Hi, ich bin Christina von Ungarn-Sternberg. Schön, dass ihr reinhört. Donald Trump ist wieder da. Die 24 Stunden, in denen er jetzt als US-Präsident den Krieg in der Ukraine direkt beenden wollte, sind vorbei. Stattdessen droht er Russland mit noch mehr Zöllen. Die Kämpfe in der Ukraine gehen derweil unvermindert heftig weiter, etwa in der strategisch wichtigen Stadt Pokrovsk in der Region Donetsk. Hier wehren sich ukrainische Soldaten seit Monaten gegen die russischen Angreifer. Putins Truppen sollen kurz davor sein, die Stadt einzunehmen. Auch an anderen Frontabschnitten stehen die Ukrainer unter Druck. Was bewirken Trumps Drohungen gegen Russland und wie ist die Lage an der Front? Darüber habe ich mit Oberst Markus Reisner von der Theresianischen Militärakademie gesprochen. Er sagt, die Lage für die Ukraine sei weiter prekär. Entscheidend sei jetzt, ob es zwischen Russlands Präsident Putin und Donald Trump zu einem Treffen kommt.

Lassen Sie uns ganz kurz eine Einschätzung treffen hinsichtlich der getroffenen Aussagen von Präsident Trump und auch aus seinem Umfeld. Es war aus meiner Sicht auch wichtig, bereits zu betrachten die Inaugurationsrede, denn in dieser Rede kam kein einziges Mal das Wort Ukraine vor und auch nicht Europa. Und das ist schon ein klares Zeichen, in welche Richtung es möglicherweise gehen kann, nämlich in eine Richtung, wo die Ukraine nicht in dieser Intensität unterstützt wird von den USA, wie das bis jetzt der Fall war. Und das muss uns in Europa sofort zu denken geben, denn irgendjemand muss diese Lücke füllen, wenn man bereit ist, diese Lücke zu füllen.

Wir haben gesehen, wie zu erwarten, dass es also nicht gelungen ist, in 24 Stunden diesen Konflikt zu beenden. Es gab unterschiedliche Signale aus dem Umfeld von Trump und auch von ihm persönlich. Trump hat wiederholt, er möchte diesen Krieg, den er für sinnlos hält, so rasch als möglich beenden. Er hat es auch in mehreren Tweets zum Ausdruck gebracht. Ein Tweet gestern hat für Aussehen gesorgt, wo er versucht hat, auch in einer gewissen Art und Weise dem russischen Volk die Hand zu reichen. Er hat also betont die Leistungen Russlands im Zweiten Weltkrieg, der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg, aber hat auch gleichzeitig gedroht in Richtung Russland, dass es weitere Sanktionen möglicherweise bedarf, bis man zu einer Einigung kommen kann. Auf der anderen Seite muss man ganz klar sagen, Russland sieht sich auf der Siegerstraße. Warum sollten sie jetzt auf diese kurze Distanz faktisch sich wesentlich verändern? Russland, ich habe das schon mehrmals betont, sieht sich auf den Seelower Höhe mit Blick auf Berlin. Und Russland denkt sich, der Westen, der globale Norden, die USA haben die Uhren, aber wir haben die Zeit. Und genau dieses Dilemma sehen wir. Und wir hören auch schon die ersten Signale aus dem Umfeld von Trump, sein Sonderberater, sein Sondergesandter Mr. Kellogg, der also den Auftrag jetzt hat, in den nächsten 100 Tagen diesen Krieg in eine Richtung zu verändern, wo es möglicherweise zu Verhandlungen kommt. Aber wie wir wissen, an der Front ist die Situation prekär. Und die Frage ist, kann die Ukraine diese drei Monate überhaupt noch durchhalten?

Ich habe es gerade schon angesprochen, möchte es gerne noch mal zitieren, hier in den Chats schreiben. Viele User beziehen sich auf diese 24 Stunden. Christian Harten schreibt, Trump wollte den Krieg nach der Wahl binnen 24 Stunden beenden. Gibt es derzeit offizielle Kanäle zwischen Trump und Putin? Direkt gleich eine Frage an Sie. Und Hansen schreibt, 24 Stunden sind nach Trump-Zeit wohl eher 24 Monate oder mehr. Lassen Sie über Trump und Putin uns sprechen. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat Trump heute gesagt, er würde sich, Zitat, wirklich gerne bald mit Präsident Putin treffen, um diesen Krieg zu beenden. Und er hat auch gesagt, die Ukraine sei bereit, ein Abkommen zu schließen. Wie interpretieren Sie das?

Ja, man kann auf jeden Fall davon ausgehen, dass bestehende Kanäle bereits jetzt genützt werden zur Kommunikation. Und das war auch sicher schon in den letzten Wochen, quasi vor der Übernahme der Präsidentschaft durch Trump, der Fall. Wir wissen zum Beispiel, dass durch die Gefangenenaustausche, Rega-Austausch hier passiert. Und wir wissen auch, dass wenn es heikle Situationen gibt, praktisch hier auch die Generalstabschef, die Verteidigungsminister, schlussendlich auch die Präsidenten miteinander sprechen. Und sie können davon ausgehen, dass auch jetzt im Vorfeld bereits erste Sondierungen passiert sind, auch in Vorbereitung eines möglichen Treffens. Das Datum steht noch nicht fest, aber ich denke, man kann davon ausgehen, dass gerade dieses Treffen entscheidet sein wird. Gibt es einen Draht, die die beiden zueinander finden, Trump und Putin? Wenn ja, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich zu einer Einigung kommt, groß. Die Frage ist, ob das quasi jetzt zugunsten der Ukraine ist oder nicht. Und die Frage ist, ob die Europäer bei dieser Einigung auch quasi am Tisch sitzen werden. Aber sie können auf jeden Fall davon ausgehen, dass es hier Gespräche bereits gibt. Dann lassen Sie uns über die Sanktionen sprechen. Neue Strafzölle hat Trump angedroht. Da fragt ein User Michael Herbst, welche Sanktionen hat Trump auf Lager, die Biden nicht hatte? Und was sagt das über Biden aus, dass er bisher nicht alle Hebel in Bewegung gesetzt hat?

