ZDF heute. Militär und Macht. Die Analyse. Schön, dass ihr bei unserem Ukraine-Update dabei seid. Ich bin Jessica Sahedi und an dieser Stelle sprechen wir jede Woche über die aktuellen Entwicklungen und Hintergründe zum Krieg in der Ukraine. Trump hatte ja angekündigt, den Krieg als Präsident innerhalb von 24 Stunden beenden zu wollen. Doch bis jetzt ist weder ein Kriegsende noch eine umfangreiche Waffenruhe in Sicht. Ist Trumps Friedensplan gescheitert? Darüber spreche ich in dieser Folge mit dem ehemaligen US-Generalleutnant Ben Hodges. Zuerst wollte ich von ihm wissen, inwiefern der russische Präsident Putin Trump vielleicht auflaufen lässt, weil die Friedensverhandlungen nicht vorankommen.
Ich glaube, es ist ganz klar, solange Wladimir Putin noch lebt, wird Russland niemals zustimmen, dass es ein Ergebnis gibt, wo die Ukraine als souveräner Staat überlebt. Selbst der Gedanke, dass die Ukraine souverän ist, ist etwas, was Putin nicht will. Russland hat kein Interesse an einer legitiven Lösung dieses Konfliktes. Konflikt ist der amerikanische Präsident, ist entweder naiv oder dumm. Herr Wittkopf scheint völlig inkompetent zu sein als Sondergesandter. Das Weiße Haus nimmt die Seite des Kremls ein. Herr Wittkopf, der benutzt die Argumente des Kremls sogar noch besser als Minister Lavrov. Das Weiße Haus hat klar gemacht, auf welcher Seite sie stehen. Und die Ukraine wird natürlich ein schlechtes Ergebnis nicht akzeptieren. Jetzt haben ja sowohl Trump als auch Whitcoff gesagt, dass Sie der Meinung sind, dass Putin Frieden will. Welche Mittel haben Sie denn, ihn auch dazu zu bewegen?
Wissen Sie, die Leute in Sumi sind sicherlich Zeugen dafür, dass die Russen keinen Frieden wollen. Nichts, was wir da sehen wollen.
Aber Präsident Trump hat Möglichkeiten, wenn er die auch nutzen will, mehr als er das letzte Mal Präsident war. Er könnte natürlich dem Kreml sagen, wenn ihr nicht in gutem Glauben verhandelt und wenn ihr euch nicht an Verhandlungsergebnisse haltet, dann könnten die USA, der Ukraine alle möglichen Waffen geben ohne Einschränkungen. Das wäre eine Möglichkeit. Du könntest auch sagen, dass er praktisch die russische Öl- und Gasindustrie zerstört, sodass es für Russland sehr schwierig wäre, nach Indien und China Öl und Gas zu exportieren. Und es gäbe natürlich noch mehr Sanktionen, die er aufrufen könnte gegen Russland. Also der Präsident, obwohl ich skeptisch bin, wenn er sich genug ärgert darüber, dass der Kreml nicht wirklich in gutem Glauben verhandelt und dass sie ihn übertölpeln, dann wird er vielleicht eine scharfe Rechts- oder Linkskurve nehmen und seine Haltung verändern. Und das wäre dann ein echtes Problem für die Russen. Aber ich glaube, die Russen sind skeptisch, dass er das jemals tun wird. Sie haben gerade einige Druckmittel aufgezählt, die Präsident Trump einsetzen könnte. Warum tut er das nicht? Warum tut er das noch nicht?
