Hey Diggis, so geht Lernen heute. Der Wissens-Podcast mit Viola Patricia Herrmann und Gerd Mengel. Hey Diggis, so geht Lernen heute. 2026, das Jahr des Lernens. Oder wie unser Bundespräsident es sagen würde, liebe Hörerinnen und Hörer. Jahr 2026, ein Jahr der Entscheidung, ein Jahr des Lernens. Alle sind eingeladen zu lernen.

Jola, was willst du dieses Jahr lernen? Tempo aufnehmen. Gerd, an der Stelle sage ich dir ganz ehrlich zum einen erstmal ein frohes neues Jahr an dich und natürlich auch an alle unsere Zuhörer und Zuhörerinnen, die uns jetzt in diesem kalten Januar 2026 gefolgt sind. Wir nehmen ein bisschen Tempo auf. Es wäre großartig, wenn wir diese Worte von unserem Bundespräsidenten hören würden. Und ich sage mal so, bis wir die hören, machen wir das doch selber zu unserem Jahr des Lernens, oder? Oder Schüpp, wir übernehmen Verantwortung. Wir machen das mit euch hier, mit unserer Community. Lernen wir. Aber du hast mir noch nicht verraten, was du dieses Jahr vorhast oder was du dieses Jahr lernen willst. Diese Frage bist du ausgewichen. Ich bin nicht ausgewichen. Ja, ich möchte ganz, ganz viel lernen, weil ich finde natürlich zum einen digitale Bildung ganz oben nach wie vor auf meiner Liste. Da lernen wir auch in unserem Podcast durch die wunderbaren Gäste, die wir haben, die alle Experten auf ihren Gebieten sind, so viel selber ja dazu. Das ist ja ganz wunderbar. Für mich steht natürlich auch das Thema KI ganz weit oben auf meiner To-Do-Liste. Zum einen wegen meinem Buch, was im Mai erscheint, aber auch natürlich wegen unseres gemeinsamen Buches.

Und ich denke, die künstliche Intelligenz wird definitiv etwas sein, was sich durch das Jahr ziehen wird. KI takes over und natürlich müssen wir gucken, wie wir in der Schule, im Unterricht damit umgehen. Ganz spannendes Thema, wie ich finde, vor dem wir uns nicht verschließen können und sollten. Und zudem wünsche ich mir ganz doll bei meinem persönlichen Lernen, aber auch so in der Umgebung, in der ich mich befinde und von dem Feedback, was ich bekomme, dass einfach so eine positive Aufbruchsstimmung kommt. Dass diese Lust am Lernen kommt, die Lust an der Weiterbildung, die Lust am Fortschritt, dass wir so ein bisschen einen positiven Spirit entwickeln. Das wäre auch wirklich toll für alle Beteiligten. Und dass wir Schule vielleicht auch nicht immer so runterreden, sondern vielleicht neu denken. Also klar, nicht neu denken, das meine ich gar nicht, ich mag das eigentlich gar nicht, sondern neu gestalten. Dass wir viele Dinge, die wir in Schule erleben, vielleicht auch nicht immer so schlechtreden. Also wir haben einen fantastischen Job als Lehrerinnen und Lehrer. Ja, die Rahmenbedingungen sind nicht immer toll, aber wir bewegen uns dann wieder in diesem alten Rahmen und wollen den alten Rahmen irgendwie dann noch ein bisschen Lack ranmachen oder da mal, wo der Holzwurm sich reingefressen hat.

Das ausstopfen. Das bringt nichts. Wir müssen wirklich etwas verändern, hin zum neuen Lernen. Und das deswegen Lernen, 2026, das Jahr des Lernens, dass wir das Lernen in den Mittelpunkt stellen und dort echte Veränderungen anschieben, die letztendlich dann auch die Lehrerinnen und Lehrer entlasten. Und ich wünsche mir auch, dass wir den Beruf nicht immer so negativ darstellen. Also er hat viele Vorteile. Ich rede jetzt nicht von den fast drei Monaten Freien, die man hat, Wir können mit den Kindern Zukunft gestalten. Und wenn wir dann auch kooperativer sind und uns zusammentun, ist da ganz, ganz, ganz viel möglich. Darüber werden wir ja vielleicht auf der Didakta sprechen, wo wir ja unterwegs sind. Wollte ich gerade sagen, wenn du das ansprichst, gerade das Thema Lehrkräfte und unsere wichtige Arbeit, muss man ja auch sagen, wir konnten ja auch beim DSLK, wo es natürlich eher Richtung Schulleitung geht, aber viele unterrichten ja auch und kennen das Alltagsgeschäft und viele Lehrkräfte waren auch da. Es gibt so wunderbare, engagierte Lehrkräfte, die so tolle Impulse auch setzen oder einfach im Stillen täglich vor sich hin arbeiten, ihren Job auf großartige Art und Weise machen, viel Beziehungsarbeit leisten, die ja auch immer wichtiger wird, auch wenn wir über die Themen Social Media, KI etc. Reden, dürfen wir ja nie diese Beziehungsebene vergessen, die einfach eine ganz, ganz wichtige Basis für alles Weitere ist.

Und du sagst es, Gerhard, wenn wir auf die Didakta im März schauen, dann bin ich gespannt auf all die tollen Lehrer und Lehrerinnen, die wir da treffen werden. Denn wir werden ja auch vor Ort sein und gemeinsam mit Casio und den Digis, da spannende Panels moderieren zum Thema Women in Science. Da werden wir sicherlich bei Zeiten auch nochmal mehr drüber berichten. Wie können wir Frauen mehr in die Wissenschaft bringen und auch sichtbarer machen? Und da freue ich mich sehr auf den Austausch mit den Menschen, die da vor Ort sein werden. Dazu hier auch demnächst mehr im Podcast. 2026 ist natürlich auch das Jahr des Digitalpakt 2.0. Da kam ja Anfang Januar die Meldung, der ist jetzt ready.

Circa, ja, offiziell sind es 5 Milliarden, aber wenn man es runterrechnet, circa 3 Milliarden frisches Geld kommt in das System. Das ist natürlich für alle, die in der Digitalwirtschaft sind, ein sehr gutes Zeichen, Aber vor allem das wichtigste Zeichen geht natürlich an die Schulen, an die Kinder, an alle, die lernen wollen. Mehr Digitalität ist möglich. Es wird mehr Endgeräte geben, auch mehr Lösungen, die in die Schule kommen. Aber es soll auch die... Forschung zur Digitalität gefördert werden. Ja, und vielleicht kommen wir dann auch davon weg, dass Handys weiterhin immer noch als Notlösung im Klassenraum dienen, weil man kein Endgerät hat. Das würde ich mir sehr wünschen. Das Thema Smartphone und Social Media Regulierung wird uns natürlich auch weiter beschäftigen. Da soll es ja im Herbst die Ergebnisse der Kommission geben, die die Bildungsministerin Karin Prien eingesetzt hat. Auch ein ganz heißes Thema. Wir werden das weiterhin verfolgen. Unsere Meinung kennt ihr, aber wir beleuchten auch alle Positionen und werden hier regelmäßig darüber sprechen. Und in den nächsten Interviews, in den nächsten Wochen, wird das Thema auch ein, zweimal schon angesprochen. Das kann ich jetzt an dieser Stelle schon sagen. Also ihr seht, wir haben viel vor bei den Diggis. Gerd und ich sind voller Elan ins Neujahr gestartet und freuen uns auf alles, was kommt.

Und ich würde sagen, Gerd, wir steigen heute direkt mal ein mit einem sehr spannenden Gast. Dr. Annika Limburg aus dem Saarland. Das Interview hast du geführt. kurz vor Weihnachten. Das wollen wir unseren Hörerinnen und Hörern nicht vorenthalten. Ich habe es schon gehört, weil ich es ja geschnitten habe. Und jetzt werdet ihr euch nicht schneiden, sondern ihr werdet sagen, hey, da habe ich ja richtig viel mitgenommen. Jetzt ganz viel Spaß und ein Lerngewinn mit Dr. Annika Limburg. Es geht los. Hey Diggies, so geht Lernen mit.

