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Herzlich Willkommen bei Kurz und Gut, der knackigen Ausgabe von Hey Digis, so geht Lern heute. Und wir sprechen nächste Woche mit zwei wirklich mutigen Frauen, wie ich finde. Denn Kerstin Baumgartner und Peggy Kaminski haben nichts anderes getan.
Als eine neue Schule zu gründen. Sie sind beide ausgebildete Lehrerinnen und haben sich irgendwann gesagt, nach vielen Jahren der Berufserfahrung, also eigentlich ist das nicht die Art des Lernens, für die wir angetreten sind. Wir möchten nicht, dass Kinder nach der ersten, zweiten Klasse sagen, sie haben keine Lust mehr auf Schule, sondern wir wollen wirklich etwas verändern, etwas bewegen, sodass die Kinder neugierig bleiben, dass sie ganz anders lernen, dass wir alles eigenständig strukturieren und entwickeln können. Und von daher ziehen wir los und gründen unsere eigene Schule. Und das haben sie auch getan. Mit der Freien Demokratischen Schule Friedland sind sie an den Start gegangen und werden Gerd und mir darüber berichten, wie diese Reise war und wo sie jetzt schon angekommen sind. Also ein spannendes Gespräch, was euch da kommende Woche erwartet und passend dazu bekommt ihr natürlich auch eine Info zu den fünf verrücktesten Schulen der Welt. Bei Lernen für Lehrer präsentiere ich euch ja immer gerne tolle Themen, die ihr auch direkt mit in den Unterricht nehmen könnt. Und ich sage es euch, diese fünf Schulen, die haben auch mich wirklich verblüfft. Also verrückt, wo und wie auf dieser Welt überall gelernt wird. Das ist sehr interessant und interessant für euch sind auch die Updates im Bildungsbereich.
Die gibt es gleich bei Wissen2go. Aber jetzt starten wir erstmal mit dem Zitat der Woche.
Kerstin Baumgartner sagt, Lehrer haben Angst, die Kontrolle zu verlieren, aber wir dürfen den Kindern vertrauen. Und ich finde, dieses Zitat wirft ein spannendes Licht auf das Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schülern. Denn es berührt so grundlegende Fragen von Autorität, Vertrauen und pädagogischem Selbstverständnis. Also schauen wir uns doch erstmal die Aussage an, Lehrer haben Angst, die Kontrolle zu verlieren. Und ich bin ganz ehrlich, aus meiner Sicht, aus meiner Erfahrung als Lehrerin fühle ich diesen Satz. Ja, denn die Kontrolle im Klassenzimmer bedeutet ja für viele Lehrkräfte den Überblick zu behalten, Störungen zu verhindern und dafür zu sorgen, dass der Unterricht reibungslos abläuft. Diese Kontrolle wird oft als notwendig angesehen, um Lernziele zu erreichen. Doch dahinter verbirgt sich häufig eine tiefere Unsicherheit. Nämlich die Sorge, dass Schüler und Schülerinnen nicht mitarbeiten könnten, dass Chaos entsteht oder auch, dass man als Lehrkraft an Autorität verliert. Und gerade in einem System, das stark auf Leistung und Bewertungen ausgerichtet ist, wird Kontrolle als Sicherheitsmechanismus genutzt. Aber, so ehrlich muss man auch sein, wenn Kontrolle zum Selbstzweck wird, entsteht natürlich auch ein Klima des Misstrauens und der Überwachung. Kommen wir also zum zweiten Teil des Zitats, aber wir dürfen den Kindern vertrauen.
