Hallo, ich bin Christina von Ungarn-Sternberg. Der Winter naht und die Lage für die Ukraine wird immer schwieriger. Zum einen an der Front, hier rücken die russischen Truppen gerade in den letzten Tagen immer weiter vor. Darüber habe ich in dieser Folge mit Oberst Reisner von der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt gesprochen. Aber zuerst ging es um die massiven Drohnen- und Raketenangriffe auf die ukrainische Energieversorgung. Millionen Menschen sind dadurch ohne Strom. Ich wollte von ihm wissen, welche Dimensionen diese Angriffe haben.

Sie wissen, wir unterteilen aus militärischer Sicht die Vorgänge in drei Ebenen, der strategischen, operativen und taktischen Ebene. Und hier sind wir auf der strategischen Ebene. Die strategische Ebene ist die eine Ebene, die entscheidet, ob sie einen Krieg über lange Zeit führen können. Und genau hier sehen wir, dass Russland versucht anzusetzen und jetzt quasi auch im Zusammenhang mit quasi geopolitischen Ereignissen wie der Wahl in den USA noch einmal enorm Druck auf die Ukraine auszuüben. Wir sehen, das ist jetzt mittlerweile der dritte Winter, wo wir damit rechnen müssen, dass die Ukraine massiv unter strategischen Luftangriffen leiden muss. Wir haben alleine in den letzten Monaten massive Steigerung des Einsatzes von iranischen bzw. russischen Drohnen gesehen. Alleine letztes Monat über 2000 Drohnen, die eingeflogen sind. Wir haben auch dieses Monat täglich Angriffe, zum Teil mit bis zu 150 bis 200 Drohnen. Und noch nicht genug kommt es noch dazu, dass alle zwei Wochen bis 14 Tage und drei Wochen jetzt zu schweren Angriffen kommt mit Marschallkörpern und ballistischen Raketen.

Der letzte schwere Angriff war am 17. November, gefolgt vom Angriff letzte Nacht. Und das bedeutet, dass die kritische Infrastruktur der Ukraine immer mehr zerstört wird, die kritische Infrastruktur sie braucht, um die Ressourcen zu schaffen, um diesen Krieg führen zu können, aber vor allem, um die Bevölkerung versorgen zu können. Und da kann man also ganz klar sagen, dass Russland versucht, durch diese Terrorangriffe, die ukrainische Bevölkerung in die Knie zu zwingen. Dazu gehört auch, dass Russlands Präsident Putin jetzt gedroht hat, die Mittelstreckenrakete Oreschnik auch gegen Kiew einzusetzen.

Was soll das? Ja, hier sehen wir, dass der Krieg in verschiedenen Domänen geführt wird. Und ein sehr wichtiges Domänen, das wir oft übersehen, ist das Informationsdomänen, der Informationsraum. Hier geht es also beim Einsatz der Oreschnik nicht so sehr um die Zerstörung, die diese Rakete angerichtet hat, sondern es geht um ein Zeichen. Und dieses Zeichen ist einerseits klar gegenüber Europa von Russland gesetzt worden. Denken Sie daran, im Falle eines Nuklearkrieges werden es vor allem Mittelstreckenraketen, die von Russland gegenüber Europa eingesetzt werden würden, im Gegensatz zu den Interkontinentalraketen, die Richtung Amerika abgefeuert werden würden. Und es ist ein Zeichen, dass man also neue Waffen hat, trotz der Sanktionen, die man jederzeit einsetzen kann und in einer höheren Produktion im Ausschluss erzielen kann. Und was also Kiew betrifft, so sagt also Putin, ich setze quasi den nächsten Schlag direkt in das Herz meines Gegners, der Ukraine, und kann dort also möglicherweise verheerende Zerstörungen anrichten. Das heißt, die Warnung, wenn ihr euch nicht bewegt, so wie wir das wollen, Dann wird dieser Krieg weiter eskalieren in den nächsten Wochen und Monaten, in der vor allem kalten Jahreszeit. Wie schwer ist es denn für die Ukraine, eine solche Rakete abzuwehren?

Ja, das ist eine Spekulation im Moment. Russland versucht darzustellen, dass diese Rakete aufgrund der hohen Geschwindigkeit nicht abzufangen ist. Wir sehen aber, dass unabhängig davon die Ukraine jetzt bereits hohe Herausforderungen hat mit dem Abfangen der einfliegenden Raketen, Marschflugkörpern und auch iranischen Drohnen. Einerseits der Grund ist, weil einfach so viele einfliegen. Das heißt, es gibt einen saturierenden Effekt. Das heißt, die ukrainische Fliegerbeer, die ja zu gering ausgebaut ist, kommt also nicht nach, all diese Einfliegungssysteme abzuschießen. Und was man also auch sehen kann, dass einige der Systeme nach diesem saturierenden Effekt sehr wohl in der Lage sind, die Flugabwehr-Dispositive zu durchdringen und einzuschlagen. Und bei dem Oreschnik kann es durchaus der Fall sein, dass hier nicht die verfügbaren Mittel vorhanden sind, um derartige Abfang-Einsätze erfolgreich zu Ende zu führen. Es gibt eine Frage aus der Community zu einer Sache, über die wir gerne auch mit Ihnen sprechen möchten, nämlich einen Vorschlag aus den USA. Stefan Hofacker fragt danach, die Forderung der USA, das Rekrutierungsalter auf 18 Jahre zu senken, würde das signifikant etwas ändern?

