Vielleicht bekommen wir unseren heutigen Gast ja sogar noch mal vor das Mikrofon, denn wir nehmen ja beim DSLK auf. Werdet ihr auch ein paar Fotos sehen oder habt ihr sie vielleicht schon gesehen? Denn wenn die Folge jetzt kommt, ist der DSLK ja schon vorbei. Genau, wir sind natürlich wieder in unseren Sonderfolgen zum Jahresende bei HeyDiggis, So geht Lern heute. Unsere Top-Gäste präsentieren wir euch nochmal und wen der Gerd meint, das verrate ich euch jetzt. Denn wir freuen uns auf Stefan Rupaner, den ehemaligen Schulleiter der Allemannenschule Wut Oeschingen, der mit seiner Schmetterlingspädagogik wirklich ganz neue Maßstäbe setzt. Ja, Stefan, ich glaube, wo war er jetzt eigentlich dieses Jahr nicht?

Aber er war bei uns zuerst. Ja, absolut. Also er war im NDR, er war auf ProSieben, in der ARD, ja, in der Doku mit Viola zusammen. Da packen wir euch auch in die Shownotes noch einen Link, könnt ihr Stefan sehen. Aber auch Viola in voller Blüte. Ja, das war wirklich unabhängig von mir und auch Stefan. Eine tolle Doku auf ProSieben Dummdümmer Deutschland, heißt sie. Und ja, ist wirklich sehenswert. Warum habt ihr beide mitgemacht? Wir haben versucht, das Ruder rumzureißen. Ach so. Ja, genau. Nein, also wirklich sehenswert auch mit Reisen nach Singapur und Estland. Also sehr, sehr umfassendes Bild, was da gezeigt wird. Und von daher nur folgerichtig, dass wir heute den Stefan nochmal senden. Ja, die Folge wird jede Woche runtergeladen. Wir schenken sie euch jetzt nochmal, wir packen sie euch jetzt nochmal in den Adventskalender und jetzt geht's los.

Hey Diggis, so geht Lernen heute und heute haben wir ja einen Powergast zu Gast. Ja und zwar wirklich einen großartigen Mann, der in seinem bisherigen Arbeitstheben sehr viel bewirkt hat und weißt du was, wir haben bisher so viel über Stefan Rupana gesprochen. Und daher freue ich mich wirklich sehr, dass wir heute mal mit Stefan Rupaner sprechen können, dem mittlerweile ehemaligen Schulleiter der Allemannenschule in Wutösching. Und puh, ich glaube zu der Schule gibt es gar nicht mehr so viel zu sagen. Es ist eine der bekanntesten Schulen Deutschlands und das aus gutem Grund. Genau. Er hat seine Schule komplett auf den Kopf gestellt, komplett gedreht. Eine Schule, die geschlossen werden sollte, zu einer Vorzeigeschule gemacht. Daran können wir uns orientieren. Aber wir sollten gar nicht jetzt mehr so viel hier Vorgespräch machen. Wir sollten einfach mal reinsteigen in das Gespräch mit Stefan, oder? Wir fangen an. Ich bin super gespannt auf unseren heutigen Gast. Hey Diggis, so geht Lernen mit.

Stefan Rupaner ist einer der bekanntesten Pädagogen Deutschlands und der ehemalige Schulleiter der Allemannenschule Wut-Ösching in Baden-Württemberg. Er hat sich über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht, in dem er das Lernen an seiner Schule revolutioniert hat. Unter seiner Leitung wurde die Allemannenschule zu einer der innovativsten Schulen weltweit, die für ihre unkonventionellen Lehrmethoden und die Abkopplung des Lernens von traditionellen Strukturen wie Zeit und Raum bekannt ist.

Stefan Rupaner hat die Idee des gemeinsamen Lernens auf verschiedenen Niveaus gefördert und dabei auf Frontalunterricht und feste Prüfungstermine verzichtet. Stattdessen setzt er auf individuelle Lernwege und eine flexible Gestaltung des Unterrichts, was zu einer Auszeichnung mit dem Deutschen Schulpreis in den Jahren 2019 und 2021 führte. In seinem neuen Buch »Das könnte es Schule machen« teilt er seine Erfahrungen und Visionen zur Reform des Bildungssystems.

Zusammen mit der Journalistin Anke Willers beschreibt Stefan Rupaner, wie er als Schulleiter der Allemannenschule innovative Lehrmethoden eingeführt hat, die das Lernen wirklich grundlegend verändert haben. Und das Buch behauptet sich seit der Veröffentlichung im Februar 2025 durchgehend auf der Spiegel-Bestsellerliste. Dazu erstmal einen herzlichen Glückwunsch und natürlich herzlich willkommen, lieber Stefan. Hallo zusammen, Dankeschön für die einleitenden Worte. Ja, wir freuen uns, dass du dir Zeit genommen hast, jetzt auch noch als so erfolgreicher Autor mit uns zu sprechen über deine ganzen Erfahrungen. Und deine Schule hat ja bewiesen, dass Lernen auch ohne klassischen Unterricht und Klassenzimmer funktioniert. Das sind ja so die Strukturen, die wir eigentlich im Kopf haben, die wir selber kennen und die wir in vielen Teilen weitergeführt haben. Also wie muss ich mir denn das vorstellen? Wie kann ich das aufbrechen? Was sind die wichtigsten Elemente deines Schulkonzepts gewesen oder sicherlich jetzt auch noch? Wie wird Unterricht so aufgebrochen und komplett neu gestaltet? Also schon in deiner Formulierung, dass Lernen auch ohne Unterricht funktioniert, das ist schon das Witzige. Du wolltest ihn gleich provozieren, Viola. Ja, natürlich. Und genau ohne Unterricht funktioniert es ja. Das ist genau das Problem.

Weil Unterricht ist ja ein, was ist denn Unterricht? Unterricht ist, da überlegt sich einer vorher, was die Kinder in der nächsten Dreiviertelstunde zu denken haben. Und dann denkt der das vor und die denken das nach. Und das mag früher irgendwann mal funktioniert haben. Da war auch das Wissensmonopol oft bei der Lehrkraft oder bei dem Lehrenden. Und das ist ja immer weniger der Fall. Das heißt, Unterricht selber ist ja noch nie für Lernen geeignet. Das ist für Lehren geeignet, aber nicht für Lernen. Und wenn ich jetzt Kindern immer Unterricht gebe und immer denken, die das nach, was einer vorgedacht hat, das ist nur eine Stunde, sondern den ganzen Tag, die ganze Woche, das ganze Jahr, das ganze Schulleben. Und dann erwarten wir, dass am Ende selbstständig denkende Menschen rauskommen. Das kann ja gar nicht funktionieren. Lernen geht eben nur ohne Unterricht. Und deswegen haben wir auch früher schon den Unterricht aufgebrochen und haben gesagt, wir müssen Phasen haben, wo Kinder selbstständig lernen können oder mit was zu tun haben. Aber insgesamt widerspricht diese 45 Minuten genau dem Lernen.

Okay, da haben wir schon mal den ersten ganz spannenden Ansatz und dir auch einen Kern deiner Arbeit jetzt formuliert. Das klingt total sinnvoll, das klingt auch gut und nachvollziehbar, aber ich gehe jetzt gleich mal in die Vollen. Ich bin ja selber Englischlehrerin, ich kenne verschiedene Kollegien und ich weiß, es gibt immer diejenigen, die sagen, das klingt super, lass uns das mal probieren. Das macht auch von der Lärmpsychologie her Sinn. Und ich denke mir, es gibt doch auch natürlich diejenigen Kollegen und Kolleginnen, die eher vorsichtig sind, um es mal so zu formulieren. Die sagen, ach nö, und es hat doch eigentlich immer funktioniert. Und wie soll denn das? Es läuft aus dem Ruder. Das kann ja alles gar nicht klappen. Also sind das jetzt nur meine Erfahrungen? Wir müssen doch den Test schreiben.