Man hat gesehen in den letzten drei Jahren des Krieges, dass die Administration um US-Präsident Biden in ihrem Vorgehen sehr überlegt gehandelt hat und dass man also nicht versuchen wollte, irrationale Handlungen auf russischer Seite tatsächlich zu riskieren. Es gab ja einmal diese Zuspitzung im Oktober 2022, wo im Raumstadt sogar taktische Atomwaffen eingesetzt werden könnten und das hat man also dann entschärft. Ähnliches auch bei den Sanktionen. Man hat gesehen, dass man langsam diese Sanktionspakete von einem Schritt zum nächsten gesteigert hat. Die Sanktionen wirken grundsätzlich auch, aber das dauert einfach Zeit, um sich zu entwickeln. Und wie man erkennen kann, ist es so, dass Russland sich auch hier als harter Gegner erweist und diese Sanktionen nicht so ansprechen, wie man das eigentlich erhofft hat. Man sieht auch, dass die Kriegswirtschaft sehr wohl einen Beitrag leistet für das Entwickeln der innerrussischen Situation. Und wir sehen natürlich auch, dass Russland, das diesen Krieg ja nicht alleine führt, sondern mit Unterstützung auf Abnehmer zählen kann. Und das wird sich vermutlich auch jetzt nicht bei den nächsten Sanktionen wesentlich ändern. Es wird trotzdem große Nationen geben, wie China zum Beispiel, Indien. Denken Sie allein in Indien mit 1,4 Milliarden Einwohnern. Da gibt es einen enormen Ressourcenbedarf. Und das ist natürlich jetzt genau der Moment, wo gerade diese Nationen Nutznisse sind von dieser Situation. Der sogenannte globale Süden, der quasi hier sich auf der Gewinnerstraße sieht.

Gleich geht's weiter mit Oberst Markus Reisner. Werfen wir jetzt einen kurzen Blick auf die Sanktionen, die die USA bereits gegen Russland verhängt haben. Betroffen sind vor allem der Rüstungssektor, Banken und Ölkonzerne. Wie sehr diese Strafmaßnahmen bereits wirken, schätzt unser Russland-Korrespondent Armin Körper so ein.

Das ist ganz schwer zu sagen. Was wir jetzt sehen ist, dass die russische Wirtschaft tatsächlich in Schieflage gerät. Das Wachstum ist immer noch relativ hoch. Das liegt aber daran, dass eben auf Kriegswirtschaft umgestellt und sehr viel Geld in die Rüstungsindustrie gepumpt wurde und noch immer wird. Gleichzeitig sehen wir, dass die Inflation massiv zunimmt. offiziell nähert die Sicht der 10%-Marke. Inoffizielle Quellen sprechen davon, dass die über 20% geht. Auch der Leitzins ist extrem hoch. Das heißt, wir sehen hier eine Schieflage. Ob das jetzt nur an den Sanktionen liegt, da würde ich in Fragezeichen. Das liegt natürlich auch daran, dass Russland zum Beispiel massiven Personalmangel in der Wirtschaft hat, weil es eine massive Abwanderung gegeben hat und weil viele Männer in diesem Krieg kämpfen.

Gleichzeitig muss man sagen, das Problem an diesen Sanktionen, sagen viele Experten, ist eben, dass nicht viele Länder mitmachen oder nicht ausreichend Länder mitmachen. China nicht, die Türkei nicht, Indien nicht, um nur ein paar zu nennen. Denn was Russland exportiert, das sind hauptsächlich Rohstoffe und die brauchen eben viele Länder. Und da kommen wir zu den USA. Auch die importieren noch immer zum Beispiel Rohstoffe, zum Beispiel Metalle, auch vor allem Düngemittel. Da ist Russland der weltweit größte Exporteur. Jetzt hat die beiden Administrationen die Zölle darauf durchaus schon angehoben. Die sind also auf einige Produkte, Entschuldigung, etwa 20 Prozent. Die gehen zum Teil bis 30 Prozent. Jetzt hat Donald Trump ja angedroht gestern, wenn Putin nicht zu einer Einigung bereit wäre, auch diese Zölle weiter anzuheben. Das könnte die russische Wirtschaft empfindlich treffen. Was auch treffen könnte ist, interessant ist, dass Donald Trump ja sein erstes Telefonat mit Saudi-Arabien geführt hat. Saudi-Arabien ist natürlich auch ein Ölland. Russland exportiert noch immer sehr viel Öl und der Ölpreis ist im Moment hoch. Auch jetzt scheint die Strategie der Trump-Administration zu sein, mit anderen Ländern gemeinsam den Ölmarkt zu fluten und damit den Ölpreis zu senken. Und das könnte Russland massiv treffen. Das könnte zu Einbußen, so sehen das Experten heute in Russland, von bis zu 10 Prozent der Exporte führen.

Wie sind denn die russischen Reaktionen auf die angekündigten oder angedrohten, muss man sagen, Strafzölle?

Der Kreml hat das heute kommentiert. Kreml-Sprecher Pierskow hat sich dazu geäußert, auch die Außenministeriumssprecherin Maria Zaharawa. Die sagen, dass alles seien Signale, die sie sehr genau beobachten. Gleichzeitig sehen sie eigentlich keinen Kurswechsel, weil ja auch die beiden Administration Sanktionen verhängt hat, Zölle angehoben hat. Sie sehen da oder behaupten zumindest, das ist wichtig, dass sie da bisher keine große Kursänderung sehen.

Interessant ist, es ist ja im Westen sehr viel darüber spekuliert worden, über diese angebliche Männerfreundschaft von Putin und Trump. Das hat der Kreml immer zurückgewiesen, hat gesagt, es hat da gar keine Gespräche nach dem Ende der ersten Präsidentschaft Trumps gegeben. Es gäbe keine engen Beziehungen und so weiter, weil man ja auch das Feindbild Amerika aufrechterhalten will für die Propaganda. Das ist das eine. Das andere ist, dass man natürlich im Land große Erwartungen erstmal runterfahren will, dass jetzt Sanktionen aufgehoben werden, dass die Lage für Russland irgendwie besser würde. Von daher spielt das dem Kreml eigentlich auch ein bisschen in die Karten, dass jetzt Trump große Worte aufhört. Gleichzeitig die, die da am Ruder sind, die haben alle die erste Präsidentschaft Donald Trumps auch erlebt. Die wissen, dass der oft viel sagt, dann vielleicht drei Tage später was ganz anderes macht. Das heißt, man hat heute sehr deutlich gesagt, man analysiert das, wartet ab und schaut, man ist interessiert an einem Gespräch. Das hat man heute auch nochmal betont. Und in Russland gibt es jetzt auch erste Gerüchte. Es sind wirklich nur Gerüchte, dass ein solches Treffen bereits im März stattfinden könnte. Der Kreml hat heute aber auch noch einmal ausdrücklich betont, es habe bisher kein Telefonat gegeben.

