Resilienz stärken. Das hören wir in unserer Zeit immer häufiger. Aber wusstet ihr, dass neben eurer eigenen Resilienz auch die Resilienz von Systemen, wie zum Beispiel Kliniken oder dem Gesundheitssystem wichtig sind? Du als Assistenzärztin, du kannst noch so schönes Resilienztraining machen und Teamgespräche. Wenn du permanent überfordert bist wegen Personalmangel, dann brauchst du zwar immer noch die Resilienz, aber es fällt natürlich sehr viel schwerer, mit diesem Stressor dann umzugehen. Das heißt, der Geschäftsführer muss dafür sorgen, dass er auch die Strukturen hinstellt, damit wir alle dort vernünftig arbeiten können. Das ist Professor Dr. Jan Galle. Er ist Direktor der Klinik für Nephrologie und Dialyseverfahren am Klinikum Lüdenscheid und hat als Vorsitzender der DGIM im letzten Jahr das Thema Resilienz in den Vordergrund gestellt. Wir besprechen, was genau Resilienz eigentlich ist, mit welchen Stressoren wir insbesondere in der Krankenversorgung konfrontiert sind und wie wir und das System resilienter werden können. Womit stärkt ihr eure Resilienz? Stimmt ab in der Umfrage und jetzt viel Spaß mit der Folge.
Gibt es etwas, was du täglich oder zumindest regelmäßig machst, um deine eigene Resilienz zu stärken? Oh ja, also wenn es jetzt um den Begriff Resilienz auf der persönlichen, individuellen Ebene geht, dann kann ich das ganz einfach mit Ja beantworten. Ich versuche immer wieder Abstand zu kriegen von der Arbeit und das gelingt mir sehr gut über meine Hobbys. Da habe ich tatsächlich einige. Also ich mache fast jeden Tag Sport, das ist mir sehr wichtig, weil ich ja auch viel sitzende Tätigkeit habe. Ich laufe ja nicht nur über Stationen, wie du das wahrscheinlich tust, überwiegend. Das heißt, ich gehe ein bisschen weniger Schritte. Das hole ich abends nach. Aber ich habe auch ein anderes sehr schönes Hobby. Das ist die Fliegerei. Und das ist was ganz Spezielles. Oh, schön. Cool. Also da bin ich ein bisschen neidisch, muss ich kurz erwähnen. Wollte ich auch immer anfangen. Da hast du auch einen Grund, neidisch zu sein. Aber du bist ja noch jung und kannst es ja noch anfangen.
Also am Fliegen gibt es ja so ein paar Plattitüden dazu. Über den Wolken muss die Freiheit grenzenlos sein oder man hebt ab und so. Das stimmt aber, das ist wirklich so. Und ich habe das Mieterfliegerei bei mir ganz besonders gemerkt, als ich die stressigste Phase in meinem Berufsleben hatte. Und das war in den Corona-Jahren. Da ging es uns in einem Großklinikum, wo wir teilweise über 40 beatmete Corona-Patienten hatten, wirklich so, dass die Arbeitsbelastung absolut an der Grenze da eigentlich drüber war. Damals hat mir, das habe ich noch richtig gemerkt, hat mir das Fliegen extrem gut getan, weil es bedeutet, man hebt ab und man lässt die Probleme auf dem Boden. Schöner Vergleich und man kann es gut nachempfinden. Du hattest schon gesagt, die Resilienz auf der persönlichen Ebene. Wie genau definiert man denn jetzt Resilienz und welche Unterschiede gibt es da? Ich muss da vielleicht noch auch einen Satz vorausschicken. Ich selber bin überhaupt kein Resilienz-Spezialist, außer dass ich vielleicht ganz gut für mich persönlich weiß, was mir gut tut.
Und Resilienz ist ja auch ein Begriff, der in den letzten Jahren sehr viel auf allen möglichen Ebenen zum Einsatz gebracht wurde. Das ist ein richtiges Modewort geworden. Deswegen ist es schon wichtig, wenn wir über Resilienz reden, dass wir erstmal definieren, welche Resilienz meinen wir denn. Es gibt die Resilienz auf ganz individueller Ebene. Da geht es also um das, womit sich auch Psychologen befassen. Und dann gibt es aber auch Resilienz, die Organisationen betrifft oder Gesellschaften oder Staatengebilde. Und da gelten natürlich andere Definitionen. Also wenn man mal zu der individuellen Resilienz geht und sich anschaut, was die Psychologen dazu sagen, dann sagen die, das ist der Umgang mit Stressoren. Und dann redet man da von sogenannten Rückstellkräften. Also ich gebe dir ein Beispiel. Wenn jetzt ein Löwe auf dich zugerannt kommt, dann hast du Stress, vermute ich mal. Und dann musst du deinen Körper in irgendeiner Art und Weise aktivieren, erst mal mit diesem akuten Stressor, in dem Fall der Löwe, umzugehen. Und wenn ein Baum in der Nähe ist, dann wäre es ganz sinnvoll, da hochzuklettern. Oder du machst irgendwas, ist wurscht. Also man kann dir das Beispiel ein Bildhaft vorstellen.
Und dann kommt die Phase, wo die Stressoren oder der Stressor wieder weg ist und dann muss der Mensch wieder zurückfinden und seine ursprüngliche Balance, seinen Ruhezustand wieder einnehmen. Und bei uns Menschen spielen da dann Hormonsysteme eine große Rolle. Also du brauchst Adrenalin, keine Frage, um auf den Baum zu kommen und zu flüchten oder sonst irgendwas zu tun, aber hinterher muss er wieder runterkommen.
Und das ist etwas, wo sich die Psychologen, die Psychosomatiker befassen und dann auch die Regelkreisläufe auf hormoneller Ebene untersuchen. Also das ist mal so ein bisschen eingeordnet, wenn man von individueller Resilienz spricht. Umgang mit Stressoren, daraus lernen und auch wieder zurückkommen, also Rückstellkräfte aktivieren. Und was braucht es dafür? Für eine medizinische Fachgesellschaft, da geht es natürlich um ganz andere Dinge oder um Organisationen, ein Krankenhaus. Aber auch da letztlich geht es darum, dass man Widerstandsfähigkeit entwickelt, um mit Situationen klarzukommen, die einen herausfordern. Also Stress ist was völlig Normales und Resilienz ist aber auch etwas völlig Normales. Die ist aber unterschiedlich ausgeprägt. Die einen haben es da besser drauf, wieder sich zurückzustellen oder manche Organisationen sind sehr viel besser aufgestellt von ihrer Struktur her als andere. Ja, würdest du sagen, dass man, wenn man jetzt von der individuellen Resilienz ausgeht, man das von Geburt an hat, so einen gewissen Grad und man sich das irgendwie noch…, ein bisschen aneignen kann oder ist es so, dass man sich alles im Laufe des Lebens aneignet durch Situationen, durch Erlebnisse? Das ist jetzt auch wieder meine persönliche, vielleicht leidenhafte Sicht. Ich würde sagen, auf jeden Fall beides. Nenn mir, du bist Ärztin, irgendetwas, was nicht auch genetisch mitbedingt ist. Da fällt mir fast nichts ein.