Wie sollen die Kinder denn den Test schreiben? Eben. Also von daher, sind das jetzt Widerstände, die nur ich aus meinen Regelschulen kenne oder sind das auch Themen, die dir begegnet sind? Und wenn ja, wie bist du damit umgegangen mit diesen Widerständen? Also natürlich, wenn du sagst, oder wenn der jemand sagt, das funktioniert doch alles gut, dann soll er es doch so weitermachen. Aber sind wir denn deutschlandweit so zufrieden mit dem System Unterricht? Und wenn einer das so gerne macht, soll er es doch machen, ich will ja keinen missionieren. Allerdings haben wir an unserer Schule schon andere Rahmenbedingungen geschaffen. Das heißt, bei uns muss ich schon sagen, wenn du weiterhin als Alleinunterhalter vor den Kindern stehen willst, wenn du deine Bühne brauchst, das ist voll in Ordnung. Aber dann ist die Allemannenschule eben nicht mehr der richtige Platz für dich. Und wenn das super funktioniert, und das glaube ich ja manchen, dann sollen die das halt weiterhin so super machen. Unser Blick geht aber nicht darauf, was der Lehrer macht. Nicht der Lehrer muss zufrieden sein, sondern die Kinder müssen zufrieden sein. Du für dich zufrieden bist mit dem Unterricht und du bist da glücklich, ist das schön für dich. Und wenn dann die Kinder auch noch glücklich sind mit dem, was du mit ihnen machst, dann ist ja alles im grünen Bereich, dann mach doch weiter so. Aber wir haben eigentlich nur drauf geschaut, mit den Kindern geredet, was macht für euch Sinn? Wie ist das Leben für euch schön? Was kann ich machen, dass du morgens gerne in die Schule kommst? Und auf lange Frist, so wie Happy Wife, Happy Life ist Happy Kinder.

Die glücklichen Kinder an der Schule zu haben, ist ein schönes Lehrerleben. Es ist einfach richtig schön, mit denen zusammen zu sein. Wenn man denen klar macht, ich mache es doch für dich. Ich mache es doch für euch. Wir machen es alle für euch. Und das ist, glaube ich, im Laufe der Jahre aus dem Fokus geraten. Für wen wir das eigentlich alles machen? Gerd, du kannst gerne was erzählen.

Wir haben ja zum Beispiel Demokratietage bei uns in der Schule gemacht. Das ist Wut-Oschingen. und das ist das Niveau, was bei euch tagtäglich ist. Aber für uns ist es schon mal, ist auch eine große Herausforderung, viel zu planen. Da fantastische Kolleginnen und Kollegen, da sind auch Schüler, Eltern mit dabei, die das mit vorbereiten. Und dann kam so der Vorwurf, naja, aber die meisten Kollegen waren ja im Vorfeld dagegen. Also das brauchen wir nicht nochmal machen. Die Kinder waren aber zufrieden. Also da ist ja genau dieses Verständnis, es geht um die Kinder und nicht um die Kollegen zufrieden. Die müssen auch zufrieden sein, Aber das glaube ich, das ist ja der nächste Schritt, der dann kommt, wenn du die Lernkultur an der Schule, wenn du eine Kultur veränderst. Und das musst du halt schaffen. Es ist auch eine Frage von Autorität. Ich entschuldige, dass ich jetzt ganz kurz nochmal auf eine andere Folge zurückgehe, die wir vor kurzem gesendet haben mit Marie Bäumer, mit der Schauspielerin, die mit Pferden arbeitet und die sagt eben auch, Autorität funktioniert nicht.

Mit Autorität funktioniert hier nichts, da kannst du nichts lernen. Ich meine, das sagt, das wissen wir ja. Worauf Viola hinaus will und was ja, ich sag mal, Wut-Ösching, ganz klein, ganz viele Kollegen landesweit erleben, die was anschieben wollen, die ein kleines Projekt umsetzen wollen, die eine Veränderung wollen. Manchmal scheitert der Schulleiter oder die Schulleiterin am Kollegium, manchmal scheitert der Kollege oder Kollegin an Schulleitern. Ich erlebe immer beides, ich kenne alle Geschichten, egal wo ich auftauche, werden einmal diese Geschichten erzählt. Wie war das bei dir? Also welche Resilienz musstest du haben, um das durchzuhalten? Du wirst ja auch Leute gehabt haben, wir wollen das nicht. Da ist ja eine Rolle. Ich habe ja Macht als Lehrer, wenn ich da vorne stehe. Ich habe ja Macht, wenn ich eine Klausur schreibe, einen Test schreibe. Englisch ist ein super Beispiel.

Also als wir dann alle angefangen haben mit Englisch, haben die halt die Sprachen oder viele Sprachen gesagt, Stefan, ist ja alles gut und recht. In Mathe funktioniert das, wenn du selbst in den Lernmaterialien. In Sprachen geht das nicht. Die brauchen das sprachliche Vorbild. Die brauchen die Lehrkraftwerke, die mit ihnen Englisch redet und auch korrigiert, wenn sie was falsch reden. Anders geht das nicht. Das geht nur in dieser Form. Ich musste selbst in die Englischfachschaft gehen, damit sich die durchsetzen konnten, die eine andere Meinung hatten. Die gesagt haben, es geht mit selbstsorgisierten Lernen. Inzwischen bin ich so weit, dass ich sage, in der 8., 9. Klasse ist eigentlich besser, ich sage denen, du guckt doch immer alle gemeinsam.

Irgendeine Netflix-Serie auf Englisch, die ihr halt super cool findet und redet da drüber und macht ein kleines Theaterstück draus oder schreibt ein Skript drüber. Aber guckt die ganze Zeit solche Sachen an. Macht was auf Englisch, was euch Spaß macht und schaut durch den Bildungsplan, ob da was von Irland oder USA oder weiß Gott was drin steht. Schaut, was euch interessiert, weil wir können nur einladen, ermutigen und inspirieren. Wenn einer auf was keinen Bock hat, dann kommt auch nicht viel dabei raus. Und ich finde es so, und in Englisch haben wir jetzt Lernpakete und da ist irgendein Film als Grundlage oder ein Bericht oder ein Buch, ein richtiges Buch, also kein Englischbuch, sondern ein Weltliteraturbuch, The Giving Tree zum Beispiel von Seth Silverstein, dann lesen die halt dieses Originalbuch und können das anhören von einem Native Speaker, der bei allem Verlaub nicht schlechter spricht als die meisten Englischlehrer in Deutschland. Wahrscheinlich sogar viel besser. Es ist eine motivationale Sache. Nur Vokabellernen sinnfrei macht keinen Bock. Darum sage ich auch, jeder muss seinen eigenen Wortschatz haben. Wenn es einer mit Fußball hat, dann muss er halt wissen, was ein Penalty ist. Und ein Kind, das gerne reitet, sollte halt vielleicht ein Steigbügel wissen auf Englisch oder andere Sachen, wenn sie über ihr Leben und über ihre Vorstellungen redet. Eigentlich ist es sehr einfach. Nicht alle das Gleiche.

Weswegen ich meinen, alle müssten das Gleiche wissen. Dann haben wir Riesenchancen. Verstehe ich. Gerade die Wortschatzarbeit ist ja auch komplett elementar in den Fremdsprachen. Aber trotzdem, wenn du jetzt sagst, naja, was sollen wir jetzt gucken, was jetzt da gefordert wird, Irland, USA, wie auch immer. Es gibt ja immer noch einen Rahmenlehrplan. Also irgendwie müsst doch auch ihr euch an den halten. Oder habe ich dafür jetzt vielleicht irgendwie was verpasst? So ganz frei ist man doch nicht in der Gestaltung. Natürlich halten wir uns an den Lehrplan. Das heißt, alle Sachen, die es im Lehrplan sind, werden ja angeboten. Das heißt, wir machen es genau gleich wie die normalen Schulen. Die bieten ja auch alles an. Nur muss man da drin sitzen und schaltet ab während dem Unterricht. Und bei uns kann man es schon vorher sagen. Das Thema mag ich nicht. Aber bloß, dass ich Unterricht mache, heißt ja nicht, dass Sie das alle wissen. Das ist ja ein Riesenunterschied. Und anbieten tun wir ja auch alles. Alles, was in Bildungsplänen ist, kannst du mit Materialpaketen lernen, wenn du daran eine Freude hast. Und wenn du keine Freude hast, dann machst du halt etwas anderes Schönes.

Im Unterricht ist es so, dass du dann da drin sitzen musst und halt etwas anderes denkst, aber einfach nicht mitmachst. Also letztendlich ist es auch nur ein Anbieten von Unterrichtsstoff im Unterricht, genau gleich wie es wir machen, da ist gar kein Unterschied. Wir sind aber beim Lernmotor jetzt auch so ein bisschen und die Motivation und Sinnstiften. Du hast gerade über Englisch gesprochen, da sind die Befunde ja klar, das sehen wir überall. Eine der wenigen Momente, wo in Corona, ein Corona-Gewinner war die Englisch-Kompetenz, obwohl dann der Vorwurf oft von Kollegen auch kommt, aber die Grammatik, die Grammatik können die Kinder ja nicht. Und es ist kein British-English, auch das, das stört immer noch viele Englischlehrer, das ist dann eine komische Ausprache. Aber jetzt reicht das auch. Also natürlich nicht die Englischlehrer, die hier uns hören. Ihr seid alle top, ihr seid top-Leute. Ihr habt schon eine richtige Entscheidung getroffen, ihr hört unseren Podcast. Vielleicht auch nur wegen Stefan, auch dann ist es alles super. Aber jetzt kommt eine Sache, eine ganz kleine Anekdote. Ich habe nach dem Abitur im Heidepark Soldau, vielleicht war auch schon ein Jahr war dazwischen, habe ich als Karussellknecht gearbeitet, Karussellbetreiber mit einer Kollegin zusammen und die las dann auch immer Comics auf Englisch, 9. Klasse Hauptschule, das war in den 90ern und dann waren da ja auch amerikanische und englische Soldaten noch stationiert und die konnten mit denen, ich habe Abitur gehabt, ich habe eine 2 gehabt in Englisch. Ich habe keinen Radebrecht vernünftigen Satz rausgekriegt und wenn dann englische Gäste kamen, hat die das gemacht. Und ich sage, ey, du machst das super. Ich sage, wie kommt das?

