Wir sehen es auch in den Äußerungen von US-Offiziellen, ganz konkret auch von Präsident Trump, dass der Krieg nicht den Verlauf nimmt, den er eigentlich vorgesehen hat.
Hi, ich bin Viktoria Reichelt. Schön, dass ihr dabei seid. Seit fast drei Wochen tobt der Iran-Krieg. Und dass er sich, wie von US-Präsident Trump angekündigt, in vier Wochen beenden lässt, scheint immer unwahrscheinlicher. Immer häufiger kommt es dabei nun auch zu gegenseitigen Angriffen auf die Öl- und Gasinfrastruktur in der Region. Gleichzeitig gibt es Berichte, dass die USA weitere Truppen in den Nahen Osten verlegen. Was der Iran-Krieg auch mit dem Krieg in der Ukraine zu tun hat, darüber habe ich mit Oberst Markus Reisner gesprochen. Er sagt, dass nach den letzten ukrainischen Geländegewinnen aktuell auf beiden Seiten wieder kaum Vorstöße möglich sind. Im ersten Teil der Episode erklärt er, warum der Krieg in Iran aktuell nicht so zu laufen scheint, wie US-Präsident Trump es sich vorgestellt hat. Die Idee war, durch die Luftschläge relativ rasch eine Entscheidung herbeizuführen. Das ist aber nicht passiert. Der Iran hat immer noch Kapazitäten, mit denen er sich entsprechend zur Wehr setzt. Und um jetzt für alle Eventualitäten sich vorzubereiten, hat die USA entschieden, noch weitere Kräfte heranzuführen. Unter anderem auch eine sehr schlagkräftige Kampfgruppe der US Marines, die quasi theoretisch auch in der Lage wären, an Stellen der Küste oder zum Beispiel auch Inseln im Speziellen einzunehmen zu können. Wir haben ja gerade die Bilder gesehen von den aktuellen Kampfhandlungen. Wie sind denn diese gegenseitigen Angriffe auf die Ölinfrastruktur zu bewerten? Was haben die für einen Effekt?
Ja, es gibt da zwei Narrative. Das erste Narrativ ist jenes, dass Israel und die USA es geschafft haben, die Kapazitäten des Iran tatsächlich nachhaltig und auch für viele Jahre in die Schranken zu weisen durch massive Zerstörungen. Es gibt also Schätzungen, dass bis zu 70, 80 Prozent der Raketenabschlussrampen zerstört worden sind und auch die wesentlichen Fähigkeiten der iranischen Streitkräfte. Das ist das eine Narrativ. Das andere Narrativ ist, dass der Iran es sehr wohl schafft, weil sie auch immer noch auf einem gewissen Niveau, auch wenn es nur circa zwischen 80 und 100 Drohnen pro Tag sind und bis zu 20 palistische Raketen sich zu Wehr zu setzen und sehr empfindliche Schläge ausführt, unter anderem vermutlich auch mit Unterstützung durch die Aufklärungsmöglichkeiten der Russen oder vielleicht auch sogar der Chinesen. Und wir sehen es auch in den Äußerungen von US-Offiziellen, ganz konkret auch von Präsident Trump, dass der Krieg nicht den Verlauf nimmt, den er eigentlich vorgesehen hat. Und wir sehen auch an den Forderungen, zum Beispiel jetzt ist es so, dass das Verteidigungsministerium oder das Department of Forum, korrekt zu sein, 200 Milliarden Dollar Vorrat faktisch, also knapp 174 Milliarden Euro zu der weiteren Finanzierung des Krieges. Und das bedeutet, dass wir hier erkennen können, dass es nicht so läuft, wie man sich das vorgesehen hat.
Ja, und wir haben zum einen einen Kriegsverlauf, der sich nicht so ereignet, wie Trump das wohl antizipiert hatte. Zum anderen hat dieser Krieg ja auch ganz klar wirtschaftliche Auswirkungen. Und dabei geht es auch immer wieder um die de facto Blockade von Hormuz. Können Sie uns einschätzen, wie lange hält der Iran den Zustand in Hormuz da noch durch und wie steht es generell um die militärischen Kapazitäten?
Sehen wir uns das ein bisschen im Konkreten an. Ich habe vorher schon ausgeführt, dass das eine Narrativ sagt, dass die Fähigkeiten des Iran nachhaltig auch beschädigt sind. Aber trotzdem, die Herausforderung besteht darin, dass der Iran auch mit kleinen Elementen sehr großen Schaden anrichten kann. Um uns hier einen Vergleich vor Augen zu führen, nenne ich die Houthis. Das sind also jene Aufständischen, die auch vom Iran unterstützt werden, die aus dem Jemen heraus operieren, die es sehr erfolgreich geschafft haben in den letzten Jahren, immer wieder auch eine wichtige Enge quasi, das ist der Babteil Mandap quasi im Roten Meer zu sperren, obwohl die mächtige US-Nebel es nicht geschafft hat, faktisch diese tatsächlich auch so in die Schranken zu weisen, dass diese Bedrohung ausgeschaltet ist. Die Houthis haben noch nicht losgeschlagen. Das ist auch eine der Möglichkeiten, die der Iran noch hat. Aber die Houthis zeigen sehr gut, was ginge. Das heißt, sie müssen also faktisch die Gegenküste in der Straße von Amus in Besitz nehmen, um zu vermeiden, dass nicht aus irgendeiner Felsenhöhle ein kleines Team, ihm faktisch eine Drohne, einen Antischiffs-Seflugkörper abfeuert oder das kleine Boot in Minen ausbringen. Und das ist die große Herausforderung.
