Hey Diggis, so geht Lernen heute. Der Wissenspodcast mit Viola Patricia Herrmann und Gerd Mengel.

Hey Diggis, so geht Lernen heute. Heute mit einer Folge rund um das Thema Schule, Schulträger, Digitalität. Und dazu haben wir jemanden, also wir haben nicht jemanden, wir haben den Mann mit der grünen Brille. Ja, genau, den Mann mit der grünen Brille. Das ist sein Markenzeichen und natürlich sprechen wir über Udo Kempers. Wir haben ihn ja auch schon oft persönlich kennengelernt. Da werden wir im Nachgespräch auch noch ein bisschen drauf eingehen. Aber dieses Interview habe ich alleine geführt, denn Gerd war anderweitig engagiert im Bildungsbereich. Aber ich sage mal so, es war auch eine ganz tolle Aufnahme, die wir zu zweit hatten, die richtig viel Freude bereitet hat und für mein Empfinden so richtig schön im Fluss war. Also mir hat es richtig großen Spaß gemacht. Wie hast du es empfunden beim Hören, Gerd? Udo ist immer hörenswert und wir erzählen auch mal die Geschichte zu diesem Podcast und die Geschichte, die leiden des jungen Udo, was die Podcastaufnahme betrifft. Aber das verraten wir erst nach dem Interview. Genau, und da hören wir jetzt direkt mal rein. Los geht's! Hey Digis, so geht Lernen mit?

Udo Kempis ist einer der führenden Experten im Bildungsbereich, insbesondere wenn es um die Digitalisierung von Schulen und die Zusammenarbeit kommunaler Akteure geht. Seit Anfang 2024 verstärkt er das Team des Bündnis für Bildung, wo er Schulträger bundesweit berät. Zuvor war er Leiter der Stabstelle für die Digitalisierung der Schulen der Landeshauptstadt Düsseldorf und bringen damit umfangreiches Praxiswissen aus der Umsetzung komplexer Bildungsprojekte mit. Heute organisiert und moderiert er bundesweite Online- und Präsenztreffen für Schulträger und steht kommunalen Akteuren als erfahrene Ansprechpartner für ihre aktuellen Herausforderungen zur Seite. Wir freuen uns sehr, heute mit ihm ins Gespräch zu kommen. Herzlich willkommen, lieber Udo. Vielen Dank für die Einladung. Hat mich auch sehr gefreut. Jetzt muss man ja sagen, Udo, eigentlich bist du heute zum dritten Mal im Podcast, richtig? Ja, eigentlich. Das hat nur keiner gehört.

Was war da los? Ja, irgendwie hat es nicht mit uns wollen. Also auf dem deutschen Schulträgertreffen der SLK in Düsseldorf haben wir zweimal den Versuch gestartet, mich aufzunehmen, der dann aus welchen Gründen auch immer nicht wirklich gut funktioniert hat. Also sagen wir mal so, die schlechte Nachricht war, dass die beiden vorigen Aufnahmen nicht geklappt haben. Die gute Nachricht ist, dass wir jetzt dafür eine lange Folge mit dir machen können. Das ist doch auch schön, oder? Umso schöner, umso schöner, ja. Genau, genau. Udo, du hast es gerade schon gesagt, wir haben uns ja auch beim DSLK am letzten November endlich mal persönlich kennengelernt. Fand ich auch ganz toll. Ist ja live immer nochmal ein ganz anderes Gefühl, ein ganz anderer Zugang. Natürlich habe ich dich vorher schon online gesehen und bist sehr präsent auf LinkedIn. Hast eigentlich überall so deine Finger mit im Spiel. Was hat dich denn eigentlich persönlich dazu gebracht, dich so intensiv mit Bildung und Lernen zu beschäftigen?

Das ist eine wirklich gute Frage. Da hätte ich tausend Antworten zu. Aber ich glaube, wenn ich so in mich nochmal reinhorche, ist das so, dass ich das große Glück hatte, 2009 innerhalb meines Jobs die Verantwortung für den Schulbereich übernehmen zu dürfen und mit dem damaligen Bereich auch weitestgehend freie Hand zu haben. Innerhalb deines Jobs, sagst du? Welcher Job war das? Also ich war ja bei der Landeshauptstadt Düsseldorf beschäftigt, hatte da leitende Funktionen, habe eine Historie aus dem technischen Bereich. Also ich habe 1980 mit Lochkarten angefangen als Systemprogrammierer, Systementwickler, Anwendungsentwickler, bin dann irgendwann in die Führung gegangen, habe ein Helpdesk aufgebaut und mit dem Helpdesk habe ich Kontakt zu den Schulen bekommen. Das war 2000. Und irgendwann, das war so kurz vor meinem 50. Hatte ich so selbst in mir das Gefühl, ich will mal was anderes machen als das, was ich bisher gemacht habe. Also das war ja Digitalisierung für den normalen Büroalltag, also städtische Anwendungsentwicklung etc., PP, Rechenzentren und so weiter. Und dann kam ein Angebot überraschend aus dem Schulbereich und dann hieß es, hast du nicht Bock, die Schulen der Stadt Düsseldorf zu digitalisieren?

Und dann habe ich leichtziehenderweise gesagt, ja. Und mit dem Zeitpunkt hatte ich auf einmal keine Freizeit mehr, weil das Umfeld so gigantisch war. Und ich bin halt Macher. Ich denke nicht lange darüber nach. Ich diskutiere nicht alles bis zum kleinsten Pfiffi zu Ende. Deshalb mein Hashtag ist ja auch einfach machen.

Was aber für mich nicht so ganz einfach ist, weil das hört sich immer einfach an. Aber es war für mich ein Auftrag, den ich für mich gesehen habe, dass ich gesagt habe, wenn ich Digitalisierung für die Schule mache, dann möchte ich, dass das für die Schule so einfach wie möglich gestaltet wird. Das war der Auftrag an mich. Und mit diesem Wort verbinde ich aber gleichzeitig auch den Wunsch an die Lehrenden. Dann mach doch einfach mal, bevor du alles diskutierst. Also probier es doch bitte erst mal aus und dann können wir gerne diskutieren.

Und wie gesagt, da hatte ich dann die Chance, diesen Bereich zu übernehmen. Und innerhalb dieses Bereiches habe ich wahnsinnig viele gute Erfahrungen gemacht und habe gesehen, es macht unheimlich viel Freude, Menschen zu übernehmen. Zu motivieren, ihre Stärken weiter auszuprägen. Also digital Motivation betreiben und so weiter und so fort. Ja, und das war eben der Punkt, wo ich gesagt habe, super, das macht mir so viel Spaß, dass ich gesagt habe, also Bildung ist mein Ding und deshalb bin ich auch heute noch dabei, obwohl ich ja tatsächlich schon länger im Ruhestand bin. Du bist im Ruhestand, aber du ruhst ganz und gar nicht. Das tust du nicht. Also man merkt ja auch immer bei dir, dass Bildung wirklich so dein Herzensthema ist. Also du brennst dafür und du wirst auch keine Ruhe geben, bis das zumindest so in deinem Rahmen maximal effektiv geworden ist. Gerade dein Steckenpferd, digitale Bildung, da sind wir natürlich mit den Digis ja auch immer dabei, das weiter voranzubringen, niedrigschwellig und da gute Angebote zu schaffen. Aber sag mal, was bedeutet denn eigentlich gute digitale Bildung für dich, mal abgesehen von Technik und Tools?