Also die Genetik und die Grundausstattung, wie wir auf die Welt kommen, spielt eine Rolle. Davon bin ich überzeugt. Aber alles, was uns sozialisiert und was wir an Umgebung haben, was wir auch an Ressourcen zur Verfügung haben, das unterscheidet sich natürlich. Das ist nicht genetisch bedingt. Und Resilienz ist ein lebenslanger Prozess. Das ist nichts, was man mit drei Jahren beginnt oder mit 15 Jahren in der Pubertät oder als Berufsanfänger, keine Ahnung. Das ist eine permanente Auseinandersetzung, mit Stressoren besser umgehen zu lernen. Und das hört auch nie auf, solange man überhaupt lernen kann. Ich habe gerade so eine persönliche Situation. Ich habe mein Kind vom Kindergarten abgeholt und auf dem Weg dahin ist ein großer Transporter in einen kleinen Transporter reingerast und beide zusammen auf die Terrasse von einem Restaurant und großen Schaden angerichtet. Und klar, erster Moment, woran man denkt, Moment, ich war ja was, ich bin Ärztin, ich musste erst mal hin und helfen. Das heißt, erst mal überlegen, was macht man als erstes? Und das ist ja auch so eine, in Anführungsstrichen, Stresssituation, weil man es nicht gewohnt ist, wenn man jetzt nicht vielleicht in der Notaufnahme arbeitet oder regelmäßig im RTW mitfährt. Und da habe ich auch gemerkt, also je öfter einem das passiert, desto entspannter ist man damit auch. Und desto besser kann man mit solchen Situationen auch umgehen und auch.
Strukturierter in dem Moment vorgehen. Das finde ich auch irgendwie so ganz wichtig. Also dass man halt die richtigen Sachen im richtigen Moment macht und dann wieder zurückzufinden. Das, was du gesagt hattest mit den Rückstellkräften zurückzufinden, das Kind abzuholen, das dann nicht abzuladen und dann wieder nach Hause zu gehen. Also das ist jetzt eine sehr individuelle Situation, die man wahrscheinlich auch auf den Berufsalltag einfach übertragen könnte. Ja, und man kann daran bildhaft oder beispielhaft auch ein paar Dinge ableiten. Also Du hast schon das Wort Struktur benutzt. Struktur ist sicher ganz maßgeblich für Umgang mit Stressor und im beruflichen Umfeld. Du brauchst, wenn du als Assistenzärztin tätig bist, in der Notaufnahme oder auf Station, brauchst du auch eine Struktur, die dich darin unterstützt. Ich denke, das werden wir nachher auch gleich noch ein bisschen vertiefen. Dann musst du aber auch einfach klar im Kopf sein. Also wenn du so eine Situation wie einen Verkehrsunfall erlebst und sagst so, Gott, Gott, Gott, Gott und ich bin Ärztin, muss helfen.
Stellst dein Auto irgendwo ab, lässt die Tür offen, rennst raus, fängst an, irgendwas rumzumachen, dann ist schon mal, Moment, was ist eigentlich mit deinem Kind? Das heißt, zur Resilienz in der Situation oder zum Umgang mit dieser Stresssituation gehört ja auch, dass man eine Ordnung im Kopf behält und dass du als erstes mal dich und dein Kind sicherst, bevor du jemand anderem helfen kannst. Und dann, auch da kann man schön ableiten, wenn du das das erste Mal in der Situation hast, dann bist du natürlich unsicherer und geforderter, als wenn du das zum wiederholten Male hast. Auch da kann man das übertragen in der Notaufnahme. Man muss die Dinge, die man da tut, ja trainieren. Und du brauchst Anleitungen für das Training. Du machst das nicht alleine und rennst da los, sondern du brauchst einen Oberärzt, eine Oberärztin, die dir die Struktur schafft, dass du lernen kannst am Beispiel und nicht gleich überfordert bist. Wohingegen klar auch ist, Forderungen soll das schon geben. Also.
Und Resilienz zu haben, bedeutet nicht Stressvermeidung. Du bist Ärztin, du willst ja auch mit diesem Unfall umgehen können. Aber vielleicht nicht gleich mit einem Massenunfall, sondern so nach und nach und nach rangearbeitet werden. Und das eben auch für unser Arbeitsumfeld in der Klinik. Da braucht man einen guten Supervisor, der eine Struktur schafft, an der man lernen kann, der das beobachtet und der dann auch loslässt, damit du deine Erfahrungen machen kannst, auch wenn es teilweise negative, dicke sind. Aber dann musst du auch ja jemand haben, mit dem du darüber reden kannst und das ist ebenfalls etwas, was zum Aufbau einer resilienten Struktur im Arbeitsumfeld gehört man braucht eine Umgebung, die einen unterstützt aber du brauchst auch eine Umgebung, die mit dir kommuniziert und wo du ein Feedback bekommst, was du machst also jetzt sind wir schon ziemlich im Detailbeispiel aber ich glaube, das lässt sich daran gut ableiten, Ich denke auch, dass das viele nachempfinden können. Also man kann das ja gut übertragen, wie ich schon meinte, auf den Berufsalltag. Es muss ja gar nicht auf der Straße sein, auf dem Weg irgendwo hin. Ich meine, wir sind jederzeit beruflich unterwegs. Ob das jetzt nun draußen ist oder auf der Arbeit. Auf der Arbeit natürlich auch ein bisschen fokussierter. Aber sowas kann natürlich auch auf der Arbeit passieren. Einfach ein Notfall, der einen aus diesem Arbeitsalltag rausreißt, wo man dann, wie du gut erwähnt hast, die Struktur sich aufbauen muss, zu sagen, was ist jetzt das Wichtigste, was steht an oberster Stelle und was folgt danach.
Und dann auch dieses Rekapitulieren des Erlebten und das Mitnehmen am besten daraus für sich ein Feedback ziehen oder man bekommt Feedback für die Situation. Das finde ich auch immer eigentlich ganz schön, dass man die Situation nochmal durchspricht, wenn das jetzt was Extremes ist und daraus lernt, dass man das mitnimmt fürs nächste Mal und dann einfach gestärkter in so eine Situation reingehen kann, wenn man das jetzt auf persönlicher Ebene sieht. So ist es. Warum würdest du sagen, ist Resilienz eigentlich wichtig? Also wir haben viel erwähnt, aber gibt es so einen Punkt, wo du sagst, das ist es? Es gibt ja nicht eine Resilienz, sondern wie schon eingangs gesagt, es gibt die Resilienz auf individueller Ebene, die Resilienz von Organisationen, von Staaten. Das ist das ganz groß machen wir jetzt. Und jeder wird bestätigen, dass es auf all diesen Ebenen maßgeblich wichtig ist, Resilienz zu entwickeln und auch zu prüfen, ob man die hat. Also für das Individuum, der Umgang mit Stress lässt sich nicht vermeiden. Also müssen wir lernen, wie wir das können.