Ja, das ist also eine Herausforderung dort, ganz konkret an der Straße von Hormuz. Jetzt sehen wir in der öffentlichen Debatte, dass viel darüber gesprochen wird, wie lange der Iran das noch durchhält und dass zum einen die USA die militärischen Möglichkeiten wohl unterschätzt haben. Gleichzeitig, wenn man sich auf der Karte mal das Land Iran anguckt, dann ist das ja auch sehr groß. Was hat denn die Landesgröße zu tun damit, wie lang das iranische Regime diese Kampfhandlungen so weiterführen kann?
Wir sind völlig am Punkt und wir sehen das jetzt auch hier an den eingeblendeten Karten. Wenn man sich also vor Augen führt, wie groß der Iran im Vergleich zu Deutschland, der Ukraine oder auch Europa ist, dann kann man erkennen, wie schwierig es auch ist, tatsächlich hier allumfassend ein permanentes Lagebild zu erzeugen. Und das muss Israel und auch die USA tun, denn wenn auch immer irgendwo in diesem Land faktisch sich eine Felsenhülle öffnet, ein Raketenstarter herausfährt, muss das sofort erkannt werden, muss sofort ein Flugzeug abgerufen werden, das diesen Staat dazu stört, damit es nicht zum Start der Rakete kommt und zu den Einschlagen der Rakete in einem Land des Nahmittleren Ostens, der Golfstaaten oder faktisch Israel oder auch auf einer amerikanischen Basis in diesen Staaten. Das heißt, man hat also hier die große Herausforderung, faktisch permanent darauf achten zu müssen, dass man die Fähigkeiten des Iran auch wirklich einschränken kann. Und auch wenn jetzt bereits man davon spricht, dass bis zu 80 Prozent, 70 bis 80 Prozent der Raketenabschlussrahmen zerstört sind, man sieht, dass der Iran sehr wohl auch in der Lage ist, weitere Raketen abzufahren. Und Sie dürfen nicht vergessen, diese vielen, vielen billigen Drohnen, die der Rahmen mit sehr, sehr einfachen Mitteln jederzeit quasi hinter jedem Haus, in jedem Busch, quasi in jedem kleinen Waldstück verstecken könnte, in jeder Höhle. Und das macht es eben so schwierig. Und die Größe des Landes zeigt Ihnen, wie umfänglich praktisch hier die Aufklärungsarbeit getätigt werden muss. Und das ist auch für die USA und auch für Israel eine große Herausforderung.
Ja, ein wirklich großes Land, eine militärische Herausforderung für die USA. Und jetzt haben sich ja am Wochenende die Kampfhandlungen der USA sehr auf die Insel Chag, Also auf die Insel, die ganz relevant ist für die Energie und für das Öl konzentriert. Wie ordnen Sie denn diese Insel in ihrer Wichtigkeit ein für das Kriegsgeschehen dort vor Ort?
Die Insel hat eine sehr hohe Bedeutung, denn ca. 90% der iranischen Erdöl-Exporte laufen über diese Insel. Warum ist das der Fall? Und das erkläre ich ganz kurz. Weil die Insel dadurch, dass sie quasi der Küste vorgelagert ist, die Möglichkeit gibt, dass sie Tanker mit einem sehr hohen Tiefgang hier ankern können und Öl aufnehmen können. Das ist an der Küste kaum möglich, sondern nur bei dieser Insel. Die USA haben auch in den letzten Tagen schwere Angriffe auf die Insel geflogen, haben aber nicht die Ölinfrastruktur zerstört, sondern vor allem die militärischen Einrichtungen. Das kann durchaus ein Dienst dafür sein, dass die USA vielleicht mit den jetzt herangeführten amphibischen Kräften diese Insel in Besitz nimmt und damit natürlich neulich Druck auf den Iran ausübt, der damit natürlich seiner wichtigsten Erdöl-Exploitierungsplattform faktischer beraubt ist im Wesentlichen. Und darum ist diese Insel von dieser hohen Bedeutung. Ich denke, es ist rausgekommen, dass die USA ganz generell die Fähigkeiten des Regimes unterschätzt haben. Und hier fragt sich gerade ein Zuschauer im Chat, wie könnte denn ein mögliches Exit-Szenario aus dem Krieg für die USA an diesem Punkt überhaupt noch aussehen? Wir befinden uns ja jetzt mitten in der dritten Kriegswoche.