Das ist eine gute Frage. Ich selber habe bis jetzt nicht wirklich verstanden, warum es so scheint, dass Präsident Trump so ein weiches Herz für Präsident Putin hat. Er hat Präsident Zelensky für den Krieg verantwortlich gemacht, obwohl es Putin war, der 2014 bereits eine Invasion gemacht hat in der Ukraine, lange bevor Zelensky Präsident wurde. Und irgendwie stellt sich Präsident Trump vor, dass er und Wladimir Putin und vielleicht auch Präsident Xi die drei Weltführer sind, die die Welt unter sich aufteilen können. Präsident Trump interessiert sich nicht für die Ukraine und ich glaube, er respektiert auch Europa nicht wirklich. Ich könnte mir vorstellen, ich weiß es nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass es ein Szenario gibt, wo Präsident Trump einfach sagt, wir nehmen Nordamerika und Grönland und Kanada noch dazu und das wird dann der Bereich für die USA sein und unsere Einflusssphäre und die Russen bekommen Europa und die Chinesen den Indopazifik.
Das scheint weit hergeholt zu sein und ich hätte mir nie im Leben vorgestellt, dass ein amerikanischer Präsident so viel Sympathie zeigen würde für einen russischen Führer, Aber auf der Grundlage dessen, was wir vor uns sind, scheint es tatsächlich so zu sein. Tatsächlich erlebt man zurzeit vieles, was man sich so nicht hätte vorstellen können. Nun scheint aber auch im Weißen Haus langsam klar zu werden, dass es eine schnelle Lösung mit Russland wohl so nicht geben wird. Halten Sie es wahrscheinlich, dass es auch so sein könnte, dass Trump dann einfach das Interesse an der Lösung dieses Konflikts, dieses Krieges verliert und sich komplett zurückzieht?
Ich glaube, das ist eine Möglichkeit. Ich glaube, Sie haben recht. Also ich glaube, es gab da eine gewisse Arroganz darin, dass der Präsident sagt, er würde in den ersten 24 Stunden den Krieg beenden. Er versteht weder die Geografie noch die Geschichte. Er versteht auch nicht die Grenzen seiner eigenen Macht oder der Macht der USA.
Er ruiniert die Beziehungen zu unseren Bündnispartnern, was es noch schwieriger macht, eine friedliche Lösung für diesen Konflikt zu finden. Und ich glaube, wie wir an dem schrecklichen Tag, glaube ich, am 6. März gesehen haben, als Präsident Zelensky im Oval Office war und ich als Amerikaner sah, dass mein Präsident, mein Vizepräsident, den Führer eines demokratischen Landes, Präsident Zelensky, die anschrien, jemand, der um sein Überleben kämpft. Und Präsident Trump sagte, du hast keine Chancen, du kannst nicht gewinnen. Aber unsere Geschichte ist ja voll von Beispielen, wo kleinere, schwächere Nationen in der Lage waren, größere Nationen zu besiegen. Die Taliban hatten keine Chance, aber sie haben uns zu Verlierern gemacht. Und das gleiche gilt für den Vietcong in Vietnam damals. Der Präsident hat mit seinem Vizepräsidenten damals an diesem Tag gezeigt, dass er nicht versteht, warum die Ukraine um das eigene Überleben überhaupt kämpft. Lassen Sie uns über die militärische Situation in der Ukraine sprechen. Russland terrorisiert aktuell die ukrainische Zivilbevölkerung besonders stark. In welcher Lage sind die ukrainischen Streitkräfte?
Wie wir von General Kavoli vor zwei Wochen gehört.
Der Oberkommandierende in Europa, der sprach als Zeuge vor den Verteidigungsausschüssen im Senat und im Kongress. Und er sagte, dass auf dem Schlachtfeld die Ukraine besser dasteht und Russland ist schwach und kann das nicht weiterhin so durchhalten. und Russland hat keine Überlegenheit in der Luft. Das ist ja der erste Job, den man erledigen muss. Und die russische Schwarzmeerflotte hat einen tollen Namen, aber man sieht sie nicht. Die existiert praktisch gar nicht als Faktor des Krieges. Und Russland hat nicht die Möglichkeiten, die Ukraine aus dem Krieg herauszukicken. Das Einzige, was den Russen noch bleibt, ist die zivile Infrastruktur in der Ukraine anzugreifen und unschuldige Zivilisten wie am letzten Sonntag anzugreifen und zu töten. Mein Präsident würde darauf sagen, dass er, also er sagte, er glaubte, dass das wahrscheinlich nur ein Fehler war und dass es nicht die Absicht der Russen war und absichtlich ignoriert er die Wahrheit oder er ist nicht kompetent genug, die Wahrheit zu verstehen. Letztlich ist es so, dass die Ukraine nicht besiegt werden wird in diesem Krieg durch Russland. Was ich nicht weiß, ist, wie viel länger die Ukrainer so weitermachen können. Aber sie wissen, was passiert, wenn sie aufhören zu kämpfen. Und ich glaube nicht, dass die aufhören werden.
