WEBVTT

00:00:01.437 --> 00:00:07.817
Hallo ihr lieben Leute da draußen. Hier ist Suse von Wofür stehst du morgens auf?

00:00:08.097 --> 00:00:13.337
Auch mit einem wunderschönen Gruß von Tobias, der leider heute nicht dabei sein kann.

00:00:13.777 --> 00:00:17.497
In den nächsten Wochen gibt es noch mal mehr Inspiration.

00:00:17.757 --> 00:00:22.497
Wir teilen nämlich die schönsten und bewegendsten Momente aus dem letzten Jahr

00:00:22.497 --> 00:00:24.877
von Wofür stehst du morgens auf?

00:00:25.237 --> 00:00:29.337
Ich freue mich riesig drauf und ich freue mich drauf, wenn ihr.

00:00:39.901 --> 00:00:45.521
Es geht ja um den Buchstaben J, J wie JOMO und das ist?

00:00:45.681 --> 00:00:51.801
Joy of Missing Out, die Freude des Weglassens oder auch vielleicht des Verzichtens. Verpasstens, genau.

00:00:53.781 --> 00:01:00.081
Aber jetzt sage ich zu den lieben HörerInnen, bitte, bitte jetzt nicht ausschalten,

00:01:00.221 --> 00:01:01.841
verpasst diese Folge nicht.

00:01:02.721 --> 00:01:08.781
Okay, alles klar, halb verstanden, tschüss. Und was JOMO ist und es hat ja auch

00:01:08.781 --> 00:01:13.941
mit FOMO zu tun, darum geht es heute und auch, wo kommt dieser Begriff eigentlich her?

00:01:14.041 --> 00:01:16.581
FOMO musst du noch erklären, Fear of Missing Out.

00:01:16.821 --> 00:01:23.161
Das stimmt und was gibt es vielleicht auch für Nebenwirkungen und Risiken?

00:01:23.823 --> 00:01:28.823
Oder wie kann man Jomo vielleicht auch in das Leben einladen,

00:01:28.943 --> 00:01:31.623
also bewusst auf Sachen zu verzichten?

00:01:33.863 --> 00:01:39.383
Bist du eher Jomo oder eher Fomo-Tulvia? Also ich war traditionell immer in

00:01:39.383 --> 00:01:41.083
der Familie verschiedener als Jomo.

00:01:41.223 --> 00:01:45.503
Ich konnte selbst inmitten von unglaublich viel auch Arbeit und ähnlichen Momente

00:01:45.503 --> 00:01:47.683
des Cloud-Watchings, des Wolkenanguckens.

00:01:47.883 --> 00:01:50.123
Es gab immer irgendeine Bank. Ich hatte immer meine Lieblingsplätze,

00:01:50.283 --> 00:01:53.483
egal wo ich war und lebte, in welchem Kontinent, in welchem Land, aber auch immer.

00:01:53.823 --> 00:02:02.483
Es gab immer Orte, wo ich sofort in der Sekunde sozusagen ins Wolken angucken

00:02:02.483 --> 00:02:03.723
und Tagträumen gehen konnte.

00:02:04.663 --> 00:02:08.383
Ich muss zugeben, dass über die letzten Jahre ich das zunehmend leider vielleicht

00:02:08.383 --> 00:02:09.523
auch formalisiert habe.

00:02:09.943 --> 00:02:16.723
Meditation, bestimmte Rituale, wo ich sozusagen beim Joggen im Prinzip abschalte.

00:02:16.923 --> 00:02:21.583
Ja, aber da sind immer Tätigkeiten mit verbunden. Also dieses tätigkeitslose,

00:02:21.603 --> 00:02:25.663
einfach nur da sein und Tag träumen, was ich vom Typ eigentlich gut kann,

00:02:26.063 --> 00:02:28.783
habe ich tatsächlich in den letzten Jahren immer weniger gemacht.

00:02:29.183 --> 00:02:32.763
Du, mehr Jumo oder mehr Fogo? Ich bin auch ein Jumo, tatsächlich.