Dass die digitalen Tools und Geräte oder wie auch immer man das nennen mag, was da als digitale Bildung angesehen wird, zum Mehrwert für das Lernen eingesetzt wird. Also momentan habe ich so ein bisschen das Gefühl, dass das noch so ein Prozess ist, der weiterentwickelt werden muss, weil momentan versuchen wir, ich habe hier einen analogen Prozess und wie soll der jetzt digital abgebildet werden? Und das ist aus meiner Sicht die komplett falsche Herangehensweise. Die richtige Herangehensweise wäre, zu erkennen, was bringen die digitalen Dinge für Möglichkeiten, die ich dann umsetze, um den bestmöglichen Lerneffekt oder Unterstützung oder Vereinfachung zu erhalten. Weil an der Stelle ein schlechter analoger Prozess bleibt ein schlechter digitaler Prozess, wenn ich ihn eins zu eins umsetze. Sehr guter Hinweis. Das ist genau das Problem, was wir momentan haben. Und deshalb bin ich auch so weiterhin dabei, genau diese Flamme zu zünden, zu sagen, okay, wir reden an vielen Stellen immer noch darüber, dass wir sagen, ja, aber das ist im Argen und das ist im Argen und das ist im Argen. Ich mag mal ein Beispiel nennen.

Wenn ich in die Wüste fahre und habe ein paar Schlittschuhe dabei, dann geht das nicht gut. Das weiß man wahrscheinlich, wenn man schon mal Schlittschuhe gelaufen ist und denkt, naja, Schlittschuhe und Sand geht nicht so wirklich gut. Und genau das ist das, was momentan bei den Schulen passiert. Das heißt, wir haben ein uraltes Gebäude mit einer uralten Struktur, mit uralten Dingen.

Und jetzt kommen wir hier mit hypermodernster Technik inklusive KI und bla bla bla und machen mal punktuell so ein paar Tröpfchen hier hin und dahin und haben das Gefühl, ach ja, das reicht ja jetzt. Und damit ist die Digitalisierung für uns abgeschlossen. Und da, glaube ich, braucht es noch ganz, ganz viel Energie, um das besser in die Schulen zu platzieren.

Definitiv. Das ist ja auch immer so dieser Gap, der Spalt, den ich sehe. Diese Digitalisierung, der Wunsch auch danach auf der einen Seite und dann die analoge Realität, in der zum Beispiel meine drei Kinder im Schulalltag einfach auch noch leben. Dass ich so denke, dass die Umsetzung flächendeckend, die funktioniert halt noch nicht so wirklich gut. Wir wünschen uns ja natürlich, und das sagst du auch, dass Schulen Orte sein sollten, an denen Kinder gerne lernen, einfach um ihre Motivation mitzubringen, die Neugierde aufzufangen, die sie ja naturgemäß schon mitbringen in den Schulalltag. Aber wir wissen auch, dass das teilweise nicht so gut klappt oder im Laufe der Zeit verloren geht. Was denkst du denn, was fehlt da am meisten? Ist es die Verbindung von analog und digital oder geht es einfach zu sehr an der Lebensrealität der Kinder vorbei? Was hast du da so aus deiner Erfahrung beobachtet? Ja, auch da könnte man natürlich ganz viele Antworten geben, weil ich glaube, es gibt ja nicht den Punkt, der das verhindert oder möglich macht. Es sind ja ganz viele Kriterien, die da entscheidend sind.

Ein Beispiel, was ich immer gerne nehme, ist, wenn ich in ein Lokal gehe, und das ist ein total angesagtes Lokal, wo gehe ich als erstes hin? Auf die Toilette. Und wenn die Toilette schon nicht so ist, wie ich mir das wünsche, dann... Habe ich auch ein Problem mit dem anderen. Und das kannst du eins zu eins in die Schule übertragen. An vielen Schulen hapert es unter anderem an einer Toilette, an einer gut gestalteten Toilette. Saubere Toilette. Wenn ich als Kind mir vorher schon überlegen muss, wann trinke ich und wann kann ich gechillt zur Toilette gehen? Und dann kommen die Erwachsenen und haben dann noch den Anspruch, dass in der Zeit, fünf, sechs Stunden, wo du dann da bist, du auch noch gescheit lernen sollst und um 11 Uhr denkst du nur, wann kann ich endlich auf die Toilette.

Dann funktioniert das nicht. Und das ist, glaube ich, eins auch der vielen Beispiele, die so Schulträger ja in ihren Zwängen erleben, dass wir auf der einen Seite unheimlich viel gemacht haben innerhalb des Digitalpaktes, Da bin ich meinen Kolleginnen und Kollegen unheimlich dankbar und auch den Schulen natürlich, dass die diesen Weg gegangen sind, obwohl alle wissen, es ist eigentlich zu wenig Personal für alles da. Aber wir sind ein Stück weit gemeinsam gegangen und haben versucht, Dinge zu lösen. Und die anderen Dinge müssen mit angepackt werden. Die darf man aber nicht unberücksichtigt lassen. Und das ist genau der Komplex. Ich bin so ein Freund von 360 Grad Blick. Also alles hat ja Wirkung auf alles. Die Raumfarbe, die Sauberkeit und so weiter. Also Räume insbesondere wirken ja auch auf einen. Und ich habe gerne immer meine Schulleitungen oder auch Ansprechpartner aus Schulen motiviert und habe gesagt, Wenn ihr meint, ihr müsst das und das so und so gestalten, also auch die Räume anders gestalten, die Sitzkombination oder was auch immer, dann frag doch nicht lange, dann mach das doch. Probier das doch aus und wenn das gut geht, ja dann mach das doch.

Wir haben in Deutschland, glaube ich, sehr, sehr viel das Problem, dass viele sich nicht trauen, Dinge neu zu machen und einfach mal auszuprobieren. Weil wir haben immer das Gefühl, wir müssen fragen und wir warten auf die Bestätigung, dass ich das darf. Und deshalb möchte ich hier an der Stelle auch nochmal motivieren, Leute, hört auf zu fragen, wenn ihr die Antwort nicht hören wollt. Also wenn du der Meinung bist, ich will das machen, ich will das probieren, dann probier das doch. Wer erschlägt dich denn? Ich finde das super spannend, was du sagst. Ich kann das auch total nachvollziehen. Auch dein Hashtag einfach machen ist das, wo ich auch mitgehen würde. Aber an der Stelle, ich habe ja auch lange genug unterrichtet. Also ich weiß ja genau, wie das Alltagsgeschäft aussieht. Und ich denke, viele Lehrkräfte trauen sich auch einfach nicht, ihren eigenen Weg zu gehen, eben weil sie Angst haben vor Sanktionen, davor, dass sie von der Schulleitung zurückgepfiffen werden, davor, dass es Eltern gibt, die sagen, na hören Sie mal, was ist denn jetzt hier los mit ihrem geöffneten Unterricht etc. Da muss man ja auch fair sein und sagen, das klingt gut auf der einen Seite, aber in dem Regelwerk, in dem wir eingebunden sind an der Schule, ist das auch nicht ganz so leicht immer machbar. Da bin ich bei dir. Aber das trifft ja für das Regelwerk der Schulträger ja genauso zu. Ja, das heißt...

