Im Wintersemester 2024-25 kamen rund eine halbe Million der Studierenden hier in Deutschland aus dem Ausland. Das sind etwa 17 Prozent. Eine von ihnen ist Quinn. Sie ist 2017 aus Kalifornien nach Deutschland gezogen und studiert hier inzwischen im neunten Semester Humanmedizin. Sie erzählt von ihrem Start in Deutschland und wie sie ihr Studium erlebt und managt. Wir sprechen über Unterschiede im Medizinstudium und in der Weiterbildung zwischen den USA und Deutschland. Darüber, wie sie es schafft, sich neben dem Studium auch noch um ihr Visum und die deutsche Einbürgerung zu kümmern. Und wie es ist, in einer fremden Sprache zu studieren und mit PatientInnen zu kommunizieren. Wenn man in einem medizinischen Beruf arbeitet, ist die Kommunikation extremst wichtig. Und ich habe immer am Anfang Sorgen gehabt, was ist, wenn ich einen Patienten oder eine Patienten habe und ich kann diese Person nicht unterstützen, weil mir das richtige Wort nicht einfällt oder ich diese lebensverändernde Diagnose nicht richtig überbringen kann. Mit all diesen Sorgen ist Quinn sicherlich nicht allein. Seid auch ihr zum Studieren nach Deutschland oder in ein anderes Land gezogen? Oder kennt ihr jemanden, der das gemacht hat? Was erlebt ihr als Hürde?
Stimmt ab in der Umfrage. Ich bin schon echt gespannt auf eure Antworten. Mich hat Quints Weg und die Geschichte, die sie heute mit mir und euch teilt, ehrlich gesagt total beeindruckt. Aber hört gerne selbst rein. Ich wünsche euch ganz viel Spaß mit der Folge.
Ruhepuls. Der Podcast für deine Zukunft in der Medizin. Von Tine.
Wenn du jemandem in den USA das Leben in Deutschland in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das? Das erste Wort, was mir einfällt, wäre Bürokratie. Ganz stark. Das ist auch ein großer Unterschied zu den USA. Dieser Papierkram, was man alles erledigen muss. Ich glaube, das kennst du natürlich auch. Das zweite Wort wäre aber für mich Vielfalt. Das finde ich ganz, ganz schön in Deutschland. Man hat so ein sehr vielfältiges, dynamisches Leben im Vergleich zu meinem Leben, zumindest in den USA, wo man schon irgendwie in einer Bobbe bleiben kann. Und das Letzte wäre heimatlich, wobei ich das am Anfang gar nicht so erwartet hätte. Hat sich aber so entwickelt. Also für dich fühlt es sich nach Heimat an mittlerweile. Wie schön. Du bist 2017 nach Deutschland gezogen. Wieso hast du dich dafür entschieden? Ich habe den besten Grund und zwar die Liebe.
Ich habe, genau, 2017 habe ich noch damals in den USA studiert, habe mein Biologie-Bachelorstudium gemacht damals und habe einen ganz, ganz tollen Mensch kennengelernt, mit dem ich jetzt verheiratet bin und der kommt aus Köln. Und genau, wir haben uns kennengelernt und sofort verliebt. Und dann war klar, er muss nach Deutschland zurückziehen für die Arbeit. Und da, ja, ich ganz wild damals habe gesagt, ja, dann komme ich mit und breche mein Studium ab und folge dir nach Deutschland. Wie du dir auch vorstellen kannst, das fanden meine Eltern gar nicht so toll. Aber ich habe es damals durchgezogen, genau, und bin dann Ende Oktober 2017, ja, in Deutschland angekommen. Beeindruckend und mutig, aber schön für die Liebe nach Deutschland zu ziehen. Warst du dann das erste Mal in Deutschland? Das war der Wunsch von meinem Mann, also damals Freund natürlich, weil ich hatte noch keinen Bezug zu Deutschland, kannte Deutschland überhaupt nicht Und er hat gesagt, okay, klar, du kannst mitkommen, aber du musst einmal mindestens Deutschland gesehen haben und erlebt haben, bevor wir diese riesige Entscheidung machen. Also bitte komm für zwei Wochen zum Besuch und dann kannst du dich in Ruhe entscheiden.
Und ich habe gesagt, ja, okay, mache ich und habe so getan, als ob ich das besuche und dann mich nachher entscheide. Aber die Flugtickets zurück nach Deutschland waren schon gebucht. Und genau, also ich war dann zwei Wochen hier im September, habe es mir angeguckt sozusagen, wusste aber schon, okay, Ende Oktober bin ich wieder da und fange mein neues Leben an. In Deutschland, okay. Und was war der erste Eindruck, als du so in Deutschland angekommen bist? Klar, also ich komme aus Kalifornien und das war dann Anfang November, also schon Anfang der kalten Jahreszeit.
Das alleine war erstmal eine riesige Umstellung für mich, allein der Regen, was so jeden Tag einen begrüßt. Genau und auch natürlich die kulturellen Unterschiede, sage ich mal. Ja, ich habe eine witzige Anekdote dazu. Ich weiß noch, das war ganz am Anfang, als ich hier war und konnte natürlich damals kein Wort Deutsch. Und bin zu einem Restaurant hingelaufen und in der Zeit hat es angefangen, richtig hart zu regnen, also so richtig geschüttet. Ich hatte keinen Schirm dabei und bin dann zum Restaurant gerannt, komplett nass geworden. Bin da angekommen im Restaurant und da war so eine Schlange vor mir von Menschen.
Und wie ich das genauso in den USA gemacht hätte, habe ich dann auf einmal zu allen Personen gesagt, wow, oh mein Gott, es regnet so hart. Und alle haben sich einfach umgedreht und mich angeguckt mit so riesen Augen. Hey, okay, was will die Frau von mir? Sich wieder umgedreht, kein Wort gesagt und mich dann weiterhin ignoriert. Und das war ein Moment, wo mir klar wurde, okay, ich muss nicht nur die Sprache jetzt neu lernen, ich muss aber auch diese neue Kultur lernen und diese Art und Weise besser verstehen, wie Menschen sich überhaupt hier verbinden oder wie die miteinander interagieren. Das war ganz präsent, genau. Das kann ich mir gut vorstellen. Das kann ja aber bestimmt auch den Deutschen ganz gut tun, wenn man dann mal ein bisschen Offenheit erfährt und so leichter ins Gespräch kommt mit jemandem, der dann einfach mal das Wetter kommentiert. Das ist ja eigentlich auch sehr schön.