00:02:33.343 --> 00:02:39.403
Weil ich kann gut, ich habe ja zu Hause so einen Menschen, der gerne viel macht

00:02:39.403 --> 00:02:42.123
und ausgeht und Nachtleben und ich weiß nicht.

00:02:42.323 --> 00:02:44.423
Und ich kann gut sagen, ja mach mal.

00:02:45.113 --> 00:02:50.813
Ich bleibe jetzt zu Hause und lasse mir eine Badewanne ein und höre ein bisschen Musik.

00:02:51.153 --> 00:02:55.093
Und ja, ins Blätterwerk, ich gucke Wolken auf.

00:02:55.173 --> 00:02:58.653
Ja genau, es ist lustig, dass du das mit den Wolken erzählst,

00:02:58.813 --> 00:03:02.493
weil ich das tatsächlich auch immer tue. Und ich freue mich immer an Wolken.

00:03:02.853 --> 00:03:06.113
Und mein Mann sagt immer, lass mich doch mit deinen Wolken in Ruhe.

00:03:08.213 --> 00:03:13.733
Ein Begriff, den es ja wahrscheinlich ohne internetfähiges Handy und Social

00:03:13.733 --> 00:03:20.713
Media Nutzung gar nicht geben würde, oder? Ja, jein.

00:03:20.893 --> 00:03:25.073
Also in der Kunst, in der Poesie, auch in der Malerei,

00:03:25.393 --> 00:03:30.353
auch in der Musik gibt es natürlich die Tradition von Musik,

00:03:30.533 --> 00:03:38.453
die sozusagen keine Richtung hat, die sozusagen zeitlos ist oder die mich zerstreut.

00:03:40.013 --> 00:03:43.773
Hast du mal ein Beispiel von irgendeinem? Also ich könnte jetzt zum Beispiel

00:03:43.773 --> 00:03:50.253
sagen, so Minimal Music, wo endlose, quasi fast zufällige Tonreihen kommen,

00:03:50.493 --> 00:03:52.033
die gar keine Entwicklung haben.

00:03:52.173 --> 00:03:55.233
Oder dieses berühmte Wolken angucken, Cloud Watching.

00:03:55.473 --> 00:04:01.153
Sich einfach Muße sozusagen zuzulassen, Muße, auch dieser wunderbare Begriff,

00:04:01.313 --> 00:04:06.013
einfach mal die Dinge sein lassen und was gerade ist zu betrachten, vorurteilsfrei.

00:04:06.293 --> 00:04:09.333
Aber das ist doch Achtsamkeit. Das ist auch Achtsamkeit, ganz genau.

00:04:09.513 --> 00:04:14.533
Deswegen ist eben auch dieses Gefühl, Jomo, Jomo, Joy of Missing Out,

00:04:14.733 --> 00:04:19.793
dieses schöne Gefühl, was da mitkommt, der Joy, mal bewusst einem Impuls nicht

00:04:19.793 --> 00:04:23.673
zu folgen und nicht immer da mitzumachen, der erzeugt plötzlich einen Raum.

00:04:23.933 --> 00:04:27.213
Und dieser Raum heißt, ich bin erst mal mit dem, was ist.

00:04:27.453 --> 00:04:30.993
Wenn ich jetzt noch achtsam bin, dann habe ich eine große Chance,

00:04:31.153 --> 00:04:35.173
plötzlich etwas wahrzunehmen, was ich andererseits sonst verpasst hätte.

00:04:37.493 --> 00:04:40.173
Wir haben oft das Gefühl,

00:04:40.909 --> 00:04:45.929
dass da draußen etwas auf uns wartet, was unglaublich attraktiv ist und was

00:04:45.929 --> 00:04:49.669
wir unbedingt brauchen und was vielleicht das eine ist, auf das wir immer gewartet haben.

00:04:50.209 --> 00:04:54.569
Die Idee der einen Mensch, den ich treffen werde, die eine Idee,

00:04:54.829 --> 00:04:58.429
die eine Situation, die ich dann verpassen könnte.

