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Heute am Samstag mit einer Sonderfolge. Ich darf heute Tatjana Kiel begrüßen und wir werden uns über die Kinder in der Ukraine unterhalten. Und heute ist auch ein besonderes Projekt gestartet. Da kommen wir auch noch dazu. Aber erstmal herzlichen Dank, Tatjana, dass du heute dir Zeit genommen hast. Guten Gerd, ich danke dir wie immer für unseren Austausch oder den Dialog. Also wir reden ja über viele Dinge, das tun wir auch gerne und das ist total wichtig, weil wir auch von so unterschiedlichen Perspektiven ganz oft drauf gucken. Deswegen danke, dass ich hier sein darf. Was mich ja im März 2022 auch auf einmal eingeholt hat, als auf einmal 30 ukrainische Schüler bei uns in der Schule waren, war der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Und damit ist auch ganz viel Leid für Kinder mit verbunden. Kinder sind immer die ersten Opfer.

Der Lichtkegel ist so ein bisschen von der Ukraine weggegangen. Wir haben andere brennende Themen auf dieser Welt. Die Probleme sind ja in der Ukraine deshalb nicht kleiner geworden. Kannst du uns mal ganz kurz abholen, wie die Lage zurzeit ist? Also ich glaube, grundsätzlich sind diese Krisen, die wir gerade haben und die wir auch spüren und es ist egal, ob das Kriege sind oder andere Unsicherheiten, die uns immer wieder ja auch in kleinere Kreise, in unsere familiären Kreise zurückholen müssen, weil das für uns auch ganz wichtig ist, da den Fokus drauf zu haben, das ist auch total wichtig und gesund. Ich glaube, dass grundsätzlich die große Herausforderung ist, dass in diesen ganzen Weltpolitischen die Kinder völlig außer Acht gelassen werden. In diesen ganzen Weltpolitischen werden die Menschen außer Acht gelassen. Es geht dann auf einmal um Waffen und nicht darum, wie wir Leben retten können. Und das ist das, was wir gerade natürlich, aber auch schon seit längerer Zeit sehen und erleben. Und das macht einfach auch müde und für alle, glaube ich, anstrengend. Ich glaube, das, was gerade passiert ist, dass dadurch, dass dieses Weltpolitische so unübersehbar ist, Trump macht das, Putin macht das, Zelensky macht das, dann blickt man irgendwie nicht mehr durch und das ist ja genau, was wir sozusagen vermeiden wollen. Wir wollen, dass der Fokus wieder auf die Kinder, auf die Leidtragenden kommt, weil die Kinder haben gar keine Lobby. Alle anderen haben eine Lobby, aber die Kinder nicht. Und wenn du die Geschichten hörst.

Die die Kinder durchmachen müssen und du dich reinfühlst, egal ob du ein Elternteil, ein Großelternteil oder selbst nur Kind bist, kannst du dir ansatzweise vorstellen, dass du das nicht erleben möchtest. Und deswegen versuchen wir auch immer wieder über die Geschichten zu kommen, über die Kinder zu kommen, über das, was sie erleben, weil wir dann mitfühlen, weil wir dann empathisch sein dürfen und können. Und das merken wir, das funktioniert immer. Der Schulterschluss ist da, aber natürlich ist die große Aufmerksamkeit auch auf den ganzen anderen Krisenherden, die wir gerade haben. Wie sieht die Lage der Kinder ganz konkret aus? Aber wo sind ganz brennende Themen? Du hast dich ja mit den Verschleppungen der Kinder ganz intensiv beschäftigt. Da hast du ja auch ein Buch zusammen mit Wladimir herausgebracht. Welche anderen Themen kommen jetzt noch dazu? Aber vielleicht kannst du uns auch ein positives Beispiel nennen, wo ihr ganz konkret zeigt, unsere Arbeit hilft hier.

Es ist zwischen all dem Leid gibt es auch Hoffnungsschimmer. Das tun wir, versuchen wir ja immer. Ich glaube, die Herausforderung ist, wenn Traumata sich so oft wiederholen bei Kindern und nicht nur einmalig sind, sondern jede Nacht in den Keller gerannt werden muss, jeden Tag, wenn man in der Schule ist, in den Keller gerannt werden muss.