Wie war es denn für dich, dann Deutsch zu lernen? Das ist oder war und ist weiterhin nicht leicht. Also Deutsch ist eine wahnsinnig schwere Sprache, finde ich und habe ich auch von vielen anderen gehört. Also unabhängig von der Muttersprache, glaube ich, hat die deutsche Sprache sehr viele grammatische Regeln. Und ja, ich bin mit null angefangen. Also ich habe von A1 angefangen in der Sprachschule und war dann jeden Tag von Montag bis Freitag intensiv, glaube ich, fünf bis sechs Stunden am Tag. Und ich weiß noch, wie schwer mir das damals gefallen ist, weil, wie ich gesagt habe, ich habe in den USA studiert, Biologie studiert, an der Universität mit Stipendium und dachte, oh ja, ich bin ganz schlau. Und dann bin ich hier hingekommen und saß in der Sprachschule und musste plötzlich lernen, wie man, Farben sagt oder zählt oder ganz banale Dinge.
Und das war der Moment, wo mir klar wurde, okay, wow, ich fange wirklich von Null an und baue mir quasi ein neues Leben auf. Das war schon sehr schwer. Ja, das hat dann ein gutes Jahr gedauert, bis ich so einigermaßen das Gefühl hatte, ich kann mich ein bisschen irgendwie mit anderen Menschen austauschen. Ja, das kann ja auch super frustrierend sein, wenn man dann in Situationen ist und man kann gar nicht sagen, was man gerne sagen würde.
Welche Ressourcen oder Netzwerke haben dir da besonders geholfen, in Deutschland anzukommen? Mein Mann kommt ja aus Köln und ich konnte mich am Anfang zum Glück durch seine Netzwerke ein bisschen hier aufbauen.
Er hat ja auch Medizin studiert und hat in der Klinik gearbeitet und hatte natürlich so einen Freundeskreis, aber auch beruflich hat er dann sich so ein Netz aufgebaut. Und das war für mich auf jeden Fall schön am Anfang zu wissen, es gibt Menschen, die mich hier aufnehmen können und akzeptieren können. Und ich würde sagen, ich habe für mich alleine so mein eigenes Feld aufgebaut durch die Sprachschule auf jeden Fall. Und das war ein sehr schönes Erlebnis, weil da waren so Menschen, mit denen ich wahrscheinlich anderweitig nie in Kontakt gekommen wäre. Das waren Menschen aus der ganzen Welt, die hier waren, ähnlich wie ich, einfach in einer komplett neuen Situation und das Gefühl zu haben, hey, die verstehen mich, ich weiß genau, wie es denen geht und auch umgekehrt. Und das ist jemand aus dem Irak oder aus Brasilien. Es war ganz, ganz schön zu wissen, hey, da sind andere Menschen. Und genau, das war nur durch die Sprachschule möglich. Hattest du dich vor deiner Ankunft in Deutschland schon mit dem Medizinstudium beschäftigt? Du hast ja in den USA noch Bio studiert und hast du dann einfach abgebrochen oder hast du das Semester noch zu Ende gemacht? Genau, also das ist ein großer Unterschied zwischen dem System in Deutschland und dem in den USA.
Dort muss man, bevor man Medizin studiert, ein Bachelorstudium machen. Und das dauert vier Jahre. Oh, wow. Genau, also man studiert vier Jahre Bachelor und das Fach ist relativ egal. Also man kann Biologie machen wie ich oder auch Kunst. Also es ist relativ egal. Muss nichts mit Naturwissenschaften zu tun haben. Nee, genau. Aber man muss sogenannte Pre-Requisites machen. Und das sind Kurse wie in Deutschland auch in der Vorklinik, Biologie, Chemie und so weiter. Und die Kurse macht man dann parallel zum Hauptfach für den Bachelor. Und das hatte ich dann zwei Jahre lang gemacht für Biologie. Und das habe ich dann nach zwei Jahren komplett abgebrochen.
Und bin dann nach Deutschland gekommen und wusste, ich will Medizin studieren. Das war immer mein Ziel. Ich war dann auch in den USA Biologiestudium mit Ziel später Medizin und musste dann erstmal gucken, okay, wie ist das denn möglich? Was muss man machen, um hier überhaupt Medizin zu studieren? Und ich wusste, dass die Konkurrenz genauso hoch ist wie in den USA und wusste, okay, da ist ein Berg vor mir und ich muss gucken, wie ich das überhaupt hinkriege. Und weiß noch damals, weil ich konnte ja wirklich wenig oder kaum Deutsch, ich habe gegoogelt an der Universitätswebseite, wo ich studiert habe dann an der Uni Köln und habe dann mit Copy-Paste und Google Translate die ganzen Bewerbungsvoraussetzungen einfach Copy-Paste und geguckt, okay, was muss ich denn machen? Und diesen Schritten bin ich dann einfach nachgegangen. Ja, okay. Also ich war damals schon extrem überfordert, obwohl das ja meine Muttersprache war. Ich glaube, ohne die Hilfe meiner Eltern hätte ich wahrscheinlich nicht mal die Bewerbung hinbekommen. Also Respekt, dass du das geschafft hast.
Was sind denn die größten Unterschiede? Du hast jetzt schon gesagt, in den USA muss man vorher einen Bachelor studieren. Was sind noch so Unterschiede zwischen dem Medizinstudium in den USA versus in Deutschland? Super Frage. Und wie ich es ein bisschen angetippt habe, der größte Unterschied liegt tatsächlich in der Phase schon vor dem Medizinstudium. Und das ist dieser Bachelor, die eben gemacht werden muss.
Und das sind vier Jahre. Also wenn man schon weiß, man will später Medizin studieren, muss man schon im Bachelorstudium sich entscheiden. Richtig gut auf die Bewerbung zum Medizinstudium vorbereiten. Und da sind viele Aspekte auch mit inbegriffen. Also man muss auch forschen nebenbei im Bachelor, beziehungsweise was heißt muss, aber man soll auf jeden Fall Forschung machen, wenn man eine Chance haben will, zugelassen zu werden. Man muss auch, das ist ein großer Unterschied, man muss auch richtig viele ehrenamtliche Aktivitäten machen. Also man kann freiwillig im Krankenhaus arbeiten oder bei Suizid-Hotline, egal was einen so interessiert. Aber man muss auch zeigen, dass man Zeit investieren möchte, auch ohne bezahlt zu werden. Und es gibt auch dieses Konzept von Shadowing. Da muss man auch in Krankenhäusern oder auch Praxen Ärzte shadowen, also wirklich folgen, verfolgen und einfach gucken, wie ist der Alltagsablauf, wie ist es überhaupt als Arzt oder Ärztin zu arbeiten. Und man braucht eine gewisse Anzahl an Stunden auch dafür.
