen auf der russischen Seite, man akzeptiert keine Sicherheitsgarantien, man akzeptiert keine Truppenstationierungen. Das heißt, die Möglichkeit dann Russland zu sagen, ja, aber nach diesem Truppen, nach diesem Rückzug, ja, aber uns passt das trotzdem nicht. Wir wollen sozusagen andere Punkte auch noch erledigt haben. So ähnlich wie das ja im Minsker Abkommen war, wo auch ein Waffenstillstand unterzeichnet wurde und der hat dann wenige Wochen gehalten. Und dann ging es im Grunde weiter mit Forderungen und weiteren Forderungen.
Dann hat man sozusagen nichts erreicht, aber man hat Russland, wie gesagt, ein Jahr und 250.000 Ausfälle geschenkt. Und das machen die Ukrainer nicht. Das ist relativ verständlich. Und solange die Amerikaner erstens völlig im Nebel lassen, was für Sicherheitsgarantien sie eigentlich bereit wären zu geben Und wie die aussehen, wie die implementiert werden sollten und wo die Details stecken, weiß die Ukraine auch bei Trumps Angeboten nicht, was sie kauft. Was ist, wenn sie den Donbass abgeben und dann sind diese Sicherheitsgarantien genauso ein Wischiwaschi wie im Budapester Memorandum stehen. Dann, wie gesagt, hat man auch was aus der Hand gegeben für nichts. Und die Trump-Administration ist zurzeit nicht willens, irgendwie auszuformulieren, was sie eigentlich bereit ist zu tun. Und daher sagen die Ukrainer, nö. Dann schauen wir jetzt vielleicht mal auf die Lage an der Front. Nehmen nochmal eine Frage von dem User rein. Alle sprechen von einer russischen Frühjahrsoffensive, schreibt der User oder die Userin. Ich habe es auch schon gemacht. Und die Person möchte gerne wissen, gibt es die denn tatsächlich?
Ja, die gibt es schon. Der Beginn von russischen Offensiven, der ist jetzt nicht so spektakulär wie etwa Offensiven im Zweiten Weltkrieg mit gigantischem Artillerievorbereitungsfeuer und dann massiven Panzereinbrüchen und Luftschlachten, sondern das ist ein Ansteigen der Gefechte an gewissen Sektoren und der Versuch, dann eben durchzustoßen und weiterzukommen. Und hier hat sich natürlich die Intensität der Gefechte in der letzten Woche stark gesteigert, Vor allen Dingen in zwei Sektoren. Das eine ist der Raum Liman und nördlich davon. Dort haben die Russen auch kleinere Durchbrüche, aber trotzdem Durchbrüche durch die ukrainischen Linien erzielen können. Und das zweite ist natürlich der Raum Pokrovsk. Da gab es auch einen starken Anstieg wieder der Gefechtstätigkeit und einen Versuch von Süden quasi herauf zu stoßen.
Beide Offensiven haben das langfristige Ziel, den Festungsgürtel Slaveransk Kramators Konstantinivka einzukesseln und die Verbindungen dahin abzuschneiden. Jetzt gibt es auch Berichte darüber, dass die Russen eben unter anderem an dieser Stelle, an diesem Festungsgürtel, über den wir gerade gesprochen haben, ihre Strategie verändert haben. Und zwar auch, weil die Ukrainer eben versuchen, dieses Vorrücken der russischen Streitkräfte eben durch ihre hohe Zahl von Drohnen zu verändern. Dann deckt sich das auch mit den Informationen, die Sie haben, beziehungsweise wie sieht die russische Strategie da gegenwärtig aus?
Die russischen Taktiken sind wenig verändert im Vergleich zum Vorjahr. Also hauptsächlich geht man infanteristisch vor, indem man eben zu Fuß Infiltrationstrupps vorrückt. Diese werden durch Drohnen unterstützt. Generell ist es so, dass der Kampf um Drohnenüberlegenheit das entscheidende Mittel an der Front ist. Sowohl die Russen als auch die Ukrainer versuchen, bevor sie einen Angriff lancieren, die gegnerischen Drohnenteams zu unterdrücken, auszuschalten und durch elektronische Kampfführung und durch andere Maßnahmen die Drohnenflugfähigkeit der anderen Seite so zu unterbinden, dass man eben Manöverspielraum für Bodentruppen hat. Bei den ukrainischen Gegenangriffen, die ja die letzten Wochen auch gelaufen sind, wurden da einige neue Taktiken, wie man eben diese Synchronisation bewerkstelligt, erprobt. Auf der russischen Seite haben wir auch im Raum Liman wieder den Einsatz mechanisierter Kräfte gesehen, in Begleitung mit Zufußinfanterie und auch stark unterstützt durch Drohnen.
