Trump hat sich da wirklich, ja, stellenweise schon, also ich will jetzt nicht sagen verkalkuliert, aber ich glaube, diese Komplexität, die war ihm nicht klar. Und jetzt braucht er irgendein Exis-Szenario, wie er rauskommt. ZDF heute. Militär und Macht. Die Analyse. Hallo, ich bin Marc Burgemeister. Schön, dass ihr im Podcast mit dabei seid. In dieser Folge spreche ich mit Militärökonom Markus Keup über die Folgen des Iran-Krieges für die Ukraine. Als er das letzte Mal bei uns noch vor Beginn des Iran-Kriegs zu Gast war, hatte er gesagt, er hoffe, dass Trump nicht so, Zitat, dumm sei und den Iran angreife. Zwei Wochen ist besagter Angriff nun her, Kolbs Einschätzung zur Kriegsgefahr, es könne sich an dem Konflikt ein Flächenbrand entzünden. Ich habe ihn also gefragt, wie groß denn jetzt der Flächenbrand ausfällt oder in seinen Worten, wie dumm war Trumps Entscheidung, Iran anzugreifen.

Auf die Gefahr hin, dass ich jetzt als Pessimist wahrgenommen werde, aber ich sage immer, wir leben in der Dekade der Dummheit. Also die 20er Jahre machen nicht so wirklich Spaß. Also erst Pandemie, dann Kreml-Propaganda, dann müssen wir jetzt ein neues Russland-Bild mal langsam justieren und jetzt kommt noch dieser Krieg dazu. Ich glaube nicht, ehrlich gesagt, dass ihm klar war, was diese Verwerfungen vor allem für die USA selber auslösen. Das sehen Sie auch so an seinen Statements. Er sagt ja, ja, was wollt ihr eigentlich? Wir sind doch Nettoölproduzent. Und das stimmt zwar schon. Das Dumme ist nur, wenn der Rest der Welt jetzt halt mit sehr viel höheren Energiepreisen oder Produktionskosten zu kämpfen hat, durch die steigenden Ölpreise, verteuert es natürlich auch die amerikanischen Importe. Und seine eigene Wählerklientel merkt es ja auch schon an der Zapfsäule. Und sie wird es bald auch merken in den Produktpreisen. Also insofern glaube ich, er ist dann vielleicht ein bisschen naiv reingegangen und hat gedacht, er könnte Venezuela 2.0 machen, übersieht dabei aber, wie ich immer sage, dass der Iran oder auch allgemein der Nahe Osten ein bisschen komplexer ist. Und eben kein Ein-Personen-Regime und auch nichts, dass man so einfach irgendwie wegbomben kann.

Nun ist seit dem Angriff vorletzten Samstag ja eine ganze Wirkungskette losgegangen. Sie haben das gerade schon angefangen zu skizzieren. US-Stützpunkte wurden da beschossen. Die Bilder haben wir gesehen. Auch Touristenhotels zeitlang wurden auch mal beschossen. Viele Menschen steckten in der Golfregion fest und nun die gesperrte Straße von Hormuz, die die Ölpreise am Weltmarkt hat explodieren lassen, muss man ja sagen. Welcher Brennpunkt ist denn da jetzt aktuell am gefährlichsten, am schärfsten Ihrer Meinung nach? Also jetzt muss man ein bisschen differenzieren. Sie hören in den Medien häufig, die Straße von Hormuz sei gesperrt. Das ist sie nicht im maritimen Sinne. Also sprich, es gibt keine iranische Flotte, die jetzt da aufgefahren ist und die sagt, hier kommt kein Schiff mehr durch, sondern im Gegenteil. Was im Moment durchkommt, sind einzelne Öltanker und raten Sie mal, wo die hinfahren. Genau, nach China. Wir können uns das hier direkt mal angucken. Genau, wir können uns das hier mal angucken. Hinter uns haben wir die Straße von Hormuz. Genau, und Sie sehen jetzt, wenn Sie hier die äußerste Spitze angucken, also hier nördlich, genau.