Dr. Annika Limburg ist seit 2024 Leiterin des Bildungscampus Saarland. Ein Ort, an dem Lernen, Forschung, Digitalisierung und Praxis eng miteinander verwoben sind. Annika Limburg bringt Schulen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammen und arbeitet daran, Bildung im Saarland innovativ, digital und chancengerecht weiterzuentwickeln. Sie denkt Bildung als Netzwerk, lebendig, offen und immer in Bewegung. Ich freue mich sehr auf das Gespräch. Schön, dass Sie hier sind, Frau Dr. Limburg. Ganz herzlichen Dank für die Einladung. Ich freue mich auch schon drauf. Frau Limburg, beginnen wir direkt mit Ihrer Arbeit. Was ist denn der Bildungscampus Saarland und wie würden Sie Ihre Rolle und Ihre Aufgaben dort beschreiben?

Sie haben in der Einführung schon ganz vieles gesagt, was mir auch sehr wichtig wäre bei der Vorstellung. Erstmal vielleicht ganz zentral der Bildungscampus Saarland ist das gemeinsame Dach für die Lehrkräfteausfahrt und Weiterbildung im Saarland. Das heißt also, der Vorbereitungsdienst, das Referendariat in allen Schulformen ist bei uns angesiedelt, aber eben auch die Fort- und Weiterbildung. Wir sind oder wir verstehen uns als ein Entwicklungsraum für Schule. Das heißt, dadurch, dass wir Aus, Fort und Weiterbildung an einem Ort haben, können wir natürlich ganz viele Synergien nutzen, um dafür zu sorgen, dass Schulen einfach bestmöglich begleitet und gefördert werden.

Meine Aufgabe ist es, ja, insbesondere halt diese übergreifenden Fragen im Blick zu behalten und voranzubringen. Das heißt, es geht konkret, Sie haben es vorhin gesagt, die Netzwerke sind mir sehr wichtig, darum, Brücken zu bauen zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik. Wir wollen dazu beitragen, dass die Lehrkräfteprofessionalisierung, wie soll man sagen, wie aus einem Guss wird. Also viele junge Kolleginnen und Kollegen merken ja, wenn sie vom Studium in den Vorbereitungsdienst kommen, dass da doch ein paar Reibungen kommen. Und wenn sie vom Vorbereitungsdienst dann an die Schule kommen, merken sie eben auch oft, dass dieser Wechsel schwierig ist. Und dadurch, dass bei uns alles unter einem Dach ist, können wir diese Synergien, glaube ich, gut dafür nutzen, um diese Reibungen zu reduzieren. Ein spannender Ansatz. Ich bin ja selber Berlinerin, das hätte ich mir damals auch gewünscht nach meinem Referendariat. Daher gleich die Frage, natürlich reden wir jetzt über den Bildungscampus Saarland, aber gelten Sie vielleicht auch so als Best Practice, dass sich andere Ihre Ideen abschauen und sagen, Mensch, das klingt doch wirklich nach einer guten Idee, das übernehmen wir auch für unser Bundesland?

Also ich glaube, da sind wir noch nicht. Wir sind ja erst seit anderthalb Jahren noch in dieser Konstellation hier im Saarland da und das heißt, wir sind noch tief in Organisationsentwicklungsprozessen. Momentan lerne ich auch ganz viel von den anderen Ländern und ich würde sagen, wir haben sowieso auf dieser Landesinstitutsebene eigentlich einen wirklich tollen Austausch geschaffen, wo das Miteinander und Voneinanderlernen zur Tagesordnung gehört. Aber da wäre ich jetzt doch eher noch bescheiden. Naja noch. Das kann ja noch kommen.

Das wäre schon wieder ein Spruch, ja. Ja, genau. Da sind wir bei Ihrem Anspruch und vielleicht auch bei einer Vision. Also welche Vision verfolgt denn der Bildungscampus insgesamt? Wo wollen Sie hin und wie bilden Sie das in den aktuellen Projekten ab? Da sind ja gleich drei Fragen. Also die Vision, die Vision ist natürlich eine große. Ich möchte gerne, dass wir dazu beitragen, dass Schulenorte werden, in die Kinder jeden Morgen mit Freude gehen, weil sie merken, dass sie da das lernen, was sie nicht nur für die Zukunft brauchen, nicht nur nach 13 Jahren, nach Abitur irgendwann für sie relevant ist, sondern dass Schule für sie der Ort ist, der sie für ihren Alltag stärkt und befähigt. Ich möchte gerne, dass Schülerinnen und Schüler merken, dass das, was sie in der Schule lernen können, für sie persönlich bedeutsam ist. Und dazu möchten wir einen Beitrag leisten. Im Endeffekt läuft es auf nichts anderes hinaus als beste Bildung für jedes Kind. Und das jedes Kind ist mir wirklich sehr wichtig. Das verbindet Aspekte der Inklusion und Begabungsförderung. Das verbindet Aspekte der Mehrsprachigkeit. Die ganze Vielfalt, die wir heute in den Klassenzimmern haben, möchte ich da gerne adressiert sehen. Das wäre sicherlich meine Vision für unseren Bildungscampus, denn wir wissen natürlich, dass das Einrichtung wie unsere, es ist die Ausfahrt und Weiterbildung von Lehrkräften, einfach der wesentliche Faktor dafür ist, dass es den Kindern gut geht. Was wir gut machen, kommt bei den Kindern an.

Und deswegen haben wir da eine ganz zentrale Rolle. So viel vielleicht erst mal zur Vision. Sie haben aber auch konkret nach Projekten gefragt. Wir arbeiten tatsächlich natürlich unterstützend in Projekten auf Landesebene und auf Bundesebene, Staatschancen und so weiter und so fort, begleiten wir natürlich auch. Wir selber arbeiten weniger projektförmig, wir versuchen eher Strukturen zu schaffen, die im Sinne dieser Vision tragfähig sind. Also ganz konkret möchte ich zum Beispiel als einen Teil unserer Arbeit benennen, die Beratungsstelle Hochbegabung. Wir hatten tatsächlich letzte Woche erst das 25-jährige Jubiläum für Hochbegabung im Saarland. Und den Grundgedanken würde ich gerne einmal nennen.

Stark machen wollen. Und zwar war das immer die Hochbegabtenförderung und hier wurde aber der Schritt gegangen vom Begriff der Hochbegabten zur Begabungsförderung, weil wir davon ausgehen können, dass ja jedes Kind profitiert, wenn es angemessen gefördert und gefordert wird. Dass jedes Kind gleichermaßen profitiert, wenn wir einen ressourcenorientierten Blick haben, wenn wir wissen, dass in jedem Kind Talente schlummern und dass es unsere Verantwortung in der Bildung ist, dazu beizutragen, dass diese Talente sich entfalten und entwickeln können. Und die Beratungsstelle Hochbegabung ist da tatsächlich auch bundesweit Vorreiter gewesen vor 25 Jahren und hat wirklich sehr viel tolle Arbeit geleistet und deswegen dachte ich, kann ich es jetzt hier nochmal nennen, weil das wirklich ein ganz schöner Anlass war. Also das wäre vielleicht eine Antwort auf Ihre Frage nach Projekten oder auch Best Practices, ganz sicher.

Dann haben wir natürlich auch im Bereich der digitalen Bildung wunderbare Angebote. Zum Beispiel bieten wir den Tag der digitalen Bildung an, kommendes Jahr wird es mal zu einer Woche der digitalen Bildung, sodass wir im gesamten Saarland eigentlich alle Lehrkräfte dabei unterstützen können, für sie passende Fort- und Weiterbildungsangebote, Informationsangebote sich einzuholen. Auch das ist eine wunderbare Veranstaltung oder auch ein Element, worauf ich stolz bin und worüber ich mich freue, ist, dass wir im Vorbereitungsdienst die Demokratiebildung so relevant aufgehängt haben, dass wir gleich in den Vorbereitungsdienst starten damit, dass die Anwärterinnen und Anwärter nach der Begrüßung so eine Auszeit haben.

