Das Medizinstudium ist ohne Frage herausfordernd und zeitintensiv. Einige schaffen es, neben Vorlesungen, Formulatoren und Prüfungen noch ihre Doktorarbeit oder ein anderes Forschungsprojekt zu beginnen. Die wenigsten gehen dafür ins Ausland. Genau das hat Karim gemacht. Er studiert Humanmedizin in München und hat bis März 2025 ein Jahr lang an der Harvard Medical School in der Onkologie geforscht. Er erzählt, wie er seinen Forschungsaufenthalt organisiert hat, wie die Zeit dort für ihn war, wozu er geforscht hat und welchen wichtigen Beitrag Studierende in der Forschung leisten, auch ohne viel Vorerfahrung. Ich habe gesagt, ich habe außer dem Biochemie-Praktikum, wo man theoretisch auch nicht sehr viel über das Labor erfährt, null Vorerfahrungen. Ich habe theoretisch fast noch nie eine Pipette in der Hand gehabt.
Zu dem, dass ich ja Covid-Semester hatte und das alles bei uns ausgefallen ist. Ich war da ganz offen, ich habe aber dann auch klargemacht, ich bin bereit, das Commitment einzugehen und mich in ganz kurzer Zeit einzuarbeiten und mich auch wirklich da komplett sozusagen der Forschung hinzugeben. Karims Geschichte ist vielleicht eher eine Ausnahme und die aktuellen Bedingungen in den USA machen es derzeit schwierig, für ausländische Studierende dort zu forschen. Trotzdem ist die Folge sicherlich interessant für alle, die über einen Auslandsaufenthalt in ihrem Studium nachdenken oder sich generell für Forschung interessieren. Fakt ist schließlich, ohne Forschung kein Fortschritt in der Medizin. Karim hat für seine Forschungszeit in den USA übrigens ein Freisemester genommen. Mehr dazu gleich in der Folge.
Habt ihr schon mal über ein Freisemester nachgedacht? Was war der Anlass? Stimmt ab in unserer Umfrage. Und jetzt viel Spaß beim Hören.
Music.
Während des Studiums forschen und das noch ein Jahr, wie bist du auf die Idee gekommen? Der Gedanke kam bei mir tatsächlich relativ früh. Nach dem Physikum habe ich mir gedacht, ich möchte auf jeden Fall meine Doktorarbeit früh anfangen. Sozusagen mit der Forschung einfach schon zu Beginn der Klinik einsteigen. Weshalb ich mich dann auf die Suche nach einer Doktorarbeit erstmal begeben habe. Es hat auch relativ schnell geklappt. Ich habe im fünften oder sechsten Semester angefangen. Ich habe da eine klinische Doktorarbeit begonnen in der Radio-Onkologie. Das heißt, ich habe im Endeffekt eine klinische Studie betreut mit 40 Patienten. Es ging im Endeffekt um Lungenkrebs. Dadurch kam ich auch in das Thema Onkologie rein. Aber ich dachte mir gleichzeitig auch, ich möchte noch mehr darüber wissen und deshalb auch einen experimentellen Teil anschließen. So kam mir dann der Gedanke, warum nicht gleich im Ausland diesen Teil anschließen. Und dadurch habe ich mir dann ganz viele Gedanken gemacht. Ich habe mich gefragt, wo es hingehen soll. Da waren natürlich die ganz großen Universitäten immer ganz oben auf der Liste.
Eine davon natürlich auch die Harvard University, beziehungsweise Harvard Medical School, wo auch tatsächlich einige Kommilitonen von mir waren und dort auch einen Teil der Doktorarbeit gemacht haben. Und dann habe ich mir gedacht, okay, wenn die es schaffen, dann schaffe ich es wahrscheinlich auch. Und warum genau die USA? Es gibt ja auch irgendwie Cambridge oder so. Klar, also man könnte natürlich auch in Europa bleiben. Aber ich dachte mir, als Forschungsstandpunkt ist Amerika wahrscheinlich sehr fehlerführend, was sehr viele Bereiche angeht. Und ich habe während meines Aufenthalts dort gemerkt, dass vor allem in der Onkologie, also in der Krebsforschung, aber auch in den Neurowissenschaften ganz, ganz viel Gelder in die Forschung gesteckt werden, damit auch ganz junge ForscherInnen die Möglichkeit haben, neue Erkenntnisse zu bekommen. Und ich habe auch ganz, ganz viele Paper und wissenschaftliche Daten von drüben gelesen während meiner klinischen Doktorarbeit. Und ich dachte mir, okay, ich probiere es, wenn es klappt, klappt es. Und wenn es nicht klappt, schaue ich mich nach Alternativen um. Hast du es denn komplett alleine organisiert oder hattest du Hilfe? Das ist eine sehr gute Frage, weil ich initial dachte, dass meine Uni hier in Deutschland Connections hat, beziehungsweise einfach strukturelle Programme, die ich ausnutzen kann oder Infrastruktur.
Tatsächlich gab es aber sehr, sehr wenig, weshalb ich mich komplett initiativ auf die Suche gemacht habe nach Labors, die theoretisch Medizinstudenten annehmen würden, weil die meisten Labors Postdocs annehmen. Also sozusagen Forschende, die schon einen Abschluss haben, in unserem Fall dann das dritte Staatsexamen und die dann nach ihrem Studium sozusagen vor Ort forschen.
Weshalb es für mich etwas echt wert war. Ich war sozusagen Graduate Student und musste die ganzen Professoren selber anschreiben. Ich musste mich um das Feindling kümmern, ich musste mich um die Visa-Angelegenheiten kümmern und...