Ja, wie wir sehen, Präsident Trump überrascht uns immer wieder. Niemand kann also quasi voraussagen, wie es tatsächlich jetzt seine weitere Strategie sich darstellt. Aber er könnte zum Beispiel von heute auf morgen erklären, dass im Prinzip die Mission erfüllt ist, dass sie die Fähigkeiten des Iran nachhaltig eingeschränkt haben, dass der Iran für die nächsten Jahre keine Gefahr mehr darstellt und dass er die Mission als beendet ansieht. Eine Steigerung dieser Strategie wäre zum Beispiel auch, wie vorher angesprochen, im Besitznahme der Insel, um also zu sagen, man hat also dem Iran faktisch auch jede Möglichkeit genommen, um man wirtschaftlich weiter überleben zu können. Das Ganze muss natürlich interlegt werden mit tatsächlichen Maßnahmen, die erkennbar sind, Maßnahmen, die auch von Seiten des Iran gesetzt werden, also zum Beispiel ein Einstellen der Angriffe auf die Straße hören muss und auf die Schiffe, die dort fahren, was wieder darauf hindeuten könnte, dass es vielleicht im Hintergrund Absprachen gibt. Wenn das nicht der Fall ist und der US-Präsident erklärt, die Mission beendet und der Iran greift weiterhin Schiffe an, dann ist dieses Narrativ des amerikanischen Präsidenten natürlich nicht zu halten und der Krieg wird sich vermutlich weiter in die Länge ziehen, weil man natürlich versuchen werden muss, also versuchen werden wird und das auch tun muss. Die Straße von einem muss wieder freizukämpfen, damit der Schiffsverkehr dort möglich ist. Denn wir haben die Herausforderung im Moment, dass diese sehr wichtige Nadel für die internationale Versorgung auf den Weltmärkten, ob das jetzt Öl ist oder zum Beispiel auch Düngemittel, das wird oft übersehen, dann natürlich gesperrt wäre. Und das hat natürlich einen massiven Einfluss auf die nächsten Wochen und Monate, auf die Weltversorgungslage zum Beispiel.
Die Auswirkungen des Irankriegs auf die Welt waren auch Thema beim EU-Gipfel in Brüssel. Genauso wie der Krieg in der Ukraine. Mein Kollege Ulf Röller hat den Gipfel verfolgt. Mit ihm konnte ich darüber sprechen, wie sich die EU positioniert und wie sie auf Trumps Vorgehen in Nahost reagiert.
Also es ist eigentlich eine zweigeteilte Antwort, die EU gibt. Man hat hier nochmal intensiv heute über den Irankrieg diskutiert. Es ist nochmal sehr klar geworden, dass die EU natürlich sich von Trump wahnsinnig Druck gesetzt fühlt und auch sauer ist auf Trump, weil er hat diesen Krieg angefangen. Er hat weder die EU gefragt, ob sie das für sinnvoll hält oder nicht. Und jetzt macht er Druck, dass die EU helfen soll. Die Antwort intern ist eindeutig. Es gibt eine rote Linie. Und solange dieser Krieg läuft, sehe ich niemanden in der EU, der in irgendeiner Form da mit den Amerikanern in diesen Krieg ziehen will. Dann wird es keine EU-Marinemission geben. Auch die militärischen Fähigkeiten der EU reichen dafür nicht wirklich aus. Aber das ist dann der zweite Teil der Antwort. Man will Trump nicht komplett eine Abfuhr erteilen oder vor den Kopf stoßen, sondern man sagt, wenn es keine Kampfhandlungen mehr gibt, Das hat vor allem der Bundeskanzler betont, als er zu Beginn des EU-Gipfels, wenn es keine Kampfhandlung gibt, dann muss ein Signal hier vom EU-Gipfel sein, dass wir bereit sind zu helfen. Und das haben einige Länder gesagt. Also, wenn die Kampfhandlungen zu Ende sind, dann kann man sich vorstellen.
Zum Beispiel militärisch mitzuhelfen, die Straße von Humus abzusichern, dass nicht wieder neue Konflikte stehen. Aber das Entscheidende ist, dass die Kampfhandlungen vorbei sind. Warum zieht die EU eine rote Linie, sage ich mal, mit einem roten Schleifchen drum? Das gibt einen ganz einfachen Grund. Trump hat eben massiven Druck auf die EU ausgeübt. Und er hat etwas getan, was er gerne tut. Er hat Dinge verknüpft. Er hat nämlich ganz einfach gesagt, wenn die EU jetzt Amerika nicht hilft im Iran-Krieg, dann würde Amerika die Ukraine fallen lassen. Dann würde die EU eben nicht mehr unterstützt. Und davor hat man doch massiv Angst, weil man braucht Amerika bei der Unterstützung der Ukraine. Und deshalb will man den Präsidenten nicht vor den Kopf stoßen, sondern ein Signal nach Washington senden, dass man bereit ist zu helfen. Aber wie gesagt, die Kampfhandlungen müssen beendet sein. Ja, du sprichst gerade schon etwas an, was ja ganz entscheidend ist für diese Gemengelage. Trump hatte die EU-Staaten ja um Unterstützung gebeten in der Straße von Hormuz, die Absage erhalten und daraufhin ja noch eine weitere Drohkulisse aufgemacht, nämlich sogar über einen Rückzug aus der NATO gesprochen. Wie besorgt ist man denn jetzt heute auf dem EU-Gipfel, dass dieses wichtige Militärbündnis tatsächlich zerbrechen könnte?