Wo sie sich wirklich intensiv mit Demokratiebildung beschäftigen können. Wow, das klingt ja toll. Jetzt haben sie uns einmal so ein bisschen rundum abgeholt. Kleine Blumenstrauß.

Genau, ein kleiner Blumenstrauß von wirklich tollen Angeboten. Auch sowas wie Tag der digitalen Bildung oder Woche der digitalen Bildung. Das klingt ja wirklich richtig gut. Das ist natürlich was, wo wir bei den Digis auch dran arbeiten, digitale Bildung gut zugänglich zu machen für Lehrkräfte, niedrigschwellig anzubieten, sodass man auch Lust hat, die einzusetzen und sich da im Unterricht einfach mal ranzutrauen. Jetzt sind wir schon bei digitalen Kompetenzen ja auch ein Stück weit. Es wird natürlich immer wichtiger, fit zu sein in dem Bereich. Was verstehen Sie denn persönlich unter digitaler Bildung? Es ist ja doch ein weites Feld, gerade wenn man das vielleicht auch über eine ganze Woche hinweg ausrollt.

Und dann auch gleich noch eine Frage hinterher. Welche Fähigkeiten im Bereich der digitalen Bildung möchten Sie denn vorrangig bei den Lernenden fördern? Digitale Bildung ist für mich zweierlei. Zum einen ist es, Bildung so zu gestalten, dass sie der Kultur der Digitalität gerecht wird. Ich glaube, wir haben die Verpflichtung, uns bewusst zu machen, dass Schülerinnen und Schüler einen wesentlichen Teil ihres Alltags im digitalen Raum verbringen und dass dieser digitale Raum anderen Regeln, anderen Prinzipien folgt als der physische Raum, in dem wir uns bewegen. Und diese Regeln aus dem digitalen Raum, die algorithmisch geprägt sind und so weiter und so fort, für diesen Raum, für diese Bereiche befähigen wir Schülerinnen und Schüler viel zu wenig und viel zu selten. Das heißt also, für mich bedeutet digitale Bildung der Bedeutung der Digitalität Rechnung zu tragen. Das muss nicht zwangsläufig selber mit Mitteln der Digitalität erfolgen.

Also es reicht in Anführungsstrichen auch, mit Schülerinnen und Schülern darüber zu sprechen, was sie im digitalen Raum erleben. Mit Schülerinnen und Schülern darüber zu sprechen, an welchen Stellen es ihnen schlecht geht, an welchen Stellen es ihnen gut geht. Das kann völlig analog passieren. Das ist also der eine Bereich und ich glaube, dass der ganz oft viel zu kurz kommt in der Wahrnehmung. Also wenn wir uns beispielsweise die OECD-Befragungen anschauen, dann zeigen die, dass über 10 Prozent der 15-Jährigen wöchentlich mehr als 80 Stunden im digitalen Raum verbringen.

Das ist wirklich unglaublich. Das ist unglaublich und das ist natürlich auch fürs Lernen und auch für die Schule. Aber das muss ich Ihnen nicht erzählen. Sie wissen das sicherlich besser als ich. Die Digitalität, das Handy strukturiert den gesamten Alltag. Kommunikation, Interaktion, Kaufverhalten, Freizeitverhalten, all das fließt in diesem Gerät zusammen. Und Schule realisiert die Bedeutung dessen für die jungen Menschen, glaube ich, viel zu wenig. Und daraus resultieren viele Probleme. Also dass beispielsweise Schülerinnen und Schüler einfach die Bedeutung dessen, was Schule ihnen bietet, nicht wirklich spüren, ist, glaube ich, ein Teil dessen, dass diese Dimension der digitalen Bildung viel zu wenig Beachtung findet. Finde ich sehr gut, dass Sie das Digitale auch in den analogen Raum so übertragen. Ja, dass man also nicht sagt, die Digitalität ist nun der Allheilsbringer und wir reden nur auf dieser Basis miteinander, am besten noch mit einem rein technischen Hintergrund, sondern dass man sagt, wir setzen uns hin, wir gehen in den Austausch und wir hören auch einfach mal zu. Das erinnert mich sehr an die Social Media Sprechstunde, die Silke Müller, die wir ja auch schon im Podcast hatten.

Auch eingeführt hat und auch nochmal geschildert hat, wie groß der Bedarf der Schüler und Schülerinnen ist, wirklich zu reden, zu erzählen, was sie erleben, was sie erleben. Gut finden, aber genauso auch, wo sie Probleme haben, wo sie Schwierigkeiten haben, wo sie das Gefühl haben, es wird distanzlos, es geht mich zu sehr an. Es gibt natürlich auch viele Probleme im digitalen Raum, gar keine Frage. Aber wirklich allein eine Plattform zu schaffen, um in den Austausch zu gehen, ich denke, das ist ganz wichtig und das ist doch eigentlich auch so ein kleiner Tipp für Lehrkräfte, aber auch für Schulleitungen natürlich. Sowas kann man doch unmittelbar in den Unterricht integrieren. Ja, und dafür braucht man keine besondere Expertise. Man muss nicht fortgebildet sein und man muss vor allem nicht besser wissen als die Schülerinnen und Schüler, worum es geht.

Sondern es reicht einfach neugierig zu sein und zu wissen, dass das eine Welt ist, die den Lehrkräften in dieser Form eben nicht zur Verfügung steht, weil der Algorithmus eben dafür sorgt, dass diese Welt nur dem einen Kind und nicht dem anderen Kind zur Verfügung steht. Und deswegen, ja. Sorry, tut mir leid, dass ich es da unterbreche. Ich wollte nur gerade sagen, der Lehrer, die Lehrerin hat natürlich wieder den ganz eigenen Lebensraum, die eigene Realität im Handy. So ist es ja einfach. Uns wird ja etwas vorgegaukelt, so nach dem Motto, das ist jetzt das, was wir alle sehen. Aber genau das stimmt ja nicht. Und das ist so, wie Sie sagen, meine Kinder, die sind die Älteren, 20 und 18, die kriegen das natürlich auch mit. Und dann gucke ich mir deren Feed teilweise an und sage, das ist ja, also das gibt, das habe ich noch nie gesehen.

Und das, was Sie von Silke Müller beschrieben haben, das hat mich tatsächlich auch einfach berührt. Also zu hören, dass es für die Schülerinnen und Schüler einen Unterschied macht, diesen Raum zu haben, in der Sprechstunde darüber sprechen zu können, vertrauensvolle Beziehungen, das, was Sie ja auch angesprochen hat, ist eben, dass oft zu den Eltern nicht die Möglichkeit besteht, das offen anzusprechen. Und ich glaube, Schule muss und sollte der Raum sein, wo darüber gesprochen werden kann, weil das tatsächlich, und damit sind wir eigentlich bei dem zweiten Teil dessen, was digitale Bildung für mich ist, ganz wesentlicher Beitrag zu digitaler Souveränität auf der Ebene der Einzelpersonen ist. Also um mündig sich im digitalen Raum bewegen zu können. Mündig bedeutet verantwortungsbewusst, aber auch den Gefahren nicht heillos ausgeliefert zu sein. Dazu gehört Informationskompetenz, Medienkompetenz, KI-Kompetenz. All das gehört sicherlich in diesen zweiten Bereich, der für mich für digitale Bildung ganz zentral ist. Und dafür müssen Schülerinnen und Schüler einfach im Alltag Raum haben, einfach über ihre Erfahrungen sprechen zu können.