00:04:58.649 --> 00:05:03.809
Das heißt, wir haben oft nicht das Zutrauen, wir hatten beim letzten Mal Intuition,

00:05:04.529 --> 00:05:06.949
diesem inneren Impuls Raum zu geben.

00:05:07.669 --> 00:05:10.729
Und was dann passiert, es ist ja erstmal überhaupt nichts dagegen einzuwenden.

00:05:10.729 --> 00:05:13.589
Da draußen ganz viel unterwegs zu sein. Nur was passiert ist,

00:05:13.669 --> 00:05:15.369
wir werden auf eine gewisse Art unfrei.

00:05:15.989 --> 00:05:21.149
Wir glauben, dass da draußen die Befreiung für all das ist, was uns heute möglicherweise mangelt.

00:05:21.249 --> 00:05:25.249
Und auch nur, wenn wir denken, es könnte mangeln, wir verpassen die Chance,

00:05:25.589 --> 00:05:29.229
dass die eigentliche Freiheit darin liegt, eine Entscheidung zu treffen.

00:05:29.429 --> 00:05:33.229
Jetzt rauszugehen oder die Entscheidung eben auch nicht rauszugehen.

00:05:33.349 --> 00:05:37.409
Beides ist in Ordnung. Aber beides hat damit zu tun, dass ich im Führer oder

00:05:37.409 --> 00:05:41.989
Führerinnenhaus meines Autos sitze, Sprich, die Entscheidung, die Kontrolle habe ich.

00:05:42.209 --> 00:05:44.489
Nicht die anderen, die mich einladen, nicht die E-Mail, die kommt,

00:05:44.569 --> 00:05:48.929
das Event. Sondern ich bin selbst bewusst im wahrsten Sinne des Wortes und kann

00:05:48.929 --> 00:05:49.849
diese Kontrolle übernehmen.

00:05:50.029 --> 00:05:55.629
Und wenn das passiert, kann es passieren, dass die Freiheit plötzlich im Inneren entsteht.

00:05:58.029 --> 00:06:01.589
Das eine, was mir dazu einfällt, ist, dass ich mich erinnere,

00:06:01.669 --> 00:06:06.409
wenn ich dann auf zwei Partys eingeladen worden bin und an einem Tag und ich

00:06:06.409 --> 00:06:10.289
das tatsächlich gemacht habe, dass ich das Gefühl hatte, ich bin auf der einen

00:06:10.289 --> 00:06:12.449
nicht richtig und auf der anderen auch nicht richtig da.

00:06:12.449 --> 00:06:15.889
Es gibt bei Willem Wusch dieses wunderbare Bild, ich glaube, er heißt Mr. Peef.

00:06:17.783 --> 00:06:23.263
Da guckt jemand durch das Fernrohr die Welt an. Er guckt nur durch das Fernrohr die Welt an.

00:06:23.443 --> 00:06:26.683
Und unter dem Bild steht, schön ist es auch anderswo.

00:06:26.963 --> 00:06:28.523
Und hier bin ich ja sowieso.

00:06:29.083 --> 00:06:31.463
Das heißt, die Idee, ich bin immer woanders, weil hier bin ich ja sowieso.

00:06:31.763 --> 00:06:36.883
Die Ironie dieses Bildes von Willem Busch ist natürlich, ich bin eben weder noch. Ja, genau.

00:06:37.343 --> 00:06:40.863
Das ist so das eine, was mir dazu einfällt. Und das andere ist,

00:06:42.203 --> 00:06:47.683
du hast jetzt gerade zum Schluss gesagt, es mit mir selber auszuhalten.

00:06:47.783 --> 00:06:51.583
Denn das heißt ja auch, also wenn ich sage, es gibt einen Außen und es gibt

00:06:51.583 --> 00:06:57.503
einen Innen, das heißt ja auch, diesen inneren Raum wahrzunehmen, oder?

00:06:58.320 --> 00:07:03.760
Genau, diese Lehre. Also ich sage jetzt mal, Lehre ist ein guter Begriff. Lehre macht uns Angst.