Das ist eine Aufforderung, die in der heutigen Pädagogik oft zu hören ist. Und doch ist sie schwer umzusetzen. Wir kennen das. Es sind große Klassen, es sind teilweise laute Klassen. Dann soll man auch noch abgeben und vertrauen. Also ich weiß, wie gesagt, aus eigener Erfahrung, wie schwer mir das oft gefallen ist. Denn Vertrauen bedeutet, Verantwortung abzugeben. Es heißt, den Schülern echte Mitbestimmung zuzutrauen, sie in Lernprozesse einzubeziehen und sie auch Fehler machen zu lassen. Letztlich können Kinder nur so Selbstständigkeit, Motivation und kritisches Denken entwickeln. Wichtig zu verstehen, finde ich, ist auch, dass Vertrauen nicht gleichbedeutend ist mit Naivität. Das heißt nicht, dass man als Lehrkraft die Kontrolle völlig aufgeben soll. Vielmehr geht es um eine Balance. Strukturen geben Halt und Vertrauen gibt Raum zur Entfaltung. Eine Lehrkraft, die bereit ist, Kontrolle abzugeben, sendet ein starkes Signal, nämlich Ich traue dir etwas zu. Ich glaube an dein Potenzial. Und dieses Vertrauen kann enorm motivierend wirken.
Natürlich setzt das auch voraus, dass Schule nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung ist, sondern ein Raum für Beziehung, Persönlichkeitsentwicklung und echte Beteiligung. Wenn wir Kindern wirklich zutrauen, Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen, dann lernen sie eben nicht mehr nur für Prüfungen, sondern fürs Leben. Das ist ja das, was wir letztlich erreichen wollen. lebenslanges Lernen, die Neugierde behalten. Zusammengefasst fordert das Zitat also ein Umdenken. Weg von einem autoritär geprägten Unterricht hin zu einem Miteinander, das auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen basiert. Lehrkräfte müssen nicht perfekte Kontrolleure sein. Sie dürfen auch Begleiter, Impulsgeber und vor allem Menschen sein, die Kindern zutrauen, ihren eigenen Weg zu gehen. Lernen für Lehrer. Tipps und Infos zur Digi der Woche, mit der ihr eure Schüler überraschen könnt.
Heute nehme ich euch mit auf eine kleine Weltreise. Und zwar zu den verrücktesten Schulen der Welt. Schulen, die so außergewöhnlich sind, dass man kaum glauben kann, dass dort tatsächlich Unterricht stattfindet. Aber genau das macht sie so spannend. Sie zeigen uns, dass Bildung auf ganz unterschiedliche Weise funktionieren kann. Also, los geht's mit der ersten Station. Erstens die Schule in der Luft, Zhangjiawan Grundschule in China. Stellt euch vor, ihr müsstet jeden Morgen über schmale, steile Felswege wandern. Mehrere Stunden lang, nur um zur Schule zu kommen. Genau das machen die Kinder in einem kleinen Bergdorf in der Provinz Hunan in China. Die Tsang-Jawan-Grundschule liegt buchstäblich in den Wolken, inmitten der atemberaubenden Wuling-Berge. Der Schulweg ist so gefährlich, dass Kinder sich an Seilen festhalten müssen, um nicht abzurutschen. Und trotzdem gehen sie. Jeden Tag. Warum? Weil Bildung für sie der einzige Weg ist, ihrer Armut zu entkommen. In der Schule selbst gibt es nur ein paar Klassenzimmer, aber dafür ganz viel Entschlossenheit. Von Schülern wie Lehrern.
Zweitens, die Green School, Bali, Indonesien. Unsere zweite Station ist das komplette Gegenteil. Eine Schule mitten im tropischen Paradies. Die Green School auf Bali ist so ziemlich das Nachhaltigste, was man sich vorstellen kann. Die Gebäude bestehen fast ausschließlich aus Bambus. Klassenzimmer haben keine Wände, sondern offene Bögen, durch die frische Luft weht. Es gibt keine Klimaanlagen. Stattdessen nutzen sie Solar- und Wasserkraft und es gibt sogar eine eigene biologische Form. Hier lernen die Kinder nicht nur Mathe und Englisch, sondern auch, wie man einen Komposthaufen baut, Reis pflanzt oder ein nachhaltiges Unternehmen gründet. Die Schule will grüne Führungskräfte der Zukunft hervorbringen. Und sie sieht dabei aus wie ein tropischer Traum.