Da hat die Synchronisation nur teilweise geklappt. Das ist eben sozusagen die große Kunst an diesen Angriffen, dass man sowohl im Timing, im Ablauf und dann auch im Ansatz der Kräfte eben diesen Drohnenkrieg, wirklich parallel und synchron zu einer Bodenoperation mit klassischen Streitkräften hinbekommt, dass man genau dann, wenn man die Drohnenüberlegenheit ringt, und das gelingt ja meistens immer nur temporär, der Gegner versucht sich dann immer einzustellen, zu adaptieren, andere Drohnenteams heranzubringen.
Aber in dieser temporären Lücke, die man sich geschaffen hat, dann eben einzubrechen, vorzurücken oder Gelände gutzumachen. Das probieren sozusagen hier, experimentieren beide Seiten auch mit neuen Taktiken.
Die Ukrainer, muss man zugeben, haben hier einen gewissen taktischen Vorteil, weil sie auch in der Führungsinformationssysteme besser sind und ihre Ausbildung bei den Offizieren besser ist. Auf der russischen Seite hat man natürlich mehr Material und da spielen zum Teil die hohen Verluste, die man leidet, nicht so die Rolle. Die Ukrainer müssen auf ihre Mannschaften hier stärker aufpassen. Und das sozusagen limitiert auch die Tiefe, in die die Ukrainer gehen können mit ihren Angriffen. Schauen wir vielleicht mal eben auf die Zahl der Soldaten, der ukrainischen und der russischen Soldaten, die in diesem Krieg ja auch ihr Leben verlieren. Es gibt jetzt, weil Sie das Training gerade auch schon angesprochen haben, ukrainische Berichte, die eben besagen, dass das Training für russische Soldaten offenbar massiv gekürzt wurde. Bislang war die Grundausbildung offenbar, belief sich auf eine Dauer von einem Monat. Jetzt ist eben zu lesen, dass sie verkürzt wurde auf eine Woche. Mit, Sie haben es gerade angesprochen, der Konsequenz, dass eben sehr viele russische Soldaten ihr Leben verlieren an einem Tag. In diesem Monat waren es beispielsweise mehr als 1.200 russische Soldaten, die an einem Tag, so sagen es ukrainische Quellen, ums Leben gekommen sind. Was schließen Sie aus all dem?
Eine Verkürzung der Ausbildungszeit gab es in diesem Krieg schon öfter. Noch gravierender als die Einzelausbildung ist natürlich das Fehlen auf der russischen Seite an Unteroffizieren und an Subalternoffizieren, also Leutnant, Oberleutnant, Hauptmann. Auch hier wurden die Ausbildungszeiten drastisch verkürzt. Die sind für untere Offiziersdienste gerade mittlerweile auch nur mehr ein paar Monate. Und damit sinkt natürlich die Qualität dieser Offiziere und die Führungsfähigkeit dieser Leute. In vielen Fällen gehen die russischen Offiziere auch mit ihren Männern gar nicht vor, sondern quasi sind im Grunde Disziplinierer und Anpeitscher, um die Soldaten nach vorn zu schicken. Diese Infiltrationstrupps agieren dann relativ schlecht koordiniert und relativ plump am Gefechtsfeld. Und wie ich vorhin schon angesprochen habe, der Kunst sozusagen des Angriffes ist die Synchronisation mit den Drohnentruppen. Aber wenn ich schlecht ausgebildete Trupps habe, die kaum taktisches Verhalten zeigen, die kein Verständnis haben für die Gefechtssituation und deren Offiziere irgendwo hinten im Bunker sitzen.
Beziehungsweise selbst wenn sie vorgehen, sich dann auch nicht auskennen, dann bekommt man diese Synchronisation nicht hin. Und das ist etwas, was man auf russischer Seite durchgehend beobachten kann. Es macht die operative Planung auf der russischen Seite, die Allokation von Mitteln, die macht durchaus Sinn. Aber auf der taktischen Ebene fällt dann alles auseinander, weil die Qualität der Truppen, die dann die geplanten Operationen ausführen, einfach grottenschlecht ist.