Ich denke, für mich war das auch eines der größten Hürden, überhaupt in die Stelle reinzukommen bzw. Die Zusage zu bekommen, weil es im Endeffekt sehr oft der Fall ist, dass auch experimentelle Vorerfahrung gefordert wird und die hatte ich schlicht nicht. Also ich habe ja nur klinisch geforscht. Ich dachte, das ist eines der größten Hürden und im Endeffekt hatte ich eine komplette Liste an Professoren mir runtergeschrieben, die ich dann auch nacheinander kontaktiert habe. Ich habe natürlich deren Forschungsfelder angeschaut, habe gesehen, was deren Forschungsschwerpunkte sind und das ist, denke ich, auch ganz wichtig, dass man in der Bewerbung klar macht, dass man wirklich nur dieses eine Labor im Blick hat, beziehungsweise man muss es denen einfach so verkaufen. Das heißt, konkret sagen, ich habe dieses und dieses Paper gelesen, ich habe mich über dieses Thema informiert und ich würde mich gerne in dieses Thema einbringen.
Gerne dann auch selber Themenvorschläge bieten. Ich meine, hier in Deutschland ist es sehr, sehr strukturiert. Man bekommt meistens von seinen Doktormüttern oder Doktorvätern die Themen vorgegeben. Aber das ist auch ein anderer Punkt, dass man da einfach eine große Freiheit hat. Und das wusste ich und das war auch ein Einheitspunkt. Wie gesagt, es kamen sehr viele Absagen auf dem Weg dahin. Wenn Rückmeldungen kamen, war man immer sehr glücklich. Bis es dann hieß ja, sie haben keine Erfahrung und ein so kurzer Zeitraum reicht leider nicht aus, um sich einzuarbeiten ins Labor. Und ich denke, jeder, der experimentell geforscht hat, weiß, dass das tatsächlich richtig ist. Ich weiß es im Nachhinein auch, weswegen ich dann im Endeffekt ganz am Ende meiner Liste angekommen bin. Und es waren, glaube ich, noch fünf Namen. Ich habe gesagt, okay, ich versuche es bei diesen fünf und wenn es nicht klappt, dann soll es einfach so sein. Und tatsächlich war es einer dieser fünf, der sich dann rückgemeldet hat. Es kam dann erstmal eine Absage, weil er meinte, ich wollte initial sechs bis acht Monate forschen, und er meinte, das reicht nicht aus. Und das hatte ich ja schon von den anderen Bewerbungen an Erfahrung gesammelt. Deswegen...
Da habe ich mir gedacht, okay, er hat mir geantwortet, ich werde nochmal nachhacken. Das heißt, ich bin persistent geblieben. Und dann hat er mir geantwortet, okay, er hat mit seinen Kollegen gesprochen und die würden sich vielleicht eine Mitarbeit mit mir vorstellen. Da war die Freude natürlich groß, aber dann fingen auch die Gespräche an. Das heißt, ich müsste dann mit den Postdocs, mit den PhD-Students und so weiter im Team sprechen, um zu schauen, ob das überhaupt funktioniert. Und eine der ersten Fragen waren dann natürlich, was hast du für Vorerfahrungen? Und ich war da ganz offen. Ich habe gesagt, ich habe außer dem Biochemie-Praktikum, wo man theoretisch auch nicht sehr viel über das Labor erfährt, null Vorerfahrungen. Ich habe theoretisch fast noch nie eine Pipette in der Hand gehabt, zu dem, dass ich ja Covid-Semester hatte und das alles bei uns ausgefallen ist. Heißt, ich war da ganz offen, ich habe aber dann auch klar gemacht, ich bin bereit, das Commitment einzugehen und mich in ganz kurzer Zeit einzuarbeiten und mich auch wirklich da komplett sozusagen der Forschung hinzugeben. Und ja, am Ende kam dann The Letter of Invitation. Wenn man diese E-Mail liest, denkt man sich, okay, es ist surreal, aber dann hat man dieses Schreiben in Händen mit dem Logo der Harvard Medical School und dann fängt natürlich auch erstmal der ganze bürokratische Prozess an, im Sinne von Wohnungssuche, Visa beantragen, Flüge buchen.
Ganz, ganz wichtig, Fördergelder eintreiben, weil jeder, der in den USA war, weiß, es ist sehr, sehr teuer. Also du hast es schon angesprochen, kannst du mal so ungefähr aufzählen, was du alles organisieren musstest? Also du hattest die Zusage und dann hast du schon erwähnt, so ein bisschen, was man machen musste, was war für dich so die größte Hürde? Ich würde sagen, initial war es tatsächlich die Geldangelegenheit. Das heißt, das Funding einzutreiben und zu sehen, wie man diese Gelder nachweisen kann, weil man fürs Visum erstmal natürlich eine spezifische Summe nachweisen muss. Bei mir in dem Fall waren es um die 40.000 Dollar für das ganze Jahr. Das heißt, es ist eine sehr, sehr große Summe, die man vorlegen muss, weil im Endeffekt der Staat sicher gehen möchte, dass man da auch überlebt irgendwo, weil man auch nicht arbeiten darf vor Ort. Und Gelder von drüben, also von der Klinik selber, bekommt man auch nicht. Das heißt, erst mal auf jeden Fall Finanzierung klären, war für mich der erste Punkt. Und parallel dazu lief dann auch die Visa-Beantragung. Die hat sich tatsächlich bei mir zwei bis drei Monate gezogen.
Also es war schon teilweise sehr zäh, weil man auch sehr viele Horror-Stories gehört hat, von den ganzen Terminen, den Botschaften, dass man ausgefragt wird. Wir waren die alle ganz nett. Wobei das Thema ja auch gerade sehr, sehr aktuell ist mit den Visa-Angelegenheiten und der aktuellen US-Regierung. Ich habe auch sehr viele Freunde, die jetzt noch planen hinzugehen, beziehungsweise die immer noch dort sind und die jeden Tag aufwachen und einfach die Angst haben, dass es jetzt eine neue Regierungserklärung gibt und die im Endeffekt ausreisen müssen bzw. nicht mal einreisen dürfen. Weswegen ich denke, zu meiner Zeit war die Visa Angelegenheit jetzt nicht das Schlimmste.