Also das ist hier kein konkretes Thema gewesen auf dem EU-Gipfel, weil man einfach über so etwas nicht wirklich spricht. Man muss aber sagen, dass natürlich Europa seit Trump wieder an der Macht ist, gelernt hat, dass der Präsident permanent droht und permanent das Verteidigungsbündnis NATO infrage stellt, wenn er irgendwie seinen Willen nicht bekommt. Viele sagen hier, wir dürfen ihn nicht weiter reizen. Wir müssen auch natürlich Trump entgegenkommen. Das liegt auch daran, wenn man sieht, wie die Verteidigungsausgaben der Europäer dramatisch angestiegen sind im NATO-Bündnis. Das hat auch viel mit Trump zu tun. Also man redet nicht wirklich darüber und man glaubt auch nicht, dass er wirklich ernst macht. Bisher haben sich die Amerikaner immer in den NATO-Gremien vorbildlich verhalten und sie haben auch noch nicht in irgendeiner Form etwas abgezogen oder ihr Engagement verringert. Also das ist nicht der Fall. Aber die Drohung von dem Präsident Trump besteht immer, die nimmt man ernst. Aber wie gesagt, man versucht ihm entgegenzukommen, damit er eben aus dieser Drohung keine Wahrheit werden lässt. Weil ein Bündnis ohne die Amerikaner NATO geht, kann nicht funktionieren, das geht nicht.
Jetzt kommen wir zu einem Punkt, den du schon angesprochen hattest. Ein wichtiges Interessenfeld ist natürlich auch weiterhin die Unterstützung der Ukraine und generell der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Und da ist es ja aktuell so in der EU, dass Orbán sowohl die nächsten Sanktionen, das nächste Sanktionspaket, als auch dieses 90 Milliarden Euro Hilfspaket blockiert. Wie schätzt du das ein? Ist die EU mit diesem Status quo eigentlich handlungsunfähig, wenn es um die Unterstützung der Ukraine geht?
Also zumindest im Moment fließt das Geld nicht, das die Ukraine drängend braucht. Man geht davon aus, dass die Ukraine noch bis Ende April, vielleicht Anfang Mai, genug Geld hat, um eben ihre Wirtschaft weiterführen zu können und auch diesen Krieg zu führen. Dann ist sie pleite. Also die 90 Milliarden müssen jetzt irgendwann bei der Ukraine ankommen. Das große Thema ist Viktor Orban, der ungarische Regierungschef. Er blockiert dieses Paket. Man hatte hier gehofft, dass wenn man massiv Druck auf Orban ausübt, weil er eigentlich schon mal zugestimmt hat, dass er vielleicht doch nochmal hier einknicken würde. Er hat das immer wieder gemacht, eigentlich auf Gipfeln gedroht, blockiert und dann nach massiven Druck eingelenkt. Aber diesmal tut er das nicht. Es gibt eigentlich einen ziemlich einfachen Grund, weil Orban kämpft zurzeit um sein politisches Überleben. Es wird Mitte April in Ungarn gewählt und er liegt weit abgeschlagen zurück, Orban. Und er versucht nun mit einem Anti-Europa- und Anti-Ukraine-Kampf aufzuholen, damit zu punkten. Und nun hofft eben die EU, dass ihm das nicht gelingt, dass er wirklich abgewählt wird, dass die Ära Orban beendet wird. Und sie hoffen quasi, dass der Wähler für die EU das Thema Orban erledigt. Falls das nicht passiert, wird es schwierig. Es gibt nicht wirklich einen Plan B, über den man hier laut reden will. Ich könnte mir aber vorstellen, dass wenn Orban gewählt wird.
Dass er dann wieder etwas handzahmer wird, weil er viel Geld von der EU braucht und dass es zurzeit blockiert, weil er eben nicht mitspielt. Und ich könnte mir auch vorstellen, wenn es kurzfristige finanzielle Engpässe der Ukraine gibt, dass auch einzelne Nationalstaaten mit Krediten helfen. Ich kann mir nicht vorstellen am Ende, dass die Ukraine wirklich pleite geht oder dass die EU zuschaut, wie die Ukraine pleite geht. Aber offiziell wird über einen Plan B noch nicht gesprochen.
Soweit also mal zur Unterstützung der Ukraine. Ulf, ich habe hier noch eine Frage an dich im Chat, die richtet sich aber nochmal auf den Iran-Krieg und die Haltung der EU-Staaten dazu. Es fragt jemand, warum lässt sich die EU denn hier von US-Interessen beeinflussen, anstatt völkerrechtswidrige Handlungen klar beim Namen zu nennen und konsequent für Deeskalation und Menschenrechte einzutreten?