Vielen Dank, Herr Armin Körper, nach Minsk. und als Info an alle Userinnen und User, die wissen wollen, warum du dort bist und nicht in Moskau. Du berichtest über die bevorstehende Präsidentenwahl in Weißrussland. Wir sind gespannt auf deine Berichte und danken dir. Das ist auch unser Berichtsgebiet. Genau, das ist größer. Wir berichten nicht nur über Russland, sondern auch um die umliegenden Länder. Genau, und wir sind gespannt auf deine Berichte rund um die Präsidentenwahl in Weißrussland und danken dir für deine Einschätzungen heute hier zur aktuellen Lage rund um Donald Trump und die Ukraine. Dankeschön, Armin. Und damit gehen wir direkt weiter in die Ukraine zu unserer Reporterin vor Ort Anne Brühl. Anne, du bist in Dnipro, der viertgrößten Stadt der Ukraine. Du hast auch Armin gerade gehört und die möglichen Gesprächskanäle, die Oberst Reisner angesprochen hat, mögliche Termine, die stattfinden könnten zwischen Trump und Putin. Wie beobachten das denn die Menschen in der Ukraine?

Naja, mit immer weniger Hoffnung muss man sagen, denn die Vorschusslorbeeren für Donald Trump, die es hier in diesem Land gegeben hat, die waren durchaus groß. Wir haben oft gehört, Trump ist unberechenbar, der könnte für eine Dynamik sorgen in diesem Krieg, der ja nun schon seit fast drei Jahren dauert. Aber ich würde mal sagen, spätestens nach seiner Rede und auch darüber habt ihr ja schon gesprochen, in der er die Ukraine nicht nur nicht genannt hat, sondern auch diesen Satz gesagt hat, dass seine Regierung eben keine fremden Grenzen mehr schützen würde, sind viele Ukrainer doch sehr ernüchtert und vielen schwant auch, dass schwierige Zeiten auf dieses Land zukommen könnten. Wenn wir jetzt so in den letzten Tagen mit den Menschen sprechen, dann hören wir eher die Sätze, wir können uns nur noch auf unsere Soldaten verlassen, die verteidigen unser Land, wir können nicht auf Trump hoffen. Und eine ähnliche Entwicklung konnte man auch bei Präsident Zelensky sehen, der am Anfang Trump gratuliert hat, gesagt hat, diese Friede durch Stärke-Politik, die von Trump propagiert wird, die könnte auch für einen gerechten Frieden hier in der Ukraine sorgen. Aber am Tag danach in Davos hat er ja quasi schon verzweifelt fast an Europa appelliert.

Die Ukraine nicht im Stich zu lassen, sie weiter zu unterstützen, groß zu denken in einer gemeinsamen europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Und was die Ukraine braucht, ist ganz klar vor allen Dingen im Moment weiter Militärhilfe, dann aber auch Sicherheitsgarantien, die das Papier wert sind, auf dem sie geschrieben sind. Sollte es irgendwann mal zu einem Waffenstillstand kommen und im Moment glauben viele Ukrainer nicht daran. Viele sagen uns, das wird in diesem Jahr nicht mehr stattfinden. Aber sollte das der Fall sein, dann braucht die Ukraine eben auch Friedensgruppen, die so einen Waffenstillstand absichern könnten. Da hat Zelensky in Davos von 200.000 Mann gesprochen und der allergrößte Wunsch der Ukraine ist ja nach wie vor die NATO-Mitgliedschaft. Und die wird unter Trump ja wahrscheinlich auch nicht Wirklichkeit werden. Nun bist du in Dnipro im Oblast, also ein Bundesland wäre das vielleicht ins Deutsche am ehesten übersetzt, im Oblast Dnipropetrovsk, also einer Region, die die russischen Soldaten im Visier haben. Wie groß ist die Angst der Menschen?

Naja, die Angst ist hier eigentlich der tägliche Begleiter, weil es mehrmals am Tag Luftalarm gibt, die Stadt auch immer wieder angegriffen wird. Und Nibro als Stadt ja auch relativ nah zu zwei Fronten in diesem Krieg liegt, nämlich nur 100 Kilometer von der südlichen Front entfernt Richtung Saporizhia. Und gut 130 Kilometer sind es bis Brokrovsk. Und darüber habt ihr ja eben schon gesprochen. Das ist der heißeste Punkt in diesem Krieg momentan. Die Russen rücken da massiv vor, haben sehr große Geländegewinne verzeichnet seit August ungefähr und stehen ganz kurz vor der Stadt, haben die Stadt im Grunde genommen schon umklammert und sind südwestlich tatsächlich auch nur vier Kilometer von dieser Oblastgrenze, die Grenze zur Region hier entfernt. Und wenn man hier von Dnipro aus Richtung Osten fährt, dann kann man in Pavlokrad auf halber Strecke ungefähr schon sehen, dass die Ukraine da anfängt, Schützengräben auszuheben.

Man sieht Panzersperren. Es heißt auch, die Ukrainer verminen Brücken, weil die Sorge schon auch da ist, dass sollte den Russen ein Durchstoß dort gelingen, dass sie möglicherweise dann auch schnell in diesem sehr flachen Gelände, das schwer zu verteidigen ist, auch schnell weitere Gebietsgewinne machen könnten. Und natürlich besorgt das hier die Menschen. Man muss allerdings auch sagen, die ukrainische Armee versucht da weiter Truppen in diese Region zu verlegen, um diese Ostfront eben weiter abzusichern. Vielen Dank, Anne Brühl nach Dnipro. Und damit sind wir auf der eingangs schon angekündigten operativen Ebene und schauen dort genauer hin mit Oberst Markus Reisner, der bei uns im Stream ist. Oberst Reisner, schauen wir also jetzt auf die einzelnen Frontabschnitte und beginnen doch dort, wo Anne Brühl gerade auch, worüber Anne gerade gesprochen hat im Donbass in Dnipro. Welche Bedeutung hätte es, wenn sich Russland teilweise in einem neuen Oblast etablieren könnte?