Also es ging, wie gesagt, über drei Monate und parallel habe ich dann zum Glück zwei Stipendien bekommen und die Klinik, wo ich die Doktorarbeit gemacht habe, hat tatsächlich auch ein bisschen was beigesteuert. Ich glaube, ohne hätte ich da nicht überlebt. Also hast du dich von diesen zwei Stipendien, diese Zeit, die du dort warst, dann halt finanziert? Ganz genau. Und im Endeffekt ist es die Finanzierung für einen selbst, das heißt für die Lebenshaltungskosten, die Forschung an sich ist in den meisten Fällen vom Labor übernommen. Das heißt, ich hatte mein eigenes Projekt natürlich, mein Teilprojekt von einem großen Projekt, das wurde vom Labor übernommen. Aber meine eigene Finanzierung für Lebenshaltungskosten, das waren eben diese zwei Stipendien, die ich dann benutzt habe. Wie hast du denn den Auslandsaufenthalt zeitlich in dein Studium integriert? Also man weiß ja, hast du ein Urlaubssemester genommen oder wie kann man sich das vorstellen? Das ist auch ganz wichtig, denke ich, weil, wie gesagt, ein Jahr ist jetzt keine kurze Zeit. War auch ein ganz großer Knackpunkt bei mir, weil ich mir dachte, will ich wirklich mein Studium pausieren dafür? Im Endeffekt habe ich ein Freisemester genommen. An meiner Uni ist es so, dass wir das zehnte Semester, also unser letztes Modul, ist im Endeffekt für die Doktorarbeit freigeschaufelt.
Also komplett ein Forschungssemester. Wir haben keine Kurse, wir müssen minimal etwas belegen und wir haben auch keine Prüfungen. Was mir sehr, sehr gut gelegen kam, weil ich das komplett ausgenutzt habe. Ich hatte ja meine Doktorarbeit klinisch gemacht, das heißt, ich konnte parallel zum Studium immer meine Patienten betreuen und die Proben einsammeln und sonst was. Weshalb ich das große Glück hatte, dass das zehnte Semester einfach frei war. Das heißt, im Endeffekt habe ich das zehnte Semester und dann elftes angehangen. Kurz vorm zweiten Startexamen bin ich dann zurückgekommen, habe das Examen geschrieben und jetzt bin ich eben im PJ. Nicht schlecht.
Kannst du sagen, wie lange deine Planung gedauert hat, um das alles zu organisieren? Also es ist schon mit mehreren Monaten, wenn nicht ein Jahr im Voraus zu planen, würde ich sagen. Bei manchen dauert es länger, bei manchen kürzer. Es hängt natürlich auch von dem Visum ab, wie schnell da die Rückmeldung kommt, weil ohne Visum kann man natürlich nicht einreisen. Bei mir war es tatsächlich so, dass ich im März bzw. Ende Februar rübergeflogen bin und meine Planung begann im Jahr davor. Die Zusage kam im August, soweit ich weiß. Und die Bewerbungen fingen dann auch schon drei Monate ungefähr vor dem August an, also so im Mai. Also gute zehn Monate tatsächlich. Nicht schlecht, also muss man sich früh entscheiden, wenn man das machen möchte. Auf jeden Fall, definitiv. Du warst ja in Harvard, also eine der renommiertesten Universitäten der Welt. Mit welchen Erwartungen bist du denn dort hingegangen? Und wie war es am Ende denn wirklich? Sehr gute Frage, weil man sich natürlich sehr viele Gedanken macht im Sinne von, gehöre ich überhaupt in dieses Umfeld, in dieses elitäre Umfeld, wo wirklich Studenten sind, die ja später vermeintlich Präsidenten und CEOs und sonst was werden.
Das hört man ja immer und man hat natürlich seine guten, aber auch negativen Vorurteile über solche Ivy Leagues. Im Endeffekt bin ich komplett ohne Erwartungen hingegangen. Ich dachte mir, ich werde auf jeden Fall was anderes erleben als das, was ich hier in Deutschland erlebt habe, von einem universitären Umfeld. Und das hat sich tatsächlich bestätigt, denn die meisten Studenten, die ich vor Ort getroffen habe, waren nicht der klassische Student oder die Studierenden, die man hier in Deutschland kennt. Was bedeutet das? Und zwar war es so, dass ich an verschiedenen Fakultäten war, weil man als Harvard-Affiliate mit der Harvard-ID an die Business School, an die Kennedy School, also die politische Fakultät, an die Law School und an alle weiteren Fakultäten Zugang bekommt. Und dadurch eben auch bei Events sehr, sehr viele Menschen kennenlernt. Das heißt, die Menschen, die ich da kennengelernt habe, hatten wirklich multikulturelle Backgrounds erst mal. Auf der anderen Seite auch ein multiples Interesse in wirklich jeglichen Angelegenheiten, was bedeutet.
Ein Medizinstudent war nicht nur auf die Medizin fokussiert, sondern hat sich auch an anderen Fakultäten eingebracht, hatte politisches Engagement nachzuweisen. Und das fand ich sehr interessant, weil, wie gesagt, Interessensgebiete sehr, sehr variabel waren. Ich denke, das ist sehr wichtig, dass man sozusagen über den Tellerrand hinausblickt und sozusagen mehr sieht als nur das eigene Studium. Das bietet auf jeden Fall Harvard. Also es bietet so viele Möglichkeiten auf Events, Menschen kennenzulernen, sich auch weiterzubilden. Ich konnte mich zum Beispiel auch Cross-Registration, nennt sich das, sozusagen am MIT, am Massachusetts Institute of Technology, wo es sehr viele technische Themen gibt, konnte ich mich auch sozusagen als Guest Student nochmal registrieren. Und dadurch hat man natürlich die ganze Breite an Vorlesungen und an weiteren Möglichkeiten, die einem eröffnet werden. Sonst, als ich eingekommen bin am Harvard Yard, das ist so der erste Standort sozusagen, den man von der Harvard University sieht. Es war natürlich mächtig. Es waren sehr, sehr alte Gebäude, wie man es in den Filmen kennt und aus Social Media. Da fühlt man sich wirklich wie in einem Film. Also man kommt da an und sieht da die Studenten und man hat es auf den Bildern gesehen. Aber man denkt, okay, ich bin jetzt mittendrin. Es war wirklich eine sehr bewältigende Erfahrung, würde ich sagen. weil natürlich Gebäude und auch so ein ganzes Umfeld auf einen natürlich eine spezifische Wirkung hat.