Schauen wir vielleicht nochmal auf den eben angesprochenen Festungsgürtel, auf die russische Frühjahrsoffensive. Was kann die Ukraine, was können die Streitkräfte dieser russischen Offensive denn entgegensetzen? was steht tatsächlich auf dem Spiel, sollte dieser sogenannte Festungsgürtel fallen?
Das Problem auf der ukrainischen Seite ist, dass in der Vergangenheit oft Städte gehalten wurden, deren Nachschubwege schon unter russischer Kontrolle waren, beziehungsweise von russischen Drohnen bestrichen werden konnten und damit die Verlustzahlen auf der ukrainischen Seite gerade in den letzten Monaten eines Durchhaltens stark in die Höhe geschnellt sind. Das war in Bachmut so, das war in Bukrovsk so, das war in Avdivka so, das war auch in Kursk so.
Und der russische Plan ist eben dann auch jetzt wieder einen Kessel zu generieren, diesmal eben größer als alle vorhergegangenen Kesseln, um ukrainische Kräfte im Festungsgürtel selbst festzusetzen. Dort sind ja stark ausgebaute Stellungen, sehr viele Bunker, unterirdische Bewegungslinien. Da kann man enorm gut verteidigen, trotz Feuer- und Drohnenüberlegenheit der Russen. Das geht sich dort natürlich aus, aber an den Flanken. An den Flanken ist man natürlich verwundbarer. Und die russische Kalkulation ist, wenn man an den Flanken lang genug fortschreitet, dass die Verbindungswege eng werden und man die Verbindungswege mit Drohnen bestreichen kann und dann den Nachschub, die Ausfuhr von Verwundeten, die die Rotationen von frischen Kräften unterbinden kann, dann werden die Kräfte im Festungsgürtel irgendwann mürbe und dann kollabiert die Verteidigung. Und das ist eben in diesem Festungsgürtel, nachdem der Kessel größer sein soll, wenn man sozusagen die russische Planung anschaut, dann würden damit, wenn wirklich alles glatt geht, aus russischer Sicht zwei bis drei ukrainische Kors quasi eingekesselt bzw. Möglicherweise vernichtet werden. Aus ukrainischer Sicht ist es klar, der Kampf um die Flanken ist jetzt das Wichtigste, dass man eben diesen Fortschritt der Russen so weit wie möglich aufhält oder verlangsamt und dann, und das ist dann immer eine politische Entscheidung.
Kräfte, falls die Einkesselung droht, früh genug evakuiert. Und da ist es so, das wissen natürlich die ukrainischen militärischen Führer genau, dass sie das früher müssen dürfen. Es ist aber oft ein Politikum, das nicht zu tun aus dem einen oder anderen Gründen. Entweder ein Staatsbesuch oder ein sozusagen Bitten um Unterstützungspakete etc., wo man den Prestigeverlust der Aufgabe gewisser Städte nicht haben will. Und das hat in der Vergangenheit die ukrainische Armee immer in große Bredouille geführt. Da wird sich jetzt auf größerem Stil zeigen, ob die Ukraine diese alten Fehler vermeiden wird können. Wenn sie das tut und wenn sie die Flanken geschickt verteidigt, dann hat sie natürlich die Chance, den Russen sehr hohe Verluste beizubringen. Und diese Devise hat ja schon der neue ukrainische Verteidigungsminister für dieses Jahr auszugeben.
Dass eben in der Verteidigung die Verluste der Russen so hoch wie möglich zu halten sind, damit man sich Möglichkeiten schafft, im nächsten Jahr etwa wieder Gelände gut zu machen, um die Russen stärker unter Druck setzen kann, wenn sie ausgedünnt sind, wenn sie abgekämpft sind. Dann auch, wenn man die eigenen Kräfte schont, die eigenen Reserven schont, sie eben nicht in aussichtslosen Kesseln behält, dass man dann die Chance hat, offensiv wieder Gelände gut zu machen und verhindert. Wenn man sich den Kampf im Osten auch anschaut, etwa Bachmut, da wurde lange gesagt, wenn Bachmut fällt, dann sozusagen marschieren die Russen weiter. Aber die Russen haben eigentlich Chassifia, also die nächste Stadt nach Bachmut, noch nicht immer vollständig erobert. Da gibt es noch kleine Zipfel im Osten, die die Ukraine immer noch hält. Jetzt sind wir aber bald drei Jahre nach dem Fall von Bachmut. Also in dem Sinn ist dieses ewige Aushalten rechtfertigt wirklich nicht den Kräfteinsatz und die Chancen später einen Gegenangriff zu lancieren und sich Gelände wieder zurückzuholen, die ist bis jetzt zu wenig diskutiert worden meiner Ansicht nach und zu wenig auch beachtet und durchgeführt worden.