00:07:03.880 --> 00:07:07.440
Das Schöne ist, also jetzt kommt wieder Buddhismus, aber das gibt es in vielen

00:07:07.440 --> 00:07:12.100
Religionen, auch im Christentum, diese Idee, dass Lehre und Fülle im Grunde

00:07:12.100 --> 00:07:16.520
genommen zwei Seiten einer Medaille sind. Weil die Lehre erlaubt mir,

00:07:16.680 --> 00:07:18.820
all das, was jetzt ist, wahrzunehmen.

00:07:18.920 --> 00:07:22.980
Meine Mutter, 91-Jährig, beschreibt immer ihr Leben als ein Kelch.

00:07:23.160 --> 00:07:27.280
Und sie steht jetzt oben am Rand und schaut in diesen Kelch herein und sieht,

00:07:27.360 --> 00:07:29.700
wie dankbar sie ist bei allen Schwierigkeiten.

00:07:29.860 --> 00:07:32.580
Meine Mutter hatte kein leichtes Leben und hat auch jetzt kein leichtes Leben.

00:07:32.660 --> 00:07:35.340
Und trotzdem sagt sie, ich schaue in diesen Kelch und schaue,

00:07:35.440 --> 00:07:37.220
was da alles drin ist in meinem Leben.

00:07:37.600 --> 00:07:41.720
Das heißt, wenn ich die Lehre zulasse, dann sehe ich gleichzeitig auch die Fülle.

00:07:44.020 --> 00:07:50.780
Was gewinnen wir denn, also wenn wir bewusst verzichten, wenn wir statt im Internet

00:07:50.780 --> 00:07:57.100
zu surfen, also Freude, trifft es das schon ganz gut oder wie würdest du das beschreiben?

00:07:57.100 --> 00:08:00.660
Ja, also die Freude ist eigentlich sekundär.

00:08:00.740 --> 00:08:06.000
Die Freude ist im Grunde genommen dieses, wenn ich überwinde diesen Impuls,

00:08:06.320 --> 00:08:11.480
mich immer wieder abzulenken und plötzlich merke, dass über den Moment der Leere

00:08:11.480 --> 00:08:14.960
hinaus jetzt etwas hineintrifft, was ich sonst übersehen hätte.

00:08:15.040 --> 00:08:17.360
Das sind vielleicht manchmal ganz zarte, kleine Dinge.

00:08:17.660 --> 00:08:20.560
Ganz unscheinbare Dinge, die plötzlich auftauchen.

00:08:20.900 --> 00:08:26.460
So als wenn du mit einer Taschenlampe in den Garten leuchtest im Abend oder

00:08:26.460 --> 00:08:30.400
im Park oder auf der Parkbank und einfach nur guckst, was passiert.

00:08:30.580 --> 00:08:31.840
Und plötzlich siehst du dann eben,

00:08:32.538 --> 00:08:36.978
Zwei Augen. Zwei Augen, dieses Eichhörnchen oder den einen Hasen, der da auftaucht.

00:08:37.058 --> 00:08:41.258
Oder auch nur die Grashalme, die sich in einer besonderen Weise bewegen.

00:08:41.518 --> 00:08:45.078
Das heißt, du musst anwesend sein und musst es zulassen können.

00:08:45.758 --> 00:08:49.898
Und die Freude ist dann die Konsequenz, es gemerkt zu haben.

00:08:52.498 --> 00:08:57.738
Ja, und damit verabschieden wir uns für heute von euch wieder mit unserem Podcast

00:08:57.738 --> 00:08:59.378
Wofür stehst du morgens auf?

00:08:59.658 --> 00:09:02.458
Wir hoffen, es hat euch gefallen. Ihr konntet was mitnehmen.

00:09:02.538 --> 00:09:04.198
Mir hat es Freude gemacht.

00:09:04.658 --> 00:09:08.938
Habt es gut und wir hören uns. Tschüss. Tschüss.

00:09:16.678 --> 00:09:19.118
Ein Podcast von Funke.