Lassen Sie mich am Beginn eines klarstellen. Die Zeit spielt für Russland und der Ukraine läuft die Zeit davon. Und die Ukraine ist gerade dabei, diesen Krieg zu verlieren. Das muss uns bewusst sein. Die Bilder, die von der Front kommen, sind hier eindeutig. Wir sehen, und damit wechseln wir jetzt auf die operative Ebene, dass der Vormarsch der Russen stetig vorangeht. Es werden jeden Tag mehrere Quadratkilometer in Besitz genommen. Und wir sehen gerade im Donbass, dass es hier den Versuch gibt, der Russen bereits über die Stadt Bogrovsk hinaus Richtung Westen vorzustoßen. Wir sehen, dass es aus südlich der Stadt, wenn man sich angenähert hat, auf knapp drei bis vier Kilometer zur nächsten Oblastgrenze. Der Oblast, der Tinebobetrovsk, hat also circa 3,3 Millionen Einwohner vor dem Krieg gehabt und circa 31.000 Quadratkilometer. Wenn Russland mit seinen Truppen diese Grenze erreicht, ist es natürlich wieder ein wichtiger Sieg, den man im Informationsraum verkaufen kann. Das heißt, es dient natürlich dazu, die eigene Bevölkerung zu motivieren und zu zeigen, wir sind auf dem Vormarsch. Auch wenn faktisch dann auch 120 Kilometer ungefähr bis zur Hauptstadt, bis zur Provinzhauptstadt Dordnepro vorhanden sind.

Die Herausforderung der Ukraine ist vor allem die Verfügbarkeit von Soldaten. Die Verbände, seien es Bataillone, ca. 400, 500 Mann, seien es Brigaden, 3,5 bis 4.000 Mann sind ausgedünnt. Sie haben also oft nur Stärken von 40, 50 Prozent an der Front. Und viele von uns haben keine Vorstellung von der Ausdehnung dieses Landes. Das heißt, wir haben hier kleine Stützpunkte, Zug- oder Kompanieschlag, das sind 30 bis 80, manchmal mehr Soldaten. Dazwischen große Lücken. In diese Lücken versuchen die Russen einzusickern. Sie zu infiltrieren, darüber hinaus zu stoßen und so wird Stück für Stück quasi aus der ukrainischen Verteidigung herausgerissen. Wir sehen an mehreren Stellen Kesseln, die sich bilden. Diese Kesseln brechen zusammen, damit verkürzt sich die Front. Die russische Seite kann neue Kräfte freimachen und so geht dieser Krieg weiter. Wir haben den Eindruck, im Westen nichts Neues, so wie im Film, also das heißt im Osten nichts Neues, aber tatsächlich ist es so, dass hier Tag für Tag dieser Grammatik des Abnützungskrieges folgend der Kampf vorangeht Und das bedeutet jetzt zurzeit ein Vormarsch der Russen Richtung Westen. Ein User namens Markus bezieht sich auf eine ihrer Aussagen in den vorherigen Sendungen und fragt, es hieß, wenn die Russen in den rückwärtigen Raum von Pokrovsk kommen, dann ist die ganze Linie bis nach Slowiansk nicht mehr haltbar. Wie sieht das aus? Und lassen sich die russischen Fortschritte im Südosten von Pokrovsk, lassen die russischen Fortschritte diesen Ausgang wahrscheinlicher werden?

Auch hier, was viele noch nicht verstehen, ist, warum dieser Krieg in dieser Art und Weise verläuft und warum er derart Elend geführt wird. Wir haben hier täglich den Einsatz von vielen, vielen tausend Drohnen von beiden Seiten und diese Drohnen machen es möglich, genau zu beobachten, was die jeweilige andere Seite tut. Das, was wir als der sogenannte gläserne Gefechtswelt bezeichnen. Und dadurch kann man kaum große Verbände bereitstellen und mit diesen ins Manöver zu gehen, weil bereits in der Bereitstellung werden diese bekämpft. Sie müssen sich vorstellen, da müssen Panzer zusammengeführt werden, da müssen Formationen gebildet werden, dann geht man in den Angriff über und wenn das natürlich in der Bereitschaft erkannt wird, kann man das nicht tun. Darum ist es so, dass diese kleinen Gruppen angreifen. Auch die Ukraine übrigens versucht quasi ja derzeit Gegenangriff durchzuführen, gerade auch bei Bogrovsk und tut das auch in derselben Art und Weise. Auch sie kann also keine großen Verbände quasi zusammenziehen. Wenn man die Front betrachtet, so kann man erkennen, dass.

An der vordersten Linie, die damals noch bestanden hat nach den Kämpfen 2014, die am besten ausgebautesten Stellungen waren. Diese Stellungen sind in weiten Teilen bereits verloren. Die zweite Linie, in die hat es Russland geschafft, quasi faktisch letztes Jahr einzudringen und sie durchzustoßen. Und jetzt ist es so, dass bei Bogrovsk, wir sehen also im Prinzip die dritte Linie, wo Bogrovsk auch ein wichtiger Stützpunkt ist. Und wenn diese dritte Linie auch durchstoßen ist, dann gibt es eine lose Anzahl von Stützpunkten, die sich ziehen von quasi Bogrovsk bis nach Dnepro, bis zur Provinzhauptstadt. Und hier ist die große Gefahr, dass ein sogenannter operativer Durchbruch passieren kann, dass es die russischen Streitkräfte auch durchaus schaffen können, sich aus dieser Umklammerung durch den Einsatz von ukrainischen Drohnen zu lösen und dann tatsächlich Raum gewinnen können. Im Moment kann man das noch nicht klar kennen, aber es kann passieren Und das ist auch die Befürchtung, die die ukrainischen Soldaten immer wieder untereinander teilen oder mir auch mitteilen. Denn hinter Bogrovsk gibt es eigentlich nur mehr offenes Land, flache Felder, Windschutzgürtel, Baumreihen, die diese Felder voneinander abtrennen. Und Russland könnte also hier relativ rasch vormarschieren. Und es könnte natürlich sein, dass es zu einer Art Dammbruch kommt, zu einer Panik, so wie das auch die Russen erlebt haben damals in Kharkiv, die auf der ukrainischen Seite dazu führen kann, dass die ganze Dynamik quasi sich zu negativen der Ukraine auswirkt.