Aber auch eine Organisation wie ein Krankenhaus ist gut beraten, sich resilient aufzustellen. Und ich hatte vor kurzem ein Treffen, das war also eine Tagung, wo wir das Thema Resilienz zum Schwerpunkt gemacht hatten. Das war von der Deutschen Gesellschaft Innere Medizin veranstaltet. Wir hatten das Opinion Leading-Programm. Meeting genannt, also ein bisschen hochtrabender Begriff, Opinion Leader. Das ist nicht meine Erfindung, aber das ist die Tradition dieser Veranstaltung. Aber was wir da gemacht haben, war, dass wir Menschen aus allen möglichen Bereichen, die was mit Gesundheit zu tun haben, also Gesundheitspolitiker, Krankenkassenvertreter.
Pflegeverbandsvertreter, Ärzte, aber zum Beispiel auch einen Geschäftsführer eines Großkrankenhauses eingeladen hatten und wir haben zwei Tage über Resilienz geredet. Dann der Geschäftsführer, den ich eingeladen hatte, ist mein eigener Boss und war sehr motiviert, sich dieser Thematik zu stellen. Und er hat einen Vortrag gehalten. Ich hatte ihn also gebeten, was kann er denn als Geschäftsführer tun, um das Krankenhaus, dem er nun mal vorsteht, resilienter zu gestalten. Das ist dann natürlich auch auf ganz vielen Ebenen. Und klar ist natürlich, er muss Ressourcen haben. Also auch du als Assistenzärztin, du kannst noch so schönes Resilienztraining machen und Teamgespräche, wenn du permanent überfordert bist wegen Personalmangel.
Dann brauchst du zwar immer noch die Resilienz, aber es fällt natürlich sehr viel schwerer, mit diesem Stressor dann umzugehen. Das heißt, der Geschäftsführer muss dafür sorgen, dass er auch die Strukturen hinstellt, damit wir alle dort vernünftig arbeiten können. Von den Pflegekräften über die Ärztinnen und Ärzte bis zum Personal in der Personalabteilung, in den ganzen Verwaltungsstrukturen. Also er braucht Ressourcen, ganz klar. Was er besonders hervorgehoben hat, ist wie wichtig die Kommunikation in einem Unternehmen ist. Und für mich kommt immer wieder durch, Kommunikation ist maßgeblich. Wenn du keine Kommunikation betreibst, dann bleibst du mit deiner Weiterentwicklung stehen. Ich fand das toll, wie unser Geschäftsführer das auch so als den für ihn wichtigsten Punkt rausgegriffen hat. Er sieht sich als Geschäftsführer auch als ein Moderator, der die Kommunikation in den verschiedenen Teams zwischen den verschiedenen Ebenen fördern muss. Und ich halte das für maßgeblich wichtig.
Ich gebe dir nochmal ein Beispiel aus meinem Alltag, was jetzt gerade die letzten Tage bei mir stattgefunden hat. Was macht ein Team resilient und damit ja auch, was macht ein Team funktionsfähig? Und ich bin also nicht nur Chefarzt, ich bin auch Pflegedirektor für die Funktionspflege bei uns. Und da gibt es verschiedene Pflegeteams und die müssen viel miteinander sich austauschen über die Patienten. Aber manchmal muss man sich auch gegenseitig helfen, wenn irgendwo jemand wegen Krankheit ausfällt. oder wir haben Pflegekräfte in der Fachweiterbildung und dann müssen die von einem Standort quasi zu einem Praktikum in den anderen gehen. Das heißt, es wird viel interagiert.
Dann kam vor sechs Wochen der eine Stationsleiter und sagte, lieber Professor Galler, wir haben da ein Problem. Da ist unser Pfleger XY in der anderen Einrichtung gewesen und die waren überhaupt nicht lieb zu denen. Die haben den gemobbt, die haben blöde Bemerkungen gemacht. Da habe ich gesagt, okay. Das muss ich mir jetzt mal von deren Seite aus anhören. Dann habe ich die andere Seite angehört. Dann habe ich mit der betroffenen Person ein Gespräch geführt. Dann wurde das Ganze noch komplizierter, weil auch innerhalb der einzelnen Teams noch Konflikte waren. Das hat eine Reihe von Sitzungen induziert, denen ich mich gestellt habe, wo ich moderiert habe und versucht habe, rauszukriegen, was los ist. Und am Ende des Tages habe ich ein paar Einzelgespräche zwischen Streithähnen organisiert. Aber am allerletzten Tag saßen wir alle beieinander und haben das aufgearbeitet und haben gemerkt, wo die Kommunikationsprobleme bestanden und dass das alles lösbar war. Und dann haben wir es gelöst und dann sind auch alle wieder quasi zufrieden zu ihrem Tagwerk gegangen. Aber das war einfach eine anstrengende Kommunikation, die aber sein muss, wenn man das Team funktioniert.
Niederstandsfähig halten möchte, weil sonst gehen Leute in die innere Kündigung und dann kriegt der Arbeitgeber einen geltenden Zettel mit einer Krankmeldung und so weiter. Also das ist so ein ganz typisches Beispiel meiner täglichen Arbeit im Krankenhaus jetzt als Führungskraft. Ja, das ist ja absolut richtig. Ich würde meinen, dass einige Kollegen das eher als Softskill abtun würden und sich einige auch nicht dieser, das ist ja sehr arbeitsintensiv, sich dann in diese ganzen Kommunikationsgespräche da zu setzen, mit den einzelnen Beteiligten da sich das anzuhören, um dann wirklich das Problem herauszufinden, um dann am Ende hoffentlich auch wirklich eine Lösung zu finden. Das ist ja auch nicht immer gegeben. Also man investiert sehr viel Zeit für etwas, wo am Ende vielleicht gar nichts mehr herauskommt. Und trotzdem das zu machen, weil man weiß, dass es wichtig ist, das ist schon, also ja, würde ich sagen, modern.
Ist nicht so häufig so, dass das passiert und finde ich auch gut. Würdest du denn sagen, dass ein resilientes Unternehmen die persönliche Resilienz im Team auch stärkt? Auf jeden Fall. Das ist wie bei der Kette. Das schwächste Glied lässt die Kette reißen. Und ein Team muss sich gegenseitig unterstützen und damit natürlich auch ein Individuum, was vielleicht auch ein bisschen mehr Unterstützung oder Förderung braucht als andere. Und Kommunikation im Team fördert die Resilienz des Einzelnen oder der Einzelnen. Und ich denke, das erlebst du als Assistenzärztin auch, wenn deine Vorgesetzten, deine Oberärzte mit dir Fälle besprechen und auch sagen, okay, hier hast du vielleicht mal was falsch gemacht, aber so wäre es richtig und dann wird es das nächste Mal besser gehen und das fördert dein soziales Wohlbefinden, fördert deine Sicherheit und damit schläfst du nachts auch besser.