Naja, mein Freund ist Amerikaner. Und wenn man etwas liebt, dann lernt man das auch. Das ist mir jetzt gerade eingefallen, weil das eigentlich ein super Bild war. Die hat sicherlich, vermutlich hat sie in Englisch eine schlechte Note gehabt zu Schulzeiten. Aber sie hat es gelernt, weil sie es brauchte, weil sie einen Sinn gesehen hat. Und sie hat diese Comics halt gelesen. Und sie hat mir immer herzlich noch Comics geschenkt, weil sie so ein Fan war. Das ist aber eine andere schöne Geschichte, falls ihr das hier hört. Herzliche Grüße.

30 Jahre her. Bei dir geht es ja auch ganz viel über die Motivation. Jedes Kind hat einen eingebauten Lernmotor, sagst du. Die natürliche Lernfreude muss gefördert werden. Kannst du uns mal so ein paar Beispiele nennen, wie ihr das gemacht habt in Wutersching? Also, ja, wie wir es aktuell noch machen. Also, wir sagen zum Beispiel, wer Bock hat, macht mit beim Musical. Können wir machen, weil wir gar keine Klassen haben. Dann melden sich wie dieses Jahr 88 Kinder. Und dann sagen wir, das und das Musik machen wir. Ihr könnt zum Casting kommen. Dann üben die im Vorfeld schon Rollen ein, die üben Lieder ein und haben ein Casting. Und dann müssen wir unter Top-Kindern aussuchen, wer die Solo-Rollen kriegt. Und dann müssen wir halt alle motivieren, dass die auch als Chor oder als Schauspieler oder als Vorhangzieher mitmachen, nur das Gesamte unterstützen. Da haben wir zwölfmal am Freitagmittag Probe. Zwei ganze Samstag und eine Samstag, Sonntag mit Übernachtung in der Schule. Dann sind da 88 Kinder mit Begeisterung dabei, weil sie es einfach cool finden.

Weil sie eine Freude haben. Die lernen die Texte auswendig. Bei uns ist dieses Jahr ein Kind so krank geworden mit einer Hauptrolle, dass man in der Morgenaufhörung gesagt hat, sie kann allerhöchstens schauspielern, aber sie bringt keinen Ton raus. Man hat ein anderes Kind, desynchron gesungen und gesprochen unten. Hat sich hingesetzt, hat der auf die Lippen geguckt. Also so wie im echten Schauspiel. Das heißt, alle die Kinder, die auch dann in zweiter oder dritter Feier stehen, können alle Texte, die können alles mitmachen. Die lernen da so unglaublich viel bei so einem Projekt, weil sie Bock haben, da hinzugehen. Dann haben sie gefühlt doch ein schönes Leben, weil es wahnsinnig Spaß macht. Und das ist ohne irgendeinen Unterricht. Wir müssen auch keinem eine Note geben. Wir stellen nur fest, du hast beim Musical dabei, und hat einer viel gemacht in der Musik, hat halt eine bessere Note, wenn wir dann eine geben müssen in den Klasse 10 und sonst hat man halt weniger gemacht, hat eine nicht so gute Note. Aber jeder kann es selber steuern und kann sagen, ich mache noch was.

Viele Sachen machen die auch bei uns nicht wegen der Note, sondern weil es Spaß macht. Wir müssen auch, mit den Noten ist ja was so Relatives und selbst wenn einer gar keine Musik belegt, dann sagen wir denen in Klasse 9, okay, wenn du Lust hast, kannst du noch Musik machen, damit ich irgendwas mitmache, singe ich bei Weihnachtskonzert, damit ich eine Musiknote geben kann. Aber wenn der es nicht machen würde, und wir hatten noch nie einen, der es nicht gemacht hat, dann würde es halt einen Metzgermeister geben, der nicht singen kann nebenher. Oder einen Chirurgen oder weiß Gott was. Oder wenn der Olympia im Sport dann die Goldmedaille gewinnt, singt er vielleicht falsch bei der Nationalhymne. Das ist aber nicht schlimm. Ja. Das ist es, weiß Gott nicht. Ja, das ist also, ich muss sagen, der Ansatz insgesamt ist so einleuchtend und so gut. Mich stört halt immer so ein bisschen wie so eine vermeintliche, also ja, ihr seid eine von diesen Leuchtturmschulen. Ich denke so, warum ist das noch nicht viel mehr in die Breite gegangen? Es ist ja eigentlich alles unterschreibbar, was du sagst und man sieht auch, ihr habt es vorgelebt und aufgebaut und es funktioniert auch. Also es müsste wirklich noch viel mehr davon insgesamt übernommen werden. Ich wollte jetzt gerne nochmal fragen, das ist eben auch in einem Nebensatz nochmal gesagt, wir haben ja keine Klassen.

Das ist ja aber eigentlich auch so ein elementarer Bestandteil unseres Schulsystems, Klasse 7a, bc, 1, 2, 3. Wenn ihr die nicht habt, wie muss ich mir das denn vorstellen, wenn die Kinder morgens in die Schule kommen? Wer weiß denn, wohin er zu gehen hat? Also erst mal kurz was zu Klassen. Die HETI-Studie gibt es seit zwölf Jahren. Die sagt, eines der Top-Sachen, die man realisieren muss, ist reziprokes Lernen. Das Lernen durch Lehren. Das heißt, dass einer, der was weiß, dem anderen erklärt, wie es funktioniert. Ah, da ist es sogar das Buch, ja.

Und das juckt uns nicht. Wir sperren alle das gleiche Nichtwissen in einen Raum. Welche Firma macht das so? Wer sagt, alle, die das nicht wissen, gehen in den Raum? Wir sagen, die Fünfer gehen da rein, die Sechser da, die Siebener da und schauen dann noch, dass sie dauernd Unterricht haben und sich kaum begegnen können, auch in den Pausen, da gibt es eine Fünf-Minuten-Pause, da muss man was festmachen. Wir halten künstlich alle voneinander getrennt. Das zieht sich aber hin bis zur Gesellschaft hoch. Die Senioren sollen in das Haus, die Zupflegenden gehen in das.

Die Leute haben in der Schule nichts verloren und wir machen genau das Gegenteil. Wir sagen, Lernhelfer, kommt doch in die Schule. Wir haben Senioren, alte Leute, Mütter, Ingenieure, die sich ein paar Stunden Zeit nehmen, die machen Termine. Jetzt bin ich auch übrigens ein Lernhelfer, macht super Spaß, macht Termine mit Kindern in der Schule, um etwas zu lernen. Mache ich Unterricht? Möchte ich nicht die zwei von der Muppet Show hinten drin sitzen haben? Unterricht verhindert alles. Und wir trennen künstlich. Das heißt immer, um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf. Es gibt so ein Sprichwort. Ja, wir sperren das ganze Dorf aus und geben uns die größte Mühe, dass selbst ein Fünfklässler mit einem Sechstklässler nicht lernen kann und dass die immer unterschiedliche Wege auch noch in der Schule laufen. Wir verhindern mit unserem System eigentlich das Lernen. Ja, das ist einer von diesen meist zitierten Bullshit-Sätzen.

Die dann auch gerne in so Abschlussreden gesagt werden, genauso wie, jetzt seid ihr frei und flüge und benutzt Freiheit. Wenn die Kinder morgens kommen, dann kommen sie entweder zur ersten Stunde oder zur zweiten Stunde, kommst du mit dem Broadcaster auf Musik, dann kannst du Montagdienst, Donnerstag Bläser, Mittwoch, Freitag Chor machen. Und dann kannst du, manche kommen auch erst zur zweiten Stunde, manche kommen aber auch schon um sieben und lernen einfach schon mal im Lernatelier. Wir haben keine Aufsicht und nichts, aber irgendwelche Lehrkräfte sind immer irgendwie da. Dann holen die ihr Materialien, die wissen es über die digitale Lernplattform, was sie zu tun haben. 8.15 Uhr begrüßt man seine Lernbegleiterin oder den Lernbegleiter sagt Hallo, dann weiß der, dass man da ist. Und dann lernen die was. Und dann haben sie ja jede Woche ein Coaching und im Coaching-Gespräch wird abwärts.