Als ich den Job angefangen habe.

Ich bin jemand, ich kann Eintönigkeit und Alltagswiederholung überhaupt nicht verkraften. Also wenn ich dreimal das Gleiche machen muss, dann fange ich schon an, darüber nachzudenken, kann man das automatisieren? Ja, also da habe ich nur irgendwie so einen innerlichen Drang, ich will was Neues machen. Jetzt gehöre ich ja zu den Menschen, die gerne was Neues machen. Viele, viele Menschen machen ungerne was Neues, weil das Aufwand bedeutet, weil das gegebenenfalls mit Angst und Scheitern verbunden ist. Aber schauen wir doch bitte nochmal in die kleine kindliche Entwicklung. Da sitzt ein Baby und fängt an, Bauklötze zu stapeln. Und das hat Spaß daran, wenn der Sturm wieder zusammenfällt und es wieder neu probiert. Das ist dieser Übungseffekt. Und auf dem Weg des Lernens verlieren wir genau diese Neugier, dieses Ausprobieren und dieses Scheitern. Und das Schulsystem ist geprägt von, ich gebe zehn Antworten, eine ist falsch und da hänge ich mich dran auf. Eigentlich müsste es genau umgekehrt sein, dass man sagt, hey super, du hast neun richtige Antworten gegeben, aber bei der einen müssen wir vielleicht nochmal nachjustieren.

Also Fehlerkultur ist auch so ein Ding. Das heißt auch, das ist ja so typisch für uns Deutsche, wir wollen ja keine Fehler machen. Und in anderen Kulturen, das habe ich auch kennengelernt, schöne Grüße an eine Kollegin aus Marburg.

Die mir gesagt hat, dass ihre Eltern in einem Kulturkreis groß geworden sind, wo Fehler tatsächlich mit körperlicher Süchtigung dann einhergingen. Also jeder hat ja so seine Lerneffekte. Und wenn du dann aus so einer Familie kommst, die eine solche Kultur kennt, dann macht das ja auch was mit den Kindern. Und das ist genau das große Problem, was wir hier in Deutschland momentan haben oder weltweit haben, weil es gibt ja nicht mehr die reinen Engländer, die reinen Niederländer. Wir sind ja eine Multikulti-Gesellschaft geworden.

Und bei vielen ist es so, dass sie die andere Kultur gar nicht kennen, wir aber davon ausgehen, dass die genauso sind wie wir. Und dann hast du eine Fehleinschätzung und die kannst du eigentlich, das Wort eigentlich darf ich auch gar nicht sagen, das kannst du nur ändern, indem du mit den Leuten sprichst. Das heißt, du musst in den Austausch kommen und tatsächlich viel mehr reden und hinterfragen. Was macht das denn mit dir? Und warum hast du keine Fehlerkultur in dieser Form? Du sagst gerade, wir wollen keine Fehler machen. Und das ist ja auch etwas, was uns hemmt so gesehen. Denn aus meiner Perspektive sind Fehler ja immer so trettend zum Erfolg. Das bedeutet ja nicht, wenn ich einen Fehler mache, dass es dann nichts ist. Es bedeutet einfach nur, dass es auf die Art und Weise in dem Moment nicht funktioniert.

Sondern dass ich einfach so ein Walkaround mir überlegen muss, wie kann es denn dann funktionieren? Also dieses Scheitern ist ja so ein Prozess im Grunde genommen auch und immer wieder neue Learnings, um dann beim gewünschten Ziel anzukommen. Also wenn wir jetzt auch mal da auf das erfolgreiche Lernen gucken, wie sieht denn da eine gelebte Fehlerkultur für dich aus? Also was wäre denn der richtige Ansatz, um Kinder und Jugendliche zu unterrichten, die nicht mehr diesen Gedanken haben, wir dürfen keine Fehler machen? Wie müsste sich Schule oder Unterricht ändern, um das umzukrempeln und diese andere Art der Fehlerkultur zu fördern?

Wir sind ja alle... Im Prinzip Teil einer Gesellschaft und diese Gesellschaft braucht eine generelle, anders denkende Kultur.

Wir erleben das alltäglich, dass wir uns immer auf die negativen Sachen fokussieren.

Und da bin ich ganz weit weg von, weil klar, gute Storys sollen auch gut erzählt werden. Das ist das, was ich auf den Bühnen erlebe, dass sich Leute für was auch immer total loben. Wenn du dann hinterfragst, wie sieht die Realität aus, ist das manchmal ernüchternd? Mehr will ich da momentan erstmal nicht zu sagen. Aber die Herausforderung ist ja an der Stelle, und das habe ich auch mit meiner Schulträger-Community, die erzählen, was sie gemacht haben. Und dann kommt meine Frage und sagt, okay, dann erzähl mir, was du auf dem Weg gelernt hast. Also sag mir, was gut funktioniert hat und was nicht gut funktioniert hat. Insbesondere, was nicht gut funktioniert hat und warum nicht. Weil wenn du das erzählst, dann brauchen die anderen dieses Learning vielleicht nicht selber zu machen. Und wir haben an ganz vielen Stellen in Deutschland die große Herausforderung, dass es ja nicht one fits all gibt. Also tatsächlich ist es so, wenn wir mal davon ausgehen, wir haben in NRW, glaube ich, um die 6.500 Schulen.

Dann hast du 6500 Einzelfälle. Weil Fakt ist, jede Schule in sich ist ja ein eigener Kosmos. Mit Menschen besetzt, mit Ressourcen besetzt. Und bei der geht vielleicht was, was bei einer anderen Nachbarschule gar nicht geht. Obwohl es der gleiche Schulträger ist und so weiter. Also du merkst, worauf ich hinaus will, die Menschen, die da zusammenarbeiten, die müssen einen Weg finden, wie sie es in ihrer gelebten Umgebung mit den Kindern gestalten wollen.