Ich habe mich tatsächlich sehr, sehr klein gefühlt in diesem Umfeld, weil auch die ganzen Menschen, die ich kennengelernt habe, jeder hatte gefühlt schon Start-ups gegründet, hat sich in irgendwelchen Parlamenten engagiert, hat sich hochschulpolitisch engagiert. Also es war wirklich sehr, sehr interessant und ich habe da natürlich auch sehr viel gelernt und sehr viel mitgenommen. Was würdest du sagen, ist das Größte, was du da aus der Zeit rausgezogen hast für dich? Ich denke, für mich persönlich war das auf jeden Fall eine Erfahrung, die ich noch nie in meinem Leben gemacht habe. Und zwar, wenn nicht die schönste Zeit in meinem Leben, das ganze Jahr, weil es einfach so vielfältig war.
Und ich würde sagen, man muss es einfach nur wagen. Man muss es versuchen, egal wie groß die Hürden initial erscheinen. Und das ist ja auch genau das, was in Amerika immer gepredigt wird. Just do it. Auch in der Forschung. Und ich glaube, das ist auch eines der größten Punkte, warum die Forschung so vorangetrieben ist, weil auch Studenten haben da im Endeffekt eine Meinung und können ihre Ideen einbringen und sozusagen die Forschung mitbestimmen, die Universität mitbestimmen. Und ich denke, das oder davon sollten wir uns auf jeden Fall eine Scheibe abschneiden und mehr Wagnisse eingehen und versuchen, uns nicht von unserem Horizont zu begrenzen. Was war das für ein Forschungsprojekt, an dem du mitgearbeitet hast? Ich war im Endeffekt am Massachusetts General Hospital. Das Labor war auch im Klinikum drin und das MGH, kurz gesagt, ist eines der ältesten und größten Lehrkrankenhäuser der Harvard Medical School. Und mein Professor war im Endeffekt einer der Professoren, die initial die Onkologie so ein bisschen mitbestimmt haben.
Das heißt, er hat sich sehr viel mit der Mikroumgebung oder Mikromilieu eines Tumors befasst. Und seine Forschung hat im Endeffekt den Weg geebnet, dass heute Therapien wie zum Beispiel VEGF oder Bevecidumab, was ja in der Krebstherapie in vielen Entitäten eingesetzt wird, was standardmäßig sozusagen jetzt etabliert ist. Mein Projekt war ein Teilprojekt von einem größeren Projekt. Unsere Frage war, wie wirkt sich zum Beispiel Bluthochdruck oder Adipositas als metabolische oder Volkserkrankungen auf die Prognose, aber auch auf das Therapieansprechen von diesen Patienten. Wie gesagt, es war ein experimentelles Projekt. Das heißt, ich habe am Mausmodell erstmal ein neues Modell im Labor etabliert. Und meine Aufgabe war es dann im Endeffekt erstmal in den Mäusen Bluthochdruck zu induzieren, Minipumps zu implantieren, damit der Blutdruck ansteigt, diesen Blutdruck zu messen und im Endeffekt dann auch die Tumoren einzupflanzen.
Ja, zu sehen, was verändert sich in der Mikroumgebung dieser Mäuse im Vergleich zu denen, die halt nicht diese Therapie bekommen haben. Klingt vielleicht sehr brutal, war es für mich auch am Anfang. Ich habe noch nie eine Maus eingefasst oder damit gearbeitet oder sonstige Tiermodelle gehabt. Das ist schon speziell, ne?
Auf jeden Fall. Ja, ich hatte ja auch Maus und Ratte und ich bin auch kein Mensch, ich habe keine Haustiere. Also sonst hätte man vielleicht einen Berührungspunkt damit oder so, aber ich fand es halt auch schon sehr speziell. Auf jeden Fall und das war auch so einer der Bedenken, die ich hatte, ob ich das überhaupt kann und natürlich gehen auch ethische Bedenken damit einher, aber ich denke mittlerweile entwickelt sich die Medizin auch in eine Richtung, dass zum Beispiel Alternativen wie zum Beispiel Organoide, die zwar jetzt nicht die beste Option sind, aber es wird auf jeden Fall daran gearbeitet, dass man in dem Sinne das Mausmodell oder das Tiermodell generell reduziert. Vielleicht an der Stelle die Rückfrage für die, die es interessiert. Hattest du einen Fehl-Laser-Schein, also quasi was man in Deutschland braucht, um am Tiermodell zu arbeiten? Tatsächlich habe ich gehört, es gab große Unterschiede zwischen Deutschland und Amerika, was die Arbeit am Tier angeht. Ich hatte nicht direkt den Fehl-Laser-Schein, weil ich habe gehört, hier in Deutschland ist es sehr schwer, am Maus-Modell Forschung zu betreiben. Ich hatte tatsächlich mehrere Module und mehrere Kurse, die ich durchgehen musste, um überhaupt irgendwas nahe des Mauslabors zu machen. Also es war was Ähnliches, aber ich würde sagen, bürokratisch etwas einfacher als hier in Deutschland.
Aber du hast es auch nicht mitgebracht, sondern du hast es dort vor Ort erst. Ganz genau, ja. Es kommt wahrscheinlich auch von Klinik zu Klinik so ein bisschen darauf an. Das nennt sich IACUC und IACUC ist im Endeffekt so die Stelle, die über diese Themen wacht und die auch die ganzen Tests macht und die ganzen Module anbietet. Ah, okay.