Bevor Ben Hotches gleich die angebliche Beteiligung von chinesischen Staatsbürgern im Krieg gegen die Ukraine analysiert, habe ich mit unserer Reporterin Alisa Jung gesprochen. Sie ist in Kiew und berichtet darüber, wie der Krieg das Leben der Menschen im Alltag bestimmt. Außerdem habe ich mit ihr über die Vorbereitungen zu Ostern gesprochen. Zuerst wollte ich aber von ihr wissen, wie die Menschen in der Ukraine die jüngsten Angriffe Russlands erlebt haben. Ja, gerade in den letzten Tagen haben sich in den ukrainischen Städten in mehreren Teilen des Landes die Raketen- und Drohnenangriffe wieder intensiviert. Und so wurde, du hast es angesprochen, Nipro getroffen, darunter auch ein Gebäude der Universität zum Beispiel. Es war ein Angriff mitten ins Stadtzentrum am Palmsonntag, letzten Sonntag. Auch ein besonders schlimmer, ein besonders heftiger Angriff auf Sumi. Auch über den habt ihr schon kurz gesprochen.
Auch da hat es Konsequenzen gegeben, dazu möchte ich gleich kommen. Aber zu den Zahlen auch nochmal, da sind 35 Menschen gestorben, getötet worden, darunter zwei Kinder und über 100 verletzt worden. Auch das war ein Angriff mitten in die Stadt. Was jetzt hier aber dazu kommt, war, dass wohl in der Innenstadt eben auch eine Ehrung stattgefunden haben soll, eine Ehrung von Soldaten. Das hat dazu geführt, dass jetzt der Gouverneur von Sumi entlassen worden ist aus seinem Amt. Denn es gab hier scharfe und heftige Kritik an dieser Veranstaltung, weil man gesagt hat, man hat ja hier eine gefährliche Situation. Man hat sich zum Ziel gemacht für Russland und Russland nutzte das ja auch gleich prompt und sagte, ja, man hätte hier ja ein militärisches Ziel angegriffen. Aber was wichtig ist zu wissen, Russland hat an diesem Palmsonntag in Sumi mit zwei Raketen binnen kürzester Zeit innerhalb von wenigen Minuten angegriffen und somit dann auch die Ersthelfer, die vor Ort hingeeilt sind, um eben Menschenleben zu retten, hat die dabei getroffen. Es sind Zivilisten in ihren Autos, in einem Stadtbus verbrannt. Ein ganz furchtbarer Angriff auf die Stadt. Und wir sehen eben, dass auch wenn es keine Begründung für militärische Angriffe gibt, wir sehen, dass das täglich ein Motiv auch Russlands ist, die Zivilisten der Ukraine zu treffen. Du hast es gesagt, der Angriff von Sumi ist am Palmsonntag passiert. Fürchtet man in der Ukraine zum Osterfest jetzt nochmal eine Verstärkung der russischen Attacken?
Der ukrainische Präsident, der hat gesagt, dass er jetzt auch wieder Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine befürchtet, sprach da eben von Geheimdienstinformationen, die auf Angriffe vor und nach Ostern hindeuten. Ende März wurde ja eine Teilwaffenruhe, eigentlich muss man sagen, vereinbart für Energieinfrastruktur in der Ukraine und in Russland. Aber die Ukraine sagt, seitdem hätte Russland das schon 30 Mal gebrochen, diese Vereinbarung. Und so fürchten jetzt natürlich schon einige, dass das auch wieder heftig werden könnte an Ostern.