Also das zermürbt einen ja irgendwann und vor allem auch die Kinder und natürlich die Eltern, weil sie sich immer fragen, oh Gott, geht es meinen Kindern gut? Deswegen versuchen wir immer da anzusetzen, dass wir Orte schaffen, wo die Kinder in Sicherheit sind, wo wir Orte schaffen, wo die Eltern wissen, dass die Kinder in Sicherheit sind, wo wir Orte schaffen, wo es einen Austausch gibt, wo darüber gesprochen werden kann, was passiert und wo man auch mal abschalten darf. Ich glaube, das Abschalten ist so richtig. Und also was mich immer wieder so beeindruckt sind, wenn man mit den Leuten vor Ort spricht, was braucht es denn? Also in dieser Todesangst, wenn die Kinder da alleine sind, was braucht es? Dann sind das ja ganz viele ganze Kleinigkeiten, die es braucht. Und daraus zu lernen und daraus Produkte und Lösungen zu entwickeln, das haben wir jetzt gemacht zum Beispiel mit einem Chatbot. Das heißt, es gab einen Chatbot für Erwachsene. Zwei Tage nach dem Krieg ist der entwickelt worden, wo Eltern einfach relativ schnell in der Reflexion merken und lernen, was brauche ich gerade, was kann ich tun, wie kann ich mich selbst regulieren? Weil ich gerade einfach überfordert bin und nicht mehr weiß, wohin und auch nicht mit meinen Kindern, war immer der große Wunsch, das für Kinder zu entwickeln. Aber das Geld war nicht da oder die Möglichkeiten waren dann nicht da. Dafür die Möglichkeiten zu geben, wenn man zuhört und diese Lösungen zu schaffen, ist immer wieder auch das, was uns natürlich total glücklich macht, mir persönlich immer wieder Gänsehaut verschafft, weil wir mit so etwas tatsächlich auch die Möglichkeit haben, etwas zu schaffen.

Lösungen zu haben, ganz viele Daten zu erheben und dann dieses Produkt, Projekt, wie man es auch immer nennen will, vielleicht auch in andere Kriegsgebiete oder in andere Situationen für Kinder zu erheben. Zu transferieren, die auch Todesangst haben. Also es ist ja nicht nur so, dass in der Ukraine Todesangst ist, das ist uns alles klar und das eine ist auch nicht größer oder schlimmer als das andere. Krieg ist Krieg und wir müssen irgendwie gucken, wie es nicht immer dieser Tropfen auf den heißen Stein ist oder Geld irgendwie wie so ein Fass ohne Boden durchtropft, sondern dass wir auch irgendwas schaffen können, wo wir wirklich sehen, dass das einen Mehrwert hat. Und wenn du mich fragst, wie wir sozusagen wirklich jetzt versuchen zu helfen, ist, wir haben, unter anderem hat die Charité rausgefunden, dass Kinder, ich glaube, das weiß man und das sieht man, in diesen traumatischen Situationen, wenn sie lange anhalten, extrem schnell altern. Und zwar körperlich und mental und so weiter. Und wenn wir in dem Moment nichts dagegen tun, sondern das jahrelang so weiter schleppen, sind die Folgeschäden einfach immens groß. Und zwar für den Menschen selbst, aber vor allem auch für die Gesellschaft. Weil man muss ja dann diesen Schaden auch in Anführungsstrichen bezahlen. Und das Gute ist, wir können etwas dagegen tun. Und das ist psychologische Hilfe. Das heißt, man muss relativ früh anfangen. Wenn jemand Traumata hat.

Müssen diese Traumata im besten Fall so schnell benötiglich bearbeitet werden. Wenn der Krieg beginnt, endet die Kindheit. Das ist euer Slogan für die Kampagne, die heute gestartet ist. Aber hol uns doch nochmal mit ein paar Zahlen ab.

Also welche ganz konkreten Zahlen habt ihr? Was habt ihr mit der Charité herausgefunden? Bei Vladimir in unserem Buch einer der ersten Sätze ist, und ich habe in die Augen der Kinder geguckt, die deportierten Kinder, die wir zurückgeholt haben, und habe das Gefühl, ich rede nicht mit Kindern, sondern mit Erwachsenen. Ich sehe, dass sie mindestens 20 Jahre älter sind. Dem sind wir sozusagen auf die Spur gegangen und haben gesagt, stimmt das eigentlich? Also das, was wir in den Augen sehen, was wir ja körperlich aber gar nicht sehen, weil körperlich ändert sich das ja nicht so schnell, das haben wir sozusagen, aber diesen Insight haben wir genommen und haben ihn in die Kampagne gepackt. Wir haben einen Kreativpartner gehabt, der das dann umgesetzt hat. Also wir sehen, wie ein Kind gealtert ist, um diese Schere im Kopf einmal zu schließen, weil das ist das, was tatsächlich passiert, auch wenn wir es nicht sehen, sondern nur, wenn wir es merken oder in der Seele spüren, dass die Kinder so schnell so alt werden. Was können wir gegen dieses Altern tun? Was macht ihr ganz konkret? Also wir müssen einmal verstehen, dass man dagegen etwas tun kann. Man kann dieses Altern stoppen, man kann es teilweise sogar auch rückgängig machen, aber dafür braucht es psychologische Betreuung und dafür braucht es auch ganz viele kleine Vehikel. Und ich glaube, die größte Herausforderung ist, dass jedes Kind ist anders. Das kennen wir von uns, wenn wir mehr als ein Kind haben. Ich glaube.

Man muss manchmal lachen. Ja, sie haben Ähnlichkeiten, aber sie sind eben auch ganz, ganz unterschiedlich. Und so ist das eben in jeder anderen Gegebenheit eben auch. Was wir ganz konkret machen im Moment sind vor allem, dass wir uns auf drei Gänge konzentrieren. Erstens, wir haben diesen.