Hier sind verschiedene User von Ihrer Karte im Hintergrund fasziniert und ein User behauptet, die Karte sähe aus, jetzt finde ich den Post nicht mehr, die Karte sähe aus wie vor einem Jahr. Können Sie erklären, welche, nehmen Sie sich gern Zeit zu erklären, was Sie auf dieser Karte darstellen und welche Bewegungen Sie dort in welchen Zeiträumen auch festhalten?

Das kann ich natürlich gerne. Was wir versuchen, ist quasi hier in wenigen Worten, und jetzt versuche ich das auch tatsächlich so umzusetzen, immer darzustellen bei Besuchen oder auch wenn also Delegationen hier sind, wie sich die Situation an der Front tatsächlich darstellt. Und nichts besser eignet sich dazu als eine alte, herkömmliche Karte mit normalen Einzeichnungen. Wir sehen also hier die Gebiete, die von der Ukraine erfolgreich zurückerobert worden sind. Wir sehen aber auch gleichzeitig die Vorstoß- bzw. Die Stoßrichtungen der russischen Kräfte, die hier in mehreren Manövergruppen angreifen. Und wir sehen also das Kräfteverhältnis von ca. 700.000 Mann auf russischer Seite zu ca. 400.000 ukrainischen Soldaten unmittelbar an der Front. Wir sehen aber auch die laufenden Einflüge auf strategischer Ebene von Marschflugkörpern, von ballistischen Raketen der russischen Seite, die versucht, quasi die Tiefe des Landes zu treffen, dort, wo sich die kritische Infrastruktur befindet, die ja wichtig ist für das Überleben der Ukraine. Wenn diese kritische Infrastruktur nicht mehr existiert, dann kann die Ukraine trotz eines Vorstoßes bei Kursk oder sonst so diesen Krieg nicht weiterführen. Darum ist ja auch der Bedarf von Fliegeabwehr so extrem wichtig. Und was man also hier gut erkennen kann, ist zwar gefühlt der Umstand, dass die Russen nur kleine Gebiete quasi erobern, Aber wenn er so quasi sich eine Eroberung an die andere reiht, wenn eine Kesselschlacht der anderen folgt, dann entwickelt es natürlich eine gewisse Eigendynamik, die dieser Grammatik des Abnutzungskrieges folgend dazu führen kann, dass es dann tatsächlich zu einem Zusammenbruch der ukrainischen Streitkräfte kommt.

Ganz praktische Frage, wie oft erneuern Sie denn diese Karte? Sie können sie ja, Sie müssen sie ja quasi immer neu zeichnen, Sie können ja immer nicht immer wieder drüber malen.

Nachdem der Krieg ja so verläuft, wie ich erklärt habe, also nicht sehr dynamisch, sondern quasi diesem Abnutzungskrieg folgt, sind die Einzeichnungen oft gering. Aber wenn ich hier mit einem dicken Stift einmal drüber zeichne, dann sind das so 10, 20 Kilometer im Wesentlichen. Und das ist das, was ich nochmal betonen möchte. Wir haben einen Blick auf die Karte, haben aber oft keine Vorstellung. Nehmen wir den Raum Kursk. In Kursk hat es die Ukraine geschafft, ca. 1.100 Quadratkilometer in Besitz zu nehmen. Jetzt zurzeit ist das Gelände, das sie noch in Der Besitz hat ca. 420 Quadratkilometer. Das ist ca. die Hälfte der Fläche Berlins, beziehungsweise die Fläche von ganz Wien im Wesentlichen. Wenn Sie als Österreicher vor der Karte von Wien stehen oder Österreichs, dann ist das sehr viel Gelände. Wenn Sie das jetzt in die Ukraine hineinlegen, dann verschwindet das. Und das ist das Problem, wo wir oft die Vorstellung keine Vorstellung haben. Auch wenn Sie sich die Front ansehen, wir sprechen hier von einer Distanz von Berlin bis hinunter nach Norditalien. Das sind also unglaubliche Distanzen, die wir hier mit berücksichtigen müssen. Hier fragt ein User, kann Russland die besetzten Gebiete überhaupt halten? Gibt es dort die Infrastruktur und was will Russland mit den besetzten Gebieten?

Das ist eben ein gutes Beispiel, um vielleicht auch zu erklären, warum Bogrovsk so wichtig ist. Sie müssen sich vorstellen, wenn die Russen vormarschieren, dann versuchen sie wie auf einer Perlenkette eine Perle nach der anderen auf diese Kette aneinander zu reihen. Und wichtig ist natürlich, möglichst diese Perlen intakt in Besitz zu nehmen, denn sie sind quasi der Ausgangspunkt für den weiteren Vorstoß. Darum versucht man Bogrovsk aus meiner Sicht auch möglichst unzerstört in die Hände zu bekommen. Darum auch dieser Vorstoß westlich und auch ostwärts der Stadt vorbei, weil sie wäre ein wichtiger funktionierender Logistiknotenpunkt von dem aus, was man weiter in die Tiefe vorstoßen kann. Wenn Sie die Räume ostwärts der Stadt Bogrofs betrachten, die Städte, die sich dort befinden, über die wir schon lange nicht mehr reden, die sind mit Masse fast alle dem Erdboden gleichgemacht und eignen sich natürlich sehr schlecht für Logistikstützpunkte. Es gibt hier vor kurzem ein Video, das gezeigt worden ist, wie russische Soldaten sich auf einer Straße bewegen Richtung Bogrovsk. Dieses Video geht mehrere Minuten lang und man sieht, die Straße ist von zerstörten Geräten russischen und ukrainischen überseht. Man sieht Artillerie, die einschlägt und das zeigt die Schwierigkeit auch einer funktionierenden Logistik. Das heißt, je weiter die Russen vormarschieren, desto mehr werden ihre Logistiklinien überdehnt und desto wichtiger wird es für sie sein, Zwischenstützpunkte zu erreichen, wie z.B. Bogrovsk, um dann quasi hier ein Sprungbrett dieses Nützen weiter Richtung Westen vorzustoßen.

Hier wird die Frage nach den Opferzahlen gestellt. Donald Trump hat ja davon gesprochen, dass die wahre Opferzahl um ein Vielfaches höher sei als berichtet. Was können Sie dazu sagen?