Berichtet das Kind, was es denn die Woche so vorhat. In Deutsch mag ich das machen, in Mathe das, in Englisch das, beim Club läuft es so und so, zu dem und dem habe ich jetzt gerade keine Lust. Dann wird es aufgeschrieben und festgehalten und eventuell kommentiert, aber eher eigentlich nicht, sondern nur, wenn es seit einem Monat kein Mathe mehr gemacht hat, dann könnte der Lernbegleiter mal sagen, du, ich finde es super, wie du alles vorankommst, aber du bist dein Berufswunsch immer noch Tierarzt oder willst du eher auf Tierpfleger wechseln, weil du nie Mathe und du musst dann mal studiert haben, dann musst du in die Oberstufe kommen. Also so eher, wir sagen dann, unterstützend. Aber allein schon, dass ein Lehrer, eine Lehrkraft, die jetzt Lernbegleiter ist, signalisiert, ich habe dich lieb. So wie du bist, bist du super. Und es ist okay, wenn du keinen Bock auf Musik oder auf irgendwas hast. Wir finden irgendwas, was für dich gut ist. Oder du kannst dir auswählen, du kannst dein Ding machen, dein Leben kannst du leben. Bei uns, allein das schon signalisiert und ich habe dich auch lieb, wenn du gar nichts machen willst, dann ist das auch okay.

Das hängt nicht davon ab. Wenn man die Sachen grundsätzlich klar macht, dann geht das voran. Und das selbstständige Lernen und das Besuch von Inputstunden, die freiwillig sind, ist morgens. Und mittags ist dann Clubangebote. Heimatclub oder Bienenclub oder in den Wald gehen oder andere Sachen machen. Und manchmal ist die ganze Woche Baumhaus bauen im Wald, wenn du das gewählt hast. Und wir können halt solche Sachen machen, weil ja kein Unterricht ausfällt. Vorletzte Woche war Musicalwoche, da waren wir immer in der Klosterschule zum Üben mit 88 Kindern. Die konnten da wegbleiben, weil nichts ausfällt in der Schule. Dadurch, dass wir immer Unterricht machen, heißt immer, in Anführungsstrichen, da fällt was aus, wobei ja da auch nichts letztendlich ausfällt. Man muss halt Abschied nehmen von der Schule als Ort des Lehrens. Es ist ein Ort des Lernens. Und das ist die Aktivität beim Kind. Wie finden sich aber solche Kollegen bei dir wieder oder Kolleginnen, die eben sehr gute ErklärerInnen sind? Sind die dann vor allem in den Inputstunden unterwegs? Weil wir haben ja diese Motivation. Jetzt müssen wir uns hier nichts vormachen, Stefan. Das hört hier jeder. Du bist ein fantastischer Erklärer. Und es fällt mir jetzt sehr schwer, dass ein Stefan Rupaner nur ganz still da sitzt und nichts sagt. Und vielleicht einmal hingeht und sagt, schau doch mal drauf. Also du bist ja auch jemand, der stark über die Worte kommt. Also die Kollegen können dort ihrem Interesse auch nachgehen und auch nochmal richtig etwas erklären, ein Experiment vormachen mit den Schülern.

Etwas machen und dann vielleicht auch eine andere Rolle schlüpfen. Ich frage dich einfach nur, weil ich war bei euch noch nicht. Also bei uns arbeitet immer die Quadriga zusammen. Eine Quadriga sind vier Leute. Jeder hat eine Lerngruppe. Zwei davon haben eine Fünf- bis Siebener zum Beispiel und eine andere zwei eine Acht- bis Sehner-Lerngruppe. Die können zwischen ihren Kindern Kontakte herstellen, wenn jemand was braucht. Jeder, unsere Lernbegleiter, Lernbegleiter sind Lehrer, jeder bekommt ein psychologisches Profil. Das machen wir mit jedem. Das macht der Mauro Minelli aus der Schweiz. Das ist auch für große Firmenfach, für Nestlé oder weiß Gott wo, der macht für jedes ein psychologisches Profil. Und wenn du dann feststellst, ich bin der super Inputgeber, dann bist du im Team in Absprache, der da viel mehr Inputs gibt. Ein anderer kann besser coachen, ein anderer kann besser die Listen schreiben und die Gelder einsammeln für den Ausflug oder noch andere Sachen machen. Die Quadriga muss sich selbst erkennen, wer macht was. Ich bin kein Englischlehrer, aber ich war immer der, der in Klasse 5, 6 im Englischteam dabei war und halt mit der Gitarre englische Lieder gesungen hat. Das konnten alle anderen nicht, aber ich sehr gut. Ich war nicht der Spezialist im Grammatik erklären, weil ich es selber nicht blickte. Aber ich konnte... Als Vorbild dienen, dass man auch leben kann, ohne Grammatik zu können. Es ist möglich, ich kann das bestätigen. Ja, Vorbild und Haltung, da sind wir ja wieder bei dem Begriff Vorbild und Haltung außer Pädagogik. Wie das funktionieren kann, ich muss mir das nochmal überlegen mit meinem Rückblick.

Ist ja durch jetzt. Wenn das gesendet wird, ist es durch. Ich habe direkt schon wieder Lust anzufangen. Also da würde ich sofort wieder anfangen, wenn ihr da mal eine Praktikantenstelle habt. Komme ich mal, würde ich gerne mal Praktikum bei euch machen. Wir machen eine Hochschule. Wir gründen gerade eine Hochschule. So mit der Karlshochschule in Karlsruhe.

Als Kopierassistent würde ich mich jetzt anbieten. Du könntest als Geschichtenerzähler oder als Kinderspieler. Wir brauchen ganz viele Sachen bei uns. Auch deine Talente. Ich habe endlich wieder eine Perspektive. Es geht voran. Stell dir mal an eine Sache, greife ich nochmal auf und dann kommen wir nochmal stärker zu deinem Buch. Der Raum als dritte Pädagoge. Kennen wir auch schon ewig und richten Unterrichtsräume genauso ein, wie sie früher immer waren, meistens. Das ist bei euch ganz anders. Und einen Punkt, da nenne ich jetzt mal einen Freund von mir, der Jens Nagel, der ist bei Hemse, das ist ein schwedisches Unternehmen und die machen zum Beispiel folgendes in Schweden, das hat er mir erzählt, die bauen Altersheime und Schulen und Kinder. Gemeindezentren in einem zusammen, weil da wird es genau umgesetzt und es hat viele Vorteile, angefangen davon, dass Rentner nochmal ihrem Bedürfnis nachgehen nach Kontrolle und Überwachung am Wochenende, da gibt es keine Graffitis an der Schule, aber eben auch Begegnungen, die sind nicht isoliert, die treffen auf die Generationen. Ihr habt ja auch euren Raum total verändert, es ist völlig anders als das, was man kennt, könntest du da wenigstens nochmal ganz kurz drauf eingehen. Wir haben den Raum auch deswegen verändert, weil solange du einem Lehrer ein Zimmer zur Verfügung stellst mit Präsentationsmitteln und Stühlen und Tischen, macht der Unterricht. Das ist in der DNA eines Lehrers drin. Der kann nicht anders.

Also musst du ihm den Unterrichtsraum wegnehmen. Und da gibt es nur noch Inputräume, da steht man. Und kein Lehrer hat für uns zwei Stunden da zu stehen. Das sind ganz einfache Mittel, mit denen man Unterricht unterbinden kann. Wir haben Lernateliers, da sitzen 250 Kinder drin, da ist es ganz leise, da können die leise lernen. Aber da kann keiner irgendwelche Anweisungen geben oder rumbrüllen. Das geht nicht. Deswegen haben wir die Raumstruktur komplett geändert. Wer kooperativ lernen will, geht in den kooperativen Lernbereich. Wer in den Inputraum will, geht in den Inputraum. Wer leise lernen will, bleibt im Lernatelier. Wer die entsprechende Graduierung hat, geht ins Freie, kann im Freien lernen. Wer sich bewegen will, bewegt sich. Wer im Liegen lernen will, lernt im Liegen oder legt sich neben den Schulleiter auf den Boden.