Absolut und dafür kann die Schule durchaus auch den Raum bieten und ich denke auch, dass durch diese Gespräche letztlich der Lernprozess so sehr wieder gefördert wird, weil dann auch geistiger Raum besteht, wenn man das mal loswerden kann, sich auf andere Dinge zu fokussieren. Also es ist wirklich ein ganz wichtiger Ansatz, den wir da im Blick behalten sollten. Sie haben jetzt schon eben das Stichwort gesagt, was mich dann auch zur nächsten Frage bringt. Na klar, wenn wir über Digitalität sprechen, müssen wir auch über KI reden. Das geht natürlich mittlerweile Hand in Hand. Die Entwicklungen sind rasant in dem Bereich künstliche Intelligenz und das hält natürlich inzwischen auch immer mehr im schulischen Umfeld Einzug. Wie erleben Sie denn die Schulen im Umgang mit KI? Ist da noch ein großes Zögern oder auch eine Bereitschaft? Oder Sie haben auch das wunderbare Stichwort Neugierde gesagt? Also all das, was Sie angesprochen haben, finden wir natürlich auch an Schulen. Jetzt ist es so, dass wir hier im Saarland wirklich besondere Bedingungen haben. Wir haben eine Vollausstattung für alle Schülerinnen und Schüler ab der dritten Klasse mit iPads oder also digitalen Endgeräten. Das ist auch schon länger der Fall, sodass einfach auch schon viel passieren konnte in Bezug auf digitale Bildung. Wir haben digitale Bildungsgesetz, wir haben Leistungsbewertungserlass, der das Prüfen auch mit KI durchaus ermöglicht, also Prüfungssituationen, wo KI zur Verfügung steht, ermöglicht.

Und wir haben jetzt seit letzter Woche eben auch ein landesweites KI-Tool. Wir haben auch Tally hier im Saarland gegründet. Zur Verfügung gestellt, beziehungsweise das Ministerium hat das getan. Und damit haben wir hier natürlich jetzt wirklich auch Bedingungen.

KI gut in die Bildung zu integrieren. Und ich habe es mir nicht nehmen lassen, in den vergangenen anderthalb Jahren bei jeder Schulform mindestens einmal auch einen pädagogischen Tag mit zu begleiten, um mit den Kollegien zu sprechen. Was sind eure Fragen? Was sind eure Sorgen? Was sind eure Gedanken?

Und auch hier würde ich sagen, haben wir viele Early Adopter, die wirklich schon großartige Dinge in den Unterricht getragen haben. Wir haben auch Schulleitungen, die sich des Themas KI schon auf Schulentwicklungsebene angenommen haben. Und gleichzeitig haben wir natürlich auch hier wie überall Menschen mit großen Bedenken, Menschen, für die das auch einfach schnell geht und die das fordert und überfordert. Das ist sicherlich hier nicht anders als anderswo. Was aber vielleicht hier schon ganz gut geglückt ist, einfach wegen dieser guten Bedingungen, ist, dass einfach viele Lehrkräfte schon Dinge ausprobieren konnten und persönliche Erfahrungen geschaffen haben. Und am Bildungscampus haben wir auch eigentlich direkt als JGBT kam schon auf langfristige Professionalisierungsmaßnahmen, Netzwerkarbeit und sowas hingearbeitet, sodass wir zwischen den Schulen und zwischen diesen Lehrkräften, die da viele Erfahrungen gesammelt haben, auch den Austausch fördern und ermöglichen und auch immer wieder so einen Wissenstransfer von diesen Early Adoptern in die Gesamtschulsysteme hinein unterstützen. Wunderbar, also auch da ein Netzwerk in einem anderen Rahmen, aber dennoch ein funktionierendes Netzwerk.

Genau, wir haben jetzt ganz neu zwei Netzwerke noch ins Leben gerufen und das ist einmal ein KI-Experten-Gremium, wo wir Bildungsakteure aus den unterschiedlichen Bildungssphären, die es überall gibt, also von Hochschulen über VHS bis hin zu den Unternehmen, die für die berufliche Bildung dann relevant sind und eben Schulen natürlich zusammenbringen, um gemeinschaftlich sowas wie Kohärenz schaffen zu können, was man erstmal voneinander weiß, an welchen Stellen erlaubt, fördert, unterstützt ihr digitale Bildung mit dem Schwerpunkt KI, an welchen Stellen nicht. Das ist so der eine Punkt. Und das Zweite, was auch der Ministerin und auch mir immer sehr wichtig ist, ist, dass man natürlich vor allem mit den Menschen spricht, um die es geht. Deswegen sprechen wir auch mit Elternvertretungen, Schülervertretungen und Lehrkräften darüber, was sie sich denn eigentlich wünschen, was ihre Sorgen, was ihre Bedenken sind und wie wir damit gut umgehen können. Denn ich glaube, was uns die ersten drei Jahre nach Chachibiti ja sehr genau zeigen ist, ohne angemessene Bildungsangebote ist KI nicht unbedingt etwas, was zu Chancengerechtigkeit beiträgt. Erst dadurch, dass wir das pädagogisch verantwortungsbewusst rahmen.

Können eben auch schwächere Schülerinnen und Schüler davon profitieren. Ansonsten sind es eben gerade diejenigen, die über eine besonders ausgeprägte Sprachkompetenz verfügen, beispielsweise die KI sehr gut steuern können, während die anderen eher schlechtere Ergebnisse haben. Also all dieses Matthäus-Effekt und sowas, also den Starken wird gegeben, die anderen verlieren. All das sind für mich Anlässe sicherzustellen, dass wir in der Bildung uns dieses Themas wirklich annehmen, damit die Schere nicht weiter auseinander geht, sondern wir auch das Potenzial von KI heben.

Bildungsgerechtigkeit, Chancengerechtigkeit zu fördern. Spannend, was Sie da erzählen und natürlich auch sinnvoll, da alle Beteiligten an den Tisch zu holen und zu integrieren in dieses Thema. Wir sprechen ja auch oft über die Chancen und Risiken, die KI an der Schule, für uns allgemein natürlich auch, aber jetzt bezogen auf Schüler und Schülerinnen wirkt und natürlich auch für das Unterrichten an sich. Wie sehen Sie denn die Balance zwischen den Chancen und Risiken? Sie haben gerade schon gesagt, es braucht eine fundierte pädagogische Begleitung. Die Kinder müssen auch angeleitet werden, weil sonst kommen wir nicht in den Chancenbereich, wenn ich Sie richtig verstanden habe. Wie würden Sie das gewichten, die Chancen und Risiken? Haben wir da gute Chancen, wirklich den positiven Nutzen aus KI zu ziehen?

Das liegt ehrlich gesagt an Menschen wie Ihnen und mir. Wir sind ja diejenigen, die die Bildung mit den jeweiligen Mitteln gestalten. Und ich würde sagen, vom Potenzial, was KI bietet, kann das sowohl in der wunderbaren Utopie der Bildungsgerechtigkeit und Chancengerechtigkeit für alle und bester Bildung münden, wie darin, dass die Eliten noch weiter gefördert und unterstützt werden und diejenigen, die nicht dazu gehören, noch viel schlechtere Chancen haben. Also was KI kann, hängt davon ab, was wir damit tun. Und deswegen würde ich auch sagen, haben wir in der Bildung einfach eine besonders große Verantwortung, uns damit auseinanderzusetzen. Und da kommt natürlich hinzu, dass wir ja auch keine Glaskugel haben. Wir wissen nicht, was der nächste große Schritt ist. Aber wir wissen zum Beispiel.