Und Resilienz heißt ja auch schlichtweg, sich zu erholen von den Stressoren des Tages. Dazu muss man Abstand nehmen. Das habe ich vorhin mit den Obbys erwähnt, dass das sehr wichtig ist. Aber man braucht ja auch einfach ein gutes soziales Gefüge. Und das greife ich nochmal auf, diese soziale Unterstützung im Team, das haben auch alle, die jetzt gesprochen haben bei diesem Opinion Leader Meeting, zu ihren Organisationen gesagt. Da hatten wir zum Beispiel Ärzte ohne Grenze und zwar vertreten dann durch den Dr. Tankert Stöber aus Berlin, der dem Ärzte ohne Grenze in Deutschland und auch Europa lange Zeit Vorstand, ein relativ bekannter Mann, der ein tolles Buch geschrieben hat, Mut und Menschlichkeit und berichtet über die Arbeit in der Organisation.
Denen hatte ich auch gefragt, was macht Ärzte ohne Grenzen, was macht es euch möglich, überhaupt in diesen schrecklichen Krisensituationen zu sein, wie im Gaza-Streifen oder im Sudan oder wo die waren. Und was er dann berichtet, da können wir jetzt auch noch länger drüber reden, ist aber auch immer wieder, es braucht das soziale Gefüge, die gegenseitige soziale Unterstützung. Das alleine reicht nicht aus. Man muss natürlich auch für die Sicherheit Sorge tragen. Und man muss auch schauen, dass die Menschen in den Krisengebieten, die kaum zum Aushalten sind, nicht zu lange sind. Also Expositionsprophylaxe, wie du so willst. Aber die Unterstützung im Team, das soziale Gefüge, das ist maßgeblich. Wenn wir jetzt ein Beispiel nehmen würden von dem Pfleger, der sich da ein bisschen unruhe gefühlt hat bei seiner Station.
Wie würden wir das Beispiel formulieren, wenn die Resilienz gefehlt hätte im Team grundsätzlich? Also was sind die Auswirkungen dessen dann? Das macht krank. Also Stress, der nicht kompensiert wird, ist ja krank machen. Dafür gibt es genug Untersuchungen. Und wenn man dann die Dinge in sich reinfrisst, Früher ging es dann bis zum Magengeschwür. Heute nennt man dann Protonenpumpenhemmer.
Nicht verarbeiteter Stress ist letztlich auch für das Individuum krankmachend. Für alle möglichen Erkrankungen. Das ist für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachgewiesen, psychosomatische Erkrankungen und vieles weitere. Und jetzt ist ja zum Beispiel dieser Übergang vom Medizinstudium in den Berufsalltag schon extrem. Ich weiß nicht, ob du dich jetzt so prägnant daran erinnerst, wie es bei dir damals war. Ich fand das schon sehr extrem. Man muss sagen, es hat was Positives. Ich finde, die Lernkurve ist extrem groß. Wenn man jetzt in der falschen Klinik oder der falschen Station oder so anfängt, wo man dann halt nicht dementsprechend aufgefangen wird, weil man am Anfang einfach Fehler macht. bin ich der Meinung, jeder macht am Anfang Fehler. Man braucht bloß einfach eine Struktur, die es einem bietet, dass man die Fehler machen kann, die nicht zu schwerwiegenderen Fehlern führen und man die aber auch gemeinsam bearbeitet, aufarbeitet und daraus lernt. Da finde ich das schon sehr extrem. Und das ist tatsächlich auch, glaube ich, so ein Wendepunkt für viele frische Ärztinnen, zu sagen so, okay, vielleicht ist das doch nicht mein Traumberuf. Und könntest du jetzt aus dem hergehend mit deiner Erfahrung Medizinstudierenden oder auch frischen Anfängern einen Tipp geben, wie sie besser damit lernen umzugehen, mit dem Stress in einem System, was ja an allen Ecken und Enden kneift.
Ja, das ist nicht so ganz einfach, generell zu beantworten. Natürlich, die allgemeine Antwort lautet, sucht dir ein Team und eine Klinik, wo genug Ressourcen da sind und wo ein guter Teamgeist da ist, um darin auch aufgefangen zu werden. Und wenn ich mich rückerinnere, ich bin jetzt älter, ich bin tatsächlich knapp vor der Rente, aber ich erinnere mich schon noch sehr gut, wie das bei mir war, als ich angefangen habe. Und das ist mit eurer Zeit nicht zu vergleichen. Meine Frau und ich, wir haben auch eine Tochter, die 28 Jahre alt ist und Assistenzärztin. Das heißt, da kann ich auch ganz gut einen Vergleich ziehen. Wie ist das heute? Und ich sehe es natürlich bei meinen Assistenzärzten und Ärzten. Ich sagte ja schon, zum Umgang mit Stress und Resilienzerhaltung braucht man Ressourcen, wo auch immer. In welcher Einrichtung auch immer. Und in einem Krankenhaus bedeutet die Ressourcen natürlich Personal. Spiel jedenfalls eine sehr wichtige Rolle. Und das war bei mir damals ganz anders. Also wir hatten eine üppige Personalausstattung und das ist nicht vergleichbar mit der Arbeitsdichte, die heute von euch verlangt wird.
Das kann man also nicht wegdiskutieren. Wir haben damals auf der anderen Seite auch lange Stunden gearbeitet, das war damals noch normal. Ich erinnere mich auch an grausame Dienste, Bereitschaftsdienste am Freitag um 16 Uhr beginnt und am Montag um 8 Uhr aufhört, dann fängt man an weiterzuarbeiten und ich war damals zuständig für die Transplantationen und Organspende an der Uniklinik in Würzburg. Er nimmt mich dann einen Dienst, der ging ihm Freitagnachmittag los und dann kam die erste Multiorganentnahme, die ich zu organisieren hatte. Am nächsten Tag die zweite und von den Organen blieben jeweils zwei Mieren bei uns. Ich habe quasi durchgearbeitet.
War zum Schluss so, dass man nicht nur noch anticken musste und ich bin explodiert. Also ich habe das schon alles geschafft. Ich wurde nur extrem gereizt und dünnhäutig. Und das ist nicht gut. Also solche Dinge hatten wir früher. Das habt ihr heute nicht mehr. Also das Arbeitszeitschutzgesetz oder wie man es nennt, das verhindert schon vieles. Trotzdem ist die Verdichtung größer geworden. Du hast eben ein wichtiges Wort genannt. Du hast gesagt, die Lernkurve ist schnell. Und das würde ich auch jedem mitgeben und sagen, Nehmt es halt auch hin. Es wird eine Zeit lang stressig sein, aber es ist auch eine begrenzte Zeit. Und eigentlich sind wir alle durch Stressphasen gegangen und es wird dann besser, weil die Lernkurve hoch ist. Versucht Abstand zu finden, organisiert euch was Schönes, aber man muss es halt auch mal akzeptieren, dass es ein paar Stunden auf der Station im Nachtdienst richtig anstrengend sein kann. Und jetzt sind wir wieder bei dem Punkt, du hast vorhin gefragt, ist das Genetik? Oder ist es eine Verarbeitung? Und dann guck dich mal um. Du wirst auch Kolleginnen und Kollegen haben, die stöhnen darüber überwiegend und finden es schrecklich. Und andere, die sagen, naja, ich mache das jetzt und ich lerne ja auch was. Und ich glaube, es gibt schon sehr viel die Grundausstattung. Die kann man ein bisschen modulieren. Aber die Grundausstattung spielt ja schon eine wichtige Rolle.