Es gibt super gute Beispiele, wo das hervorragend funktioniert. Und ich glaube, an der Stelle, da wissen wir zu wenig von. Also ich stelle immer wieder, auch ich stelle immer wieder fest, ach geil, habe ich noch nie gesehen. Obwohl ich jetzt schon, keine Ahnung, 25 Jahre mich mit Bildung beschäftige, lerne ich jeden Tag dazu. Aber du musst dich intensiv mit dem Thema beschäftigen und offen sein für neue Dinge. Und Haltung ist eins der Dinge, die ganz wichtig ist. Fehlt dir da auch so ein bisschen der Austausch zwischen den Bundesländern? Auch wenn du sagst, oh, da habe ich wieder was gelernt, was ich vorher gar nicht wusste. Und das geht mir auch immer wieder so, dass wir auch tolle Gäste haben oder mir auf Messen Menschen begegnen. Ich Projekte kennenlerne und denke, na sag mal, das ist doch genial. Aber warum ist das denn nicht viel weiter abrufbar, dieses Wissen? Also nicht nur so als Leuchtturmschule, sondern wirklich als Best Practice, von dem man dann lernen kann. Es geht ja nie darum, immer alles zu übernehmen, aber so punktuell, wie du sagst, für meinen eigenen schulischen Mikrokosmos würde sich jetzt hier dieses Puzzleteil gut eignen und wäre eine Hilfe für uns. Fehlt dir da auch die Vernetzung?

Ja, da haben wir auch auf dem DSLK gesprochen. Es gibt wirklich gute Beispiele, auch über die Länder hinweg. Also ich glaube, jedes Bundesland hat mindestens ein Alleinstellungsmerkmal, was in diesem Bundesland hervorragend gut funktioniert. Und das ist das, was mir so ein bisschen fehlt, die tatsächliche Zusammenarbeit und der Wille, etwas zu gestalten.

Was wir erleben oder was ich erlebe bei den Ländern ist, wenn es um die Digitalisierung geht, wir machen das selbst. Es gibt zwar einen Markt, aber der interessiert mich nicht, wir machen das selbst. Weil dann haben wir das im Griff, weil das ist von uns selber entwickelt und dann machen wir so. Also da sage ich bitte, hört damit auf, weil das führt zu nichts. Also ich kann da tausend Beispiele nennen. Ich habe 45 Jahre Erfahrung im öffentlichen Dienst, also hört da bitte mit auf. Ich glaube, der Bildungsmarkt ist gut, der ist gut positioniert. Und ich sage jetzt mal an der Stelle, Innovation kommt ja durch Konkurrenz oder Mitbewerbung. Das heißt also, jeder versucht ja besser zu sein als der andere und versucht ein Alleinstellungsmerkmal für bestimmte Dinge zu haben. Wir schauen gerade mal in Richtung KI und Telly und Einsatz von was auch immer. Und das ist so das Signal, was mir in Deutschland gerade bei den Ländern fehlt, dass die mal bitte aufhören, eigenständig Produkte zu entwickeln. Auf dem Markt gibt es genug Produkte, für die man sich entscheiden kann, die hervorragend funktionieren.

Und wir sollten unter dem deutschen Markt auch, oder sagen wir mal, diesen Markt in Gänze schon stärken. Gerade auch in Richtung, was gerade mit USA und den ganzen anderen Partnern passiert. Macht mich das nicht sehr froh. Aber Fakt ist, es gibt nun mal einen Markt und es gibt einen Markt, der benutzt wird, Und da muss man halt die Kinder an der Realität abholen. Da sind wir wieder bei dem, was macht denn die Freude eines Kindes aus?

Absolut. Und wenn wir jetzt Richtung Realität schauen, du sagst, wir schauen auch Richtung KI. Natürlich müssen wir das, denn das ist entweder das nächste Thema, was vor der Tür steht, beziehungsweise eigentlich müsste es schon längst in die Klassenräume Einzug gehalten haben. Denn, seien wir mal ehrlich, ich sehe es bei meinen Kids, die KI ist mittlerweile ein fester Bestandteil ihres Lebens und bei uns Erwachsenen ja in weiten Teilen auch. Auch wenn wir vielleicht manchmal gar nicht das denken oder uns dessen so sehr bewusst sind, aber die KI-Features begegnen uns ja mittlerweile in fast allen Applikationen und so weiter und so fort. Wie siehst du denn die Entwicklung der KI in der Bildung? Wir reden ja oft über die Chancen hier im Podcast auch. Wir reden über die Risiken. Es gibt natürlich, wo Licht ist, ist auch Schatten. Was ist denn deine Meinung, Udo? Wo stehen wir im Bereich KI? Und was steht uns da in der kommenden Zeit vielleicht auch noch bevor? Mein Eindruck ist, dass wir.

Gerade so ein bisschen die Büchse der Pandora geöffnet haben. Das heißt also, überall sprießt KI und auf einmal ist das Schlagwort KI, obwohl du denkst, naja, eigentlich, was ist da KI? Also da muss man halt nochmal so ein bisschen differenzieren.

KI ist für mich so ein Hype-Wort. Jeder versucht mit KI irgendwas zu tun. Ich bin aber der felsenfesten Überzeugung, dass wenn KI vernünftig im Bildungssystem Als Lernbegleiter auch gerade für das Lernen und Lehren eingesetzt wird, da riesige Möglichkeiten existieren, individualisiertes Lernen zu ermöglichen, was ja aus meiner Sicht in dem Alltag der Lehrenden derzeit fast kaum machbar ist. Also wenn ich mir heute anschaue, 28 Kinder in einer Klasse, von den Kindern hast du dann vielleicht 13 unterschiedlich muttersprachliche Kinder an Bord, die teilweise in die Schule eingeschleust werden und die können noch kein Wort Deutsch. Das hat ja auch etwas mit Haltung zu tun. Hier möchte ich ein super geiles Beispiel nennen. Ich habe die Erfahrung machen dürfen, ich stehe ja immer noch in Kontakt mit vielen etlichen Schulen aus Düsseldorf, die mich auch einladen zu ihren Event-Tagen und so weiter und so fort. Und der Cornelius Knetzl, den kennst du wahrscheinlich auch noch aus dem DSLK, der hat ein Familienzentrum aufgebaut in einem Brennpunkt in Düsseldorf. Da sind über 90% Kinder mit Migrationshintergrund. Und ich durfte die Erfahrung machen, an einem Friday, wo die den Makerspace eingeräumt haben.

Und eröffnet haben, mich mit Eltern auszutauschen. Dann stand ich mit einem Menschen am Tisch, einem Vater, der war Syrer, der sprach sehr gutes Deutsch, der war jetzt sechs Jahre in Deutschland und dann haben wir uns ausgetauscht und dann kam seine Tochter und sprach ihn auf Syrisch an. Also ich weiß jetzt nicht, welche genaue Sprache das ist, aber ich sage jetzt mal Syrisch. So, da schnauzt er die an und sagt, ich habe dir tausendmal gesagt, wenn du in der Schule bist und wenn du draußen bist, sprichst du Deutsch. Wenn du zu Hause bist, darfst du mit mir Syrisch sprechen. Da kriege ich jetzt noch Gänsehaut. Das ist genau die Haltung, die ich mir wünschen würde, dass die Menschen, egal welcher Sprache sie oder Kultur sie angehören, wenn sie denn dann draußen mit anderen Menschen sich unterhalten oder treffen, Deutsch sprechen, weil wir leben in Deutschland. Wenn ich in Amerika auswandere oder zu Amerika auswandere, dann muss ich da auch Englisch sprechen oder Spanisch oder was auch immer. Das ist so meine Erwartungshaltung. Die sollen ja ihre Sprache nicht verlieren.

