Hey Diggis, so geht Lernen heute. Der Wissens-Podcast mit Viola Patricia Herrmann und Gerd Mengel. Hey Diggis, so geht Lernen heute. Und heute haben wir mal wieder jemanden, der aus der Praxis kommt. Absolut, Gerd. Jemand, der aus der Praxis kommt und der auch mit uns zusammenarbeitet beim DSLK. Eine Stimme für die Bildung, das ist unsere Zusammenarbeit mit dem Deutschen Schulleitungskongress, wo wir beide ja auch vor Ort sein werden, live Ende November in Düsseldorf. Da freuen wir uns natürlich schon drauf. Und heute dürfen wir jemanden begrüßen, den wir dann auch live auf der Bühne erleben werden. Wer ist das? Matthias Zeitler. Erzähl uns mehr darüber, Viola. Ja, Matthias Zeidler ist eine ganz besondere Persönlichkeit. Er ist Lehrer, also er hat Hauptschullehramt studiert, arbeitet tatsächlich auch in dem Beruf, also spricht aus der Praxis, aber er ist auch Moderator, Podcaster und natürlich Speaker. Er bietet auch ganz tolle Lehrerfortbildungen an und er ist einfach so.
Er lebt dieses System Schule und er fühlt es total und ich glaube, dass er das alles trotzdem auf eine sehr humorvolle Art und Weise präsentieren wird. Ja, und das ist auch sein Ansatz mit Humor, Präsentieren, Präsenz. Was er jetzt direkt beim DSLK macht, da schaut ihr am besten auf die Homepage. Und auf der Homepage, dort findet ihr ja auch den Zugang zu den Tickets. Und da haben wir noch was ganz Besonderes für euch. Ganz genau, denn ihr braucht natürlich zum einen auf die Homepage zu schauen, da kriegt ihr einen Überblick über das gesamte Programm. Aber wenn ihr einfach mal in unsere Shownotes geht, da könnt ihr direkt klicken und bekommt 10% Rabatt mit unserem Diggis-Code. Sogar auf reduzierte Preise. Super, das lohnt sich auf jeden Fall. Und ich würde sagen, wir starten jetzt direkt mit unserem Gespräch.
Matthias Zeidler ist Lehrer und steht für eine Schule, die nicht im 20. Jahrhundert stecken bleibt, sondern mutig ins Heute und Morgen schaut. Ob im Klassenzimmer, auf der Bühne oder in sozialen Medien, er gibt Impulse, stellt unbequeme Fragen und zeigt, wie echte Schulentwicklung gelingen kann. Nämlich authentisch, praxisnah und immer mit Blick auf das, was Schüler und Schülerinnen wirklich brauchen. Sein Motto? Lernen ist Beziehung. Und Veränderung beginnt bei uns selbst. Heute sprechen wir mit einem, der Bildung nicht nur unterrichtet, sondern sie lebendig macht. Herzlich willkommen, Matthias Zeidler. Vielen Dank. Hallo, Gerd und Viola. Du hast ja eine interessante Vita zwischen Lehrertätigkeit und Moderation. Kannst du uns mal erklären, wie diese beiden Bereiche zusammenhängen und warum du beides parallel aufgebaut hast?
Also tatsächlich ist das immer auch so eines, was ich in meinen Fortbildungen auch immer erst so ein bisschen erklären muss oder möchte, was jetzt eigentlich Moderation mit der Lehrkraft zu tun hat. Und da gibt es viele Gemeinsamkeiten. Also natürlich sprechen wir alle vor Publikum. Das ist das, was den meisten immer sofort einfällt. Dann werden wir außerdem auch immer bewertet von unserem Publikum oder von den Chefs. Das ist beim Radio nicht anders als in der Schule. Und die interessanteste Gemeinsamkeit ist eigentlich, als Moderator verkaufst du Dinge. Also wenn ich jetzt zum Beispiel von Radiomoderation spreche, dann verkaufst du immer Musik. Also wie oft ich am Tag Phil Collins als den Künstler verkauft habe, auf Gottes Erden, obwohl ich ihn selber nicht mehr hören konnte. Und letztendlich tun wir doch als Lehrkräfte genau das auch. Immer wieder aufs Neue verkaufen wir das, was wir heute, oder zumindest sollten wir das tun, beibringen, als den heißesten Shit, den es heute zu lernen gibt. Also jedes Mal Satz des Pythagoras, Satzglieder, whatever. Es ist ja dann doch immer dasselbe. Und das müssen wir halt einfach gut verkaufen, damit die Leute, das Publikum irgendwie Lust und Laune drauf haben. Das sind so die Gemeinsamkeiten.
Gibt es wahrscheinlich noch viele, viele mehr. Und warum ich das parallel aufgebaut habe, ist, wie es dazu gekommen ist. Ich habe nach dem Abitur ein Praktikum beim Radio gemacht und wusste, das will ich machen. In den Medien ist es halt nun mal so, dass du teilweise auch relativ schnell raus sein kannst. Und dann hatte ich damals schon einen Mentor, kann man sagen, der eben auch Moderator und Lehrkraft ist. Und der sagt ja dann so, du such dir mal was noch, wo du auch Bock drauf hast, was aber ein sicheres Standbein ist. Nachdem ich selber schon Lehrkräfte hatte, die mich einfach für Bildung begeistern konnten und wirklich tolle, tolle Vorbilder waren als Lehrpersönlichkeiten, schon in der Jugendarbeit tätig war und so, war das alles nicht mehr so weit entfernt. Und dann habe ich angefangen, beides zu kombinieren und irgendwie, ja, beides nie losgelassen. Für welchen Sender bist du da unterwegs? Also ich war früher im Funkhaus Nürnberg unterwegs bei Scharivari, habe dann mein Volontariat gemacht bei Antenne 1 in Stuttgart und bin dann gewechselt zu die neue 107 in Stuttgart. Du hast ja Hauptschullehramt studiert, unter anderem auf katholische Religion, deutsche Musik. Katholische Religion hast du auch, du machst ja so ein bisschen Comedy, hast du ja auch ein Äquivalent sozusagen oder ein Gegenüber, was medial sehr bekannt ist. Weißt du, wen ich meine? Den Papst? Keine Ahnung. Wenn der Comedy macht.
Also der hat so mindestens die beiden aktuellen Päpste sind, was Klartext, aber auch das zu übersetzen und Papst Franziskus hatte mit Sicherheit auch sehr viel Humor. Nein, Desirineke. Die ist glaube ich auch Religionslehrerin. Es fällt einem schwer sich vorzustellen, ist aber so.