Wie Lernen funktioniert. Und das wissen wir sehr genau. Und deswegen ist für uns eigentlich keine große Forschungsfrage, wie man KI fürs Lernen nutzen kann. Denn wenn wir KI in dem Sinne nutzen, dass dadurch beispielsweise die individuelle Bedeutsamkeit unterstützt wird, Feedback im Lernprozess unterstützt wird, an das Vorwissen angeknüpft wird, dann brauche ich keine Studien, die mir sagen, dass das lernförderlich ist. Ich weiß, dass es lernförderlich sein muss, weil ich weiß, wie wir lernen. Wenn wir KI dafür nutzen, Aufgaben zu automatisieren, sie nicht selber zu machen, brauche ich auch keine Studien, die mir zeigen, dass das eher zu Kompetenzverlust beiträgt. Weil was ich nicht selber mache, kann ich nicht selber lernen. Das sind alles Dinge, die sind uns, glaube ich, auch jetzt schon klar. Und die reichen mir erst mal als Grundlage, um auf dieser Ebene verantwortungsbewusste Entscheidungen treffen zu können oder verantwortungsbewusst Dinge erproben zu können. Ja, da haben wir vielleicht nochmal als Hinweis für alle, die uns jetzt zuhören, auch wirklich eine tolle Digi, nämlich generative KI. Also wie ist das eigentlich alles entstanden? Wo kommt KI her? Und so auch für Lehrkräfte, die sagen, ich bin mir jetzt selber nicht so ganz sicher, da kann man einfach mal in die Digis gucken. Ich verlinke die gerne mal in den Shownotes.

Da hat man auch eine wunderbare Handreichung, über die man dann mit den Schülern und Schülerin ins Gespräch kommen kann. Weil ich denke, da gibt es schon noch einige Berührungsängste zu sagen, ich weiß jetzt nicht genau, wie das funktioniert, ich traue mich nicht ganz. Und ja, auf der anderen Seite bin ich gerade persönlich auch dabei, einen Beitrag vielleicht an der Stelle zu leisten. Ich habe einen Elternratgeber geschrieben, der heißt Mein Kind kann KI. Also da gebe ich dann halt den Fokus auf die Eltern, um die halt an die Hand zu nehmen in sieben Schritten, um zu erklären, hey, es ist das, was wir daraus machen letztlich. Das Buch kommt dann im Mai 2026. Von daher hoffe ich, dass ich da auch noch dazu beitragen kann, das Thema einfach zugänglicher zu machen und Mut vor allen Dingen zu machen, es einfach mal anzugehen, ohne Technikexperte sein zu müssen. Ja, das finde ich auch ganz wichtig. Sie haben ja danach gefragt, was die Lehrkräfte so sagen und diejenigen, die sich nicht dran trauen, die haben oft beispielsweise die Vorstellung, sie müssten sich erstmal damit auseinandersetzen, wie man jetzt richtig promptet. Das heißt, sie haben immer das Gefühl, sie müssen in eine Vorleistung gehen, bevor sie was ausprobieren.

Und wir wissen ja auch, dass das, wie man heute erfolgreich promptet, ist nicht mehr das, wie man das vor einem Jahr getan hat. Das heißt, das sind einfach so Fehlannahmen, die dafür sorgen, dass eine Hürde in der Auseinandersetzung ist. Deswegen finde ich den Aspekt, den Sie da angesprochen haben, einfach den Mut zu machen, sich mit Digitalität auseinanderzusetzen, auch ohne, dass man einen Wissens- oder Erfahrungsvorsprung hat, den finde ich ganz essentiell. Denn ich glaube, damit kommen wir auch auf einen ganz wichtigen Punkt im Bereich der digitalen Bildung, nämlich auf sowas wie einen Haltungswandel. Und einfach die Überzeugung, dass Lehrkräfte als Lehrerinnen und Lehrer wirksam und gut sein können, wie Sie es vorhin gesagt haben am Beispiel Silke Müller, wenn sie zuhören. Wenn sie zuhören und Fragen stellen, wenn sie aus ihrer Fachlichkeit heraus Fragen stellen oder Gedanken teilen, die aber nicht unbedingt die Fachlichkeit im Bereich KI, die Fachlichkeit im Bereich Digitalität oder Social Media braucht.

Und ich glaube, da können Lehrkräfte so viel leisten, dass es ihnen oft gar nicht bewusst ist, weil sie einfach nur sehen, was sie noch nicht können. Ich habe Lehrerinnen und Lehrer immer als sehr bescheidene Menschen wahrgenommen. Und ich glaube, dass diese Bescheidenheit an der Stelle aber überhaupt nicht hilfreich ist und gar nicht Not tut. Absolut, weil ich denke, es ist zum einen eine falsche Bescheidenheit und auf der anderen Seite gehört vielleicht auch ein kleines bisschen Mut, da mal die Perspektive zu wechseln als Lehrkraft. Wir müssen nicht die Dozenten sein, die das alles erklären, sondern wir können uns wirklich auch mal so als Co-Lernende präsentieren und sagen, hey, ihr wisst doch bestimmt da auch nochmal viel mehr als ich drüber. Ich weiß ein bisschen was, ihr wisst ein bisschen was, lasst uns in den Austausch gehen und miteinander sprechen und miteinander lernen und lasst uns die Dinge probieren. Und im schlimmsten Fall, wenn es nicht klappt oder es kommt irgendwie ein schräges Ergebnis raus, dann ist das ja auch ein Lernprozess, der unheimlich wichtig ist.

Genau, das sind wir beim Thema Fehlerkultur und so weiter und so fort. Richtig. Und das ist mir auch so wichtig, weil ich ermuntere natürlich auch dazu, Dinge auszuprobieren. Und ausprobieren ist aber natürlich, wenn ich mit Schülerinnen und Schülern arbeite, in einem ganz anderen verantwortungsbewussten Rahmen, als wenn ich mal für mich was ausprobiere. Das darf auch richtig schief gehen. Natürlich darf mit Schülerinnen und Schülern etwas auch richtig schief gehen, wenn die Beziehungsebene so da ist, dass man in dem Moment sagt, so was lernen wir denn jetzt daraus, dass es schief gegangen ist. Wenn das nicht erfolgt, dann darf man natürlich auch mit Schülerinnen und Schülern nichts ausprobieren, was man nicht verantworten kann. Das ist sicherlich richtig. Ja, das stimmt. Jetzt gehen wir mal von der KI weg, ein bisschen hin zur MINT-Förderung, denn der Bildungscampus ist ja auch dafür bekannt, MINT stark zu fördern.

Wie gelingt Ihnen das denn, Kinder und Jugendliche für MINT-Themen zu begeistern? Das ist etwas, was uns immer wieder im Podcast begegnet, weil diese MINT-Themen sind halt einfach immer ein bisschen unbeliebt in Teilen noch bei der Schülerschaft und dabei doch aber eigentlich so wichtig. Da knüpfe ich gerne auch an die vorhergegangenen Fragen an, weil Sie haben am Anfang nach meiner Vision oder nach der Bildungscampus-Vision gefragt. Und ich würde sagen, das ist auch der Schlüssel zu guter Mitbildung, dass die Schülerinnen und Schüler verstehen, was sie davon haben, dass sie das als persönlich bedeutsam empfinden. Und das tun sie selbstverständlich, wenn sie das im praktischen Tun erfahren, wenn sie einen Bezug zu ihrer Lebenswelt spüren. Das war ja auch tatsächlich nach den letzten PISA-Ergebnissen im Bereich Mathe eine der ersten Deutungsversuche zu sagen, Schülerinnen und Schüler erkennen heute nicht mehr, was ihnen Mathematik im Alltag bringt. Und ich glaube, diese Bezüge müssen wir schaffen. Damit sind wir auch wieder beim Thema digitale Bildung. Wenn wir es nicht schaffen, dass Schülerinnen und Schüler verstehen, dass sie etwas davon haben, dass es etwas mit ihrer Lebenswelt zu tun hat, dann können wir sie auch nicht dafür begeistern. Und ich glaube, das muss deswegen der erste Blick sein darauf. Ich habe hier ein Thema.

