Hey Diggis! So geht Lernen heute. Der Wissenspodcast mit Viola Patricia Herrmann und Gerd Mengel. Heute haben wir beim Pitch des Monats David Breuer zu Gast. David ist CEO von TUMO Germany. Was ist das? TUMO ist ein innovatives Lern- und Tech-Programm für Jugendliche, das weltweit neue Maßstäbe setzt. Hier entwickeln junge Menschen Zukunftskompetenzen, von Coding über KI, Design und Robotik bis hin zu digitalen Kreativtechnologien. Das Ziel? Selbstbestimmung durch Bildung und Tech-Know-how. Herzlich willkommen, lieber David. Herzlichen Dank, Vigiola. David, stell uns doch TUMU bitte mal in einem kurzen Pitch vor, für alle, die vielleicht noch nichts von euch gehört haben. Na klar. TUMU ist ein kostenloser Lernort für Jugendliche von 12 bis 18. Du hast es schon gesagt, indem sie selbstbestimmt Zukunftskompetenzen lernen und das Ganze machen sie nach der Schule. Wir haben eine Bandbreite von zehn verschiedenen Themenfeldern, in denen sie lernen können. Das geht von Programmieren und Robotics bis zu Grafikdesign und Musikproduktion. Das Ganze machen wir im großen Stil. Hier in Berlin zum Beispiel für 1500 Jugendliche pro Woche. 2011 in Jereban, Armenien gegründet, sind wir mittlerweile weltweit aktiv. Tumorzentren gibt es in Buenos Aires bis nach Takasaki.

Insgesamt erreichen wir so aktuell 35.000 Lernende. Und das machen wir seit fünf Jahren auch hier in Deutschland. Wie gesagt, mit dem ersten Zentrum hier in Berlin. mittlerweile mit sechs Zentren in ganz Deutschland und weitere Folgen. Unser Ansatz basiert dabei auf drei Säulen. Selbstgesteuertem Lernen, praxisnahen Workshops und Learning Labs, in denen Jugendlichen an echten Projekten arbeiten. Dabei werden sie von unserer Lernsoftware Tumor World unterstützt, die ihren Lernweg individuell begleitet, und von unseren Lerncoaches, die die Jugendlichen unterstützen, ihren eigenen Weg zu finden. Und das Ziel ist, Jugendlichen kreativ, technologisch und selbstbewusst die Zukunftskompetenzen für die nächste Generation bereitzustellen. Wow, also das war jetzt einmal ein wunderbarer Pitch und Umschlag von dir zu TUMO. Wahnsinn, das ist ja schon, sag ich mal so, der ganz große Wurf, einmal roundabout. Ein Wort hat mich jetzt dabei am Anfang direkt aufhorchen lassen, du hast gesagt kostenlos. Ja.

Wie kann das denn sein? Dass wir kostenlos sind, ist eine der Kernthemen von TUMO. Wir wollen, dass TUMO zugänglich ist für Jugendliche jeglicher Herkunft, aus welchem Milieu und welchem Familienverhältnis auch immer. Das ermöglichen wir darin, dass TUMO-Zentren weltweit verschiedene Förderer haben, die die Projekte unterstützen. Hier in Deutschland hat jeder Standort einen anderen Förderer. Dadurch lässt sich das nicht einheitlich sagen. Aber so ein TUMO-Projekt ist ganz schön kostspielig und wir sind froh, immer wieder zeigen zu können, dass es Stiftungen gibt, Menschen aus der Privatwirtschaft und so weiter, die bereit sind, in das TUMO-Konzept zu investieren und die nächste Generation zu fördern. Ja, super. Das ist natürlich ganz, ganz wichtig. Also toll, wenn das euch auf diesem Weg gelingt, denn es ist ja so elementar, die Kinder auch abzuholen, wie du sagst, nach der Schule und sie auch mal aufzufangen und ihren Raum zu bieten, wo sie wirklich die MINT-Kompetenzen auch entwickeln können und so viel mehr. Du hast eben auch gesagt, dass TUMO ursprünglich aus Argentinien kommt, in so einem kleinen Nebensatz. Fand ich auch ganz spannend. Was hat dich denn jetzt persönlich dazu motiviert, die TUMO-Mission auch nach Deutschland zu bringen? Genau, also nicht aus Argentinien. Wir haben auch einen Standort in Argentinien. TUMO kommt aus Armenien. Kleines Land, auch im Körper aus, wird vielen vielleicht nicht so ein Begriff sein. TUMO hat seinen Ursprung in Yerevan, auch bekannt als Erivan im deutschen Kontext.