Drittens, die Schule auf dem Wasser in Bangladesch. Von der Insel geht's aufs Wasser. in Bangladesch. Dort sorgen regelmäßig Überschwemmungen dafür, dass Schulen unzugänglich oder sogar zerstört werden. Aber anstatt aufzugeben, hat man eine kreative Lösung gefunden. Schulen auf Booten. Ja, richtig gehört. Die sogenannten Floating Schools sind Boote, die zu Klassenzimmern umgebaut wurden. Sie fahren von Dorf zu Dorf, holen die Kinder ab und unterrichten sie direkt auf dem Wasser. Diese Schulen sind mit Solarpanels, kleinen Bibliotheken und manchmal sogar mit Computern ausgestattet. Für viele Kinder ist das die einzige Chance auf Bildung und gleichzeitig ein beeindruckendes Beispiel für Erfindungsgeist und Anpassung an den Klimawandel.
Viertens, Witch School in Salem, USA. Jetzt wird's richtig kurios. In Salem, einer Stadt in den USA, die für ihre Hexenprozesse im 17. Jahrhundert berüchtigt ist, gibt es tatsächlich eine Schule für moderne Hexerei. Die Witch School unterrichtet Dinge wie Wicca, Tarotkartenlesen, Kräuterkunde, Meditation und spirituelle Rituale. Klingt wie Harry Potter? Fast. Die Schule ist zwar größtenteils online, aber es gibt auch Präsenzkurse. Und nein, das Ganze ist keine Parodie. Es gibt Prüfungen, Zertifikate und sogar internationale Schüler. Natürlich glauben nicht alle an Magie, aber die Schule sieht sich als Ort der persönlichen Entwicklung und als Gemeinschaft für Menschen, die alternative spirituelle Wege gehen wollen.
Fünftens. Arbo Elementary School, Nortizia, New Mexico, USA. Und zum Schluss eine Schule, die wirkt wie aus einem dystopischen Roman. Die Arbo Elementary School in New Mexico ist die erste unterirdische Schule der Welt und gleichzeitig ein voll funktionsfähiger Atomschutzbunker. Gebaut in den 1960er Jahren während des Kalten Krieges war sie so konzipiert, dass Schüler und Lehrer im Ernstfall wochenlang überleben könnten. Es gibt dicke Stahltüren, eine eigene Luftfilteranlage, Vorräte an Wasser und Lebensmitteln und keine Fenster. Der Unterricht fand ganz normal statt, aber jederzeit bereit, in den Überlebensmodus zu schalten. Heute ist die Schule geschlossen, aber sie bleibt ein beeindruckendes Relikt aus einer Zeit, in der die Angst vor einem Atomkrieg allgegenwärtig war. Diese fünf Schulen zeigen auf ganz unterschiedliche Weise, wie kreativ, mutig oder auch verrückt Bildung gestaltet werden kann. Sei es hoch oben im Gebirge, mitten im Regenwald, auf dem Wasser oder sogar unter der Erde.
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Bevor. Baden-Württemberg und Bayern führen G9 wieder als Standardmodell ein. In Baden-Württemberg beginnt der Übergang ab dem Schuljahr 2025-26, in Bayern startet ein G8-Auffangnetz für bestehende Schülerinnen und Schüler. Sachsen testet alternative Bewertungssysteme. Aktuell erproben elf Schulen alternative Formen der Leistungsbewertung, die teilweise auf Noten verzichten. Diese Schulen nutzen also alternative Bewertungssysteme, um eine differenzierte und objektivere Einschätzung der Schülerleistungen zu ermöglichen, ohne den Lehrkräften einen zusätzlichen Aufwand zu bereiten.