Gab es für dich ein Schlüsselerlebnis, das dich für Bildung begeistert hat? Du hast es schon ein bisschen gesagt, tolle Lehrer, die du hattest. Kannst du uns da nochmal ein bisschen genauer abholen? Also letztendlich sind es zwei Lehrkräfte gewesen. Ich hatte tatsächlich im Gymnie viele gute, auch ein paar schlechte, aber zwei, die so richtig markant waren. Das eine war unser Wirtschafts- und Rechtlehrer, deswegen habe ich auch eben noch Wirtschaft und Arbeitslehre hier in Bayern studiert. Und das war so ein Typ, der kam rein im Abi, also in den Leistungskurs und sagte so, ab jetzt bin ich nicht mehr euer Lehrer, ich bin euer Trainer. Und so hat der auch unterrichtet. Das war völlig auf Augenhöhe.
Und dann hast du drei Themenbereiche gehabt, Recht, BWL und VWL. Und wir haben Recht gemacht, war gut, BWL war auch okay und dann kam VWL und ich habe es nicht verstanden und mein Kumpel neben mir auch nicht und der hat uns das angesehen und hat gesagt, hey, passt auf, ihr müsst im Abi zwei Dinge machen, was macht ihr? Ja, Recht und BWL, seid ihr euch sicher? Ja. Sagt er, okay, ihr Nasen, wir machen aber jetzt hier nur noch VWL in den Stunden. Ihr kommt hier nicht mehr, weil das macht keinen Sinn. Ihr nutzt die Zeit, setzt euch in die Cafeteria und lernt Recht und BWL und weht ihm, ihr macht was anderes. Und natürlich haben wir das auch gemacht, weil wir dieses Vertrauen nicht ausnutzen wollten. Und das fand ich so einen tollen Vertrauensbeweis. Die andere Lehrkraft war meine Religionslehrerin, die eben mit einer Haltung da rein ist. Und die habe ich übernommen. Ich sage euch jetzt, was in der Bibel steht. Ich sage euch, was die Kirche dazu sagt. Ich sage euch meine Meinung. Und noch viel wichtiger ist, was denkt ihr jetzt darüber? Und jede Meinung ist erlaubt, solange ihr sie begründen könnt. Und das war eben auch wieder so auf Augenhöhe. Und dadurch habe ich dann auch angefangen, eben dann katholische Religion zu studieren. Und das Lustige ist, der Dozent, der Professor, den ich dann hatte, war ihr Mann.
Ja, so schließt sich dann der Kreis. Das ist schon interessant. Da sieht man wieder, welchen Impact die Lehrkräfte einfach wirklich auch haben können auf die Schüler und Schülerinnen. Also das merken wir ja auch gar keine Frage. Sag mal, von welchem Jahrgang redest du jetzt so grob? Wann hast du Abi gemacht? Abi habe ich 2004 gemacht. Ah ja, okay, spannend. Ein junger Kerl noch. Ja, ein junger Kerl. 1940, du.
Ja, da träumen Gerd und ich nur von 40 zu sein, Matthias. Also, naja, gut, wie dem auch sei. Warum habe ich jetzt geschwiegen? Ja, du weißt es nicht. Genau. Seit 2004 oder 2004 hast du Abitur gemacht. Seit 2021 bietest du nun wiederum auch selber Fortbildung an und wirbst dafür unter anderem mit dem Slogan, so werden Lehrkräfte interessanter als das Eichhörnchen vor dem Fenster.
Und das gefällt mir richtig gut, weil ich sage mal, diese Situation, dass man als Lehrkraft da steht und sieht, da gucken doch jetzt wieder einige aus dem Fenster, weil da, ich weiß eigentlich gar nicht, was ist irgendwas, was jedenfalls interessanter zu sein scheint, als mein schönes Simple Past, was ich doch jetzt hier gerade vermitteln möchte, brandlang vorbereitet habe. Stundenlang vorbereitet mit so viel Liebe und Herzblut und dann turnt da das Eichhörnchen und ich bin raus. Genau, also das hast du aufgegriffen. Was erwartet denn Lehrkräfte in dieser Fortbildung? Also tatsächlich besprechen wir erstmal ganz viel genau über diese Situation nicht, weil ich versuche klarzumachen, alles das, was ihr spontan im Unterricht macht, das müsst ihr irgendwie vorbereitet haben. Klingt erstmal ein bisschen komisch. Und ich sage es mal anders, Rudi Carell hat das mal gesagt, alle Witze, die er aus dem Ärmel schüttelt, muss er ja vorher da reingetan haben. So und deshalb mache ich klar, alles, was super wichtig ist, ist erstmal eure Vorbereitung. Und zur Vorbereitung gehört eben nicht nur, ich habe mein Simple Past irgendwie da vorbereitet und die Arbeitsblätter und so weiter, sondern zur Vorbereitung gehört auch, Was bin ich für ein Typ Mensch? Welche Haltung habe ich? Wie gestalte ich denn überhaupt Beziehungsarbeit? All sowas. Oder auch technische Dinge. Wo steht hier was? Wie funktioniert der Beamer? Und so weiter und so fort.
So, will ich strafen oder will ich Konsequenzen? Und all solche Dinge, das hat alles mit Haltung zu tun. Und wenn wir das haben, wenn wir die Personality sozusagen einmal klar gestrickt haben und das dauert erstmal noch ein paar Stündchen, erst dann können wir zu diesem Eichhörnchen-Thema kommen. Und dazu gehört dann eben auch, dass wir dieses Stundenmodell, was wir alle beigebracht bekommen haben im Refinteriat, Also Einstieg, Hinführung, Zielsetzung, Erarbeitungsphase, Sicherung ist auf 45 Minuten ausgelegt. Und wir alle wissen, diese Spanne von 45 Minuten hält keiner mehr aus. Das heißt, wir brauchen ein Tool, was viel, viel schneller geht und da kommt jetzt wieder die Moderation ins Spiel, nämlich das Marketing-Tool AIDA, Attention, Interest, Desire, Action. Und das mache ich den Inhalt von Sekunden oder eine Minute und dann bin ich im Thema. Und da brauche ich keine künstliche Hinführung, ich brauche keinen künstlichen stummen Impuls oder sonst irgendeinen Schwachsinn. Und dann kann ich auch auf das Eichhörnchen reagieren, weil dann habe ich dann auch irgendwann mir den Humor und das Standing in der Klasse erarbeitet. Ja, das ist so schön, diese Eichhörnchen-Geschichte. Das Eichhörnchen an meiner alten Schule, vor der ich jetzt vor drei Monaten aufgehört habe, also wir nehmen jetzt im August auf. Ich erinnere mich an eine Situation und jetzt hat Opa erzählt vom Krieg.