Ganz spannende Geschichte, wie TUMO entstanden ist, kann ich an anderer Stelle mehr zu erzählen. TUMO ist vor fünf Jahren hier in Deutschland installiert worden auf einen Staatsbesuch von Angela Merkel hin. Angela Merkel war in Jerewan zu Besuch, hat das TUMO-Zentrum dort besucht, in dem wir 12.000 Jugendliche pro Woche haben und hat gesagt, sie ist schockiert, aber in einer sehr positiven Art und Weise und so ein Zentrum brauchen wir auch hier. Die KfW hat das ganze Projekt dann hier nach Deutschland gebracht, um zu testen, ob das Ganze auch in Deutschland funktioniert. Genau. Und das ist die Geschichte, wie TUMU nach Deutschland gekommen ist. Ich selber bin auch seit fünf Jahren dabei, in verschiedenen Rollen innerhalb des TUMU-Universums, habe das Ganze aber gar nicht selber nach Deutschland gebracht, bin nur jetzt in der Rolle als Geschäftsführer hier und vertrete die deutsche TUMU-Marke. Jetzt muss ich ein bisschen neugierig mal nachfragen. Was hast du denn für einen beruflichen Hintergrund eigentlich? Also was hast du studiert oder welche Ausbildung hast du? Wie hat sich dein Weg dahin geführt? Das ist ganz witzig. Ich habe TUMO kennengelernt als Werkstudent und als Lerncoach. Ich habe damals hier, als TUMO eröffnet hat, mit den Jugendlichen direkt gearbeitet und sie unterstützt ihren eigenen Weg zu finden. Ich selber habe einen Hintergrund in den Geisteswissenschaften. Ich habe Philosophie studiert im Bachelor und Wirtschaftswissenschaften im Master und bin so nebenbei in den Bildungssektor gerutscht.

Ja, spannend. Aber ich glaube wahrscheinlich, du machst auch so den Eindruck, als ob du genau der richtige Mann an der richtigen Stelle da wärst. Also du brennst ja schon für dieses Konzept und ich denke, genauso muss es ja auch als CEO sein. Und das ist sicherlich auch sehr erfüllend, kann ich mir vorstellen, wenn man die Kinder und Jugendlichen sieht, wie sie kommen und davon profitieren und auch immer wieder kommen und Freude daran haben, oder? Absolut, weil darum geht es. Die Frage, wie muss ein Lernort aussehen, wenn Jugendliche jederzeit die Freiheit hätten zu gehen? Ja, gute Frage. In der Hinsicht begeistert mich das Konzept so sehr. Unsere Gründer nennen das Walk-Away-Pädagogik. Also genau diese Frage, die ich gerade aufgestellt habe. Und was ist denn, wenn niemand gezwungen ist zu bleiben? Wenn es keine Noten gibt, keine Pflicht, keinen äußeren Druck? Denn dann funktioniert Lernen, nur wenn es Sinn macht. Ja, und genau das sehen wir. Jugendliche bleiben bei TUMO nicht, weil sie müssen, sondern weil sie bleiben wollen.