Schauen wir vielleicht an dieser Stelle nochmal sozusagen aufs große Ganze. Eine Frage von einer Userin, Amelia, schließt sich da ganz gut an. Das ist ein bisschen auch die Frage mit dem Blick in die Glaskugel, die wir natürlich beide nicht haben. Aber Amelia möchte gerne wissen, wer hält das denn noch wie lange durch und fragt auch danach, was könnten denn besondere Kipppunkte sein, die das Kriegsgeschehen und die Verhandlungsbereitschaft beeinflussen könnten? Wie ist Ihre Einschätzung dazu?
Ich denke, so wie die Offensive, die russische Frühlings- und Sommeroffensive dann im Herbst steht, ist einmal ein wichtiger Knackpunkt. Wie gesagt, wenn die russische operative Planung, so wie sie das vorgesehen hat mit ihrer Einkesselung, wenn das aufgeht, dann ist die Ukraine natürlich in einer Situation, wo sie wahrscheinlich auch einen nachteiligen Frieden beziehungsweise in Kauf nehmen muss, beziehungsweise die Russen wahrscheinlich Richtung einer Siegeoperation dann planen.
Wenn die russischen Verluste enorm hoch sind, dann eröffnet das den Ukrainen Möglichkeiten, den militärischen Druck wieder zu erhöhen. Wenn die Ukrainer es schaffen, auch die finanzielle Beute durch die hohen Ölpreise in Russland durch Fernschläge zu verhindern, dann gibt es gute Ausgangspositionen der Ukrainer, dass sie für 2027 ihre Position verbessern. Das führt noch nicht direkt zu einem Frieden, da wird Putin wahrscheinlich nicht sofort bei erster Gelegenheit nach Waffenstillstand rufen, aber wenn dann ukrainische Gegenoffensiven... Kommen und sozusagen das Momentum kippt, dann könnte Putin durchaus in die Position kommen, wo er sagt, okay, jetzt stimme ich einem Waffenstillstand zu, jetzt lasse ich sein. Da muss ich sagen, sind wahrscheinlich die Ukrainer dann irgendwann auch kriegsmüde genug, dass sie einem Waffenstillstand auf der einen oder anderen Linie auch zustimmen. Der zweite Knackpunkt ist natürlich der Luftkrieg, der wahrscheinlich nächsten Winter auch wieder stark intensiviert wird.
Putin schaut mit Verlockung auf den Patriot-Verbrauch im Nahen Osten. Und wenn er natürlich die Möglichkeit hat, die ukrainische Rüstungsindustrie und strategische Infrastruktur über den Winter kaputt zu schießen, dann macht das auch gute Vorbedingungen für ein neues Offensivjahr 2027. Auf der anderen Seite, wenn es der Ukraine gelingt, mehr Flugkörper in der Produktion und im Weg an die Front zu zerstören, wenn man hier mit den Interzeptoren, die man hat, gut haushaltet und man aus Saudi-Arabien noch etwas kriegt, dann hält man wieder weiter durch und die ukrainische Rüstungsindustrie wird in diesem Jahr erheblich mehr etwa Landdrohnen produzieren. Der Prozentsatz an Infanterie, die die Ukraine braucht, um die Front selber zu halten, der ist ständig rückgehend. Nicht, weil man die Infanterie nicht mehr hat, sondern weil man sie auch nicht auf der vordersten Linie die ganze Zeit einsetzen will, um weniger Leute diesem physischen Stress auszusetzen. Wenn man sozusagen hier die rüstungsindustriellen Kapazitäten weiter ausbaut bzw. Weiterlaufen lässt, dann hat die Ukraine.