Ob für einen das Glas typischerweise immer halb leer oder halb voll ist. Und ich war mein ganzes Leben lang einer, für den das Glas immer auf der halbvollen Seite stand. Und dann habe ich stressige Dinge auch vielleicht leichter hingenommen als jemand, der dann mehr über den Stress sinniert und was das für ein Mist ist, statt einfach zu arbeiten und zu sagen, ja, am nächsten Tag ruhige ich mich aus und nächste Woche kann ich es noch ein bisschen besser als das letzte Mal. So die innere Haltung, die Herangehensweise an Stress, das spielt auch eine Riesenorde. Absolut. Und ich finde, dass die innere Haltung auch sehr viel beeinflusst wird durch die Umgebung, in der man sich befindet, also wie du gesagt hast, wenn man ein Team hat, in dem man sich gestärkt fühlt, in dem man sich wohl fühlt, dann kann das eine unglaublich große Stütze sein, größer als ich tatsächlich am Ende meines Studiums gedacht hätte. Ich würde sogar sagen, dass das mit einer der wichtigsten Punkte ist aktuell, wenn man irgendwo als Arztärztin anfängt, noch wichtiger als die Fachrichtung an sich, weil es sich.
Weil man jeden Tag dahin geht, man muss sich wohlfühlen, man muss mit gewissen Stresssituationen umgehen, man hat viel Verantwortung und es wird immer Momente geben, wo man Druck von oben bekommt, weil die das vielleicht auch nicht anders können, wenn man sagt, der Oberarzt, der Chefarzt, der Geschäftsführer, irgendwo hakt es, dann fehlt Personal. Man muss irgendwie auch gewisse Krisensituationen dieses Unternehmens auch mitmachen und mit überstehen können. Und das geht eigentlich nur, wenn man mit den Menschen, mit denen man so viel Zeit verbringt, einfach auch in denen eine Stütze sieht. Und ansonsten geht man meiner Meinung nach ziemlich schnell baden.
Ja, kann ich nur unterschreiben, was du da sagst. Das ist genau auch meine Erfahrung. Also da sind wir ja wieder bei dem Oberbegriff Kommunikation im Team. Und soziale Umgebung, Stütze, das sind ganz wichtige Ressourcen. Und mit Stresssituationen, die es nun mal gibt, umzugehen. Auch mal mit dem Übergang vom Studium zum Beruf. Also ich habe ja eingeräumt, ich hatte damals eine komfortablere Personalausstattung, als ich aus dem Studium rausging. Es war aber auch so gewesen, dass ich richtig hungrig war. Ich wollte dann anfangen zu arbeiten. Ich hatte genug vom Status des Studenten. Es war schön gewesen, Student zu sein. Ich habe alle Freiheiten genossen, die das mit sich gebracht hat. Aber nach diesen sechs Jahren oder sechseinhalb Jahren inklusive Doktorarbeit hatte ich dann auch wirklich genug und wollte irgendwie auch bezahlte Arbeit leisten. Darauf hat es mich gefreut und das war dann auch so. Und vielleicht auch das noch eins, jetzt wenn ich als alter Sack an jüngere Kolleginnen und Kollegen wie dich spreche, man kann ja auch wirklich aus dem Medizin herausfinden.
Unheimlich viel rausziehen. Also ich finde es nicht schön, wenn man sich ausschließlich über seinen Beruf definiert. Und ich behaupte auch, das tue ich nicht. Dafür habe ich wirklich so tolle Hobbys, dass ich mich auch darauf freue, wenn ich ab 1. Juli diesen Jahres dann tatsächlich in Altersruhestand gehe. Aber ich werde noch viel machen. Ich gehe aber gerne raus. Und mir hat mein Beruf...
Die ganzen Jahrzehnte einfach auch unglaublich viel gebracht. Und das habt ihr vor euch. Oder ihr merkt es jetzt schon, das fängt schon an. Aber das wird natürlich immer mehr. Und klar, wenn man merkt, das passt jetzt überhaupt nicht und eigentlich will ich nicht Ärztin sein, dann hast du ja noch andere Möglichkeiten als Patientenversorgung. Das ist ja auch das Gute beim Beruf. Aber das, was man so über die Jahre dann mitnimmt, was man an Erlebnissen hat, auch an tollen Behandlungserfolgen. Ich war heute Morgen auf Intensivstation und habe bei einer jungen Frau, die vor drei Tagen entbunden hat, ein hospitales HUS diagnostiziert. Also HUS, hemolytisch-uremisches Syndrom nach der Geburt. Das ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die muss man schnell genug erkennen. Und dann muss man die aber auch behandeln können. Und wir, ich bin ja Nephrologe, haben dann sofort mit einer Plasmaverrese begonnen, um sie zu stabilisieren. Jetzt bekommt sie Antikörpertherapie bei einem atypischen HUS. Aber das macht natürlich auch wahnsinnig Spaß, weil du weißt, dieser Mensch, diese junge Mutter, die würde jetzt sterben, wenn man sie nicht erhält. Und dann die Ressourcen zu haben und ein Team, wo man Diagnose stellt und die Behandlung sofort zwei Stunden später anfängt, das ist ja auch was, das trägt einen das ganze Leben. Absolut. Also ich kann das nur unterstreichen.
Mir ging es ähnlich bei der Situation heute, dass ich so dachte, ich bin ja in Elternzeit. Das war so der erste Moment wieder innerhalb einer Elternzeit, wo ich dann mal wieder ärztlich tätig war und das war einfach nur schön. Also klingt jetzt ein bisschen makaber, aber man hat gemerkt irgendwie so, da wird man super fokussiert, man weiß genau, was jetzt als nächstes zu tun ist, man hat eine Struktur und danach geht man raus und freut sich, dass man helfen konnte. Und das ist irgendwie, ja, das wüsste ich jetzt keinen anderen Beruf, der das so hergibt, ehrlich gesagt. Und die Extremsituation, ich hatte es vorhin schon ein bisschen angesprochen, das war die Zeit rund um Corona, als wir da noch keine Impfungen hatten und als die Welle hochgeschwappt ist und die Krankenhäuser wirklich überflutet wurden mit Patienten, mit Atemversagen und Multiorganversagen und.
Da bin ich morgens um sechs in die Klinik und bin abends um 19 Uhr raus und habe da durchgearbeitet. Ich bin aber auch immer abends raus und dachte, ja, das war jetzt anstrengend, das geht hoffentlich bald vorbei. Aber lasse, was wir da im Team geleistet haben. Aber da gab es eben auch andere, die sind an der Situation quasi zerbrochen. Die haben es nicht mehr für sich im positiven Sinne rausziehen können, sondern haben nur noch die Belastung und das Elend und das Sterben gesehen. Und da haben ja auch viele, vor allem aus dem Pflegebereich, den Beruf aufgegeben. Also Corona hat uns, nicht so sehr bei Ärztinnen und Ärzten auch, aber vor allem bei Pflegekräften viele zur Berufsaufgabe gebracht, also Aufgeben des Berufes.