Aber erklär uns doch mal ein bisschen, wie sieht denn euer Lernort aus? Natürlich kannst du jetzt hauptsächlich von dem Berliner Standort sprechen, aber du sagst, es ist ein Lernort offensichtlich, bei dem die Jugendlichen freiwillig sind und nicht weggehen. Also wie muss ich mir auch so die räumliche Gestaltung vorstellen? Habt ihr da viele Laptops und helle Räume oder gibt es auch so Robotik-Ecken? Wie sieht es bei euch aus bei TUMO Berlin? Na klar. Ein TUMO-Centrum muss man sich so vorstellen, dass wir eigentlich in einem Adult-Space sind, von dem wie der Raum aussieht. Viele von uns kennen solche Flächen aus Büroräumlichkeiten, in großen Corporate Offices, New Workspaces und so weiter. Und wir bringen diese Ästhetik zu Jugendlichen. TUMU ist ein ganzheitliches Konzept. Unsere Gründer sind unter anderem auch Architekten, Gelernte. Das heißt, Design und Innengestaltung der Lernräume spielt hier auch eine entscheidende Rolle. Wow.

Ähnlich wie unsere Säulen gliedern sich auch unsere Räume. Es gibt einen sehr, sehr großen Selbstlernbereich, der ausgestattet ist mit festen und mobileren Arbeitsplätzen. Das heißt, hier bei uns im Zentrum stehen 150 iMacs und MacBooks in verschiedenen Sitzkonstellationen von festen Sitzplätzen, Treppenstufen, Sitzsäcken und so weiter, an denen Jugendliche sich selbstständig durch unser Lerncurriculum in unserer Lernplattform Tumoworld zurechtfinden. Dabei werden sie unterstützt von Coaches. Gleichzeitig haben wir verschiedene Workshop-Räume.

Einige, die für verschiedene Lernthemen geeignet sind und andere, die eben spezifisch sind. Du hast es eben selber gesagt. Robotics, wir haben einen Robotics-Raum mit einem großen Tisch, mit einem ganzen Equipment. Genauso haben wir hier in Berlin zum Beispiel auch ein Musikstudio. Voll ausgestattet, alle Instrumente. Aufnahmen können sofort gemacht werden. Unsere Band probt hier auch. Das heißt, wir stellen den Jugendlichen alle Hardware, genauso aber auch alle Software zur Verfügung, die ihnen sonst eigentlich verwehrt bleiben würde. Wenn ich selber zurückdenke, als ich Jugendlicher war, hätte man noch irgendwie illegal aus dem Internet sich irgendwelche professionelle Software wie Photoshop oder so herunterladen müssen, was ich natürlich nicht gemacht habe. Selbstverständlich nicht. Und wir geben den Jugendlichen einfach den Zugang, den sie auch in der Schule oft nicht bekommen, geschweige denn davon, dass sie das zu Hause haben, die Möglichkeit. Das heißt, niemand muss etwas mitbringen, alles wird ihnen zur Verfügung gestellt. Die Räume sind relativ groß und hell. Hier in Berlin bewegen wir uns auf 3300 Quadratmetern über vier Etagen. Das sind sehr große Räumlichkeiten, kahle Wände, moderne Ästhetik und alles eben Orte, die für Kreativität Platz haben. Das heißt, offene Räume, transparente Räume, natürlich auch aus Jugendschutzgründen.