Und wir hatten eine neue Kollegin, ich war noch nicht Schulleiter, und wir hatten Dienstberatung. Ich glaube, es war direkt nach den Ferien, die erste Dienstberatung, die war ziemlich neu. Und wir hatten eine große Fensterwand zu diesem Wald hin. Da stehen noch sehr, sehr viele Bäume um die Schule. Und auf einmal in der Dienstberatung, Das Eichhörnchen. Das ist ein Eichhörnchen. Es ist realistisch. Ich habe eine Kollegin gesagt, egal wie viele Eichhörnchen jetzt hier am Fenster vorbeigehen, hier vorne stehe ich. Also das Eichhörnchen war an der Schule auch so ein bisschen so ein Synonym für Ablenkung. Also das ist schon sehr, sehr treffend gewählt. Danke, ja. Wir können das ja mal, soll ich mal auflösen? Bitte.
Also wir ersetzen mal Eichhörnchen auch durch Schnee, funktioniert nämlich ganz genauso. Oh ja, sehr gut sogar. Genau. Und ganz bitter ist es, also wie werden Lehrkräfte interessanter als das Eichhörnchen vor dem Fenster? Und die Antwort ist, gar nicht. Die Frage ist nur, wie gehen wir jetzt damit um? Also wir stellen uns die Situation mal vor, Eichhörnchen synonym Schnee.
So, es schneit. Und dann passiert immer Folgendes. Einem Schüler fällt auf, oh Schnee. So, dann guckt der Max, dem das aufgefallen ist, der guckt raus und sagt, oh Schnee. Und du stehst eben da vorne gern, wie du das ähnlich jetzt gerade gesagt hast. Ja, aber ich habe doch jetzt hier Satzglieder vorbereitet. Guck mal. Du versuchst also wieder die Aufmerksamkeit auf dich zu lenken. So, weitere fünf Minuten später fällt der Marie auf. Oh Schnee, weil die hatte das noch nicht gesehen.
Dann machst du wieder. Ja, aber jetzt hier doch Satzglieder. Und so weiter. Das Spielchen können wir... Das brauchst du später noch in deinem Leben. Also du holst dann die härteren Geschütze raus. Nee, du sagst dann irgendwann, wenn jetzt der Schnee da ist und dir als Lehrkraft fällt es ja auch auf, dann sagst du in dem Moment und guck mal jetzt alle Schnee. Dann haben den alle gesehen. Und dann kannst du nochmal sagen, okay, alles klar, haben sie ihn jetzt alle gesehen. Gut, dann machen wir jetzt die Widersatzglieder. Und im Zweifel und tatsächlich wahre Geschichte, gehe ich mit denen entweder raus oder bei mir, witzigerweise auch in der Rallysstunde, waren es eben Sechsklässler, die dann Klässler, die dann da, oh, Schnee, Schnee, Schnee. Okay, alle gucken. Und einer war immer noch ganz schön zappelig. Und ich so sage mal, willst du einmal rausgehen? Ja, gut, alles gleich, seht ihr ja von hier, kommst du gleich wieder rein. Dann ist er da auf diesen Pausenhof rumgerannt, echt wie im wahrsten Sinne des Wortes so ein Schneekönig mit Zunge raus. Der wollte das wirklich richtig spülen und fühlen und so. Und dann kam der wieder richtig beseelt zurück in den Unterricht, konnte sich auf meinen Inhalt wieder einlassen. Das klingt gut. Also das macht auch wirklich richtig Sinn. Ich denke, das ist schon mal ein ganz praktischer Tipp, den unsere Zuhörer und Zuhörerinnen dann demnächst ausprobieren können. Ja, aber der Klimawandel macht uns einen Strich durch die Rechnung. So oft schneit es nicht mehr. Warte mal ab.
Im Moment ist ja der Sommer eigentlich auch so, dass man hier den Schnee erwarten könnte, aber das ist ja noch ein anderes Thema. Also Matthias, man merkt ja schon, du bist unglaublich vielseitig in dem, was du machst. Du hast nämlich auch noch einen Podcast und ein Buch mit dem Titel Schule Backstage. Also Wahnsinn, da in wie vielen Bereichen du aktiv bist. Erzähl doch mal, was genau wolltest du denn damit sichtbar machen und ist dir das gelungen, die Schule Backstage zu zeigen? Also ich hoffe und denke, zumindest ist das ja so das Feedback, was ich bekomme. Ja, das ist eine relativ spannende Geschichte, weil ich ja an einer Hauptschule unterrichte, also in Baden-Württemberg heißt das Werk Reha-Schule, Klammer auf, noch Klammer zu. Ich wollte eigentlich mal ein Buch schreiben, womit deutlich wird.
Was für tolle Jugendliche wir an dieser Schulart haben und warum wir eben nicht eine Restschule sind und welche Arbeit auch Lehrkräfte dort leisten, weil wir dann auch ganz oft belächelt werden und weil wir eben ein bisschen eine andere, sage ich jetzt mal, Herangehensweise an Dinge haben. Also bei uns ticken einfach die Uhren ein bisschen anders und wir sind halt in der einen oder anderen Grauzone auch unterwegs. Und das wollte ich da so ein bisschen deutlich machen, habe das Buch auch fertig geschrieben und habe es da mit meinem Autorenagenten an verschiedene Verlage geschickt. Und alle Verlage haben gesagt, das ist ein tolles Buch, das ist ein mutiges Buch, das ist wichtig und richtig und ist auch so schön positiv. Aber es ist uns zu positiv und außerdem kommt das Wort Hauptschule darin vor und dann kauft es keiner, wollen wir nicht. Und ich habe mir gedacht, nee, genau das wollte ich. Ich wollte aus dieser Stigmatisierung raus. Und dann habe ich ganz viel Wut tatsächlich gesammelt. Dann kam das Buch von Silke Müller raus, das erste. Wir verlieren unsere Kinder. Und mein Autorinagent hat gesagt, du kannst uns sagen, was du willst. Wir brauchen so einen Auf-die-Fresse-Titel. Dann wollte ich das erst nicht, weil das bin nicht ich. Und dann habe ich aber irgendwann so einen Auf-die-Fresse-Titel geschrieben. Wollt ihr hören? Ja.
Unsere Bildung ist im Arsch und die Jugendlichen die wertlosen Opfer. Ui. So, und mit diesem Titel bin ich wieder an die Verlage. Und dann wurde es abgesagt. Und jetzt haben wir dich, wo wir dich haben wollen. Jetzt wollen wir gerne ein Buch von dir. Aber jetzt bitte wieder ein Positiv. Oh Gott.