Diese äußerste Spitze gehört zum Oman, nicht etwa zu den Arabischen Emiraten. Und Sie sehen, direkt gegenüber liegt der Iran. An der Stelle ist der direkt schiffbare Kanal zwei Seemeilen breit, also zwei. Zum Vergleich Straße von Gibraltar, die auch relativ eng ist, acht Seemeilen. Das heißt, das ist unglaublich eng. und sie haben da natürlich Möglichkeiten quasi zu sagen, wenn da jetzt ein Tanker durchfahren will, ich will das aber nicht, dann kann ich den da an dieser Engstelle blockieren, ich kann ihn bedrohen. Und was eben im Moment passiert, ist nicht etwa, dass der Iran eine Seeblockade im klassischen Sinne macht, sondern er macht quasi den Rädern Angst. Also wenn ihr versucht, da durchzufahren gegen unseren Willen, dann könnte es sein, dass dieser Tanker so einen kleinen Unfall hat.

Interessanterweise machen sie das aber nicht bei den Schiffen, die nach China rausgehen. Warum? Weil China 80 Prozent der iranischen Ölexporte kauft. Also Sie sehen, da jetzt Minen zu legen oder da eine Flotte hinzuschicken, ist keine so gute Idee, weil die iranischen Exporte müssen ja auch raus. Also es ist quasi eine selektive Blockade, aber eine virtuelle, die sagt Kuwait, Bahrain, Irak, Katar, die kommen alle nicht durch, aber unsere eigenen Exporte nach China, die schon. Das ist auch eine frische Meldung hier vom Abend. Das iranische Außenministerium hat sich geäußert, hat das so ein bisschen runtergespielt, dass die Straße von Hormuz ja weiterhin passiert werden könnte, wenn man sich mit der eigenen Marine abstimmen würde. Jaja, das ist jetzt ein bisschen schwarzer Humor, würde ich sagen, was die Iraner da bringen. Also wissen Sie, gerade gestern haben Sie damit gedroht, Ja, wir haben aber auch Unterwassermissiles oder wir haben so kleine ferngesteuerte Boote und die können wir ja so an die Tankerwand heranfahren und sie dann explodieren lassen. Also das sind so diese Spielchen, glaube ich, wo man sich jetzt ein bisschen versucht abzutasten.

Aber um das den Zuschauern auch mal klar zu vermitteln, das ist alles nicht neu. Das hatten wir im iranisch-irakischen Krieg bereits. Da gab es diese Episode, den sogenannten Tanker War. Und auch damals hat der Irak iranische Tanker beschossen und der Iran irakische Tanker, auch kuwaitische. Also was wir hier erleben, ist alles nicht unbedingt neu. Es ist halt einfach sozusagen auf dem heutigen Technologieniveau.

Aber es ist halt alles etwas komplexer, als man es in den Medien so allgemein vermittelt bekommt. Und das interessiert auch gerade unsere Zuschauer. Ich will Ihnen direkt mal die erste Frage weiterleiten. Da geht es um die Straße von Hormuz. Welche Druckmittel hat der Iran dann konkret hier? Ist es die Erpressung, dass man sagt, ihr müsst euch mit uns abstimmen? Oder gibt es da irgendwas anderes? Ja, also der Druck funktioniert eigentlich über die wirtschaftliche Seite. Also wenn Sie jetzt ein Räder sind oder der Eigentümer dieses Schiffes, dann bekommen Sie im Moment keine Versicherer. Also kein Underwriter wird jetzt sagen, ich versichere deinen Tanker, weil sie können sich vorstellen, was da passiert. Das heißt, sie müssen das gesamte wirtschaftliche Risiko selber tragen. Und wenn sie jetzt sagen, wir lassen diesen Tanker hier auf gut Glück einfach mal durchfahren und hoffen, dass da nichts passiert, das ist nah am wirtschaftlichen Selbstmord. Und deswegen sind die im Moment alle so auf großen Parking-Lots, östlich und westlich dieser Nadelspitze und warten quasi auf bessere Zeiten. Jetzt hat Trump, glaube ich, gestern oder vorgestern so einen Tweet rausgelassen. Ja, seid doch mal mutig, zeigt hier ein bisschen Guts und fahrt doch einfach da durch. Das ist natürlich völliger Unsinn. So funktioniert das eigentlich. Solange diese Räder quasi Angst haben, dass da so ein kleines Roboterboot heranfährt und den Tanker beschädigt, so dann machen sie nichts. Jetzt muss man auf der anderen Seite aber auch sagen, moderne Tanker haben eine doppelte Hülle.