Das ist ja gut zu wissen. Und wie sah denn dein typischer Tag aus? Tatsächlich ging es immer sehr früh los, kam immer darauf an, was am Tag anstand. Aber viele sagen ja, Laborarbeit ist natürlich Gnochenarbeit und es zieht sich sehr lange. Das heißt, wenn wir ein langes Experiment hatten, ging es tatsächlich mal von acht bis acht, also über zwölf Stunden, bis man dann auch die ganzen Proben analysiert und auswertet. Also es war schon teilweise sehr zäh. Aber was ich cool fand, ist, dass man sich die Zeit auch sehr selbstständig einteilen konnte. Das heißt, auch wenn man irgendwie nachts kommen wollte oder ganz in der Früh und dann irgendwie am Nachmittag was anderes machen möchte, das war sehr flexibel bei mir und das fand ich einen sehr, sehr großen Segen, vor allem gegen Ende meiner Forschung, da ich ja gegen Ende auch den M2 100-Tage-Lernplan begonnen habe. Das heißt, es fing für mich immer sehr, sehr früh an, ging dann wirklich bis nachmittags und ich habe immer versucht, nicht zu lange zu bleiben und immer alles schnell gut über die Bühne zu kriegen. Weshalb dann so gegen 17 Uhr dann mein zweiter Tag begann und ich sozusagen mit dem Lernplan für das zweite Start zusammen begonnen habe. Das ging dann auch wirklich bis 12.01, wenn nicht länger. Es gab auch Tage, an denen ich in der Klinik geschlafen habe. Also es ist wirklich...
Eine sehr aufregende Zeit gewesen, wie du merkst. Wie war der Austausch mit den Kolleginnen vor Ort? Tatsächlich sehr, sehr gut und sehr offen, weil das Labor sehr international war. Das heißt, man hatte Kollegen aus Japan, aus China, aus Europa natürlich auch ganz viele. Es gab einige Deutsche, die vor Ort waren, auch andere Studenten. Es war sehr kollaborativ, aber auch interdisziplinär. Das heißt, wir hatten sowohl Technicians, die uns bei den Implantationen geholfen haben, aber auch natürlich mit den PIs. SPI ist Principal Investigator, das heißt der Professor, der sozusagen ein Labor leitet in Amerika. Und mein Labor war ein ganz großes, das heißt wir hatten um die 50 Mitarbeitende, natürlich in verschiedenen Unterlabors und hatten natürlich auch außerhalb des Labors sich mal getroffen, sich connected, es sind wirklich Freundschaften entstanden, würde ich sagen. Das ist etwas, was man auf jeden Fall sehr schön in Erinnerung hält und sehr, sehr gerne mitnimmt, wenn man zurück nach Deutschland kommt. Schön.
Wo hast du dort gewohnt? Auch eine sehr gute Frage und eine der Fragen, die mir sehr viele Nächte Kopfzerbrechen gebracht hat, weil das Wohnungsthema in Boston so eine Sache ist. Es ist sehr, sehr teuer. Das öffentliche Verkehrssystem ist nicht das Beste bzw. Nicht das, was man hier aus Deutschland gewohnt ist. heißt ich habe mir sehr schwer getan etwas zu finden initial ich hatte das große glück dass mein supervisor aus deutschland war und der natürlich auch kontakte vor ort hatte und er hat mich mit einer deutschen gastfamilie connected die wirklich mega lieb waren und ich habe im endeffekt den großteil der zeit bei denen verbracht es war ein richtig schönes haus es war zwar vor ort von boston das heißt jeden tag um die stunde in die klinik gebraucht hin und natürlich eine Stunde zurück, weshalb natürlich auch der Entschluss manchmal fiel, einfach in der Klinik zu bleiben, weil wenn man um zwei oder drei Uhr rauskommt und um sieben wieder da sein muss, dann ist es einfach leichter. Genau, natürlich war auch die Kostenfrage wieder ein ganz, ganz großer Knackpunkt. Es gibt.
Natürlich sehr viele Optionen, die nah an der Klinik gewesen wären, aber da hätte man auch für ein Studio oder ein Apartment um die, ich würde sagen, Minimum 2.500 Dollar gezahlt. Und das ist ja wirklich für den Studenten nicht machbar.
Das heißt, auch wenn man in einer WG gelebt hätte, zahlt man für ein Zimmer auch so um die 1.000 Dollar, 1.200 Dollar, würde ich sagen. Also es ist echt nicht ohne. Ich komme aus München, ich bin die Preise gewohnt. Also es ist nicht der große Sprung, würde ich sagen, aber es ist trotzdem immer noch ein großes Thema, was natürlich sehr viele beschäftigt. Und sag mal, in der Klinik, hast du denn in der Küche, Gemeinschaftsküche auf Stühlen geschlafen oder gibt es da tatsächlich einen Raum, wo man sich zurückziehen kann? Tatsächlich habe ich in den tiefsten Abgründen der Klinik einen sehr, sehr schönen Raum gefunden. Es war zwar kein Bett, aber es war so eine kleine Pritsche, die gar nicht so unangenehm war. Also ich habe da im Endeffekt geschlafen. Mehr oder weniger angenehm war es natürlich, aber man hat sich da schon einfach durchgewurschtelt und man wusste, es ist für eine spezifische Zeit und es wird vorbeigehen. Also das hat man schon auf sich genommen.