Und so bist du dann bei Schule Backstage angekommen. Und so bin ich dann bei Schule Backstage gelandet, was ja eigentlich auch der ursprüngliche Titel mal war. Was mir da wichtig war, ist einfach den Perspektivwechsel zu wagen. Es war in alle Perspektiven rein. Vor allen Dingen aber in die Perspektive der Jugendlichen, wie wir gut mit denen umgehen und besser mit denen umgehen in Schule, aber auch die Perspektive der Eltern einzunehmen, der Lehrkräfte und auch der Politiker. Und wenn wir all die Perspektiven nämlich mal verstehen und mal aus deren Sicht denken, dann können wir auch verstehen, warum das alles gar nicht so einfach ist zu sagen, so und jetzt machen wir alles anders. Was war denn eigentlich zuerst da, das Buch oder der Podcast? Das war der Podcast da, ja. Wie war da die Resonanz-Podcast-Schule? Sind jetzt hier einige unterwegs? Sehr, sehr, sehr groß tatsächlich. Ich glaube, was halt da so ein bisschen mit reinspielt, ist, dass ich versuche, nicht ein Interview zu machen, sondern ich versuche, ein Gespräch zu entwickeln. Im besten Falle höre ich auch immer wieder, dass dann die Gäste sagen, boah, jetzt habe ich ganz vergessen, das werde ich aufnehmen. Das ist dann der Optimalfall.
Und ich will auch nie wirklich Zahlen, Daten, Fakten wissen, sondern ich will gerne immer die Geschichten dahinter hören, die interessieren mich. Seitdem ich Moderator bin, immer der festen Meinung, jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen und die will ich hören. Das ist ja auch das, was die Menschen eigentlich lieben, dieses Storytelling. Das ist ja auch im Unterricht super wichtig, wie verpacke ich eigentlich meine Inhalte, die ich verkaufen will, in Anführungsstrichen, so wie du eingangs gesagt hattest. Ich verlinke... Ich verlinke das Anteil in der Fortbildung. Wie mache ich vernünftiges Storytelling? Und dann sage ich zum Beispiel auch immer, dass ich in der achten Klasse in Musik Johnny Cash mache. Und alle schlagen die Hände über den Kopf zusammen. Ja, da können doch die mit der Musik nichts anfangen. Das ist auch nie das Ziel. Sondern? Ich will, dass sie begreifen, warum ist der Künstler als solches interessant? Nicht die Musik. Die Musik dürfen die scheiße finden. Das ist genauso wie mit der Religionslehrerin damals. Die dürfen die Musik ja blöd finden, wenn sie es begründen können. Und genauso geht es mir, wenn die dann sagen, ja, wir haben hier neue Musik von XY.
Und dann sage ich, ja, und warum ist jetzt der Künstler so erfolgreich? Also den muss ich ja nicht gut finden. Ich finde nicht alle Deutschrapper gut. Aber ich versuche dann über meinen Tellerrand rauszugucken und zu verstehen, warum hat der jetzt gerade so eine Zielgruppe? Warum ist er so erfolgreich? Wenn du sagst Johnny Cash und Deutschrapper oder ähnliches und wenn man sich mit der Biografie auseinandersetzt und ich glaube, das können die Jugendlichen, gibt es ja auch diese fantastische Verfilmung mit Joaquin Phoenix, ich glaube, dann können die sich mit der Figur auch identifizieren. Du, denn Religion ist noch einfacher. Jesus, der krasseste Influencer seiner Zeit, mit sehr vielen Followern und sicher auch ein paar Hatern. Nicht nur sicher. Entschuldigung, ich bin auch Religionslehrer.
Ja, spannende Herangehensweise. Man sieht natürlich auch, dass du dich selber auch ein Stück weit, ich sag mal so, als Lernbegleiter verstehst. Du bist jetzt nicht der Dozent, der vorne steht und sagt so, roh im Karton, ich erzähle euch jetzt, wie es funktioniert, sondern du machst den Diskurs auf und gehst ins Gespräch und in den Austausch. Das finde ich natürlich auch ganz spannend und ich verlinke sehr gerne deinen Podcast in den Shownotes. Aber sag mir doch mal bitte, ob es da eine bestimmte Podcast-Folge gibt oder vielleicht auch einen parallelen Kapitel im Buch, das dir besonders am Herzen liegt. Das ist echt eine schwierige Frage, weil mir auch viele Gäste immer wieder am Herzen liegen oder Begegnungen wie zum Beispiel mit Hendrik Durin, dem Schauspieler von der RTL-Serie Der Lehrer und man dann so im Austausch wieder bleibt und so. Aber wenn man es jetzt mal an Themen festmacht. Dann würde ich immer sagen, es sind so zwei Folgen, weil die so auch so ein bisschen so meine Herzensthemen sind. Das ist einmal die Doppelfolge mit Dirk Fiebelkorn, Strafen versus Konsequenzen. Das ist eh immer wieder ein Thema, weil halt auch das Ampelsystem und so und diese ganzen Störtexte und Nachsitzen einfach mal einfach verbrennen sozusagen. sein.
Die andere Lieblingsfolge ist, wir sind mittlerweile auch schon zwei, mit Raphael Kirsch, wo es dann eben um Krisensituationen in der Schule geht. Ja, und dann kommen wir gleich noch zum Deutschen Schulleitungskongress. Ja. Kannte den nicht und dann haben wir irgendwie nebeneinander gestanden, haben wir hinterher gleich Podcasts aufgenommen, 10 Minuten. Ich konnte ganz unvorheingenommen mit ihm aufnehmen, weil glaube ich, alle anderen, die hätten, glaube ich, ganz gerne sich mit ihm unterhalten und haben sich irgendwie nicht getraut, ihn anzusprechen. Ich war unvorheingenommen und habe dann einfach ein Gespräch angefangen Und so kam es dann zu der Aufnahme. Okay, Raphael Külsch kann man nur empfehlen. Ja, man muss auch dazu sagen, vielleicht also Raphael und Dirk und ich, wir sind halt auch echt dicke Kumpels.
Insofern liegt das natürlich auch nahe. Ja, das ist natürlich schön, wenn man auch so eine gewisse persönliche Ebene hat. Das hört man ja einfach auch im Gespräch. Es macht Spaß dann zuzuhören. Das kennen Gerd und ich ja auch, dass wir immer wieder Gäste haben, die uns wirklich nachhaltig auch beeindrucken. Und wo man auch den Kontakt hält und sagt, hey, weißt du was, wir gucken einfach mal längerfristig drauf, wie sich die Situation entwickelt, was bei dir Neues passiert und so das auch begleitet. Wir haben es gerade kurz angesprochen, du wirst ja auch Speaker beim DSLK, beim Deutschen Schulleitungskongress Ende November in Düsseldorf sein. Wir sind ja auch live vor Ort, dann lernen wir uns mal persönlich kennen, freut mich dann auch.
Und dein Vortrag da geht jetzt erstmal nicht ums Eichhörnchen, sondern trägt den spannenden Titel Im Kollegium begeistern. Auch das natürlich eine gewisse Challenge, die da drin steckt. Sag mir mal, wie gelingt das denn? Es hat doch ein bisschen was mit dem Eichhörnchen sozusagen zu tun, weil es dann auch wieder was mit Storytelling letztendlich auch zu tun hat. Ja, aber im Kollegium zu begeistern ist natürlich so die große Frage, wie schafft man das, andere Kollegen von einer Idee zu überzeugen? Und ich glaube, da gibt es so mehrere Herangehensweisen. Also man kann natürlich als Schulleiter zum Beispiel sagen, so machen wir das jetzt einfach und dann kann man Glück haben und die meisten ziehen mit oder halt auch Pech haben und da passiert gar nichts und da kommt große Gegenwehr. Das weiß ich nicht, ob das der bequemste Weg ist. Ich glaube, auch da wieder ist ein Perspektivwechsel erstmal ganz gut, um zu verstehen, was ist denn jetzt eigentlich der Wunsch des Kollegiums.