Also wenn du das alles so erzählst und ich stelle mir das so vor, dann denke ich jetzt erstmal so spontan, ich will da hin. Also das klingt ja super. Das ist ja genau so, wie man sich Arbeitsräume, sage ich mal im weitesten Sinne, wünschen würde. Hell, freundlich, offen, alles an Angebot da und trotzdem genug Raum für Kreativität. Also richtig gut. Und welchen Eindruck ich jetzt noch gewonnen habe, während du so erzählt hast, das kommt mir so vor, als ob ihr eigentlich auch noch viel mehr seid als ein Angebot zum Lernen, als ob ihr so ein sozialer Raum auch wärt, wo man einfach als Kind und Jugendlicher Nachmittag sagt, ich habe Lust dahin zu gehen. Da treffe ich auch noch andere, die meine Interessen haben. Da kann ich mich austauschen. Da bin ich dann auch mal nicht am Handy, sondern wirklich doch wieder analog im Kontakt mit Gleichaltrigen. Also wie so ein, ich will jetzt nicht sagen wie ein Jugendzentrum, aber schon wie so ein gerne angenommener Treffpunkt. Ja, absolut. In einer Welt, in der sich alles verändert, ist halt wirklich entscheidend, dass junge Menschen Räume haben, in denen sie sich selbstständig mit Neuem auseinandersetzen können. Und wir begleiten das Ganze, aber natürlich ist ganz viel davon auch selbst geleitet. Das heißt, im Einzelkontakt mit unserer Lernsoftware und den Themen, die wir hier anbieten, aber eben auch miteinander.

Genau, das heißt, TUMO wird da wirklich zu so einem sozialen Hub, man kann es sich fast wie einen Coworking-Space vorstellen. Nur, dass eben hier nicht gearbeitet wird im wirtschaftlichen Sinne, sondern hier wird entdeckt, hier wird gestaltet, hier wird Neues umgesetzt. Sehr, sehr cool. Eigentlich ja auch so ein bisschen etwas, was man sich für den schulischen Bereich auch wünschen würde. So offene Lehr- und Lernräume, die ein Angebot haben, ohne so diesen Druck und vielleicht immer auch so Rahmenlehrplanbezug und starre Vorgaben dahinter zu haben. Sag mal, aus deiner Sicht und auch aus deiner Erfahrung, was sind denn jetzt eigentlich so die sogenannten Future Skills, die unsere Kinder wirklich brauchen? Da wird ja oft drüber gesprochen, aber wie würdest du das jetzt so auch im Rahmen von TUMO in eurem Angebot runterbrechen? Was ist wirklich elementar für die Zukunft?

Also natürlich lernen Jugendliche bei TUMO auch Hard Skills. Das geht von Programmieren bis Robotics, ich habe es schon genannt. Aber ich glaube, die wichtigsten Fähigkeiten entstehen auch bei TUMO nebenbei. Und zwar, dass es dranbleiben, sich selber organisieren zu können, sich Hilfe zu holen, wenn man etwas noch nicht kann und eben den Mut zu haben, Neues zu lernen. Ich glaube, das sind eigentlich die Future Skills, die bleiben, selbst wenn sich Technologien verändern. Also wir sind ja in einer ständig schnell wachsenden und sich verändernden Welt. Ich glaube, das sind wirklich die Kompetenzen, die Jugendliche hier nebenbei lernen können und dies zu lernen gilt. Das Lernen zu lernen. Unsere Gründer sagen immer.

Students hate to study, but they love to learn. Im Deutschen lässt sich das nicht gut übersetzen. Vielleicht sowas wie, ja, Jugendliche mögen es nicht zu lernen, wenn sie sich kontrolliert fühlen, aber sie lieben es zu lernen, wenn sie ernst genommen werden. Aber ja, die Natur des Menschen ist die Neugierde zu lernen, Neues zu entdecken. Wir sehen das bei Kindern, die alles anfassen, die rumgucken, die Fragen stellen und genau so ein Ort ist TUMO, an dem Jugendliche diese Kompetenz weiterentwickeln können. Wie geht denn eigentlich dieses Lernen? Du hast jetzt den Fokus stark auf die sozialen Kompetenzen gelegt, was ich auch völlig richtig finde, weil das sind ja so die Eckpfeiler, die bleiben, egal wie sich die Technologie verändert. Das ist das, was uns als Menschen ausmacht und was wir auch aufrechterhalten müssen, um natürlich auch mit in Anführungsstrichen neuen Technologien wie zum Beispiel KI bestehen zu können. Wie ist so da eure Erfahrung mit KI als Tool? Ist es sehr im Fokus bei euch oder nur ein Teil von mehreren?