Ja, ordnen wir das wieder ein. Gehen wir von der strategischen auf die operative Ebene. Und die operative Ebene ist die eine Ebene, die sich quasi mit der Front auseinandersetzt und mit den Ressourcen, die man braucht, um diese Front zu bewirtschaften. Und hier sehen wir, dass in den letzten Wochen und Monaten sich die Situation für die Ukraine dahingehend zugespitzt hat, dass sie einfach nicht mehr die ausreichende Zahl von Soldaten hat, die sie an der Front braucht.

Und man erkennt also hier, dass die USA Druck machen auf die Ukraine und ihr sagen wollen, Ihr müsst also jetzt versuchen, die Russen aufzuhalten, indem ihr wirklich noch einmal die letzten Reserven mobilisiert, damit quasi die Front nicht zusammenbricht. Warum ist das der Fall? Weil einfach die Verluste der ukrainischen Streitkräfte sehr hoch sind und in den Verbänden, die eingesetzt sind, vor allem im Donbass, in dem Raum, wo es sich jetzt am meisten zuspitzt, zum Teil die Verbände nur mal 40 bis 50 Prozent der Stärke haben, wie sie eigentlich vorgesehen ist. Und das heißt, dass Lücken entstehen, die Verbände sind jetzt schon bereits völlig überdehnt eingesetzt und durch diese Lücken sickern die Russen faktisch wie Wasser durch und können Stück für Stück des ukrainischen Territoriums in Besitz nehmen. Und das ist der Hintergrund dieser Forderung, quasi die letzten Reserven zu mobilisieren. Ich möchte gerne, auch wenn das jetzt die militärische Ebene ein bisschen verlässt, aber noch eine Frage nachschieben. Ist das nicht ein bisschen zynisch zu sagen, wir liefern euch immer nur so viel, wie ihr gerade brauchen könnt oder also wie wir gerade geben wollen, brauchen könnte die Ukraine ja sehr viel mehr. Also wir liefern euch de facto zu wenig Material, fordern euch aber quasi auf, eure eigenen Kinder an die Front zu schicken? Ja, dieser Eindruck ist durchaus berechtigt. Man sieht ja quasi von Beginn an des Krieges, dass sehr wohl Waffensysteme eine Veränderung an der Front herbeiführen konnten. Denken Sie an den berühmten Raketenwerfer vom Typ Heimas, wo damals 18 Stück einen wesentlichen Unterschied gemacht haben. Damals haben die Ukrainer schon darum gebeten, bis zu 100, 140 Stück zu bekommen. Sie haben aber nur weitere 20 über die letzten Monate bekommen, also insgesamt knapp 40 Stück, die quasi verfügbar waren.

Im Hintergrund ist hier einfach die Strategie der USA zu sehen, dieses Boiling the Frog, das heißt das zu liefern, was notwendig ist, aber nicht so viel zu liefern, dass die Russen quasi hier faktisch wirklich in die Enge getrieben werden. Man kann das übrigens auch sehr gut nachlesen in einem Buch, das ich zu diesem Thema empfehlen möchte. Das Buch heißt War von Bob Woodward, wo Sie hier sehr schön erkennen können, dass es auch in den Telefonaten zwischen den USA und Russland immer wieder um dieses Thema geht. Man einerseits Drohungen sieht, aber auf der anderen Seite auch Linien erkennt, die sehr klar gezogen werden. Einer der großen Investigativjournalisten der USA, auch heute immer noch aktiv. Oberst Reisner, wir sprechen gleich weiter mit Ihnen, blicken auf die Lage an der Front, gehen jetzt aber erstmal zu unserem Korrespondenten Tim Kröger, der vor Ort ist und zwar in Poltava in der Zentralukraine. Tim, du hast mit vielen Soldatinnen und Soldaten gesprochen an verschiedenen Orten. Fangen wir mal dort an, wo es besonders heftig ist, nämlich an der Front. Du hast in Pokrovs bei einer Drohneneinheit gedreht und was haben dir die Soldatinnen und Soldaten dort berichtet? Genau, wir waren hier vergangenen Samstag in der Region um Pokrovsk unterwegs und haben eben mehrere Soldaten dieser Drohneneinheit getroffen, ungefähr 14 Kilometer hinter der Front auf der zweiten Verteidigungslinie. Diese Soldaten sind im Moment vor allem auf Drohnen spezialisiert, weil diese Drohnen zumindest ein wenig diesen Mangel an Soldaten, den die Ukrainer ja eben gerade gegenüber den russischen Streitkräften haben.