Und das Spannende ist, ich glaube, dass der Wunsch des Kollegiums, habe ich immer wieder auch gehört von Leuten, die die Schulentwicklung betreiben, ist meistens nicht das, was wirklich gebraucht wird, sondern das ist erstmal das Bedürfnis zum Beispiel auch nach Sicherheit. Und das Bedürfnis ist ja erstmal total okay. Und wir kennen das alle, dass wir uns auch gerne in der Komfortzone bewegen, weil wir wissen, das haben wir schon immer so gemacht, das funktioniert mehr oder weniger gut. Und diese Komfortzone ist ja erstmal was Schönes. Und jetzt braucht man aber ja gute Gründe, um aus dieser Komfortzone rauszugehen. Aus diesem warmen Becken, sage ich jetzt mal, in ein kälteres Gewässer zu gehen. Und was machen wir alle, wenn wir uns das mal vorstellen im Bad, wenn wir in ein kaltes Becken gehen und vorher im Warmen waren, wir machen uns erstmal so ein bisschen nass. Und da gehen wir dann mal so langsam rein. Ganz vorsichtig. Genau, ganz vorsichtig, bevor wir ganz reinspringen. Und ich glaube, das ist wahrscheinlich auch der Weg in Schule, dass wir erstmal so Strohfeuer vielleicht legen und Kollegen haben, die das mal ausprobieren.
Und wenn das gut funktioniert und die dürfen auch offiziell mal scheitern und Fehler machen. Und wenn das dann gut funktioniert, dass man dann sagt, okay, alles klar, guckt mal, das funktioniert gut. Wer möchte denn sozusagen da auch mit einsteigen? Also ich kenne den Schulleiter aus Hessen, der macht das gerade ganz ähnlich. Der etabliert zum Beispiel das Graduierungssystem gerade und der hat eben angefangen so klassenweise und jetzt macht er das jahrgangsstubenweise. Und dann baut er das immer weiter aus und so steckt sich die Begeisterung an mit den anderen Kollegen. Und ich glaube, dass das ein Weg sein kann. Und da auch wieder in die Emotion reinzugehen, den Kolleginnen und Kollegen klarzumachen, welchen Vorteil habt ihr denn? Wenn ihr das so und so macht. Und ich glaube, das ist vielleicht auch noch ein ganz, ganz wichtiger Aspekt. Also welches gute Gefühl habt ihr, wenn ihr das so und so mal ausprobiert? Das stimmt. Da gehe ich auch mit und habe ja nun viele, viele, viele Jahre ja auch Schulentwicklung hinter mir. Am Anfang sehr einfach, da hatte ich die Referendare ausgebildet, hinterher als Schulleiter.
Dann sieht die Realität dann doch wieder anders aus. Aber gerade dieses Sicherheitsbedürfnis ist ein großer Punkt. Wie schafft man Strukturen, dass sich das etablieren kann? Also wir haben beispielsweise bei uns in der Schule, ich mache nur, ich fasse mich kurz, du bist unser Gast, aber wir haben dann eben nicht, jetzt machen wir den Workshop und ab morgen geht es los, sondern wir haben dann Leute gesucht, die freiwillig zum Beispiel den Friday eingeführt haben. Es gab immer wieder Probleme, letztendlich auch an strukturellen Dingen, denn jetzt ist auch das Gesetz geändert in Mecklenburg-Vorpommern. Wir hatten das Projekt aber, was mir eigentlich wichtig ist und dann haben sich Kollegen freiwillig dort reinbegeben, hatten Zeit und haben kontinuierlich das Projekt aufgebaut, bevor sie gestartet sind. Also nicht, jetzt ist das nicht da, wir wollen das gerne machen, ich möchte gerne, sondern sie haben sich wirklich anderthalb Jahre Zeit genommen, auch mit einem externen Coach und haben das dann etabliert. Schulgarten ist geblieben, das ist erstmal gut, auch ein paar Schüler, die das machen, jetzt ist eine Gesetzesänderung und andere Dinge struktureller Art beim Schulträger, dass das nicht mehr möglich ist. Das ist eigentlich schade, aber ist jetzt so, den Irrglauben, denen man nicht anheimfallen darf.
Dass jetzt alle in der Schule, wenn es läuft, und damit meine ich ganz normaler, traditioneller, konventioneller Unterricht mit einigen Exoten, mit einigen schönen Projekten, wenn das einigermaßen läuft, sieht niemand ein, dass wir Schulentwicklung machen müssen. Es ist ganz schwer. Die Schulen zum Beispiel, die den Deutschen Schulpreis gewonnen haben, Oft. Entweder sind das absolute Neugründungen gewesen, die ein sehr innovatives Konzept von vornherein hatten, weil sich Leute gefunden haben, die ein ähnliches Mindset haben. Oder in Schulen, die an einem Tiefpunkt waren, in einer Krise. Wenn ich aber so ein gleichbleibendes, ja, es funktioniert schon habe, ich glaube, das ist auch dann ganz schwer, das Kollegium zu motivieren. Warum soll ich es machen? Ich empfinde ja das drumherum schon anstrengend. Genau richtig. Und ich glaube, genau das ist so der Punkt. Ja, es ist so, es funktioniert so gerade so, aber irgendwie funktioniert es. Und genau wie du sagst, da würde ich glaube ich ansetzen und dann sagen, ja, aber guck mal, wenn es gerade so funktioniert, wie können wir es denn machen, dass es nicht gerade so funktioniert, sondern dass es wirklich rund läuft.
Und keiner kann mir sagen, dass an einer Schule alles super glatt läuft. Und dann sind wir schon beim Thema eben Strafen und Konsequenzen. Wie viele Leute sich immer beschweren, ja, jetzt habe ich dir nachsitzen lassen und es kommt ja doch keine Veränderung und so weiter und so fort. Wo ich mir denke, ja, dann lass es doch. Also dann hör doch auf damit. Sondern versuch doch mal zum Beispiel, da sind wir dann bei Beziehungsarbeit, deine Beziehungsarbeit anders zu gestalten und mehr über Konsequenzen zu arbeiten. Ja, das kostet Zeit und dann darf man kreativ sein und so weiter und das ist auch keine Sache, die dann von heute auf morgen eine Veränderung bringt. Ja, aber das Nachsitzen ist eben so schön sichtbar und hat so eine leicht, das sehen wir auch in der Politik, hat so eine leicht populistische Note. Also ich kann mich darüber auch als sehr pseudokonsequent etablieren.