Das heißt also, selbst wenn in der äußeren Hülle ein Loch ist, würde das Schott zunächst mal zugehen. Solange sie die innere Hülle nicht beschädigen, würde erstmal nichts passieren. Also im Prinzip, so ein Tanker ist auch nicht allzu leicht zu versenken. Also das sind schon robuste Schiffe. Aber ich glaube, die psychologische Komponente, die ist hier sehr viel stärker. Und Sie sehen, die funktioniert ja auch. Also normalerweise haben wir in Hormuz etwa 60 Tanker-Passagen pro Tag. Plus noch vielleicht 20, 30 andere Schüttgut- und Massenfrachter. Und im Moment haben wir fünf pro Tag. Und die gehen nur nach China. Also das ist schon ein ernsthaftes Problem. Das war es übrigens auch damals im iranisch-irakischen Krieg. Und da kam es ja dann tatsächlich auch zu...

Mit maritimen Eskorten. Also man hat dann für die kowaltischen Tanker Eskorten organisiert von der US Navy. Ich erwarte, dass das auch diesmal so kommen wird. Weil ich meine, gut, Sie haben jetzt diese Ölreserven von der IEA hier losgelassen. Okay, das ist jetzt ein Beruhigungspflaster für den Markt. Aber der Markt wird so lange unruhig bleiben, bis diese fundamentale Frage gelöst ist. Sehen Sie auch heute wieder, der Ölpreis geht wieder auf über 100. Weil der Markt quasi diese verbale Intervention nicht so wirklich glaubt und sagt, Ja, aber the underlying problem, oder? Es ist immer noch da. Ja, Herr Kolb, auch das ist eine interessante Zahl. Medienberichte haben das jetzt ermittelt und bestätigt. Die erste Woche von dieser Militäroperation der USA in Iran hat die USA 11,3 Milliarden US-Dollar gekostet. Um mal auf unsere Stream-Frage zurückzukommen. Was glauben Sie, hat Trump das auf dem Schirm gehabt? Hat er das kalkuliert oder hat er sich verkalkuliert? Also auf die Gefahr hin, dass es jetzt etwas schwarzhumorisch wirkt. Aber das ist viel Geld für uns nach europäischen Maßstäben. Jetzt müssen Sie denken, das amerikanische Kernverteidigungsbudget sind ungefähr 750 Milliarden. Wenn Sie alle Nebenposten noch dazu nehmen, etwa 900 Milliarden. Das heißt, für die Amerikaner ist das eigentlich keine besonders tiefe oder große Ordnung, die sie da eingehen müssen. Aber der Schaden, der bemisst sich halt mehr in wirtschaftlicher Hinsicht. Und das, glaube ich, hat Trump nicht auf den Schirm. Wenn Sie sich nur mal überlegen, versuchen Sie mal, das einfach auszurechnen.

Ein globaler Ölmarkt sind ungefähr 100 Millionen Barrel pro Tag. Davon gehen 20 Prozent durch die Straße von Hormuz. Also fehlen Ihnen jetzt jeden Tag 20 Millionen Barrel. So, wie schließen Sie die Lücke? Jetzt sagen wir, okay, was geht denn durch? Es geht nach Indien, es geht nach China. Lassen wir uns mal drei Millionen sein. Da haben wir noch 17 zu füllen. Dann haben wir die saudische Ost-West-Pipeline. Wenn die auf voller Kapazität ist, ist sie auf sieben Millionen. So, dann haben wir immer noch 10 zu füllen. Jetzt kommt die IEA und sagt, Record Release, ja, 400 Millionen. Okay, gut, aber das reicht ihnen auch nicht ewig.

Irgendwann ist das Tanklager leer und was machen sie dann? Also ich komme zurück zu dem, was ich ursprünglich gesagt habe. Das sind im Moment Trostpflästerchen für den Markt, aber der Markt glaubt das nicht. Und das Interessante ist, und ich glaube, das frustriert Trump jetzt auch ein bisschen, wenn sie jetzt noch mehr Missiles auf den Iran schießen, Das können Sie gerne machen und damit noch tausend militärische Ziele mehr herausnehmen. Aber das löst Ihnen die Frage der Straße von Hormuz nicht. Und der Iran ist eben auf diese Art von asymmetrischer Kriegführung spezialisiert. Also der weiß ganz genau, das habe ich auch bei Ihnen letztes Mal in der Sendung gesagt, der kann den Amerikanern nichts Gleichwertiges entgegensetzen. Also im Sinne von konventioneller militärischer Macht. Aber er kann ihnen ökonomisch beziehungsweise ihren Verbündeten so wehtun, dass Trump halt irgendein Exit-Szenario braucht. Also wenn Sie jetzt überlegen, Sie sind der Irak, Ihnen sind gerade 70 Prozent Ihrer Staatseinnahmen weggebrochen. Sie sind Katar, kein einziger LNG-Tanker geht mehr raus. Sie sind Kuwait, Sie machen jetzt Ihre Lager voll, also Ihre Tanks, ja und dann, dann müssen Sie die Produktion runterfahren.