Also mit diesen Drohnen könnte die einigermaßen ausgleichen. Die Soldaten sind eigentlich immer noch ganz guten Mutes, vor allem diejenigen, die eben nicht vorne in den Schützengräben sitzen. Wie gesagt, diese Einheit war etwas weiter da hinten. Aber wir haben natürlich schon gesagt, dass die gesamte Lage dort in Pokrofs relativ instabil ist. Pokrofs, da waren wir vor einigen Monaten schon mal im März, da war die Lage noch ganz anders. Mittlerweile, wenn man in diese Stadt reinkommt, ist der Gefechtslamm relativ nah. Die Menschen, mit denen wir gesprochen haben, im Pokrovs, wirken wirklich angegriffen durch diese vielen Artillerieangriffe in die Stadt hinein. Es gibt sehr viel mehr zerstörte Gebäude. Also das Ganze könnte ja eben auch der nächste Brennpunkt sein. Das ist eine strategisch wichtige Stadt, ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, den die russische Seite gerne einnehmen möchte und die sich jetzt langsam, aber sicher Dorf für Torf, Tag für Tag dieser Stadt nähert. Und die Soldaten versuchen, das aufzuhalten. Aber ob ihnen das gelingt, das wissen sie im Moment noch nicht. Wir haben natürlich mit den Soldaten auch darüber gesprochen.

Was sie beispielsweise davon erwarten, wenn jetzt am 20. Januar Donald Trump als nächster Präsident sein Amt antritt. Und sie sind gar nicht so negativ eingestellt. Sie sagen, dass Trump in seiner ersten Amtszeit noch vor dem, wie sie hier sagen, großen Krieg, also dem Krieg, der dann schon seit 2014 hier in der Ukraine gehascht hat, Dass er dort durchaus auch gute Waffen geliefert habe. Insofern müsste man erst mal abwarten, wie sich die Lage für die Ukraine dann entwickelt, wie dann die US-Unterstützung wirklich aussieht, wie ein möglicher Friedensdeal, wie Donald Trump ja immer sagt, dann mit Putin aussehen würde. Welche Sicherheiten es vor allem auch für die Menschen hier in der Ukraine gibt. Und dann haben wir sie natürlich auch noch gefragt, vor allem auch die Menschen in Pokrovs, ob sie sich mittlerweile Verhandlungen wünschen angesichts der Situation, die immer prekärer wird. Und da haben uns aber doch...

Ein, zwei Frauen gesagt, mit denen wir gesprochen haben, dass sie sich das im Moment nicht vorstellen, ganz einfach, weil sie Putin nicht vertrauen. Nun haben wir diese massiven Angriffe auf die Energieinfrastruktur gesehen. Wie gehen die Menschen denn damit um? Also das war natürlich schon schwierig heute Morgen. Also das war ja eine massive Angriffswelle, die sich hier über praktisch das ganze Land erstreckt hat, vor allem eben den Westen. Das macht den Menschen natürlich schon zu schaffen, vor allem eben diese ganzen Stromausfälle. Aber ich habe den Eindruck, dass die Menschen hier auch sehr pragmatisch damit umgehen. Also beispielsweise haben wir mit einer Frau in Kiew heute gedreht, die dann eben einfach sich ihre Wohnung zusammen mit ihrem Mann schon so eingerichtet hat, dass sie sofort auf einen solchen Stromausfall reagieren kann. Also sie hat einen Gaskocher, sie hat eine Batterie für das Licht.

Also andererseits haben beispielsweise Restaurants, haben sich dann auch schon vorbereitet, haben entsprechende Menüs entwickelt, die dann eben funktionieren mit den Gerätschaften, die man noch betreiben kann, wenn man nur einen Generator zu laufen hat. Also ich habe schon den Eindruck, dass das natürlich die Menschen hier in der Stadt, hier in dem Land mitnimmt, dass es nicht leicht für sie ist, dass sie aber dieser Zermürbungstaktik, die Russland hier ja auf perfide Art und Weise betreibt, nicht nachgeben wollen, sich nicht unterkriegen lassen wollen. Die Ukraine reagiert auch, indem sie sich vorgenommen hat, die Infrastruktur, die kritische Infrastruktur zu dezentralisieren, also so anzulegen, dass sie eben vielleicht nicht mehr so einfach getroffen werden kann. Und dann gibt es natürlich auch öffentliche Einrichtungen, wie beispielsweise Schulen und Krankenhäuser. Wir haben ein Krankenhaus in Kharkiv besucht, die sich vorbereiten auf diesen jetzt womöglich doch sehr schwierigen Winter, indem sie zum Beispiel eine eigene kleine Heizanlage aufgebaut haben, einen Generator angeschafft haben, sodass eben, das war eine Kinderklinik, eben im Fall von Operationen garantiert ist, dass dieses Krankenhaus auch weiter funktioniert.