Aber bitte, wie kann es sein, dass es hier heute noch Menschen gibt, die seit Jahrzehnten hier leben und kein einziges deutsches Wort sprechen? Das ist mir ein Rätsel. Und das leider auch oft über Generationen weitergeben. Und dann haben wir natürlich die Kinder in den Klassen, die Schwierigkeiten haben, die teilweise deshalb auch zurückbleiben, obwohl sie in keinster Weise nicht so klug sind wie die anderen. Sondern sie haben aber einfach diese Sprachbarriere, die sie hindert. Und das ist natürlich in Bezug auf die Chancengerechtigkeit auch sehr, sehr ungerecht und sehr nachteilig. Sprache ist ein Schlüssel. Und da darf ich nochmal ein super gutes Beispiel nennen. Wir hatten uns ja ausgetauscht, auch über die Projekte, die wir in Düsseldorf gestartet hatten, mit diesen mobilen Lernen. Und da gab es hier in Kleve, in Xanten, eine Frau, die dort unterrichtet hat. Und die hatte die Herausforderung, dass sie eine Klasse hatte von russischen Menschen, die wieder in Deutschland hinzugezogen sind. Also die hatten zwar deutsche ursprüngliche Wurzeln, aber lebten jetzt etliche Jahre in Russland, sprachen Russisch. Und das waren vorwiegend junge Männer ab 14 Jahre plus.

Die haben sich geweigert, Deutsch zu sprechen und die hatten riesige Probleme. Und dann hat die Frau die Idee gehabt, hey, ich nehme jetzt hier das iPad, die sollen ein Kopfhörer und ein Mikrofon benutzen, die kriegen einen Text, den die dir Siri diktieren, in Deutsch. Und die Siri hört das, was du sprichst und schreibt das ab. Und auf einmal entwickelte sich da eine Dynamik, weil diese Menschen vorher überhaupt gar keinen Bock hatten, Deutsch zu sprechen, weil auch die Lehrerin, wenn sie denn gesagt hat, wie auch immer der Mann oder die Frau heißt.

Das hast du nicht richtig betont, dann hat der Schüler gesagt.

Die mag mich nicht, weil ich spreche ja gut Deutsch. Und jetzt kommt die Herausforderung, wofür wir jetzt Digitalisierung einsetzen können. Ich habe hier ein dummes Gerät, die ist neutral, da gibt es eine Siri und die macht nur das, was sie kann. Und deshalb haben auf einmal die Kinder eine ganz andere Motivation an den Tag gelegt, weil dieses persönliche, die mag mich nicht, war weg. Also ich habe das Gerät genutzt, um die Sprache zu fördern. Und die hat damit riesige Erfolge erzielt. Also die hat durch diesen Einsatz von dieser Lernkultur, die sie denn da eingeführt hat, erreicht, dass diese jungen Menschen jetzt tatsächlich viel, viel besser Deutsch sprechen. Und das ist doch großartig. Absolut, das ist sehr großartig. Und das ist natürlich eine der ganz großen Chancen, die KI auch bietet. Dieses individualisierte Lernen sowohl bezogen auf die sprachlichen Kompetenzen als auch natürlich auf alle anderen Lernfelder, die sich so auftun in der Schule. Individuelle Rückmeldung, individuelle Förderung und so weiter und so fort. Du hast es aber eingangs auch schon gesagt, wir müssen natürlich auch über klare Grenzen und Risiken sprechen. Bei all den Möglichkeiten, die KI bietet, ist es auch wichtig, dass wir als Menschen sie vernünftig handhaben, weil nur dann kann sie ja wirklich den Mehrwert liefern, der möglich ist.

Welche Grenzen und oder Risiken siehst du denn in erster Linie? Sicherlich gibt es viele, aber vielleicht kannst du so zwei, drei benennen, die dir da zuerst mal einfallen. Also Digitalisierung und KI ist ja so ein männergeprägter Domänen. Das ist ja leider so. Und wenn man jetzt mal in die Bildung guckt, dann sind die meisten Menschen, die lehren, Frauen.

Und da passen auch so Dinge nicht zusammen, sage ich jetzt mal. Und das merkt man, glaube ich, bei der KI auch, weil die KI ist ja auch wieder trainiert mit einem männlichen Spirit. Und wer nutzt KI? Und diese ganzen Dinge, die jetzt die KI anfordernd bearbeitet, führt ja dazu, dass KI wieder was lernt. Und wenn ich jetzt teilweise sehe, mit was sich KI beschäftigt, dann ist das eine Vermüllung der KI, weil... Ich sage jetzt mal, ChatGPT als Google zu benutzen, ist der falsche Weg. Oder es gibt ja für jede Herausforderung eine separate KI, die für dieses Thema trainiert ist. Also es gibt ja auch da nicht, das ist die KI, sondern es gibt ja viele basierende Muster etc. Ich glaube, dass wir durchaus, wenn wir gerade im schulischen Kontext sind, natürlich kritisch darüber nachdenken müssen, wie gehen wir mit diesen Informationen um, weil sie ja sehr personenbezogen sind. Das dürfte die größte Herausforderung sein, das weitestgehend so zu gestalten, dass es anonymisiert bleibt, aber trotzdem zu dem Lernerfolg der Person passt.

Es nützt mir ja nichts und das ist leider an vielen Stellen tatsächlich so gelebte Praxis. Wir sagen alle, ja, aufgrund des Datenschutzes dieses oder jenes darfst du nicht. Jetzt stell dir mal vor, Viola, du warst ja auch Lehrerin, du kommst in einen Klassenraum, da sitzen 28 Menschen, jeder hat einen eigenen Avatar mit einem eigenen Namen und in der nächsten Stunde ist dieser Avatar und dieser Name komplett anders. Da wirst du doch irre. Da kann doch keiner zusammenhalten. Also von daher, du brauchst ja eine gewisse Zuordnung, um Dinge tun zu können. Und das ist, glaube ich, die größte Herausforderung, da diese Informationen gezielt so einzusetzen, dass sie zu dem gewünschten Erfolg führen und nicht benutzt werden, um dann wieder negative Dinge zu forcieren. Ja, also ein weiterer Punkt, der mir ganz wichtig ist, wenn ich hier gerade so Demokratisierung sehe oder auch dieses Mobbing, was ja sehr weit verbreitet ist. KI ist ein hervorragendes Medium, das zu überwachen. Also warum werden da nicht gescheite Filter etc. pp. angesetzt bei diesen ganzen Social Media Accounts etc. Pp.? Ja, weil Hate Speech genau die Likes generiert. Und das ist das, was wir den Kindern auch beibringen müssen.

Macht mal Digital Detox. Und dann kommt die Realität der Schülerinnen und Schüler, die außerhalb des Unterrichts, ich sage jetzt mal, die ganze Zeit irgendwelche Tools einsetzen. Und in der Schule arbeiten wir dann weiterhin mit Buch, Papier und Stift und nur gezielt ab und zu mal mit ein bisschen Digitalisierung.