Ich habe ja letztes Jahr in meinem Buch Spurwechsel versucht, zu diesem ganzen Komplex Nahosten und Iran auch ein bisschen so zu entwirren und das in Zusammenhang zu stellen mit Russland.

Und ich sage immer wieder, man darf diese Region nicht übersimplifizieren. Die ist viel, viel komplexer, auch historisch geht die viel, viel weiter zurück, als eben so manche simple Menschen sich das vielleicht denken. Der Iran ist kein Ein-Personen-Regime, das man einfach so beseitigen kann, wie Maduro zum Beispiel. Es ist keine Diktatur wie die von Hussein, die einfach zusammenbricht, wenn man da reingeht. Es gibt Millionen im iranischen Volk, die diese Theokratie unterstützen, die auch sehr, sehr konservative Ansichten haben, was die Gesellschaft angeht. Also das ist alles nicht so simpel. Und ich glaube, Trump hat sich da wirklich, ja, stellenweise schon, also ich will jetzt nicht sagen verkalkuliert, aber ich glaube, diese Komplexität, die war ihm nicht klar. Und jetzt braucht er irgendein Existszenario, wie er rauskommt. Ja, da schließt sich jetzt gleich die andere Zuschauerfrage noch an. Kann ihm dann diese Situation jetzt noch irgendwie gefährlich werden? Die Termwahl steht ja auch bald an. Ja, natürlich. Also Midterm sind das eine Thema. Wir können aber auch zurückschauen in die Geschichte, also nochmal in den Tanker War, weil die Frage, glaube ich, die wird sich von seinen Verbündeten am Golf stellen. Also insbesondere damals war es ja Kuwait, das auch damals gesagt hat, ja, aber unsere Exporte kommen nicht raus und ihr braucht irgendwie das Öl. Und damals waren die USA ja auch noch Netto-Importeur von Öl.

Und eben dann kam man auf die Idee, was wir jetzt machen, ist, wir flaggen diese Tanker um. Also wir machen aus den Kowaltischen amerikanische. Und dann werden die von der US Navy eskortiert. Das hat man dann wirklich so gemacht, 1987, in der Schlussphase des Tanker War.

Und jetzt hören Sie natürlich Widersprüchliches aus Washington, weil wenn Trump zugeben muss, dass sein Konzept nicht funktioniert. Also ja, er sagt, the war is over und der Iran sagt, nö. War is not over. Jedenfalls nicht, solange wir auf eure Schiffe schießen können. Dann muss er irgendeine Art von Eskorte organisieren. Es wird ihm nichts anderes übrig bleiben. Und das ist teuer, das muss er erklären. Das dauert Wochen, sowas zu organisieren. Und insofern würde ich sagen, hat der Iran durchaus Verhandlungsmasse. Also sie könnten jetzt auch sagen, lieber Iran, was können wir dir anbieten, damit du unsere Schiffe durchlässt? Und das hält den Iran im Spiel. Also es ist nicht so schwarz-weiß, wie Trump das versucht darzustellen. Ich will mit Ihnen nochmal kurz auf die Ölpreise schauen. Aus der Nordsee stammt die primäre Ölquelle für die Europäer, Brent und WTI, das amerikanische Öl und Ralt, die russische Ölsorte. Die russische Ölsorte liegt immer unter den anderen beiden, ging jetzt auch Anfang März mal kurz nach oben, liegt jetzt aber final auch schon noch deutlich unter den anderen beiden Werten.