KI ist ein Teil von mehreren, den wir jetzt auch neu im Curriculum haben. Ich habe es vorhin gesagt, wir haben zehn Themenfelder. Das stimmt so gar nicht mehr. Wir haben mittlerweile elf Themenfelder. Seit diesem Jahr ist KI ein extra Themenfeld. Plus wir haben die KI-Integration in allen zehn bestehenden Themenfeldern, die wir hier anbieten. Ich glaube, KI ist ein mächtiges Werkzeug an dem wir nicht vorbeikommen mehr wir merken es glaube ich alle selber in unserem Arbeitsalltag.

Jugendliche müssen ganz dringend verstehen wie sie benutzt werden soll denn in einer Welt voller Automatisierung wird natürlich die menschliche Urteilskraft immer wichtiger, wie gehe ich mit dieser KI um, KI Literacy die Begriffe sind bekannt und, Wir gehen zusätzlich noch einen Weg. Zum einen eben die KI-Integration in alle Themenfelder. Das heißt, ich kann irgendwie auch lernen, wie kann ich denn eine KI nutzen, um beim Programmieren irgendwie Unterstützung zu erfahren. Dann aber auch KI als eigenes Themenfeld. Zum Beispiel, wie entsteht denn so ein KI-Bot? Und an dem Jugendliche kritisch reflektieren können, das, was ich in den KI-Bot hineingebe, ist auch das, was am Ende wieder bei rauskommt. Das heißt, auch ein kritischer Umgang und gleichzeitig haben wir was Spannendes gemacht. Unsere Lernsoftware hat sich seit diesem Jahr radikal verändert, indem wir ein KI-gestütztes Co-Learning haben. Das heißt, Jugendliche lernen in unserer Software und nebenbei lernt ein KI-Bot das Gleiche wie sie.

Das ist ein spannendes Experiment, was wir jetzt schon seit längerem in Armenien getestet haben und seit diesem Jahr auch eben in Deutschland anwenden. Das heißt, die KI-Integration auch als Ergänzung für das selbstgesteuerte Lernen, um herauszufinden, auch in Abgrenzung zur KI, was ist denn meins? Was ist denn das, was ich mache? Ich sehe irgendwie, was der KI-Bot lernt oder umsetzt an Projekt, wenn er diese Inhalte lernt. Aber was mache ich denn? Und das Schöne ist, dass KI eben die Möglichkeit gibt, auch herauszufordern. Der KI-Bot, der Co-Learner, produziert die Jugendlichen auch und sagt so, ah, das ist ja nur rot. Warum machst du es denn nur rot? Der hinterfragt quasi auch Biases und genau, das ist sehr, sehr spannend. Zusätzlich haben wir noch in Ergänzung zu unseren Coaches, die auf der Lernfläche sind, auch noch einen KI-Coach, der integriert ist in unsere Software, der eben auch so kleine Hinweise gibt und bei Fragen zur Verfügung steht. Okay, also ich sehe auch das Thema habt ihr komplett auf dem Schirm und komplett perfekt offensichtlich aufgefangen und abgedeckt. Ihr wachst ja auch sehr stark und das passiert sowohl national als auch international. Was ist denn eigentlich so eure größte Herausforderung?