Natürlich hat man auch in der Kantine gegessen vor Ort. Und das muss ich sagen, das ist auch ein ganz, ganz großer Unterschied zu den Klinikkantinen hier in Deutschland. Also es gab wirklich alles. Es gab von Pizza, Burger bis Burritos und asiatischen Gerichten, alles Mögliche. Das heißt, da konnte man sich kulinarisch auf jeden Fall durchprobieren. Also da war ich auf jeden Fall gut versorgt und musste nicht so viel kochen. Wobei das Kochen natürlich auch sehr wichtig war in Boston, weil man dadurch natürlich sehr viel Geld eingespart hat. Wie hast du deine Freizeit gestaltet? Ich würde sagen, initial war ich sehr, sehr viel draußen. Das heißt, ich war on campus, weil es, wie gesagt, sehr viele Events gab, auf die ich gegangen bin. Ich habe sehr viele Connections, also Freundschaften auch jetzt, die längerfristig sind, geknüpft. Und Boston bietet auch Sehr, sehr viel an, würde ich sagen, auch Massachusetts generell.
Das Umfeld kann man viele Tagesausflüge machen. Man kann in den Norden fahren, andere Bundesstaaten besuchen. Maine und New Hampshire sind am nächsten. So ein Trip nach New York ist auch nur vier Stunden entfernt. Das heißt, ich war auch mehrmals in New York. Ich war auch in Washington, D.C. Ich habe so ein bisschen die Ostküste abgeklappert. Und Kanada ist auch nicht so weit. Also ich war in Montreal, in Quebec. Wir waren bei den Negara-Fällen. Also man hat wirklich immer wieder Date-Trips, beziehungsweise auch über verlängerte Wochenenden versucht, einfach rauszukommen und die Natur zu genießen, zu wandern, Amerika, American Lifestyle zu genießen. Und das ist wirklich ein Lifestyle, würde ich sagen. Also man lebt da in einer kompletten Bubble. Und ich habe mich wirklich mehrmals wie in einem amerikanischen Highschool-Film gefühlt, auch wenn ich nicht in einer Highschool war.
Ich war Researcher und Graduate Student, aber trotzdem waren es wirklich sehr gute Erfahrungen, würde ich sagen. Man hat natürlich auch sehr viele Programme gehabt, an denen man teilnehmen konnte in seiner Freizeit. Sei es jetzt irgendwie von der Weltbank in Washington DC, wo ich als Youth Delegate für verschiedene Themen sozusagen ehrenamtlich auch vor Ort sein konnte. Oder bei den Vereinten Nationen in New York. Also es gab wirklich eine ganze Palette an Freizeitaktivitäten, ehrenamtlichen Tätigkeiten, die man auch außerhalb des Labors machen konnte. Wie war es denn für dich, zurück nach Deutschland zu kommen? Ich habe mir sehr lange Gedanken gemacht, wie es sein wird, zurück in Deutschland zu sein und in seinem alten Umfeld. Ich habe von vielen gehört, dass man zurückkommt und sich gefühlt nichts in Deutschland verändert hat, beziehungsweise alles in seinem Umfeld gleich geblieben ist. Tatsächlich war es schon so in die Richtung, dass man zurückkommt und man hat so viel erlebt. Man hat sich selber persönlich, aber auch akademisch weiterentwickelt. Man kommt dann zurück zu seiner Family. Für mich war es tatsächlich auch die erste längere Reise, beziehungsweise das erste Mal, so lange aus dem familienischen Umfeld raus zu sein. Und dann kommt man zurück und man wird einfach so herzlich aufgenommen und kann von seinen Erfahrungen erzählen und... Es ist gut, aber man ist natürlich auch mit einem weinenden Auge, weil man einfach so viel vor Ort zurücklässt und man weiß, dass das Leben vor Ort natürlich weiter vorangeht und natürlich sehr viel mitmachen hätte können. Also FOMO spielt auch eine ganz große Rolle.
Aber ich denke, die Freundschaften, die man geknüpft hat und diese Erfahrung, die man gemacht hat, nimmt man auf jeden Fall fürs Leben mit. Und es gibt immer wieder Möglichkeiten, auch wieder zurückzugehen bzw. Weitere Erfahrungen zu sammeln. Was würdest du sagen, was hat dich besonders beeindruckt in dem Jahr, fachlich und persönlich? Fachlich, akademisch würde ich sagen, bin ich auf jeden Fall aufgestellt, jetzt weiter Forschung zu betreiben, weil ich so viel, was Grundlagenforschung angeht, gelernt habe. Ich habe gelernt, wie man Paper richtig liest. Das wird einem ja auch nicht gezeigt. Es wird einem vor Ort gezeigt, wie man wirklich akademisches Denken etabliert, wie man kritisches Denken etabliert und wie man Sachen hinterfragt. Ich finde, das ist ganz wichtig, dass man das als Forscher mitnimmt und sei es jetzt in der statistischen Auswertung, die ich natürlich auch vor Ort selber gemacht habe, aber auch in der Darstellung von Ergebnissen, von Forschungsergebnissen. Und ich denke, als Student ist man hier so mehr oder weniger auf sich alleine gelassen und vor Ort war die Betreuung bei mir wirklich eine 1 zu 1 Betreuung und das ist eine ganz, ganz große Sache, die ich gewertschätzt habe, weil ich dadurch natürlich persönlich auch sehr viel mitnehmen konnte. Weil mein Mentor vor Ort mich einfach an die Hand genommen hat. Er hat mir gesagt, was willst du machen? Wo siehst du dich in zehn Jahren? Was sind deine Interessensgebiete? Und so jemanden zu haben, der einen an die Hand nimmt, ist, glaube ich, sehr selten.
Und ich denke, das lässt einen auf jeden Fall auch selber die Motivation und die eigenen Fähigkeiten ausbauen.
Persönlich würde ich sagen, gab es mehrere Momente, die mich natürlich geprägt haben, beziehungsweise es gab Momente, die mir einfach in Gedächtnis geblieben sind. Also wie gesagt, Harvard ist so ein vielfältiges Umfeld und man erlebt Menschen, die man sonst nur aus Zeitungen oder aus dem Fernsehen kennt. Das heißt, es gab ganz am Anfang zum Beispiel ein Event mit Jennifer Doudna, die hatte den Nobelpreis für Chemie. 2022, glaube ich, war es, für CRISPR-Cas gewonnen. Und die hatte ein Event über zwei Tage an der Harvard Medical School, bei dem sie einfach über ihre neuesten Erkenntnisse referiert hat. Und nach dem ersten Tag einfach eben so, genau.