Das war ja für mich auch der Grund, warum ich mir damals dieses Thema für den DGIM-Kongress ausgesucht hatte, weil ich habe mich da gefragt, wieso gehe ich nach Hause, war anstrengend, aber gut und schlafe gut und stehe den nächsten Morgen auf und andere zerbröseln. Das war der Initialzünder für mich, diesen DGIM-Kongress, das als Schwerpunkt zu geben. Das ist ja schon eine besondere Situation gewesen. Man könnte schon sagen, eine Krisen-Katastrophensituation, so eine Pandemie. Wie kann man denn solche Menschen, die ja letztendlich das Know-how eigentlich mitbringen, jemanden zu versorgen, jemanden zu behandeln, noch irgendwie mitnehmen, ohne dass sie dann aufgeben und ihren Beruf aufgeben müssen? Also wie kann man so jemanden fürs Unternehmen erhalten? Einerseits vielleicht mal aus Sicht vom Unternehmen und einmalseits aus Sicht eines Chefarztes oder auch eines Kollegen vielleicht oder einer Kollegin. Allgemein haben wir da schon viele Sachen zugesagt. Du musst als Leiter eines Unternehmens oder als Geschäftsführer eines Krankenhauses oder auch als Chefarzt in Leiter einer Erteilung dafür sorgen, dass seine Mitarbeitenden auf allen Ebenen genug Ressourcen haben. Und das war natürlich das Riesenproblem bei dieser Krise, weil es gab so viele Krankheitsausstelle und dann waren die Ressourcen endlich. Und eine Ressource war auch schlichtweg die Behandlungsplätze für die Patienten. Also da gab es im Moment schlichtweg eine komplette Überlastung. Das war auch nicht vermeidbar. Darauf konnte man sich auch nicht vorbereitet haben.
Ich meine, die Diskussion, dass wir zu viele Krankenhausbetten haben und je nachdem, welchen Blickwinkel man darauf einnimmt, sagt man, ja, das ist richtig. Wir haben ein eher zu teures Krankenhaussystem. Wir haben zu viele Betten. Wenn man jetzt aber noch weniger Betten gehabt hätte zum Zeitpunkt der Corona-Krise, dann hätten wir die Patienten nicht mehr behandeln können. Hier in Lügenscheid war wir tatsächlich direkt an der Schwelle zur Triagierung. Das heißt, wir haben gewusst, wenn jeden Tag ein Beatmeter der Patient kommt, müssen wir einen anderen von der Maschine wegnehmen, bei dem wir sagen, der hat keine Chance mehr. Also das ist ja das, was Triage ausmacht, entscheidend, der wird überhaupt nicht behandelt. Und mit Corona waren wir an der Grenze. Und das schafft dann natürlich einen unguten Stress. Darauf kann man sich auch nur sehr bedingt vorbereiten. Und dann gibt es eine Überbelastung. Die gab es gut.
Ja, aber ansonsten, wie versucht man das zu verhindern? Indem man gute Arbeitsstrukturen hat. Wenn du gute Abläufe hast, das ist auch extrem wichtig. Dann hast du weniger Reibungsverlust, weniger Energieaufwand für eine bestimmte Leistung. Wenn du aber in deinem Team das Chaos vorherrschen hast, dann nützt es auch nichts, wenn du noch fünf mehr Assistenzärzte da hinpackst. Also da ist man als Chef natürlich gefordert, für eine gute Struktur zu sein. Zu sorgen, dass auch jede Hand weiß, was sie zu tun hat.
Also das Erstellen von SOPs zum Beispiel ist wichtig. Also das, was bei Zertifizierungen von Einrichtungen auch abgefragt wird, dass Behandlungsabläufe definiert sind, dass jeder weiß, was er zu tun hat. Das hilft natürlich oder ist Voraussetzung, damit man mit solchen krisenhaften Situationen umgeht. Aber man kann nicht jede überbelastend vermeiden. Ja, was ich immer wichtig finde, ist, dass in solchen Situationen kreative Ideen geschaffen werden und dann auch gewisse bürokratische Hürden aufgeweicht. Es gab ja auch den Moment, wo man gesagt hat, ja gut, die PJ-Studierenden, die kriegen jetzt nur einen Tag Prüfung und die dürfen dann schneller dann einfach auch mithelfen und unterstützen, weil man einfach helfende Hände braucht oder dass man andere Ressourcen, wie wenn dann genug ÄrztInnen da waren, dass die in der Pflege geholfen haben. Also dass das eher so Teamarbeit Hand in Hand ist und dass man schnell auf kreative Lösungsentscheidungen kommt und nicht so an dem Ursprünglichen festhält, um dann halt auch eine Situation zu schaffen, die für alle gut ist. Wie du sagst, einfach genug Ressource, Ressource, Mitarbeiter. Das war definitiv so. Wir mussten da von Park zu Tag Dinge auch neu entscheiden. Irgendwann war dann klar, okay, jetzt haben wir nicht nur Besucherverbot im Krankenhaus, sondern es werden ja auch keine elektiven Maßnahmen mehr durchgeführt. Ist natürlich auch lange Sicht zum Nachteil der Patienten, bei denen das hätte gemacht werden sollen.
Setzt aber im Moment ressourcenfrei. Will heißen der Chirurg, der heute nicht operieren kann, den haben wir dann natürlich an anderer Stelle eingesetzt. Und auch da, Stichwort Kommunikation, also wenn dann eine gute Top-Down-Teamleitung da war und dann ein gutes horizontales Miteinander, dann hat das ressourcenfrei gesetzt, da hat man sich gegenseitig geholfen. Habe ich im Übrigen auch so erlebt, dass das eine Situation war, wo man sich tatsächlich auch ein bisschen so grenzenüberschreitend geholfen hat.
Das haben wir auch ein paar Leute erlebt, die sich da ganz rausgegliedert haben. Das ist dann furchtbar. Aber die Mehrheit der Mitarbeitenden und Kollegen, die haben allesamt in die Ingeobt zu helfen. In der aktuellen Online-Zeitschrift der Ärztekammer Berlin ist eine Umfrage veröffentlicht worden von Marburger Bund, wo gefragt wurde, haben sie schon einmal überlegt, ihren Beruf zu wechseln? Und mehr als ein Drittel der Befragten, es waren 8500 ÄrztInnen, davon die Hälfte jünger als 40 und vorwiegend in Akutkrankenhäusern angestellt, haben gesagt, ja, sie überlegen, im Beruf zu wechseln. Da ist die Frage so ein bisschen, sind die Medizinstudierenden, die in dieses Studium einsteigen, gehen sie mit falschen Erwartungen ran oder bietet das Studium vielleicht nicht genug Vorbereitung auf das, was dann auf einen zukommt? Kann man Resilienz auch im Studium schon lehren? Sollte man das machen? Was denkst du? Also erstmal erschreckt mich das Ergebnis, weil es eigentlich eine Veränderung darstellt gegenüber meiner Generation.