Gleichzeitig möchten viele das Osterfest so gut es geht auch irgendwie feiern. Das ist hier ein großes, ein besonders wichtiges Fest, vielleicht sogar das wichtigste Fest für viele Menschen. Und so waren wir heute zum Beispiel auch mitten in Kiew am zentralen Platz, in der zentralen Kirche, haben dort das Oberhaupt der ukrainischen Kirche dabei beobachtet, wie er den Osterkuchen, den traditionellen, gesegnet hat. Denn viele Menschen werden für diese Segnung am Wochenende auch erwartet. Diese Kuchen, die heute gesegnet worden sind, dieses Osterbrot, das soll an die Soldaten an der Front gehen, um ihnen auch zu zeigen, man denkt an sie, man dankt ihnen, also die Moral da auch zu stärken. Aber es gibt eben auch ganz klar wirklich hier die Ansage innerhalb der Stadt, die sagen und in vielen Städten der Ukraine, keine Menschenmassen sich bitte über den Tag verteilen, um in die Kirchen zu gehen an Ostern, weil man möchte auf gar keinen Fall, dass es zu großen Menschenansammlungen kommt, weil man eben weitere Angriffe Russlands befürchtet. Jetzt bekommt man ja auch in der Ukraine mit, wie wenig das Weiße Haus aktuell mit seinen Friedensbemühungen vorankommt. Gibt es dennoch immer noch den Glauben oder die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung?
Er ist nicht besonders groß, würde ich sagen. Also sehr viele Menschen sind einfach skeptisch. Es hat sich bislang ja einfach auch wirklich nichts getan. Also jetzt auch bezüglich dieses Treffens in Paris heute von dem US-Außenminister, Frankreichs Präsident, dem US-Sondergesandten Witkow und der ukrainischen Delegation. Da gibt es bislang ja keine Ergebnisse und also auch nichts, was die Menschen hoffnungsvoll stimmen könnte. Ist man also wirklich sehr, sehr skeptisch, sehr verhalten. Der ukrainische Präsident hat sich heute außerdem zu diesem Treffen bei einer Pressekonferenz geäußert und hat da über den US-Sondergesandten Witkow gesagt, er hätte kein Mandat über das Territorium der Ukraine zu verhandeln und er wiederhole das russische Narrativ. Also da auch eine Spitze, ein Angriff gegen die Verhandlungsweise von Witkow. Deswegen muss man wirklich sagen, die Hoffnungen sind hier jetzt aktuell nicht so groß. So also die aktuellen Eindrücke aus der Ukraine, aus der es diese Woche auch eine bemerkenswerte Schlagzeile gab. Soldaten haben chinesische Staatsbürger gefangen genommen, die für die russische Armee gekämpft haben sollen. Präsident Zelensky sagt, er habe Informationen darüber, wie China Russland möglicherweise auch militärisch unterstützt. Hört mal. Wir haben heute allgemeine Informationen des Sicherheitsdienstes und des Geheimdienstes über Schießpulver und Artillerie erhalten.
Und ich denke, wir werden nächste Woche ausführlich darüber sprechen können. Insbesondere darüber, dass Vertreter Chinas auf russischem Territorium an der Produktion bestimmter Waffen beteiligt sind. Um, Herr, fragen wir den ehemaligen Oberbefehlshaber der US-Armee in Europa, Ben Hodges, für wie wahrscheinlich halten Sie das?