Vielen Dank, Tim Kröger, in die Ukraine für diese Eindrücke. Und damit gehen wir wieder zu Oberst Reisner, der für uns die Lage vor Ort aus Militärexpertensicht einschätzt. Oberst Reisner, ich möchte gerne noch eine Frage zur Infrastruktur stellen, die hier im Chat auch gerade kommt. Da fragt Andrea Toscano über YouTube, sind die Angriffe auf die Energieinfrastruktur, weil die Abwehrraketen Energie zum Abschuss brauchen? Nein, das hat damit noch sehr eingeschränkt zu tun. Da geht es also ganz klar um zwei Ziele. Das erste Ziel ist es, den militärischen Industrie-Komplex der Ukraine nachhaltig zu zerstören und zu schaden. Nämlich damit der Ukraine die Grundlage zunehmen, faktisch einen langen Krieg zu führen, weil sie sonst also keine Ressourcen mehr produzieren kann. Und das zweite ist der Terror gegenüber der Bevölkerung, wo man also Druck ausüben möchte auf die Bevölkerung und hofft, das ist das russische Kalkül, dass dieser Druck dann weiter von der Bevölkerung auf die politische Führung der Ukraine übertragen wird. Das sind die zwei Ziele. Das, was militärische Geräte brauchen und Strombedarf, das ist meistens bereits quasi vom Abfeuerungssystem so in Autarkie möglich, quasi zu verfügbar zu haben, dass man also da nicht quasi an öffentliche Netze oder sonstiges sich anbinden muss.

Dann schauen wir auf die Lage an den Frontabschnitten und beginnen mit der Frage von Stefan Lehmeyer, die ich anfangs schon zitiert habe. Wenn Russland bei Pokrovsk einen Durchbruch durch die dritte und letzte Verteidigungslinie schafft, wie schnell stoßen sie dann bis zum Dnipro-Fluss vor, schon im Dezember ist die Frage?

Ja, also zuerst, wir sehen diesen sogenannten operativen Durchbruch noch nicht. Man sieht, dass die Front nachgibt und es beschleunigt sich tatsächlich der Rückzug der Ukraine bemerkenswerterweise in den letzten Wochen gerade doch erheblich. Wir sehen also, dass hier Stück für Stück von den Russen immer wieder eingenommen wird. Aber wir sehen noch keine Anzeichen für diesen Durchbruch. Das kann sich aber sehr schnell ändern. Die Kriegsgeschichte ist voller ähnlicher Beispiele. Und dann, wenn es zu diesem Darmbruch kommt, kann alles sehr, sehr schnell gehen. Grundsätzlich ist es so, dass das Militär unterschiedliche Marsch- und Angriffsgeschwindigkeiten kennt. Im Angriff geht man von ca. 1,5 kmh aus. Wenn also dann quasi der Druck des Gegners nachlässt, kann man die Geschwindigkeit erhöhen auf 10 kmh. Und eine normale Marschgeschwindigkeit sind bis zu 30 kmh. Das ist auch die Geschwindigkeit, mit der Russland am Beginn des Krieges im Durchschnitt einmarschiert ist. Und wenn Sie die Distanz betrachten von Bogrovs bis zum Nepal, da sind das knapp über 150 Kilometer. Das heißt, das kann also dann alles sehr, sehr schnell gehen im Wesentlichen. Dazu muss aber natürlich gesagt werden, da muss also quasi faktisch auch von russischer Seite entsprechende Ausrüstung, Materialgerät, Personal bereitgestellt werden. Man nennt das bei uns eine sogenannte zweite oder dritte Staffel, um diesen Durchbruch tatsächlich nähern zu können. Und dann muss dieser Durchbruch auch noch abgesichert werden gegen möglicher Angriff aus der Flanke. Und man kann davon ausgehen, dass trotz alledem die Ukraine noch Kräfte in der Tiefe bereitgestellt hat, um hier reagieren zu können.

Aber wie gesagt, die Situation spitzt sich zu immer mehr. Wir sehen, dass die Russen alles daran setzen, vor allem noch im Hinblick auf den Jänner, Stichwort Übernahme der Präsidentschaft Trump, so viel Gebiet wie möglich in ihren Besitz zu bekommen. Und das Ergebnis können wir täglich an der Karte sehen. Auch wenn es für den Betrachter in Relation zur Größe der Ukraine gering erscheint, so sind es doch signifikante Geländeabschnitte, die quasi hier in russische Hände fallen. Schauen wir auf andere Geländeabschnitte, schauen wir auf die umkämpfte Stadt Kurachow in der Region Donetsk. Wie ist die Lage aus Ihrer Sicht im Moment dort?

Ja, hier handelt es sich quasi um eine Stadt südlich von Bogrovsk. Am Höhepunkt der russischen Sommeroffensive vor knapp zwei Monaten war es so, dass die Russen kurz davor standen, weiter Richtung Bogrovsk durchzustoßen. Man konnte erkennen, dass die Russen dann Sorge hatten um ihre Flanken im Norden und im Süden. Sie hatten also quasi die Gefahr erkannt, sich zu sehr zu exponieren. Darum wurden Angriffe gestartet im Raum nordostwärts von Bogrovsk bei Toretsk und südlich davon ostwärts von Kurachow, der Stadt, von der Sie gerade sprechen. Diese Angriffe wurden dann auch ausgeweitet und mittlerweile kam es dann zu dem Ergebnis, dass es zu einem Kessel, der sich gebillert hat, gekommen ist um Korachow selbst. Und hier haben die Russen dann von Osten begonnen, diesen Kessel immer mehr einzudrücken. Und wir können davon ausgehen, dass Korachow in den nächsten Tagen, Wochen, möglicherweise auch doch einen Monat quasi fallen wird. Aber die Geschwindigkeit, mit der jetzt vormarschiert wird, zeigt, dass es wahrscheinlich Tage oder Wochen maximal sind. Wenn dann dieser Kessel gefallen ist, ist die linke Flanke abgesichert. Das ist der Süden von Bogrovsk. Und man erkennt, dass die Russen auch versuchen zurzeit, nördlich von Korachow weiter vorzustoßen, also möglicherweise südlich von Bogrovsk vorbeizustoßen und die Stadt somit in der Tiefe zu umfassen und sich somit einen Kampf, um die Stadt selbst zu ersparen.