Also allein diese Bewerbung ist riesig und kann sehr lange dauern. Man muss auch den sogenannten MCAT schreiben und das ist ein Medical College Admissions Test und das ist ein sehr schwieriger Aufnahmetest, die man auch braucht für die Bewerbung.
Man muss auch ein Motivationsschreiben erfassen. Dieser ganze Verfahren dauert ungefähr ein Jahr. Und das gibt man dann bei den Universitäten ab. Man wird dann im besten Fall eingeladen zu einem Vorstellungsgespräch. Und da muss man sich auch präsentieren und zeigen und auch die Gründe, warum man überhaupt Medizin studieren möchte, erzählen. Und wenn man Glück hat, wird man angenommen. Und dann darf man studieren. Ja, ganz schön viele Schritte und sehr viel Arbeit.
Wie ist es denn, wenn man dann diese vier Jahre studiert hat und dann dieses Jahr lang die ganzen Vorbereitungen gemacht hat und Bewerbungsphasen durchlaufen hat? Wie lange dauert es dann, wenn man dann endlich anfangen darf, Medizin zu studieren? Gute Frage. Das sind dann vier Jahre. Und ich würde sagen, in diesen vier Jahren, wenn man dann endlich eingeschrieben ist als Medizinstudentin, ist es sehr ähnlich zu dem Aufbau in Deutschland. Man hat gewisse vorklinische Kurse. Ich glaube, das sind zwei Jahre. Man hat dann zwei Jahre auch Klinik. Und dann ist es sehr ähnlich zu dem, wie es in Deutschland abläuft. Aber ein wichtiger Aspekt, was ich auch erwähnen muss, sind die Kosten.
Da in den USA ist alles, aber natürlich auch das Studium, unendlich teuer. Man muss die vier Jahre Bachelor zahlen, man muss aber auch die vier Jahre Medizinstudium zahlen. Und ich habe nachgeguckt tatsächlich und laut dem American Association of Medical Colleges, also das AAMC, hat die durchschnittliche Medizinstudentin 250.000 Dollar Schulden, wenn man das Studium endlich nach diesen acht Jahren abgeschlossen hat. Weil man muss Schulden aufnehmen, nicht nur für die Studiengebühren, man muss aber auch den Lebensunterhalt decken. Und so nimmt man dann einfach wahnsinnig große Schulden auf, die man im Laufe der Karriere abbezahlen muss. Also es ist schon heftig. Ja, und anders als hier, wenn man denn staatlich studieren kann in Deutschland, was ja viele von uns machen.
Das kann ich mir vorstellen, dass das auch ein ganz schöner Druck ist, wenn man dann mit so einem Schuldenberg, der hinter einem wächst, weiter studiert oder auch weiß, dass man das Studium beenden sollte, um das dann irgendwann abbezahlen zu können. Und du weißt, wie das ist, Leonie. Wir stehen sowieso als Medizinstudenten wahnsinnig unter einem enormen Druck. Und das macht nicht immer Spaß. Auch kurz vorm Physikum weiß ich noch, wie sehr ich gelitten habe. Und da gibt es auch schwierige Phasen. Klar, natürlich hat man auch die schwierige Phasen in den USA. Man weiß auch, okay, ich habe hier 250.000 Dollar investiert, ich muss das durchziehen. Das ist natürlich was anderes im Kopf. Absolut. Jetzt hast du hier nicht direkt, also hier in Deutschland, nicht direkt einen Studienplatz für Medizin bekommen. Was hast du dann zuerst gemacht? Allererst ist natürlich mit den Sprachkursen habe ich angefangen, weil das ist die Voraussetzung, wenn man in Deutschland studieren will, ist klar. Nach ungefähr einem Jahr, als ich dann relativ, ja okay, Deutsch konnte.
Habe ich versucht, dann meinen Bachelor erst zu Ende zu machen. Weil, wie ich gesagt habe, ich hatte schon zwei Jahre in den USA studiert und die wollte ich mir auch irgendwie, wenn es möglich war, anrechnen lassen oder anerkennen lassen, damit ich das abschließen konnte. Das war mir irgendwie wichtig. Das war auch ein sehr schwieriger Weg, weil wir haben in den USA kein Abitur. Wir haben zwölf Jahre von der Grundschule bis zum Highschool und dann darf man an einer Universität studieren. Und dadurch, dass ich kein per se Abitur habe, was ich natürlich in den USA habe, aber in Deutschland nicht, musste ich ganz lange kämpfen, um zu zeigen, hey nein, ich soll hier studieren. Ich habe schon zwei Jahre an einer Universität studiert. Also das war schon administrativ auch ziemlich komplex alles. Aber zum Glück hat es auch geklappt und ich habe angefangen, mein Biologiestudium oder mein Biologiestudium zu Ende zu machen. Und das habe ich dann gemacht in Köln, an der Uni Köln. Und ich bin auch so froh, weil das war ein riesiger Meilenstein, als ich so mein erstes Ziel dann in Deutschland erreicht habe. Und ja, das war aber mit ganz viel Druck gekoppelt, weil ich wusste, okay, wenn ich nachher Medizin studieren will, brauche ich eine sehr gute Abschlussnote vom ersten Studium. Weil so läuft es, wenn man als Zweitstudium sich bewerbt.
Und genau, also das war sehr stressig, aber ich bin sehr froh, dass ich das gemacht habe. Also ich habe dann mit Bio angefangen, ja. Und dann hast du dich mit dem Bio-Abschluss beworben oder konntest du noch weitere Tests machen, wie zum Beispiel den TMS oder...