Ja, es ist klar, dass China Russland in diesem Krieg unterstützt, obwohl ich nicht glaube, dass China Russland als Alliierten sieht. Und China will keine Unterbrechung des Zugangs zu billigem russischem Öl und Gas. Also die wollen, dass der Status Quo erhalten bleibt. Und sie wollen auch in der Lage sein, die nördliche Handelsroute zu benutzen durch die Arktis. Und die Polarkappe, die verändert sich ja durch den Klimawandel. China liefert sicherlich direkte und indirekte Hilfe für Russland, Komponenten, für Technologien, die Russland durch die Sanktionen sonst nicht bekommen könnte. Die Soldaten dort. Ich weiß nicht, ob da eine Absicht dahinter steht, chinesische Soldaten zu schicken oder ob das einfach die Russen sind, die andere Leute aus anderen Ländern einladen, in Russland zu arbeiten und sie dann zwangsverpflichtend für den Militärdienst. Das zeigt aber, wie verwundbar Russland ist. Russland braucht China, was Leute angeht, was Waffen angeht, so wie Nordkorea den Iran braucht, um militärische Kapazitäten aufzubauen. Ich glaube, Russland hat ein Problem.
Die USA treten aktuell international nicht mehr als zuverlässiger Partner auf. Was bedeutet das aus Ihrer Sicht für das internationale Gefüge, für die Sicherheit?
Das war für mich sehr schwer anzusehen während der letzten Monate. Ich war ja fast 40 Jahre lang in der Armee und die Vereinigten Staaten standen immer hinter den europäischen Bündnispartnern und den kanadischen Bündnispartnern. Es gab politische Meinungsunterschiede, aber es war immer klar, dass die Amerikaner auf der gleichen Seite stehen würden wie die Europäer. Und die Europäer hängen ja ab von den Amerikanern. Jetzt ist alles ganz anders. Selbst nach der Regierung Trump wird es schwierig sein, zurückzukommen zu dem Punkt, wo wir mal waren. Und es wird schwer für die Amerikaner, das Vertrauen unserer europäischen Bündnispartner wieder zu gewinnen. Einige europäische Länder ändern schon ihre Haltung in Bezug auf den Handel mit den USA wegen dieser Zölle.
Und ob die Amerikaner als verlässlich für den Einkauf von Waffensystemen angesehen werden. Im Moment denkt man sich in Europa, vielleicht sind die Amerikaner nicht so verlässlich. Das ist ein Problem für die USA, was wir selber geschaffen haben. Ich kann nur hoffen, dass der Präsident überzeugt wird vom Kongress und von den Leuten, die für ihn arbeiten, dass er aufhört, diesen Schaden weiterhin anzurichten. Wir reden heute Abend über den Friedensplan von Trump, der möglicherweise gescheitert ist. Wie kann es denn aus Ihrer Sicht dazu kommen, dass es einen dauerhaften Waffenstillstand in der Ukraine geben könnte?
Naja, das ist der Punkt, wo die Europäer jetzt auf den Plan treten müssen, denn die Vereinigten Staaten, soweit zumindest, scheinen nicht wirklich einen ernsthaften Plan zu haben, den die Ukraine akzeptieren kann und den Europa akzeptieren könnte und womit Europa leben könnte. Und wegen der Art und Weise, wie das gemacht wird, werden sich die Ukrainer nicht verpflichtet fühlen, das durchzuführen, was die USA und der Kreml verhandeln. Das gleiche gilt für Europa, aber die Europa werden mit den Konsequenzen einer schlechten Lösung umgehen müssen. Und die Europäer müssen zusammenkommen, die Koalition der Willigen. Und im Moment hat man Frankreich und Großbritannien. Die sind jetzt vorangekommen und wollen helfen. Und sie wollen, dass Russland auch einen Waffenstillstand durchhält. Und die deutsche Regierung ist gefragt, wir brauchen eine deutsche Führung und ich hoffe, wenn die neue Regierung antritt.