Chatbot umgesetzt mit einem ganz, ganz großartigen Team und wir fangen heute an, die Kinder damit in Berührung zu bringen, damit wir lernen, was brauchen die Kinder, wenn sie Angst haben. Welche kleinen Gimmicks brauchen sie? Brauchen sie kleine Spiele, weil kleine Spiele gegen Traumata wirken können? Es gibt ganz viele Spiele, die bewirken, das machen das Traumata eigentlich noch viel schlimmer, bewirken das Gegenteil. Also welche dieser Spiele sind für welche Altersgruppen zum Beispiel total relevant und worauf haben die Lust und wie reagieren die auf der Trau? Welche Atemtechniken sind die, die am einfachsten sind, wenn das Kind alleine ist, wenn es vielleicht mit anderen Kindern ist und so weiter? Und da gibt es so ganz viele kleine Gimmicks, bei denen wir raus versuchen zu finden, was ist der richtige Weg, damit wir dann im besten Fall eben diesen Chatbot auch woanders anbieten können. Wir wissen natürlich, dass ein Chatbot eine KI ist und wir wissen natürlich, dass das technisch total super für den ersten Ad-Hoc-Moment ist, wenn es um Todesangst geht, aber damit ist natürlich nicht das Problem behoben, sondern es braucht dann ganz klar psychologische Betreuung. Und wir haben unter anderem jemanden wie Krisenchat, mit denen wir zusammenarbeiten. Wir haben Safe Ukraine, die wir seit vielen Jahren drüben jetzt unterstützen.

Die die Kinder, die deportierten Kinder und jetzt auch Kinder zurückholen in den besetzten Gebieten, die dann eins zu eins Betreuung anbieten. Also es gibt jetzt, wir haben ja mehrere Open Healing Center gegründet oder Daycare Center gegründet, wo Kinder tagsüber einfach einen guten Raum und einen Ort finden. Und da gibt es jetzt immer einen Raum, der nur für psychologische Betreuung da ist und der Kindern die Möglichkeit gibt, wenn sie reden wollen, dann auch zu reden. Und das ist, muss man auch sagen, das ist mal bei einem Kind fünf Minuten und das ist mal 50 Minuten. Also es ist total schwierig, da jetzt so ein Standard zu sagen, was immer funktioniert, aber das finden wir raus. Auf jeden Fall haben sie die Option, dort mit jemandem zu reden, damit diese Angst sich nicht weiter manifestiert, sondern im besten Falle natürlich so ein bisschen, dass alles logischer gemacht wird. Das sind die drei Dinge, auf die wir uns gerade total...

Damit ihr euch darauf fokussieren könnt, braucht ihr Unterstützung. Deswegen habt ihr am Internationalen Kindertag diese Kampagne gestartet. Wenn Hörerinnen und Hörer von uns euch unterstützen möchten, was können sie tun? Ich packe natürlich alle Infos in die Shownotes. Am liebsten auf unsere Seite gehen, We Are Ukrainians. Wir haben auf der einen Seite eine Riesenkampagne, heute auch für Social Media, also alle, die ihre Reichweite nutzen können, weil sie vielleicht kein Geld haben, weil Reichweite ist mindestens genauso wichtig wie Geld. Aber natürlich ist auch jeder Groschen, jeder Euro für uns wichtig, um möglichst vielen Kindern die Hilfe geben zu können, die sie brauchen. Ganz einfach und ich glaube, was jeder von uns tun kann, ist Empathie zeigen. Und ich erlebe das in sehr, sehr vielen Diskussionen. Wir haben es am Anfang angedeutet und ich glaube, jeder hat das auch verstanden. Wir können ein Leid nicht gegen das andere aufwägen und wir müssen ideologische Dinge abziehen und Empathie für das Leid der Kinder empfinden. Und daraus muss Handeln erwachsen, jenseits von Ideologie. Es geht nicht darum, in irgendwelchen Stammtischdiskussionen, auf Social Media, auf Facebook, wo auch immer, Recht zu haben, sondern es geht darum, dass Kinder Rechte haben und dafür brauchen wir keine Ideologie.

Dafür brauchen wir Empathie und dafür brauchen wir Handeln. Und dafür stehst du im Speziellen und eurer Organisation im Allgemeinen und dafür herzlichen Dank. Vielen, vielen Dank. Wir werden nochmal davon hören, liebe Hörerinnen und Hörer. Jetzt heißt es, die Sachen zu unterstützen. Ihr findet alle Infos in den Shownotes. Ihr könnt Tatjana und ihre Organisation unterstützen. Ihr könnt das teilen. Macht das, sprecht darüber und helft den Kindern. Bis zum nächsten Mal. Das war Hey Diggies, der Bildungspodcast mit Viola Patricia Herrmann und Gerd Mängel. Immer dienstags auf allen Podcast-Plattformen.

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