Hat das was damit zu tun, dass die Russen seit zwei Wochen sich sehr, sage ich mal, still verhalten, weil sie eigentlich davon profitieren? Profitiert Putin von dem Iran-Krieg? Also er profitiert kurzfristig auf jeden Fall, das kann man schon sagen. Aber das ist nicht der Grund, warum Urales tiefer liegt. Urales wird einfach am Weltmarkt mit Discount gehandelt. Und es liegt daran, dass sie halt nicht mehr viele legale Möglichkeiten haben, russisches Öl zu kaufen. Also sprich, die Schiffe, auf denen das geliefert wird, also die sogenannte Schattenflotte, sind ja sämtlich sanktioniert. Wenn sie als Trader das Ganze kaufen, dann werden sie angeguckt von den Amerikanern, was machst du denn da? Dann müssen sie das umgehen über Scheinfirmen und so weiter. Also das kostet alles Geld, oder? Und das heißt, als Trader verlangen sie halt einen Abschlag, wenn sie sagen, okay, ich lasse mich breitschlagen und ich kaufe jetzt Urals. Also insofern hat es mit Discount gehandelt. Aber Sie sehen natürlich an der Preisexplosion, dass Putin sich jetzt kurzfristig freuen kann, weil höhere Öleinnahmen heißt natürlich auch höhere Steuern auf Mineralprodukte. Und die fließen ja in den russischen Staatshaushalt. Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, das sehen wenige im Moment.

Ist, dass ein hoher Ölpreis natürlich auch dazu führt, dass der Rubel aufwertet. Also dass der Rubel stärker wird, was es wiederum viel attraktiver macht, Importe zum Beispiel aus China. Zu kaufen. Und die russische Wirtschaft, vor allem der Konsumgütersektor, wird ja fast ausschließlich aus China bedient. Das heißt, ironischerweise kriegen jetzt die russischen kleinen und mittleren Unternehmen ein Problem, weil die jetzt plötzlich sagen, ja, Moment mal, aber unsere heimische Produktion, die ist jetzt teurer, beziehungsweise ist nicht mehr wettbewerbsfähig, weil jetzt hier Aufwertungsdruck beim Rubel besteht. Also sprich, für den derzeitigen Zustand der russischen, vor allem der zivilen Wirtschaft, ist der Rubel eigentlich viel zu stark und müsste eigentlich abwerten. Jetzt passiert aber das Gegenteil. Also das muss man auch sehen.

Aber kurzfristig kriegt jetzt Putin sicher mal so ein paar Tage Taschengeld, weil er halt sein Staatsbudget entlasten kann. Und jetzt ist halt die Frage, wie lang hält diese Situation an? Und ich sage ja immer, am Ende des Tages zählt nicht, was irgendwelche Politiker sagen. Am Ende des Tages zählt, wie entwickelt sich der Kurs. Und solange der Ölpreis nicht deutlich zurückfällt, also wieder in Richtung 70 Dollar, so dann glaubt der Markt nicht, dass der Krieg vorbei ist. Und das ist das eigentliche Problem. Aber Stichwort Taschengeld für die Russen, da gibt es ja noch was anderes, von dem Putin gerade profitiert, nämlich die US-Entscheidung, dass Indien vorübergehend erlaubt, bei den Russen wieder Öl einzukaufen. Das sollte für Marktberuhigung sorgen, so zumindest das US-Ministerium. Wie sehr stärkt das denn jetzt auch Russlands Rolle mit Blick auf den Ukraine-Klick?

Ja, das ist halt alles so Teil dieser Pflästerchen-Politik, wo man versucht, den Markt irgendwie zu beruhigen mit verbalen Interventionen und so weiter. Also man muss zu Indien halt wissen, der Hintergrund, was Trump ja eigentlich wollte und auch erfolgreich umgesetzt hat, war, dass Indien kein russisches Öl mehr kauft, Klammer auf, und dafür amerikanisches oder venezuelanisches. Klammer zu. Das ist ihm ja auch wirklich gelungen. Er hat ja auch Indien bedroht mit Sanktionen und Zöllen und so weiter. Und dann sagt Indien, wunderbar, kaufen wir kein russisches Öl mehr. Und jetzt sehen sie, eben weil diese Militärintervention nicht so funktioniert, wie Trump sich gedacht hat. Jetzt muss er quasi zurückkrebsen und sagen, okay, ihr kriegt 30 Tage ein Waiver. Also 30 Tage sehe ich jetzt davon ab, hier euch zu bestrafen, wenn ihr russisches Öl kauft. Das hängt damit zusammen, dass die USA natürlich versuchen, Indien immer so ein bisschen zu umwerben. Also, dass die nicht abdriften in Richtung Russland-China. Aber ich würde sagen, wenn das Ziel ist, damit den Ölpreis zu senken, dann wird das nicht funktionieren. Und wenn Sie jetzt sagen, was heißt das für die Ukraine? Also natürlich heißt das, das russische Staatsdefizit wird damit etwas vermindert, weil Russland jetzt mehr Einnahmen erhält, das schon. Es ist jetzt aber nicht so, dass der Krieg deswegen billiger wird, sondern die russische Kriegswirtschaft, die verschlingt natürlich laufend weiterhin Personal und Material und muss weiter produzieren. Also ich würde sagen, Entlastungseffekt ist für das Staatsbudget da.