Das kann ja durchaus. Ich würde das jetzt nicht grundsätzlich, also nachsitzen, wir wissen alle schwarze Pädagogik. Aber wenn das zum Beispiel der Punkt ist, dass ich mal zwei Schüler und ich setze mich mit denen zwei Stunden hin und ich meine jetzt nicht, schreibt mir jetzt die Hausordnung ab, sondern gebt ihnen nochmal die Aufgaben. Und jetzt merken sie auf einmal, ihr habt das hier die ganze Zeit gestört und weiß ich was und redet kurz vielleicht noch über ihr Bedürfnis, aber jetzt ist mir wichtig, ihr müsst das machen. Dann werden sie auch merken, okay, so einfach ist das nicht. Er lässt sich nicht auf der Nase rumtanzen. Aber wenn man ihnen dann auch das, ihr seid mir wichtig oder ihr seid nicht schlecht, dann gebe ich ihnen ja auch wieder Motivation. Also es kann, nachtsitzen ist nicht per se Problem, obwohl ich jetzt kein Lehrer war, wo viel nachgesessen wurde. Gab es auch mal, aber dann gab es meistens auch ein Gespräch oder war ein Trick damit verbunden. Man hat ja auch so seine Tools.
Bei dir wird es viel mit Kommunikation zu tun haben. Ja, genau. Das ist für mich eben dann auch kein Nachsetzen mehr, was du beschrieben hast, sondern das ist dann tatsächlich, hast du ja auch gesagt, ein Zeichen, ich nehme mir jetzt Zeit für euch und zeige euch, warum mir das so wichtig ist, dass ihr da was mitnehmt zum Beispiel oder warum ihr pünktlich sein solltet oder wie auch immer. Ich sage auch immer, passt mal auf, weil die fragen dann immer so, ja, was ist denn dann eine Konsequenz für? Und dann sage ich immer, das hängt immer davon ab, wer macht was, wann, zum wievielten Mal und was. So, und wenn ihr mir zum Beispiel Zeit klaut, kann ich auch einfach sagen, dann klaue ich euch auch Zeit, aber gewinnen wieder welche, persönlich.
Weil dann, ich bin Medienbeauftragte an der Schule. Es gibt immer was zu tun. Da dürfte ich mich super gerne unterstützen. Ja, Musiklehrer. Du musst dich drücken ziehen für die Konzerte. Es gibt auch ein paar Klischees. Entschuldigung, ich habe dich unterbrochen. Nee, alles gut, alles gut. Und dann aber, wie du sagst, ich gehe ganz viel in die Kommunikation. Also es gibt selten tatsächlich eine Pause, wo ich nur da sitze und nichts tue. Weil ich aber auch gerne mit Jugendlichen dann spreche und mich wirklich dann dafür interessiere, hey, was ist denn gerade bei dir los? Warum kannst du gerade nicht pünktlich sein oder dich auf den Stoff einlassen und so weiter? Auch wieder Perspektivwechsel. Und vor allen Dingen, was brauchst du denn, damit das wieder gut klappen kann? Und manchmal haben die selber ganz gute Ideen dafür. Du arbeitest sehr viel im Heute, keine Frage. Aber du hast ja auch große Ideen, Visionen und Wünsche für das Morgen. Also sonst würdest du ja nicht so aktiv dazu beitragen, Schule von morgen, Bildung von morgen zu gestalten. Wenn wir jetzt mal ein bisschen träumen dürften und du könntest eine Schule komplett neu aufbauen mit deinen Schwerpunkten, ohne die Lehrpläne, ohne Vorgaben, ohne den 45-Minuten-Takt, was du gesagt hast, Dinge, die vielleicht einschränken, Dinge, die überholt sind, altradiert. Wie sähe diese Schule aus, Matthias?
Also erstmal wirklich ohne Noten und Hausaufgaben. Das ist das Erste, was ich überhaupt nicht mehr einführen würde. Hausaufgaben auch nicht? Hausaufgaben auch nicht. Das bringt alles nichts. Es gibt genau drei Typen von Hausaufgabenmachern. Der eine, der macht es gar nicht. Der andere, der macht sie. Und der dritte schreibt sie noch schnell im Bus ab. Und wir wissen, spätestens seit der Hattie-Studie, dass die Hausaufgaben, so wie wir sie geben, muss man vielleicht auch noch dazu sagen, einfach nur einen sehr geringen bis gar keinen Effekt haben. Und was machen wir Lehrkräfte dann auch noch? Zumindest wenn wir das einigermaßen ernst nehmen mit den Hausaufgaben, dann korrigieren wir die Hausaufgaben ja auch vielleicht dann noch sogar noch mit denen zusammen im Unterricht. So und dann stellen wir aber fest, dass die Hälfte oder mehr als die Hälfte, die ja sowieso nicht gemacht hat. Das ist sofort Frust. Genau, genau. Das bedeutet Frust für alle Seiten. Dann können wir auch mal verstehen, warum das auch zu Hause nicht funktioniert. Hausaufgaben sind nämlich Hausfriedensbruch und also sage ich jetzt auch als Papa. Und dann kann ich die Zeit, die ich da investiere, einfach gleich als Übungszeit in der Schule geben. Dazu muss dann aber auch einiges aus dem Lehrplan rausfallen. Also zum Beispiel müssen auch, und da sind wir jetzt wieder, wie würde ich Schule gestalten? Solche Sachen wie den Aufbau der Steppe oder der Wüste, warum müssen denn unsere Schülerinnen und Schüler lernen? Die werden niemals in der Wüste ausgesetzt sein und dann können sie mit dem Aufbau der Steppe und Wüste immer noch nicht überleben.
Also, totale Bumpitz. Solche Sachen würde ich gerne irgendwie rausnehmen und irgendwie praxisnah machen, wenn es wenigstens der Wald wäre, den wir irgendwie dann nochmal neu kennenlernen zum Beispiel. Und dann müsste es eine Schule sein, die Verständnis füreinander beibringt, also sprich auch ganz viel Partizipation der Schülerinnen und Schüler. Was braucht ihr eigentlich und wie kann es gut werden? Und die Freiheit, für alle Seiten scheitern zu dürfen und lustvoll scheitern zu dürfen und daraus Konsequenzen zu ziehen. Das klingt sehr gut. Jetzt würde ich das gerne mal einmal von der Vision wegbringen zu einer reellen Möglichkeit. Nämlich, wenn wir uns die Schule heute angucken, so wie sie jetzt einfach ist. Es gibt ja auch Möglichkeiten, jetzt was zu verändern. Mutige Schritte vielleicht die Schule heute schon gehen kann, auch ohne Genehmigung von oben. Du hattest vorhin schon mal gesagt, ihr bewegt euch auch manchmal in Graubereichen, um es mal ein bisschen kreativ auszudrücken. Was wäre das aus deiner Sicht, was wäre ein mutiger Schritt, den Schule heute gehen kann, um wirklich einen positiven Effekt jetzt zu erreichen? Ich weiß gar nicht, ob es da so viel Mut braucht und so viele Grauzonen, weil man kann es auch einfach pädagogische Freiheit nennen.