Sie gelten unter den Militärexperten, die wir hier immer donnerstags in den Streams haben, als einer der pessimistischeren Vertreter. Das ist unter anderem auch ein Thema hier in der Community. Ich höre oft den Vorwurf, Reisner würde immer auf pessimistische Art das Negative hervorheben, bemerkt hier ein User. Und deshalb versuche ich es mal mit einer Frage, die man vielleicht positiver beantworten kann. Icke fragt, wo könnten sich denn zurzeit die Achilles-Szenen im russischen Militär befinden?

Also ich möchte ganz kurz etwas ergänzen zu dieser Bewertung. Das, was Sie von mir bekommen, das ist echtes Militär. Das heißt, das ist das, was wir in der Ausbildung gelernt haben. und zwar eine neutrale, objektive Lagedarstellung für den Kommandeur, denn diese Lagedarstellung ist die Entscheidung, die möglicherweise Hunderten oder Tausenden das Leben kostet. Und es ist meine Pflicht, immer darauf hinzuweisen, auf den Extremfall, der immer wieder auch abgewendet werden kann, weil man aufgrund dieser Bewertung zum Schluss kommt, dann die richtigen Reserven zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen. Und es ist nicht meine Aufgabe, die Situation schön darzustellen. Das können Sie von Politikwissenschaftlern oder anderen hören, die es vielleicht besser können, sondern sie brauchen eine realistische Einschätzung. Und wenn Sie sich ansehen, was ich in den letzten Monaten immer wieder gesagt habe, dann habe ich mehrmals darauf hingewiesen, dass die Situation auf der strategischen Ebene, Stichluftangriffe, sich immer mehr zuspitzen wird. Und genau dazu ist es jetzt gekommen. Ich habe auch darauf hingewiesen, dass die Sommeroffensive mittlerweile einen Kulminationspunkt erreichen wird. Und auch das sehen wir im Wesentlichen.

Kommen wir mal kurz zu den Achillesfersen. Die Achillesfersen jeder modernen Armee ist natürlich die Logistik, das heißt dort, wo die Versorgung der Streitkräfte stattfindet. Wenn also zum Beispiel die Angriffe mit weiteren Waffensystemen wirklich ausgeweitet werden würden, auf die Tiefe hinter den russischen Linien, also wenn die Munitionsdepots getroffen werden würden, wenn die Versorgungseinrichtungen getroffen werden würden, dann würden wir messbare Erfolge an der Front sehen. Und das ist das Entscheidende, wir brauchen messbare Erfolge. Ein messbarer Erfolg ist zum Beispiel das Nachlassen des russischen Vormarsches, das zum Stehenkommen des russischen Vormarsches, das zum Stehenkommen der Anstrengungen der Russen quasi mit Artillerie quasi zu feuern, weil eben dieser Nachschub nachlässt. Das sehen wir aber nicht. Diese Achillesfersen gibt es aber und sie sind auch bekannt. Sie können aber nicht angegriffen werden, weil die Ukraine einerseits die Mittel nicht hat, beziehungsweise andererseits auch ein gewisses Hindernis darstellt in der Lieferung von Systemen zum Beispiel aus den USA, weil eben nur so viel geliefert wird wie notwendig, aber nicht das, was man brauchen würde, um diesen entscheidenden Schlag setzen zu können.

Vielen Dank für die militärische Einschätzung und danke auch, dass Sie das so klar und analytisch hier nochmal begründet haben, wie Sie Ihre Einschätzungen hier abgeben. Das ist auch einer der Gründe, weshalb Sie von unseren Userinnen und Usern so sehr geschätzt werden. Und der User, der die Frage gestellt hat, bedankt sich auch gerade ganz herzlich für Ihre Erklärung dazu. Schauen wir auf die weiteren Frontabschnitte. Schauen wir nach Kursk, wo es ja ukrainische Angriffe gegeben hat, unter anderem mit westlichen Waffen wie den Attackams. Wie schätzen Sie die Lage dort ein?

Ja, diese Angriffe mit weitreichenden Waffensystemen zeigen, wie sich auch dort die Situation zuspitzt. Denn darum gibt es diese Angriffe. Und sie folgen einer klar definierten militärischen Logik. Betrachten wir diese drei Angriffe, die wir kennen. Der erste Angriff war auf dem Munitionsdepot, Stichwort Ressourcen, in einer Distanz von 150 Kilometern.