Wir haben auch Schlafräume bei uns. Die Oberschulenschüler nutzen die auch echt. Ich brauche nicht mal einen Schlafraum, weil ich gehe einen Stock höher, das Lernatelier im grünen Haus und da lege ich mich auf ein Sofa, wo die Kinder ringsherum lernen. Und es ist die größte Ehre für sie, wenn der Schulleiter dann in Viertelstunde schläft. Weil das ist ein Zeichen, ihr seid derartig leise und diszipliniert, dass ich auch zwischen euch schlafen kann. Und dann klebt man einen Zettel auf mir. Guten Morgen, Herr Ruppaner oder so. Aber es ist wirklich ein ganz schönes Miteinander. Auch weil wir niemand, wir bestrafen ja niemanden mit Lernen. Bei uns muss ja keiner ein Input. Es gibt keine Strafarbeiten. Und wir können so viele schöne Sachen machen. Du kannst nach deinen, du kannst so leben, wie du als Mensch halt bist. Wenn du dich halt für Reptilien interessierst, belegst du Reptilienclub, wenn du lieber Baumhäuser baust, belegst du Baumhäuser bauen. Wenn ein Musical nichts für dich ist, belegst du eben kein Musical. Also du kannst die Sachen machen, die dich glücklich machen. Und dann haben wir auch ein schönes Leben und die Kinder auch. Und die lernen am meisten, wenn sie machen, wo sie Bock haben. Deine Story war übrigens super mit dem Englisch, weil das sagt nämlich ich immer.

Wenn selbst wenn einer Englisch nicht lernt, wenn der mal eine englische Freundin hat, dann lernt der Englisch und zwar viel schneller, wie wir je gedacht hätten. Mit Sicherheit. Ja, ja, das ist natürlich so, dass ja dieser Lebensweltbezug, den wir uns eigentlich immer bei jeden, jedweden Lerninhalten wünschen, da ist er dann ganz konkret. Ich finde, mir geht es jetzt so auch im Gespräch, unabhängig von den konkreten Tipps, die du gibst oder die Erfahrungen, die du schilderst, es wird sehr deutlich, dass es um ganz viel Zwischenmenschliches auch geht. Es geht um ganz viel Wertschätzung. Ich fand es auch sehr schön, dass du gesagt hast, dass die Lehrkräfte sagen, ich habe dich lieb, auch wenn du das jetzt nicht machst oder lange nicht gemacht hast. Du bist okay, so wie du bist. Das ist ja eine menschliche Nähe und Wärme, die da auch gelebt wird.

Von der mit Sicherheit beide Seiten auch profitieren. Also diese Beziehungsebene nochmal in den Fokus zu nehmen, ich denke, das ist auch was, was jeder Zuhörer, jede Zuhörerin, die jetzt lauscht, mitnehmen kann, einfach zu verstehen, wie wichtig diese Ebene ist als Grundlage für alles, was dann kommt. Jetzt nochmal mit ein bisschen mehr Fokus auf dein Buch. Das könnte Schule machen. Das ist ja auch so ein bisschen wunderbar zweideutig, dieser Titel. Also es könnte Schule machen im Sinne von so könnte das echt funktionierenden Erfolg haben und so könnte konkret innerhalb der Schule gehandelt werden. Du sprichst in dem Buch von der Revolutionierung des Bildungssystems. Das ist natürlich jetzt so der ganz große Wurf. Da sind wir auch dran, aber das ist ja ein sehr weites Feld. Das musst du ja nochmal sagen. Was sind denn jetzt so die spezifischen Veränderungen, die du vorschlägst? Was könnten wir tun, um die Schule der Zukunft zu gestalten? Schule?

Kommt aus dem Griechischen und heißt eigentlich, Zeit für Muße haben, Zeit, um sein Glück zu finden, Zeit, um sich als Person zu finden. Wenn wir das wieder schaffen, dass Schule das ist, wer findet sein Glück in der Schule? Wer findet seine Erfüllung und seine Muße? Eigentlich heißt es Muße. Wer findet seine Muße in der Schule? Wir verhindern mit der Struktur, was wir als Schule gemacht haben, der jetzigen Schule, verhindern wir genau das. Wir müssen einfach zurück und sagen, das muss die Stelle sein, wo du dein Glück findest, wo du dein Leben leben kannst. Dann hätten wir die Schule in die richtige Stelle verändert. Und egal, was wir machen, die Grundstruktur, Unterricht ist eben aller Übelanfang. Und viele können sich nicht vorstellen, wie man den abschafft. Und in dem Buch wird es eben sehr genau beschrieben. Da wird auch beschrieben, wie es mir schlecht ging bei vielen Sachen. Nicht jeder, der etwas verändern will, ist da überall herzlich willkommen, weil vieles widerspricht eben den Vorgaben. Und wir müssen dann Vorgaben zugunsten der Kinder so anpassen oder ich will nicht sagen nicht beachten, aber man kann schon unterschiedliche Prioritäten setzen. Und unsere Gesetze, unsere Vorgaben sind besser, als manch einer denkt. Und wir Lehrkräfte machen viel Geld.

Wir machen vieles, weil wir es immer schon so gemacht haben. Wir haben zum Beispiel eine Kontingentstundenteile, wir können eigentlich frei einteilen, wer wann das macht. Aber wir machen es dann trotzdem immer die fünf Stunden in der fünften und die in der sechsten und die in der siebten. Wir brauchen es dann irgendwie wieder so starr eingeteilt, obwohl das überhaupt nicht nötig wäre. Theoretisch könnte ich sagen, einer macht ein Jahr nur Deutsch und dann macht er Englisch.

Wir wären sehr flexibel, macht es keinen Sinn, dass ich das sage, Aber wir hätten viel, viel, viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Das haben wir bewiesen an unserer Schule, weil da keine Privatschule sind, sondern eine ganz normale staatliche Schule mit den gleichen Vorgaben, wie es viele andere Schulen auch haben. Wir haben bewiesen, es geht. Und darum heißt das Buch auch, das könnte Schule machen. Das könnten ganz viele machen. Wenn vielleicht auch nicht in allen Einzelheiten. Genauso muss es ja auch nicht sein. Wir machen Schmetterlingspädagogik und wir können helfen beim Befruchten von vielen Eiern, die sich dann zu Raupen entwickeln können. Raupen können wir füttern mit unterschiedlichen Sachen, Gratulierung, Materialpakete, Digitalisierung, Haltung, Coaching. und dann kommt halt ein anderer Schmetterling dabei raus, aber auch ein schöner. Der ist dann halt anders und die haben vielleicht eine Uni nebendran oder eine Seniorenwohnanlage mit dabei.

Also finde ich übrigens eine super Idee, wie die es dort machen. Genau das ist ja unser Ansatz. Weil die Kirche hat den Mittel als Mittelpunkt des Reduktionstreffens hat schon lange verloren. Das ist nicht mehr da. Das kann nur das Quartier sein. Und da kann es nur die Schule letztendlich diese Aufgabe leisten. Zum Wohle aller ist werden die in meinem Alter jetzt pensioniert. Ich gehöre zu den Babyboomern. Die gehen jetzt alle bald in den Ruhestand. Die sind noch fit. Und die sperren wir aus der Schule aus. Wie doof sind wir denn? Wir brauchen auch nicht mehr Geld in der Schule. Wir brauchen mehr Geld für Bildung. Nein, brauchen wir nicht. Wir müssen nur das Geld, das wir haben, anders ausgeben. Da kommen wir wahnsinnig weit.

Das zweifeln viele. Ich bräuchte nur ganz viel Freiheit und gar keine Lehrer. Ich könnte ältere Kinder bringen, bei uns den Jüngeren was dabei. Jetzt wird die große Lehrerseuche ausbrechen und die werden alle drei Jahre krank. Dann könnte ich das mit Kindern alleine machen, weil die das können. Wir trauen es ihnen nur nicht zu. Wir gehen immer davon aus, es braucht den Lehrer. Den braucht es schon, aber er als Mensch und nicht als Lehrenden. Dann muss man eigentlich jetzt mal so stehen lassen. Ich lasse ihn machen jetzt mal zehn Sekunden, damit ihr nachdenken könnt. Lasst das bitte wirken. Es waren drei. Für Schulverhältnisse waren das schon sehr, sehr lange. Du hast die Frage noch gar nicht zu Ende formuliert und dann soll der Schüler schon das antworten, was du dir vorher aufgeschrieben hast. Da wären wir wieder beim Thema Unterricht. Herzliche Grüße. Wir sind jetzt schon an so einem Punkt. Und du hast schon gesagt, du bist jetzt selber in den Ruhestand. Ich nehme jetzt auch nicht in den Ruhestand. Im Ruhestand. Ich mag das. Aber das Thema prägert mich natürlich trotzdem noch. Ich war Schulleiter. Das Thema Frachtkräftemangel, jetzt machen wir den Lackmustest. Ihr habt keine Personalsorgung bei euch in der Schule. Ist das richtig?