Andere Qualifikationen? Gute Frage. Also in Deutschland ist es so, und das habe ich natürlich erst auch im Laufe meiner Erfahrung gelernt, wenn man schon ein abgeschlossenes Studium hat, was ich ja damals hatte oder immer noch habe, dann gilt man als Zweitstudierende, also Zweitstudiumbewerber. Und dann ist man nicht mehr in diesem zentralen System, die durch Hochschulstart geregelt ist. Man ist in einem separaten Pool aus BewerberInnen und die Voraussetzungen sind erstmal ganz anders. Man darf nicht den TMS schreiben. Man hat nur die Note aus dem ersten Studium, also die Abschlussnote. Dafür kriegt man Punkte. Also wenn es sehr gut war, kriegt man so und so viele Punkte und so weiter. Dann schreibt man ein Motivationsschreiben und das kann verschiedene Gründe haben, entweder wissenschaftlich oder beruflich und so weiter. Und das wird dann von der Universität begutachtet und geguckt, okay, sind diese Gründe stark genug, dass das deutsche Staat ein zweites Studium nochmal finanzieren soll für diese Person.
Daraus werden auch Punkte ermittelt und am Ende hat man so und so viele Punkte und das entscheidet, wo man dann letztendlich studieren darf. Weil verschiedene Unis haben verschiedene Punkte. Das heißt Charité, du bekommst dann nur einen Studienplatz, wenn du glaube ich 13 Punkte hast. Klar, in anderen Städten, wo die vielleicht nicht so beliebt sind, sind es weniger Punkte und so weiter.
Aber es ist trotzdem, egal wie viele Punkte man bekommen hat, extremst kompetitiv. Ich studiere in Düsseldorf und ich weiß, zu meinem Jahrgang, als ich angefangen habe, waren 1,25 aller Studienplätze im Medizinstudiengang für diese Studierende des Zweitstudiums. Also man muss schon Glück haben mit der Motivation schreiben, aber es hängt sehr stark von der Note ab, auch vom ersten Studium. Ja, jetzt sagst du, es war sehr kompetitiv. Hattest du denn einen Plan B? Jein. Also ich wusste, ich will Medizin studieren und ich werde das machen. Irgendwie werde ich das machen und dieser Wunsch ist so stark, ich kann es nicht nicht machen. Und das wusste ich schon immer, aber ich wusste auch, okay, ich will auch irgendwie meine Zeit sinnvoll verbringen. Und deswegen war mein Plan B nach dem Biologiestudium, habe ich angefangen im Masterstudium Neurowissenschaften in der Uni Köln. Und das habe ich dann während des Bewerbungsprozesses für das Medizinstudium gemacht. Und das hatte ich dann quasi aktiv als Plan B, dass ich das abschließen kann, falls ich keine Zulassung bekomme und würde dann immer weiter mich bewerben und immer weiter versuchen, bis es irgendwann klappt.
Aber zum Glück habe ich dann nach einem Semester im Neurowissenschaften-Master die Zusage bekommen. Und das hast du wahrscheinlich auch als Erfahrung gemacht. Ich weiß noch, wo ich war und wie der Tag war, als ich diese E-Mail bekommen habe. Ja, sie haben die Zulassung bekommen und das war einer der besten Tage meines Lebens, bestimmt. Ja, es ist für immer eingebrannt, wo man da war und wann die E-Mails kamen. Genau, genau. Dass man wusste, oh mein Gott, ab jetzt verändert sich irgendwie alles. Genau. Und auch die Erleichterung, dass es klappt. Ja, und ich wusste auch damals, klar, da konnte ich gut Deutsch, aber ich habe diese E-Mail bekommen und habe es am Anfang nicht geglaubt. Ich dachte, ich verstehe was falsch, ich lese es nicht richtig. Und dann habe ich meine beste Freundin in Köln angerufen und gesagt, hey, was sagt diese E-Mail? Habe ich das richtig verstanden? Sie so, ja, ja, du hast einen Platz bekommen. Oh, das war so schön, ja.
Inzwischen studierst du seit ungefähr vier Jahren hier schon Medizin. Was waren denn für dich die größten Herausforderungen zu Beginn? Es gibt verschiedene Ebenen von Herausforderungen.
Ich glaube, die erste Ebene wäre Medizin. Die Herausforderung, die jede Studentin hat am Anfang. Es ist viel, es ist neu und man will das auch gut machen. Man hat auch den Anspruch, das richtig gut zu machen. Und es ist einfach wie eine riesige Welle, die auf einen zukommt an Information. Und daran muss man sich auch gewöhnen, auch unabhängig, ob man Muttersprachler ist oder nicht. Die zweite Ebene dann obendrauf war. Vom Anfang an wusste ich, das wird auch mit der Sprache vielleicht nochmal so ein bisschen schwerer, weil klar, man muss dann auch die lateinische Begriffe kennen, die griechische Begriffe kennen. Dann gibt es auch natürlich so schön im Deutschen auch die deutsche Begriffe dafür. Blinddarm oder Appendix ist schon sehr anders und man muss dann alle Begriffe erstmal neu kennenlernen. Das war dann am Anfang schon sehr herausfordernd. Und was mir auch sehr wichtig ist, ist die empathische kommunikative Ebene. Also ich weiß als Mensch, wenn man in einem medizinischen Beruf arbeitet, ist die Kommunikation extremst wichtig.
Und ich habe immer am Anfang Sorgen gehabt, was ist, wenn ich einen Patienten oder eine Patienten habe und ich kann diese Person nicht unterstützen, weil mir das richtige Wort nicht einfällt. Oder ich diese lebensverändernde Diagnose nicht richtig überbringen kann, das war für mich vor allem am Anfang immer eine große Sorge. Ich weiß noch, das hattet ihr bestimmt auch. Wir haben am Anfang solche Fertigkeitskurse gehabt und in dem allerersten Kurs war das ein Anamnesetag und es war eine Schmerzanamnese und wir haben mit einem echten Schauspielpatienten gearbeitet. Und ich wusste, dieser Tag kommt und ich wusste, ich muss mich darauf vorbereiten und wir sind in so kleinen Gruppen, das heißt, jeder muss ein Gespräch führen, das heißt, ich wusste, an diesem Tag kommt dieses Gespräch und ich muss mit einer echten Person dann sprechen, auf Deutsch, medizinisch. Und Leonie, ich sag's dir, ich war so aufgeregt. Ich hab vor dieser Stunde gezittert, geschwitzt. Ich war so aufgeregt, weil ich wusste, ich will das gut machen. Ich will keine Fehler machen. Und ich hoffe, ich weiß, was ich sagen soll in dem Moment. Und nicht nur aus diesem Fragenkatalog heraus, Lokalisation, wie lange, was für einen Charakter hat der Schmerz, sondern ich will diesen Mensch auch richtig wahrnehmen und auch unterstützen.