Wie ich meinen Unterricht gestalte, das obliegt meiner pädagogischen Freiheit. Und ich sage dir ein aktuelles Beispiel. Es ist noch gar nicht so ausgegoren insofern, dass ich noch nicht über Praxiserfahrung sprechen kann, aber über den Weg dorthin. Ich beschäftige mich seit fast einem Jahr, über einem Jahr jetzt mit Selbstregulation und welche Emotionen denn überhaupt in diesem Klassenzimmer sind und teilweise es auch verhindern, gut lernen zu können. So und dann auch wie viel Ängste, also wir wissen ja seit dem Schulbarometer, wie viel psychische Schäden tatsächlich auch bei Jugendlichen auch durch Schule hervorgerufen werden. So und da müssen wir doch einfach mal ran. Und dann braucht es doch gar nicht mehr so viel Mut, einfach mal über Kleinigkeiten nachzudenken, wie oder sich auch nicht mehr aufzuregen über, dass Schülerinnen und Schüler ständig auf die Toilette gehen.
Und dann sage ich, naja, jetzt stellt euch mal bitte einen Jugendlichen vor, der sitzt da den ganzen Vormittag auf so blöden Holzstühlen, 45 Minuten lang, soll immer bitte produktiv sein, sitzt auch noch unbequem. Und dann wundern wir uns, dass die ständig auf die Toilette rennen. Jetzt schaut mal in eure Lehrerkonferenz rein. Wie viele Nebentätigkeiten laufen denn da so ab? Das will aber immer keiner hören. Ja, aber so ist es. Aber so ist es. Ja, ja. und da können wir uns mal an die eigene Nase fassen. Also das heißt, wir brauchen irgendwie ein offenes, freieres Setting. Um jetzt sozusagen den Bogen wieder zurückzubekommen zu der Entwicklung. Ich werde nächstes Jahr zusammen mit einer Kollegin viel Richtung Selbstregulation und selbstorganisiertes Lernen machen. Das wird nicht so sein, wie Stefan Rupaner das in Wut-Eschingen macht, weil das nochmal räumlich ganz andere Voraussetzungen sind. Aber wir versuchen, Dinge so zu adaptieren, dass sie vielleicht bei uns an der Schule funktionieren können. Und dann eben zu sagen, okay, das hat nicht so gut funktioniert, müssen wir anders machen, das hat aber dafür funktioniert. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt.
Wir haben die Jugendlichen da mitgenommen und ich habe denen von dieser Schule erzählt. Und dann haben die gesagt, ach, das ist ja cool. Sag ich, ja, finde ich auch. Wollen wir das mal ausprobieren? Ja, sondern haben wir gemeinsam mit der Klasse sowohl gewünschte Freiheiten als auch die Pflichten, die sie dafür übernehmen würden, erarbeitet. Und dann hatten wir schon in dieser einen Woche einen positiven Effekt, weil ich gesagt habe, es gibt hier keine Klassendienste mehr, sondern ihr seid als Team dafür verantwortlich, um in die nächste Stufe zu gelangen, dass es hier ordentlich ist. Sondern hat jeder irgendwann mal einen Besen in der Hand gehabt und sauber gemacht. Nicht immer nur einer. Und zwar, die haben sich untereinander abgesprochen. Einer, der immer unpünktlich war, das ganze Schuljahr gegenüber, hat verstanden, ach so, Pünktlichkeit gehört auch dazu, um Freiheiten zu erlangen. Na dann bin ich aber jetzt pünktlich. Hat funktioniert. Die Erkenntnis. Und dass es für mich einen Sinn hat.
Das sogenannte Why. Genau. Sehr schön und das zeigt letztendlich auch, es sind Dinge, die eigentlich schon immer geholfen haben beim Lernen und da können wir durch die Geschichte der Pädagogik gehen. Ich neige ja auch dazu, früher oder die alte Schule zu kritisieren und die neue Schule. Es geht eigentlich darum, Haltung zu identifizieren, wie wir an Schule rangehen und das wird man über die Jahrhunderte, seitdem es pädagogische Schriften gibt, wirst du immer wieder auf diese Haltung treffen. Der Zugewandtheit, das wirst du ja in deinem Vortrag machen auf dem Deutschen Schulleitungskongress. Der Vorteil ist, du hast es gerade gesagt, du probierst ein bisschen was Neues aus oder kannst jetzt konsequenter das noch ausprobieren im Team. Das ist ja Ende November, da kannst du vielleicht in deinem Vortrag auf dem Deutschen Schulleitungskongress auch eingehen. Stefan Rupana, den hast du auch gerade erwähnt, den hatten wir auch vor kurzem hier im Podcast. Der wird da sein, aber auch Marina Weisband, die wir hier schon zu Gast hatten.
Den UNESCO-Generalsekretär Ranga Yogeshwar. Da nochmal die Erinnerung, das ist heute wieder Diana Knodel an unsere vorletzte Folge zum DSLK. Also da hat man eine ganze Bandbreite, um sich in seiner Haltung zu vergewissern. Solche Impulse dann auch in die Schulen nach dem Kongress mitzunehmen. Vielen herzlichen Dank, Matthias, dass du dir heute die Zeit genommen hast. Danke euch. Ich glaube, wir hätten noch länger diskutieren können. Absolut. Ganz spannend. Aber ich glaube, wir würden das beim DSLK fortführen. Und Gerd, du bist ja auch gerne mal als rasender Reporter da mobil unterwegs. Und ja, wir haben ja auch was Besonderes für da vorbereitet. Also wir werden sicherlich die Chance nutzen, Matthias, und nochmal auf dich zukommen. Das wollten wir ja. Dann trinken wir einen Kaffee zusammen. Das machen wir. Ja, das gibt es beim Kaffee bei. Als Speaker bekommt man ein Freigetränk. Das gibst du uns dann aus. Das kannst du dann mit uns zusammen trinken. Ja, vielen lieben Dank, Matthias. Wir sehen uns, hören uns. Bis bald. Danke euch. Nachgedacht.