Aber nicht eigentlich für die Kriegsanstrengung. Die Ukrainer haben ja auch zuletzt verstärkt wieder russische Raffinerien ins Visier genommen, auch mitunter getroffen. Kann man einschätzen, wie sehr das die Russen getroffen hat? Ja, also was ich immer sage, das eigentlich Überraschende ist ja nicht so sehr, dass sie überhaupt das machen, weil die Missiles dafür haben sie. Das Überraschende ist, dass diese Missiles durchkommen. Also teilweise über 2000 Kilometer bis ins Kernland der russischen Industrie, bis in weit entfernte Regionen und da auch noch sehr genau treffen. Das ist das eigentlich Überraschende. Also ich meine, okay, Sie kriegen natürlich so einen riesigen Flächenstaat nie komplett dicht, was den Luftraum angeht. Aber wenn Sie die, ich frage ja immer, what air defense doing, wenn ich sowas sehe. Also wenn Sie die heutige russische Luftverteidigung vergleichen mit der damaligen sowjetischen, dann ist das ein Witz. Also Sie kommen durch. Natürlich schicken die nicht nur eine Missile los. Sie schicken 20 los, von denen werden 18 abgeschossen, aber zwei kommen halt durch.

Und wenn Sie das jetzt über längere Frist machen, dann muss man eben auch ... Und das ist ja auch, was ich immer sage, die physische Komponente mit hineinnehmen. Also sprich, selbst wenn Öl 200 Dollar kosten sollte, dann bringt es Ihnen das immer noch nichts, wenn Sie keinen Hafen mehr haben, wo das Ding aufs Schiff geht oder keine Raffinerie mehr, die das Ganze irgendwie verarbeiten kann. Deswegen nennt die Ukraine das so schwarzhumorig Realsanktionen. Also sprich, wir müssen über Preise nicht mehr reden, wenn ich einfach da eine physische Kapazität rausnehme, das Öl überhaupt zu verarbeiten oder zu verschiffen. Deswegen haben sie ja auch zum Beispiel Navarro-Siyizk beschossen, also den mit Abstand größten Ölhafen. Ist ein Riesenkomplex, aber immerhin, sie haben ein Terminal getroffen. Also Sie sehen, das geht, sie kommen durch die Luftverteidigung. Und das sollte Putin, glaube ich, mehr Sorgen machen. Hier sehen wir auch gerade nochmal die Region, von der Sie gerade gesprochen haben, wo dieser Hafen liegt. Naja, das könnte man dann als Teilerfolg werten oder ist das so ein homöopathischer Tropfen für die Union? Na, homöopathisch ist es nicht. Aber Sie sehen natürlich, was das für eine riesige Hafenanlage ist. Also es wird dort nicht nur Öl verschifft, sondern natürlich alles, was Sie normalerweise aus Russland kriegen. Also Metalle, Dünger, Schüttgüter und so weiter. Aber da sehen Sie jetzt den Einschlag, oder?

Das ist schon bemerkenswert. Also Sie müssten natürlich noch sehr viel mehr solcher Schläge durchführen, wenn Sie den Hafen Navarro-Syisk insgesamt rausnehmen wollten. Das muss man auch sehen. Also es ist ein Riesenkomplex, der nicht nur aus einem Terminal besteht. Aber nochmal, das eigentlich Überraschende ist, dass die Ukraine überhaupt diese Ziele trifft und dass sie nicht abgefangen werden von der Luftverteidigung. Es gibt jetzt noch ein paar Themen, die unsere Zuschauer interessieren, Herr Kohl. Fangen wir mal mit dem Thema Venezuela an. Da gibt es verschiedenste Fragen dazu. Einmal kann Venezuelas Rückkehr auf den Ölmarkt den Preis wieder runterdrücken. Sollte Trump mit Venezuela irgendwie versuchen, einen Deal zu machen? Das sind zwei Auszüge von etlichen Fragen zum Thema Venezuela. da was denken.