Auf jeden Fall. Und dann konnte man natürlich auch in Kontakt treten mit ihr am ersten Tag. Und da habe ich natürlich auch direkt gefragt, ja, wo geht die Technologie hin? Was sind die Vor- und Nachteile von CRISPR? Was sind Zukunftsaussichten? Vor allem jetzt auch, was die Krebsforschung angeht, was ja mein Gebiet ist.
Sie fand das sehr interessant, die Frage, weil im Endeffekt bisher ja CRISPR nur für monogenetische, also Krankheiten, die auf ein Gen basieren.
Etabliert ist, beziehungsweise natürlich in der Forschung, ist viel vorangetrieben, aber in der Klinik vor allem. Am zweiten Tag hat sie genau dieses Gespräch, was wir hatten, in ihrem Vortrag nochmal erwähnt. Sie meinte, ein Student aus Deutschland ist zu mir gekommen und hat mich gefragt, wie man Krebs mit CRISPR heilen kann. Und das hat sie anscheinend auch zum Nachdenken gebracht. Und ich denke, das ist so ein Schlüsselereignis, wo man sieht, dass man auch als Student Repräsentanz zeigen muss und einfach gesehen wird und seine Ideen natürlich auch einbringen kann. Und genau das Gleiche habe ich auch im Labor erfahren und konnte, wie gesagt, eigene Denkanstöße mit in die Lab-Meetings reinbringen und das Projekt natürlich auch so ein bisschen lenken. Da sieht man, dass auch der Austausch einfach wertvoll ist, weil man selber vielleicht gar nicht darauf kommt. Und es ist ja eigentlich ein relativ leichter Gedanke, würde man denken. Und für jemanden, der einen Nobelpreis bekommt, warum hat sie nicht selber auch schon mal dran gedacht? Und da sieht man erst mal, dass dieser enge Austausch zwischen erfahrenen WissenschaftlerInnen und vielleicht Studierenden doch extremst wertvoll ist. Und nicht nur dieses Dozierende und das Empfangende. Definitiv, auf jeden Fall. Und das merkt man auch in der Hierarchie natürlich. Die ist nicht so steil und dadurch wird man natürlich auch mehr ermutigt, seine Ideen einzubringen und seine Gedanken frei und laut auszusprechen. Gibt es etwas an deinem Forschungsaufenthalt, was du heute anders machen würdest? Ich würde auf jeden Fall früher beginnen, also noch früher beginnen mit der Bewerbung.
Das heißt, ich würde mir noch früher Gedanken machen, in welchen Bereich ich gehen möchte und in welchem Labor ich gerne meine Forschung machen möchte. Vielleicht spielt es auch eine Rolle, wo man seine Doktorarbeit gemacht hat. Ich weiß es nicht. Retrospektiv wäre es mir wahrscheinlich leichter gefallen, weil man einfach direkt anfängt.
Aber wie gesagt, es ist auch irgendwo eine Glückssache, wo man dann Doktorarbeit macht und es ist auf jeden Fall machbar. Also es ist kein Problem. Und ich würde mich auch vielzeitig um das Funding kümmern. Also am Ende war das dann schon tatsächlich etwas gehabt bei mir, aber es ist gut ausgegangen. Welchen Einfluss würdest du sagen, hatte das ja letztendlich auf deinem beruflichen Weg? Also generell würde ich sagen, ist das ja jetzt nicht etwas, was standardmäßig im Studium gemacht wird von Studierenden. Forschung an sich ist ja eher an die Heimatuni angegliedert meistens. Und ich denke, das war ja früher generell das Nonplusultra. Plus Ultra, wenn man in die akademische Medizin gehen wollte, musste man irgendwie einmal schon in Boston oder irgendwo an der East oder West Coast geforscht haben. Und ich denke, das hat sich mittlerweile geändert. Also es ist nicht unbedingt nötig, nach Amerika zu gehen und dort zu forschen. Aber ich denke, es hat mir eine solide Basis gegeben, dass wenn ich mich wirklich für diesen Weg entscheide und akademische Medizin machen möchte.
Dass ich auf jeden Fall wertvolle Erfahrungen gesammelt habe, um diesen Weg dann auch einzuschlagen. Und dann auch die Forschung vor Ort dann auch hier mehr oder weniger weiter fortzusetzen beziehungsweise einfach Kollaborationen anzustoßen, weil man sich natürlich auch ein Netzwerk aufgebaut hat. Und ich denke, das ist auch ganz wertvoll, dieses Netzwerk an Professoren, aber auch an Students, die ja auch immer noch vor Ort sind und weiter forschen werden. Wie geht es dir jetzt damit, wenn du das erlebt hast und die aktuellen Nachrichten siehst? Also die aktuellen Nachrichten sind natürlich sehr besorgniserregend und wir haben es alle mitbekommen. Aktuell dürfen keine Studenten oder Forschende oder sonstige Scholars an Harvard kommen. Studieren beziehungsweise forschen und ich denke, diese Entwicklung, die war teilweise abzusehen, was den Konflikt zwischen der US-Regierung und der Harvard University anging, aber gleichzeitig ist es natürlich auch für viele ein Schock gewesen.
Also viele Freunde wachen, wie gesagt, in der Früh auf und denken sich, werde ich jetzt abgeschoben, muss ich zurück nach Deutschland und da kann ich halt noch meine paar Monate absitzen. Ich denke, für viele ist durch die Meldung klar geworden, dass auch wenn der Weg so hart war und diese Hürde jetzt aufgekommen ist, ist ihnen klar geworden, dass es mit jedem Punkt scheitern könnte. Aber trotzdem ist es ja eine sehr dynamische Entwicklung.