Ja, es gilt immer noch die Zahl, die auch am Ende der Biden-Administration kolportiert worden ist. Und ich denke, die Zahl hat im Kern sichere Richtigkeit, weil man ja auch in der Biden-Administration gesehen hat, dass bereits versucht worden ist, Druck auf die Ukraine, aber auch auf Russland auszuüben, im Sinne von, wir wissen, wie viele Opfer ihr tatsächlich erlitten habt. Es gibt also die Zahl auf russischer Seite von ca. 100.000 bis 140.000 getötete Soldaten und ca. 400.000 Verwundete. Auf ukrainischer Seite spricht man von auch 80.000 bis 100.000 Getöteten und auch ebenfalls ca. 400.000 Verwundeten. Das sind die Zahlen, die aus den USA kommen. Gesamt ca. eine Million. Wenn Sie alleine nur die Gefallenen zusammenrechnen und die untere Zahl nehmen, dann heißt das umgerechnet, dass die komplette deutsche Bundeswehr faktisch ausgeschaltet worden wäre. Die Zahlen sind enorm. Ich habe jetzt nicht die Zivilisten erwähnt, die auch noch dazu kommen. Das sind also auch mehrere 10.000. Und man sieht ja auch an den laufenden Bildern von beiden Seiten die umfangreichen Gräber- und Friedhoffsanlagen, die es gibt, dass die Opfer also sehr hoch sein müssen. Hier ist aus meiner Sicht auch wieder ganz klar die Aussage Trumps zu sehen, im Sinne von einem Versuch, Druck auszuüben, zu sagen, wir wissen, wie ihr euch befindet, in welchem Zustand ihr euch befindet, wie gering quasi eure Mobilisierungsfähigkeiten noch sind. Also es wäre besser, unserem Rat zu folgen und aufzuhören. Aber auch hier sei gesagt, vor kurzem hat der ukrainische Nachrichtendienst voll stolz erklärt, sie haben einen Hackerangriff durchgeführt auf die russische Wehradministration.

Hier hat man festgestellt, dass von 148 Millionen Menschen theoretisch 33 Millionen wehrfähig wären. Das ist eine enorme Zahl. Und wenn man das jetzt vergleicht mit den bereits erlittenen Opfern und dazu sich überlegt, dass die Bereitschaft quasi faktisch den Krieg durch Revolution zu Ende offensichtlich nicht vorhanden ist, dann bedeutet das, dass immer noch Soldaten freiwillig an die Front gehen und dort im Einsatz stehen. Und bitte vergessen Sie nicht, vielen jungen Soldaten ist oft gar nicht bewusst, was sie an der Front erwartet. Aber wenn sie dann im Schützengraben stehen, ist es meistens zu spät umzukehren.

Ein Satz, den man vielleicht mal sacken lassen muss. Dann gehen wir weiter zur taktischen Ebene. Viele Fragen hier beschäftigen sich mit neuer Technik durch KI und der Rolle von Tech-Milliardären, die wir in den letzten Tagen auch rund um die Amtseinführung von Donald Trump gesehen haben. Raphael Rosenhagen fragt, wäre eine Überwachung im Falle einer kaltgestellten Front mit Starlink-Satelliten und anderer KI-Technik nicht möglich? Wäre das dann ein interessanter Geschäftsansatz für die US-Regierung?

Diese Dinge sind nicht so einfach darstellbar, wie das jetzt vielleicht für den Fragesteller aussehen möchte. Wir haben also hier unterschiedliche Fähigkeiten, die unterschiedliche Rollen spielen, die man hier nicht durcheinander bringen darf. Es ist trotzdem so, dass wenn es zum Beispiel um das Überwachen einer entsprechenden Waffenstillstandszone geht, einer demilitarisierten Zone, Soldaten notwendig sind. Ich habe damals auch gesagt, dass ca. 150.000 Mann, Silensky hat jetzt gesagt 200.000 Mann, diese Kräfte müssen entlang dieser Linie stationiert werden, um nicht nur dafür zu sorgen, dass es nicht zu neuen Kampfhandlungen kommt, sondern möglicherweise, um auch Frieden zu schaffen, also um Konfliktparteien zu trennen. Das heißt, diese Soldaten brauchen dann zusätzliche Fähigkeiten. Da spielen natürlich autonomisierte Systeme wie Drohnen und ähnliches eine große Rolle, gerade auch in der Überwachung. Aber schlussendlich geht es darum, auch Präsenz zu zeigen, anwesend zu sein. Und das erfordert natürlich diese Zahlen von Soldaten.

Wir sehen, dass der Krieg in der Ukraine eine ganze Reihe von technologischen Neuigkeiten mitgebracht hat. Vieles, das man in der Theorie vorher nur beschrieben hat und tatsächlich zum Einsatz gekommen ist. Ich habe es schon erwähnt, diese 10.000 Drohnen, die permanent am Himmel sind, die unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen, zum Teil bereits auch mit KI unterstützt werden. Das führt natürlich dazu, dass der Krieg immer schneller wird, immer dynamischer. Aber es führt auch dazu, dass der Krieg jetzt nicht unbedingt sauberer oder präziser geworden ist. Wenn Sie sich die Videos ansehen von der Front, dann sehen Sie, und das gilt für beide Seiten, dass mittlerweile auf jeden Soldaten eine Kamikaze-Drohne wartet, die sich in ihn stürzt und ihn schwer verletzt oder tötet. Das heißt, es gibt also keine Rückzugsräume mehr an der Front. Und das ist das Elend dieses Krieges. Sie liegen schwer verletzt am Schlachtfeld, können nicht evakuiert werden, weil kaum die Möglichkeit besteht aufgrund des Einsatzes der Drohnen beider Seiten. Und das ist ein sehr, sehr elender Krieg. Und das sollte uns natürlich schon zu denken geben, was das für die Zukunft der Kriegsführung bedeutet. Der Krieg ist bei weitem nicht so, wie wir gedacht haben, wir können ihn in Zukunft führen, nämlich präziser und sauberer, sondern er bleibt genauso elend und verheerend, wie er schon in der Vergangenheit tatsächlich sich dargestellt hat. Welche Rolle spielen Glasfaser-Drohnen?