Also genau in dem Rahmen, in dem die Attack-Cams wirksam werden können. Der zweite Angriff war gegen die Kommandostruktur der dort regional eingesetzten russischen Kräfte. Gegen die Struktur der operativen Manövergruppe Kursk. Also auch hier klare Logik des Militärs, versuchen wir die Führungsstrukturen zu stören oder zu zerstören, um dieser Operationsführung entsprechend eine Verlangsamung zu ermöglichen. Und der dritte Angriff war auf einem Flugplatz ostwärts der Stadt Kursk. Dort befinden sich diese Kampfflugzeuge vom Typ SO-34 zum Beispiel, die diese verheerenden Gleitbombenangriffe durchführen, die den Ukrainern so große Probleme bereiten. Und wenn Sie genau hinsehen, dann sehen Sie, dass der Kursger Raum, dieser Vorsprung, mittlerweile ziemlich groß und umfangreich eingedrückt worden ist. Das heißt, von den knapp 1200, 1300 Quadratkilometern sind jetzt nur mehr 40 bis 50 Prozent unter ukrainischer Kontrolle. Und die Soldaten verstecken sich zum Teil in den Wäldern aus Angst vor den russischen Drohnen, die sie quasi faktisch aufklären. Und dann kommt der Gleitbombeinsatz und so weiter und so fort. Was die USA versucht hat, ist den Ukrainern es möglich zu machen, den Druck der Russen zu verringern, damit dieser Raum so lange wie möglich gehalten werden kann, um möglicherweise dann im Jena eine Art Faustband für Verhandlungen zu haben. Aber die Angriffe selber zeigen, wie prekär sich die Situation zuspitzt. Darum finden sie auch statt. Aber halt nur sehr begrenzt. Sie müssen umfangreicher sein. Jeden Tag zwei, drei Angriffe über zwei, drei Wochen. Dann würde man messbare Erfolge erkennen. Die sieht man aber so nicht. Die Russen rücken vor, die Ukraine ziehen sich zurück.

Eine Frage noch zur Region Kosk. Gibt es von einem User, kann man mittlerweile eine Aussage treffen, wie die nordkoreanischen Soldaten sich an der Front auswirken?

Es gibt bis jetzt keinerlei wirkliche Beweise, dass nordkoreanische Soldaten an der Front eingesetzt sind. Um das geht es auch gar nicht. Wenn Sie sich ansehen, dass die Russen ca. 640.000 Mann im Einsatz haben und diese Zahl kommt vom ukrainischen Generalstab, so sind 12.000 Mann verschwindend gering. Aber das ist ja auch nicht das Ziel dieses Einsatzes. Das Ziel ist im Informationsraum. Es ist eine Botschaft, die Russland sendet. Die Botschaft ist, wir haben die besseren Verbündeten. Wir haben Nordkorea, das uns nicht nur zum zweiten Mal mittlerweile drei Millionen Artilleriegranaten liefert, sondern sogar Soldaten zur Verfügung steht. Wir haben also die besseren Verbündeten als die Ukraine, die um jede Munitionslieferung, um jedes Waffensystem bitten und betteln muss. Und wo es aber faktisch ausgeschlossen wird, dass allierte Soldaten, internationale Truppen faktisch auf ukrainischen Territorien im Einsatz sind. Das heißt, das ist das, was hier zu berücksichtigen ist. Und das setzt sich fort. Das gilt genauso für die Oreschnik und so weiter und so fort. Das sind Zeichen, die ganz gezielt auf Zielgruppen abzielen, ob das die Ukraine und die Bevölkerung dort ist oder der Westen. Das ist die andere Seite. Aber das ist das, was hier im Hintergrund mitschwebt. Sprechen wir nochmal über den Einsatz westlicher Waffen, die weiterreichen. Hier fragt ein User, ob es sinnvoll wäre, Stormshadow oder Attack-Ams jetzt auch gegen die Kärtsbrücke einzusetzen.

Auch hier ist es so, dass diese Waffensysteme entsprechende Reichweiten haben müssen und sie brauchen auch eine reale Chance, um also diese Ziele zerstören zu können. Man weiß, dass Russland in den letzten Monaten massive Anstrengungen unternommen hat, vor allem um die Kärtsbrücke zu sichern. Und man weiß, dass mittlerweile sehr andere ausgebaute Eisenbahnlinien-Staatenverbindungen haben, die eigentlich einen möglichen Ausfall der Kerchbrücke tatsächlich kompensieren können. Das heißt, wenn es zu einer Zerstörung der Kerchbrücke kommen würde, durch wertvolle Munition, durch wertvolle beitragende Systeme, dann würde kein wirklicher Effekt außer der symbolische entstehen. Der symbolische wäre, man könnte zeigen, man hat diese Brücke zerstört, aber auf die russische Logistik hätte es keinen Einfluss mehr. Das hätte einen Einfluss gehabt vor mehreren Monaten oder mittlerweile Jahren, Aber jetzt ist es zu spät, weil die Russen redundant neue Linien ausgebaut haben und diese auch abgesichert haben. Eine der letzten Möglichkeiten, auf diese Linien zu wirken, war die Stadt Uglia da, die ihr so gefallen ist. Von dort aus konnte die Ukraine noch diese Logistikknotenpunkte stören. Aber die Ukraine musste sich zurückziehen. Und das zeigt eben das Dilemma, dass die Russen es schaffen von Monat zu Monat, weil sie offensichtlich die besseren Verbündeten haben, sich so gut aufzustellen, dass sie diesen enormen Druck ausüben können auf die Ukraine. Nun gibt es hier auch verschiedene Fragen nach Friedensverhandlungen und der Rolle der USA. Nun hat Donald Trump gerade mit Keith Kellogg einen neuen Sondergenannten für die Ukraine und Russland ernannt. Diese Personalie, worauf lässt die schließen?