Und ja, und dann habe ich gesagt, okay, dann gehe ich als allererstes, weil ich kann diese Stunden nicht aushalten mit dieser Aufregung die ganze Zeit. Und ja, nachdem man sich dieser Challenge gestellt hat, ist es dann wahnsinnig erleichternd. Und man weiß, okay, das habe ich hingekriegt, das werde ich auch weiterhin alles gut irgendwie hinbekommen. Vielleicht auch nicht, wenn alles perfekt ist oder vielleicht ist es nicht auf dem Niveau, wie es wäre als Muttersprachler. Aber so what? Es ist okay, man wird jeden Tag besser und man macht es irgendwie. Also das war schon eine lange Antwort zu deiner Frage. Ja, war eine sehr schöne Antwort. Ich denke, dass auch selbst wenn man Muttersprachlerin ist, fehlen einem manchmal wahrscheinlich die Worte oder die richtigen Worte. Ich glaube, dass es einem auch nochmal ein ganz anderes Verständnis geben kann, wenn man manchmal selbst überlegen muss, okay, wie vermittle ich das richtig, weil die Patienten oft ja auch nicht die gleiche Sprache sprechen. Also ich meine nicht mal, dass sie nicht Deutsch sprechen, sondern die Sprache der Medizin ist ja manchmal auch schon einfach sehr komplex. Und auch da muss man überlegen, wie man das richtig formuliert, dass das bei den Patienten ankommt. Und ich könnte mir vorstellen, dass du da nochmal einen sehr viel besseren Blick drauf hast, weil du da nochmal...
Einfach einen anderen, ja, also weil du das selbst erlebt hast sozusagen, was passieren kann, wenn man so darüber nachdenken muss, okay, wie bringe ich das richtig rüber? Definitiv. Und man hat so seine Werkzeuge, wenn mir das richtige Wort nicht einfällt, wie kann ich das anders kompensieren? Und das kann man machen mit der Körpersprache, mit der Emotionenübermittlung. Man hat so seine Tools und weiß eben, okay, ich brauche nicht immer genau das richtige Wort, sondern ich bin als Mensch ein Gesamtpaket, der Patient auch und irgendwie treffen wir uns in der Mitte. Sind diese ganzen Sorgen vom Beginn des Studiums mittlerweile ein bisschen gewichen oder haben sich vielleicht auch aufgelöst? Ja, definitiv. Also ich hatte, ich glaube, so eine große Entwicklung für mich war das Pflegepraktikum, weil das war eine gute Chance, eben diese sprachlichen Sorgen, die ich hatte oder Ängste ein bisschen zu reduzieren und zu wissen, hey, irgendwie kriege ich das gut hin mit den Patienten. Und man lernt dann auch diese ganzen medizinischen Fachwörter, was ich vorher wirklich nicht wusste, zum Beispiel Vigo. Wir sagen nicht Vigo in den USA, wir sagen IV.
Und das sind Worte, die ich vorher wirklich nicht kannte. Das ist ein bisschen peinlich vielleicht, aber das war wirklich... Ich kannte das auch nicht, bevor ich ins Krankenhaus gekommen bin.
Genau, also es waren einige Monate, drei Monate, wo ich auch mir selbst zeigen konnte, Quinn, du schaffst das. Und diesen Anspruch, den man hat, perfekt zu sein, kann man lassen, man entwickelt sich. Und jetzt immer noch durch die Formulatoren und so weiter, das hast du bestimmt genauso gehabt. Man kommt weiter und die Ängste werden immer weniger. Klar, die Ängste auf den Berufsstart sind trotzdem groß, aber man weiß eben, hey, Ist es okay? Ich kriege das hin. Ich schaffe das. Und den Anspruch, perfekt zu sein, den kann man im ersten Semester gleich mal über Bord werfen. Total. Das ist niemand von uns und das macht uns dann ja auch menschlich und besser eigentlich. Erlebst du, dass PatientInnen oder KollegInnen zum Beispiel wie eben angesprochenen Formulaturen anders auf dich reagieren, weil du eben aus dem Ausland kommst? Manchmal, klar. Also ich bin auch anders aufgebaut, vielleicht kognitiv, auch mental, emotional, wie ich auch in meiner Story am Anfang erwähnt habe. Ich bin sehr offen, ich bin auch sehr warm und vielleicht ist das für manche Patienten oder auch manche Kollegen anders und die sind nicht so. Also kulturell ist Deutschland einfach nicht so, muss man sagen, was auch völlig okay ist.
Aber eigentlich habe ich das immer als etwas Positives erlebt in der Klinik. Ich glaube, die Patienten freuen sich, wenn jemand da mit Wärme irgendwie auftaut und denen zeigt, ich höre dir zu und das, was du mir sagst, ist wichtig.
Und klar, definitiv. Und in der Klinik ist es eher etwas Positives, glaube ich. Die Kollegen freuen sich immer, wenn eine Muttersprachler da ist, die Englisch sehr gut kann, wenn manche englischsprachige Patienten da sind und die mussten das Gespräch nicht führen. Die freuen sich dann, wenn ich das übernehmen kann. Und ja, unabhängig davon sind die meisten offen und neugierig und haben eine große Akzeptanz für mich. Sehr schön. Um in Deutschland zu studieren, hast du ein Visum, was du regelmäßig verlängern musst. Wie genau läuft das ab? Gute Frage. Das war am Anfang sehr mühsam, weil das war an der Sprachschule gekoppelt. Und die Sprachschule, die Kurse, die ich gemacht habe am Anfang, gingen immer nur sechs Wochen lang. Das heißt, ich musste alle sechs Wochen erneut zum Ausländeramt diese ganzen Papierkram machen und 100 Euro zahlen, um das Visum nochmal zu verlängern. Stichwort Bürokratie. Genau, das war schon auch sehr schwer, vor allem auch da, man ist in der Sprachschule, die Deutschkenntnisse sind nicht so gut und man muss diese ganzen Unterlagen richtig ausfühlen. Also ich bin so froh, dass ich meinen Mann hatte damals, der mich unterstützen konnte auf dieser sprachlichen Ebene.