Ja, hier muss man tatsächlich ein bisschen ins Detail gehen. Ich habe kurz erklärt, der Grund, warum der Krieg in dieser Pazitation ist, ist dieses gegenseitige Beobachten. Man versucht natürlich, diesen Drohnen etwas entgegenzusetzen. Und eine Möglichkeit ist, das sogenannte Up- und Downing dieser Drohnen zu stören mit Mitteln der elektronischen Kampfführung. Das heißt, wenn es nicht möglich ist, die Drohne kontrollieren und Operator, diese zu kontrollieren, dann stürzt die Drohne ab oder geht quasi in den Heimflugmodus über. Das heißt, man sieht, dass also hier beide Seiten versuchen, mit Mitteln elektronischer Kampfführung, also vor allem das Stören, aber auch das Detektieren, diese Pazituation zu durchbrechen. Das ist auch das, was der Generalstöpf-Schrift Salusen hier vor seiner Ablöse gesagt hat. Er braucht etwas vergleichbar mit der Findung des Schwarzpulfers durch die Chinesen. Und er hat also genau das gemeint, dieses Beherrschen des sogenannten elektromagnetischen Feldes.

Mittlerweile ist es aber so, dass beide Seiten sehr innovativ mit diesen Störsystemen umgelernt haben. Und eine Möglichkeit ist es, dass man diese Drohnen, die ja quasi das Problem des Up- und Downings haben, mit sogenannten Glasfaserkabeln oder Kabeln steuert oder Drähten steuert. Das ist grundsätzlich nichts Neues in der Kriegsführung. Panzer per Lenkwaffen werden zum Beispiel durch diese Drähte gesteuert, zum Teil über viele Kilometer. Und genau dieses System hat man jetzt auch bei den Drohnen im Einsatz. Und es ist mittlerweile so, dass unvorstellbare Distanzen bis zu 40 Kilometer zum Teil mit diesen Glasfaserkabeln überwunden werden können. Diese Kabel sind sehr reißfest, eher weniger geeignet, quasi geknickt zu werden. Aber man kann also dadurch tatsächlich diese sogenannte elektronische Kampfführung so umgehen, dass man in der Lage ist, quasi über große Distanzen zu fliegen und dann gezielt quasi zum Beispiel Panzer oder Ähnliches anzugreifen.

Kein Ukraine-Stream ohne zwei Fragen. Die eine nach F-16, die andere nach dem Taurus. Beide Fragen sind hier in den Chats. Fangen wir mit dem Taurus an. Michelle fragt, würde der Taurus ein Game Changer werden, so wie die Panzerlieferungen?

Ja, ich weiß, ich wiederhole mich. Wir haben diese Frage schon oft und wiederholt beantwortet. Kein Waffensystem alleine ist ein Game Changer. Ich möchte das nochmal betonen. Es ist die Gesamtheit der unterschiedlichen Fähigkeiten, der unterschiedlichen Waffensysteme im Kampf der verbundenen Waffen, geführt durch gut ausgebildete Kommandanten, bedient von gut ausgebildeten Soldaten. Das macht den Unterschied und das zeigt, was potente Streitkräfte in der Lage sind zu leisten. Ein einzelnes Waffensystem, und das haben wir jetzt nach drei Jahren Krieg verstanden, kann keinen großen Unterschied machen. vor allem, wenn es nicht zur rechten Zeit kommt und wenn monatelang darüber diskutiert wird und die Gegenseite sich anpassen kann, so wie wir das auf der russischen Seite gesehen haben.

Ja, und zu den F-16 sei gesagt, wo sind sie? Ja, alle haben gehofft auf die F-16. Man sieht sie oder hört davon, dass sie im Einsatz sein soll, vor allem, wenn es darum geht, quasi die strategischen Luftangriffe der Russen abzuwehren. Aber auch hier ist es natürlich so, dass die Russen versuchen, saturierend zu wirken. Das heißt, wir haben jeden Tag strategische Luftangriffe. Wir haben jeden Tag den Einflug von bis zu 100, 140 Drohnen. Alle 14 Tage den Einflug vom Marschflug her per balistischen Raketen. Das zermürbt die Ukraine. Der ukrainische Energieminister hat letztes Jahr, also Ende des Jahres gesagt, das letzte Jahr war das schwierigste der Ukraine. Aufgrund dieser massiven Angriffe auf die kritische Infrastruktur, bis zu 80 Prozent der kritischen Infrastruktur sind zerstört oder beschädigt. Die F-16 könnte natürlich hier einen Teilbeitrag leisten im Rahmen einer funktionierenden Luftverteidigung, aber es sind zu wenig im Land. Die Schwierigkeit besteht darin, die Russen können zum Teil diese Plätze aufklären, haben auch effektiv Möglichkeiten, diese anzugreifen. Und das macht es so schwierig für die Ukrainer, tatsächlich sie auch einzusetzen. Und ich denke, ein Grund, warum man so wenig davon hört und sehen ist, weil man natürlich auch vermeiden möchte, dass dasselbe passiert wie bei den Leopardpanzern oder M1 Abramspanzern, dass wir dann in den sozialen Netzwerken geflutet werden von brennenden und zerstörten Kampferzeugen, die eigentlich schon als Gamechanger bezeichnet worden sind und es dann doch nicht waren. Hier gibt es noch eine Frage.

Sie betonen auch wie andere Experten, dass der Vormarsch sehr langsam ist. Was spricht denn dagegen, dass die Ukrainer weiter die Russen mit Drohnen und so weiter aufhalten?

Das tut die Ukraine. Und das ist auch der Grund, warum sie quasi hier noch dagegenhalten haben. Das Militär nennt das das unmittelbare Gefecht im Nahbereich, das sogenannte Close Battle. Und hier ist es so, dass die Ukraine gerade durch den Einsatz von diesen Kamikaze-Drohnen, die zum Teil jetzt mittlerweile auch drahtgesteuert sind, es schafft, die Russen auf Distanz zu halten. Dadurch, dass eben die Russen kaum Kräfte bereitstellen können, weil sie sonst in der Bereitstellung auch bereits zerstört werden würden, können sie oft nur kleine Gruppen ins Gefecht einführen. Oft ist es so, dass sie sogar mit kleinen Trupps von Soldaten versuchen, in einer Art Schleier die ukrainischen Stellungen zu überlaufen. Und die Lücken, wo man tatsächlich welche erkennen kann, da wird dann ein schweres Gerät eingesetzt. Und die Ukraine hat ein gutes Lager- und Aufklärungsbild, trotz des Mangels an Ressourcen. Aber man kann zur richtigen Zeit dann gerade durch den Einsatz dieser Drohnen entscheidende Schläge den Russen entsprechend erteilen. Und das führt genau dazu, dass dieser langsame Vormarsch quasi sich hier tatsächlich manifestiert. Wenn jetzt natürlich sie einem Gegner gegenüberstehen wie den russischen, und man sieht das ja auch beim Einsatz der nordkoreanischen Soldaten, die offensichtlich sich nicht um die eigenen Soldaten wirklich kümmern, so wie wir das für uns in Anspruch nehmen, sondern die Verluste bewusst in Kauf nehmen, dann nützt sich natürlich diese Fähigkeit zunehmend ab. Und es kommt wieder die Grammatik des Abnutzungskrieges zum Tragen, wo eben die Quantität dann schlussendlich entscheidend ist und nicht die Qualität des eingesetzten Waffensystems oder der Soldaten.