So, Gerhard, das war doch wirklich mal ein sehr positives, inspirierendes Gespräch. Also trägt mich noch sehr und ich gebe dir mal ein Stichwort rüber. Eichhörnchen. Oh ja. Ich habe ja schon meine Geschichte erzählt. Das Wichtigste ist, naja, sich selber nicht so wichtig nehmen und dadurch eine Wichtigkeit bekommen, also durch Präsenz. Er hat ja gesagt, alles ist interessanter. Der Schnee ist auf alle Fälle interessanter als der Lehrer, der da vorne steht oder die Lehrerin oder in seinem Fall der Lehrer. Oder das Eichhörnchen, was am Fenster vorbeihoppelt. Eichhörnchen können nur springen, die können nicht laufen. Jetzt wollte ich hier mal so eine Klugscheißer-Geschichte hier noch einbringen. Ja gut, dass wir das auch noch geklärt haben. Danke. Genau, ganz wichtig.
Ich glaube, das ist das Wichtigste. Und ich glaube, das fällt uns Lehrern und Lehrern oft schwer, weil wir uns unheimlich wichtig nehmen und wir auch ganz oft Probleme sehen, wo keine sind. Bitte lassen Sie mich durch. Ich bin Lehrer. Gibt es hier ein Problem? Wenn nicht, dann haben Sie jetzt eins.
Das fand ich sehr gut. Und ich kann mir ihn als Lehrer auch richtig gut vorstellen. Total, kann ich mir auch richtig gut vorstellen. Gerade so die Beziehungsebene, die er so anspricht, das fühlt er ja auch sehr und gibt das, glaube ich, sehr gut weiter. Und ich muss auch gestehen, ich habe mich bei seiner Eichhörnchen-Geschichte so ein bisschen ertappt gefühlt, weil ich genau dieses Gefühl kenne. Man steht da vorne und in dem eigenen Kopf ist das ja so wichtig, was man mitgebracht hat. Also diese Stunde zählt jetzt massiv, um die Kinder wirklich auf ihre persönliche Zukunft vorzubereiten. Also das ist zumindest so die Wahrnehmung, die man dann teilweise hat. Und dann kommt da so ein externer Faktor, den man gar nicht beeinflussen kann. Und ich erinnere mich, wie oft ich mich geärgert habe. Also was das so für Emotionen in mir eigentlich auch ausgelöst hat. Ein Stück weit muss ich auch sagen, Hilflosigkeit. Weil man denkt, also man wird auch ärgerlich daraus und denkt, das kann doch wohl nicht wahr sein. Man nimmt es persönlich. Man nimmt es persönlich, genau. Und ich denke, das ist ein Punkt, wo wir öfter mal einen Schritt zurücktreten sollten, auch aus unserer Rolle. Und einfach sagen, okay, das ist jetzt die Situation und wie kann ich die optimal auffangen, damit es dann mit dem Unterricht weitergeht und die Kinder trotzdem konzentriert sind, nachdem sie in Ruhe das Eichhörnchen bestaunt haben.
Ja, der Lars Eidinger, der Schauspieler, kennst du den? Ja. Ja klar, wer kennt den nicht? Der hat mal in irgendeinem Talkshow oder Podcast irgendwas, was ich mit ihm gehört habe, das kommt immer darauf an, wie er drauf ist. Manchmal ist er sehr schwer und gedankentragend und manchmal ist er sehr locker. Und das war ein sehr lockeres Interview. Und da hat er erzählt, dass er dann auch mit dem Publikum, also wenn da so leichte Störungen im Publikum mal sind oder er so ein Soloprogramm hat oder er merkt dann eine gewisse Unruhe, dass er dann mit den Leuten auch in die Kommunikation geht. Also nichts anderes. Also um dann wieder die Aufmerksamkeit, den Fokus zurückzuholen. Nichts anderes macht der Matthias dann ja auch. Mit Gitarre vermutlich auch.
Ist ja Musiklehrer. Alter, was versprichst du dir denn von seinem Vortrag beim DSLK mit dem schönen Titel Im Kollegium begeistern, weil für mich steckt da auch wirklich eine Portion Challenge drin, muss ich schon sagen. Ich bin da gespannt drauf, was vermutest du, was wird er da so mit uns teilen? Also erstmal vermute ich, dass es einer der Vorträge sein wird, wo auch viel gelacht wird. Definitiv. Dann wird es ein Vortrag sein, der sprachlich sehr brillant sein wird. Denn das hat man jetzt schon gehört, dass ich jetzt wirklich Insider-Podcast Kata wissen, also wir sprechen hier nicht nur, ich schneide das auch. Bei ihm muss man wenig rausschneiden. Da war wenig S und M und so drin. Der ist ein trainierter Sprecher. Das macht man.
Der wird einen abholen, der wird genau wissen, wie er den Vortrag aufbaut und er wird Praxistipps geben. Ganz einfach aus seiner Erfahrung. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass er Dinge, also wie sagt man heute immer, fuck up. Also wenn Dinge nicht funktionieren, das ist glaube ich so, dieser New Work, locker, flockig Geschichte. Ich glaube im ZDF läuft sogar so eine Reihe fuck up, wo so Unternehmer sowas erzählen, also ZDF, dann darf ich das auch sagen, dass er auch so ein paar Downer uns erzählen wird. Also die, wo es nicht so klappt oder wo man denkt, ich habe hier so eine tolle Idee und ich bin so begeistert und brenne so dafür und man guckt in leere Gesichter von Kollegen und sagt, hey Alter. Ja, was willst du denn? Was willst du denn? Ich muss hier meinen Stoff durchbringen und habe jetzt gerade für selbstgesteuertes Lernen gar keine Zeit. Vielleicht erzählt er solche Sachen auch, die er vielleicht selbst erlebt hat oder andere, könnte ich mir auch vorstellen. Kann ich mir auch gut vorstellen. Einfach so das ganz Menschliche an unserem schönen Beruf, was es ja auch ausmacht, die ganz vielen Facetten. Ich freue mich auf jeden Fall darauf und ich kann dir sagen, ich werde ihm definitiv zuhören. Der Vortrag ist an den Samstagvormittag.
Das hat er uns schon gesagt. Die genaue Zeit packe ich natürlich auch noch in die Shownotes rein. Und wenn ihr das nicht verpassen wollt, dann sichert ihr euch jetzt euer Ticket zum Deutschen Schulleitungskongress mit unserem Digis-Rabatt, nämlich 10% direkt über den Link in den Shownotes. Und Gerd hat natürlich noch eine Empfehlung für euch. Und wenn ihr weiterhin solche tollen Gäste wie Matthias erleben wollt, dann abonniert unseren Kanal, gebt uns eine gute Bewertung auf Spotify.
Lasst einen Kommentar bei Apple Podcast da oder wo auch immer ihr unseren Podcast hört, dann seid ihr immer die Ersten, die Hey Digis, so geht lernen, heute in ihrem Smartphone, Tablet, PC haben. Wo auch immer ihr uns hört, Hauptsache ihr hört uns. Wir freuen uns auf euch, seid dabei und dann bis zum nächsten Mal. Ciao. Das war Hey Diggies, der Bildungspodcast mit Viola Patricia Herrmann und Gerd Mängel. Immer dienstags.
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