Durchaus auch ein Mittel gegen ihren knappen Bestand an Soldaten. Und dann wird es für die Russen ein schwer zu gewinnender Krieg, weil die Verluste, die sie dann pro eroberten Kilometer einstecken, für die Verluste, die die Ukraine dafür hinnehmen muss, in keinem Verhältnis stehen. Und eine Fortsetzung des Krieges selbst über Jahre hinaus den Russen dann auch keinen Sieg mehr bereiten würden. Und dann vor allen Dingen mit dem Blick Putins ja auf weitere mögliche militärische Gegner ist die Zeit, wo er einen Waffenstillstand als ausreichenden Erfolg sehen wird, gekommen. Herr Grassi, jetzt haben Sie gerade schon die Patriot-Raketen angesprochen, wir haben auch schon über russisches Öl gesprochen. Beides sind natürlich auch Auswirkungen, die der Krieg im Nahen und Mittleren Osten auf eben den russischen Angriffskrieg in der Ukraine hat. Welche Auswirkungen des Iran-Krieges auf diesen Krieg sehen Sie gegenwärtig vor allem?
Das eine ist mal der hohe Ölpreis. Der führt ad eins dazu, dass Russland pro exportierten Fass Öl mehr Geld einnimmt. Und zweitens, dass die Sanktionsfront wackelt. Es gibt ja schon Ausnahmen bei den amerikanischen Sanktionen für Indien, für China. Es gibt Beschlüsse der Europäischen Union, die jetzt verzögert werden, etwa das Ausscheiden russischen Öl und Gases. Das Öl ist schon verzögert worden, beziehungsweise auf unbestimmten Zeit verzögert, über Gas wird diskutiert. Da schaut man natürlich gespannt auch auf Katar, einen der größten LNG-Produzenten am Golf, der natürlich nicht nur nach Asien, sondern auch nach Europa exportiert. Die zweite Sache ist natürlich eine Verknappung der Fliegerabwehrmittel. Also aus amerikanischen Produktionsbeständen ist ja im Grunde nur mehr Patriot und AM-120 und AM-9. Also das sind Raketen, die man entweder durch bodengestützte Fliegersysteme verschießen kann oder auf die F-16 hängt. Und in diesen Systemen ist die Ukraine auf amerikanische Neuproduktion angewiesen. Die Lagerbestände auch in vielen europäischen Armeen sind mittlerweile ziemlich niedrig. Man lebt von der frischen Produktion und da ist es natürlich so, dass durch diesen Krieg am Golf.
Munitionsmengen verschossen wurden, die der Ukraine in den letzten vier Jahren gar nicht zur Verfügung standen. Also Patriot-Pak 3, das ist die raketenabwehrfähige Variante der Patriot. Da haben die Golfstaaten in der ersten Woche etwa 1000 Stück verschossen. Der Ukraine war sozusagen in den ganzen vier Jahren Krieg, hat sie 800 Geräte bekommen. Natürlich muss man sagen, die meisten Patriots, die die Ukraine bekommt, sind Pak 2, also die ältere Variante, die gegen ballistische Raketen nur bedingt einsetzbar ist.
Das war sozusagen die Masse der Patriots, die die Ukraine bekommen hat. Sehr viele davon auch aus Beständen der Bundeswehr, weil man früher diese Lenkflugkörper auch in Deutschland in Lizenz produziert hat und das wahrscheinlich nächstes Jahr wieder tun wird. Aber das Problem ist, die europäischen Bestände, wie gesagt, sind schon relativ runtergefahren. Die Pact-2-Produktion ist jetzt nicht so hoch wie die Produktion der Pact-3. Und desto weiter wir in dem Krieg fortschreiten, desto mehr muss die Ukraine von dem quasi leben, was vom Fließband kommt und nicht was aus den Impost von befreundeten Streitkräften kommt. Und da ist jetzt natürlich der Verschuss von mittlerweile zwei Jahresproduktionen an Patriot Pact-3 ein Riesenproblem, Weil sowohl die Amerikaner als auch ihre Verbündeten am Golf wollen natürlich jetzt die Munitionsbestände auffüllen. Bleiben wir nochmal beim Stichwort Sanktionen. Kommen damit auch zur Rolle Europas. Also das 20.
Sanktionspaket gegenüber Russland seitens der EU. Das ist kürzlich gescheitert an der Blockade Ungarns. Viele haben sicher auch mitbekommen, dieser 90-Milliarden-Kredit, also Geld, was der Ukraine zur Verfügung gestellt werden sollte. Das ist jetzt kürzlich gescheitert am Widerstand, am Veto Ungarns und auch der Slowakei. Was kann, was müsste Europa denn in der aktuellen Lage für die Ukraine tun?