Ja, man muss also hier vorsichtig sein mit allen Spekulationen in eine oder in die andere Richtung. Man muss warten bis auf den 21. Jänner, wenn dann quasi die Präsidentschaft Trump beginnt und wenn wir sehen, was sind die Richtungspunkte, einerseits die der Präsident vorgibt, was sind die Wege, um diese Richtungspunkte zu erreichen und welchen Mitteleinsatz sehen wir und wie wird sich die Administration damit quasi abfinden. Aus meiner Sicht, als rationale Überlegung, ist es sehr unwahrscheinlich, dass man tatsächlich in 24 Stunden diesen Krieg beendet, weil das würde ja als Gesichtsverlust gesehen werden und der Gegner, also Russen und auch alle, die dahinterstehen, würden das sofort als ihren Sieg interpretieren. Das heißt, als rationalen Überlegungen ist das eher unwahrscheinlich. Eher wahrscheinlich wird, dass man versucht, weiter Druck auszuüben, aber sehr wohl dann versucht, zu einer Art Übereinkommen zu kommen, nennen wir es Waffenstillstand, Waffenruhe oder Ähnliches, das sich möglicherweise in einer Situation darstellt, dass die Front, so wie wir sie jetzt kennen, einfriert. Das könnte durchaus sein. Aber auch das bleibt nach wie vor Spekulation. Man muss jetzt wirklich abwarten auf die ersten Schritte, die dann der neue Präsident setzt. Und darauf abgestimmt wird man dann erkennen können, wie die weiteren Schritte gesetzt werden. Wenn man sich mit der Person Trump befasst oder auch Biografien über ihn liest, dann kann man erkennen, dass er offensichtlich sehr wohl in der Lage ist, auch rational zu handeln, obwohl er sehr emotional und impulsiv ist. Aber es steht mir nicht zu, das zu bewerten. Der Punkt ist, wir sehen also hier durchaus, dass es zu einer Veränderung kommen wird. Ich denke, wir sollten alle hoffen, dass die Veränderung bedeutet, dass dieser Krieg schlussendlich endet. Und das ist das Wichtige an dieser ganzen Sache.

Lassen Sie uns ganz kurz nochmal zum Ende über das Material der Ukraine sprechen, das ihr zur Verfügung steht. Da gab es jetzt die Meldung, dass es mit schadhaften Mörsergranaten in großem Stil Probleme gab, die nicht funktioniert haben, die Fehlfunktionen hatten. Können Sie das nochmal erklären, was da passiert ist?

Hier gibt es auch einige Videos, die zeigen, dass diese Granaten die Rohre nicht verlassen. Das deutet aus meiner Sicht sehr klar darauf hin, dass es Probleme mit den Treibladungen gibt. Das kann einerseits sein, dass diese Treibladungen fehlerhaft sind, aber andererseits auch, dass sie zum Beispiel durch Nest sind und damit nicht wirklich zünden können. Sie sehen das auch hier in diesem Video. Das zeigt im Prinzip, dass die Schwierigkeit besteht, unter kriegsmäßigen Bedingungen gute Qualität zu liefern. Und das ist das Dilemma, das wir hier sehen. Die Ukraine muss es quasi in der Not versuchen zu überleben. Und da tut sie das, was notwendig ist. Und die Produktion, die hier getan wird, die auch spektakulär präsentiert ist, das ist sicher eine Möglichkeit, das zu liefern, was möglich ist. Die Frage ist, ob man die Qualitätsstandards einhalten kann. Und wie man erkennen kann, kann es dann sein, dass zum Beispiel durch eine Fehlproduktion, durch fehlerhafte Treibladungen in diesem konkreten Fall, es dazu kommt, dass eine ganze Munitionscharge ausfällt, was natürlich verheerende Folgen hat. Denn wenn man dann bedenkt, dass gerade der Mörser, also von Kaliber 82 bis 120 Millimeter, eine der wichtigsten Waffen ist der ukrainischen Seite, um die Russen auf Distanz zu halten, dann sieht man, dass das dann sofort einen massiven Einfluss haben kann.

Schauen wir nochmal auf die andere Seite, was das Material angeht. Christian Jakob sagt oder fragt oder weist darauf hin und Sie schätzen es uns bitte als Experte gleich ein. Im Oblast Coast kamen die Russen schon 3.500 schweres und 6.500 leichtes Kriegsgerät seit August 2024 verloren. Sind das realistische Zahlen aus Ihrer Sicht?