Schwierig. Und da sind wir wieder bei dem Grundübel. Wo sind wir? Ja, wenn du mich fragst, ich bin ein klarer Verfechter von einer 1 zu 1 Ausstattung. Warum? Weil jedes Kind hat ein Buch. Wir stellen gar nicht die Frage, welches Kind braucht denn ein Buch? Also wenn wir darüber diskutieren, welches Kind braucht ein Gerät, dann müssten wir ehrlicherweise auch darüber diskutieren, welches Kind braucht denn ein Buch? Also wenn ich dann weiß, die Kinder kommen in die Schule und können kein Deutsch, wieso kriegen die denn deutsche Bücher? Ja, weil die ja Deutsch lernen sollen. Ja, aber wie machen Sie das denn dann mit dem Buch? Und da sitzen wir wieder mit der Digitalisierung. Da gibt es ganz viele Möglichkeiten, genau diese Sprache so zu forcieren, dass sie gezielt vernünftig angewendet werden kann. Und das ist genau einer der Punkte, die mich so umtreibt, wo ich dann denke, ja gut, klar, manchmal ist es vielleicht in der ersten Klasse gar nicht gut, mit solchen Geräten zu starten. Auf der anderen Seite, Sie kriegen aber auch Bücher. Also was ist der richtige Weg? Und ich glaube, der richtige Weg ist, pro Schule zu definieren, weil ja da ein gelebtes Miteinander stattfinden muss. Und...

Wenn ein Lehrer nicht mehr darüber nachdenken muss, wann nutze ich ein Gerät, weil ich nicht weiß, wann ein Kind ein Gerät zur Verfügung hat, also ich muss mir eins ausleihen, dann kann sich viel mehr entwickeln aus meiner Sicht. Deshalb bin ich ein klarer Verfechter von 1 zu 1 Ausstattung.

Über all dem schwebt für mein Empfinden ja auch das Stichwort Medienkompetenz. Also du hast es gerade schon gesagt, sie sind nachmittags in weiten Teilen, sag mal weitgehend jetzt online insgesamt und in der Schule ist dann der dolle Kontrast und wir müssen sie natürlich da auch begleiten, ohne immer zu sagen, das ist alles gefährlich und alles schlecht. Aber es geht ja darum, sie kompetent zu machen, sie fit zu machen, ihnen ein Bewusstsein mitzugeben. Ich denke, das ist eine ganz wichtige Aufgabe, die auch jede Lehrkraft in den Unterricht einbinden kann. Wir haben auch wunderbare Digis zum Thema Medienbildung. Es geht auch gar nicht um ein separates Fach, sondern es geht um immer wiederkehrende Elemente in den einzelnen Unterrichtsstunden, um das einfach wirklich permanent aufzugreifen und den Kindern oft auch einen Raum für Gespräche anzubieten. Ja, Schwarmwissen, ganz großes Thema. Also die Realität der Kinder draußen oder Jugendlichen draußen ist, sie teilen ein Schwarmwissen. Ob das so richtig ist oder falsch ist, ist dahingestellt. Weil genau das ist ja das, was fehlt. Und Lehrkräfte sind ausgebildete Einzelkämpfer. Ich war bei der Bundeswehr, deshalb mache ich immer gerne diesen Vergleich. Und wenn du einen Einzelkämpfer hast, dann hast du einen Einzelkämpfer.

Der kennt keine Teamabsprachen und ich glaube, das braucht es viel, viel mehr in der Schule. Wir brauchen dieses fächerübergreifende Lernen mit Spaß, mit einer entsprechenden Fehlerkultur und Lehrende, die die Menschen coachen, ihr Ziel zu erreichen. Also ich zum Beispiel... Bin unheimlich schlecht in Mathe, ich bin unheimlich schlecht in deutscher Schrift. Also, wenn du mich einen Text schreiben lässt, dann siehst du, der ist voller Rechtschreibfehler. Wahrscheinlich habe ich irgendein nicht erkanntes Legasthenie-Problem, aber ist egal.

Wenn ich in meinem Job früher eine Mail verfasst habe, Dann bin ich zu meiner Kollegin gegangen, wo ich wusste, die kann perfekt Deutsch. Dann habe ich die da korrigieren lassen. Das ist ein Stück Teamarbeit. Das heißt, ich nutze die Stärken der Menschen, die mir zur Verfügung stehen und kompensiere dadurch meine Schwächen. Ich habe andere Stärken. Und das ist genau das, was mir so ein bisschen an Schule fehlt, dass diese Gemeinschaft innerhalb der Schule die Stärken voneinander nutzt, um die Kinder entsprechend auch dem Lernen wieder interessiert folgen zu können und neugierig zu machen.

Finde ich ganz wichtige Punkte, die du da bringst und ich kenne das aus meiner Erfahrung und mit den ganzen Lehrkräften, mit denen ich aber auch im Gespräch bin. Ich glaube, dieses Einzelkämpfertum ist wirklich ein Problem. Ich meine aber auch, dass da vieles in der Lehrerausbildung noch im Argen liegt, ehrlich gesagt. Also, dass dieser Gedanke zur Teamarbeit, dem Austausch miteinander gefördert wird, das ist immer noch nicht genug verankert, sondern es schwebt oft so die Sorge davor mit, oh, was ist, wenn mir einer in die Karten guckt? Vielleicht mache ich was nicht ganz richtig oder anders. Also lieber so die Tür zu und da so bei mir bleiben. Gar nicht, weil ich eigentlich vom Naturell her nicht offen bin, sondern weil ich vielleicht auch Angst habe, kritisiert zu werden. Aber auch im Hinblick auf KI sehe ich das ja auch so, dass die Rolle der Lehrkraft sich dahingehend ändern muss, wirklich eine Co-Begleitung zu werden. Du hast es gesagt, wie ein Coach, wie ein Co-Lernender eigentlich, der auch neugierig ist, der sagt, ich bin halt nicht mehr allwissend. Wir haben nicht mehr diesen Zustand wie vor 100 Jahren, wo man sich hinstellen konnte und hat doziert und wusste wirklich mehr als die Kinder, einfach weil man älter war und mehr Erfahrung hatte, mehr Bücher gelesen hat etc. Das ist nicht mehr so. Und wenn wir bereit sind, diese Rolle aufzugeben und uns auch auszutauschen mit unseren Schülern und Schülerinnen, ich glaube, dann können wir auf beiden Seiten einen riesengroßen Mehrwert erreichen.

Ich würde das nicht nur auf die Schule runterbrechen wollen, sondern das gilt ja für alle Lebensbereiche. Das gilt ja auch für die Berufsausbildung. Also ich hatte damals die große Chance, ein Team aufzubauen.