Was weiß ich, Physik, Chemie, keine Ahnung. Und dieses Thema ist natürlich abstrakt und es ist komplex, denn das sind die Naturwissenschaften. Ich möchte aber jemanden dafür begeistern. Wo steht dieser jemand? Wie kann es mir gelingen? Und damit sind wir auch wieder bei dem Thema direkt davor. Mir als Lehrperson, ich bin keine, aber mir kann KI dann natürlich dabei helfen. Ich kann beispielsweise die KI ja fragen, wie kann ich denn jemanden dafür begeistern, hier sich mit diesem Prinzip auseinanderzusetzen, hier mit dieser Reaktion auseinanderzusetzen. Wie kriege ich diesen Lebensweltbezug hin? Und so habe ich neue Möglichkeiten eigentlich, diese Begeisterung dafür zu wecken. Denn ich persönlich bin natürlich auch absolut davon überzeugt, dass MINT-Bildung auch vor dem Hintergrund der Digitalität ganz essentiell ist. Je besser meine MINT-Bildung ist, desto besser verstehe ich die Prinzipien dieser Welt, desto besser bin ich gefeit vor Desinformation und Fake News, weil ich einen inneren Kompass habe, der mir hilft, plausibles und nicht plausibles voneinander unterscheiden zu können und entscheiden zu können, an welchen Stellen ich stärker nachhaken muss.

Also diese Bedeutsamkeit und das Erleben, das sind, glaube ich, die ganz wichtigen Punkte für gelingende Mindbildung. Da würde ich absolut mitgehen, auch wenn ich jetzt selber in meiner eigenen mathematischen Karriere schulisch nicht besonders weit gekommen bin und auch immer meiner Schulleitung früher gesagt habe, ich unterrichte alles außer Mathe. Also da haben sie sich dann auch zum Glück dran gehalten, weil ich gesagt habe, da habe weder ich was von noch die Schüler und Schülerinnen, die ich unterrichten soll. Aber ich würde gerne auch das nochmal untermauern aus meiner Sicht als Mutter.

Ich habe vier Kinder, meine Zwillinge sind zehn und in der fünften Klasse und wie oft bekomme ich von denen zurückgemeldet, wir machen da irgendwas und ich weiß gar nicht, was das soll und ich habe da gar keine Lust drauf. Und umgekehrt sagt neulich meine eine Tochter zu mir. Das ist viel besser, weil dann kann ich im Supermarkt rechnen, wie viel ich spare zum Beispiel, wenn wir jetzt Richtung Prozentrechnung gehen. Und dann sagt sie, dann ist das eigentlich gar nicht so schwer. Dann habe ich gesagt, nee, natürlich ist es nicht schwer, aber es ist ganz wichtig, dass du begreifst, warum es für dich wichtig ist. Also von daher möchte ich wirklich das nochmal auch untermauern. Für mich ist dieser Lebensweltbezug der absolute Schlüssel zu den MINT-Fächern, aber natürlich auch zu ganz vielen anderen Fächern.

Also das finde ich ganz wichtig, dass man da wirklich auch als Lehrkraft schaut, wie kann ich das den Kindern so präsentieren, dass sie verstehen, warum ich es lernen muss. Dann geht es nämlich wirklich viel, viel einfacher mit größerer Neugier, Interesse und nachhaltiger. Ja, und auch da sind Tools, KI-Tools aus dem Bereich des adaptiven Lernens natürlich schon hochgradig hilfreich und sinnvoll. Also ich habe jetzt gerade dank einer ehemaligen Lehrkraft das Tool kennengelernt, was an der Alpha School verwendet wird. Also diese erste oder eine der ersten Schulen, die in den USA Lehrkräfte abgeschafft hat und stattdessen eben mit KI-Lerneinheiten, zwei Stunden morgens KI-Lerneinheiten und dann eben soziales Lernen, projektbasiertes Lernen am Nachmittag mit Lernbegleitern. Und dieses Tool konnte ich jetzt mal ausprobieren und das ist schon ganz interessant, weil das geht genau in die Richtung, die Sie da gerade angesprochen haben. Also da wird beispielsweise Rechnen dann auch mit Serious Gaming Elementen verbunden, bei denen dann eben die Schülerinnen und Schüler erst...

Mit dem Tool beispielsweise haben sie 20 Euro und gehen dafür einkaufen. Danach sind sie dann aber die Person, die an der Kasse steht und rechnen auf diese Weise noch. Also das heißt, die Schülerinnen und Schüler werden in diese lebensweltlichen Situationen hineingebracht in der Simulation, in dieser KI-Simulation und üben darin dann anhand von Situationen aus ihrem Alltag. Und das macht natürlich einfach einen riesigen Unterschied. Angeblich hat diese Alpha-School ja tatsächlich auch deutlich bessere Lernergebnisse mit viel weniger Zeit. Die sind eher an der Spitze der Vergleichsstudien in den USA. Also nicht an der obersten Spitze, aber unter den obersten Prozenten. Und damit sieht man, dass das funktionieren kann. Vielleicht können Sie mir das einfach im Nachgang nochmal schicken und dann verlinke ich das auch in den Shownotes, weil das ist natürlich super interessant, klingt sehr spannend und wir wollen ja auch von anderen Best Practices lernen, also von daher schauen wir uns das gerne ein bisschen näher an. Wenn wir auf die modernen Lernformen insgesamt mal schauen, was denken Sie denn, welche Entwicklungen kommen, was wird da in den nächsten Jahren besonders relevant sein?

Ich glaube, das haben wir jetzt auch schon gut gestriffen. Also es ist mit Sicherheit einerseits das personalisierte Lernen, also mithilfe der Möglichkeiten, die Digitalität bietet. Einfach auch aus den Punkten, die ich vorhin schon gesagt habe. Wir wissen ja beispielsweise, dass Lernen besonders erfolgreich ist, wenn es exakt am Vorwissen anknüpft, wenn das Feedback im Lernprozess kommt. Und das sind natürlich alles Dinge, die kann eine Lehrperson vor 20, 30 Kindern nicht so realisieren wie ein digitales Gerät. Die Qualität von beispielsweise KI-Feedback und so weiter und so fort ist ja heute schon sehr gut. Also ich gehe davon aus, dass das sich in den nächsten Jahren weiterentwickelt. Und gleichzeitig wünsche ich mir als Mutter und auch für unsere Gesellschaft, dass als Gegengewicht, das soziale Lernen, als projektbasiertes Lernen, als erfahrungsbasiertes Lernen, dass das sich genauso weiterentwickelt. Denn natürlich möchte ich nicht, dass meine Kinder in der Schule auch die ganze Zeit vor digitalen Endgeräten sitzen. Das muss sich gut ergänzen und gut begleiten. Wenn es wirklich so ist, dass Kinder...

Erfolgreicher lernen, weil sie beispielsweise KI-gestützt begleitet werden, dann haben wir sicherlich als Gesellschaft die Verantwortung, dieses Potenzial zu heben und müssen dann eben auch den Wert des Sozialen, den Wert der 4K, der Kollaboration, der Kreativität, all das muss sozusagen ein gutes Gegengericht sein. Welche Rolle möchten Sie in diesem Prozess mit dem Bildungscampus Saarland übernehmen? Wir haben, glaube ich, da ganz viele Rollen. Zum einen sind wir sicherlich Multiplikator. Also was wir an Schulen sehen, da passiert ja so unglaublich viel. Da passiert so unglaublich viel Gutes. Und ich glaube, diesen wunderbaren müssen ja nicht mal Best Practices sein, Good Practices reichen. Also Perlen, die wir haben, diesen Perlen müssen wir eine Bühne bieten. Wir müssen zeigen, wo die Dinge gut laufen, um auch einfach diesen ressourcenorientierten Blick zu kultivieren, der gerade in Bezug auf Schulen oft ja nicht besonders ausgeprägt ist. Also Schulen werden ja oft kritisch gesehen. Ich verstehe es, aber ich verstehe es nicht nur. Es passiert so viel Wunderbares und dieses großartige Engagement, was viele Lehrkräfte, viele Schulleitungen jeden Tag von Neuem beweisen, das ist im Diskurs auf jeden Fall, kommt es viel zu kurz.