Genau und sobald ich eingeschrieben war an der Universität, war es nochmal anders. Dann ist es ein Visum, was an dem Studium gekoppelt ist und das ist erstmal auf zwei Jahre begrenzt. Die Bedingungen dafür oder die Voraussetzungen dafür sind ein Sprachzertifikat, also C1 Sprache. Genau, braucht man. Man muss auch Krankenversicherung haben. Klar, man muss angemeldet sein. Und das war ein Schreckfaktor am Anfang. Man muss auch zeigen, dass man den eigenen Lebensunterhalt für mindestens ein Jahr sichern kann. Und das macht man, indem man entweder zeigt, man hat mindestens 11.000 Euro auf einem Bankkonto, was gesperrt ist, worauf man nicht zugreifen kann.
Um dem deutschen Staat zu zeigen, falls was ist, habe ich Geld dabei.
Wenn man das nicht kann, was natürlich ganz viele nicht machen können.
Ist, man kann eine Verpflichtungserklärung durch eine dritte Person machen. Das heißt, man muss jemanden haben, in meinem Fall war es mein Freund damals, mein Mann jetzt, oder man kann das durch Freunde oder Eltern, je nachdem wie die Situation ist. Und die müssen sich rechtlich dazu bereit erklären, dass die finanziell auch gesetzlich für dich quasi verantwortlich sind, falls irgendwas passiert. Genau. Also das war schon schwierig und ein bisschen unangenehm, ja. Okay, verstehe ich. Also das ist ein ganz neues Gebiet für mich. Das ist ja super genau geregelt. Du sagst, zwei Jahre wurden dir anfangs sozusagen genehmigt. Musstest du dafür dann mit dem Studium irgendwas erfüllen? Also in Regel Studienzeit studieren oder da irgendwas nachweisen? Zum Glück gar nicht. Da muss man nur die Immatrikulationsbescheinigung einreichen und zeigen. Ich glaube auch eine Leistungsübersicht, aber da wird nicht nach Noten geguckt, da wird nur geguckt, hey, ist man eigentlich, macht man da überhaupt was? Genau, aber das sind nur für zwei Jahre. Klar und das Studium dauert nicht zwei Jahre, egal was man macht. Das heißt auch da die 100 Euro muss man alle zwei Jahre zahlen und wieder hingehen und alle Papiere neu vorlegen.
Und ja, das ist schon mühsam und vielleicht kennst du das auch, es ist nicht immer eine ganz angenehme Erfahrung, sage ich mal, im Amt. Nee, da wird man manchmal, denkt man, man wird verrückt. Und auch die Zeit, die man da absitzt, wie viel, würdest du sagen, hat es zeitlich eingenommen in deinem Studienalltag oder generell über die Jahre gesehen? Ja. Oh, das ist schwer zu sagen. Viel, viel kann ich dir sagen. Ich weiß noch, ich habe ganz klare Erinnerungen, wie ich saß beim Abend mit meinem iPad und für Klausuren gelernt habe und habe dann natürlich so die Anatomiebilder vielleicht verstecken mussten, weil klar, man verbringt da auch viel Zeit. Ja, das ist wahr.
Und du hast jetzt gesagt, es kostet immer 100 Euro, ein Visum zu verlängern, aber generell kommen ja auch noch andere Kosten im Studium auf. Wie finanzierst du dein Studium? Das ist auch eine gute Frage. Als ausländische Studentin oder nicht EU-Studentin hat man keinen Anspruch, auch auf BAföG. Das heißt, man muss irgendwie das Geld herbekommen fürs Studium. Und am Anfang habe ich im Max-Planck-Institut gearbeitet. Das habe ich angefangen in meinem Bachelorstudium für Biologie und da habe ich als Hilfswissenschaftlerin, ich glaube, so eine Teilzeitstelle gearbeitet und das war ganz gut. Genau, ich hatte noch zusätzlich diverse Stipendien, auch teilweise aus den USA und so kann man sich ein bisschen aus verschiedenen Quellen was zusammenstellen. Ja, jetzt bin ich verheiratet und habe das Glück, dass mein Mann mich unterstützt durch das Studium. Aber mir ist auch klar, dass ganz viele ausländische Studenten das eben nicht haben. Also ich denke, durch Arbeit, es gibt ganz viele Stipendien für ausländische Studenten. Das haben sicherlich auch ganz viele. Oder auch durch die Eltern würde ich auch davon ausgehen. Oder Familie. Das ist ja dann echt nochmal ein Punkt, der dazukommt. Du hast dieses Sprachliche, die sprachliche Barriere am Anfang, dann die ganze Bürokratie und dann auch noch die Sorge oder halt den Punkt der Finanzierung, den man dann auch noch stemmen muss.
Wenn du jetzt Familie und Freunde und Freundinnen ansprichst, die in den USA ja wahrscheinlich oder zum Großteil noch leben, du hast ja gesagt, du hast auch viele jetzt in Köln mittlerweile und Düsseldorf wahrscheinlich. Wie ist es für dich, soweit von zu Hause weg zu sein? Das ist nicht immer leicht. Ja, das ist schon ein großer Punkt. Und ich glaube, wenn man eine Auslandserfahrung machen möchte, muss man auch bereit sein, viele Sachen mit sich selbst ausmachen zu müssen und zu sagen, okay, ich unterstütze mich, weil dieses Netz von Familie und Freunde, die man erstmal hat, ja erstmal wegfällt, bis man sich das neu aufgebaut hat.
Und das habe ich schon am Anfang gesagt. Jetzt ist Deutschland für mich sehr heimatlich und ich fühle mich sehr schön unterstützt von meinem ganzen Kreis hier. Aber das war nicht immer so. Also das waren die ersten Jahre sogar sehr einsam. Und vor allem durch Corona, als ich dann nicht leicht hin und her fliegen konnte und meine Familie nicht besuchen konnte, war das schon extrem schwer. Ich habe auch in meiner Familie gerade bei einem Familienmitglied, diese Person ist sehr krank und das ist auch schwer, weil man kann nicht so, klar, USA ist auch sehr weit, man kann nicht leicht einfach da hinfliegen und sagen, okay, dann verbringe ich das Wochenende bei meiner Familie oder so. Das hat man nicht. Genau, also das ist schon manchmal schwierig, manchmal traurig.