In meinem Alter, als wir studiert haben, da gab es ganz, ganz wenig Studienabbrecher. Das ist traditionell bei den Medizinstudierenden eigentlich sensationell niedrig. Aber das scheint auch eine höhere Zahl zu werden. Und wer dann im Beruf war, der ist da auch drin geblieben. Jetzt sagst du, 30 Prozent denkt über einen Wechsel des Berufs nach. Das kann natürlich viele Ursachen haben. Das kann auch bedeuten, dass die Generation, die jetzt jung in dem Beruf ist, mit einer anderen Flexibilität daran geht. Es gibt ja insgesamt viel schnelleren Wechselwillen in deiner Reaktion, als das in meiner Reaktion der Fall war.
Als Leute wie ich Chefarzt wurden, dann blieben die das auch und blieben auch an einem Standort. Wenn du heute irgendwo jemanden auch als Chefarzt oder Chefärztin berufst, dann ist es sehr viel üblicher als früher, dass es da dann einen Wechsel gibt, dass die wieder rausgehen und nicht mehr Chefarzt sein wollen und in die Niederlassung gehen oder in den Standort wechseln. Also dieser Wechselwille, der zieht sich durch unsere gesamte Gesellschaft durch. Deswegen kann ich aus diesen 30 Prozent nicht automatisch ableiten, dass das ein Ausdruck von großer Unzufriedenheit ist. Aber es kann natürlich sein und man muss dahinter gucken. Also die Frage wäre dann, die Umfrage auch so weit, dass man analysieren könnte, was sind denn die Gründe? War das jetzt Überlastung am Arbeitsplatz oder war es, ich sage es mal salopp, Bock auf was Neues? Ich habe jetzt nicht die genauen Zahlen, aber in dem Artikel stand, dass viele einfach mit der Verantwortung und mit diesem, gerade dieser Übergang, was wir vorhin schon besprochen haben.
Dieser Übergang zwischen Studium und Berufseinstieg, so ein Zünglein an der Waage ist zu sagen, so okay, das ist doch irgendwie so belastend, so habe ich mir das nicht vorgestellt, ich glaube, ich suche mir was anderes. Oder vielleicht ist es nicht das Richtige für mich, also dass die Selbstzweifel dann größer sind, als der Wille, in Anführungsstrichen, durchzuhalten. Ich sage das so, weil ich habe es ja schon hinter mir. Ich habe auch, sage ich mal so, sechs Monate gebraucht, bis ich für mich einfach auch eine Struktur gefunden habe, wann mache ich die Visite, wie strukturiere ich meine Visite, wenn ich viele Patientinnen habe, wie kriege ich die in der Zeit fertig, wie kriege ich die Dokumentation rechtzeitig fertig, wann muss ich Röntgen anmelden, pipapo. Also da kommt ja alles dazu und das braucht seine Zeit. Das ist einfach so, man wird halt so ein bisschen ins kalte Wasser geschmissen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass so ein falscher Eindruck entsteht, auch im PJ, dass man da noch zu sehr geschont wird von den ganzen Verantwortungen und dann überrascht ist, was denn doch alles noch dazugehört. Ja, vielleicht ist das so und es ist bestimmt immer wieder noch etwas verbesserbar.
Auf der anderen Seite, jetzt weiß ich, begebe ich mich natürlich auch auf dünnes Eis, aber das frage mich dich und deine Generation, wie belastbar seid ihr? Oder wie schnell ist auch eine Grenze erreicht, wo man sagt, oh nee, das ist mir zu viel. Du weißt, dass das ein Vorwurf ist, der an die Generation Z immer wieder gemacht wird von uns Alten. Im Übrigen ist das natürlich eine Uraltgeschichte. Es gibt ein tolles Zitat von Sokrates, wie Sokrates über die Jugend da man zum alten Griechenland redet. Und dieses Zitat, ich kann es jetzt nicht zitieren, aber du kannst in Google, gib mal ein, Sokrates und die Jugend. Da kommst du sofort auf diesen Spruch und den kannst du problemlos in die heutige Zeit übertragen. Also es ist wohl immer so, dass die aktuell ältere Generation sagt, ihr Jungen, ihr wollt doch alle nichts mehr schaffen. Also die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer. Genau so.
Ja, ich weiß es. Ich kann es ja nur für mich sagen oder auch für die Menschen, die um mich herum sind. Ich glaube, was vielen einfach im Berufseinstieg fehlt, ist eine qualifizierte Einarbeitung. Also so dieses, was ich meinte, dass man, wenn man das Gefühl hat, man macht einen Fehler, dass das in einem Feedback-Gespräch wird, auch rekapituliert wird, dass man darüber lernt und weiß, was kann man das nächste Mal richtiger machen, was sollte man anders machen. Aber teilweise fehlen das, was wir so oft jetzt hier erwähnt haben, die Ressource, Personal, um diese Einarbeitung auch adäquat zu machen. Und daran hapert es so ein bisschen. Das heißt, alle mogeln sich da irgendwie durch und am Ende fühlen sich alle nicht so 100 Prozent sicher. Das macht natürlich der eine besser, der andere schlechter, im Punkt auf das aufzugreifen. Und das ist, glaube ich, so das, was den meisten so stört oder was eine Schwierigkeit darstellt. Kann ich natürlich 100 Prozent wahrvollziehen. Und ich sehe das ja auch in unserem eigenen Krankenhaus. Da gibt es Organisationsbereiche, die haben dauernd das Problem, dass sie zu wenig Personal haben. Das hat vielleicht auch was mit der Führung zu tun. Das bedeutet dann aber schlechte Einarbeitung. Das bedeutet Unzufriedenheit beim ärztlichen Personal und dann gehen die dort wieder weg und damit perpetuiert sich das Problem.
Und es gibt andere Abteilungen, da zähle ich jetzt meine dazu, da rede ich jetzt mal pro domo. Ich habe eine sehr stabile, sehr gute Oberarzt- oder Oberärztinnen-Wiege. Und das bedeutet, wenn zu mir Rotationsassistenten kommen oder ich jemanden neu einstelle, dann können wir sich darauf verlassen, dass sie wirklich oberärztlich angeleitet sind. Und deswegen ist meine Abteilung beliebt, weil das ist bekannt. Wenn man dahin geht, kriegt man eine oberärztliche Anleitung. Man ist nicht alleingelassen. Man muss natürlich auch das Tageswerk bewältigen, aber mit Hintergrund. Und in anderen Bereichen fehlt das definitiv.
Und das ist dann schrecklich. Deswegen die Antwort auf die Frage, was muss man tun? Da sind wir wieder beim Wort Ressourcen. Wenn du es irgendwie kannst, als Leiter der Abteilung, als Leiterin der Abteilung, dann musst du dafür sorgen, dass eben diese Ausbildungsstrukturen da sind. Manche kriegen das besser hin als andere. Und können wir selber auch was für die Resolienz eines Systems tun? Jetzt müssen wir mal unterscheiden, welche Systeme meinen wir. Und da kreide ich auch ein bisschen zurück auf den Erfahrungsaustausch, den wir bei diesem jetzt schon mehrfach zitierten Obindani-Biet in den Kurs zwei Wochen hatten.