In Niedersachsen wird ab 1. August 2026 ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule eingeführt. Die Kommunen erhalten dafür 55 Millionen Kofinanzierung. In Berlin startet das Kita-Chancen-Jahr, das heißt, ab dem dritten Lebensjahr gibt es automatisch Gutscheine für vorschulische Sprachförderung, und zwar sieben statt fünf Stunden am Tag. Ein elftes Pflichtschuljahr soll außerdem die Übergänge in die Oberschulen erleichtern. Das Saarland verpflichtet alle Schulen zur digitalen Bildung mit Tablets ab der dritten Klasse. Das neue Gesetz hierfür tritt ab 1. August 2025 in Kraft, inklusive Einheitstarif für digitale Schulbuchausleihe ab 2026-27. In Baden-Württemberg erhalten Haupt- und Werkrealschulen mehr Stunden in Deutsch und Mathe, bezogen auf Klasse 5 und 6. Informatik und Medienbildung als neue Pflichtfächer. Und Achtung, ganztägige Demokratiebildung sowie individuelles Mentoring werden eingeführt. Ich finde, das ist ein besonderes, spannendes Thema, bei dem Gerd und ich sicher nochmal im Podcast nachhaken werden.
In Nordrhein-Westfalen gelten ab dem 1. August 2025 aktualisierte Bildungs- und Erziehungsgrundsätze für alle Schulformen. Warum ist das so interessant? Tja, das ist die erste grundlegende Überarbeitung seit über 30 Jahren. Und in Berlin wird die Oberstufe modernisiert. Bedeutet, das Probehalbjahr in Klasse 7 wird zum Probejahr, Es soll mehr Ganztagsangebote geben und ein Lotteriemechanismus bei Gymnasiumplätzen wird etabliert, um die soziale Durchmischung zu fördern. Als Fazit lässt sich also sagen, dass es insgesamt fünf bundesweite Trends gibt. Nämlich erstens längeres gemeinsames Lernen durch G9-Rückkehr. Zweitens Ganztagsangebote, die flächendeckend gestärkt werden mit Anspruch und Fördermitteln. 3. Die Digitalisierung wird rechtlich verankert, ausgehend hier vom Saarland 4. Mehr MINT- und Demokratiebildung 5. Die Reform der Bildungsprinzipien in NRW, maßgeblich und modernisierte Schulstrukturen in Berlin und Saarland Also, viele spannende Neuerungen, die angedacht sind. Schauen wir mal, wie sie dann auch wirklich umgesetzt werden.
Das war kurz und gut, die knackige Ausgabe von Hey Diggis, so geht Lern heute. Und wenn ihr denkt, was für eine tolle Idee und wie spannend klingt denn das bitte, was diese beiden Frauen auf die Beine gestellt haben, dann habe ich zwei Tipps für euch. Zum einen natürlich die Hauptfolge in der kommenden Woche mit Kerstin Baumgartner und Peggy Kaminski von der Freien Demokratischen Schule Friedland. Und zum anderen, vielleicht habt ihr Lust, euch weitergehend dahin zu informieren, zum Beispiel beim Deutschen Schulleitungskongress. Der findet ja Ende November in Düsseldorf statt. Gerd und ich werden übrigens auch vor Ort sein. Das Programm haben wir noch nicht ganz verraten, aber es wird sehr spannend werden. Da freuen wir uns schon. Und da sind natürlich ganz viele tolle, interessante, spannende Menschen zum Austausch da rund um das Thema Schulleitung, Schulführung und Schulgründung. Also wer Lust hat, klickt sich direkt in die Shownotes und bekommt da 10% Rabatt auf den Ticketpreis. Ich hoffe, ihr hattet Spaß, Freude, habt wieder etwas dazugelernt bei dieser kurzen Version. Und dann hören wir uns am Dienstag wieder, wenn es ausführlich heißt, Hey Diggies, so geht Lernen heute.