Sollte Deutschland zumindest als Beispiel die Führung übernehmen, eine Führungsrolle übernehmen. Man muss ja nicht an den Haupttesten schreien und man braucht eine gewisse Stärke und eine Dynamik, um die Ukraine zu unterstützen. Russland wird nicht aufhören, solange Russland nicht gezwungen wird, aufzuhören. Solange Wladimir Putin glaubt, dass er seine Ziele erreichen kann, dann wird er alles dafür tun, egal wie viele Verluste es gibt. Ich glaube, wir brauchen eine starke europäische Anstrengung zur Unterstützung der Ukraine, damit die Russen merken, dass sie keine Chance haben zu gewinnen. Sie haben gerade angesprochen, dass Deutschland eine Führungsrolle übernehmen sollte. Aktuell ist Deutschland zumindest militärisch weit davon entfernt. Was müsste passieren, damit es soweit kommt?
Nun ja, ich sage immer, man muss ein Vorbild sein. Ich weiß, die Deutschen sprechen ungern über Führen und sie wollen nicht zu sehr nach vorn treten. Aber wenn sie mal an ihre Lieblingsfußballmannschaft denken, dann sind die führenden Spieler notwendigerweise nicht die lautesten Leute, aber es sind die, die als Vorbild dienen und die anderen zeigen, in welche Richtung es gehen kann. Und so kann Deutschland auch als Vorbild dienen, als Beispiel.
Und die Fähigkeiten der Bundeswehr sind natürlich auch ein Teil davon und auch die Lieferung an die Ukraine, was die Ukraine braucht, um erfolgreich zu sein. Taurus ist ein gutes Beispiel, aber nicht das Einzige, was Deutschland liefern kann. Und ich denke, ich bin ermutigt durch das, was ich von Herrn Merz gehört habe. Ich gehe davon aus, dass er Bundeskanzler sein wird, aber ich habe auch von anderen Mitgliedern des Bundestages gehört, dass sie verstehen, dass Deutschland etwas tun muss. Ansonsten haben wir eine Situation, wo noch mehr Millionen an ukrainischen Flüchtlingen nach Deutschland kommen. Das führt zu weiteren Störungen von Energie- und Lebensmittellieferungen aus der Ukraine. Und das wird auch ein Problem sein für die europäischen Volkswirtschaften. Das ist jetzt der Test. Deutschland ist der Schlüssel dazu, dass man Europa hilft, diesen Test auch zu bestehen. Sie haben es gerade angesprochen, wenn alles soweit klappt, dann hat Deutschland Anfang Mai eine neue Regierung mit einem Kanzler Merz, der ja in der Vergangenheit als Befürworter von Taurus Lieferungen galt. Hier gibt es eine Frage aus dem Chat. Die Frage lautet, würden Sie, Herr General Taurus, in die Ukraine liefern? Würden Sie das befürworten?
Sofort. Ohne Zweifel. Die Ukraine ist ein demokratisches Land, das für sein Überleben gegen einen Aggressor, ein autoritäres Russland kämpft. Die Ukraine hat das Recht, sich selbst zu verteidigen. Ich denke, es ist unsere Pflicht, ihnen zu geben, was sie brauchen, um sich selbst zu verteidigen. Dazu gehört auch Taurus. Und natürlich auch die Genehmigung, Taurus dort zu nutzen, wo die besten Ziele sind, selbst wenn sie in Russland sind. Denn Russland tötet unschuldige, unschuldige Ukrainer jeden Tag. Die benutzen Raketen, die aus der Mitte Russlands abgefeuert werden. Und moralisch und rechtlich ist es richtig, die Ukraine in den Stand zu versetzen, dass sie Taurus und andere Langstreckenwaffen bekommt, um damit Ziele in Russland oder sonst wo anzugreifen. Es gibt noch einen weiteren Kommentar im Chat. Da heißt es, Europäische Armee plus NATO, das wäre doch ein guter Anfang. Wäre das ein Weg für einen dauerhaften Waffenstillstand in der Ukraine?