Also die Union spricht hier nicht ganz mit einer Stimme. Es gibt diejenigen, die sehr, sehr stark diesen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der Amerikaner kritisieren und sagen, wir müssen viel stärker auf Deeskalation und auf Diplomatie setzen. Und es gibt welche, wie die Deutschen auch, die durchaus jetzt zunehmend Amerika auch kritisieren, aber von Anfang an gesagt haben, ja, ob das Völkerrecht wirklich so viel bringt Und momentan funktioniert in dieser Weltlage, wenn es ermöglicht, dass ein Land vielleicht wie der Iran eben ballistische Raketen bekommt oder auch ein Atomprogramm bekommt. Also da ist die EU ein bisschen gespalten. Am Ende des Tages ist die EU von Donald Trump in gewisser Weise abhängig. Wenn Donald Trump, wie ich gesagt habe, in der Ukraine nicht hilft, dann ist die EU alleine und sie braucht die Waffen der Amerikaner, um die Ukraine zu verteidigen. Insofern ist es einfach eine Sicherheitsfrage der EU, vielleicht sogar eine existenzielle Frage, immer wieder zu versuchen, mit den Amerikanern und sprich mit Donald Trump in irgendeiner Form eine Arbeitsebene zu finden, unabhängig wie sauer, wie enttäuscht und wie wütend man auch ist, dass er diesen völkerrechtswidrigen Krieg begonnen hat.
Die EU sucht nach einer Antwort auf Trumps Vorgehen in Iran und kämpft auch mit den aktuellen Entwicklungen rund um die Ukraine. Militärisch konnte die Ukraine in den letzten Wochen einige Geländegewinne feiern. Wie es aktuell mit den ukrainischen Gegenangriffen aussieht, darüber konnte ich nochmal mit Oberst Markus Reisner sprechen.
Ganz kurz zur Einordnung. Wir sprechen über den südlichen Frontabschnitt. Das ist also quasi südlich von dem sogenannten Mittelabschnitt, wo sich auch das Zentrum der russischen Anstrengungen befindet. Zusätzlich zu diesen Anstrengungen kam es zu dem Versuch einer Offensive im Süden, wo die Russen versucht haben, Richtung Saporische anzugreifen. Und an der nördlichen Flanke dieses Vorstoßes, dort wo sich ihre Kräfte ausgedünnt haben, dort hat es beginnend mit 6. Februar gemeinsam mit dieser Staling-Abschaltung versucht, die Ukraine vorzumarschieren. Das ist in den ersten Tagen sehr zügig vorangegangen. Zügig heißt, es wäre Kilometer quasi in Formasch pro Tag, hat aber dann quasi wieder sich immer mehr verfestigt, bis also die Front dann auch wieder eingefroren ist. Und wir sehen jetzt in den letzten Tagen punktuell kleinere Vorstöße der Ukraine, die aber von den Russen aufgefangen worden sind. Hier im Video sieht man typisch die Kämpfe, die quasi hier vorherrschen. In dem Moment, wo sich eine Seite exponiert, kommt es sofort zum Einsatz von vielen, vielen Drohnen. Und das ist ja auch die Herausforderung dieses gläserne Gefechtsfeld, das dazu führt, dass jeder Angriffschwung sofort wieder verloren geht, egal ob er jetzt von der russischen oder von der ukrainischen Seite vorgetragen wird.
Wir schauen auch noch mal genau auf den Frontabschnitt, den Sie da gerade beschreiben. Sie haben uns nämlich die Entwicklung am südlichen Frontabschnitt mal so einskizziert in eine Karte, die wir vorbereitet haben. Können Sie uns das noch mal genau einordnen, was wir da sehen? Sehen wir uns gerade den Südabschnitt der Front an, also wie gesagt südlich des sogenannten Mittelabschnittes, des Schwergewichtsraumes. Und hier erkennt man in den Einzeichnungen, dass die Ukraine es geschafft hat, tatsächlich signifikant Gelände besitzt zu nehmen. nördlich von Hulia Polle, dass die Russen gezwungen waren, sich dort zurückzuziehen, aus dieser sogenannten Grauzone, die entlang der ganzen Front sich befindet. Und der Stoß der Russen, der eigentlich Richtung Arrichi hätte ziehen sollen, der wurde quasi faktisch durch diesen Angriff so gestört, dass die Russen quasi diesen Stoß nicht weiter durchführen konnten. Was wir sehen, ist, dass die Russen auch Kräfte verlagert haben, um diesen Stoß der Ukraine aufzufangen. Das ist auch der Grund, warum sich die ukrainischen Vorstöße verlangsamt haben. Aber man erkennt nach wie vor, dass die Russen versuchen, trotzdem bei Hulia Polle weiter Richtung Westen vorzustoßen. Die Idee wäre, hinter die Verteidigungslinien in Paris zu gelangen und vor allem die eigene Artillerie und Drohnen in die Reichweite der Stadt zur Paris zu bringen. Das ist also hier die Absicht, die die Russen auf operativer Ebene sich vorgenommen haben. Weitere Experten sprechen gerade davon, dass es der Ukraine auch mit immer größeren Drohnenschwärmen gelingt, immer größere Erfolge zu zählen. Wie elementar ist diese stärkere Drohnenpräsenz gerade? Sehen Sie da eine Chance für die Ukraine?