Ja, hier gibt es unterschiedliche Zahlen und es gibt also eine ganze Gemeinde von unterschiedlichen Bloggern, Geeks, wie auch immer wir sie nennen, die quasi Stunden und Tage damit verbringen, all dieses Militärgerät zu sehen, das zerstört ist. Es gibt aus meiner Sicht sehr wohl seriöse Quellen, die man also hier heranziehen kann zur Analyse. Ich nenne jetzt eines OREX, es gibt hier geteilte Meinungen dazu, aber ich finde es bemerkenswert, dass seit Beginn des Krieges man sich hier die Mühe macht, jeden einzelnen Verlust beider Seiten fotografisch zu dokumentieren. Da passieren auch hier und da Fehler, aber der große Trend ist quasi aus meiner Sicht richtig. Und man sieht, dass die Russen enorme Verluste erlitten haben, aber auch die Ukraine hat enorme Verluste erlitten. Und man sieht, dass im Verhältnis der Verluste zueinander die Russen, so schlimm das ginge, immer noch im Rahmen der militärischen Norm sind. Das heißt, der Eingreifer braucht eine Überlegenheit von zumindest drei oder vier gegenüber dem Verteidiger. Und die Russen sind in diesem Rahmen, was die Verluste betrifft. Man weiß auch aufgrund der Analyse von den Panzerabstellplätzen, von den Schrottplätzen, dass die Russen diese zunehmend leeren. Aber man geht davon aus in der Experten-Szene, dass es noch circa das Material für zwei, drei Jahre verfügbar ist, inklusive der Neuproduktion. Die große und entscheidende Frage ist, hat auch die Ukraine das Gerät, um diese zwei, drei Jahre durchzuhalten? Und wenn man sich die Zahlen der Lieferungen ansieht, dann sieht man klar, dass das Gerät nicht ausreicht. Es reicht nicht, 31 Abrams zu liefern, sondern man bräuchte mindestens 310, damit man die Russen auf Distanz halten könnte. Und es brauchte wahrscheinlich 3.100, damit man realistisch beginnen könnte, diese Gebiete wieder zurückzuerbauen.

3.100 erscheinen Ihnen groß, aber denken Sie an die Ausdehnung der Front. 1.200 Kilometer von Norddeutschland bis Norditalien, da verschwinden diese 3.100 Panzer einfach im Gelände.

Oberst Reisner, eine letzte Frage zum Ausblick auf den Winter. Wir haben anfangs über die Zerstörung der Energieinfrastruktur gesprochen. Sie haben die russischen Vormärsche an den einzelnen Frontabschritten beschrieben. Sie haben auf die Mängel in der ukrainischen Ausstattung hingewiesen. Wir haben darüber gesprochen, dass es an Soldaten fehlt. Wie ist Ihre Gesamteinschätzung jetzt Ende November? Ja, dazu habe ich schon mehrere Bewertungen verfasst im Laufe der letzten Monate. Und auch hier, ganz klar, die haben natürlich alle im Kern einen pessimistischen Charakter. Warum? Weil ich darauf hingewiesen habe, dass wenn also zum Beispiel nicht mehr Fliegerpär verfügbar ist, dann wird die kritische Infrastruktur weiter zerstört sein. Das ist passiert. Wir sind deshalb bei circa 80 Prozent Schaden zu einer Beschädigung. Ich habe auch darauf hingewiesen, dass die Russen in diesem Winter noch einmal enorm die Schrauben andrehen werden, um den Druck weiter zu erhöhen auf die Ukraine. Wir sehen es. Wir haben jetzt allein im November zwei massive Luftangriffe erlebt, in einer Qualität, wie wir sie bis jetzt kaum gesehen haben. Also das heißt, auch hier ist die Prognose, obwohl sie pessimistisch war, eingetreten. Natürlich gibt es positive Elemente, die man klar erwähnen kann. Der Grund, dass die Ukraine immer noch kämpft, diesen Abwehrkampf führt, alleine hat er schon Geschichte geschrieben. Das ändert aber nichts daran, dass am Ende abgerechnet wird. Und das ist das große Risiko, dass alles das, was die Ukraine erreicht hat, plötzlich in Gefahr ist, weil im letzten Moment quasi die notwendige Unterstützung aufgehört hat und alles zusammenbricht und da kann alles sehr schnell gehen.

Oberst Reisner rechnet also mit einem weiteren Vorrücken der russischen Armee. Einen operativen Durchbruch an der ukrainischen Front sieht er aber noch nicht. Und für den weiteren Verlauf des Winters befürchtet er mehr russische Luftschläge, die die Ukraine strategisch schwächen und die Bevölkerung terrorisieren. In unserem Ukraine-Update reden wir jede Woche mit Experten und unseren Korrespondenten und Reportern über die Entwicklungen und Hintergründe und analysieren mit detaillierten Karten die Lage an der Front. Schaut gerne mal rein auf YouTube oder der ZDF Heute App und stellt eure Fragen. Vielen Dank fürs Reinhören und bis zum nächsten Mal.

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