Also die Ukrainer wissen ja, dass Russland sich nie an irgendeine Verhandlungslösung halten wird. Es sei denn, sie werden gezwungen. Was wir jetzt erreichen müssen und wollen, ist, dass viele Länder hart daran arbeiten, einen Waffenstillstand zu bekommen. Und dann braucht man eine Streitmacht, die in die Ukraine geht und Russland zwingt, sich daran zu halten, so wie die NATO auch 1995 nach Bosnien gegangen ist. So braucht man eine starke Streitmacht mit Deutschen und anderen NATO-Truppen. Wichtig ist, dass es bestimmte Regeln gibt, die es ihnen dann ermöglicht, sofort zurückzuschlagen, wenn die Russen jemals den Waffenstillstand verletzen. Das ist das Schwierige daran. Was für eine Mission, was sollen diese Streitkräfte tun können? Und man muss ihnen Regeln geben, die ihnen bestimmte Dinge erlauben, sodass die Russen entmutigt werden, diesen Waffenstillstand zu brechen. Das ist schwer, das dauert Monate. Erstmal muss man ein Abkommen schließen, dann braucht man eine Truppe, die man in die Ukraine schickt. Die Russen werden das nicht mögen. Aber die Ukraine ist ein souveränes Land. Und wie Präsident Macron sagte, es liegt nicht an Russland zu entscheiden, wer in der Ukraine stationiert wird oder nicht. Das entscheiden die Ukrainer.
Sehen Sie denn die NATO geschlossen genug, um so eine Mission in der Ukraine zu starten?
Ich weiß nicht, denn die Vereinigten Staaten haben ja schon angedeutet, vor allen Dingen der Präsident und Verteidigungsminister Hexeter sagte keine amerikanischen Truppen auf dem Boden dort, wenn es dort so eine Friedenstruppe geben sollte. Und ich bin mir nicht mal sicher, ob die USA als Garantiemacht wirken würden für die Ukraine oder für eine europäische Streitmacht. Und wie Sie und Ihre Zuschauer schon gehört haben, vielleicht wollen die amerikanische Regierung nicht, dass die Europäer der Ukraine hilft. Also es wird wahrscheinlich eine Geschichte sein, eine Truppe sein, die die Europäer und die Kanadier und nur die beinhaltet. Aber wenn man erstmal zurücktritt, also wenn man sich mal die militärischen Fähigkeiten, die Bevölkerung und die Volkswirtschaften anschaut in Europa, dann hat Europa viel mehr als Russland. Also das eine, was da fehlt, ist das Selbstbewusstsein der europäischen Länder. Ich denke, Europa wird sein eigenes Selbstvertrauen wiederfinden.
Dazu gibt es noch eine Frage aus dem Chat von Christel. Sie fragt, warum sichern nicht NATO-Truppen den Norden und den Osten der Ukraine ab, die auch bei Ausbildung, Logistik und Reparatur helfen?
Nationen zustimmen. Die meisten Länder hätten wahrscheinlich zugestimmt oder würden zustimmen, Aber nicht jeder Ungarn, Slowakei und unglücklicherweise die USA würden das nicht unterstützen. Und deswegen denke ich, werden wir eine Koalition der Willigen sehen mit Nationen, die Mitglieder der NATO sein werden oder auch nicht. Die willens sind, ihre Soldaten dorthin zu schicken, um zu helfen, um Russland auch zu zwingen, einen Waffenstillstand zu respektieren. Ich würde auch aktiv, Etwas unterstützen, was manche als Sky Shield bezeichnen, wo man hilft, russische Raketen abzuschießen. Nicht die Flugzeuge, sondern die Raketen, die in die Ukraine einfliegen werden. Wir haben was bei Israel gemacht. Wir haben Israel unterstützt.