Auch das muss man vielleicht kurz erklären. Wir hatten also letztes Jahr noch die Situation, dass man mit kleinen Trupps und mit Motorrädern oder auch improvisierten Fahrzeugen von russischer Seite durchaus in der Lage war, Erfolge zu erzielen beim Angriff. Das hat sich durch die Zunahme der Drohnen-Einsätze von ukrainischer Seite immer mehr marginalisiert und wir haben jetzt eine Situation, dass wir quasi eine gedachte Nulllinie haben entlang der Front und links und rechts davon bis zu 20 Kilometer eine Zone, die man als Grauzone, andere beseichnen sie auch als Killzone oder Todeszone, tatsächlich sehen. Und das bedeutet, dass keine Seite sich mehr hier wirklich bewegen kann. Wir haben also kleine Trupps von Soldaten, die versuchen vorzustoßen und die zum Teil, wenn sie es schaffen, sich dann irgendwo in einem Keller zu verstecken oder Ähnlichem oder dort einzurichten, wiederum von Drohnen versorgt werden. Auf diese Drohnen wird wiederum von anderen Drohnen Jagd gemacht. Die Ukraine versucht, den Mangel ihren Soldaten auszugleichen.
Indem man auch unbemannte Bodensysteme einsetzt. Die versorgen dann die Soldaten oder bringen sogar die Verwundeten zurück. Aber wir sehen also, dass Drohnen einen ganz massiven Einfluss auf die Kriegsführung ausüben und dass das in den letzten Jahren immer mehr zugenommen hat. Und wir erkennen auch, dass es hier kaum Möglichkeiten gibt, praktisch nachhaltig eine Lösung zu präsentieren. Denn die letzte Erfindung, die quasi der Schlachtfeld, der sich im Moment dann gerade auch beherrscht, ist der Einsatz eines sogenannten Glasfaserdraht-gesteuerten Drohnen. Drohnen, die quasi einem Glasfaserdraht gesteuert fliegen. Und die können also auch nicht gejammt oder gestört werden. Und das macht es im Moment so schwierig für beide Seiten tatsächlich, wirklich nachhaltig Gelände in Besitz zu nehmen und vor allem dann die neuen Positionen zu versorgen. Denn das ist genau das Problem, das die Ukraine jetzt auch hat. Den Raum, den sie jetzt gewonnen hat, muss sie ja quasi praktisch nähern durch Ressourcen, durch Soldaten. Und das macht es so schwierig für die Ukraine, praktisch hier weiter vorzustoßen, beziehungsweise auch für die russische Seite.
Das einmal zu den Drohnen und wir gucken jetzt noch mal auf den nördlichen Frontabschnitt, den wir gerne mit Ihnen besprechen wollen. Das ist der Abschnitt mit dem sogenannten Festungsgürtel. Und auch dort haben Sie uns mal die Bewegungen, die da gerade passieren, skizziert. Können Sie uns das einmal einordnen, was wir hier sehen? Ja, das ist eigentlich der sogenannte Mittelabschnitt der Front. Der Nordabschnitt ist der Raum quasi von Summe bis Harkiv. Und hier dieser Abschnitt der Front ist deswegen bedeutend, weil wir davon ausgehen können, dass das auch das Schwergewicht wird der kommenden russischen Sommeroffensive. Wir haben jetzt gerade erlebt, dass in den letzten 14 Tagen die Russen praktisch ihre Frühjahrsoffensive gestartet haben. Die Frühjahrsoffensive dient immer dazu, Ausgangspositionen günstige zu erreichen, um dann quasi über diese hinweg anzugreifen im Rahmen der sogenannten Sommeroffensive. Die Offensiven sind auch abhängig von der Witterung und vom Bewuchs, denn mit zunehmendem Blätterdach ist es wieder möglich, quasi mit diesen kleinen Trupps vorzustoßen. Und das Ziel der Russen im Sommer wird es sein, vor allem diese drei Städte quasi, Slobiansk, Kramatorsk und Konstantinivka anzugreifen. Dazu versuchen die Russen im Norden bei Liman und südlich von Konstantinivka, beziehungsweise westlich davon bei Toretske vorzustoßen, um diese Festungen quasi im Rücken zu umfassen und nicht frontal angreifen zu müssen. Ob das gelingt, man wird es sehen. Im Moment sehen wir, dass die Russen gerade auch versucht haben, in den letzten Tagen quasi bei Limahan vorzustoßen. Und diese Vorstöße sind alle liegen geblieben im Drohnenfeuer der ukrainischen Kräfte, die erfolgreich diese Abwehr durchgeführt haben. Das ist ein Vorgeschmack auf das, was wir dann im Sommer sehen werden.
Sie haben gerade schon gesagt, da sind die nicht wirklich weitergekommen. Wir haben hier noch eine Frage aus dem Chat zu dem Thema, der fasst ein bisschen zusammen. Im gesamten Februar hatten die Russen netto keine Geländegewinne mehr. Wie wollen Sie wieder in die Offensive kommen? Es scheint ja gar nicht so einfach zu sein, haben Sie gerade gesagt.