Das heißt, jeden Tag werden neue News bekannt gegeben, wobei ich natürlich auch so ein bisschen das große Bild betrachte. Das heißt, was bedeutet es natürlich auch für die Akademie bzw. Für die Forschung in Harvard, aber natürlich auch in Amerika generell. Ich meine, Harvard ist eine der Institutionen, die führend in sehr vielen Bereichen ist. In meiner Zeit wurde zum Beispiel die erste Schweineniere genetisch modifiziert und einen Menschen transplantiert. Das kann in die Weltgeschichte eingehen oder in die Medizinhistorie. Dadurch schießt sich die USA mehr oder weniger ins eigene Bein. Und ich denke mir, intereuropäisch, beziehungsweise in Deutschland könnten wir es auch den Gedanken machen, könnten wir diese aktuelle Situation für uns als positiv betrachten und sozusagen einen Nutzen daraus ziehen, dass wir den Brain Drain im Endeffekt reversen. Das heißt, unsere Forschenden müssen nicht mehr nach Amerika gehen, um eben akademisch weiterzukommen, sondern wir werden der Standort, der Forschungsstandort der Spitzenmedizin und Spitzenforschung leistet, zu dem Forschende aus aller Welt kommen. Ich denke, das ist ganz wichtig, dass man einfach diese aktuelle Entwicklung auch dynamisch sieht und keinen Strich darunter zieht und sagt, okay, es geht einfach nichts mehr. Und ich denke, es ist ganz wichtig, auch Strukturen zu etablieren für die Forschenden, die dann auch zurückkommen aus solchen Aufenthalten, sei es jetzt freiwillig oder gezwungenermaßen oder eben wie ich, einfach generell.
Und diesen Rückkehrern im Endeffekt wissenschaftliche Strukturen zu bieten, damit sie hier sich etablieren können und weiter Wissenschaft betreiben können und die Forschung weiter vorantreiben können. Ich denke, das ist ganz wichtig, was wir aus dieser Situation aktuell lernen können. Was würdest du Studierenden raten, die auch mit dem Gedankenspiel mal was auszuprobieren, also was nicht Teil des klassischen Medizinstudiengangs ist? Es ist eine gute Frage, weil ich würde auf jeden Fall sagen, es ist erstens ganz wichtig, dass man sich informiert. Das heißt, was möchtest du machen? Wo willst du hin? Willst du jetzt wirklich Teil des PJs im Ausland verbringen? Willst du deine komplette Doktorarbeit im Ausland verbringen? Willst du, wie ich, nur einen Forschungsaufenthalt machen oder einen Teil der Doktorarbeit im Ausland verbringen? Das heißt, auf jeden Fall frühzeitig andere Studierende anschreiben, die vielleicht an der Uni schon im Ausland waren oder halt solche Erfahrungen gesammelt haben.
Und sich da einfach Erfahrungswerte einholen, weil das ist wirklich Gold wert, finde ich. Und da bekommt man eins zu eins natürlich auch die Tipps, wie man das alles Step-to-Step aufbereiten kann. Und ich denke, zweitens ist es ganz wichtig, sich auch nicht abschrecken zu lassen. Weil im Vorfeld ist auch ganz interessant zu sehen gewesen, dass wenn ich erzählt habe, ich möchte ins Ausland, es eher negativ aufgefasst worden ist. Weil es, wie du gesagt hast, einfach nicht Teil des klassischen Wegs ist. Aber wie gesagt, im Endeffekt war das dann eher eine positive Auffassung, die da mein Umfeld hatte. Also ich würde sagen, nicht abschrecken lassen, auch vor solchen Hürden oder großen Namen wie Ivy Leaks oder Harvard oder sonst was. Einfach probieren. Also sich nicht den Horizont, wie gesagt, verschließen und einfach das Wagnis eingehen, würde ich sagen.
Und machen. Also ganz, ganz wichtig, Bewerbungen schicken, dahinter sein. Ja, selber motiviert einfach den Weg gehen. Und ich denke, damit einhergehend ist es auch ganz wichtig, die Angst vor dem Scheitern abzulegen. Also auch wenn man scheitert, auch wenn man Absagen bekommt, immer weiter versuchen, die Bewerbung voranzutreiben. Weiter versuchen, neue Connections zu knüpfen. Weil ich denke.
Ich bin das beste Beispiel, das zeigt, nach gefühlt 100 Bewerbungen hat es in den letzten 5 geklappt. Und mich hat es motiviert, weil ich mir dachte, okay, wenn einer der letzten fünf antwortet und dann es bei dem klappt, hätte ich beim 50. Aufgehört, hätte ich nicht diese Möglichkeit gehabt. Und ich denke, da hätte ich auf jeden Fall eine ganz große Sache verpasst in meinem Leben. Also wie gesagt, rausgehen, Neues wagen, über die Grenzen des klassischen Studiums hinausdenken, also ganz, ganz wichtig. Und dadurch dann auch das eigene Wachstumspotenzial vorantreiben. Weil ich denke, dadurch öffnen sich dann auch Türen und Möglichkeiten, über die man selber noch nie gedacht hätte. Dadurch entwickelt man sich natürlich auch persönlich weiter. Ja, super, Karim. Ich danke dir für den spannenden Einglick, den vielleicht leider nicht mehr so viele haben können. Aber vielleicht, wie du sagst, aber auch auf anderen Wegen. Vielen lieben Dank für deine Zeit aus deinem kleinen Kämmerchen und viel Erfolg dir noch. Sehr, sehr gerne. Vielen, vielen Dank für die Einladung und danke für das spannende Gespräch. Sehr gerne. Bis dann.
Das war Ruhepuls, der Podcast für deine Zukunft in der Medizin von Thieme. Deine Begleitung vom Studium bis zum Facharzttitel. Moderation Florentine Klemann. Projektleitung Nadine Spöri. Redaktion Dr. Vera Prenosil, Alina Schulte und Ines Elsenhans. Produktion und Technik Benze Börötz.