Andernseits denke ich, das ist eine Motivation dazu, dass man sich besser integriert, dass man eben Freunde findet in dieser neuen Heimat, dass man sich gut hier so ein Netz wirklich aktiv aufbaut. Und vielleicht hattest du das, als du angefangen hast zu studieren, ich weiß nicht, vielleicht bist du weggezogen aus deiner Heimatstadt. Und das ist auch ähnlich. Man muss sich neu finden, man muss die Menschen neu finden. Aber das ist auch schön, man muss sich auch öffnen. Voll. Und es gibt ja dann zum Glück, wenn man anfängt zu studieren, sehr viele Menschen, denen es ähnlich geht, die auch neu irgendwo hinziehen oder halt zum ersten Mal irgendwie vielleicht studieren oder halt Medizin anfangen zu studieren.
Also ja, ich bin auch weggezogen, aber nur anderthalb Stunden von zu Hause. Also es ist nicht ganz vergleichbar. Es ist doch schon sehr viel näher und ich bin sehr viel schneller daheim.
Gibt es etwas in den USA, was du besonders vermisst? Ja, klar. Also ich komme aus Kalifornien, habe ich gesagt. Und da haben wir sehr schöne Natur und sehr schönes Essen.
Also Kalifornien ist schon mal anders als die restlichen USA. Wir haben sehr gesundes, sehr frisches, sehr schönes Essen. Und das vermisse ich schon manchmal, muss ich sagen. Auch die Supermärkte, die Auswahl ist anders. Da sind so richtig interessante Sachen dabei. Und das vermisse ich schon. Das ist aber so eine Kleinigkeit und die Natur. Ich bin in den Bergen aufgewachsen, in einem wunderschönen kleinen, kleinen Dorf und war jeden Winter Skifahren, im Sommer richtig viel wandern. Das fällt mir schon. Aber das Gute ist, ich kann auch reisen. Und in Europa, das ist was, was ich da nicht hätte, kann man viel reisen, viel sehen, auch mit kürzeren Strecken. Und das ist schön. Ja, und dann genießt man es umso mehr, wenn es plötzlich nicht mehr um die Ecke ist. In den USA kann man seine Facharztweiterbildung nicht frei wählen. Weißt du schon, welche Facharztrichtung du hier in Deutschland wählen möchtest? Das ist ein sehr, sehr, sehr, sehr wichtiger und interessanter Punkt, den du gerade ansprichst. Ich möchte später Neurochirurgie machen, Ich schreibe auch meine Doktorarbeit über Hirntumore und habe schon seit dem ersten Semester gewusst, das ist mein Feld. Das werde ich später machen, auf jeden Fall. Es war vom Anfang an super klar. Dafür bin ich auch dankbar, weil es ist auch nicht immer so.
Und genau, ich glaube, das ist ein tolles Beispiel für diesen Unterschied, was es dann in den USA gibt. Neurochirurgie hätte ich wahrscheinlich in den USA nicht machen können. Also schon, das wäre schon klar. In den USA gibt es das sogenannte Match-System. Das ist ein zentrales Algorithmus, was regelt, welche Medizinstudentinnen welche Residency-Plätze bekommen, also welche Plätze in Krankenhäusern für die Facharztweiterbildung. Also nehmen wir mal an als Beispiel, wir haben eine Frau in den USA und die studiert in Chicago und die will später Anästhesisten werden.
Anästhesie ist auch ein Fach mit einer relativ hohen Konkurrenz. Das heißt, vielleicht hat sie als Backup Pädiatrie. Das heißt, sie würde im letzten Jahr von ihrem Studium Hospitation machen in Krankenhäusern in Chicago mit Anästhesie und Pädiatrie als Fachrichtungen. Am Ende, wenn sie sich bewirbt, da ist wieder eine große Bewerbung, was man machen muss, würde sie angeben, in dem Krankenhaus würde ich gerne als Anästhesisten arbeiten. In dem Krankenhaus würde ich gerne als Pädiatrin arbeiten. Und so macht sie dann eine Liste. Die Krankenhäuser machen auch eine Liste. Die sagen, hey, diese Studentin, die wollen wir haben als Anästhesisten und setzen die dann auch auf die Liste. Und beide Parteien geben dann diese Listen ab. Das wird von diesem Algorithmus geglichen. So werden dann alle Plätze verteilt im ganzen Land für die Facharztweiterbildung stellen. Wie du dir auch vorstellen kannst, ist das sehr schwierig. Weil es gibt Orte, zum Beispiel New York oder Los Angeles, die sehr beliebt sind, schon per se als Ort. Es gibt aber auch Fachrichtungen, die sehr beliebt sind. Und ich glaube, im letzten Jahr waren es Dermatologie, Neurochirurgie und plastische Chirurgie. Dadurch, dass die Konkurrenz so hoch ist, muss man, um sich zu bewerben.
Extrem krasse Qualifikationen haben. Also ich glaube, für Neurochirurgie hat der durchschnittliche Bewerber 28 Veröffentlichungen von der Forschung. Die haben auch sehr, sehr hohe Noten bekommen bei den Staatsexamina, die haben dann anderweitig andere Hospitationen gemacht und sich gezeigt. Also das ist wirklich crazy Chancen, wenn man in diesen sehr, sehr beliebten Fächern gehen will. Und es gibt dann immer die Chance, dass man gar nicht ein Match bekommt und erst mal dann gar nicht anfangen kann zu arbeiten. Und dann hat man ja die ganzen Schulden, die man noch abbezahlen möchte. Und dann muss man entweder ein Jahr warten und sich neu bewerben oder man kann in den Plätzen, die nicht belegt worden sind, zum Beispiel in Städten, wo man gar nicht hin will, was anderes arbeiten. Von mir aus, keine Ahnung, Pathologin. Und vielleicht möchte sie das nicht. Sie möchte als Anästhesisten in Chicago arbeiten, hat kein Match und muss jetzt nach Kentucky und als Pathologin arbeiten.
Also es ist schon in Deutschland, finde ich, so ein Glück, dass wir diese relativ freie Auswahl haben. Seit 2024 kann man in Deutschland eine doppelte Staatsbürgerschaft beantragen. Du möchtest nächstes Jahr mit der deutschen Einbürgerung starten. Was genau würde sich durch diese doppelte Staatsbürgerschaft und die deutsche Staatsbürgerschaft für dich ändern? Ja, also erstens war ich so froh, als ich gesehen habe, dass das Gesetz geändert worden ist und dass man diese doppelte Staatsbürgerschaft führen darf.