Also die Finanzfrage ist natürlich die wichtigste, denn die ukrainische Rüstungsindustrie, die stellt natürlich viel her, aber erstens dafür muss man sie auch zahlen. Zweitens braucht sie natürlich für die Herstellung von Drohnen, braucht sie Subkomponenten, die sie auch nicht selber herstellen kann, deren Preis sie auch nicht kontrolliert. Das fängt bei Elektromotoren an, beziehungsweise Magneten für Elektromotoren für die Drohnen, dann bis über Schallchips, Kameras etc.
Also diese 90 Milliarden sind wirklich der Knack-und-Ange-Punkt und da ist das Problem leider, nachdem man mit Ungarn immer mit den größtmöglichen Samthandschuhen umgegangen ist, dass Orban eben von Tag zu Tag dreister wird und dass natürlich andere Populisten in der EU, das ist zurzeit nur Vizo, aber da können ja auch noch nach den nächsten Wahlen mehrere hinzukommen, ja mittlerweile mitschreiben, wie frech man eigentlich sein kann in der Erpressung der Europäischen Union, selbst als kleines Land wie Ungarn. Hier hätte eigentlich schon viel früher ein Artikel-7-Verfahren gegen Ungarn eingeleitet werden müssen. Man hat jetzt mal gesperrt europäische Kredite für die Aufrüstung Ungarns, also die Safe-Kredite, als Vergeltung. Das.
Das allein wird natürlich Orban nicht in die Knie zwingen. Im Grunde hofft die EU hier auf die Wahlen am 20. April. Das Problem ist, dann sind wir gerade mit der finanziellen Situation in der Ukraine quasi schon am Hungerknochen. Denn die Ukraine-Unterstützung ist bis zum 1. April durchfinanziert. Und dann muss man anfangen improvisieren. Genau, vielleicht noch kurz ergänzend. Die Wahlen in Ungarn, wenn wir jetzt richtig informiert sind, sind am 12. April. Und so ist eben auch die Hoffnung vieler in der EU, dass Viktor Orban in Ungarn, der in den Umfragen gerade deutlich hinter seinem proeuropäischen Herausforderer liegt, dass er eben diese Wahl verliert. Vielleicht noch ganz kurz einmal zur Erklärung. Artikel 7-Verfahren, was Sie gerade angesprochen haben, würde was bedeuten?
Einen Zug des Stimmrechts für Ungarn aufgrund von Verletzungen des europäischen Rechts. Und Verletzungen des europäischen Rechts kann man Ungarn im Grunde weitreichend vorwerfen. Das geht also von Verletzungen von europäischen Grundrechten bis hin eben zu Verletzungen gegen das Solidaritäts- und Kohäsionsgebot der Europäischen Union. und also, Da gibt es viele Paragrafen, aber das Problem ist gerade bei Verletzungen gegen Beschlüsse aus dem Kapitel 5, also Außen- und Sicherheitspolitik und Verteidigungspolitik. Kapitel 5 ist natürlich der europäischen Gerichtsbarkeit entzogen. Ein Beschluss der Fehlleistung Ungarns in diesem Bereich bräuchte einen Ratsbeschluss. Und die europäischen Mitgliedstaaten sind äußerst schlampig und nachlässig, sich selbst zu überwachen. Und da hat man über Jahre hinweg das Verhalten Ungarns toleriert und alles schleifen lassen. Das alles jetzt auch prozedural wieder einzufangen und dann bis hin zu Artikel 7 Verfahren zu kommen, ist halt leider schon zwei Stunden nach zwölf.
Ja, soweit die Analyse von Militärexperte Gustav Gressel. Er betont, dass im Krieg vor allem die sogenannte Drohnenüberlegenheit, das entscheidende Mittel an der Front ist. Gleichzeitig sieht er strukturelle Schwächen auf russischer Seite durch eine schlechte Ausbildung der Streitkräfte, während die Ukraine versucht, den Fortschritt der Russen so weit wie möglich aufzuhalten. Jede Woche reden wir hier in unserem Ukraine-Update mit Experten, unseren Korrespondenten und Reportern über die Entwicklung und Hintergründe im Krieg. Mit detaillierten Karten analysieren wir dann die Lage an der Front. Schaut also gerne mal rein auf YouTube oder in der ZDF-Heute-App. Und da könnt ihr dann auch sehr gerne wie immer eure Fragen an unsere Gäste stellen. Danke, dass ihr heute mit dabei wart. Bis zum nächsten Mal bei Militär und Macht, die Analyse. Macht's gut. Tschüss.