Das ist völlig korrekt, aber da muss man natürlich verstehen, dass die Front enorm lang ist. Wir haben eine Front, die fast 1.400 Kilometer lang ist. Wenn man das noch einmal nach Europa legt, dann beginnt die Front in Berlin und zieht sich über Prag, Tschechien, Österreich bis hinunter nach Mittelitalien. Das ist eine unglaubliche Ausdehnung. Und wir haben uns jetzt quasi über einen Raum unterhalten, der sich gerade irgendwo im Mailand befindet. Das ist ein kleiner Abschnitt dieser Front, wo es gelungen ist, den Ukrainenerfolge zu erzielen. In derselben Zeit haben die Russen es geschafft, im Mittelabschnitt der Front, im nördlichen Teil davon, bei Siverska vorzumarschieren. Um die Voraussetzungen zu schaffen für die geplante Sommeroffensive. Und beide Seiten haben wirklich keine Antwort darauf, wie sie mit diesen vielen, vielen Drohnen umgehen sollen, die quasi permanent den Himmel beherrschen und überwachen. Das macht es ja auch so schwierig. Man sieht also, dass beide Seiten versuchen, eine Lösung zu finden. Die wird auch schlussendlich kommen, vielleicht nächste Woche, vielleicht nächstes Monat, vielleicht in einem Jahr oder in mehreren Jahren. Aber es wird auch hier eine Antwort geben an einem kombinierten Einsatz von verschiedensten Fähigkeiten.
Diesen heiligen Kral hat man noch nicht gefunden. Von dem hat der General Soluschni schon gesprochen, 2023 hat das damals bezeichnet als eine Erfindung, vergleichbar mit der Erfindung des Schießpulfers durch die Chinesen. Der, der dieses erfindet, der hat also quasi wieder die Waffe, die es möglich macht, das Schlachtfeld zu beherrschen. Im Moment sehen wir, dass der Krieg vor allem deswegen so elend ist, weil er so geführt wird, wie ich das gerade erklärt habe. Um das nochmal ganz kurz vor Augen zu führen, es geht immer um das Herstellen einer kritischen Masse. Also sehen wir uns ganz kurz einen russischen Angriff an, auf einer Distanz von einem Kilometer, marschieren drei Trupps zu je drei Soldaten los. Zwei Trupps werden von Drohnen getroffen, neutralisiert. Ein Trupp schafft es nach ein, zwei Kilometern in den Keller eines Hauses unterzuziehen. Damit meldet er nach hinten, dass er quasi diese Stellung bezogen hat. Die nächsten zwei Trupps marschieren los und diesen beiden Trupps schafft es wieder nur einer. Damit kommen weitere drei Soldaten in den Keller hinzu. Damit sind es bereits sechs. Diese sechs Soldaten beschließen, den Nachbarkeller in Besitz zu nehmen. Zwei machen sich auf den Weg. Einer schafft es. Fünf sind noch übrig geblieben, aber zwei Keller sind im Besitz. Und das ist also quasi dann der Brückenkopf, die kleine kritische Masse, die dann quasi wieder durch weitere Soldaten verstärkt wird. Und dann versucht man, den nächsten Keller in Besitz zu nehmen. Und in dieser Art und Weise führen beide Seiten Krieg auf eine sehr elende, blutige und sehr langsame Art und Weise. Ja, wir kommen nochmal zu einem Thema, das eben schon angeklungen ist. Es geht um Elon Musks Starlink. Und ein Zuschauer hat hier die Frage, warum verlassen sich denn Europa und auch die Ukraine weiterhin auf Starlink von Elon Musk? Was ist, wenn der entscheidet, Starlink für die Ukraine abzuschalten?
Das ist völlig korrekt und das Besondere bei Elon Musk ist, dass wir hier das erste Mal einen Konflikt haben, wo eine Privatpersonen-Maske durch den Konfliktverlauf beeinflusst und das sollte uns allen zu denken geben. Ich behaupte, dass in Europa trotz alledem, trotz des mittlerweile fünften Jahres des Krieges, die Betroffenheit immer noch zu gering ist, dass man wirklich ernsthaft Maßnahmen setzt, die nachhaltig wirken. Sie sehen das ja auch zum Beispiel bei der Fliegeabwehr, die wir immer noch quasi für die Ukraine kaufen müssen von den Amerikanern, um sie liefern zu können. Aber Sie sehen, dass die europäischen Rüstungsunternehmen zwar die Möglichkeit quasi immer wieder bieten, tatsächlich auch Beschaffungsvorhaben umzusetzen, aber tatsächlich die Bestellungen passieren nicht in der Form, wie es eigentlich sein sollte. Ich habe das schon ein paar Mal auch gebracht, am Vergleich der Produktionsraten für Petrood-Systeme, die Amerikaner produzieren im Jahr bis zu 650 Stück von diesen Abfangraketen. Das vergleichbare europäische System ist das System SMPT und wir haben eine Produktionsrate von nicht mal 150, die wir quasi hier tatsächlich umsetzen können. Und das zeigt natürlich, dass auch hier die Bedroffung nicht gering ist. Und das zieht sich durch. Das bedeutet quasi auch zum Beispiel für die Satellitenkommunikation, dass man hier mehr machen müsste, um genau diese Abhängigkeit einzustehen. Es gibt hier vielversprechende Projekte, die hoffentlich auch umgesetzt werden. Aber wie gesagt, das dauert alles sehr, sehr langsam. Sehr lange dauert es sehr langsam und kostet einfach sehr, sehr viel Geld.