Ich glaube, die größte Herausforderung, die TUMO im internationalen Kontext hat, ist, und ich glaube, dass auch da KI eine entscheidende Rolle spielen wird, Lerninhalte zu lokalisieren. Wie kann es uns gelingen, ein einheitliches Curriculum anzubieten weltweit und gleichzeitig eben lokale Nuancen zu berücksichtigen. Und das fängt bei Sprache an und geht dann natürlich über weitere lokale kulturelle Kontexte. Aber wenn ich transparent sein darf, hat TUMO bisher eine sehr amerikanisierte Perspektive, zum Beispiel auf Film und Medien. Und ich glaube, da steht TUMO gerade vor der Herausforderung, wie können wir da eine internationalere Perspektive, die mehr ein größeres Filmgenre abdeckt, wenn wir uns zum Beispiel mit dem Thema Film beschäftigen. Wie kann aus dem französischen Film, aus dem mexikanischen Film und so weiter auch da etwas abgebildet werden? Ich meine, ich glaube, das ist ein Thema, was es grundsätzlich gibt. Wie können wir aus unserer westlichen Perspektive rauskommen und uns eben doch wahrscheinlich transnational bilden?

Und im Zuge unseres Wachstums, ich habe es vorhin gesagt, TUMO erstreckt jetzt einmal den gesamten Globus. Wirklich, die Sonne geht nicht mehr unter im TUMO-Netzwerk. Ja, da stehen wir wirklich neu vor der Frage. Funktioniert der Lerninhalt, den wir hier in Deutschland haben, tatsächlich auch in Takasaki in Japan oder in Buenos Aires, Argentinien? Und das finden wir, glaube ich, gerade raus. Ist sicherlich auch so eine spannende Learning Journey für euch. Absolut, absolut. Das Schöne ist, wir haben total motivierte Partner weltweit, die natürlich Interesse daran haben, dass die lokalen Jugendlichen vom TUMO-Programm berührt werden und dass das TUMO-Programm Einfluss auf das Leben hat. Das heißt, da gibt es ganz viel Feedback und Rückmeldung und eine gemeinsame Gestaltung von dem, wie TUMO in Zukunft aussehen kann. Wenn du, wir haben jetzt schon so ein bisschen perspektivisch aufgezeigt, wo geht die Reise hin, welche Entwicklungen müssen kommen, welche Anpassungen sind vielleicht auch mal notwendig. Wenn du jetzt so an die Zukunft des Lernen denkst, wie sieht denn für dich die Bildung in zehn Jahren aus? Oder vielleicht auch, was wünschst du dir, welche Fähigkeiten die Kinder dann gelernt haben, ganz unabhängig von Noten oder auch Lehrplänen?

Dass Lernen freiwillig ist, dass Lernen Spaß macht, dass man gehen darf, dass man bleiben darf. Ich glaube, diese Mündigkeit sehe ich als einen sehr entscheidenden Faktor. Wir erleben das bei TUMO. Wir haben Jugendliche, die kommen, weil sie was Bestimmtes lernen wollen und die gehen, weil sie gelernt haben, was sie lernen wollten.

Und wenn wir das mal größer denken, auch über Ehrenorte für Jugendliche hinaus, ist glaube ich diese Mündigkeit etwas, was wir auch in der Erwachsenenbildung und darüber hinaus im Thema lebenslanges Lernen mitnehmen können. Die Mündigkeit selber gestalten zu können, was ich denn lernen will. Ich glaube, das ist so die Kernkompetenz, die ich für die Zukunft sehe und dass ich hoffe, dass es immer mehr Orte gibt, die darauf abzielen. Statt feste Curricula, ja wirklich so eine Hyper-Individualisierung des Lernens. Das ist so ein bisschen ein kitschiger Begriff, den man sicherlich auch kritisch betrachten kann. aber der mir wichtig wäre, den ich für zukunftsfähig halte.

Ja, spannende Visionen, die du da so im Kopf hast. Wollen wir mal hoffen, dass die Reise auch in die Richtung weitergeht, weil wie du sagst, gerade dieses individualisierte Lernen ist ja auch eine Chance, die uns KI bietet. Natürlich, wo Licht ist, ist auch Schatten. Darüber sind wir uns auch alle im Klaren. Aber trotzdem mal gucken, was da noch für Möglichkeiten entstehen werden. David, letzte Frage ganz persönlich an dich. Wenn du mal zurückschaust, welche Fähigkeit hättest du denn gern als Teenager gehabt, die du erst später gelernt hast und die dir natürlich einen Raum wie Tumor damals noch nicht ermöglichen konnte?