Doch. Oh, doch. Aber wir hätten bei uns genügend Lehrkräfte, weil viele herkommen wollen. Aber unsere Schule liegt an der Schweizer Grenze. Und wir hatten das auch schon bei uns so, dass wir dann hundertprozentig versorgt waren. Aber die an der Hochrheinschiene hatten insgesamt zu wenig. Dann sagen die der Alemannenschule, ihr müsst drei Lehrkräfte an andere Schulen abgeben. Und zwar nicht die, die als letzte eingestellt haben, sondern die, die schon länger da sind. Und da muss sich gestandene Kolleginnen an andere Schulen schicken. Das sorgt nicht für Freude. Deswegen gucken wir auch, dass wir nicht zu gut versorgt sind, damit niemand weg muss von der Schule. Da kann aber nicht das Schulamt was dafür, sondern die Schweiz bezahlt doppelte bis dreifache an Gehältern. Die stellen schon im Juli ein und wir stellen halt erst später ein. Dann ist oft der Markt einfach leer. Das ist eine Konkurrenzfrage. Obwohl, du hast gesagt, du bist kein Missionar, du schickst dann ja deine Missionare in andere Schulen, die das System ja schon gelernt haben. Und man könnte sich zumindest damit trösten, sie nehmen das jetzt in anderen Schulen mit und leben das da vielleicht weiter. Also es gibt ja schon ganz viele Missionarien. Zum Beispiel Schule im Aufbruch mit der Margret Rastfeld ist seit zehn Jahren noch länger dran. Die Akademie Biberchor, die Silke Weiß mit ihrem Team.

Da gibt es ganz viele, die schon jahrelang mit dabei sind. Und was die können, die können in die Fläche gehen und wir können die Hochschule und die Pädagogik dazu liefern. Und wir sind jetzt drauf und dran, mit all denen zu kooperieren und machen am 17. und 18.

Mai ein großes Treffen in Wutöschingen. Da werden alle zusammenkommen, die in diesem Bereich der Bildung mitarbeiten können und etwas verändern wollen. Wir werden da im großen Team alle gemeinsam arbeiten, weil wir wollen flächendeckend was ändern. Und warum gründen wir eine Hochschule? Weil die Hochschulen eben nicht auf das Konzept einsteigen. Wir kriegen immer noch ausgebildete Lehrer. Es kümmert sich niemand um die Schmetterlingspädagogik. Das Kind steht nicht im Mittelpunkt. Deswegen müssen wir es selber machen. Aber es gibt schon die ganzen Gruppen, die ich eben gesagt habe. Der Stefan Niemann, der Vorbildungen macht mit seinem Team in Niedersachsen. Es gibt ganz viele super tolle Ansätze. Wir müssen die jetzt bündeln und zusammenarbeiten. Ich glaube, dann geht schon was in Deutschland. Ich glaube, das lassen wir jetzt einfach mal so stehen. Der Termin steht. Hast du schon gerade gesagt. Mich würde es interessieren, wie das da weitergeht. Vielleicht ist das auch nochmal ein Punkt, den wir hier im Podcast aufnehmen können. Was wir noch sagen können, vielleicht ist das für euch auch mal in Wood-Oershingen interessant. Wir haben ja bei den Digis, haben wir ganz viele Selbstlern-Digis. Das können die Kinder dann lernen, wenn sie Lust drauf haben und die Aufgaben lösen und lernen. Und da haben wir genau diese Ansätze ja auch schon. Digitalität, die arbeitet, glaube ich, mit iPads oder mit Tablets.

Ja, Tablets, ja, iPads haben wir. Genau, und da, Deswegen heißt unser Podcast ja auch nicht, so geht Unterricht, sondern so geht Lernen heute. Du willst noch was sagen, Viola? Du bist ja richtig schlau. Ja, wir sind ein bisschen schlau. Wir haben von den Besten gelernt.

Ich habe das, glaube ich, sogar damals mit Stefan begründet. Doch, das war uns wirklich wichtig, dass es um das Lernen geht bei den Diggis. Und wie Gerd sagt, wir haben die Selbstlern-Diggis, auch Mini-Diggis. Und vor allen Dingen haben wir ja auch relativ neu unsere Englisch-Diggis, um nochmal darauf zurückzukommen. Die haben wir auch. Und da gibt es natürlich auch ganz viele Audio-Formate zum Hören und auch Videos. Das müssen wir sofort einsetzen. Wo kriege ich denn die Digis her?

Digis.de, da hast du alle Infos direkt auf. Ja, das können wir nach dem Gespräch mal machen. Ich stelle einen Kontakt her. In den Shownotes auch. Also ganz einfach zu finden und da ist wirklich ein breites Spektrum vorhanden. Ich würde gerne jetzt auch nochmal wissen, dein Buch, ich habe es gesagt, sehr erfolgreich läuft es jetzt. Also wirklich toll auch, dass es diese Resonanz findet. Was hast du denn bisher so für Feedback bekommen? Also ist das durchgehend positiv oder gibt es auch kritische Stimmen, die sagen, ach, das ist doch alles hier nicht übertragbar. Was ist jetzt seit Veröffentlichung bei dir so passiert? Also ich habe das Buch ja nicht allein geschrieben. Ich habe das mit der Anke Willers. Ich hätte auch nie gedacht, dass mein Buch sich so verbreitet, dass ich da Spiegel-Bestseller werde. Das hätte ich nie und immer geglaubt. Ich habe von der Frau Proskitz, das ist eine Agentin, die hat mich angerufen und gesagt, du möchtest ein Buch schreiben. Ich habe gesagt, nein, ich kann kein Buch schreiben. Und dann hat sie einmal die Anke Willers vermittelt und dann haben das Exposé wurde dann ja steigert bei Verlagen. Und ich war total überrascht, dass so Orovolt gerade noch das auch noch ersteigert hat. Und ich habe nicht.

Ich habe nicht gewusst, dass das Thema so relevant ist und ich kriege sehr, sehr viele sehr positive Nachrichten. Also solche Leute, die kurz vor der Pensionierung stehen, die sagen dann, ich glaube, ich probiere es jetzt doch nochmal, man darf einfach nicht aufgeben. Es macht wahnsinnig viel Mut, weil sie auch sehen, im Buch steht es ja auch drin, dass ich auch schlechte Zeiten hatte, wo du gegen Vorurteile kämpfen musst.

Ich habe das Glück, dass ich wahrscheinlich eine hohe Resilienz habe und auch nicht merke, wenn mich jemand beleidigt.

Und das hat viel geholfen. Aber die Resonanz ist jetzt halt riesengroß, weil es vielen Mut macht. Und die sagen, wow, man muss es einfach machen und nicht immer nur jammern, es geht nicht, sondern einfach tun. Und wie man sieht, ist mir ja auch nichts passiert. Ich wurde nicht aus dem Dienst entlassen und es ist letztendlich nichts passiert, Außer schon ein paar, ja, das war nicht immer schön, steht aber alles im Buch drin. Aber ganz vielen macht es eben Mut, dass man es eben einfach machen muss.

Weil viele, das was ich sage, ist keine Atomphysik. Es sind alles ganz logische Sachen, was man eigentlich machen muss. Und eigentlich weiß das jeder. Jeder, der eine Lehrprobe ich hatte.

Gemacht hat, weiß, diese Lehrprobe macht er nur mit diesem Aufwand, bei dieser einen Stelle, wo alle kommen, oder welche kommen zum Angucken, wegen der Note. Das heißt, das, was wir in Lehrproben machen, hat überhaupt nichts damit zu tun, was ein Lehrer später macht. Das war zu meiner Zeit schon so. Das war zu meiner Zeit am Seminar schon so, als ich ausgebildet habe. Und ich habe das immer als normal genommen. Wir haben das nie geändert. Und so gibt es ganz viele Sachen in Deutschland, die jeder weiß. Jeder weiß, warum muss einer eine 1,0 haben, um Arzt zu werden. Das heißt, wenn der unsportlich ist, kann der nachher nicht Arzt studieren, weil er keine 1,1 im Abi oder sowas hat. Jeder weiß, dass das ganz doof ist, was wir machen. Aber wir ändern es nicht. Das ist unser Problem, dass wir viele Sachen einfach so nehmen, als ob sich das so gehört. Und dass so eine Prüfungslehrprobe komplett bescheuert ist und nichts damit zu tun hat, ob du mal ein guter Lehrer bist oder eigentlich ein Lernbegleiter. Und dann macht der eine Lehrprobe und dann dürft ihr wieder normal lernen. Und wenn wir in Alemannenschule Lehrer ausbilden, dann muss ich ein paar Kinder fragen, ein paar Lehrpartnerinnen, wer von euch würde immer bis im April in den Raum reinsitzen, da kommt jemand, der spielt mit euch Schule und Unterricht und dann macht der eine Lehrprobe und dann dürft ihr wieder normal lernen.

Es ist alles so verquer bei uns, wir kommen davon nicht weg. Deswegen brauchen wir ein neues Studium oder wie Akademie Wiberkohr ein neues Referendariat.