Weil ich schon immer, oder was heißt schon immer, aber seit langer Zeit möchte ich mich auch hier einbürgern lassen.
Und die Vorteile davon sind, klar, wenn man sich bewerbt, zum Beispiel an einem Krankenhaus, entfällt diese Arbeit vom Arbeitgeber für das Visum, was die hätte machen müssen. Weil klar, mit diesem Vertrag zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist auch ein Anteil von dem Arbeitgeber. Also es ist erstmal leichter in dem Sinne.
Für mich persönlich aber hat es schon einen sehr hohen Stellenwert, weil ich habe das Gefühl, ich habe so viel von diesem Land bekommen. Ich habe mein Traumstudium, später meinen Traumberuf, auch ein anderes Studium. Mein Mann, Freunde, ich habe so ein tolles Leben. Mir ist es sehr wichtig zu sagen, ich nehme oder ich mache den nächsten Schritt und bin dann auch hier so eine richtige Staatsbürgerin und kann dann nachher auch wählen. Und klar, auch Steuern zahlen werde ich sowieso. Aber dass ich richtig das Gefühl habe, ich bin hier integriert. Ich bin nicht mehr die, die von außen kommt, sondern ich gehöre auch hierzu. Ich gehöre hierhin und ich bleibe auch hier. Und das ist schön. Also ich freue mich sehr drauf. Das wird aber auch ein sehr langes Prozess sein mit, klar, Bürokratie, 2000, ganz viele Schritte, aber zum Glück eilt es auch nicht. Wenn du mal so darüber nachdenkst, wenn du nicht nach Deutschland gekommen wärst, was denkst du, wo stündest du heute? Die Frage habe ich mir nie gestellt.
Das ist schön. Ich hoffe, dass ich in einer ähnlichen Situation wäre. Ich hoffe, dass ich es geschafft hätte, in den USA von meinem Bachelorstudium dann noch weiter Medizin zu studieren. Ich wäre wahrscheinlich nicht, wie ich gesagt habe, in der Situation, wo ich später Neurochirurgie machen könnte, müsste mich dann auf was anderes konzentrieren. Aber ich würde mir wünschen, dass es mir ähnlich so gut gehen würde, wie es mir jetzt geht.
Ich würde das aber niemals tauschen wollen. Ich habe durch diese letzten acht Jahre jetzt mittlerweile so viel gelernt über mich, über meine eigene Menschlichkeit, über die Welt, über andere Menschen, also weit über die Sprache oder die Kultur hinaus. Das ist so eine wertvolle Erfahrung gewesen für mich ich würde das nie tauschen wollen, also ich bin ganz froh wo ich bin, Das war jetzt eigentlich ein total schöner Abschluss, aber ich habe noch eine letzte Frage an dich und zwar, ob du Tipps hast für Studierende aus dem Ausland, was sie machen können, wie sie mit den stressigen Situationen vielleicht am Anfang umgehen können oder was du jetzt aus deinen Erfahrungen mit an die Hand geben kannst, wenn sie sich noch überlegen, hier anzufangen zu studieren oder wenn sie vielleicht jetzt ins erste Semester kommen? Ich würde sagen, alle Studenten oder Studentinnen, die sich vorstellen können, nach Deutschland zu kommen, erstmal nicht von dieser Bürokratie überfordern zu lassen, eben nicht von der Selbstunsicherheit überfordern zu lassen, weil man hat am Anfang dieses Gefühl, ich bin hier falsch, ich bin hier fehl am Platz, ich verstehe nichts, ich kann die Sprache nicht, Ich kenne die Regeln nicht. Ich weiß nicht, wie man überhaupt einen Zettel von Anfang zu Ende liest.
Und mein größter Tipp wäre, dass man einfach an sich glaubt, in sich ruht und vertraut. Ich gehe meinen Weg. Und wenn man schon die Intuition hat, das ist richtig, egal wie viele Zweifeln von draußen kommen, einfach zu sagen, ich gebe es nicht auf, egal wie schwer es ist, ich gehe einfach jeden Tag einen Schritt weiter und bleibe im Aktionismus und mache einfach weiter. Und dann wird es schon. Also wenn man nicht aufgibt und das Vertrauen hat in sich selbst und einfach ruhig in sich ist und weiß, das ist anders, als alle anderen Menschen das vielleicht machen, aber das heißt nicht, dass es falsch ist, dann kriegt man das schon hin, finde ich. Und vielleicht als allerletztes möchte ich auch Studenten oder vielleicht nicht mal Studenten, aber auch Assistenten in Deutschland ermutigen, eine Erfahrung im Ausland zu machen. Das ist so eine wertvolle Erfahrung. Ich finde, man lernt diese neue Sprache, die neue Kultur, die neue Mentalität kennen.
Und durch diesen Prozess hat man diese wunderbare Chance, auch neue Dinge über sich selbst zu entdecken, die Grenzen der eigenen Komfortzone auszuloten und sich neuen Horizonten weiterzuentwickeln. Also sei es für eine Famla-Tour, für das Pejat, für einen Forschungsaufenthalt später. Einfach machen und gucken, was passiert. Quinn, vielen Dank für dieses Gespräch. Ich habe mich total gefreut, dich hier zu haben und du hast wirklich, also du hast meinen größten Respekt. Ich bin sehr beeindruckt von deinem Weg hier und wünsche dir alles Gute und dass das mit der Neurochirurgie hier in Deutschland klappt. Aber ich habe da ein sehr gutes Gefühl, wie du vorhin schon gesagt hast, wenn man was wirklich möchte, dann bekommt man das am Ende auch hin. Danke, Leonie. Das war mir wirklich eine große Freude. Und dir wünsche ich natürlich auch alles Gute für die nächsten Schritte. Dankeschön. Tschüss. Tschüss. Das war Ruhepuls, der Podcast für deine Zukunft in der Medizin von Thieme. Deine Begleitung vom Studium bis zum Facharzttitel. Moderation Leonie Albrecht. Projektleitung Nadine Spöri. Redaktion Dr. Vera Prenosil, Alina Schulte und Enes Elsenhans. Produktion und Technik Benze-Büritz.