Also ich meine, das, was vom Maduro-Regime noch übrig ist, das hat sich mit Trump jetzt arrangiert. Also insofern würde ich sagen, Deal ist unnötig. Aber die Frage stellt sich eher auf der physischen Seite. Also sprich, die venezuelanische Ölindustrie, die ist ziemlich abgewirtschaftet. Wenn Sie die wieder rauf fahren wollen, auf volle Kapazität, das dauert also würde ich sagen sicher ein Jahr, bis Sie da mal oben sind. Das heißt, das reicht Ihnen nicht. Also wenn Sie jetzt sagen, Straße von Hormuz bleibt länger zu für den westlichen Ölverkehr, dann können Sie das nicht mit Venezuela substituieren. Es kommt auch noch eine physische Komponente dazu.

Venezuelanisches Öl ist sogenanntes schweres Öl. Das heißt, es ist sehr viskos und hat einen hohen Schwefelanteil. Es sagt sauer dazu. Das heißt, es gibt ja nicht nur eine Ölsorte, die für alles geht, sondern sie können jetzt nicht ohne weiteres Sweet Crude ersetzen mit venezuelanischem Schweröl. Das kommt noch dazu. Also insofern Substitutionen in sehr geringem Umfang, aber sicher nicht, was das Volumen der Straße von Haumus angeht. Letzte Frage, das könnte man da, also das fasst auch nochmal einiges zusammen. Was wäre denn jetzt die beste Lösung in dem Konflikt? Da gibt es auch noch eine andere Frage. Sind es US-Bodentruppen, die das jetzt nochmal zusätzlich lösen sollen? Sind es noch mehr Raketen? Es ist ein dritter Flugzeugträger. Was glauben Sie?

Ja, es ist halt die Frage. Also wenn Sie sowas anfangen, würde ich sagen, wäre es gut, man denkt über ein Exit-Narrativ nach, bevor man das anfängt. Der Fehler ist Putin ja auch unterlaufen nach dem Motto, drei Tage Spezialoperation, dann ist die Sache gelaufen. Klingt jetzt zynisch, aber Trump hat jetzt das gleiche Problem. Also sie können 5000 militärische Ziele beschießen, Flugzeuge, Schiffe rausnehmen. Das heißt aber nicht, dass sie deswegen operativen Erfolg haben. Also ich sehe im Moment keine andere Alternative als eine Wiederauflage des Tanker War, wie wir ihn in den 80er Jahren gehabt haben, dass es irgendwann maritime Eskorten gibt, weil... Warum sollte der Iran freiwillig einlenken? Die Straße von Hormuz ist das wirklich starke Druckmittel, das er hat, das wirklich wehtut. Und selbst wenn er militärisch sehr stark getroffen wird, das macht nichts, da kann er Druck ausüben. Und da müssen sie wirklich sehr starke amerikanische Marinepräsenz hineinbekommen. Und ich denke, irgendwann wird der Weltmarkt halt sagen, ja, es tut mir leid, ihr habt jetzt 400 Millionen Barrel hier freigegeben. Ja, aber irgendwann ist das Tanklager leer. Und ich sehe keine andere Möglichkeit, wie sie das Problem beseitigen sollen. Das hat man damals in den 80ern so gemacht. Ich denke, man wird es wieder so machen müssen.

Iran habe also die Straße von Hormuz als größtes Pfand gegen die USA in der Hand. Militärisch könne Teheran Washington hingegen nichts Gleichwertiges entgegensetzen. Das Regime werde also weiter auf diese asymmetrische Kriegsführung setzen. Kurzfristig bedeutet das frisches Geld für Russlands Kriegskasse. Militärökonom Markus Kolb spricht von ein paar Tagen Taschengeld für Präsident Putin. Jede Woche reden wir in unserem Ukraine-Update mit Experten, unseren Korrespondenten und Reportern über die Entwicklungen und Hintergründe im Krieg. Mit detaillierten Karten analysieren wir die Lage an der Front. Schaut gerne auch mal rein auf YouTube oder bei uns in der ZDF-Heute-App. Dann könnt ihr auch eure Fragen an unsere Gesprächspartner stellen. Danke, dass ihr heute mit dabei wart. Bis zum nächsten Mal bei Militär und Macht, die Analyse.