Und wir müssen, der Druck muss von unten weiter steigen auf die Verantwortlichen. Wir sind in einer Spirale drin, der hervorragend folgendes Pläuillet. Und letztendlich ist es ja auch eine Spirale von negativer Auslese. So nenne ich das immer. Auch wohl dieser Begriff ja auch sehr belastet ist. Aber was erziehen wir in Schulen? Was erziehen wir im Unterricht? Konformität. In der Abschlussrede kommt nämlich der Satz, ihr dürft die Ellenbogen nicht einsetzen beim Abitur. Was haben sie vorher gelernt? Du musst alleine das machen, dann werden noch diese fürchterlichen, die kommen immer im April. Das Gute ist, ich werde nie mehr so eine E-Mail bekommen von diesen Trennbrettern, die dazwischen gestellt werden. Die lösche ich sofort.

Die man so dazwischen... Pultteiler. Damit man nicht abschreiben kann. Unsere Gesellschaft lebt aber davon, indem man solidarisch ist. Und Schule bildet das eben nicht ab. Und der am unsolidarischsten ist, der sich, der keine Zeit hat, eben in der Freizeit noch beim Sanitätsdienst ist, der vermutlich der viel, viel bessere Arzt wäre oder Rettungsschwimmer macht, der nur mit 1,8 oder vielleicht mit 2,5 sein Abitur macht und der andere, der immer nur Ellenbogen eingesetzt hat, dann in der Abschlussrede zu hören bekommt, er sollte die Ellenbogen nicht einsetzen. Nein, der wird dann immer weiter steigern. Wir haben eine exponentielle Potenzial, breitet sich Egoismus aus. Das spielt sich dann hinterher auch in den Lehramtsstudenten wieder, die dann in der Schule immer dran gewöhnt waren, für Konformität werde ich belohnt. Dann sitze ich da wieder im Lehrerzimmer. Auf einmal gibt es aber gar keine Eins, weil die Schüler geben einem keine Eins für diesen normalen Unterricht. Und dann sind die unzufrieden. und das ist ein selbst erschaffenes Unzufriedenheitsmodell. Das Schlimme ist ja, wir bekommen auch keine Spitze. Wenn alle alles gleich schlecht gönnen müssen, haben wir nicht den Spitzensportler.

Wir bekommen jetzt Besuch von einem prominenten Fußballklub, der feststellt, dass das Schulsystem nicht geeignet ist für diese jungen Spitzensportler. Das sind die vom FC Bayern München, die werden uns besuchen an der Allemannenschule. Da freuen wir uns schon drauf. aber immer mehr erkennen, dass das System, wie wir fahren, letztendlich weniger Olympia-Goldmedaillen produziert, weniger Spitzenwissenschaftler produziert, weniger Topmusiker produziert, weil alle alles gleich schlecht können müssen und das müssen wir halt aufsprechen. Lieber Stefan, vielen Dank für diese wunderbaren Impulse, den reichen Erfahrungsschatz, den du mit uns geteilt hast. Also es ist sicherlich ein Thema, über das man noch Stunden reden könnte. Ich finde es unglaublich spannend. Also wie Gerhard gesagt hat, wir werden das weiter beobachten, auch mit der Bildung der Hochschule. Finde ich ganz toll, dass ihr da weitere Wege geht. Dein Buch, das könnte Schule machen, verlinken wir auf jeden Fall in den Shownotes. Bestellen. Bestellen, ja definitiv eine Leseempfehlung. Alles Gute weiterhin auf deinem Weg. Der ist vielleicht als Schulleiter an der Allemannenschule Wut-Oeschingen beendet, aber ich bin mir sicher, dass wir noch ganz, ganz viel von dir hören werden und ich freue mich da drauf. Ganz lieben Dank für deine Zeit heute. Vielen Dank für den netten Gespräch mit euch. Ihr macht es richtig angenehm. Ich könnte gerade noch mit euch eine Stunde weiterreden, weil ihr macht es so schön und so angenehm. Vielen Dank. Danke.

Frau Irola, ich muss ehrlich sagen, ich hatte zwischendurch Gänsehaut, obwohl das ist auch schon so ein bisschen so eine Floskel, dieser Moment, ich bin jetzt raus aus Schule und ich habe gedacht, was er gesagt hat, darum geht es ja eigentlich und nicht um Regeln, nicht um Rollen, sondern um Haltung und Stefan hat so viele Dinge angesprochen, die mich auch seit Jahren beschäftigen, ich dachte kurz vielleicht.

Ist der Rücktritt auch nur eine Zwischenetappe? Naja, ich denke, da seid ihr tatsächlich ein bisschen auf einer vergleichbaren Ebene, denn auch er arbeitet ja nicht mehr als Schulleiter seit dem letzten Sommer, aber ihr beide gebt ja eigentlich jetzt erst richtig Vollgas. Das heißt, wie ihr weiter auf Bildung einwirken werdet, das werden wir abwarten, aber dass ihr einen Impact machen werdet, das ist ja völlig klar, aber halt nicht mehr als Schulleitung, sondern von außerhalb und auf ganz vielen anderen interessanten Wegen. Und ich muss dir sagen, Gerd, mir ging es auch so. Es ist wirklich ein Gespräch, was bei mir auch nachhalt und man merkt einfach, er berührt damit ja nicht nur die Schüler und Schülerinnen, sondern einen ganz einfach auch als Mensch. Also es sind ja so die Ansprachen, die Emotionen.

Die Energie, die von ihm rüberkommt, die einfach sehr wertschätzend, sehr liebevoll, sehr anerkennend ist und das tut einfach gut, egal ob man 5, 15 oder 50 ist. Also habe ich auch jetzt ganz viel draus mitgenommen. Du hast gesagt, das Wertschätzende, das Umgehen, den Menschen sehen. Ich habe dich lieb, auch wenn du nichts machst, sagt er zu seinen Schülern. Ein Satz, den ich von meiner Frau noch nicht gehört habe. Und vor allem das mit dem Nichtsmachen hat eine hohe Relevanz in meinem Alltag.

Gerade jetzt. Ja, kann ich verstehen. Möchte ich hier an der Stelle nicht weiter privat ausführen, aber tatsächlich kann ich deine Frau da verstehen. Ja, okay. Grüße gehen raus und das wäre vielleicht eine Folge, wenn wir mit Paula Lambert nochmal aufnehmen müssen. Ich habe dich lieb, auch wenn du nichts machst. Wie verändern sich Schüler-Lehrer-Schüler-Beziehungen, wenn man den Schülern sowas sagt?

Was meinst du? Naja, ich habe das selber oft erlebt, muss ich sagen. Ich hatte bei mir, ich bin ja eigentlich Englischlehrerin, ich hatte auch Stunden, wo ich gedacht habe, oh, also irgendwie habe ich das jetzt, ich habe es nicht gut vermittelt. Ich habe die Grammatik nicht gut beigebracht, die Beispiele waren nicht gut, es war einfach nicht anschaulich genug, ich war nicht zufrieden mit mir. Ich habe trotzdem immer gedacht, die Kinder sind dennoch motiviert und sie haben Lust und sie machen das auch, weil wir gemeinsam eine gute Ebene haben. Das heißt, auch wenn es sachlich oder fachlich, inhaltlich mal nicht ganz perfekt ist, trägt diese Lehrerschülerebene unglaublich viel. Ich bin jetzt auch nochmal rückblickend auf meine Lehrerinnenzeit davon überzeugt, dass es mindestens genauso wichtig, wenn nicht deutlich wichtiger ist, diese Beziehungsebene. Ja, weil die Schüler und Schülerinnen erinnern sich auch Jahre später nicht unbedingt daran, oh, wie wurde jetzt das Simple Past vermittelt. Ich glaube, da habe ich eventuell ein, zwei Lücken in den Unterrichtseinheiten erfahren, sondern sie assoziieren ein Gefühl mit dem Fach. Sie wissen immer noch Englisch, ach das hat Spaß gemacht damals oder ich bin gerne hingegangen. Also diese Emotionen, die wir mit fachlichen Inhalten Unterricht verknüpfen, die kann man gar nicht hoch genug einschätzen.