Als ich den Job für die Schulen übernommen habe, waren wir zu viert. Und als ich meinen Dienst beendet habe, waren wir um die zwölf Personen. Und keiner von denen hatte die gleiche Meinung. Und alle meine Kolleginnen und Kollegen haben gesagt, boah, du hast aber ein super anstrengendes Team. Ich sage, ja, weil jeder seine eigene Meinung hat. Und ich lasse die auch zu. Weil wenn wir gemeinsam an einem Thema arbeiten, dann habe ich ganz viele Aspekte, die wir gleichzeitig berücksichtigen, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Und das ist das, was natürlich auf der einen Seite für einen Chef oder für eine Chefin anstrengend ist, weil du musst, mache nicht alle das, was du willst. Fakt. Also du musst immer gucken, dass du irgendwie so ein bisschen die Linie hältst. Und das ist die Herausforderung. Aber ich glaube, an der Stelle liegt so ganz, ganz viel Potenzial, was wir liegen lassen.

Wir müssen das erkennen und es muss sich verändern. Und manchmal braucht es nur eine Person, die das ganze Ding einmal komplett dreht. Ich habe da Erfahrungen gemacht in einer Schule in Düsseldorf. Da bin ich wirklich super ungern hingegangen. Das war eine Hauptschule, da war viel Aggressivität, da war viel Schlägerei, viele Menschen, die die Schule gar nicht mehr besuchen wollten etc. Und dann habe ich mit dem damaligen stellvertretenden Schulleiter eine Idee entwickelt, wie wir diese Schule entsprechend ausstatten und umgestalten können. Und da hat es da angefangen, dass wir die Schule tatsächlich aufgehübscht haben, also Farbe in die Klassen gebracht haben, die Schule ordentlich gestaltet haben. Wir sind mit den Menschen respektvoll umgegangen etc. Und dann hat sich innerhalb von drei Jahren mit Unterstützung der Digitalisierung, die wir da forciert haben, wir haben auch da eine 1 zu 1 Ausstattung hinbekommen. Und es war die allererste Apple Distinguished School weltweit, die in einer öffentlichen Hand lag. Alle App-Bilded-Single-Schools waren bisher immer in der privaten Trägerschaft.

Und du konntest dann innerhalb von drei Jahren feststellen, dass die von einer Abbrecherquote, Bei 40 Prozent lag, die noch nicht mal den Hauptschulabschluss geschafft haben. Und 20 Prozent der Kinder, die nicht zum Unterricht erschienen, weil sie keinen Bock hatten, in die Schule zu kommen. Innerhalb von drei Jahren Zero. 100 Prozent Abschlussquote. Wir reden über eine Hauptschule. Kein Thema. 100 Prozent Abschlussquote. Keiner, der mir mit der Polizei zum Unterricht gezwungen werden musste. Ja. Du konntest in die Schule reingehen. Die hatten offene Türen. Da war es mucksmäuschenstill. Die haben Lernräume geöffnet. Die Kinder haben überall gelernt. Ich kriege wieder Gänsehaut. Und das hat eine Person bewirkt, die eine Idee hatte, die ich dann mit meiner Mannschaft und auch natürlich noch weiteren Beteiligten aus der Stadt unterstützt haben. Und da hat sich super was entwickelt. Ja, das ist super toll und ganz wichtig auch nochmal zu betonen, welchen Effekt wirklich auch eine einzelne Person haben kann. Und wenn sich jetzt unsere Zuhörer oder Zuhörerinnen angesprochen fühlen und sagen, Mensch, das klingt eigentlich richtig gut, dann möchte ich euch echt nochmal die Folge mit Stefan Rupana empfehlen.

Der war gerade auch bei mir im Kopf, wo ich gesagt habe, ich habe mich schon so oft mit dem Stefan unterhalten und habe gedacht so, ja, solche Leute. Genau, man hört ihn auch immer wieder, Stefan Rupan, aber ich muss euch auch wirklich auf diese Folge hinweisen, weil wie er das rüberbringt, wie er seine Schule auch transformiert hat und welche Erfolge er hat und wie schön, muss ich sagen, dass er auch einfach ist vom räumlichen Konzept und so. Also das ist ganz viel positive Energie und Motivation, die da bei ihm auch mit rüberkommt. Ich verlinke die Folge nochmal in den Shownotes. Hört da auf jeden Fall mal rein. Aber ich glaube, an der Stelle auch der Hinweis an unsere Community hier. Es gibt ja nicht nur den Chef an. Es gibt ja ganz, ganz viele andere. Natürlich, absolut. Guckt euch bitte die Schulen an, die Schulpreise gewinnen.

Die sind alle sehenswert. Und da ist ganz viel Energie drin. Und bitte, bitte hört auf zu sagen, ich kann nicht, weil, sondern ich mache, weil. Also sucht nicht den Haken, sondern gestaltet den Haken. Macht bitte. Also, da ist unheimlich viel, was geht, wenn man dann auch gemeinschaftlich, und das ist mein Learning auch aus meiner Erfahrung heraus, ich habe Projekte mit Schulen gemacht, wo ich vorher total skeptisch war, dass ich gesagt habe, kann ich mir gar nicht vorstellen. Und diese Projekte haben mir gezeigt, ich lag total falsch. Warum? Weil ich eine falsche Meinung von den Menschen hatte. Also ich habe meinen Job richtig gemacht, habe die Schulen nicht alleine gelassen, habe denen vernünftig funktionierende Geräte, wo sie sich nicht gedanklich darüber Gedanken machen mussten, wie geht die diese oder jetzt? Nein, aufklappen funktioniert, fertig und jederzeit, egal wo. Das war mein Job, den habe ich gemacht. Und dann kam auf einmal in Schule etwas, was ich entwickelt habe. Das war so schön zu sehen. Und das ist das, was es braucht. Und da möchte ich auch alle Schulträger noch mal motivieren. Geht in eure Schulen.

Seht euch bitte die Erfolge an, die die da machen. Dann weißt du, warum du so viel Arbeit auf deinen Schultern hast. Und dann lohnt sich jede Minute, die du da investierst. Ja?

Das hast du superschön gesagt, Udo. Also ich würde sagen, wir nehmen diesen positiven Spirit von Einfachmachen von Udo Kempers direkt jetzt mal mit in unseren Schulalltag. Und jeder, jeder überlegt jetzt nochmal, was kann ich denn umsetzen und einfach mal mitnehmen und meinen Beitrag leisten. Denn es geht. Es funktioniert. Jeder Einzelne von uns kann einen positiven Beitrag leisten. Nicht alleine. Du brauchst schon mehrere, die da wirken. Du brauchst mehrere, aber du kannst der Impulsgeber sein auf jeden Fall. Absolut, absolut. Lieber Udo, ich danke dir ganz herzlich für dein Gespräch, beziehungsweise für deine Zeit und die wunderbare Arbeit, die du leistest. Wir werden uns sicherlich noch häufiger online oder hoffentlich auch analog über den Weg laufen. Ich freue mich drüber. Und ja, ich würde sagen, wir gehen jetzt weiter in den Tag und machen einfach mal, oder? Ja, wir machen. Einfach machen. Danke.