Dass ich was kann. Das klingt jetzt so doof. Aber wir sehen das immer wieder, was passiert, wenn Jugendlichen geglaubt wird, wenn an Jugendlichen geglaubt wird und an ihre Fähigkeiten.

Ich wollte als Jugendlicher immer Grafikdesign machen und studieren und Grafikdesigner werden, tolle Werbungen gestalten. Hatte zum einen nur begrenzt Zugänge zu Software und Know-how. Ich habe damals noch mit YouTube Tutorials und illegal gedownloadster Software mein Glück probiert. Und... Und ich glaube zum einen, die mangelnde Unterstützung und auch der mangelnde Glaube, dass ich das kann. Also die Zukunftsperspektive zu haben, das kann man wirklich arbeiten, das kann man wirklich machen, das kann mal was sein, womit ich meine Zeit langfristig verbringe. Und wir sehen das hier bei TUMO, unsere Workshop-LeiterInnen sind alles ExpertInnen aus den verschiedenen Themenfeldern, die als FreelancerInnen in diesen Fachbereichen arbeiten. Und das ist eben schön zu sehen. Wir haben hier halt echte Vorbilder im Haus. Die Jugendlichen sehen den Workshopleiter in Musik, der tatsächlich eine Band hat und Studioproduktion macht und so weiter. Und das gibt ein anderes Vertrauen in das kann ich auch. Und ich würde sagen, das unterscheidet uns auch von der Schule. Wir haben hier halt keine LehrerInnen vor Ort. Wir haben hier ExpertInnen ihrer Themen, die tatsächlich das weitergeben, was sie in ihrem Berufsalltag umsetzen.

Und ich glaube, das ist was, was ich mir gewünscht hätte. Wenn ich irgendwie an meine Bildungserfahrungen denke, dann sehe ich LehrerInnen, jetzt ganz provokant, Kunstlehrer zum Beispiel, die eigentlich gern Künstler geworden wären, dann aber Lehrer geworden sind. Wo ich heute denke, von einem Künstler hätte ich wahrscheinlich mehr gelernt als von einer frustrierten Lehrkraft. Das heißt nicht, dass alle LehrerInnen frustriert in ihren Fachbereichen sind, aber ich glaube.

Und ja, das ist das, was einen Unterschied machen kann. Also die authentischen Vorbilder so gesehen und dann das ehrliche Feedback von denen, die sagen, hey, ich glaube an dich, ich sehe dein Potenzial, ich sehe deine Fähigkeiten, du kannst das wirklich schaffen. Das finde ich ganz schön, wie du das gesagt hast und auch wirklich elementar. Und ich habe so das Gefühl, das ist auch der Spirit, den ihr bei TUMO lebt und weitergebt. Ich sage dir ein ganz großes Dankeschön an der Stelle für deine Arbeit, für eure Arbeit da vor Ort und natürlich auch weltweit. Und weiterhin ganz, ganz, ganz viel Erfolg bei euren Expansionsplänen. Und dann muss ich jetzt dazu noch sagen, wer jetzt sagt, das ist ja super spannend, das möchte ich mir mal angucken. Und wahrscheinlich, hoffentlich gibt es auch einen TUMO in meiner Nähe. Für den packe ich natürlich den Link in die Shownotes, damit sich da alle weitergehend informieren können. Vielen Dank, Viola. Genau noch an der Stelle sechs Standorte in Deutschland. Mehr kommen, das heißt schaut gerne auf die Karte, schaut vorbei, kommt vorbei. Es gibt viele Möglichkeiten, auch Teil von TUMO zu sein und eben die Zukunft von Lernen mitzugestalten. Vielen Dank. Super, ich danke dir.