Das heißt, das ist sicherlich eine ganz wichtige Sache. Also Schulen so zu vernetzen, dass das, was sie Gelingendes voranbringen, dass das sichtbar wird und dass dieses Engagement und diese Kompetenz, die da steckt, sichtbar wird. Das Zweite, womit ich vielleicht auch wieder an den Anfang anknüpfen will, ist, ich sehe unsere Rolle natürlich schon darin zu sehen, was die Forschung über gelingendes Lernen, über wirksame Lernkultur bedeutet, zu bieten hat und das in die Schulen zu tragen. Auch das Stichwort lebenslanges Lernen ist da sicherlich ganz relevant, weil die Welt ändert sich schnell, die Forschung geht weiter und als Lehrkraft gehört es sicherlich genauso wie beispielsweise bei Ärztinnen und Ärzten einfach dazu, dass man sich fortwährend fortbildet und unsere Angebote müssen da immer hochwertig und up-to-date sein.

Und ich glaube, worin ich so meine größte Rolle sehe, ist in der Sensibilisierung für die Themen, über die wir beide hier heute gesprochen haben. Also diese Sensibilisierung für die Verantwortung im Gesamtgefüge. Bildung ist so unglaublich wichtig und es gibt so wenige Berufe, die wichtiger sind als Lehrerin, Lehrer, Schulleiter, weil wir einfach die Gesellschaft von heute und morgen, wir halten die Gesellschaft von heute zusammen, wenn wir uns gut um die Schülerinnen und Schüler kümmern und wir bereiten die Gesellschaft von morgen vor. Das ist so unglaublich wichtig und deswegen möchte ich gerne.

Dass der Bildungscampus auch ein Ort ist, der einfach diese Leistung anerkennt, aber eben auch die Menschen anerkennt. Die Bildung gestalten, sensibilisiert für die Veränderungen, die da passieren und ihnen hilft, ihre Rolle darin verantwortungsbewusst zu füllen. Ach, jetzt bin ich ganz erfüllt. Das haben Sie so schön, so ein Roundup gemacht und ich finde das auch so wichtig. Es gibt, so oft wird geschimpft auf die Schulen oder auf die Lehrkräfte. Die Schulleitung macht das nicht richtig und ganz ehrlich, wir sind auch alles Menschen und jeder bemüht sich, das Bestmögliche zu leisten und weiterzugehen und dran zu bleiben. Es ist ganz wichtig, dass das auch einfach mal gesehen und anerkannt wird. Also vielen Dank dafür auch nochmal an der Stelle. Und dann zum Thema Anerkennung würde ich gerne auch nochmal wissen, auch natürlich Anerkennung für Ihre Arbeit, weil ich das wirklich wichtig finde, dass es so ein Angebot gibt, was so umfassend arbeitet. Ich wünsche mir, dass das auch in die anderen Bundesländer kommt. Und ich unterstelle einfach mal, Sie haben schon irgendwie einen tollen Job. Hört sich das aus meiner Perspektive an. Was motiviert Sie denn persönlich an Ihrer Arbeit am meisten? Mich motiviert am meisten, wenn ich das Gefühl habe, dass ich jemanden tatsächlich begeistern konnte, wenn ich jemandem Möglichkeiten biete, die er vorher nicht hatte, zum Besten der Kinder.

Also das ist das Wunderschöne. Wir gestalten hier die Bildung von einem ganzen Bundesland mit. Auch ein kleines, gegebenerweise, aber ein sehr schönes. Und das, was wir tun oder nicht tun, entscheidet darüber, was Lehrkräfte tun und nicht tun und entscheidet darüber, was Schülerinnen und Schüler können oder nicht können. Und diese Möglichkeit, wirklich Bildung mitzugestalten, Lehrkräfte zu befähigen, damit es Schülerinnen und Schülern gut geht. Das finde ich einfach ganz sinnstiftend und wunderbar. Wenn Sie sich etwas für die Zukunft der Bildungslandschaft wünschen könnten, als letzte Frage, was wäre das? Wieder stärker die Kinder zu sehen. Die Kinder sind das, um das es geht. Um die es geht. Das ist sicher das eine. Und dann vor allem wirklich zusammen daran zu arbeiten, wie wir gute Bildung, beste Bildung in der Verantwortung für jedes einzelne Kind gestalten können. Denn ich glaube, dass diese Netzwerkarbeit in der Geschwindigkeit der Transformation, in der wir uns befinden und in der Disruption, in der wir uns befinden, dass angesichts dieser Geschwindigkeitszusammenarbeit unerlässlich ist. Wunderbar. Ganz herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Dr. Limburg und weiterhin viel Erfolg in Ihrer wichtigen Arbeit. Danke sehr.

Das war unser erstes großes Interview für 2026 und wir haben gesagt Ja des Lernens. Das Lernen war ein großes Thema. Jola, wenn du an dieses Gespräch mit Dr. Annika Limburg jetzt nochmal zurückdenkst und das mal wirken lässt, was ist für dich der zentrale Gedanke? Also zum einen muss ich dir mal vorausschicken, dass ich das Gespräch als sehr bereichernd und sehr angenehm mit ihr empfunden habe. Du hattest es gesagt, man hat es ja auch gemerkt, ich habe das alleine mit ihr geführt und man weiß auch nie genau, welche Dynamik sich in so einem Gespräch ergibt. Aber das war unglaublich spannend, ihr zuzuhören. Er hat mich an vielen Stellen auch sehr überrascht und sagte danach auch so ganz nett, oh Mensch, ich hätte auch so gerne ein bisschen länger mit Ihnen geplaudert. Ich glaube, wir haben noch vieles zu besprechen. Humorvoll, ne? Genau, sehr humorvoll, sehr frisch. Und wir haben gesagt, wir werden gerne da bei Zeiten mal wieder dran anschließen. Aber um deine Frage zu beantworten, Gerd, für mich ganz klar der zentrale Gedanke, Bildung wirklich vom Kind auszudenken.

Also nicht so als Schlagwort, sondern wirklich als Maßstab. Also Annika Limburg hat immer wieder geprüft, spüren die Kinder eigentlich Sinn, Relevanz und Bedeutsamkeit? Und daran wurde dann halt alles andere gemessen, sprich die Digitalisierung, KI, MIN, Strukturen. Und das hat für mich dem Gespräch eine große Klarheit gegeben. Es ist ja wie so ein roter Faden, der sich durch ganz viele Interviews sieht, also die wir jetzt schon gemacht haben. Sie hat auch sehr deutlich gemacht, dass Bildung in der Digitalität keine Technikfrage ist, sondern eine Kulturfrage. Also ich muss jetzt nicht aufzählen, Stefan Rupala, Annika Osthoff und wem wir hier schon alles hatten über die letzten zwei Jahre. Das kommt immer wieder. Gleichzeitig ist diese Kultur zu integrieren oder zu generieren oder zu etablieren, fällt unheimlich schwer in Schule.

Ja, ich denke, es ist wirklich so, dass wir aufhören müssen, über Tools zu reden, bevor wir über die eigentliche Haltung zu Ihnen sprechen. Also digitale Bildung beginnt mit Zuhören, mit dem Ernstnehmen der digitalen Lebenswelt von Kindern. Also in welcher Welt stecken sie eigentlich wirklich drin? Nicht, was wir als Erwachsene denken, sondern lass sie doch mal reden und erzählen, wo sie sich eigentlich gerade so geistig befinden. Und Dr. Limburg hat gezeigt, es geht einfach darum, Räume zu schaffen, in denen Kinder über ihre Erfahrungen sprechen können. Und das natürlich auch ganz analog. Das ist ja ganz wichtig bei all der Digitalität, über die wir sprechen. Du hast vorhin auch nochmal den Digitalpakt 2.0 angesprochen. Wir dürfen ja das Analoge nicht dabei außer Acht lassen und das wollen wir bei den Digis auch nicht, sondern es geht immer um eine gesunde Balance, um einen Mehrwert, den die Digitalität schafft. Und ich denke, das ist jetzt in dem Gespräch auch nochmal sehr deutlich geworden. Ja, beides hat seinen Platz. In der Kultur der Digitalität, sie nimmt die ganze Lebenswelt der Schüler in den Blick. Darum geht es. Und wir müssen natürlich auch über Dinge nachdenken. Das hat sie ja auch sehr kritisch angesprochen mit den 80 Stunden.