Wir wollen zum Abschluss dieses Streams nochmal in eine Art Vogelperspektive auf diese beiden Kriege schauen. Jetzt hat der ukrainische Präsident Zelensky angekündigt, es seien ukrainische Vertreter auf dem Weg in die USA für Verhandlungen. Und zur internationalen geopolitischen Gemengelage muss man ja auch sagen, dass zum einen die USA die Ukraine mit Aufklärungsdaten versorgen und gleichzeitig Putin wohl Aufklärungsdaten Iran zur Verfügung gestellt hat. Also da sehen wir ja schon, wie sich das geopolitisch stark vermischt. Könnte das denn Konsequenzen haben für das Verhältnis zu den USA, dieser Fakt, dass Putin Aufklärungsdaten Iran zur Verfügung stellt?
Ja, Sie sprechen hier einen sehr, sehr wichtigen Punkt an, der deswegen relevant ist, weil wir sehen, dass der Krieg von Jahr zu Jahr immer umfangreicher wird und dass auch die Kriegsschauplätze immer mehr werden. Wir haben also die Auseinandersetzung des globalen Nordens, dem globalen Süden, der globale Norden, die erste Welt, der Westen, Europa, die USA und der globale Süden, praktisch Russland, China, Indien, all die Staaten quasi, die jetzt auch immer wieder im Gespräch sind und zwei Konflikträume und einen dritten möglichen, also einerseits die Ukraine, der nahe, mittlere Osten und vielleicht auch Taiwan. Und wir sehen, dass im Hintergrund hier natürlich massive Unterstützung passiert. Das ist auch der Grund, warum die Ukraine und Russland immer noch gegeneinander Krieg führen können. Ich habe das schon oft verglichen mit einem Boxkampf, wo zwei Boxer sich gegenüberstehen. Der russische Boxer war der Favorit, weil er quasi an Mass überlegen schien, dem ukrainischen Angreifer. Die Ukrainer waren aber dann sehr flink und haben als Erfolg erzielt. Warum? Weil die USA den Ukrainern in ihre Boxhandschuhe quasi zwei Hufweisen mitgegeben hat. Und das waren die nachrichtendienstlichen Aufklärungsdaten, die den Schlägen der Ukraine entsprechende Wucht versetzt haben.
Es scheint also jetzt überhaupt nicht verwunderlich aus meiner Sicht, dass jetzt auch natürlich die Russen das Gleiche mit den Iranern machen, wo wir erkennen können, dass die iranischen Angriffe mit Drohnen und ballistischen Raketen sehr zielgenau erfolgen. Man hat also herausgefunden, aufgrund der Auswertung der Satellitenaufnahmen, dass also bis zu zehn sehr wichtige, strategisch wichtige Radaranlagen der Amerikaner zum Teil zerstört oder beschädigt worden sind. Man sieht, dass permanent China uns Aufklärungsbilder, Satellitenaufklärungsbilder liefert, die sie kommentieren mit den Bewegungen der USA. Und das zeigt natürlich, dass wir hier quasi reziproke Handlungen haben und das verschärft natürlich die Situation. Trump wurde angesprochen auf diese Situation und er hat gesagt, well... We do it and they do it too und hat also dabei geschmunzelt, das heißt, er hat es zur Kenntnis genommen. Die Gefahr besteht natürlich darin, dass es im Hintergrund zu möglichen Absprachen kommt, zu Ungunsten der Ukraine, dass man also von amerikanischer Seite, weil man eben aus diesem Konflikt mit dem Iran auskommen möchte, den Russen sagt, okay, wenn ihr das wieder einstellt, die Unterstützung der Iraner, dann unterstützen wir quasi in dieser Form nicht mehr die Ukrainer. Und das sind also alle Dinge, die quasi im Hintergrund entschieden werden. Leider über unsere Köpfe hinweg, weil die Europäer auch wie in diesem neuen Konflikt wieder nur die Zuschauer sind, die quasi auf den billigen Plätzen verbannt, kommentieren können, aber kaum Einfluss ausüben können.
Soweit die Analyse von Oberst Markus Reisner zur militärischen Lage in der Ukraine und in Iran. Zwei Kriege, die nicht zuletzt durch die involvierten Großmächte Russland und USA auch miteinander verknüpft sind. In Nahost scheint der amerikanische Plan aktuell nicht ganz nach Trumps Wünschen aufzugehen, so der Experte. Gleichzeitig könnten Absprachen zwischen Russland und den USA auch entscheidenden Einfluss auf die Ukraine nehmen. Jede Woche sprechen wir hier bei Militär und Macht die Analyse über globale Machtverhältnisse, Militärpolitik und Verteidigungsstrategien. Außerdem findet ihr die Sendung auch als Livestream auf YouTube und in der ZDF Heute App. Schaut gerne mal rein und stellt eure Fragen. Vielen Dank fürs Reinhören und bis zum nächsten Mal.