Da hatten wir unter anderem eingeladen den CEO von Böringer Ingelheim, Herrn Schöne-Markers, ein beeindruckender Mann. Und warum haben wir den eingeladen? Du kriegst das mit im Krankenhaus, dass wir immer wieder Lieferprobleme haben. Wir haben bestimmte Antibiotika nicht mit zur Verfügung, bestimmte Antikorgulantien. Eigentlich jede Woche schickt unser Apotheker eine Rundmail und sagt, was ist gerade nicht da. Und deswegen hatten wir Herrn Schöne-Markers eingeladen und haben ihn gebeten, er möge doch mal aus der Sicht eines pharmazeutischen Herstellers berichten, was die jetzt eigentlich tun, damit wir mit diesen Substanzen weiter versorgt werden. Und dann ging natürlich die Diskussion gleich in ein ganz großes Fass. Da kommt dann das Thema Lieferketten sichern ins Spiel. Aber da kommt auch das Thema als Böhringer Ingelheim wieder den Versuch zu machen, Produktion so gut es geht wieder auch an den Standort Deutschland zurückzuholen, damit man nicht zu empfällig ist. Dann sagt er natürlich, aber um das machen zu können, braucht natürlich auch er eine Anerkennung der Arbeit. Als Pharmazeut das Unternehmen will heißen, er will mehr Geld für seine Medikamente. Also da wird die Diskussion auf einmal ein bisschen schwieriger und geht auch über das hinaus. Aber ich fand es trotzdem sehr wichtig, dass wir uns darüber unterhalten haben.
Und ein anderes Beispiel für... Dann sagen wir zum Beispiel mal eine Fachgesellschaft. Was kann denn eine Fachgesellschaft dazu beitragen, dass wir auch mit dem Stressoklima besser umgehen? Jetzt sind wir auch nochmal im medizinischen Bereich. Ich habe schon erwähnt, ich bin Nephrologe, also Nierenspezialist. Und du wirst wahrscheinlich auch wissen, dass wir mittlerweile bei den heißen Sommern sehr, sehr viel mehr Hitzetote oder Hitzeschäden haben. Also akute Nierenversorgung, die sich noch behandeln lassen, ist hin zu Hitzetoten. Da gibt es Hochrechnungen. Das ist eine erschreckende Zahl und es wird auch von der WHO kalkuliert, dass die Mierenerkrankungen weltweit massiv ansteigen werden, unter anderem wegen der höheren Temperaturen und damit meistens auch einen hergehenden Wassermangel. Also brauchen wir eine Resilienz jetzt als behandelnde Ärzte. Und da können wir uns als Nephrologen Gedanken machen und sagen, ja, wir müssen unserer Bevölkerung mehr informieren, wie man mit Hitze umgeht. Wir müssen aber auch Ärztinnen und Ärzte bei unserer Medikationssorge tragen. Also ich bin auch Hypertensiologe, ich behandle also sehr viele Menschen mit Bluthochdruck.
Ich weiß ganz genau, wenn die Leute bei mir hier in Lüdenscheid, im relativ rauen Sauerland, mit einer bestimmten Menge an Medikamenten ihren Blutdruck gut eingestellt haben, wenn die damit in die Toskana gehen oder sie würden auf Dauer noch Mallorca ziehen, dann werden sie nur noch die Hälfte der Medikamente brauchen. Und bisschen ist das auch mit den Sommermonaten. Wenn ich also im Frühjahr, wo es hier kalt und nass ist, nun die Menge an Antihepatensiva brauche, um den Blutdruck zu kontrollieren, dann weiß ich, dass in den heißen, schwülen Sommermonaten das anders ist. Das heißt, sie kriegen bei mir einen Behandlungsplan aufgestellt, wo schon steht, bei Hitzetagen Halbierung von dem Diuretikum und Halbierung von dem und dem Medikament. Das kriegen die schon eingetragen, damit die das machen, man nützt ja eben nicht in diese hypotensiven Phasen. Das ist ja sehr modern.
Also mit der Medikation an Klimaumstände. Das ist halt auch etwas, womit man die Resilienz fördert. Ja, also Wahnsinn. Das wäre, glaube ich, auch gut für Hausärztinnen. Da bin ich jetzt nicht so im Detail drin, wie da die aktuelle Lage ist. Aber sowas ist ja absolut wichtig und wird immer wichtiger, jedes Jahr sowas mit aufzugreifen. Was würdest du sagen, können wir, jeder Einzelne für uns selber, für unsere Resilienz tun, dass wir darin einfach ein bisschen gestärkter und besser werden für unseren Beruf? Ja.
Einmal die Zauberformel. Positiv sein, hoffnungsvoll sein. Das ist etwas, das hat auch der Tancred Stöbe gesagt, für Ärzte ohne Grenzen gesagt. Also auch ein Resümee für ihn bei der Frage, ist die Organisation Ärzte ohne Grenzen, eine resiliente Organisation, hat er gesagt, er glaubt schon, die Menschen, die dorthin kommen, kommen mit sehr viel Motivation und auch mit viel Hoffnung, etwas Gutes zu tun und ziehen dann das Gute raus. Das trifft für junge Ärztinnen und Ärzte natürlich auch zu. Also wenn du positiv gestimmt bist und an das Ganze rangehst, dann hältst du deinen Stress besser aus. Ansonsten die Dinge, die ich vorhin genannt habe, wenn es geht, wenn die Zeit da ist, wenn du dir das jetzt auch als junge Mutter leisten kannst, ein Hobby zum Abstand gewinnen betreiben. Natürlich ist auch die gesunde Lebensform maßgeblich. Ich meine, ich bin jetzt 66 und ich bin bummel gesund, aber ich habe auch mein ganzes Leben lang viel dafür getan, meinen Körper gesund zu halten. Und da gibt es ja auch diesen, doch, ich glaube, das ist Latein, Mens sana in corpore sano est. Also ein gesunder Geist braucht auch einen gesunden Körper oder gehört zusammen. Das glaube ich auch, dass man da sehr viel tun kann. Sorg für ausreichend Schlaf. Es ist keine Schande, wenn man abends um 10 Uhr ins Bett geht. Ich glaube, das muss ich als junge Mutter sowieso nicht sagen. Aber ich achte sehr darauf, dass ich genug schlafe, weil ich sonst nicht leistungsfähig bin.
Ich sorge dafür, dass ich meinen Abstand bekomme. Und ich hoffe, ich habe eine insgesamt positive Grundhaltung. Und Ärger ist ja auch etwas, was der Resilienz diametral entgegensteht. Ich glaube, das ist ganz wichtig für unsere Lebensführung. Wir sollten versuchen.
Ärger von uns fernzuhalten, soweit es nur geht. Ja, einen ganz lieben Dank für das super spannende Gespräch. Ich glaube, ich könnte noch viel, viel länger weiterreden und wünsche dir einen schönen Abend. Ganz, ganz lieben Dank für die Reise in die Resilienz und ja, wie gesagt, wünsche dir einen schönen Abend. Ja, das wünsche ich dir, Florentine, auch. Danke schön. Bis dann. Tschüss. Tschüss. Das war Ruhepuls, der Podcast für deine Zukunft in der Medizin von Tine. Deine Begleitung vom Studium bis zum Facharzttitel. Florentine Noske.