Udo Kempers hat immer viel zu erzählen, ist aber auch sehr unterhaltsam, aber auch gehaltvoll. Ich wollte gerade sagen, weil der Udo verbindet das ja so wunderbar, so eine gewisse Leichtigkeit, die er auch rüberbringt in Kombination mit seinem riesigen Erfahrungsschatz, denn er ist ja, ich darf es im besten Sinne so sagen, ein Urgestein der Bildung und unseres Bildungssystems und da schon seit Jahren und Jahrzehnten am Werkeln und das fand ich toll, dass er so einen ganz umfassenden Blick auch auf die Dinge hat. Und wir hatten ja auch schon gesagt, die Aufnahme mit Udo Kempers, Freunde, das ist... Also wirklich, ich muss dir jetzt hier mal ein paar Sachen verraten. Wir haben letztes Jahr beim DSLK, da warst du ja noch nicht mit dabei, da habe ich mit Udo aufgenommen. Diese Aufnahme völlig gestört, also die ist völlig voller Störungen, also nicht die Aufnahme war verstört, so jugendsprachemäßig, sondern rein technisch, totale Störung. Dann haben wir das Interview nochmal über Riverside, glaube ich, der Nacht gängig nochmal aufgenommen. Haben es so ein bisschen nachgestellt.

Dann wollten wir wieder aufnehmen, dieses Jahr beim DSLK. Und was passiert? Nein, das ist falsch. Das war dann so. Achso, da fehlt noch eine Zwischenstufe noch. Es fehlt vielleicht noch eine Zwischenstufe. Aber letztlich war es im November so, dass ich dann ins Spiel kam und gesagt habe, so lieber Udo, jetzt kommst du in unsere tolle Podcastbox, die wir beim DSLK hatten. Und wir haben 10, 15 Minuten gesprochen und es war wunderbar.

Dachte ich, aber ich hatte das zweite Mikrofon draußen liegen und auch nicht auf zwei Tonspuren aufgenommen und sämtliche Gespräche, die am Tisch geführt wurden, die waren sozusagen als Hinter-Background-Geräusche. Aber wir haben uns entschieden, auf eine Tonspur aufzunehmen und nicht auf zwei, weil wir immer relativ schnell gesendet haben und auch zeitnah und dann nicht noch mischen wollten und relativ diszipliniert gearbeitet haben. Dann geht das. Aber in dem Fall, die Aufnahme war nicht zu verwerten. Ja, also das vielleicht so als kleiner Blick hinter die Kulissen, damit ihr auch mal mitbekommt, womit wir so strugglen, bis eine wunderbar klingende Episode dann online geht. Aber man muss ja sagen, die gute Nachricht daran war, diesmal haben wir Udo eine komplette Hauptfolge gegönnt und das war auch toll. Der bestvorbereitetste Gast, der am meisten trainiert hat, um bei uns in den Podcast zu kommen. Absolut und dafür hat er auch geliefert. Und der eine Satz, der bei mir so hängen geblieben ist und was ihn auch so durch seine Arbeit trägt, ist dieses einfach machen. Und das sind zwei simple Worte, aber ich finde, da steckt wirklich ganz viel drin.

Das ist immer so ein schmaler Grat zwischen Buzzwords, Bingo und einfach machen als Imperativ. Und wenn man das lebt, dann ist es, finde ich, es richtig gut. Und wenn man es nur fordert oder so als LinkedIn-Booster formuliert. Und wir wissen eigentlich aus der Psychologie immer, weil wir sagen, ist ganz einfach, ist schwierig. Und deswegen muss man einfach anfangen, einfach machen. Und das macht Udo an ganz verschiedenen Stellen, vor allem eben in der Digitalisierung.

Absolut, das war ja auch so der Punkt, wo ich ein bisschen nachgehakt habe, weil ich gesagt habe, Udo, ich finde dein Motto toll, weil es ist sehr positiv, sehr vorwärtsstrebend, das fühle ich sehr, aber man muss ja auch fair sein, dieses einfach machen, gerade auch für Lehrkräfte oftmals im Alltag oder natürlich auch für Schulleitung, klingt dann doch einfacher, als es letztlich in der Umsetzung ist. Aber da ist er ja auch darauf eingegangen, hat gesagt, natürlich, das versteht er, aber letztlich geht es um ein Mindset, was dahinter steckt. Einfach nicht so viel fragen, sondern wirklich mal ausprobieren. Und ich denke, Gerd, da können wir uns doch auch vor allen Dingen mit den Digis anschließen. Absolut. Da ausprobieren, testet die Digis. Wir packen euch das ja auch mit rein oder hört auch mal in die Digi der Woche. Die könnt ihr ja auch noch rückgängig hören, die jetzt seit Januar wieder läuft. Und da bringen wir euch ja immer Beispiele, die ihr einfach mal in eurem Unterricht machen könnt oder zum Selbstlernen euren Schülerinnen und Schülern geben könnt, damit sie einfach lernen können, einfach machen können. Das ist ein guter Ansatz und der zweite Punkt, der mir immer zu einfach machen einfällt, ist natürlich das Thema Fehlerkultur, das heißt ausprobieren, geht ja bei den Digis auch, wenn ich was falsch gemacht habe oder noch nicht gleich richtig geantwortet habe.

Kann ich das Ergebnis nochmal verbessern, aber grundsätzlich in Schule bedeutet einfach machen auch, ich kann aus den Fehlern lernen und einen Prozess verbessern. Also wir müssen von diesem Ergebnis orientierten, bisschen weg hin zum Prozess orientierten und das heißt auch einfach machen. Mal sehen, könnte was Gutes dabei rauskommen, glaube ich, ist auch so ein Sprichwort. Ja, absolut. Da sind wir ja auch drauf eingegangen. Udo und ich ist ihm auch ganz wichtig, da eine vernünftige, neue, positive Fehlerkultur zu etablieren. Also ich denke, aus diesem Gespräch kann man ganz, ganz, ganz viele Impulse rausziehen. Und ich vermute ja auch mal, Gerd, dass wir den lieben Udo bald wieder live sehen werden. Wir werden ihn live sehen auf der Didakta. Ich vermute, ich werde ihn schon beim Mitteldeutschen Schulleitungskongress treffen, aber hundertprozentig bei der Didakta. Das ist ja fast ein Heimspiel für ihn dieses Jahr. Obwohl, ich glaube, er lebt in Düsseldorf und das ist in Köln. Ich glaube, ich habe jetzt Falsches gesagt. Ich glaube, zwischen diesen beiden Städten gibt es so eine tiefe Freundschaft. Ja, sagen wir mal, rein von den Kilometern ist es nicht so weit entfernt. Genau, da freuen wir uns drauf. Da sind wir Mitte März natürlich vor Ort und werden auch wieder sicherlich eine Sonderfolge bringen und viele Töne da einfangen. Wir freuen uns auf Udo und all das, was kommt. und ich würde sagen, Gerd, was kommt jetzt noch? Wenn euch dieser Podcast gefallen hat, dann abonniert ihn doch einfach. Gebt uns eine gute Bewertung auf Spotify.

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Das war Hey Diggis, der Bildungspodcast mit Viola Patricia Herrmann und Gerd Mängel. Immer dienstags auf allen Podcast-Plattformen.