Ja und die Relevanz fürs Leben. Hat das einen Sinn für mich? Ist es sinnstiftend? Da hat er ganz verschiedene Beispiele gebracht. Was lernen wir aus Stephans Beispielen für unseren Alltag in Schule? Tja, unglaublich viel. Also wo soll man da ansetzen? Ich finde, allein die Art der Lernräume, wie die gestaltet werden und was mir jetzt auch noch wirklich nachhängt, sein Satz, dass er sich in die Mitte auf das Sofa legt. Das habe ich im Film gesehen. Also das habe ich so noch nie gehört, geschweige denn erlebt. Das ist schon wirklich außergewöhnlich. Schön, Stefan das jetzt hört. Ich glaube, weil es im Film war, hat er es jetzt auch gerne mal erzählt, weil es natürlich auch ein Bruch ist, weil es was radikal darstellt. Also ich kann mich ganz entspannt dorthin legen, alle anderen arbeiten drumherum. Ja, aber es zeigt ja auch diese Art von Miteinander, die an der Schule gelebt wird. Weißt du, es ist ja nicht so diese eine Seite der Schulleitung und des Erwachsenenkollegiums im Gegensatz zu der Schülerschaft, sondern es zeigt ja eher auch diesen Ansatz der Lernbegleitung. Also dass wir quasi auch vor Ort sind in der Schule als Gemeinschaft, die lernt. Und ich nicht nur als Lehrer, Lehrerin super schlau bin und alles weiß und das jetzt endlich den Kindern beibringen kann, die nichts wissen, sondern einfach so diese Art neu zu lernen voneinander, miteinander. Das ist schon sehr anschaulich geworden an dem Beispiel. Und das ist auch so ein bisschen ein Brechtschoff-Verfremdungseffekt.

Wie ist es oft im Unterricht? Der Lehrer wuselt irgendwie rum, agiert an der Tafel, er versucht etwas beizubringen, er erklärt, doziert, belehrt. Und die Schüler schlafen. Hier ist es genau umgekehrt. Wenn alles schläft und einer spricht, ja, das nennt man Unterricht. Ja, diese Postkarte hat jeder Lehrer schon mal bekommen. Vielen Dank an dieser Stelle dafür. Gerne. Und er gestaltet halt ein Lernen heraus, aus dem Leben heraus. Also nicht aus dem Lehrbuch, sondern aus dem Leben und sein Lehrplan ist das Leben. Wir stehen uns, glaube ich, da oft selbst im Weg als Lehrerinnen und Lehrer, oder? Ja, mit Sicherheit tun wir das. Aber das ist ja auch das, denke ich, Gerd, warum wir beide auch so für die Digis brennen, weil wir da wirklich die Lebenskompetenzen in die Klassenzimmer holen können, weil wir so viele tolle Themen da aufbereitet haben, die auch viel, viel greifbarer werden.

Und ja, auch was er gesagt hat, Thema Unterrichtsausfall oder ähnliches, auch da können wir ja wunderbar punkten. Und ich finde, diese Vernetzung mehr hinzubekommen, was interessiert mich wirklich als Schüler und was kann ich als Lehrplan, als Unterrichtsstoff anbieten, auch mehr zu differenzieren. All das hat der Stefan Rupaner gesagt und all das bieten wir auch wirklich toll mit den Digis an. Also hier an der Stelle wirklich nochmal den Tipp, guckt in die Stau-Notes, da gibt es den Link auf unsere Homepage und in die Digitek. Über 1000 Stück sind es mittlerweile in ganz vielen unterschiedlichen Fächern. Da ist das Angebot einfach jetzt schon für euch vorhanden. Zum Selbstlernen. Die Schüler können selbst auswählen. Ihr könnt Angebote machen, nutzt das, macht das und könnt so ein bisschen Wutösching auch in euren Klassenraum bringen. Jetzt kommen wir nochmal drauf zurück. Wir haben das ja gesehen und ihr schaut mal im Netz, es gibt ganz viele Videobeispiele.

Filmbeiträge auch über Wutösching. Natürlich erst hört ihr unseren Podcast oder habt ihr unseren Podcast schon gehört. Und da habt ihr erstmal schon alles richtig gemacht. Und dann schaut ihr euch natürlich jetzt noch einen Film an. Das kenne ich ja auch. So etwas geht bei uns nicht. Also diese Abwehrhaltung, weil uns die Kraft fehlt, die Vision fehlt, etwas umzusetzen. Was könnte so eine Sache sein? Ich hole mir so ein ganz klein bisschen in meinen Schullehreralltag und probiere doch so ein ganz klein bisschen Wutösching. Egal wo ich jetzt gerade bin. Ja, ein ganz wichtiger Punkt. Darum habe ich ja auch des Öfteren mal nachgehakt, weil ich das natürlich auch selber erlebt habe, diese Widerstände. Und er ist ja da relativ cool auch mit umgegangen, muss man sagen. Er möchte keinen belehren, wie er zu unterrichten hat.

Aber die Art und Weise des klassischen Unterrichts funktioniert bei ihm nicht. Und dann muss man das woanders machen. Und er hat ja auch, das muss man ja ganz klar nochmal sagen, er spricht über eine Erfahrung von mehreren Jahrzehnten. Also natürlich ist auch Stefan Rupaner durch diverse Widerstände durchgegangen und hat das alles erlebt. Also auch sein Weg bis zum Stand heute war er sicherlich ein sehr holpriger, aber ich denke...

Die Rückschau, die malt aber mit bunten Farben. Klar. Und das muss man wirklich auch mit einpreisen. Er redet über den Prozess der letzten Jahrzehnte. Das ist nichts, was man heute auf morgen gegangen ist und ihn persönlich auch viel Kraft gekostet haben wird. Das beschreibt er ja auch in dem Buch. Ich denke wirklich, man darf nicht daran auch ein bisschen verzweifeln, dass man denkt, die haben so eine Leuchtturmschule gebaut und einen Schulpreis gewonnen. Das bekommen wir ja nie hin. Das muss ja in erster Linie gar nicht der Anspruch sein. Sondern wie du sagst, einfach zu gucken, welche Elemente kann ich denn als einzelne Lehrkraft in den Unterricht übernehmen. Oder ich suche mir vielleicht die paar Kollegen erstmal, wo ich denke, die sind auf der gleichen Wellenlänge, wir probieren einfach mal Sachen aus. Und dann einfach so von innen das System ein bisschen zu verändern im eigenen Schultagsgeschehen, im eigenen Ablauf, an der eigenen Schule neue Impulse reinzubringen und damit auch Angebote zu schaffen, die vielleicht nicht von allen Kollegen, Kolleginnen übernommen werden, aber einfach mal zu sagen, hey, überleg doch mal, think outside the box, überleg doch mal, vielleicht könnte das ja funktionieren. Ich denke, wenn da eine gewisse Bereitschaft ist, dann ist schon einiges erreicht. Ich glaube, ganz einfache Schritte könnten sein, zwei Beispiele nur, was ich auch auf Instagram zum Beispiel auch schon gesehen habe, bei verschiedenen Kolleginnen und Kollegen, den Klassenraum umgestalten, also eine neue Lernatmosphäre schaffen. Und eine zweite Sache ist, die muss man...

Die bringen manche Menschen mit, manche müssen sie sich aneignen. Den Perspektivwechsel und mit Mut, Humor und mit Menschlichkeit auf die Schüler zuzugehen und Unterricht. Ich rede gar nicht von Unterricht, da hat er ja gesagt, Unterricht ist aller Überanfang, sondern das Lernen aus Sicht der Schülerinnen und Schülern zu verstehen und alles möglich zu machen, damit Kinder und Jungen hier gut lernen können. Ich glaube, was heute wirklich nochmal deutlich geworden ist, wir können wieder menschlich sein und wirklich als Menschen in all unseren Facetten auch zeigen, dürfen wir auch den Schülern, Schülerinnen gegenüber, um nochmal andere Ebenen zu erreichen, im Lernen, im Lehren und allgemein im Zusammensein, in der Schule, aber auch gesamtgesellschaftlich. Und was ich auch ganz wichtig finde, wir müssen uns auch trauen, Dinge loszulassen, die längst nicht mehr tragen und nicht mehr funktionieren. Einfach auch mal zu sagen, nein, es hat so nicht geklappt, es ist okay, dass wir es probiert haben, aber wir korrigieren jetzt den Weg und gehen einen neuen. Sucht euch Verbündete. Eine gute Möglichkeit, sich Info zu holen, ist der Deutsche Schulleitungskongress, unser Partner hier im Podcast. Werden wir demnächst auch wieder Gäste haben. Hört auch noch gerne nochmal in die Folge rein, die wir mit dem UNESCO-Generalsekretär Roman Lukscheiter vom DSLK Udo Beckmann aufgenommen haben. Ihr bekommt regelmäßig Informationen.

Im November findet das in Düsseldorf statt. Seid mit dabei, holt euch Inspiration. Dort wird es ganz viel auch um diese Themen gehen, die wir hier auch mit Stefan besprochen haben. Vielleicht ist Stefan hier sogar Redner dort. Das weiß ich noch nicht. Könnte ich mir aber super vorstellen, dass er da.

Ein Kino-Speaker sein könnte. Absolut. Jetzt gibt es nur noch eine Sache für mich zu sagen. Abonniert diesen Kanal, gebt uns eine 5-Sterne-Bewertung auf Spotify.

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