Ja, wie lassen wir die Kinder in dieser Welt auch allein? Und das ist für mich auch eine Frage, über die ich jetzt viel nachgedacht habe, wo ich mich auch mit Smarter Start nochmal beschäftigt habe. Da hatten wir im März, glaube ich, das Interview und verfolgt das auch so intensiv, bin auch im Austausch. Ja, wir brauchen die Regulierung, hundertprozentige Zustimmung. Auch was Smartphones betrifft im Unterricht oder in den Schulen und auch was Social Media betrifft. Aber was nicht passieren kann und was ich auch selber erlebt habe, ist gleichzeitig die Abwertung von Schülerinnen und Schülern. Also wenn ich sage, das ist sowieso alles Mist, was du machst und du bist nur am Handy und du zockst nur rum, da werde ich keine Vertrauenskultur bekommen. Und ich möchte jetzt ein Beispiel machen, ist jetzt noch gar nicht so lange her, wenn der Podcast kommt, circa eine Woche. Da haben wir in Milkenburg-Vorpommern, wurde von der Polizei aufgedeckt, dass es in Chats Kinder unter Druck gesetzt wurden, also zu schlimmen Taten, also selbstverletzenden Verhalten aufgefordert wurden und ähnlichen.

Das heißt, wenn ich jetzt aber sage, dann zockt doch einfach nicht, wird dann das Kind zu mir kommen und sagen, ich habe da was Schlimmes erlebt? Nein, ich muss sagen, was beschäftigt dich, muss ihm verdeutlichen, es tut dir nicht gut, aber ich muss eine Kultur haben des Vertrauens, wo darüber geredet werden kann. Ich glaube, das ist das Wichtige. Und gleichzeitig braucht es auch die Regeln, ja, und auch die Verbote und harte Strafen gegen Anbieter, die so etwas zulassen. Ja, absolut. Also man kann ja einfach sagen, dass Kinder Erwachsene brauchen, die zuhören, ohne sofort zu bewerten oder zu kontrollieren. Das ist ja das, was Silke Müller auch öfter mal sagt. Wenn man als Erwachsener sagt, dann nehme ich dir dein Handy weg, dann wird das Kind kein zweites Mal kommen, weil das ist ja auch ein sozialer Austausch, der über dieses Gerät stattfindet. Und natürlich möchte das Kind den nicht aufgeben. Aber wir haben ja da auf der anderen Seite auch in der Schule eine riesengroße Chance. Das muss man ja auch mal sehen.

Denn Schule kann genau dieser Schutzraum sein. Ob es jetzt eine Social Media Sprechstunde ist oder einfach das Angebot der Lehrkraft, mal darüber zu reden oder privat persönlich ins Gespräch zu gehen mit einem Kind. Dafür ist die Schule ja auch da, um das anzubieten und zu gewährleisten. Das finde ich einen wunderbaren Gedanken auch, dass wir da so eine Art Safe Space anbieten können, wenn wir wirklich den Kindern gegenüber offen sind. Und Digitalität müssen wir auch mit dem Thema Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit denken. Das hat Dr. Annika Limburg ja auch angesprochen. Und sie hat in diesem Zusammenhang vom Matthäus-Effekt gewarnt. Warum ist das so relevant? Naja, sprachstarke Kinder können die KI ja viel leichter steuern als Kinder, die der Sprache nicht so mächtig sind. Wir wissen ja, dass es auf das Prompten ankommt, um das richtige Ergebnis zu bekommen. Von daher muss man ja auch sehen bei KI, es geht so in beide Richtungen. Also wir können natürlich Chancen erreichen, wir können Bildung gerechter machen oder aber auch ungerechter. Und wenn Schule hier nicht ausgleicht, öffnet sich diese Schere weiter. Und Dr. Limburg hat das ja sehr klar als Auftrag formuliert. KI muss pädagogisch so eingesetzt werden, dass sie Chancengerechtigkeit stärkt und nicht schwächt.

Dazu muss man nicht alles können. Wir kennen natürlich die Zahlen. Viele Lehrerinnen und Lehrer sind weiterhin skeptisch, was KI betrifft. Setzen sie nicht ein, haben da große Vorbehalte. Aber ich möchte noch mal Mut oder wir beide möchten noch Mut machen. Testet das aus. Alle Bundesländer stellen KI-Tools zur Verfügung kostenlos. Also die Ministerien, also darin kann man sich nicht verstecken. Es werden sehr, sehr viele Fortbildungen angeboten. Ich bin 100 Prozent davon überzeugt, dass Lehrerinnen und Lehrer sich damit auskennen müssen. Sie müssen nicht alles verstehen. Und ich nehme mal den Satz, den sie gesagt hat. Lehrkräfte müssen nicht alles wissen. Neugier reicht. Also so könnte eigentlich auch die Folge heißen. Ja, aber weißt du was? Als sie das gesagt hat, habe ich so gedacht, oh, hat sie schon mein Manuskript gelesen?

Das ist eigentlich auch so eine der Kernaussagen meines Buches. Genau dieser Gedanke, da geht es ja eher in Richtung, wie können Eltern ihre Kinder gut begleiten. Aber das ist eigentlich der Punkt. Wir können nicht immer jedes KI-Tool kennen und wissen am besten, was kommt übermorgen auf den Markt und wie gehe ich damit um. Das ist einfach nicht zu machen. Aber was wir leisten können, ist neugierig bleiben, offen bleiben, zuhören und uns anbieten. Das ist einfach etwas, was man sowohl als Elternteil als auch als pädagogische Fachkraft machen sollte. Sich diese Offenheit selber auch zutrauen. Und damit, finde ich, ist der Druck genommen, Experte und Expertin für alles und Mögliche sein zu müssen. Das finde ich wunderbar. Wie bitte? Experte für alles. Ich glaube, es ist so eine Fernsehsendung. Experte für alles. Ja, aber du hast doch manchmal das Gefühl, du musst bei KI Experte für alles sein. Findest du nicht? Ja. Ja. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr könnt mich gerne danach ghosten. Hört bitte diesen Podcast weiter. Ich hatte dann manchmal auch den Anruf, ich bin Lehrer, dass bei bestimmten Menschen dann sofort die Scheuklappen runtergefallen sind, weil sie dann auch schon wieder Angst hatten. Jetzt kommt Belehrung. Also wir haben ja manchmal auch so die Angewohnheiten, ich glaube, es gibt noch ein, zwei andere Berufsfelder, Ärzte.

Sollen wohl auch dazugehören, die dann immer alles sehr genau wissen. Aber Lehrer sind, glaube ich, da auf dem Gorilla-Hügel der Allwissenheit ganz oben. Ja, aber das ist auch ein Schuh, den wir uns nicht immer anziehen müssen. Denn wir sind auch nur Menschen, es ist total fair, nicht alles zu wissen. Nein, müsst ihr nicht. ist es, in diese Rolle des Lärmbegleiters eigentlich reinzukommen und mitzuhören. Und des Zuhörers. Ja, zuhören, begleiten, da sein, offen sein, das ist doch das, was wir uns wünschen. Also ich finde letztlich, wenn du mich jetzt fragen würdest, was ist so die Essenz aus diesem Gespräch, was ich da so hauptsächlich mitgenommen habe, finde ich, dass wir wirklich gucken müssen in der Schule, ob alles, was wir tun, dem Kind dient. Das ist eigentlich so simpel runtergebrochen, aber das ist genau die Essenz, um die es doch in der Pädagogik geht, oder? Genau so ist es. Wir bleiben neugierig. Ich nehme das doch mal auf. Ihr müsst noch nicht alles wissen. Bleibt neugierig. Und wenn ihr neugierig bleiben wollt, dann abonniert doch diesen Podcast.

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