Dann lassen Sie uns abschließend nochmal darüber sprechen, Welche Möglichkeiten es gibt, jetzt einen Waffenstillstand, ein Abkommen zustande zu bekommen? Sie sagen, dieser Krieg wird nicht auf operativer, sondern auf strategischer Ebene entschieden. Lassen Sie uns da nochmal zum Ende einen Ausblick auf die kommenden Monate wagen.

Ja, springen wir von der operativ-taktischen Ebene wieder zurück auf die strategische Ebene. Ich denke, Sie werden mir zustimmen. Das alles entscheidende Treffen, das wir in diesen nächsten Wochen und Monaten sehen werden, ist das Treffen zwischen tatsächlich Trump und Putin. Dieses Treffen wird sehr benibel vorbereitet werden, denn ich denke, beide Seiten wollen natürlich das als einen Erfolg verkaufen. Man wird sehen, und es ist aus meiner Sicht wirklich so emotional.

Wie sich die beiden verstehen, ob sich die vertragen. Und das ist dann die Wahrscheinlichkeit, die uns sagt, ob es tatsächlich zu einem Art Waffenstillstand, ich möchte gar nicht von Friedensverhandlungen oder ähnlichen Reden, kommen kann. Die Frage ist natürlich, zu Ungunsten der Ukraine und hat Europa quasi hier mitzureden oder nicht. Ich kann mir aber vorstellen, dass wenn also beide Seiten sich treffen und man feststellt, auch in den folgenden Wochen nach dem Treffen, dass die eine die andere Seite quasi ausspielen möchte oder quasi hintergehen möchte, dass dann wieder die Emotion zum Tragen kommt und dass dann möglicherweise eine Eskalation im Raum steht. Das heißt, das Paradoxe ist zurzeit, dass wir aus meiner Sicht so nah wie nie zuvor waren an einer möglichen Lösung dieses Krieges, aber dass auch die Eskalationsmöglichkeit so groß ist wie nie zuvor. Ich empfehle an dieser Stelle auch ein Buch von Bob Woodward. Das Buch heißt Rage, zu Deutsch Wut. Hier beschreibt er die erste Präsidentschaft von Donald Trump. Und wenn Sie das Buch lesen, dann sehen Sie, wie es auch der damalige Präsident, der jetzt hier wieder Präsident ist, faktisch oft sehr aus der Emotion heraus gehandelt hat.

Und Sie kennen auch andere Aussagen, zum Beispiel vom damaligen US-Generalstabschef, der gesagt hat, zu jeder Zeit, zu jeder Minute des Tages ist ein Offizier beim Präsidenten, dass es auch faktisch nicht irgendein, ich sage das jetzt einmal salopp, Blödsinn passiert im Wesentlichen. Und dieser Präsident ist jetzt quasi wieder an der Macht. Er ist mehr gesettelt als zuvor. Er hat natürlich jetzt einige Herausforderungen auch innenpolitisch. Aber er ist der Mann, der den Deal erreichen möchte. Und darum wird dieses Treffen entscheidend sein, ob sich die beiden finden oder nicht. Und ich glaube, daran wird sich alles festhängen. Denn andere Möglichkeiten sehe ich kaum. Also ich sehe kaum die Bereitschaft der Europäer, hier nachhaltig in derselben Art und Weise einzuspringen, so wie das die USA gemacht hat. Ich glaube kaum...

Dass Europa willens ist, quasi faktisch hier diese Lücke zu füllen, die möglicherweise von den USA gelassen wird. Europa könnte das, technologisch und auch wehrwirtschaftlich, aber die Bereitschaft ist gering, kostet natürlich eine Menge Geld. Wir sehen aus den USA die Signale, dass man hier faktisch auch an einer Einstellung der Hilfslieferungen arbeitet, eben in Absicht quasi diesen Deal zu erreichen. Und wir sehen natürlich den globalen Süden, der nach wie vor Russland unterstützt. Russland könnte alleine diesen Krieg weder für noch gewinnen. Aber nochmal, es sind Länder wie China, es sind Länder wie Indien als Rohstoffabnehmer, es sind Länder wie Nordkorea und der Iran, die offensichtlich ja sehr wohl ein Interesse daran haben, als Teil einer Gemeinschaft mit Russland, als Teil des globalen Südens, dem globalen Norden zu zeigen, dass die Zeit sich geändert hat und dass der globale Norden nicht mehr diese Alleinherrschaft hat, die er bis jetzt für sich in Anspruch genommen hat. Und das ist ja das, was die Zeit, die wir jetzt erleben, zu einer historischen macht und wo wir gerade einen Endepunkt in der Geschichte erleben, der uns gar nicht so sehr bewusst ist, den die Historiker in den nächsten Jahrzehnten oder Jahrhunderten als entscheidend beschreiben werden.

Soweit die Analyse von Oberst Markus Reißner. Er sagt, die Ukraine sei gerade dabei, diesen Krieg zu verlieren. Russlands Vormarsch gehe stetig voran. Jeden Tag würden Putins Soldaten mehrere Quadratkilometer in Besitz nehmen. Die Zeit spiele für Russland. Der Ukraine hingegen laufe die Zeit davon. Jede Woche sprechen wir in unserem Ukraine-Update mit Expertinnen und Experten und unseren Reporterinnen und Reportern in der Ukraine über die Entwicklungen und Hintergründe und analysieren mit detaillierten Karten die Lage an der Front. Schaut gerne mal rein auf YouTube oder der ZDF Heute App und stellt eure Fragen. Bis dahin danke ich euch fürs Reinhören und sage bis zum nächsten Mal.

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