Wir haben Israel vor iranischen Raketen geschützt. Und wir haben das auch bei den Houthis gemacht, die mit ihren Raketen die Schifffahrt im Roten Meer bedrohten. Und wenn wir das schon gemacht haben, versteht ich, warum wir das nicht in der Ukraine auch tun können. Vielleicht zum Schluss noch die Frage. US-Außenminister Rubio und der sondergesandte Whitcoff, über den wir auch schon gesprochen haben, die waren heute in Paris bei Präsident Macron. Es waren auch ukrainische Unterhändler dabei und Vertreter anderer europäischer Länder. Nun ist es ja so, dass die USA bisher unter Trump wenig Interesse gezeigt haben, die Europäer mit an den Verhandlungstisch zu holen. Sehen Sie darin Anzeichen, dass sich das jetzt künftig vielleicht doch ändern könnte?
Wieder eine sehr gute Frage. Irgendwann, also Präsident Trump hat ja seinen Namen darunter gesetzt, obwohl er jetzt sagt, das wäre Bidens Krieg gewesen und er wäre nicht schuld und dass es Zelenskys Schuld wäre, dass es den Krieg gibt. Aber während des Wahlkampfs hat Präsident Trump ja gesagt, dass er in 24 Stunden das Ganze lösen kann Und jetzt nach 100 Tagen sind wir noch im gleichen Zustand wie im Januar. Vielleicht wird Trump irgendwann so verzweifelt sein, sein Erbe aufrechtzuerhalten oder zu retten. Und er sieht dann vielleicht auch, dass die Russen ihn übertölpeln, dass er vielleicht seinen Ansatz völlig verändert. Also ich würde jetzt nicht sagen, dass es nicht sein könnte, dass sich dieser Ansatz nicht verändert. Aber so wie die das im Moment machen, wird das nicht funktionieren. Und die ukrainischen Gesandten in Paris werden dem Außenminister Robbio sagen, wer sind sie, dass sie ukrainisches Land, Staatsgebiet anbieten. Die Startposition der Amerikaner war ja, dass die Ukrainer ihr Land aufgeben müssen oder Landstrich aufgeben müssen. Warum? Das ist eine seltsame Taktik, wenn man etwas aufgibt, bevor die Russen sogar die Frage gestellt haben. Und die Russen haben ja heute noch mal gesagt.
Dass bei Verhandlungslösungen, dass sie sagen, dass die Ukraine aufhören muss, ihr Militär zu vergrößern oder Hilfe vom Westen zu bekommen. Nun, es gibt eine ganze Reihe von unglaublichen Forderungen der Russen. Also Außenminister Rubio wird dann natürlich dem widersprechen. Als er ein Senator war, Rubio war ja ein Flüchtling aus Kuba. Aber da war Rubio sehr hart gegenüber den Russen. Er stand hinter der NATO, hundertprozentig. Jetzt scheint er eine andere Person zu sein.
Wird er dann letztendlich Nein sagen zu dem, was die Russen haben wollen? Und er wird sich dann wahrscheinlich an das Interesse halten, was für alle gilt und nicht nur an das Interesse Russlands. Ben Hodges, vielen, vielen herzlichen Dank für Ihre Analyse. Haben Sie noch einen schönen Abend und kommen Sie bald wieder zu uns. Dankeschön. Tschüss. Thank you. Thank you. Happy Easter to everyone. Ich danke Ihnen und frohe Ostern. Soweit also die Analyse von Ex-US-General-Leutnant Ben Hodges. Nach seiner Einschätzung braucht es viele Staaten, die mit mehr Selbstbewusstsein zusammenarbeiten, um einen Frieden in der Ukraine herbeizuführen. Donald Trump könnte sich an dieser Zusammenarbeit beteiligen, sagt Hodges, auch um dessen politisches Erbe zu sichern. Dafür müsste Trump seine Druckmittel härter einsetzen. Und ob er das tun wird, ist weiter offen. Die Sendung findet ihr mit allen Bildern und detaillierten Karten in der ZDF Heute App, im ZDF Stream und auf unserem ZDF Heute YouTube-Kanal. Dort könnt ihr nächste Woche Donnerstag um 19.30 Uhr live dabei sein und eure Fragen an unsere Gäste stellen. Alle Links dazu findet ihr in der Beschreibung. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.
Music.